Sie finden in unserem regionalen Terminkalender (Konzert, Kabarett, Theater, Kinder, Museen, Zugabe) bis Ende Dezember über 800 Veranstaltungen !!!
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Zugabe München: Deutschland im Herbst
Literatur & Film
Alexander Kluge
Pluriversum Montagskino
›Deutschland im Herbst‹ (1977/78)

»An einem bestimmten Punkt der Grausamkeit angekommen, ist es schon gleich, wer sie begangen hat: sie soll nur aufhören.«

Das Staatsbegräbnis für Hanns Martin Schleyer, die Beerdigung der toten Terroristen von Stammheim, die angespannte Stimmung in der Bevölkerung, Polizeiuniformen, Rainer Werner Fassbinders Mutter Lieselotte – elf Regisseure des »Neuen Deutschen Films«, darunter Fassbinder, Volker Schlöndorff und Alexander Kluge, setzten sich in ihrem Episodenfilm (Erstaufführung 1978) mit der bundesdeutschen Gesellschaft zur Zeit des RAF-Terrorismus unmittelbar nach dem »Deutschen Herbst« 1977 auseinander.
Literaturhaus MünchenSalvatorplatz 1,
80333 München
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Zugabe Landsberg Filmforum: BORDER
BORDER
Ein Fantasy-Liebesdrama zwischen Außenseitern, das man nicht so schnell vergessen wird.

Als Zollbeamtin ist Tina eine Idealbesetzung. Noch jeden Schmuggler hat sie überführt, mit ihrem außerordentlichen Geruchssinn kann sie Angstschweiß erriechen. Schön im herkömmlichen Sinne ist sie nicht. Die schweigsame Frau lebt mit ihrem Hunde-vergötternden Mitbewohner in einer Hütte im Wald. Doch dann kommt Vore an Tinas Schalter, beide verspüren sofort eine starke Anziehungskraft zueinander, sicher auch weil dieser Mann auf eine ähnliche Art „schön“ ist wie Tina. Schließlich zieht Vore bei Tina ein – und hat diverse Überraschungen für seine neue Lebensgefährtin parat. Es lässt sich erahnen, dass diese Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern sehr bald  Fantasy-artige Züge annehmen dürfte. Aber mehr soll hier nicht verraten werden. Regisseur Ali Abassi bringt Love-Story und Fantasy in noch nicht gesehener Weise zusammen, hat inhaltlich wie dramaturgisch immer einen überraschenden Dreh parat. Und wer in die Gesichter von Tina und Vore schaut, der versteht, warum „Border“ in der Sparte „Bestes Make-Up“ den Oscar bekam. Ein zutiefst humanes Meisterwerk, das auch in erotischer Hinsicht überrascht.
R: Ali Abbasi – B: John Ajvide Lindquist, Ali Abbasi – K: Nadim Carlsen – M: Christoffer Berg, Martin Dirkov - D: Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson, Viktor Akerblom, Matti Boustedt – Dänemark, Schweden 2018 – L:108 Min.

FILMFORUM im Stadttheater Landsberg
Schlossergasse 381
86899 Landsberg am Lech
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Museen Münchner Stadtmuseum: Jugendstil skurril. Carl Strathmann
Jugendstil skurril. Carl Strathmann
Ausstellung des Münchner Stadtmuseums15. März – 22. September 2019
Die Kunst Carl Strathmanns (1866-1939) entzieht sich jeder Kategorisierung, sie ist höchst originell, bisweilen bizarr und skurril. Mit einer ornamentverliebten Detailversessenheit schuf sich der Künstler eigene Welten von karikaturhaften Märchen, fantastischen Blumenstillleben und Landschaften, symbolistischen Historienbildern und kunsthandwerklichen Entwürfen. Aufgrund seiner aus dem Rahmen fallenden Bildwelten wie auch wegen seiner geselligen, dandyhaften Persönlichkeit war Strathmann den Zeitgenossen weit über München hinaus ein Begriff. Speziell Lovis Corinth und Wassily Kandinsky schätzten seine Kunst sehr. Obwohl Strathmann in der Fachliteratur über den deutschen Symbolismus und Jugendstil zwar regelmäßig hervorgehoben wird, ist er der Allgemeinheit heute kaum mehr bekannt. Dies soll die große Ausstellung mit ca. 150 Objekten, die sich zum größten Teil in der Sammlung des Münchner Stadtmuseums befinden, ändern. Hier nämlich befindet sich sein künstlerischer Nachlaß, der alle Aspekte seines ¼uvres abdeckt. Dieses Konvolut wurde in seiner Gesamtheit bisher von der Forschung übersehen und damit auch nicht publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter anderem finden sich hier auch zahlreiche seiner (Haupt-)Werke, die allgemein als verschollen oder zerstört gelten. Aus Anlass der Ausstellung werden einige dieser Werke restauriert und erstmals seit den Lebzeiten des Künstlers wieder einem Publikum präsentiert.Diese Ausstellung bietet die Gelegenheit, mit Carl Strathmann eine besonders schillernde Künstlerpersönlichkeit Münchens um 1900 zu entdecken und seine außergewöhnliche Kunst neu kennenzulernen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand Verlag, der an der Museumskasse und im Online Shop erhältlich sein wird.
Münchner StadtmuseumSt.-Jakobs-Platz 180331 München
Abbildungen:

