Blickpunkt:
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Inhaltsverzeichnis
DAS ENDE IST DER ANFANG

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EXPEDITION HAPPINESS

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EIN DORF SIEHT SCHWARZ

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STILLE RESERVEN

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DANCING BEETHOVEN

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Ü 100

30

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Donnerstag 04.05.2017
DAS ENDE IST DER ANFANG
Ab 11. Mai 2017 im Kino
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Gilou (Bouli Lanners) und Cochise (Albert Dupontel) fahren mit ihrem Pick-Up durch endlose Weiten. Sie sollen ein verlorenes Handy mit sensiblen Informationen orten und ihrem Auftraggeber aushändigen. Eine Nadel in einem verdammten Heuhaufen. Was die beiden an diesem gottverlassenen Ende der Welt machen ist klar, was aber suchen Esther (Aurore Broutin) und Willy (David Murgia) hier, ein Paar, das nicht nur verliebt ist, sondern auch auf der Flucht? Was will der Mann (Philippe Rebbot), der sich Jesus nennt und seltsame Wundmale an den Händen trägt? Und woher kommt die Mumie im Schlafsack?

Regie und Drehbuch; Bouli Lanners
Mit Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément, Michael Lonsdale, David Murgia, Aurore Broutin, Philippe Rebbot und mit der außergewöhnlichen Beteiligung von Max von Sydow.


So karg die Landschaften, so skurril sind die Leute und so lakonisch die Dialoge. Harte Kerle zeigen hier auch mal eine andere Seite, die Liebe versteckt sich hinter rauen Fassaden, Mord begegnet Moral, Zweifel trifft auf Hoffnung und Gewalt auf Glaube.
Regisseur Bouli Lanners überrascht dabei immer wieder mit einem unerwarteten Blick auf seine Charaktere, die sich allesamt am Rande der Gesellschaft bewegen. Er ist an der Seite von Albert Dupontel auch in einer der der Hauptrollen zu sehen, mit ihren Auftritten begeistern zudem Michael Lonsdale als Blumen züchtender Pensionsbesitzer und Max von Sydow, der als Priester ein eindrucksvolles Abschiedslied für eine unbekannte Leiche singt.


INTERVIEW MIT BOULI LANNERS

Woher kam die Idee zu diesem Film?
Am Anfang war es lediglich ein Bild, das mir ins Auge sprang, als ich im Nachtzug von Toulouse nach Paris unterwegs war und nicht schlafen konnte. Ich sah etwas, das aussah wie eine Startrampe aus Beton, die sich über Kilometer durch die Landschaft zog. Ich wusste nicht, was es war, dachte es sei ein Aquädukt. Ich notierte mir die Namen der Bahnhöfe, an denen wir hielten, kehrte zurück an den Ort, und das war es dann.
(Anmerkung: Es handelte sich um die Gleise einer Einschienenbahn, die 1968 als Verbindung zwischen Orléans und Paris gebaut und 1977 außer Betrieb genommen wurde.)

Wie ging es weiter?
Dieses Bild hat mich inspiriert, eine Geschichte über zwei Menschen zu schreiben, die am Rande der Gesellschaft leben, beide extrem fragil, und beide sollten auf einer geraden Linie laufen und damit jede klassische Form der Geografie außer Kraft setzen. All die anderen Elemente des Films kamen dann zur Idee dieser beiden Charaktere auf der Flucht hinzu: Cochise und Gilou, die Suche nach einem gestohlenen Handy, die verwaiste Stadt, die Mumie etc.

Wie haben Sie das Drehbuch geschrieben?
Ich habe eineinhalb Jahre vergeblich damit verbracht. Dann bekam ich zufällig eine Unterhaltung mit und mir wurde klar, dass viele Menschen daran glauben, dass das Ende der Welt kurz bevor stehen könnte - und nicht nur ich! Plötzlich machten diese Einschienenbahn, das Pärchen auf der Flucht, all die Bruchstücke Sinn, und innerhalb von fünf Wochen stand das Drehbuch. Für die Entwicklung der Charaktere habe ich auf persönliche Erfahrungen zurückgegriffen, insbesondere bei Gilou, der mir sehr nah ist.

War Albert Dupontel als Cochise gesetzt?
Es gab nur einen, der dieses Duo Cochise und Gilou vollkommen machen konnte, und das war er. Ich kenne ihn gut, bewundere ihn, und wir haben schon oft zusammen gearbeitet. Er ist ein sehr rationaler Mensch, sehr fürsorglich, sehr warm und dennoch sehr zurückhaltend. Im echten Leben haben wir die gleiche Beziehung wie Cochise und Gilou im Film. Unabhängig davon ist er ein außergewöhnlicher Schauspieler, der dieses Besondere ausstrahlt, das Cochise zu einem kaltblütigen Tier macht, zu einem echten Killer.

Ein paar Worte zu Esther und Willy bitte, dem jungen Paar auf der Flucht.
Esther und Willy bewegen sich am Rande der Gesellschaft. Ich mag fragile Charaktere, die jeden Moment hinfallen können. Da ist so etwas wie eine absolute Reinheit in ihnen, die zu dem Bild passt, das ich von den ersten Menschen habe. Das heißt, sie verkörpern das Beste im Menschen.

Warum DAS ENDE IST ERST DER ANFANG?
Es gibt ein immer wiederkehrendes Thema in all meinen Filmen: Die kaputte Familie, die wir mit allen Mitteln wieder zusammenbringen möchten. Was uns — die wir vielleicht die letzten sind — mit den ersten Menschen verbindet, ist dieses absolute Bedürfnis nach einem Leben in Gemeinschaft. Ich mag den Gedanken, dass es da noch eine Verbindung zu ihnen gibt, das beruhigt mich. Die ersten Menschen hatten, anders als Tiere, ein Bewusstsein, und sie suchten nach dem Göttlichen. Auch wenn mein Glaube etwas angeschlagen ist, tue auch ich das noch. Wir mögen vielleicht die letzten Menschen sein, aber so sehr unterscheiden wir uns nicht von den ersten.

Bitte auch ein paar Worte zu Max von Sydow und Michael Lonsdale.
Unabhängig vom Privileg, mit ihnen arbeiten zu dürfen, war es das Bild des Vaters, das ich mit ihren Rollen und ihnen schaffen wollte. Es bedurfte zweier Charaktere, die älter sind als Gilou, körperlich zerbrechlicher aber moralisch wesentlich stärker. Was Gilou braucht, um wieder auf den rechten Weg zu kommen, ist ein Vater, der ihm helfen und klar machen kann, dass seine eigene Zerbrechlichkeit relativ ist.

Und dann gibt es da Jesus, gespielt von Philippe Rebbot.
Philippe ist ein Jesus wie von El Greco erdacht. Wir haben uns bei Dreharbeiten kennengelernt und
wurden zu Brüdern. Ich habe zu ihm gesagt: „Du wirst Jesus sein. Du nimmst deine Brille ab, und du wirst Jesus‘ Güte in deinen Augen haben.“ Für mich ist Rebbot in diesem Film ein echter Jesus, ein Mann mit Zweifeln, ein Mann, der weiß, dass ihn ein vorbestimmtes Schicksal erwartet, der aber nicht weiß wo. Ein Mann, der keine Angst davor hat, sein Gewehr zu benutzen. Ein Revolverheld-Jesus! Er ist mein Jesus, vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack, aber das stört mich nicht.

Die Beauce (Anm.: eine dünn besiedelte Gegend in Frankreich) mitten im Winter bietet ein prachtvolles und wildes Setting, fast so wie das eines Westerns…
Ja, diese unendlichen Weiten sind wirklich wunderschön, sehr malerisch, wie in einigen Western. Aber es war die Hölle, mit diesem unbarmherzigen eisigen Wind. In Cinemascope sieht diese Wildnis großartig aus, aber es war hart.

Wie sind Sie die Kamera und den Look des Films angegangen?
Im heutigen Denken ist eine Art von existentiellem Pessimismus offensichtlich. Das kann ich nachvollziehen. Ich bin durch eine schwere Zeit gegangen, in der mich der Gedanke an den Tod nicht losgelassen hat. Dies musste ich durch eine Geschichte, einen Film austreiben. Das heutige Denken in Richtung „Unterhaltung und Lachen über alles“ macht mich krank, eine Komödie kam daher für mich nicht in Frage. Die Zeit war reif, einen dunkleren Film zu machen. Und es ist ok, einen dunklen Film zu machen.

Aber es ist kein Film ohne Hoffnung.
Nein, überhaupt nicht. Paradoxerweise ist es der einzige Film, den ich jemals gemacht habe, der gut endet. Selbst wenn dies das Ende der Welt ist, selbst wenn Krankheiten unser Leben verkürzen: Die Zeit, die uns bleibt, muss voll ausgekostet werden. Für mich ist dieser Film eine echte Botschaft der Hoffnung.



BOULI LANNERS
BOULI LANNERS, geboren 1965 im belgischen Moresnet-Chapelle, wechselte nach einem Studium der Malerei an der Académie Royale des Beaux Arts in Liège ins Schauspielfach, seit 1995 führt er auch selbst Regie. Mit seinem Kurzfilm Muno war er 2002 für den Europäischen Filmpreis nominiert, sein Spielfilmdebüt gab er 2005 mit Ultranova. Mit Kleine Riesen (2011) wurde er in die Quinzaine des Réalisateurs in Cannes eingeladen. Filme, in denen er als Schauspieler zu sehen war, sind u.a. 25 Grad im Winter (2004), Louise Hires a Contract Killer (2008), Mammuth (2010), Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) und Ich bin tot, macht was draus! (2015).



INTERVIEW MIT ALBERT DUPONTEL

Wie haben Sie Bouli Lanners kennengelernt?
Am Set von Dead Man’s Hand, einem ungewöhnlichen belgischen Film. Die Verbindung zu ihm hat sich gut angefühlt, ich konnte es gar nicht erwarten, wieder mit ihm zu arbeiten.

Wie erklären Sie sich, dass Sie — nicht zum ersten Mal — zwei sehr ähnliche Charaktere spielen?
Wir sind eine Generation, haben einen sehr ähnlichen Geschmack, lachen über die gleichen Dinge und haben die gleichen Ängste.

Wie haben Sie reagiert, als Bouli Sie auf DAS ENDE IST ERST DER ANFANG angesprochen hat?
Überrascht, dass er an mich dachte. Erfreut, dass er mich fragte. Und dann begann die Angst, an mir zu nagen, ihn zu enttäuschen.

Wie hat er Ihnen den Film präsentiert?
Als Geschichte einer starken und soliden Freundschaft, in deren Rollen er sich uns beide vorstellen würde.

Bitte ein paar Worte zur Figur Cochise und dem Duo, das er mit Gilou bildet.
Cochise ist das stille Gewissen der beiden: Weniger ängstlich, ruhiger, wahrscheinlich verzweifelter.
Während sich Gilou Sorgen macht, hat Cochise damit aufgehört, sich zu sorgen und akzeptiert fatalistisch, was die Zukunft bringt. Er beruhigt ihn, bemuttert ihn und hilft ihm zurück auf die Füße, weil er Gilou genauso sehr braucht wie Gilou ihn.

Wie liefen die Dreharbeiten?
Ich bewundere Boulis Bestimmtheit sehr, seine Präzision, seine feinsinnige und intelligente Art, die
Schauspieler zu führen. Ich hatte eine tolle Zeit, er schaffte es, seine Angst unter Kontrolle zu halten und konnte sogar hin und wieder mit mir lachen.

Hat das Wetter Ihre Arbeit und den Film generell beeinflusst?
Kälte motiviert einen und schärft die Konzentration, man hängt einfach nicht so gern rum. Die Beauce hat einem überhaupt keine Chance zur Flucht gelassen und hat mein Konzentrationslevel sogar noch weiter erhöht.

Wie stehen Sie zu den Themen des Films: Freundschaft, das Ende der Welt, Freiheit und Liebe.
Es gibt Themen, die liegen Bouli sehr am Herzen, und die teile ich auch. Ich habe genau verstanden, worum es ihm ging, meine einzige Sorge war tatsächlich nur, dass ich das nicht schaffen würde.

Und die spirituelle Dimension des Films?
Das ist eine sehr persönliche, deutliche und kompromisslose Reflexion über die Unwahrscheinlichkeit der Existenz und die merkwürdigen Mysterien, die uns umgeben. Bouli beantwortet diese Fragen mit großer Sensibilität und tiefsinniger Menschlichkeit.

Sie arbeiten selbst als Regisseur. Welchen Eindruck haben Sie von Bouli in dieser Rolle?
Präzise, sorgfältig, er fängt seine Umgebung so ein, dass er sie optimal für das Kino umsetzt. Eine
Hymne an das Leben genauso wie er auch seine Nase in den Tod steckt.

Ein paar Worte über Gibus?
Gibus ist für Bouli das, was Struppi für Tim ist. Das sagt alles.

Eine Anekdote?
Alles lief gut. Und das, glauben Sie mir, ist wirklich eine verdammt gute Anekdote.

(Quelle: Verleih)
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 27.04.2017
EXPEDITION HAPPINESS
Ab 04. Mai 2017 im Kino
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Der neue Kinofilm des PEDAL THE WORLD-Teams FELIX STARCK UND SELIMA TAIBI UNTERWEGS VON ALASKA BIS MEXIKO

„Routine ist der Feind des Fortschritts“ – finden Felix Starck, Filmemacher (PEDAL THE WORLD) und seine Freundin Selima Taibi, Sängerin, besser bekannt als Mogli. Sie haben sich kennengelernt, als er den Globus mit seinem Fahrrad umrundete und sie ihn einige Wochen in Neuseeland begleitete.
Entstanden ist daraus mit PEDAL THE WORLD der erfolgreichste deutsche Dokumentarfilm der letzten Jahre. Die beiden leben im kreativen Berlin, als sie die Idee zu ihrem neuesten Projekt EXPEDITION HAPPINESS haben.
Vom Weltreisen zurück fällt ihnen in der lauten, dreckigen Stadt die Decke auf den Kopf. War es das? Liegt das Lebensglück in einem Loft in Wedding? Wieso Berlin? Wieso Deutschland? Und wieso eigentlich ein fester Wohnsitz? Als sie im Internet einen alten Schulbus entdecken, ist sofort klar – das ist es.
Nur 4 Wochen später sitzen sie im Flieger nach Amerika. Mit im Gepäck jede Menge Kameraausrüstung, um das Erlebte zu dokumentieren.

