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Bernried Buchheim Museum: Ausstellung Grosz-Krieg-Grotesk

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Dachau Bezirksmuseum: 1914 - Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg im Dachau...

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München Hypo Kunsthalle: Dix / Beckmann - Mythos Welt

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Die Künstlerkolonie Dachau 1880 - 1920 - Kunst als Teil des ländlichen Lebe...

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Brynolf Wennerberg in Fürstenfeldbruck - Ein Fluss von Farben und Figuren

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Als Maler ein politischer Chronist - Zingerl zum 80. im Stadtmuseum Fürsten...

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Samstag 12.07.2014
Bernried Buchheim Museum: Ausstellung Grosz-Krieg-Grotesk
Die schonungslosen Blicke hinter die menschlichen Fassaden
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Bernried. Die derzeitige Dix/Beckmann Ausstellung in der Kunsthalle der Münchner Hypo-Kulturstiftung sorgt (auch international) für einiges Aufsehen. Hier werden auf bemerkenswerte Weise etliche Werke der beiden bedeutenden Vertreter des Übergangs vom Expressionismus zur neuen Sachlichkeit aus- und gegenübergestellt. Dagegen mag die Ausstellung „Grosz-Krieg-Grotesk“ weit vor den Toren der Münchner Metropole, am Starnberger See, genauer im Bernrieder Buchheim Museum, auf den ersten Blick etwas bescheidener ausfallen. Aber nur auf den ersten Blick! Denn mit dieser Bilderschau wird nicht nur das große Kaleidoskop deutscher Malerei, deren Inspirationsquelle vor allem der 1. Weltkrieg war, um einen ungemein wichtigen Künstler komplettiert. George Grosz (1893-1959) hat sich mit seinen Arbeiten weitaus radikaler, Haltung beziehend und Kunst als Waffe begreifend, positioniert und in gesellschaftliche Themen autark eingemischt. Sein kämpferisches Wirken ist dabei nicht allein auf seine Schaffensjahre beschränkt. Grosz, der „traurigste Mensch Europas“, wie er sich selbst nannte, hat weit darüber hinaus und nicht allein die Kunstwelt berührt, angeregt und mit Sicherheit auch als psychologischer Agitator gegen das Niedere im Menschen „verändert“. In Bernried wird die Hauptschaffenszeit des Künstlers zwischen 1912 bis 1928 anhand von knapp 200 Werken dargestellt, die zum überwiegenden Teil aus der New Yorker Sabarsky Collection stammen.
„Grosz als Figur und als Künstler liebt die Antagonismen von Grauen und Humor und deren Kombination, der das Groteske entspringt“, schreibt Annette Vogel so treffend in ihrem Essay „Der Krieg als schöpferischer Urknall“. Das ist, zugegebenermaßen, bildlich nicht immer ganz einfach zu ertragen. Die fratzenhafte Feistigkeit seiner Portraits, die schneidenden Kanten ihrer Körper, die beinahe entmenschlichte Darstellung der bettelnden Krüppel, die schonungslosen Blicke hinter die menschlichen Fassaden sogenannter Wohlanständigkeit. Aber im Grunde ist diese Sichtweise völlig logisch für einen, dessen persönlicher Erfahrungshorizont und künstlerische Inspirationsquelle von den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten des Krieges infiziert sind. Natürlich war insofern der Humor eines George Grosz eine Art Galgenhumor, der ihm, wie vielen anderen auch, das Überleben in einem derartigen „kriegslüsternden“ Umfeld erst ermöglichte.
Manche seiner Arbeiten wirken aus dem heutigen Blickwinkel wie Karikaturen, entlarvende Karikaturen. Überspitzt, ins Absurde getrieben, sollten sie aufzeigen, entblößen, aufklären. Das sinnliche seiner Arbeiten kommt häufig erst durch die Farbigkeit der Blätter zum Ausdruck. Selten nur durch das Sujet. Seine wunderbaren Aquarelle besitzen regelrechte Strahlkraft, vermitteln Begehrlichkeiten und bewegen in ihrer stimmungsvollen Leidenschaft. Besonders hier kommt die Beherrschung des Handwerks zum Ausdruck. Grosz war ein ausgezeichneter Maler, der sein Studium an der Königlichen Sächsischen Akademie der Bildenden Künste in Dresden mit einem Ehrenzeugnis abschloss. Später studierte er noch an der Kunstgewerbeschule bei Emil Orlik.
