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Inhaltsverzeichnis
MANASLU

13

SIBEL

14

WESTWOOD

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GEGEN DEN STROM

16

ASTRID

17

LE GRAND BAL – DAS GROßE TANZFEST

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Donnerstag 27.12.2018
MANASLU
Ab 3. Januar 2019 im Kino
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Der Everest Rekord Bezwinger Hans Kammerlander stellt sich nach 26 Jahren seinem Schicksal am MANASLU in Nepal (8163 Meter). Ein Freund stürzte ab, der andere wurde nur wenige Meter neben ihm vom Blitz erschlagen. Hans, dem Wahnsinn nahe, überlebte!

Nach seinen Erfolgsfilmen MOUNT ST. ELIAS und STREIF kehrt Regisseur Gerald Salmina mit einem spektakulären, wie bewegendem Portrait von einem der größten Bergsteiger unserer Zeit zurück auf die Kinoleinwand.

Ein Film von Gerald Salmina   
Mit Hans Kammerlander, Werner Herzog, Stephan Keck u.v.a.


INHALT

Die Idee zum Film basiert auf der Lebensgeschichte von Hans Kammerlander, seine größten Erfolge und Tragödien.

HANS KAMMERLANDER und der MANASLU 
Hans Kammerlander wurde 1996 mit der bis heute schnellsten Besteigung über die Nordroute zum Gipfel des Mount Everest in der Rekordzeit von 16h 40min weltberühmt. Noch unglaublicher war es im Anschluss als erster Mensch vom Gipfel des höchsten Berges der Welt mit Skiern abzufahren. Seine schmerzvollste Tragödie erlitt Hans Kammerlander 1991 am Manaslu in Nepal, wo er zwei seiner besten Freunde verlor. Einer stürzte aus unerfindlichen Gründen ab, der andere wurde neben ihm vom Blitz erschlagen. Hans, selbst in akuter Lebensgefahr, überlebte das Gewitter am Rande des Wahnsinns. Es war ein Berggewitter, das es gar nicht geben durfte. Durch die brennenden Ölfelder im Golfkrieg erreichten 1991 Partikel in der Atmosphäre sogar den Himalaya, wodurch es auch in großen Höhen zu elektrisch aufgeladenen Hochspannungsfeldern kam.
Das Ziel der Seilschaft Stephan Keck und Hans Kammerlander war es, im Herbst 2017 an den Manaslu zurückzukehren, um ihn endlich zu besteigen und anschließend von dem 8163 Meter hohen Gipfel mit Skiern auf einer neuen Route abzufahren. Mit der Besteigung stellt sich Hans Kammerlander nach 26 Jahren nicht nur erneut dem Berg, sondern auch der Tragödie von 1991, die er bis heute nicht verarbeiten konnte. Nicht zuletzt hat er deshalb darauf stets verzichtet einer der ersten zu sein, der alle Achttausender ohne Sauerstoff bestiegen hat. 

HANS KAMMERLANDER – REKORDE am MT. EVEREST
Hans Kammerlander ist wahrhaftig einer der ganz großen Bergsteiger. Es ist ihm gelungen Gipfelerfolge zu feiern, die nicht wiederholbar sind. Am Beginn seiner Karriere begleitete er Reinhold Messner auf die letzten 7 von 14 Achttausendern von Messner, womit Hans maßgeblich am Erfolg Messners beteiligt war.
Hans hat danach nach eigenen Zielen gesucht und „Speed-Bergsteigen“ zu einer Zeit geprägt, als sich niemand vorstellen konnte, dass dies jemals realisierbar sein wird. Er wollte nichts riskieren, sondern nur so sicher wie möglich zum Gipfel gelangen. Schnelligkeit war für ihn die größte Sicherheit. Seine Zauberformel war, dass er mit minimalistischer Ausrüstung, Proviant und Gepäck, ohne Hochlagerkette und Fixseile zum Gipfel marschiert und dabei nur auf seine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit vertraut.
Hans Kammerlander hat auf die trügerische Sicherheit zu großer Rucksäcke voll mit Notfallplänen und „Versicherungen“ verzichtet. Eine Metapher für das Leben generell. Alles mit der anspruchsvollen Ethik, es ohne künstlichen Sauerstoff zu schaffen. Seine unbegreifliche Zeit von 16h 40min über die Nordroute am Mt. Everest wurde bis heute nicht unterboten. Eine nicht nachvollziehbare Leistung, die er sogar noch verdoppelte, indem er nach der Rekordbesteigung, als erster Mensch mit Skiern vom höchsten Punkt der Erde, die Nordseite hinunterfuhr. Die Tatsache, dass es nach 21 Jahren keine gleichwertige Wiederholung für diese Speed-Skibergsteiger-Kombination am Mount Everest gibt, ist bezeichnend für die Ausnahmestellung von Hans Kammerlander als Alpinist.

DIE PRODUKTION:
Der Film versucht ein Bild über einen Menschen zu zeichnen, der sein Leben den Bergen gewidmet hat, schmerzvolle Tragödien, viele Verluste und große Triumphe erlebte. Ein Mann, der sich selbst immer wieder fragt: „Warum lebe ich noch und warum sind die meisten meiner Freunde tot?“
Die Geschichte versucht, wertungsfrei zu hinterfragen, was ihn immer noch in die Berge treibt und wie es trotz der Tragödien für ihn möglich ist „weiterzugehen“. Ein Biopic eines der größten Bergsteiger unserer Zeit. 
Um die dramatischen Erlebnisse von Hans Kammerlander so emotional, wie er es in seinen Büchern beschreibt, zu erleben, mussten die Geschichten wie in einem Spielfilm produziert werden, da damals naturgemäß keine Kamera mitfilmen konnte. Die Meilensteine seiner Karriere und Wendepunkte seines Lebens wurden daher von Schauspielern in nachgespielten Szenen dargestellt. Die Dreharbeiten verlangten ihnen alles ab. Stürme bis zu 80km/h Windgeschwindigkeit, -35 Grad Kälte, Eisbrüche und Gletscherspalten schufen originaltreue Szenen. Der Regisseur Gerald Salmina brachte die Schauspieler an Orte, welche es den Schauspielern leicht machte all das zu fühlen, was Bergsteiger in Extremsituationen empfinden. Gleichzeitig wurde damit die Authentizität der Anstrengungen sicherstellt, wenn man sich im ausgesetzten Gelände bewegt. Nicht viel weniger spannend sind die Szenen am heimatlichen Bergbauernhof, welche einen tiefen Einblick in die Welt von damals zeigen und Verständnis dafür schaffen, warum Hans Kammerlander fähig war, solche Leistungen an den hohen Bergen der Welt zu erreichen. Der Höhepunkt des Filmes findet jedoch dokumentarisch im Hier und Jetzt statt, wenn das letzte große Abenteuer des Hans Kammerlander, nochmals auf den 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal zurückzukehren, hautnah, an den Schauplätzen der Tragödie von damals, dokumentiert wird.


WERNER HERZOG UND HANS KAMMERLANDER
Sein filmisches Meisterwerk „Fitzcarraldo“ und der exzentrische Klaus Kinski in der Hauptrolle machten Regisseur, Schauspieler, Produzent und Schriftsteller Werner Herzog weltbekannt. Für seine Filme, in denen er gerne Menschen, Situationen und Landschaften der Extreme portraitiert, standen Hollywood-Stars wie Nicolas Cage, Eva Mendes, Nicole Kidman, James Franco, Cristian Bale oder Donald Sutherland vor der Kamera. Die langjährige Freundschaft mit Hans Kammerlander brachte den Oscar-nominierten Regisseur („Encounters at the End of the World“) nun bei MANASLU wieder selbst vor die Kamera.

DOPPELÜBERSCHREITUNG von GASHERBRUM I und II:
Das erste Mal trafen die beiden 1984 bei den Dreharbeiten zu „Gasherbrum - Der leuchtende Berg“ aufeinander. Die Doppelüberschreitung zweier 8000er (Gasherbrum II und I) von Reinhold Messner und Hans Kammerlander sollte zu einer Pionierleistung dieser Zeit werden: 8 Tage in der Todeszone, wenig Schlaf, ohne Fixseile, kein Flaschensauerstoff und wenig Geländekenntnis. Der Regisseur Werner Herzog begleitete die 2er-Seilschaft mit einem Kamerateam ins Basislager und dokumentierte diese psychische und physische „Grenz- Überschreitung“ als „innere Landkarte“ eindrucksvoll.

DER AUTOUNFALL:
Im freundschaftlichen Gespräch lassen Werner Herzog und Hans Kammerlander die Zeit von damals vor der Kamera wiederauferstehen. Ein Erfolg und eine Leistung von Hans Kammerlander und Reinhold Messner, die heute noch schwer nachahmbar oder zu verstehen ist. Die größte Tragödie des Hans Kammerlander, passierte aber im Tal. Zum ersten Mal spricht Hans ausführlich und ehrlich über den größten Fehler seines Lebens. Werner Herzog agiert hier als ein sehr tief gehender, schmerzvoll hinterfragender, aber auch sehr gefühlvoller Gesprächspartner. Ein spannender Dialog von zwei Freunden, die sich nach 26 Jahren das erste Mal wiedersehen.
 
 
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Donnerstag 20.12.2018
SIBEL
Ab 27. Dezember 2018 im Kino
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Poetisch und bildgewaltig: In der Weltabgeschiedenheit eines kleinen türkischen Dorfes kämpft eine außergewöhnliche junge Frau um ihre weibliche Identität.

