DIE ERSTEN KONZERTE SIND FÜR DEN JUNI ANGEKÜNDIGT. ENDLICH!!! WIR FREUEN UNS MIT DEN KÜNSTLERN UND MIT DEN VERANSTALTERN.
Zugabe heute

Landsberg Filmforum: 1917

1917
Sam Mendes erzählt in einer einzigen langen Einstellung vom Irrsinn des Ersten Weltkrieges. Ein menschlicher Film, der differenziert von unmittelbarer Humanität erzählt.

Während sich der Erste Weltkrieg auf seinem Höhepunkt befindet, bekommen die beiden jungen britischen in Nordfrankreich stationierten Soldaten Schofield und Blake den Auftrag, tief durch feindliches Land zu gehen, um eine wichtige Botschaft zu überbringen. Doch es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn diese Nachricht muss schnell genug überbracht werden, um einen Angriff zu verhindern, der den sicheren Tod für hunderte Soldaten bedeuten würde.
R: Sam Mendes – B: Krysty Wilson-Cairns, Sam Mendes – K: Roger Deakins – M: Thomas Newman – D: George MacKay, Dean-Charles Chapman, Benedict Cumberbatch, Colin Firth, Michael Jibson, Gerran Howell – USA /GB 2019, L:119 Min. FSK 12

Bitte beachten:
Wir freuen uns, wieder Filme für Sie spielen zu können! Damit das gut funktioniert, halten wir uns strikt an die Weisungen der Behörden. Alle Vorstellungen finden unter strengen Schutz-und Hygienemaßnahmen statt, um weiterhin zur Eindämmung der Infektion mit dem Corona-Virus beizutragen. Die Sitzplatzkapazität ist daher stark begrenzt. Um Schlangenbildung an der Abendkasse zu vermeiden, wird es anders als gewohnt auch für das Filmforum einen Kartenvorverkauf geben. Karten für diesen Film erhalten Sie ab Mittwoch 08.07.2020. Genauere Informationen zum Kartenverkauf und Hygienekonzept erhalten Sie im Theaterbüro Tel: 08191 128333, Mail: kartenverkauf@landsberg.de und auf der Website des Stadttheaters www.stadttheater-landsberg.de

FILMFORUM im Stadttheater Landsberg
Schlossergasse 381
86899 Landsberg am Lech
Museen heute

Museum Penzberg: RASENGLÜCK - Die Erfindung des Elfmeterschießens

Ab 19. Mai 2020 Eröffnung!!!

Museum Penzberg
RASENGLÜCK - Die Erfindung des Elfmeterschießens

Ausstellung vom 19. Mai bis (verlängert) 04.10.2020

Wussten Sie, dass das Elfmeterschießen als Spielentscheidung in Penzberg erfunden wurde?

Vor genau 50 Jahren reichte der Penzberger Schiedsrichter Karl Wald den sogenannten „Elfmeter-Antrag“ beim Bayerischen Fußballverband ein – der Rest ist Sportgeschichte. Bis dato entschied der Münzwurf über den Ausgang eines Fußballspiels. Ausgehend von der Person Karl Wald eröffnen sich in der Ausstellung verschiedene Aspekte zu den historischen Gegebenheiten, psychologischen Faktoren und aktuellen Debatten um faire Entscheidungen im Sport. Die unparteiische Figur des Schiedsrichters steht dabei im Fokus.

Kunstrasen, ein Kickertisch und ein Tor lassen das Erdgeschoss zum Fußballplatz werden. Zugleich feiert der 1.FC Penzberg sein 100-jähriges Bestehen. Der Geschichte und Bedeutung der Sportvereine für die Bergarbeiterstadt Penzberg wird ein eigenes Ausstellungskapitel gewidmet.
Greg Colson, Andreas Gursky, Rudi Kargus, Christoph Niemann, Regina Schmeken, Janina Stübler, Günther Uecker

Kunstwerke ergänzen in einem zweiten Ausstellungsteil das Universum rund um den Fußball. Die immense Kraft, die hinter einem Schuss steckt, vermittelt Christoph Niemann mit einem Augenzwinkern in dem Sunday Sketch „World Cup“. Auch Künstler wie Günther Uecker und Greg Colson blicken humorvoll auf den populären Sport. Ob in Fotografien, als Keramik oder tatsächlich in einem Sonnensystem, sicher ist, dass der Fußball im Zentrum steht. Ungewöhnliche Aufnahmen von Stadien, Spielern und Spiel zeigen die Fotografien von Andreas Gursky und Regina Schmeken.

Über zwei Stockwerke entfaltet sich ein künstlerischer Fußball-Kosmos.
Abbildung:

Christoph Niemann, Sunday Sketch (World Cup) 2018
© Christoph Niemann, 2020
Museen heute

Museum Fünf Kontinente München: Collecting Japan. Philipp Franz von Siebolds Vision vom Fernen Osten

Museum Fünf Kontinente München
Collecting Japan. Philipp Franz von Siebolds Vision vom Fernen Osten

Ausstellung vom 12. Mai bis (verlängert) 13. September 2020
Die Japan-Sammlung Philipp Franz von Siebolds gehört zu den wichtigsten Beständen des Museums Fünf Kontinente. Erstmals seit mehr als hundert Jahren wird sie in dieser Auswahl in München und mit solchem Aufwand präsentiert. Nicht nur Japaner sind von ihr fasziniert, denn die Sammlung ist wie eine Zeitkapsel, in der sich Japans Edo-Zeit authentisch erhalten hat.

