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Inhaltsverzeichnis
Dachau Bezirksmuseum: Bittersüß - Vom Kakao zur Schokolade

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Jexhof & Dachau: Die Amper - Geschichte(n) eines Flusses

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Fürstenfeldbruck: Geschenkt! - Soziale Bindungen schaffen

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Dachau: Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galeri...

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Museum Fürstenfeldbruck: Selma und Adolf Des Coudres - Ein ungleiches Künst...

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Landsberg Städtische Museen: Hubert von Herkomer - Malerfürst und Grafiker

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Donnerstag 17.12.2015
Dachau Bezirksmuseum: Bittersüß - Vom Kakao zur Schokolade
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Dachau. Seit spätestens September stehen sie wieder in Reih und Glied in den Regalen der Supermärkte, die Schokoladenweih-nachtsmänner, türmen sich die Verpackungen der hell- und dunkelbraunen Dominosteine auf den Paletten meterhoch. Und kaum ist das Fest vorüber, kommen die Osterhasen in hellen Scharen. Aus Bitter- und Milchschokolade, in allen Größen und Formen. So, als gehörten sie seit Menschengedenken zu den selbstverständlichsten Grundnahrungsmitteln im mitteleuropäischen Raum.
Dabei war es ein langer Weg, vom Kakao bis zu Schokolade. Auch ein schwieriger Weg, voller Abenteuer, Leid, Entbehrung und Tragik. Bis heute werden Menschen ausgebeutet und misshandelt, damit in eben jenen Warenhäusern die braune süße Masse so reichlich angeboten werden kann.
Im Dachauer Bezirksmuseum ist noch bis zum 17. April 2016 eine Ausstellung diesem Genussmittel und seiner Verwendung vorbehalten. „Bittersüß - Vom Kakao zur Schokolade“ zeigt die Entwicklung des Kakaoanbaus, die Verarbeitung der Frucht, die Verbreitung ihrer Produkte im Laufe der Jahrhunderte. Es ist die Geschichte eines Lebensmittels, über dessen Herkunft sich die wenigsten bewusst sind.
Eine aztekische Legende sagt, dass die Kakaopflanze aus dem Blut einer Prinzessin wuchs, die ihren Peinigern das Versteck eines großen Schatzes nicht preisgab und die sie daraufhin umbrachten. Deshalb sei die Kakaopflanze so „bitter wie Liebesleid, stark wie die Tugend und rot wie Blut“. In dieser Tragik steckt schon ein Großteil der Geschichte dieser Kulturpflanze, die erst im 16. Jahrhundert Europas Küsten erreichte. Noch einmal fast dreihundert Jahre dauerte es, bis in Halle an der Saale die erste Schokoladenfabrik in Deutschland entstand.
„Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne“, schrieb Alexander von Humboldt schon 1859, was die Besonderheit der Pflanze unterstreicht. Trotzdem gab es lange Zeit Streit, ob denn die Schokolade als religiöse Fastennahrung geeignet sei. „Flüssigkeit bricht das Fasten nicht“, das war eine Art Errungenschaft, die man der Kirche abgetrotzt hatte. Aber Schokolade? Der Überlieferung nach soll Papst Pius V. Schokolade probiert haben und da man ihm bewusst ein besonders bitteres Getränk angeboten hatte, soll er ausgerufen haben: „Dieses Zeug bricht kein Fastengebot“. Ein Segen für alle Genießer - bis hinein in die Gegenwart.
Die Ausstellung gibt anhand von Schautafeln, Texten, Exponaten und einem Film („Schmutzige Schokolade“ aus dem Jahr 2010) einen Überblick von den Anfängen der Nutzbarmachung der Kakaopflanze, über deren Industriealisierung bis hin zur heutigen Globalisierung der Märkte. Kritisch werden die anhaltenden kolonialen Arbeitsbedingungen aufgezeigt, zugleich aber auch der gesellschaftliche Stellenwert der Schokolade, wobei auch die lokale Verarbeitung des Kakaos in Dachau, in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg erwähnt wird.
„Schokolade ist fassbar, greifbar und vor allem essbar gewordenes Gllücksgefühl“, sagt Wim Wenders und bringt damit zum Ausdruck, dass Schokolade nicht allein der Deckung des Energiebedarfs dient. Sie ist auch eine Art natürliches Antidepressivum und das mit Sicherheit nicht nur zur Weihnachtszeit.
Jörg Konrad

