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Inhaltsverzeichnis
Landsberg: Dame Gwyneth Jones – Weltpremiere am Lech

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Olching: Pandit Ranajit Sengupta – Ferne Sehnsuchtspunkte

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Landsberg: Enrico Pieranunzi – Ein stilistischer Freidenker

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Landsberg: Die Buben im Pelz - Zwischen Maniriertheit und Hysterie

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Landsberg: Alejandra Ribera - Vokale Lichtträume und Dämmerzonen

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Maisach: Peter Finger - Überbordene Musikalität

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Montag 24.04.2017
Landsberg: Dame Gwyneth Jones – Weltpremiere am Lech
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Landsberg. Am frühen Sonntagabend kamen im Rahmen der Rathauskonzerte gleich einige Superlative zusammen: Da war mit Dame Gwyneth Jones eine der weltweit bedeutendsten Sopranistinnen zu Gast in Landsberg. Mit „Enoch Arden“, in der musikalischen Bearbeitung von Richard Strauss, stand ein eher selten aufgeführtes Melodram auf dem Programm, das von dem heute fast vergessenen Dichter Lord Alfred Tennyson (1809-1892) stammt. Dame Gwyneth Jones interpretierte dieses klassische Kleinod der moderneren Musik mit ihrem Partner Adrian Müller am Klavier in Landsberg erstmalig öffentlich, so dass man zu Recht von einer „Weltpremiere am Lech“ sprechen kann. Und wenn auch, sozusagen als kleiner Wermutstropfen, die im walisischen  Pontnewynydd geborene Sopranistin an diesem Abend keinen Ton sang, so war doch ihre Interpretation des dramatischen Textes aus der viktorianischen Zeit etwas ganz außergewöhnliches, die vom Publikum zu Recht mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.
„Enoch Arden“, das ist zusammengefasst die Geschichte von Annie, Philipp und Enoch, die auf einer kleinen englischen Insel schon als Kinder eng befreundet sind. Enoch und Philipp verlieben sich in jugendlichem Alter in Annie, die sich letztendlich für Enoch entscheidet. Das Paar lebt einige Jahre glücklich und aber nicht sorgenfrei zusammen und bekommt drei Kinder. Doch das entbehrungsreiche Leben und das Fernweh zieht Enoch hinaus auf hohe See.
Sein Schiff gerät in einen Sturm, geht unter und nur er allein kann sich auf einer einsamen Südseeinsel retten, auf der er über zehn Jahre überlebt. Durch Zufall wird er entdeckt und kehrt in den kleinen Hafen seiner Heimatstadt zurück.
Hier hat in der Zwischenzeit Annie, vom Tode ihres Mannes überzeugt, Philipp geehelicht. Enoch sieht die beiden in ihrem neuen Glück, gibt sich selbst aber nicht zu erkennen und stirbt nach einem Jahr an gebrochenem Herzen.
Dame Gwyneth Jones gelang es auf ganz unprätentiöse Weise diese mitfühlende Ballade zu interpretieren. Sie nahm dem manchmal arg pathetischen, aber hochpoetischen Text jede Form der Verspanntheit. Ihr gelang es, die Macht der Naturgewalten aufbrausend zu schildern. Sie deklamierte den Text in seiner ganzen Tragik und gab der Übersetzung von Adolf Strodtmann in ihrem Vortrag den nötigen Fluss. Das ganze seelische Elend, die Trauer und menschliche Verzweiflung, der Schmerz, haben bei ihr, ganz der Vorlage verbunden, etwas gewollt Schicksalhaftes. Und in ihrer rezitatorischen Anteilnahme gelingt Dame Gwyneth Jones das seltene Kunststück, das Publikum, den Raum, die Gegenwart in die Handlung einzuspinnen. Sie machte die  leiseste Pein und die größte Not fast körperlich spürbar. Vehement und ausdrucksvoll.
Unterstützt wurde das textliche Geschehen durch die einerseits sparsame, hin und wieder auch furiose pianistische Begleitung Adrian Müllers. Wie ein emotionaler Handlauf stützte er mit seinen kurzen Einlassungen die Handlung, wiederholte klanglich deren Inhalte, untermalte manches Stimmungsbild virtuos und spielt dabei sehr formbewusst. Er gab den wortgewaltigen Bildern eine emotionale Entsprechung, ein stimmungsreiches Lodern.
Richard Strauss hat sich in seiner kompositorischen Arbeit stark zurückgehalten. Ganz dem Gedanken verpflichtend, weniger ist mehr. Geschrieben hat er die Musik, nachdem er die Ballade erstmals begeistert hörte, 1897. Uraufgeführt wurde das Stück noch im selben Jahr, in München, mit ihm selbst am Klavier.