Seine bewussten künstlerischen Provokationen, die auch der eigenen Popularität dienten, führten immer wieder zu Verhaftungen. So hängte Georg Ehrenfried Groß, wie Grosz mit bürgerlichem Namen hieß, zur Dada-Ausstellung 1920 in Berlin eine Soldatenpuppe mit Schweinskopf auf, unter die er eine Mappe mit eigenen Arbeiten und der Aufschrift „Gott mit uns“ platzierte. Eine Klage wegen Beleidigung der Reichswehr war ihm mit dieser Installation sicher.
Grosz malte und karikierte, verlegte den Stellungskrieg und die Blut triefenden Schlachtfelder in Straßenszenen von Berlin. Er schuf so ein faszinierendes „Panoptikum menschlicher Triebe und Obsessionen“ - erschreckend real.
Dem Museumsleiter Daniel J. Schreiber ist es gelungen, gemeinsam mit der Kuratorin Annette Vogel einen mitreißenden Abriss über das Schaffen George Grosz zu vermitteln. „Grosz-Krieg-Grotesk“ ist eine künstlerisch spannende wie politische mahnende eigenständige Werkschau.
joerg k

GROSZ. KRIEG GROTESK - Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit
Ausstellung vom 6. Juli bis 2. November 2014
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried
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Mittwoch 25.06.2014
Dachau Bezirksmuseum: 1914 - Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg im Dachauer Land
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Dachau. Es sind häufig die Jahrestage, die die Möglichkeit geben, sich mit Geschichte auseinander zu setzen, sie abermals zu bewerten, zu reflektieren und die Weichen der Gegenwart für die Zukunft neu zu stellen. Insofern hat die Ausstellung „1914 - Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg im Dachauer Land“, die seit dem 11. April und noch bis zum 21. September im Dachauer Bezirksmuseum läuft, neben ihrem historischen auch einen vorausschauend pädagogischen Aspekt. Denn die intensive Beschäftigung und Betrachtung von Entwicklungen und Ursachen gesellschaftlicher Katastrophen sind letztendlich die Voraussetzungen für das Erkennen von geschichtlichen Zusammenhängen ganz allgemein. So wäre der Aufruf König Ludwig III. vom 04. August 1914 an das bayrische Volk heute kaum vorstellbar: „Bayern! Es gilt das Reich zu schützen, das wir in blutigen Kämpfen mit erstritten haben. Wir kennen unsere Soldaten und wissen, was wir von ihrem Mut, ihrer Manneszucht und Opferwilligkeit zu erwarten haben. Gott segne …... .“
Aber der Boden für derartige nationale und gewaltverherrlichende Themen war in jenen Jahren fruchtbar. Nicht nur in den deutschen Großstädten. Auch in den ländlichen Bereichen wurde das Volk aufgewiegelt, wurde die Naivität der Kinder für den vormilitärischen Drill im Rahmen der „Jugendwehr“genutzt, war überall Kriegsstimmung zu spüren, die anschließend im Zeitraum von nur vier Jahren fast 9 Millionen Soldaten das Leben kostete. 200 000 von ihnen waren Bayern.
Die Dachauer Ausstellung macht deutlich, wie stark das erst patriotische und dann militärische Denken im täglichen Leben am Beispiel Dachaus immer größeren Raum einnahm. Auf die Verhängung des Kriegszustandes am 31. Juli und der Tags darauf verkündeten Generalmobilmachung reagierte das Volk mit Euphorie. Es gab keine öffentlichen Veranstaltungen, die nicht in irgendeiner Form vom Militär bzw. der Unterstützung der in den Krieg ziehenden Soldaten geprägt war. Die Kinder bekamen Uniformen, die Frauen sammelten „Liebesgaben“ für ihre Männer an der Front, die Apotheken machten Werbung für Feldpostsendungen, es gab in den Bäckereien neue Rezepte für so genanntes „Kriegsbrot“.
