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Dachau: Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galeri...

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Museum Fürstenfeldbruck: Selma und Adolf Des Coudres - Ein ungleiches Künst...

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Landsberg Städtische Museen: Hubert von Herkomer - Malerfürst und Grafiker

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Bernried Buchheim Museum: Ausstellung Grosz-Krieg-Grotesk

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Dachau Bezirksmuseum: 1914 - Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg im Dachau...

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München Hypo Kunsthalle: Dix / Beckmann - Mythos Welt

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Samstag 13.12.2014
Dachau: Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galerie Günther Franke aus dem Jahr 1932
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Dachau. Als Günther Franke kurz vor der Machtübernahme der NSDAP in München das „Graphische Kabinett“ in der Brienner Straße als Geschäftsführer übernahm, hatte er zuvor in Berlin schon enge Kontakte zu Lionel Feininger, Max Beckmann, Otto Dix und Alfred Kubin geknüpft. Der Galerist und Kunsthändler gehörte zu den wenigen wichtigen Ausstellern von Zeitgenössischer Kunst jener Zeit. In München begab sich Franke auf die Suche nach jungen, eigenwilligen Künstlern, deren Entwicklung er begleiten und vielleicht beeinflussen, deren künstlerisches Schaffen er entsprechend ausstellen und vermitteln konnte. So stieß er auf Joseph Mader, Fritz Müller und Max Wendl, die schon zuvor untereinander befreundet waren und sich für eine Gemeinschaftsausstellung anboten. Trotz, oder vielleicht gerade aufgrund der Verschiedenartigkeit ihre Persönlichkeiten ein ideales Gespann.
Die Ausstellung „Mader-Müller-Wendl - Rekonstruktion einer Ausstellung bei Günther Franke 1932“ in der Gemäldegalerie Dachau kommt einer dokumentarischen Zeitreise nahe. Eine historische Rückschau, in deren Zentrum die Moderne Zeitgenössische Kunst jener unruhigen Jahre steht. Ein Großteil der damals ausgestellten Arbeiten sind heute leider verloren. Die fehlenden Bilder und auch Skuzlpturen sind mit Hilfe von Fotografien ersetzt. So hat man versucht, das „Graphische Kabinett“ und die besagte Ausstellung nachzuempfinden.
„Mader - Müller - Wendl“ ist zugleich der Versuch einer ästhetischen Nachbildung, etwas längst Vergangenes in die Gegenwart zu projezieren, um neben den zeitlos anfeuernden Arbeiten drei befreundeter Künstler auch ein klein wenig von dem Ausstellungsambiente zu vermitteln, wie es 1932 im „Graphischen Kabinett“ in der Münchner Brienner Straße zu erleben war. Die Vorgeschichte des Zustandekommens der damaligen Gruppenausstellung ist dabei ebenso interessant.
Die politischen wie die wirtschaftlichen Verhältnisse zum Ende der Weimarer Republik waren schwierig. Und hätte sich nicht Richard Riemerschmid, „der Pionier der deutschen Jugendstilbewegung“ und Kunstpädagoge, bei dem Mader, Müller und Wendl in Köln studierten, vehement für die Gruppenausstellung bei Franke engagiert - sie wäre höchstwahrscheinlich nicht zustande gekommen. Franke, der bis 1976 Galerien in München leitete, musste neben dem künstlerischen Anspruch ja auch auf die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Ausstellungen achten. Arbeiten von jungen, noch wenig bekannten Malern und Bildhauern mit anspruchsvollen Ideen und völlig autarken Idealen, die sich zudem in ihrer Strum-und-Drang-Phase befanden, waren in jener Zeit finanziell nur sehr schwer zu vermitteln.