Jörg Konrad
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Sonntag 23.04.2017
Olching: Pandit Ranajit Sengupta – Ferne Sehnsuchtspunkte
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Olching. Ragas sind Teil der klassischen indischen Musik, die auf der Grundlage von auf- und absteigenden Tonskalen und spezifischen melodischen Strukturen bestimmte emotionale oder atmosphärische Befindlichkeiten ausdrücken. Vieles geschieht musikalisch auf dem Boden der Improvisation und zeigt insofern, bei aller Unterschiedlichkeit, auch eine gewisse Nähe zum Jazz.
Und vielleicht lässt sich von diesem Verständnis ausgehend, die Musik des nordindischen Sarodspielers Pandit Ranajit Sengupta am besten aufnehmen. Sengupta, ein ausgezeichneter Virtuose auf diesem Lauteninstrument, war am Sonntag mit Jayanta Sarkar (Tabla) und Rajarshi Sengupta (Mandoline) Gast der Reihe „11-11“ in Olching. Der Klang dieser komplexen, tradierten Strukturen fernöstlicher Musikklassik hatte etwas stark Kontemplatives, was es in den zurückliegenden 146. Eleven-Eleven-Matinees nur ganz selten gab. Es war eben eine Begegnung mit einer der ältesten Musikkulturen, die einer spirituellen musikalischen Erzählweise sehr nahe kam. Und tatsächlich sind musikalische und spirituelle Gesichtspunkte hier stark ineinander verwoben. Zudem vermittelt allein der Klang der Sarod ein Gefühl von fernen Sehnsuchtspunkten, die durch die begleitenden Rhythmusfiguren der Tabla einen leise brodelnden, manchmal sogar fiebrigen Unterbau erfahren.
Wie nah uns Mitteleuropäern die klassische indische Musik im Laufe der letzten Jahrzehnte gekommen ist, lässt sich an einigen wenigen Beispielen verdeutlichen. Da wäre vor allem der „Weltbotschafter“ des Raga, Ravi Shankar zu nennen. Unermüdlich hat er von den frühen 1960er Jahren an die östliche Musik seiner Heimat in die westliche Welt transportiert. Der aus einer Brahmanenfamilie stammende Sitarspieler galt zu Lebzeiten als ein Meister der Ragas, dessen transzendentes Spiel die Menschen spirituell erreichte. Und durch seine Kollaboration mit vielen Musikern der aufkeimenden Pop-Ära erreichte die indische Musik, zwar als eine Symbiose, aber immerhin ein Millionenpublikum. Später gab es Fusionen von Jazz und indischer Musik, die in der sogenannten Weltmusik gipfelte.
Insofern haben sich die Hörgewohnheiten positiv verändert und es ist doppelt erfreulich, dass in einer hauptsächlich der europäischen Klassik vorbehaltenen Musik-Reihe, wie sie die Matinee „11-11“ darstellt, auch die Klangwelt des subtropischen Kontinents einbezogen wird. Das ist gelebte Toleranz und Respekt und kommt ganz einem Ausspruch Mahatma Ganghis nahe: „Die Fenster und Türen meines Hauses sollen weit offen stehen. Ich möchte, dass die Kulturen aller Länder frei in mein Haus strömen. Aber ich weigere mich, mich allein einer einzigen Kultur zu überlassen.“
Das noch vor dem Konzert die 25.000 Besucherin der Matinee seit 2005 begrüßt werden konnte, spricht nur für diese Reihe, die ein wichtiger wie fester Bestandteil des Kulturlebens über die Region hinaus ist.
Jörg Konrad
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Sonntag 09.04.2017
Landsberg: Enrico Pieranunzi – Ein stilistischer Freidenker
Landsberg. Joachim Ernst Berendt schrieb einmal über Keith Jarrett, dass das, was er spiele, romantische Musik unserer Zeit sei. „Wenn Schubert, Schumann, Brahms, Mendelssohn heute leben würden, so könnte ihre Musik klingen.“
Was seinen Puls und seine Phrasierung betrifft, ist Enrico Pieranunzi nicht unbedingt ein Epigone Keith Jarretts. Auch wenn manches von dem, was der Italiener spielt, oder sagen wir besser wie er es spielt, ganz allgemein einen Bezug zur improvisierten Klassik aufweist. Speziell mit Domenico Scarletti hat sich der Pianist in der zurückliegenden Zeit immer wieder beschäftigt und ein Programm um den Neopolitaner herum zusammengestellt. Mit diesem gastierte Pieranunzi am letzten Samstag im Landsberger Stadttheater und gab ein außergewöhnliches Klavierrezital, das einer Reise durch die Musikgeschichte sehr nahe kam.
