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7. Landsberg: Hotel Paradiso - Ein Maskenkrimi der Extraklasse!
8. Landsberg: Sokratis Sinopoulos Quartet - Erregende Melancholie
9. Landsberg: Habib Koité & Bamada - Partystimmung
10. Germering: Die Enttäuschung - „So tun als ob“
11. Landsberg: Jimi Tenor & Bigband Dachau – Ohrenbetäubender Spaß
12. München: Gardi Hutter – Mit der Sprache des Herzens
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Samstag 16.11.2019
Landsberg: Hotel Paradiso - Ein Maskenkrimi der Extraklasse!
Landsberg. Irgendwo, auf der Welt, gibts ein kleines bisschen Glück … trällert der alte Plattenspieler ziemlich am Anfang des Stückes.
Das Paradiso ist ein 4 Sterne Hotel in den Bergen, das offensichtlich seine besten Zeiten hinter sich hat. Doch der Name der Herberge täuscht, denn hinter den Mauern ist es alles andere als paradiesisch.
Der Seniorchef ist tot und seine Frau führt mit strengem Regiment das Familienunternehmen. Sohn und Tochter kämpfen mit allen Mittel um ihre Gunst und damit um das Komando im Haus. Die Magd frönt der Kleptomanie und der Koch verwurstet nicht nur das Schwein. Hier oben ist man sich nicht sehr wohlgesonnen und doch miteinander verbunden. Auch die hauseigene Heilquelle kann da nichts mehr richten. Als dann auch noch alle 4 Sterne genommen werden, nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Wer aber meint, es braucht Worte für ein großartiges Theaterstück, wird an diesem Abend im Landsberger Stadttheater eines besseren belehrt. Körperausdruck und große Emotionen sagen im Umfeld der Familie Flöz mehr als nur Worte. Aber beherrscht hier nun die Maske den Spieler oder der Spieler die Maske?
Auf jeden Fall ist es die  Liebe und die Leidenschaft der Schauspieler zu den Figuren, zu ihrem Spiel und zum Detail, die sich auf den Zuschauer von Beginn an überträgt und in den Bann zieht. Und Figuren gibt es einige. Fünfzehn Rollen, virtuos gespielt von vier Schauspielern.
Im Stück werden alle Versprechen gehalten und auch die dunklen Abgründe der Typen mit aller Konsequenz gespielt. Das ist mutig und das tut gut.
Hotel Paradiso“ ist urkomisch, voll schwarzem Humor, elegisch und berührend. Wer die Familie Flöz noch nicht gesehen hat, sollte dieses fantastische, zeitlose Feuerwerk an Ideen und Charakteren schnellstens nachholen.
Das begeisterte Publikum in Landsberg dankt jedenfalls mit tosendem, schier nicht enden wollendem Applaus. Zu recht!
Heike Lacher
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Foto: Tryfon Tsatsaros / ECM records
Montag 11.11.2019
Landsberg: Sokratis Sinopoulos Quartet - Erregende Melancholie
Landsberg. Alle großen Jazzmagazine leisten sich einmal pro Jahr eine Art Musiker-Hitparade - wer denn der beste Gitarrist, Klavierspieler oder Schlagzeuger sei. In diesen meist unter Kritikern durchgeführten Umfragen gibt es eine Rubrik, die sich „sonstige Instrumente“ nennt. Hier finden dann das French Horn, das Mellophon, die Violine oder die Oud samt ihrer Spieler einen angemessen herausgehobenen Platz. Sokratis Sinopoulos ist ein Künstler, der mit der Lyra genau in diese Kategorie passt. Natürlich nicht allein aufgrund der Außergewöhnlichkeit dieses Klangwerkzeuges, sondern entsprechend der virtuosen Meisterschaft, mit der Sinopoulos dieses kleine, handliche Saiteninstrument beherrscht.
Mit Eleganz sowie sichtbarer Leidenschaft bringt er die griechische Antike des östlichen Mittelmeerraumes und die zeitgenössische westliche Musik akustisch zusammen. Das klingt, wie  am Sonntag im Landsberger Stadttheater zu hören war, in sich geschlossen, sehnsuchtsvoll und doch immer wieder ein wenig herausfordernd.
