KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Pinakothek der Moderne: HELLA JO NGERIUS & LOUISE SCH OUWENBERG. BEYOND THE NEW
HELLA JONGERIUS & LOUISE SCHOUWENBERG. BEYOND THE NEW
PINAKOTHEK DER MODERNEDIE NEUE SAMMLUNG – THE DESIGN MUSEUM

10. NOVEMBER 2017 – 16. SEPTEMBER 2018 (PATERNOSTER-HALLE)

Die niederländische Produktdesignerin Hella Jongerius und die Designtheoretikerin Louise Schouwenberg sind eingeladen, für die Paternoster-Halle der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwickeln. Die Neue Sammlung – The Design Museum präsentiert bereits seit 2015 ihr zehnmonatiges Ausstellungsformat für zeitgenössische Designpositionen in der zweigeschossigen Paternoster-Halle in der Pinakothek der Moderne, deren architektonische Besonderheit vor allem durch die stete Bewegung der beiden Paternosteraufzüge definiert wird.Hella Jongerius hat insbesondere durch ihre charakteristische Arbeitsweise, eine Verbindung aus Handwerk und industriellen Prozessen, sowie durch ihre markanten Textil- und Farbentwürfe internationale Anerkennung erlangt. Louise Schouwenberg ist Kunst- und Designtheoretikerin und leitet den Fachbereich für Contextual Design an der renommierten Design Academy in Eindhoven. Jongerius und Schouwenberg verfassten 2015 das Manifest „Beyond the New. A Search for Ideals in Design“, welches sie auf dem Salone del Mobile in Mailand vorstellten. Darin kritisieren sie das vorrangige Interesse der Produktindustrie an der Idee des ewig Neuen um der Neuheit willen und plädieren stattdessen für eine wahrhaftige kulturelle Innovation.Die Idee des Neuen wird in der Ausstellung nun auf das Museum und seine Sammlung übertragen. Wie ist Design hier definiert? Wie unterscheiden sich die Anforderungen des Marktes von denkulturellen Ansprüchen des Museums? Kann kulturelle Innovation im Museum verortet sein?  „Ja und Nein”, sagen Jongerius und Schouwenberg. „Auf der einen Seite ist das Museum der ideale Ort, um die vielfältigen kulturellen Bedeutungen von Design verständlich zu machen. Der Besucher kann hier nachvollziehen, welche Exponate zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung das Ergebnis einer kulturellen Innovation waren und im Laufe der Zeit nichts an Bedeutung eingebüßt haben. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, ob in einem Museum die Diskrepanz zwischen Design als kulturellem Artefakt und Design als kommerziellem Gut überzeugend veranschaulicht wird. Kann das Museum tatsächlich Erkenntnisse über die Bedeutung von Design im Alltagsleben der Menschen vermitteln, wenn die Objekte im musealen Kontext ihres Funktionswertes beraubt sind?”Ein thematischer Schwerpunkt der Ausstellung ist der Aspekt des Sammelns und Ausstellens in der Neuen Sammlung – The Design Museum vor dem Hintergrund ihrer geschichtlichen Entwicklung. Anhand verschiedener Installationen wird beleuchtet, wie unterschiedliche Kontexte die Wertschätzung funktionaler Dinge beeinflussen können. Jongerius und Schouwenberg: “Designobjekte sind Vermittler zwischen Menschen und ihrer Umgebung. Sobald man sich ihrer enormen Wirkung bewusst wird, erkennt man auch welche Entwürfe hochwertiger undbedeutungsreicher sind als andere.”

Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München

Bilder:

- Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New
Die Neue Sammlung – The Design Museum
Foto / Photo: Roel van Tour

Hella Jongerius & Louise Schouwenberg. Beyond the New. Installationsansicht.
Foto: Labadie / Van Tour
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Landsberg Stadtmuseum: „Ich sehe mich nicht, wie du mich siehst!“
 „Ich sehe mich nicht, wie du mich siehst!“

