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Inhaltsverzeichnis
SUBURBICON

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GOOD TIME

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DJANGO

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THE SQUARE

28

MALEIKA

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DAS GRÜNE GOLD

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Donnerstag 02.11.2017
SUBURBICON
Ab 09. November 2017 im Kino
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Willkommen im sonnigen Suburbicon, einer Vorstadtgemeinde mit immerwährend glücklichen Familien mitten im Herzen von Amerika. Mit seinen erschwinglichen Häusern und gepflegten Rasenflächen ist Suburbicon in den 1950er Jahren die idyllische Postkarten-Version des amerikanischen Traums.
Doch das ändert sich, als mit den Meyers die erste farbige Familie in die Nachbarschaft zieht und sich der Rassismus der Gemeinde Bahn bricht. Gleichzeitig wird das Leben der Familie Lodge auf den Kopf gestellt, nachdem ein Einbruch in ihrem Haus eskaliert und zum Tod der Mutter führt. Der Familienvater und die Zwillingsschwester der Toten geraten in einen Strudel ungewöhnlicher und verdächtiger Ereignisse, der sie immer tiefer in ein Netz von Verrat und Erpressung hineinzieht. Als der junge Sohn der Verstorbenen die seltsamen Machenschaften der Erwachsenen zu verstehen versucht, findet er sich auf Konfrontationskurs zu seinem Vater, der eine neue Familienordnung herstellen möchte. Während das Chaos, das im Zuhause der Lodges um sich greift, nach außen unbemerkt bleibt, eskalieren die Ausschreitungen um das Heim der Meyers.

Inszeniert wurde SUBURBICON von Oscar®-Gewinner George Clooney (GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK) nach einem Drehbuch der Oscar®-Preisträger Joel & Ethan Coen (NO COUNTRY FOR OLD MEN), Clooney selbst und Oscar®-Gewinner Grant Heslov (ARGO).
Die Hauptrollen spielen die Oscar®-Preisträger Matt Damon (Good Will Hunting - Der gute Will Hunting) und Julianne Moore (STILL ALICE – MEIN LEBEN OHNE GESTERN), zusammen mit dem elfjährigen Noah Jupe („The Night Manager”, WUNDER). Ebenfalls zu den Mitwirkenden zählt Oscar Isaac (STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT).
Clooney und Grant Heslov produzierten SUBURBICON mit Ihrer Firma Smokehouse Pictures zusammen mit Teddy Schwarzman von Black Bear Pictures (THE IMITATION GAME – EIN STRENG GEHEIMES LEBEN). Joel Silver (SHERLOCK HOLMES) von Silver Pictures und Barbara A. Hall (Good Night, and Good Luck) fungierten als Ausführende Produzenten.
Clooney arbeitete hier erneut mit seinem bewährten Kreativteam zusammen, darunter dem Oscar®-preisgekrönten Kameramann Robert Elswit (THERE WILL BE BLOOD), Szenenbildner Jim Bissell (Good Night, and Good Luck), Kostümdesignerin Jenny Eagan (DIE WAHLKÄMPFERIN) und dem mit dem Oscar® ausgezeichneten Cutter Stephen Mirrione (TRAFFIC – DIE MACHT DES KARTELLS).

Der Film wurde komplett in Kalifornien gedreht, mit Außenaufnahmen im Los Angeles County und Orange County. SUBURBICON feierte Anfang September seine Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und lief anschließend auch beim Toronto International Film Festival.


Regie: George Clooney

Mit Matt Damon, Julianne Moore, Noah Jupe, Glenn Fleshler, Alex Hassell, Gary Basaraba, Karimah Westbrook und Oscar Isaac


Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sind vorüber, die Bewohner Suburbicons genießen in ihrer Vorortsiedlung eine schöne neue Welt  – idyllisch und ökonomisch maßgeschneidert auf alle Bedürfnisse. Auch der eigene Kirchenchor darf nicht fehlen! Doch als das afroamerikanische Ehepaar Meyers (KARIMAH WESTBROOK und LEITH BURKE) mit seinem kleinen Sohn Andy (TONY ESPINOSA) in die lupenrein weiße Nachbarschaft zieht,  kommt der unverhohlene Rassismus der Gemeinde ans Licht: Erst wird eine empörte Petition aufgesetzt, dann versammeln sich einzelne Bewohner um das Anwesen der Meyers, um diese einzuschüchtern und zum Auszug zu bewegen.
Da ist es nur ein schwacher Trost, dass sich der fast gleichaltrige Nachbarsjunge Nicky Lodge (NOAH JUPE) mit Andy anfreundet. Und auch seine Zeit der Unschuld ist vorbei, als ihn sein Vater Gardner (MATT DAMON) eines Nachts weckt: Zwei Einbrecher, Ira (GLENN FLESHLER) und Louis (ALEX HASSELL), haben die Familie in ihre Gewalt gebracht. Während sie die nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselte Mutter Rose und ihre Zwillingsschwester Margaret (JULIANNE MOORE in einer Doppelrolle) im Wohnzimmer festhalten, holt Gardner den Jungen aus seinem Kinderzimmer nach unten. Zuerst erniedrigen die Ganoven genüsslich das Familienoberhaupt, dann betäuben sie alle Beteiligten mit Chloroform, von dem sie Rose offenbar eine besonders hohe Dosierung verpassen. Als Nicky im Krankenhaus aufwacht, verstirbt seine Mutter an den Folgen der Überdosis.
Auf Rose‘ Beerdigung versucht Onkel Mitch (GARY BASARABA), der Bruder der beiden Zwillingsschwestern, mit Späßen die Lebensgeister des traumatisierten Jungen zu wecken. Gardner und Margaret hingegen möchten Nicky von allen abschirmen und schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren. Tatsächlich verläuft das Leben der Familie Lodge kurz danach wieder in halbwegs geordneten Bahnen. Gardner kehrt zu seiner Arbeitsstelle als leitender Buchhalter der Werbeagentur Pappas & Swain zurück, während Margaret ins Haus der Familie zieht, um sich um den Haushalt und besser um Nicky kümmern zu können.
Polizeichef Hightower (JACK CONLEY), der das grausame Verbrechen untersucht, stößt schon bald auf zwei Verdächtige. Gardner und Margaret sollen sie bei einer Gegenüberstellung auf der örtlichen Polizeistation identifizieren. Nicky, der eigentlich draußen warten sollte, platzt in letzter Sekunde zur Tür herein und wird Zeuge einer unbegreiflichen Szene: Obwohl sich Ira und Louis unter den Verdächtigen befinden, werden sie weder von seinem Vater noch von seiner Tante erkannt. Auch zuhause beobachtet der verstörte Junge immer mehr verdächtige Vorkommnisse: Gardner und Margaret benehmen sich zunehmend wie ein Ehepaar, und seine einst so freundliche Tante wird ihm gegenüber seltsam gehässig. Schließlich will ihn sein Vater auch noch auf ein Militärinternat schicken.
Unterdessen eskaliert die Lage am Haus der Meyers: Immer mehr Anwohner Suburbicons belagern das Grundstück und terrorisieren die Familie zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Lärm und Beschimpfungen. Im örtlichen Supermarkt, in dem auch Margaret arbeitet, soll Mrs. Meyers auf einmal exorbitant hohe Preise bezahlen.
Inzwischen ist Polizist Hightower misstrauisch geworden und hegt Zweifel, ob es sich bei dem Tod von Rose wirklich um einen verunglückten Raubüberfall handelt: Ist Gardner etwa in irgendwelche kriminellen Machenschaften mit der Mafia verwickelt, die zu diesem Verbrechen geführt haben? Auf jeden Fall scheint er die beiden Einbrecher zu kennen, denn eines Tages tauchen Ira und Louis in Gardners Büro auf, um ihn zu bedrohen.
Schließlich erscheint auch noch der gerissene Versicherungsdetektiv Bud Cooper (OSCAR ISAAC) auf der Bildfläche, der hinter dem Mord an Rose einen Versicherungsbetrug wittert – immerhin war eine hohe Todesfall-Police auf sie abgeschlossen! Während es in der Nacht auf dem Anwesen der Meyers zu gewalttätigen Ausschreitungen durch den rassistischen Mob kommt, gerät die Lage im Haus der Lodges nebenan vollkommen außer Kontrolle…


