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Inhaltsverzeichnis
WILDE MAUS

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MOONLIGHT

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NEO RAUCH - GEFÄHRTEN UND BEGLEITER

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NERUDA

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ELLE

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DER EID

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Donnerstag 02.03.2017
WILDE MAUS
Ab 09. März 2017 im Kino
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Von und mit Josef Hader    


Könige werden zuvorkommend behandelt! Das ist zumindest Georgs (Josef Hader) Ansicht, der seit
Jahrzehnten als etablierter Musikkritiker für eine Wiener Zeitung schreibt. Doch dann wird er überraschend von seinem Chefredakteur (Jörg Hartmann) gekündigt: Sparmaßnahmen. Seiner jüngeren Frau Johanna (Pia Hierzegger), deren Gedanken nur um ihren nächsten Eisprung und das Kinderkriegen kreisen, verheimlicht er den Rausschmiss und sinnt auf Rache. Dabei steht ihm sein ehemaliger Mitschüler Erich (Georg Friedrich) zur Seite, dem Georg in seiner neu gewonnenen Freizeit hilft, eine marode Achterbahn im Wiener Prater wieder in Gang zu setzen. Georgs nächtliche Rachefeldzüge gegen seinen ehemaligen Chef beginnen als kleine Sachbeschädigungen und steigern sich, zu immer größer werdendem Terror. Schnell gerät sein bürgerliches Leben völlig aus dem Ruder...

Ausnahmetalent Josef Hader (VOR DER MORGENRÖTE, DAS EWIGE LEBEN) erzählt in seinem lang erwarteten Regiedebüt WILDE MAUS von einem Wettlauf in den Wahnsinn – eine pointierte und pechschwarze Tragikomödie über neurotische Stadtmenschen und die Liebe in Zeiten unendlicher Freiheit.
Ob als Kabarettist oder Schauspieler, als lakonischer Ermittler Simon Brenner oder legendärer Schriftsteller Stefan Zweig: Josef Hader hat viele Gesichter und begeistert mit jedem neuen Projekt. So auch mit seinem Regiedebüt WILDE MAUS, für das er ebenso das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle als rachsüchtiger Musikjournalist Georg übernommen hat. An seiner Seite spielen Pia Hierzegger (WAS HAT UNS BLOSS SO RUINIERT, DER KNOCHENMANN), Grimme-Preisträger Jörg Hartmann (SEIN LETZTES RENNEN, „Tatort“, „Weissensee“), Georg Friedrich (WILD, STEREO, SOMMER IN ORANGE), Denis Moschitto (ALMANYA, RUBBELDIKATZ) sowie Nora Waldstätten (PERSONAL SHOPPER, DAS EWIGE LEBEN).
WILDE MAUS ist eine Produktion der Wega Film, hergestellt mit Unterstützung vom Österreichischen Filminstitut, ORF Film-/Fernsehabkommen, Filmfonds Wien, ARD/Degeto, Freibeuter Film sowie des Landes Niederösterreich.


Anton Bruckner oder Jack White – Wer ist denn nun der Schöpfer der bekanntesten Bassline des größten Fußballsongs aller Zeiten? Ist es das „Bruckner-Riff“, das zum Ohrwurm und Stadion-Schlachtgesang wurde, oder ein Geniestreich von Jack White? Eine Frage, die Georg (Josef Hader),
ein anerkannter Musikkritiker und Feuilleton-Chef einer renommierten Wiener Tageszeitung, ohnehin nicht interessiert, auch wenn seine junge Kollegin (Nora Waldstätten) versucht, ihn etwas anderes glauben zu lassen. Vom Glauben fällt er jedoch gänzlich ab, als ihm sein Chef nur kurze Zeit später verkündet, dass er ihn aufgrund von Einsparungen entlassen muss.
Wenig mitleidig und verständnislos und trotz flehendlichem Bitten von Georg setzt er ihn dennoch vor die Tür. Georg schämt sich und gibt gegenüber der Chefsekretärin vor, freiwillig aus dem Verlag auszuscheiden, um ein Buch zu schreiben. Doch seine erste Wut und Enttäuschung entlädt sich bereits auf dem Parkplatz des Verlags.
Das Gefühl versagt zu haben, bringt Georg dazu, die Kündigung zuhause vor Johanna (Pia Hierzegger), seiner Frau, zu verheimlichen. Sie gibt ihm ohnehin schon das Gefühl nicht mit ihr mithalten zu können. Weder mit ihrem Alter, noch beruflich. Ihren Kinderwunsch scheint er auch nicht erfüllen zu können. Da will er nicht unnötig mehr als Versager dastehen: Er, Georg, der spitzfindige Vorruheständler mit dem Geist und ästhetischen Feinsinn eines Stefan Zweigs aber der Spermienagilität eines Greises – Und da Johanna, die junge, attraktive und scheinbar erfolgreiche Therapeutin mit den frischen Eizellen, die nur darauf warten von einem andockenden Spermium befruchtet zu werden. Wer sollte da nicht unter Versagensängsten leiden?
Um vor Johanna den Eindruck zu wahren, Georg ginge noch immer seiner Arbeit nach, vergnügt er sich tagsüber im Prater, abends im Konzert. Dummerweise läuft ihm dort ausgerechnet seine Kollegin über den Weg. Geschickt versucht sie Georg zu entlocken, wie ihm das Konzert eben gefallen hat. Doch dieser durchschaut das intrigante Spiel. Georg fühlt sich benutzt und Wut steigt in ihm auf. Er setzt sich ins Auto, um geradewegs zu seinem früheren Chef zu fahren. Das Haus gleicht allerdings einer Trutzburg – doch sein vor Arroganz und Dekadenz strotzender Porsche fordert ihn geradewegs dazu heraus den roten Lack mit einem feinen Kratzer über die gesamte Flanke zu dekorieren. Diese Tat verschafft Georg, zumindest für einen kurzen Moment, Befriedigung.
Als Georg sich am nächsten Morgen wieder im Prater herumtreibt, lernt er Erich (Georg Friedrich) kennen. Erich ist zwar ein einfaches Gemüt, aber teilt das gleiche Schicksal, denn er wurde auch zu unrecht entlassen. Georg findet in ihm einen Gleichgesinnten und neuen Freund. Erneut erwacht Georgs Wut, als er am Morgen eine Konzertkritik lesen muss. Geschrieben von seiner jungen Kollegin, doch veröffentlicht unter seinem Namen. Ist dies ein perfides Machtspiel seines Ex-
Vorgesetzten? Georg besorgt sich ein Messer und so muss das Verdeck des schnieken Porsche Cabrios leiden. Wenigstens bringt die Nennung seines Namens als Autor der täglichen Musikkritiken den Vorteil, Johanna weiterhin in dem Glauben zu lassen, Georg schreibe diese nach wie vor. Wenn er jetzt nur noch eine Lösung hätte, wie er Johannas notorische Nerverei um ihren Kinderwunsch beenden könnte. Doch um seinen Einwand, dass er sich noch nicht bereit für ein Kind fühle, entbrennt ein Streit, der Johanna unglücklich zurücklässt. Unterdessen, als Georg spät in der Nacht auf dem Heimweg ist, trifft er scheinbar zufällig auf seinen Chef. Hat er ihm etwa aufgelauert? Demonstrativ macht dieser Georg auf den Schaden an seinem Wagen aufmerksam. Ahnt er etwas? Georg ergreift die Flucht.
Die Zeit zieht ins Land. Die Perspektivlosigkeit bleibt. So vertreibt sich Georg weiterhin den Tag mit Erich auf dem Prater. Erich will in ein Fahrgeschäft investieren und eine marode Achterbahn, die Wilde Maus, kaufen. Da ihm das notwendige Kleingeld für die Pacht fehlt, bietet Georg ihm an, das Geld, als Leihgabe, zuzuschießen. Gemeinsam bringen Erich, dessen Freundin Nicoletta (Crina Semciuc) und er das heruntergewirtschaftete Fahrgeschäft auf Vordermann. Georgs Loyalität gegenüber Erich schweißt die beiden noch enger zusammen, distanziert ihn aber zugleich zunehmend von Johanna. Als Johanna Georg auf sein merkwürdiges Verhalten anspricht, verstrickt er sich weiter in Lügen. Er gibt Stress in der Redaktion vor, der ihn psychisch unter Druck setzen und über kurz oder lang dazu zwingen würde, zu kündigen. Anvertrauen tut er sich wiederum nur Erich und Nicoletta mit denen er gemeinsam Rachepläne an seinem Chef schmiedet. Johanna findet eine Vertrauensperson in ihrem Patienten Sebastian (Denis Moschitto). Während Georg mit Erich einen blutigen Fisch im Naturteich von Georgs Chef hinterlässt, gehen Johanna und ihr schwuler Patient auf Tuchfühlung. Georgs Chef geht auf Konfrontation. Er sucht Johanna auf und gibt vor, ihre Hilfe als Therapeutin im Zeitmanagement zu benötigen. Diese lehnt ihn jedoch aus personellen Gründen ab, nicht ohne jedoch Georg von dem Besuch seines Chefs zu erzählen. Er fällt aus allen Wolken, als er davon erfährt. Offensichtlich ahnt dieser, wer hinter all den kleinen Sachbeschädigungen steckt. Doch nicht nur das: Nun dringt er auch noch in Georgs Privatleben ein. Folgenschwer fasst er einen Entschluss: Nachdem Johanna ihm dann auch noch beim Abendessen unterbreitet, dass sie zwar von einem Coaching seines Chefs Abstand genommen, sich jedoch bereit erklärt hat, die Redaktion im Zeitmanagement zu coachen, platzt Georg der Kragen. Er sucht Erich und Nicoletta auf – die Einzigen, die ihm in dieser Zeit zur Seite stehen und bei denen er all den Ärger beiseiteschieben kann. Zumindest für ein paar Stunden.
Johanna, die von der Hinterlistigkeit von Georgs Chef nichts ahnt, muss bei einem gemeinsamen Essen mit ihm erfahren, dass ihr Mann seit über einer Woche wegen angeblicher Krankheit nicht mehr in der Redaktion erschienen ist. Sie deckt Georg, verlässt fluchtartig das Restaurant um ihn am Telefon zur Rede zu stellen. Als sich dieser erneut in Ausreden verstrickt, im Hintergrund jedoch deutlich Jahrmarktgeräusche zu hören sind, macht sie sich auf die Suche nach ihm, um ihn schließlich als Rekommandeur auf dem Wiener Prater ausfindig zu machen. Stinksauer macht sie Georg eine Szene, der durch seine Alleingänge und Lügerei ihre gesamte zukünftige Lebensplanung zunichtemacht. Johanna setzt Georg vor die Tür. Zweifelsohne steht für Georg fest, dass sein Chef auch für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich ist.
Mit Sturmmaske randaliert Georg vor dem Haus seines ehemaligen Vorgesetzten. Doch die installierten Videokameras überführen ihn schnell und so findet sich Georg auf der Polizeiwache wieder. Doch der Gescheiterte ist noch immer nicht geläutert. Er nutzt die Gelegenheit und das Vertrauen des Polizisten, der ihn als Journalisten sehr schätzt, um sich ein Leumundszeugnis ausstellen zu lassen und eine Waffe zu besorgen.
Georg scheint entschlossen dem intriganten Machtkampf mit seinem Chef endgültig ein Ende setzen zu wollen. Als dieser jedoch in der Redaktion nicht anzutreffen ist, leiht Georg sich Erichs Auto. Er soll sich in den Bergen aufhalten, um dort mit seinem Lebensgefährten, ganz romantisch, seinen Geburtstag zu feiern. Doch plötzlich unterbricht der heranrauschende Georg die scheinbare Idylle und Zweisamkeit, steigt aus dem Auto, zieht die Waffe und schießt auf seinen Chef. Durch den Schuss alarmiert kommt Sebastian, der Lebensgefährte von Georgs Chef, aus der Hütte. Beide versuchen das Unheil abzuwenden und Georg besinnt sich. Jedoch nicht ohne noch eine Prügelei anzuzetteln, bei der er allerdings den Kürzeren zieht.
Wie ein räudiger Hund zieht sich Georg zurück. Alles ist hin. Und jetzt beginnt es auch noch zu schneien. Das erhoffte Licht am Ende des Tunnels ist doch lediglich der Expresszug, der auf Georg zurast. Er hat schlichtweg auf ganzer Linie versagt und Johanna, die sich auf der Party ihres durchaus attraktiven Nachbarn herumtreibt, ist nicht für ihn zu erreichen.
Eingeschneit erwacht Georg am nächsten Morgen in seinem Auto. Es mag das ruhig und friedlich vor ihm liegende Tal sein oder der herab gefallene Schnee, der alles Geschehene unter sich begraben zu haben scheint.
Georg wagt den Schritt. Er will sich das Leben nehmen. Nackt mit einer Flasche Whiskey und einer
Schachtel Tabletten sitzt er im Schnee. Doch das Häschen in der Grube wird von zwei Forstarbeitern entdeckt. Noch nicht einmal zum Selbstmord in der Lage! Georg ergreift die Flucht. Durch die Tiefen der Schneelandschaft – noch immer nackt. Ist vielleicht doch Johanna seine letzte Rettung?
Und so scheint es, als könnten der schrullige alte Mann und die krampfhaft Junggebliebene letztlich
vielleicht doch wieder zueinander finden.



