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Inhaltsverzeichnis
DER HAUPTMANN

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LUCKY

26

RED SPARROW

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ALLES GELD DER WELT

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SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS

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DINKY SINKY

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Donnerstag 01.03.2018
DER HAUPTMANN
Ab 15. März 2018 im Kino
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In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn – froh, wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns und verfällt dem Rausch der Macht.
 
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Die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte zeigt auf eindringliche Weise, wie selbst im Chaos der letzten Kriegstage etablierte Befehlsketten und Machtmechanismen funktionieren, und stellt den Zuschauer vor die Frage: Wie würde ich handeln? Nach zahlreichen Hollywood-Erfolgen kehrt Robert Schwentke mit DER HAUPTMANN nach Deutschland zurück und blickt tief in menschliche Abgründe. Zu den grandiosen Darstellern zählen neben Nachwuchstalent Max Hubacher in der Hauptrolle auch Frederick Lau, Milan Peschel und Alexander Fehling.


LANGINHALT
 
April 1945, zwei Wochen vor Kriegsende im deutschen Niemandsland. Der 19-jährige Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) läuft um sein Leben. Auf sich allein gestellt gelingt es ihm, sich im letzten Augenblick vor dem deutschen Offizier Junker (Alexander Fehling), der Jagd auf ihn macht, in Sicherheit zu bringen. 
Herold hungert und friert, die Kleidung hängt ihm vom Leib. Mit einem anderen erschöpften Soldaten, auf den er in der Kälte trifft, schleicht er sich auf der Suche nach Essbarem in ein Stallgebäude. Als die beiden sich ein paar Eier einstecken wollen, werden sie von der Bauernfamilie entdeckt. Herolds Kumpan kommt dabei ums Leben, ihm selbst gelingt die Flucht. 
Am nächsten Morgen stößt er am Straßenrand auf ein verlassenes Offiziersauto. In einem darin verwahrten Koffer befinden sich ein Offiziersmantel, eine Uniform und ein Paar Schuhe. Der vor Kälte schlotternde junge Mann probiert die Kleider. Herold sieht aus wie ein leibhaftiger Hauptmann. Doch als der Gefreite Walter Freytag (Milan Peschel) wie aus dem Nichts auftaucht, muss Herold ihn glaubhaft täuschen, wenn er überleben will. Herold spielt erstmals die Rolle des Hauptmanns und Freytag wird sein untertäniger Fahrer. 
In einem nahegelegenen Dorf laden sich Herold und Freytag in ein örtliches Gasthaus ein. Herold gibt vor, auf Mission zu sein – damit alle, die von Deserteuren beraubt wurden, eine Wiedergutmachung erhalten: „Die Partei sorge immer noch für Recht und Ordnung.“ Gewissenhaft notiert er die Beschwerden der misstrauischen Anwesenden. Der Wirt des Lokals, Gerd Schnabel (Alexander Hörbe), bleibt skeptisch. Er präsentiert dem „Hauptmann” einen gefangenen Dieb. Herold sieht sich gezwungen zu handeln. Kurzentschlossen erschießt er den Plünderer. 
Am nächsten Tag kehrt Herold mit Freytag auf den Bauernhof zurück, den Herold zu Beginn aufgesucht hatte. Aber dort herrscht Aufruhr: Eine Gruppe betrunkener Soldaten randaliert und hält die Bauernfamilie als Geiseln. Herold reagiert geistesgegenwärtig. Er ruft die Männer zur Ordnung und unterstellt sie auf Wunsch des raufsüchtigen Kipinski (Frederick Lau) seinem Kommando. Die „Kampfgruppe Herold“ ist geboren. 

Die zerlumpte Truppe streift durch das deutsche Hinterland. Als sie von der Militärpolizei auf weiter Flur gestoppt werden, sollen ihre Papiere kontrolliert werden. Herold ist kurz davor aufzufliegen, als ihm der entscheidende Gedanke kommt: Er sei mit seinen Männern auf Sondereinsatz, um von der Lage hinter der Front zu berichten – mit Vollmacht von ganz oben, vom Führer selbst. 
Gemeinsam mit der Militärpolizei macht sich das „Sonderkommando Herold” auf den Weg zu einem Straflager der Wehrmacht. In dem baufälligen Lager herrschen grauenhafte Zustände. Das Kommando über das Straflager hat der heillos überforderte SA-Führer Schütte (Bernd Hölscher) inne, der annimmt, dass Herold abgestellt wurde, um Deserteure und entflohene Gefangene vor ein Standgericht zu stellen. 
Aber wer darf ihm dies gestatten? Dr. Thiel, der Sonderbeauftragte des Justizministeriums? Der Lagerleiter Hansen (Waldemar Kobus), der für die Gefangenen des Lagers die Verantwortung trägt? Wer ist bereit, wofür Verantwortung zu übernehmen? Obwohl über die korrekte Vorgehensweise Unklarheit herrscht, beschließt der proaktive, fast übereifrige Schütte, zu handeln. Eilig bringt er Herold zur Arrestbaracke mit den flüchtig gewordenen Gefangenen. Sofort beginnt Herold mit dem Verhör der Inhaftierten und lässt Kipinski Weiteres übernehmen. Schütte gibt seinem Wachmann Brockhoff (Marko Dyrlich) den Befehl, von den Gefangenen eine Grube ausheben zu lassen. Herold setzt alles auf eine Karte. Er lässt 30 Strafgefangene davor antreten, postiert sie in Zweierreihen und eröffnet mit einem Flakgeschütz das Feuer. Da das Geschütz ungenau trifft und schließlich klemmt, erteilt Herold den Befehl, mit Handfeuerwaffen weiterzuschießen. 
Die „erfolgreiche“ Mission wird mit einem ausgelassenen „bunten Abend“ gefeiert. Einige Gefangene (Samuel Finzi, Wolfram Koch) müssen vor den Soldaten auftreten. Der Schnaps fließt, auch an Speisen fehlt es nicht und bald läuft die Feier aus dem Ruder. Die Gewalt eskaliert. Herold kettet vor der Baracke vier Soldaten aneinander und befiehlt ihnen zu fliehen. Einer nach dem anderen wird gnadenlos erschossen. Das Ordnungsgefüge des Lagers zerfällt.
Am nächsten Tag tauchen alliierte Bomber am Himmel auf und machen das Lager dem Erdboden gleich. Die Baracken brennen, der Boden ist von Leichen übersät. Doch der falsche Hauptmann Herold bleibt unversehrt und verlässt mit seiner stark reduzierten Truppe das Lager. Das „Schnellgericht Herold“ zieht weiter in eine nah gelegene Stadt. Der Bürgermeister, der die weiße Flagge gehisst hat, wird kurzerhand auf offener Straße exekutiert. Die Truppe quartiert sich in das örtliche Hotel ein, wo es zu einer ausufernden Orgie kommt. Kipinski wird überraschend exekutiert, weil er Herold „sein“ Mädchen wegnimmt. Am nächsten Morgen stürmt die deutsche Militärpolizei das Haus und Herold und seine Männer werden verhaftet. Der „Hauptmann“ ist enttarnt.
Nach vier Stunden vor einem notdürftig besetzten deutschen Militärgericht wird festgestellt, dass Herold ein Mann ist, der die Dinge erledigt bekommt: „Unter den Wirren der Zeit habe sich Herold nicht so abwegig verhalten.“ Man ist sich einig, dass die Armee auf so jemanden nicht verzichten sollte. Das Verfahren gegen Willi Herold wird ausgesetzt und er soll zur Bewährung an der Front abgestellt werden. Dies nutzt Herold, um zu fliehen. So wie er zu Beginn aus dem Dunkel der Bäume aufgetaucht ist, verschwindet er im Wald. 
Texttafel vor dem Abspann: „Am 23. Mai 1945 wird der ehemalige Gefreite Herold in Wilhelmshaven von der Royal Navy für den Diebstahl von einem Laib Brot verhaftet. Im folgenden Verhör verstrickt sich Herold immer mehr in Widersprüche. Als sich herausstellt, welcher Kriegsverbrechen er sich schuldig gemacht hat, wird ihm der Prozess gemacht. Am 14. November 1946 wird Herold zusammen mit 6 seiner Komplizen hingerichtet. Er war 21.“


INTERVIEW MIT REGISSEUR ROBERT SCHWENTKE
 
DER HAUPTMANN spielt während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und basiert auf der wahren Figur Willi Herold. Wann kam Ihnen die Idee, seine Geschichte zu verfilmen?
Der Nationalsozialismus war ein dynamisches System. Es bedurfte einer sehr großen Zahl an Menschen, die entweder mitgemacht haben oder dem Bösen aus dem Weg gegangen sind, damit diese Kulturkatastrophe passieren konnte. Mich interessierten die Täter aus den hinteren Reihen. Sie waren nicht die Architekten des Systems, dem sie dienten, sondern die Menschen von nebenan, die „kleinen Leute“, die das Nazi-System am Leben hielten. Ich wusste, ich wollte einen Film aus der Perspektive dieser Täter machen und so begann ich, nach einer passenden Geschichte zu suchen.
 
Also war da zunächst die Idee, einen Film über das Phänomen einer Generation zu machen, und erst später stießen Sie auf die Geschichte von Willi Herold?
Ja. 
 
Was hat Sie an der Täterperspektive fasziniert, die auch das Risiko birgt, den Verbrecher zum Helden zu machen und die Geschichte aus Sicht einer Person zu erzählen, mit der man sich schwer identifizieren kann?
Es konfrontiert das Publikum mit anderen Fragen als ein Film, bei dem es sich mit einer moralisch aufrechten Figur identifizieren kann. Wir hoffen und stellen uns alle vor, dass wir moralisch aufrecht und mutig genug gewesen wären, um uns dem System entgegenzustellen. Doch die Geschichte und Fakten widersprechen dem. Ich wollte, dass es keinen expliziten moralischen Kompass gibt, sodass das Publikum einen eigenen Standpunkt finden und sich fragen muss: „Wie hätte ich mich verhalten?“ 
 
DER HAUPTMANN ist Ihr erster historischer Film. Wie umfassend war Ihre Recherche bezüglich Set-Design, Szenografie, Kostüm etc.?
Als ich das erste Mal auf die Geschichte von Willi Herold stieß, habe ich überlegt, wie ich diese verfilmen könnte und was für eine Art von Film ich machen wollte. Wie würde mein Film über Gewalt und die deutsche nationalsozialistische Vergangenheit aussehen? Mir wurde schnell klar, dass ich so einiges recherchieren musste und so habe ich dann Bücher über Geschichte und Psychologie gelesen, Tagebücher aus der Zeit und Romane. Ich las die letzte erhaltene Akte über den Fall im Staatsarchiv Oldenburg und besuchte die Gedenkstätte Esterwegen, wo ein früherer Gefangener ein Modell des Emslandlagers aus dem Gedächtnis nachgebaut hatte. Die Proportionen waren absichtlich ungenau: Türme waren zu hoch, Zäune zu dick, das Tor unmöglich massiv – eine subjektive, nicht faktisch korrekte Sicht auf die Vergangenheit. Das hat mich tiefer und nachhaltiger bewegt, als es ein exaktes Modell hätte tun können. Wenngleich DER HAUPTMANN nicht durch die Perspektive der Opfer erzählt wird, wurde diese Art von erfahrungsgemäßer Sicht auf das Vergangene zu einem Leitsatz für mich und inspirierte mich dazu, den Film mit einem gewissen Grad an Abstraktion umzusetzen.

