Ausstellungen
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Inhaltsverzeichnis
Dachau Gemäldegalerie: Max Feldbauer - Mitten aus der Welt heraus

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Fürstenfeldbruck Museum: Carl F. Steinheil - Der fotografische Blick

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Dachau Bezirksmuseum: Bittersüß - Vom Kakao zur Schokolade

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Jexhof & Dachau: Die Amper - Geschichte(n) eines Flusses

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Fürstenfeldbruck: Geschenkt! - Soziale Bindungen schaffen

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Dachau: Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galeri...

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Samstag 26.12.2015
Dachau Gemäldegalerie: Max Feldbauer - Mitten aus der Welt heraus
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Dachau. Er gehört zu jenen Malern, die weniger Wert auf das „Was“ , als auf das „Wie“ legten. Das ist bei einem, der sich in seiner künstlerischen Karriere auf nur wenige Motive konzentriert, im Fall von Max Feldbauer waren dies Rösser und Frauen, nicht unbedingt selbstverständlich. Es wäre insofern völlig falsch, ihn allein als einen Pferde- oder Aktmaler zu bezeichnen. Feldbauer ging es immer um die Ausführung, um die Farben und Formen, um Stimmungen, mit denen er regelrecht spielte, denen er in seinen Bildern faszinierend Ausdruck gab. In der Dachauer Gemäldegalerie läuft noch bis zum 18. Februar 2016 die Ausstellung „Akt und Roß genügen mir ... - Der Maler Max Feldbauer 1869-1948“.
Es ist die erste große Einzelausstellung seit über acht Jahrzehnten, die dem aus der Oberpfalz stammenden Maler gewidmet ist. Eine Schau, in der fast ausschließlich Öl auf Leinwand zu sehen ist. Obwohl Feldbauer bekannt (und auch wohlhabend) geworden ist, durch seine Zeichnungen und Karikaturen, die er nach seinem Studium an der Münchner Kunstakademie ab 1896 für die Zeitschrift „Jugend - Münchner Wochenschrift für Kunst und Leben“ lieferte. Einige Jahre später unterrichtete er an der Damenakademie in München, was seinen Bekanntheitsgrad noch einmal forcierte.
„Pferde male ich eigentlich nur zum Vergnügen, im Sommer“, schrieb er einmal. Doch aus dieser scheinbaren Laune heraus, nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang seine ländliche Herkunft, wurde eine Art Obsession. Feldbauer ließ sich nach einigen erfolgreichen Ausstellungen und Verkäufen von Gemälden 1910 in Dachau-Mitterndorf ein Haus auf dem Giglberg bauen, das auch die „Burg“ genannt wurde. Von hier aus inszenierte er seine öffentlichen Auftritte in Gutsherrenart. So gibt es viele Fotos von ihm zu Pferde (meist auf „Elster“, seinem „Lieblingspferd“ und häufigsten Modell) und mit Hund, wobei seine Kleidung der eines „englischen Landadeligen“ sehr nahe kam.
Feldbauer gehörte zu jenen selbstbewussten Malern, die bei der Arbeit an ihren Bildern mit schnellen, geschickten Strichen, oder dick aufgetragener Farbe zu einem relativ frühen Ende kamen. Er schafft keine Distanz zur Welt „draußen“, sondern malt mitten aus ihr heraus. Hier hält das Elementare Einzug. Er schätzte die nachträgliche Korrektur nicht sehr. Doch gleichzeitig wirkten gerade dadurch viele seiner Bilder lebendig, wie aus der Bewegung gerissen, oder als Momentaufnahme in einer spontanen Geste festgehalten.
Auch seinen Portraits fehlt aufs angenehmste die Perfektion, das anatomisch übermäßige Detail. Ihm ging es um Stimmungen, um Haltungen und Stil, um eine flüchtig eingefangene Emotion. Der Gesichtsausdruck, die Wesensart steht weitaus stärker im Vordergrund, als die Erkennbarkeit der Person.
Feldbauer wurde früh Mitglied der Bayrischen Akademie der Künste, unternahm viele Studienreisen. 1918 wurde er an die Staatliche Akademie für Bildende Künste Dresden berufen und hier 1928 zum Rektor ernannt. Doch er mochte Dresden als Stadt nie, blieb hier immer fremd und malte doch in dieser Zeit seine besten Bilder.
Nach einem missglückten Versuch 1931 Mitglied der NSDAP zu werden (einer der Versagensgründe lautete, seine Malerei sei französisch gesinnt) verliert er kurze Zeit darauf seine Professur, zieht nach München und bewirbt sich hier erneut um Mitgliedschaft in der NSDAP. Wahrscheinlich, um weiterhin zu den gesellschaftlich anerkannten Künstlern zu gehören und durch entsprechende Verkäufe seinen feudalen Lebensstandard zu halten. Seinem Antrag wird diesmal stattgegeben und er wird in die „Gottbegnadeten-Liste“ der wichtigsten Maler des NS Systems aufgenommen. Von da an werden seine Bilder eigenartig statisch, flach im Inhalt, ohne Ausdruck.
Jörg Konrad