Carl Strathmann, Frauenkopf im Profil, 1898,
Aquarell und Feder auf Karton
© Münchner Stadtmuseum
Carl Strathmann, Satan, 1896, Aquarell
© Münchner Stadtmuseum

Carl Strathmann, Medusa, um 1897,
Aquarell auf Pappe © Münchner Stadtmuseum
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Museen Kloster Beuerberg: HEIMAT - Gesucht. Geliebt. Verloren
HEIMAT
Gesucht. Geliebt. Verloren
Eine Ausstellung des Diözesanmuseums Freising in Kooperation
mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V.
im Kloster Beuerberg, 1. Mai bis 3. November 2019

Seit einigen Jahren zeigt das Diözesanmuseum Freising im Kloster Beuerberg Ausstellungen zu Aspekten klösterlichen Lebens und nimmt dabei auch höchst aktuelle Themen der Welt jenseits der Klostermauern in den Blick. So ist das ehemalige Klausurkloster zu einem besonders lebendigen Ort der Inspiration und des Austauschs geworden. Am 1. Mai öffnet nun die nächste Ausstellung unter dem Titel „HEIMAT. Gesucht. Geliebt. Verloren“. Dabei wird der Begriff „Heimat“ in all seinen kulturellen, religiösen und politischen Facetten untersucht – der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. bildet in diesen Fragen den idealen Kooperationspartner.
So stellt die Schau letztlich die große Frage: Was ist sie eigentlich, die Heimat? In einem groß angelegten Rundgang kann man sich anhand zahlreicher Exponate und interaktiver Stationen durch die spannende Geschichte des Heimatbegriffs bewegen und hat dabei stets die Gelegenheit, seine eigene, ganz persönliche Perspektive auf dieses emotionale Thema zu überprüfen.

Ein vielfältiges Kultur- und Kreativprogramm begleitet die Ausstellung: Spannende Gesprächsreihen werden vom Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler und dem Kulturjournalisten Wilhelm Warning geleitet. Das Klosteratelier bietet für Klein und Groß Führungen und Workshops an und abendliche Konzerte bringen die Klostermauern zum Klingen.
Die Klosterküche bietet außerdem im historischen Refektorium und im blühenden Klostergarten regionale Köstlichkeiten und lädt zum Verweilen und Genießen ein.

Kloster Beuerberg
Königsdorfer Straße 7
82547 Eurasburg-Beuerberg
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Museen Buchheim Museum: WELCOME HOLMEAD!
WELCOME HOLMEAD!
Ausstellung Buchheim Museum
Vom 19. Mai 2019 bis 26. Januar 2020

Der amerikanisch-europäische Künstler Holmead (1889 –1975) gilt als kunsthistorische Entdeckung der letzten Jahre. Motive seiner anfangs noch impressionistisch, später expressionistisch geprägten Malerei sind Porträts, Landschaften, Stadtansichten und literarische Themen. Holmeads Spätwerk gleicht einem Paukenschlag! Nach einer mehr als 50 Jahre langen künstlerischen Arbeit, die zwei Weltkriege und einen Schlaganfall überdauert, entwickelt er die neue Malweise des »Shorthand Painting«. Mit einigen Spachtelhieben bringt der greise Maler in wenigen Minuten seine Bilder zielsicher auf den Malgrund. Bei seinen grandiosen Porträts gehen abstrakter und figurativer Expressionismus eine einzigartige Synthese ein. Der Künstler selbst nennt seinen Stil »kruden Expressionismus«.

Nach Zustiftung der Kulturstiftung der Uni Bremen / Holmead Foundation 2016 hat das Buchheim Museum nun zwei weitere Zuwächse in Sachen Holmead erhalten: die Zustiftung der Freien Hansestadt Bremen aus der Schenkung von Frau Elisabeth Marie Wilhelmine Philipps sowie eine Schenkung des privaten Sammlers Alfred Moeke. Mit über 70 Gemälden und zahlreichen Papierarbeiten dieses wunderbaren Sonderlings ist das Buchheim Museum nun das größte Holmead-Museum der Welt. Die Bestände sollen in wechselnden Zusammenstellungen dem Publikum vorgeführt werden.


Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,82347 Bernried
Abbildung:

Clifford Holmead Phillips, Frauenkopf,1973
© Nachlass Holmead
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Museen München Theatermuseum: ÖDÖN VON HORVÁTH und das Theater
„Ich denke ja garnichts, ich sage es ja nur.“
ÖDÖN VON HORVÁTH und das Theater

Eine Ausstellung im Deutschen Theatermuseum
ab 24.5.2019 bis 17.11.2019

Ödön von Horváth hat sich als „Chronist seiner Zeit“ gesehen und an einer steten „Demaskierung des Bewusstseins“ mittels Literatur gearbeitet.

Mit seiner Durchdringung der kleinbürgerlichen Sprache, pointiert gefasst im Begriff des „Bildungsjargons“, seiner konzisen Sprachkritik und seinen „irren Sätzen“ (Peter Handke) wirkte er stilprägend für die deutschsprachige Literatur nach 1945. AutorInnen wie Peter Handke, Peter Turrini, Wolfgang Bauer, Franz Xaver Kroetz, Werner Schwab, Elfriede Jelinek, Felix Mitterer, Dea Loher und René Pollesch stehen deutlich in der dramatischen Nachfolge Horváths.