PRODUKTIONSNOTIZEN

ÄRGER IM PARADIES

In der Dekade nach dem Zweiten Weltkrieg zog die neue amerikanische Mittelklasse in die Vororte mit idyllischen, finanzierbaren Häusern in Gemeinden, die auf dem Reißbrett geplant worden waren. Für viele wurde der amerikanische Traum eines Eigenheims zum ersten Mal Wirklichkeit.
„Die sogenannte ‚G.I. Bill’, ein Bundesgesetz für die Wiedereingliederung der Weltkriegsveteranen, half allen Kriegsrückkehrern, ein schönes Haus mit Garage und Vorgarten zu kaufen. Du konntest einen guten Job bekommen, in einer netten Nachbarschaft wohnen und eine Familie gründen, so lange du nur weiß warst“, so Clooney. „Unser Ziel war es nunmehr, die Fassade des perfekten Heims genüsslich abzutragen und nachzuschauen, wie hässlich es dahinter zuging.“
„George und ich arbeiteten an einem Drehbuch, das auf Ereignissen in der Siedlung Levittown in Pennsylvania basierte“, so Heslov. „Er war auf eine Dokumentation aus dem Jahr 1957 mit dem Titel ‚Crisis in Levittown’ gestoßen. Darin ging es um William und Daisy Meyers, die sich als erstes afroamerikanisches Paar in dem Vorort niederließen. „Am Tag des Einzugs hielt der Postbote Mrs. Meyers für das Hausmädchen und fragte sie, ob Mrs. Meyers da sei“, so Clooney. „Als sie ihm erklärte, dass sie die Herrin des Hauses sei, ging der Postbote, der sich nach dem legendären Nachrichtenkurier ‚der Paul Revere von Levittown’ nannte, von Haus zu Haus und fragte alle: ‚Habt ihr eure neuen Nachbarn schon getroffen?’ Am gleichen Abend versammelten sich rund 500 Leute auf dem Rasen der Meyers, riefen rassistische Schimpfwörter, hängten die Südstaaten-Flagge auf und verbrannten auf dem Rasen der Nachbarn ein Kreuz.”
Während sie an der Levittown-Idee arbeiteten, erinnerte sich Clooney an ein Skript mit dem Titel SUBURBICON, das ihm die Coen Brüder 1999 geschickt hatten. „Das war ein komödiantischer Thriller, der wie FARGO („Fargo“, 1996) und BURN AFTER READING – WER VERBRENNT SICH HIER DIE FINGER („Burn After Reading“, 2008) von tollpatschigen Unglücksraben handelte, die fatale Fehlentscheidungen trafen. Wir wollten daraus etwas weniger Komisches machen, das dafür viel wütender sein sollte. Mir schien die richtige Zeit für einen wütenden Film gekommen.” Heslov ergänzt: „George hatte zu dem Zeitpunkt die Idee, das SUBURBICON-Drehbuch in Levittown anzusiedeln, und zwar genau in der Woche, in der die Meyers einzogen.”
„Es gibt etwas in unserem nationalen Bewusstsein, das diese Ära durch eine rosa Brille sehen möchte“, so Matt Damon, der den problemgeplagten Familienvater Gardner Lodge spielt. „Wir würden gerne glauben, dass alle glücklicher waren. Aber Menschen sind nun mal Menschen, und so passierten damals eben auch ziemlich heftige Dinge.”
Von außen betrachtet ist Gardner Lodge ein vorbildlicher Ehemann und Vater, aber er ist völlig überfordert, als er mit den kriminellen Elementen Suburbicons aneinander gerät. „Am Anfang hat man von meiner Figur eine bestimmte Meinung“, so Damon. „Aber dieses Image löst sich zunehmend auf, je mehr wir sehen, wie er die Situation zu kontrollieren versucht und permanent scheitert.“
„Matt ist ein Profi in Reinkultur, der eine enorme schauspielerische Bandbreite besitzt“, lobt Clooney. „Aber er genießt es ganz besonders, den Hanswurst zu spielen.“
Damon studierte Fotos aus der Zeit, um die richtige Physis für diese Rolle zu finden. „Ich habe ein paar Kilos zugelegt“, gesteht Damon. „Die Männer damals trainierten nicht so wie wir heute. Sie waren entweder ziemlich dünn oder sehr bullig. Mein Großvater war letzteres, und ich wollte so aussehen wie er, deshalb musste ich meine Körperform verändern. Das ist nur ein Detail, aber so hatte ich das Gefühl, dass ich mehr in die Zeit passe.“
„Matt hatte gerade JASON BOURNE („Jason Bourne“, 2016) beendet, und ich befürchtete, er würde bei unserem Dreh noch wie ein Kämpfertyp aussehen, “ gibt Clooney zu. „Aber zum Glück hatte er auch gerade Alexander Paynes DOWNSIZING („Downsizing“, 2017) abgedreht, und zu meiner Erleichterung schaute er etwas fülliger aus, als er ans Set kam. Er wirkte mehr wie eine klassische Vaterfigur.“

Mit seiner Frau Rose (Julianne Moore) und seinem Sohn Nicky (Noah Jupe in seiner ersten großen Rolle) führt Gardner in Suburbicon ein scheinbar idyllisches Leben wie aus einem Norman Rockwell-Gemälde. „Rose ist nicht sonderlich glücklich – auch nicht in ihrer Ehe“, erklärt Moore. „Sie gibt ihrem Ehemann die Schuld an dem Autounfall, wegen dem sie im Rollstuhl sitzt.” Ihre Zwillingsschwester Margaret (ebenfalls gespielt von Julianne Moore) hilft im Haus mit und zieht dort letztlich auf Dauer ein. „Zu Beginn des Films ist Margaret die nettere, und einfacher gestrickte der beiden Schwestern“, so Moore. „Insgeheim beneidet sie ihre Schwester um ihr Leben, was für Spannungen sorgt und deshalb ihre Entscheidungen beeinflusst.” Moore ging an beide Figuren pragmatisch heran: „Du fragst dich, was diese Figur im Drehbuch so einzigartig macht. Was für ein Vokabular benutzt sie? Wie spricht sie? Natürlich schauen beide gleich aus, daher musste ich mein Erscheinungsbild und meinen Gesichtsausdruck ändern.“
Clooney genoss es, Moore in einer Doppelrolle zu besetzen: „Julianne kann sprichwörtlich alles darstellen. Sie hatte vor Jahren in einer Seifenoper Zwillinge gespielt und sie kam auf die großartige Idee, dass Margaret in einer Szene ihr Haar blond färbt, um wie ihre Schwester auszusehen. Das ist wirklich bezeichnend für sie.“
„Die ruhige Fassade der Lodge-Familie zerbricht, als die beiden Schlägertypen Ira und Louis, gespielt von Glenn Fleshler [„True Detective“ („True Detective“, 2014)] und Alex Hassell [UNTERWEGS NACH COLD MOUNTAIN („Cold Mountain“, 2003)], mitten in der Nacht in ihr Haus eindringen und alle als Geiseln nehmen. In einer tragischen Wendung betäuben die Täter die Familienmitglieder mit Chloroform und töten dabei Rose. Doch die Dinge eskalieren erst richtig, als Gardner einige tollpatschige Entscheidungen trifft und sich auf ein dummes Katz- und Maus-Spiel mit Ira und Louis einlässt. „Matt spielt oft intelligente, gebildete Charaktere“, so Hassell. „Es ist daher sehr interessant, wenn er mal vor Angst wie gelähmt ist und sich windet, um aus dieser Situation herauszukommen.“
Für Fleshler, einen erklärten Fan der Coen-Brüder, war es wie ein Ritterschlag, als er in die große Galerie ihrer Schurken-Duos von ARIZONA JUNIOR („Raising Arizona“, 1987) bis hin zu FARGO („Fargo“, 1996) aufgenommen wurde. „Ira und Louis sind ein relativ gefährliches, aber auch unfähiges Paar, wie du es häufig in den Filmen der Coen-Brüder siehst. Sie leben in den Randbezirken dieses Idylls und halten sich für zu Unrecht benachteiligt.”
„Die zwei sind großartig“, so Damon. „Sie sind ganz unterschiedlich. Jeder beherrscht eine ganze Palette von Tonalitäten, von bedrohlich bis albern, abhängig davon, was George mit einer Szene erreichen will.” Während Ira und Louis Gardner bei seiner Arbeit belästigen, muss sich Margaret mit Bud Cooper (Oscar Isaac), dem Schadensermittler der Versicherung, herumschlagen, der ihrer Version der tragischen Ereignisse misstraut. „Cooper begreift sehr schnell, dass Gardner und Margaret nicht die hellsten sind“, so Isaac. „Er nimmt an, dass hier irgendetwas suspekt ist, und das gibt ihm viel Freiraum, um mit den beiden zu spielen.”
„Oscar ist jemand, der mich in den letzten Jahren zutiefst beeindruckt hat. Er ist mehr als nur gut“, so Clooney. „Und ich bin auf ihn neidisch, den ursprünglich hatten die Coens mir diese Rolle angeboten. Seine Figur stößt eine ganze Reihe von ziemlich schrecklichen Verbrechen an. Letztlich stiehlt er den Film.“
Da sein Vater und seine Tante mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, muss sich Nicky weitgehend allein mit seinem Trauma auseinandersetzen. Die Suche nach einem Nachwuchsdarsteller, der dieser emotional komplexen Rolle gewachsen war, war für Clooney und Heslov eine der größten Herausforderungen bei diesem Film. „Nick zu besetzen war das Schwierigste überhaupt“, erinnert sich Clooney. „Wenn du nicht mit diesem Kind mitfühlst, dann funktioniert der ganze Film nicht.“
Nachdem über hundert Kinderdarsteller für die Rolle vorgesprochen hatten, entdeckten Clooney und Heslov den elfjährigen Noah Jupe in England. „Ich habe noch nie so jemanden wie Noah erlebt“, erzählt Clooney begeistert. „Nicht nur dass er einen perfekten amerikanischen Akzent hinkriegte, er lieferte uns alles, was wir brauchten, in ein oder zwei Einstellungen. Bei ‘Emergency Room – Die Notaufnahme’ (‚E/R’), wo ich fünf Jahre lang einen Kinderarzt spielte, arbeitete ich jeden Tag mit zwei oder drei Kinderdarstellern, und da habe ich nie so jemand erlebt. Dieser Junge gehört unbedingt vor die Kamera.“

Noah Jupe erklärt die Beziehung zu seinem Filmvater wie folgt: „Ich glaube nicht, dass Gardner mit ihm viel kuschelt oder ihm Gutenachtgeschichten vorliest. Er ist nicht diese Art von Papa.” Damon fügt hinzu: „Zu der damaligen Zeit haben Eltern und Kinder nicht so offen miteinander kommuniziert. Im Leben dieses Jungen geschehen gewaltige Umbrüche, und er hat niemanden, mit denen er sie teilen kann.”
„Nicky beobachtet ständig die Welt und versucht damit alleine klar zu kommen“, so Noah weiter. „Denn er hat das Gefühl, dass er niemandem vertrauen kann.“ Als einziger Erwachsener bietet ihm Onkel Mitch (Gary Basaraba) nach dem Tod seiner Mutter Orientierungshilfe und eine gewisse Unbeschwertheit.
„Mitch ist der Bruder von Rose und Margaret, der sein Leben lang Junggeselle blieb“, so Basaraba. „Er hatte nie eigene Kinder, also überträgt er all seine väterlichen Instinkte auf seinen Neffen. Als guter Katholik ist er etwas aufgebracht, weil seine geliebte Schwester den Episkopalen Gardner heiratete, dessen Glaubensrichtung den Papst nicht anerkennt. Er denkt, dass Nicky in einer besseren Umgebung aufwachsen sollte.“
„Onkel Mitch ist sehr lustig, eine Art männlicher Teddybär“, erklärt Jupe. „Nicky verehrt ihn, weil er ein gutes Vorbild ist und weil er ihn zum Lachen bringt.“ Nicky freundet sich auch mit dem gleichaltrigen Andy Meyers (Tony Espinosa) an, dessen Familie gerade als erste Afroamerikaner in das rein weiße Suburbicon gezogen ist. Während sich Nicky über seinen neuen Spielkameraden freut, reagiert der Rest der Stadt indes ganz anders.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 26.10.2017
GOOD TIME
Ab 02. November 2017 im Kino
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Bei einem missglückten Banküberfall wird Constantines jüngerer Bruder von der Polizei gefasst und ins Gefängnis gebracht. In einer Nacht voller Adrenalin beginnt für Constantine (Robert Pattinson) eine Odyssee durch New Yorks Unterwelt und ein spannungsgeladenes Spiel auf Zeit, bei dem Versuch, seinen Bruder gegen die Zahlung einer Kaution aus dem Gefängnis zu holen.