DIRECTOR´S NOTE
Meine Ausbildung ist in jeder Hinsicht mangelhaft. Nach INDIEN war ich auf einmal Drehbuchautor und Filmschauspieler, ohne wirklich gelernt zu haben, wie das geht. Zusammen mit Wolfgang Murnberger habe ich von einer Wolf Haas-Verfilmung zur nächsten versucht, dem Drama in der Komödie immer näher zu kommen. Der Großzügigkeit von Murnberger verdanke ich es, dass ich dabei auch immer stärker in Bereichen der Regiearbeit meine Meinung sagen und mitgestalten durfte. Daraus ist die Idee entstanden, zum ersten Mal ein Drehbuch ganz allein zu schreiben und bis zum letzten Schritt künstlerisch zu verantworten. Meine Herangehensweise ist dabei, sich keine Farbe zu verbieten und auch keine bestimmte Farbe vorherrschen zu lassen, wenn man das Leben abbilden möchte. Genres liefern Welterklärungsmodelle und notfalls auch Schuldige, ich möchte aber lieber erzählen, dass das Hauproblem ist, das überhaupt nichts zusammenpasst. Das Tragikomische ist für mich dabei die beste Abbildung dessen, was man Leben nennt.
Josef Hader


Josef Hader (Regie & Drehbuch)

Josef Hader, 1962 in Waldhausen (Oberösterreich) geboren, erspielte sich in den letzten Jahrzehnten
als Kabarettist ein Publikum im ganzen deutschen Sprachraum und wurde mit allen wichtigen Kleinkunstpreisen ausgezeichnet. Den Grundstein für seine Filmkarriere legte er 1993 mit INDIEN, für das er mit Regisseur Paul Harather gemeinsam das Drehbuch schrieb. Der Film wurde u.a. mit dem Max Ophüls-Preis ausgezeichnet und gilt als einer der bekanntesten und erfolgreichsten österreichischen Filme. Mit DER ÜBERFALL von Florian Flicker gewann Josef Hader 2000 beim Internationalen Filmfestival von Locarno den Darstellerpreis.
Bis heute konzentriert Hader seine Film- und Fernsehauftritte auf wenige Projekte, oft und besonders gern auf solche, bei denen er die Gelegenheit hat, am Drehbuch mitzuarbeiten. So schlüpfte er 2000 bei KOMM, SÜSSER TOD nicht nur erstmals in die Rolle des Wolf Haas-Helden Simon Brenner, mit der er seitdem wachsenden Kultstatus genießt. Er schrieb auch bei allen vier Brenner-Verfilmungen, zu denen noch SILENTIUM (2004), DER KNOCHENMANN (2009) und zuletzt DAS EWIGE LEBEN (2015) gehören, gemeinsam mit Regisseur Wolfgang Murnberger und Autor Wolf Haas die Drehbücher.
Für den Fernsehfilm „Ein halbes Leben“ von Nikolaus Leytner wurde er 2009 mit dem Deutschen Fernsehpreis und 2010 mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. Zuletzt stand Josef Hader an der Seite von Axel Prahl, Devid Striesow und Robert Stadlober in der Kafka-Verfilmung DER BAU von Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank vor der Kamera. 2016 glänzte Hader in der Rolle des Stefan Zweig in dem vielbeachteten, bereits mehrfach ausgezeichneten und aktuell von Österreich für die Oscar-Verleihung eingereichten Biopic VOR DER MORGENRÖTE (Regie: Maria Schrader). Mit WILDE MAUS schrieb er nicht nur das Drehbuch und übernahm die Hauptrolle, sondern gibt mit diesem Film auch sein Regiedebüt.
Autor: Siehe Artikel
Montag 27.02.2017
MOONLIGHT
Ab 09. März 2017 im Kino
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MOONLIGHT erzählt die berührende Geschichte des jungen Chiron, der in Miami fernab jeglichen Glamours aufwächst. Der Film begleitet entscheidende Momente in Chirons Leben von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, in denen er sich selbst entdeckt, für seinen Platz in der Welt kämpft, seine große Liebe findet und wieder verliert. MOONLIGHT ist ein einzigartiges Stück Kino über persönliche Augenblicke und Menschen, die uns prägen und den Schmerz der ersten Liebe, der ein Leben lang nachhallen kann.

Ein Film von Barry Jenkins
Mit Mahershala Ali, Shariff Earp Azu, Duan „Sandy“ Sanderson, Little Alex Hibbert, Janelle Monáe, Naomie Harris u.v.a.

MOONLIGHT ist ein einzigartiges Stück Kino darüber, wie die Suche nach einem Platz in der Welt, unsere Umgebung, die eigene Familie und insbesondere die erste Liebe uns ein Leben lang prägen. Mit acht Nominierungen für die diesjährigen Oscars®, dem Golden Globe® Award für den besten Film sowie über 150 weiteren Auszeichnungen ist MOONLIGHT einer der meist umjubelten Filme des Jahres.
Regisseur Barry Jenkins hat mit seiner einfühlsamen Coming of-Age Geschichte ein Plädoyer für Mitgefühl und Empathie geschaffen, für das er als erster afroamerikanischer Filmemacher gleich drei Oscar®-Nominierungen in den Kategorien “Bester Film“, „Bestes Drehbuch“ und „Beste Regie“ erhalten hat. Für Jenkins, der seine eigene Kindheit in MOONLIGHT verarbeitet, erzählt der Film eine universelle Geschichte über Liebe und Vergebung: „Kino hat die Kraft, Grenzen zu überwinden und uns zu zeigen, was uns alle zu Menschen macht.“
Ein Trio aus drei talentierten Schauspielern (Alex Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes) verkörpert die Hauptfigur Chiron in drei Phasen seines Lebens. Unterstützt werden sie von dem Oscar®-nominierten Star Mahershala Ali, der für den kleinen Chiron zu einer Vaterfigur wird sowie Naomie Harris, die für ihre bewegende Darstellung von Chirons Mutter mit einer Oscar®-Nominierung geehrt wurde: „Moonlight berührt viele Herzen in einer Zeit, in der Menschen Mitgefühl und Halt in der Welt suchen“, so Harris.


