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Als Maler ein politischer Chronist - Zingerl zum 80. im Stadtmuseum Fürsten...

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Mittwoch 08.01.2014
Die Künstlerkolonie Dachau 1880 - 1920 - Kunst als Teil des ländlichen Lebens
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Ludwig Dill, Arthur Langhammer und Adolf Hölzel (von links) unterwegs im Moos mit Malbuben, um 1895. Adolf Hölzel-Stiftung Stuttgart
Dachau. Ende des 19 Jahrhunderts zogen sie hinaus aufs Land, die Maler und Bohemiens der Großstädte. Nicht nur, um sich von Licht und Landschaft flüchtig inspirieren zu lassen, auch nicht, um mit der Ausbeute von nur ein paar Skizzenblättern am Abend die Heimreise ins vertraute Atelier der urbanen Metropolen wieder anzutreten. Sie wanderten damals regelrecht aus, bezogen in kleinen, provinziellen Orten Gasthäuser und Pensionen und wurden Teil des ländlichen Lebens. Von hier unternahmen sie mit Leinwand, Farben und Proviant tagtäglich nicht selten beschwerliche Anmarschwege - um in der Natur selbst zu malen. Auch in Öl! Das Bezirksmuseum und die Gemäldegalerie Dachau widmen sich noch bis zum 16. März 2014 in der Doppelausstellung „Die Künstlerkolonie Dachau 1880 - 1920“ genau diesem Phänomen.
Angelockt vom Reiz der Natur, vom Wechselspiel der Farben in den feuchten Mooren, kamen schon in den Jahren zuvor die Maler der nahegelegenen Großstadt München zu Studien in die ländliche Umgebung. Man kam, sah, zeichnete vor und fuhr wieder Heim. Doch indem sich einige Maler, die bekanntesten unter ihnen waren Ludwig Dill, Adolf Hölzel und Arthur Langhammer, in Dachau niederließen, veränderte sich die Gesamtstruktur der bis dahin rein bäuerlichen Kultur im Ort. Die Ausstellung beleuchtet die verschiedenen Facetten dieser Neugestaltung, die langsam aber stetig das Ortsbild, das Verständnis und damit auch das Verhältnis seiner Bewohner zur Kunst änderte.
Auch wenn zu Anfang dieser Bewegung gewisse Vorurteile der ländlichen Bevölkerung gegenüber den städtischen Malern in der Natur der Sache lagen, gestaltete sich das Miteinander in dem Moment neu, als durch die entstandenen (bis zu zehn!) Malschulen, dem zusätzlichen Bedarf an Unterkunftsmöglichkeiten, sowie der Beköstigung der Neuankömmlinge und Gäste auch das wirtschaftliche Leben in Dachau einen spürbaren Aufschwung verzeichnete. „Bauern, Bürger und Künstler fanden Kontakt in formlosen Gesellschaften in den Wirtshäusern, und in neu gegründeten Musik- und Kulturvereinen wurden gemeinsame Projekte realisiert. Mit den Malern kamen Schauspieler, Literaten und Publizisten. Bücher erschienen und Verlage wurden gegründet“, ist in einem Führer zur Ausstellung zu lesen. Als Folge dieser Entwicklung wurde Dachau zu einer der größten Künstlerkolonien Süddeutschlands.