Ein Film von Joshua und Ben Safdie
mit Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Ben Safdie, Taliah Webster, Buddy Duress u.a.


PRESSESTIMMEN ZU „GOOD TIME”
“Robert Pattinson mit der bislang besten Performance seiner Karriere” - Variety
“Grandios!” - Der Spiegel
“Pures Kinovergnügen!” - The New York Times
“Elektrisierend … wie ein Feuerwerk!” - Telegraph
“Robert Pattinson rettet den Wettbewerb von Cannes!“ - moviepilot


BEN SAFDIE, JOSHUA SAFDIE- BUCH & REGIE
Der erste Film von Ben und Joshua Safdie The Pleasure of Being Robbed (2007) entstand aus einer Auftragsarbeit für eine Handtaschenwerbung für Partners & Spade. Die Safdie Brüder erweiterten stattdessen das Drehbuch für den Spot mit der Unterstützung von Andy Spade und der fertige Langspielfilm ermöglichte ihre erste Teilnahme am Cannes Film Festival in der Nebensektion Quinzaine des Réalisateurs im Jahr 2008. Ihren zweites komödiantisch inszeniertes Drama Daddy Longlegs (2009) reichten sie unter dem Titel Go Get Some Rosemary erneut in der Quinzaine des Réalisateurs im Jahr 2009 ein. Lenny Cooke (2013), ein Dokumentarfilm, erzählt das Schicksal des ehemaligen Basketballspieler Lenny Cooke und dessen tragischen frühen Abschied aus dem professionellen Sport auf Grund von Verletzungen. Heaven Knows What (2014) ist eine Literaturverfilmung von Mad Love In New York City der Hauptdarstellerin des Films Arielle Holmes. Die vibrierend inszenierte Liebesgeschichte zwischen Heroin-Junkies enthält erstmalig die Handschrift von Good Time und feierte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2014.

FILMOGRAPHIE
Regie
2017 Good Time
2013 Lenny Cooke
2007 The Pleasure of Being Robbed
2014 Heaven Knows What


GOOD TIME - AUSZEICHNUNGEN
International Cinephile Society Awards: Robert Pattinson (Bester Schauspieler)
International Cinephile Society Awards: Ben Safdie Joshua Safdi (Preis der Jury)
Cannes Film Festival 2017 Soundtrack Award: Daniel Lopatin (Bester Komponist)
Cannes Film Festival 2017: Goldene Palme (nominiert)
Locarno International Film Festival 2017: Variety Piazza Grande Award (nominiert)


ROBERT PATTINSON – Connie Nikas
Robert Douglas Thomas Pattinson wurde am 13.05.1986 in London geboren. Zwischen 2008
und 2012 spielte Pattinson in insgesamt fünf Filmen der Twilight-Saga mit, wodurch er zu
einem international gefeierten Superstar wurde.
Die Breitenwirkung durch die Twilight-Filme nutze Pattinson hingegen, um bei etablierten
Indie-Regisseuren die Kehrtwende vom Mainstream einzuleiten. Für David Cronenberg spielte
er gleich zweimal in Cosmopolis (2012) und Maps to the Stars (2014). Eindruck hinterließ
seine Darstellung in David Michôds Wettbewerbsbeitrag The Rover (2014).
In Antonin Corbijns Life (2015) spielt er den Life-Photographen Dennis Stock, der u.a. James
Dean portraitierte. Für Werner Herzog interpretierte er die klassische Rolle des T.E. Lawrence
in Königin der Wüste (2015).
Filmographie (Auswahl)
2017 Good Time
2016 The Lost City of Z
2015 Life
2014 The Rover
2014 Maps to the Stars
2012 Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht Teil 1 & Teil 2
2011 Wasser für die Elefanten
2010 Eclipse – Biss zum Abendrot
2009 New Moon – Biss zur Mittagsstunde
2008 Twilight
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 19.10.2017
DJANGO
Ab 26. Oktober 2017 im Kino
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Frankreich, 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner
schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.
In seinem Regiedebüt porträtiert Étienne Comar einen unkonventionellen Künstler und Freigeist, dessen Leben so improvisiert war wie seine Musik. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kunst politisch missbrauchen lässt, muss er eine existenzielle Entscheidung treffen. Reda Kateb brilliert in der Rolle des Ausnahme-Künstlers an der Seite von César-Gewinnerin Cécile de France.

Ein Film von Étienne Comar
Mit Reda Kateb (Django Reinhardt), Cécile de France (Louise), Beata Palya (Naguine), Bimbam Merstein (Negros), Gabriel Mirété (La Plume), Vincent Frade (Tam Tam), Johnny Montreuil (Joseph Reinhardt), Raphaël Dever (Vola), Patrick Mille (Charlie Delaunay), Alex Brendemühl (Hans Biber), Ulrich Brandhoff (Hammerstein)


INTERVIEW MIT REGISSEUR ÉTIENNE COMAR
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über Django Reinhardt zu machen?
Ich wollte schon lange das Porträt eines Musikers machen, der sich mit den Härten des Lebens
auseinandersetzen muss. Als ich etwa 40 Jahre alt war, habe ich wieder angefangen, mit ein paar Freunden in einer Rockband zu spielen. Was für ein Erlebnis! Es war faszinierend. Ich hatte vergessen, wie leicht man sich selbst von der Außenwelt abnabeln kann, wenn man Musik spielt. Jeder von uns machte eine ziemlich komplizierte Zeit durch und das gemeinsame Musizieren wirkte sehr befreiend. Der musikalische Schaffensprozess ist eine Droge, die dich packt und nicht wieder loslässt. Dann fiel mir ein Gespräch ein, das ich als Teenager mit meinem Vater geführt habe. Er hat als junger Mann während des Krieges Djangos Musik gehört und so lange, wie die Schallplatte lief
oder der Tanz dauerte, vergaß er die deutsche Besatzung. Und dann war da noch mein Neffe, der
gerade begonnen hatte, Gitarre zu lernen und wie verrückt Stücke von Django zu spielen. Ich kam zu dem Schluss, dass generationsübergreifende Musik wie diese, mit ihrem Charme und der Fähigkeit, sofort Freude auszulösen, etwas Verzauberndes, Vitales und Heilsames innehat. Und all das hat dazu geführt, dass ich beschloss, filmisch in das Leben von Django Reinhardt einzutauchen.

Warum haben Sie sich auf die Jahre der Besatzung konzentriert?
Weil diese Periode seines Lebens ein gutes Beispiel dafür ist, wie Musik einen von der Welt abschirmen kann. Swing war offiziell verboten, Sinti und Roma wurden überall in Europa verfolgt, aber Django schien das gar nicht zu bemerken. Er war auf dem Gipfel seines Erfolges. Außerdem ist von diesem Lebensabschnitt nicht viel bekannt – wir wissen mehr über die Zeit danach, als er in die USA emigriert war. Oder über das Feuer in seinem Wohnwagen oder seine Zusammenarbeit mit Grappelli. Ich wollte kein Biopic über Django machen, das einen oberflächlichen Blick auf sein gesamtes Leben wirft. Mir lag mehr daran, den richtigen Zugang zu finden. Dieser Zeitabschnitt vom Sommer 1943 bis zur Befreiung hat es mir erlaubt, Themen anzuschneiden, die mir wichtig sind und mich bewegt haben – vor allem seine Blindheit als Künstler für das, was zu der Zeit vor sich ging, und seine spätere Erkenntnis darüber.

Wie haben Sie sich diese Zeit, in welcher der Film spielt, vorgestellt?
Antoine Caro, ein befreundeter Verleger, hatte gerade Folles de Django, eine fiktionale Biographie von Alexis Salatko, veröffentlicht. Ich habe mich dann mit Alex, der ziemlich viele Recherchen zu Django betrieben hatte, getroffen und schlug ihm eine Zusammenarbeit vor. Er hatte noch nie zuvor ein Drehbuch geschrieben, also haben wir unser Wissen und unsere Fähigkeiten vereint und ein Drehbuch verfasst, das sich sehr von seinem Buch unterschied. Und dann hatte ich meine entscheidende Begegnung mit David Reinhardt, einem von Djangos Enkeln, der mir viel Vertrauen schenkte und mir viel von seinen Vorfahren erzählte. Mein Film basiert auf wahren Tatsachen – Django in Paris, sein Aufenthalt in Thonon-les-Bains, der Abend in der Villa Amphion, seine Flucht in die Schweiz, die Komposition seines Requiems – aber die Art, in der ich diese verschiedenen Elemente zu einem Ganzen zusammengewoben habe, ist fiktiv – das gebe ich offen zu.