Wie hat diese Einsicht Ihre Sichtweise auf Willi Herolds Figur verändert? 
Ich kam zu dem Schluss, dass es nicht darum geht, den Versuch zu unternehmen, den Charakter von Willi Herold zu analysieren oder Terminologien der klinischen Psychologie anzuwenden. Immer wenn ich versuchte, dem einen Namen zu geben, fühlte es sich wie eine Reduzierung an. Ich entschied, jeder muss für sich beurteilen, wer Willi Herold war und warum er tat, was er tat. Im Zentrum der Figur findet sich ein beabsichtigter blinder Fleck, der das Publikum dazu auffordert, seine eigenen Antworten zu finden. 
 
Würden Sie DER HAUPTMANN einen authentischen historischen Film nennen?
Ich bin kein Fan der „Fetischisierung von Authentizität“, was eine wundervolle Formulierung ist, die die Filmkritikerin Cristina Nord gebrauchte, als sie darüber sprach, wie deutsche Filme über die Nazi-Vergangenheit im Grunde zum Äquivalent von britischen Heritage Movies geworden sind. Geschichte ist immer ein Blick zurück aus einer spezifischen Gegenwart mit ihren jeweiligen Vorurteilen und Absichten. Ich wollte nie vorgeben, dass dies nicht der Fall wäre. Natürlich sind die Uniformen korrekt, da sich DER HAUPTMANN um Uniformen dreht. Aber wir nahmen uns in anderer Hinsicht viele Freiheiten. Ich wollte sichergehen, dass eine Schicht an Abstraktion über allem liegt: Set, Schauspiel, Tonalität.
 
Kommen wir zu den Darstellern: Diesen Film zu drehen, muss für sie eine Herausforderung gewesen sein, besonders für den jungen Hauptdarsteller Max Hubacher. Wie haben sich die Schauspieler auf dieses besondere Setting vorbereitet und wie haben Sie mit ihnen gearbeitet?
Ich denke, vieles war durch das Drehbuch vorgegeben. Wenn Sie sich andere Filme ansehen, die von Gewalt, Brutalität und den Abgründen des Menschen handeln, bieten Ihnen viele Filme ein Schlupfloch, durch das Sie entkommen können – entweder durch Humor oder eine Figur, mit der Sie sich identifizieren können. Mein Drehbuch hatte nichts von alldem. Ich glaube, dies war allen Beteiligten beim Lesen des Drehbuchs sehr klar.

Welche Erfahrung haben die Schauspieler während des Drehs gemacht? 
Max Hubacher, der Willi Herold spielt, war schockiert, als wir seinen Besuch der Baracken drehten, mit all den Gefangenen zugegen. Bernd Hölscher, der den SA-Führer Schütte spielt, war sehr betroffen, nachdem seine Figur die Gefangenen in der Grube erschießt. Wir zeigten sie nicht, aber da waren immer Menschen in der Grube, die um ihr Leben bettelten. Es war sehr schwer für ihn, an diesem Abend weiterzudrehen. Mich hat es erschüttert, als Milan Peschels Charakter in der Grube über die (unsichtbaren) Leichen laufen musste. Es hat uns alle an einem gewissen Punkt erwischt.
 
Haben Sie viel mit den Schauspielern geprobt?
Wir haben für mehrere Wochen intensiv geprobt. Weder die Atmosphäre des Films noch das Schauspiel ist naturalistisch. Wir mussten die Tonalität und die Absichten aufeinander abstimmen, um sicherzugehen, nicht zu weit in die eine oder andere Richtung abzuweichen. Die Schauspieler haben sehr hart an dieser Gratwanderung gearbeitet.
 
Es ist Ihr erster Film, den Sie in Schwarzweiß gedreht haben. Was war die Idee hinter dieser Entscheidung?
Es gibt die Anekdote, dass Martin Scorsese Testaufnahmen von WIE EIN WILDER STIER in Farbe drehte und diese Michael Powell zeigte. Der sagte – ich paraphrasiere: „Du kannst diesen Film mit all dem Blut nicht in Farbe machen. Die Menschen werden nicht in der Lage sein, an dem Blut vorbeizuschauen, an dem Rot. Du musst diesen Film in Schwarzweiß drehen!“ Dies erschien mir sehr klug, wenn man bedenkt, wie Zuschauer Gewalt im Film wahrnehmen, und ich dachte mir: Wir erzählen solch eine blutige Geschichte und es muss mir gelingen, dass das Publikum nicht komplett zumacht oder abgestoßen wird. Es war auch eine intuitive Wahl, da ich die Zeit hauptsächlich von Schwarzweißfotos kenne. Der dritte Grund war ein ästhetischer: Ich wollte dem Film eine abstrakte Qualität verleihen. Es gibt eine beabsichtigte Theatralität im Film und Schwarzweißbilder passen besser dazu.
 


„Macht entspricht der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen  und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner; sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur so lange existent,  als die Gruppe zusammenhält. Wenn wir von jemandem sagen, er „habe Macht“, heißt das in Wirklichkeit,  dass er von einer bestimmten Anzahl von Menschen ermächtigt ist, in ihrem Namen zu handeln.“
 
Hannah Arendt (aus: Macht und Gewalt, München 2000)
Autor: Siehe Artikel
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Donnerstag 22.02.2018
LUCKY
Ab 08. März 2018 im Kino
Ein Film von John Carroll Lynch
Mit: HarryDeanStanton, DavidLynch, RonLivingston, EdBegleyJr., TomSkerritt, BethGrant u.a.

Lucky ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, philosophische Gespräche bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Zeit dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen.


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Voller lakonischem Humor und Country-Song-Melancholie ist LUCKY eine rührende Hommage an den Hauptdarsteller Harry Dean Stanton, gespickt mit liebenswert, skurrilen Nebenfiguren (u. a. gespielt von David Lynch). Vor der weiten amerikanischen Landschaft inszeniert Schauspieler John Carroll Lynch in seinem Regiedebüt einen poetischen Film, der das Leben feiert. LUCKY wurde auf dem Filmfestival von Locarno mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet und sorgte bei Branche und Publikum gleichermaßen für eine wahre Euphorie.


LANGINHALT
Lucky (HARRY DEAN STANTON) hat die 90 bereits hinter sich. Und doch erfreut sich der dürre Mann mit dem hageren Gesicht bester Gesundheit – obwohl er eine Packung Zigaretten am Tag raucht. Aus tiefster Überzeugung glaubt er nicht an Gott und hat immer einen provokanten Spruch für seine Mitmenschen auf den Lippen, die ihm egal er nicht sein könnte. Zumindest tut er so,wenn er zu Fuß seine tägliche Tour durch die kleine Gemeinde im Wüsten-Nirgendwo zurücklegt, in der er lebt. Aber natürlich mag er all die Menschen, die ertäglich trifft. Und alle Menschen mögen ihn, den schrulligen Eigenbrötler und Freigeist.
Es ist ein Leben voller lieb gewonnener Gewohnheiten, das Lucky führt – weiterhin allein und ohne jede Hilfe in seiner bescheidenen Hütte am Rande der Kleinstadt, worauf er stolz ist. „Es besteht ein Unterschied zwischen allein sein und einsam sein“, pflegt er zu sagen. Jeden Morgen steht er zur selben Zeit auf, zündet sich eine Zigarette an, schaltet das Radio mit mexikanischer Mariachimusik an, wäscht sich, rasiert sich, macht seine Yoga-Übungen, trinkt den einen am Vortag vorbereiteten Eiskaffee, bereitet den nächsten vor und stellt ihn in den Kühlschrank, zieht sich an, setzt seinen Hut auf undgehtlos.
Der erste Weg führt ihn in den Diner, wo er sich immer denselben verbalen Schlagabtausch mit Besitzer Joe (BARRY SHABAKA HENLEY) liefert, bevor er seinen Kaffee mit viel Milch und noch mehr Zucker trinkt und ein Kreuzworträtsel löst. Weiter geht es in den Supermarkt, wo er mit der Besitzerin Bibi eine Runde plaudert. Wieder Zuhause pflegt Lucky ohne Ton – das Geschrei nervt ihn – Gameshows laufen zu lassen und philosophische Gespräche mit einem Unbekannten am anderen Ende der Leitung seines roten Telefons zu führen.
Es sind Gespräche, die er am Abend in der Bar bei einer Bloody Mary fortführt. Hier trifft er seinen Freund Howard (DAVID LYNCH), der verzweifelt seine hundertjährige Schildkröte Präsident Roosevelt sucht, die durch ein geöffnetes Gartentor entwischen konnte. Barkeeperin Elaine (BETH GRANT) hält die Leute mit starken Sprüchen bei Laune – und mit ihrem liebevoll-respektlosen Geplänkel mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Paulie (JAMESDARREN).
Am nächsten Tag geht die Routine von vorne los. Doch heute ist etwas anders. Während Lucky seinen Eiskaffee trinkt, kippt er auf einmal um.Kurz darauf kann er wieder aufstehen. Aber der alte Mann ist besorgt. Ein Besuch bei seinem Arzt Dr. Kneedler (ED BEGLEY JR.) bringt keine Erkenntnisse. Beneidenswert kerngesund sei er, sagt der Doktor, er könne noch tausend Tests machen, aber letztlich käme sicher immer dasselbe raus:„Sie sind alt und werden jeden Tag älter!“ Mehr nicht. Er weist Lucky allerdings daraufhin, das sein Körper nicht ewig leben kann. Er müsse sich darauf vorbereiten, dass seine Tage aller Voraussicht nach gezählt seien.