Man stelle sich nur einmal vor: Eine Bühne mit nur einem Flügel als Requisite und einem Pianisten, der sich allein auf seine Erfahrung, seine Technik und seine Inspiration verlässt, um (fast) aus dem Stegreif ein erwartungsvolles Publikum über neunzig Minuten zu unterhalten. Wieviel persönliches, ja intimes findet in solchen Momenten Eingang in die Musik und damit den Weg in die Öffentlichkeit? Es ist ein nackter Tanz auf dem Vulkan, der einen schonungslosen Blick in die Seele eines Künstlers ermöglicht. Und diese zeigt sich bei Enrico Pieranunzi als eine von Musik besessene Seele. Der Klang der Jahrhunderte ist seine Obsession. Pieranunzi lebt Musik, wobei es ihm nicht auf eine spezielle Stilistik ankommt. Er, der über die Klassik an sein Instrument kam und schon im Kindesalter Mozart als auch den Blues beherrschte, hat einige der großen Komponisten des Barock als Improvisatoren entdeckt und von diesen ein Rad zum Jazz geschlagen. Voraussetzung für diesen zwar logischen, als aber auch kühnen Spagat ist eine ausgezeichnete Technik. Und das Klavierspielen beherrscht Pieranunzi. Er jagte virtuos durch die Sonaten Scarlettis, spulte sie in einem geläufigen Perfektionismus ab, der an die legendären Einspielungen der „Goldberg Variationen“ von Glenn Gould erinnerte.
Doch raffiniert variierte Pieranunzi die Vorlagen, rutschte zwischenzeitlich und für wenige Augenblicke in ein Bluesschema, brachte Jazzharmonien in die Kompositionen ein, stolperte plötzlich in der Art eines Thelonious Monk durch das Thema und belebte damit die heute fast verschüttete Klassik-Improvisation neu. Wenn aber Flamenco- oder Tarantella-Splitter in der Musik aufblitzten, dann lag das daran, dass schon Scarlatti während seines Aufenthaltes in Spanien diese Volksmusik in seine Kompositionen zumindest bruchstückhaft mit einbaute.
Aber ein Abend mit Enrico Pieranunzi wäre nicht vollständig, wenn der Römer nicht auch wirklichen Jazz im Programm hätte. So interpretierte er auf wunderbare Weise den Allzeit-Standard „Someday My Prince Will Come“, machte seine Vorliebe für romantische Themen in der Eigenkomposition „Fellini`s Waltz“ hörbar und zeigte sein harmonisches Geschick in dem äußerst farbig akzentuierten Stück „Horizontes Fianles“. Es fielen die Namen von John Coltrane (der übrigens ein glühender Verehrer der Klassik war) und Wayne Shorter, was ebenfalls zum Ausdruck brachte, dass große Musiker stets stilistische Freidenker waren – und sind.
KultKomplott
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Sonntag 02.04.2017
Landsberg: Die Buben im Pelz - Zwischen Maniriertheit und Hysterie
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Landsberg. Die einen haben das Glück und das Können in Würde zu altern. Ihre einstigen Ideen sind wie ein guter Wein, bei dem, in bester Lage gereift, im Laufe der Jahre die Qualität noch zunimmt. Beispiel: Bob Dylan. Sein neues Album „Triplicate“ bringt diese Perspektive überzeugend zum Ausdruck. Und einen Nobelpreis bekommt er auch noch. Endlich an diesem Wochenende.
Die anderen lassen ihre Werke (zwangsläufig) von jüngeren neu interpretieren, weil sie mittlerweile zu über fünfzig Prozent in außerirdischen Kapellen spielen und gemeinsam auf Erden nicht mehr zusammenfinden (wahrscheinlich wären sie heute ebenso heillos zerstritten wie damals). Beispiel: Velvet Underground. Wie sich ihre Musik im Jenseits anhört? Ein dankbares Thema für jeden Fantasten und Theoretiker.