Der Prolog von Django ist symbolisch für Ihre Idee von der Musik als Blase, die einen blind dafür machen kann, was um einen herum vorgeht.
Musikalisch betrachtet habe ich die erste Sequenz des Films tatsächlich als eine Art Ouvertüre angelegt. Sie lässt erahnen, worum es in dem Film geht: Ein „blinder“ Musiker, der sich weigert, die drohende Gefahr zu erkennen – bis sie ihn das Leben kostet. Zwar ist das Django so nicht passiert, aber es fasst alles metaphorisch zusammen. Djangos kultureller Hintergrund erklärt auch sein fehlendes Bewusstsein. In Sinti- Gemeinschaften ist Krieg kein Thema. So etwas betrifft nur die „Gadjé“, die Nicht-Sinti. Sinti sind keinem Land verbunden, Besitz bedeutet ihnen wenig. Jeder Streit, der aufkommt, wird innerhalb der Gemeinschaft geregelt. Das erklärt teilweise ihre Außenseiterrolle im Zweiten Weltkrieg. Sogar heute ist es schwer für sie – im Gegensatz zu jüdischen Gemeinschaften – über die Katastrophe zu sprechen, die sie überlebt haben. Sie leben vor allem in der Gegenwart, sie schauen kaum zurück. Für die Sinti gibt es keine Geschichte in unserem
historiografischen Sinne.

Zum ersten Mal sehen wir Django auf der Bühne, während einer langen musikalischen Sequenz mit
seiner Band.

Richtig, denn Django ist vor allem eins: Musiker. Wir wollten ihn auf einfache Weise einführen, indem wir zeigen, was er am besten kann. Und wie er es macht: voller Talent, aber auch Verachtung, Grobheit, Leidenschaft, Distanziertheit, Genie – denn er war all das. Wird das in einer Szene von nur sieben Minuten, in der er Musik spielt, deutlich? Ich hoffe es doch. Wie viele andere Künstler war auch Django voller Widersprüche. Mir gefällt die Idee, dass der Zuschauer ihn im ersten Teil des Films nie ganz versteht, dass es nichts offenkundig Psychologisches gibt, dass jede Szene der vorhergehenden widerspricht. Manchmal ist er witzig, manchmal widerlich, charmant, wütend oder feige. Aber seine Musik hält all das zusammen. Während der Film voranschreitet, beginnen wir langsam, Sympathien für ihn zu entwickeln. Die Herausforderung war es, die Musik im Laufe der Geschichte nicht nur als schmückendes Beiwerk zu nutzen, sondern sie als Träger der Handlungen und Emotionen des Protagonisten zu etablieren.

Warum haben Sie Reda Kateb für die Rolle von Django ausgewählt?
Es gab andere mögliche Schauspieler für die Rolle, aber Reda ist wahrscheinlich einer der talentiertesten Darsteller seiner Generation. Er vereint unbekümmerten Charme mit überzeugender Seriosität – also genau das, was die Rolle erforderte. Außerdem fand ich, dass es Zeit wurde für „diese eine große Rolle“ in seiner Karriere. Der Film war also für ihn eine ähnlich große Herausforderung wie für mich, da ich zum ersten Mal bei einem Film Regie führte. Das hat unser gemeinsames Abenteuer noch aufregender gemacht. Ich wies ihn an, den Charakter vor allem in der Art und Weise, wie er Gitarre spielte, zu begreifen. Alles sollte sich einfach aus seinem Umgang mit der Musik entwickeln, seine Unverfrorenheit, die Lebhaftigkeit … Und so verbrachte er ein Jahr damit, Gitarre spielen zu lernen und tauchte dadurch in Djangos Universum ein. Sein Charakter, seine Sprache, sein Faible für Mode, sein Handicap, die Manouche-Community – all das entwickelte sich daraus. Reda ist ein echter Profi, der hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Er hat die Rolle auf den Punkt gebracht. Es war eine große Freude, mit ihm zu arbeiten.

Spielt er die Stücke tatsächlich selbst?
Reda hat ein ganzes Jahr gearbeitet, um in der Lage zu sein, die Stücke zu spielen, aber natürlich nicht mit Djangos Fingerfertigkeit und Klangfarbe. Also habe ich den brillanten Jazz-Künstler Stochelo Rosenberg, der im Trio gemeinsam mit seinen Brüdern spielt, gebeten, alle Stücke aufzunehmen und Reda zu unterstützen. Ich habe den beiden zeitgenössische Aufnahmen von Django gegeben, auf die ich mich beziehen wollte. Ich denke, dass diese neuen Aufnahmen, die speziell für den Film gemacht wurden, beweisen, dass Djangos Musik kein bisschen gealtert ist.

Bis zu welchem Punkt sollte Django imitiert werden?
Abgesehen von seiner Musik gibt es nur wenige Zeitdokumente von Django Reinhardt: etwa 300 Fotos und zwei Minuten Film. Die Öffentlichkeit hat keine große Vorstellung davon, wie er ausgesehen hat, im Gegensatz zum deutlich populäreren Ray Charles oder Serge Gainsbourg. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wenn es um die Persönlichkeit geht, ist Reda so ziemlich sein eigener Django. Ich habe Dinge, die ich an ihm mag, auf meine eigene Art in den Film eingeflochten.

Django ist umgeben von starken Frauen – seiner Mutter, seiner Frau, seiner Geliebten …
Das ist das, was mich an vielen großen, männlichen Künstlern so fasziniert: Sie sind umgeben von Frauen und jede einzelne von ihnen hat eine fundamentale Bedeutung. Im Film ist Django ein ziemlicher Macho, aber sein Leben wird von Frauen bestimmt. Seine Mutter verhandelt seine Verträge, seine Frau bestimmt, wann sie das Land verlassen, motiviert von seiner Geliebten. Die
Sinti-Gemeinschaft hat einige sehr männlich geprägte Werte, aber gleichzeitig ist sie ein Matriarchat.

Der Charakter der Mutter ist sehr schillernd …
Djangos Mutter, Negros, war eine unglaublich kleine Frau. Ihr Mann war fort und es war hart für sie, als Musikerin und Tänzerin die Kinder allein großzuziehen. Sie war die erste, die von Djangos Genie überzeugt war. Das zahlte sich aus, denn bereits als Teenager konnte Django durch sein Talent die Familie finanziell unterstützen. Djangos Mutter wird von Bimbam Merstein gespielt, eine Sinti, die zwar eine kleine Rolle in Tony Gatlifs SWING gespielt hat, aber eigentlich keine Schauspielerin ist. Bimbam ist auch Musikerin und Tänzerin, sie hat also genau das gleiche Profil wie Djangos Mutter. Wir hatten wirklich Glück mit ihr. Es war eine große Freude, solch ein außergewöhnliches Temperament, solch eine Persönlichkeit zu filmen. Denn auch sie hat sehr viel durchgemacht in ihrem Leben.

Wie haben Sie sie und die anderen Darsteller der Sinti-Gemeinschaft gefunden?
Es war mir wichtig, die Sinti im Film mit Darstellern zu besetzen, die tatsächlich aus dieser Gemeinschaft kommen. Gemeinsam mit unserem Casting Director Stéphane Batut haben wir unter sesshaften Manouches in der Gegend von Forbach gesucht. Das sind fast alles Musiker. Sie gehören zu den letzten, die Manouche sprechen, einen Mix aus Romani und Deutsch. Auch Reda hat ihn gelernt. Als wir gefilmt haben, war es mir wichtig, die Folklore, die Sinti in Filmen verfolgt, weitestgehend zu vermeiden. Ich wollte sie anders zeigen – würdevoll, elegant, einfach wie sie sind.

Und Bea Paly, die Djangos Frau spielt?
Bea Palya ist eine Sängerin ungarischer Abstammung. Sie ist auch keine Schauspielerin. In ihrer Statur erinnerte sie mich sehr an Djangos Frau, Naguine. Für die Musiker von Djangos Band, dem Hot Club de France, habe ich mich ebenfalls für echte Musiker anstelle von Schauspielern entschieden. Um ihn noch mehr zu motivieren, sollte Reda von Profis umringt sein, die nicht
nur vorgeben zu spielen. Es macht alles wahrhaftiger.

Und die Entscheidung für Cécile de France, die Djangos Geliebte Louise spielt?
Ich hatte diverse Schauspielerinnen im Kopf, aber dann organisierte ich ein Treffen zwischen Cécile und Reda. Ich wollte sehen, ob sie als Paar funktionieren. Als ich sie zusammen sah, war die Sache klar. Sie waren einfach perfekt. Ich wollte ein richtiges Filmpaar haben. Django ist gern ins Kino gegangen, in die großen Lichtspielpaläste um Pigalle herum. Er war ein Fan von Errol Flynn, Edward G. Robinson und Clark Gable. Seine Leidenschaft für schicke Klamotten, edle Anzüge usw.
rührt aus seiner Faszination für das Kino der 1930er. Ich habe mir gedacht, dass es Spaß machen würde, ein klassisches, glamouröses Hollywood-Paar auferstehen zu lassen. Cécile hat mich mit ihrem präzisen Spiel einfach umgehauen, mit der Frische, die sie Worten verlieh, die auf dem Papier steif gewirkt hatten. Bei ihr bestand unsere Arbeit vor allem darin, ihre natürliche Unbekümmertheit einzuschränken und die etwas düsteren Facetten ihrer Persönlichkeit herauszuarbeiten. Wir wollten eine mystische Atmosphäre erschaffen, so wie bei den tragischen Liebenden im Film Noir.

Louise ist auch eine sehr emanzipierte Frau …
Ich liebe freie Frauen, die man nie an sich binden kann. Django hatte viele Bewunderinnen und Affären. Er war ein Frauenheld. Es gab einige Leute, die ihm geholfen haben, in die Schweiz zu fliehen, aber wir konnten keine Hinweise auf eine Person wie Louise in Djangos Leben finden. Sie ist eine fiktionale Figur und eine der wenigen Dinge, die aus Alexis Salatkos Buch geblieben sind. Als wir das Drehbuch geschrieben und ihren Charakter ausformuliert haben, habe ich viel an Lee Miller gedacht. Sie war Man Rays Muse, ein It-Girl im Paris der 1930er, unabhängig, eine Vorkämpferin des Feminismus und nie da zu finden, wo man sie erwartet hätte.