Ödön von Horváth gehört heute zu den meistgespielten Dramatikern auf deutschsprachigen Bühnen. Stücke wie Italienische Nacht, Geschichten aus dem Wiener Wald (beide 1931) und Kasimir und Karoline (1932) wurden bereits zu Lebzeiten des Autors als Erneuerung des Volksstücks gefeiert.

Dabei hat er immer wieder auch versucht, die gesellschaftlichen Strukturen „vom Standpunkt der Frau aus“ zu betrachten und dabei seine berühmten Fräulein-Figuren wie Marianne, Karoline und Elisabeth geschaffen. Mit Stücken wie Sladek, der schwarze Reichswehrmann (1929) und Italienische Nacht (1931) positionierte er sich deutlich gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus und der Bedrohung der noch jungen Weimarer Republik. Nachdem er 1931 für Geschichten aus dem Wiener Wald den renommierten Kleist-Preis erhalten hatte, wurde er selbst Ziel nationalsozialistischer Agitation. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland bedeutete für seine noch junge, vielversprechende Karriere als Dramatiker einen jähen Abbruch. Seine Stücke wurden im reichsdeutschen Gebiet nicht mehr gespielt, bereits geplante Uraufführungen abgesagt, sodass er sich dazu gezwungen sah, sich im reichsdeutschen Filmbetrieb als Drehbuchschreiber zu verdingen. Die dabei gemachten Erfahrungen führten zu seiner radikalen Abkehr vom Deutschen Reich unter den Nationalsozialisten.


Mit Stücken wie Mit dem Kopf durch die Wand (1935), Figaro läßt sich scheiden und Don Juan kommt aus dem Krieg (beide 1936) positionierte er sich als Schriftsteller neu, seine Romane Jugend ohne Gott (1937) und Ein Kind unserer Zeit (1938) etablierten ihn als prononciert antifaschistischen Autor. Insbesondere Jugend ohne Gott zählt bis heute zum Kanon deutschsprachiger Literatur und ist ein Klassiker der Schullektüre.

Die Ausstellung verläuft entlang von drei zentralen Stücken, denen jeweils ein Bereich und damit zusammengehend ein übergreifendes Thema gewidmet ist: Ökonomie, Erotik und Politik.
Darüber hinaus werden Einblicke in die Entstehung und Rezeption der Stücke gegeben.

Die Ausstellung wurde von Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar kuratiert und von Peter Karlhuber gestaltet.

NICOLE STREITLER-KASTBERGER ist Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin und Autorin; seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke Ödön von Horváths.
MARTIN VEJVAR ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke Ödön von Horváths; Herausgeber mehrerer Teilbände.

PETER KARLHUBER ist Bühnenbildner und Ausstellungsgestalter. Für das Deutsche Theatermuseum gestaltete er bereits die Ausstellung „Frank Wedekind. Theater – Eros – Provokation“ 2014/15. Im Literaturhaus München machte 2015 „Wir brauchen einen ganz anderen Mut! Stefan Zweig – Abschied von Europa“ Station.

Deutsches Theatermuseum München
Galeriestr. 4a (Hofgartenarkaden)
80539 München
Abbildung:

Kasimir und Karoline, UA 1932
Bühnenbildentwurf von Caspar Neher
© KHM Museumsverband Wien

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Museen München Literaturhaus: ALEXANDER KLUGE: PLURIVERSUM
ALEXANDER KLUGE: PLURIVERSUM*
*DIE POETISCHE KRAFT DER THEORIE

Eine Ausstellung im Literaturhaus München
29.5.2019 bis 29.9.2019

Idee und für München adaptiertes Konzept: Alexander Kluge,
nach gleichnamigen Ausstellungen in Essen (Museum Folkwang) und Wien (Belvedere 21)

Neue Ausstellung in München: Alexander Kluge, der poetische Chronist, Autor, Filmemacher und erste Multimedia-Künstler der Gegenwart, Träger des Kulturellen Ehrenpreises und des Jean-Paul-Preises für sein literarisches Lebenswerk, ist einer der bedeutendsten hier ansässigen Künstler. Nun richtet er im Literaturhaus München seine Denkwerkstatt ein: »PLURIVERSUM. DIE POETISCHE KRAFT DER THEORIE« gewährt erstmals Einblick in Kluges künstlerisches und philosophisches Schaffen sowie in sein umfangreiches Bilder-Archiv.

Nach Stationen in Essen (Folkwang Museum) und Wien (Belvedere 21) variiert und ergänzt der in Halberstadt geborene Alexander Kluge (*1932) die Schau mit Bezug auf 30 Jahre Wiedervereinigung. Nach dem Motto »Ohne von anderen Gestirnen beleuchtet zu werden, leuchtet mein Mond nicht« sind für Kluge der Austausch und die Zusammenarbeit mit Künstlerkollegïnnen essenziell: So sind im Literaturhaus Werke von Kerstin Brätsch, Thomas Demand, Anselm Kiefer und Thomas Thiede zu sehen, von Stefan Moses und Paul Klee.

Kluges Arbeiten suchen die Verbindung zum Publikum; sie sprechen Verstand und Gefühl gleichermaßen an und setzen auf den Reiz der Assoziation. Biografische Besonderheiten treffen dabei auf universelle Themen wie Arbeit, Evolution, Liebe, Krieg und andere Katastrophen. Neben seinen sogenannten Minutenfilmen werden eigens für die Ausstellung entstandene filmische Arbeiten präsentiert.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Themenführungen, Abendveranstaltungen u.a. mit Helge Schneider und eine Auswahl seiner berühmtesten Langfilme begleiten die Ausstellung.