Die achteckige Schachtel enthält eine Vielzahl fein bemalter Muscheln, jede einzelne eine eigene Miniatur. Sie stammt aus dem Japan der Edo-Zeit (1603-1868). Diese Kostbarkeit und eine Fülle von Lack- und Schildpattarbeiten, Elfenbeinschnitzereien und Porzellan, filigran gearbeiteten Buddhafiguren, sakralen Räuchergefäßen, riesigen Rollbildern mit Kunstmalereien und reich verzierten Textilien bis hin zu Spielzeugfiguren und Materialproben sind in der Sonderausstellung zu sehen. Mit etwa 300 Einzelobjekten, alle gesammelt von Philipp Franz von Siebold (1796–1866), einem Würzburger Mediziner und Naturwissenschaftler in niederländischen Diensten, bietet sie als Kooperationsprojekt mit dem National Museum of Japanese History in Sakura (Präfektur Chiba) einen imposanten Einblick in weltliches wie religiöses Kunsthandwerk Japans. Die Besucher*innen haben Gelegenheit, sich mit der Geschichte des Sammlers und seiner Zeit auseinanderzusetzen, die Ordnungsprinzipien, nach welchen er seine Sammlung aufstellte zu erkunden und seinen enzyklopädischen Ansatz zu hinterfragen, mit dem er Japan für den Westen erfassbar machen wollte.

Philipp Franz von Siebold war als Stabsarzt in niederländischen Diensten einer der ersten Europäer, die das „Land der aufgehenden Sonne“ besuchten, das seit den 1630er-Jahren seine Außenbeziehungen stark kontrollierte und reglementierte. In Japan kennt ihn heute jedes Kind – in seiner Heimat bisher nur wenige Experten und Ostasien-Enthusiasten. Seine beiden Aufenthalte in Japan von 1823 bis 1830 und 1859 bis 1862 waren geprägt von fleißiger Wissenschaftlichkeit. Einerseits profitierten japanische Patienten wie Ärzte von Siebolds praktischen wie theoretischen Kenntnissen der westlichen Medizin. Andererseits wurde er 1828 wegen des verbotenen Besitzes geographischer Karten von Japan der Spionage bezichtigt und schließlich auf Lebenszeit ausgewiesen.

Siebold ließ sich zunächst in Leiden nieder, veröffentlichte Werke zur Natur- und Volkskunde Japans und stellte seine bisher gesammelten Objekte im eigenen Haus aus, zu dem er der Öffentlichkeit Zugang gewährte. Diese Praxis wurde zum Paten für ein erstes ethnographisches Museum Europas.

Nach der Aufhebung seiner Verbannung 1858 ergab sich die Möglichkeit zu einem zweiten mehrjährigen Aufenthalt in Japan. Wiederum konnte er eine Sammlung von großer Zahl wie Qualität anlegen. Nach seiner Rückkehr bot man ihm in München die Möglichkeit zu ihrer Aufstellung. Acht Jahre nach seinem Tod 1866 kaufte der bayerische Staat im Jahr 1874 diese für die damalige „Königliche Ethnographische Sammlung“ an und stellte die eindrucksvollen Objekte in einer Sonderabteilung mit der Bezeichnung „Das Siebold´sche Japan-Museum“ auf. Siebold selbst hatte seine Sammlung 1864 in einem Brief an König Ludwig II. von Bayern gelobt: „Dieselbe übertrifft in vieler Hinsicht meine erste frühere Sammlung“. Es verwundert also nicht, dass sogar das japanische Kaiserpaar 2017 eine Ausstellung mit den Münchner Exponaten besuchte.

Das Museum Fünf Kontinente präsentiert die im Haus verwahrte Siebold´sche Sammlung, indem es ein historisches Konzept Siebolds aufgreift und mit moderner Ausstellungstechnik umsetzt. Das Ergebnis ist eine großangelegte Schau, die ihren Besucher*innen einen tiefen Einblick vermittelt. Die Schönheit, Qualität und Einzigartigkeit der Sammlung ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Ein speziell für Kinder entwickeltes Begleitheft rundet den Gesamteindruck ab.
Museum Fünf Kontinente
Staatliche Museen in Bayern
Maximilianstraße 42
80538 München
Abbildung:
Eine Servierschüssel in Kranichform. (Foto: MFK, Nicolai Kästner)
Museen heute

München Haus der Kunst: Franz Erhard Walther - Shifting Perspectives

München Haus der Kunst
Franz Erhard Walther - Shifting Perspectives
Ausstellung vom 12. Mai bis (verlängert) 29. November 2020

Franz Erhard Walther (* 1939 in Fulda) – Träger des Goldenen Löwen der Venedig Biennale 2017 - ist eine Schlüsselfigur der Abkehr vom Bild seit der europäischen Nachkriegszeit. Jenseits des klassischen Verständnisses von Skulptur und Malerei formulierte er einen völlig neuen Werkbegriff, der den Betrachter als Akteur mit einbezieht.

Bereits in seinem Frühwerk beschäftig Walther sich in unterschiedlichen Medien mit dem Zufälligen und dem Prozessualen als Gestaltungsprinzipien. Gleichzeitig wurde Stoff ein bis dahin ungebräuchliches künstlerisches Material bei Walther zum Innovationsträger, aus dem die Aktivierungsobjekte hervorgingen. Mit dem Schlüsselwerk der Vier Körperformen (1963) wird der Körper zum Motiv. Es entsteht der Erste Werksatz (1963–1969), der aus 58 aktivierbaren Stücken besteht, die den Betrachter in außergewöhnliche zwischenmenschliche Situationen versetzen. Mit ihm erlebt Walther 1969 seinen Durchbruch, als er den Werksatz anlässlich der Ausstellung „Spaces“ im New Yorker MoMA präsentiert. Unter dem Einfluss der Pop Art werden Walthers Textilien zusehends farbiger. In den Wandformationen der 1980er-Jahre erzielt er eine unvergleichbare Verschränkung von Malerei, Skulptur und Architektur, die sich bis heute fortsetzt.
Die Exponate können zum Teil angezogen oder betreten werden. Das Verständnis des Betrachters von einer traditionellen Bildlogik wird auf diese Weise herausgefordert. Der Körper wird hierbei zum Medium, indem er Lebensprozesse in Bilder überführt. Im großen Saal der Ausstellung finden täglich Werkaktivierungen statt. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, teilzunehmen und ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Walthers Werk zu machen.

Kuratiert von Jana Baumann

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Franz Erhard Walther Foundation.