Bezirksmuseum Dachau
Augsburger Str. 3
85221 Dachau
Tel 08131/5675-0

Öffnungszeiten
Di - Fr 11 - 17 Uhr
Sa, So, Feiertag 13 - 17 Uhr

Geschlossen am
24., 25. und 31. Dezember 2015
6. und 9. Februar 2016
25. und 26. März 2016

Offene Sonntagsführung
26.12.2015, 24.1.2016, 21.2.2016, 20.3.2016 und 17.4.2016, 14 - 15 Uhr
3 Euro zzgl. Eintritt

Abendführung
mit anschl. Schokoladen-Degustation
10.3.2016, 19 - 20.30 Uhr
12 Euro inkl. Eintritt, Führung und Degustation
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Familienführung
6.1.2016, 14 - 15 Uhr
3 Euro zzgl. Eintritt

Schokoladen aus Rohkakao selbst gemacht - ein Erwachsenenkurs
31.1.2016, 13 - 17 Uhr
75 Euro bei 6 Teilnehmern (Gebühr verringert sich bei größerer Teilnehmerzahl)
zzgl. Führung und Eintritt
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Chocolate 2 go - Pralinenkurs
für junge Leute
11.2.2016, 13.30 - 16 Uhr
ab 12 Jahren
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Wie kommt der Hase ins Nest?
ein Workshop für Kinder ab 6 Jahren
17.3.2016, 14 - 16 Uhr
4 Euro zzgl. Eintritt
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Extra-Tipp: Dein Schokoladenfest!
Ein schokoladiger Kindergeburtstag!
Näheres unter "Kindergeburtstag"
oder bei Frau Hollaus unter 08131/5675-13
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 28.06.2015
Jexhof & Dachau: Die Amper - Geschichte(n) eines Flusses
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Jexhof/Dachau. Flüsse sind existenzielles Kulturgut, seit Menschen die Erde bevölkern. Sie sind Lebensadern, die sich durch die Landschaft winden. Versorgend, verbindend, gestaltend, grenzziehend, identitätsstiftend. Flüsse bewässern und entwässern, dienen dem Transport, der Erholung, sind eigener Lebensraum und wichtiger Teil des regionalen wie überregionalen Ökosystems. Kommt dieses aus der Balance, sind die Folgen unabsehbar. Deshalb ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, das System der fließenden Gewässer zu verstehen, es zu verinnerlichen, den Flüssen mit Respekt zu begegnen und jede (noch so kleine) Veränderung mit Bedacht und Überlegung zu planen.
Die Amper, einst Schmelzwasserfluss im Voralpenland, ergießt sich aus dem Ammersee und zieht sich über fast 200 Kilometer durch die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau bis zur Mündung in die Isar bei Moosburg. Sie hat den Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt und natürlich den des Menschen in dieser Region seit Jahrhunderten geformt und bestimmt. Der Amper und ihrer Geschichte widmen sich im Rahmen des Themas „Wasser rund um München“ zwei sehenswerte Ausstellungen. Das Bauernhofmuseum Jexhof dokumentiert bis 31. Oktober 2015 die erste Fließetappe der Amper, vom Ammersee bis Olching. Die zweite Etappe, von Olching bis Moosburg, ist noch bis zum 27. September im Bezirksmuseum Dachau Thema.