Bleiben wir bei Velvet Underground, die man in einem Atemzug mit dem Künstlerfürsten Andy Warhol und der düsteren Chansonette Nico, alias Christa Päffgen, nennen muss. Sie veröffentlichten 1967, dem Jahr des musikalischen Urknalls im Pop, dessen Auswirkungen wir bis in die heutige Zeit tagtäglich spüren, ihr Debüt-Album. Vor fünfzig Jahren! Grund genug, dieses Jubiläum zu feiern. Und da die Band aus genannten Gründen nicht vollzählig auftreten kann, haben sich die Österreicher David Pfister und Christian Fuchs dieser Aufgabe angenommen. Sie zelebrierten ihr Programm 50 Jahre Velvet Underground & Nico als die Buben im Pelz am Samstagabend im Landsberger Stadttheater. Eine zünftige Party sollte es werden. Und die lieferte das Quintett auch ab. Schrill war es, respektlos respektvoll, insgesamt das Gegenteil von dem, was vor einem halben Jahrhundert eben als rechtschaffend galt. Eine Reise in die Anfangstage des Pop, an den Beginn einer Geschichte, die bis heute anhält und auf die sich fast jedes neue hinzugefügte Kapitel früher oder später bezieht.
Die Buben im Pelz, das sind raue Gitarren und treibende Rhythmen. Immer auf die Eins – selten anders. Zwischen Maniriertheit und Hysterie angelegter Gesang, provokante bis verzweifelte Texte. Selbstverliebtheit. Es ist die Grundlage, aus der sich später der Punk speiste und aus dem auch der Industrial hervorging.
Im Zentrum des Abends stand natürlich das legendäre Album. Pfister und Fuchs haben es komplett übersetzt – ins Wienerische. Das nimmt allem Nostalgischen den Schmelz, wirkt böse und zynisch und manchmal auch ein wenig operettenhaft, voller Selbstironie. Aus „Sunday Morning“ wird „Renn Renn Renn“, aus „All Tomorrows Parties“ wird „Alle faden Parties“ und aus dem Klassiker „I`m Waiting For A Man“ wird „Schwedenplatz.
Neben Velvet Underground hatten die (bösen) Buben aber auch eigene Titel aus ihrem im Juni erscheinenden Album „Katzenfestung“ im Programm, coverten mit „Nothing Compares 2 U“ gar einen Prince(!)-Song und auch ein Stück der momentan in Österreich hoch angesagten Band „Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune“, zu der übrigens auch David Pfister und Christian Fuchs gehören. Selbst der Blues blitzte für gut fünf Minuten durch den Raum des Stadttheaters und erzählte ansatzweise eine noch viel ältere Story des Pop. Doch am besten klangen die Buben, wenn sie sich an Lou Reed und John Cale, den Masterminds der Velvets, abarbeiteten. Musik aus den Graphikkellern der Kunsthochschulen. Damals wie heute.
KultKomplott
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Montag 27.03.2017
Landsberg: Alejandra Ribera - Vokale Lichtträume und Dämmerzonen
In Kanada, ihrer Heimat, ist sie längst ein Star. In Europa ist sie auf dem besten Weg dorthin: Alejandra Ribera, eine Sängerin mit Charisma und immenser Wirkung. Am letzten Samstag war sie in Freiburg, am Montag in der Wiener Sargfabrik. Am Sonntag hatte die Tochter eines argentinischen Vaters und einer schottischen Mutter einen Zwischenstopp im Landsberger Stadttheater eingelegt. Gut eineinhalb Stunden Songwriting auf höchstem Niveau, feinfühlig, poetisch, bodenständig.
Alejandra erinnert in vielem was sie singt an die großen Geschichtenerzähler-/innen im Grenzbereich von Jazz, Pop, Blues und Folk. Namen wie Joni Mitchell, Rickie Lee Jones oder Chris Whitley geistern am Abend durch den Saal. Aber man würde der Kanadierin nicht gerecht werden, würde man sie als eine Nachahmerin ihrer persönlichen Favoriten abstempeln. Dafür steckt viel zu viel eigenes Potenzial in dieser faszinierenden Persönlichkeit.