Sibel lebt mit ihrem Vater und ihrer Schwester in einem türkischen Bergdorf am Schwarzen Meer. Sie ist seit ihrer Kindheit stumm, kann sich aber dank einer in der Region verbreiteten Pfeifsprache verständigen. Von den Dorfbewohnern gemieden und ausgeschlossen, folgt die junge Frau heimlich einem Wolf, der sich im nahen Wald herumtreiben soll. Bei einem dieser Streifzüge trifft Sibel auf einen Deserteur der türkischen Armee, der sie mit ganz anderen Augen ansieht, als sie es bisher von den Menschen um sie herum kannte. Doch im Dorf stößt die Verbindung der beiden Außenseiter auf Ablehnung.

Ein Film von Çağla Zencirci und Guillaume Giovanetti
Mit Damla Sönmez, Erkan Kolçak Köstendil, Emin Gürsoy


Interview mit Çağla Zencirci und Guillaume Giovanetti

SIBEL ist Ihr dritter gemeinsamer Spielfilm nach NOOR (2014) und NINGEN (2015). Was ist das Geheimnis Ihrer Zusammenarbeit?
Die Tatsache, dass wir auch im wahren Leben ein Paar sind! In den vergangenen 15 Jahren haben wir wirklich gelernt, miteinander zu arbeiten. Wir sagen immer, dass eine*r von uns den Film nicht ohne den/ die andere*n machen kann. Unsere Arbeit basiert auf dem gemeinsamen Prozess, egal welche Projekte oder Länder wir angehen. Nach all diesen Jahren der Zusammenarbeit kennen wir unsere Stärken und Schwächen sehr genau. Und da wir zusammen sind, endet unsere Arbeit nie. Manchmal wecken wir uns um 4 Uhr morgens, um über eine neue Idee zu reden. Wir gleichen unsere Einsichten und Auffassungen regelmäßig miteinander ab.

Ihre Spielfilmideen resultieren also aus diesen nächtlichen Diskussionen?
Sie entwickeln sich eher aus zufälligen Entdeckungen von Orten, entweder sehr städtischen wie bei NINGEN oder in der Wildnis des Himalayas wie bei NOOR oder der Berge am Schwarzen Meer wie bei SIBEL. Außerdem glauben wir sehr an GO-en, ein japanisches Konzept über zufällige Begegnungen. Es stellt die Basis unserer Arbeiten dar, in denen Protagonisten aufeinandertreffen, die das niemals sollten. Wir versuchen, offen gegenüber anderen, dem Anderssein zu bleiben.
Manche unsere Begegnungen sind wie Liebe auf den ersten Blick. Bis vor kurzem haben wir immer mit Menschen gearbeitet, die uns durch ihre Vergangenheit, ihre Sprache, ihren Werdegang inspirierten und wir baten sie, sich selbst in unseren Filmen darzustellen. Die Idee war, ihre persönliche Entwicklung mit unseren filmischen Mitteln umzusetzen, und dafür eine Geschichte zu schreiben. Bei SIBEL haben wir zum ersten Mal mit professionellen Schauspieler*innen gearbeitet, die wir aber in eine sehr realistischen Umgebung verfrachtet haben und mit vielen Laiendarsteller*innen zusammen spielen ließen.

Woher kam die Idee zu SIBEL?
2003 kauften wir „Die Sprachen der Menschheit“, einen Wälzer von 2000 Seiten mit einem Wissen, das einen umhaut. In einer kleinen Nebenbemerkung wurde ein kleines Dorf im Nordwesten der Türkei erwähnt, in dem die Einwohner*innen mit einer Pfeifsprache kommunizieren. Das beeindruckte uns, da wir in unserer Arbeit oft Sprachen und ihre Kommunikationsmöglichkeiten erkunden. Al wir 2004 in die Region am Schwarzen Meer in der Türkei reisten, suchten wir dieses spezielle Dorf. Wir wollten diese Sprache entdecken, herausfinden, ob sie wirklich existiert, aus einer fast ethnolographischen Neugier heraus. Wir entdeckten Kuşköy, was die Stadt der Vögel bedeutet.
Wir befürchteten, dass das nur Folklore wäre, dass nur wenig Ältere die Sprache noch wirklich benutzten. Aber so war es nicht. Im Gegenteil – das ist keine ausgestorbene Sprache. Die Erwachsenen beherrschen sie meisterlich. Aber natürlich, die jüngere Generation, die mit dem Mobiltelefon aufgewachsen ist, hat Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Also haben die Dorfbewohner*innen angefangen, die Pfeifsprache in der Schule zu unterrichten. Und sobald die Smartphones in den Bergen einen schlechten Empfang haben, fangen sie an, zu pfeifen. Der Pfeifton wird viel besser übertragen. Die Pfeifsprache ist kein Code wird das Morsen, sodern eine echte Umsetzung der türkischen Sprache in Silben und Laute. Deshalb kann wirklich alles gesagt werden. Wirklich alles.
Während dieser ersten Reise, trafen wir auf eine junge Frau aus dem Dorf. Zuerst hatten wir den Eindruck, sie sei stumm und würde sich nur in der Pfeifsprache unterhalten. Dann verschwand sie plötzlich in der Wildnis. Das inspirierte uns zu der Figur der SIBEL.

Wer ist Sibel? Wie würden Sie sie beschreiben?
Sie existiert nicht nur in der Türkei. Es gibt Sibels auf der ganzen Welt, Frauen, die auf eine bestimmte Vorstellung beschränkt werden, mit denen die Gesellschaft ihnen Schranken setzt. Aber Wer ist Sibel? Wie würden Sie sie beschreiben? Da Sibel stumm ist, muss sie in der Pfeifsprache kommunizieren. Sibels Werdegang ist auch eine Form der Emanzipation. Wegen ihrer Behinderung unterliegt sie nicht den sonst alltäglichen Belastungen. Sie wurde von ihrem Vater freier und unabhängiger erzogen. Im Dorf wird sie in Ruhe gelassen, da die sozialen Regeln für sie nicht gelten. Sie entwickelt sich anders, mit einer scharfsinnigen Sicht auf die Welt, auf der Suche nach einer originären, primitiven inneren Stärke. Ihre Identitätssuche wird durch ihre Suche nach dem wilden Tier, dem berühmten Wolf verkörpert.

Da Sibel stumm ist, muss sie in der Pfeifsprache kommunizieren. Wie gingen sie mit dieser Herausforderung um?
Es durfte nicht irgendwas gepfiffen werden. Alle gepfiffenen Dialoge im Film sind real. Lange vor den Dreharbeiten betreute ein Pfeifsprachen-Coach die Hauptdarstellerin, um ihr die Sprache beizubringen. Und beim Drehen arbeitete er als Berater und überwachte die sprachliche Stimmigkeit. Für ihn war der Film ein Segen, dass der Film eine Sprache hervorhebt, die er jeden Tag benutzt und deren Untergang er nicht akzeptieren kann. Deshalb engagierte er sich jeden Tag für das Projekt, ebenso wie viele Dorfbewohner*innen,  die uns willkommen hießen und uns beträchtlich halfen. Aber andere arbeiteten einfach weiter auf dem Feld, und einige ignorierten die Dreharbeiten. Es kam vor, dass Sibel das Wort „Papa“ während einer Aufnahme pfiff, und kurz danach hörten wir als Antwort aus der Ferne „Was ist? Was willst Du?“.

Sibel wird wegen ihres Handicaps eindeutig als Außenseiterin behandelt...
Ja.. Sie will dieser Einsamkeit entkommen, indem sie versucht, akzepiert zu werden, sich der Gemeinschaft einzufügen, und den Anderen zu zeigen, dass sie es wert ist, geliebt zu werden. Sie weiß, dass es etwas in ihr gibt, das noch verschüttet ist und sich entfalten will, aber sie weiß noch nicht, wo sie danach suchen soll.

Die soziale Ausgrenzung ist eines der zentralen Themen des Filmes.
Wir haben einige Filme über Menschen am Rand der Gesellschaft, die nicht dazugehören, gedreht. Man erfasst besser, wie eine Gesellschaft tickt, wenn man versteht, wer von ihr ausgeschlossen wird. Wir glauben, dass das Handicap von Sibel ein Vorteil für sie ist. Sie entwickelt sich anders. Sie gehört zu keiner Kaste. Mütter wollen nicht, dass sie einen ihrer Söhne heiratet. Während die anderen jungen Frauen ihres Alters schon zwei Kinder haben, ist Sibel noch total frei.

Sibel hat ihre Mutter verloren und lebt mit ihrem Vater, der der Bürgermeister des Dorfes ist. Was veranschaulicht Ihrer Meinung nach diese Figur?
Unserer Meinung nach ist Sibels Vater intuitiv modern. Er hat klare Vorstellungen. Jemand anderes hätte sich eine neue Frau gesucht, hätte mehr Kinder bekommen, etc...  Seine ältere Tochter Sibel ist sein ganzer Stolz, obwohl er auch seine jüngere Tochter liebt. Mit Sibel hat er ein ausgewogenes Verhältnis; sie vetrauen einander, egal, was das Dorf denkt. Es war äußerst wichtig, den Film mit dieser stabilen, dauerhaften Beziehung zu beginnen. Die Väter dieser Region werden in einer düsteren oder extremen Weise dargestellt. Aber die Väter sind nicht immer gewalttätig, autoritär oder gefühllos ihren Kindern gegenüber. Und diese Figur des Vaters wird sehr wichtig für uns, in dem Moment, wo seine Sicherheit ins Wanken gerät und er sich sehr viel komplexer entwickelt.

