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Theater Landsberg: Peer Gynt
Peer Gynt

    Von Henrik Ibsen
    Landestheater Schwaben


„Peer, du lügst!“, lässt Henrik Ibsen zu Beginn seines dramatischen Gedichts Peer Gynts Mutter Aase sagen – und ein Lügner ist ihr Sohn in der Tat: ein Prahlhans, ein Fabulierer, der sehnsüchtig alles Fantastische über die nüchterne, elende Wirklichkeit stellt. Seine Mutter liebt ihn abgöttisch und lauscht begeistert den Lügengeschichten, um sich aus der Enge ihres Lebens zu träumen. Doch Peer will mehr! Auf der großen Dorfhochzeit entführt er die Braut und flieht in die Berge. Aus dem Reich der Trolle entkommt er glücklich, bevor man ihn zum Krüppel macht. Seine geliebte Solveig lässt er allein zurück. Peer wird kapitalistischer Sklavenhändler auf den Weltmeeren, gibt sich in Marokko als Prophet aus und vergnügt sich mit arabischen Schönheiten. In Kairo krönt man ihn zum Kaiser der Irren. Und auf der Schiffsreise zurück in die Heimat wird Peer aus Egoismus zum Mörder. Als der alternde Mann dem Tod ins Auge sieht, muss er feststellen, dass er weite Wege gemacht, aber nie herausgefunden hat, wer er wirklich ist. Peers Jugendliebe Solveig jedenfalls hat ein Leben lang auf einen Peer Gynt gewartet.
Der Wahrheitsfanatiker Henrik Ibsen hat neben seinen großen realistischen Dramen mit „Peer Gynt“ (1867), der als Pendant zu Goethe als “norwegischer Faust“ gilt, eine szenische Weltreise hinterlassen, ein romantisches Märchen, eine symbolreiche Abenteuer-Geschichte, vor Allem aber und eine Abrechnung mit der Selbstverwirklichungssucht des zeitgenössischen Menschen.
Nach dem Wechsel an der Spitze des Landestheaters Schwaben hat sich einiges geändert. Wie die neue Intendantin, Kathrin Mädler, angekündigt hatte, soll zeitgenössisches und aktuelles Theater gemacht werden. Daher ist auch ihre Antrittsinszenierung des Ibsenklassikers „Peer Gynt“ aktualisiert, modern und mit drei Darstellern als Peer, die die verschiedenen Facetten der Figur perfekt abdecken und immer wieder zu dritt auftreten.
Kathrin Mädler war Schauspieldramaturgin am Staatstheater Nürnberg und zuletzt leitende Schauspieldramaturgin am Theater Münster. 2009 inszenierte sie Peter Weiss‘ „Die Ermittlung“ auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und machte damit bundesweit auf sich aufmerksam. Damit das Landsberger Publikum die neue Intendantin kennenlernen kann, gibt es vor der Vorstellung um 18:45 Uhr im Foyer ein Theatergespräch mit ihr und eine Einführung in die Inszenierung.

Landsberger Stadttheater
Schlossergasse 381 a
86899 Landsberg am Lech
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Konzert Puchheim: Mathias Kellner
Mathias Kellner

Nach seinen beiden Soloalben "Hädidadiwari" und "Zeitmaschin" und dem Livealbum "Gsungene Gschichtn" stellte Mathias Kellner im Oktober 2016 seine dritte Platte und das gleichnamige Liveprogramm "Kettnkarussell" vor, womit er auch nach Puchheim kommt. Seine Songs und schrägen Anekdoten schreibt das Leben mit all seinen Facetten. Und das ist kein langer ruhiger Fluß, nein: Es ist ein Auf und Ab, es dreht sich schnell und immer schneller, wird langsamer und bleibt stehen. Wie ein Kettenkarussell! Ein großes Tohuwabohu, mit Chancen und Risiken, Wirkungen und Nebenwirkungen.
Für eine Fahrt mit Mathias Kellner kauft man sich einen Chip und fährt zwei Stunden lang Gefühlsachterbahn zwischen lustigen Storys, verknoteten Gedankenspielen und schaurig-schönen melancholischen Liedern. Der Straubinger Singer/Songwriter mit großem Talent zum Alleinunterhalter lädt sein Publikum ein, in den Kellner-Kosmos abzutauchen, ein wildes Panoptikum, bunt wie auf einem Jahrmarkt. Und dort steht auch immer ein Kettenkarussell.

Oskar-Maria-Graf-Str. 2
Obergeschoss
82178 Puchheim
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Kabarett Bad Tölz: Günter Grünwald – Deppenmagnet
Günter Grünwald – Deppenmagnet

Ist das Kabarett? Ist das Comedy? Ist das ein Einbauschrank?
Am Ende des Tages (um hier mal die blödeste Floskel des noch jungen Jahrtausends zu verwenden) ist mein neues Programm eine Mischung aus allem.
Ich fühle mich dem Kabarett ebenso verpflichtet wie dem absurden Theater eines Jacques Sacques, der im Jahre 1924, um der Enge seines südserbischen Heimatkaffs Popovic zu entfliehen in seinem nordserbischen Wahlheimatkaff Czschischzpczc Theaterstücke ersann, die zwar von der Politik gehasst, dafür aber von der Bevölkerung verabscheut wurden. Im Prinzip wollte den Dreck keine alte Sau sehen. Na gut, wenn ich mir es recht überlege fühle ich mich dem absurden Theater eines Jacques Sacques dann doch nicht verpflichtet.
Aber dem Kabarett! Und der Comedy! Und dem Einbauschrank! Denn nur in dieser Trinität kann man Dinge von bleibendem Wert erschaffen.
Falls sie der Info Text zu meinem Programm „Deppenmagnet“ verwirrt- verzagen sie nicht, kaufen sie eine Eintrittskarte und dann setzen sie sich ganz vorne hin und lassen sich verzaubern von 2 Stunden Kabarett, Comedy und Einbauschrank.

Kurhaus Bad Tölz
Ludwigstr. 25
83646 Bad Tölz
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Tipp Landsberg: Peer Gynt
Peer Gynt

    Von Henrik Ibsen
    Landestheater Schwaben


„Peer, du lügst!“, lässt Henrik Ibsen zu Beginn seines dramatischen Gedichts Peer Gynts Mutter Aase sagen – und ein Lügner ist ihr Sohn in der Tat: ein Prahlhans, ein Fabulierer, der sehnsüchtig alles Fantastische über die nüchterne, elende Wirklichkeit stellt. Seine Mutter liebt ihn abgöttisch und lauscht begeistert den Lügengeschichten, um sich aus der Enge ihres Lebens zu träumen. Doch Peer will mehr! Auf der großen Dorfhochzeit entführt er die Braut und flieht in die Berge. Aus dem Reich der Trolle entkommt er glücklich, bevor man ihn zum Krüppel macht. Seine geliebte Solveig lässt er allein zurück. Peer wird kapitalistischer Sklavenhändler auf den Weltmeeren, gibt sich in Marokko als Prophet aus und vergnügt sich mit arabischen Schönheiten. In Kairo krönt man ihn zum Kaiser der Irren. Und auf der Schiffsreise zurück in die Heimat wird Peer aus Egoismus zum Mörder. Als der alternde Mann dem Tod ins Auge sieht, muss er feststellen, dass er weite Wege gemacht, aber nie herausgefunden hat, wer er wirklich ist. Peers Jugendliebe Solveig jedenfalls hat ein Leben lang auf einen Peer Gynt gewartet.
Der Wahrheitsfanatiker Henrik Ibsen hat neben seinen großen realistischen Dramen mit „Peer Gynt“ (1867), der als Pendant zu Goethe als “norwegischer Faust“ gilt, eine szenische Weltreise hinterlassen, ein romantisches Märchen, eine symbolreiche Abenteuer-Geschichte, vor Allem aber und eine Abrechnung mit der Selbstverwirklichungssucht des zeitgenössischen Menschen.
Nach dem Wechsel an der Spitze des Landestheaters Schwaben hat sich einiges geändert. Wie die neue Intendantin, Kathrin Mädler, angekündigt hatte, soll zeitgenössisches und aktuelles Theater gemacht werden. Daher ist auch ihre Antrittsinszenierung des Ibsenklassikers „Peer Gynt“ aktualisiert, modern und mit drei Darstellern als Peer, die die verschiedenen Facetten der Figur perfekt abdecken und immer wieder zu dritt auftreten.
Kathrin Mädler war Schauspieldramaturgin am Staatstheater Nürnberg und zuletzt leitende Schauspieldramaturgin am Theater Münster. 2009 inszenierte sie Peter Weiss‘ „Die Ermittlung“ auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und machte damit bundesweit auf sich aufmerksam. Damit das Landsberger Publikum die neue Intendantin kennenlernen kann, gibt es vor der Vorstellung um 18:45 Uhr im Foyer ein Theatergespräch mit ihr und eine Einführung in die Inszenierung.