INHALT

I. LITTLE
Der 10-jährige Chiron, der von allen nur spöttisch „Little“ genannt wird, flieht zu Beginn des Films vor anderen Kindern, die ihn verprügeln wollen – bis er von Juan gerettet wird, einem Drogendealer, der gemeinsam mit dessen Freundin Teresa zu seinem Mentor und Beschützer wird.

II. CHIRON
Im zweiten Kapitel hat Chiron mit der Liebe zu seinem Schulkameraden Kevin zu kämpfen, dem sich stetig verschlechternden Zustand seiner Mutter Paula und einem traumatischen Zwischenfall auf dem Schulhof, der sein Leben nachhaltig verändern wird.

III. BLACK
Das dritte Kapitel folgt dem mittlerweile erwachsenen Chiron – jetzt bekannt unter seinem Gangnamen „Black“ – der sich in Atlanta ein neues Leben aufgebaut und sich dabei von seinen Mitmenschen abgeschottet hat. Erst ein Anruf aus der Vergangenheit bringt Bewegung in Blacks Leben. In einer virtuosen Sequenz in einem Diner kommt es zu einem wahrhaft unerwarteten und doch unvergesslichen Wiedersehen mit Kevin.


BESTER FILM

Wir danken der Academy dafür, dass sie Barrys und Tarells Geschichte ehren. Wir sind stolz darauf, dazu beigetragen zu haben, ihre Stimmen auf die Leinwand zu bringen. MOONLIGHT ist ein Film, den wir jetzt mehr denn je brauchen: ein Film, der die Schönheit, Vielschichtigkeit und Menschlichkeit unserer Mitmenschen feiert.
Adele Romanski, Jeremy Kleiner & Dede Gardner (Produzenten)

BESTE REGIE
Mir fehlten angesichts der Liebe, die die Academy so vielen talentierten Menschen in unserer Community um MOONLIGHT zeigte, die Worte. Ich teile gerade Chirons Geschichte auf einem anderen Kontinent mit Menschen anderen Ursprungs. Was die Nominierungen für mich verkörpern, ist eine Bestätigung dafür, dass Kino die Kraft hat, Grenzen zu überwinden und zu zeigen, was uns alle zu Menschen macht.
Barry Jenkins

BESTER NEBENDARSTELLER
Man kann sich in dieser Branche nicht mehr wünschen, als Teil zu sein von Projekten, die unterhalten und gleichzeitig noch Raum haben, um uns etwas beizubringen, zu lehren und uns weiterzuhelfen. Und dafür bin ich zutiefst dankbar.
Mahershala Ali

BESTE NEBENDARSTELLERIN
MOONLIGHT berührt viele Herzen in einer Zeit, in der Menschen Mitgefühl und Halt in der Welt suchen. Ich bin der Academy zutiefst dankbar dafür, dass sie meinen Teil dieser Geschichte, aber auch die gesamte Familie hinter MOONLIGHT so anerkennen. Es war mir eine Ehre, Barrys und Tarells wunderschöne Reise zu begleiten.
Naomie Harris

BESTE KAMERA
Diese Nominierung ist eine unglaubliche Ehre und wird immer die Welt für mich bedeuten. Mein Name steht auf der Liste, aber die Ehre teile ich mit so vielen Menschen, die so hart an MOONLIGHT gearbeitet haben. Ich teile diesen Moment mit A24, die ein Licht in der Dunkelheit waren, eine Gruppe von Menschen, die uns niemals allein gelassen haben, die uns in jeder Sekunde vertraut und unterstützt haben. Ich danke der Academy für diese Nominierung.

BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH
Ich schrieb „In Moonlight Black Boys Look Blue“ weil ich dachte, ich sei allein. Aber Barry wusste es besser. MOONLIGHT erinnert unsalle daran, dass wir nie wirklich allein sind. Ich bin der Academy dankbar dafür, dass sie das Licht dieses Films erkannt haben.
Tarell Alvin McCraney (Autor des Theaterstücks) & Barry Jenkins

BESTE FILMMUSIK
Nicholas Britell

BESTER SCHNITT
Joi McMillion, Nat Sanders



DIE WURZELN VON MOONLIGHT

Die Idee hinter MOONLIGHT enstand in ihrer ersten Form an einer Schauspielschule als Projektarbeit des in Miami geborenen Autors Tarell Alvin McCraney. McCraney reichte „In Moonlight Black Boys Look Blue“ beim Borscht Film Festival ein, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Werke von Künstlern aus der Region zu präsentieren. Ziel des Festivals war es Geschichten zu fördern, die „mehr zu bieten haben, als Miami als so schöne wie sinnentleerte Partymetropole darzustellen“, zu fördern. Das Skript blieb jedoch unaufgeführt.
Im Jahre 2013 unterstützte die Produzentin Adele Romanski (MORRIS FROM AMERICA, THE MYTH OF THE AMERICAN SLEEPOVER) Jenkins bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolgeprojekt zu MEDICINE FOR MELANCHOLY. Das seit der gemeinsamen College-Zeit befreundete Duo traf sich alle zwei Wochen, um verschiedenste Ideen zu besprechen, bis sie auf McCraneys Skript stießen. „Tarell hatte auf großartige Weise eingefangen, was es bedeutet, als Schwarzer aus ärmlichen Verhältnissen in Miami aufzuwachsen“, erzählt Jenkins. „Für mich war das eine Chance, durch Tarells wunderbare Arbeit einige meiner eigenen Kindheitserinnerungen auf
die Leinwand zu bannen. Wir haben ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Es war die perfekte Kombination.“
Zufälligerweise waren beide in Miamis Wohnbezirk Liberty City aufgewachsen, in dem auch MOONLIGHT zu großen Teilen spielt. Jenkins und McCraney kannten sich in ihrer Kindheit nicht, ihr Werdegang ähnelt sich jedoch auf erstaunliche Weise. Sie hatten dieselbe Grund- und weiterführende Schule besucht und sich beide für eine künstlerische Laufbahn entschieden, in deren Verlauf sie Themen und Motive wählten, bei denen sie sich eng an ihren persönlichen Erlebnissen orientierten, darunter Identität und Männlichkeit. Besonders auffallend ist dabei, dass sie in Familien aufwuchsen, in denen Drogenmissbrauch an der Tagesordnung war. Jenkins‘ Mutter hat ihre Sucht überwunden und ist seit 24 Jahren HIV-positiv, wohingegen McCraneys Mutter an den Folgen ihrer AIDS-Erkrankung gestorben ist.
McCraneys ursprüngliche Story handelte von der Beziehung eines Jungen in Liberty City zu einem örtlichen Drogenhändler, der zu einer Art Ersatzvater avanciert, als der Junge mit dem Mobbing seiner Schulkameraden, der Drogensucht seiner Mutter und einem überwältigenden Gefühl der Einsamkeit und Isolation zurechtkommen muss, was schließlich in einer Tragödie endet. Die nicht-linear erzählte Geschichte „In Moonlight Black Boys Look Blue“, die immer wieder zwischen Kindheit und Jugend des Protagonisten hin und herspringt, und sich dabei intensiv mit den Themen
Männlichkeit, Identität und Gemeinschaft auseinandersetzt, beleuchtet außerdem die aufkeimende Homosexualität ihrer jugendlichen Hauptfigur Chiron in einem wenig aufgeschlossenen Milieu.
„Es war mir wichtig zu zeigen, welche aktive Rolle Chirons soziales Umfeld in seinem Leben spielt“, sagt McCraney. „Sein Umfeld weiß Dinge über ihn, bevor er sich selbst darüber im Klaren ist. Seine Mitmenschen wollen ihn in eine Schublade stecken, bevor er überhaupt versteht, was das bedeutet. Das widerfährt uns allen, ob wir nun, männlich, weiblich, schwarz, weiß, hetero- oder homosexuell sind. Es gibt Situationen, in denen uns unser soziales Umfeld mitteilt, als was es uns betrachtet. Wie wir darauf reagieren, definiert unseren Konflikt mit dieser Situation und hat einen
enormen Einfluss auf den weiteren Verlauf unseres Lebens.“
Für die Adaption hat Jenkins alle drei Kapitel der Geschichte chronologisch sortiert und deutlich erweitert. Während McCraneys Vorlage mit dem Anruf von Kevin endet, hat Jenkins die Geschichte um viele Szenen mit Black erweitert. Somit wird allen drei Abschnitten im Reifeprozess seines jungen Protagonisten derselbe Raum zugestanden, um die ganze Geschichte zu entfalten.
Romanski war augenblicklich begeistert von dieser hochemotionalen Coming-of-Age-Geschichte. Trotz seines sehr spezifischen Settings spricht MOONLIGHT alle an, die sich jemals fremd in dieser Welt gefühlt haben. „Das Drehbuch hat mir das Herz gebrochen“, gesteht Romanski. „Selbst als weiße Frau konnte ich mich mit Chirons Geschichte identifizieren. Viele Menschen erleben Ausgrenzung, ungeachtet der Hautfarbe, des Geschlechts, Alters oder sexueller Orientierung. Obwohl MOONLIGHT im Grunde die Coming-of-Age-Geschichte eines schwulen Farbigen ist, ist es im Kern ein universeller Film darüber, wie es ist, anders zu sein.“
MOONLIGHT setzt sich gänzlich über Schubladen und Kategorisierungen hinweg und konzentriert sich ganz auf die universelle Geschichte des kathartischen persönlichen Kampfes eines jungen Mannes. „Barry ist eine sehr in sich gekehrte und introvertierte Person“, erzählt Romanski. „Außerhalb einer kleinen Gruppe von Menschen, denen er vertraut, lässt er sich nicht oft blicken. MOONLIGHT hat es ihm ermöglicht, die Geschichte seiner Kindheit und Jugend zu erzählen – mit Hilfe von Tarells adaptierter Story.“
Die Produzenten Jeremy Kleiner und Dede Gardner, Co-Präsidenten von Brad Pitt‘s Plan B Entertainment, waren zutiefst berührt von Jenkins‘ Drehbuch. „Es war unglaublich gut geschrieben und besaß dieselbe Eleganz und Simplizität in der Struktur wie Jenkins‘ Vorgänger“, erzählt Kleiner. „Barry verfügt über die erstaunliche Gabe, intime Momente zwischen seinen Figuren zu schaffen und einzufangen – speziell zwischen zwei Figuren. Er durchdringt interne emotionale Vorgänge auf völlig unerwartete Art. Auf diese Weise befindet man sich plötzlich tief in der Seele seiner Figuren.“ Und Gardner fügt hinzu: „Barry ist der festen Überzeugung, dass im Verlauf eines einzelnen Gesprächs ganze Welten aufeinanderprallen. Nur ein äußerst talentierter Drehbuchautor und Regisseur kann das auf die Leinwand bannen.“