Ausstellung bis 28. Februar
Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau
Autor: Siehe Artikel
Samstag 19.12.2015
Fürstenfeldbruck Museum: Carl F. Steinheil - Der fotografische Blick
Fürstenfeldbruck Museum: Carl F. Steinheil - Der fotografische Blick
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Fürstenfeldbruck. Das Museum Fürstenfeldbruck hat sich in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit Malern aus dem Umland beschäftigt und deren Werk, manchmal auch erstmalig, einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Mit Carl F. Steinheil findet nun ein Künstler Aufmerksamkeit, der selbst den Kennern der Brucker Kunstszene bisher wenig bekannt sein dürfte. Er lebte zwischen 1899 und 1908 in Emmering bei Fürstenfeldbruck. In Zusammenarbeit mit den Nachfahren des Malers entstand die Ausstellung „Carl F. Sternheim - der fotografische Blick“, die bis zum 3. April des kommenden Jahres im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen ist.
Diese Ausstellung ist eine Entdeckung und überrascht auf ganzer Linie. Es handelt sich um groß- und mittelformatige Bilder, Aquarellskizzen und Studien eines Malers, dessen Werke bisher kaum der Öffentlichkeit zugänglich waren. Steinheil, Enkel des  Physikers, Astronomen, Optikers und Unternehmers Carl August von Steinheil, hat trotz Ausstellungsbeteiligungen zu Lebzeiten kaum Arbeiten an Galeristen oder Privatsammler verkauft. Wahrscheinlich weil er, aufgrund der finanziellen Absicherung durch die eigene Familie, seine Kunst nicht als Broterwerb begreifen musste. In München geboren, besuchte er die hiesige Kunstgewerbeschule und studierte ab 1878 an der Akademie der bildenden Künste München.
Es war jene Zeit, in der die Fotografie entstand. Diese Entwicklung fand sozusagen in unmittelbarer Nähe Carl F. Steinheils statt, da um diese Zeit sein Vater die Firma vom Großvater übernahm, die sich „Optische und astronomische Werkstätte von C.A. Steinheil Söhne in München“ nannte. Hier wurde das erste symmetrische Kameraobjektiv entwickelt, ausgezeichnete Teleskope, Spektroskope und ein erstes Fotometer gebaut.
Wie bei manch anderem künstlerischen Zeitgenossen schlagen sich diese technische Neuerungen auch in Steinheils arbeiten wieder. Er begreift die Fotografie als eine Art Herausforderung und nimmt sie in manchen Arbeiten regelrecht als Wettkampf an.
Er malte Portraits (bekannt ist dabei nur ein Selbstportrait), Landschaftsbilder, Stilleben und manch faszinierende farbig-flüchtige Studie, die in ihrer stilistischen Ausdrucksweise zwischen Impressionismus und Expressionismus wechseln. Steinheil arbeitete raffiniert mit Licht, Gegenlicht oder Streulicht, manchmal derart akribisch, dass es den Anschein hat, als wolle er die Überlegenheit der Malerei gegenüber der Fotografie zum Ausdruck bringen.
Besonders inspirierend war seine Italienreise mit seinem Malfreund Kunz Meyer-Waldeck in den Jahren 1886/87. Als Ergebnis entstanden wunderbar „sonnige“ Bilder, deren Momentcharakter stark an Postkartenmotive erinnern - ohne jedoch in irgendeiner Form geschmacklos oder gar kitschig zu wirken. Ganz im Gegenteil. Den Bildern ist eine melancholische Ästhetik eigen, die das südländische Lebensgefühl in seiner ganzen Farbigkeit und seinem nachdenklichen Stolz zum Ausdruck bringt.
1905 heiratet Carl F. Steinheil Isabella Wilson, selbst eine Malerin, aus Gießen kommend, die sich jedoch nach der Geburt ihrer ersten Tochter ganz der Familie verpflichtet fühlte.