Landsberger Stadttheater
Schlossergasse 381 a
86899 Landsberg am Lech
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Zugabe Fürstenfeldbruck: Lesung mit Notker Wolf
Lesung mit Notker Wolf

Lesung mit dem Abtprimas Notkar Wolf  OSB aus seinem Buch “Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab!”

Sie geht wieder um, die »German Angst«. Und sie scheint tief in unsere Gesellschaft eingedrungen zu sein. Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise haben sich Verlustängste, Angst vor dem sozialen Abstieg oder vor einer »Überfremdung« und »Islamisierung« Deutschlands breitgemacht. Hinzugekommen ist die Angst vor terroristischen Übergriffen und Gewaltverbrechen. Ein diffuses Gefühl verunsichert die Gesellschaft und bringt Phänomene wie Wutbürger, AfD oder Pegida hervor.
Notker Wolf, ehemaliger Abtprimas des Benediktinerordens, war die letzten 16 Jahre auf der ganzen Welt unterwegs und hat doch nie seine Verbindung zu Deutschland verloren. Nun ist er zurück in seiner Heimat und bezieht in seinem neuen Buch Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab Stellung zu den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen wie zu dem persönlichen Lebensumfeld jedes Einzelnen. Klar, scharfsinnig und furchtlos analysiert er die einzelnen Themenfelder, zieht Vergleiche zu seinen Erlebnissen im Ausland, erinnert an die christlichen Werte und ermutigt zu einem verantwortungsbewussten Handeln: „Mutbürger müssen ihr Herz in die Hand nehmen und das Herz auf der Zunge tragen. Wir müssen Menschen sein, die keine Angst davor haben, andere zu kritisieren.“ Ein leidenschaftliches, hoffnungsvolles Plädoyer für ein weltoffenes und erfolgreiches Deutschland, das gerade durch seine Vielfalt lebt.
Abtprimas Notker Wolf OSB, Dr. phil., trat 1961 in die Benediktinerabtei St. Ottilien ein und wurde 1977
zum Erzabt gewählt. Von 2000 bis 2016 war er als Abtprimas des Benediktinerordens mit Sitz in Rom der
höchste Repräsentant von mehr als 800 Klöstern und Abteien weltweit.

Treffpunkt Wagner
Geschwister-Scholl-Platz 4b
82256 Fürstenfeldbruck
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Tipp Fürstenfeldbruck: Lesung mit Notker Wolf
Lesung mit Notker Wolf

Lesung mit dem Abtprimas Notkar Wolf  OSB aus seinem Buch “Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab!”

Sie geht wieder um, die »German Angst«. Und sie scheint tief in unsere Gesellschaft eingedrungen zu sein. Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise haben sich Verlustängste, Angst vor dem sozialen Abstieg oder vor einer »Überfremdung« und »Islamisierung« Deutschlands breitgemacht. Hinzugekommen ist die Angst vor terroristischen Übergriffen und Gewaltverbrechen. Ein diffuses Gefühl verunsichert die Gesellschaft und bringt Phänomene wie Wutbürger, AfD oder Pegida hervor.
Notker Wolf, ehemaliger Abtprimas des Benediktinerordens, war die letzten 16 Jahre auf der ganzen
Welt unterwegs und hat doch nie seine Verbindung zu Deutschland verloren. Nun ist er zurück in seiner Heimat und bezieht in seinem neuen Buch Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab Stellung zu den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen wie zu dem persönlichen
Lebensumfeld jedes Einzelnen. Klar, scharfsinnig und furchtlos analysiert er die einzelnen Themenfelder, zieht Vergleiche zu seinen Erlebnissen im Ausland, erinnert an die christlichen Werte und ermutigt zu einem verantwortungsbewussten Handeln: „Mutbürger müssen ihr Herz in die Hand nehmen und das Herz auf der Zunge tragen. Wir müssen Menschen sein, die keine Angst davor haben, andere zu kritisieren.“ Ein leidenschaftliches, hoffnungsvolles Plädoyer für ein weltoffenes und erfolgreiches Deutschland, das gerade durch seine Vielfalt lebt.
Abtprimas Notker Wolf OSB, Dr. phil., trat 1961 in die Benediktinerabtei St. Ottilien ein und wurde 1977 zum Erzabt gewählt. Von 2000 bis 2016 war er als Abtprimas des Benediktinerordens mit Sitz in Rom der
höchste Repräsentant von mehr als 800 Klöstern und Abteien weltweit.

Treffpunkt Wagner
Geschwister-Scholl-Platz 4b
82256 Fürstenfeldbruck
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Museen Buchheim Museum: PURRMANN UND DER EXPRESSIONISMUS
PURRMANN UND DER EXPRESSIONISMUS

Hans Purrmann lehnte es 1956 ab, einen Nachruf auf Emil Nolde zu verfassen. Er stehe seiner Kunst »wenig nahe« und habe »außer einer Gegnerschaft« keinerlei Beziehungen zu ihm gehabt. Andere Brücke-Künstler sah Purrmann positiver. Er berichtet, dass er bei einem Besuch im Atelier Ernst Ludwig Kirchners so sehr »von dessen starker und spontaner Malerei« beeindruckt gewesen sei, dass er sogleich »zwei Bilder« von ihm erworben habe. Erich Heckel habe er »um seine Aufsehen erregenden schönen Einsendungen« bei der Berliner Sezession beneidet. Auch Purrmann ging es in gewisser Weise darum, »den Ausdruck eines Kunstwerkes in einer vereinfachten Malerei aufs Höchste zu steigern«. Einem zum Prinzip erhobenen Expressionismus wollte er sich aber nicht verschreiben. Sein großer Auftritt im Buchheim Museum wird gleichwohl von Werken der Expressionisten flankiert. Die nach Stillleben, Landschaften und Akten gegliederte Ausstellung umfasst 95 Gemälde und 23 Papierarbeiten von Purrmann. Werke von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Lothar-Günther Buchheim hängen für die vergleichende Betrachtung zwischen den Werken Purrmanns. Darüber hinaus gibt es im Expressionistensaal Purrmann-Werke zu entdecken, die mit den Sammlungsstücken in Dialog treten. Diese erstmalig gewagte Konfrontation Purrmanns mit seinen expressionistischen Zeitgenossen bietet intensive Seherlebnisse. Gemeinsamkeiten und Eigenheiten werden intensiv vor Augen geführt. Deutlich wird, dass auf beiden Seiten eine Synthese aus Abstraktion und Figuration gesucht wird. Die harten Kontraste, die reinen Farben, die schnellen Striche, die Kirchner, Heckel und ihre Kollegen zur Steigerung der Expressivität einsetzten, waren jedoch nicht Purrmanns Sache. Ihm ging es vielmehr darum, durch differenzierte Farbakkorde und eine helle Palette die Bildgegenstände farbenfroh erglühen zu lassen – und den Blick in heitere Freiheit zu lenken. Das Buchheim Museum lädt dazu ein, diesen mitreißend gemalten Optimismus des Künstlers zu entdecken und zu genießen!