Welchen Look haben Sie sich für den Film gewünscht?
Ich wollte einen Look, der ein hohes Level an dokumentarischer Realität mit einer bestimmten Art der Stilisierung kombiniert. Ich habe Christophe Beaucarne, dem Kameramann, einen Stapel Fotos aus der Zeit gegeben. Fotos von Konzerten, Sinti-Camps, Gesichtern und so weiter. Wir haben viel Zeit damit verbracht, jede einzelne musikalische Szene so zu gestalten, dass sie voller Gefühl war, aber immer der Aussage verpflichtet blieb. Es gibt viel Bewegung während des ersten Konzerts, sodass man sich auf der Bühne ständig von Musikern umringt fühlt. Andere Momente wiederum sind statisch und nüchtern, wie die in der Villa Amphion. Eins unserer Prinzipien was Licht und Farbe betraf war den Kontrast der Naturelemente zu betonen, die in Sinti-Gemeinschaften und in Djangos Leben sehr präsent sind. Das ist zum ersten natürlich das Feuer, daher überwiegen in den Pariser Einstellungen die Farben Rot, Ocker, Schwarz und Gelb. Im Gegensatz dazu dominiert in Thonon-les-Bains Wasser als Element des Lebens. Django liebte es, fischen zu gehen, wenn er mit
den Nerven am Ende war und sich beruhigen wollte. Im zweiten Teil des Films kehrt er zum Ursprung zurück, der Raum öffnet sich, es dominieren blau, grün, grau und weiß. Das war natürlich kein in Stein gemeißeltes Prinzip, aber wir haben versucht, uns an solchen Kontrasten zu orientieren.

Wie sind Sie die historischen Szenen angegangen?
Die Zeit von 1939 bis 1945 ist schon oft dargestellt worden – sowohl in großen Meisterwerken als auch in sehr schlechten Filmen. Die Leute haben eine Menge vorgefertigter Erwartungen und all diese Bilder sind schon abgenutzt. Ich wollte, dass die Zuschauer die Zeit als selbstverständlich hinnehmen und sie schnell vergessen, um sich stattdessen auf die Figuren und ihre Gefühle zu konzentrieren. Dafür war es erforderlich, dass wir mit Set Designer Olivier Radot und Kostümdesignerin Pascaline Chavanne für jeden einzelnen Drehtag genau die künstlerische Umsetzung durchsprachen. Was betonen wir im Bild, bei den Kostümen, am Set? Und noch wichtiger: Was lassen wir raus, damit es so zeitlos wie möglich erscheint? Die gleichen Fragen tauchten dann während des Schnitts mit Monica Colemann auf. Es gibt zum Beispiel nur zwei
Hakenkreuze im Film, ein großes auf einer Fahne und noch eins auf der Medaille eines Nazi-Offiziers.

Die Ähnlichkeiten zur politischen Situation heute sind zahlreich …
Das war nicht der Grund, weshalb ich diese besondere Zeitspanne gewählt habe. Aber es stimmt. Beim Schreiben und der Vorbereitung fiel mir auf, wie viel von der heutigen Zeit darin mitschwingt: politische Statements von Künstlern; das gefährliche Thema nationaler Identität; heimatlose Flüchtlinge, die nirgends hinkönnen; illegale Migranten, die festgenommen werden – man könnte DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK fast als einen aktuellen Film begreifen. In dem erst kürzlich abgerissenen „Dschungel von Calais“ haben Musiker ein Album mit Flüchtlingen
aufgenommen, damit sich diese über Musik ausdrücken konnten. Musik hatte schon immer eine wichtige Funktion für Sinti und Roma, viele von ihnen sind geborene Künstler. Und selbst wenn sie verfolgt wurden oder schwierige Zeiten durchmachten: Musik hat ihnen immer ein Gefühl von Freiheit gegeben.
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Donnerstag 12.10.2017
THE SQUARE
Ab 19. Oktober 2017 im Kino
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Christian (Claes Bang) ist der smarte Kurator eines der größten Museen in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist „The Square“. Es handelt sich um einen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll. Doch wie bei den meisten modernen Menschen reicht auch bei Christian das Vertrauen nicht weit – er wohnt abgeschottet in einem stylischen Apartment und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz darauf die provokante Mediakampagne zu „The Square“ um die Ohren fliegt, geraten sein Selbstverständnis wie auch sein Gesellschaftsbild schwer ins Wanken.

Ein Film von Ruben Östlund
Mit Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West u.a.


Nach HÖHERE GEWALT, der in Cannes mit dem Jurypreis in der Reihe Un Certain Regard ausgezeichnet wurde, begibt sich Regisseur Ruben Östlund vom zerbrechlichen Familienidyll mit THE SQUARE in die schillernde Welt der Kunstszene und öffnet ihre moralischen Falltüren.
In seiner klug inszenierten und äußerst unterhaltsamen Satire auf den modernen Menschen vermisst Östlund in gewohnt exakten Beobachtungen die Widersprüche zwischen eigenem Selbst- und Gesellschaftsbild und realen Verhältnissen. Mit feinem, ironisch-entlarvendem Humor, verstärkt durch eine subtile Bildsprache wirft er damit brisante Fragen zum Zustand der heutigen Gesellschaft auf. „The Square“ dient dabei als Mikromodell einer idealen Gesellschaft.
Prämiert mit der Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes vereint Östlund neben Hauptdarsteller Claes Bang (Die Brücke) die Schauspiel-Stars Elisabeth Moss (Mad Men) und Dominic West (The Wire) in seinem Ensemble.


INHALT
In dem renommierten X-Royal Museum in Stockholm wird eine neue Ausstellung mit dem Titel „The Square“ vorbereitet, die den moralischen Zustand der Gesellschaft thematisieren soll. Während Christian, der charismatische und modisch-gestylte Chefkurator des Museums, der Journalistin Anne ein Interview gibt, wird die titelgebende quadratische Installation in das Kopfsteinpflaster im Museumshof eingelassen. Eine Plakette liefert dazu die Erklärung: „Das Quadrat ist ein Zufluchtsort, an dem Vertrauen und Fürsorge herrschen. Hier haben alle die gleichen Rechte und Pflichten.“ Wie weit diese künstlerisch formulierte Utopie und die Lebensrealität auseinanderklaffen, zeigt sich jedoch bereits tags drauf bei Christians Weg zur Arbeit. Passanten strömen achtlos an einem Obdachlosen vorbei. Auch Christian wendet den Blick nicht von seinem Smartphone ab, bis er plötzlich durchdringende Hilfeschreie einer Frau hört, die verfolgt wird und auf ihn zu rennt. Christian stellt sich dem Verfolger in den Weg, sodass dieser sich zurückzieht. Doch wenig später stellt er fest, dass er beklaut wurde. Sein Geldbeutel und sein Telefon fehlen.
Nach einem Kreativmeeting mit zwei Social-Media-Hipstern, die eine besonders originelle Kampagne mit viralem Potential für die Ausstellung kreieren wollen, berichtet Christian seinen Kollegen von dem Raub. Gemeinsam mit seinem engsten Mitarbeiter Michael ortet er das Handy per Computer und lokalisiert es in einem Wohnkomplex. Michael schlägt vor, einen Drohbrief zu verfassen, den sie einfach in alle Briefkästen des Hauses einwerfen könnten. Etwas übermütig lässt sich Christian dazu anstiften. In ihrer Nachricht fordern die beiden den Dieb auf, die gestohlenen Gegenstände in einem 7-Eleven-Markt am Hauptbahnhof zu hinterlegen. Als sie in Christians schickem Tesla vor dem großen Mietshaus in einer zwielichtigen Gegend stehen, ist es jedoch nicht mehr weit her mit ihrer Courage. Christian will seinen Assistenten vorschicken, der es aber vorzieht das Auto zu bewachen. Ängstlich einen Bewohner anzutreffen und erkannt zu werden, stopft Christian also hektisch selbst die Nachricht in die zahlreichen Briefkästen.
Am nächsten Tag erhält er einen Anruf von 7-Eleven: Es wurde ein Umschlag für ihn abgegeben. Als Christian diesen abholt, finden sich darin tatsächlich sein Geldbeutel und sein Handy. Er kann kaum fassen, dass der Plan aufgegangen ist und feiert den unverhofften Erfolg ausgelassen bei einer Party im Museum. Zu später Stunde trifft er angetrunken auf Anne, die Journalistin, die ihn interviewt hat. Obwohl eigentlich keine rechte Spannung zwischen den beiden aufkommt, geht er doch mit ihr nach Hause. Die Nacht verläuft eher mechanisch als leidenschaftlich in Anwesenheit eines Affen. Der folgende Morgen beginnt mit einem erneuten Anruf aus der 7-Eleven-Filiale: Es wurde ein zweiter Umschlag für Christian abgegeben. In der enthaltenen Nachricht meldet sich ein Bewohner aus dem Mietshaus, den Christian mit seinem Drohbrief zu Unrecht als Dieb beschuldigt hat. Der anonyme Verfasser verlangt eine Entschuldigung. Andernfalls würde er „mit ihm Chaos anrichten“.
Im Museum stellen die beiden PR-Berater derweil mit großer Ernsthaftigkeit ihre innovative Werbestrategie vor. Um eine möglichst starke emotionale Reaktion zu provozieren, planen sie einen YouTube-Clip, in dem ein blondes, schwedisches, obdachloses Mädchen bettelnd gezeigt werden soll, dem etwas zustößt. Die Museumsmitarbeiter reagieren irritiert auf den zynischen Pitch. Während manche interessiert erscheinen, müssen sich andere das Lachen verkneifen. Als ihr Chef Christian vorbeikommt, bitten sie ihn unsicher, sich den Vorschlag anzuschauen und darüber zu entscheiden. Christian wirft jedoch nur einen sehr flüchtigen Blick auf die Unterlagen, bevor er zustimmt. Denn eigentlich ist er mit der anonymen Nachricht beschäftigt und schickt daher Michael zu der 7-Eleven-Filiale, um die Angelegenheit zu klären. Dort wartet ziemlich aufgebracht ein etwa 10-jähriger Junge, der unbedingt mit Christian persönlich sprechen und sich nicht von dessen Assistenten abwimmeln lassen will.
Christian hat unterdessen mit weiteren Problemen zu kämpfen. Sein One-Night-Stand Anne möchte über die Beziehung sprechen und eine Reinigungskraft hat nicht nur den Boden gewischt, sondern auch Teile eines Kunstwerks weggeputzt. Als er am Abend zu Hause über den Geschehnissen grübelt, tauchen auch noch seine beiden Töchter auf, die eigentlich bei seiner Ex-Frau sein sollten. Christian versucht die streitenden Mädchen zu beruhigen, fängt jedoch angespannt selbst an sie anzuschreien.
Den nächsten Tag verbringt Christian mit seinen Töchtern. Er führt sie durch die Ausstellung und geht mit ihnen shoppen. Dabei erreicht ihn ein Anruf von YouTube. Ihm wird mitgeteilt, dass der Clip des Museums „Blonde Kinderbettlerin wird in die Luft gesprengt“ in nur wenigen Stunden bereits 300.000 Views hat. Christian ist überfordert, da er überhaupt nicht weiß, wovon die Rede ist. Er eilt zurück ins Museum, wo er mit dem Sturm der Entrüstung konfrontiert wird, den der Spot bereits ausgelöst hat. Und es wartet schon der nächste Skandal. Ein Festbankett für die Förderer des Museums wird mit einer Gorilla-Performance des Künstlers Oleg Rogozijn eröffnet. Zunächst wird diese mit amüsiertem Gelächter bedacht – bis sie außer Kontrolle gerät: Rogozijn wird immer aggressiver und lässt sich nicht mehr stoppen. Er bedrängt eine junge Frau, wirft sie zu Boden und stürzt sich dann auf sie. Trotz ihrer Hilferufe dauert es, bis endlich einer der angestrengt auf den Boden starrenden Gäste einschreitet. Dann jedoch brechen die Dämme und ein ganzer Mob prügelt auf den am Boden liegenden Gorilla-Performer ein.
Erschöpft fährt Christian am späten Abend nach Hause. Im Treppenhaus wartet der Junge aus dem 7-Eleven-Geschäft und fordert seine Entschuldigung ein. Christian versucht ihn mit beschwichtigenden Erklärungen loszuwerden, doch der Junge lässt sich nicht abschütteln, folgt ihm die Treppe hinauf und beginnt Radau zu machen. Als der Junge an die Wohnungstüre der Nachbarn hämmert, will Christian ihn davon abhalten und stößt ihn dabei die Treppe hinunter. In seiner Wohnung angekommen überfällt Christian das schlechte Gewissen. Er sucht nach der Nachricht des Jungen, um ihn anzurufen. Als er sie schließlich im Müll wiederfindet, erreicht er ihn nicht. Daraufhin nimmt Christian ein Video auf, in dem er sich zunächst entschuldigt, sich dann jedoch in allgemeine Überlegungen über strukturelle gesellschaftliche Probleme flüchtet.
Der PR-Gau um den You-Tube-Clip hat sich weiter zugespitzt und erfordert eine Pressekonferenz, in der sich Christian entschuldigt und seinen Rücktritt bekannt gibt. Das Museum distanziere sich von den gezeigten Inhalten, sie seien fälschlicherweise veröffentlicht worden. Daraufhin wird Christian von Journalisten mit Fragen zu seiner sozialen Einstellung in die Enge getrieben und der Selbstzensur beschuldigt. Und plötzlich bricht in der Pressekonferenz eine Diskussion über Moral, Anstand und Werte los, die „The Square“ tatsächlich würdig zu sein scheint.