EXPEDITION HAPPINESS – ein Filmemacher, eine Sängerin, ein Berner Sennenhund und ein Schulbus, den die beiden zu einem „Loft on Wheels“ umgebaut haben, das sind die Zutaten einer Reise quer über den amerikanischen Kontinent, von Alaska bis Mexiko. Sie sehen wilde Wölfe, Elche und einen Grizzly. Sie reisen zu Gletschern und durchqueren Wüsten und Dschungel. Hund Rudi wird operiert und die mexikanische Armee kreist sie nachts ein. Sie stehen vor dem höchsten Gipfel und am tiefsten Punkt Nordamerika- Sinnbild für die Achterbahnfahrt ihrer Gefühle, an denen sie den Zuschauer teilhaben lassen.


EXPEDITION HAPPINESS ist nah, tief, ungefiltert und sehr persönlich. Ein Abenteuer und eine Suche nach dem Glück, jenseits aller ausgetretenen Pfade.
Felix Starck und Selima Taibi („Mogli“) haben den neuen Film genau wie den Kinoerfolg PEDAL THE WORLD komplett alleine produziert und bringen ihn auch selbst in die Kinos. Untermalt ist der Film mit dem wundervolle Soundtrack von Mogli, die ihre einfühlsamen Songs auf dieser Reise geschrieben hat.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 21.04.2017
EIN DORF SIEHT SCHWARZ
Ab 20. April 2017 im Kino
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Ein unwiderstehliches Feel-Good-Movie der anderen Art aus dem Land der Sch'tis. Ein Plädoyer für Toleranz und dem nicht immer ganz einfachen Weg zum friedlichen Miteinander. Ein kleines Wunder zu einem Thema von brisanter Aktualität.


Frankreich 1975: Seyolo Zantoko ist Arzt und stammt aus dem Kongo. Als er einen Job in einem kleinen Kaff nördlich von Paris angeboten bekommt, beschließt er, mit seiner Familie umzuziehen. Sie erwarten Pariser Stadtleben, treffen aber auf Dorfbewohner, die zum ersten Mal in ihrem Leben einem afrikanischen Arzt begegnen und alles tun, um den „Exoten“ das Leben schwer zu machen. Aber wer mutig seine Heimat verlassen hat und einen Neuanfang in einem fremden Land wagt, lässt sich so leicht nicht unterkriegen...


Ein Film von Julien Rambaldi

mit Marc Zinga, Aïssa Maïga,
Bayron Lebli, Médina Diarra, Rufus, Jonathan Lambert u.a.


Lachen und Weinen, Humor und Gefühl, ein Clash der Kulturen, wie er heftiger nicht sein könnte: Regisseur Julien Rambaldi verbindet in seinem zweiten Film EIN DORF SIEHT SCHWARZ all diese Zutaten zu einem fulminanten Mix aus bewegender und leichtfüßiger Komödie, zielt gekonnt auf Herz und Hirn. Augenzwinkernd nimmt er die muffigen 1970er Jahre auf dem Land unter die Lupe. Paris und die Studentenrevolte von 1968 sind fern, im idyllischen Marly-Gomont erstickt man lieber in Gemütlichkeit.

Toleranz, Durchhaltevermögen und die Hoffnung auf Wandel, gegenseitiges Verständnis und friedliches Miteinander dominieren in dieser feinsinnigen Geschichte. Das Wunderbare: dieses Miteinander ist kein Märchen, sondern Wirklichkeit und Wahrheit. Kamini, bekannter Rapper und Sohn von Seyolo Zantako, landete 2006 einen Hit mit seinem witzigen Song „Marly-Gomont“ und entwickelte die Filmidee vom Ankommen und Bleiben, erzählt im Drehbuch vom Schicksal seiner Eltern – emotional, zärtlich, berührend.

Marc Zinga („Dheepan“, „Das unbekannte Mädchen“) und Aïssa Maïga („Caché“, „Bamako“) spielen das liebenswerte Paar zwischen Anpassung und Stolz auf die eigenen Wurzeln. Klein gestartet, ließen sich im Sommer 2016, durch gute Mundpropaganda, schlussendlich 600.000 Zuschauer von diesem Feel-Good-Movie verzaubern. Im November wurde der Film bei den 33. Französischen Filmtagen Tübingen / Stuttgart mit dem Publikumspreis Stuttgart ausgezeichnet.


LANGINHALT
Eine feucht-fröhliche Studienabschlussfeier an der Medizinischen Fakultät von Lille zu Mitte der 70er Jahre: Seyolo Zantako (Marc Zinga) ist der einzige Afrikaner in der lockeren Runde. Trotz des verlockenden Angebots, Leibarzt des kongolesischen Präsidenten Mobutu zu werden, will er nicht nach Kinshasa zurück, sondern in Frankreich bleiben. Da kommt ihm der Bürgermeister von Marly-Gomont gerade Recht, der verzweifelt einen Arzt für sein Dorf im Norden des Landes sucht, um bei den Neuwahlen wiedergewählt zu werden. Seyolo sagt zu, in der Hoffnung auf die französische Staatsbürgerschaft. Monsieur Ramollu (Jean-Benoït Ugeux) warnt ihn zwar, dass die Dorfbewohner noch nie einen Schwarzen gesehen hätten. Das hindert den jungen Mediziner aber nicht, mutig die Chance auf einen Job zu ergreifen: „Wenn sie noch keinen Schwarzen gesehen haben, wird es Zeit“.

Seyolo holt seine Familie nach, die glaubt, nach Paris zu ziehen und sich riesig auf die glitzernde Seine-Metropole freut. Umso größer ist die Enttäuschung bei seiner Frau Anne, Töchterchen Sivi und Söhnchen Kamini (Aïssa Maïga, Medina Diarra, Bayron Lebli), als sie bei der Ankunft im strömendem Regen in der Pampa stehen. Alles ist grau, kein Eifelturm weit und breit, nur Felder, Matsch und Kühe. Die Wohnung entpuppt sich als feuchte Bruchbude, das Auto als Rostlaube und hinter den Gardinen versteckt, linsen die braven Bürger geschockt auf die neuen Bewohner. Ein herzliches Willkommen sieht anders aus.

Seyolo beschwichtigt die frustrierte Anne und macht ihr Hoffnung, nach Erhalt der Staatsbürgerschaft nach Paris zu ziehen. Den beiden Kindern malt er eine goldene Zukunft aus, wenn sie bereit sind, mehr zu lernen als alle anderen. Auf die neugierige Frage des kleinen Kamini, warum es für Schwarze schwieriger sei, nach oben zu kommen als für Weiße, hüllt er sich in Schweigen. Der Weg zur Schule mit den Kindern gleicht für Anne einem Spießrutenlauf, die Schüler hänseln die Neuen (die „Dunklen“) und auf dem Markt redet der Gemüsehändler mit Anne wie mit einer Idiotin, was die sich aber so gar nicht bieten lässt und ihm heftig Contra gibt. In Seyolos neuer Arztpraxis verirrt sich lediglich eine Schwangere, die beim Anblick des Arztes entsetzt davon läuft und auch der Hausbesuch bei einem Bauern endet mit Schüssen auf den Fremden. Doch unverdrossen glaubt Seyolo weiterhin an Integration nach der Devise: „Wir müssen uns anstrengen, damit sie uns mögen lernen.“ Deshalb soll zu Hause von nun an auch nur noch Französisch gesprochen werden und nicht mehr die kongolesische Landessprache Lingala.

In wenigen Monaten steht die örtliche Gemeinderatswahl an. Dem konservativen Kandidaten Lavigne (Jonathan Lambert) ist Seyolo ein Dorn im Auge. Er warnt ihn, in diesem Teil Frankreichs heiße es „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“.

Als Seyolos Auto auf der Landstraße den Geist aufgibt, hilft ihm der sympathische Bauer Jean (Rufus) und rät ihm zu versuchen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, am besten in der Dorfkneipe. Ein Rat, den Seyolo noch am selben Abend befolgt. Nach dem ersten Erstaunen bricht bei den vergnügten Zechern das Eis. Beim gemeinsamen Dartspielen, Schnaps und Bier nimmt man den Fremden in die Runde auf. Die Ermunterung lautet: „zackhaurin“. 

Nach einer Charme-Offensive und Händeschütteln auf der Dorfstraße rechnet Seyolo mit mehr Akzeptanz und Patienten. Aber erst einmal kommen Heimatgefühle auf, als mit Lärm und Karacho Freunde und Verwandte aus Brüssel heran düsen und gute Laune verbreiten. Ihr „Kongo-Dresscode“, farbgewaltige Markenkleidung und dicke Sonnenbrillen, sorgen für kritische Blicke bei den Nachbarn, aber bei gutem Essen und Getränken sieht die Zukunft der Familie nicht mehr ganz so düster aus.

Tatsächlich scheint es aufwärts zu gehen, das Blatt sich zu wenden: In der Kneipe gibt Seyolo Ratschläge für die verschiedenen Wehwehchen und siehe da, zwei schlichte Gesellen kommen in die Praxis und lassen sich ohne Hemmungen gemeinsam untersuchen. Hämorrhoiden und Filzläuse? Das kann sie nicht erschüttern. Die Rechnung zahlen sie allerdings nicht, schließlich sei Seyolo kein „richtiger Arzt“.
Trotz Geldsorgen und Kerzenlicht mangels Strom halten die Zantokos zusammen und machen aus ihrer Situation das Beste. Nur woher kommt es, dass Seyolo plötzlich ständig nach Stall riecht? Erst einmal schickt ihn Anne ins Bad. Doch dann findet sie heraus, dass ihn sein Arbeitsweg frühmorgens nicht etwa in die Praxis führt. Seyolo schuftet bei Bauer Jean auf dem Hof, um Geld zu verdienen. Das schweißt das Paar noch mehr zusammen, denn es ist ihre Liebe, die über alle Hindernisse hinwegtröstet. Anne hält zu ihrem Mann, auch wenn Lavigne im Dorf böse Gerüchte streut.

Inzwischen hat der Winter Einzug gehalten, Seyolo und die Kinder erleben begeistert den ersten Schnee und ihre erste Schneeballschlacht. Zu Weihnachten kommt die Brüsseler Mischpoke erneut zu Besuch. Nach dem Auspacken der Geschenke wird  opulent getafelt und ganz nebenbei erfährt Anne, dass ihr Liebster aus politischen Gründen den lukrativen Leibarztposten bei Präsident Mobutu ausgeschlagen hat. Vor versammelter Sippe muss er ihr versprechen, Marly-Gomont sobald wie möglich mit ihr zu verlassen. Dann geht es unter Glockengeläut in die Mitternachtsmesse, wo die Gemeinde andächtig „Stille Nacht, Heilige Nacht“ singt. Stimmgewaltig stimmt die afrikanische Truppe gospelartig in den Gesang ein, klatscht, singt und tanzt zum Rhythmus des Weihnachtsliedes, während die Dorfbewohner ungläubig das Spektakel in ihrer Kirche verfolgen. Seyolo befürchtet, dass seine Bemühungen, alles zu tun, damit die Dörfler ihn für „normal“ halten, nun endgültig gescheitert sind. Doch was ist schon normal? Und was bringt es, die eigenen Wurzeln zu verleugnen?

Die Nacht birgt noch weitere Überraschungen. Die aus seiner Praxis geflohene schwangere Bäuerin liegt in den Wehen und ihrem Mann bleibt nichts anderes übrig als Seyolo um Hilfe zu bitten. Unter wüsten Beschimpfungen der Gebärenden, kommt das Baby wohlbehalten zur Welt und mit dem ersten Schrei des Neugeborenen ist alles vergessen. Alle zusammen, die Dorfbewohner, die Zankotos und ihr Anhang, feiern den Neuankömmling. Und die Afrikaner zeigen den Dorfbewohnern, was Feste feiern heißt...

Am nächsten Tag klingelt in der Praxis das Telefon ohne Unterlass. Endlich! Seyolo hat es geschafft, die Leute akzeptieren ihn als Arzt. Anne versucht sich in der Fahrschule und macht alles falsch, was ein Fahrschüler nur falsch machen kann.
Diese Harmonie passt dem hinterhältigen Politiker Lavigne überhaupt nicht in den Kram, will er doch die Wahl gewinnen. Er denkt sich eine neue Intrige aus, um seinem Gegner, dem amtierenden Bürgermeister Ramollu, zu schaden. Denn kein Arzt, keine Stimmen – so sein Kalkül. Ganz überraschend holt die Polizei Seyolo also ab: Seine Sondergenehmigung vom Gesundheitsministerium wurde aufgehoben, bis seine ursprüngliche Nationalität beglaubigt wurde. Seyolos Lebenstraum scheint geplatzt, die zum Greifen nahe französische Staatsangehörigkeit in weite Ferne gerückt. Als wäre das noch nicht genug, will Anne ihn verlassen, weil Bauer Jean und seine Frau ausplaudern, dass Seyolo entgegen seinem Versprechen vorhat, Marly-Gomont treu zu bleiben. Sie packt ihre Koffer und lässt ihren Mann mit den Kindern allein zurück. Seyolo versteht die Welt nicht mehr, er wollte doch nur eines: Anerkennung.