Glücksbringer der Farben

Die Frühjahrsausstellung im Buchheim Museum ist dem großen Koloristen Hans Purrmann (1880 – 1966) gewidmet. Eine ähnlich umfangreiche Präsentation des Malers hatte es in Bayern zuletzt 1962 im Haus der Kunst und 1976 in der Villa Stuck gegeben. Purrmann, in Speyer aufgewachsen, studierte bis 1905 bei dem Münchner Malerfürsten Franz von Stuck. Über Berlin zog es ihn schließlich nach Paris, wo er Anschluss an die internationale Avantgarde fand. Er schloss Freundschaft mit Henri Matisse. In dem heiteren Kolorit, dem spielerischen Bildaufbau und der Leichtigkeit der Bildthemen zeigt Purrmann sich durch ihn beeinflusst. In Paris, Berlin, am Bodensee, in Florenz und nach 1945 im Tessin entfaltet Purrmann ein ¼uvre, das sich mit reich nuancierten, glühenden Farben, maßvollen Stilisierungen und verständlichen Bildgegenständen als eigenständiger Beitrag zur Moderne behauptet. Das Publikum liebte stets seine prachtvollen Kompositionen. Die Kunstkritik würdigte ihn zunächst jedoch zurückhaltend. In Deutschland wurde er als »Französling« beargwöhnt, in Frankreich 1914 als Deutscher nicht geduldet. Von den Nationalsozialisten wurde er als »entartet« verfemt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der abstrakte Zeitgeist gegen ihn. Es ist ein Glück, dass die heutige Kunstgeschichte zu einer neutraleren Betrachtung der Moderne vorangeschritten ist. Nicht mehr nur das Schwergängige, Abstrakte, Hässliche hat Chance auf Würdigung, sondern auch das Einnehmende, Erkennbare und Schöne. »Neue Wege zu Hans Purrmann« wurden in jüngster Zeit mit der gleichnamigen Purrmann- Monografie beschritten. Das Buchheim Museum lädt dazu ein, Purrmann als »Glücksbringer der Farben« neu zu entdecken. Dank der Unterstützung der Familie Purrmanns, des Hans Purrmann Archivs sowie zahlreicher privater und institutioneller Leihgeber konnte eine exquisite Ausstellung zusammengestellt werden, welche zum Genuss der unverhohlenen Schönheit der Werke des Künstlers einlädt. Katalog und die Audioguide zur Ausstellung gibt es an der Museumskasse.

Buchheim und Purrmann

1962 gab der Verleger Lothar-Günther Buchheim einen Jahreskalender über »Moderne Malerei« heraus, der neben Bildern von Pablo Picasso und Henri Matisse auch ein Werk von Hans Purrmann enthält. Wohl im selben Jahr besuchte Buchheim Purrmann in Montagnola, wobei er den älteren Maler in einer Reihe von Fotografien festhielt. 1964 äußerte Buchheim in einem Brief an Purrmann den Wunsch, ein Bild von ihm zu erwerben. Buchheims galt in Deutschland als Meinungsmacher in Sachen Kunst. Seine Haltung Purrmann gegenüber ist also von exemplarischer Bedeutung. Obschon er seine farbglühenden Bilder offensichtlich liebte, schrieb der Vielschreiber kunsthistorischer Literatur keine Zeile über Purrmann. In erster Linie trat er für die Rehabilitierung der deutschen Expressionisten ein. Wie Purrmann waren sie von den Nationalsozialsten als »entartet« verfemt worden; und wie Purrmann spannten sie einen phantasieanregenden Bogen zwischen Wirklichkeitsbezug und freier kompositorischer Ordnung. In einem Punkt unterschied sich der Europäer Purrmann aber doch von seinen deutschen Kollegen. Das für die Expressionisten so typische Suchen nach einer Wahrheit hinter den Dingen interessierte ihn nicht. Er beteiligte sich nicht an dem metaphysischen Überbietungskampf der Avantgarden. Bar aller Bedeutungsschwere verkündete er vielmehr eine optimistische Weltsicht. Wie seinem Mentor Matisse ging es ihm darum, »Erholung von den Mühen des Alltags« zu gewähren. Vielleicht wollte sich Buchheim nach dem langen Kampf um sein Museum der Phantasie, der 1999 mit dem Baubeginn zur Ruhe gekommen war, endlich auch einmal Erholung gönnen. Im selben Jahr erwarb er mit dem Gemälde »Garten am Bodensee« endlich sein erstes Werk von Purrmann – als einen seiner letzten Ankäufe überhaupt.

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
D-82347 Bernried

Bilder:
Hans Purrmann, Häuser am Hafen, 1957,
Privatbesitz © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Hans Purrmann, Meereslandschaft Cassis, 1909,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Hans Purrmann, Anemonen und Farn, 1954,
Privatbesitz © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Hans Purrmann, Selbstbildnis, 1961,
Privatbesitz Süddeutschland © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
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Museen München Neue Pinakothek: BELLINZONA UND MEHR ... GEMÄLDE UND ÖLSKIZZE N VON JOHANN CHRISTI AN ZIEGLER
Johann Christian Ziegler (1803-1833) gehört zu den frühen realistischen Landschaftsmalern in Deutschland. Die Neue Pinakothek zeigt ab dem 12. April Gemälde und Ölskizzen, die sie als Leihgabe der Museumsstiftung zur Förderung der staatlichen bayerischen Museen aus dem Besitz der Nachkommen des Künstlers erhalten hat.  In Wunsiedel als Sohn eines Tuchmachers geboren, kam Ziegler 1821 nach München, wo er an der Kunstakademie Landschaftsmalerei studierte. Während der Sommermonate verbrachte er immer wieder Zeit auf Wanderungen in der Umgebung von München und im Alpenvorland. Ab 1823 war er regelmäßig mit Gemälden auf den Ausstellungen der Kunstakademie und des Münchner Kunstvereins vertreten. 1828 und 1829 reiste er in das Tessin und nach Oberitalien. Neben Landschaftsbildern und Genredarstellungen in der Nachfolge von Wilhelm Kobell und Max Joseph Wagenbauer schuf Ziegler Zeichnungen und Ölstudien, die von unmittelbarer Naturbeobachtung zeugen. Sein Tod 1833 im Alter von nur 30 Jahren setzte seiner vielversprechenden Entwicklung ein frühes Ende. Bereits in den 1920er Jahren wurden zwei Ölskizzen Zieglers für die Neue Pinakothek erworben, die an einem der oberitalienischen Seen entstanden sind. Dieser Bestand konnte 2014 um weitere sechs Gemälde und Ölskizzen erweitert werden, als sich die Nachfahren des Künstlers entschlossen, die noch in ihrem Besitz befindlichen Gemälde, Zeichnungen und Skizzenbücher den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie der Staatlichen Graphischen Sammlung durch Zustiftung in die Museumsstiftung zur Förderung der staatlichen bayerischen Museen zu übergeben. Dazu gehört eine Ansicht von Bellinzona, die sich durch besondere Frische der Darstellung auszeichnet. Die Präsentation in einem Kabinett der Neuen Pinakothek stellt die Gemälde und Ölskizzen nun erstmals der Öffentlichkeit vor und ergänzt diese um Werke seiner Münchner Zeitgenossen. Die als gemeinnützig anerkannte Museumsstiftung ermöglicht privaten Stiftern die steuerlich begünstigte Förderung der staatlichen bayerischen Museen durch Entgegennahme von Kulturgütern sowie finanziellen Zuwendungen.

Neue Pinakothek
Barer Str. 29
80799 München
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Museen Museum Fürstenfeldbruck: Leidenschaft für Heilige
Leidenschaft für Heilige
25 Jahre Museum Fürstenfeldbruck

Mit großer Leidenschaft und kunsthistorischer Kenntnis sammelte der Fürstenfeldbrucker Bäckersohn und Geistliche August Aumiller (1868-1929) Skulpturen und Gemälde von heiligen Männern und Frauen. Mit seinen Erwerbungen aus Klöstern und Kirchen, von Händlern und Bauern brachte er es auf eine Sammlung von über 2000 Kunstwerken vom Mittelalter bis zur Zeit des Rokoko.