Sinopoulos und sein Quartett blättern förmlich in den Facetten Jahrhunderte übergreifender Ausdrucksformen. Vieles von dem was sie spielen ist komponiert, ein anderer wichtiger Teil gehört in den Katalog traditioneller Überlieferungen und zusammengehalten werden diese eingängigen wie mitreißenden Melodien von Improvisationssprints, die wie Scharniere wirken.
„Zu Beginn des Projekts mit dem Quartett stand die Idee, mit universeller Musik zu experimentieren, anstatt griechische Musik zu spielen, und dabei auf die Suche nach einem traditionellen und zugleich globalen Klang zu gehen“, erzählte der in Athen Geborene Sinopoulos vor einiger Zeit. Wie er selbst ausführt, bewegte sich die Musik aber dann doch weitaus stärker als anfangs beabsichtigt in den Bereich griechischer Volksmelodien.
Doch die Dynamik innerhalb des Quartetts, bestehend neben Sinopoulos aus Yann Keerim am Klavier, Dimitris Tsekouras am Kontrabass und Dimitris Emmanouil am Schlagzeug, übersteigt jedwede traditionelle Grenze. Es ist Musik, die genügend Raum für Unterströmungen und und ganz individuelle Sehnsuchtsmomente bietet. Sie lebt von einer souveränen Offenheit, die wunderbare Landschaften assoziieren, Seelenzustände beschreiben und Freiheit atmet. Dabei überträgt der Klang der mit dem Bogen gestrichenen dreisaitigen Lyra emotionale Botschaften hinaus in den Äther. Aufrichtig, erfrischend und intensiv.
Sinopoulos hat dabei in Yann Keerim einen konsequenten Begleiter, der Ideen einstreut, aufnimmt, weiterführt. Er ist, zumindest in dieser Besetzung, ein grandioser Lyriker, ebenso zurückhaltend, wie auch einfordernd. Er öffnet immer wieder harmonische Räume, unterstützt die grandiosen Melodien subtil und schafft selbst mit seiner Virtuosität Atmosphären.
Sein Verhältnis zu den Rhythmikern Dimitris Tsekouras und Dimitris Emmanouil ist von größter Sensibilität geprägt. Selbst dann, wenn die Takte wechseln, die ungeraden Metren das musikalische Bild bestimmen und die Musik an Geschwindigkeit aufnimmt, bleibt der Pianist in der Zeit, unterstützt er das rhythmische Grundgefüge.
Gleichzeitig korrespondiert der Klang des Klaviers beglückend mit dem der Lyra. Letzterer verströmt eine berührende Natürlichkeit. Nichts wirkt artifiziell oder gar zeitgemäß. Und Sinopoulos Kunst, diesen fast intimen Zauber seines Instruments mit seiner unglaublichen Spieltechnik zu verbinden, gibt dem Konzert nicht wenige Momente erregender Melancholie.
Jörg Konrad
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Sonntag 27.10.2019
Landsberg: Habib Koité & Bamada - Partystimmung
Landsberg. Habib Koité ist in seiner Heimat ein gefeierter Rockstar. Rock`n Roll in Mali ist ebenso wie Rock`n Roll in der westlichen Welt eine Art von Volksmusik. Und da in Zeiten der Globalisierung die verschiedenen Kulturen unserer Erde, trotz manch gegenläufiger Bestrebung, immer mehr zusammen rücken, klingt die Musik der Kontinente zwar nach wie vor verschieden, aber deren Wirkung ist weltweit ähnlich: Die Songs werden auf den Straßen gesungen, gepfiffen, gedownloaded, sie bestimmen den Alltag nicht nur der jugendlichen Bevölkerung und werden mit großem Enthusiasmus auch an fernen Orten zur Kenntnis genommen. So ist der Freudentaumel groß, wenn Hubert von Goisern in Afrika gastiert, die Rolling Stones (vor handverlesenem Publikum) in China auftreten, oder eben wenn Habib Koité und seine Band Bamada, wie am Samstagabend, im Landsberger Stadttheater zu Gast sind.
Gitarrist und Sänger Koité und seine Mitmusiker befinden sich derzeit auf Europatournee. Auf ihrer Reise durch Frankreich, Österreich, Belgien, den Niederlande und Deutschland haben sie ihr neustes Album „Kharifa“ im Gepäck, das zur zivilisatorischen Geschlossenheit nicht nur innerhalb ihrer zerrissenen Heimat Mali aufruft. 