Aufgrund der Kriegsentwicklung und der fehlenden Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gingen bald die Lebensmittel aus. Zwangsarbeiter (Kriegsgefangene) arbeiteten auf den Feldern und Metallgegenstände aus den privaten Haushalten wurden für Kriegszwecke gesammelt. Je schwieriger die Situation, desto allumfassender die Propaganda. Straßen wurden umbenannt, das ortsansässige Lichtspieltheater zeigte unter anderem „fortschrittsbegeisterte Berichte über Kriegstechnik“. In der Ausstellung wird außerdem auf die Dachauer Pulver- und Munitionsfabrik verwiesen, auf das gleich in der Nähe gelegene Gefangenenlager Puchheim und den Flughafen in Schleißheim. Aus den anfänglichen Mitteilungen im „Amper Boten“ über die Verleihung von Auszeichnungen wurden mit der Zeit immer mehr Todes-Anzeigen gefallener Soldaten. Die Zahl der Witwen und Halbwaisen stieg und aus der einst kriegslüsternen Stimmung  folgte die Novemberrevolution 1918. Doch trotz all dieser schicksalhaften und leidvollen Erfahrungen sollte es nur wenig Jahre dauern, bis ein noch viel größeres Unglück von Deutschland aus die Welt überrollen sollte.
joerg k
 
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Dienstag 13.05.2014
München Hypo Kunsthalle: Dix / Beckmann - Mythos Welt
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München. Dix und Beckmann - Beckmann und Dix. Beide sind fest in der Kunstgeschichte der Moderne verankert. Und so viele Ähnlichkeiten es bei der flüchtige Betrachtungsweise der Maler auch geben mag, in ihrem Wesen, in ihrer Auffassung und künstlerischen Aussage, in ihrem Werk selbst sind sie doch individuell verschieden. Diese letztendlich so deutlich erst aus der Gegenwart zu erkennende Andersartigkeit bringt die Ausstellung „Dix / Beckmann - Mythos Welt“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München noch bis zum 10. August faszinierend zum Ausdruck.
Max Beckmann, 1884 in Leipzig geboren, schlägt gegen den Willen der Eltern eine künstlerische Laufbahn ein. In Berlin wird er Mitbegründer der Freien Secession und meldet sich 1914 freiwillig als Sanitätshelfer zum Kriegsdienst. Ein Jahr später dekompensiert er aufgrund der Erlebnisse seelisch und wird aus dem Armeedienst entlassen.
Otto Dix wird 1891 in Gera geboren. Obwohl ein Arbeiterkind, fördern ihn die Eltern in seinem künstlerischen Bestreben und er kann 1905 seine Lehre bei dem Dekorationsmaler Carl Senff absolvieren. Auch er meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, verbringt diesen in der Feldartillerie an der Ost- und der Westfront bis 1918, wird während dieser Zeit mehrfach verwundet und ausgezeichnet.
Dixs und Beckmanns Erkenntnisse und Berufungen liegen recht unterschiedlichen Sozialisierungen zu Grunde. Ihr gemeinsamer großer Erfahrungsmittelpunkt ist der 1. Weltkrieg. Anfangs haben beide diesen als eine geistige Herausforderung, auch als eine Art Abenteuer empfunden, das es heroisch zu bestehen gilt, auch um neue Eindrücke und Sichtweisen für das eigene Leben zu gewinnen. Ausschlaggebend war für diese innere Einstellung neben dem vorherrschenden, von Nationalismus geprägten Zeitgeist, mit Sicherheit auch ihre geistige Nähe zu Friedrich Nietzsche und seinen philosophischen Theorien des „Übermenschen“.
Sie verarbeiteten den Krieg künstlerisch auf eine sehr intensive, manchmal schockierend wirkende Weise. Bei Dix sind es die Erlebnisse an der Front, die ihn zu einem gnadenlosen Schilderer der Weimarer Republik in der Malerei werden lassen. Seine scharfen, expressiven Konturen sind provokant, herausfordernd, was sicher auch seinem Willen geschuldet ist, endlich bekannt zu werden, mit seinen Arbeiten Aufmerksamkeit zu erregen. Die Portraits wirken streng, mit einer leichten überspitzten, ins groteske zielenden Darstellung. Ganz anders Beckmann, der seine Sujets schemenhafter entwirft, stärker mit der Form arbeitet und dessen Gemälde häufig wirken, wie mit einem abgedunkelten Nebel überzogen sind.
