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Sonntag 01.09.2013
Als Maler ein politischer Chronist - Zingerl zum 80. im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck
Bilder
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Fotos: (Zingerls Atelier und
Fürstenfeldbruck. Seine Arbeiten entstehen, trotz aller kompositorischer Finessen, wohl kaum unter dekorativen Gesichtspunkten und sind somit als effektvolle Assecoirs für adrette Raumgestaltung einfach ungeeignet. Wer einen echten Zingerl erwirbt, dem geht es um Inhalte, um Haltung, vielleicht auch um politische Positionierung. Denn Zingerls Bilderwelt fordert heraus, ist oft unbequem und polarisiert zuweilen. Seine Themen? Politik, Religion, Heimat. Dabei sieht er die menschliche Welt in einer gnadenlosen Realität: Hart, in ihrer Unberechenbarkeit wiederum berechenbar, gierig, ungerecht und vor allem bigott. Trotzdem sollte der Betrachter, bei aller Ernsthaftigkeit der Themen, Humor besitzen. Denn um an Zingerls dinghafter Sichtweise des Diesseits seelisch nicht vollends zu verzweifeln, ist ein gehöriger Schuss (Galgen-) Humor vonnöten. Geist und Mutterwitz gehen bei ihm Hand in Hand.
Seit dem 22. August sind in den wunderbaren Räumen im Kunsthaus des Stadtmuseum Fürstenfeldbruck Bilder von Guido Zingerl, alias Heinrich Scholz, zu sehen. Durchweg neue, absolut sehenswerte Arbeiten, die aus Anlass des 80. Geburtstag des heute in Fürstenfeldbruck lebenden Malers, Zeichners, Illustrators und Karikaturisten ausgestellt sind. Und die zum Ausdruck bringen, dass das Leben ein Wechselspiel von Farben und Einstellungen, von Spannungen und Impulsen ist.
Trotz der Auseinandersetzung mit den Themen aus Gegenwart und Zeitgeschichte vermitteln die Bilder des mahnenden Kritikers, wie im Kunsthaus zu sehen, auch immer Hoffnung auf Erneuerung. Denn indem er seinen künstlerischen Finger in die alltäglichen Wunden menschlicher Unvollkommenheit legt, trägt er mit seiner zum Teil ätzenden Satire zur Erkenntnis und damit zu einer positiven Veränderung des Bestehenden bei.
In der farblichen und formalen Gestaltung erinnert Zingerl, sowohl in seinen graphischen Arbeiten wie in der Malerei, an die großen Namen des Übergangs vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit, in den 1920er Jahren: Dix, Grosz, Beckmann. Ihre Radikalität und Klarheit, ihre Beziehung zwischen bildnerischem Raum und Fläche, die Eindeutigkeit der Aussagen und deren Objektgebundenheit sind Vorbild. Nichts selbstvergessenes - trotz der erscheinenden Flüchtigkeit, nichts gefälliges - trotz aller Farblichkeit, nichts unverbindliches - trotz allem Perspektivischen. Als Maler ist Guido Zingerl Zeit seines Lebens ein politischer Chronist und als Chronist ein politischer Maler.
Geboren wurde Heinrich Scholz 1933 in Regenburg. Nach dem Abitur und dem Studium an der Technischen Hochschule München, arbeitete er bis 1960 als Brandreferendar für den höheren Feuerwehrdienst und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Holzforschung. Im Sommer 1960 brach er seine akademische Laufbahn ab und wurde freischaffender Maler, Zeichner und Karikaturist. Ab 1962 nannte er sich Guido Zingerl - nach einem (bis dato unbekannten) Tiroler Freiheitskämpfer. Es folgten viele Einzelausstellungen, in Regensburg, in München, in Edinburgh, in Innsbruck, in Linz. Zingerl hatte einen Lehrauftrag für Politische Karikatur an der Fachhochschule Bielefeld, illustrierte Bücher, malte Comics und schuf ungezählte Karikaturen für Tageszeitungen.
joerg k
Autor: Siehe Artikel
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