Der Maler Joseph Mader stand Günther Franke gedanklich dabei am nächsten. Mader, stark unter dem Eindruck von Max Beckmann, arbeitete expressiv farbig, mit schroffen Kanten, gefurchten Linien, in einer rauen und doch sehr poetischen Formensprache. Max Wendls Arbeiten hingegen zeigten sich flächiger, gestaltender, nie völlig in die Abstraktion gleitend. Seine Farben gehen ineinander über, die Konturen verschwimmen an ihren Rändern, wirken teilweise wie flüchtig Farbskizzen. Fritz Müllers eigenwilliges bildhauerisches Schaffen war zur damaligen Zeit gekennzeichnet von unproportionierten Figuren, von Skulpturen, deren provozierende Formen sich als verwinkelte, verschränkte Konstruktionen darstellten. Aber auch klare, langgezogene Körperformen, die in ihrer Gradlinigkeit afrikanischer Stammeskunst sehr nahe kommen, sind von ihm zu sehen.
Allen drei Künstlern ist in der Folgezeit ein ähnliches Schicksal Widerfahren. Sie gehörten einer Generation von Menschen an, deren Biographien aufgrund des aufziehenden Nationalsozialismus einen erschütternden, einen irreparablen Bruch erhalten haben. Jeder Einzelne galt als große künstlerische Hoffnung jener Zeit und ist heute fast vergessen. Auch aus diesem Grund ist diese Ausstellung eben nicht nur ein wichtiges Zeitdokument, sondern zugleich eine kunsthistorische Herausforderung und Entdeckung.
(Die Ausstellung „Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galerie Günther Franke aus dem Jahr 1932“ läuft noch bis zum 22. Februar 2015 in der Dachauer Gemäldegalerie, Konrad-Adenauer-Str. 3)

joerg k
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Sonntag 31.08.2014
Museum Fürstenfeldbruck: Selma und Adolf Des Coudres - Ein ungleiches Künstlerpaar
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Fürstenfeldbruck. Selma und Adolf Des Coudres entsprachen so gar nicht dem typischen Rollenverständnis jener Zeit.  Zieht man ein Resümee ihres Lebens, gab es beträchtliche künstlerische Kontraste und biographische Gegensätze. In den wenigen gemeinsamen Jahren, die ihnen vergönnt waren, miteinander zu verbringen,verstanden sie diese Verschiedenartigkeit aber als Herausforderung, als Grundlage für anregende kreative  Auseinandersetzungen, die sie nicht selten mit einem gehörigen Schuss Humor vorantrieben. Selma und Adolf Des Coudres, die beiden Fürstenfeldbrucker Maler, waren „Ein ungleiches Künstlerpaar“. So lautet auch der Titel einer bemerkenswerten Ausstellung im Museum Fürstenfeldbruck, die noch bis zum 5. Oktober zu sehen ist.
Natürlich stand im Vordergrund ihres gemeinsamen Lebens die übereinstimmende Verbundenheit. Die große stattliche Baltin und der eher kleine und fast unscheinbare aus Karlsruhe stammende Adolf DesCoudres lebten zwischen 1918 und 1924 zusammen in der Fürstenfeldbrucker Schöngeisinger Straße 6. Hier malten sie miteinander, inspirierten sich gegenseitig und hatten gemeinsame Freunde. In diesen Jahren entstanden eine Vielzahl von Arbeiten, die mit zu den interessantesten und beeindruckendsten ihrer gesamten Künstlerkarriere gehören. Alles was sie zuvor probierten, womit sie experimentierten, was sie kreativ vorantrieben, fand in dieser Zeit eine Art künstlerische Vollendung.