Abbildung:
Franz Erhard Walther
Versuch, eine Skulptur zu sein, 1958
Collection of The Franz Erhard Walther Foundation
Foto: Egon Halbleib
Franz Erhard Walther Foundation Archives
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Museen heute

Museum Fürstenfeldbruck: Bezaubernd. Magie und Zauberkunst

Die Museen im Freistaat dürfen wieder öffnen!

Museum Fürstenfeldbruck
Ausstellung: Bezaubernd. Magie und Zauberkunst
Ab Freitag, 15. Mai bis voraussichtlich Sonntag, 11. Oktober 2020

Bereits ab Freitag, 15. Mai 2020 zeigt das Museum Fürstenfeldbruck die Ausstellung „Bezaubernd. Magie und Zauberkunst“. Sie entführt in die geheimnisvolle Welt der Magie, des Okkultismus und der Zauberkunst. Magisch aufgeladene Objekte und Gemälde aus den verschiedensten Epochen von der Barockzeit bis in die Gegenwart werden die Besucher*innen verzaubern. Präsentiert werden Werke herausragender Künstler wie Carl Spitzweg, der Alchemisten und Sterndeuter augenzwinkernd skizzierte, Gabriel von Max und Albert von Keller, die sich mit okkulten Phänomen beschäftigten. Zauberrollen, Amulette, Hokuspokus-Literatur, Plakate von Zaubershows und Zauberkästen sind nur einige Objekte, die die vielen Facetten von Magie und Zauberkunst andeuten. Die Besucher*innen können selbst aktiv werden, das eine oder andere Kunststücke ausprobieren und sich von magischen Effekten in den Bann ziehen lassen.

Faszination „Zauber und Magie“
Die Ausstellung spannt den Bogen von schwarzer und weißer Magie, religiösem Wunderglauben, vom Becherspiel und den Tricks der Scharlatane über Wahrsager*innen, Salonzauber, Geisterbeschwörungen des fin de siècle bis hin zu modernen Bühnenshows, in denen gehobene Unterhaltungskunst dargeboten wird. Anhand von Illusionen, magischen Kunstfiguren und beeindruckenden Zauberutensilien geht die Ausstellung der „Faszination des Unerklärlichen“ nach.

Zur Ausstellung sind Führungen, Zaubervorstellungen und ein museumspädagogisches Programm (unter Wahrung der erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen) geplant. Es erscheint eine reichbebilderte Begleitpublikation. Auch ein virtueller Rundgang – ergänzt mit professionellen Zauberkunststücken – wird angeboten.
Abbildung:
Schichtls Original Metamorphosen, 1906
Farblithographie William Rohde,
kaschiert auf Leinen
Münchner Stadtmuseum
Museen heute

Murnau Franz Marc Museum: Franz Marc - Die Skulpturen

Franz Marc Museum
Franz Marc - Die Skulpturen

Ausstellung vom 15. Mai 2020 bis 31. Januar 2021

Franz Marc hat sechzehn Skulpturen geschaffen, eine neben seinem malerischen und graphischen Oeuvre kleine, aber wichtige Werkgruppe. Sie entstand zwischen 1904 und 1914. Die Skulpturen sind im Zusammenhang mit den motivischen und thematischen Interessen zu sehen, die Franz Marc zur gleichen Zeit in der Malerei verfolgte. Parallel zu den Skulpturen entstanden Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde seiner skulpturalen Motive. 
 
Die Ausstellung „Franz Marc. Die Skulpturen“ entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale), das die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung der Skulpturen Franz Marcs spontan aufgegriffen und ihre Umsetzung in jeder Hinsicht kooperativ unterstützt hat. Ergänzt durch wenige Leihgaben aus dem Lenbachhaus in München und dem Schlossmuseum Murnau verfügen das Franz Marc Museum in Kochel am See und das Kunstmuseum Moritzburg gemeinsam über fast alle Skulpturen, die Marc geschaffen hat. Dazu gehören nicht nur die Bronzegüsse, sondern auch seine Entwürfe in Wachs, sowie die Steinskulpturen, so dass die Ausstellung einen breiten Überblick über Franz Marcs skulpturales Werk gibt.
 
Für die plastische Arbeit Franz Marcs spielten auch biographische Faktoren eine Rolle. So modellierte Marc seine mehrfarbige Schafsplastik in Wachs zwischen 1905 und 1907, als er die Sommermonate auf der Staffelalm verbrachte und dort auch Schafe zeichnete und malte. Während seines ersten Sommers in Sindelsdorf 1908, mit Blick über hügelige Wiesen mit weidenden Pferden, entstand die Skulptur Zwei Pferde. Nach dem endgültigen Umzug von München nach Sindelsdorf, 1910, wo die im Haus lebenden Katzen ihm im Atelier Gesellschaft leisten, schuf Marc 1912 eine Katze in Stein. Dagegen entstanden die Zwei Bären erst 1910, im Rückgriff auf mehrere Skizzen,1 die der Maler 1907 im Berliner Zoo gemacht hatte. 
 
Die Skulptur Zwei Pferde ist mit wichtigen schriftlichen Äußerungen des Malers verbunden. Im Rückblick auf das vergangene Jahr schrieb Franz Marc am 29. Dezember 1908 an Maria Franck: „ …ich denke … mit dem kleinen Lot Befriedigung über das, was ich in diesem Jahr gearbeitet habe und mit dem Bewusstsein meines Könnens, zu dem nicht zum wenigsten in diesen Weihnachtstagen eine Pferdegruppe aus Wachs beiträgt, die ich in kurzen 2 Tagen in Pasing modelliert habe – fein, das kann ich Dir schwören. Ich werde jetzt jedenfalls versuche, mir mit Bronze-Plastiken Geld zu machen…“2 Anfang 1909 ließ Marc zwei Güsse dieser Skulptur anfertigen und 1910 wurden „Zwei Pferde“ in dem von Reinhard Piper herausgegebenen Buch „Das Tier in der Kunst“ abgebildet. Franz Marc schrieb einen Essay für diese Publikation, seinen ersten theoretischen Text, in dem er seine zentrale künstlerische Intention formulierte: „Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur Animalisierung der Kunst …als das Tierbild. Darum greife ich danach. Was wir anstreben, könnte man eine Animalisierung des Kunstempfindens nennen … . Meine Plastik ist ein tastender Versuch nach derselben Richtung. Das Kreisen des Blutes in den beiden Pferdekörpern, ausgedrückt durch die mannigfachen Parallelismen und Schwingungen der Linie.“3 Beide Quellen lassen die Bedeutung der Pferdeplastik für Marc erkennen. Sie zeigen, dass der Künstler sich klar darüber war, dass ihm mit dieser Skulptur ein Schritt in die künstlerische Richtung gelungen war, die er in seiner Malerei bisher vergeblich verfolgte. Damit kommt der plastischen Arbeit Marcs 1908/9 die Funktion eines Katalysators zu, eines Vorläufers der bedeutenden Gemälde, die Marc ab 1910 schuf.
 