Besonders beeindruckend in dieser Ausstellung sind immer wieder die realistischen Landschaftsbilder, in denen das Wechselspiel der Formen und Farben, die Wirkung des Lichts und die fast rauschhaften Schatten faszinieren. Die Natur als Arbeitsgebiet, in ihrer Derbheit, als auch in ihre Fragilität ins Verhältnis zu setzen. Steinheil wirkt in seiner Arbeitsweise unglaublich vielseitig. Mal mit harten, widerbostigen, dicken Pinselstrichen, dann wieder mit feiner Feder das nötigste skizziert. Diese Arbeiten berühren die Sinne und die Fantasie, sie bewegen in ihrer Sensibilität und in ihrer Leidenschaft.
Jörg Konrad
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Donnerstag 17.12.2015
Dachau Bezirksmuseum: Bittersüß - Vom Kakao zur Schokolade
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Dachau. Seit spätestens September stehen sie wieder in Reih und Glied in den Regalen der Supermärkte, die Schokoladenweih-nachtsmänner, türmen sich die Verpackungen der hell- und dunkelbraunen Dominosteine auf den Paletten meterhoch. Und kaum ist das Fest vorüber, kommen die Osterhasen in hellen Scharen. Aus Bitter- und Milchschokolade, in allen Größen und Formen. So, als gehörten sie seit Menschengedenken zu den selbstverständlichsten Grundnahrungsmitteln im mitteleuropäischen Raum.
Dabei war es ein langer Weg, vom Kakao bis zu Schokolade. Auch ein schwieriger Weg, voller Abenteuer, Leid, Entbehrung und Tragik. Bis heute werden Menschen ausgebeutet und misshandelt, damit in eben jenen Warenhäusern die braune süße Masse so reichlich angeboten werden kann.
Im Dachauer Bezirksmuseum ist noch bis zum 17. April 2016 eine Ausstellung diesem Genussmittel und seiner Verwendung vorbehalten. „Bittersüß - Vom Kakao zur Schokolade“ zeigt die Entwicklung des Kakaoanbaus, die Verarbeitung der Frucht, die Verbreitung ihrer Produkte im Laufe der Jahrhunderte. Es ist die Geschichte eines Lebensmittels, über dessen Herkunft sich die wenigsten bewusst sind.
Eine aztekische Legende sagt, dass die Kakaopflanze aus dem Blut einer Prinzessin wuchs, die ihren Peinigern das Versteck eines großen Schatzes nicht preisgab und die sie daraufhin umbrachten. Deshalb sei die Kakaopflanze so „bitter wie Liebesleid, stark wie die Tugend und rot wie Blut“. In dieser Tragik steckt schon ein Großteil der Geschichte dieser Kulturpflanze, die erst im 16. Jahrhundert Europas Küsten erreichte. Noch einmal fast dreihundert Jahre dauerte es, bis in Halle an der Saale die erste Schokoladenfabrik in Deutschland entstand.
„Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne“, schrieb Alexander von Humboldt schon 1859, was die Besonderheit der Pflanze unterstreicht. Trotzdem gab es lange Zeit Streit, ob denn die Schokolade als religiöse Fastennahrung geeignet sei. „Flüssigkeit bricht das Fasten nicht“, das war eine Art Errungenschaft, die man der Kirche abgetrotzt hatte. Aber Schokolade? Der Überlieferung nach soll Papst Pius V. Schokolade probiert haben und da man ihm bewusst ein besonders bitteres Getränk angeboten hatte, soll er ausgerufen haben: „Dieses Zeug bricht kein Fastengebot“. Ein Segen für alle Genießer - bis hinein in die Gegenwart.
Die Ausstellung gibt anhand von Schautafeln, Texten, Exponaten und einem Film („Schmutzige Schokolade“ aus dem Jahr 2010) einen Überblick von den Anfängen der Nutzbarmachung der Kakaopflanze, über deren Industriealisierung bis hin zur heutigen Globalisierung der Märkte. Kritisch werden die anhaltenden kolonialen Arbeitsbedingungen aufgezeigt, zugleich aber auch der gesellschaftliche Stellenwert der Schokolade, wobei auch die lokale Verarbeitung des Kakaos in Dachau, in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg erwähnt wird.
„Schokolade ist fassbar, greifbar und vor allem essbar gewordenes Gllücksgefühl“, sagt Wim Wenders und bringt damit zum Ausdruck, dass Schokolade nicht allein der Deckung des Energiebedarfs dient. Sie ist auch eine Art natürliches Antidepressivum und das mit Sicherheit nicht nur zur Weihnachtszeit.
Jörg Konrad