Tage später geht der kleine Kamini mit seinem Vater zum Fußballspiel. Was der Papa nicht ahnt – seine Tochter Sivi, der er das Fußballspielen strikt untersagt hatte, hat es hinter seinem Rücken gegen die hämischen Jungs beim Fußballspiel auf dem Schulhof durchgesetzt und tritt nun ganz offiziell in der Dorfmannschaft an. Ihre Fans befeuern die „schwarze Pantherin“, die mit vier Toren den Sieg ihrer Mannschaft klar macht und diese damit in die Ehrenliga katapultiert. Das Dorf feiert Sivi und der stolze Seyolo weint fast vor Rührung.

Als der Wahltag, der Tag der Entscheidung naht, ruht Seyolos einzige Hoffnung auf der Wiederwahl des Bürgermeisters. In der Kneipe redet er den Männern deshalb ins Gewissen, sie sollen Ramollu wählen und hat nebenbei zusammen mit Sivi einen trickreichen Plan ausgeheckt: Dem entsetzten Fußballtrainer eröffnen die beiden ganz cool, dass er sich keine Hoffnungen mehr machen kann. Sivi wird in einem anderen Team spielen, weil die Familie Marly-Gomont verlassen muss. Diese kleine „Drohung“ zeigt Wirkung.

Der Tag endet im Glück. Die Schulkinder präsentieren ein selbst entworfenes Theaterstück und spielen nach, was die Zantokos in ihrem Ort erlebt haben. Eine herzliche Sympathiebekundung, die nicht nur die Leute von Marly-Gomont zueinander bringt, auch Seyolo und Anne liegen sich wieder in den Armen. Sie wissen, sie haben eine Zukunft, in einem Dorf, das jetzt herzlich gerne „schwarz sieht“.

Epilog:
Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen aus den 1970er Jahren. Nachdem Seyolo wieder seinen Beruf ausüben konnte, kämpften die Bürger von Marly-Gomont mit einer Petition für seine französische Staatsbürgerschaft. Der Mann aus Kinshasa blieb bis zu einem tödlichen Autounfall am 30. August 2009 ein geachteter und beliebter Arzt und diente seinen Patienten mit ganzer Kraft. Ein Jahr vor seinem Tod wurde er mit der Verdienstmedaille der Picardie ausgezeichnet. Zu seiner Beerdigung versammelte sich das ganze Dorf, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Einem, der zu ihnen gehörte, Heimat und Freunde in der Fremde fand. 


INTERVIEW MIT JULIEN RAMBALDI
Regisseur

„Für mich erzählt EIN DORF SIEHT SCHWARZ vom Zusammentreffen zweier Welten, die sich nicht kennen“

EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist ihr zweiter Langfilm, sieben Jahre nach „Les meilleurs amis du monde“. Wie kam diese Geschichte zu Ihnen?
Durch das Zusammentreffen verschiedener Umstände. Ich war mit Produzentin Pauline Duhault für ein anderes Projekt verabredet, das letztendlich nicht klappte. Sie steckte mit Kamini in der Entwicklung von EIN DORF SIEHT SCHWARZ und drückte mir das erste Drehbuch in die Hand, an dem noch Benoît Graffin beteiligt war. Ich bekam große Lust, in die Geschichte um Kaminis Vater einzutauchen. Für mich war Seyolo das Rückgrat des Films und ich setzte mich ein Jahr lang noch einmal an das Drehbuch, wobei ich die guten Ideen von Kamini und Benoît natürlich einbezogen habe.

Wie reagierte Kamini auf diese Herangehensweise?
Zwischen uns ist alles sehr gut gelaufen. Natürlich hing er sehr an dem Projekt, wollte es sogar mal selbst verfilmen. Ich war nach unserem Gespräch sehr entspannt. Gemeinsam an dem Buch zu schreiben, wäre für uns beide sehr schwierig gewesen. Er stand vor einer sicherlich nicht einfachen Wahl, aber entschied sich, mir zu vertrauen.

Welche Erinnerung haben Sie an das Chanson „Marly-Gomont“ von 2006 und den darauf folgenden Hype?
Ich erinnere mich sehr gut an den Hit und den humorvollen Aspekt. Dieser Geist fand sich übrigens im Treatment von Kamini wieder. Mich berührte seine Idee, dem Vater ein Denkmal zu setzen. Natürlich enthält der fertige Film viel Humor, aber auch andere Dinge, andere Gefühle. EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist eine universelle Geschichte und geht weit über den Rahmen einer Komödie hinaus.

Man mag es kaum glauben: EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist im Jahr 1975 angesiedelt, wirkt aber sehr aktuell und modern…
Besonders heute. Dieser aktuelle Aspekt war Bestandteil unserer Arbeit. Natürlich sehen wir auf der Leinwand die 1970er Jahre, vor allem anhand der Kleidung, aber ich wollte keine zu starke Zeitgebundenheit. Die Handlung spielt auf dem Land, aber zwischen Gestern und Heute hat sich nicht so viel geändert im ländlichen Milieu. Dies erlaubt eine moderne Erzählweise, in der die Krise der Migration mitschwingt. Vor zwei oder drei Jahren habe ich mich noch gefragt, ob man die Geschichte wirklich erzählen soll. Die Antwort ist heute eindeutig… EIN DORF SIEHT SCHWARZ erzählt vom Zusammentreffen zweier Welten, die sich nicht kennen, ein bisschen wie am Anfang einer Liebesbeziehung, wenn man sich noch aneinander herantasten muss. Man spürt Angst vor dem anderen, aber nach und nach gewinnt das Vertrauen die Oberhand. Das ist der Motor des Films: Seyolo muss das Vertrauen der Dorfbewohner gewinnen. Er gehört zu den außergewöhnlichen Menschen, die schon bei der ersten Begegnung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein Typ, der den Kongo verlässt und sich mit seiner Familie ausgerechnet in Marly-Gomont niederlässt, wo er sich auch durch größte Schwierigkeiten nicht entmutigen lässt. Einer, der nicht aufgibt. Allein sein Glaube ist doch schon bewundernswert. Eine tolle Kinofigur.

Empfanden Sie diese Verbindung von Humor und gesellschaftlichem Anliegen nicht etwas riskant? Jedenfalls so auf dem Papier?
Durchaus. Und es macht mich sehr stolz, dass der Film die Unterschiede zwischen den Dorfbewohnern und der Familie Zantoko zeigt, ohne in den Bereich der Karikatur abzurutschen. Keine leichte Angelegenheit, aber ich konnte mich auf eine tolle Besetzung verlassen: Aïssa und Marc sind zwei Super-Schauspieler. Uns verbindet das Faible zu mehr angelsächsischem Humor. Es geht nicht um eine Posse mit einer Aneinanderreihung von Sticheleien und Witzen, sondern im Gegenteil, um eine sehr englische Komödie. Für so etwas brenne ich.

Lassen Sie uns über Marc Zinga sprechen, den Darsteller von Seyolo.
Ich habe eine Reihe seiner Filme gesehen und viel von ihm gehört. Bei unserem ersten Treffen war ich so beeindruckt, dass ich schon an seiner Zusage zweifelte. Marc wollte nämlich erst einmal „Les meilleurs amis du monde“ sehen, den er dann sehr gern mochte. Ich wusste, wir lagen auf der gleichen Wellenlinie. Am Set habe ich ihn als einen harten Arbeiter schätzen gelernt. Er war einfach unermüdlich und überlegte sich immer etwas Neues. Irgendwann fragte er mich, ob er mir Vorschläge machen darf und als ich zustimmte, begannen wir, viel über die Organisation der Dreharbeiten zu diskutieren, die mal gut, mal weniger gut liefen. Das alles hat uns sehr genutzt, von ihm kam letztendlich viel Input.

Und was ist mit Aïssa Maïga, Seyolos Frau Anne?
Aïssa ist einfach umwerfend. Marc und Aïssa ergänzen sich zu einem sehr glaubwürdigen Paar. Anne ist eine gut situierte Frau aus der afrikanischen Mittelschicht, die in diesem Dorf landet. Aïsa strahlt diese Eleganz aus und verfügt über eine bemerkenswerte Schönheit, außerdem kann sie sehr komisch sein. Sie ist Seele und Säule dieser Familie aus dem Kongo. Mit Aïssa, Marc und den beiden Kinderdarstellern habe ich einen riesigen Glücksgriff gemacht.

Und das, obwohl schwarze Schauspieler nicht besonders zahlreich sind in Frankreich. Oder man kennt sie nicht, was noch schlimmer ist.
Genau. Es gibt sie, aber man kennt sie nicht. Marc hat glücklicherweise einen Namen wie auch Aïssa, die bekannteste schwarze Schauspielerin Frankreichs. Ich habe auch noch einige andere gefunden wie Tatiana Rojo, aber man sieht sie kaum auf der Leinwand. EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist wohl der erste publikumswirksame französische Film mit einem schwarzen Paar in der Hauptrolle. Und das im Jahr 2016! Verrückt, oder?

Wie steht es mit den Nebenrollen?
Ich wollte ein paar bekannte Gesichter, deshalb fiel die Wahl auf Jonathan Lambert als Fiesling. Ich besetze gerne Komödienschauspieler gegen ihr Image. Das bringt  einen neuen Ton, vor allem wenn der Schauspieler gut ist. Und seine Figur ist mies, aber keine Karikatur. Wenn ich auf Nummer sicher hätte gehen wollen, wäre auch Daniel Prévost eine Option gewesen. Für Lavigne brauchte ich einen Sympathieträger, dessen Hinterhältigkeit man nicht sofort erkennt.

Und Rufus, als Jean, ist einer der wenigen Bauern, die der Familie helfen?
Ihn hatte ich von Anfang an im Kopf. Es gab allerdings eine kleine Diskussion mit den Produzenten, die sich nicht jemanden in dem Alter vorstellen konnten. Aber für mich gab es keinen Zweifel an ihm, Jean ist der Schutzengel der Hauptfigur. Und ist es nicht herzzerreißend schön, dass der Waise Seyolo in ihm eine Art Ersatzvater findet, einen Verbündeten, der über ihn wacht und ihn lenkt?
Vielleicht noch ein Wort zu Medina Diarra und Bayron Lebli, die perfekten Filmkinder von Anne und Seyolo…
Eine falsche Wahl hätte den Film kaputt gemacht. Medina trat schon mal in einem Fernsehfilm auf und ist wirklich eine Granate. Beim Casting nahm sie mich sofort gefangen. Bei Kindern mit dieser Begabung muss ich als Regisseur wenig tun, außer auf die Konzentration zu achten. Aus Scherz haben wir die beiden Kids am Ende der Dreharbeiten Simone Signoret und Jean Gabin getauft. Wir hatten einen Coach für die Kinder, was sich vor allem bei Bayron lohnte, der noch nie vor einer Kamera gestanden hatte. Es war wie ein Wunder mit den beiden.

In „Les meilleurs amis du monde“ ging es um Freundschaft, EIN DORF SIEHT SCHWARZ handelt von Familie. Ihre Vorlieben scheinen menschlichen Beziehungen zu gelten…
Eben, weil jede Komödie auch einen dramatischen Kern in sich birgt. In beiden Filmen geht es um den Zusammenstoß von Gefühlen, um Konflikte. Das wurde mir erst nach Ende der Dreharbeiten klar. Aufgrund meiner Herkunft entwickelte ich ein besonderes Interesse an EIN DORF SIEHT SCHWARZ. Als Sohn eines Italieners und einer Schwedin bin ich Franzose und habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Aber dann brachte mich der Film doch zum Nachdenken...


INTERVIEW MIT KAMINI ZANTOKO
Idee und Originaldrehbuch

„Mir lag es am Herzen, mit dem Film meinen Vater zu würdigen. Er ist mein Held.“

In welchem Moment haben Sie sich gesagt, meine persönliche Geschichte und der daraus entstandene Hit „Marly-Gomont“ von 2006 könnten die Grundlage für ein Drehbuch und für einen Film sein?
Auslöser war der Clip „Marly-Gomont“. Dann, nach meinem zweiten Album, als ich  das Gefühl hatte, der Haussegen mit meiner Plattenfirma hängt schief, sagte ich mir: „Kam, jetzt musst du dich auf andere Projekte konzentrieren“. Erst schwebte mir die Idee für eine Serie wie „Der Prinz von Bel-Air“ vor, statt einer schwarzen Familie in Los Angeles, eine schwarze Familie in der Picardie! Beim Schreiben fand ich, die Story verfügt über das Potenzial für einen Langfilm. Produzenten und Agenten zeigten zwar Interesse für meine Idee, rieten mir aber, das Thema neu zu bearbeiten. Im Jahr 2012 habe ich mich beim Festival de Cannes mit Produzentin Pauline Duhault zusammengesetzt, die Chemie stimmte, und wir entschlossen uns,  gemeinsam dieses Filmprojekt anzugehen.

Mit der Idee, den Film selbst zu realisieren?
Am Anfang schon. Aber wir merkten bald, dass es für die Produzenten doch ein großes Risiko bedeutete, in „Kamini, den Sänger“ Geld zu investieren. Außer ein paar Clips hatte ich nichts gedreht und mir war klar, das würde nicht reichen. Da ich nicht auf dem Egotrip bin, habe ich nach Rücksprache mit Pauline entschieden, mich auf meine Rolle als Autor zu beschränken und die Realisation einem erfahrenen Regisseur anzuvertrauen. Der Umgang mit Julien Rambaldi war unkompliziert: Er hat meine Geschichte und was ich erzählen wollte, genau verstanden und wenn ich den fertigen Film sehe, muss ich sagen, wir haben uns sehr gut ergänzt. Julien hat bestimmte Aspekte in das Drehbuch eingebracht, die ich so nicht ausdrücken konnte, vor allem die starke Emotion die man bei EIN DORF SIEHT SCHWARZ empfindet, genau an den Stellen, wo ich eher auf Komödie gesetzt hätte. Letztendlich passen  seine Sensibilität, seine Handschrift und seine Persönlichkeit perfekt zum Thema.
 