Beide Museen haben sich dem Lebensbereich der Amper von den verschiedensten Seiten genähert und dadurch ein (auch geschichtlich) faszinierendes Bild der Region im allgemeinen und dem Bereich der Flusslandschaft im besonderen entworfen. Die Amper als Heimatbegriff, als wirtschaftliche Grundlage, als geistige Anregung für Kunst und Literatur, als Refugium für Erholungssuchende. Kaum ein Bereich des Gemeinwesens in der Region ist nicht vom Flusslauf der Amper beeinflusst und findet zugleich Eingang in beide Ausstellungen.
Wer weiß schon, dass das Wasserkraftwerk in Schöngeising eines der ersten in Deutschland war und zugleich Grundstock der Isar-Amper-Werke, einem der wichtigsten Stromlieferanten Bayerns. Es erinnern sich die wenigsten, dass die Amper nicht nur von Flößern sondern auch von Dampfschiffen genutzt wurde. Sie befuhren die Strecke Inning - Grafrath. Oder das von einstigen 40 Fischarten heute noch 32 verschiedene Arten in der Amper existieren, von denen einige in ihrer Existenz bedroht sind.
Doch Flüsse sind nicht nur Segen sondern immer auch Herausforderung zugleich. So informieren die Ausstellungen über die großen Hochwasser, wie sie im Mai 1940 die Region heimsuchten. Erst vor zwei Jahren wurde deutlich, wie wichtig der Gewässerschutz ist, das Belassen von Schwemmwiesen, wie katastrophal sich Regulierungen von Menschenhand auswirken. Diese Form der historischen Auseinandersetzung dient zugleich auch der Lösung gegenwärtiger ökologischer als auch hydrologischer Probleme. Es lässt sich aus der Geschichte und aus den gemachten Fehlern lernen - auch ein Aspekt dieser Schau.
Es ist den Machern aufs Beste gelungen, den Besucher statt abstrakter Wissensvermittlung stärker die praktische Seite der Amper-Nutzung dargestellt zu haben. Eine Vielzahl an historischen Aufnahmen, Drucken und Dokumenten verbinden anschaulich Heimatkunde und Kulturgeschichte. Zwei wunderbar informative Ausstellungskataloge, mit Beiträgen unter anderem aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landschaftspflege und angewandte Kunst runden das Bild der Ausstellung „Die Amper - Geschichte(n) eines Flusses“ ab. Und wem das alles noch immer zu theoretisch ist, der begibt sich anschließend, ob im Jexhof oder in Dachau, zu einem ausgedehnten Spaziergang an die Amper. Fast vor der Tür sozusagen.
joerg k