KOMMENTAR DES REGISSEURS


Der Film und seine Ursprünge
2008 wurde in Schweden die erste geschlossene Wohnanlage eröffnet, also eine Siedlung, zu der nur ihre Bewohner Zugang haben. Es gibt kaum ein extremeres Beispiel dafür, wie sich privilegierte gesellschaftliche Gruppen von ihrer Umgebung abschotten. Darüber hinaus ist diese Wohnform eines von vielen Zeichen dafür, dass europäische Gesellschaften individualistischer werden, je weiter sich seit 30 Jahren die Regierungen verschulden, die Sozialleistungen schrumpfen und die Schere zwischen Arm und Reich wächst. Sogar in Schweden, einer der egalitärsten Gesellschaften der Welt, haben wachsende Arbeitslosigkeit und die Angst vor Statusverlust dazu geführt, dass sich immer mehr Individuen gegenseitig sowie der Gesellschaft als solcher misstrauen. Ein vorherrschendes Gefühl von Machtlosigkeit hat unser Vertrauen in den Staat unterminiert und dazu geführt, dass wir uns immer weiter in uns selbst zurückziehen. Doch wollen wir wirklich, dass sich unsere Gesellschaft in diese Richtung entwickelt?
Während der Recherche zu meinem Spielfilm PLAY – NUR EIN SPIEL?, in dem es um Kinder geht, die andere Kinder überfallen und ausrauben, stieß ich immer wieder darauf, wie schwer es uns offensichtlich fällt, im öffentlichen Raum anderen Hilfe anzubieten. Die realen Überfälle, auf denen die Geschichte von PLAY basiert, fanden am helllichten Tag in der friedlichen Stadt Göteborg statt, in Einkaufszentren, Straßenbahnen und auf öffentlichen Plätzen. Keiner der Erwachsenen, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, hat auf die Vorfälle reagiert.
Diese mangelnde Hilfsbereitschaft in Gegenwart anderer Menschen ist bei Psychologen bekannt als „Bystander-Effekt“ oder „Beobachter-Apathie“. Experimente zeigen, dass sich die Hilfsbereitschaft umgekehrt proportional verhält zur Anzahl der Umstehenden. Also je mehr Menschen die Situation beobachten, desto weniger hilfsbereit sind wir. Schuld daran ist die in größeren Gruppen häufig auftretende sogenannte „Verantwortungsdiffusion“. Auch wenn es Anzeichen dafür gibt, dass ein Gruppenzusammenhalt die kollektive Gleichgültigkeit ausgleichen kann.
Als mein Vater jung war, in den 1950er Jahren, muss die westliche Gesellschaft dagegen noch ein Gefühl von geteilter Verantwortung gehabt haben. So erzählte er mir zum Beispiel, dass seine Eltern ihn im Alter von sechs Jahren unbeaufsichtigt durch die Innenstadt von Stockholm laufen und dort spielen ließen. Sie hängten ihm einfach ein Schild mit ihrer Adresse um den Hals, falls er sich verlaufen sollte. Das erinnert uns daran, dass es eine Zeit gab, als wir andere Erwachsene als vertrauensvolle Mitglieder einer Gemeinschaft erachteten, die einem Kind in Schwierigkeiten umgehend helfen würden. Das soziale Klima heute scheint dagegen weder Gruppenzugehörigkeit noch das Vertrauen in unsere Gesellschaft zu fördern. Heutzutage sehen wir vielmehr andere Erwachsene als Bedrohung für unsere Kinder an. Mit diesen Gedanken im Kopf entwickelten Kalle Boman1 und ich die Idee zu THE SQUARE, einem Kunstprojekt, das das Thema Vertrauen in unserer Gesellschaft ansprechen und die Notwendigkeit, unsere sozialen Werte zu überprüfen, ausloten sollte.

Ideale und Realität
Der Titel des Films THE SQUARE stammt von unserem Kunstprojekt, das wir erstmals im Herbst 2014 im Vandalorum Musuem in Südschweden zeigten. Das Kunstwerk veranschaulicht das Ideal der Einigkeit, die unsere Gesellschaft für das übergeordnete Wohl lenken sollte. Es wurde schließlich zu einer permanenten Installation auf dem zentralen Platz der Stadt Värnamo. Wenn jemand in Värnamo in der aus rotem Licht bestehenden Version von „The Square“ steht, ist das für die anderen eine Verpflichtung, zu handeln und zu reagieren, wenn Hilfe gebraucht wird.
Neu ist daran die Art und Weise, mit der wir die Werte heraufbeschwören. „The Square“ ist ein Ort der humanitären Werte, zurückgreifend auf die Moral der Wechselseitigkeit, die in beinahe jeder Religion zutage tritt („Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“). Genauso in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte („Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“). Und dennoch: Wenn ich mein Fahrrad irgendwo unangeschlossen stehen lasse und es wird gestohlen, würden die meisten Menschen denken, dass ich alleine Schuld daran habe.
Die Ausstellung in Varnämo experimentierte mit der Idee, dass die gesellschaftliche Harmonie von einer einfachen Entscheidung abhängt, die jeder einzelne von uns täglich zu treffen hat: „Ich vertraue den Menschen“ oder „Ich misstraue den Menschen“. Die Museumsbesucher mussten sich zwischen zwei Türen entscheiden: links, wenn man seinen Mitmenschen vertraut; rechts, wenn das nicht der Fall ist. Die meisten entschieden sich zunächst für ersteres, bekamen dann aber kalte Füße, als sie gebeten wurden, ihre Telefone und Brieftaschen auf dem Fußboden der Ausstellung abzulegen... Dieser Widerspruch zeigt, wie schwierig es ist, nach den eigenen Prinzipien zu handeln.