Fiel es Ihnen schwer, dass ein anderer Ihre eigene Geschichte in Bilder umsetzt?
Es gab keine andere Wahl: Entweder die Regie wird delegiert oder der Film nicht realisiert. Mir lag es am Herzen, durch den Film meinen Vater zu würdigen… Er ist mein Held, ich bin sein größter Fan! Und diese Hommage hat er wirklich verdient, er hat sein ganzes Leben lang hart gearbeitet und ich konnte es nicht riskieren, dass das Projekt ins Wasser fällt. Als ich dann Julien getroffen und seinen Film „Les meilleurs amis du monde“ gesehen habe, wusste ich sofort, er ist der Richtige. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich auch die Jugend ansprechen will, eine neue Generation von Einwanderern. Ihnen sagen, dass man alles im Leben erreichen kann dank einer guten Ausbildung. Das hat mein Vater immer wiederholt. Er war ein Waisenkind, aufgewachsen auf der Straße des belgischen Kongo. Niemals hat er seine Bücher aus der Hand gelegt. Dieses Thema verarbeitete ich übrigens in einem Kurzfilm unter dem Titel „L`orphélin de Biongo“.

Ihr Vater weilt nicht mehr unter uns. Wusste er vor seinem Tod von Ihren Plänen?
Er wusste, dass ich eine Serie vorbereiten wollte und einen Film über ihn und die Familie. Ich bin glücklich, dass ich dieses Abenteuer zu Ende gebracht habe und hoffe, dass er stolz darauf ist, egal wo er jetzt ist… Selbst als wir einige Reibereien hatten (weil ich mein Medizinstudium in Lille nicht mit dem nötigen Eifer betrieb), weiß ich, dass er stolz auf meinen künstlerischen Werdegang war. Er hat miterlebt, was mir mit meinem Lied „Marly-Gomont“ passiert ist, die Sendungen in TF1 und Canal+, den Presserummel, das Fernsehen…

Zwischen ihrem Song und dem Film liegen zwölf Jahre: Sie haben weitere Alben veröffentlicht, Fernsehen gemacht, eine One-Man-Show… Wie sehen Sie im Rückblick dieses Jahrzehnt?
Für mich hängt alles an der Frage der Erziehung. Als diese Erfolgswelle über mich rollte, war ich zwar total von den Socken, bin aber bescheiden geblieben, wie es mir mein Vater gelehrt hat. Ich wusste sehr genau, Ruhm kann sehr zerbrechlich sein, gerade, wenn man schnell nach oben kommt: Nehmen Sie einen Unbekannten von der Straße, lassen Sie ihn im Fernsehen auftreten, ob talentiert oder nicht, er wird plötzlich berühmt! Für mich zählt heute, dass ich meine Projekte durchführen und davon leben kann. Der Rest ist nicht mein Problem. Für viele geht es zuerst um Ruhm und Promistatus, in zweiter Linie um die Kunst. Nicht bei mir… Ich habe meine Karriere umgekehrt gestartet: Ich bin durch die Medien nach oben katapultiert worden, bevor ich mit der grundsätzlichen Arbeit begonnen habe. Heute ist es das Gegenteil: Für die One-Man-Show bin ich in der Schweiz und in Belgien in Sälen vor 150 Zuschauern aufgetreten, erst dann folgte Paris. Kurz gesagt: Ich mache Fortschritte und wenn ich wieder im Rampenlicht stehe, bin ich bereit.


INTERVIEW MIT MARC ZINGA
Darsteller Seyolo Zantoko

„1975 liegt weit zurück, aber es ist wie gestern. Auch heute findet man noch diese Reaktionen gegenüber dem Unbekannten, gegenüber dem Anderen… Das ist vor allem ein menschlicher Reflex.“

Warum haben Sie die Rolle des Seyolo Zantoko angenommen? Was hat Sie an seiner Person interessiert?
Auf Anhieb beeindruckend war für mich die Qualität des Drehbuches. Begeistert hat mich auch die Kombination von authentischer Geschichte und publikumswirksamer Komödie über eine Familie für Jung und Alt, nicht zu vergessen den humanistischen Aspekt. An der ziemlich klassischen Vorlage konnte man die Entwicklung ablesen, die die Figuren aufgrund der Konfrontation mit sehr komplexen Situationen durchmachten. Eine Herausforderung, da ich bis dahin noch nie die Gelegenheit hatte, diese Art von Kino anzugehen und gleichzeitig bei der Arbeit Spaß zu haben. Der Film setzt mehr auf Sensibilität als auf Komik, behält aber dennoch eine sehr komische Seite.

Wie sehen Sie Seyolo, diesen Familienvater und afrikanischen Arzt, den es in dieses kleine Dorf der Picardie verschlagen hat?
Ich sehe ihn als einen, der freiwillig viel auf sich nimmt, einen Arbeiter mit einer Schwäche: Es fehlt ihm an Abstand. Seine Aufrichtigkeit, sein guter Wille und seine Strenge machen ihn angreifbar. Manchmal wirkt er fast richtig stur. Seyolo will um jeden Preis ein besseres Leben.

Gerade das macht ihn zu einem sehr komplexen Charakter, hin- und hergerissen zwischen seiner Rolle als Ehemann, Vater, Arzt. Er möchte sich integrieren, ohne seine Wurzeln zu verleugnen…
Das ist genau das ständige Dilemma: Wie das Beste aus seiner Herkunft bewahren und damit auch seine Würde, gleichzeitig aber auch seinen Platz in diesem Dorf  finden? Eine sehr schwierige Frage für ihn, da seine Vorstellung von Integration von der seiner Familie teilweise abweicht, aber auch nicht mit der Vorstellung der Dorfbewohner übereinstimmt. Das spitzt die komödiantische Seite des Films zu. Was uns zum Lachen bringt, fusst oft auf einem Drama. Wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht, ist das für Außenstehende vielleicht lustig, aber für den Betroffenen oft schmerzhaft. Für Seyolo geht es darum, akzeptiert zu werden, ungeachtet dessen, was die Bauern von ihm halten, die noch nie einen Schwarzen gesehen haben. So lacht man über das Pech dieses afrikanischen Arztes, nicht mit Häme, sondern mit großer Zärtlichkeit, da er etwas sehr Menschliches und Universelles ausstrahlt.

Die fassungslosen Reaktionen der Einheimischen sind an sich schon verblüffend: Die Geschichte spielt 1975 und man hat den Eindruck, dass allein das Auftauchen dieser afrikanischen Familie in Marly-Gomont zu einem unerwarteten Umbruch führt.
Ja, 1975 liegt weit zurück, aber es ist wie gestern. Wir dürfen nicht vergessen, auch heute findet man noch diese Reaktionen gegenüber dem Unbekannten, gegenüber dem Anderen. Das ist vor allem ein menschlicher Reflex. Wir sind wie von Angst geleitete Tiere und bleiben auf Distanz zu dem, was uns in Schrecken versetzt. Es liegt im Verantwortungsbereich der Regierenden und der politischen Institutionen für Offenheit zu sorgen. Das geschieht durch Kultur und Erziehung mit dem Ziel, dem Bürger diese Angst zu nehmen. Man kann diese Dinge negativ sehen und beklagen, dass wir immer noch nicht aus der Spirale sozialer Ausgrenzung heraus gekommen sind (in der Zeit, in der die Filmhandlung spielt, wie auch heute), aber das ist die Crux der menschlichen Gemeinschaft: Die Furcht vor dem Unbekannten… Und sei es nur die Hautfarbe.

Sie verkörpern eine sehr stark von Kaminis Vater inspirierte männliche Figur, einen Mann, der nicht mehr unter uns weilt. Empfanden Sie eine bestimmte Art von Verantwortung, diesen Mann zu verkörpern und haben Sie darüber mit seinem Sohn und Drehbuchautor gesprochen?
Ich habe Kamini erst während der Dreharbeiten kennen gelernt und nicht das Gefühl gehabt, mit ihm vorher über die Figur sprechen zu müssen. Das Drehbuch war sehr gut geschrieben und sehr präzise. Der Seyolo im Film erinnert mich an meine Umgebung, an Dinge und Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich habe Leute aus dem Kongo der damaligen Zeit getroffen, Intellektuelle oder Angehörige  einer bestimmten Schicht, die mit meinen Eltern bekannt oder befreundet waren und die ähnelten meiner Vorstellung von Seyolo. Ich habe mich von meiner Intuition leiten lassen und von den Anweisungen des Regisseurs Julien Rambaldi.

Die Tatsache, dass Sie aus dem Kongo stammen, verleiht diese ihrer Rolle noch eine zusätzliche Dimension?
Es war mir jedenfalls eine besondere Freude, eine mit meinen Wurzeln verbundene Geschichte zu erzählen, Und an einem Projekt mitzuwirken, bei dem die Vielfalt an erster Stelle steht, ist auch einen tolle Sache. Wenn ich zwei schwarze Schauspieler auf dem Plakat eines beliebten französischen Films sehe, bin ich bewegt. Gerade heute halte ich das für sehr wichtig. In den Szenen, in denen die afrikanische Familie aus Belgien fröhlich in das Dorf einfällt, spürten wir Schauspieler einen richtigen Stolz, damit auch ein wenig über unsere Wurzeln zu erzählen.

Sprechen wir von ihren Partnern und beginnen wir mit Aïssa Maïga, die Ihre Frau Anne spielt…
Ich kannte Aïssa nicht, wir sind uns vor einigen Jahren nur mal kurz auf einem Festival begegnet. Ich wusste vor diesem Film wenig über Ihre Arbeit, aber was ich gesehen hatte, überzeugte mich von ihren tollen Qualitäten als Schauspielerin und die Dreharbeiten haben mir das bestätigt. Ich bin froh, dass ich mit Aïssa arbeiten konnte, mit ihrer Spiel-Intelligenz hat sie mich angespornt. Auch menschlich, selbst wenn das nebensächlich sein sollte, haben wir uns sehr gut verstanden. Sie ist wie ein Sonnenstrahl und verfügt nicht nur über eine atemberaubende Schönheit, sondern auch über eine Wahnsinnsenergie.

Sie spielen einen Vater. Was halten Sie von Ihren Filmkindern Medina und Bayron?
Zwischen uns herrschte eine wirkliche Kameradschaft. Das Ziel eines Schauspielers ist es oft, die Gefühle der Kindheit neu zu entdecken, dem Zuschauer zu zeigen, dass hinter dem Spaß auch einen Sensibilität steckt. Mit Kindern zu arbeiten bringt einem sehr viel, wir lernen von ihnen. Sie vermitteln uns ihre Leichtigkeit, ihre Unbekümmertheit. Bei Medina und Bayer gibt es nicht den Hauch von Berechnung und das spürt man auch auf der Leinwand. Außerdem sind beide Super-Schauspieler.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Regisseur Julien Rambaldi?
Es mag nicht sehr originell klingen, aber alles lief wie am Schnürchen. Selbst wenn – und ich sage es noch einmal – der menschliche Aspekt nicht das Wichtigste bei den Dreharbeiten ist (nur der Film zählt), Julien ist ein sehr ruhiger Typ, was ich für sehr wichtig halte. Beim Blick auf die Geschichten gelingt ihm eine wunderbare Mischung aus Menschlichkeit und Humor, er kommt mir vor wie eine Art Erbe von Frank Capra. Bei ihm finde ich diese mitreißende Begeisterung dem Leben gegenüber, die aber nie in Naivität umschlägt. Julien hat außerdem ein unglaubliches Talent, dem anderen zu zuhören, einfach unverzichtbar für jemanden, der sich an so ein Projekt traut. Sich gegenseitig auszutauschen, Dinge erörtern, dem Regisseur Vertrauen entgegen bringen - das ist fundamental für die Arbeit, auch wenn natürlich der Regisseur die finale Entscheidung trifft.

Sprechen wir nun von Ihnen. Ihre Schauspielkarriere ist noch jung, aber bereits geprägt von sehr unterschiedlichen wie auch interessanten Projekten: Von „Rayures du Zèbre“ an der Seite von Benoït Poelvoorde bis hin zu „Spectre“, von „Dheepan – Dämonen und Wunder“ bis zur Serie „Péplum“…
Ich schätze mich glücklich über die bisherige vielseitige Auswahl, das war immer mein Wunsch. Ich hatte die Gelegenheit, sehr effektiv mit sehr guten Leuten zu arbeiten wie Jacques Audiard, Sam Mendes oder auch Thomas Vincent, der mich für mein erstes wichtiges Projekt engagierte („Mister Bob“ für Canal+) oder die Dardenne-Brüder, aber auch Abd Al Malik für „Qu`Allah bénisse la France“, Benoït  Mariage und jetzt Julien Rambaldi. Jedes Mal haben mir die Leute, deren Arbeit ich sehr bewunderte, viel beigebracht. Alle diese Chancen kommen von einer ungewöhnlichen Ausgangsposition: Schon sehr früh haben mir meine Eltern Vertrauen geschenkt, somit konnte ich mich meiner Schauspielleidenschaft widmen. Als Kind habe ich mich entschieden, Schauspieler zu sein und als meine Lehrer mir die Fähigkeit bestätigten, ermutigten mich meine Eltern, meinen Weg zu gehen, was nicht oft der Fall ist bei den Schauspielanwärtern, die man in den Schauspielschulen trifft. Von frühem Alter an, anfänglich außerhalb der Schule, konnte ich mich der Schauspielerei hingeben im Wissen, das ist mein Leben.  