"Wir brauchen erneut jene Wunderkammern, die das enthalten, was wir Poeten als Ahnungsvermögen bezeichnen. Also Kunst, Wissenschaft und nach vorwärts gerichtete Erzählungen."


Stiftung Literaturhaus MünchenSalvatorplatz 1
80333 München
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Museen Kochel: Anthony Cragg - Skulpturen und Zeichnungen
Anthony Cragg
Skulpturen und Zeichnungen
Franz Marc Museum, Kochel am See
Ausstellung vom 02. Juni bis 06. Oktober 2019

Anlässlich der Aufstellung der Skulptur "Gabelung" im Juni 2019 von Anthony Cragg im Park des Franz Marc Museums werden Zeichnungen und Skulpturen des international bekannten Bildhauers gezeigt.
Die Skulptur Gabelung wurzelt formal in der Gruppe der etwa seit dem Jahr 2000 entstehenden Rational Beings, die den besonderen Naturbezug der Plastik Craggs anschaulich werden lassen. Diese Skulpturen gehen von geometrischen Grundformen wie Kreisen und Ellipsen aus, die durch eine versetzte „Stapelung“ scheinbar in Bewegung geraten.
„Es ist die zugrundeliegende Struktur, die der Haut die Spannung einer Membran verleiht, auf die von innen her der Druck der sich entlang der Achse abbildenden Kreise einwirkt und die ihrerseits die Grundstruktur zahlreicher Organismen, Organe, Pflanzen und Tiere wiedergibt, wobei sich gelegentlich sogar flüchtige, körperlich-erotische Eindrücke ergeben.“
Diese besondere, von Tony Cragg beschriebene Reflektion natürlicher Wachstums- und Entwicklungsvorgänge durch seine Skulpturen wird im Park des Franz Marc Museums, inmitten der Natur, für die Besucher auf ihrem Weg ins Museum erfahrbar. In der Ausstellung lässt sich dieser Eindruck vertiefen.
Franz Marc Museum,
Franz Marc Park 8-10,
Kochel am See
Abbildung:

Tony Cragg, Gabelung, 2018
Franz Marc Museum,Kochel a. See
© VG Bild-Kunst,Bonn 2019
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Museen Kochel: 100 Werke - Neuer Blick
100 Werke
Neuer Blick
Franz Marc Museum, Kochel am See
Ausstellung vom 02. Juni bis 06. Oktober 2019

Die Ausstellung "100 Werke. Neuer Blick" bietet einen breiten und neu akzentuierten Blick auf die Sammlung des Franz Marc Museums. Dabei hat ein vorbereitendes Seminar, in dem sich Kunstgeschichtsstudenten der LMU München mit dem Thema „Sammlungskatalog“ befassten, Impulse zur Auswahl und Gliederung der Präsentation gegeben: Gezeigt werden neben den wichtigsten Gemälden und Arbeiten auf Papier aus den drei Sammlungsbereichen des Museums, „Blauer Reiter“, „Brücke-Expressionismus“ und „Nachkriegsabstraktion“, auch selten gezeigte Malerbücher und Mappenwerke.
Darüber hinaus sind durch Volkskunst inspirierte Arbeiten, eine Präsentation zum Almanach „Blauer Reiter“ sowie zu den illustrierten Postkarten und wichtigen Archivalien des Museums zu sehen.
Anlass für die Ausstellung ist die Herausgabe des neuen Sammlungskatalogs, der auch die zahlreichen und wichtigen Neuerwerbungen des Franz Marc Museums seit seiner Eröffnung 2008 umfasst.

Franz Marc Museum,
Franz Marc Park 8-10,
Kochel am See
Abbildung:

Franz Marc, Zwei Pferde blaugrün, 1911 (aus Skizzenbuch XXII, p.18)
Franz Marc Museum, Kochel am See
Franz Marc Stiftung, Schenkung W. Winterstein
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Museen Fürstenfeldbruck: „Wetter und Mensch“
„Wetter und Mensch“

Das Museum Fürstenfeldbruck zeigt ab Donnerstag, 6. Juni 2019 die Ausstellung „Wetter und Mensch“ mit Werken von bedeutenden historischen Malern sowie kulturhistorischen Exponaten. Wetter ist eine zentrale menschliche Erfahrung und einer der beliebtesten Gesprächsinhalte, wenn Menschen sich unverbindlich unterhalten. Wetter umgibt und beeinflusst den Menschen tagtäglich mit seiner Schönheit, aber auch mit seiner Bedrohlichkeit. „Wetter und Mensch“ untersucht Wetter zum einen als kulturellen Faktor, als ein Phänomen, das das Leben des Menschen tangiert und das sich entsprechend in der Kunst spiegelt. Zum anderen wird anhand historischer meteorologischer Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert gezeigt, wie sich das Wetter als existenzieller Faktor auf das alltägliche Leben auswirkte. Zudem präsentiert die Ausstellung zu allen Aspekten aktuelle Erkenntnisse zum Klimawandel.