Im Fürstenfeldbrucker Kulturleben spielte Aumiller eine wichtige Rolle. Als Hofkaplan der königlichen Landhofkirche Fürstenfeld erwarb er zahlreiche Objekte aus der säkularisierten Zisterzienserabtei Fürstenfeld und betrieb zusammen mit Brucker Bürgern die Gründung eines historischen Museums.

Neuerwerbungen und Bestände des Museums Fürstenfeldbruck, Leihgaben aus dem Diözesanmuseum Freising und aus Privatbesitz gewähren erstmals Einblick in die hochwertige Sammlung, die nach dem Tod des Geistlichen zerstreut wurde.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Funktionen der Heiligen im Wandel der Zeit, zeigt, wie sich Heilige „zu erkennen geben“ und thematisiert Heiligenschein und Märtyrertod unter aktuellen Gesichtspunkten.

Katalog zur Ausstellung ¤ 8,90

Zur Ausstellung gibt es Führungen und ein museumspädagogisches Programm.


Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck
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Museen München Pinakothek der Moderne: GLOBAL PREKÄR - FLUCHT, TRAUMA UND E RINNERUNG IN DER ZEI TGENÖSSISCHEN FOTOGRAFIE
Politische und gesellschaftliche Konflikte zu dokumentieren gehört seit jeher zu den zentralen Aufgaben von Fotografie. Die neu eingerichtete Präsentation aus den Sammlungsbeständen widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Krieg und Vertreibung sowie Entwurzelung und Flucht. Die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler entwickeln ihre Arbeiten aus der Beschäftigung mit den noch immer nachwirkenden Folgen des 2. Weltkriegs. Sie fokussieren ihren Blick jedoch auch auf die Konflikte zwischen der sogenannten Ersten und der Dritten Welt, sei es entlang des amerikanisch-mexikanischen Grenzzauns oder an den europäischen Außengrenzen. Ihre vielschichtigen visuellen Erzählungen gehen von konkreten Ereignissen aus, deren historische Überlieferung und gesellschaftliche Relevanz sie kritisch reflektieren. Den Bildern der Medien wie den offiziellen Verlautbarungen setzen sie eine andere, aus der persönlichen Perspektive gewonnene Lesart entgegen.

Zu den ausgestellten Werken:In der als 124-teilige Serie angelegten Arbeit »There and Gone« (Dort und Fort) entwickelt John Gossage (*1946, New York City) in drei Kapiteln einen fotografischen Essay über das zwischen den USA und Mexiko liegende Grenzgebiet. Von US-amerikanischer Seite aus betrachtet, zeigt er schemenhaft Menschen am Strand von Tijuana, das Bildmaterial wurde mit Teleobjektiven aufgenommen oder stammte aus Überwachungskameras. Im zweiten Kapitel »Spurenlesen« dokumentiert er in präzisen Ausschnitten das Niemandsland des durch einen Zaun gesicherten Grenzstreifens mit ausgetretenen Pfaden, Verstecken und illegalen Durchbrüchen.
Das letzte Kapitel verbindet Detailansichten aus dem kalifornischen Alltagsleben mit Begriffen, wie sie auf mexikanischen Lotteriekarten zu finden sind, ohne dass sich zwischen Bild und Text ein unmittelbarer Sinnzusammenhang herstellen lässt.Eva Leitolf (*1966, Würzburg) untersucht in der Serie »Postcards from Europe«, die sich seit 2006 als work in progress fortschreibt, das Verhältnis Europas zu seinen Außengrenzen und dem zunehmenden Strom von Flüchtlingen.
Nicht das vielfach dokumentierte Leid der Migranten, sondern der gesellschaftliche und politische Umgang mit ihnen steht im Mittelpunkt. Die dargestellten Orte sind  Schauplätze von Konflikten, die sich hier abgespielt haben, bevor die Künstlerin sie aufgesucht hat. Die in den Fotografien nur andeutungsweise sichtbaren Spuren von Ausgrenzung, Gewalt und Elend nehmen durch sachliche, auf Fakten gestützte Texte, die in Form von Postkarten mitgenommen werden können, konkret Gestalt an und verschränken Bild und Text zu einer gleichermaßen bedrückenden wie aufrüttelnden Zeitstudie. 

In Form eines fotografischen Re-Enactements zeigt Jeff Wall (*1946, Vancouver) einen aus Anatolien stammenden jungen Mann, den er kurz zuvor kennengelernt hatte. Seine nachträglich in Szene gesetzte Ankunft ereignet sich in Mahmutbey, einen durch monotone Ansiedlungen und ausufernde Gewerbegebiete stark expandieren Vorort von Istanbul. Mahmutbey erscheint weder urban noch dörflich, sondern wie ein Transitraum, der weder Orientierung noch Halt bietet. Die gewählte Ansicht öffnet den Blick in die Ferne, nicht aber zu dem Ort, der Ziel der Reise ist.Roy Arden (*1957, Vancouver) widmet die Serie »Abjection« (Unterwürfig-keit) dem lange in der kanadischen Geschichte verdrängten Thema der Enteignung, Internierung und zeitweisen Deportation der japanisch-stämmigen Bevölkerung nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor im Dezember 1941. Aufnahmen von beschlagnahmten Automobilen, die in einem Freizeitpark abgegeben werden mussten, sind eingerahmt von Darstellungen eingesperrt wirkender, sich unterwürfig und ergebend bewegender Asiatinnen.
Die historischen Zeitungsaufnahmen werden in der vertikalen Bildkomposition jeweils von schwarzen monochromen Flächen dominiert, die stellvertretend für das gelesen werden können, was nicht als Bild überliefert ist.   Die beiden auf Dokumentenpapier vergrößerten Aufnahmen zeigen den Blick in das Dachbodenatelier von Anselm Kiefer (*1945, Donaueschingen). Erst bei genauerer Betrachtung sind auf dem sandigen Boden kleine Figuren und Modelle zu erkennen. Es handelt sich um Panzer und Soldaten, die Szenerie erinnert an die Versuchsanordnung einer Schlacht oder eines Angriffs. Während über einer Aufreihung von Soldaten eine Dreieinigkeit aus Modellstühlen schwebt, zeigt das zweite Bild unvermittelt herabhängende Seile, die wie gekappt scheinen. Kiefer verwendete diese und weitere Fotografien, die er teils mit Sand und Öl überarbeitete, in seinen 1976 erschienenen Künstlerbüchern mit dem Titel »Märkischer Sand«. Sie nehmen Bezug auf die deutsche Geschichte, auf Krieg und Verwüstung.»Waffenruhe«, ein Buch- und Ausstellungsprojekt, das rund 50 Bilder umfasst, kann als eine Art mentaler Zustandsbericht gelesen werden, ins Bild gesetzt anhand von Aufnahmen, die Michael Schmidt (1945-2014, Berlin) in den 1980er-Jahren im Westteil Berlins geschaffen hat. Kein funktionierendes Stadtgefüge mehr, sondern nur noch Fragment einer einstigen Metropole, durch die Mauer von der westlichen Welt wie vom Ostteil abgetrennt, als kapitalistischer Outpost wie ein dahinsiechender Patient am Tropf bundesdeutscher Zuschüsse hängend hatte sich in Berlin eine streitbare Subkultur entwickelt, von einer radikalisierten Hausbesetzer-Szene bis hin zur Punk-Bewegung. Obwohl in einer Vielzahl der Bilder die Mauer erkennbar ist, geht es nicht um eine Dokumentation der geteilten Stadt, sondern um eine Analyse, in der Trauer, Verlust, Schmerz und Widerstand auf verstörende Weise unvermittelt aufeinandertreffen.