DREI SCHAUSPIELER, EIN LEBEN

Die Suche nach den perfekten Darstellern begann mit Jenkins‘ gewagter Entscheidung, Chirons Reifeprozess vom zehnten Lebensjahr bis in seine frühen Dreißiger nicht von einem einzelnen Schauspieler darstellen zu lassen. Das stellte das Casting-Team vor die Aufgabe, drei Schauspieler zu finden, die dieselbe Emotionalität über etliche Jahre hinweg transportieren konnten, ohne sich während des Drehs jemals zu begegnen.
Um Little, Chiron und Black zum Leben zu erwecken, wandte Jenkins sich an Casting- Direktorin Yesi Ramirez (21 JUMP STREET, BLOOD DIAMOND), die ebenfalls in Miami aufgewachsen ist. Ramirez hatte einst ein Studium als Pflichtverteidiger für jugendliche Kriminelle angefangen und in Kalifornien intensiv mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen gearbeitet, und diese Kenntnisse erwiesen sich hier als sehr nützlich. „Das hat mich am Skript gereizt“, sagt Ramirez. „Chiron hat jemand gebraucht, damit er im Leben zurechtkommt. Ich kenne Jugendliche wie ihn nur zu gut. Ich habe mit ihnen gearbeitet.“
Für alle Beteiligten war von Anfang an klar, dass der Darsteller von „Little“ aus Miami stammen musste. Jenkins und Romanski verteilten Casting-Aufrufe und suchten auf den Straßen und in den Schulen nach dem perfekten Kandidaten, der diese entscheidende Rolle ansprechend ausfüllen könnte. Schließlich entdeckten sie Alex Hibbert und nahmen sein Vorsprechen auf, um es den anderen zeigen zu können. Als Ramirez das Video sah, war sie schwer beeindruckt von der stillen Neugier und der enormen Verletzlichkeit, die sich in seinen noch sehr jungen Augen wiederspiegelte. Alle waren sich sicher, dass man den Richtigen gefunden hatte.
Für den 16-jährigen Chiron ließ Ramirez Jugendliche aus dem ganzen Land vorsprechen und durchstöberte das Internet nach Profilfotos und Videos. Am Ende fiel die Wahl auf Ashton Sanders, der Ramirez während einer ihrer zahlreichen Casting-Sessions in Los Angeles aufgefallen war. Sanders war zuvor in einer Independent-Produktion zu sehen gewesen und hatte außerdem eine kleine Nebenrolle in STRAIGHT OUTTA COMPTON gespielt, aber seine stille, regungslose Art war herausgestochen: Wichtige Eigenschaften für Chirons Charakter im zweiten Kapitel des
Films. Trevante Rhodes, ein ehemaliges Leichtathletik-Ass aus Louisiana, das auf dem Campus des Texas College entdeckt worden war und vom Fleck weg eine Rolle in einem Nicolas-Cage-Film erhielt, hatte ursprünglich für die Rolle des erwachsenen Kevin im dritten Kapitel des Films vorgesprochen. Das Vorsprechen wurde jedoch vom Team, darunter Ramirez, Jenkins und Romanski unterbrochen, als allen plötzlich klar wurde, dass der muskulöse Rhodes weitaus besser für die Rolle von „Black“ geeignet war. Urplötzlich fand sich der damals noch recht unbekannte Schauspieler in einer Hauptrolle wieder, in der er die Last aller drei Inkarnationen von Chiron
zu tragen hatte.
„Es passiert nicht oft, dass ich mir als Casting-Direktorin meiner Sache schon so sicher bin, wenn ein Kandidat den Raum betritt. Aber Trevante war ein ganz besonderer Fall“, erzählt Ramirez. „Abgesehen von seiner Männlichkeit hatte er die Verletzlichkeit, die wir so dringend benötigten, damit das Publikum mit der Figur mitfühlt.“ Für Rhodes bestand die größte Herausforderung darin, den erwachsenen Chiron adäquat darzustellen, ohne seinen tief verborgenen emotionalen Kern zu vernachlässigen, der unter dem muskulären Äußeren und einem entschieden zweideutigen
Spitznamen begraben liegt. „‘Black‘ ist ein introvertierter Mann mit persönlichen Problemen, der sein wahres Ich versteckt aus Angst davor, dass alle erfahren könnten, wer er wirklich ist“, erklärt Rhodes. „Der Titel MOONLIGHT ist ein Sinnbild dafür, Licht ins Dunkel zu bringen, oder etwas zu gestehen, von dem man bisher Angst hatte, dass es jemand erfahren könnte. Jeder von uns ist in seinem Leben an einen Punkt gelangt, an dem sich Chiron am Ende befindet, ob es nur für kurze Zeit oder das ganze Leben gewesen ist. Bei allen, die behaupten, sie hätten nie etwas zu verbergen versucht, ist dies wohl erst recht der Fall.“
„Wir hatten das Glück, die besten Schauspieler für diese Rollen gefunden zu haben“, sagt Ramirez weiter. „Aber es gab auch einen roten Faden, der alle drei Kapitel miteinander verband, und das war eine unglaubliche Verletzlichkeit. Jeder der drei Schauspieler konnte sie mit seinen Augen zum Ausdruck bringen und somit ein komplettes Porträt dieses Lebens schaffen.“ Und Jenkins fügt hinzu: „Man sieht nicht oft schwarze Schauspieler, die einfach nur ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, anstatt zu reden. Alle drei Darsteller von Chiron waren großartig darin, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.“
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Donnerstag 23.02.2017
NEO RAUCH - GEFÄHRTEN UND BEGLEITER
Ab 02. März 2017 im Kino
Neo Rauch ist einer der weltweit erfolgreichsten deutschen Maler seiner Generation. Seine Bilder faszinieren durch ihren rätselhaften Realismus, die Figuren scheinen wie aus der Zeit gefallen. Schlafwandlerisch gehen sie ihren Tätigkeiten nach. Das, was der Maler auf der Leinwand zeigt, bewegt sich zwischen Traum, Phantasie und schwer greifbarer Wirklichkeit, zugänglich und eigenwillig zugleich. Nie ist das Bildgeschehen eindeutig oder konkret – und doch zieht es den Betrachter in seinen Bann.

Regie & Drehbuch Nicola Graef


PRESSENOTIZ
Im Mittelpunkt des Films steht Neo Rauch selbst: Erstmals seit Jahren spricht er vor der Kamera über seinen Zugang zur Kunst, seine Bilderwelten und die vom frühen Verlust seiner Eltern geprägte Vergangenheit. Filmemacherin Nicola Graef zeigt den Künstler bei der Arbeit im Atelier, beobachtet den kritischen Austausch mit seiner Frau, der Malerin Rosa Loy, und diskutiert mit internationalen Sammlern, Galeristen und Kunstliebhabern das Phänomen Neo Rauch.


BIOGRAFIE
Neo Rauch wurde am 18. April 1960 in Leipzig geboren und wuchs bei seinen Großeltern in Aschersleben auf. 1981 bis 1986 absolvierte er bei Professor Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ein Malerei-Studium, an das sich ein Meisterschülerstudium und eine Assistententätigkeit anschlossen. Von 2005 bis 2009 war Rauch an derselben Hochschule Professor für Malerei und Grafik, im Anschluss bis 2014 hatte er dort eine Honorarprofessur inne.
Er ist mit der Malerin Rosa Loy verheiratet, mit der er einen erwachsenen Sohn hat. Neo Rauch arbeitet in Leipzig und wird durch Gerd Harry Lybkes Galerie EIGEN + ART Berlin/Leipzig sowie die Galerie David Zwirner New York/London vertreten.