INTERVIEW MIT AïSSA MAïGA
Darstellerin Anne Zantoko

„Anne weicht keiner Auseinandersetzung aus, auch auf die Gefahr hin, dass es mit den Dorfbewohnern, die sie und ihre Familie zurückweisen, zum Zusammenstoß kommt.“

Was hat Sie an der Geschichte besonders berührt?
Dass aus dieser kleinen Geschichte eine große wächst. Die einer afrikanischen Familie, deren kongolesischer Vater die Entscheidung trifft, sich in Frankreich niederzulassen, weil er sich nicht vorstellen kann, für das Mobutu-Regime in seinem Land zu arbeiten. Wir schreiben das Jahr 1975 und die Ankunft dieser Familie in dem kleinen Dorf in der Picardie trifft auf rückwärtsgewandte Ideen, auf den Rassismus der damaligen Gesellschaft. Das hat mich übrigens an meine eigene Geschichte erinnert. Auch wenn meine Familie ganz anders ist, habe ich mich bei einigen Situationen an die Erfahrungen meiner Eltern oder vielmehr unserer Eltern erinnert gefühlt. Das Drehbuch schien mir ernsthaft, fesselnd, sehr witzig und bewegend. Ich sehe auch eine Aktualität in dieser Geschichte: Denken Sie an die Migranten, die aus schrecklichen Verhältnissen fliehen und dann in Europa landen.

Der Film spielt im Jahr 1975 und man hat den Eindruck, die Einwohner von Marly-Gomont erleben die Invasion von Marsmenschen.
Man muss den Kontext relativieren: Wir sind in Marly-Gomont und nicht in Paris.  Und es stimmt, dass die Leute in diesem Kaff noch nie mit dem Begriff Diversität konfrontiert waren. Trotzdem scheint es fast unglaublich: 1975 scheint  Vergangenheit, aber es kommt einem vor wie Gestern. Die Geschichte Frankreichs mit den afrikanischen Ländern entstand ja nicht erst in den 1970er Jahren. Die Reaktionen im Film stützen sich auf Tatsachen und in der Realität hat Kamini solche Ereignisse auch noch später erlebt, zu Anfang der 1980er Jahre. Man darf nicht vergessen, Seyolo ist Arzt und die Vorstellung, den eigenen Körper und Intimität einem Afrikaner anzuvertrauen, verstärkt die Angst noch zusätzlich. Davon handelt der Film und das macht ihn auch sehr modern: Der Mangel an Glaubwürdigkeit, unter dem dieser Arzt leidet, weil er schwarz ist, weil er eine andere Hautfarbe hat. Allein deshalb wird an seinen Fähigkeiten gezweifelt. Dabei hat Seyolo in Frankreich sein Medizinstudium absolviert, sein Familien- und Eheleben geopfert und ist sicherlich ein guter Arzt. Für seine Frau ist dieses Misstrauen am Schwersten zu ertragen.

Bleiben wir bei der Figur der Anne…
Mir gefällt ihre Stärke. Sie ist eine Persönlichkeit, die mich an einige Tanten oder meine Mutter erinnert: Diese auf dem Kontinent geborenen afrikanischen Frauen haben sich eines Tages entschlossen, ihre Heimat zu verlassen. Manchmal, weil sie wieder mit ihrem Ehemann zusammen sein wollten, aber auch, weil sie von einer anderen Welt träumten. Und oft sind diese Frauen auf eine Realität gestoßen, die nichts mit der in ihren Vorstellungen zu tun hatte. Die Arbeitswelt, der Blick der anderen und das alltägliche Eheleben: All das kann sehr anders sein als erwartet. Ich liebe Anne dafür, dass sie sich nie diesen Situationen unterwirft und empfinde eine große Zärtlichkeit für sie. Sie ist eine sehr liebevolle Mutter und will ihre zwei Kinder beschützen, obwohl sie selbst quasi im Exil unter der Einsamkeit des Alltags leidet. Wenn sie nicht mit Seyolo einer Meinung ist, sagt sie das sehr deutlich. Anne weicht keiner Auseinandersetzung aus, auch auf die Gefahr hin, dass es mit den Dorfbewohnern, die sie und ihre Familie zurückweisen, zum Zusammenstoß kommt.  Seyolo dagegen glättet lieber die Wogen, um sich zu integrieren. Sie dagegen will ihre Kultur und ihre afrikanische Identität bewahren. Mit ihrer Kleidung, ihrer Körperlichkeit und Bewegung, der Musik und ihrer Familie, die in die Weihnachtsmesse platzt, steht sie für eine Modernität in einer Zeit, wo die Franzosen in Marly-Gomont noch der Kirchturm-Kultur verhaftet sind.

Durch Anne und ihre im Kongo verbliebene Familie realisiert man, welche Faszination Paris damals auf die Bevölkerung der einstigen Kolonien ausübte.
Stimmt. Die Fantasievorstellung über den Westen lief damals auf Hochtouren. Wenn Seyolo im Film telefonisch mitteilt, er arbeite in der Nähe von Paris, kann er nicht einmal seinen Satz beenden, weil Anne vor Freude ausrastet inmitten der laut jubelnden Familie, sie ist davon überzeugt, dass sie in der Metropole wohnen wird. Meine Erinnerungen als Kind sind zwar anders, aber ich weiß noch, dass es üblich war, Geld nach Hause zu schicken, auch wenn man ziemlich blank war. Aber das hätte man nie zugegeben. Eine ganze Generation von Einwanderern hat nach außen so getan, als würde das Geld auf den Straßen von Paris liegen. Jetzt wissen die Leute Bescheid, aber es ist immer noch besser, hier arm zu sein als in Afrika.

Und wie war es, mit Regisseur Julien Rambaldi zusammen zu arbeiten?
Sehr gut. Julien kam ins Theater, um mich zu sehen, dann haben wir uns getroffen und ich erinnere mich an seine Freude, als er mit eigenen Augen meine Begeisterung sah. Es gab nie eine Spur von Ärger in der ganzen Zeit. Keine Spannung, kein Missverständnis, keine Distanz. Ich liebe seine Bescheidenheit bei diesem Projekt: Julien war nie im Kongo, er ist nicht der Sohn einer afrikanischen Migrantenfamilie und nicht in Marly-Gomont aufgewachsen. Da ihm diese Wirklichkeit fehlte, hat er sich auf das Zuhören unserer Erzählungen und Anekdoten konzentriert und eine große Achtsamkeit bewiesen. Er wollte nicht irgendwas machen oder eine afrikanische Familie karikieren, nur um Lacher zu kassieren. Wir haben sehr viel miteinander gesprochen. Julien ist ein Regisseur, der zuhören und Vorschläge akzeptieren kann. Ich habe mich immer sehr beschützt und umsorgt gefühlt, obgleich er mit Kindern arbeitete und einen engen Drehplan hatte, oft viele Einstellungen an einem Tag drehte und mit Wetterrisiken rechnen musste.

Sprechen wir von Ihrem Filmgatten Marc Zinga alias Seyolo Zantoko…
Seine Konzentrationsfähigkeit hat mich sehr beeindruckt. So etwas habe ich noch bei keinem Schauspieler erlebt. Marc ist jemand, der den ganzen Tag in seiner Figur bleibt, während ich zwischendurch immer frische Luft tanken muss, hin- und her wechsele. Jeder von uns hat seine spezielle Methode, sich eine Rolle anzueignen. Marc ist ein sehr genauer Schauspieler mit präziser Schauspieltechnik, es ist sehr angenehm mit ihm zu arbeiten. Obgleich sich unsere Arbeitsweisen unterscheiden, glaube ich, dass wir uns sehr gut ergänzt haben. Ich hoffe, das hat dem Film genutzt, entsprach dieser Unterschied doch auch dem Naturell von Anne und Seyolo und ihrem Antagonismus.



DARSTELLER

MARC ZINGA (Seyolo Zantoko) - geboren 21. Oktober 1984 in Likasi, Kongo
Als Fünfjähriger zog Marc Zinga mit seiner Familie aus der Demokratischen Republik Kongo nach Belgien. Seine Künstler-Karriere begann er als Sänger der Gruppe „The Peas Project (von 2003 bis 2011). Dann wandte er sich der Schauspielerei zu.
An der Seite von Gérard Depardieu stand er in einer Nebenrolle in Gilles Béhats „Diamant 13“ (2009) erstmals vor der Kamera. Im gleichen Jahr spielte er unter der Regie von Jaco Van Dormael in „Mr. Nobody“ einen homosexuellen jungen Mann. Auf Begeisterung stieß sein Auftritt in „Qu`Allah bénisse la France“ (2014) als französischer Rapper und Slampoet, Abd Al Maliks Verfilmung seiner eigenen Biografie. Diese herausragende Performance weckte auch das Interesse von Regisseur Sam Mendes, unter dessen Regie er in „James Bond 007: Spectre“ spielte. Es folgten im Jahr 2015 Filme wie Jacques Audiards „Dheepan – Dämonen und Wunder“ (Dheepan) und im Jahr 2016 „Das unbekannte Mädchen“ (La fille inconnue) der Dardenne-Brüder. Marc Zinga inszenierte und produzierte 2013 den Kurzfilm „Grand Garçon“ und schrieb auch das Drehbuch. Auch auf der Bühne reüssierte er 2016 in „Une saison au Congo“ und „La Tragédie du roi Christophe“, beide von Aimé Césaire in der Inszenierung von Christian Schiaretti. Nebenbei drehte er Fernsehfilme wie „Mister Bob“, in dem er den General Mobutu verkörperte (2011) oder die Serie „Peplum“ von Philippe Lefebvre. Für seine Figur des Seyolo in EIN DORF SIEHT SCHWARZ erhielt er beste Kritiken.

Filmografie (Auswahl)
2009    DIAMANT 13
                Regie: Gilles Béhat
2009     MR. NOBODY
            Regie: Jaco Van Dormael
2013     JE SUIS SUPPORTER DU STANDARD
                Regie: Riton Liebman
2014     LES RAYURES DU ZEBRE
            Regie: Benoït Mariage
2014     QU`ALLAH BÉNISSE LA FRANCE
            Regie: Abd Al Malik
2015    JAMES BOND 007: SPECTRE
            Regie: Sam Mendes
2015     DHEEPAN – DÄMONEN UND WUNDER (Dheepan)
            Regie: Jacques Audiard
2016     DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN (La fille inconnue)
            Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne
2016     EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
Regie: Julien Rambaldi



AÏSSA MAÏGA (Anne Zantoko) - geboren 25. Mai 1975 in Dakar
Aïssa Maïga, Tochter des bekannten Journalisten Mohamed Maïga aus Mali, verbracht ihre ersten vier Lebensjahre in Dakar, bevor sich die Familie in Frankreich niederließ, zuerst in Fresnes, dann in Paris, wo das Mädchen das Lycée Voltaire besuchte. Schon in jungen Jahren träumte sie davon, Schauspielerin zu werden.
Ihre ersten Schritte führten sie an das Theater Mogador und das Folies Bergère in Paris. Nach drei Jahren Theaterunterricht beteiligte sie sich mit 19 Jahren an einem künstlerischen Projekt in Zimbabwe, „Le Royaume du passage“ von Eric Clué (1986). Im Jahr 1996 drehte sie ihren ersten Spielfilm mit Yvan Attal und Richard Bohringer in Denis Amars „Saraka Bo“, ein Krimi in der afrikanischen Community. 2000 folgten kleinere Rollen in Michael Hanekes „Code:unbekannt“ (Code inconnu) an der Seite von Juliette Binoche, 2005 arbeitete sie erneut mit dem österreichischen Regisseur in „Caché“ zusammen. Den Durchbruch beim Publikum brachte ihr 2004 die Rolle einer jungen Frau, die in Cédric Klapischs „L`auberge espagnole – Wiedersehen in Petersburg“ (Les poupées russes) Romain Duris verführt. Anschließend ging es mit ihrer Karriere steil nach oben mit Filmen wie „Keine Sorge mir geht's gut“ (Je vais bien, ne t`en fais pas) mit Mélanie Laurent und Kad Mérad oder dem Episodenfilm „Paris, je t`aime“, hier in Oliver Schmitz` Beitrag „Place des fȇtes“. Für ihre Hauptrolle in Abderrahmane Sissakos „Das Weltgericht von Bamako“ (Bamako) wurde sie als Beste Nachwuchsschauspielerin für den César 2007 nominiert. Parallel war Aïssa Maïga auch im Theater aktiv, unter anderem in der Comédie des Champs Elysées, dem  Nationaltheater de la Colline in Genf und dem Theater Hébertot. Seit 2000 dreht sie zudem kontinuierlich Fernsehfilme. Im Jahr 2016 kamen allein drei Filme mit Aïssa Maïga ins französische Kino: Nach dem Erfolg von EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont), Dominique Cabreras „Corniche Kennedy“ und „Rupture pour tous“ von Eric Capitaine. verzauberte Aïssa Maïga das Publikum in der Adoptions-Komödie „ll a déjà tes yeux“.