SIBEL evoziert vor allem das Verbotene. Aus dem Dorf traut sich niemand in den Wald – wegen des Wolfes, den Sibel verbissen jagt. Was symbolisiert er?
Der Wolf ist eine Bedrohung, besonders für die Frauen. Diese Bedrohung wird von den Männern benutzt, um eine Schranke zwischen dem Dorf und allem, was jenseits davon ist, zu errichten. Niemand soll das Dorf verlassen. Sibel spürt den Wolf auf. Sie versucht etwas zu tun, um soziale Anerkennung zu bekommen. Sie versucht auch, ihre Angst zu verorten, um sich davon zu befreien und auch die anderen davon zu befreien. Natürlich steht hinter der Idee des Wolfes auch die Bildwelt und die Metaphern der Märchen. Wir erzählen gerne populäre Geschichten, die mit lokalen Mythologien verbunden sind. Sibel geht jagen, sie ist eine Wilde. Was sie sucht, kann überall sein, auch in ihr selbst. Der Wolf kann auch ein beschützendes Wesen sein, der Romulus und Remus aufzieht, aber auch Asena, die ursprüngliche Wölfin, die Ahnin aller türkischer Stämme, im schamanischen Denken vor dem Islam. Der Wolf ist definitiv eine vielgestaltige Metapher, in der wir viel sehen oder auf die wir viel projizieren können.

Im Wald trifft Sibel einen Mann namens Ali, der angeblich ein Terrorist sein soll. Was impliziert diese zufällige Begegnung?
Er löst im Dorf eine klassische Angst aus: die Furcht vor Fremden, vor dem Unbekannten. Und wir glauben, dass dieses Gefühl heute auch weit außerhalb der türkischen Grenzen, in Europa und anderswo, bekannt ist. In der heutigen Türkei wird Ali, so wie er durch die Wälder wandert, sofort als Terrorist erkannt. Sibel ist wie er eine Außenseiterin. Diese Begegnung interessiert uns, weil beide sozial ausgeschlossen werden. Zwischen beiden gibt es ein grundsätzliches, instinktives und primitives Verständnis. Wie Sibels Vater mischt sich Ali nicht in ihre Freiheiten ein, er versucht nicht, sie zu unterdrücken, und er misst sie auch nicht mit den Klischees, die Frauen üblicherweise zugesprochen werden. Wir wollen Charaktere in Szene setzen, die nicht eindimensional und schlicht sind. Im Fernsehen und im Kino gibt es zuwenige dieser Charaktere in dieser Region der Welt.

Zwischen Sibel und Ali steigt die sexuelle Spannung...  Es ist wie ein Erwachen, eine Wiedergeburt, als ob Sibel ihre Kraft, ihr Schicksal und ihr Körperbewusstsein wieder zurückerlangt...
Sibel wurde in einem Dorf groß, in dem niemand sie wollte. Sie wusste, dass ihr Leben anders verlaufen wird, dass sie niemals Kinder haben würde, etc. Alle Dorfbewohner*innen haben sie immer mit einem leeren Blick bedacht. Sie selbst sieht sich als Neutrum, hat das verinnerlicht. Und da, ganz plötzlich, taucht Ali auf und betrachtet sie anders, was sie überrascht. Niemand hat sie zuvor so angesehen, wie jemand Normales und noch dazu als Frau. Alis Gegenwart vermittelt ihr das Gefühl der Normalität. Sie wird so akzeptiert, wie sie ist. Als Konsequenz entdeckt sie sich nach und nach als sexuelles Wesen und nimmt ihre Weiblichkeit in jedem Sinne des Wortes an.

In einem Dorf, in dem es wichtig ist, eine Mutter zu sein, fällt Sibel aus dem Rahmen, im Gegensatz zu ihrer blutjungen Schwester, die jede*r schnell verheiraten möchte. Sibel ist eine ungewöhnliche Heldin, die Grenzen verschiebt. Ist das Ihre Vorstellung von Feminismus?
Sibel verkörpert eine Art von Revolution, sie passt nicht dahin, wo alle persönlichen Schicksale schon vorbestimmte Ausgänge haben. Das Wort „Feminismus“ ist kompliziert, wegen all der mit ihm verbundenen Konnotationen. Wir spüren, dass das Wort etwas von seinem ursprünglichen Sinne befreit wurde, was durch eine neue Bedeutung ersetzt wurde. Wir brauchen einen neuen Ausdruck. Wir könnten sagen, dass Sibel spontan und intuitiv weiblich wird. Sie ist eine Person, die ausgeschlossen, behindert, am Rand lebend ist, die ihr eigenes Leben zurück bekommt und über sich hinauswächst, dank eines Außenstehendens. Die Kraft, die sie durch die Beziehung bekommt, benutzt sie, um den Gang der Dinge im Dorf zu ändern.


Locarno Festival:
FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik
Preis der Jugend-Jury
Preis der Ökumenischen Jury

Internationales Filmfestival Adana:
Preis für den besten Film im Nationalen Wettbewerb
Preis für die beste Darstellerin – Damla Sönmez
Preis für den besten Nebendarsteller – Emin Görsoy

Filmfest Hamburg:
Hamburger Produzent*innenpreis „Beste Europäische Kino-Koproduktion“
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 13.12.2018
WESTWOOD
Ab 20. Dezember 2018 im Kino
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WESTWOOD: Punk. ikone. Aktivistin. erzählt die geschichte einer kämpferin, die aller niederlagen zum Trotz ihren Vorstellungen und idealen treu bleibt und als grande Dame des Punks bis heute geschichte schreibt. Westwoods Werdegang ist geprägt von Erfolgen, konflikten, unsicherheiten. Die Dokumentation beleuchtet schlüsselmomente ihrer Vergangenheit, die sie zu dem machten, was sie heute ist. Ein intimes und inspirierendes Porträt einer wahrhaft britischen ikone.

Ein Dokumentarfilm von Lorna Tucker

Durch den exklusiven blick hinter die kulissen des einzigartigen Modehauses und der dort wirkenden charaktere ist WESTWOOD: Punk. IKONE. AKTIVISTIN. die noch nie erzählte Geschichte einer Weltikone. Vivienne Westwood - Grande Dame des Punks und Enfant Terrible der britischen Modewelt.
Die selbst erklärte Tagträumerin Vivienne Westwood kam aus einfachen Familienverhältnissen im alter von 17 Jahren nach London, mitten hinein in die Swinging Sixties der 60er Jahre. Ihr Leben änderte sich abrupt, als sie den Sex Pistols Manager und Impresario Malcolm McLaren traf und ihr gemeinsamer Shop an der Kings Road die Popkultur revolutionierte.
In den folgenden 40 Jahren war Vivienne Westwoods Leben von gescheiterten Beziehungen, Rechtstreits, Spott der Presse und finanziellen Problemen geprägt. Doch sie blieb standhaft und wurde die Kulturikone Großbritanniens und ein weltweites Mode-Phänomen.
Heute wird Westwood im gleichen Atemzuge wie Gucci, Dior und McQueen genannt – mit dem Unterschied, dass sie nicht nur Namensgeberin ist, sondern ihr Modeimperium sowohl geschäftlich, als auch kreativ selbst führt.
Die Dokumentation begleitet Vivienne Westwood, als ihr Label Shops in den Modehauptstädten Paris und New York eröffnet. Das wohl arbeitsreichste Jahr für Westwood beginnt als überwältigender Erfolg. Doch schnell zeigt sich: Weltweiter Erfolg hat seinen Preis.
Neben allen Erfolgen, Konflikten und Unsicherheiten, auf die Westwood trifft, wird von Schlüsselmomenten ihrer Vergangenheit erzählt. Ihr politischer Aktivismus von heute hat seinen Ursprung im antisystemischen Punk-Rock-Ethos ihrer Jugend.
Die mit einzigartigen informationen angereicherte Dokumentation geht weit über das hinaus, was man sonst von Modefilmen kennt. Es ist ein intimes und inspirierendes Porträt einer wahrhaft britischen Ikone - einer alleinerziehenden Mutter, Punk und Agent Provocateur.