AUSZEICHNUNGEN
2010 Stiftungspreis der Stiftung „Bibel und Kultur“, Stuttgart
2005 Kunstpreis Finkenwerder, Hamburg
2002 The Vincent van Gogh Bi-annual Award for Contemporary Art in Europe, Bonnefantenmuseum Maastricht
1997 Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung


Regisseurin & Produzentin Nicola Graef
BIOGRAFIE
Nach ihren Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Philosophie in München und Paris, absolvierte Nicola Graef ein weiteres Studium in London, das sie mit einem Master of Arts in
„Theatre Studies“ abschloss. Als freie Autorin und Journalistin arbeitete sie daraufhin für die Londoner Studios von ZDF und NDR.
Zurück in Deutschland setzte sie ihre journalistische Arbeit mit einem Volantariat beim NDR in Hamburg fort. Es folgten einige Jahre als Redakteurin und Reporterin beim NDR Fernsehen für
Kulturmagazine, Abendprogramme und schließlich die politische Satiresendung „extra drei“. Danach begann Nicola Graef freiberuflich zu arbeiten und gründete 2001 gemeinsam mit Susanne Brand die Filmproduktionsfirma Lona•media. Zeitgleich eröffnete sie „Kunstraum plan b“, ein Forum für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, das sie fünf Jahre lang führte. Von 2003 bis 2006 moderierte sie die 90-minütige Live-Talkshow „Westart am Sonntag“ im WDR Fernsehen. Des Weiteren berät Nicola Graef Künstler, kuratiert Ausstellungen und arbeitet als Autorin.


DIRECTOR’S NOTE
Die Bilder von Neo Rauch haben mich schon immer fasziniert. Vor allem, weil sie mich seltsam berührten und ich oft nicht genau verstand, warum. Seine Figuren sind meist abgewandt, mit sich beschäftigt, emotional entrückt.
Was ist das für eine Welt? Wer sind diese Menschen? Was haben sie mit mir zu tun? Seine Bilder stellen mir Fragen, lassen mich oft ratlos zurück, aber sie fordern mich: Schau mich an und sage mir, was du siehst. Aber bitte schau genau hin, nimm dir Zeit. Es ist etwas in diesen Bildern verborgen, ganz leise. Nicht von dieser Welt und doch mitten in ihr. Das ist es, was mich ganz grundsätzlich begeistert an guter zeitgenössischer Kunst: schauen, nicht verstehen, noch mal schauen, wirken lassen, Antworten suchen, nachdenken.
Schon vor vielen Jahren sprach ich erstmals mit Judy Lybke, Inhaber der Galerie EIGEN + ART, über die Möglichkeit, einen Dokumentarfilm mit und über Neo Rauch zu realisieren. Er winkte ab und meinte, da hätte ich keine Chance. Neo Rauch würde die Medien, insbesondere die Kamera meiden. Schade, dachte ich. Aber die Malerei verfolgte mich. Also probierte ich es weiter und fragte nach. Doch ich bekam immer eine Absage.
Schließlich überlegte ich, ob es nicht auch denkbar wäre, einen Film über Neo Rauch ohne Neo Rauch zu machen. Eintauchen in seine Bildwelten mit den Menschen, die ihn als Sammler begleiten oder die mit seinen Werken sehr vertraut sind, wie seine Galeristen oder seine Lithografen. Vor allem reizte mich auch die Frage, was internationale Sammler aus verschiedenen Kulturen über seine Kunst denken, warum sie sich für diese Malerei entschieden hatten.
Darüber sprach ich 2013 erneut mit Judy Lybke und stieß auf offene Ohren. Das sei doch eine gute Möglichkeit, seine Bilder aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen, aber ohne den Künstler in eine Situation zu bringen, der er skeptisch gegenüber stünde. Und wer wisse das schon, vielleicht würde es ja doch irgendwann mit einem Interview klappen. Na, das war doch was. Ich sprach mit meiner MDR Redakteurin Katja Wildermuth und sie sagte: Wir probieren das!
Doch es gab noch eine Hürde. Ich brauchte Neo Rauchs Zustimmung, seine Bilder zu zeigen. Also fuhr ich zu einer Eröffnung nach Aschersleben in seine Grafikstiftung. Zugegeben etwas nervös, da mir auch die Galerie deutlich machte, man müsse den richtigen Zeitpunkt abpassen, ihn anzusprechen. Als ich Neo Rauch dann einen Moment lang zufällig alleine in den Räumen stehen sah, stellte ich mich vor und gab ihm ein Buch. „Der Distelfink“ von Donna Tartt. „Das liest gerade meine Frau.“ Kein schlechter Einstieg, dachte ich. Es folgten mehrere Treffen ohne Kamera in seinem Atelier, oft auch zusammen mit seiner Frau Rosa Loy. Ich hatte immer ein Buch für ihn dabei. Neo Rauch ist ein großer Leser und die Leidenschaft fürs Wort verband uns von Anfang an.
Irgendwann fingen wir mit den Dreharbeiten an. Im Atelier. Das, was nie geplant war. Wir waren einfach da und Neo Rauch ließ es geschehen. Ein Vertrauensbeweis, der mich sehr berührte. Ein Kamerateam in diesem privaten Raum zuzulassen – und das Atelier ist für einen Künstler ein solcher Raum – ist etwas Besonderes.
Zurückhaltend sein, als ob man fast nicht da ist, das war für uns von Anfang an selbstverständlich.
So entwickelte sich unsere Zusammenarbeit. Langsam, aber stetig und immer mit der Zuwendung zum Bild. Genau beobachten, offen formulieren, was ich sah oder nicht sah, eröffnete oft das Gespräch. Im Laufe der fast drei Jahre, in denen dieser Film entstanden ist, wurden wir eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft – das Team, Neo Rauch und Rosa Loy. Neo Rauch hat mir ermöglicht, womit ich nie gerechnet hatte: Ich konnte einfach im Atelier sein und ihn beim Malen beobachten, sehen, wie ein Bild entsteht. Für mich die schönsten Momente der Dreharbeiten. Aus dem Nichts wird eine Welt geschaffen.
Ich freue mich ungemein, dass Neo Rauch mir diesen Film ermöglicht hat, bin dankbar, dass Rosa Loy dazu beigetragen hat, ihn davon zu überzeugen und nicht zuletzt gilt mein Dank auch meiner MDR-Redakteurin Katja Wildermuth, die sich auf das Risiko eingelassen hat und mir vertraute, dass das mit dem Interview schon irgendwie klappen würde. Nun ist es so viel mehr geworden. Ein Film über Neo Rauch mit Neo Rauch.
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Donnerstag 16.02.2017
NERUDA
Ab 23. Februar 2017 im Kino
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Nach  NO!  (nominiert  zum  Oscar®-  Best  Foreign  Language  Film) und EL CLUB (Silberner Bär – Großer Preis der Jury und nominiert zum Golden Globe: Best Foreign Language Film) der neue Film von Pablo Larraín: Chile 1948. Nach seiner flammenden Anklagerede gegen den Präsidenten Videla muss der weltberühmte Dichter und Kommunist Pablo Neruda gemeinsam mit seiner Frau Delia del Carril abtauchen, mitten in der Arbeit an seiner epochalen Gedichtsammlung „Canto General“.
Der melancholische Polizist Peluchonneau heftet sich an seine Fersen, hin und her gerissen zwischen Hass und Faszination. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, das für Neruda zwischen Dichtung und Legendenbildung seine ganz eigene, gefährliche Poesie gewinnt.
„Ich weiß nicht, ob ich all das erlebt oder ob ich es geschrieben habe, ich weiß nicht, ob es Wirklichkeit oder Poesie war, etwas Vorübergehendes oder Bleibendes, die Gedichte, die ich in diesem Moment erlebte, die Erlebnisse, die ich später dichtete.“ [Pablo Neruda in seiner Nobelpreisrede über die Überquerung der Kordilleren auf der Flucht nach Argentinien]


Pressestimmen

»Ein fulminantes, funkelndes Anti-Biopic, ein grandioses fil-misches  Gedicht,  das  sich  so  vielschichtig  und  mitreißend  auffaltet  wie  der  Canto  General,  an  dem  wir  Pablo  Neruda  hier arbeiten sehen.« TÉLÉRAMA

»Neruda zeigt den Regisseur auf der Höhe seiner Kunst mit einem Film von solcher Klugheit, Schönheit und Kraft, dass es schwierig ist zu entscheiden, was man zuerst feiern soll: das Buch, die Bilder, das Szenenbild, die Schauspieler?« VARIETY

»Kein  gewöhnliches  Biopic,  sondern  eine  geniale  Kombina-tion  aus  Leben,  Legende,  Poesie  und  Mythos,  ein  dichtes,  meisterhaft umgesetztes Kinostück... Neruda und der Polizist: Der Mythos schwindet, die Poesie gewinnt an Kraft.“ ABC

»Ein außergewöhnlicher, überbordender und unglaublich un-terhaltsamer Film ... Wie sein Protagonist selbst kommt der Film nie zum Stillstand, immer vibrierend vor Ideen und Ener-gie. Er stürzt sich in wilde Abenteuer und hat, wie sein Pro-tagonist,  dessen  Lebenshaltung  hier  Pate  steht,  keine  Lust,  sich den üblichen Regeln zu unterwerfen: Ein schwindelerre-gender Film, voller Leben und Bedeutung.« THE GUARDIAN

»Luis Gnecco als Neruda ist schlicht unglaublich. Der Schlüs-sel zu seiner Rolle ist die Einsicht, dass nicht einmal Neruda wirklich Neruda ist. In Larraíns und Gneccos Ansatz ist Neru-da eine Performance, eine Rolle, in die er schlüpft und die ihn immer wieder selbst überwältigt.« THE WRAP»Voller Überraschungen, mit unaufhaltsamem Rhythmus und überbordendem  Reichtum  an  brillanten  Dialogen  und  Ein-fällen.  Luis  Gnecco  beweist  einmal  mehr,  dass  er  einer  der  besten Schauspieler seiner Generation ist.« LA TERCERA

