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Inhaltsverzeichnis
Fürstenfeldbruck: Henrik Moor – Avantgarde im Verborgenen

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Dachau: Gemäldegalerie & Neue Galerie - Im Wandel des Holzschnitt

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Museum Starnberger See: Johanna Schütz-Wolff (1896-1965) Expressive Bildtep...

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Fürstenfeldbruck: Museum Fürstenfeldbruck - Künstlerbücher aus der Sammlung...

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Dachau Gemäldegalerie: Max Feldbauer - Mitten aus der Welt heraus

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Fürstenfeldbruck Museum: Carl F. Steinheil - Der fotografische Blick

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Samstag 13.08.2016
Fürstenfeldbruck: Henrik Moor – Avantgarde im Verborgenen
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Fürstenfeldbruck. Diese Ausstellung ist ein Fest für alle Entdecker und ein Genuss für alle Liebhaber der Kunst. Denn mit „Henrik Moor – Avantgarde im Verborgenen“ gibt das Museum Fürstenfeldbruck einen in diesem Umfang bisher einmaligen Einblick in das Schaffen eines Malers, der mit freundschaftlichem Beistand und der Erfahrung eines Weltbürgers einem Unrechtssystem trotzte und dabei ein künstlerisch beeindruckendes Oevre schuf. Diese Werkschau vereint Arbeiten aus über vier Jahrzehnten, realisiert von einem Individualisten, der auf ständiger Suche war, und in dessen Schaffen sich die wechselvolle Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Moor hat sich Zeit seines Lebens mit stilistischen und inhaltlichen Fragen innerhalb der angewandten Kunst auseinandergesetzt. Ein Unruhegeist, der sich von einzelnen Entwicklungen innerhalb der Kunstszene zwar sichtbar hat inspirieren lassen, doch dabei immer seinen eigenen Weg suchte. Nie hat er sich in irgendeiner Form auf eine „Mode“ aufgeschwungen, um dadurch den eigenen Erfolg zu forcieren. Was er geschaffen hat, ist das Ergebnis konzentrierten Arbeitens und der Leidenschaft für die Kunst schlechthin. Hinzu kommt eine Biographie, die in ihrer Spannung und Dramatik einem Drehbuch entstammen könnte.
Geboren wurde Henrik Moor 1876 in Prag. Der Vater war Opernsänger und Kantor verschiedener Synagogen, die Mutter Tochter eines jüdischen Holzhändlers. Mit nur neun Jahren zog die Familie Moor in die USA, wo sie drei Jahre lebte. Zurück nach Europa begann Henrik 1891 das Studium der Malerei in London, besuchte zwischenzeitlich auch eine private Kunstschule in Paris. 1884 setzte er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München fort. Nach seiner Heirat mit Eleonore Eugenie Wolff siedelte die kleine Familie, mittlerweile war Tochter Gertrud Erika geboren, nach Fürstenfeldbruck über.
Zwischenzeitlich war Henrik Moor an ersten Ausstellungen im Münchner Glaspalast und der „Secession“ beteiligt. Auch als Portraitmaler wurde er geschätzt, was ihm half, Beziehungen aufzubauen und wirtschaftlich zu überleben. Er war Mitglied verschiedener Künstlervereinigungen und beantragte mehrmals die bayrische Staatsangehörigkeit, die ihm und seiner Familie 1929 auch zugesprochen wurde.
Obwohl jüdischer Abstammung, die er lange Zeit verbergen konnte, wurde Moor 1934 Mitglied der Reichskulturkammer. Auch in den darauffolgenden Jahren gelang es ihm, Dank der Hilfe vieler Freunde und Verehrer, seine Identität zu verschleiern, so dass er 1937 sogar eine eigene „Schule für zeichnende Künste und Malerei“ in München kaufte und erfolgreich leitete, bis er 1940 an einem Blinddarmdurchbruch starb.
Die im Museum Fürstenfeldbruck ausgestellten Werke geben einen breiten und vielfältigen Einblick in ein von Farbe und Musik gekennzeichnetes Leben. Seine Arbeiten faszinieren aufgrund ihrer erfrischenden Nähe zum Impressionismus. Zugleich lassen sich deutliche Anleihen zum deutschen Expressionismus erkennen. Hier beeindrucken sie durch eine spürbare Entschlossenheit in der Umsetzung und durch ihre stimmungsaufwühlende Farbgebung. Seine Portraits zeigen Haltung und Mut zum Experiment. „Apokalyptische Reiter“ ziehen auf einem seiner Bilder, welches 1930 entstand, in eine abstrakte Schlacht, deren Intensität mit den Händen zu greifen scheint. Moor, selbst ausgezeichneter Cello-Spieler, hat immer wieder die Gefühlswelt der Musik bildhaft zum Ausdruck gebracht. Den Atem der Harmonie in farbige Kompositionen umgesetzt, den raumfüllenden Tanz der Noten in filigranen Figuren dargestellt. Musik als bunte, ausufernde Bildarchitektur. Musik als ungezügelte, sichtbare Leidenschaft. Die Landschaften leben in einer eigenwilligen, von Zartheit und derber Natur bestimmten Dynamik. Und immer wieder treibt Moor die Abstraktion voran, löst er sich vom Formalen und stößt in andere, suggestive Welten vor, wie das „Motiv aus Fürstenfeldbruck“, das um 1926 entstand. Hier wird sein Drang, künstlerisches Neuland zu erobern, vielleicht am deutlichsten spürbar. Ein begeisterndes Spiel von Farben und Formen, von Flüchtigkeit und tiefer Verwurzelung. Diese Ausstellung ist Überraschung und Erlebnis gleichermaßen.
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Sonntag 19.06.2016
Dachau: Gemäldegalerie & Neue Galerie - Im Wandel des Holzschnitt
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Dachau: Gemäldegalerie & Neue Galerie - Im Wandel des Holzschnitt