Das Wetter in der Kunst
Herausragende Künstler wie Heinrich Reinhold, Carl Rottmann, Eduard Schleich, Théodore Gudin und Carl Spitzweg beweisen mit ihren eindrucksvollen Gemälden die Faszination für Wetterphänomene. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Studium der Wolken. Kunsthistorisch bedeutsame Werke belegen, dass Künstler sich vor allem in der Romantik mit der emotionalen Seite des Wetters beschäftigten. Die künstlerische Darstellung des Wetters hat beinahe so viele Facetten wie das Wetter selbst. Jede Epoche hatte ihre Vorlieben und stellte bestimmte Wetterphänomene heraus. In der Ausstellung wird diese Tatsache durch herausragende Gemälde insbesondere aus der Zeit der Romantik, aber auch der sogenannten Münchner Schule des 19. Jahrhunderts vor Augen geführt. 

Das Wetter als existenzieller Faktor
Dass das Wetter seit jeher von existenzieller Bedeutung war – als Auslöser von Naturkatastrophen, von Dürren und Hungersnöten – zeigen meteorologische Aufzeichnungen des Klosters Fürstenfeld aus dem 16. und 18. Jahrhundert, aber auch ungewöhnliche kulturhistorische Objekte, mit denen die Menschen versuchten, sich und ihr Hab und Gut vor Wetterereignissen zu schützen. Die soziale und politische Problematik von klimatischen Veränderungen belegen Erhebungen zu bayerischen Auswanderern im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung zeigt, wie extreme Wettereignisse immer wieder mittel- oder unmittelbar Einfluss auf die Geschichte genommen oder sie zumindest beschleunigt haben. Sie ermöglicht dem Besucher, sich mit dem komplexen und aktuellen Thema „Wetter und Mensch“ auf anregende Weise auseinanderzusetzen.


Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6b
82256 Fürstenfeldbruck
Abbildung
Andreas Achenbach (1815-1910)
Seerettung, 1891, Öl auf Holz, 50x60 cm
Kunsthandel Michael Vogt, Fürstenfeldbruck
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Museen München Haus der Kunst: Miriam Cahn. Ich als Mensch
Miriam Cahn. Ich als MenschHaus der Kunst
Ausstellung 12. Juli - 27. Oktober 2019
Mit über 200 Werken aus allen Schaffensphasen würdigt das Haus der Kunst das mehr als fünf Jahrzehnte umspannende künstlerische Lebenswerk von Miriam Cahn. Ihr Oeuvre leistet einen Beitrag zur Diskussion um neue Körper- und Menschenbilder mittels der Malerei. Miriam Cahn (geb. 1949 in Basel) hat bereits in ihrem Frühwerk den weiblichen Körper als Träger sozialer Bedeutung ebenso wie seine Einbindung in ein Netzwerk von Machtstrukturen thematisiert. Die Reduzierung der Frau auf ihre Körperlichkeit wurde in den 1970er-Jahren in Kunstformen wie Performance oder Video aufgegriffen, wobei der Körper als künstlerisches Material und Instrument diente. Miriam Cahn überführte diese Ideen und Praktiken schon damals in eine radikal erweiterte Malerei.

In ihren Bildwelten forciert Miriam Cahn die Aufhebung von gesellschaftlichen Normierungen und tritt einer tradierten Inszenierung des Weiblichen sowie geschlechterspezifischen Rollenverhältnissen entgegen. Körperliche Erfahrungen, die sich der visuellen Darstellung gemeinhin entziehen, versucht sie dennoch ins Bild zu setzen. Schon seit den frühen, stark vom Feminismus geprägten Jahren bis hin zum Spätwerk steht der Körper im Mittelpunkt ihrer Malerei, wobei Cahn ihn ausschließlich in seiner Nacktheit wiedergibt und so in einer psychologisierten Sphäre der Ort- und Zeitlosigkeit situiert. In seinen Linien klar umrissen, zerfließt der Körper dennoch mit der Umgebung. Die Schnittstelle von Innen- und Außenwelt und die wesentlichen Bedingungen des Menschseins beschäftigen das Denken der Künstlerin nachhaltig: „wir wissen nicht wirklich, was Haut ist oder wo die Grenze zwischen dem Äußeren und dem Inneren verläuft“, so Miriam Cahn. Sie zeigt den Menschen – unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit – in seiner Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit. Insbesondere in ihren späteren Ölmalereien hat sie zu neuen Lösungen für die Verbildlichung der Destruktion von Identität jenseits binärer Geschlechterkonstruktionen gefunden.

Die Ausstellung vereint Schlüsselwerke aus allen Werkphasen, von den frühen Super-8-Filmen und den Skulpturen über die überlebensgroßen Kreidezeichnungen und Aquarelle bis hin zu den Ölbildern des Hauptwerks. Für die Anfänge der in Basel lebenden Künstlerin stehen die um die Jahreswende 1979/80 ausgeführten Kohlezeichnungen auf Betonwänden und Pfeilern in den Unterführungen und Tunneln der Basler Stadtautobahn „Nordtangente“. Cahn wurde damals des Vandalismus bezichtigt und mit Schadensersatzforderungen konfrontiert. In dem sich anschließenden Gerichtsverfahren trat sie für ihre Überzeugung ein, dass das Private, das Intime öffentlich gemacht werden müsse, was sich auch im Titel der Aktion, „mein frausein ist mein öffentlicher teil“, offenbart. Ebenso wie das fortan immer wieder auftauchende Haus waren auch die anderen von Cahn verwendeten und von ihr als „Zeichen“ apostrophierten Motive sichtbarer Ausdruck ihres Ringens um eine größere Teilhabe der Frau am öffentlichen Leben und ihres Kampfes gegen archaische Vorstellungen einer Geschlechterbeziehung.