Natürlich setzte Marc sich auch mit der zeitgenössischen Skulptur auseinander. So ist bei seinem großen weiblichen Torso in Bronze der Einfluss Auguste Rodins unverkennbar. Bei seiner Tierplastik wird dagegen ein neuer Ansatz deutlich. Im Unterschied etwa zu August Gauls Skulpturen, die die Tiere in einer natürlichen Haltung zeigen, sind die Darstellungen Marcs durch eine abstrakte Vorstellung geprägt. Position und Bewegung der Tiere fügen sich einem imaginären, übergreifenden Rhythmus der Natur ein, ausgedrückt durch „die mannigfachen Parallelismen und Schwingungen der Linie.“ 
 
Die in Kochel am See gezeigten vierzehn Skulpturen werden am 3. Juli 2020 zum Ausgangspunkt für einen Studientag über Franz Marcs plastische Arbeit, zu dem Kunsthistoriker und Restauratoren zusammenkommen.  Nachmittags sind vier öffentliche Vorträge mit folgenden Referenten geplant:  Annegret Hoberg (Lenbachhaus, München) Felicia Leu (Franz Marc Museum, Kochel am See) Hans-Jörg Ranz (Bayerisches Nationalmuseum, München) Cornelia Wieg (Kunstmuseum Moritzburg, Halle / Saale)
 
Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel a. See 

Abbildung:

Franz Marc, Panther, 1908-09,
Franz Marc Museum, Franz Marc Stiftung,
Dauerleihgabe der Erbengemeinschaft nach Maria Marc,
Foto: collecto.art
Museen heute

München Literaturhaus: THOMAS MANN: DEMOCRACY WILL WIN!

THOMAS MANN: DEMOCRACY WILL WIN!
Literaturhaus München
Ausstellung vom 28. Mai bis 04. Oktober 2020

    »Es ist mit der Selbstverständlichkeit der Demokratie in aller Welt eine zweifelhafte Sache geworden. Es ist die Stunde gekommen für eine Selbstbesinnung der Demokratie, für ihre Wiedererinnerung, Wiedererörterung und Bewußtmachung – mit einem Wort: für ihre Erneuerung im Gedanken und im Gefühl.«
    THOMAS MANN: VOM ZUKÜNFTIGEN SIEG DER DEMOKRATIE, 1938

»Es ist ein schreckliches Schauspiel, wenn das Irrationale populär wird«, so Thomas Mann 1943 in seiner berühmten Rede in der Library of Congress. Wie er dagegenhielt – das ist von inspirierender Aktualität. Denn heute erleben wir, dass die Grundwerte der Demokratie wieder in Frage gestellt werden, dass Populismus und Nationalismus unsere demokratische Gesellschaft massiv unter Druck setzen. Die Ausstellung »Thomas Mann: Democracy will win!« versteht sich als konkreter Beitrag zur aktuellen Debatte auf beiden Seiten des Atlantiks.

    »Es handelt sich um die Lebensbedingungen unserer Kinder. Daß wir Fünfzigjährigen das Europa noch sehen werden, in dem unsere Kinder wohnen sollen, wohnen wollen, ist kaum wahrscheinlich. Aber wir können […] wirken helfen, daß es werde.«
    THOMAS MANN: »ZUM I. PANEUROPA-KONGRESS IN WIEN«, 1926

Das Thomas Mann House in Pacific Palisades bildet das räumliche und metaphorische Zentrum der Ausstellung. Der weltberühmte Exilant warb von hier aus, im »Weißen Haus des Exils« (Frido Mann), für ein neues Demokratieverständnis. Heute steht das Haus wieder im Dienste des intellektuellen Austauschs und der transatlantischen Verständigung.

    »Ich habe keine Furcht um das endgültige Schicksal der Demokratie, trotzdem sie ihren Sieg in Europa durch ihre eigene moralische Schwäche gefährdet […] aber die Demokratie ist ewig menschlich […].«
    THOMAS MANN: »BOTSCHAFT AN AMERIKA«, 1938

Der erste Teil der Ausstellung stellt die politische Biografie Thomas Manns in ihrer Entwicklung vom Monarchisten zum wirkmächtigen Gegner des Nationalsozialismus und engagierten Kämpfer für die Demokratie vor. Fotografien, Texte, Auszüge aus den berühmten Radioansprachen »An die deutschen Hörer!« und Originalexponate zeichnen seine intellektuellen, politischen und räumlichen Wege nach.

    »Wir alle tragen Verantwortung, gemeinsam jede und jeder von uns für dieses Land, welches unser aller gemeinsames Zuhause ist«.
    IGOR LEVIT, STARPIANIST«

Der zweite, multimediale Teil schlägt einen Bogen zur Gegenwart. Was macht einen politischen Menschen aus? Wie wird man zum Demokraten? Wie verteidigt man seine Haltung? Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, Filme und Interviews, Tweets und Zitate von Persönlichkeiten aus Politik und Pop, Literatur und Gesellschaft – wie Greta Thunberg oder Sa¨a Stani¨ić, Donald Trump oder Barack Obama, Igor Levit oder Edward Snowden – veranschaulichen die Virulenz der Fragestellung: Wie können wir die Demokratie als einzige mögliche Gesellschaftsform verteidigen und nachhaltig stärken? Eine Aufgabe, die heute – in Zeiten der globalen Migration, des Klimawandels, der neuen Pandemien – wichtiger ist denn je.