Ausstellung vom 23. März bis 26. August 2018

Das Neue Stadtmuseum greift das Thema „Migration“ nicht nur deshalb auf, weil es spätestens seit der sogenannten Flüchtlingswelle in aller Munde und damit aktuell ist, sondern weil es auch ein Thema ist, das die Gesellschaft und das Zusammenleben der Menschen in Landsberg am Lech schon lange prägt. Die ganze Menschheitsgeschichte gleicht einer Geschichte der Migration – die Ausstellung fokussiert darum sehr breit auf Wanderungsbewegungen und Vielfalt als Grundlage von gesellschaftlicher Entwicklung.  Migration beinhaltet immer ein Aufeinandertreffen von Wertehorizonten, von Selbst- und Fremdbildern. Sie löst eine Auseinandersetzung mit dem Eigenen und Fremden aus. Häufig prägen Stereotype und Vorurteile die eigene Wahrnehmung und verzerren die Realität. So mancher könnte antworten: „Ich sehe mich nicht, wie du mich siehst!“
 
Diese Aufgabenstellung war Herausforderung für das P-Seminar Kunst des Dominikus-ZimmermannGymnasiums unter Leitung von Michael Gerngroß. Die Schüler haben das Museum in den vergangenen eineinhalb Jahren bei der Entwicklung der Ausstellung begleitet und sich zum Ziel gesetzt, Zuschreibungen zu hinterfragen und Wahrnehmungsmuster bewusst zu machen: Wie sehe ich mich selbst, wie sehe ich andere und wie sehen andere mich? Das P-Seminar nahm den Migrationshintergrund von Mitschülern und Freunden unter die Lupe. Es entstanden Kofferwelten und beeindruckende Porträtfotos. Eine Installation soll den Besucher damit überraschen, wie es sich anfühlt, unter Beobachtung zu stehen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten!
 
Die Ausstellung vereint historische, aktuelle, künstlerische und kulturwissenschaftliche Schlaglichter auf ein breites Themenfeld und möchte zum Nachdenken anregen. Ob mit oder ohne Migrationshintergrund: Verbindet uns nicht mehr als wir denken? Woran machen wir fest, dass jemand „fremd“ ist?

Neues Stadtmuseum,
Von-Helfenstein-Gasse 426,
86899 Landsberg am Lech


Abbildung: Reprovorlage Völkertafel Kammerhofmuseum
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Literaturhaus: INS BLAUE
INS BLAUE
NATUR IN DER LITERATUR

VOM 23.3. BIS ZUM 7.10.2018

EINE AUSSTELLUNG DES LITERATURHAUSES MÜNCHEN
GEFÖRDERT DURCH DIE KULTURSTIFTUNG DES BUNDES

Natur boomt – nicht nur in der Literatur. Je mehr wir uns von ihr entfremden, desto mehr sehnen wir uns nach ihr. Die neue Ausstellung im Literaturhaus München zeigt die »Natur in der Literatur« jenseits von Kitsch und Klischee als überraschend und verspielt, unheimlich und verführerisch. In zehn Kapiteln und einem »geheimen Garten« lässt sie die Besucher berühmte Texte in neuem Kontext entdecken und Neues von berühmten Autoren, darunter Goethe und Kafka, Bettina Brentano und Ingeborg Bachmann. Extra für die Ausstellung verfasste Texte und persönliche Naturstücke von mehr als 30 zeitgenössischen Autoren – darunter Eva Menasse und Teresa Präauer, Marcel Beyer und Martin Mosebach, Marion Poschmann und Anja Kampmann, Michael Fehr und Arno Geiger – laden ein, das eigene Verhältnis zur Natur unter verändertem Blickwinkel zu betrachten.

Leitung Literaturhaus: Tanja Graf
Kuratorin: Heike Gfrereis

Stiftung Buch-, Medien- und Literaturhaus München
Salvatorplatz 1
80333 München


Abbildungen:

Kräutergarten
Foto © Thomas Dashuber

Blüten
Foto © Thomas Dashuber

Naturstück von Teresa Präauer
Foto © Thomas Dashuber
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Lenbachhaus: Stephan Dillemuth
Stephan Dillemuth