Dieses künstlerische Voranschreiten zeigt sich auf besondere Weise bei Selma Des Courdes. Bevor sie 1918 in Fürstenfeldbruck ansässig wurde und drei Jahre später Adolf Des Coudres heiratete, hatte sie schon ein stark bewegtes Leben hinter sich. Geboren auf der Halbinsel Libetsholm, nördlich von Riga in Lettland gelegen, besuchte sie früh verschiedene Mal- und Zeichenschulen. Sie gehörte schnell „zur ersten Garde baltischer Künstler“, die, aufgrund geschichtlicher Ereignisse und politischer Wirrnisse, für kurze Zeit um eine künstlerische Unabhängigkeit kämpfte. Ihre frühen Zeichnungen und Illustrationen veränderten sich relativ schnell, bekamen, nicht zuletzt aufgrund ihrer Studien während der Sommermonate in München, Dachau und Feldwies am Chiemsee, einen unruhigeren, bewegteren und auch abstrakteren Zug. Sie lernte bei einem dieser Aufenthalte auch Joachim Ringelnatz kennen, verkehrte im legendären Münchner Künstlerlokal „Simplicissimus“ und hatte zudem Kontakte zu Olaf Gulbransson, Max Unold und natürlich zu Adolf Hölzel. Später, nach Adolfs Tot, ist von diesem permanenten Streben nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen nur noch wenig zu spüren. Gründe hierfür waren mit großer Wahrscheinlichkeit „weltgeschichtliche Katastrophen und finanzielle sowie gesundheitliche Probleme“.
Selma und Adolf Des Coudres waren anfangs leidenschaftliche Landschaftsmaler. Später haben sie, besonders in ihren gemeinsamen Schaffensjahren, die künstlerische Herausforderung stärker in Stilleben und Porträts gesucht. Besonders bei den Stilleben handelt es sich häufig um identische oder zumindest ähnlichen Vorlagen, die oft mit verwandten und wiederkehrenden Farbtönungen malerisch umgesetzt wurden.
In den Arbeiten jener Jahre spiegelt sich formal und auch farblich der Übergang vom Impressionismus hin zum unruhigen, fiebrig herausfordernden Expressionismus wieder. Man spürt in vielen der ausgestellten Werke eine innere Unruhe, ein schöpferisches Unterwegssein. Strukturen werden aufgelöst, gehen ineinander über, Formen werden über den kräftigen Gebrauch der Farbpalette zum Ausdruck gebracht.
Insgesamt dokumentiert und verbindet die Schau „Selma und Adolf Des Coudres - Ein ungleiches Künstlerpaar“ auf wunderbare Weise sowohl Kunst-, als auch Zeit- und Ortsgeschichte. Ein sehr informativer und ansprechend gestalteter Katalog rundet diese sehenswerte Ausstellung hervorragend ab.
joerg k
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Montag 04.08.2014
Landsberg Städtische Museen: Hubert von Herkomer - Malerfürst und Grafiker
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Landsberg. „Ich gehe soweit zu sagen, dass der Mensch nicht die Beigabe der Welt ist, - er ist das Universum!Menschen zu malen, bedeutet deshalb, die Welt und ihre Geschichte wiederzugeben“. Hubert von Herkomer war Künstler und Menschenfreund. Das wird nicht allein an dieser Aussage von ihm deutlich. Auch sein Werk selbst strahlt diese humanistische Grundhaltung aus. Das mag daran gelegen haben, dass Herkomer aus einfachen Verhältnissen kommt. Sein Vater war Kunstschreiner, seine Mutter Musiklehrerin. Trotzdem schaffte er es, sich nicht nur künstlerisch zu verwirklichen, sondern zugleich auch als ein unglaublich erfolgreicher und vermögender „Malerfürst“ in die Geschichte einzugehen - ohne dabei je seine Herkunft zu leugnen. Noch bis zum 31. August ist im Landsberger Stadtmuseum und im Historischen Rathaus Landsberg die Ausstellung „Hubert von Herkomer - Malerfürst & Graphiker“ zu sehen.