Dachau. Der Holzschnitt gehört zu den ältesten Drucktechniken der Menschheit und ist seit Beginn des 15. Jahrhunderts ein in der Kunst angewandtes und akzeptiertes graphisches Verfahren. Im Laufe seines Bestehens hat sich seine Technik, bis auf wenige Ausnahmen, nicht wesentlich geändert. Zwar findet man immer wieder einmal individuelle Unterschiede in der Umsetzung des kreativen Schaffensprozesses. Doch letztlich bleiben die klassischen Schwarzlinien- oder Weißlinienschnitte, der Flächenschnitt oder der Holzstich in ihrer visuellen Wirkung ähnlich. Wie sich jedoch der künstlerische Inhalt und der ästhetische Ausdruck im Laufe der Zeit verändert hat, machen derzeit zwei Ausstellungen in Dachau deutlich. Mit Walther Klemm und Carl Thiemann finden in der Gemäldegalerie in der Konrad-Adenauer-Straße zwei Künstler ein Podium, die, von der japanischen Tradition des Farbholzschnitts geprägt und im Umfeld des Jugendstils künstlerisch gewachsen, sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv mit diesem Druckverfahren auseinandergesetzt haben. Demgegenüber werden in der Neuen Galerie die beiden zeitgenössischen Künstler Susanne Hanus und Jan Brokof mit Arbeiten ausgestellt, die ebenfalls auf der Grundlage des klassischen Holzschnitts entstanden sind, aber in der Umsetzung eine völlig andere Herangehensweise zeigen. Zwischen beiden Entstehungsperioden liegen ca. 100 Jahre - eine reizvolle Gegenüberstellung.
Walter Klemm (geb. 1883) und Carl Thiemann (geb. 1881) stammen beide aus Karlsbad, wo sie sich zwar kannten, aber unabhängig voneinander ein Kunststudium aufnahmen. Klemm in Wien, Thiemann ging nach einer Ausbildung zum Kaufmann nach Prag, an die dortige Kunstakademie. 1905 trafen sie sich dann zufällig in Prag und spürten sofort eine künstlerische Seelenverwandtschaft. Sie tauschten intensiv ihre unterschiedlichen Erfahrungen aus, suchten sich gemeinsam ein Atelier und arbeiteten anschließend erfolgreich miteinander. Drei Jahre später zogen sie unweit der Kunstmetropole München in die Dachauer Künstlerkolonie und mieteten wiederholt ein Atelier. Doch der Zenit ihres künstlerischen Miteinanders schien überschritten. Sie fanden in der Folgezeit immer weniger Bezug zueinander, vielleicht als das Ergebnis des vorherigen, zu engen künstlerischen Austauschs. Walter Klemm nahm 1913 in Weimar eine Professur an der dortigen Kunsthochschule an, womit die gemeinsame künstlerische Schaffensphase endgültig beendet war.
Bei den in Dachau ausgestellten Arbeiten werden besonders die handwerklichen Kunstfertigkeiten deutlich, die beide in ihren Arbeiten auf der Basis von Studien und Experimenten zur Vollendung führten. Die ausgewogenen Kontraste zwischen groben, fast derben Flächen und differenziert ausgearbeiteten Feinheiten; das korrelierende Wechselspiel von Licht und Schatten; die zum Teil intensive farbliche Gestaltung - all dies trägt zu einer ganz besonderen, illustrierenden Ästhetik bei. Bei einigen der Blätter sind starke Ähnlichkeiten untereinander zu erkennen, die sich erst bei genauerer Betrachtungsweise etwas auflösen. Die von beiden geliebten Tiermotive, besonders bei Klemm machen sich seine intensiven Studien im Tierpark von Schönbrunn bemerkbar, stehen häufig im Mittelpunkt.