Die Begriffe HERKUNFT, ZEITGEIST, BEKENNTNIS, HANDELN und VERANTWORTUNG strukturieren die Ausstellung – und zeigen die Ambivalenzen, die selbst ein demokratisches System nicht aufheben kann. Thomas Manns Leben bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte, um sich mit der Lage und Zukunft der Demokratie zu beschäftigen – und dabei an Manns Diktum festzuhalten: »DEMOCRACY WILL WIN!«

    »Von diesem Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren. Von diesem Tag an wird es nur noch ‚America first‘ heißen, ‚America first‘.«
    DONALD TRUMP IN DER ANTRITTSREDE ANLÄSSLICH SEINER AMTSEINFÜHRUNG, 20. JANUAR 2017

    »Not ‚America First’ but ›Democracy First‹ and ›Human Dignity First‹ is the slogan which will really lead America to first place in the world […].«
    THOMAS MANN IM INTERVIEW IN GREENSBORO DAILY NEWS, 31. OKTOBER 1941

Literaturhaus München
Salvatorplatz 1,
80333 München


Abbildungen:

THOMAS MANN: »DEMOCRACY WILL WIN!«
ZEITGEIST // IN DER AUSSTELLUNG (Gestaltung: unodue{)
Foto: © Catherina Hess

Museen heute

Buchheim Museum Bernried: WAHRHEITSMALEREI - EXPRESSIVER REALISMUS AUS DER SAMMLUNG HIERLING

Buchheim Museum BernriedWAHRHEITSMALEREI - EXPRESSIVER REALISMUS AUS DER SAMMLUNG HIERLING
Ausstellung vom 30. Mai bis 18. Oktober 2020

Der Sammler
Joseph Hierling wohnt 5 Kilometer entfernt vom Buchheim Museum in Tutzing. Er wurde 1942 in München geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre wurde er Fernsehkameramann. Er war Personalratsvorsitzender beim Bayerischen Rundfunk und Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst in Bayern. 1981-1994 führte er zudem eine Galerie in München. 1990 bis 2002 war er Leiter der Film- und Fernsehproduktion beim Bayerischen Fernsehen. Seine Sammlung baute Hierling über die Jahrzehnte hinweg und in enger Zusammenarbeit mit dem Marburger Kunsthistoriker Rainer Zimmermann (1920-2009) auf, der als Wiederentdecker des »Expressiven Realismus« gilt.

Sammlung
Zimmermann würdigte die Sammlung Joseph Hierling als »größte und qualitätsvollste Kollektion von Gemälden des Expressiven Realismus«. Lothar-Günther Buchheim, der Gründer dieses Museums, fand einst die Vorstellung »bestrickend«, ihre Bilder in der Nähe seiner Expressionistensammlung ausgestellt zu wissen. Noch im Wachsen begriffen, umfasst die Sammlung von Joseph Hierling derzeit über 1.280 Gemälde und einige Skulpturen von über 300 Künstlern des »Expressiven Realismus«.

Ausstellung
Die Präsentation ist, dem Motto Buchheims folgend, ein »Fest fürs Auge«! 88 Werke von 53 Künstlerinnen und Künstlern wurden für die Ausstellung ausgelesen. Die Künstlerbiografien sind an den Werken zu finden. Im benachbarten Expressionistensaal hängen die »Gemälde der Brücke« aus den Sammlungen Gerlinger und Buchheim. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Für Buchheim ist der Expressionismus keine abgeschlossene Epoche, im Gegenteil: Er vertritt die Ansicht, dass der Begriff die widerstrebenden Grundtendenzen verkörpere, die für die gesamte Kunst der Moderne bis zur Gegenwart maßgeblich sind: das Suchen nach der »dingbezogenen Form« und das »autonome Gestalten mit frei erfundenen Zeichen«.

Expressiver Realismus
In diesem Spannungsfeld zwischen Realismus und Abstraktion agierten auch die Vertreter des »Expressiven Realismus«. Die Künstler dieser zwischen den beiden Weltkriegen im deutschsprachigen Raum vorherrschenden künstlerischen Strömung wurden zwischen 1890 und 1914 in Deutschland und Österreich geboren. München war neben Berlin, Dresden und Stuttgart ihre wichtigste Begegnungsstätte.
Die Entdeckung des »Expressiven Realismus« steht immer noch am Anfang. Die Künstlerinnen und Künstler dieser »Verschollenen Generation« erlebten ihre Erfolge in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen. Nach Verfemung durch die Nationalsozialisten erlitten sie in der Nachkriegszeit eine zweite Diskriminierung. In Auseinandersetzung mit Impressionismus, Expressionismus und neuer Sachlichkeit waren sie in den Weimarer Jahren (1918-1933) zu einer von malerischen Valeurs und kompositorischer Schönheit geprägten Malerei gelangt. Dies passte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in das Bild einer nach reiner Abstraktion strebenden Kunstgeschichte. Der »Expressive Realismus« galt dann als rückständig. Dabei stand er in seiner Zeit genau für das Gegenteil: für einen Fortschritt der Kunstgeschichte!
1920 galt der Expressionismus als »tot«, seine abstrahierenden Stilisierungen drohten zu leeren Formeln zu verkommen. Eine neue Generation trat an, um dem »Spiritualismus« des Expressionismus einen »neuen Realismus« entgegenzusetzen. Die breite Bewegung betrieb eine neue Hinwendung zur Wirklichkeit, aber auch eine Wiederbelebung malerischer Qualitäten. Viele Einflüsse vorangegangener Strömungen wurden aufgegriffen und zu einer neuen Synthese verbunden. Die Tonigkeit und die Pastosität des Impressionismus wurden wiedererweckt und mit Ausdrucksformen des Expressionismus vermengt. In seiner Wirklichkeitsnähe kommt der »Expressive Realismus« der »Neuen Sachlichkeit« nahe, jedoch lässt er deren kühle Distanz beiseite. Die Künstler des »Expressiven Realismus« lassen den Ersten Weltkrieg hinter sich. Ihre »Wahrheitsmalerei« öffnet sich den Themen des Lebens meist mit sonnigem Mitgefühl und Freude an Schönheit. Diesem Ethos folgen die Kapitelgliederung von Ausstellung und Katalog: ›Stadt‹, ›Land‹, ›Nackte‹, ›Interieurs‹, ›Blumen‹, ›Männer‹ und ›Frauen‹ im Saal sowie ›Kinder‹ auf der Galerie eine Etage höher.