Herkomer wurde 1849 im ostschwäbischen Waal geboren. Mit seinen Eltern emigrierte er früh über Amerika nach England, wo er sich, überwiegend als Autodidakt, zu einem außergewöhnlichen Künstler entwickelte. Begonnen hat er als Illustrator beim englischen Magazin „Graphic“. Hier sammelte er, mit seinem großen Vorbild Frederick Walker „im Gepäck“, Eindrücke auf Londons Straßen, die er dann handwerklich perfekt in Illustrationen umsetzte. Er zeigte in diesen Arbeiten das Leben häufig in seiner rauen Alltagsrealität. Er verstand es ausgezeichnet, das Wesentliche, den Charakter der Orte und Menschen zu erkennen, herauszuarbeiten und stimmig wiederzugeben.Wie sehr er sich in der zeichnerischen Darstellung auch später noch den einfachen Menschen regelrecht verpflichtet fühlte, zeigen seine Bilder, Radierungen und Holzstiche, in denen er auf seinen Reisen bayrische Bauern in ihrem Lebensumfeld thematisierte. Hier wurde von ihm nichts romantisierend „verkitscht“, oder verharmlost. Man spürt in diesen Arbeiten deutlich die tagtäglichen sehr harten Herausforderungen des bäuerlichen Lebens. Und auch die Landschaftsbilder zeigen statt farbenprächtiger Idylle eher die Derbheit und Robustheit der Natur. Viele dieser Illustrationen verarbeitete er später zu Aquarellen, Ölbildern oder experimentierte mit verschiedenen graphischen Techniken.
Herkomer sah die Graphik auch als eine demokratische Kunsttechnik, die, aufgrund der möglichen Vervielfältigungen, Kunst finanziell erschwinglich und damit für eine breitere Masse zugänglich machte. Er selbst hat mit verschiedenen graphischen Ausdrucksformen gearbeitet. Die Herkotypien, eine Technik, deren Ergebnis den Eindruck von Tuschezeichnungen evoziert, ist von Herkomer sogar patentiert worden.
Berühmt, vermögend und damit unabhängig wurde der von Vincent van Gogh sehr geschätzte Herkomer durch seine Porträtmalerei. In knapp 500 Arbeiten potraitierte er Aristokraten, Künstler und Großindustrielle seiner Zeit. So zeigt die Ausstellung unter anderen Poträts von Richard Strauß, dem Dirigenten, Komponisten, Pianisten und Autor Felix Weingartner, der Großindustriellen-Familie Leverkus und dem Afrikaforscher Henry Morton Stanley.
Herkomer war einerseits fest verwurzelt in seiner Zeit, war, was sein gesamtes künstlerisches Oevre betrifft, auch Chronist seiner Zeit. Doch zugleich war er ein Visionär, der der Zukunft entgegenfieberte, Kunstschulen und Filmstudios gründete. „Für mich ist das Automobil Leben, körperlich sowohl als geistig! Für mich bedeutet es auch einen unvergleichlichen Gehilfen in den Vorgängen des täglichen Lebens.“ Das sagte er bereits 1905!
joerg k

Ausstellung Hubert von Herkomer - Malerfürst und Grafiker bis zum 31.8.2014
Städtische Museen
86899 Landsberg am Lech
Von-Helfenstein-Gasse 426
Öffnungszeiten
30. März bis 31. August 2014, Di. - Fr. 14 - 17 Uhr, Sa./So./Feiertage (außer Mo.) 11 - 17 Uhr.
Der Mutterturm ist nur sonntags 12-17 Uhr geöffnet. Hier ist ein Audioguide ausleihbar.
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Samstag 12.07.2014
Bernried Buchheim Museum: Ausstellung Grosz-Krieg-Grotesk
Die schonungslosen Blicke hinter die menschlichen Fassaden
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Bernried. Die derzeitige Dix/Beckmann Ausstellung in der Kunsthalle der Münchner Hypo-Kulturstiftung sorgt (auch international) für einiges Aufsehen. Hier werden auf bemerkenswerte Weise etliche Werke der beiden bedeutenden Vertreter des Übergangs vom Expressionismus zur neuen Sachlichkeit aus- und gegenübergestellt. Dagegen mag die Ausstellung „Grosz-Krieg-Grotesk“ weit vor den Toren der Münchner Metropole, am Starnberger See, genauer im Bernrieder Buchheim Museum, auf den ersten Blick etwas bescheidener ausfallen. Aber nur auf den ersten Blick! Denn mit dieser Bilderschau wird nicht nur das große Kaleidoskop deutscher Malerei, deren Inspirationsquelle vor allem der 1. Weltkrieg war, um einen ungemein wichtigen Künstler komplettiert. George Grosz (1893-1959) hat sich mit seinen Arbeiten weitaus radikaler, Haltung beziehend und Kunst als Waffe begreifend, positioniert und in gesellschaftliche Themen autark eingemischt. Sein kämpferisches Wirken ist dabei nicht allein auf seine Schaffensjahre beschränkt. Grosz, der „traurigste Mensch Europas“, wie er sich selbst nannte, hat weit darüber hinaus und nicht allein die Kunstwelt berührt, angeregt und mit Sicherheit auch als psychologischer Agitator gegen das Niedere im Menschen „verändert“. In Bernried wird die Hauptschaffenszeit des Künstlers zwischen 1912 bis 1928 anhand von knapp 200 Werken dargestellt, die zum überwiegenden Teil aus der New Yorker Sabarsky Collection stammen.