Susanne Hanus (geb. 1975) erzählt in ihren in der Dachauer Neuen Galerie ausgestellten Arbeiten Geschichten. Ineinandergreifende, vielschichtige bildhafte Erzählungen, alptraumartig, skurril, metaphorisch. Ihre „Holzschnitte“ verzichten bewusst auf jenen Modellcharakter, wie er den Blättern von Klemm und Thiemann zu eigen ist. Die großflächigen Arbeiten, überwiegend in Holz geschnitten und die einzelnen Tafeln wie ein Paravent zusammengesetzt, ähneln Reliefs, oder Holzgravuren. Sie dienen nicht als Druckstöcke, sondern sind Unikate, deren Vervielfältigung nicht beabsichtigt ist. Sie ermöglichen Deutungen, spielen mit Verweisen und Zitaten und wirken, auch in ihren schwarz-weiß Kontrasten, ungemein lebendig. Manche ihrer Bilder setzen sich wie Mosaike zusammen, wobei die Frage im Raum steht, ob es hier nicht noch Fortsetzungen gibt. Susanne Hanus stammt aus Berlin und hat in Dresden (HfBK), München (Akademie der Bildenden Künste) und Glasgow studiert. Auf die Frage, wie sie ihre Werke mit nur drei Worten beschreiben würde, antwortete sie im letzten Jahr: „Horizonte, Hindernisse, offen“.
Bei Jan Brokof (geb. 1977) steht deutlicher als bei allen anderen Künstlern, die eigene Sozialisation im Mittelpunkt. Er stammt aus Schwedt an der Oder. Die Einwohnerzahl der Stadt in der Uckermarck hat sich in den 1950er bis in die 1980er Jahren von 6.000 auf über 50.000 erhöht. Dieses Wachstum ist der bahnbrechenden Erdölindustrie jener Jahre zuzuschreiben, die in den Randbezirken Schwedts riesige Neubausiedlungen hat entstehen lassen, die heute, nachdem die Einwohnerzahl um über 20.000 gesunken ist, durch Leerstand und Verfall gekennzeichnet sind. Die „Platte“ ist das Hauptthema der in Holzschnitttechnik entstandenen Arbeiten Brokofs. Die triesten, eintönigen Fassaden scheinen sich besonders für dieses graphische Verfahren zu eignen. Einige Ausschnitte vergrößert und in unterschiedlichen Grautönen dargestellt, wirken wie archaische Muster, wie Zeichen oder Symbole aus einer archaischen Kultur. Brokof stellt in Dachau auch eine Installation unter dem Titel „Problemviertel“ aus, deren realistische Umsetzung als ein Lebensort der Verlierer gesellschaftlicher Entwicklungen bedrückend wirkt. Überhaupt wird deutlich, wie sich die Ausstellung „Aussen- und Innenansichten“ in der Neuen Galerie Dachau mehr zeitbezogenen Themen stellt und dabei eine stärkere soziale Komponente zum Ausdruck bringt. Aber gerade dieser spürbare Kontrast fordert heraus und macht die beiden Ausstellungen in ihrer Gesamtheit so spannend.
Jörg Konrad