Miriam Cahn studierte an der Kunstgewerbeschule in Basel (1968-1973), wo sie in der Grafikklasse die Techniken und Strategien öffentlicher Meinungsbildung kennenlernte. Gleichzeitig erlebte sie in ihrem Umfeld die Etablierung neuer künstlerischer Ausdrucksformen wie Performance und Videokunst. Neben Friederike Pezold, Ulrike Rosenbach, Jochen Gerz oder Pipilotti Rist war auch Miriam Cahn Teil jener heterogenen Avantgarde, die das Verhältnis von eigenem Körper und Gesellschaft neu bestimmen wollte. Ihre überlebensgroßen, auf dem Boden entstandenen Kreidezeichnungen auf Pergament wie „handelsschiff“, „doppelkanone“, „W H worldtrade“ oder „computer“ (alle 1982) dienen der Sichtbarmachung einer patriarchalen Eroberungsmentalität, aber auch andere Arbeiten wie „haus“ (1982), „menstruationshaus“ (1981) und „k-bett“ (1982) verweisen auf Machtstrukturen und konstruierte Repräsentationsmuster. Performative wie intuitive Abläufe gewannen zusehends Einfluss auf Cahns Bildgestaltung – eine bewusste Abkehr vom Ideal der handwerklichen Perfektion und vom Geniekult in der Malerei.

Die Rauminstallationen mit dem Titel „WACHRAUM“ von 1982, die verschiedene männlich wie weiblich konnotierte Zeichen vereinen, kreisen unter anderem um den Klinikaufenthalt und den schmerzlichen Verlust der Schwester, ein Thema, das zuvor bereits in der Werkserie „schweigende schwester“ (1980) Gestalt erlangt hatte. Diese Arbeiten entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit, Körpererleben und Psyche – insbesondere aus der Perspektive der Frau – ins Bild zu setzen. Anhand des Dialogs der Zeichen werden darüber hinaus komplexe Zusammenhänge von Handel und Wirtschaft, Information und Macht, Kontrolle und Unterdrückung, Krieg und Zerstörung ebenso wie von existenziellen Gegebenheiten wie Krankheit und Verletzlichkeit, Leben und Tod zur Anschauung gebracht.

Im Rahmen der Werkreihe „Das klassische Lieben“ von 1981 schuf Miriam Cahn virtuose Körperdarstellungen in vermeintlich akademischer Manier, die sie jedoch Pornofilmen entlehnte. Sie thematisiert zwischenmenschliche Anziehungskraft und Abstoßung, die Ambivalenz von Lust, Sexualität, Gewalt und Lieben. Auf diese Weise schafft sie Gegenbilder zu einem dem Humanismus entlehnten Kunstbegriff des „Schönen und Reinen“ und wirkt der Unterschätzung der kreativen und sexuellen Potenz der Frau entgegen.

1982 erhielt Miriam Cahn die Einladung zur Teilnahme an der documenta 7, wo sie „Wachraum II“ zeigen sollte. Der Leiter Rudi Fuchs lud jedoch entgegen den Absprachen einen weiteren Teilnehmer in den Cahn zugewiesenen Ausstellungsraum ein, was die Präsentation, so die Künstlerin, „ihrer weiblichen Zeichen beraubt hätte“ – sie zog daher noch kurz vor der Eröffnung ihre Teilnahme zurück. Kurz darauf markierten die von Jean-Christophe Ammann kuratierte Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel (1983) und die Einladung für den Schweizer Pavillon auf der 41. Biennale von Venedig (1984), erste Höhepunkte in ihrer Karriere.

Die Hell-dunkel-Kompositionen des Frühwerks fanden ihren Abschluss in Werkreihen, die auf der Verwendung von zerriebenem dunklem Kreidestaub basieren, darunter die Serie „LESEN IN STAUB“ (1986-1988). Diese Bilder lassen sich als Versuch lesen, im Einklang mit einer weiblichen Energie zu arbeiten, die durch den Rhythmus des Monatszyklus bestimmt ist. Mit Darstellungen von Kindern und Tieren hielten zugleich neue Motive Einzug in ihr Bildvokabular; mit ihnen führte Miriam Cahn Themen wie Fürsorge und Schutz als Aspekte weiblicher Existenz ein.

Mitte der 1990er-Jahre wandte sich Miriam Cahn der Ölmalerei zu. Es entstanden Gemälde, die durch den virtuosen Einsatz von leuchtenden, vibrierenden Farben betören und gleichzeitig durch die Radikalität der Inhalte in hohem Maße verstören: die nukleare Bedrohung, der Golfkrieg und die Jugoslawienkriege, der Anschlag auf das World Trade Center und in jüngster Zeit die Flüchtlingsproblematik. Als Gründe für die Auseinandersetzung mit Krieg, Flucht und Vertreibung hat Cahn unter anderem ihre jüdischen Wurzeln und die Biografie ihrer aus Nazideutschland in die Schweiz emigrierten Eltern angeführt.