Kuratorin: Dr. Inka Graeve Ingelmann,
Sammlung Fotografie und Neue Medien

Pinakothek der Moderne,
Sammlung Moderne Kunst
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Museen München Jüdisches Museum: Never Walk Alone - Jüdische Identitäten im Sport
Ernst Emanuel Simon verließ den Berliner Sport Club nach antisemitischen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg. Er trat 1918 dem Jüdischen Turn- und Sportverein Bar Kochba bei. Neben seinem Medizinstudium in Würzburg wurde er 1919 Berlin-Brandenburgischer Meister sowie 1921 Bayerischer Meister im 800-Meter-Lauf. Er war Mitbegründer des Makkabi-Weltverbandes und wanderte 1924 nach Palästina aus. Dort setzte er sich für die Institutionalisierung des Sportunterrichtes ein. Er war Mitorganisator der ersten Makkabiade 1932, den ersten jüdischen Weltsportspielen in Palästina. Vor allem war er ein Pionier der Sportmedizin. Sein Foto beim Zieleinlauf im August 1919 ist das Eröffnungsbild der Ausstellung Never Walk Alone. Jüdische Identitäten im Sport.In den beiden Ausstellungsebenen positionieren sich Sportlerinnen und Sportler und Fans jüdischer Herkunft in der Sportarena. Die Konzentration auf einzelne Biografien erlaubt es einerseits, die Selbstwahrnehmung der Sportlerinnen und Sportler zu betrachten und andererseits auch Zuschreibungen von außen offenzulegen. Die Anfänge der Sportbegeisterung sind ebenso Thema wie die facettenreichen 1920er Jahre sowie Ausgrenzung und Verfolgung während des Nationalsozialismus. Der Bogenwird von jüdischen Überlebenden in den Displaced-Person Camps der deutschen Nachkriegszeit über sportliche Positionierungen von Deutschen jüdischer Herkunft in der Emigration gespannt; bis hin zu athletischen Leistungen, die in den letzten Jahren Beiträge zum lokalen Sportgeschehen liefern.Der Titel der Ausstellung Never Walk Alone ist inspiriert von dem Lied You'll Never Walk Alone, das ursprünglich für das Musical Carousel geschrieben wurde. Der Liedtexter Oscar Hammerstein II. und der Komponist Richard Rodgers, übrigens beide jüdisch-amerikanischer Herkunft, vermitteln hierin Zugehörigkeit, Motivation, Trost und Unterstützung für die Protagonistin. In den Sportarenen ist die Idee der Singenden — inzwischen nicht mehr nur beim FC Liverpool — vergleichbar.

Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80331 München

Fotos:
- Der Läufer Ernst E. Simon | Berlin, um 1919 | Familie Simon, Israel
- Die Ringer Julius (links) und Hermann Baruch vor der Sammlung ihrer Medaillen, Pokale und Urkunden | Bad Kreuznach, um 1927 | Baruch-Archiv, Wiesbaden
Aktuelle Veranstaltung
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Museen München Kunsthalle: PETER LINDBERGH - FROM FASHION TO REALITY
DIE KUNSTHALLE MÜNCHEN PRÄSENTIERT EINE GROSSE AUSSTELLUNG ÜBER PETER LINDBERGH

Peter Lindbergh (*1944 in Lissa) ist einer der einlussreichsten Modefotografen der letzten 40 Jahre. Diese spektakuläre Schau zeigt über 220 seiner Fotograien. Neben seinen ikonischen Bildern, mit denen Lindbergh das Supermodel-Phänomen der 1990er-Jahre begründete, werden bisher unveröffentlichte Fotograien und weiteres, nie gezeigtes Material präsentiert; darunter persönliche Notizen, Storyboards, Requisiten, Polaroids, Kontakt-Abzüge, Filme und großformatige Drucke.

In einer Welt mit fest etablierten ästhetischen Codes bezog Lindbergh mit seinen wegweisenden Bildern klare Position zu gesellschaftlichen Themen: Er war der Erste, der den Fokus auf den einzigartigen Charakter seiner Modelle legte und so der oberlächlichen Künstlichkeit der Modefotograie eine Abfuhr erteilte. Anstatt hübsch ausstafierter menschlicher ›Kleiderständer‹ zeigt er selbstbewusste, ausdrucksstarke Fraueniguren, von der Femme Fatale bis zur Heldin; aber auch Tänzerinnen und Schauspielerinnen. Für sein Werk sind Porträts bestimmend, die Unbefangenheit und körperliche Anmutausstrahlen. Lindbergh revolutionierte damit die Bildsprache der bekannten Magazine und Mode-Labels und führte mit seinen meist schwarz-weißen, den lüchtigen Moment einfangenden Fotograien einen neuen Realismus in die Modefotograie ein, deren Entwicklung er seit den 1980er-Jahren maßgeblich mitbestimmte.

Kurator Thierry-Maxime Loriot, der in der Kunsthalle München bereits »Jean Paul Gaultier. From the Sidewalk to the Catwalk« inszenierte, erklärt: »Diese Ausstellung bietet keinen chronologischen, sondern einen thematischen Überblick. Die Besucher können die Welt von Peter Lindbergh erkunden, seinen einmaligen Blick auf jene Themen kennenlernen, zu denen er immer wieder zurückkehrt, aber auch solche Werke entdecken, die zusammen mit anderen Künstlern wie Pina Bausch oder Jenny Holzer entstanden. Zudem beleuchtet die Ausstellung die Bedeutung des Menschlichen in Lindberghs Werk. Sie verrät viel über seine Werte und über seine Einstellung zu Alter, Schönheit und Weiblichkeit sowie zu großen gesellschaftlichen Fragen. Dabei wird auch Lindberghs grenzenlose Kreativität und Imaginationskraft in seinen Fotos  offensichtlich.«

ÜBER DIE AUSSTELLUNG
Die Ausstellung »From Fashion to Reality« ist eine Hommage an Lindberghs facettenreiches ¼uvre von 1978 bis heute. Sie zeigt seine künstlerische Entwicklung anhand der Themen, die er über die Jahre mit besonderer Leidenschaft verfolgte: »Supermodels«, »Couturiers«, »Zeitgeist«, »Tanz«, »Die Dunkelkammer«, »Das Unbekannte«, »Silver Screen« und »Ikonen«.

SUPERMODELS
Models wie Naomi Campbell, Linda Evangelista, Kate Moss, Christy Turlington und Tatjana Patitz waren jung und unbekannt, als Lindbergh sie in den späten 1970ern und den 1980ern fotograierte; danach reichte es, ihre Vornamen zu nennen, um zu wissen, von wem die Rede war. Stand bis dato in den einlussreichen Modemagazinen wie Harper’s Bazaar oder Vogue die Kleidung im Vordergrund, ging es nun um die Frauen, die diese Mode präsentierten.Neben den Kultfotos der 1990er-Jahre werden in diesem Kapitel Interviews und Fotograien von der Wiedervereinigung der Supermodels (veröffentlicht in der italienischen Vogueim September 2015) gezeigt, die deutlich machen, dass sie auch 25 Jahre später nichts von ihrer Schönheit und ihrer ausdrucksstarken Persönlichkeit verloren haben.

COUTURIERS
1978 nahm Lindbergh einen Auftrag des Stern-Magazins an und porträtierte bekannte Couturiers wie Yves Saint Laurent, aber auch junge angesagte Designer wie Giorgio Armani oder Thierry Mugler. Seitdem arbeitet er immer wieder mit wichtigen Personen der Modewelt zusammen: mit deutschen Größen wie Karl Lagerfeld, Jil Sander und Thomas Maier oder mit Azzedine Alaïa, Jean Paul Gaultier und Rei Kawakubo von Comme des Garçons. Lindbergh gelang es, mit den starren Codes der Modeindustrie zu brechen und das Bild dieser Marken zu prägen. Im Kapitel »Couturiers« wird seine Zusammenarbeit mit 25 Designern aus vier Jahrzehnten vorgestellt, denen Lindbergh half, das Image ihrer Modehäuser zu formen.

TANZ
Immer wieder lässt Lindbergh seine Leidenschaft für den Tanz, eine seiner Hauptinspirationsquellen, in seine Modefotograie einließen. In mehreren Serien arbeitete er an einer visuellen Geschichte des Tanzes. Sie basieren auf der Auseinandersetzung mit berühmten Choreografen und Tänzern, darunter Sergei Diaghilev, Georges Balanchine oder Blanca Li sowie die Ensembles vom Bolschoi Ballett, dem Berliner Staatsballett und dem New York City Ballet. Über seine inzwischen verstorbene Freundin Pina Bausch drehte er den Film Pina Bausch. Der Fensterputzer (2001). Madonna porträtierte er – eingekleidet von japanischen Designern – als Hommage an die große amerikanische Choreograin Martha Graham.