WALTHER KLEMM UND CARL THIEMANN
- ZWEI MEISTER DES FARBHOLZSCHNITTES
Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau
Ausstellung noch bis 15. August 2016


AUSSEN- UND INNENANSICHTEN
HOLZSCHNITTE VON JAN BROKOF UND SUSANNE HANUS
Neue Galerie Dachau
Konrad-Adenauer-Straße 20
85221 Dachau
Ausstellung noch bis zum 17. Juli 2016
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Montag 18.01.2016
Museum Starnberger See: Johanna Schütz-Wolff (1896-1965) Expressive Bildteppiche und Grafik
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Nachlass Johanna Schütz-Wolff
Johanna Schütz-Wolff (1896-1965): Expressive Bildteppiche und Grafik
Ausstellung vom 12.11.2015 bis 28.02.2016 im Museum Starnberger See,

Der Starnberger See ist bekannt als Wohnort für berühmte Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur. Einige sind unvergessen, andere - oft zu Unrecht - in Vergessenheit geraten. Zu ihnen zählt die 1965 in Söcking verstorbene Künstlerin Johanna Schütz-Wolff. Ihr Leben und Werk wird nun anlässlich ihres fünfzigsten Todesjahres im Museum Starnberger See vorgestellt.
Johanna Schütz-Wolff gehörte in den 1920er Jahren zu den Vorreiterinnen der neuen, expressiven Webkunst. Als Studentin und später als Lehrerin der Kunst- und Gewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle entwickelte sie eine ihr eigene Webtechnik, mittels der sie eine freie künstlerische Ausdrucksmöglichkeit fand. Sie fasste die Bildweberei nicht als Kunsthandwerk auf, sondern erhob die Webtechnik zum künstlerischen Ausdrucksmittel. Ihr Anliegen war es, „etwas auszusagen über allen Nutzzweck hinaus, auszusagen über den Menschen schlechthin, die Welt, den Kosmos“ (JSW).
Es entstanden zahlreiche expressive Darstellungen des zeitlosen menschlichen Daseins, die durch ihre Kraft und tiefe Geistigkeit berühren. Sie wurden ausgestellt neben Werken von Gerhard Marcks, Karl Schmidt-Rottluff, Hans Arp, Wenzel Hablik, Anni Albers und Gunta Stölzl und fanden in der Fachwelt große Beachtung. 1928 wurde z.B. der Bildteppich „Liegende“ auf der Ausstellung „Deutsche Kunst“ in Düsseldorf mit der Silbermedaille ausgezeichnet. 
Ab 1933 wurde Johanna Schütz-Wolff in ihrer ungeheuren Schaffenskraft, die sie auch nach dem Fortgang aus Halle 1925 als Pfarrersfrau und Mutter im hessischen Schwabendorf bei Marburg nicht verlassen hatte, stark beschnitten. In ihrer vermeintlich „gewollten Primitivität“, wie es im nationalsozialistischen Duktus hieß, galten ihre Werke als „entartet“. Praktisch mit Berufsverbot belegt, arbeitete sie dennoch für Kirchen und private Auftraggeber weiter und schuf selbst in den beengten Verhältnissen des Pfarrhauses in Schwabendorf monumentale Werke.
Die Starnberger Ausstellung zeigt neben Bildteppichen auch Arbeiten aus dem druckgrafischen Werk der Künstlerin. Johanna Schütz-Wolff schuf Holzschnitte, die in Komposition und Bildaufbau durchaus Ähnlichkeit mit den oft grafisch anmutenden Bildteppichen aufweisen. Gezeigt werden Werke aus allen Schaffensphasen, von der Studienzeit in München um 1919, aus der Zeit als Dozentin in Halle (1920-25), über die Zeit als freischaffende Künstlerin in Schwabendorf (1925-1940) und Hamburg (1940-1954), wobei letztere durch den kriegsbedingten Rückzug ins bayerische Ried bei Kochel, zu ihrer Freundin Maria Marc (1941-47), unterbrochen wurde.
Auch noch in Starnberg, wo sie sich 1954 mit ihrem Mann endgültig niedergelassen hatte, entstanden Bildteppiche und Holzschnitte, von denen einige prämiert wurden und auf zahlreichen Ausstellungen international zu sehen waren. Ende der 1950er Jahre wandte sich Johanna Schütz-Wolff einer neuen Drucktechnik zu: In der Monotypie fand sie ein ideales Medium, „das im Prozesshaften und in der Einbeziehung zufälliger Wirkungen“ ihrem Ausdruckswillen entsprach. Sie schuf auf diese Weise „seltsam entrückte [...] Kompositionen, in denen menschliche Figuren nur angedeutet und wie in einem Traumreich zu schweben scheinen“, kurz „Bilder von Zartheit und Stille“ (R. Joppien).
Eine sehenswerte Schau über eine große Künstlerin, die einmal mehr zeigt, welch erstaunliche Entdeckungen am Starnberger See zu machen sind. 
Museum Starnberger See