Ausstellung im Lenbachhaus München vom 17. April bis 19. September 2018

Stephan Dillemuth schlüpft in unterschiedliche Rollen: er ist der Maler, der rauchend der Inspiration harrt; der Fernsehmoderator, der ein Video von Stephan Dillemuth ankündigt; er ist Friedrich Nietzsche, der gegen Richard Wagner ätzt und – in seiner beständigsten Rolle – der Professor für Kunstpädagogik an der Münchener Akademie der Bildenden Künste. Die Rollen, die Künstler und Künstlerinnen in der Gesellschaft und im Kunstsystem übernehmen, sind Dreh­ und Angelpunkt für den in München und Bad Wiessee lebenden Künstler. Unter Verwendung einer ergebnisoffenen und häufig kollektiven Forschungsmethode, die er als „bohemistisch“ bezeichnet, nimmt er verschiedene Formen künstlerischer Lebensweisen wie die Lebensreformbewegung, die Münchner Boheme des angehenden 20. Jahrhunderts oder die Kunstakademie unter die Lupe, auch um sie auf Sinn und Zweck für die heutige Situation abzuklopfen. Als Kunststudent an den Akademien in Düsseldorf und Nürnberg wählte Dillemuth als Vorlage seiner Malereien regional spezifischen Kitsch wie Postkartenmotive von Paaren und Kindern in Tracht. Auch die Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg – bestehend aus 36 Porträts „schöner“ Frauen, die Joseph Karl Stieler im Auftrag König Ludwigs I. schuf – machte der junge Dillemuth sich zu eigen: Vorstellungen darüber, was schön oder hässlich sei, wurden damals unterden Vorzeichen des Punk auf den Kopf gestellt. Mit diesen Kategorien jonglierend malte Dillemuth 1985 für seine Schönheitsgalerie sämtliche Nymphenburger Porträts neu und spürte so dem ästhetischen Umbruch nach. Zugleich unterlief er mit seiner Motivwahl den Pathos männlicher Identität, mit dem gerade die deutsche neoexpressionistische Malerei quasi gleichbedeutend geworden war.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:

Ausstellungsansicht
Stephan Dillemuth. Regulär 10 Euro. Ermäßigt 5, 2018, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Foto: Lenbachhaus © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Stephan Dillemuth
Der arge Weg zur Erkenntnis, 2012, Foto: Lenbachhaus © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Stephan Dillemuth
The Pleasures Of Now, 2016 © VG Bild-Kunst Bonn, 2018
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Stadtmuseum: Ehem. jüdischer Besitz
„Ehem. jüdischer Besitz”
Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus

Ausstellung vom 27. April bis 23. September 2018

Die Erforschung der Herkunft von Kunstwerken in den eigenen Sammlungsbestän den gehört zu den Schwerpunkten der wissenschaftlichen Arbeit des Münchner Stadtmuseums. Als erstes Museum in München widmet das Haus diesem Thema eine Ausstellung, in der auch die eigene Geschichte in der NS-Zeit beleuchtet wird. Die Präsentation versteht sich als Momentaufnahme in einem Prozess kontinuierlicher Aufarbeitung. Sie zeichnet die vielfältigen Biografien von ausgewählten Exponaten aus den unterschiedlichen Sammlungen des Museums nach. Dazu gehören Kunstgegenstände aus den Bereichen Grafik und Gemälde, Mode und Textilien sowie Kunsthandwerk und Möbel, aber auch Musikinstrumente und Marionetten. Anhand der Vielfalt der unterschiedlichen Sammlungsbeständewird das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Raubaktionen greifbar, die sämtliche Segmente des öffentlichen und privaten Lebens betrafen.Präsentiert werden Objekte mit gesicherten Provenienzen ebenso wie Werke, deren Herkunft bislang ungeklärt ist. Aufgrund der zumeist lückenhaften Quellenlage besteht hier weiterer Forschungsbedarf.
Vor diesem Hintergrund versucht die Ausstellung durch die öffentliche Präsentation der Gegenstände weiterführende Hinweise über die noch ungeklärten Herkunftsgeschichten der Kunstobjekte zu erhalten.Während der NS-Herrschaft erwarb das Münchner Stadtmuseum durch Schenkung, Ankauf oder Tausch über 20.000 Kunst- und Kulturgegenstände, von denen etwa 2.600 Objekte hinsichtlich ihrer Herkunftsgeschichte als kritisch einzustufen sind und bezüglich ihrer Provenienz näher untersucht werden müssen. Die Herkunft von rund 450 Artefakten konnte bereits eindeutig geklärt werden.
Die Ankaufspolitik des Hauses der Jahre 1933 bis 1945 und die Aktivitäten der damaligen Museumsleitung werden in der Ausstellung über ausgewählte Kunstwerke sowie historischeDokumente und Fotografien nachgezeichnet. Weit über die Geschichte des Museums hinaus werden so auch die Bedingungen des Kunsthandels während der Diktatur sichtbar: ein gut organisiertes Netzwerk städtischer Entscheidungsträger und ein funktionierendes Zusammenwirken der verschiedenen, an der systematischen Verfolgungspolitik des NS-Regimes beteiligten Institutionen in München und auf nationaler Ebene.
Bislang beherrschen Kunstwerke namhafter Künstler oder bedeutender jüdischer Kunsthändler und -sammler die Schlagzeilen zu diesem Thema, wie zuletzt der sogenannte „Schwabinger Kunstfund" um die Sammlung Hildebrand Gurlitts. Verstellt wird dadurch der Blick auf die alltäglichen und mitunter sehr privaten Kunst- und Kulturgegenstände, die gleichermaßen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Enteignungspolitik zum Opfer fielen. Denn von den Repressalien und dem staatlich organisierten Eigentumsentzug der Nationalsozialisten waren auchheute kaum noch bekannte jüdische Künstler, Gewerbetreibende und Privatpersonen betroffen, genauso wie politische Gegner des Regimes.
So wird die Geschichte der Entrechtung und Enteignung im „Dritten Reich" unvollständig bleiben, solange nicht auch dem Schicksal der „kleinen Leute" und dem aus kunsthistorischer Sicht weniger bedeutenden Kultur- und Kunstgegenständen die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Abbildungen:

Albrecht Adam, Gemälde „Im Atelier des Malers Albrecht Adam“ gekauft bei der Kunsthandlung Hugo Helbing
Öl auf Leinwand, 1854
© Münchner Stadtmuseum

Karteikarte zu einem Silberbecher von Johann Michael Ernst aus „beschlagnahmtem jüdischem Kunstgut“
Papier, 1940
© Münchner Stadtmuseum
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Alpines Museum: gerade wild. Alpenflüsse
gerade wild. Alpenflüsse
Sonderausstellung im Alpinen Museum

Vom 17. Mai 2018 bis zum 17. März 2019 zeigt der DAV die Sonderausstellung zu Alpenflüssen im Alpinen Museum auf der Praterinsel in München.


wild

Wilde Alpenflüsse wie den Tagliamento in Oberitalien, den Oberen Lech oder die Obere Isar gibt es nur noch wenige im Alpenraum. Sie sind ein bedeutender Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tiere sowie ein faszinierender Erholungsraum für den Menschen.
Alpenflüsse sind wie Lebensadern in der Landschaft.
 

gerade

Heute sind Alpenflüsse meist begradigt, abgeleitet und aufgestaut.
Die Auen werden genutzt.
Die Fische werden durch Querbauwerke am Wandern gehindert.

 

Die Sonderausstellung „gerade wild. Alpenflüsse“ spielt eindrucksvoll mit dem Kontrast zwischen einem Wildfluss und einem begradigten, genutzten Fluss. Das Ausstellungsdesign ist ungewöhnlich, macht neugierig und lädt zum Entdecken ein.

Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojektes „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“, an dem 18 Projektpartner beteiligt sind. Sie wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Alpines Museum
Praterinsel 5,
80538 München


Abbildungen:

Die Ausleitung der Isar bei Krün. Das Wasser fließt in den Walchensee.
Foto: N. Schnitzer
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Museum Fürstenfeldbruck: Wald-Bilder
Wald-Bilder
Museum Fürstenfeldbruck
Gemäldeausstellung im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung „Identitäten“ des Museumsverbundes „Landpartie – Museen rund um München“

Ausstellung 17. Mai bis 14. Oktober 2018

Landschaft in der Malerei ist oft identifizierbar, doch nie identisch mit der vorgestellten Natur- oder Kulturlandschaft. Landschaftsbilder transportieren Vorstellungen und Befindlichkeiten, die mit der dargestellten Natur wenig zu tun haben. Insbesondere Waldlandschaften wurden seit der Zeit der Romantik um 1800 mit deutscher Kultur und Wesensart gleichgesetzt, eine Grundstimmung, die bis heute zum Ausdruck kommt. Das Motiv des „marschierenden“ deutschen Waldes, der für militärische Wehrhaftigkeit stehen soll, findet man in Gemälden der Romantik, ebenso wie auf Propagandabildern des 20. Jahrhunderts. Der wilde Wald, der als Versteck dient, kann eine Metapher für Freiheit und Widerstand sein. Im Märchenwald steht der Wald für Ängste, Mut, aber auch für Verwandlung.