Auf einmal fällt es Lucky schwer, seine lieb gewonnenen Rituale aufrecht zu erhalten. Von einer ihm ganz fremden inneren Unruhe angetrieben, marschiert Lucky die Straße entlang. Im Supermarkt gesteht er Bibi, dass er nicht weiß, ob es ihm gut geht. Sie lädt ihn zum Geburtstag ihres Sohnes Juan am Samstag ein, ein richtiger mexikanischer Geburtstag mit allem Drum und Dran soll es sein.
In der Bar am Abend ist Lucky schlecht gelaunt. Paulie erzählt ihm seine Lebensgeschichte, wie er ein Leben als Nichts führte, als ein „Ungatz“, ein Nichts – bis er Elaine kennenlernte. Luckys Freund Howard sitzt an einem Tisch mit seinem Anwalt, Bobby Lawrence (RON LIVINGSTON), und bespricht mit ihm sein Testament. Lucky macht aus seiner Antipathie für Anwälte kein Hehl und schießt dabei übers Ziel hinaus. Es kommt zur Konfrontation und Lucky stürmt aufgebracht aus der Bar. Mit Paulie sieht er auf der Straße ein gleißend rotes Licht, das er sich nicht erklären kann.
Lucky beginnt eine Schwere zu spüren, die ihm bisher fremd war. Am nächsten Tagverlässt er das Hausnicht,wieer essonst jeden Tag macht. Er steht allein in seiner Unterwäsche im Garten, als er unvermittelt Besuch von Loretta (YVONNE HUFF) erhält: Die Bedienung aus Joes Diner hat sich Sorgen gemacht, als Lucky nicht aufgetaucht ist. Er zögert, ist aber sichtlich gerührt und lädt Loretta zu sich ein. Gemeinsam rauchen sie einen Joint und sehen sich im Fernsehen einen alten Auftritt von Liberace an. Lucky gesteht ihr, dass er Angst hat.
Doch am nächsten Tag geht er wieder in den Diner. Auf dem Rückweg macht er Halt in der Tierhandlung. Er hat nie Tiere besessen, aber nun kauft er Heimchen, die eigentlich an Reptilien verfüttert werden sollen, und rettet sie dadurch. Abends spielt er Zuhause auf der Mundharmonika und schläft mit dem Zirpen der Heimchenein.
Lucky beschließt, die Einladung von Bibi anzunehmen und besucht den Geburtstag ihres Sohnes Juan. Er ist gerührt von der vertrauten, familiären Stimmung und kann nicht anders, als ein trauriges mexikanisches Lied anzustimmen. „Volver, Volver“. Die Gäste der Feier stimmen ein und singen mit. Lucky kehrt zurück in Elaines Bar. Howard hat seine Schildkröte immer noch nicht wiedergefunden. Lucky legt sich mit Elaine an, weil er androht, sich in ihrer Bar eine Zigarette anzuzünden. Er erklärt, dass die Wahrheit wichtig ist, weil: „Alles wird verschwinden. Ins Dunkel. Ins Nichts. Und keiner ist da für zuständig.Was bleibt? Ungatz. Nichts. Das ist alles.“
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 15.02.2018
RED SPARROW
Ab 01. März 2018 im Kino
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Dominika Egorova ist vieles.
Eine hingebungsvolle Tochter, entschlossen ihre Mutter um jeden Preis zu beschützen.
Eine Primaballerina, die ihren Körper und Geist mit eiserner Disziplin bis zum absoluten Limit gepusht hat.
Eine Meisterin des verführerischen und manipulativen Kampfes.

Als eine Verletzung ihrer Karriere ein Ende setzt, sehen Dominika (Jennifer Lawrence) und ihre Mutter einer trostlosen und unsicheren Zukunft entgegen. Daher lässt sie sich schnell dazu überreden, eine der neusten Rekruten der Sparrow School zu werden, einem Geheimdienst, der außergewöhnliche junge Menschen wie sie trainiert, ihren Körper und Verstand als Waffe einzusetzen. Nachdem sie den abartigen und brutalen Trainingsprozess überstanden hat, entwickelt sie sich zum gefährlichsten Sparrow, den das Programm je hervorgebracht hat. Dominika muss ihr Leben auf ihre neue machtvolle Situation abstimmen und das betrifft auch alle ihr nahestehenden Menschen, die sich durch sie in Gefahr befinden -  darunter auch ein amerikanischer CIA Agent (Joel Edgerton), der versucht, sie davon zu überzeugen, dass er die einzige Person ist, der sie trauen kann.

Regie: Frances Lawrence
Drehbuch: Justin Haythe
Basierend auf dem Buch von Jason Mathews
Produzenten: Peter Chernin und Steve Zaillian
Mit: Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenarts, Jeremy Irons, Mary-Louise Parker, Charlotte Rampling
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 08.02.2018
ALLES GELD DER WELT
Ab 15. Februar 2018 im Kino
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Scott Free Productions und Imperative Entertainment bestätigen ihre Entscheidung, Kevin Spacey in der Rolle des „J. Paul Getty“ in ALLES GELD DER WELT durch Christopher Plummer zu ersetzen. Die bereits mit Kevin Spacey gedrehten Szenen werden ab dem 20. November 2017 an Originalschauplätzen in Rom und London nachgedreht. Obwohl es sich dabei um eine ungewöhnliche Herausforderung handelt, wird diese mutige Entscheidung von allen betroffenen Schauspielern und Crew-Mitgliedern vollumfänglich unterstützt. Unter der Anleitung von Regisseur Ridley Scott sowie der Produzenten Dan Friedkin und Bradley Thomas mit ihrer Produktionscrew wird das gesamte Filmteam alles daransetzen, die Produktion und Postproduktion des Films so nahtlos wie möglich fortzusetzen, so dass für die internationalen Investoren kein Schaden entsteht.

Auch Sony Pictures unterstützt voll und ganz die Entscheidung, die entsprechenden Szenen nachzudrehen, zumal die Dreharbeiten rechtzeitig abgeschlossen sein werden, um den US-Starttermin am 25. Dezember 2017 zu halten.

Diese außergewöhnlichen Umstände betreffen einen Film, auf den alle Beteiligten extrem stolz sind. Scott und das Produktionsteam sind davon überzeugt, dass es trotz der offensichtlichen Herausforderungen notwendig ist, Farbe zu bekennen, damit die bedauernswerten Anschuldigungen gegen einen Nebendarsteller nicht einen Film beschädigen, an dem über 800 Schauspieler, Autoren, Künstler, Handwerker und Crewmitglieder mehrere Jahre lang unermüdlich und unbescholten gearbeitet haben.

Ein Film von Ridley Scott

mit MICHELLE WILLIAMS, MARK WAHLBERG, CHRISTOPHER PLUMMER,
ROMAIN DURIS, CHARLIE PLUMMER u.v.a.

Es ist einer der aufsehenerregendsten Fälle der Kriminalgeschichte: 1973 wird der 16-jährige Paul (Charlie Plummer), Enkel des milliardenschweren Öl-Magnaten J. Paul Getty (Christopher Plummer), in Rom entführt. Die Kidnapper verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld, doch der reichste Mann der Welt denkt gar nicht ans Bezahlen. Der alte Griesgram hält das Ganze für eine Inszenierung und fürchtet Nachahmer – schließlich hat er 13 weitere Enkel. Nur Pauls verzweifelte Mutter Gail (Michelle Williams) kämpft weiter um das Leben ihres Sohnes. Unermüdlich versucht sie, den alten Getty umzustimmen und verbündet sich schließlich mit dessen Sicherheitsberater, dem Ex-CIA Mann Fletcher Chase (Mark Wahlberg). Den beiden bleibt nur noch wenig Zeit, bis das Ultimatum abläuft...
 
In ALLES GELD DER WELT rekonstruiert Meisterregisseur Ridley Scott (DER MARSIANER, AMERICAN GANGSTER, BLADE RUNNER) einen der spektakulärsten Entführungsfälle des letzten Jahrhunderts. Für seine packende Inszenierung wurde Scott ebenso für den Golden Globe nominiert wie seine Hauptdarstellerin Michelle Williams (MANCHESTER BY THE SEA), die aufopferungsvoll für die Rettung ihres Sohnes kämpft. Eine weitere Golden-Globe-Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller erhielt Schauspiellegende Christopher Plummer (REMEMBER, VERBLENDUNG, BEGINNERS) in der Rolle des mürrischen Milliardärs, der hier kurzfristig Kevin Spacey ersetzte und dessen Szenen in Rekordzeit in den bereits abgedrehten Film eingefügt wurden. Zum weiteren Ensemble des hochkarätig besetzten Thrillers zählen Mark Wahlberg (TRANSFORMERS, BOSTON), Charlie Plummer (THE DINNER) und der französische Schauspielstar Romain Duris (DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS).

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Er ist eine faszinierende Figur: schillernd, charismatisch, durch und durch ambivalent. Das Blitzen in seinen Augen erzählt von der Lust am Erfolg, von den spektakulären Deals, die ihn zum reichsten Mann der Welt gemacht haben. Die schmalen Lippen mit den nach unten gezogenen Mundwinkeln künden dagegen von seiner dunklen Seite: der eisigen Härte, dem penetranten Geiz, dem pathologischen Streben nach mehr, immer noch mehr. J. Paul Getty, Ölmagnat, Kunstsammler und Begründer eines illustren Familienimperiums, zählt zu jener seltenen Unternehmerspezies, die man zugleich bewundert und bemitleidet, fürchtet und verehrt. Christopher Plummer interpretiert ihn mit der Präzision eines brillanten Hollywood-Haudegens, und schon allein wegen dieser Leistung ist ALLES GELD DER WELT ein sehenswerter Film.

Das wäre, unter normalen Umständen, eine positive, aber nicht weiter überraschende Meldung. Doch für ALLES GELD DER WELT, Ridley Scotts packende Rekonstruktion eines der spektakulärsten Entführungsfälle des 20. Jahrhunderts, galten zumindest bei der Besetzung des hartherzigen Multimilliardärs keine normalen Umstände. Denn Plummer zählte zwar zu den Kandidaten, die von der Produktion ursprünglich für den Part vorgesehen waren. Den Zuschlag aber erhielt zunächst „House of Cards“-Star Kevin Spacey, der die Rolle dann auch im Sommer 2017 spielte. Mitten in die Postproduktion platzten Ende Oktober jedoch die ersten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen den zweifachen Oscar-Preisträger, auf die wie schon im Fall Weinstein zahlreiche weitere folgten. Noch vor seiner Fertigstellung drohte Scotts 25. Regiearbeit zu einem „Skandalfilm“ zu mutieren, den das Publikum wegen Spaceys Beteiligung vermutlich boykottiert hätte. Das wollte der Brite um jeden Preis verhindern. „So ein Verhalten darf nicht toleriert werden“, sagte er dem Branchenblatt Entertainment Weekly. „Wir können nicht zulassen, dass die Handlungen eines Einzelnen die Arbeit eines ganzen Teams zunichtemachen.“

So kam es im November 2017 zum kurzfristig anberaumten Nachdreh, bei dem Spacey komplett durch Plummer ersetzt wurde. Dem fertigen Produkt, so viel darf vorweggenommen werden, hat das nicht geschadet. Ganz im Gegenteil, nicht nur fügen sich die neuen Einstellungen absolut unmerklich in das vorhandene Material. Es spricht auch einiges dafür, dass der knorrige Plummer dem echten J. Paul Getty deutlich näherkommt als der hinter einer Maske kaum noch erkennbare Spacey.