Statement der Regisseurin Lorna Tucker
Vivienne Westwood wurde auf mich aufmerksam, als ich Tour- und Promovideos für Rockbands produzierte. Sie arbeitete für die Menschenrechtsorganisation Liberty, als sie mich einlud, den Prozess filmisch zu begleiten.
Wir blieben in Kontakt, als ich meine Dokumentation über Zwangssterilisation der indigenen Frauen in Amerika fertigstellte. Vivienne bat mich immer öfter, Proteste, öffentliche Reden und politische Kundgebungen aufzunehmen.
Nachdem ich 2013 den politischen Modefilm RED SHOES und eine Filmreihe über Vivienne Westwood für DAZED abgedreht hatte, habe ich Vivienne meine Idee eines Dokumentarfilmes vorgestellt – und so war WESTWOOD: Punk. IkONE. AKTIVISTIN. geboren.
Drei Jahre lang haben wir Viviennes Leben filmisch begleitet. Wir waren mit Greenpeace auf einer Mission in der Antarktis, während die neue Kollektion von der ersten Idee bis hin zur finalen Show Form annahm. Vivienne ist durch das Land getourt, um auf die Kampagne gegen Fracking aufmerksam zu machen und eröffnete gleichzeitig zwei Läden in Paris und New York.
Vivienne ist immer bereit aufzustehen, für ihre Sache einzustehen und dabei aufzufallen. Das repräsentieren ihre Mode und ihr Aktivismus. Egal, ob sie bis nachts in ihrem Atelier arbeitet oder in Westminster an einem Aufmarsch gegen die Klimaerderwärmung teilnimmt - alles was sie tut, tut sie mit einer kompromisslosen Leidenschaft und Hingabe.
Da Viviennes Interessen, Ideen und Prinzipien nie der öffentlichen Wahrnehmung einer Modeikone entsprachen, wusste ich, diese Dokumentation kann kein typischer Modefilm werden. Also habe ich nach ihren Wurzeln geforscht, ihren Aktivismus und ihren revolutionären kulturellen Einfluss beleuchtet.
Vivienne ist nicht nur eine kKünstlerin, eine Modedesignerin und eine Aktivistin. Sie ist das Gesicht einer weltweiten Marke, eine machtvolle Businessfrau.
Auch ist sie eine Repräsentantin des 21. Jahrhunderts, die ein besonderes Leben führt, begleitet von den größten kulturellen Umbrüchen der Zeitgeschichte.
Es ist meine Hoffnung, dass die kulturelle Relevanz und die aktuelle Thematik ein großes Publikum begeistern – ehemalige Punks, heutige Aktivisten, Fans, Modeliebhaber und die, die Interesse an Geschichten von Menschen haben.
Während der Produktion dieser Dokumentation war es Viviennes Geschichte selbst, die uns nie hat aufgeben lassen. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben gemeistert hat, die vielen Zurückweisungen, die finanziellen Probleme, bis sie zur größten Modedesignerin in Großbritannien aufgestiegen ist, beweisen ihre Stärke und Leidenschaft. Es ist einfach inspirierend. Es ist wohl die wichtigste Botschaft des Films: Wenn du etwas tun willst, dann tu es und gib niemals auf!
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Mittwoch 05.12.2018
GEGEN DEN STROM
Ab 13. Dezember 2018 im Kino
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Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) ist Chorleiterin, eine unabhängige und warmherzige, eher in sich gekehrte Frau. Doch hinter der Fassade einer gemächlichen Routine führt sie ein Doppelleben als leidenschaftliche Umweltaktivistin. Bekannt unter dem Decknamen „Die Bergfrau” bekämpft sie heimlich in einem Ein-FrauKrieg die nationale Aluminiumindustrie. Erst mit Vandalismus und letztlich mit Industriesabotage gelingt es ihr, die Verhandlungen zwischen der isländischen Regierung und einem internationalen Investor zu stoppen. Doch dann bringt die Bewilligung eines fast schon in Vergessenheit geratenen Adoptionsantrags Halles gradlinige Pläne aus dem Takt. Entschlossen plant sie ihre letzte und kühnste Aktion als Retterin des isländischen Hochlands.
Bereits mit seinem großartig skurrilen Spielfilmdebüt „Von Menschen und Pferden” erregte Benedikt Erlingsson international Aufmerksamkeit. Nun ist der isländische Regisseur zurück mit einer ebenso knochentrockenen wie politisch scharfzüngigen Komödie. Mit bildgewaltiger Poesie inszeniert er die betörend kargen Weiten Islands und bietet seiner Hauptdarstellerin Halldóra Geirharðsdóttir den perfekten Raum für eine brillante Performance. GEGEN DEN STROM begeisterte das Publikum der Semaine de la Critique auf dem Filmfestival Cannes 2018 und gewann als Eröffnungsfilm den Art Cinema Award auf dem Filmfest Hamburg 2018.

Ein Film von BENEDIKT ERLINGSSON

Mit HALLDÓRA GEIRHARÐSDÓTTIR, JÓHANN SIGURÐARSON, DAVÍÐ ÞÓR JÓNSSON, CHARLOTTE BØVING, HILMIR SNÆR GUÐNASON u.a.


KOMMENTAR DES REGISSEURS

Dieser Film soll eine Heldengeschichte sein, die in einer Welt drohender Gefahr spielt. Eine Heldengeschichte, die wie ein spannendes Abenteuer daherkommt. Ein ernsthaftes Märchen, das mit einem Lächeln erzählt wird.
Unsere Heldin spielt in dieser Welt eine Art Artemis, die Beschützerin der unberührten Wildnis. Völlig allein, konfrontiert mit den rasend schnellen Veränderungen unseres Planeten, übernimmt sie die Rolle der Retterin von Mutter Erde für die zukünftigen Generationen. Wir sehen die Welt durch die Augen unserer Heldin und verstehen dadurch sehr gut, was sie antreibt.
In Astrid Lindgrens Buch „Die Brüder Löwenherz” gibt es folgenden Dialog zwischen den beiden Brüdern:
„Aber dann sagte Jonathan, dass es gewisse Dinge gibt, die man tun muss, selbst wenn sie schwierig oder auch gefährlich wären. „Aber warum?” fragte ich überrascht. „Weil man sonst nicht wirklich ein Mensch ist, sondern nur ein Fliegenschiss.”
Dieser Film handelt von einer Frau, die sich bemüht, wirklich ein Mensch zu sein.



INTERVIEW MIT BENEDIKT ERLINGSSON

In Deinen beiden Filmen „Von Menschen und Pferden” und GEGEN DEN STROM scheitern die Menschen beim Versuch, die Natur zu zähmen oder zu dominieren. Was macht diesen Konflikt und unser totales Versagen oder unsere Dummheit zu so einer tollen Quelle für Geschichten und Komödien für Dich?
Ich habe erst kürzlich über den Zusammenhang zwischen meinen beiden Filmen „Von Menschen und Pferden” (2013) und GEGEN DEN STROM nachgedacht. Er wurde mir erst bewusst, nachdem ich den neuen Film beendet hatte. Für mich ist vollkommen klar, dass die ‘Rechte der Natur’ in gleichem Maße beachtet werden sollten wie die ‘Menschenrechte’ – und diese Idee spiegelt sich in beiden Filmen wieder.
Für mich ist es selbstverständlich, dass die ‚Rechte der Natur‘ Bestandteil jeder Verfassung sein sollten und national wie international per Gesetz verteidigt werden müssten. Wir müssen begreifen, dass die unberührte Natur ein Recht hat zu existieren und wir dieses durchsetzen sollten, ungeachtet unserer menschlichen Bedürfnisse oder unserer ökonomischen Systeme.
Ich kann mir zum Beispiel ein vernünftigeres System vorstellen, bei dem ‘wir Menschen’, wenn wir unberührte Natur für unsere eigenen Zwecke nutzen oder verschandeln wollen, einen Prozess durchlaufen müssen, ähnlich einer Gerichtsverhandlung, um die Genehmigung dafür zu erhalten.
Es geht dabei wirklich um das Gemeinwohl und die langfristigen Interessen im Sinne unserer menschlichen Existenz. Genau wie die Fähigkeit, jemand die Freiheit zu nehmen und ihn lebenslang ins Gefängnis zu sperren. Deshalb denke ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um sich mit dieser Herangehensweise zu beschäftigen.
Hinzu kommt noch in einigen unserer Gesellschaften das seltsame Paradoxon, das sich „Staat” nennt und in demokratischen Ländern ein Instrument ist, das von den Menschen für die Menschen erschaffen wurde, und das so leicht von Interessensgruppen entgegengesetzt zum vermeintlichen Wohl der Gemeinschaft manipuliert wird. Der Umweltschutz ist eines der besten Beispiele dafür. Wenn wir uns die großen, existenziellen Herausforderungen ansehen, denen wir angesichts der Zerstörung unserer Umwelt gegenüberstehen, wird dies glasklar.
Und ja, aus dem Thema kann auch eine gute Komödie werden, wie man an meinem kleinen Land und dem Film sehen kann. Aber in den meisten anderen Ländern ist es wirklich eine Tragödie. Ich möchte in diesem Zusammenhang meine beiden Heldinnen erwähnen. Zwei reale, sehr kämpferische Frauen: Berta Cáceres aus Honduras und Yolanda Maturana aus Kolumbien. Beide waren Umweltaktivistinnen von „Life itself”, die von dunklen Hintermännern einer starken Lobby mit eigenen Interessen ermordet wurden.
Aber am schlimmsten ist, dass die Regierungen die Frauen in keiner Weise beschützt haben. Bisweilen wirkt es sogar so, als würden einige Regierungen aktiv für die andere Seite arbeiten. Bis zum Punkt, dass Umweltaktivisten zu Staatsfeinden erklärt werden.

GEGEN DEN STROM ist verglichen mit „Von Menschen und Pferden” ein eher ‚klassisch’ erzählter Film mit einem klaren Handlungsbogen für die Hauptfigur. Warum hast du Dich bei Deinem neuen Projekt für diese Erzählweise entschieden?
Vielleicht hat mich Eitelkeit dazu gebracht. Im Zuge des Erfolgs von „Von Menschen und Pferden” gab es auch enttäuschte Kommentare und Reaktionen in Island. Vielen meinten, dass ich einen tollen „Festivalfilm” gedreht hätte, aber dass dies kein Film für das tatsächliche Kinopublikum wäre.
Und obwohl „Von Menschen und Pferden” sich in bestimmten Ländern auch als Publikumserfolg erwiesen hat, glaube ich, dass mir diese Kritik nachhing. Und sie spielte wahrscheinlich auch eine Rolle bei meiner Entscheidung, meinen nächsten Film als „Mainstream-Blockbuster-Geschichte für Jedermann” zu erzählen.