Die Amper: Geschichte(n) eines Flusses

Bauernhofmuseum Jexhof
bis 31.10.2015
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 13 bis 17 Uhr
Sonn- und Feiertage:   11 bis 18 Uhr

Bezirksmuseum Dachau
bis 27. September 2015
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11 - 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 13 - 17 Uhr
Autor: Siehe Artikel
Freitag 19.12.2014
Fürstenfeldbruck: Geschenkt! - Soziale Bindungen schaffen
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Fürstenfeldbruck. Kurz vor Weihnachten. Die Einkaufszentren sind hoffnungslos verstopft. Menschen eilen mit vollgepackten Taschen und ausgefahrenen Ellenbogen durch die engen Ladenzeilen. Wie jedes Jahr um diese Zeit, hastend auf der Suche nach - Geschenken.
Zur gleichen Zeit im Fürstenfeldbrucker Museum die Ausstellung zum Fest: „Geschenkt! - Zur christlichen Kulturgeschichte des Schenkens“. Eine sehenswerte Schau, die noch bis zum 22. März 2015 läuft.
Was bedeutet schenken, beschenkt zu werden, schenken müssen, Geschenke erwarten? Gibt es uneigennütziges Schenken? Sind Geschenke verpflichtend? Können Geschenke Frieden stiften oder erhalten? Fragen, die kulturhistorische und soziologische Bedeutung haben und denen die Aussteller unter verschiedenen Aspekten nachgegangen sind. Ausgehend von der lateinischen Redensart „Ich gebe, damit Du gibst“.
Schenken ist immer ein von der kulturellen Entwicklung geprägter Vorgang. In jeder Zeit werden über Geschenke persönliche Beziehungen gestaltet.  „Soziologie, Anthropologie und Psychologie untersuchen Schenken als Verhalten, das soziale Bindungen schafft und den sozialen Status der Beteiligten definiert.“ Egal ob religiöser, politischer oder, uns vielleicht am vertrautesten, individueller Natur. Geschenkanlässe gibt es dementsprechend wie Sand am Meer: Geburts- und Namenstage, Einschulung, Kommunion/Konfirmation, Hochzeit, Jubiläen aller Art. Hier geht es meist darum, Lebensabschnitte abzuschließen und/oder neue Entwicklungsphasen im Leben symbolisch einzuläuten. Auf diesem Boden hat sich mittlerweile eine eigene Geschenkeindustrie entwickelt - bis hin zu Verpackungsdesignern und dazugehöriger Materialwissenschaft. Nicht wenige Verpackungen sind wertvoller als das Geschenk.
Geschenke sollen aber auch das Rollenverhalten innerhalb der Gesellschaft beeinflussen. Jungen beschenkt man üblicherweise anders als Mädchen, Männer bekommen zum Fest nicht die gleichen Gaben wie Frauen. Spenden und Almosen sind wiederum eine völlig andere Art von Geschenken, solche nämlich, die die Seele entlasten, Schuldgefühle abbauen und wieder leichter und entspannter in die Zukunft blicken lassen.
Oder verpflichtende Geschenke, um Menschen abhängig, als Propagandageschenk im schlimmsten Fall politisch gefügig zu machen. Letzteres könnte man auch als einen Missbrauch des Schenkens bezeichnen. Und ist die Korruption, neben ihrem sehr engen verwandtschaftlichen Verhältnis zur Kriminalität, nicht auch eine spezielle Art des Schenkens (mit dementsprechender Erwartungshaltung)?
Es gibt Geschenke, die seit Jahrhunderten Freundschaften pflegen, die als Gastgeschenke Respekt und an Herrscherhöfen friedliche Absichten signalisierten
Letztendlich sagt das Geschenk oft mehr über den Schenkenden, als über den Beschenkten aus. Mit diesen Erkenntnissen könnte man sich kopfüber noch einmal in den hemmungslosen Weihnachtstrubel stürzen. Und wem sein Geschenk am Heiligen Abend nicht gefällt, der tauscht es zwischen den Jahren um. Oder er schenkt gleich einen Gutschein - am besten für die Ausstellung „Geschenkt!“ im Museum Fürstenfeldbruck.
joerg k
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Samstag 13.12.2014
Dachau: Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galerie Günther Franke aus dem Jahr 1932