»Eine  biografische  Fantasie  ...  Der  betörende  Charme  von  Neruda besteht darin, dass es eine Figur wie Oscar Pelucon-neau gegeben haben könnte, es aber völlig egal ist, dass dem nicht so ist: Der ebenso komische wie überzeugende Beweis, dass die Fiktion uns in der Liebe zu ihrem Gegenstand der Wahrheit viel näher bringen kann als historisierende Nachbil-dung. Neruda ist kein konventionelles Portrait eines großen Dichters,  sondern  eine  mit  allen  Sinnen  erkundete  Erfor-schung seiner inneren Welten.« LOS ANGELES TIMES

»Das wirkungsvoll zwischen Fakten und Fiktion oszillierende Porträt eines Künstler-Giganten ... Larraín feiert mit „Neruda“ die  Idee  der  künstlerischen  Schöpfung.  Es  gelingt  ihm,  die  Kraft der Gedichte Nerudas spürbar werden zu lassen, vom Poema Triste, das mehrfach vorgetragen wird und nie an Kraft verliert,  bis  hin  zu  Los  Enemigos,  skandiert  in  den  Vororten  und  Fabriken:  Eine  Hommage  an  die  mobilisierende  Kraft  des Worts, die erstaunt und bezaubert.« LE MONDE

»Ein Biopic auf Abwegen: Chronik eines gewaltigen Dichters des  20.  Jahrhunderts,  Detektiv-Story  und  Metafiktion  in  ei-nem ... Peluchonneau ist, wie wir bald erkennen, eine gleich zweifache  Fiktion:  nicht  nur  von  Pablo  Larraín  und  seinem  Autor  Guillermo  Calderón,  sondern  auch  von  dem  Neruda,  den  sie  sich  vorgestellt  haben.  Neruda’  verzichtet  auf  skla-vische Nachbildung zugunsten einer weit kühneren Betrach-tung von Sprache, Literatur und Ikonizität.« VILLAGE VOICE

»Luis Gneccos funkensprühende Präsenz liefert einen faszi-nierenden Kontrast zu Bernals Intensität als Jäger, der mehr und mehr vom Gejagten besessen ist... Bernal war vielleicht noch nie so gut wie in dieser Rolle.« INDIEWIRE

»Eine mitreißende Liebeserklärung an die Idee der Dichtung, mit  überbordendem  visuellen  und  narrativen  Erfindungs-reichtum... Bernal ist herausragend in seiner vertrackten Rol-le, in perfekter Übereinstimmung mit Larraín. Er muss auch herausragend sein, denn sein Peluchonneau stellt sich bald als die berührendste und tragischste Figur des Films heraus – und das noch lange bevor ihm zu dämmern beginnt, dass er  vielleicht  nur  ein  Produkt  der  Imaginationswelt  Nerudas  und eigentliche Nebenfigur ist. Ein geschickter, schelmenhaf-ter, unfassbar intelligenter Film, geschrieben in ebenso lyri-schem wie stakkatohaftem Versmaß – und vielleicht mit einer Rose zwischen den Lippen...« THE PLAYLIST

»Neruda“ ist kein Biopic über den chilenischen Dichter. Er ist viel besser.« LIBERATIÓN

»Die Kamera kommt in diesem Film selten zur Ruhe, sie be-wegt sich, gleitet, bockt, rennt, dreht sich um sich selbst und das Geschehen, stellt plötzlich alles still: diegetische Szenen, in der die Wesensmerkmale des Kinos sichtbar werden. Ka-meramann Sergio Armstrong und Szenenbildnerin Estefanía Larraín waren nie besser als in dieser Arbeit, in dieser Fein-heit und Sinnlichkeit.« EL MOSTRADOR

»Wie Luis Gnecco die Titelrolle interpretiert, ist ein Wunder!« EL MUNDO

»Nerudas  Poetik  fängt,  ja  fordert  die  Sehnsucht  ein,  ernst  genommen zu werden, seinen Leidenschaften nachgehen zu können, frei von gesellschaftlichen Zwängen zu leben, ein. Larraín hat es geschafft, diese Macht der Sprache in Bilder und eine filmische Erzählung zu fassen.« KINOZEIT

»Ein Film, dessen einziger Fehler es ist, dass man ihn besser zweimal ansehen sollte.... Man versteht nach und nach, dass dieses  Porträt in Wirklichkeit von Neruda selbst entworfen worden  sein  muss  ...  Kompliziert? Das scheint  nur  so.  Auf der Leinwand ist es schlicht atemberaubend. Und brillant.« LE NOUVEL OBERVATEUR



Handlung

Chile,1948. In einer flammenden  Rede vor dem Kongress  bezichtigt Senator Pablo Neruda,  weltberühmter  Dichter, Kommunist und Lebemann, den Präsident Videla des Verrats – und wird umgehend seines Amtes enthoben. Zur Fahndung ausgeschrieben, taucht er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Delia del Carril unter, mitten in der  Arbeit an seiner epochalen Gedichtsammlung des „Canto General“.Während die Kampfgedichte des Canto General in handgetippten Abschriften unter den Arbeitern und Bewohnern der Armenviertel kursieren, heftet sich der melancholische Polizist Óscar Peluchonneau an die Fersen des verhassten roten Dichters, dessen Faszination und Poesie er sich dennoch nicht entziehen kann. Peluchonneau ist fest entschlossen, die Hauptrolle in  diesem Spektakel zu übernehmen. Doch wohin er auch kommt – Neruda ist nicht zu fassen.
Es beginnt ein  Katz- und Maus-Spiel, dem Neruda seinen ganz eigenen, gefährlichen Reiz zwischen Poesie und Legendenbildung abgewinnt. Immer wieder legt er Spuren, um seinem  Verfolger im letzten Moment zu entkommen. Die wilde Jagd führt die Kontrahenten in immer abgelegenere Gegenden.
In der imposanten Bergwelt der chilenischen Kordilleren macht sich Neruda schließlich daran, das letzte, fulminante Kapitel seines Duells mit Peluchonneau in Szene zu setzen.Der chilenische Ausnahmeregisseur Pablo Larraín hat einen meisterhaften Film geschaffen, zwischen Fakten und unbändiger Lust an der Fiktion, eine Hommage an die Dichtung, überraschend und bewegend, voller Poesie und lakonischem Humor. „Wir wollten eine Welt erfinden“, sagt Pablo Larraín sagt, „so wie Neruda sich die seine erfunden hat. Unser Film ist wahrscheinlich weniger ein Film über Neruda als einer in seinem Geiste – vielleicht ist er auch beides zusammen. Wir wollten einen Roman erzählen, von dem wir gerne hätten, dass Neruda ihn mit Vergnügen liest.“
Das Drehbuch schrieb der weltweit gefeierte Autor und Dramatiker Guillermo Calderón, die Kamera führte wie in allen Filmen von Pablo Larraín Sergio Armstrong, für den Schnitt war der  Oscar-nominierte Hervé Schneid (DIE  FABELHAFTE WELT DER AMELIE) zuständig. In den Hauptrollen brillieren Gael García Bernal (BABEL, DIE REISE DES JUNGEN CHE) als  Peluchonneau, die chilenischen Ausnahmeschauspieler Luis Gnecco (¡NO!), der für seine Verkörperung Nerudas 25 Kilo zulegen musste, und Alfredo Castro (EL CLUB) als Präsident Videla sowie die Grande Dame des argentinischen Kinos, Mercedes Morán, als Delia del Carril.


Interview mit PABLO LARRAÍN

WIE HABEN SIE SICH DEM THEMA, DER FIGUR PABLO NERUDA GENÄHERT?
Wir sehen und empfinden Pablo Neruda als einen Künstler, einen Schaffenden, der so komplex  und weitreichend ist, praktisch unendlich, dass es unmöglich  ist, ihn in eine einzige Kategorie zu packen und einen Film mit dem Anspruch zu machen, diese Persönlichkeit oder seine Arbeit kompakt und im Schnelldurchgang darzulegen und zu definieren. Aus diesem Grund haben wir die Geschichte der Flucht, der Fahndung und der literarischen Legende gewählt. Für uns ist „Neruda“ ein „Anti-Biopic“, ein Biopic, das keines ist. Wir haben uns entschieden, einen Film mit spielerischen und erfundenen Elementen zu machen, in einer Weise, dass das Publikum Neruda ein Stück seines Weges begleiten und so in seine  Dichtung, seine Erinnerung und seine  kommunistische Ideologie hineintauchen kann.

WARUM WOLLTEN SIE KEIN KONVENTIONELLES BIOPIC MACHEN?
Biopics sind eine gefährliche Sache, denke ich. Ich habe vier Biografien über Neruda gelesen, unzählige Essays, seine Autobiografie, ich habe mit Leuten gesprochen, die ihn gekannt haben, ich habe einen Film gemacht, der „Neruda“ heißt. Und ich kann Ihnen nicht sagen, wie Neruda wirklich war. Er ist nicht zu fassen, es ist nicht möglich, ihn in eine Schublade zu stecken. Der Kosmos, den er geschaffen hat, ist unermesslich. Neruda hat über ganz verschiedene Dinge auf vielfältige Arten  und Weisen geschrieben, sein Werk ist ungeheur komplex und tief und vielschichtig. Wenn man das einmal verstanden hat, gibt einem das eine große Freiheit.