Warum war es wichtig, dass Halla eine Frau ist?
Ich habe tatsächlich nicht darüber nachgedacht, die Entscheidung unter dem Aspekt der Geschlechterfrage oder einer „politically correctness” zu treffen. Offen gestanden irritiert mich oft, wie „politisch korrekt” heutzutage alles immer sein muss... Aber genau das ändert sich vielleicht morgen schon wieder. Jedenfalls entwickelte sich die Figur der Halla aus der Geschichte heraus und nach dem, was die dramaturgische Umsetzung dieser Geschichte verlangte.

Wie hast Du Deine Hauptdarstellerin Halldóra Geirharðsdóttir gefunden?
Die Rolle der Halla zu besetzen, war ein langwieriger und schwieriger Prozess. Dabei hatte ich, wie so häufig, die richtige Antwort direkt vor meiner Nase. Halldóra ist eine Freundin aus Kindertagen und eine Kollegin, wir sind fast wie Geschwister aufgewachsen, wobei sie die große Schwester war. Als wir 10 oder 11 Jahre alt waren, traten wir gemeinsam zum ersten Mal auf der großen Bühne des Nationaltheaters auf. Am Anfang der Entwicklung von GEGEN DEN STROM hatte ich auch ganz kurz die Idee, dass Halldóra Halla spielt. Aber dann habe ich die Idee verworfen und begann über andere Schauspieler nachzudenken, die ich ebenfalls sehr schätze. Außerdem musste ich für das Drehbuch an dem Konzept für die Zwillinge arbeiten, damit es absolut natürlich wirkte.
Aber das Schicksal brachte Halldóra zurück zu mir und mir wurde klar, dass sie nicht nur die offensichtliche, sondern auch die richtige Wahl für die Rolle ist. Als Schauspielerin ist sie eine Naturgewalt und am isländischen Theater ist sie DIE Schauspielerin unserer Generation. Ihre schauspielerische Bandbreite ist so groß, dass ich das Gefühl habe, ihr unglaubliches Talent zu schmälern und das ganze Spektrum ihrer Möglichkeiten nicht richtig zu beschreiben, wenn ich Halldóra einfach nur eine Schauspielerin nenne. Neben ihrer Arbeit für den Film ist sie außerdem die bekannteste Clownin und Komödiantin am Theater von Reykjavík und die gefragteste Schauspielerin für ernsthafte Rollen an den großen Repertoiretheatern Islands, an denen sie jede Spielzeit Hauptrollen übernimmt.
Sie hat mit Bravour Männerrollen gespielt, wie den Vladimir in „Warten auf Godot” und selbst den Ritter in „Don Quijote” – eine Rolle, die möglicherweise in gewisser Beziehung zu der steht, die sie nun im Film spielt. Und das ist nur der Anfang. Sie wurde außerdem berühmt, weil sie sich ein Alter Ego erschaffen hat, einen chauvinistischen Kerl namens „Smári” aus dem Duo „Hannes und Smári”. Sie und ihre männlichen Figuren sind mittlerweile am isländischen Theater absoluter Kult geworden. Ich glaube, man könnte Halldóra die Sarah Bernhardt von Island nennen – wenn Sarah Bernhardt es schaffen würde, dem Vergleich standzuhalten!
 
War es Zufall, dass sie den gleichen Namen trägt wie die Heldin des Films?
Halla ist ein weitverbreiteter Name in Island und noch dazu einer, der eine ganze Menge historische und kulturelle Verweise in sich trägt. Halla und Eyvindur sind Legenden in der isländischen Geschichte. Sie waren die letzten Gesetzlosen, die  es im 17. Jahrhundert schafften, auf der Flucht 20 Jahre im Hochland zu überleben. Sie waren echte Bergbewohner, Schafdiebe und Rebellen, und es gibt viele Geschichten über ihre Abenteuer und Kämpfe.
Ungefähr vor einem Jahrhundert schrieb der isländische Dichter und Bühnenautor Jóhann Sigurjónsson das Stück „Eyvindur of the Mountains” über sie, das es auf internationale Bühnen schaffte und erfolgreich durch mehrere Länder tourte.
Und vor genau 100 Jahren, 1918, drehte der schwedische Filmemacher Victor Sjöström einen Film über die Legende mit dem Titel „Berg-Ejvind und seine Frau”, in dem er selbst die Hauptrolle übernahm. So kommt es, dass der Name „Halla” zumindest für das isländische Publikum mit guten Erinnerungen verbunden ist.

Man könnte den Film als Drama, als Öko-Thriller oder als Komödie bezeichnen oder einfach als alles drei zusammen. Hast Du über Genres während der Arbeit am Film nachgedacht?
Ich denke niemals während des Schreibens oder der Entwicklung eines Films über Genres nach, absolut nicht. Was auch immer geschieht, über das Genre kann man spekulieren, wenn das Kind sozusagen zur Welt gekommen ist. Man denkt doch auch nicht darüber nach, was für ein Mensch ein Kind wird, während man es zeugt. Zumindest ich tue das nicht.
Mein Co-Autor Ólafur Egill Egillsson und ich haben zu keinem Zeitpunkt ernsthaft über das Genre des Films diskutiert. Am nächsten kamen wir dem noch, als wir mit Begriffen spielten... „Märchen” zum Beispiel. Das ist ein sexy Wort. Und eines, das für uns sehr hilfreich war, als wir die Geschichte entwickelten. Mir geht es immer mehr um die Handlung, die Aufgabe, den Schmerz, um die abstrakte Idee, die mich bei einem Projekt fasziniert und die Geschichte, die erzählt werden muss. Und die Dramaturgie interessiert uns beide sehr, die Essenz aller guten Geschichten. Ich finde nicht, dass dieser Film eine Komödie ist… Ich mache keine Komödien, oder zumindest ist es nicht mein Ziel. Wenn etwas in den Geschichten, die ich erzähle, komisch ist, ist es ein Zusatz oder ein Nebeneffekt.
Es gehört zu meiner Arbeitsweise, als erstes den Schmerz zu suchen... Ich entscheide mich immer erst einmal für den Schmerz… Ich betrachte den Schmerz des Autors oder der Hauptfiguren und was dieser Schmerz bedeutet. Gleichzeitig mag ich aber keine Filme, bei denen es nur darum geht „den Schmerz zu fühlen”. Für mich beginnt damit alles, weil ich dadurch die Geschichte wirklich verstehe und ich danach verschiedene Richtungen ausprobieren kann.
Als ich zum Beispiel mit meinem Kameramann Bergsteinn Björgúlfsson begann, das Konzept zu entwickeln, hat uns die Geschichte dazu gebracht, mit der Vorstellung von einem ‚Actionfilm’ zu spielen.

An welchem Punkt kam die Musik ins Spiel?
Die Musik gab es schon in meiner allerersten Vision, die mich veranlasst hat, diesen Film zu drehen. Während ich davon träumte und mir vorstellte, was ich in meinem nächsten Film sehen will, stellte ich mir eine Frau vor, die durch eine leere Straße läuft. Sie rannte durch den Regen auf mich zu und stoppte direkt neben mir, vollkommen durchnässt. Nachdem ich sie genauer sehen konnte, erkannte ich eine dreiköpfige Band, die direkt hinter ihr spielte. Sie spielten nur für sie und ganz und gar nicht für mich. Ich hörte genauer hin, bis ich schließlich erkannte, was die Band spielte – es war der Soundtrack für das Leben der Frau.

Wie bist Du ganz praktisch die Zusammenarbeit mit den Musikern und Sängern angegangen und war es eine tiefergehende Zusammenarbeit als gewöhnlich?
Wir entwickelten die Musik ganz früh und mussten auch herausfinden, für welches Element der Geschichte die Band genau stehen sollte. Auf dem Weg dorthin tauchte immer wieder diese andere Musik auf und versuchte, sich in der Geschichte breitzumachen. Daraus wurden die drei ukrainischen Stimmen, die Hallas Chor bilden.
Bei der Musik wollte ich absolut auf Nummer sicher gehen und „Gürtel und Hosenträger” tragen, wie wir in Island sagen, um sicherzustellen, dass wir flexibel bleiben und nicht blockiert werden, wenn es ans Schneiden geht. Um das zu erreichen, haben wir Probeaufnahmen von allen Musikszenen gemacht und das nachdem wir bereits komplette Demo-Versionen von jedem Musikstück produziert hatten.
Unser Ziel war es, so viel Musik wie möglich live am Set aufzunehmen. Das war für alle eine Herausforderung, nicht nur für die Musiker, sondern auch für den Art- Direktor und den Kameramann und die ganze Tonabteilung.
Dadurch haben wir sichergestellt, dass wir jede Menge Stücke hatten, um damit herumzuspielen: Wir hatten die Studio-Aufnahmen, die Live-Aufnahmen vom Set und noch weitere Außenaufnahmen außerhalb des Sets, sodass wir am Ende von allen etwas verwenden konnten.
Davíð Þór Jónsson, der Filmkomponist, hat hauptsächlich am Theater mit mir zusammengearbeitet und er hat auch die Filmmusik zu „Von Menschen und Pferden” komponiert. Zwei der Bandmitglieder, Ómar und Magnús, sind alte Freunde von Davíð, der in einer Band mit Ómars Bruder Óskar spielt. Die Band nennt sich ADHD und sie machen ganz andere Musik als die Band im Film.