Ridley Scott Scott gelingt es meisterhaft, das Zeitgefühl der 1970er Jahre zu evozieren. ALLES GELD DER WELT ist erwartungsgemäß großes Ausstattungskino, das akribisch die Ära vor Smartphone und Internet abbildet, in der sich die Dinge noch mit erstaunlicher Langsamkeit entwickeln konnten, denn die Entführung dauerte geschlagene fünf Monate. Scott ist für seine Detailversessen- und Designverliebtheit bekannt, die er vor allem in seinen größten Filmen BLADE RUNNER, ALIEN und DER MARSIANER eindrucksvoll unter Beweis stellt. Für seinen packenden Entführungsthriller findet der Regisseur die perfekte Balance zwischen künstlerischer Gestaltung und nervenzerreißendem Realismus. Obwohl der Ausgang des historischen Falls bekannt ist, entwickelt der Film eine ungemeine Spannung und lässt uns bis zum letzten Moment mit der tapfer kämpfenden und leidenden Gail mitfiebern.

Kein Wunder, dass ALLES GELD DER WELT als hochgehandelter Favorit in die Awards-Saison startet. Die drei Nominierungen für den Golden Globe: Beste Regie Ridley Scott Beste Darstellerin in der Kategorie Drama für Michelle Williams (MANCHESTER BY THE SEA),  sowie Christopher Plummer (REMEMBER) als Bester Nebendarsteller dürften da nur der Anfang gewesen sein. Zum weiteren Ensemble des hochkarätig besetzten Thrillers zählen Mark Wahlberg (TRANSFORMERS, BOSTON), Charlie Plummer (THE DINNER) und der französische Schauspielstar Romain Duris (DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS).


INHALT

Rom im Sommer 1973. Ein junger Amerikaner schlendert über die nächtliche Via Veneto. Plötzlich hält ein mit mehreren vermummten Männern besetzter VW-Bus am Straßenrand, zerrt den jungen Mann in den Wagen und braust davon. Der Entführte ist kein geringerer als John Paul Getty III (Charlie Plummer), Lieblingsenkel des legendären Unternehmers J. Paul Getty (Christopher Plummer), der mit Ölgeschäften in Saudi-Arabien nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstein für sein Vermögen gelegt hat und seitdem für seine Milliarden genauso berühmt ist wie für seinen Geiz. Als Chef von Getty Oil gilt er als der reichste Mann der Welt, und auf dieses Geld haben es natürlich viele abgesehen. Als sich die Nachricht von Pauls Verschwinden über die Medien verbreitet, gehen prompt unzählige Forderungen von vermeintlichen Entführern in der Getty Oil Zentrale ein.

Nachdem die Gruppe um Anführer Cinquanta (Romain Duris) den verängstigten Paul im ländlichen Kalabrien in ihr Versteck gebracht hat, klingelt endlich auch bei Pauls Mutter Gail (Michelle Williams) in Rom das Telefon. Als Cinquanta ihr mitteilt, dass sich Paul in seiner Obhut befindet, reagiert sie zunächst erleichtert. Doch ganz ohne Gegenleistung soll sie ihren geliebten Sohn natürlich nicht zurückbekommen. Die Entführer fordern stolze 17 Millionen Dollar Lösegeld für seine Freilassung, schließlich würde Pauls Großvater über alles Geld der Welt verfügen.

Währenddessen gibt J. Paul Getty eine spontane Pressekonferenz vor seinem englischen Landsitz. Der Milliardär bleibt völlig gelassen und analysiert die Situation rein logisch, obwohl er die Summe eigentlich locker aus der Portokasse begleichen könnte: Seiner Ansicht nach sei kein junger Mensch so viel Geld wert, auch nicht sein Enkel, und schließlich gäbe es noch 13 weitere Getty-Enkel, für die er keinen Präzedenzfall schaffen will. Gail, die sein Statement live am Fernseher verfolgt, ist geschockt und entsetzt zugleich. Es geht hier um das Leben ihres Sohnes! Dafür wäre sie bereit, alles zu geben. Nur leider ist sie, der der Reichtum der Getty-Familie nie etwas bedeutete, komplett mittellos und gar nicht in der Lage, die immense Lösegeldsumme allein aufzubringen. Also spricht sie mit der Polizei, telefoniert immer wieder mit Cinquanta und versucht, wenigstens etwas Zeit zu gewinnen. Doch es führt kein Weg daran vorbei: Sie muss nach England fliegen und den alten Geizhals zur Rede stellen. Denn wenn es ihr nicht gelingt, ihn umzustimmen, besteht keine Chance mehr, ihren Sohn lebend wiederzusehen.

Rückblick: Auf menschliche Beziehungen legt der alte Getty immer weniger Wert, zu oft hat man ihn zuvor enttäuscht. Schwach wird er nur noch, wenn es um schöne Dinge geht: Skulpturen, Gemälde und Kunstwerke aller Art, die er bei jeder Gelegenheit seiner beträchtlichen Sammlung hinzufügt. Auch von seinem mittlerweile erwachsenen Sohn John Paul Getty II (Andrew Buchan) hat er sich früh entfremdet, den Kontakt aber wiederaufleben lassen, als der klamme Getty II ihn Mitte der 1960er Jahre auf Drängen seiner Frau Gail Harris brieflich um einen Job bittet. Der knorrige Patriarch lässt die Familie nach Rom kommen und gibt dem Junior die Chance, ins mittlere Management des Konzerns einzusteigen. Gleichzeitig lernt der Senior so auch seinen Enkel, den jungen John Paul Getty III (Charlie Shotwell), kennen und schätzen.

Doch schon wenige Jahre später ist das Familienglück wieder zerbrochen. Anfang der 70er hat John Paul Getty II Gail verlassen und feiert Drogenpartys in Marokko. Im September 1971 führt Gail in San Francisco die Scheidungsverhandlungen mit dem alten J. Paul. Sie verzichtet auf jegliche finanzielle Unterstützung, verlangt aber das Sorgerecht für ihre Kinder. Es ist ein Angebot, das der alte Geizkragen nicht ablehnen kann. Erst nach der Entführung ihres Sohnes sieht sich Gail gezwungen, wieder Kontakt mit der Getty Familie aufzunehmen.

Auf dem Familienanwesen im britischen Sutton Place angekommen, kann Gail trotzdem kaum etwas ausrichten. Ihre Appelle an J. Paul verhallen scheinbar ungehört, doch hinter den Kulissen mischt sich der Ölmagnat durchaus ein. Er schickt Fletcher Chace (Mark Wahlberg), seinen Sicherheitsbeauftragten und Mann für alle Fälle, mit nach Rom, um sich der Sache anzunehmen. Der Ex-CIA-Agent findet dann auch schnell eine heiße Spur zu einer Terrorzelle der Roten Brigaden. Die Terroristen hatten Kontakt zum jungen Paul und berichten von dessen Plan, die eigene Entführung vorzutäuschen. Wo er jetzt steckt, wissen sie aber nicht. Fletcher schließt daraus, dass es gar kein Kidnapping gegeben hat. Für ihn ist der Fall damit erledigt und auch J. Paul ist sofort von dieser Theorie überzeugt und fühlt sich bestätigt.
Gail hingegen hat Chace’ Aktivitäten von Anfang an mit Skepsis betrachtet und denkt gar nicht daran, die Suche aufzugeben. Unermüdlich kämpft sie für das Leben ihres Sohnes. Paul wird währenddessen von den Kidnappern immer noch einigermaßen anständig behandelt, leidet aber unter der monatelangen Gefangenschaft. Dann gibt es endlich eine neue Spur! Die Polizei hat eine stark verkohlte Leiche entdeckt und vermutet, dass es sich dabei um Paul handelt. Gail und Fletcher fahren nach Kalabrien, um den Leichnam zu identifizieren. Doch Gail ist sich sofort sicher, dass dies nicht ihr Sohn sein kann. Und schnell bestätigt sich, dass der Tote ein polizeibekannter Aktivist ist, der zur Gruppe um Cinquanta gehört. Dadurch ist dann auch das Versteck der Entführer schnell ausgemacht. Aber das sofort ausrückende Spezialkommando ist leider zu spät am richtigen Ort: Paul ist längst verschwunden, ebenso wie der größte Teil der Entführergruppe.

Cinquanta ist die Sache allmählich zu heiß geworden, darum „verkauft“ er seine Geisel an die Mafia weiter, die ein Millionengeschäft wittert. Und anders als der geduldige Cinquanta haben die Mafiosi keine Zeit zu verlieren. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, greifen sie zu einem extremen Mittel: Sie schneiden Paul ein Ohr ab und schicken es zusammen mit einem Foto des Entführungsopfers an eine italienische Tageszeitung. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt...



Über die Produktion

„Ein reicher Mann ist nichts anderes als ein armer Mann mit Geld.“
W.C. Fields

Ideenreicher Ansatz

Produzent Quentin Curtis legte den Grundstein zu ALLES GELD DER WELT, als er die Filmrechte für John Pearsons Buch über die Familie Getty erwarb. „Painfully Rich: The Outrageous Fortune and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty“ thematisiert vor allem den berüchtigten Entführungsfall des Milliardärsenkels John Paul Getty III. Curtis schlug David Scarpa vor, die Geschichte für die Leinwand zu adaptieren. „Ich hatte von der Entführung natürlich schon gehört“, erinnert sich Scarpa. „Mich interessierte vor allem, inwieweit Geld grundsätzlich das Leben eines Menschen kontrolliert und beeinflusst. Viele unserer Entscheidungen basieren zum Teil auch auf finanziellen Erwägungen – die Wahl des Jobs, des Wohnorts, des Ehepartners usw. Je weniger Geld du zur Verfügung hast, desto eingeschränkter sind deine Möglichkeiten. Die Reichen werden sogar emotional von ihrem Vermögen beeinflusst. Das Geld gibt ihnen Freiheit und Macht, doch wie setzen sie das ein? Als Quentin mir von dem Projekt erzählte, war meine spontane Reaktion: ‚Ach, der Junge, dem ein Ohr fehlt?‘ Quentin wies darauf hin, dass Getty damals der reichste Mann der Welt war und das Lösegeld locker hätte aufbringen können. Er besaß eine Milliarde Dollar und sollte den Entführern 17 Millionen zahlen. Doch er weigerte sich. Dieses Detail machte mich neugierig, also sagte ich zu.“

Gettys notorischer Geiz und die emotionale Dimension, die sich dahinter auftat, faszinierten Scarpa. „Er hätte das Geld für die Freilassung leicht auftreiben können, doch psychologisch war er dazu nicht in der Lage, weil er sich nicht von seinem Geld trennen wollte. Die Geschichte beginnt also als klassischer Thriller, der jenseits der Fakten der Frage auf den Grund geht, welche Macht das Geld über diesen Mann hat und welchen Einfluss es auf seine Familie und die Entführer nimmt. Selbst das Leben eines Kindes bringt ihn nicht dazu, sich von seinem Geld zu trennen. Der reiche Mann ist schon längst zur Geisel seines Reichtums geworden“, fasst Scarpa die eigentliche Misere des alten Getty zusammen.