In der Wahl ihrer Themen ähneln sich beide wieder sehr. Neben Akten, Bordellszenen, nächtlichen Straßenszenen, später auch Landschaften und religiösen Themen haben Beckmann und Dix zum Beispiel Heinrich George, den großen deutschen Schauspieler gemalt. Dix malt ihn in der Rolle des baltischen Kapitäns Terje Wiggen aus dem Film „Das Meer ruft“ als einen herrischen, bestimmenden, furchteinflößenden Hünen. Beckmann porträtierte ihn hingegen im Kreise seiner Familie. Doch diese wirkt schmächtig und zurückhaltend, fast devot, wodurch George im Verhältnis an bedrohlicher Größe zunimmt.
Die Ausstellung schafft es beeindruckend, die unablässige Suche nach formalen und inhaltlichen Ausdrucksformen beider Maler in ihrer Entwicklung und innerhalb der ihnen gegebenen Lebenszeit deutlich werden zu lassen.
joerg k
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Mittwoch 08.01.2014
Die Künstlerkolonie Dachau 1880 - 1920 - Kunst als Teil des ländlichen Lebens
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Ludwig Dill, Arthur Langhammer und Adolf Hölzel (von links) unterwegs im Moos mit Malbuben, um 1895. Adolf Hölzel-Stiftung Stuttgart
Dachau. Ende des 19 Jahrhunderts zogen sie hinaus aufs Land, die Maler und Bohemiens der Großstädte. Nicht nur, um sich von Licht und Landschaft flüchtig inspirieren zu lassen, auch nicht, um mit der Ausbeute von nur ein paar Skizzenblättern am Abend die Heimreise ins vertraute Atelier der urbanen Metropolen wieder anzutreten. Sie wanderten damals regelrecht aus, bezogen in kleinen, provinziellen Orten Gasthäuser und Pensionen und wurden Teil des ländlichen Lebens. Von hier unternahmen sie mit Leinwand, Farben und Proviant tagtäglich nicht selten beschwerliche Anmarschwege - um in der Natur selbst zu malen. Auch in Öl! Das Bezirksmuseum und die Gemäldegalerie Dachau widmen sich noch bis zum 16. März 2014 in der Doppelausstellung „Die Künstlerkolonie Dachau 1880 - 1920“ genau diesem Phänomen.
Angelockt vom Reiz der Natur, vom Wechselspiel der Farben in den feuchten Mooren, kamen schon in den Jahren zuvor die Maler der nahegelegenen Großstadt München zu Studien in die ländliche Umgebung. Man kam, sah, zeichnete vor und fuhr wieder Heim. Doch indem sich einige Maler, die bekanntesten unter ihnen waren Ludwig Dill, Adolf Hölzel und Arthur Langhammer, in Dachau niederließen, veränderte sich die Gesamtstruktur der bis dahin rein bäuerlichen Kultur im Ort. Die Ausstellung beleuchtet die verschiedenen Facetten dieser Neugestaltung, die langsam aber stetig das Ortsbild, das Verständnis und damit auch das Verhältnis seiner Bewohner zur Kunst änderte.
Auch wenn zu Anfang dieser Bewegung gewisse Vorurteile der ländlichen Bevölkerung gegenüber den städtischen Malern in der Natur der Sache lagen, gestaltete sich das Miteinander in dem Moment neu, als durch die entstandenen (bis zu zehn!) Malschulen, dem zusätzlichen Bedarf an Unterkunftsmöglichkeiten, sowie der Beköstigung der Neuankömmlinge und Gäste auch das wirtschaftliche Leben in Dachau einen spürbaren Aufschwung verzeichnete. „Bauern, Bürger und Künstler fanden Kontakt in formlosen Gesellschaften in den Wirtshäusern, und in neu gegründeten Musik- und Kulturvereinen wurden gemeinsame Projekte realisiert. Mit den Malern kamen Schauspieler, Literaten und Publizisten. Bücher erschienen und Verlage wurden gegründet“, ist in einem Führer zur Ausstellung zu lesen. Als Folge dieser Entwicklung wurde Dachau zu einer der größten Künstlerkolonien Süddeutschlands.