(Dachauer Galerien und Museen)
joerg k
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Dienstag 31.12.2013
Brynolf Wennerberg in Fürstenfeldbruck - Ein Fluss von Farben und Figuren
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Fürstenfeldbruck. Er war ein Meister der Ästhetik. Als Maler, als Zeichner und als Gebrauchsgraphiker. Seine Bilder haben etwas Beschwingtes, etwas zutiefst Belebendes. Sie verzaubern und faszinieren durch ihre blühenden Farben, die eine charmante Leichtigkeit vermitteln und doch auch immer einen Hauch nachdenklicher Melancholie beinhalten. Es sind streng komponierte Arbeiten mit einem wie flüchtig hingehauchten Charakter. Kaum Landschaften. Keine Stillleben. Brynolf Wennerberg (1866 - 1950) interessierte sich für die menschliche Gestalt. Besser: Für die Frauen der Gesellschaft. Doch es sind nicht die schwer arbeitenden, die von der Last ihres Tuns gezeichneten und gebeugten Gestalten, die er der Vergänglichkeit entreißt. Wennerbergs Modelle besitzen etwas unverbindlich erotisierendes, zeigen sich heiter selbstbewusst und verkörpern weibliche Emanzipation.
Im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck ist noch bis zum 16. März die bisher größte Werkschau des in Schweden geborenen Künstlers zu sehen. Die Ausstellung, in Zusammenarbeit mit Dr. Ruth Negendanck vom Germanistischen Nationalmuseum Nürnberg entstanden, beleuchtet den Lebensweg des Künstlers und zeigt anhand unterschiedlichster Exponate seine künstlerische Entwicklung, eingebettet in die Zeit seines Wirkens.
Wennerberg  hat es stets verstanden, seine Kunst zu vermarkten. Nach dem Studium der Malerei und des Kunsthandwerks in Stockholm und Kopenhagen, zog es ihn 1888 in die sächsische Buchstadt Leipzig, um hier als Zeichner und Graphiker zu wirken. Von 1900 bis 1905 lebte er in Emmering bei Fürstenfeldbruck, später in München. Hier schuf er die ersten Plakate für eine noch recht frische Werbebranche, welche die Erzeugnisse der ersten Massenproduktionen vermarktete. Später sollten große Aufträge für Firmen wie „Kölnisch Wasser“, „Junkers“, „NSU“ und „Opel“ folgen. Ab 1909 arbeitete er für den „Simplicissimus“. Akribisch in der Ausführung und mit einem Hang zum derben Humor setzen seine Zeichnungen den Anspruch seines Vorgängers, des Zeichners Ferdinand von Reznicek fort. Ab 1919 arbeitete Wennerberg, mittlerweile zu zweiten Male verheiratet, für die in Berlin ansässige Zeitschrift „Lustige Blätter“, zu deren Zeichnern auch Lyonel Feininger, Walter Trier und Heinrich Zille gehörten. Während des 1. Weltkrieges zog er ins oberbayerische Bad Aibling, wo er das Atelier des Malers Wilhelm Leibl mietete. Hier entstanden neben seinen Auftragswerken viele Gemälde, deren beschriebene Leichtigkeit faszinieren und die seiner Zeit in Wirkung und Anspruch voraus zu sein scheinen.
Trotz der schwierigen politischen Verhältnisse in denen Wennenberg sein Oevre schuf, ist nur in ganz wenigen seiner Arbeiten ein persönlich Stellung beziehender Inhalt auszumachen. Wennerberg verschrieb sich in den folgenden Jahren zwar den stark in Mode gekommenen und das Tagesgeschehen zeichnerisch dokumentierenden Kunstpostkarten. Aber auch hier kaum politisch anklagende, oder kämpferisch in Frage stellenden Illustrationen. Dafür immer wieder diese rauschhaften Farben und unbefangenen menschlichen Formen, denen häufig mit dem Pierrot, eine Rolle, in der sich Wennerberg wohl selbst wahrnahm, eine elegisch nachdenklich Figur zur Seite steht. Letztendlich ein Fluss von Farben und Figuren, ein Strom von Licht und Schatten, ein Meer von Gefühlen und Gedanken. Diese Ausstellung ist eine Entdeckung - weitab dem Zeitgeist und doch modern
joerg k
(Stadtmuseum Fürstenfeldbruck)
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Sonntag 01.09.2013
Als Maler ein politischer Chronist - Zingerl zum 80. im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck
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Fotos: (Zingerls Atelier und
Fürstenfeldbruck. Seine Arbeiten entstehen, trotz aller kompositorischer Finessen, wohl kaum unter dekorativen Gesichtspunkten und sind somit als effektvolle Assecoirs für adrette Raumgestaltung einfach ungeeignet. Wer einen echten Zingerl erwirbt, dem geht es um Inhalte, um Haltung, vielleicht auch um politische Positionierung. Denn Zingerls Bilderwelt fordert heraus, ist oft unbequem und polarisiert zuweilen. Seine Themen? Politik, Religion, Heimat. Dabei sieht er die menschliche Welt in einer gnadenlosen Realität: Hart, in ihrer Unberechenbarkeit wiederum berechenbar, gierig, ungerecht und vor allem bigott. Trotzdem sollte der Betrachter, bei aller Ernsthaftigkeit der Themen, Humor besitzen. Denn um an Zingerls dinghafter Sichtweise des Diesseits seelisch nicht vollends zu verzweifeln, ist ein gehöriger Schuss (Galgen-) Humor vonnöten. Geist und Mutterwitz gehen bei ihm Hand in Hand.