Die Struktur für Scarpas Drehbuch lieferte der Entführungsfall, anhand dessen hier erstmals zwei etablierte Genres miteinander kombiniert werden. „Wir zeigen Szenen aus der Zeit vor der Entführung, um den Jungen und den Milliardär einzuführen. Die größte Herausforderung bestand darin, Elemente des Thrillers mit denen eines klassischen Biopics zu verbinden. Der Film bewegt sich konsequent hin und her zwischen Thriller und Familiendrama à la Shakespeare“, erläutert Scarpa.

Das Drehbuch landete 2015 auf der Black List, der unter Filmschaffenden jährlich stattfindenden Umfrage nach herausragenden bis dato nicht realisierten Stoffen. Die Produzenten Dan Friedkin und Bradley Thomas von Imperative Entertainment lasen es und waren sofort fasziniert von der Geschichte. „Der Stoff handelt von der persönlichen Tragödie einer der weltweit reichsten und mächtigsten Familien. Das Ganze spielt auf drei Kontinenten. Uns war auf Anhieb klar, dass wir hier einen attraktiven Kinostoff vor der Nase hatten. Und es gab nur einen Mann, der diese Geschichte packend auf die große Leinwand bringen könnte.“ Nämlich Ridley Scott, der anfangs überhaupt nicht scharf darauf war, die Getty-Entführung zu verfilmen – bis er das Drehbuch las.

„Mit Getty verband ich ganz bestimmte Erinnerungen. Der Entführungsfall interessierte mich damals nicht sonderlich. Doch das Drehbuch nahm mich von Anfang an gefangen. Und als ich mich mit Dan und Bradley traf, wusste ich, dass ich bei ihnen in guten Händen sein würde. Ich wollte den Film unbedingt machen“, erinnert sich Scott.


„In J. Paul Gettys Brust steckten zwei Seelen“, fand Scott. Für seinen Geiz war er allseits bekannt, aber auch für seinen Geschäftssinn und seine wohltätige Ader. „Er war ein intelligenter Mann, der sich von seinem Instinkt leiten ließ. Wer sich 1948 in den Nahen Osten aufmachte, um Öl und Ländereien zu erwerben, der musste mutig und clever sein. Doch als es darum ging, für seinen Enkel Lösegeld zu zahlen, lehnte er das schlicht ab. Die Leute waren schockiert. Andererseits signalisierte er so den Entführern, dass er nicht bereit war, mit Terroristen zu verhandeln. Regierungen gehen heutzutage genauso vor. Insofern war Getty seiner Zeit voraus. Die Leute vergessen, dass er auch ein großzügiger Wohltäter war. Eine seiner Hinterlassenschaften ist die Getty Villa in Santa Monica, ein Museum, das keinen Eintritt kostet.“

Ursprünglich spielte Kevin Spacey den alten Getty mit Hilfe aufwändigen Make-ups inklusive einer Prothese. Doch die sich häufenden Anschuldigungen von ehemaligen Kollegen Spaceys, von ihm sexuell belästigt worden zu sein, bewogen Scott zusammen mit den Produzenten von Imperative Entertainment dazu, Spaceys Szenen neuzudrehen und ihn durch Oscarpreisträger Christopher Plummer zu ersetzen.

„Die furchtbaren Anschuldigungen wurden sechs Wochen vor dem geplanten Kinostart bekannt. Wir konnten den Film der Öffentlichkeit so nicht präsentieren, das ließ sich nicht mit unserem Gewissen vereinbaren. Als Ridley und ich entschieden, Christopher Plummer für die Rolle zu besetzen, waren das Team und die Schauspieler ganz auf unserer Seite. Wir sind ihnen sehr dankbar, dass sie uns so engagiert unterstützt haben“, kommentiert Dan Friedkin den Nachdreh.

Neben dem an Spacey beanstandeten Verhalten ging es auch darum, die an dem Projekt beteiligten Mitstreiter zu würdigen, die viel Zeit und Kraft in den Film gesteckt hatten. Sony Pictures brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Ein Film ist nicht das Werk eines einzelnen Künstlers. Es sind neben einem hochkarätigen Regisseur über 800 Schauspieler, Autoren, andere Künstler, Handwerker und Mitarbeiter daran beteiligt gewesen, die über mehrere Jahre Zeit und Energie für dieses Projekt aufgewandt haben. Es wäre einfach eine haarsträubende Ungerechtigkeit, ihr Werk wegen der Vergehen eines Nebendarstellers abzustrafen.“

J. Paul Getty führte ein bemerkenswertes und quasi kinoreifes Leben. Mit 24 war er bereits Millionär. Er war Stammgast auf den Partys der Reichen, ging verschwenderisch mit seinem Reichtum um, bis er schließlich wieder in das Familienunternehmen zurückkehrte. Er verwandelte sich fortan in einen disziplinierten, gnadenlosen Kapitalisten. Gleichzeitig war er Mäzen der Kunst- und Architekturszene. Er ermöglichte unter anderem den Nachbau der Hadrians Villa in Malibu, Kalifornien, die heute als „Getty Villa“ bekannt ist. Getty war ein Mann vieler Widersprüche – unfassbar reich und unglaublich knauserig, liebevoll und grausam.

Plummer war von dieser Gegensätzlichkeit in J. Paul Gettys Wesen fasziniert. „Ich war begeistert, als Ridley mir die Rolle anbot. Ich wollte schon immer mit ihm arbeiten. Ich spiele besonders gern reale Persönlichkeiten, weil ich die Recherchen spannend finde, vor allem bei so einem außergewöhnlichen Mann. Außerdem war das Drehbuch so exzellent, dass ich sofort auf die Rolle angesprungen bin.“

Plummer war mit dem Entführungsfall und Gettys überraschender Weigerung vertraut, doch über den Menschen Getty wusste er kaum etwas. „Getty war ein recht in sich gekehrter Mensch. Er verehrte Geld und genoss es, schöne Dinge zu kaufen, weil er von denen nicht enttäuscht wurde. Ihnen wohnte eine Reinheit inne, die er in Menschen nicht zu finden glaubte. Seine Reaktion auf die Lösegeldforderung folgt einer kühlen, unsentimentalen Logik. Er begründete seine Weigerung damit, dass er schließlich viele Enkelkinder hätte und sich dann dutzendweise neue Entführungen ereignen würden. Das sagt auch viel über seine komplexe Beziehung zu seiner Familie“, gibt Plummer zu bedenken.

Michelle Williams spielt Gail, die leidenschaftliche Mutter von John Paul Getty III, die sowohl ihren geizigen Schwiegervater als auch die Entführer unter hohem Risiko austrickst. Sie war sofort Feuer und Flamme für das Projekt – allein weil Ridley Scott Regie führte, brauchte sie nicht lange zu überlegen. „Als sein Name genannt wurde, war meine Entscheidung schon gefallen. Und nach der Lektüre des exzellenten Drehbuchs gab es eh keinen Zweifel mehr.“

Die Zusammenarbeit mit Scott erfüllte dann auch all ihre hohen Erwartungen: „Er arbeitet mit einer ungeheuren Präzision und kommuniziert seine Vorstellungen kurz und knapp, so dass die Drehtage zügig ablaufen und richtig Spaß machen. Das Ganze gleicht einem Spiel, in dem jeder heiß darauf ist, den Ball, der dir zugespielt wird, zu fangen. Er gibt dir viel Raum, um deine Rolle auszuloten. Und wenn du seine Hilfe brauchst, ist er sofort zur Stelle. Er hat sich immer etwas überlegt, um monoton anmutende Szenen über die Handlung oder den Dialog aufzupeppen“, erläutert Williams.

Williams bereitete sich auf Gail mit Hilfe von Videoclips auf YouTube vor und las Artikel und Bücher über sie. Die Kostümbildnerin und die Maskenbildner erleichterten ihr den Einstieg in die Rolle. „Als ich mit Ridleys fantastischer Kostümbildnerin Janty Yates anfing zu arbeiten und mit Ferdinando Merolla und Tina Earnshaw zwei tolle Maskenbildner an meiner Seite wusste, fügten sich alle Puzzleteile aus meiner Recherche zu einem großen Ganzen. Es ist kein Zufall, dass alle zum wiederholten Male mit Ridley arbeiten. Seine charmante und kluge Art wirkt anziehend auf hochqualifizierte Leute. So viel geballte Kompetenz ist schon einschüchternd. Jedenfalls hat es mir enorm geholfen, über die Kleidung und äußere Erscheinung Zugang zum Innern dieser Person zu finden“, erläutert Williams.

Scott gibt zu bedenken, dass Williams abgesehen von den Informationen aus dem Internet nicht sonderlich viel Material zu Gail zur Verfügung stand. Nach der Scheidung zog Gail sich entschlossen aus der ersten Reihe der berühmten Getty-Familie zurück und lebte ein ganz normales Leben. Erst die Entführung ihres Sohnes katapultierte sie zurück ins Licht der Öffentlichkeit. „Michelle ist eine vielschichtige Künstlerin mit Seltenheitswert. Sie nimmt ihre Rollen sehr ernst. Ihr stand nur wenig Material über Gail zur Verfügung, vor allem Kameraaufnahmen von ihren öffentlichen Ansprachen. Michelle hat ihre physische Erscheinung sehr gut eingefangen. Gail war athletisch, sie spielte Polo. Und sie war sehr intelligent. Sie war der Inbegriff einer modernen Mutter und ebenso entschlossen wie diszipliniert.“

Obwohl sie im Film Gegenspieler sind, hat Christopher Plummer die Zusammenarbeit mit Michelle Williams sehr genossen. „Ich bin ein großer Fan von ihr“, gesteht Plummer. „Sie ist eine extrem vielseitige Schauspielerin.“

Mark Wahlberg spielt Fletcher Chace, Gettys pragmatischen, rätselhaften und oft moralisch widersprüchlichen Berater und Sicherheitsmann. Auch er folgte dem Lockruf der Produzenten vor allem wegen Ridley Scott: „Die Geschichte hat mich zwar auch sehr fasziniert, aber die Chance, endlich mal unter seiner Regie arbeiten zu können, war ausschlaggebend. Wir kennen uns bereits seit circa 20 Jahren, und ich war auch davor schon ein großer Fan seiner Arbeit. Ich steckte gerade mitten in Dreharbeiten und hätte bis zu ALLES GELD DER WELT nur fünf Tage frei gehabt. Doch ich wollte mir diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, zumal ich beim Lesen des Drehbuchs feststellte, dass ich so eine Rolle bisher noch nie gespielt hatte. Zur Abwechslung musste ich mich nicht mit Teddybären, Waffen oder miesen Typen herumschlagen, sondern konnte einen gebildeten Mann verkörpern, der für Getty interessante Dinge erledigte“, erinnert sich Wahlberg.