Bezirksmuseum Dachau
Augsburger Str. 3
85221 Dachau
Tel 08131/5675-0

Öffnungszeiten
Di - Fr 11 - 17 Uhr
Sa, So, Feiertag 13 - 17 Uhr

Geschlossen am
24., 25. und 31. Dezember 2015
6. und 9. Februar 2016
25. und 26. März 2016

Offene Sonntagsführung
26.12.2015, 24.1.2016, 21.2.2016, 20.3.2016 und 17.4.2016, 14 - 15 Uhr
3 Euro zzgl. Eintritt

Abendführung
mit anschl. Schokoladen-Degustation
10.3.2016, 19 - 20.30 Uhr
12 Euro inkl. Eintritt, Führung und Degustation
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Familienführung
6.1.2016, 14 - 15 Uhr
3 Euro zzgl. Eintritt

Schokoladen aus Rohkakao selbst gemacht - ein Erwachsenenkurs
31.1.2016, 13 - 17 Uhr
75 Euro bei 6 Teilnehmern (Gebühr verringert sich bei größerer Teilnehmerzahl)
zzgl. Führung und Eintritt
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Chocolate 2 go - Pralinenkurs
für junge Leute
11.2.2016, 13.30 - 16 Uhr
ab 12 Jahren
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Wie kommt der Hase ins Nest?
ein Workshop für Kinder ab 6 Jahren
17.3.2016, 14 - 16 Uhr
4 Euro zzgl. Eintritt
Anmeldung unter 08131/5675-13 oder Verwaltung@dachauer-galerien-museen.de