WIE  SEHEN  SIE  DAS  SPANNUNGSVERHÄLTNIS  VON  NERUDAS  KÜNSTLERISCHEM  SCHAFFEN  UND  DEN  POLITISCHEN  EREIGNISSEN  IM  CHILE  DER  SPÄTEN 40ER JAHRE?
In  der  Zeit, in der er abgetaucht war, hat Neruda einen großen Teil des „Canto General“ geschrieben, das vielleicht sein bedeutendstes, komplettestes und riskantestes Buch ist, inspiriert von allem, was er sah und erlebte während sei-ner Flucht. Sein Schreiben ist voller Wut und Einbildunskraft, voller furchtbarer Träume. Es ist eine allumfassende, kosmische Beschreibung Lateinamerikas in der Krise, voller Zorn, Verzweiflung und Zärtlichkeit. Neruda schuf ein politisches Werk über Krieg, Wut und Dichtung, während er selbst auf der Flucht war. Das hat uns die Tür zu freier Imagination geöffnet. Ähnlich wie uns das bei Neruda und  seinem  Werk  begegnet  ist,  will  der  Film  aus  einer  filmischen und literarischen Perspektive eine Sphäre schaffen, in der Kunst und Politik sich durchdringen. Wir haben uns zum Beispiel bewusst dafür  entschieden, uns weniger. 

WIE SEHEN SIE DAS SPANNUNGSVERHÄLTNIS VON NERUDAS KÜNSTLERI-SCHEM  SCHAFFEN UND DEN POLITISCHEN EREIGNISSEN IM CHILE DER SPÄTEN 40ER JAHRE?
In  der  Zeit, in der er abgetaucht war, hat Neruda einen großen Teil des „Canto General“ geschrieben, das vielleicht sein bedeutendstes, komplettestes und riskantestes Buch ist, inspiriert von allem, was er sah und erlebte während seiner Flucht. Sein Schreiben ist voller Wut und Einbildunskraft, voller furchtbarer Träume. Es ist eine allumfassende, kosmische Beschreibung Lateinamerikas in der Krise, voller Zorn, Verzweiflung und Zärtlichkeit. Neruda schuf ein politisches Werk über Krieg, Wut und Dichtung, während er selbst auf der Flucht war. Das hat uns die Tür zu freier Imagination geöffnet. Ähnlich wie uns das bei Neruda und  seinem  Werk  begegnet ist, will der Film aus einer filmischen und literarischen Perspektive eine Sphäre schaffen,  in der Kunst und Politik sich durchdringen. Wir haben uns zum Beispiel bewusst dafür entschieden,  uns weniger auf seine Liebesgedichte zu konzentrieren, die bis heute überall auf der Welt berühmt  sind, sondern auf die Gedichte, die Wut und Zorn in sich tragen, die Politik und Ideologie mit Poesie verbinden.

SIE ZEIGEN NERUDA AUCH IM WIDERSPRUCH ZWISCHEN POLITISCHER  ÜBERZEUGUNG UND DEM EIGENEN LEBEN ALS BONVIVANT.
Neruda war ein großer Liebhaber guter Küche, des Weins, der Frauen, der Literatur – das im Film wegzulassen, wäre mir grausam vorgekommen. Und falsch. Der Widerspruch zwischen politischen  Positionen  und  eigenem Leben  musste  vorkommen.  Was Pablo Neruda gerade im Canto  General geschafft hat, war, Chile aus der Poesie heraus zu beschreiben. Hätte er auf eine andere  Weise  gelebt, hätte er diese Gedichte vielleicht nicht schreiben können. Die Dichtung von Neruda ist auch ein Ergebnis seines Lebens.
DIE ÄHNLICHKEIT VON LUIS GNECCO MIT PABLO NERUDA IST VERBLÜFFEND. HAT DAS MASKENBILD VIEL DAZUBEIGETRAGEN?
Da Luis Gnecco eine Glatze hat, haben wir eine Perücke gebraucht, das war alles. Die große Herausforderung für Luis bestand darin, auf das Gewicht von Neruda zu kommen: Das war eine  kleine Tragödie für ihn, denn seit ich ihn kenne, hat er immer mit seinem Gewicht gekämpft. Als ich ihn gefragt habe, ob er Neruda spielen wolle, hatte er es gerade geschafft, abzunehmen – und nun musste er für die Rolle wieder 25 Kilo zulegen. Ich bin sehr glücklich, dass er das gemacht hat, er ist fantastisch. Und nach dem Dreh hat er es geschafft, die Neruda-Kilos wieder loszuwerden.

WAS HAT SIE AN DEM MOTIV VON NERUDAS FLUCHT GEREIZT?
Pablo Neruda mochte Krimis – darum ist der Film als Road Movie mit dem Motiv der  polizeilichen  Ermittlung  angelegt:  Genres,  die  überraschende  Wendungen  einbeziehen, sich entwickelnde Charaktere und wie bei uns auch Elemente der Farce und des Absurden. Wir sehen die Landschaften und die Bewegungen in ihr als einen Prozess der Transformation, des Begreifens, der Illumination. Kei-ner endet hier so, wie er begonnen hat, weder der Jäger noch der Gejagte. Wir wollten  eine  Welt  erfinden, so wie Neruda sich die seine erfunden hat. Unser Film ist wahrscheinlich weniger ein Film über Neruda als einer in seinem Geist – vielleicht ist er auch beides zusammen. Wir wollten einen Roman erzählen, von dem wir gerne hätten, dass Neruda ihn mit Vergnügen liest.
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Donnerstag 09.02.2017
ELLE
Ab 16. Februar 2017 im Kino
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Michèle (Isabelle Huppert), Chefin einer erfolgreichen Firma für Videospiele, wirkt wie eine Frau, der nichts etwas anhaben kann. Unnahbar führt sie mit der gleichen Präzision und Kalkül ihre Firma wie ihr Liebesleben. Als Michèle eines Tages in ihrem Haus von einem Unbekannten angegriffen und vergewaltigt wird, scheint sie das Vorgefallene zunächst kalt zu lassen. Doch ihr Leben ist über Nacht ein anderes geworden. Resolut spürt sie den Angreifer auf und verstrickt sich mit ihm in ein gefährliches Spiel aus Neugier, Anziehung und Rache. Es ist ein Spiel, das jederzeit außer Kontrolle geraten kann …
Mit Ende Siebzig ist Paul Verhoeven (BASIC INSTINCT, ROBOCOP) nach mehr als 15 Jahren zum Genrefilm zurückgekehrt - und hat für ELLE die vielleicht besten Kritiken seiner langen Karriere bekommen. Ausgerechnet für einen Rape-Revenge-Thriller, der provokant mit Opfer- und Täterrollen spielt, trotz des Themas erstaunlich humorvoll ist und auf jegliche Moralisierung verzichtet. Das verdankt Verhoeven nicht zuletzt Isabelle Huppert, die einer fast unmöglichen Rolle absolute Glaubwürdigkeit verleiht.
ELLE feierte seine umjubelte Weltpremiere auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2016.
Basiert auf Philippe Djians („Betty Blue“) Roman „Oh…“.
Für die Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ wurde ELLE von Frankreich als Oscar-Beitrag 2017 ausgewählt. Zudem gibt es Gerüchte über Isabelle Hupperts Aussichten, bei den Academy Awards 2017 den Preis „Beste Hauptdarstellerin“ zu gewinnen. Als sie gefragt wurde, ob sie den Oscar gerne gewinnen würde, lautete ihre Antwort: „Nennen Sie mir eine Schauspielerin, die das nicht möchte.“
ELLE von Paul Verhoeven ist neben jeweils zwei weiteren Filmen in den Hauptkategorien "Bester Film", "Beste Regie" sowie "Beste Darstellerin" (Isabelle Huppert) für den 29. Europäischen Filmpreis nominiert.

Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling u.a.


Pressezitate

„Paul Verhoevens ELLE ist ein brillant-abgründiges, progressives, sauvergnügliches Spiel mit den Regeln des Thriller-Genres, der Rolle der Frau und dem guten Geschmack – anspruchsvoll, nie vorhersehbar und bis zur Schmerzgrenze politisch unkorrekt.“ Filmstarts.de

„Das Beeindruckende und Überraschende an diesem Film ist die Art, mit der Verhoeven seinen Stil und seine Weltsicht an einen typischen französischen Film anpasst: Es gibt verschiedene Liebhaber, Familienkrisen, furchtbare Eltern – in diesem Fall ein Vater, der einen Massenmord beging, als Michèle ein Mädchen war – und ein gewisses je ne sais quoi, das einen alles, selbst eine brutale, einschneidenden Attacke mit Vorsicht genießen lässt.“ Hollywood Reporter

„Ein hochriskanter Stoff liefert unerwarteten Lohn in diesem bemerkenswerten Rape-Revenge-Drama, einem möglichen Karriere-Highlight für Paul Verhoeven.“ Variety

„Die Spannung in ELLE kommt weniger von Verhoeven selbst, sondern von Huppert, die es schafft, in jedem Moment extrem kontrolliert und vollkommen unvorhersehbar zu sein. Nicht nur, dass man nicht weiß, was sie als nächstes tun wird, man bekommt den Eindruckt, dass es selbst Michèle nicht weiß. Dass sie von ihren Instinkten zu einer spirituellen Reinigung geleitet wird, die sie selbst nicht vollständig versteht.“ BBC
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Donnerstag 02.02.2017
DER EID
Ab 09. Februar 2017 im Kino
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Finnur (BALTASAR KORMÁKUR) ist ein liebevoller Familienvater und ein erfolgreicher Herzchirurg in Reykjavík. Nur seine volljährige Tochter Anna macht ihm Sorgen; sie wohnt nicht mehr zu Hause und konzentriert sich lieber auf rauschende Partys als auf ihre Ausbildung. Als Anna sich dann auch noch in den äußerst zwielichtigen Ottar verliebt, droht sie noch tiefer abzurutschen. Der besorgte Finnur versucht alles, um Anna von Ottars schädlichem Einfluss fernzuhalten, doch gerät er dadurch selbst ins Fadenkreuz des Drogendealers Ottar und dessen Machenschaften. Unausweichlich sieht sich Finnur vor die Frage gestellt, wie weit er gehen muss, um seine Familie zu beschützen.