Seit dem 22. August sind in den wunderbaren Räumen im Kunsthaus des Stadtmuseum Fürstenfeldbruck Bilder von Guido Zingerl, alias Heinrich Scholz, zu sehen. Durchweg neue, absolut sehenswerte Arbeiten, die aus Anlass des 80. Geburtstag des heute in Fürstenfeldbruck lebenden Malers, Zeichners, Illustrators und Karikaturisten ausgestellt sind. Und die zum Ausdruck bringen, dass das Leben ein Wechselspiel von Farben und Einstellungen, von Spannungen und Impulsen ist.
Trotz der Auseinandersetzung mit den Themen aus Gegenwart und Zeitgeschichte vermitteln die Bilder des mahnenden Kritikers, wie im Kunsthaus zu sehen, auch immer Hoffnung auf Erneuerung. Denn indem er seinen künstlerischen Finger in die alltäglichen Wunden menschlicher Unvollkommenheit legt, trägt er mit seiner zum Teil ätzenden Satire zur Erkenntnis und damit zu einer positiven Veränderung des Bestehenden bei.
In der farblichen und formalen Gestaltung erinnert Zingerl, sowohl in seinen graphischen Arbeiten wie in der Malerei, an die großen Namen des Übergangs vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit, in den 1920er Jahren: Dix, Grosz, Beckmann. Ihre Radikalität und Klarheit, ihre Beziehung zwischen bildnerischem Raum und Fläche, die Eindeutigkeit der Aussagen und deren Objektgebundenheit sind Vorbild. Nichts selbstvergessenes - trotz der erscheinenden Flüchtigkeit, nichts gefälliges - trotz aller Farblichkeit, nichts unverbindliches - trotz allem Perspektivischen. Als Maler ist Guido Zingerl Zeit seines Lebens ein politischer Chronist und als Chronist ein politischer Maler.
Geboren wurde Heinrich Scholz 1933 in Regenburg. Nach dem Abitur und dem Studium an der Technischen Hochschule München, arbeitete er bis 1960 als Brandreferendar für den höheren Feuerwehrdienst und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Holzforschung. Im Sommer 1960 brach er seine akademische Laufbahn ab und wurde freischaffender Maler, Zeichner und Karikaturist. Ab 1962 nannte er sich Guido Zingerl - nach einem (bis dato unbekannten) Tiroler Freiheitskämpfer. Es folgten viele Einzelausstellungen, in Regensburg, in München, in Edinburgh, in Innsbruck, in Linz. Zingerl hatte einen Lehrauftrag für Politische Karikatur an der Fachhochschule Bielefeld, illustrierte Bücher, malte Comics und schuf ungezählte Karikaturen für Tageszeitungen.
joerg k
Autor: Siehe Artikel
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