ZEITGEIST
Lindbergh unterlief die rigiden Konventionen des Mode-Business: Seine Werke zeugen von einer humanistischen Haltung und einem spielerischen Umgang mit Männlichkeit und Weiblichkeit. Diese Auseinandersetzung mit geschlechtlichen und politischen Fragen wird im Kapitel »Zeitgeist« versammelt. Die Serie »Give Peace a Chance« zeigt beispielweise Models bei einer inszenierten Antikriegsdemonstration, die er 2004 für Harper’s Bazaar gestaltete. Ähnlich die Serie »A New Age«, die er 2014 für die italienische Vogue in enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen Konzeptkünstlerin Jenny Holzer schuf.In Zeiten exzessiven Retuschierens bevorzugt Lindbergh natürliche Schönheit. Er betont die Persönlichkeit seiner Modelle anstatt sie auf ihr äußeres Erscheinungsbild zu reduzieren. Durch diesen Ansatz veränderte er die Standards der Modefotograie nachhaltig. Er feiert die Eleganz und Sinnlichkeit reiferer Frauen, wie aktuell im Pirelli-Kalender von 2017. In einem Interview erklärte er 2014: »Darin sollte heute die Verantwortung der Fotografen liegen: Frauen und letztlich jedermann vom Terror des Jugend- und Perfektionswahns zu erlösen.« Lindbergh ist der festen Überzeugung, dass es mehr gibt, was eine Person interessant macht, als die Standardvorstellungen von Schönheit und Jugend.

DAS UNBEKANNTE
Als Erster nutzte Lindbergh Modefotograie, um Geschichten zu erzählen. Oftmals gleichen seine Fotograien Film-Stills, die mit ihrer Momenthaftigkeit den Betrachter dazu anregen, sich eine Story vorzustellen, die hinter dem Dargestellten liegt. Das Kapitel »Das Unbekannte« bezieht sich auf Lindberghs Faszination für Science-Fiction-Filme. Gezeigt wird u.a. seine berühmte Serie von 1990 mit dem dänischen Model Helena Christensen und der Schauspielerin Debbie Lee Carrington. Diese gilt als Vorläufer narrativer Bilderfolgen in Modemagazinen.

SILVER SCREEN
Lindbergh fand stilistische Inspirationen u.a. in der Ästhetik der internationalen Filmavantgarden der 1920er- bis 1950er-Jahre: Seine Kulissen zitieren die Maschinenräume aus Fritz Langs Metropolis ebenso wie das Kabarett aus Josef von Sternbergs Der Blaue Engel und die Filmsets von Alfred Hitchcocks Die Vögel oder Psycho. Außerdem nutzt er immer wieder schroffe Industriearchitektur als Setting, wie er sie in seiner Kindheit und Jugend in Duisburg erlebt hatte, und setzt diese in ein spannungsvolles Verhältnis zu seinen Modellen. Das Kapitel »Silver Screen« zeigt diese ilmischen Einlüsse in Lindberghs Werk.

IKONEN
In der Presse wird Lindbergh als »Fotograf der Wahrheit«, aber auch als  »Poet des Glamour« bezeichnet. Da er in seinen Bildern alle Anzeichen von sozialem Status vermeidet, empindet er seine Arbeit selber eher als anti-glamourös. Er setzt keinerlei Hierarchien ins Bild, wodurch es ihm gelingt, wahrhaftige Momente einzufangen und die natürliche Schönheit und Eleganz der Person vor seiner Kamera zu zeigen. Das Kapitel »Ikonen« nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch vierzig Jahre zeitloser Bilder: Lindbergh lichtete Größen der Popkultur ab: von Kate Winslet bis Charlotte Rampling, von Eddie Redmayne bis Christoph Waltz, von Tina Turner bis Pharrell Williams.

EINBLICKE IN LINDBERGHS SCHAFFEN
Bedingt durch die Veröffentlichung in lüchtigen Printmedien, wie monatlich erscheinenden Mode-Zeitschriften, ist ein Teil von Lindberghs Werk trotz seiner historischen Bedeutung heute in Vergessenheit geraten; weitere Arbeiten wurden niemals der Öffentlichkeit gezeigt. Lindbergh gestattete Thierry-Maxime Loriot uneingeschränkten Zutritt zu seinem Archiv: Mit Objekten aus diesem riesigen Fundus konnte der Kurator das ofizielle Werk Lindberghs z. B. um Making-of- und Behind-the-Scenes-Material ergänzen und gewährt damit einen neuen Einblick in die Geschichte der Fotograie der letzten Jahrzehnte. Neben einer ilmischen Biograie über Lindbergh ist seine Dokumentation Models. The Film (1991, 52 Minuten) zu sehen sowie Interviews mit Mitarbeitern, Models und Schauspielern, darunter Grace Coddington, Nicole Kidman, Cindy Crawford und dem deutschen Supermodel Nadja Auermann.

ÜBER DEN KÜNSTLER
Peter Lindbergh ist bekannt für seine einprägsamen ilmischen Bilder und gilt als einer der einlussreichsten zeitgenössischen Fotografen. Er wurde 1944 in Lissa (Polen, damals von Deutschland besetzt) geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Duisburg. Dort arbeitete er für ein Kaufhaus als Schaufensterdekorateur, bis er sich in den frühen 1960er-Jahren an der Kunstakademie in Berlin einschrieb. In Erinnerung an diese Jahre bemerkt er: »Statt die obligatorischen Porträts und Landschaften zu malen,  wie sie an der Kunstschule unterrichtet wurden, suchte ich vielmehr die Anlehnung an mein Idol van Gogh ...«.
Inspiriert  von diesem Künstler zog er für fast ein Jahr nach Arles, bevor er per Anhalter nach Spanien und Nordafrika aufbrach. Später studierte er freie Malerei an der Kunsthochschule in Krefeld. Dort lernte er die Werke von Joseph Kosuth und die Konzeptkunst-Bewegung kennen. Noch vor seinem Abschluss wurde er 1969 von der anerkannten Avantgarde-Galerie Denise René–Hans Mayer eingeladen, seine Arbeiten auszustellen.1971 zog Lindbergh nach Düsseldorf, wo er sich der Fotograie zuwandte und zwei Jahre bei Hans Lux assistierte, bevor er 1973 sein eigenes Studio eröffnete. Durch ein Angebot des Stern-Magazins, für das vor ihm bereits Foto-Legenden wie Helmut Newton, Guy Bourdin und Hans Feurer gearbeitet hatten, wurde er in Deutschland bekannt. 1978 zog er nach Paris, um seine Karriere weiter voranzutreiben.1988 erntete Lindbergh erstmals internationale Anerkennung als Fotograf und bahnte einer neuen Generation von Models, die er kurz zuvor entdeckt hatte, den Weg zum Erfolg – aufgrund eines ganz bestimmten Fotos, auf dem er sie in schlichten weißen Hemden zeigte. Ein Jahr später fotograierte er Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Christy Turlington und die in Hamburg geborene Tatjana Patitz erstmals zusammen für das legendäre Cover der amerikanischen Vogue vom Januar 1990. Lindberghs Fotograien und insbesondere dieses Cover läuteten das Zeitalter der Celebrity-Models ein. Sie sollten das Bild der modernen Frau neu deinieren und inspirierten u.a. George Michael zu seinem legendären Musik-Video Freedom! ’90.In der Ausgabe vom Mai 2016 des bekannten Magazins Art Forum erklärte Lindbergh in einem Interview mit der Journalistin Isabel Flower: »Ein Modefotograf sollte dazu beitragen, Bilder von Frauen und Männern in ihrer jeweiligen Zeit zu verorten und ihre soziale und menschliche Realität widerzuspiegeln. Ist die Absicht der Werbung, alle Zeichen des Lebens und der Erfahrung zu retuschieren, alle individuelle Wahrheit aus dem Gesicht zu löschen, nicht surreal?«Seit den späten 1970er-Jahren arbeitete Lindbergh mit den prestigeträchtigsten Modelabels und Magazinen zusammen, sowohl für die internationalen Ausgaben der Vogue, wie auch für The New Yorker, Rolling Stone, Vanity Fair, Harper’s Bazaar US, Wall Street Journal Magazine, Visionaire, Interview und W. 2016 bekam Lindbergh den Auftrag, die 2017-Ausgabe des Pirelli-Kalenders zu gestalten – in der 50-jährigen Geschichte des Kultkalenders ist er der Erste, der dreimal gebucht wurde. Seine Arbeiten sind Teil ständiger Sammlungen in vielen Kunstmuseen auf der ganzen Welt und wurden bereits in einigen renommierten Museen und Galerien gezeigt; u.a. in Gruppenausstellungen im Victoria & Albert Museum (London) oder dem Centre Pompidou (Paris), sowie in Einzelausstellungen im Hamburger Bahnhof (Berlin), dem Bunkamura Museum für Kunst (Tokio) und dem Puschkin-Museum (Moskau). Zudem hat Lindbergh eine ganze Reihe an gefeierten Filmen und Dokumentationen gedreht: Models. The Film (1991), Inner Voice (1999), der 2000 den Preis für die beste Dokumentation auf dem Toronto International Film Festival gewann, Pina Bausch. Der Fensterputzer (2001) und Everywhere at Once (2007), der von Jeanne Moreau gesprochen wird und sowohl in Cannes als auch auf dem Tribeca Film Festival gezeigt wurde. Lindbergh wird von der Gagosian Gallery und von 2b Management vertreten.Er lebt in Paris, Arles und New York.Die Ausstellung »Peter Lindbergh. From Fashion to Reality« wurde von der Kunsthal Rotterdam in Zusammenarbeit mit dem Kurator Thierry-Maxime Loriot und Peter Lindbergh unter dem Titel »Peter Lindbergh. A Different Vision on Fashion Photography« entwickelt. Im Taschen-Verlag erschien begleitend ein hochwertiges Buch mit 472 Seiten.