Miriam Cahn richtet ihren Blick auf Momente, in denen Menschen allein auf sich gestellt sind, allein im Angesicht ihres Schicksals. Ihre Bilder erzählen davon, dass Menschen sich selbst ermächtigen, über das Leben anderer zu entscheiden; sie bezieht sich dabei auf Giorgio Agambens Begriff des „nackten“ – eines quälbaren und tötbaren, weil entrechteten – Lebens. Trotz prononciert dargestellter Geschlechtsmerkmale wirken die Figuren gleichsam geschlechtslos oder entpersonalisiert, wie Stellvertreter eines kollektiven Subjekts. Die Künstlerin arbeitet mit Qualfarben und verführerisch anmutenden, farbigen Bildräumen, um dem unermesslichen Schmerz anderer Ausdruck zu verleihen. Cahns Gemälde vermitteln Empathie mit dem Leben anderer als wesentlichem Aspekt menschlichen Seins.

„In Zeiten von erneut aufflammendem Nationalismus, Populismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Verachtung des Pluralismus hat Cahns künstlerisches Werk enorm an Brisanz gewonnen. Ihre zentrale Bedeutung für ein radikal erweitertes Verständnis der Rolle der Frau in der Kunstgeschichtsschreibung ist unbestreitbar geworden“, so die Kuratorin Jana Baumann.

Miriam Cahn stellt tradierte gesellschaftlich bedingte, kollektive Vorstellungen infrage und fordert damit die Normierungsgesellschaft heraus. Dabei reicht ihr künstlerisches thematisches Spektrum von der anfänglichen Entwicklung neuer Körperbilder bis hin zur Offenlegung der gegenwärtigen Verstrickung des Menschen im Netz von ökonomischen und ideologischen Zusammenhängen.

Kuratiert von Jana Baumann

In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern und dem Museum für moderne Kunst, Warschau.
Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Abbildung:
Miriam Cahn
o.T., 5.7.07, 2017
Pastell auf Papier, 85 x 64 cm
Courtesy of Miriam Cahn, Galerie Meyer Riegger and Galerie Jocelyn Wolff
Foto: Markus Mühlheim
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Museen München Haus der Kunst: Nachts. Zwischen Traum und Wirklichkeit Sammlung Goetz im Haus der Kunst, Teil 12
Nachts. Zwischen Traum und Wirklichkeit
Sammlung Goetz im Haus der Kunst, Teil 12

Die Nacht hat etwas Magisches. Eigentlich ist es die Zeit, in der die Menschen zur Ruhe kommen, sich in ihre Häuser zurückziehen, um zu schlafen. Aber es gibt auch die Ruhelosen, die Schlafwandler, Nachtschwärmer oder Kriminellen. Viele sind auf der Suche nach etwas oder nach sich selbst. Die Ausstellung unternimmt eine Reise durch die Nacht zwischen Traum und Wirklichkeit in 14 Stationen. Zu sehen sind Filme, Videos, Installationen und Fotografien aus der Sammlung Goetz, die unterschiedliche Facetten eines nächtlichen Streifzugs spiegeln.

Den Auftakt bildet die Installation „Kathmandu Dreams“ (2009) von Janet Cardiff/George Bures Miller. Auf einem Holzsockel steht ein schwarzes Telefon mit Wählscheibe, wie es in den USA zwischen 1937 und 1955 gebaut wurde. Nimmt der Besucher den Hörer auf, kann er Janet Cardiffs Träumen lauschen, die sie flüsternd erzählt. Sie spricht über rätselhafte Begegnungen mit Tieren, frühe Kindheitserinnerungen und erotische Erlebnisse, die sich zu einer surrealen Geschichte verdichten.

Der Rundgang durch die Kabinette, die mit dunkelgrauem Teppichboden ausgelegt und mit Filzvorhängen vom Gang aus geschlossen sind, spannt einen Bogen vom Mondaufgang bis Sonnenaufgang. In einen wolkenverhangenen Nachthimmel blickt der Betrachter zu Beginn von Christoph Brechs Videofilm „Dark Cloud“. Nach wenigen Momenten lichtet sich die Dunkelheit und gibt den Blick frei auf einen orangefarbenen Mond, der sich langsam auf und ab bewegt. Für diese Arbeit hat der Künstler seine Videokamera an der Reling eines Frachters befestigt und den Nachthimmel während der Überfahrt von Hamburg nach Toronto gefilmt. Zu der Bewegung des aufgehenden Mondes und der Wolken am Himmel gesellt sich das langsame Schaukeln des Schiffes.

In das Innere eines Frachters führt der Film „Journey Into Fear“ (2001) von Stan Douglas. Er bezieht sich darin inhaltlich auf den gleichnamigen Agentenfilm von 1943 des amerikanischen Regisseurs Norman Foster sowie auf sein Remake in den 1970er-Jahren. Der Betrachter steigt bei Stan Douglas‘ Version unmittelbar in eine geloopte nächtliche Dialogszene zwischen einem Frachtkontrolleur und einer Lotsin, die sich an Bord des Schiffes befinden, ein. Doch auch nach mehrmaligem Anschauen bleibt die Geschichte rätselhaft, denn es gibt unterschiedliche Dialogvarianten, die Douglas per Zufallsgenerator erstellt hat. So mischen sich Zweifel in vermeintliche Gewissheiten, bis am Ende mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet sind.