Für viele Maler des 19. Jahrhunderts war die Waldeinsamkeit ein Symbol für Abkehr vom weltlichen Getriebe; sie diente ihnen als Anregung und Motiv für ihre idyllischen Landschaften.

Werke von Carl Spitzweg, Fritz von Uhde, Gabriele Münter, Gerhard Richter und vielen anderen Malern, Grafikern und Fotografen führen die Vielfalt der Wald- und Baummetaphorik vor Augen und spüren der Herkunft der Vorstellungen nach.


Museum Fürstenfeldbruck im Kloster Fürstenfeld
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck
Abbildungen:

Paul Wilhelm Keller-Reutlingen (1854-1920)
Schafe im Wald
Öl auf Leinwand, 80x120 cm
Sparkasse Fürstenfeldbruck

Fritz Baer
Waldlandschaft
Öl/Karton, 47x58 cm
Museum Fürstenfeldbruck

Arthur Langhammer (1854-1901)
Die Reisigsammlerin, um 1890
Öl auf Leinwand, 74x100 cm
Sparkasse Dachau / Gemäldegalerie Dachau

Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Museum Brandhorst: JUTTA KOETHER - TOUR DE MADAME
JUTTA KOETHER - TOUR DE MADAME

Museum Brandhorst18. Mai bis 21. Oktober 2018

Vor allem ist Jutta Koether Malerin. Angesichts ihrer vielgestaltigen künstlerischen Praxis, die zu wesentlichen Teilen auch aus Performances, Musik und literarischen, theoretischen und kritischen Texten besteht, mag diese Beobachtung überraschen. Doch die Ausstellung „Tour de Madame“ führt vor Augen, dass die Malerei Koethers künstlerische Landschaft wie ein Turm überragt und damit die Perspektive bietet, von der aus sich alles andere ordnen lässt. Und dazu ist die Ausstellung eine Grand Tour, eine Tour d’Horizon, eine Tour de Plaisir durch diese Landschaft, während der klar wird, dass die Malerei auch deswegen die prominente Position in Koethers Schaffen einnimmt, weil die Künstlerin sie anders denkt als viele ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen – nämlich eben nicht als isolierbares oder bloß historisches Phänomen, sondern als offene Bildfläche. So ist Koethers Malerei oft das, was Malerei in den vergangenen 35 Jahren selten war – ein Medium, um zu erzählen. Koether sucht dabei nicht allein die Analyse und Reflexion, sondern auch den Exzess und das Vergnügen, und sie stellt aus diesen Perspektiven positiv und konstruktiv konnotierte Bezüge zu einer Tradition der Malerei her, die nicht allein auf Referenzen zur Moderne beschränkt sind. Mit rund 150 Werken aus den Jahren von 1983 bis 2018 bietet „Tour de Madame“ zum ersten Mal einen systematischen und chronologischen Überblick über Koethers Malerei. Viele der in der Ausstellung gezeigten Werke und vor allem das Frühwerk sind Entdeckungen. Diese Bilder waren noch nie oder seit ihrer ursprünglichen Präsentation nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Zusammenführung aller Werkgruppen erlaubt dabei, Koethers Werk in seiner historischen Bedeutung zu erfassen: als groß angelegten Versuch, eine Gegen-Geschichte zu dem männlich dominierten Kanon der Moderne und Postmoderne zu entwerfen. Ihre Zugriffe auf Nicolas Poussin, Vincent van Gogh, Georgia O’Keeffe und andere sind dabei nicht historisierende Rückversicherungen, sondern Aktualisierungen einer Geschichte der Kunst, als deren Teil Koether sich selbstbewusst begreift. Konsequenz und Konsistenz ihres künstlerischen Schaffens lassen keinen Zweifel daran, dass Koether vor allem eines ist – eine der wichtigsten deutschen Malerinnen der letzten Jahrzehnte.