Koité und seine Begleiter verlassen sich musikalisch natürlich auf die instrumentalen Farben, Klänge und Rhythmen ihres Landes. Zudem spürt man die Einflüsse, die sie im Laufe ihrer Entwicklung aufgenommen haben. Westliche Popmusik, Funk, Jazz und Reggea spielen eine wichtige Rolle in der Biographie des Sängers und Gitarristen. Doch stehen all diese Stile nicht einzeln abrufbar nebeneinander. Koité gelingt es, aus vielen verschiedenen Zutaten eine homogene Musik zu gestalten, die vor allem Live mitreißt, das Publikum emotional begeistert, so dass auf den Rängen schon vor der Pause Partystimmung aufkommt. 
Zeremonienmeister Koité, der genau um die Wirkung seiner vom Groove betonten Kunst weiß und als Meister der Dramaturgie jeden Saal auf Verlass zum brodeln bringt, fühlt sich selbst den Griots zugehörig. Diese gelten in Westafrika nicht nur als singende Geschichtenerzähler. Sie sind so etwas wie traditionelle Wissensvermittler, Poeten, die Vergangenes übermitteln und dadurch die Tradition in die Jetztzeit übersetzen. Man könnte sie auch als Bewahrer einer gewesenen Zeit bezeichnen, die aber trotz allem, oder vielleicht gerade deshalb, mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Gegenwart stehen.
Dazu bedient sich ein Charismatiker wie Habib Koité natürlich ausschließlich der emotionalen und suggestiven Kraft der Musik. Und was wirkt hier stärker, als die Magie perkussiver Akzentuierungen? Das Trommeln gilt als Weltsprache des Rhythmus und diese wiederum widerspiegelt den Puls von Generationen. Überlagernde, unterschiedliche Metren, harsche Synkopierungen, spontane Akzentuierungen sind zugleich auch immer physische Herausforderungen, die nicht selten rituellen Charakter haben. Es ist wie der große archaische Strom der Menschheit, der auch in der Band Bamada zu magischem Klang wird und im Publikum die unterschiedlichsten Bewegungsabläufe auslöst.
Koité spielt über diese ästhetischen Trommelprozessionen seine melodischen, oft in leichter Veränderung immer wiederkehrenden Gitarrenfiguren. Er gibt so der Musik etwas unablässig Fließendes, das immer durch eine positive Grundstimmung wirkt. Seine Lebens- und Landesgeschichten singt er mit warmer, wenn nötig auch mit rauer und fordernder Stimme und macht somit deutlich, dass er zu recht auch als differenziert agierender Botschafter der Weltmusik ganz allgemein und seines Heimatlandes Mali im speziellen zu sehen ist.
Jörg Konrad
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Samstag 26.10.2019
Germering: Die Enttäuschung - „So tun als ob“
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Germering. Manche ihrer Titel haben Hitqualitäten, oder sagen wir, zumindest was ihre Länge betrifft beste Voraussetzungen, auch im sogenannten Formatradio zu bestehen. Drei zweiundzwanzig, zwei sechzehn, und das Stück „Christian und Isolde“ aus dem letzten Album „Lavaman“ sogar nur eins achtundvierzig. Im Jazz sind derartige Sprints seit der Schellack ein Novum, was zeigt: Die Mitglieder der Band Die Enttäuschung kommen schnell und unerbittlich auf den Punkt – dabei aber gänzlich ohne zu enttäuschen. Ehe man sich versieht, ist der Donnerhall schon wieder versiegt und man hat die Klippen der Sechstausender der Improvisationsmusik, manchmal auch Dank der Notation, umschifft.