Filmografie (Auswahl)
1996    SARAKA BO
            Regie: Denis Amar
1999     JONAS UND LILA (Jonas et Lila, à demain)
            Regie: Alain Tanner
2003     MES ENFANTS NE SONT PAS COMME LES AUTRES
            Regie: Denis Dercourt
2005     L`UN RESTE, L`AUTRE PART
            Regie: Claude Berri
2005     CACHÉ (Caché)
            Regie: Michael Haneke
2005       L`AUBERGE ESPAGNOLE – WIEDERSEHEN IN PETERSBURG (Les     poupées russes)
            Regie: Cédric Klapisch
2006     DAS WELTGERICHT VON BAMAKO (Bamako)
            Regie: Abderrahmane Sissako
2006     KEINE SORGE MIR GEHT'S GUT (Je vais bien, ne t`en fais pas)
            Regie: Philippe Lioret
2010    ENSEMBLE, C`EST TROP
            Regie: Léa Fazer
2013    DER SCHAUM DER TAGE (L`Ecume des jours)
            Regie: Michel Gondry
2016    EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
            Regie: Julien Rambaldi
2016    CORNICHE KENNEDY
            Regie: Dominique Cabrera
2016     RUPTURE POUR TOUS
            Regie: Eric Capitaine
2017     IL A DÉJÀ TES YEUX
            Regie: Lucien  Jean-Baptiste



RUFUS (Bauer Jean) – geboren am 19. Dezember 1942 in Riom
Rufus, eigentlich Jacques Narcy, gehört zu den Urgesteinen des französischen Kinos. Nach dreijährigem Medizinstudium entschied er sich für die Kunst und kann heute auf eine über 30jährige Karriere zurückblicken - als Regisseur und Schauspieler auf der Bühne sowie auch auf der Leinwand.
Er begann als Comedian im Pariser Kabarett La Vieille Grille und trat auch in Coluches Café de la Gar auf, 1967 startete er im Kino mit „Les encerclés“ von Christian Gion durch, anschließend folgten 1969 und 1970 zwei Filme unter der Regie von Yves Boissset: „Cran d`arrȇt“ und „Ein Bulle sieht rot“ (Un condé). 1974 spielte er an der Seite von Bulle Ogier in Claude Lelouchs „Le Mariage“. Seinen Durchbruch hatte er 1975 mit „Lily hab mich lieb“ (Lily, aime-moi) von Maurice Dugowson. Rufus zeigte keine Scheu vor publikumswirksamen Komödien wie „Die Filzlaus kehrt zurück“ (Fantasia chez les ploucs) von Gérard Pirès, überzeugte aber auch in Dramen wie Roman Polanskis „Der Mieter“ (Le Locataire) von 1976 oder im gleichen Jahr in Alain Tanners „Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ (Jonas qui aura 25 ans en l`an 2000) oder auch 1987 in Jean-Luc Godards „Schütze deine Rechte“ (Soigne ta droite). In den 1990er Jahre drehte er mit Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro „Delicatessen“ (Delicatessen) und „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (La Cité des enfants perdus). Mit Jeunet 2001 drehte er außerdem „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Le fabuleux destin d`Amélie Poulain) und 2004 „Mathilde – Eine große Liebe“ (Un  long dimanche de fiançailles). Rufus, der als Workaholic gilt, begeisterte in Deutschland 1998 in Radu Mihaileanus Kriegsdrama „Zug des Lebens“. Die Rolle des hilfsbereiten und sympathischen Bauern in EIN DORF SIEHT SCHWARZ, der Seyolo und seiner Familie zur Seite steht, ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Rufus wirkte an ungefähr 50 Fernsehfilmen- und –serien mit, war am Theater Dramaturg und Schauspieler und machte sich zudem einen Namen als Buchautor.

Filmografie (Auswahl)
1967    LES ENCERCLÉS
            Regie: Christian Gion
1969     CRAN D`ARRÊT
            Regie: Yves Boisset
1970     EIN BULLE SIEHT ROT (Un condé)
            Regie: Yves Boisset
1970     VERSPRECHEN IN DER DÄMMERUNG (La Promesse de l`aube)
            Regie: Jules Dassin
1975     LILY, HAB MICH LIEB (Lily, aime-moi)
            Regie: Maurice Dugowson
1996     DER MIETER (Le locataire)
            Regie: Roman Polanski
1991     DELICATESSEN (Delicatessen)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro
1994     DIE STADT DER VERLORENEN KINDER (La cité des enfants perdus)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro
1995     LES MISÉRABLES
            Regie: Claude Lelouch  
1998    ZUG DES LEBEN (Train de Vie)
            Regie: Radu Mihaileanu
2001     DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE (Le fabuleux destin d`Amélie Poulain)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet
2004     MATHILDE – EINE GROßE LIEBE (Un long dimanche de fiançailles)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet
2013     MARIUS
            (Regie: Daniel Auteuil)
2016     EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
            Regie: Julien Rambaldi



JONATHAN LAMBERT (Lavigne) – geboren am 24. Juni 1973 in Paris
Jonathan Lambert ist ein in Frankreich berühmter Humorist, Rundfunk- und Fernsehmoderator sowie Schauspieler, der seine Ausbildung u.a. an der Schauspielschule im 10. Pariser Bezirk abschloss.
Seinen ersten Auftritt hatte er 1994 in der Sendung „C`est tout Coffe“ mit Jean-Pierre Coffe auf France 2. Anschließend wechselte er hinter die Kamera und jobbte bei einer Produktionsfirma. Erst im Jahr 2000 begann er als Journalist bei dem TF1-Magazin „Exclusif“ und in vielen Shows wie „La Grosse Èmission“ mitzuwirken. 2004 schrieb er seine One-Man-Show „L`Homme qui ne dort jamais“, die später auch im Bataclan aufgeführt wurde. In den folgenden Jahren wurde er berühmt durch seine Sketche im Fernsehen und Radio und spielte auch in Fernseh- und Kinofilmen mit. Weitere, sehr beachtete Shows mit ihm waren „L`Homme que ne dort jamais“ (2007), „Perruques“ (2012) und „Looking for Kim“ (2016). Auf der Leinwand startete er 2001 als junger Polizist in Jean-Michel Verners „Jeu de cons“, 2004 stand er in „Zwei ungleiche Freunde“ (Je préfère qu`on reste amis…) von Éric Toledano und Oliver Nakache vor der Kamera. In Deutschland  wurde er 2012 durch Frédéric Beigbeders „Das verflixte 3. Jahr“ (L`amour dure trois ans) bekannt, mit dem er 2016 auch „L`Idéal“ drehte. In EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist er bewusst gegen sein Image als Humorist besetzt und überzeugt als fieser Intrigant.

Filmografie (Auswahl)
2001    JEU DE CONS
Regie: Jean-Michel Verner
2004    ZWEI UNGLEICHE FREUNDE (Je préfère qu`on reste amis…)
            Regie: Éric Toledano und Olivier Nakache
2005     PALAIS ROYAL! (Palais Royal!)
            Regie: Valérie Lemercier
2012     DAS VERFLIXTE 3. JAHR (L`amour dure trois ans)
            Regie: Frédéric Beigbeder
2012     DÉPRESSION & DES POTES
            Regie: Arnaud Lemort
2015     MONSIEUR CAUCHEMAR
            Regie: Jean-Pierre Mocky
2016     EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
            Regie: Julien Rambaldi
2016     L`IDÉAL
            Regie: Frédéric Beigbeder
Autor: Siehe Artikel
Freitag 14.04.2017
STILLE RESERVEN
Ab 20. April 2017 im Kino
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Wien in der nahen Zukunft: Konzerne haben die Macht übernommen. Grenzen verlaufen durch die Stadt und durch die Gesellschaft: zwischen denen, die sich eine Todesver-sicherung leisten können, und der Mehrheit der anderen. Versicherungsagent Vincent Baumann wird selbst Opfer dieses Systems, das er eigentlich vertritt. Der faszinierenden Aktivistin Lisa Sokulowa auf der Spur, erscheint ihm Widerstand plötzlich als Möglichkeit. Aber die Grenzen sind nicht so eindeutig, wie er bisher angenommen hat …


Ein Film von Valentin Hitz

Mit Valentin Hitz, Clemens Schick, Lena Lauzemis, Marion Mitterhammer, Marcus Signer u.a.


Alarm in einer Blocksiedlung der Trabantenstadt: Eine Rebellengruppe versucht eine Sterbende vor dem Zugriff der Einsatzkräfte zu retten. Der Coup fliegt auf, alle werden verhaftet, nur eine entkommt – Lisa Sokulowa (Lena Lauzemis). Profil: Aktivistin im Untergrund.
Wien in der nahen Zukunft. Konzerne haben die Macht übernommen. Die Bevölkerung muss Schulden abtragen – auch über den Tod hinaus. Wer stirbt, wird deshalb in Palliativzentren und Geriatrien in einem unwürdigen Dämmerzustand am Leben erhalten, die Körper werden ausgebeutet. Der einzige Schutz vor einem solchen Schicksal ist eine Todesversicherung – ein Luxus, über den nicht jeder verfügen kann.
Vincent Baumann (Clemens Schick), Profil: vielversprechender Assekuranzagent in einer mächtigen Gesellschaft für Todesversicherungen. Er bringt jeden schwierigen Auftrag zum Abschluss. Die Karriereleiter erklimmt er mit Hilfe von Impulskontrolle und Selbstoptimierung. Auch dass er sich mit seiner Chefin Diana Dorn (Marion Mitterhammer) zum Hormonaus-gleich trifft, ist hilfreich. Siegessicher tritt er jeden Tag den Weg in die glitzernde Welt der Versicherungskomplexe an, vorbei an den öden Plattenbauten der Degradierten und vom System Ausgeschlossenen.
Versicherungsagent Johannes Dietrich (Simon Schwarz), Profil: Versager. Weil es ihm nicht gelingt, dem reichen Unternehmer Wladimir Sokulow (Daniel Olbrychski) eine Todesver-sicherung zu verkaufen, wird er degradiert, und Baumann muss seine Agenden über-nehmen. Doch trotz Baumanns Überzeugungskraft ist der potente Kunde schwer zu knacken: Sokulow denkt nicht daran, sich dem System zu unterwerfen. Um an ihn heran-zukommen, besorgt sich Baumann das Profil von Sokulows Tochter. Er findet sie als Sängerin in einem verrauchten Nachtclub fernab der glitzernden Finanzwelt: Lisa Sokulowa.
Die Rebellengruppe um Lisa und ihren Partner Gerhard (Marcus Signer) schmiedet den Plan, in die Geriatrie einzudringen, um diese langfristig lahm zu legen. Für den Zugang muss sich Lisa eine Identität „Level 3“ beschaffen, doch ihr Dealer Kessler (Stipe Erceg) treibt ein undurchsichtiges Spiel – hat er sie etwa bei ihrem letzten Coup verraten? Da kommt ihr der Versicherungsagent Baumann als neuer Kontakt gerade recht. Baumann, fest entschlossen, ihr schwieriges Verhältnis zum Vater auszunutzen, hat über ihr Profil herausgefunden, dass der Alte ohne ihr Wissen eine Todesversicherung für sie abgeschlossen hat.
Sie umkreisen und umgarnen sich, verfolgen ihre Ziele mit Körpereinsatz und beginnen ein Verhältnis, ein manipulatives Spiel. Doch Baumann ist von Lisas unbändigem Wesen zunehmend fasziniert. Denn bei ihr findet er etwas, das ihm aus der Konzernwelt gänzlich unbekannt ist: Wahrhaftigkeit. Eigentlich auf Lisa angesetzt, keimt in ihm der Verdacht, ob die Versicherungsagentur nicht auch mit ihm ein doppeltes Spiel treibt. Die Grenzen beginnen zu verschwimmen, wer für und wer gegen das System arbeitet, wer von außen, wer von innen.
Und über allem wacht aus der Ferne Diana Dorn, seine Vorgesetzte: Wird sich Baumann seinem Profil entsprechend verhalten?
Paul Ertl & Valentin Hitz



REGIE-STATEMENT

Nicht sterben dürfen.
Dieser Gedanke stand für mich am Anfang von STILLE RESERVEN. Als beunruhigender Gegenentwurf zu der unser Leben bestimmenden, nicht minder beunruhigenden Fest-stellung, sterben zu müssen. Wenn sterben zu dürfen ein Privileg wäre, was würde das für die Nichtprivilegierten bedeuten? Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der das möglich ist, die das zulässt, sich darauf stützt, daraus sogar Profit schlägt?
Um diesen Fragen nachzugehen, hat sich eine Verlagerung der Geschichte in die Zukunft aufgedrängt. In die nahe Zukunft allerdings. Gegenwärtige Tendenzen konsequent weiter gedacht, auf die Spitze getrieben, im Detail umgedeutet.
Vor dem Hintergrund der Absicherung und der Verwirtschaftlichung aller Lebensbereiche bis in den Tod und darüber hinaus, in einer Gesellschaft, in der jeder einzelne finanziell für sich selber verantwortlich gemacht wird, trifft in STILLE RESERVEN Vincent Baumann, Agent für Todesversicherungen, auf die „Recht auf Tod“-Aktivistin Lisa Sokulowa.
Was sie zusammenführt, sind ihre jeweiligen Interessen. Er will sie benutzen, um sich wieder einzugliedern, seine unterbrochene Karriere fortzusetzen, sein beschädigtes Selbstbild wiederherzustellen. Sie hofft darauf, über ihn eine Befreiungsaktion einzuleiten, die das System empfindlich trifft und ihrer Forderung nach „Recht auf Tod“ entspricht.
Im Umkreisen und Bezirzen realisieren beide erst spät, dass sich in ihr manipulatives Spiel der vorgegaukelten Anziehung echte Gefühle eingeschlichen haben. Und für beide bedeutet dieser Kontrollverlust Gefahr. Vertrauen scheint unmöglich. Verrat allgegenwärtig.
Vincent Baumann muss sich entscheiden zwischen seiner bisherigen Überzeugung, seinen Werten, der Loyalität seinem Arbeitgeber und seinem Gewissen gegenüber, wenn er begreift, wofür diese, seine Welt steht. Lisa Sokulowa muss erkennen, dass auch ihre Welt nicht frei ist von Bereicherungstendenzen, Machtansprüchen und Grausamkeiten. Und dass der Zweck allein nicht alle Mittel heiligt. Doch im Gegensatz zu müden, desillusionierten Kämpfern in ihrem Umfeld, ist sie in der Lage, ihre Ideale zu leben, Verantwortung zu übernehmen. Und diese zu vermitteln. Das manifestiert sich auch in ihrem Tod. Insofern sehe ich den Schluss zwar als schmerzhaft, aber dennoch als Happy End. Die Würde überlebt.
Viele Fragen, die STILLE RESERVEN im Grenzbereich zwischen Leben und Tod aufwirft, können nicht beantwortet werden, sollen es auch nicht. Für Kontroversen und Debatten im unmittelbaren thematischen Umfeld können keine Lösungen präsentiert werden. Doch für mich gibt STILLE RESERVEN Anlass zur Beschäftigung mit diesen Fragen, auch zur Beschäftigung mit dem Leben, vom Ende her betrachtet sozusagen, eine Auseinander-setzung mit Lebens-Werten und Lebenswertem.
Valentin Hitz, 2016