In Einklang mit unseren Werten
Der Film THE SQUARE konfrontiert uns mit einer Schwäche der menschlichen Natur: Wenn man versucht, das Richtige zu tun, ist das Schwierige nicht, den gebräuchlichen Werten zuzustimmen, sondern tatsächlich nach ihnen zu handeln. Wie behandle ich beispielsweise Bettler, wenn ich mich für eine faire und gleichberechtigte Gesellschaft einsetzen will, in der die Kluft zwischen Reich und Arm verschwindet? Soll ich meinen privilegierten Lebensstil aufrechterhalten, der es mir ermöglicht, ihnen jeden Tag etwas zu geben und damit ihre Situation nur ein klein wenig verbessert? Oder sollte ich meinen eigenen Lebensstil radikal verändern, um die Balance zwischen uns wiederherzustellen? Die ständig wachsende, extreme Armut und das Ansteigen der Obdachlosigkeit in den Städten der reichen Industrienationen stellen uns mittlerweile jeden Tag vor ein solches Dilemma.
In meinem ersten Spielfilm INVOLUNTARY hatte ich mich – bezugnehmend auf das Experiment von Stanley Milgram – damit auseinandergesetzt, wie uns Gruppenverhalten dazu bringen kann, eine Grenze zu überschreiten. Diese Tests dienen bekanntermaßen als Paradebeispiel für Hannah Arendts Idee der Banalität des Bösen und der Obrigkeitshörigkeit der Menschen.
Im Zusammenhang mit THE SQUARE möchte ich das „Barmherzige Samariter“-Experiment zitieren, das 1973 in Princeton durchgeführt wurde. Damals nahmen 40 Theologiestudenten an einer Studie teil. Sie gingen davon aus, dass es um Religionspädagogik und Berufungen ginge. Nach dem Ausfüllen eines Fragebogens wurden die Teilnehmer aufgefordert, sich in ein anderes Gebäude zu begeben – und sich dabei zu beeilen. Einer der Männer war in Wirklichkeit ein Schauspieler, der auf dem Weg ins Nachbargebäude fiel und so tat, als würde er Hilfe brauchen. Natürlich waren alle Theologiestudenten mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter und dessen Botschaft vertraut: Hilf anderen in der Not. Doch haben sie geholfen? Die meisten taten es nicht. Die Ergebnisse zeigten: Je eindringlicher ihnen gesagt worden war, sie sollten sich beeilen, desto geringer fiel ihre Hilfsbereitschaft aus.

Die Menschlichkeit des Protagonisten
Christian ist ein Mann mit vielen unterschiedlichen Seiten. Er ist gleichermaßen idealistisch in seinen Worten und zynisch in seinen Taten, gleichzeitig machtvoll und schwach. Genau wie ich selbst ist er ein geschiedener Vater von zwei Kindern, er ist im Kulturbereich tätig und hat sich den existentialistischen und sozialen Fragen verpflichtet, die durch „The Square“ aufgeworfen werden. Er ist davon überzeugt, dass hinter „The Square“ eine bahnbrechende Idee steht und möchte mithilfe der Kunst die Menschen zum Denken anregen. Gleichzeitig ist er ein soziales Chamäleon, das genau weiß, welche Rolle er als Leiter eines Museums zu spielen hat und wie er mit den Erwartungen von Sponsoren, Besuchern und Künstlern umgehen muss.
Christian steht vor den gleichen Fragen und Herausforderungen wie wir alle: der Übernahme von Verantwortung, Vertrauen und moralischem Handeln im persönlichen Rahmen. Als er in ein Dilemma gerät, kommen seine individuellen Handlungen seinen moralischen Prinzipien in die Quere. Christian erscheint als ein wandelnder Widerspruch, wie so viele von uns. Am Ende des Films ist es an uns zu beurteilen, ob er seine Lektion gelernt hat.
Für THE SQUARE war ein naturalistischer, intimer Ansatz der Schauspieler wichtig. Die liebevolle Beziehung zwischen Christian und seinen Cheerleader-Töchtern stellt den emotionalen Kern des Films dar und verdeutlicht durch konkrete Bilder die Idee einer Suche nach Utopie. Tatsächlich sind die Mädchen als Cheerleader vereint in einem sehr effizienten, kollektiven Bemühen, zu dessen Gelingen jedes Individuum den gleichen Anteil beiträgt. Außerdem gibt es kaum ein besseres Bild für die Wichtigkeit von Vertrauen als ein 10-jähriges Mädchen, das zu einem Salto in der Luft ansetzt und darauf baut, von den anderen aufgefangen zu werden. Der Fokus und die Freude der Cheerleader illustriert die beste Seite der amerikanischen Gesellschaft.

Kann Gerechtigkeit Glück kaufen?
Christians Geschichte verdeutlicht die beiden sokratischen Pfeiler der Gerechtigkeit: den Gesellschaftsvertrag und die Individualethik. Gerechtigkeit besteht darin, den Gesetzen zu gehorchen im Austausch dafür, dass es die anderen auch tun. Doch mehr noch ist die Gerechtigkeit auch der Zustand einer wohlgeordneten Seele. Der gerechte Mensch ist also notwendigerweise auch der glückliche Mensch. Diese alte und verführerische Idee, dass „das Richtige tun“, also Gerechtigkeit, das Glück erkaufen kann, ist nicht veraltet. Forscher der Sozialpsychologie haben unter freiwillig Tätigen mit einem hohen Grad an sozialem und politischem Engagement ein gesteigertes Vertrauen in andere festgestellt. Dieses Phänomen wird „Helper’s High“2, also „Helfershoch“ genannt. Vielleicht werden einige Zuschauer lachen über Christians unbeholfene und amüsant-peinlichen Bemühungen oder andere Witze im Film. Aber vielleicht teilen sie auch die Vorstellung von Gerechtigkeit, die dieser Geschichte innewohnt.

Zu „gut“ um viral zu gehen, oder: Wie die Medien uns schlechter machen
Als Satire übertreibt THE SQUARE natürlich die schlimmsten Tendenzen, die sich dieser Tage in unserer Gesellschaft beobachten lassen. Darunter etwa die Art und Weise, wie Medien ihre eigene Verantwortlichkeit ignorieren im Reproduzieren exakt der Probleme, über die sie berichten. Das Museum engagiert PR-Spezialisten, die der Ausstellung und den mit „The Square“ einhergehenden Ideen größtmögliche Aufmerksamkeit in den Medien bringen sollen. Doch die stellen sarkastisch fest, dass der Gedanke hinter „The Square“ „zu nett“ und einvernehmlich sei und niemand sich dafür interessieren werde. „Um Journalisten dazu zu bringen, etwas darüber zu schreiben, brauchen wir eine Kontroverse. Diesem Projekt fehlt jede Form von Schärfe oder Konflikt.“
Es lassen sich Parallelen ziehen zu extremistischen Parteien in Schweden, den USA, Frankreich oder sonst irgendwo auf der Welt, die durch provokative, polarisierende Debatten das Interesse der breiten Öffentlichkeit auf sich lenken konnten. Bei uns in Schweden gelang es einer solchen Partei, drittstärkste politische Kraft zu werden. Meine Inspiration für die PR-Strategen im Film waren dabei die provokativen Stunts der bekannten schwedischen Agentur Studio Total.
Tragische Ironie hat die sozialen Medien zum besten Werbeträger für Terrororganisationen gemacht. Jeder weiß Bescheid über die mediale Hysterie, die Europäer dazu bringt, sich dem IS anzuschließen, oder die zu den Morden in Kopenhagen geführt hat, nur wenige Wochen nach der Attacke auf Charlie Hebdo in Paris. Doch niemand hat daraus gelernt. Noch vor ein paar Jahren hätte der Ehrenkodex der Presse es verboten, dass eine Zeitung oder ein Sender schockierende, fragwürdige oder manipulierte Bilder zeigt. Doch weil die Kosten gesenkt und Jobs gestrichen werden, sind die Journalisten zusehends überfordert. Dies führt dazu, dass sich die Medien immer häufiger auf Sensationsbilder stürzen. Was genau auf einem Bild zu sehen ist, scheint fast egal zu sein, solange es brisant ist. Das Foto des kleinen Aylan, der auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken ist, ist dafür ein anschauliches Beispiel.
Ein einzelnes Bild änderte plötzlich die „Meinung“ über Asylsuchende in vielen europäischen Zeitungen und auf der ganzen Welt. Es zeigte, wie groß die Wirkung eines guten Bildes sein kann, wenn es provokativ oder berührend genug ist, um die niemals endende Flut an Informationen und Bildern zu durchbrechen, der wir täglich ausgesetzt sind.
Vor allem aber zeigte dieser Fall meiner Meinung nach, dass wir heutzutage unbedingt ein Bild brauchen, um emotional überhaupt noch berührt zu werden. Denn die Medien verteidigen bestimmte Standpunkte nicht mehr. Stattdessen sind unmoralische Berichte mit sensationslüsternen Fotos die Norm geworden, die sich dank sozialer Netzwerke in Windeseile um die ganze Welt verbreiten.
THE SQUARE versucht, dieses drängende Thema auf unbeschwerte, absurde Weise aufzugreifen. Das selbstverständlich nicht echte YouTube-Video, mit dem die PR-Spezialisten die moralische Haltung der Ausstellung promoten wollen, zeigt, wie sehr die Medien die Art und Weise beeinflussen, wie wir auf die Welt blicken – und sie missverstehen. Ich halte es für unbedingt notwendig, diesen Effekt zu analysieren. Denn ich bin überzeugt davon, dass Bilder das wirksamste und dadurch auch gefährlichste Ausdrucksmittel sind, das wir haben. Gleichzeitig kann ein Film uns einen außergewöhnlichen Zugriff auf die Welt ermöglichen. Es gibt so vieles, was wir selbst nicht am eigenen Leib erlebt haben, aber mit Hilfe von Filmen erfahren können.
Filme können zum Beispiel dazu führen, dass wir gesellschaftliche Konventionen und alles, was wir als selbstverständlich erachten, kritisch zu hinterfragen beginnen. Ich jedenfalls freue mich immer enorm, wenn mir jemand berichtet, dass er mit seinen Freunden die ganze Nacht über meinen Film diskutiert hat. Denn dann ist es meinem Film gelungen, auch außerhalb des Kinosaals zumindest einen kleinen Moment der Veränderung auf den Weg zu bringen.
Ruben Östlund, Mai 2017

Quelle: Verleih
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 05.10.2017
MALEIKA
Ab 12. Oktober 2017 im Kino
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MALEIKA offenbart Momente großer Freude, zeigt aber auch, dass das Leben in der freien Wildnis nicht immer einfach ist, sogar manchmal ohne Ausweg zu sein scheint ... Am Ende jedoch steht nur eine Botschaft: Egal was passiert, aufgeben ist keine Lösung – auch für Gepardin Maleika nicht!
Um dem Publikum eine große emotionale Nähe zu den Figuren zu ermöglichen, hat sich Matto Barfuss durch die Erzählweise der Disneyfilme inspirieren lassen. Entstanden ist ein bildgewaltiges Kinoabenteuer, das das Publikum teilhaben lässt an einer der berührendsten Geschichten, die die Natur je erzählte.