Extra-Tipp: Dein Schokoladenfest!
Ein schokoladiger Kindergeburtstag!
Näheres unter "Kindergeburtstag"
oder bei Frau Hollaus unter 08131/5675-13
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 28.06.2015
Jexhof & Dachau: Die Amper - Geschichte(n) eines Flusses
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Jexhof/Dachau. Flüsse sind existenzielles Kulturgut, seit Menschen die Erde bevölkern. Sie sind Lebensadern, die sich durch die Landschaft winden. Versorgend, verbindend, gestaltend, grenzziehend, identitätsstiftend. Flüsse bewässern und entwässern, dienen dem Transport, der Erholung, sind eigener Lebensraum und wichtiger Teil des regionalen wie überregionalen Ökosystems. Kommt dieses aus der Balance, sind die Folgen unabsehbar. Deshalb ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, das System der fließenden Gewässer zu verstehen, es zu verinnerlichen, den Flüssen mit Respekt zu begegnen und jede (noch so kleine) Veränderung mit Bedacht und Überlegung zu planen.
Die Amper, einst Schmelzwasserfluss im Voralpenland, ergießt sich aus dem Ammersee und zieht sich über fast 200 Kilometer durch die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau bis zur Mündung in die Isar bei Moosburg. Sie hat den Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt und natürlich den des Menschen in dieser Region seit Jahrhunderten geformt und bestimmt. Der Amper und ihrer Geschichte widmen sich im Rahmen des Themas „Wasser rund um München“ zwei sehenswerte Ausstellungen. Das Bauernhofmuseum Jexhof dokumentiert bis 31. Oktober 2015 die erste Fließetappe der Amper, vom Ammersee bis Olching. Die zweite Etappe, von Olching bis Moosburg, ist noch bis zum 27. September im Bezirksmuseum Dachau Thema.
Beide Museen haben sich dem Lebensbereich der Amper von den verschiedensten Seiten genähert und dadurch ein (auch geschichtlich) faszinierendes Bild der Region im allgemeinen und dem Bereich der Flusslandschaft im besonderen entworfen. Die Amper als Heimatbegriff, als wirtschaftliche Grundlage, als geistige Anregung für Kunst und Literatur, als Refugium für Erholungssuchende. Kaum ein Bereich des Gemeinwesens in der Region ist nicht vom Flusslauf der Amper beeinflusst und findet zugleich Eingang in beide Ausstellungen.
Wer weiß schon, dass das Wasserkraftwerk in Schöngeising eines der ersten in Deutschland war und zugleich Grundstock der Isar-Amper-Werke, einem der wichtigsten Stromlieferanten Bayerns. Es erinnern sich die wenigsten, dass die Amper nicht nur von Flößern sondern auch von Dampfschiffen genutzt wurde. Sie befuhren die Strecke Inning - Grafrath. Oder das von einstigen 40 Fischarten heute noch 32 verschiedene Arten in der Amper existieren, von denen einige in ihrer Existenz bedroht sind.
Doch Flüsse sind nicht nur Segen sondern immer auch Herausforderung zugleich. So informieren die Ausstellungen über die großen Hochwasser, wie sie im Mai 1940 die Region heimsuchten. Erst vor zwei Jahren wurde deutlich, wie wichtig der Gewässerschutz ist, das Belassen von Schwemmwiesen, wie katastrophal sich Regulierungen von Menschenhand auswirken. Diese Form der historischen Auseinandersetzung dient zugleich auch der Lösung gegenwärtiger ökologischer als auch hydrologischer Probleme. Es lässt sich aus der Geschichte und aus den gemachten Fehlern lernen - auch ein Aspekt dieser Schau.
Es ist den Machern aufs Beste gelungen, den Besucher statt abstrakter Wissensvermittlung stärker die praktische Seite der Amper-Nutzung dargestellt zu haben. Eine Vielzahl an historischen Aufnahmen, Drucken und Dokumenten verbinden anschaulich Heimatkunde und Kulturgeschichte. Zwei wunderbar informative Ausstellungskataloge, mit Beiträgen unter anderem aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landschaftspflege und angewandte Kunst runden das Bild der Ausstellung „Die Amper - Geschichte(n) eines Flusses“ ab. Und wem das alles noch immer zu theoretisch ist, der begibt sich anschließend, ob im Jexhof oder in Dachau, zu einem ausgedehnten Spaziergang an die Amper. Fast vor der Tür sozusagen.
joerg k


Die Amper: Geschichte(n) eines Flusses

Bauernhofmuseum Jexhof
bis 31.10.2015
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 13 bis 17 Uhr
Sonn- und Feiertage:   11 bis 18 Uhr