Wie beeinflusst Deine Arbeit als Schauspieler und Entertainer Deine Herangehensweise an die Regie bei einem Film?
Ich gewöhne mich immer noch an meine neue Rolle als Filmemacher und tatsächlich, zumindest auf eine gewisse Art, helfen mir meine früheren Erfahrungen. Aber gleichzeitig empfinde ich sie auch als Handicap.
Aber mir gefällt die Frage, weil sie zeigt, wie weit wir seit den Anfängen des Filmemachens gekommen sind. Wie hätte Charlie Chaplin sie beantwortet? Oder Orson Welles? Hätte man ihnen diese Frage überhaupt gestellt?
Ich sehe mich als Geschichtenerzähler, der auch ein Poet sein will, weshalb ich irgendwo zwischen diesen beiden Ansätzen gefangen bin, was so ähnlich ist, wie zwei Pferde gleichzeitig reiten zu wollen. Was übrigens möglich ist. Man braucht nur das richtige Training und ein Talent dafür, so wie alle guten Zirkusartisten.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 28.11.2018
ASTRID
Ab 06. Dezember 2018 im Kino
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Bereits in jungen Jahren widerfährt Astrid Lindgren etwas, das sich für sie gleichermaßen als Schicksalsschlag und Wunder herausstellen und ihr Leben für immer verändern wird.
Dieser Abschnitt in Astrids Leben sollte aus ihr eine der inspirierendsten Frauen unserer Zeit sowie eine der angesehensten Geschichtenerzählerinnen der Welt machen. Dies ist die Geschichte, wie eine junge Astrid, entgegen aller Erwartungen ihres Umfelds und ihrer religiösen Erziehung, beschloss, sich von den Normen unserer Gesellschaft zu lösen und ihrem Herzen zu folgen.


Ein Film von PERNILLE FISCHER CHRISTENSEN
Darsteller: Alba August Trine Dyrholm Magnus Krepper Maria Bonnevie Hendrik Rafaelsen

Von Pippi Langstrumpf über Ronja Räubertochter bis zum Michel aus Lönneberga: Kein anderer Name ist bis heute so untrennbar mit so vielen faszinierenden Kinderbüchern verbunden wie der von Astrid Lindgren. Ihre Geschichten haben bis heute die Kindheit von Millionen Menschen weltweit geprägt. Zudem setzte die „Schwedin des Jahrhunderts“ und Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels sich unermüdlich für die Rechte von Kindern ein.
Ihre eigene Kindheit dagegen endete früh, als Astrid im Alter von 18 Jahren unehelich schwanger wurde – im Schweden der 1920er-Jahre ein Skandal. Der Film erzählt einfühlsam davon, wie die junge Astrid den Mut findet, die Anfeindungen ihres Umfeldes zu überwinden und ein freies, selbstbestimmtes Leben als moderne Frau zu führen. Weiterhin zeichnet ASTRID nach, wie diese Erfahrungen die späteren Werke und das Engagement der Autorin prägen sollten.
Regie führte die mehrfache Berlinale-Preisträgerin Pernille Fischer Christensen, die das Drehbuch zusammen mit dem Kinderbuchautor Kim Fupz Aakeson schrieb: „Mein Film über die Jugend von Astrid Lindgren ist eine persönliche Hommage an eine der großartigsten Künstlerinnen Skandinaviens. Eine Liebeserklärung an eine Frau, die mit ihrer starken Persönlichkeit die herrschenden Normen von Geschlecht und Religion ihrer Gesellschaft gesprengt hat.“

In den Wäldern und Wiesen von Småland hat Astrid eine unbeschwerte Kindheit verbracht. Nun sehnt sich die junge Frau jedoch nach dem Leben, der Liebe und einer Zukunft in der großen, weiten Welt. Ihr Weg führt sie zunächst zur örtlichen Tageszeitung und ihrem charismatischen Herausgeber Blomberg, der das Talent seiner jungen Praktikantin erkennt - von deren Jugend und Scharfsinn ganz zu schweigen. Er verliebt sich Hals über Kopf und obwohl er alt genug ist, um ihr Vater zu sein, erwidert Astrid seine Gefühle.
Ernsthafte Konsequenzen drohen den beiden, als Astrid schwanger wird. Blomberg befindet sich mitten in einem Scheidungsprozess. Er verspricht Astrid, dass er sie heiraten wird. Ihre Schwangerschaft muss sie jedoch geheim halten, andernfalls würde es im Vimmerby der 1920er Jahre zu einem handfesten Skandal kommen. Astrid will mit ihrem größer werdenden Bauch keine Schande über ihre Eltern bringen und beschließt, ihre Heimat zu verlassen und in Kopenhagen im Geheimen ihren Sohn Lasse zur Welt zu bringen. Nur widerwillig überlässt sie ihn in der Obhut von Marie, einer Pflegemutter.
Astrid geht ins selbst auferlegte Exil nach Stockholm und schlägt Blombergs Heiratsantrag aus. Von nun an lebt sie von der Hand in den Mund und spart ihren kläglichen Lohn für die kurzen aber für sie überlebenswichtigen Reisen zu Lasse und Marie.
Die Trennung von ihrem Sohn beschert Astrid unbeschreibliches Leid. Lasse weicht nicht von Maries Seite und Astrid kann den Gedanken nicht ertragen, ihn aus dem Leben zu reißen, das er kennt und liebt. Dann jedoch erkrankt Marie schwer und kann sich nicht weiter um ihn kümmern. Astrid nimmt Lasse mit nach Stockholm, wo Mutter und Sohn versuchen müssen, zueinander zu finden - in keinster Weise ein einfaches Unterfangen. Doch Astrids Fantasie, Kreativität und ihr Gespür fürs Geschichtenerzählen führt sie allmählich zusammen. Schließlich kann sie auch mit ihrem Sohn an der Hand in ihre Heimat nach Vimmerby zurückkehren: Eine erwachsene Frau, die schwere Zeiten erlebt und diese mit neu geschöpftem Mut hinter sich gelassen hat, der bald den Grundstein für ihr umfangreiches und verehrtes ¼uvre legen soll.




ASTRID LINDGREN EIN PORTRAIT

Die von der Kritik gefeierte und von vielen verehrte Kinderbuchautorin ist bekannt für Klassiker wie „Pippi Langstrumpf“, „Wir Kinder aus Bullerbü“, „Ronja Räubertochter“, „Michel aus Lönneberga“ und „Die Brüder Löwenherz“.
Sie war nicht nur zu einer der renommiertesten Autorinnen Schwedens, sondern auch zu einer der einflussreichsten Stimmen des Landes ernannt worden. Sie setzte sich auch für die Stärkung der Kinderrechte und gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung ein.
Lindgrens Engagement für das Recht eines jeden Kindes auf Sicherheit und Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Lebenswerk.
Mit ihrer Fantasie erschuf Astrid Lindgren Figuren, die bis heute in unseren Herzen leben – ungestüm, rebellisch, frei. Auch sie selbst lehnte sich immer wieder gegen Konventionen auf. Und kämpfte für Glück und um ein selbstbestimmtes Leben.
Astrid Anna Emilia wird am 14. November 1907 auf einem Bauernhof bei Vimmerby geboren – in einer Welt, in der Frauen noch nicht wählen dürfen und in der Ehe dem Mann unterstehen. Sie ist das zweite Kind von Samuel und Hanna Ericsson. Die Eltern sind religiös und streng aber auch sehr liebevoll mit ihren insgesamt vier Kindern. Astrid wächst in Geborgenheit, relativer Freiheit und der idyllischen Natur des Smålands auf. All das wird nicht nur ihre Geschichten, sondern auch sie selbst lebenslang prägen.

NICHT GERADE DAMENHAFT
Die junge Astrid entwickelt ihren eigenen Kopf – und zwar buchstäblich: Sie trägt den ersten kurzen Bob in ganz Vimmerby. „Ich rief zu Hause an und sagte: ‚Ich hab mir die Haare abschneiden lassen!‘ ‚Dann kommst du besser nicht nach Hause’, sagte mein Vater“, erzählt Astrid später. Ihre Frisur ist eine kleine Sensation und lässt ihren Freigeist erkennen. Der eigenwillige Teenager geht mit Freundinnen auf Wanderungen oder ins Kino. Vor allem aber liebt Astrid die Filme des Hollywood-Stars Mary Pickford in der Rolle des wilden Mädchens; sie wird eine Inspiration für die Figur Pippi Langstrumpf.
Astrid und ihre Freundinnen gehen auch gern tanzen - am liebsten zu Jazz. Sie hätten sich damals nicht gerade damenhaft verhalten, sagt sie. Aber es sind nun mal die „Roaring Twenties“, auch in Schweden. Nach der Schule beginnt Astrid 1924 ein Volontariat bei der Zeitung „Vimmerby Tidning“, wo Chefredakteur Reinhold Blomberg – damals in Scheidung und 30 Jahre älter als Astrid – mehr als nur ihr Talent erkennt. „Niemand hatte sich jemals in mich verliebt. Er schon. Das war natürlich aufregend“, erklärt sie später in einem Fernseh-Interview.