Ein Film von BALTASAR KORMÁKUR
Mit BALTASAR KORMÁKUR, HERA HILMAR, GÍSLI ÖRN GARÐARSSON, MARGRÉT BJARNADÓTTIR



INTERVIEW MIT BALTASAR KORMÁKUR

 

Wie kam es zu der Entscheidung, nach vier Jahren in Hollywood wieder für ein Filmprojekt  in Ihre Heimat Island zurückzukehren?
Ich arbeite ja bereits seit längerem auf beiden Seiten des großen Teichs, deshalb habe ich Island auch nie wirklich für Hollywood verlassen. Während ich international meinen Weg gegangen bin, habe ich mich immer weiter intensiv um meine Firma RVK Studios und meine Karriere in Island gekümmert. Es ist natürlich großartig für mich, an großen Projekten im Ausland zu arbeiten, die dann auch recht erfolgreich waren. Das hat mir nicht zuletzt die finanziellen Möglichkeiten eröffnet, die RVK Studios so stark aufzustellen. Bei RVK produzieren wir auch zahlreiche Projekte anderer Filmemacher, sowohl von erfahrenen Regisseuren als auch von Newcomern. Ich finde es unheimlich spannend, meinen relativen Erfolg außerhalb Islands dazu zu nutzen, neue heimische Talente zu fördern und die isländische Filmlandschaft weiter zu stärken.

 

War für DER EID Island der einzig mögliche Drehort für Sie? Und wenn dem so ist, was macht den Film so besonders "isländisch"?
Ursprünglich erzählt DER EID eine isländische Geschichte. Wir haben dann für die Finanzierung das Skript komplett ins Englische übersetzt und uns wurde nahegelegt, den Dreh nach England zu verlegen. Ich habe mich dann aber letzten Endes damals dazu entschlossen, den Film komplett in meiner Heimat zu produzieren und ihn so "isländisch" wie möglich zu machen. Die Geschichte kann natürlich überall so passieren. Aber ich finde, nur in Island kann sie so wunderbar klaustrophobisch sein. Island ist ein winziges Land, jeder kennt jeden und die Wege sind kurz. Ich habe versucht, vor allem die isländische Natur, die Elemente in die Story einfließen zu lassen. Ich denke, eine gute Geschichte kann letztlich überall spielen. Die Authentizität, die ein bestimmter Ort filmisch vermittelt, ist dabei immer so etwas wie die richtigen Gewürze in einem gelungenen Gericht. Der Ort verleiht einer guten Story einen ganz speziellen Geschmack.

 

Für DER EID haben Sie nicht nur als Produzent agiert sowie Drehbuch und Regie übernommen, sondern wie schon in 101 REYKJAVIK auch die Hauptrolle gespielt. Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, wieder gleichzeitig vor und hinter der Kamera zu stehen?
Als ich meinem ersten Film 101 REYKJAVIK gedreht habe, war ich in Island als Schauspieler bereits relativ bekannt. Das Produktionsteam hat mich damals im Grunde dazu überredet, auch selbst eine kleine Rolle zu übernehmen, was ich dann auch eher widerwillig getan habe. Ehrlich gesagt, ich fand meine Performance nicht sonderlich berauschend und hatte danach überhaupt kein Interesse mehr daran, in meinen eigenen Filmen mitzuspielen. Was bei DER EID aber den Ausschlag gegeben hat, war diese besondere Rolle, diese Figur, mit der ich mich sehr gut identifizieren konnte. Also dachte ich, dass ich die beste Besetzung für diese Rolle sein könnte.

 

Wie haben Sie es geschafft, diese unterschiedlichen Aufgaben vor und hinter der Kamera am Set unter einen Hut zu bekommen? Gab es dabei Situationen in denen es besonders gut – oder solche, in denen es gar nicht funktioniert hat?
Dadurch, dass ich die Hauptrolle übernommen habe, dauerte der ganze Dreh zunächst deutlich länger als gewöhnlich. Ich habe mich vorbereitet, die Szene gedreht, und habe dann hinter die Kamera gewechselt, um mir die Takes anzuschauen und meine Performance zu beurteilen. Ich habe mir ausgiebig Zeit gelassen und konnte dadurch meine Rolle als Familienvater Finnur sehr detailliert spielen. Ich glaube, ich bin selbst mein größter Kritiker, und was meine schauspielerische Leistung angeht deutlich strenger als andere Regisseure, mit denen ich gearbeitet habe. Was ich als sehr vorteilhaft empfunden habe, ist, mit den anderen Schauspielern vor der Kamera zu stehen und sie gleichzeitig als Regisseur zwischen den Takes anzuleiten. Das stellt eine besondere Nähe her und ich glaube, dass das auch den anderen Darstellern sehr entgegen kam. Mein ursprünglicher Hintergrund als Schauspieler hat mir bei meiner Arbeit als Regisseur generell geholfen und ich kann dadurch vielleicht einfach ein besonderes Verhältnis zu meinem Cast entwickeln. Auf der anderen Seite hat mir meine Arbeit hinter der Kamera dabei geholfen, ein besserer Schauspieler zu werden. Schlechte Erfahrungen habe ich bei dieser Doppelbelastung nie machen müssen, es ist einfach sehr viel Arbeit, die viel Zeit braucht und die bei DER EID zum Ende hin etwas ermüdend wurde. Ich musste mich ja auch vor und während des Drehs in eine gute Form bringen, denn zum einen ist meine Filmfigur ein absoluter Triathlon-Fanatiker, zum anderen habe ich die meisten Stunts selbst gemacht.

 

Wie kam es zu diesem Projekt? Gab es eine konkrete Inspiration für die Geschichte?
Ursprünglich kam ich durch Olafur Egill Egilsson zu dieser Geschichte, die lose auf den tatsächlichen Erlebnissen seiner Schwester basiert. Ich glaube, der Plot ergab sich zum Teil aus dem, was Olafur in seiner Fantasie gerne ihrem misratenen Freund hätte antun wollen. Ich war sofort fasziniert von der Grundidee, aber die eigentliche Story brauchte noch einige Entwicklungszeit und jede Menge Änderungen. Tatsächlich kannte ich von Freunden und Bekannten bereits ähnliche Geschichten und je mehr wir mit dem Drehbuch vorankamen, desto deutlicher realisierte ich, dass solche Geschichten tatsächlich relativ häufig passieren.

 

Wie sind Sie bei der Wahl Ihrer Darsteller/Innen vorgegangen? Wie kamen Sie auf Hera und Gísli?
Obwohl ich mittlerweile die meisten Schauspielerinnen und Schauspieler in meiner Heimat kenne, brauche ich trotzdem immer viel Zeit für Castings. Ich möchte dabei jemanden Unerwartetes finden, jemanden, der vielleicht nicht die offensichtliche erste Wahl ist. Bei Hera war mir schon nach dem ersten Probelesen klar, dass sie die einzig Richtige für die Rolle ist. Sie ist eine starke Schauspielerin, die in der Lage war, auch in den schwierigen Szenen, die ihre Rolle mitbringt, immer eine starke Kamerapräsenz zu wahren. Gísli kam dagegen erst relativ spät dazu. Ich suchte verzweifelt nach der richtigen Besetzung für seine Rolle und irgendwie kam er mir anfangs dafür überhaupt nicht in den Sinn, auch wenn er zweifelsfrei ein toller Schauspieler ist. Ich habe mich wahnsinnig schwer getan mit der Suche nach dem richtigen Darsteller für diese Figur, die einerseits auf ihre Weise charmant sein musste, andererseits auch aggressiv und zwielichtig. Die Rolle ist facettenreich und gleichzeitig muss es glaubhaft rüberkommen, warum sich Anna von ihm derart angezogen fühlt. Letztlich hat Selma, die mit mir gemeinsam die Castings geleitet hat, Gísli vorgeschlagen. Sie hatte bereits des Öfteren mit ihm gearbeitet und obwohl ich nicht wirklich überzeugt war, haben wir ihn getestet. Nach dieser Probe war ich unheimlich positiv überrascht und musste mir eingestehen, dass ich die ganze Zeit den besten Kandidaten für die Rolle übersehen hatte. Beim Dreh selbst entwickelte sich schnell eine sehr angenehme Chemie zwischen uns und letztlich haben die beiden meine Erwartungen weit übertroffen.

PRESSESTIMMEN

"DER EID ist ein kompakt inszeniertes psychologisches Thriller-Drama mit doppeltem Boden, das grundsätzliche Fragen über die menschliche Natur aufwirft." Filmstarts

"Fesselndes Kino aus Island à la Hitchcock." ICS Films

"Ein starker und intelligenter Thriller." Screen

"Ein Film, der sich allzu einfachen Lösungen verweigert - nachvollziehbar und sehr real." kino-zeit.de
Autor: Siehe Artikel
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