Ihr Repertoire besteht zum Teil aus Songs ihres ersten Albums „La Boca“, das vor über einem Jahr auch in Deutschland erschien. Der andere Teil sind neuen Kompositionen, die Mitte Mai auf ihrer neuen CD „This Island“ zu hören sein werden. Live wirkt das Programm emotionaler, beschwörender. Da sind diese Alltagserlebnisse, die von Alejandra in kurze musikalische Geschichten verpackt werden. Es sind keine Moritaten, dass heißt, wer die Läuterung, oder den klassischen Zeigerfinger unter dem Motto „Du sollst nicht!“ erwartet, sucht vergebens. Eher sind es Zustandsbeschreibungen von Alltagsituationen, die auch wie eine behutsame Erinnerungsarbeit wirken. Sie setzt ihre wandelbare Stimme zeitweise instrumental ein, haucht und flüstert die gebrochenen Seelen ihrer Songs in den Raum, gibt ihnen eine Stimme, ohne in Larmoyanz zu verfallen. Oder sie formt mit ihrer kehligen Stimme einen vor Intensität berstenden Song, der tief unter die Haut geht, aufwühlt, ergreift. Dabei kleidet sie manche Situation in mythologische Gewänder, oder nutzt unwirklich erscheinende Inspirationsquellen, oder, als sie in Frankreich lebte, Gefühle des Heimwehs: „Nachdem ich bereits ein Jahr lang in Frankreich gelebt hatte, begann ich, kleine Hymnen der Dankbarkeit zu schreiben und hörte Choräle in meinem Kopf. Ich glaube, dass ich mit ihnen unbewusst meine Stimmungen anhob, wenn ich Heimweh hatte.“
An ihrer Seite hat Alejandra mit Jean-Sebastien Williams (Gitarren) und Cedric Dind-Lavoie (Bass, Klavier) zwei Musiker, die fast andächtig begleiten, die ihre instrumentalen Fertigkeiten zurückfahren, sich beschränken. Es sind harmonische Tupfer, die sie setzen, melodische Umschreibungen, rhythmische Minimalismen. So entstehen instrumentale Räume, die kaum mehr möbliert sind. Diese Begleitung rückt die vokalen Lichtträume und Dämmerzonen Alejandras noch stärker in den Mittelpunkt, geben ihr noch mehr Intimität, Verantwortung und Ausdruck. Unkonventionell ist dieses, aber wirkungsvoll. Das klingt so magisch wie auch exotisch.
Alejandra Ribera ist in erster Linie Künstlerin und ihr Herz schlägt für alles was sich im kreativen Bereich des Lebens abspielt. Sie hat sich eine eigene Welt geschaffen, sich in ihr eingerichtet und ist glücklich über jeden, der sie hier besucht. Verstörend schön das alles.
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Samstag 18.03.2017
Maisach: Peter Finger - Überbordene Musikalität
Maisach. Irgendjemand schrieb einmal, Gitarristen seien ganz besondere Charaktere. Wie das inhaltlich und wer genau damit gemeint war, ist schwer zu sagen. Vielleicht lag ja etwas Spott in dem Statement, vielleicht war es nur Besserwisserei. Hätte es sich aber um Peter Finger gehandelt, dann ginge es mit Sicherheit um Respekt und Hochachtung. Denn seine Kunst, das Saiteninstrument zu spielen, vermittelt Ehrfurcht. Zugleich sind seine „Fingerübungen“ zeitweise von einer persönlichen Zurückhaltung, die die höchste Bewunderung verdient. Wenn das Anliegen der Reihe „Beer & Guitar“ in Maisach also ist, die besten Gitarristen der Welt in den Räuber Kneißl Keller zu locken, dann war Peter Fink am gestrigen Abend zu recht an diesem Ort.
Nicht nur, dass der heute in Osnabrück lebende in spieltechnischer Meisterleistung über das Griffbrett fliegt. Er kann auch mit Nuancen umgehen, Idyllen beschwören und flüchtige Impressionen wecken. Doch er kann eben auch wie ein virtuoser Hurrikan auftrumpfen, dabei an Country, Jazz, Folk und ländlichem Blues entlangschrammen, ohne Schaden zu nehmen oder zu hinterlassen. Und da ihm die populären Stilrichtungen für seine überbordene Musikalität etwas zu eng sind, nimmt er die Klassiker, oder wenigstens einen Teil von ihnen, in sein Repertoire mit auf. Da durchfließen seine Kompositionen Zitate von Frederic Chopin (übrigens ein weit entfernter Verwandter der Fingers, wie der Gitarrist erzählte), leuchtet ein Motiv von Cesar Franck mit auf und ein Violin-Solo von Johann Sebastian Bach hat er gleich ganz für die Gitarre transkribiert. Hinzukommen Verweise auf südamerikanische und afrikanische Musik, die ihn letztendlich als einen Kosmopoliten unter den Gitarristen ausweisen.
Diese Fülle an musikalischen Ein- und inhaltlichen Ausdrücken macht zeitweise schwindlig, sprengt jedes feste geschmackliche Raster. Auch von seinem Publikum verlangt Finger aufgrund dieser Vielfalt manches ab. Doch all diese Vielfalt bündelt er in seiner Persönlichkeit. Oder anders ausgedrückt: Wie ein menschgewordener Katalysator schluckt er all die Musikalität dieser Welt und bringt sie auf einen Nenner, auf seinen Nenner. Und dann sage noch einmal jemand, Gitarristen seien ganz besondere Charaktere. Wahrscheinlich haben sie recht.
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