Bezirksmuseum Dachau
bis 27. September 2015
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11 - 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 13 - 17 Uhr
Autor: Siehe Artikel
Freitag 19.12.2014
Fürstenfeldbruck: Geschenkt! - Soziale Bindungen schaffen
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Fürstenfeldbruck. Kurz vor Weihnachten. Die Einkaufszentren sind hoffnungslos verstopft. Menschen eilen mit vollgepackten Taschen und ausgefahrenen Ellenbogen durch die engen Ladenzeilen. Wie jedes Jahr um diese Zeit, hastend auf der Suche nach - Geschenken.
Zur gleichen Zeit im Fürstenfeldbrucker Museum die Ausstellung zum Fest: „Geschenkt! - Zur christlichen Kulturgeschichte des Schenkens“. Eine sehenswerte Schau, die noch bis zum 22. März 2015 läuft.
Was bedeutet schenken, beschenkt zu werden, schenken müssen, Geschenke erwarten? Gibt es uneigennütziges Schenken? Sind Geschenke verpflichtend? Können Geschenke Frieden stiften oder erhalten? Fragen, die kulturhistorische und soziologische Bedeutung haben und denen die Aussteller unter verschiedenen Aspekten nachgegangen sind. Ausgehend von der lateinischen Redensart „Ich gebe, damit Du gibst“.
Schenken ist immer ein von der kulturellen Entwicklung geprägter Vorgang. In jeder Zeit werden über Geschenke persönliche Beziehungen gestaltet.  „Soziologie, Anthropologie und Psychologie untersuchen Schenken als Verhalten, das soziale Bindungen schafft und den sozialen Status der Beteiligten definiert.“ Egal ob religiöser, politischer oder, uns vielleicht am vertrautesten, individueller Natur. Geschenkanlässe gibt es dementsprechend wie Sand am Meer: Geburts- und Namenstage, Einschulung, Kommunion/Konfirmation, Hochzeit, Jubiläen aller Art. Hier geht es meist darum, Lebensabschnitte abzuschließen und/oder neue Entwicklungsphasen im Leben symbolisch einzuläuten. Auf diesem Boden hat sich mittlerweile eine eigene Geschenkeindustrie entwickelt - bis hin zu Verpackungsdesignern und dazugehöriger Materialwissenschaft. Nicht wenige Verpackungen sind wertvoller als das Geschenk.
Geschenke sollen aber auch das Rollenverhalten innerhalb der Gesellschaft beeinflussen. Jungen beschenkt man üblicherweise anders als Mädchen, Männer bekommen zum Fest nicht die gleichen Gaben wie Frauen. Spenden und Almosen sind wiederum eine völlig andere Art von Geschenken, solche nämlich, die die Seele entlasten, Schuldgefühle abbauen und wieder leichter und entspannter in die Zukunft blicken lassen.
Oder verpflichtende Geschenke, um Menschen abhängig, als Propagandageschenk im schlimmsten Fall politisch gefügig zu machen. Letzteres könnte man auch als einen Missbrauch des Schenkens bezeichnen. Und ist die Korruption, neben ihrem sehr engen verwandtschaftlichen Verhältnis zur Kriminalität, nicht auch eine spezielle Art des Schenkens (mit dementsprechender Erwartungshaltung)?
Es gibt Geschenke, die seit Jahrhunderten Freundschaften pflegen, die als Gastgeschenke Respekt und an Herrscherhöfen friedliche Absichten signalisierten
Letztendlich sagt das Geschenk oft mehr über den Schenkenden, als über den Beschenkten aus. Mit diesen Erkenntnissen könnte man sich kopfüber noch einmal in den hemmungslosen Weihnachtstrubel stürzen. Und wem sein Geschenk am Heiligen Abend nicht gefällt, der tauscht es zwischen den Jahren um. Oder er schenkt gleich einen Gutschein - am besten für die Ausstellung „Geschenkt!“ im Museum Fürstenfeldbruck.
joerg k
Autor: Siehe Artikel
Samstag 13.12.2014
Dachau: Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galerie Günther Franke aus dem Jahr 1932