(Dachauer Galerien und Museen)
joerg k
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Dienstag 31.12.2013
Brynolf Wennerberg in Fürstenfeldbruck - Ein Fluss von Farben und Figuren
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Fürstenfeldbruck. Er war ein Meister der Ästhetik. Als Maler, als Zeichner und als Gebrauchsgraphiker. Seine Bilder haben etwas Beschwingtes, etwas zutiefst Belebendes. Sie verzaubern und faszinieren durch ihre blühenden Farben, die eine charmante Leichtigkeit vermitteln und doch auch immer einen Hauch nachdenklicher Melancholie beinhalten. Es sind streng komponierte Arbeiten mit einem wie flüchtig hingehauchten Charakter. Kaum Landschaften. Keine Stillleben. Brynolf Wennerberg (1866 - 1950) interessierte sich für die menschliche Gestalt. Besser: Für die Frauen der Gesellschaft. Doch es sind nicht die schwer arbeitenden, die von der Last ihres Tuns gezeichneten und gebeugten Gestalten, die er der Vergänglichkeit entreißt. Wennerbergs Modelle besitzen etwas unverbindlich erotisierendes, zeigen sich heiter selbstbewusst und verkörpern weibliche Emanzipation.
Im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck ist noch bis zum 16. März die bisher größte Werkschau des in Schweden geborenen Künstlers zu sehen. Die Ausstellung, in Zusammenarbeit mit Dr. Ruth Negendanck vom Germanistischen Nationalmuseum Nürnberg entstanden, beleuchtet den Lebensweg des Künstlers und zeigt anhand unterschiedlichster Exponate seine künstlerische Entwicklung, eingebettet in die Zeit seines Wirkens.
Wennerberg  hat es stets verstanden, seine Kunst zu vermarkten. Nach dem Studium der Malerei und des Kunsthandwerks in Stockholm und Kopenhagen, zog es ihn 1888 in die sächsische Buchstadt Leipzig, um hier als Zeichner und Graphiker zu wirken. Von 1900 bis 1905 lebte er in Emmering bei Fürstenfeldbruck, später in München. Hier schuf er die ersten Plakate für eine noch recht frische Werbebranche, welche die Erzeugnisse der ersten Massenproduktionen vermarktete. Später sollten große Aufträge für Firmen wie „Kölnisch Wasser“, „Junkers“, „NSU“ und „Opel“ folgen. Ab 1909 arbeitete er für den „Simplicissimus“. Akribisch in der Ausführung und mit einem Hang zum derben Humor setzen seine Zeichnungen den Anspruch seines Vorgängers, des Zeichners Ferdinand von Reznicek fort. Ab 1919 arbeitete Wennerberg, mittlerweile zu zweiten Male verheiratet, für die in Berlin ansässige Zeitschrift „Lustige Blätter“, zu deren Zeichnern auch Lyonel Feininger, Walter Trier und Heinrich Zille gehörten. Während des 1. Weltkrieges zog er ins oberbayerische Bad Aibling, wo er das Atelier des Malers Wilhelm Leibl mietete. Hier entstanden neben seinen Auftragswerken viele Gemälde, deren beschriebene Leichtigkeit faszinieren und die seiner Zeit in Wirkung und Anspruch voraus zu sein scheinen.