„Grosz als Figur und als Künstler liebt die Antagonismen von Grauen und Humor und deren Kombination, der das Groteske entspringt“, schreibt Annette Vogel so treffend in ihrem Essay „Der Krieg als schöpferischer Urknall“. Das ist, zugegebenermaßen, bildlich nicht immer ganz einfach zu ertragen. Die fratzenhafte Feistigkeit seiner Portraits, die schneidenden Kanten ihrer Körper, die beinahe entmenschlichte Darstellung der bettelnden Krüppel, die schonungslosen Blicke hinter die menschlichen Fassaden sogenannter Wohlanständigkeit. Aber im Grunde ist diese Sichtweise völlig logisch für einen, dessen persönlicher Erfahrungshorizont und künstlerische Inspirationsquelle von den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten des Krieges infiziert sind. Natürlich war insofern der Humor eines George Grosz eine Art Galgenhumor, der ihm, wie vielen anderen auch, das Überleben in einem derartigen „kriegslüsternden“ Umfeld erst ermöglichte.
Manche seiner Arbeiten wirken aus dem heutigen Blickwinkel wie Karikaturen, entlarvende Karikaturen. Überspitzt, ins Absurde getrieben, sollten sie aufzeigen, entblößen, aufklären. Das sinnliche seiner Arbeiten kommt häufig erst durch die Farbigkeit der Blätter zum Ausdruck. Selten nur durch das Sujet. Seine wunderbaren Aquarelle besitzen regelrechte Strahlkraft, vermitteln Begehrlichkeiten und bewegen in ihrer stimmungsvollen Leidenschaft. Besonders hier kommt die Beherrschung des Handwerks zum Ausdruck. Grosz war ein ausgezeichneter Maler, der sein Studium an der Königlichen Sächsischen Akademie der Bildenden Künste in Dresden mit einem Ehrenzeugnis abschloss. Später studierte er noch an der Kunstgewerbeschule bei Emil Orlik.
Seine bewussten künstlerischen Provokationen, die auch der eigenen Popularität dienten, führten immer wieder zu Verhaftungen. So hängte Georg Ehrenfried Groß, wie Grosz mit bürgerlichem Namen hieß, zur Dada-Ausstellung 1920 in Berlin eine Soldatenpuppe mit Schweinskopf auf, unter die er eine Mappe mit eigenen Arbeiten und der Aufschrift „Gott mit uns“ platzierte. Eine Klage wegen Beleidigung der Reichswehr war ihm mit dieser Installation sicher.
Grosz malte und karikierte, verlegte den Stellungskrieg und die Blut triefenden Schlachtfelder in Straßenszenen von Berlin. Er schuf so ein faszinierendes „Panoptikum menschlicher Triebe und Obsessionen“ - erschreckend real.