Zu Ridley Scotts Lieblingsfilmen gehört sogar der mit Wahlberg und dem Teddy. Besonders Wahlbergs natürlicher Stil hat den Regisseur angesprochen: „TED und BOOGIE NIGHTS zählen tatsächlich zu meinen Lieblingsfilmen. Mark ist sehr einfühlsam und hat Sinn für Humor. Er wirkt sehr natürlich in seinem Spiel, und der Zuschauer kann sich mit ihm leicht identifizieren, selbst wenn seine Figur in extreme Situationen gerät. Genau das ist bei Fletcher Chace der Fall, als er von der Spezialeinheit in die CIA und schließlich zu Getty wechselt. Er ist gleichzeitig klug und verfügt über eine beeindruckende körperliche Präsenz, die er nur einsetzt, wenn es unbedingt nötig ist“, erläutert Scott.

Wahlberg konnte bei seinen Recherchen nicht viel über Chace herausfinden – nicht weiter verwunderlich bei einem Mann, der so ein geheimnisvolles Leben führte. „Er führte die Rudermannschaft in Harvard an, war Kampfschwimmer, arbeitete für die Marineeinheit der SEALs, dann für die CIA und hatte eine Ölfirma. Als er Getty kennenlernte, beriet Chace andere Ölfirmen. Getty schätzte seinen Rat und heuerte ihn für Getty Oil an“, fasst Wahlberg seine Kenntnisse über den Mann zusammen. „Dann legst du Hosenträger und Weste an und schlüpfst dank des tollen Drehbuchs geschmeidig in die Rolle.“

Das Drehbuch diente Wahlberg tatsächlich hauptsächlich als Quelle seiner Vorbereitung auf einen Mann, dessen Loyalität und Moralvorstellungen während des Entführungsfalls wiederholt auf die Probe gestellt werden. „Ich habe das Drehbuch vier Mal täglich laut gelesen, sodass ich es während des nicht chronologisch ablaufenden Drehs in- und auswendig konnte. Das hat mir geholfen, die Zwischentöne herauszuarbeiten, besonders in den Szenen, in denen sich bei Fletcher Chace langsam ein Sinneswandel ankündigt“, erläutert Wahlberg seine Arbeitsweise. Christopher Plummer war sehr erfreut, dass Wahlberg in fast all seinen Szenen an seiner Seite war. „Ich war auf die Zusammenarbeit mit ihm sehr gespannt“, verrät er.

Charlie Plummer, mit Christopher weder verwandt noch verschwägert, spielt den entführten Getty-Enkel John Paul Getty III. Er versteht ALLES GELD DER WELT als ein für unsere Gegenwart abschreckendes Beispiel, trotz der sehr speziellen Umstände der Entführung, die eine eher exklusive Milliardärsfamilie wie die der Gettys trifft: „Darüber haben Ridley und ich anfangs viel diskutiert: Was machst du mit deinem Leben, wenn du scheinbar alles hast? Meine Figur wächst in recht bescheidenen Verhältnissen auf und landet dann bei seinem Großvater in einem Leben voller Macht und Überfluss. Dem wird er je entrissen und muss während der Entführung viele Entbehrungen und Misshandlungen erdulden, bis er schließlich wieder freikommt. Wie reagierst du auf so etwas, wenn du reich bist und dir jeglicher moralische Kompass fehlt? Für ihn endete das Ganze tragisch. Meine Generation befindet sich in einer ähnlichen Situation, wo es vielen an nichts fehlt und alle danach streben, noch mehr anzuhäufen. Der Film macht deutlich, dass Geld nicht der entscheidende Faktor ist, der einen glücklich macht. Die Quelle für dein Glück liegt in dir selbst.“

Scott fand Plummers „schlaksigen Charme“ besonders ansprechend. Für den Regisseur war er die Idealbesetzung, denn er versteht es, den jähen Wandel vom unbekümmerten und selbstbewussten Jugendlichen hin zu einem brutal verunsicherten, fürs Leben gezeichneten jungen Mann überzeugend zu verkörpern. „Er sieht aus wie ein Erwachsener, strahlt aber auch diese jugendliche Frische aus. Deshalb sollte die Eingangsszene des Films unbedingt an der Via Veneto spielen, so wie in Fellinis DAS SÜSSE LEBEN, einem meiner Lieblingsfilme. Dort tummelten sich damals neben mondänen Filmstars und Paparazzi allerlei Eurotrash, Prostituierte sowie Wohlstandswaisen. Wir führen den 17-Jährigen ein, wie er allein die Straße entlanggeht und den attraktiven Strichmädchen selbstbewusst entgegentritt. Der Zuschauer weiß ihn sofort einzuordnen. Erst als er durch die Entführer dieser Welt brutal entrissen wird, tritt der kleine Junge in ihm wieder in den Vordergrund. Charlie spielt diesen inneren Bruch perfekt“, schwärmt Scott.

Gail ist die Einzige, die sich von Gettys Vermögen nicht korrumpieren lässt. Ihr liegt lediglich daran, dass ihr Sohn heil zu ihr zurückkommt. Das Geld von Getty ist für sie nur das Mittel zum Zweck. Die Liebe zu ihrem Sohn verleiht ihr den nötigen Schneid und selbstlosen Starrsinn und macht sie zum moralischen Vorbild. Williams weist darauf hin, dass Gail immer wieder aufs Neue beweisen muss, wie ernst sie ihre Mutterliebe nimmt: „Insofern ist der Film nicht nur ein spannender Thriller, er bricht auch eine Lanze für den Feminismus, indem er deutlich macht, was es für eine Frau bedeutet, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen. Es gibt viele Szenen, in denen gezeigt wird, wie sie an den Rand gedrängt oder außen vor gehalten wird. Sie wusste intuitiv, dass sie ihre ganze Kraft aufbringen musste, um in diesem Kampf die Kontrolle zu erlangen und am Verhandlungstisch Platz nehmen zu dürfen. Sie muss sich zusammenreißen, weil sie sich immer wieder auf eine veränderte Situation neu einstellen muss, um das Ziel am Ende zu erreichen. Ich liebe solche Figuren, die sich nicht unterkriegen lassen und kämpferisch daherkommen“, schwärmt Williams.
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Donnerstag 01.02.2018
SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS
Ab 15. Februar 2018 im Kino
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Der meisterhafte Geschichtenerzähler Guillermo del Toro inszeniert mit SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS eine poetische Liebesgeschichte, die circa 1963 vor dem Hintergrund des Kalten Krieges in Amerika spielt. In einem versteckten Hochsicherheitslabor der Regierung arbeitet die einsame Elisa (Sally Hawkins), gefangen in einem Leben der Stille und Isolation. Doch Elisas Leben ändert sich für immer, als sie und ihre Kollegin Zelda (Octavia Spencer) ein als geheim eingestuftes Experiment entdecken. Abgerundet wird die Besetzung durch Michael Shannon, Richard Jenkins, Doug Jones und Michael Stuhlbarg.

Fox Searchlight Pictures präsentiert in Zusammenarbeit mit TSG Entertainment eine Double Dare You Produktion, SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS, inszeniert von Guillermo del Toro nach einem Drehbuch von del Toro & Vanessa Taylor und nach einer Originalgeschichte von Guillermo del Toro. Als Produzenten fungieren Guillermo del Toro, p.g.a. und J. Miles Dale, p.g.a. Zum Drehteam gehören außerdem Kameramann Dan Laustsen, DFF, Produktionsdesigner Paul Denham Austerberry, Cutter Sidney Wolinsky, ACE, Ko-Produzent Daniel Kraus, Visual Effects-Supervisor Dennis Berardi, Kostümdesigner Luis Sequeira; für die Musik zeichnet Alexandre Desplat verantwortlich und für das Casting Robin D. Cook, CSA.

Ein Film von GUILLERMO DEL TORO
Mit SALLY HAWKINS, MICHAEL SHANNON, RICHARD JENKINS, DOUG JONES u.a.


In einem geheimen Regierungslaboratorium erblüht, mitten im Kalten Krieg, ein visuell berauschendes und emotional ergreifendes Wunderwerk der Fantasie. Meistererzähler Guillermo del Toro zaubert mit SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS ein betörendes Filmkunstwerk auf die Leinwand, in dem sich das Pathos und die Spannung eines traditionellen Monsterfilms mit einem verwunschenen film noir vereinen – und sich eine unvergleichliche Liebesgeschichte entwickelt, in der wir mit unseren geheimsten Fantasien, verdrängten Begierden und auch Ungeheuerlichkeiten konfrontiert werden.

Del Toro lässt seine Geschichte tief unter Wasser beginnen. Von dort entwickelt sie sich zu einem atemberaubenden Tauchgang in die Welt der sechziger Jahre: voller Dinge, die wir wieder erkennen – Macht, Wut, Intoleranz, und auch Einsamkeit, Entschlossenheit und plötzliche ansteckende Gemeinsamkeiten –, aber auch mit einer so außergewöhnlichen Kreatur, wie wir sie noch nie gesehen haben. Ein unerklärliches biologisches „Asset“ der US-Regierung, eine stumme Putzfrau, die sich in diese Kreatur verliebt, ihre beiden besten Freunde, Sowjetspione und ein wagemutiger Raub – all das verbindet sich zu einer einzigartigen, alle Grenzen überwindenden Liebesgeschichte.