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Dachau. Als Günther Franke kurz vor der Machtübernahme der NSDAP in München das „Graphische Kabinett“ in der Brienner Straße als Geschäftsführer übernahm, hatte er zuvor in Berlin schon enge Kontakte zu Lionel Feininger, Max Beckmann, Otto Dix und Alfred Kubin geknüpft. Der Galerist und Kunsthändler gehörte zu den wenigen wichtigen Ausstellern von Zeitgenössischer Kunst jener Zeit. In München begab sich Franke auf die Suche nach jungen, eigenwilligen Künstlern, deren Entwicklung er begleiten und vielleicht beeinflussen, deren künstlerisches Schaffen er entsprechend ausstellen und vermitteln konnte. So stieß er auf Joseph Mader, Fritz Müller und Max Wendl, die schon zuvor untereinander befreundet waren und sich für eine Gemeinschaftsausstellung anboten. Trotz, oder vielleicht gerade aufgrund der Verschiedenartigkeit ihre Persönlichkeiten ein ideales Gespann.
Die Ausstellung „Mader-Müller-Wendl - Rekonstruktion einer Ausstellung bei Günther Franke 1932“ in der Gemäldegalerie Dachau kommt einer dokumentarischen Zeitreise nahe. Eine historische Rückschau, in deren Zentrum die Moderne Zeitgenössische Kunst jener unruhigen Jahre steht. Ein Großteil der damals ausgestellten Arbeiten sind heute leider verloren. Die fehlenden Bilder und auch Skuzlpturen sind mit Hilfe von Fotografien ersetzt. So hat man versucht, das „Graphische Kabinett“ und die besagte Ausstellung nachzuempfinden.
„Mader - Müller - Wendl“ ist zugleich der Versuch einer ästhetischen Nachbildung, etwas längst Vergangenes in die Gegenwart zu projezieren, um neben den zeitlos anfeuernden Arbeiten drei befreundeter Künstler auch ein klein wenig von dem Ausstellungsambiente zu vermitteln, wie es 1932 im „Graphischen Kabinett“ in der Münchner Brienner Straße zu erleben war. Die Vorgeschichte des Zustandekommens der damaligen Gruppenausstellung ist dabei ebenso interessant.
Die politischen wie die wirtschaftlichen Verhältnisse zum Ende der Weimarer Republik waren schwierig. Und hätte sich nicht Richard Riemerschmid, „der Pionier der deutschen Jugendstilbewegung“ und Kunstpädagoge, bei dem Mader, Müller und Wendl in Köln studierten, vehement für die Gruppenausstellung bei Franke engagiert - sie wäre höchstwahrscheinlich nicht zustande gekommen. Franke, der bis 1976 Galerien in München leitete, musste neben dem künstlerischen Anspruch ja auch auf die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Ausstellungen achten. Arbeiten von jungen, noch wenig bekannten Malern und Bildhauern mit anspruchsvollen Ideen und völlig autarken Idealen, die sich zudem in ihrer Strum-und-Drang-Phase befanden, waren in jener Zeit finanziell nur sehr schwer zu vermitteln.
Der Maler Joseph Mader stand Günther Franke gedanklich dabei am nächsten. Mader, stark unter dem Eindruck von Max Beckmann, arbeitete expressiv farbig, mit schroffen Kanten, gefurchten Linien, in einer rauen und doch sehr poetischen Formensprache. Max Wendls Arbeiten hingegen zeigten sich flächiger, gestaltender, nie völlig in die Abstraktion gleitend. Seine Farben gehen ineinander über, die Konturen verschwimmen an ihren Rändern, wirken teilweise wie flüchtig Farbskizzen. Fritz Müllers eigenwilliges bildhauerisches Schaffen war zur damaligen Zeit gekennzeichnet von unproportionierten Figuren, von Skulpturen, deren provozierende Formen sich als verwinkelte, verschränkte Konstruktionen darstellten. Aber auch klare, langgezogene Körperformen, die in ihrer Gradlinigkeit afrikanischer Stammeskunst sehr nahe kommen, sind von ihm zu sehen.
Allen drei Künstlern ist in der Folgezeit ein ähnliches Schicksal Widerfahren. Sie gehörten einer Generation von Menschen an, deren Biographien aufgrund des aufziehenden Nationalsozialismus einen erschütternden, einen irreparablen Bruch erhalten haben. Jeder Einzelne galt als große künstlerische Hoffnung jener Zeit und ist heute fast vergessen. Auch aus diesem Grund ist diese Ausstellung eben nicht nur ein wichtiges Zeitdokument, sondern zugleich eine kunsthistorische Herausforderung und Entdeckung.
(Die Ausstellung „Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galerie Günther Franke aus dem Jahr 1932“ läuft noch bis zum 22. Februar 2015 in der Dachauer Gemäldegalerie, Konrad-Adenauer-Str. 3)