Anlässlich der Ausstellung hat Peter Lindbergh die Schaufenster von Ludwig Beck am Münchner Marienplatz gestaltet.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Haus der Kunst: Free Music Production / FMP - The Living Music
Seit den 1950er-Jahren haben Jazzmusiker in den USA und in Europa versucht, ihre Produktions- und Arbeitsbedingungen selbst zu gestalten. Aus dem Bedürfnis nach Aufführungsmöglichkeiten und musikalischer Selbstbestimmung gründeten sie Kollektive, mit denen sie unabhängig von den Marktmechanismen der Musikindustrie arbeiten konnten. Sowohl hinsichtlich Langlebigkeit als auch Vielfalt der Projekte ist dabei eine deutsche Produktionsfirma bis heute einzigartig: die Free Music Production (FMP).

Die Ausstellung widmet sich der Geschichte dieses von Berlin aus wirkenden Labels, das von 1968 bis 2010 als Plattform für die Produktion, Präsentation und Dokumentation von Musik Unvergleichliches geleistet hat. Weil der Saxophonist Peter Brötzmann den Veranstaltern der Berliner Jazz Tage (heute Jazzfest Berlin) nicht garantieren konnte, dass seine Gruppe in schwarzen Anzügen auftreten würde und deshalb ausgeladen wurde, organisierte er 1968 zusammen mit dem Bassisten Jost Gebers das erste Total Music Meeting (TMM). Auf Einladung kamen die wichtigsten Vertreter des europäischen Jazz sowie eine Handvoll US-amerikanischer Musiker. Diese erste auch in den Medien gefeierte Alternative zum Jazzfest Berlin bildete den Startschuss für die Free Music Production.

1969 organisierte die FMP erstmals eine Veranstaltung in der Akademie der Künste in Westberlin, aus der dann 1970 der WorkshopFreie Musik entstand. Auf zwei Bühnen wurde öffentlich geprobt und mit dem Publikum diskutiert; über fünf Tage bildeten sich neue musikalische Gruppierungen und Dynamiken. Die FMP verließ damit die gewohnten Räume, Konzertsaal und Club; Musiker und Zuhörer lernten die Möglichkeiten anderer, offenerer Räume zu nutzen. Zunächst gab es dabei durchaus auch „Missverständnisse“, so Jost Gebers, nämlich „Musiker und Gruppen, die aus der offenen Form des Workshops wieder geschlossene Konzerte mit festgelegten Abläufen machen wollten, Publikumsgruppierungen, die mitspielen oder dagegen spielen wollten“.

Im Laufe der Jahre wurden diese Formate, der Workshop Freie Musik und das Total Music Meeting, jedoch selbstverständlich und waren der Beginn einer 40-jährigen Erfolgsgeschichte.
Ebenfalls 1969 begann die FMP auch mit der Dokumentation der Musik auf Schallplatten. Die Aufnahmetechnik war von allen Beteiligten noch zu erlernen und sollte authentisch vermitteln, wie sich improvisierte Musik aus dem Moment heraus entwickeln kann. Die Tonträgerproduktion der FMP und ihrer Sublabels umfasst annähernd 500 Einspielungen, die mittlerweile Kultstatus genießen. Das international bekannteste Produkt ist die LP (mittlerweile CD) Machine Gun des Brötzmann Octets.
In die eher von Männern beherrschte Welt des Jazz hat die FMP, angefangen mit Maggie Nicols und Irène Schweizer, von Beginn an feministische Positionen integriert. Außerdem war es das erste westliche Label, das Musiker aus der DDR sowohl in West- als auch in Ostberlin aufnahm.

1988 brachte die FMP einen Protagonisten der amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts, Cecil Taylor, in einem vierwöchigen Programm erstmals mit seinen europäischen Zeitgenossen zusammen. So entstand die international mit den meisten Preisen gewürdigte Veröffentlichung, die Box Cecil Taylor in Berlin '88 - eine einzigartige Dokumentation auf 11 CDs von Konzerten in unterschiedlichsten Besetzungen. Hergestellt in einer Auflage von 1.000 Stück wie eine künstlerische Edition, war sie bald nach Bekanntgabe des Subskriptionsangebots ausverkauft.

Die FMP hat früh afrikanische und asiatische Volksmusiken einbezogen. Im Rahmen des Workshops Freie Musik gab es Kooperationen mit Tänzern wie Pina Bausch, Min Tanaka, Ono Kazuo und Christine Brunel. Mit bildenden Künstlern wie tomas schmid, A.R. Penck, Günther Förg und Martin Kippenberger oder Literaten wie Günter Grass wurden Projekte verwirklicht. Die Ausstellung dokumentiert mit Fotografien, Postern, Flyern, Originaldokumenten, Interviews, dokumentarischen Videos und bisher unveröffentlichten Aufnahmen aus dem FMP-Archiv von Jost Gebers die verschiedenen FMP-Formate, die Arbeits- und Produktions-bedingungen des Labels und seiner Musiker, und stellt die gesamte Tonträgerproduktion vor. Kurator ist Markus Müller.Free Music Production (FMP): The Living Music ist eine Kooperation mit dem Goethe-Institut und wird durch die Kulturstiftung des Bundes unterstützt. 

In Zusammenarbeit mit Peter Brötzmann bietet das Haus der Kunst zwei im Sinne der Free Music Production gestaltete Abende an: Am 5. und 6. Mai 2017 stehen neben anderen die Gründungsväter von FMP Peter Brötzmann (Holzblasinstrumente) und Alexander von Schlippenbach (Klavier) in bewährten und neuen Kombinationen auf der Bühne. 

Konzerte 
Fr 5. Mai, 20 - 23 Uhr (mit Pause) Einlass/Westflügel: 19.30 Uhr
Sa 6. Mai, 19 – 23 Uhr (mit Pause) Einlass/Westflügel: 18.30 Uhr
„Brötzmann plus ...“ Peter Brötzmann, reeds mit Toshinori Kondo, electric trumpet; Joe McPhee, reeds, trumpet;  Heather Leigh, pedal steel guitar, Marino Pliakas, electric bass; Alexander von Schlippenbach, piano; Michael Wertmüller, drums; Han Bennink, drums
Eintritt Freitag 15 Euro / Samstag 15 Euro Freitag und Samstag 25 Euro 
Karten sind an der Kasse Haus der Kunst und online über www.hausderkunst.de erhältlich.