VOM SKANDAL ZUR SELBSTBESTIMMUNG
Kurz drauf, mit nur 18 Jahren, wird Astrid unverheiratet schwanger – von ihrem noch verheirateten Chef. Ein unaussprechlicher Skandal. „Meine Eltern waren furchtbar traurig, als sie es erfuhren“, berichtet sie. „Aber wir haben nicht viel darüber geredet.“ Schwanger, unglücklich und unerfahren geht Astrid schließlich ganz allein nach Stockholm. Sie beginnt eine Ausbildung zur Sekretärin, beißt sich durch und lernt andere starke Frauen kennen. Zur Geburt reist sie auf Anraten einer Frauenrechtlerin ins dänische Kopenhagen in das einzige Krankenhaus Skandinaviens, in dem Frauen anonym Kinder zur Welt bringen dürfen. Am 4. Dezember 1926 wird ihr Sohn Lars, genannt Lasse, geboren. Keine drei Wochen später muss Astrid ihr Baby bei einer Pflegemutter zurücklassen. „Ich habe Lasse nicht gestillt und das bricht mir das Herz. Aber ich musste an Weihnachten nach Hause fahren – sonst hätte ich meine Eltern erklären müssen, warum ich nicht da
bin. Ich war so naiv. Richtig dumm. Das bereue ich“, geht sie Jahre später hart mit sich ins Gericht. Astrid verdingt sich in Stockholm als Aushilfssekretärin und sehnt sich nach Lasse. Die Fahrt zu ihm ist jedoch kostspielig, deshalb kann sie nicht oft hin. „Es war eine harte Zeit. Mein ganzes Inneres wollte immer nur nach Kopenhagen zu meinem Kind“, sagt Astrid.

FAMILIE IST DAS WICHTIGSTE
Als sie im königlichen Automobilclub einen Job als Schreibkraft annimmt, entflammt eine leidenschaftliche Affäre zwischen ihr und ihrem attraktiven und verheirateten Chef Sture Lindgren. Die Dinge seien etwas außer Kontrolle geraten, gesteht Astrid. Dann wird Lasses Pflegemutter plötzlich schwer krank und der Junge kann nicht mehr in Kopenhagen bleiben. Verzweifelt beschließt sie, ihren dreijährigen Sohn nach Stockholm zu holen. Doch der Winter ist hart, Lasse hat Keuchhusten, schläft nachts nicht und Astrid muss zur Arbeit. Sie ist überfordert.
Als Sture ihr einige Zeit darauf einen Heiratsantrag macht, sagt Astrid ja – allerdings nur unter der Bedingung, dass Lasse bei ihnen leben wird. Sture willigt ein und das Paar heiratet im Frühling 1931. Aus Astrid Ericsson, der Sekretärin, wird Astrid Lindgren, die Hausfrau. Drei Jahre später kommt noch eine Tochter dazu: Karin. Astrid liebt das Familienleben, geht viel mit ihren Kindern spielen und erst 1936 wieder arbeiten.

DIE FIGUR, DIE IHR LEBEN VERÄNDERT
1941 wird die kleine Karin krank und will von ihrer Mutter eine Geschichte hören – die „von Pippi Langstrumpf“. Aus dem spontanen, kindlichen Einfall soll eines Tages eine der beliebtesten Figuren der Kinderliteratur werden. Zunächst denkt sich Astrid Lindgren allein für ihre Tochter Abenteuergeschichten um das Mädchen mit dem drolligen Namen aus. Erst, als sie sich 1944 den Fuß verstaucht und eine Woche liegen muss, kommt sie dazu, die Pippi-Geschichten aufzuschreiben. Sie sollen eigentlich bloß ein Geburtstagsgeschenk für Karin sein. Lindgren überarbeitet das Manuskript und schickt es an einen Verlag. Pippi wird 1945 veröffentlicht – und Astrid von der Schreibkraft und Hausfrau zur weltberühmten Kinderbuchautorin.
Doch über Lindgrens Ehe liegt ein Schatten. “Sture war sehr beliebt, denn er war so nett und fröhlich – aber auf lange Sicht war er vielleicht nicht der beste Ehemann. Hier und da hat er sich in andere Frauen verliebt. Das hat mich sehr traurig gemacht,“ erzählt Astrid in einem Interview. Sie stürzt sich ins Schreiben, das helfe immer, und liefert weiter kluge und herzenswarme Geschichten. Zum Beispiel den „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ und „Wir Kinder aus Bullerbü“ – Vorbild dafür ist das idyllische Zuhause ihrer Kindheit.

EIN SCHWERER VERLUST
Astrids Privatleben entwickelt sich alles andere als idyllisch weiter. Ihr Mann ist Alkoholiker. „Zum Schluss war er oft so betrunken, dass alle ihn warnten, er müsste damit aufhören. Aber er konnte es nicht“, sagt sie. Im Sommer 1952 muss Sture in die Klinik. Als er stirbt, sitzt Astrid an seiner Seite. Sie heiratet kein zweites Mal.
Lasse zieht aus und bekommt selbst Kinder, auch Karin wird erwachsen. Dennoch ist die Familie für Astrid nach wie vor sehr wichtig. Besonders im Sommer verbringt sie viel Zeit mit ihren Enkeln. Morgens schreibt sie Bücher wie „Mio, mein Mio“, mittags wird gespielt. Ihr inneres Kind ist so unverwüstlich wie Pippi.

ENGAGEMENT FÜR KINDERRECHTE
Astrid engagiert sich auch gesellschaftspolitisch, besonders für Kinder. In einer Radiosendung zum Thema ledige Mütter sagt sie mal: „Wenn es ums Kind geht, gibt es kein anderes Ziel als das Kindeswohl. Wenn wir unverheirateten Müttern helfen, dann helfen wir den Kindern.“ Dass sie damit aus eigener, schmerzvoller Erfahrung spricht, behält Astrid zunächst für sich. Erst mit über 70 findet sie den Mut zu offenbaren, dass sie ihren Sohn als Baby bei einer Pflegemutter gelassen hat.
Auch gegen Atomkraft und zu hohe Steuern macht sie sich stark und spricht sich gegen Massentierhaltung aus. Durch ihre Bekanntheit und Beliebtheit ist sie zu einer Person mit gesellschaftlichem und politischem Einfluss geworden. Als erste Kinderbuchautorin bekommt Astrid Lindgren 1978 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In ihrer Rede sagt sie unter anderem: „Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird, und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung ein Leben lang.“ So, wie sie es auch in ihrer eigenen Kindheit erfahren hat. Es belastet sie darum ihr Leben lang, dass sie Lasse anfangs keine so heile Kindheit bieten konnte. Und auch ihn haben die frühen Erfahrungen mitgenommen. Trotzdem standen sich die beiden unglaublich nah. Als Lasse 1986 im Alter von nur 59 Jahren an einem Hirntumor stirbt, bricht es Astrid das Herz: „Ich denke oft an ihn. Er ist vor mir gegangen. Und kein Kind sollte vor seinen Eltern sterben.“

TRAURIGKEIT SCHREIBT DIE LIEBEVOLLSTEN GESCHICHTEN
Aber es sind genau diese Wunden und Brüche, die ihren Geschichten Tiefe, Poesie und Wärme verleihen, Mitgefühl durchschimmern lassen und sie dadurch einzigartig machen. Das weiß auch Astrid Lindgren selbst. Zu ihrer Nichte sagt sie: „Ich glaube, ich wäre auch Schriftstellerin geworden, wenn das mit Lasse nicht passiert wäre. Aber ich wäre niemals eine berühmte Schriftstellerin geworden.“
Das Alter macht Astrid zu schaffen, sie kann schlecht sehen und hören. Doch sie ist unverändert unabhängig, zäh und weltberühmt, bekommt säckeweise Post und Anfragen. Viele Menschen haben durch ihre Geschichten das Gefühl, sie wie eine Freundin oder ein Familienmitglied zu kennen. „In der Linde lebe ich weiter“, heißt es in einer davon. Astrid Lindgren stirbt am 28. Januar 2002 in ihrer Stockholmer Wohnung. Alle Bäume sind der Jahreszeit entsprechend kahl, nur direkt vor ihrem Fenster steht ein einziger Baum mit grünen Blättern. Es ist eine Linde.
Nach Enid Blyton, H.C. Andersen und den Gebrüdern Grimm ist sie die meistübersetzte Kinderbuchautorin der Welt. Ihre Werke wurden in 100 Sprachen übersetzt und insgesamt rund 165 Millionen Mal verkauft.