joerg k
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Sonntag 31.08.2014
Museum Fürstenfeldbruck: Selma und Adolf Des Coudres - Ein ungleiches Künstlerpaar
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Fürstenfeldbruck. Selma und Adolf Des Coudres entsprachen so gar nicht dem typischen Rollenverständnis jener Zeit.  Zieht man ein Resümee ihres Lebens, gab es beträchtliche künstlerische Kontraste und biographische Gegensätze. In den wenigen gemeinsamen Jahren, die ihnen vergönnt waren, miteinander zu verbringen,verstanden sie diese Verschiedenartigkeit aber als Herausforderung, als Grundlage für anregende kreative  Auseinandersetzungen, die sie nicht selten mit einem gehörigen Schuss Humor vorantrieben. Selma und Adolf Des Coudres, die beiden Fürstenfeldbrucker Maler, waren „Ein ungleiches Künstlerpaar“. So lautet auch der Titel einer bemerkenswerten Ausstellung im Museum Fürstenfeldbruck, die noch bis zum 5. Oktober zu sehen ist.
Natürlich stand im Vordergrund ihres gemeinsamen Lebens die übereinstimmende Verbundenheit. Die große stattliche Baltin und der eher kleine und fast unscheinbare aus Karlsruhe stammende Adolf DesCoudres lebten zwischen 1918 und 1924 zusammen in der Fürstenfeldbrucker Schöngeisinger Straße 6. Hier malten sie miteinander, inspirierten sich gegenseitig und hatten gemeinsame Freunde. In diesen Jahren entstanden eine Vielzahl von Arbeiten, die mit zu den interessantesten und beeindruckendsten ihrer gesamten Künstlerkarriere gehören. Alles was sie zuvor probierten, womit sie experimentierten, was sie kreativ vorantrieben, fand in dieser Zeit eine Art künstlerische Vollendung.
Dieses künstlerische Voranschreiten zeigt sich auf besondere Weise bei Selma Des Courdes. Bevor sie 1918 in Fürstenfeldbruck ansässig wurde und drei Jahre später Adolf Des Coudres heiratete, hatte sie schon ein stark bewegtes Leben hinter sich. Geboren auf der Halbinsel Libetsholm, nördlich von Riga in Lettland gelegen, besuchte sie früh verschiedene Mal- und Zeichenschulen. Sie gehörte schnell „zur ersten Garde baltischer Künstler“, die, aufgrund geschichtlicher Ereignisse und politischer Wirrnisse, für kurze Zeit um eine künstlerische Unabhängigkeit kämpfte. Ihre frühen Zeichnungen und Illustrationen veränderten sich relativ schnell, bekamen, nicht zuletzt aufgrund ihrer Studien während der Sommermonate in München, Dachau und Feldwies am Chiemsee, einen unruhigeren, bewegteren und auch abstrakteren Zug. Sie lernte bei einem dieser Aufenthalte auch Joachim Ringelnatz kennen, verkehrte im legendären Münchner Künstlerlokal „Simplicissimus“ und hatte zudem Kontakte zu Olaf Gulbransson, Max Unold und natürlich zu Adolf Hölzel. Später, nach Adolfs Tot, ist von diesem permanenten Streben nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen nur noch wenig zu spüren. Gründe hierfür waren mit großer Wahrscheinlichkeit „weltgeschichtliche Katastrophen und finanzielle sowie gesundheitliche Probleme“.
Selma und Adolf Des Coudres waren anfangs leidenschaftliche Landschaftsmaler. Später haben sie, besonders in ihren gemeinsamen Schaffensjahren, die künstlerische Herausforderung stärker in Stilleben und Porträts gesucht. Besonders bei den Stilleben handelt es sich häufig um identische oder zumindest ähnlichen Vorlagen, die oft mit verwandten und wiederkehrenden Farbtönungen malerisch umgesetzt wurden.
In den Arbeiten jener Jahre spiegelt sich formal und auch farblich der Übergang vom Impressionismus hin zum unruhigen, fiebrig herausfordernden Expressionismus wieder. Man spürt in vielen der ausgestellten Werke eine innere Unruhe, ein schöpferisches Unterwegssein. Strukturen werden aufgelöst, gehen ineinander über, Formen werden über den kräftigen Gebrauch der Farbpalette zum Ausdruck gebracht.
Insgesamt dokumentiert und verbindet die Schau „Selma und Adolf Des Coudres - Ein ungleiches Künstlerpaar“ auf wunderbare Weise sowohl Kunst-, als auch Zeit- und Ortsgeschichte. Ein sehr informativer und ansprechend gestalteter Katalog rundet diese sehenswerte Ausstellung hervorragend ab.
joerg k
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Montag 04.08.2014