Aber das Berliner Quintett, das 1994 als Quartett gegründet wurde, kann auch anders, wie gestern abend in der Germeringer Stadthalle zu erleben war. Dort uferte ein Stück auch schon einmal aus und riss locker die zehn-Minuten-Grenze. Live lassen sich Rudi Mahall (Bassklarinette und Klarinette), Axel Dörner (Trompete), Christof Thewes (Posaune), Jan Roder (Bass) und Michael Griener (Schlagzeug) eben mehr Zeit, ist der Prozess der Improvisation ein etwas anderer, gibt es Möglichkeiten, die Zwischenräume zu dehnen und kompositorische Grenzen zu erweitern. Was bleibt ist eine bemerkenswerte Freiheit und Frische, musikalisch Dinge zu tun, die schon eine gehörig Portion Mut, Selbstverständnis und Können voraussetzen. Und vor allem damit zu überzeugen
Trotz mancher Ecken und Kanten ist die Musik insgesamt klar strukturiert, bekommt aber auch das Dissonante Raum, wirken die freien Intervalle in sich geschlossen. Es erinnert dabei einiges an diesem Abend musikalisch tatsächlich an „alte Zeiten“, an die Anfänge des Jazz in New Orleans. Und das liegt bei weitem nicht nur an der jubilierenden Klarinette von Rudi Mahall. Bei Die Enttäuschung gehen Tradition und Moderne Hand in Hand, finden längst Erlebtes und fiebrig Visionäres einen gemeinsamen Ausdruck, der hin und wieder auch provozieren mag und dem man manchmal das Etikett avantgardistische Kammermusik verpassen möchte. Denn auch Melancholisches blitzt auf, eine gewisse Poesie des Augenblicks bricht sich Bahn und befruchtet den intellektuellen Anspruch.
Aber letztendlich bieten Die Enttäuschung jazzmusikalische Verbindlichkeiten, auch weil sie auf dem Gruppenerleben, der Dynamik im Miteinander aufbauen und dadurch erfrischend, trotz formaler Stringenz, ins Abenteuerland der zeitgenössischen Musik aufbrechen. Und wenn dann Rudie Mahall zum Ende hin in einer Komposition sein Lebensmotto preisgibt („So tun als ob“), genießt man den Humor des Quintetts noch zusätzlich und in vollen Zügen.
Jörg Konrad

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Montag 21.10.2019
Landsberg: Jimi Tenor & Bigband Dachau – Ohrenbetäubender Spaß
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Foto: Simon Steinhuber
Landsberg. Wer bei dem Wort Big Band an straighten Swing mit fetzigen Bläsersätzen denkt, oder vielleicht an volltönendes Blech als musikalische Untermalung von lasziven Gesangsnummern, der liegt nicht unbedingt richtig. Denn eine Big Band ist im Grunde nicht mehr und nicht weniger als die Bezeichnung für eine musikalische Großformation in bestimmter Besetzungsstärke. Ebenso wie ein Trio oder ein Quartett nicht verrät, welche Art von Musik zu erwarten ist.
Spätestens wer die Bigband Dachau (live!) erlebt und dann vielleicht auch noch, wie am Sonntagabend im Landsberger Stadttheater, mit dem Paradiesvogel der ansonsten schon kunterbunten Electro-Szene, mit Jimi Tenor als Gast, der muss sämtliche Vorurteile überdenken. Denn die Bigband Dachau feat. Jimi Tenor, das bedeutet: Stilistische Anarchie, instrumentale Disziplin, raffinierte Intonation, ein wenig Schamanentum bis Mummenschanz und jede Menge Spaß. Im Grunde all dies in einem.
Tenor, der, neben grandiosen Electro-Beats für die Tanzschuppen dieser Welt, seit einiger Zeit auch Big Band Arrangements entwirft, kennt einfach keine Grenzen. Der Finne ist ein kreativer Unruhegeist, der eben einstigen Erfolg nicht auf Gedeih und Verderb zu konservieren versucht. Tenor sucht nach immer neuen Möglichkeiten, sich musikalisch auszudrücken und zieht damit entsprechend immer neues Publikum in seinen Bann. Einzige Voraussetzung: Die Musik hat Groove, die Musik hat Biss, die Musik ist tanzbar.
Mit der Bigband Dachau als Partner scheint Tenor genau das richtige Vehikel für seine Meriten gefunden zu haben. Dieses Orchester, geleitet und zusammengehalten von Thomas Jahn, dem allein für sein Dirigat das Bundessportabzeichen für Fortgeschrittene in Gold gebührt, ist in seiner Kompaktheit und Unerbittlichkeit eine Ausnahmeerscheinung. Diese Bigband klingt so spacig und ist instrumental so beweglich wie das einstige Arkestra um den großen Sun Ra. Manchmal klingt die Truppe aber auch nach George Clintons Großbesetzungen, wenn diese gerade einmal wieder mit ihrem Mothership, nach langen intergalaktischen Reisen, auf Mutter Erde landeten. Aber damit hören wir mit den vergleichen auch schon auf. Denn die, zumindest auf Dauer strapaziert, hinken bekanntlich.