BIOGRAFIEN

Valentin Hitz (Drehbuch & Regie)
Geboren 1969 in Stuttgart, aufgewachsen in Zürich. Regiestudium an der Film-akademie Wien.
Dozententätigkeit u. a. an der Bruckner Universität Linz, Abteilung Schauspiel.
Assistenztätigkeit u. a. bei Jessica Hausner (LOURDES, HOTEL), Shirin Neshat (WOMEN WITHOUT MEN), Barbara Albert (DIE LEBENDEN, NORDRAND, SLIDIN’), Titus Selge (TATORT), Mark Kidel (PETER SELLARS, ALFRED BRENDEL).
Filme und Clips für Theaterproduktionen sowie Video-Arbeiten und Installationen.
Filmografie (Regie / Auswahl):
2016 STILLE RESERVEN
2003 KALTFRONT
1998 RATRACE
Preise:
Silver Spire Award, San Francisco International Film Festival 1999
Certificate of Merit, Puchon Film Festival, Korea 1999
Special Mention, Viennale 1998

Clemens Schick (Vincent Baumann)
Geboren 1972 in Tübingen.
Studium an der Berliner Schule für Schauspiel (1993 – 1996).
Kino & TV (Auswahl):
2016 OVERDRIVE, Regie: Antonio Negret
2016 SOMMERNACHTSMORD, Regie: Harald Sicheritz, ORF
2015 TREFFEN SICH ZWEI, Regie: Ulrike von Ribbeck
THE LAKE, Regie: Steven Quale
STILLE RESERVEN, Regie: Valentin Hitz
2014 4 KÖNIGE, Regie: Theresa von Eltz
POINT BREAK, Regie: Ericson Core
2013 MANN IM SPAGAT – PACE, COWBOY, PACE, Regie: Timo Jacobs
DAS FINSTERE TAL, Regie: Andreas Prochaska
NACHTSCHICHT 12 – WIR SIND ALLE KEINE ENGEL,
Regie: Lars Becker, ZDF
DAS JERUSALEM-SYNDROM, Regie: Dror Zahavi, ARD
2012 BESSER ALS NIX, Regie: Ute Wieland
PRAIA DO FUTURO, Regie: Karim Aïnouz
THE GIRL FROM NAGASAKI, Regie: Michel Comte
ROSA ROTH – DER SCHUSS, Regie: Hannu Salonen, ZDF
2011 HOTEL DESIRE, Regie: Sergej Moya
THE CHILD, Regie: Zsolt Bács
DER FLUG DER STÖRCHE, Regie: Jan Kounen, ZDF
DIE JAGD NACH DEM BERNSTEINZIMMER, Regie: Florian
Baxmeyer, RTL
DAS ANDERE KIND (2 Teile), Regie: Urs Egger, ORF
2010 DU HAST ES VERSPROCHEN, Regie: Alex Schmidt
LARGO WINCH II, Regie: Jérôme Salle
MORD IN LUDWIGSLUST, Regie: Kai Wessel, ZDF
NACHTSCHICHT 10 – REISE IN DEN TOD, Regie: Lars Becker, ZDF
2009 CINDY LIEBT MICH NICHT, Regie: Hannah Schweier
TRANSIT, Regie: Philipp Leinemann
KILLERJAGD. TÖTE MICH, WENN DU KANNST, Regie: Manuel Flurin
Hendry, Pro7
2008 JEDEM DAS SEINE, Regie: Stefan Schaller
DAS GEHEIMNIS DER WALE, Regie: Philipp Kadelbach, ZDF
2007 MITTE 30, Regie: Stefan Krohmer, ARD
DAS WUNDER VON BERLIN, Regie: Roland Suso Richter, ZDF
UNSCHULDIG (12 Folgen), Regie: Philipp Kadelbach, Benjamin
Quabeck, Thomas Stiller, Pro7
2006 JAMES BOND 007 – CASINO ROYALE, Regie: Martin Campbell
2005 AUF DEM WEG, Regie: Finn-Ole Heinrich
TATORT – GEBROCHENE HERZEN, Regie: Jürgen Bretzinger, ARD
2002 DER WALD, Regie: Martin Semlitsch
2001 EIN ABEND FÜR DORA, Regie: Sören Senn
2000 ENEMY AT THE GATES, Regie: Jean-Jacques Annaud
1998 WHISKY SOUR, Regie: Uwe Janson, Sat.1
Theater (Auswahl):
2011 – 12 DIE NACHT KURZ VOR DEN WÄLDERN, Regie: Antonia Latella,
Berliner Festspiele
2009 IPHIGENIE, Regie: Karin Henkel, Schauspiel Köln
2007 – 09 WINDOWS, Regie: Elias Perrig, Schauspiel Hannover,
Staatsschauspiel Dresden, Sophiensäle Berlin, Afghanistan
2007 – 08 DER ZERBROCHENE KRUG, Regie: R. Sanchez, Schauspiel
Hannover
JEDERMANN, Regie: Christian Stückl, Salzburger Festspiele
2006 – 08 DREI SCHWESTERN, Regie: Falk Richter, Schaubühne Berlin
2005 DIE KATZE AUF DEM HEISSEN BLECHDACH, Regie: Christina
Paulhofer, Schauspiel Hannover
DON CARLOS, Regie: Wilfried Minks, Schauspiel Hannover
RICHARD III., Regie: Sebastian Baumgarten, Schauspiel Hannover
2004 PARZIFAL, Regie: Stefan Otteni, Schauspiel Hannover
WINDOWS, Regie: Elias Perrig, Schauspiel Hannover
WAS IHR WOLLT, Regie: Sebastian Nübling, Schauspiel Hannover
2003 MAMA MEDEA, Regie: Sebastian Nübling, Schauspiel Hannover
FÜNF GOLDRINGE, Regie: Christina Paulhofer, Schauspiel Hannover
2002 ADAM GEIST, Regie: Sandra Strunz, Schauspielhaus Erfurt
HEDDA GABLER, Regie: Sandra Strunz, Schauspielhaus Hamburg
DIE UNBEKANNTE AUS DER SEINE, Regie: Sandra Strunz,
Schauspiel Hannover
2001 HOWIE THE ROOKIE, Regie: Christiane Pohle, Schauspielhaus Zürich 2001 – 06 SANFT UND GRAUSAM, Regie: Christina Paulhofer, Schauspiel Köln 2000 KALKWERK, Regie: Sandra Strunz, Staatstheater Stuttgart
1999 ELEKTRA, Regie: Edith Clever, Schaubühne Berlin
SWEENEY AGONISTS, Regie: Thorsten Lensing, Sophiensaele Berlin
1998 FUCKING & SHOPPING, Regie: Jesse Web, Schauspielhaus Wien
ESKALATION ORDINÄR, Regie: Christian Stückl, Schauspielhaus
Wien

Lena Lauzemis (Lisa Sokulowa)
Geboren 1983 in Berlin.
Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.
Clown-Workshop bei A. de Castro, Clown-Workshop bei P. Gonzales.
Kino & TV (Auswahl):
2016 THE MISSING II, Regie: Ben Chanan, BBC
2015 STILLE RESERVEN, Regie: Valentin Hitz
2014 M WIE MARTHA (Kurzfilm), Regie: Lena Knaus
HERBERT, Regie: Thomas Stuber
DEUTSCHLAND 83 (Miniserie), Regie: Edward Berger, RTL
2013 DAS ZIMMERMÄDCHEN LYNN, Regie: Ingo Haeb
2010 WER WENN NICHT WIR, Regie: Andres Veiel
2004 HITLERKANTATE, Regie: Jutta Brückner
2003 YUGOTRIP, Regie: Nadya Derado
TATORT – GEFÄHRLICHES SCHWEIGEN, Regie: Martin Eigler, ARD
2002 DIE MUTTER, Regie: Matti Geschonneck, ARD
2001 TATORT – GEWALTFIEBER, Regie: Martin Eigler, ARD
2000 HERZRASEN, Regie: Hanno Brühl, ARD
1999 DAS ALIBI, Regie: Christine Wiegand, ZDF
Theater (Auswahl):
2015 Münchner Kammerspiele
2014 Schauspielhaus Frankfurt
2013 Schauspiel Zürich
2006 – 2012 Münchner Kammerspiele
Auszeichnungen:
Hessischer Fernsehpreis 2011 für WER WENN NICHT WIR
Nominierung Deutscher Filmpreis 2011 für WER WENN NICHT WIR
Nachwuchsförderpreis 2009 des Fördervereins Münchner Kammerspiele

Marion Mitterhammer (Diana Dorn)
Geboren 1965 in Bruck an der Mur. Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Erste Engagements am Theater (u.a. Salzburger Festspiele, Theater in der Josefstadt Wien und Hamburger Kammerspiele). Für das Fernsehen wurde sie 1992 von Regisseur Bernd Fischerauer entdeckt. 2013 Gründung der R O K O N S T R E E T Filmprdoduction.
Kino & TV (Auswahl): 2016 STILLE RESERVEN, Regie: Valentin Hitz 2014 TATORT – BLACKOUT, Regie: Patrick Winczewski, SWR DER LETZTE TANZ, Regie: Houchang Allahyari 2013 VANESSA, Produktion, Regie und Hauptrolle: Marion Mitterhammer VEDO L’ORE – I CAN’T WAIT (Kurzfilm), Regie: Marion Mitterhammer DAS TRAUMHOTEL – MYANMAR, Regie: Otto Retzer, ARD 2012 VERRÜCKT NACH PARIS, Regie: Pago Balke WIE MAN LEBEN SOLL, Regie: David Schalko AM HIMMEL DER TAG, Regie: Pola Beck WILSBERG – DIE BIELEFELD-VERSCHWÖRUNG, Regie: Hans- Günther Bücking, ZDF 2011 DIE VATERLOSEN, Regie: Marie Kreutzer 2008 LA FROTTIERE DE LʼAUBE, Regie: Philippe Garrel 2006 PINGPONG, Regie: Matthias Luthardt KLIMT, Regie: Raul Ruiz 2004 BÖSE ZELLEN, Regie: Barbara Albert BELLA BLOCK - Das Gegenteil von Liebe, Regie: Dagmar Hirtz, ZDF 2001 DAS TRAUMSCHIFF – MEXIKO, Regie: Michael Steinke, ZDF
Preise: Diagonale 2011: Spezialpreis für bemerkenswerten Auftritt in DIE VATERLOSEN

(Quelle: Verleih)
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Donnerstag 06.04.2017
DANCING BEETHOVEN
Ab 13. April 2017 im Kino
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Das weltberühmte Béjart-Ballett Lausanne tanzt Beethovens Neunte Symphonie.
In meisterhaft gestalteten Bildern wird uns die atemberaubende Entstehungsgeschichte eines der erfolgreichsten Tanzstücke des 21. Jahrhunderts präsentiert.

Eine Dokumentation von Arantxa Aguirre

„Alle Menschen werden Brüder“, heißt es in Schillers „Ode an die Freude“, die Ludwig van Beethoven in seiner berühmten 9. Symphonie vertonte.
In Maurice Béjarts Ballettfassung des großen Werkes wird diese Utopie zu getanzter Wirklichkeit. Zusammen mit dem Tokyo Ballet und dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta brachte das Béjart Ballet Lausanne 2015 eines der atemberaubendsten Tanzstücke des 20. Jahrhunderts auf die Bühne.
Neun Monate lang verfolgt der Film in rauschhaften Bildern die ebenso schweißtreibenden wie leidenschaftlichen Proben bis hin zur triumphalen Aufführung des Kunstwerkes. Wir sehen Tänzern, Choreografen, Musikern aus aller Welt vereint bei der Arbeit zu und lauschen ihren Ausführungen zu Beethovens Komposition, die den ewigen Kreislauf des Lebens und die Freude am Dasein feiert.
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Donnerstag 30.03.2017
Ü 100
Ab 06. April 2017 im Kino
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„Ü100“ - acht über Hundertjährige und ihr Leben                      

Ein Film von Dagmar Wagner                

Hella 102 sitzt bei ihrer Friseurin, geht Einkaufen, absolviert ihr tägliches Fitnesstraining auf dem Balkon und weiß: „Man bleibt immer ich...“
Gerda 100 kann zwar nicht mehr laufen, versorgt sich dennoch selbst und macht aus allem das Schönste - solange bis für sie ein Einzelzimmer im Himmel frei wird.
Erna 104 lebt schön Tag für Tag ins 105. Lebensjahr und freut sich als Fußballexpertin auf das nächste Spiel des FC Bayern.
Franz 100 meint, dass nicht mehr viele Fragen offen bleiben, jünger wird er sowieso nicht mehr, nur noch schöner vielleicht.
Theresia 101 verliert trotz ihrer Bettlägerigkeit nicht ihren Lebensmut: „Es geht schon noch a bisserl weiter.“
Ernst 102 vertreibt nachts den Einbrecher aus seinem Haus, in dem er sich noch selbst versorgt, und macht damit Schlagzeilen.
Anna 103 möchte am Ende das Ansteckmikrofon als Brosche behalten und findet, dass es nun genug sei: „Ich bin reif für den Untergang“, sagt sie und lacht dabei.
Ruja 102 kann es nicht ertragen, wenn die Menschen schlecht gelaunt sind und will Alle aufheitern, deshalb spielt sie zu den Geschichten im Film Klavier.