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Dachau. Als Günther Franke kurz vor der Machtübernahme der NSDAP in München das „Graphische Kabinett“ in der Brienner Straße als Geschäftsführer übernahm, hatte er zuvor in Berlin schon enge Kontakte zu Lionel Feininger, Max Beckmann, Otto Dix und Alfred Kubin geknüpft. Der Galerist und Kunsthändler gehörte zu den wenigen wichtigen Ausstellern von Zeitgenössischer Kunst jener Zeit. In München begab sich Franke auf die Suche nach jungen, eigenwilligen Künstlern, deren Entwicklung er begleiten und vielleicht beeinflussen, deren künstlerisches Schaffen er entsprechend ausstellen und vermitteln konnte. So stieß er auf Joseph Mader, Fritz Müller und Max Wendl, die schon zuvor untereinander befreundet waren und sich für eine Gemeinschaftsausstellung anboten. Trotz, oder vielleicht gerade aufgrund der Verschiedenartigkeit ihre Persönlichkeiten ein ideales Gespann.
Die Ausstellung „Mader-Müller-Wendl - Rekonstruktion einer Ausstellung bei Günther Franke 1932“ in der Gemäldegalerie Dachau kommt einer dokumentarischen Zeitreise nahe. Eine historische Rückschau, in deren Zentrum die Moderne Zeitgenössische Kunst jener unruhigen Jahre steht. Ein Großteil der damals ausgestellten Arbeiten sind heute leider verloren. Die fehlenden Bilder und auch Skuzlpturen sind mit Hilfe von Fotografien ersetzt. So hat man versucht, das „Graphische Kabinett“ und die besagte Ausstellung nachzuempfinden.
„Mader - Müller - Wendl“ ist zugleich der Versuch einer ästhetischen Nachbildung, etwas längst Vergangenes in die Gegenwart zu projezieren, um neben den zeitlos anfeuernden Arbeiten drei befreundeter Künstler auch ein klein wenig von dem Ausstellungsambiente zu vermitteln, wie es 1932 im „Graphischen Kabinett“ in der Münchner Brienner Straße zu erleben war. Die Vorgeschichte des Zustandekommens der damaligen Gruppenausstellung ist dabei ebenso interessant.
Die politischen wie die wirtschaftlichen Verhältnisse zum Ende der Weimarer Republik waren schwierig. Und hätte sich nicht Richard Riemerschmid, „der Pionier der deutschen Jugendstilbewegung“ und Kunstpädagoge, bei dem Mader, Müller und Wendl in Köln studierten, vehement für die Gruppenausstellung bei Franke engagiert - sie wäre höchstwahrscheinlich nicht zustande gekommen. Franke, der bis 1976 Galerien in München leitete, musste neben dem künstlerischen Anspruch ja auch auf die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Ausstellungen achten. Arbeiten von jungen, noch wenig bekannten Malern und Bildhauern mit anspruchsvollen Ideen und völlig autarken Idealen, die sich zudem in ihrer Strum-und-Drang-Phase befanden, waren in jener Zeit finanziell nur sehr schwer zu vermitteln.
Der Maler Joseph Mader stand Günther Franke gedanklich dabei am nächsten. Mader, stark unter dem Eindruck von Max Beckmann, arbeitete expressiv farbig, mit schroffen Kanten, gefurchten Linien, in einer rauen und doch sehr poetischen Formensprache. Max Wendls Arbeiten hingegen zeigten sich flächiger, gestaltender, nie völlig in die Abstraktion gleitend. Seine Farben gehen ineinander über, die Konturen verschwimmen an ihren Rändern, wirken teilweise wie flüchtig Farbskizzen. Fritz Müllers eigenwilliges bildhauerisches Schaffen war zur damaligen Zeit gekennzeichnet von unproportionierten Figuren, von Skulpturen, deren provozierende Formen sich als verwinkelte, verschränkte Konstruktionen darstellten. Aber auch klare, langgezogene Körperformen, die in ihrer Gradlinigkeit afrikanischer Stammeskunst sehr nahe kommen, sind von ihm zu sehen.
Allen drei Künstlern ist in der Folgezeit ein ähnliches Schicksal Widerfahren. Sie gehörten einer Generation von Menschen an, deren Biographien aufgrund des aufziehenden Nationalsozialismus einen erschütternden, einen irreparablen Bruch erhalten haben. Jeder Einzelne galt als große künstlerische Hoffnung jener Zeit und ist heute fast vergessen. Auch aus diesem Grund ist diese Ausstellung eben nicht nur ein wichtiges Zeitdokument, sondern zugleich eine kunsthistorische Herausforderung und Entdeckung.
(Die Ausstellung „Mader - Müller - Wendl. Rekonstruktion einer Ausstellung der Galerie Günther Franke aus dem Jahr 1932“ läuft noch bis zum 22. Februar 2015 in der Dachauer Gemäldegalerie, Konrad-Adenauer-Str. 3)

joerg k
Autor: Siehe Artikel
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