DER „TOUR DE MADAME“-ZYKLUS
Für den zentralen Raum im Untergeschoss des Museums
 Brandhorst hat Koether die Bildserie „Tour de Madame“ (2018) kon zipiert, die in Anordnung und Format auf Cy Twomblys monumentalen „Lepanto“-Zyklus (2001) antwortet. Mit der halbrunden architektonischen Gestaltung im Obergeschoss, die an eine Kirchenapsis erinnert, bildet der monumentale Zyklus
 einen Höhepunkt der ständigen Sammlungspräsentation im
 Museum Brandhorst. Basierend auf dem gleichen Grundriss wurden im Untergeschoss des Museums zwölf Glasscheiben installiert, die zu verschiedenen Blickwinkeln und zu einer Erfahrung des Raums einladen. Dort, gleichsam im Unterleib des Museums, führt uns Koether ihre Schlacht mit der Malerei- und Kunst geschichte vor Augen. In dieser Rückschau leuchten Motive und Dynamiken von
 Koethers Werdegang seit den frühen 1980er-Jahren auf. Die
 rote Farbe verleiht den Gemälden einen formalen und atmosphärischen Zusammenhalt und wird von zwei kleineren, tiefschwarzen und krustigen Bildern unterbrochen und damit in eine rhythmische Form gebracht. In einem der Bilder sehen wir runde Formen, die von Beginn an zum festen Bestand von Koethers
 
Werken gehören und die nun in einem überbordenden All-over die ganze Bildfläche in Beschlag genommen haben. Der Ausgangs- und Endpunkt des Zyklus ist ein Leichenzug, den Koether aus Nicolas Poussins „Die Beerdigung von Phocion“ (1648) entnommen hat. Bei Koether wird die Leinwand zum Leinentuch, das den aufgebahrten Körper bedeckt und dabei ein virtuoses Spiel leuchtender Glanzpunkte entfaltet. Der Topos vom Tod der Malerei, der die so utopischen wie rationalen Entwürfe der Moderne wie ein Gespenst begleitet hat, wird hier zu einem Tod „in“ der Malerei, der sich am Ende in einer verpixelten Variante wiederholt, die die mythologische Szene nur noch schemenhaft erahnen lässt. Das Gemälde erinnert an ihre „Bruised Grids“ und die Raster, die als Verzierung von Taschen oder Bänken oder als Motive ihre Gemälde seit den frühen 2000er-Jahren durchziehen und die sich zu autonomen Bildern verselbstständigten. Auch Cézanne, neben Malern wie Balthus, Freud, Poussin und van Gogh ein wichtiger Referenzpunkt für Koethers Praxis, taucht unter anderem in der Pose ihres Selbstporträts wieder auf, das auf Cézannes Bildnis von Madame Cézanne anspielt und über das Koether ihre Format füllenden Initialen „JK“ projiziert. Das zentrale Bild des Zyklus – eine Paraphrase von Balthus’
 „La Chambre“ (ca. 1953) – zeigt eine nackte weibliche Figur, die lasziv auf einem Bett liegt. Ihr Kopf ist nach hinten verdreht, beim Gesicht sind oben und unten vertauscht. Mit ihrer rechten Hand stützt sie sich ab, um mit ihrer Fußspitze ein Rasterbild aus dem Bild zu kicken. In dieser prekären Stellung hält sie mit ihrer Linken eine transparente Kugel in die Höhe – ein Balanceakt zwischen unten und oben, Schwerkraft und schwebender Leichtigkeit, Widerstand und Hingabe.   Mit dem Titel „Tour de Madame“ verweist sie auf ein weiteres gedankliches Vorbild, Michel de Montaigne. Seine Bibliothek und sein Arbeitszimmer waren auf dem Familienanwesen in einem Turm, dem „Tour de Montaigne“ untergebracht. Diesem gegenüber stand einmal der seiner Frau vorbehaltene Turm, der „Tour de Madame“. Eine zentrale These Montaignes’ ist, dass Denken nur in und durch Bewegung entsteht. Eine Bewegung, die in der Installation und den zwölf Werken aus „Tour de Madame“, ihrer Ballung an aus ihrem ¼uvre bekannten Bezügen, Themen und Motiven, zum Ausdruck kommt.