Dem Museumsleiter Daniel J. Schreiber ist es gelungen, gemeinsam mit der Kuratorin Annette Vogel einen mitreißenden Abriss über das Schaffen George Grosz zu vermitteln. „Grosz-Krieg-Grotesk“ ist eine künstlerisch spannende wie politische mahnende eigenständige Werkschau.
joerg k

GROSZ. KRIEG GROTESK - Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit
Ausstellung vom 6. Juli bis 2. November 2014
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried
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Mittwoch 25.06.2014
Dachau Bezirksmuseum: 1914 - Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg im Dachauer Land
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Dachau. Es sind häufig die Jahrestage, die die Möglichkeit geben, sich mit Geschichte auseinander zu setzen, sie abermals zu bewerten, zu reflektieren und die Weichen der Gegenwart für die Zukunft neu zu stellen. Insofern hat die Ausstellung „1914 - Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg im Dachauer Land“, die seit dem 11. April und noch bis zum 21. September im Dachauer Bezirksmuseum läuft, neben ihrem historischen auch einen vorausschauend pädagogischen Aspekt. Denn die intensive Beschäftigung und Betrachtung von Entwicklungen und Ursachen gesellschaftlicher Katastrophen sind letztendlich die Voraussetzungen für das Erkennen von geschichtlichen Zusammenhängen ganz allgemein. So wäre der Aufruf König Ludwig III. vom 04. August 1914 an das bayrische Volk heute kaum vorstellbar: „Bayern! Es gilt das Reich zu schützen, das wir in blutigen Kämpfen mit erstritten haben. Wir kennen unsere Soldaten und wissen, was wir von ihrem Mut, ihrer Manneszucht und Opferwilligkeit zu erwarten haben. Gott segne …... .“
Aber der Boden für derartige nationale und gewaltverherrlichende Themen war in jenen Jahren fruchtbar. Nicht nur in den deutschen Großstädten. Auch in den ländlichen Bereichen wurde das Volk aufgewiegelt, wurde die Naivität der Kinder für den vormilitärischen Drill im Rahmen der „Jugendwehr“genutzt, war überall Kriegsstimmung zu spüren, die anschließend im Zeitraum von nur vier Jahren fast 9 Millionen Soldaten das Leben kostete. 200 000 von ihnen waren Bayern.
Die Dachauer Ausstellung macht deutlich, wie stark das erst patriotische und dann militärische Denken im täglichen Leben am Beispiel Dachaus immer größeren Raum einnahm. Auf die Verhängung des Kriegszustandes am 31. Juli und der Tags darauf verkündeten Generalmobilmachung reagierte das Volk mit Euphorie. Es gab keine öffentlichen Veranstaltungen, die nicht in irgendeiner Form vom Militär bzw. der Unterstützung der in den Krieg ziehenden Soldaten geprägt war. Die Kinder bekamen Uniformen, die Frauen sammelten „Liebesgaben“ für ihre Männer an der Front, die Apotheken machten Werbung für Feldpostsendungen, es gab in den Bäckereien neue Rezepte für so genanntes „Kriegsbrot“.
Aufgrund der Kriegsentwicklung und der fehlenden Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gingen bald die Lebensmittel aus. Zwangsarbeiter (Kriegsgefangene) arbeiteten auf den Feldern und Metallgegenstände aus den privaten Haushalten wurden für Kriegszwecke gesammelt. Je schwieriger die Situation, desto allumfassender die Propaganda. Straßen wurden umbenannt, das ortsansässige Lichtspieltheater zeigte unter anderem „fortschrittsbegeisterte Berichte über Kriegstechnik“. In der Ausstellung wird außerdem auf die Dachauer Pulver- und Munitionsfabrik verwiesen, auf das gleich in der Nähe gelegene Gefangenenlager Puchheim und den Flughafen in Schleißheim. Aus den anfänglichen Mitteilungen im „Amper Boten“ über die Verleihung von Auszeichnungen wurden mit der Zeit immer mehr Todes-Anzeigen gefallener Soldaten. Die Zahl der Witwen und Halbwaisen stieg und aus der einst kriegslüsternen Stimmung  folgte die Novemberrevolution 1918. Doch trotz all dieser schicksalhaften und leidvollen Erfahrungen sollte es nur wenig Jahre dauern, bis ein noch viel größeres Unglück von Deutschland aus die Welt überrollen sollte.