Das geheimnisumwitterte amphibische Wesen wurde nicht nur aus den dunkelsten Tiefen des Wassers emporgezerrt, sondern scheint auch die grundlegenden adaptiven Fähigkeiten von Wasser zu besitzen, indem es die psychischen Konturen jedes Menschen annimmt, dem es begegnet - und sowohl Aggression wie grenzenlose Liebe widerspiegeln kann 

Del Toro verwebt in seiner Erzählung Gut und Böse, Unschuld und Bedrohung, Historie und Ewigkeit, Schönheit und Monstrosität. Und er zeigt letztendlich, dass auch die dunkelste Finsternis das Licht nicht ganz besiegen kann.  Del Toros Resümee: „Ich mache gerne Filme, die befreiende Wirkung haben, die aussagen, dass man o.k. ist genau so wie man ist. Und das, scheint mir, ist gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig“. Von größter Wichtigkeit war auch das exzellente Schauspielerensemble.
Die Anfänge von del Toros Leidenschaft, das Publikum gleichermaßen zu ängstigen und zu verzaubern, finden sich schon in früher Kindheit. Geboren in Guadalajara in Mexiko entwickelte er bereits als kleine Junge ein Faible für jene unzähligen Spukgeschichten, Monsterfilme und Märchen, die seine eigene wild wuchernde Fantasie beflügelten. Als er begann, Drehbücher zu schreiben und zu Regie zu führen, verbanden sich all diese Einflüsse zu jenem einzigartig expressiven Stil, der zu seinem Markenzeichen geworden ist, und der instinktiv mitten in die menschliche Psyche zu treffen scheint. 



Del Toro wurde bekannt durch seine drei bahnbrechenden spanischsprachigen Werke, in denen er das jeweilige Genre aufwertete, gar neu erfand: das mehrfach mit dem Oscar® ausgezeichnete Drama PAN’S LABYRINTH („Pans Labyrinth“, 2006), CRONOS („Cronos“, 1993) und THE DEVIL’S BACKBONE („The Devil’s Backbone“, 2001).  Jeder dieser Filme ist eine lebhafte Phantasmagorie, eine Erforschung der moralischen und physischen Fährnisse in einer von Korruption, autoritären Systemen und Krieg geprägten Welt. Seine übernatürlichen Actionepen - BLADE II („Blade 2”, 2002), die HELLBOY-Reihe („Hellboy“, 2004, „Hellboy – Die goldene Armee“, 2008), PACIFIC RIM („Pacific Rim“, 2013) - sind ebenso einfallsreich wie seine Gothic-Romanze CRIMSON PEAK („Crimson Peak“, 2015).

Auch SHAPE OF WATER -– DAS FLÜSTERN DES WASSERS folgt dieser Tradition - nun jedoch im Amerika der sechziger Jahre und in einer Zeit der sozialen Spaltung, am Rande eines Nuklearkriegs und kurz vor einem tiefgreifenden kulturellen Wandel. Del Toro verwebt dies mit einer atemberaubenden Liebesgeschichte, in der eine einsame Frau mit traumatischer Vergangenheit eine überwältigende Liebe entdeckt – eine Liebe, so mächtig, dass sie Misstrauen, Angst und sogar der Biologie trotzt. 

Für diesen Film versammelte del Toro eine Schar exquisiter Darsteller. Das talentierte Ensemble umfasst Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Doug Jones, Michael Stuhlbarg und Octavia Spencer.

Für del Toro war es von herausragender Bedeutung, die Frage der Liebe und ihrer Grenzen, sowohl innerlich wie äußerlich, zu erforschen. „Ich wollte eine wunderschöne, elegante Geschichte über Hoffnung und Erlösung erzählen, als Gegengift zum Zynismus unserer Zeit”. Diese Geschichte sollte die Form eines Märchens haben, in dem ein einfaches menschliches Wesen etwas ungeheuer Gewaltiges erfährt, etwas, dass alles überstrahlt, was es bisher erlebt hat. Und dann hatte ich den Einfall, diese Liebe mit etwas so Banalem und Bösem wie dem Hass zwischen Nationen, dem Kalten Krieg, zu kontrastieren, und dem Hass zwischen Menschen, ausgelöst von Rasse, Hautfarbe, Können und Geschlecht“.

Dass die beiden Hauptdarsteller des Films nicht sprechen, jedenfalls nicht auf konventionelle Art, verstärkt nur die Liebesgeschichte, denn damit fallen die verbalen Missverständnisse, die oft zwischen zwei Menschen stehen, weg. „Das Tolle an der Liebe ist ja, dass sie so mächtig ist, dass sie keine Worte braucht”, sagt del Toro. 



Die Verlockungungen von Monsterfilmen

Der Genremix in SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS reicht von opulenten Musicals bis hin zu spannenden Noir-Krimis. Doch am stärksten ausgeprägt ist die Beschäftigung mit Monsterfilmen, jenem Genre, das mit seiner Auslotung unserer grundlegenden Emotionen, von Angst, Verlassenheit und Gefahr, aber auch von Neugier, Ehrfurcht und Begehren, eine immerwährende Faszination ausübt. 

Wie so viele wuchs auch del Toro im düster faszinierenden Bann der klassischen Monster der Universal Studios auf: dem Wolfmann, der gegen seinen Willen zum wilden Tier mutierte, dem unschuldigen Frankenstein, der von wütenden Dorfbewohnern gejagt wird, dem verführerischen, von unheiligem Appetit getriebenen Dracula, und auch im Bann der Kreatur aus der schwarzen Lagune, eines prähistorischen amphibischen Wesens, das, in seiner Sehnsucht nach einer Gefährtin, aus der Lagune hervorstieg. 
Diese Monster hatten etwas seltsam Wiedererkennbares und unmittelbar Eingängiges an sich. Weil sie anders waren, wurden sie von Mistgabeln schwingenden Meuten verfolgt und dazu gezwungen, am Rande der Gesellschaft, in abgeschiedenen Schlössern, Wäldern und in Flüssen zu leben. Alle waren gefangen in einem Übergangsstadium – teils Mensch, teils etwas anderes – mit dem sich jeder, der je verfemt wurde, identifizieren kann. Das Spannendeste war vielleicht, dass sie sinnliche Wesen waren, machtlos gegenüber den endlosen Begierden von Körper und Seele.

Das Herzzerreißendste unter diesen ikonischen Monstern war der fischähnliche amphibische Humanoide aus CREATURE FROM THE BLACK LAGOON („Der Schrecken vom Amazonas“, 1954). Unter der Regie von Jack Arnold verkörperten Ben Chapman (an Land) und Ricou Browning (unter Wasser) den unnachahmlich tragischen Kiemenmann, das letzte Exemplar seiner prähistorischen Spezies. Die Kreatur, gleichermaßen gefährlich und einsam, geschmäht und schmachtend, verängstigte das Publikum - und bewegte es zutiefst.

SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS wurde 2011 konzipiert, als sich del Toro und Daniel Kraus, der Ko-Autor von del Toros Kinderbuchserie Trollhunters, eines morgens zum Frühstück trafen. Kraus erwähnte eine Idee aus seiner Teenagerzeit, über eine Putzfrau, die in einer Regierungsbehörde angestellt ist, sich heimlich mit einem Amphibienmann anfreundet, der dort als Untersuchungsexemplar gefangen gehalten wird, und ihn befreien will. Del Toro war von dieser Geschichte so begeistert, dass er sie sofort zu seinem nächsten Film machen wollte – es war genau jene Art von Märchenstoff, nach der er gesucht hatte. Von diesem Treffen an verabredeten die beiden ihre Zusammenarbeit für einen Roman, während del Toro das Drehbuch und die Regie für den Film übernehmen sollte. Zu diesem Zeitpunkt steckte del Toro noch in der Endphase der Produktion seines Riesenroboter-Monster-Blockbusters PACIFIC RIM („Pacific Rim“, 2013), doch in seltenen ruhigen Augenblicken schrieb er bereits am Drehbuch für denpersönlicheren Film, der schließlich den Titel SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS bekommen sollte.

2014 bezahlte del Toro aus eigener Tasche eine Gruppe von Künstlern und Bildhauern und präsentiere Fox Searchlight mittels Zeichnungen und Tonmodellen das  detaillierte Filmkonzept. Ohne jedes Zögern kam das Studio mit an Bord.

Im darauf folgenden Frühjahr begannen Guillermo und Fox Searchlight gemeinsam mit der Suche nach potentiellen Co-Autoren, die mit ihm am Drehbuch arbeiten sollten. Schließlich heuerten sie Vanessa Taylor an, die sowohl an der Plot-Struktur als auch den Charakteren eng mit Guillermo zusammenarbeitete (besonders bei der vielschichtigen Hauptfigur Eliza).

Del Toro wollte den Begriff der Monstrosität mit Hilfe einer Liebesgeschichte auf den Kopf stellen. Sie sollte aus der Kreatur die heldenhafte Hauptfigur machen und die Menschen, die sich gegen sie verbünden, als die eigentlichen Kräfte des Bösen entlarven: „In den Monsterfilmen der Fünfziger ist Strickland, jener gutaussehnende Regierungsagent mit dem kantigen Kinn, der Held und die Kreatur der Schurke. Ich wollte diese Sichtweise umkehren.“ 

Del Toro beschloss außerdem, seinem Monsterfilm eine weitere Ebene zu verleihen: Sinnlichkeit. Eine handfeste Erdigkeit sollte das Gegengewicht zur Märchenhaftigkeit bilden und in die wiedererkennbare Realität eines Erwachsenenlebens überführen. 

Produzent J. Miles Dale, der seit Jahren mit del Toro zusammenarbeitet, hält del Toro für einen der wenigen Regisseure, der dazu in der Lage ist, Kreaturen zu erschaffen, die leben und atmen und soviel Menschliches verkörpern, dass wir uns alle darin wiedererkennen. „Guillermo erschafft Kreaturen, die nicht von weltlichem Verhalten verdorben sind. Wir blicken auf sie wie in einen Spiegel, wie auf ein Idealbild von dem, was wir sein könnten”, sagt Dale. „Dieser Film ist anders als alles, was man je zuvor gesehen hat – doch er ist unverkennbar ein Del Toro Film. Es ist eindeutig sein Tonfall, aber es ist auch neu und ganz besonders”.

Als filmischen Zeitraum wählte del Toro mit Bedacht eine Ära der amerikanischen Geschichte, in der riesige Ängste herrschten: das Jahre 1962, in dem die Angst vor einem Nuklearkrieg mit der Sowjetunion ihren Gipfel erreichte – und  kurz bevor der idealistische, zukunftsgläubige Präsident Kennedy und sein „Camelot”-Mythos von Desillusionierung, Paranoia und sozialen Unruhen abgelöst werden würde. „In dieser Epoche geschieht sehr viel“, sagt Dale. „Der Kalte Krieg, der Wettlauf im Weltall, und die Bürgerrechtsbewegung. All das bildet den Hintergrund für eine Liebesgeschichte, wie man sie nie zuvor gesehen hat”.

Diese Epoche wird manchmal glorifiziert, doch dabei, meint del Toro, geraten die Ungerechtigkeiten und das lähmende Entsetzen angesichts der gesellschaftlichen Unterschiede leicht in Vergessenheit. „Für mich ist dies eine Epoche, in der die amerikanische Verheißung ins Stocken geriet – eine Zeit des Rassismus, der Ungleichheit, in der die Menschen sich am Rande eines Nuklearkriegs befinden. Und in wenigen Monaten wird Kennedy ermordet werden. Eigentlich ist es eine schreckliche Zeit zum Verlieben“, kommentiert er. „Doch die Liebe erblüht trotzdem“. 