Museum BrandhorstTheresienstraße 35a,
80333 München


Jutta Koether
Untitled, 1987
Öl auf Malkarton 18 x 24 cm
Courtesy of the artist and Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Bauernhofmuseum Jexhof: „Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“
„Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“

Bauernhofmuseum Jexhof
Ausstellung vom 19. Mai bis 04. Nove,ber 2018
Der Jexhof, das Bauernhofmuseum des Landkreises Fürstenfeldbruck bei Schöngeising, zeigt vom 19. Mai bis 4. November 2018 die Ausstellung „Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“.

Rote Armee Fraktion, Ölpreisschock, Ostpolitik – viele Krisen und Verwerfungen haben die Gesellschaft in der Bundesrepublik in den 70er-Jahren bewegt. Es ist eine Umbruchphase, die schon in den 60ern ihren Anfang genommen hatte. Wie wurde dieser Abschnitt individuell erlebt, worin manifestierte sich im Leben des Einzelnen der vielbeschworene „wilde“ Zeitgeist? Der konkrete Blick auf Lebensgeschichten in der Region Fürstenfeldbruck soll die Vielfalt der sozialen Identitäten in den 70ern widerspiegeln und persönliche Erinnerungen als Teil des kollektiven Gedächtnisses freilegen. Die biografischen Zeitreisen werden in der Ausstellung durch ausgewählte persönliche Objekte aus Politik, Literatur, Kunst, Musik, Mode und Design greifbar.

Die Sonderausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten des Museums, Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr (montags Ruhetag, außer an Feiertagen) und Sonn- und Feiertag von 11 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Während dieser Öffnungszeiten sorgen die Wirtsleute in der historisch eingerichteten Stube oder davor im Garten mit Kaffee und Kuchen, Getränken und kleinen warmen Speisen bzw. Brotzeiten für das leibliche Wohl der Besucher.

Bauernhofmuseum Jexhof
82296 Schöngeising 


Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Franz Marc Museum Kochel: Bilder vom Lesen - Vom Lesen der Bilder
Bilder vom Lesen - Vom Lesen der Bilder

Ausstellung vom 17. Juni bis 23. September 2018

Lesende sind Ort und Zeit enthoben und in eine Phantasiewelt vertieft, die auch der Blick des Malers
nicht zu erreichen vermag. Diese Privatheit und Intimität bestimmen die Bilder von Lesenden, die
seit dem 18. Jahrhundert in der europäischen Malerei zum wichtigen Genre werden. Sie sind Thema
der Ausstellung »Lektüre«, die den Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert legt. Die Exponate von Auguste Renoir, Lovis Corinth, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Alberto Giacometti und Pablo Picasso bis zu Paul Klee und Cy Twombly nehmen die besondere – und für den Maler als Motiv besonders reizvolle – Selbstvergessenheit und Entrücktheit der Lesenden in den Blick. Auf einigen Bildern scheint sich jedoch auch das langsame Verschwinden dieser »Kulturtechnik« schon anzudeuten.



Künstler

Ernst Barlach, Max Beckmann, Walter Benjamin, Henri Cartier-Bresson, Daniel Chodowiecki, Lovis Corinth, Tacita Dean, Joseph Ducreux, Adolf Erbslöh, Alberto Giacometti, Armand  Giullaumin, Julio Gonzales, Erich Heckel, Candida Höfer, Karl Hofer, Alexander Kanoldt, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Paul Kleinschmidt, Pierre Klossowski, Henri Lebasque, Max Liebermann, Jean-Etienne Liotard, August Macke, Franz Marc, A. Marquet, Henri Matisse, Adolf Menzel, Gabriele Münter, Emil Nolde, Emil Orlik, Beate Passow, Pablo Picasso, Marcel Proust, Auguste Renoir, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Schönfeld, Rosemarie Trockel, Cy Twombly, Jaques Villeglé, Edouard Vuillard

Die Ausstellung wird durch Führungen mit Lesung und Vermittlungsprojekte für Kinder begleitet.


Franz Marc Museum         
Franz Marc Park 8-10                                                                                                                  
82431 Kochel a. See


Abbildungen:

August Macke - Elisabeth und Walterchen, 1912
Öl auf Leinwand, 89 x 71,5 cm
Kunstmuseum Bonn
Foto: Kunstmuseum Bonn, Reni Hansen

Erich Heckel - Lesendes Mädchen, 1913
Kunstmuseum Bonn
Foto: Kunstmuseum Bonn, Reni Hansen
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.