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
D-82347 Bernried
Abbildung:
Erich Glette, Blumentisch mit Mädchen, 1936,
Sammlung Joseph Hierling
Museen heute

München Stadtmuseum: Ready to go! Schuhe bewegen

München Stadtmuseum

Ready to go! Schuhe bewegen
Ausstellung vom 15. November 2019 – verlängert bis 17. Januar 2021
Die Schau bietet einen Rundgang mit kulturhistorischen und soziologischen Aspekten, wobei anhand von ca. 500 Paar Schuhen immer wieder die Emotionen im Vordergrund stehen, die entsprechende Fußbekleidung hervorrufen kann.

Der Schuh als Statussymbol dient dem Träger/der Trägerin als auch den Betrachtern gleichermaßen als bewundernswertes Objekt. Absatzschuhe des Barock und Rokoko erhöhten ihre Träger demonstrativ über das einfache Volk. Heute machen Designerschuhe von Dior, Ferragamo, Manolo Blahnik, Christian Louboutin oder Stuart Weitzmann glücklich. Schuhe fungieren als Machtsymbol oder als Zeichen bzw. Statement einer Gruppenzugehörigkeit. Hier kommen Boots aus der Raver-Gothic- Szene zu Wort. Die Bedeutung der Fußbekleidung für die Gender-Thematik schlägt den Bogen von der knabenhaften Frau in Budapestern zur damenhaften Drag Queen in High Heels.

Auch der Voyeur steht im Fokus, der in der Betrachtung der entsprechenden Fußbekleidung Erregung und Befriedigung erfährt. Als Fetisch lässt der Schuh Sammlerherzen höher schlagen und verlangt absolute Hingabe. Pumps dienen als Symbol weiblicher Fußbekleidung als Mittel der Verführung, während Stöckelschuhe als übersteigertes Reizobjekt Lust und Pein bereiten können. Die Parallelität von Schnürstiefeln und Schnürkorsagen zeigt die optische Faszination für enge und kurvige Silhouetten. Im Namen der Erotik werden für kleine zierliche Füße Schmerzen und Fußverstümmelung in Kauf genommen, was in China der Lotus- oder Lilienfuß demonstriert, ist in der westlichen Mode der Hallux Valgus.

Es liegt in der Natur der Sache, Schuhe als Gebrauchsgegenstand und Fortbewegungsmittel zu beleuchten. Hier reduziert sich die Bedeutung von Fußbekleidung und ihre ursprüngliche Funktion weitgehend auf den Schutz und den Halt beim Stehen und Gehen und stellt den Träger / die Trägerin in den Mittelpunkt. Die Beispiele reichen vom historischen Wanderschuh bis zum aktuellen Schuhwerk eines Geflüchteten. Materialien der Kriegs- und Notzeit wie alte Gummireifen, Kork, Stroh, Holz und Nägel werden Baumpilzen, Mais, zerriebenen Steinen und Tierhufen gegenüber gestellt, mit welchen heute Künstlerinnen und Künstler und Designerinnen und Designer experimentieren.

Neben dem vielfältigen hauseigenen Sammlungsbestand werden als Kontrast 35 herausragende und zum Teil bizarre Schuhobjekte internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert, welche die Thesen und Aussagen der Schau abstrahieren: Amber Ambrose, Irene Andessner, Aya Feldman, Cristina Franceschini, Joyce de Gruiter, Xavier G-Solis, Zaha Hadid, JANTAMINIAU, Kaarina Kaikkonen, Kenneth Kirschner, Rachel de Kler, Kobi Levi, Alice van Opstal, Caro Peirs, Peter Popps, Svenja Ritter, Iris Schieferstein, Tali Sorit, Kermit Tesoro, Joyce Verhagen, Betony Vernon, Sousan Youssouf, Erwina Ziomkowska.

In Kooperation mit der Kulturvermittlung und der Fachstelle Inklusion gibt es Stationen, die den Besucherinnen und Besuchern das Thema Schuhe durch Hören, Tasten und Laufen näher bringen sollen. Inklusive Angebote sollen hierbei als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden und sich dem Publikum als neue Sinnes-Erfahrung erschließen.
Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Abbildung:
„Rucke di guh, Blut ist im Schuh“
Schuhe für Lotosfüße,
um 1900 Plateau-Heels, 1989
© Münchner Stadtmuseum
Museen heute

Stadtmuseum München: Vorbilder / Nachbilder.

Stadtmuseum München

 Vorbilder / Nachbilder. Die fotografische Lehrsammlung der Universität der Künste Berlin 1850-1930
Ausstellung vom 7. Februar – verlängert bis 26. Juli 2020
“Vorbilder / Nachbilder” – die beiden Doppelworte verweisen in ihrem Gegenüber auf Bezüge zwischen Bildern und auf eine Bildproduktion, bei der auf bereits vorliegende Bilder zurückgegriffen wird. In den Kunstakademien und Kunstgewerbeschulen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dienten Fotografien als „Vorlagen” oder „Vorbilder”; als solche fungierten sie als ein eigener didaktischer Bildtypus. Fotografische Vorlagen waren wichtige Hilfsmittel in der kreativen Praxis angehender Künstlerinnen und Künstler; im Zuge ihrer Verwendung entstanden im Kunst-Unterricht „Nachbilder”: Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken. Und die benutzten Fotografien bilden ihrerseits in gewisser Weise nach, was in ihnen mit dem Auge der Kamera „aufgenommen” ist.