Ähnlich rätselhaft erscheint die Geschichte einer jungen Frau am Wendepunkt ihres Lebens in dem Videofilm „Single Wide“ (2002) von Teresa Hubbard/Alexander Birchler, die eines Nachts mit einem Pick-Up-Truck die Wand eines typischen amerikanischen Eigenheims durchbricht. Auch dieser Film ist ein Loop, bei dem sich je nach dem Moment des Einstiegs unterschiedliche Lesarten ergeben. Ebenso wie Stan Douglas verwenden Hubbard/Birchler in ihren Videos narrative Elemente wie in einem Kinofilm, dekonstruieren diese aber gleichzeitig. In „Single Wide“ dienen Raum und Zeit nicht mehr dazu den Handlungszusammenhang zu strukturieren, sondern spiegeln vielmehr die Verfassung der Protagonistin.

Die Zeit scheint eingefroren zu einem schicksalshaften Moment in dem Videofilm „The Servant“ (2007) von Sam Taylor-Johnson. Darin sieht man einen Mann im schwarzen Mantel mit hochgestelltem Kragen, wie er im Begriff ist, sich vor der Eingangstür eines Wohnhauses mit einem Sturmfeuerzeug eine Zigarette anzuzünden. Durch das hell erleuchtete Fenster fällt der Blick in das Innere des Hauses und zeigt eine Frau, die ausdruckslos hinaus in die Dunkelheit blickt. Der Betrachter weiß nichts über die beiden Protagonisten, nichts wie es zu dieser Situation gekommen ist, noch wie sie sich weiter entwickeln wird.

Als fragile Konstruktion erscheinen auch die zwischenmenschlichen Beziehungen in Hans Op de Beecks Film „The Thread“ (2015), in der er die Liebesgeschichte eines alternden Punkerpärchens mit nahezu lebensgroßen Handspielpuppen erzählt, die auf einer vom Mond beschienenen Parkbank spielt. Obwohl die Fiktion als solche erkennbar ist, fesselt die Geschichte den Betrachter. Auf ähnliche Weise legt auch Jochen Kuhn die Inszenierungsstrategien in seinem Film „Der lautlose Makubra“ (1980) offen. Mit Fotos, Schere und Pinsel dekonstruiert er die filmische Illusion und erklärt die Handlung. „Der lautlose Makubra“ ist eine Kriminalgeschichte im Stil eines Stummfilms aus den 1920er-Jahren, in dem der Rächer Makubra von einem Ehemann beauftragt wird, dessen untreue Gemahlin, die in einer Nachtbar arbeitet, zu ermorden.

Wie Filmstills wirken die Schwarz-Weiß-Fotografien von Ed van der Elsken, die er zu Beginn der 1950er-Jahre in Paris aufgenommen hatte. Sie sind Teil seines 1956 erschienen Fotobuchs „Liebe in Saint Germaint de Près“, in dem er eine fiktive Geschichte mittels dokumentarischer Fotos erzählt. Sie zeigen das Leben einer Gruppe meist obdachloser Jugendlicher, für die die nächtlichen Cafés und Straßen von Saint Germaint de Près zu einem Zuhause geworden waren. Die Fotografien offenbaren eine Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeiten und Anerkennung in einer rauen Welt.

Der Rundgang endet mit Paul Pfeiffers „Morning after the Deluge“ (Morgen nach der Sintflut) (2003), zu dem ihm das gleichnamige Gemälde von William Turner inspirierte. Er hat für diesen Film Sonnenauf- und -untergänge, die er am Strand von Provincetown Massachusetts aufgenommen hat, so zusammenmontiert, dass die Sonne immer als volle Scheibe zu sehen ist und diese dauerhaft im Zentrum platziert. Nach dem Rundgang durch die Niederungen menschlicher Existenz, ihren Begierden, Zweifeln, Fragen, Hoffnungen und Enttäuschungen hat dieses überwältigende Naturschauspiel etwas Tröstliches. So vermittelt „Morning after the Deluge“ die Gewissheit, dass auch die dunkelste Nacht mit einem Sonnenaufgang endet.

Mit
Christoph Brech, Dark Cloud, 2004
Olaf Breuning, Ugly Yelp, 2000
Janet Cardiff/George Bures Miller, Kathmandu Dreams (#6), 2009
Thomas Demand, Hof/Yard, 2001
Stan Douglas, Journey Into Fear, 2001
Ed van der Elsken, Paris, 1952 und/and 1954
Teresa Hubbard/Alexander Birchler, Single Wide, 2002
Jochen Kuhn, Der lautlose Makubra, 1980
Andro Wekua, Neighbour‘s Yard, 2005
Hans Op de Beeck, Border, 2001
Hans Op de Beeck, The Thread, 2015
Clement Page, Sleepwalker, 2005
Paul Pfeiffer, Morning after the Deluge, 2003
Sam Taylor-Johnson, The Servant, 2007

Kuratiert von Cornelia Gockel
Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1,
80538 München

Abbildungen:

Jochen Kuhn
Der lautlose Makubra (film still), 1980
Single-channel 35 mm film (color, sound)
© the artist
Courtesy Sammlung Goetz, Medienkunst, München
Paul Pfeiffer
Morning after the Deluge (film still), 2003
Single-channel-video (color, without sound)
© the artist
Courtesy Sammlung Goetz, München
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