Fotos:
Cecil Taylor: p, Günter „Baby“ Sommer: dr, Improvised Music II, 1988
Photo: Dagmar Gebers
Copyright: Dagmar Gebers/FMP-Publishing

Joelle Léandre, Total Music Meeting 1988
Photo: Dagmar Gebers
Copyright: Dagmar Gebers/FMP-Publishing

Peter Kowald, A.R. Penck, Workshop Freie Musik 1984
Photo: Dagmar Gebers
Copyright: Dagmar Gebers/FMP-Publishing

Africa Djolé, Workshop Freie Musik 1984
Photo: Dagmar Gebers
Copyright: Dagmar Gebers/FMP-Publishing

Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen München Stadtmuseum: No secrets! – Bilder der Überwachung
No secrets! – Bilder der Überwachung

Nicht nur Geheimdienste generieren Daten aus der Nutzung von Medientechnologien; auch im "Internet der Dinge" und in den Fantasien von "Big Data" werden mediale Vorgänge, Ereignisse und Kommunikationen automatisierten Auswertungen unterzogen, die die Kontrolle des Menschen zum Ziel haben. In einem kurzen historischen Rückblick werden die Vorfahren der staatlichen Kontrolle von Mensch und Raum, etwa die Einführung der öffentlichen Straßenbeleuchtung oder die erkennungsdienstliche Fotografie als einem Vorläufer aktueller biometrischer Erfassungsmethoden, verortet. Der Hauptteil der Ausstellung präsentiert zeitgenössische Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Video, Malerei, Plakat und Installation. Mittels unterschiedlichster Taktiken versuchen sie, die heutigen Praktiken der Überwachung zu torpedieren, zu reflektieren oder zumindest sichtbar zu machen.

Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist deutlich geworden, in welchem  Ausmaß Netzwerke und Datenströme die Ziele von Überwachung und Kontrolle sind. Aber nicht  nur Geheimdienste generieren Daten aus der Nutzung von Medientechnologien; auch im "Internet  der Dinge" und in den Fantasien von "Big Data" werden mediale Vorgänge, Ereignisse und  Kommunikationen einer automatisierter Auswertung unterzogen, die Schlüsse aus dem Verhalten  des Menschen zieht.
Das meist sehr emotional und kontrovers diskutierte Thema „Überwachung“ wird im Rahmen einer  zweiteiligen Ausstellung im Münchner Stadtmuseum und in der ERES-Stiftung, München, beleuchtet.
In einem historischen Rückblick thematisiert die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum zunächst verwandte Phänomene staatlicher wie privater Raumerfassung und Personenkontrolle. So bedeutete die Einführung der öffentlichen Straßenbeleuchtung zwar einen Gewinn an Sicherheit, war zugleich aber auch ein Instrument der Macht. Die Standardisierung der Verbrecherfotografie durch Alphonse Bertillon in den 1880er-Jahren und die Erfassung von Fingerabdrücken ab 1900 erleichterten den Polizeibehörden die Identitätsfeststellung. Diese Verfahren finden gegenwärtig in der Videoüberwachung ihre Aktualisierung.
Als Mitte des 19. Jahrhunderts Fotografen wie Nadar oder James Wallace Black Heißluftballons bestiegen, waren ihre Luftbilder noch eine ganz neue, schwindelerregende Erfahrung. Mittlerweile sind Aufnahmen von Satelliten und Drohnenkameras längst schon zum Inbegriff einer allwissendenÜberwachungsästhetik mutiert.

Der Hauptteil der Ausstellung präsentiert zeitgenössische Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Video, Malerei, Plakat und Installation. Einige dieser Werke verweisen ihrerseits wiederum auf Phänomene historischer Überwachungspraxis wie etwa das Video „Panopticon“ von Hyojoo Jang. Ihre Arbeit nimmt Bezug auf Jeremy Benthams aus dem 18. Jahrhundert stammenden Entwurf eines kreisrunden Gefängnisbaus, in dem die Insassen potenziell beständig unter Bewachung standen, ohne zu wissen, ob und wann sie beobachtet würden. Benthams Idee sollte später zum Synonym für das Arsenal an Überwachungskulturen und -praktiken werden.

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Aktuelle Veranstaltung
heute
Museen Kochel Franz Marc Museum: Per Kirkeby – Torso-Ast
Per Kirkeby – Torso-Ast

Die Aufstellung der Skulptur Torso-Ast von Per Kirkeby im Museumspark gegenüber dem Haupteingang soll die für das Franz Marc Museum wesentliche Idee des Dialogs von Kunst und Natur für jeden Besucher erfahrbar machen, noch bevor er das Museum betritt. Die begleitende Ausstellung mit Skulpturen, Zeichnungen und Arbeiten auf Papier Per Kirkebys macht die Bedeutung von Torso-Ast vor dem Hintergrund dieser Phase seines Werks deutlich.

In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts schuf Per Kirkeby eine Reihe von Bronzeplastiken, die den Prozess organischer Entwicklung als Analogie der bildhauerischen Praxis anschaulich machen. Ein Arm oder ein Bein oder ein anderes Glied wird zu einem ganzen Körper. Groesseres zu denken durch `Fragmente`. Rodins Radikalisierung des Torsos. Im Rückgriff auf Rodin geht Kirkeby von Fragmenten aus – Armen, Gesichtern, Torsi, die die Materie, in die sie eingebunden sind, wie von innen her durchdringen, was sich in den vielfaeltig strukturierten, das Licht einfangenden Oberflaechen der Skulpturen spiegelt.

Die Skulptur Torso-Ast gehört zu den groessten Plastiken aus dieser Schaffensphase Per Kirkebys. Sie variiert ein traditionelles Thema der Skulptur, indem sie den menschlichen Torso zum pflanzlichen Torso werden laesst und umgekehrt. Der Rumpf koennte ein Baumstamm sein und der abzweigende Ast ein Arm. Die bewegungslose Massivitaet der Plastik laesst die Erinnerung an den antiken Herkulestorso aufscheinen, verbindet die Skulptur aber auch mit den umstehenden Baeumen, denn wie sie scheint sie aus dem Boden herauszuwachsen, in dem sie fest verwurzelt ist.

Das Verhaeltnis von Kunst und Natur ist fuer das Franz Marc Museum seit seiner Gruendung, 1986, konzeptionell grundlegend. Otto Stangl, die Gemeinde Kochel und die Franz Marc Stiftung siedelten das Franz Marc Museum damals in Kochel an, um die Kunst Franz Marcs und des Blauen Reiters in der Landschaft zu zeigen, in der sie entstand und die Inspirationsquelle dieser Kuenstler war. Diese Idee ist neben dem Leitgedanken, Franz Marc im Kontext des 20. Jahrhunderts zu praesentieren, auch seit der Eroeffnung des Neubaus und der Erweiterung der Sammlung weiterhin praesent. Seit der Neueroeffnung 2008 geht das Selbstverstaendnis des Hauses ueber die Auseinandersetzung mit der Klassischen Moderne hinaus. In Ausstellungen der letzten Jahre wurde Franz Marc Joseph Beuys, Georg Baselitz oder Per Kirkeby gegenuebergestellt und damit die Kontinuitaet bestimmter, theoretischer und gestalterischer Positionen in der Kunst des 20. Jahrhunderts thematisiert und anschaulich gemacht.

Die Ausstellung findet anlaesslich der Aufstellung der Skulptur Torso-Ast (1988) von Per Kirkeby im Park des Franz Marc Museums statt.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Fotos:
Per Kirkeby „Torso Ast“, 1988
Bronze patiniert
Auflage: 6 + 0 Guß 1/6 · 643 kg
208 x 158 x 78 cm
Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln und New York

Per Kirkeby Ohne Titel (bez.:Laeso), 1986
Tusche, Pastell, Gouache
Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln und New York
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.