Landsberg Städtische Museen: Hubert von Herkomer - Malerfürst und Grafiker
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Landsberg. „Ich gehe soweit zu sagen, dass der Mensch nicht die Beigabe der Welt ist, - er ist das Universum!Menschen zu malen, bedeutet deshalb, die Welt und ihre Geschichte wiederzugeben“. Hubert von Herkomer war Künstler und Menschenfreund. Das wird nicht allein an dieser Aussage von ihm deutlich. Auch sein Werk selbst strahlt diese humanistische Grundhaltung aus. Das mag daran gelegen haben, dass Herkomer aus einfachen Verhältnissen kommt. Sein Vater war Kunstschreiner, seine Mutter Musiklehrerin. Trotzdem schaffte er es, sich nicht nur künstlerisch zu verwirklichen, sondern zugleich auch als ein unglaublich erfolgreicher und vermögender „Malerfürst“ in die Geschichte einzugehen - ohne dabei je seine Herkunft zu leugnen. Noch bis zum 31. August ist im Landsberger Stadtmuseum und im Historischen Rathaus Landsberg die Ausstellung „Hubert von Herkomer - Malerfürst & Graphiker“ zu sehen.
Herkomer wurde 1849 im ostschwäbischen Waal geboren. Mit seinen Eltern emigrierte er früh über Amerika nach England, wo er sich, überwiegend als Autodidakt, zu einem außergewöhnlichen Künstler entwickelte. Begonnen hat er als Illustrator beim englischen Magazin „Graphic“. Hier sammelte er, mit seinem großen Vorbild Frederick Walker „im Gepäck“, Eindrücke auf Londons Straßen, die er dann handwerklich perfekt in Illustrationen umsetzte. Er zeigte in diesen Arbeiten das Leben häufig in seiner rauen Alltagsrealität. Er verstand es ausgezeichnet, das Wesentliche, den Charakter der Orte und Menschen zu erkennen, herauszuarbeiten und stimmig wiederzugeben.Wie sehr er sich in der zeichnerischen Darstellung auch später noch den einfachen Menschen regelrecht verpflichtet fühlte, zeigen seine Bilder, Radierungen und Holzstiche, in denen er auf seinen Reisen bayrische Bauern in ihrem Lebensumfeld thematisierte. Hier wurde von ihm nichts romantisierend „verkitscht“, oder verharmlost. Man spürt in diesen Arbeiten deutlich die tagtäglichen sehr harten Herausforderungen des bäuerlichen Lebens. Und auch die Landschaftsbilder zeigen statt farbenprächtiger Idylle eher die Derbheit und Robustheit der Natur. Viele dieser Illustrationen verarbeitete er später zu Aquarellen, Ölbildern oder experimentierte mit verschiedenen graphischen Techniken.
Herkomer sah die Graphik auch als eine demokratische Kunsttechnik, die, aufgrund der möglichen Vervielfältigungen, Kunst finanziell erschwinglich und damit für eine breitere Masse zugänglich machte. Er selbst hat mit verschiedenen graphischen Ausdrucksformen gearbeitet. Die Herkotypien, eine Technik, deren Ergebnis den Eindruck von Tuschezeichnungen evoziert, ist von Herkomer sogar patentiert worden.
Berühmt, vermögend und damit unabhängig wurde der von Vincent van Gogh sehr geschätzte Herkomer durch seine Porträtmalerei. In knapp 500 Arbeiten potraitierte er Aristokraten, Künstler und Großindustrielle seiner Zeit. So zeigt die Ausstellung unter anderen Poträts von Richard Strauß, dem Dirigenten, Komponisten, Pianisten und Autor Felix Weingartner, der Großindustriellen-Familie Leverkus und dem Afrikaforscher Henry Morton Stanley.
Herkomer war einerseits fest verwurzelt in seiner Zeit, war, was sein gesamtes künstlerisches Oevre betrifft, auch Chronist seiner Zeit. Doch zugleich war er ein Visionär, der der Zukunft entgegenfieberte, Kunstschulen und Filmstudios gründete. „Für mich ist das Automobil Leben, körperlich sowohl als geistig! Für mich bedeutet es auch einen unvergleichlichen Gehilfen in den Vorgängen des täglichen Lebens.“ Das sagte er bereits 1905!
joerg k

Ausstellung Hubert von Herkomer - Malerfürst und Grafiker bis zum 31.8.2014
Städtische Museen
86899 Landsberg am Lech
Von-Helfenstein-Gasse 426
Öffnungszeiten
30. März bis 31. August 2014, Di. - Fr. 14 - 17 Uhr, Sa./So./Feiertage (außer Mo.) 11 - 17 Uhr.
Der Mutterturm ist nur sonntags 12-17 Uhr geöffnet. Hier ist ein Audioguide ausleihbar.
Autor: Siehe Artikel
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