Die futuristischen Impulse dieser amerikanischen Sechziger werden von der archaischen Kreatur kontrastiert, im Sinne von Rilkes Worten „Vergangenes steht noch bevor“. So del Toro: „Ich fand es spannend, dass 1962 eine Epoche voller Glauben an die Zukunft ist, während die Kreatur eine urtümliches Wesen aus der tiefsten Vorzeit ist. Die Menschen sind besessen von allem, was neu ist, von Werbesprüchen, dem Mond, neuer Mode, Fernsehen. Und dann gibt es, mitten unter ihnen, jene urzeitliche Macht, eine verliebte Kreatur.“
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Donnerstag 25.01.2018
DINKY SINKY
Ab 08. Februar 2018 im Kino
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Frida (Katrin Röver) wünscht sich ein Kind. Doch ihre Sehnsucht erfüllt sich nicht, und dann läuft auch noch der Mann davon. Während um sie herum ein regelrechter Babyboom ausbricht, verläuft ihr eigenes Leben vermeintlich rückwärts. Für Kummer bleibt keine Zeit. Sie ist 36 Jahre alt und der festen Überzeugung: jetzt oder nie. Es muss schnell ein neuer Lebenspartner her. Erst spät merkt Frida, dass die Jagd nach einem perfekten Leben nicht der Weg zum großen Glück ist.

Ein Film von MAREILLE KLEIN

Mit KATRIN RÖVER, TILL FIRIT, ULRIKE WILLENBACHER, MICHAEL WITTENBORN u.a.

Frida (Katrin Röver) wünscht sich ein Kind. Seit zwei Jahren unterliegt die Beziehung zu ihrem Freund Tobias (Till Firit) einem strikten Zeugungsprogramm. In ihrer Familie, dem Freundeskreis und unter Kollegen ist ein regelrechter Babyboom ausgebrochen. Frida ist mit ihren 36 Jahren bereits dreifache Tante und vierfache Patin. Aber was sie auch versucht, ihr eigener Kinderwunsch erfüllt sich nicht. Gerade als sie den nächsten Schritt gehen will und eine künstliche Befruchtung in Erwägung zieht, beendet Tobias die Beziehung. Fridas ganzer Lebensentwurf gerät aus den Fugen. Sie sehnt sich nach Heim und Familie, und nun soll sie mit Mitte dreißig von vorne beginnen? Das war nicht der Plan. Während ihre Freunde in die nächste Lebensphase übertreten, verläuft ihr eigenes Leben vermeintlich rückwärts.

Frida sucht Hilfe bei ihrer Mutter (Ulrike Willenbacher). Doch auch die Mutter erkundet neue Lebensphasen. Ihr einsames Witwendasein erlebt eine unverhoffte Wendung als sie im Internet einen Mann (Michael Wittenborn) kennenlernt. Frida ist nicht bereit aufzugeben. Sie will Kind und Familie und das möglichst schnell, denn der biologische Zeitdruck nimmt zu. Ohne die Trennung zu verarbeiten, macht sie sich auf die Suche nach einem neuen potentiellen Kindervater. Plötzlich ist jeder Mann eine Option, die in Betracht gezogen werden muss, ebenso wie andere Wege zum Kind - ohne Mann. Während sie verbissen ihrem Wunsch hinterherjagt, muss Frida schließlich lernen loszulassen, ohne zu wissen, was passiert...

PRESSENOTIZ

Im Rahmen des Münchner Filmfests 2016 feierte DINKY SINKY seine Premiere und gewann sowohl den Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie BESTES DREHBUCH wie auch den FIPRESCI-Preis, den Preis der internationalen Filmkritik.

DINKY SINKY beobachtet sehr genau und mit viel Sinn für Komik eine Situation, in der sich immer mehr Frauen wiederfinden. Mitte bis Ende 30, das Leben und die Karriere gut im Griff, stellt sich aufgrund der tickenden biologischen Uhr die Frage: Wie sieht mein zukünftiges Leben mit oder ohne Kinder aus?

Man geht davon aus, dass in Deutschland ca. 1,4 Millionen Menschen ungewollt kinderlos sind. Was dieser Kinderwunsch und die Möglichkeit, dass er sich nicht erfüllen wird, aus den Betroffenen macht, lotet dieser Film aus.

DINKY SINKY überzeugt dabei mit sorgfältigen Beobachtungen und großem Einfühlungsvermögen. Schauspielerin Katrin Röver spielt die Hauptfigur Frida mit ungemein viel Wärme und Authentizität. Eine unterhaltsame Gesellschaftsstudie der heutigen Mittdreißiger-Generation mit und ohne Kinder. “Das Wunderbare an Kleins Film ist, wie genau beobachtet die Situationen sind – mit viel Sinn für die Komik (...)”

- Abendzeitung

„Mit trügerischer Leichtigkeit und warmem Sinn für Humor zeichnet Regisseurin Mareille Klein die inneren und äußeren Kämpfe einer Frau nach, die Mutter werden will. (...) „Durch das präzise und flüssige Drehbuch und das außerordentliche Talent der Darstellerin Katrin Röver wird die Komplexität der Hauptfigur wunderschön angedeutet.“

- aus der Begründung der Jury FIPRESCI-Preis/ Filmfest München

“Der Gewinnerfilm für das Beste Drehbuch und des FIPRESCI-Preises beeindruckt mit seiner Menschlichkeit und seiner Leichtigkeit, während er die heiklen und komplexen Lebensumstände einer jungen Frau mit Kinderwunsch heute im 21. Jahrhundert erkundet.”

- The Hollywood Reporter

“This Bavarian Bridget Jones is a winner.”

- The Hollywood Reporter


DIRECTOR’S NOTE

Ein Kinderwunsch ist intim, ein unerfüllter Kinderwunsch erst recht. Und trotzdem meint jeder, hier mitreden zu dürfen, im Privaten wie in der Öffentlichkeit. In den letzten Jahren wurde der KiWu, wie er unter Insidern genannt wird, sogar zu einem Politikum. Frauen und Männer ohne Kinder sind schuld, dass in 30 Jahren nicht genügend Arbeitskräfte da sind, um in die Rentenkasse einzuzahlen. Und Papst Franziskus sagt: „Wer keine Kinder bekommt, ist egoistisch.“ Ideal seien drei pro Paar.

Mir begegnete das Thema KiWu das erste Mal mit voller Wucht als ich 26 Jahre alt war. Auf der Suche nach einer Gesprächstherapie nutzte ich die üblichen fünf Probestunden und besuchte einen freundlichen, jüngeren Therapeuten. Stunde für Stunde erzählte ich ihm von meinen Beziehungsproblemen. In der fünften Stunde sagte er: „Es wird Zeit, dass Sie sich trennen. Je früher desto besser. Sie werden nicht jünger. Die Zeit rennt Ihnen davon.“ Es verschlug mir die Sprache. Ohne noch etwas zu sagen, verließ ich nach einigen Minuten die Praxis und kehrte nicht zurück.

Der Rat des Therapeuten hatte mich verunsichert und Angst ausgelöst, vor der Zukunft und vor meinen Entscheidungen. Verbaute ich mir mit Mitte zwanzig den Rest meines Lebens? Und was heißt ,verbauen‘, gibt es denn ein richtiges Modell? Inzwischen habe ich mich an solche Ratschläge gewöhnt. Dieses Gespräch begegnet mir ständig, auch wenn ich die Zeitung aufschlage. Vor ein paar Jahren berichteten die Medien ausgiebig von unglücklichen, kinderlosen Frauen Mitte vierzig, heute von schlaueren Mitte zwanzig, die ihre Eizellen einfrieren, um sich nach Karriere und anderen Freiheiten noch den Traum vom Kind zu erfüllen.

Ich bin jetzt zehn Jahre älter und habe kein Kind. Ich kenne beide Gefühle, die Zufriedenheit darüber, wie es jetzt ist, und den Traum von einem Leben mit Kind. Nicht nur von mir selbst. Ich bin Frauen begegnet, die keinen Kinderwunsch haben, und das ganz klar für sich formulieren können, und Frauen, deren Kinderwunsch brennt, aber nicht in Erfüllung geht. Für sie ist der Verzicht auf ein Kind leidvoll. Es fühlt sich an, als hätten sie etwas verloren, obwohl sie es nie hatten. Dinky Sinky nimmt diese Trauer ernst. Gleichzeitig stellt der Film die Angst vor einer unerfüllten Zukunft vehement in Frage. Frida, die Hauptfigur, ist in erster Linie nicht deshalb unglücklich, weil sie kein Kind hat, sondern weil sie sich auf die Idee eines Kindes fixiert. Alles andere in ihrem Leben wird diesem Wunsch angepasst und geht verloren. Fridas Problem ist ihre Vision eines Lebens mit Leerstelle. Die Frage, die sich im Film schließlich stellt, ist nicht, ob sich der Traum vom Kind erfüllt, sondern ob Frida loslassen kann, ohne zu wissen, was dann passiert.

DINKY SINKY | REGIE

Mareille Klein wurde 1979 in Köln geboren. Sie verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in Südamerika und arbeitete von 2001 bis 2004 in dem Berliner Journalistenbüro polyeides medienkontor. Sie studierte seit 2004 Dokumentarfilmregie an der HFF München. In dieser Zeit entstanden verschiedene Dokumentarfilme, unter anderem “Der Cousin”, der 2008 seine Premiere im Deutschen Wettbewerb des DOK Fest Leipzig feierte. Von 2009 bis 2011 unterbrach sie ihr Studium, um den abendfüllenden Dokumentarfilm “Auf Teufel komm raus” zu realisieren. Nach seiner Premiere auf den Hofer Filmtagen wurde er auf zahlreichen Festivals gezeigt und gewann mehrere Preise. 2012 startete “Auf Teufel komm raus” in den deutschen Kinos. Im Jahr 2012 kehrte Mareille Klein an die Filmhochschule zurück, um mit dem Kurzfilm “Gruppenfoto” ihren ersten Spielfilm zu drehen. “Gruppenfoto” gewann 2013 den Preis für den besten Kurzfilm beim Filmfestival Max Ophüls Preis. “Dinky Sinky” ist ihr erster langer Spielfilm.

Filmografie (Regie)

2016 DINKY SINKY - Spielfilm, HFF, BR, 94 Min.

2012 GRUPPENFOTO - Spielfilm, HFF, BR, 20 Min.

2010 AUF TEUFEL KOMM RAUS - Dokumentarfilm, WDR, BR, 83 Min.

2008 DER COUSIN - Dokumentarfilm, HFF, 45 Min.


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