joerg k
 
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Dienstag 13.05.2014
München Hypo Kunsthalle: Dix / Beckmann - Mythos Welt
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München. Dix und Beckmann - Beckmann und Dix. Beide sind fest in der Kunstgeschichte der Moderne verankert. Und so viele Ähnlichkeiten es bei der flüchtige Betrachtungsweise der Maler auch geben mag, in ihrem Wesen, in ihrer Auffassung und künstlerischen Aussage, in ihrem Werk selbst sind sie doch individuell verschieden. Diese letztendlich so deutlich erst aus der Gegenwart zu erkennende Andersartigkeit bringt die Ausstellung „Dix / Beckmann - Mythos Welt“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München noch bis zum 10. August faszinierend zum Ausdruck.
Max Beckmann, 1884 in Leipzig geboren, schlägt gegen den Willen der Eltern eine künstlerische Laufbahn ein. In Berlin wird er Mitbegründer der Freien Secession und meldet sich 1914 freiwillig als Sanitätshelfer zum Kriegsdienst. Ein Jahr später dekompensiert er aufgrund der Erlebnisse seelisch und wird aus dem Armeedienst entlassen.
Otto Dix wird 1891 in Gera geboren. Obwohl ein Arbeiterkind, fördern ihn die Eltern in seinem künstlerischen Bestreben und er kann 1905 seine Lehre bei dem Dekorationsmaler Carl Senff absolvieren. Auch er meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, verbringt diesen in der Feldartillerie an der Ost- und der Westfront bis 1918, wird während dieser Zeit mehrfach verwundet und ausgezeichnet.
Dixs und Beckmanns Erkenntnisse und Berufungen liegen recht unterschiedlichen Sozialisierungen zu Grunde. Ihr gemeinsamer großer Erfahrungsmittelpunkt ist der 1. Weltkrieg. Anfangs haben beide diesen als eine geistige Herausforderung, auch als eine Art Abenteuer empfunden, das es heroisch zu bestehen gilt, auch um neue Eindrücke und Sichtweisen für das eigene Leben zu gewinnen. Ausschlaggebend war für diese innere Einstellung neben dem vorherrschenden, von Nationalismus geprägten Zeitgeist, mit Sicherheit auch ihre geistige Nähe zu Friedrich Nietzsche und seinen philosophischen Theorien des „Übermenschen“.
Sie verarbeiteten den Krieg künstlerisch auf eine sehr intensive, manchmal schockierend wirkende Weise. Bei Dix sind es die Erlebnisse an der Front, die ihn zu einem gnadenlosen Schilderer der Weimarer Republik in der Malerei werden lassen. Seine scharfen, expressiven Konturen sind provokant, herausfordernd, was sicher auch seinem Willen geschuldet ist, endlich bekannt zu werden, mit seinen Arbeiten Aufmerksamkeit zu erregen. Die Portraits wirken streng, mit einer leichten überspitzten, ins groteske zielenden Darstellung. Ganz anders Beckmann, der seine Sujets schemenhafter entwirft, stärker mit der Form arbeitet und dessen Gemälde häufig wirken, wie mit einem abgedunkelten Nebel überzogen sind.
In der Wahl ihrer Themen ähneln sich beide wieder sehr. Neben Akten, Bordellszenen, nächtlichen Straßenszenen, später auch Landschaften und religiösen Themen haben Beckmann und Dix zum Beispiel Heinrich George, den großen deutschen Schauspieler gemalt. Dix malt ihn in der Rolle des baltischen Kapitäns Terje Wiggen aus dem Film „Das Meer ruft“ als einen herrischen, bestimmenden, furchteinflößenden Hünen. Beckmann porträtierte ihn hingegen im Kreise seiner Familie. Doch diese wirkt schmächtig und zurückhaltend, fast devot, wodurch George im Verhältnis an bedrohlicher Größe zunimmt.
Die Ausstellung schafft es beeindruckend, die unablässige Suche nach formalen und inhaltlichen Ausdrucksformen beider Maler in ihrer Entwicklung und innerhalb der ihnen gegebenen Lebenszeit deutlich werden zu lassen.
joerg k
Autor: Siehe Artikel
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