Trotz der schwierigen politischen Verhältnisse in denen Wennenberg sein Oevre schuf, ist nur in ganz wenigen seiner Arbeiten ein persönlich Stellung beziehender Inhalt auszumachen. Wennerberg verschrieb sich in den folgenden Jahren zwar den stark in Mode gekommenen und das Tagesgeschehen zeichnerisch dokumentierenden Kunstpostkarten. Aber auch hier kaum politisch anklagende, oder kämpferisch in Frage stellenden Illustrationen. Dafür immer wieder diese rauschhaften Farben und unbefangenen menschlichen Formen, denen häufig mit dem Pierrot, eine Rolle, in der sich Wennerberg wohl selbst wahrnahm, eine elegisch nachdenklich Figur zur Seite steht. Letztendlich ein Fluss von Farben und Figuren, ein Strom von Licht und Schatten, ein Meer von Gefühlen und Gedanken. Diese Ausstellung ist eine Entdeckung - weitab dem Zeitgeist und doch modern
joerg k
(Stadtmuseum Fürstenfeldbruck)
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Sonntag 01.09.2013
Als Maler ein politischer Chronist - Zingerl zum 80. im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck
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Fotos: (Zingerls Atelier und
Fürstenfeldbruck. Seine Arbeiten entstehen, trotz aller kompositorischer Finessen, wohl kaum unter dekorativen Gesichtspunkten und sind somit als effektvolle Assecoirs für adrette Raumgestaltung einfach ungeeignet. Wer einen echten Zingerl erwirbt, dem geht es um Inhalte, um Haltung, vielleicht auch um politische Positionierung. Denn Zingerls Bilderwelt fordert heraus, ist oft unbequem und polarisiert zuweilen. Seine Themen? Politik, Religion, Heimat. Dabei sieht er die menschliche Welt in einer gnadenlosen Realität: Hart, in ihrer Unberechenbarkeit wiederum berechenbar, gierig, ungerecht und vor allem bigott. Trotzdem sollte der Betrachter, bei aller Ernsthaftigkeit der Themen, Humor besitzen. Denn um an Zingerls dinghafter Sichtweise des Diesseits seelisch nicht vollends zu verzweifeln, ist ein gehöriger Schuss (Galgen-) Humor vonnöten. Geist und Mutterwitz gehen bei ihm Hand in Hand.
Seit dem 22. August sind in den wunderbaren Räumen im Kunsthaus des Stadtmuseum Fürstenfeldbruck Bilder von Guido Zingerl, alias Heinrich Scholz, zu sehen. Durchweg neue, absolut sehenswerte Arbeiten, die aus Anlass des 80. Geburtstag des heute in Fürstenfeldbruck lebenden Malers, Zeichners, Illustrators und Karikaturisten ausgestellt sind. Und die zum Ausdruck bringen, dass das Leben ein Wechselspiel von Farben und Einstellungen, von Spannungen und Impulsen ist.
Trotz der Auseinandersetzung mit den Themen aus Gegenwart und Zeitgeschichte vermitteln die Bilder des mahnenden Kritikers, wie im Kunsthaus zu sehen, auch immer Hoffnung auf Erneuerung. Denn indem er seinen künstlerischen Finger in die alltäglichen Wunden menschlicher Unvollkommenheit legt, trägt er mit seiner zum Teil ätzenden Satire zur Erkenntnis und damit zu einer positiven Veränderung des Bestehenden bei.
In der farblichen und formalen Gestaltung erinnert Zingerl, sowohl in seinen graphischen Arbeiten wie in der Malerei, an die großen Namen des Übergangs vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit, in den 1920er Jahren: Dix, Grosz, Beckmann. Ihre Radikalität und Klarheit, ihre Beziehung zwischen bildnerischem Raum und Fläche, die Eindeutigkeit der Aussagen und deren Objektgebundenheit sind Vorbild. Nichts selbstvergessenes - trotz der erscheinenden Flüchtigkeit, nichts gefälliges - trotz aller Farblichkeit, nichts unverbindliches - trotz allem Perspektivischen. Als Maler ist Guido Zingerl Zeit seines Lebens ein politischer Chronist und als Chronist ein politischer Maler.
Geboren wurde Heinrich Scholz 1933 in Regenburg. Nach dem Abitur und dem Studium an der Technischen Hochschule München, arbeitete er bis 1960 als Brandreferendar für den höheren Feuerwehrdienst und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Holzforschung. Im Sommer 1960 brach er seine akademische Laufbahn ab und wurde freischaffender Maler, Zeichner und Karikaturist. Ab 1962 nannte er sich Guido Zingerl - nach einem (bis dato unbekannten) Tiroler Freiheitskämpfer. Es folgten viele Einzelausstellungen, in Regensburg, in München, in Edinburgh, in Innsbruck, in Linz. Zingerl hatte einen Lehrauftrag für Politische Karikatur an der Fachhochschule Bielefeld, illustrierte Bücher, malte Comics und schuf ungezählte Karikaturen für Tageszeitungen.
joerg k
Autor: Siehe Artikel
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