Im Archiv der Universität der Künste Berlin hat sich eine umfangreiche und wertvolle fotografische Lehrsammlung bewahrt, die bis in die 1850er Jahre zurückreicht und an Vorgängereinrichtungen, der Berliner Kunstakademie und der führenden Kunstgewerbeschule, entstanden ist. Mit ihren ungefähr 25.000 fotografischen Einzelblättern, zu denen Konvolute und Alben hinzukommen, ist sie innerhalb Deutschlands einzigartig. Lange Zeit über wenig beachtet konnte sie in den zurückliegenden Jahren archivarisch und wissenschaftlich aufgearbeitet werden. In der vom Münchner Stadtmuseum vorbereiteten Ausstellung wird sie der interessierten Öffentlichkeit erstmals in größerem Rahmen gezeigt.

Die Welt der „Vorlagen” und „Vorbilder”, Muster und Modelle, die für die künstlerische Ausbildung vom 16. Jahrhundert an typisch ist, war sehr vielgestaltig. Gipse, Kupferstiche, Fotografien, Zeichnungen und Modelle gehörten dazu, aber – im Fall der Berliner Kunstakademie und Kunstgewerbeschule – etwa auch architektonische Details am Schulgebäude, ein Beet mit Pflanzen und zeitweilig sogar eine Kleintier-Haltung. Noch im Neubau der Berliner Kunstakademie von 1902 befand sich ein Antikensaal, der mit Gipsabgüssen bestückt war. Auch Fotografien wurden frühzeitig – seit circa 1855 – erworben, gesammelt und benutzt.

Um der besseren Handhabbarkeit willen montierte man die Fotografien auf Karton, der seine Schutzfunktion zum Teil auch langfristig erfüllt hat: Beschädigungen an den überlieferten fotografischen Vorlagen, wie Risse und Fehlstellen, sind meist an den Rändern zu finden, nicht auf dem Bild. Bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts hinein wurden die „Vorbilder” im Alltag des Unterrichts verwendet. In den Schulbibliotheken der Vorgängereinrichtungen lagen sie bereit und konnten in die Ateliers entliehen werden; sie wurden durch Erwerbungen ergänzt, aber auch abgenutzt und ausgesondert. Seit den 1930er Jahren geriet die ganze Sammlung außer Gebrauch, aber nicht in Verlust. Aufgrund der fast gänzlich ausgebliebenen Nutzung über viele Jahrzehnte hinweg weisen die Fotografien zwar manche Gebrauchsspuren aus älterer Zeit auf, haben sich aber insgesamt zu einem nicht geringen Teil in gutem bis sehr gutem Zustand erhalten.

Inzwischen sind sie wertvoll geworden; heute ist selten, was früher alltäglich war. Als die Fotografien „Vorbilder” waren, kam es auf das Motiv an, nicht auf den Fotografen oder die ästhetische Umsetzung – es handelte sich um Lehrmittel. Der Stellenwert der Fotografie innerhalb der Bildkünste ist inzwischen ein ganz anderer. Heute fallen die Namen bekannter Fotografen ins Auge, und die Fotografie wird als eigenständige Kunstgattung wahrgenommen.

Zu den gebräuchlichsten Bildmotiven gehören Kunstreproduktionen, Landschaften, Naturstudien (Wasser, Wolken, Bäume, Pflanzen, Felsen etc.), Architektur, Stillleben (Früchte, Glas etc.), Porträts, Genreszenen / Lebende Bilder, Akte und Tierstudien sowie Orient- und Historiendarstellungen. Die Vorlagenstudien – in Frankreich als „Études d‘après nature” verbreitet – stammen von bekannten europäischen und amerikanischen Fotografen wie Fratelli Alinari, Ottomar Anschütz, Karl Blossfeldt, Adolphe Braun, Eugène Cuvelier, Georg Maria Eckert, Constant Famin, Wilhelm von Gloeden, Albert Renger Patzsch, Jakob August Lorent, Gustave le Gray, James Robertson, Henry Peach Robinson, F. Albert Schwartz, Giorgio Sommer oder Carleton Watkins.

Eine Ausstellung des Münchner Stadtmuseums in Zusammenarbeit mit der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin und der Universität der Künste Berlin.
Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Abbildung:
Gustave Le Gray: Le Brick, Zweimaster im Mondschein, 1856, Albuminpapier
© Archiv der Universität der Künste, Berlin
Museen heute

München Lenbachhaus: SHEELA GOWDA. IT.. MATTERS

Lenbachhaus München
SHEELA GOWDA. IT.. MATTERS
Ausstellung vom 31. März bis 18. Oktober 2020