Liebe Astrid Lindgren,
den Großteil meiner Kindheit habe ich in den Wäldern von Småland verbracht. Es war ein einfaches Leben. Ohne warmes Wasser und Strom, ohne Toilette, Telefon oder Fernsehen. Ohne andere Kinder. Ich hatte häufig Langeweile und fühlte mich sehr oft alleine. Glücklicherweise konnte ich mich in Bücher vertiefen. In Ihre Bücher.
Sie waren die erste Person, die mich dazu bewegte, mir Gedanken über meine Existenz zu machen.
Sie lehrten mich, dass es das Böse und die Güte in dieser Welt gibt.
Dass man sich dem Tod stellen muss.
Dass es möglich ist, zu vergeben, aber nichts stärker ist als der Glaube an das Leben.
Sie haben großen Einfluss auf mein Leben gehabt – was aber hat das Ihre nachträglich geprägt?
Als Sie noch sehr jung waren, ist Ihnen etwas widerfahren, dass Sie maßgeblich beeinflusst und Sie zu der großen Geschichtenerzählerin gemacht hat, die Sie heute sind.
Etwas, das Ihnen einen tiefen Einblick in das Seelenleben eines Kindes gewährt hat.
Etwas, durch das Sie gezwungen waren, mit den Normen, der Religion und der Kultur Ihrer Zeit zu brechen.
Etwas, das aus Ihnen eine der innovativsten und einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit gemacht hat.
Das ist das Ereignis, aus dem meine Geschichte ASTRID entstanden ist.
Herzlichen Dank.
Pernille Fischer Christensen
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 22.11.2018
LE GRAND BAL – DAS GROßE TANZFEST
Ab 29. November 2018 im Kino
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Dies ist die Geschichte eines Tanzballes. Eines großen Balles. Jeden Sommer kommen mehr als 2000 Menschen aus ganz Europa in eine kleine Stadt in Frankreich. Sieben Tage und acht Nächte lang tanzen sie ununterbrochen – verlieren das Gefühl für die Zeit, trotzen ihrer Müdigkeit und ihren Körpern. Alle drehen sich, lachen, wirbeln umher, heulen und singen. Und das Leben pulsiert.
Ein Film der puren Lebensfreude über und mit Menschen, die sich der Musik und dem Tanz hingeben und über Musiker*innen, die diese Menschen in den Tanz spielen. Seit 30 Jahren treffen sich diese Tanzbegeisterten in Gennetines in der Auvergne und feiern beim Grand Bal ein Fest des Lebendigseins.
Der Film zeigt DAS GROßE TANZFEST und stellt dazu persönliche und philosophische Überlegungen zum Tanzen im Allgemeinen an.

Ein Film von Laetitia Carton


Tanzen ist der Kampf gegen alles,
was uns zurückhält, gegen alle Last,
gegen alles, was uns schwerfällig macht.

Tanzen ist hören, was der Körper uns zuflüstert.
Tanzen bedeutet auch, ein Risiko einzugehen.

Das Risiko des Chaos, unguter Gefühle,
versetzt, auch verärgert zu werden,
die eigenen Grenzen aufgezeigt zu bekommen.

Aber auch das Risiko, süchtig nach der Ekstase zu werden,
denn es gibt auch Abende,
da überkommt dich die Anmut.

Der Tanz zu zweit, zu viert oder zu hundert            
lässt eine innere, alterslose Inkarnation,
eine reine Freude entstehen.
(Text aus dem Film)



Anmerkungen der Regisseurin

Ich tanzte schon immer gerne.
Ich hatte keine Vorbilder, meine Eltern tanzten nicht. Aber meine Großmutter erzählte mir oft, dass sie, als sie jung war, bevor ich sie kannte, aufs Tanzparkett stürmte und erst in den Morgenstunden wieder aufhörte zu tanzen. Ihr Gesicht leuchtete, wenn sie von diesen Nächten im Rausch der Bewegung, der Musik und der Begegnungen erzählte.

Bei meinem ersten traditionellen Tanzball war es um mich geschehen.
Es war an einem Samstag im Januar, in einem kleinen Dorf in der Auvergne in einer proppenvollen Scheune mit echten Musiker*innen auf der Bühne. Die Musik war wunderschön und jede*r tanzte. Ein echtes Fest! Hunderte Menschen. Darunter viele junge, das überraschte mich. Alle drehten sich, klatschten, guckten sich an, lächelten oder konzentrierten sich auf ihre Schritte – alle tanzten, wirklich. Und waren vor allem fröhlich, erfreuten sich am Beisammensein. Die Tänzer*innen verließen die Tanzflächen einfach nicht, sie tanzten bis zum Morgengrauen. Das Lächeln, die verschwitzten Handflächen, die Umarmungen am Ende eines Liedes vor dem Partner*innen-wechsel. So viel  zwischenmenschliche Wärme. Ein eingängiges, energiegeladenes, funkiges Stück, bei dem wir alle abgingen, der Rhythmus sich beschleunigte und wir auch  –  stilvoll  – dann wieder nostalgische und sentimentale Melodien, bei denen sich die Paare näherkamen, ihre Köpfe sich berührten. Die Zeit stand still.
Die Welt dieser Bälle liebte ich sofort. Ich fühlte mich so gut da, wie zu Hause. Seitdem markierten die Bälle mein Leben.

Vor 15 Jahren war ich das erste Mal beim Grands Bals de l’Europe, dem Tanzball in Gennetines in der Region Allier.
Das ist ein magischer Ort, eine verzaubernde Auszeit. Dort wird ununterbrochen getanzt, sieben Tage lang. Die Musiker*innen hören nie auf, zu spielen. Tag und Nacht. Heute, 30 Jahre nach der
Gründung des Grands Bals de l’Europe, kommen jährlich 2000 Menschen nach Gennetines, die eine Woche lang auf acht, neun Tanzböden oder draußen tanzen. 20 Musikbands wechseln sich an den Tanzflächen ab, 500 Musiker*innen spielen bei den Workshops tagsüber, und am Abend gibt es 15 verschiedene Bälle. Alle Generationen, alt und jung, mischen sich und tanzen miteinander.
Das gefällt mir am besten. Ich kenne keinen anderen Ort zum Feiern, an dem so unterschiedliche Altersgruppen und Lebensstile zusammenkommen. Mädchen tanzen mit Jungen, Jungen mit Mädchen, Frauen mit Frauen, und immer öfter auch Männer mit Männern. Während eines Tanzes entsteht eine besondere Verbindung zwischen den Tanzpartner*innen, die eine zarte, magische  und einzigartige Welt erschafft. Jede*r weiß, wie eine Mazurka beginnt, aber niemand kennt die emotionale Verfassung nach dem Tanz. Diese Emotionen, Geselligkeit, geteilte Energie, die im Kollektiv entstehen, gibt es sonst nirgendwo. Beim Tanzball sind wir einfach alle Tänzer und Tänzerinnen. Es hat keine Reichen oder Arme mehr, keine Verkleidung, keine soziale Klassen. Für eine Nacht lang mischen sich alle.
Wir leben in einer Gesellschaft, die von künstlich geschaffenen Bedürfnissen beherrscht wird. Eine Gesellschaft, in der wir zu unablässigem Konsum angehalten werden, ganz auf uns alleine gestellt und rasend schnell. Der Tanzball ermöglicht es uns, die Lebensfreude mit anderen wieder zu finden und gemeinschaftliche Rituale zu praktizieren, die in Vergessenheit geraten sind. Beim Festival erleben wir, dass Gemeinschaft existieren kann und dass wir dazugehören.

Dieses beispiellose menschliche Abenteuer, das ich nun seit mehreren Jahren schon miterlebe, verdient es, beobachtet und wahrgenommen zu werden, damit noch mehr Menschen teilnehmen.
Im Sommer 2016 drehten wir mit zwei Filmteams, einem für tagsüber und einem für die Nacht, den gesamten Grand Bal. Zwei Teams, um alles durchzustehen. Wie die Tänzer*innen. Auf den Körper hörend, die Müdigkeit spürend. Aber ohne was zu verpassen. Und manchmal hielten wir inne, wie vor den Kopf geschlagen von der Schönheit von dem, was vor unseren Augen passierte. Die Menge aller Tänzer*innen, die sich im Kreis in der Nacht drehten, die Freude, der Anmut der Tänzer*innen, die Virtuosität der Musiker*innen, ihre Großzügigkeit, die Osmose zwischen all diesen Leuten, die fühlbare Energie, die sich aus dieser Frauen - und Männergemeinschaft befreite.
Nichts versäumen von diesem Wirbelwind. Und einen Film realisieren wie einen Wirbelwind. Das Filmteam erlebte die gleichen Dinge, wie die Tänzer*innen und die Musiker*innen. Die gleichen Empfindungen: Drehen, Halten, Essen, Tanzen, Tanzen, Tanzen, Schlafen, Drehen, Tanzen, Trinken, Drehen, sich treffen... Gefilmt wurden die Blicke, das Austauschen, die Gemeinschaft, die Summe
aller Einzelheiten, die unsicheren, entstehenden Bewegungen, die Flinkheit, die Einfachheit des
Experimentierens, das Loslassen, die Freiheiten, der süße Wahnsinn, die große Menschlichkeit, die Freude in den Gesichtern, die Wartenden auf den Stühlen, die aufkeimende Liebe, die kommende Müdigkeit, die Verbundenheit. Wir wollten zeigen, welchen Unterschied es macht, wenn wir uns trauen, einander zu berühren, einander anzuschauen, wirklich zusammen zu sein. Wenn das Leben pulsiert.


Der Grand Bal

Der Grand Bal ist ein Treffen rund um den Tanz, der jedes Jahr auf dem Land, in der Mitte von Frankreich stattfindet, in Gennetines im Département Allier. Menschen aus ganz Europa reisen an, um miteinander zu tanzen. Mehr als 500 Musiker*innen sind dort, um live Melodien aus allen Regionen und aus vielen Ländern zu spielen, um tagsüber Workshops zu geben, Schritte, Rhythmus, Geschichten, Kultur und Musik weiterzugeben. Jeden Abend finden die Bälle statt und
ab der zweiten Nachthälfte bis zum frühen Morgen die sogenannten boeufs (Improvisationen/ Jamsessions ohne Verstärker).
Vor Ort kümmern sich unzählige Betreuer*innen um den Campingplatz, die Getränkekiosks und   die über 1000 Essen pro Tag – allesamt selbst sehr motivierte Tänzer*innen. Der Grand Bal
kommt ohne Subventionen aus und macht keine Werbung – alles funktioniert über Mund-zu-
Mund-Propaganda.
Quelle: Verleih
Autor: Siehe Artikel
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