Nach den Gesprächen macht sich Erschöpfung breit, es wird Zeit für das nächste wohlverdiente
Nickerchen. Große Gelassenheit und absolute innere Freiheit: Das gelebte Leben ist längst
angenommen, nichts wird mehr auf Effizienz, Perfektion und Selbstdarstellung getrimmt. Was für
eine wohltuende und fast immer heitere Gesellschaft.
Doch es gibt nichts zu beschönigen: Es sind auch eingeschränkte und abhängige Leben. Aber
die Helden dieses Films meistern diese Herausforderung mit viel Würde, Mut, Weisheit und Humor.
In Ü100 erzählen acht über Hundertjährige von ihrer Lebenswirklichkeit. Drei von ihnen leben
noch fast selbständig zu Hause, fünf von ihnen in einem Seniorenheim.


AUSGANGSSITUATION
Wir werden alle immer älter, immer fitter und deshalb auch immer mehr: So stellt sich - salopp formuliert - weltweit der demografische Wandel dar. 1950 betrug der Anteil der Menschen im Alter von 80 Jahren 1% an der deutschen Bevölkerung, aktuell sind es 6% und 2050 werden es voraussichtlich 14% sein. Im Jahr 2040 sind 50% der Deutschen älter als 50 Jahre und 31% älter als 65 Jahre (aktuell 22%) mit steigender Tendenz.
Für unsere Kinder und Enkelkinder ist es gut zu wissen, dass jede(r) Zweite ab dem Jahr 2000 in Deutschland Geborene eine reelle Chance hat, 100 Jahre alt zu werden: Die Zahl unserer Hundertjährigen wird sich von heute circa 17.500 auf 182.000 im Jahr 2060 steigern und gleichzeitig verjüngen sie sich dabei. Zweimal wurden in Deutschland jeweils circa 90 über Hundertjährige mit Interviews wissenschaftlich zu ihrem Lebensalltag, ihrer körperlichen wie geistigen Fitness sowie ihrer seelischen Verfassung mittels der "Heidelberger Hundertjährigen Studien" erforscht: 2002 (HD 100 I) und 2012 (HD100 II). Bei der zweiten Studie zeigte sich bereits nach zehn Jahren, dass die deutschen Hundertjährigen geistig und körperlich fitter waren.
Dass wir lange und immer länger leben, stellt die Gesellschaft, aber natürlich auch jeden Einzelnen von uns vor große Herausforderungen.
Die Berichterstattung zum Thema demografischer Wandel ist bislang in der Regel eher negativ und reduziert die Älterwerdenden und Alten auf ein stärker werdendes Pflege-, Demenz- und Armutspotential, also auf ein Risiko- und Problemszenario. Überwiegend werden die Defizite & das Negative betont. Das Privileg eines langen Lebens wird als Überalterung, manchmal sogar als Rentnerberg bezeichnet.
Der moderne Fortschritt schmälert den Wert älterer Menschen, während er gleichzeitig die Anzahl unserer Jahre vermehrt. Unsere Gesellschaft befindet sich in einer großen Umwandlung.
Dieser Film wirft einen positiven und ermutigenden Ausblick auf unsere spätere Lebensphase und stellt mit diesen acht beeindruckenden Hundertjährigen jenseits von Schönfärberei und Zweckoptimismus unter Beweis: Altwerden ist kein Mangel!


INTENTION & INHALT
Es ist ein Paradoxon der westlichen Kultur, immer älter zu werden und dabei jung bleiben zu wollen. Leider konzentrieren sich die meisten Menschen beim Älterwerden viel zu stark auf ihren Körper und achten vor allem darauf, wie ihr alternder Körper mehr und mehr versagt.
Durch gesunde Ernährung, Bewegung & mit einer hoch entwickelten Medizin und Pharmazie scheuen wir weder Mühen noch Qualen, um in jeder Beziehung fit und jung zu bleiben und führen so einen Kampf, den wir jedoch immer nur verlieren können.
Gefangen in einer Ideologie des Verfalls, erfahren wir auf diese Weise ab den mittleren Jahren, wie hilf- und wehrlos wir gegen das Altern sind, denn - es ist unausweichlich. Manche treten allerdings den Kampf erst gar nicht an, tragen stattdessen ein schlechtes Gewissen mit sich herum.
Was wir in Wirklichkeit brauchen ist eine mutigere und positivere Neubewertung des Alters und Älterwerdens, positive und realistischere Altersbilder, die uns zeigen, dass Altwerden eben Persönlichkeitsentwicklung und kein Mangel ist. Und dass uns auch immer noch - zwar nicht alle - aber einige Türen offen stehen, Veränderung weiter möglich ist.
All das vermittelt der Film Ü100. Mit ihrer Lebensfreude, Zufriedenheit und inneren Lebendigkeit sowie ihrem wunderbaren Humor geben uns die acht über Hundertjährigen aus dem Film Ü100 das beste Beispiel. Ohne abgefilmte Fotos und aneinandergereihte biografische Fakten sprechen die Protagonisten über ihre aktuelle Lebenswirklichkeit, in der Aussehen und Statussymbole keine Rolle mehr spielen. Ohne ein einziges klagendes Wort, sondern mit viel Witz erheben sie sich über das, was uns sonst so untragbar erscheint: die Akzeptanz des gelebten Lebens und der aktuellen, nicht immer leichten Lebensumstände. Sie zeigen uns: Altwerden ist mit einer Innenschau verbunden, weil man einfach weniger Möglichkeit zur Ablenkung hat. Das ganze Leben läuft nochmals in ihrer Erinnerung ab und sie machen ihren Frieden damit: Wieso ist mein Leben so und nicht anders verlaufen - die Frage nach dem Schicksal und dem Sinn des Lebens. Diese Form der Selbstreflektion, der vertieften Auseinandersetzung mit sich selbst, findet verstärkt bei Hundertjährigen statt.

So kommen hochaltrige Menschen mit sich und ihrem Leben ins Reine und finden ihren Seelenfrieden. Sie müssen sich selbst und anderen nichts mehr beweisen und ziehen daraus ihre große seelische Stärke, von der wir Jüngere nur lernen können, weil sie sich so annehmen,
wie sie sind und früher waren: Eine wohltuende Gelassenheit und auch Freiheit, die im Film zu spüren ist.
Die Hundertjährigen in dem Film Ü100 sind also Charaktere mit großen psychischen Stärken: Sie denken immer an die Anderen und legen das Schwergewicht auf die guten Seiten des Lebens. Sie sprechen gerne, offen und humorlos über den Tod und zeigen dennoch eine sehr bejahende, positive Lebenseinstellung. Ihre zurückgeschraubten Erwartungen ans Leben sind nicht Resignation sondern eine realistische Einschätzung ihrer Situation.
Ihre Zufriedenheit ist nicht aufgesetzt und das fehlende Lamento nicht gespielt. Mit viel Würde und Heiterkeit und ohne Pathos schildern sie ihr momentanes Leben und beeindrucken mit Authentizität: Die 83 Minuten mit den acht Hundertjährigen aus dem Dokumentarfilm Ü100 wirken wie ein Tag echter Urlaub, eine Reise in ein für uns unbekanntes Land mit großem Erholungseffekt:
Denn für unsere auf Effizienz und Perfektion getrimmte Gesellschaft und Lebensentwürfe können
Einblicke in das Leben Hochaltriger heilsam sein. Wenn sich das Leben fast ausschließlich auf die
reine Existenz beschränkt, wenn man sich durch nichts Äußerliches mehr „aufpeppen“ kann, alle
Schalen abgelegt sind, man im oberflächlichen Sinn nicht mehr produktiv sondern völlig abhängig
ist, bleibt für Eitelkeiten kein Raum mehr.
Die Bereitschaft, die persönlichen Unzulänglichkeiten, das nicht Perfekte an einem selbst und das
Misslungene sowie den eigenen Verfall und den Tod in seinem Lebenslauf besser ins Leben zu
integrieren, also die Akzeptanz seiner selbst als Ganzes zum Lebensende hin - das können wir von
den Hochaltrigen lernen. Als Korrektiv wirken sie gegen den Jugend-, Fitness- & Perfektionswahn
mit seinen oberflächlichen Erscheinungsbildern einer zunehmend schnelllebigeren Gesellschaft.

Den Wert und den Respekt für das Leben der Hundertjährigen und Hochaltrigen zu erkennen, dass ihnen ihr Leben wichtig ist und sie noch für andere wichtig sind, wird eine der humansten Aufgaben
unserer Gesellschaft sein. Sie sind als Humanvermögen einer Gesellschaft im Extrem beispielgebend, was der „Wert des Alters“ bedeuten kann. Doch dazu müssen sie auch Gehör finden. Und da unsere Hundertjährigen nicht mehr so einfach auf der Strasse herumspazieren, wird es eine der wichtigen Aufgaben der Zukunft sein, geeignete Begegnungsräume für unsere Hochaltrigen zu schaffen.
Mit dem Film Ü100 ist ein Anfang gemacht, als eine Begegnungsstätte, die uns das Wichtigste beim Älterwerden lehrt: Die Entwicklung einer positiven Haltung zum eigenen Alterungsprozess! Glück im Alter hängt von der eigenen Einstellung zum persönlichen Alterungsprozess ab, aber auch von der Einstellung der Gesellschaft zu ihren „Alten“. Auch das haben Studien gezeigt. Dabei ist weder übertriebener Optimismus in Form von Schönfärberei angesagt, noch helfen Selbstoptimierung oder
Beschönigungen weiter. Damit aus dem Älterwerden kein blinder Aktionismus wird, brauchen wir
eine zweckmäßigere, realitätsgerechtere und optimistischere Perspektive auf das Alter. Es wäre
wünschenswert, das Altsein einzubringen, statt mit einer heuchlerischen Kultur konform zu gehen,
welche die Jugendlichkeit rühmt, während sie in Wirklichkeit junge Menschen oft vernachlässigt,
abwertet und manipuliert.
Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein, denn Alter sichert kein Prestige mehr. Ein positives
Bild einer alternden Gesellschaft aber verlangt, dass wir ältere Menschen als Ressource und nicht
als Bürde ansehen. Das leistet Ü100. Als Blick hinter die Kulissen zeigen uns die acht über Hundertjährigen deutlich: Das Wesen altert nicht, der Charakter bleibt. Man bleibt "Ich", man fühlt sich nicht alt.


ENTSTEHUNGSGESCHICHTE Ü100

Inspiriert durch ihre Tätigkeit als Biografin befasst sich Dagmar Wagner seit Jahren mit Themen rund ums Älterwerden. Als sie von zwei wissenschaftlichen Hundertjährigen-Studien (HD100 I 2002 und II 2012) las, kam ihr die Idee zu diesem Film. Vor allem, weil sie wusste, diese sind die „Letzten ihrer Art“, da bald die Zahl der über Hundertjährigen in Deutschland explodieren wird.
Dagmar Wagner suchte zuerst im Bekanntenkreis nach Interviewpartner(inne)n, später wurde sie auch durch die Presse unterstützt. Streng nach „Eingang“ führte sie die Interviews. Eine Auswahl zu treffen, kam für sie nicht in Frage. Dies war auch einer der Gründe dafür, dass Dagmar Wagner den Film ohne irgendwelche Beteiligungen produzierte, denn dann hätte es z.B. redaktionelle
„Auswahlkriterien“ gegeben, die sich mit ihrer Vorstellung von Respekt und Würde nicht vereinbaren ließen. Der „perfekte Mix“ der acht Hundertjährigen entstand also rein zufällig: zwei Hausfrauen, eine Hausangestellte, eine Lehrerin, eine Klavierspielerin, eine Angestellte, ein Kommissar und ein Malermeister.
Zu den Dreharbeiten nahm Dagmar Wagner nur ihren Kameramann Thomas Beckmann mit, den die Protagonisten wegen seiner Liebenswürdigkeit und Sensibilität sofort ins Herz schlossen. Als Regisseurin hätte sie sich keinen besseren Kameramann für dieses Projekt wünschen können.
Dagmar Wagner: "Noch nie habe ich so, ohne irgendwelche Ansprüche & ohne Druck gedreht, denn eines war immer klar: Forderungen oder Wünsche würden wir nie an unsere Protagonisten stellen, sondern wir ordneten den Dreh komplett ihren Bedürfnissen unter. Vielleicht trug auch diese Freiheit, nämlich ohne jegliche Erwartung zu sein, zur entspannten Atmosphäre des Films bei, weil das genau dem Lebensmodus der Hundertjährigen entspricht."
Eigentlich waren die ersten Dreharbeiten nur als Probeinterviews gedacht. Die Regisseurin wollte
herausfinden: Wie würde so ein Interview ablaufen? Der Gesprächsverlauf entwickelte sich spontan
und drehte sich kaum um konkrete biografische Daten. Jede biografische Geschichte tauchte
organisch im Zusammenhang mit einem bestimmten Thema auf: Wie sieht mein Alltag aus? Wie
fühle ich mich mit hundert Jahren? Die Angst vor dem Sterben und dem Tod. Mit wem fühlen Sie
sich verbunden? Den Glauben an Gott. Worüber denken Sie nach? Was bestimmt Ihr Leben?

Mit dem ersten Drehmaterial war eigentlich nur ein Trailer mit 15 Minuten geplant, aber das Schnittkonzept der Regisseurin führte sie zu 53 Minuten, zu der ersten Kurzversion von Ü100, die dank einem Sponsoring von ARRI auf dem Fünf Seen Filmfestival am 28.7.2014 ihre Premiere mit einem großen, völlig unerwarteten Erfolg feierte. Die Reaktionen bei Publikum und Presse waren überwältigend: In bester Laune, mit sehr viel weniger Angst vor dem Älterwerden und nach langen Publikumsdiskussionen verließen die Zuschauer den Kinosaal. Nach so viel Zuspruch war der Regisseurin klar: Jetzt muss eine lange Kinofassung her!
Besonders auffällig war die Dankbarkeit der Zuschauer für eine Plattform, wo sie sich über das Thema Älterwerden endlich unbefangen und angeregt austauschen können.
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.