Ausstellung vom 12.11.2015 bis 28.02.2016 im Museum Starnberger See,
Possenhofener Str. 5,
Starnberg
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Dienstag 12.01.2016
Fürstenfeldbruck: Museum Fürstenfeldbruck - Künstlerbücher aus der Sammlung Reinhard Grüner
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Fürstenfeldbruck. Bücher sind nicht gleich Bücher. Da gibt es jene, die in mehr oder weniger hohen Auflagen gedruckt und im öffentlichen Handel verkauft werden. Und dann gibt es jene, die als Einzelexemplar, oft handgefertigt zu bestimmten Anlässen entstehen und Sammlerobjekt sind. Sogenannte Künstlerbücher. Reinhard Grüner hat in mehr als vier Jahrzehnten über 1500 dieser Künstlerbücher zusammen getragen. 60 von ihnen sind noch bis zum 31. Januar im KUNSTHAUS des Museum Fürstenfeldbruck unter der Überschrift „Freundschaften und tiefe Einblicke in die Zeit - Künstlerbücher aus der Sammlung Reinhard Grüner“ zu sehen.
Bei ihnen handelt es sich ausnahmslos um Unikate, einmalige, manchmal etwas skurril anmutende „Bücher“, die ein eigenständiges Genre innerhalb der bildenden Kunst darstellen. Da wird aus einer Speisekarte ein kleines bibliophiles Kunstwerk. Seiten werden ausgeschnitten, Texte zugeklebt, handschriftliche Widmungen verfasst. Der „literarische“ Inhalt ist eingeklemmt zwischen zwei Holzräder mit Gummibeschichtung und ähnelt mehr einem bescheidenen Spielzeug, oder einer Skulptur als einem Buch. Oder ein zwischen zwei Pappdeckeln eingearbeiteter Digitalwecker mit Plexiglasschutz. „o.T.“, „ohne Titel“ nennt Zbigniew Jez zum Beispiel dieses Werk, das in der Tradition der Konzeptkunst der 1960er/70er Jahre steht. Der Fantasie und den Bezügen sind kaum Grenzen gesetzt.
„Es geht nicht um das schön gemachte Buch an sich, das häufig nicht auf gesellschaftliche und politische Prozesse reagiert, sondern darum, wie Künstler des 20./21. Jahrhunderts ihre Welt empfinden und diese Sicht künstlerisch formulieren“, schreibt Reinhard Grüner im Vorwort des Katalogs. Grüner gilt als einer der bekannteste Besitzer von Künstlerbüchern, einer, der seine Sammlung ständig erweitert und mitunter seine Wohnung schon allein aus Platzgründen wechselte. Mittlerweile geht es manchen Künstlern darum, mit einem Expose in Grüners Sammlung präsent zu sein. Auftragsarbeiten sind diesbezüglich keine Besonderheit.
So entstehen „Verrückte Bücher“, Bücher als „Spiegel von Erfahrungsräumen und Träumen“, Bücher als „Selbstreflexion“, Bücher die „Macht und Tod“ oder „Nähe und Distanz“ thematisieren, sich mit „Kindheitsträumen“ beschäftigen oder mit „Verweigerung und Angriff“. Und wer sich selbst versuchen möchte: Die Ausstellung bietet den Besuchern auch die Möglichkeit, die persönliche Experimentierfreude zu nutzen und eigene Unikate herzustellen. Wer weiß, vielleicht landet das eine oder andere Exemplar in Grüners Sammlung?
Jörg Konrad

Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Januar. Führungen in der Ausstellung mit Reinhard Grüner
am Sonntag, 31. Januar 2016, 15 Uhr.
Finissage am Sonntag, 31. Januar, 14 Uhr mit einer Lesung von Texten aus den ausgestellten Büchern mit dem Schauspieler Mike Carl
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Samstag 26.12.2015
Dachau Gemäldegalerie: Max Feldbauer - Mitten aus der Welt heraus
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Dachau. Er gehört zu jenen Malern, die weniger Wert auf das „Was“ , als auf das „Wie“ legten. Das ist bei einem, der sich in seiner künstlerischen Karriere auf nur wenige Motive konzentriert, im Fall von Max Feldbauer waren dies Rösser und Frauen, nicht unbedingt selbstverständlich. Es wäre insofern völlig falsch, ihn allein als einen Pferde- oder Aktmaler zu bezeichnen. Feldbauer ging es immer um die Ausführung, um die Farben und Formen, um Stimmungen, mit denen er regelrecht spielte, denen er in seinen Bildern faszinierend Ausdruck gab. In der Dachauer Gemäldegalerie läuft noch bis zum 18. Februar 2016 die Ausstellung „Akt und Roß genügen mir ... - Der Maler Max Feldbauer 1869-1948“.
Es ist die erste große Einzelausstellung seit über acht Jahrzehnten, die dem aus der Oberpfalz stammenden Maler gewidmet ist. Eine Schau, in der fast ausschließlich Öl auf Leinwand zu sehen ist. Obwohl Feldbauer bekannt (und auch wohlhabend) geworden ist, durch seine Zeichnungen und Karikaturen, die er nach seinem Studium an der Münchner Kunstakademie ab 1896 für die Zeitschrift „Jugend - Münchner Wochenschrift für Kunst und Leben“ lieferte. Einige Jahre später unterrichtete er an der Damenakademie in München, was seinen Bekanntheitsgrad noch einmal forcierte.
„Pferde male ich eigentlich nur zum Vergnügen, im Sommer“, schrieb er einmal. Doch aus dieser scheinbaren Laune heraus, nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang seine ländliche Herkunft, wurde eine Art Obsession. Feldbauer ließ sich nach einigen erfolgreichen Ausstellungen und Verkäufen von Gemälden 1910 in Dachau-Mitterndorf ein Haus auf dem Giglberg bauen, das auch die „Burg“ genannt wurde. Von hier aus inszenierte er seine öffentlichen Auftritte in Gutsherrenart. So gibt es viele Fotos von ihm zu Pferde (meist auf „Elster“, seinem „Lieblingspferd“ und häufigsten Modell) und mit Hund, wobei seine Kleidung der eines „englischen Landadeligen“ sehr nahe kam.
Feldbauer gehörte zu jenen selbstbewussten Malern, die bei der Arbeit an ihren Bildern mit schnellen, geschickten Strichen, oder dick aufgetragener Farbe zu einem relativ frühen Ende kamen. Er schafft keine Distanz zur Welt „draußen“, sondern malt mitten aus ihr heraus. Hier hält das Elementare Einzug. Er schätzte die nachträgliche Korrektur nicht sehr. Doch gleichzeitig wirkten gerade dadurch viele seiner Bilder lebendig, wie aus der Bewegung gerissen, oder als Momentaufnahme in einer spontanen Geste festgehalten.
Auch seinen Portraits fehlt aufs angenehmste die Perfektion, das anatomisch übermäßige Detail. Ihm ging es um Stimmungen, um Haltungen und Stil, um eine flüchtig eingefangene Emotion. Der Gesichtsausdruck, die Wesensart steht weitaus stärker im Vordergrund, als die Erkennbarkeit der Person.
Feldbauer wurde früh Mitglied der Bayrischen Akademie der Künste, unternahm viele Studienreisen. 1918 wurde er an die Staatliche Akademie für Bildende Künste Dresden berufen und hier 1928 zum Rektor ernannt. Doch er mochte Dresden als Stadt nie, blieb hier immer fremd und malte doch in dieser Zeit seine besten Bilder.
Nach einem missglückten Versuch 1931 Mitglied der NSDAP zu werden (einer der Versagensgründe lautete, seine Malerei sei französisch gesinnt) verliert er kurze Zeit darauf seine Professur, zieht nach München und bewirbt sich hier erneut um Mitgliedschaft in der NSDAP. Wahrscheinlich, um weiterhin zu den gesellschaftlich anerkannten Künstlern zu gehören und durch entsprechende Verkäufe seinen feudalen Lebensstandard zu halten. Seinem Antrag wird diesmal stattgegeben und er wird in die „Gottbegnadeten-Liste“ der wichtigsten Maler des NS Systems aufgenommen. Von da an werden seine Bilder eigenartig statisch, flach im Inhalt, ohne Ausdruck.
Jörg Konrad