Jimi Tenor ist ganz Herr der Lage. Zwar dirigiert er nicht, doch alles scheint auf ihn zugeschnitten. Mal wuselt er am Synthesizer, mal ein wenig an der alten Wurlitzer, er spielt ein Flötensolo, unterstützt die Woodwind-Section, beschäftigt sich mit dem kleinen Tischpropeller und singt natürlich seine Songs. Zwischendurch knallen die Trompeten, röhren die Posaunen, explodieren die Saxophone. Die Rhythmussection arbeitet ungerührt, wechselt wiederholt die Taktspur und bringt die Band zum Fliegen.
Das was die Big Bands der 1930er Jahre spielten, wurde später das „Alte Testament“ des Swing genannt. Count Basies Gruppenpräzision der später 1950er Jahre galt als das „Neue Testament“. Und Jimi Tenor plus Bigband Dachau? Man könnte meinen, so klingt Musik vom andern Stern.
Herausfordernd und kompliziert, ein wenig lasterhaft, auch kitschig, blitzblanke Ekstase gepaart mit musikhistorischer Dialektik. Zusammengehalten wird dieses komplexe Gebräu von ohrenbetäubendem Spaß, den die Beteiligten auf der Bühne durchweg vermitteln. Und aus dem Stadttheater wird ein brodelnder Tanzsaal.
Jörg Konrad
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Sonntag 20.10.2019
München: Gardi Hutter – Mit der Sprache des Herzens
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Foto: Hajo Schler
München. Cheesecake, Mama, Papa – Tschüß! Vielmehr Worte bedarf es nicht, um eine weise, fesselnde und tragisch-komische Geschichte über den Tod, das Leben und das Loslassen zu spielen.
Können Generationen eine Weile nebeneinander bestehen? Oder wann genau ist es Zeit für die Ablöse? Es geht um Bindungen, Freiheit und Erneuerung.
Gardi Hutter, dem berühmtesten Clown nicht nur der Schweiz, ist gemeinsam mit ihren Kindern Neda Cainero (Tochter und Sängerin), Juri Cainero (Sohn und Perkussionist) sowie Beatriz Navarro (Schwiegertochter und Tänzerin) unter der Regie von Michael Vogel (Mitbegründer und künstlerischer Leiter der „Familie Flöz“) ein Geniestreich gelungen. Grandios poetisch werden Wirklichkeit und Spiel verbunden.
Clownfigur Hanna stirbt normalerweise am Ende ihrer Stücke. Bei „Gaia Gaudi“ lebt sie gleich zu Beginn ab und wie im richtigen Leben, steht die junge Generation schon in den Startlöchern, um nachzurücken.
Hanna tut sich aber schwer mit dem Loslassen. Ihre Seele nimmt uns mit auf eine Reise durch andere Welten. Vorbei an den Todesvögeln und sogar Gaia, die Mutter Erde lässt sich herab und schwingt ihre üppigen Hüften. Wer könnte Hannas Charme auch widerstehen. Das Publikum im Münchner Lustspielhaus am Donnerstagabend jedenfalls nicht.
Mongolischer Obertongesang, asiatische Klanglandschaften, lateinamerikanischer Samba und  Schweizer Guggemusik machen den Abend auch akustisch zu einem Hochgenuss!
„Gaia Gaudi“ ist ein Stück das viel Raum für eigene Projektionen lässt. Ein wahres Meisterwerk, voller Spiellust, Komik und Weisheit, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt – das das Publikum letztendlich beseelt mit nach Hause nehmen kann.
Gardi Hutter tourt mit ihren Stücken erfolgreich um die Welt - weil die Sprache des Herzens überall die gleiche ist. Und schließlich sitzen wir ja alle im gleichen Boot.
Und wie sagt Hanna so schön? „Non, je ne regrette rien“.
Heike Lacher
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Autor: Siehe Artikel
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