Sheela Gowda (*1957 in Bhadravati, Indien) lebt und arbeitet inBengaluru. Das Lenbachhaus zeigt ihre erste museale Einzelausstellung in Deutschland.Für ihre raumfüllenden Installationen verwendet Gowda landesspezifische Materialien, die durch Beschaffenheit, Farbe oder Geruch eine narrative Atmosphäre erzeugen und zugleich metaphorische Kraft entfalten. Der künstlerische Einsatz von Kuhdung, Kumkum-Pulver, Kokosfasern, Haaren, Nadeln, Fäden, Steinen, Teerfässern oder Abdeckplanen verbindet Vorstellungen von Handwerk und von Alltagsgebrauch mit poetischer Aufladung und bezieht sich auf das städtische wie ländliche Leben in Indien.Arbeitsbedingungen, Produktionskreisläufe, urbane Infrastruktur, traditionelles und modernes Leben sind Themen in Sheela Gowdas Kunst. Sie spürt die Materialien auf, die diese Themen repräsentieren, und setzt sie in Werke mit narrativem und assoziativem Bezug um. Dabei erzählen die Materialien und ihr gestalterischer Einsatz Geschichten, die mit kultisch-spirituellem Gebrauch einerseits und mit dem wirtschaftlich-funktionalen Nutzen ihrer Verwertung anderseits zusammenhängen. Fragen nach Arbeitsleistung sind den Werken ebenso eingeschrieben wie die Rituale des täglichen Lebens in vorindustriellen und heutigen Traditionen.In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren arbeitete Sheela Gowda mit Ölmalerei, die ihre späteren Themen bereits enthielt. Das Alltagsleben der indischen Mittelschicht, Konflikte von Frauen im Arbeits-wie privaten Leben sowie über die Medien vermittelte Bilder politischer und sozialer Spannungen waren früh Gegenstand ihresgesellschaftskritischen Denkens. Ab 1992 setzte sie Kuhdung als gestalterisches Mittel zunächst für Bilder, dann auch räumlich-installativ ein, bevor sie sich anschließend neuen Materialien zuwendete.Kuhdung als künstlerisches Material geht für Sheela Gowda mit politischem Bewusstsein einher: Die im hinduistischen Indien als heilig verehrte Kuh wird von der derzeitigen Regierung als Mittel der Stimmungsmache instrumentalisiert, um einem Hindu-Nationalismus neue Nahrung zu geben,der in den frühen 1990er Jahren die politische Bühne betrat. Gowda verleiht dem allgegenwärtigen Dung von Kühen durch ihren künstlerischen Einsatz neue Brisanz.Die Ausstellung zeigt mehrere Werkphasen: Am Beginn stehen die ersten Kuhdung-Gemälde von 1992. Sie werden hier erstmals in Europa gezeigt. Installationen aus Teerfässern, Gewürzmahlsteinen, Haar, Holz sowie Medienbilder führen Gowdas künstlerischen Weg fort. Ihre neueste, eigens für das Lenbachhaus geschaffene Arbeit aus Kuhdung bedeutet eine Wiederkehr von dessen Relevanz in der aktuellen innenpolitischen Konfliktsituation.Sheela Gowda war vertreten bei den Biennalen in São Paulo 2014, Gwangju 2014, Kochi 2012, Venedig 2009, Sharjah 2009, Lyon 2007 sowie bei der documenta 12, 2007. Einzelausstellungen fanden u.a. statt: 2019 im BombasGens, Valencia, und im HangarBicocca, Mailand; 2017 in der Ikon Gallery, Birmingham; 2015 im Para Site, Hongkong; 2014 in der daad Galerie, Berlin, im IMMA, Dublin, und im Centre international d'Art et du Paysage, Vassivière; 2013 in der Lunds Konsthall, Lund, und im Van Abbemuseum, Eindhoven, und 2010 im Office for Contemporary Art, Oslo.Kuratiert von Eva Huttenlauch
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau MünchenLuisenstraße 33,
80333 München
Abbildung:

Sheela Gowda
Making of "And...", 2007
© Sheela Gowda
Literatur
Montag, 13.07.2020

Siegfried Unseld „Reiseberichte“

Wer wusste schon, dass eines von Samuel Becketts Lieblingsbüchern Theodor Fontanes „Effi Briest“ war, oder dass der irische Autor und Nobelpreisträger Gedichte von Claudius liebte und diese frei zu rezitieren verstand? Oder dass Max Frisch seinen 60. Geburtstag in New York gemeinsam mit Siegfried Unseld verbrachte, was Anlass für ein Zerwürfnis beider...
Abzug
Sonntag, 12.07.2020

(Alp-)Traumhaft 13

Martin Gebhardt, München
(Alp-)Traumhaft 13
2020...
Musik
Freitag, 10.07.2020

Maria Kalaniemi & Eero Grundström „Mielo“

Kraftvoll klingt ihre Musik und schwerelos zugleich. Bei aller Melancholie verströmt sie aber auch Heiterkeit und Optimismus. Es gibt Kompositionen, die scheinen für den Tanzboden geschrieben und dann wieder hören wir Klanglandschaften, deren Weite und Gelassenheit beeindrucken.Maria Kalaniemi studierte Klassik, später auch Volksmusik. Sie spielte schon früh in der finnischen Provinz zu...
Ausstellungen
Freitag, 10.07.2020

Bruno Konrad: Schlafendes Tier

Bruno Konrad Schlafendes Tier, 1993,  Aquarell mit Tusche, Chinapapier, Klebetechnik,45 x 58cmVita Bruno KonradBruno Konrad (* 13. Dezember 1930 in Kaunas, Litauen; † 25. März 2007 in Höckendorf bei Dresden) war ein deutscher Maler und Grafiker. Von 1985 bis 1994 war er...
Film
Donnerstag, 09.07.2020

UNHINGED - AUSSER KONTROLLE

Es ist ein gewöhnlicher Morgen, mit einem gewöhnlichen Morgenstau, wer kennt das nicht. Und dann ist da auch noch ein Fahrer, der vor der grünen Ampel steht und nicht losfahren möchte. Der Griff zur Hupe ist das gängige Mittel, um diese Morgenschläfer aufzuwecken. Doch in dem Auto vor der jungen Mutter, die wie wild auf der Hupe zu sitzen scheint, sitzt kein verträumter Morgenmuffel, sondern ein...
Literatur
Dienstag, 07.07.2020

Massimo Listri „Wunderkammern“

Ist es nüchterne Leidenschaft oder exzentrische Sammelwut? Sind die Objekte rationaler Begierde wissenschaftlicher Natur oder sind sie das Ergebnis präziöser Egomanie? Fast alle großen Herrscher der Vergangenheit waren hingebungsvolle Sammler von ausgefallenen Gegenständen und haben einen Großteil ihres Lebens derartige Kuriositäten zusammengetragen. Dabei immer getrieben von der Faszination für...
Musik
Sonntag, 05.07.2020

Bibio „Sleep on the Wing“

Das englische Label WARP ist immer für Überraschungen gut. Und das seit etlichen Jahren. So wundert es nicht, dass schon seit einiger Zeit Stephen James Wilkinson, besser bekannt als Bibio, hier eine musikalische Heimat gefunden hat. Der Multiinstrumentalist und Soundtüftler aus Wolverhampton in Mittelengland bewegt sich stilistisch zwischen allen Stühlen, mit eindeutigen Präferenzen für britische...
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