Ausstellung bis 28. Februar
Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau
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Samstag 19.12.2015
Fürstenfeldbruck Museum: Carl F. Steinheil - Der fotografische Blick
Fürstenfeldbruck Museum: Carl F. Steinheil - Der fotografische Blick
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Fürstenfeldbruck. Das Museum Fürstenfeldbruck hat sich in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit Malern aus dem Umland beschäftigt und deren Werk, manchmal auch erstmalig, einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Mit Carl F. Steinheil findet nun ein Künstler Aufmerksamkeit, der selbst den Kennern der Brucker Kunstszene bisher wenig bekannt sein dürfte. Er lebte zwischen 1899 und 1908 in Emmering bei Fürstenfeldbruck. In Zusammenarbeit mit den Nachfahren des Malers entstand die Ausstellung „Carl F. Sternheim - der fotografische Blick“, die bis zum 3. April des kommenden Jahres im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen ist.
Diese Ausstellung ist eine Entdeckung und überrascht auf ganzer Linie. Es handelt sich um groß- und mittelformatige Bilder, Aquarellskizzen und Studien eines Malers, dessen Werke bisher kaum der Öffentlichkeit zugänglich waren. Steinheil, Enkel des  Physikers, Astronomen, Optikers und Unternehmers Carl August von Steinheil, hat trotz Ausstellungsbeteiligungen zu Lebzeiten kaum Arbeiten an Galeristen oder Privatsammler verkauft. Wahrscheinlich weil er, aufgrund der finanziellen Absicherung durch die eigene Familie, seine Kunst nicht als Broterwerb begreifen musste. In München geboren, besuchte er die hiesige Kunstgewerbeschule und studierte ab 1878 an der Akademie der bildenden Künste München.
Es war jene Zeit, in der die Fotografie entstand. Diese Entwicklung fand sozusagen in unmittelbarer Nähe Carl F. Steinheils statt, da um diese Zeit sein Vater die Firma vom Großvater übernahm, die sich „Optische und astronomische Werkstätte von C.A. Steinheil Söhne in München“ nannte. Hier wurde das erste symmetrische Kameraobjektiv entwickelt, ausgezeichnete Teleskope, Spektroskope und ein erstes Fotometer gebaut.
Wie bei manch anderem künstlerischen Zeitgenossen schlagen sich diese technische Neuerungen auch in Steinheils arbeiten wieder. Er begreift die Fotografie als eine Art Herausforderung und nimmt sie in manchen Arbeiten regelrecht als Wettkampf an.
Er malte Portraits (bekannt ist dabei nur ein Selbstportrait), Landschaftsbilder, Stilleben und manch faszinierende farbig-flüchtige Studie, die in ihrer stilistischen Ausdrucksweise zwischen Impressionismus und Expressionismus wechseln. Steinheil arbeitete raffiniert mit Licht, Gegenlicht oder Streulicht, manchmal derart akribisch, dass es den Anschein hat, als wolle er die Überlegenheit der Malerei gegenüber der Fotografie zum Ausdruck bringen.
Besonders inspirierend war seine Italienreise mit seinem Malfreund Kunz Meyer-Waldeck in den Jahren 1886/87. Als Ergebnis entstanden wunderbar „sonnige“ Bilder, deren Momentcharakter stark an Postkartenmotive erinnern - ohne jedoch in irgendeiner Form geschmacklos oder gar kitschig zu wirken. Ganz im Gegenteil. Den Bildern ist eine melancholische Ästhetik eigen, die das südländische Lebensgefühl in seiner ganzen Farbigkeit und seinem nachdenklichen Stolz zum Ausdruck bringt.
1905 heiratet Carl F. Steinheil Isabella Wilson, selbst eine Malerin, aus Gießen kommend, die sich jedoch nach der Geburt ihrer ersten Tochter ganz der Familie verpflichtet fühlte.
Besonders beeindruckend in dieser Ausstellung sind immer wieder die realistischen Landschaftsbilder, in denen das Wechselspiel der Formen und Farben, die Wirkung des Lichts und die fast rauschhaften Schatten faszinieren. Die Natur als Arbeitsgebiet, in ihrer Derbheit, als auch in ihre Fragilität ins Verhältnis zu setzen. Steinheil wirkt in seiner Arbeitsweise unglaublich vielseitig. Mal mit harten, widerbostigen, dicken Pinselstrichen, dann wieder mit feiner Feder das nötigste skizziert. Diese Arbeiten berühren die Sinne und die Fantasie, sie bewegen in ihrer Sensibilität und in ihrer Leidenschaft.
Jörg Konrad
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