Ein Film von MATTO BARFUSS über die Königin von Afrika

Die Gepardin Maleika hat sechs Junge zur Welt gebracht: Martha, Malte, Mirelèe, Marlo, der so gern klettert, Mia und Tollpatsch Majet. Mit ihrer struppigen Nackenmähne sehen sie aus wie Punks, und mit jedem Tag werden die Kleinen frecher und mutiger. Noch ist das Leben für die jungen Geparden ein Spiel und sie werden von ihrer Mutter Maleika beschützt. Jede neue Herausforderung bringt die Gepardenkinder ein Stück weiter in Richtung Selbstständigkeit. Doch die Wildnis birgt auch für die schnellsten Jäger der Erde viele Gefahren. Jedes Abenteuer könnte das letzte sein. Wir sind dabei, während die Rasselbande heranwächst, begleiten sie bei ihrem ersten Ausflug mit ihrer Mutter, der aufregenden Ausbildung zu Jägern und auf ihrem Weg zu neuen Abenteuern.


Regisseur Matto Barfuss ist der breiten Öffentlichkeit als der „Gepardenmann“ bekannt, er lebte zwischen 1996 bis 2002 in Tansania über 25 Wochen lang mit einer wilden Gepardenfamilie zusammen. Er ist Fotograf, Maler, Autor und leidenschaftlicher Tierfilmer. Seine Berichte und Bildbände über die Zeit in der Wildnis machten ihn weltweit bekannt. Matto Barfuss ist UNESCO-Fotopreisträger, er ist UN-Botschafter für biologische Vielfalt und Tierschützer.
2013 sollte erneut ein Raubtier sein Leben verändern: Matto Barfuss traf auf die Gepardin Maleika, die im darauf folgenden Jahr sechs Jungen das Leben schenkte … ab sofort wich der Filmemacher nicht mehr von ihrer Seite.
Sein Film MALEIKA zeigt die gleichnamige und mittlerweile weltweit berühmte Gepardin bei der Aufzucht ihrer Jungen.





Vor der majestätischen Kulisse der Masai Mara in Kenia, einem der letzten Paradiese der Erde, erleben wir ein episches Abenteuer über das Erwachsenwerden, die Liebe und das Überleben in der freien Wildnis.
Die Gepardin Maleika hat sechs Junge zur Welt gebracht: Martha, Malte, Mirelèe, Marlo, der so gern klettert, Mia und Tollpatsch Majet. Mit ihrer struppigen Nackenmähne sehen sie aus wie Punks, und mit jedem Tag werden die Kleinen frecher und mutiger.
Noch ist das Leben für die jungen Geparden ein Spiel und sie werden von ihrer Mutter Maleika beschützt. Jede neue Herausforderung bringt die Gepardenkinder ein Stück weiter in Richtung Selbstständigkeit. Doch die Wildnis birgt auch für die schnellsten Jäger der Erde viele Gefahren. Jedes Abenteuer könnte das letzte sein.
18 Monate lang bringt Maleika ihre Jungen allein durch. Alle drei Tage geht sie auf die Jagd, um ihre stets hungrige kleine Meute zu versorgen, die Maleikas Beute ganz selbstverständlich für sich beansprucht.
Die Kamera ist live dabei, während die Rasselbande heranwächst, begleitet sie bei ihrem ersten Ausflug mit ihrer Mutter, der aufregenden Ausbildung zu Jägern und auf der Wanderung in neue Territorien – immer auf der Spur von Gazellenherden, Gnus und Antilopen, die zu neuen Weidegründen aufbrechen.
In der Weite der Masai Mara trifft die Gepardenfamilie zwangsläufig auf gefährliche Feinde wie Hyänen und Schakale, die Maleikas Kinder in die Enge treiben – und auf mächtige Rivalen: Löwinnen des „Zickenkrieg-Rudels“ und die „Hatari-Gang“. Die Löwenmütter Mona Lisa muss ihren Nachwuchs ernähren und will ihre Jungen um jeden Preis beschützen, genauso wie Maleika.
Im Kampf um die Beute – und damit ums Überleben – gilt das Recht des Stärkeren. Auch für die tapfere Maleika und ihre cleveren Jungen hält das wilde, freie Leben in der Masai Mara bittere Rückschläge und Verluste bereit.


PRODUKTIONSNOTIZENPRODUKTIONSNOTIZEN PRODUKTIONSNOTIZEN PRODUKTIONSNOTIZEN PRODUKTIONSNOTIZEN PRODUKTIONSNOTIZEN
Matto Barfuss blickt auf über 22 Jahre Afrika-Expeditionen zurück, hat Berggorillas im Kongo und Erdmannfamilien in der Kalahari aus nächster Nähe kennengelernt. Zu seinen bewegendsten Erfahrungen zählen jedoch die nahezu unglaublichen Erlebnisse mit Raubkatzen, die er u. a. in dem Bestseller-Bildband „Leben mit Geparden“ dokumentiert hat.
1996 traf Barfuss in der Serengeti auf eine Gepardin, die ihn schließlich „adoptierte“. 25 Wochen lang lebte er auf allen Vieren als „menschlicher Gepard“ mit der Raubkatzenfamilie. Die Gepardenmutter nannte er Diana. 2013 dann traf er Maleika. Er ist fest überzeugt, dass sie eine Urenkelin Dianas ist: „Da gab es zu viele eindeutige Parallelen. Damit schloss sich ein großer Kreis und es war meine Aufgabe, diese tolle Katze und Frau mit meiner Kamera zu begleiten“, erzählt Barfuss.
2014 bringt Maleika in der Masai Mara, einem der größten und schönsten Savannengebiete der Erde, sechs Babys zur Welt. Für Geparden eine Sensation: Üblicherweise besteht ein Wurf aus zwei bis vier Jungen, wobei nur wenige das erste Lebensjahr überleben.
„Im Oktober 2015 fing ich mit der Sichtung des gesamten Filmmaterials an. Damit begann ein spannendes Mammutprojekt, denn ich musste – oder durfte vielmehr – 207 Stunden Rohmaterial über Maleika sichten“, berichtet Barfuss. Die langen Tage im Filmstudio starteten um 9 Uhr und endeten nie vor 3 Uhr früh. „Mitte November war ich dann so platt und überwältigt, dass ich kurzfristig entschied, noch einmal nach Kenia zu Maleika zurückzukehren. Aus einer Gepardenmutter mit sechs Babys war mittlerweile eine Gepardenfamilie mit drei Jungen geworden. Maleikas Nachwuchs war nun größer als die Mutter selbst und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann sie ihre Kinder in die Unabhängigkeit entlassen würde.“
Was Matto Barfuss und seine Kamerafrau Martina Jandova diesmal in der Masai Mara erlebten, „hat dem Film einen völlig neuen Rahmen und eine traurig berührende Faszination gegeben“, so Barfuss. „Es war oft sehr hart hinter der Kamera. Durch die Kameralinse bin ich permanent sehr nah dran – als würden sich die Gefühlsregungen meiner Schauspieler direkt in meine Seele katapultieren.“
Die berührende Geschichte, die wir jetzt in MALEIKA auf der Leinwand erleben, entstand an insgesamt 247 Drehtagen von 2013 bis 2016. Gefilmt wurde in revolutionärer Technologie mit RED-Epic-Kameras in 4K- und 5K-Auflösung. Schon die Erstellung des ersten Rohschnitts und schließlich des „nur noch“ 234 Minuten langen Director's Cut war laut Matto Barfuss „eine seelische Schlacht. Ich musste mich mit der Kunst des Weglassens anfreunden.“
„Aus dem Kinoprojekt ist nunmehr ein episches Filmwerk geworden: über Liebe, den Drang, einmal groß und glücklich zu werden, und über das Loslassen. Das kann unendlich schmerzhaft sein und hat mir als Kameramann manchmal sehr wehgetan. Es wurde gelacht, aber es sind auch viele Tränen geflossen. Die besten Geschichten schreibt eben das Leben. MALEIKA ist ein Film, der Empathie bei Tieren in einem völlig neuen Licht zeigt. Unsere Gesellschaft könnte viel daraus lernen.“
„Die langen Jahre in Afrika, die in aller Regel aus mindestens sechs Monaten pro Jahr im Busch bestehen, bedeuten auch, Dynastien aufsteigen und untergehen zu sehen“, betont der Filmemacher. „Manche Löwenrudel wurden groß und endeten mit einer Mutter und ihrem Sohn. Andere verschwanden für immer.“
Mit dem Kinofilm MALEIKA wird auch das Projekt „Bildung für ARTenschutz“ der gemeinnützigen Organisation „Leben für Geparden e.V.“ unterstützt.



INTERVIEW MIT MATTO BARFUSS

Wie kam es zu Ihrer ersten Begegnung mit Maleika im Jahr 2013?
Als ich Maleika traf, war sie Single und offenkundig auf Beutesuche. Wir waren schon einige Zeit unterwegs, als sie plötzlich spontan auf mein Filmauto sprang. Ganz vertraut saß sie über mir auf dem Dach und blickte in die Ferne – um dann genauso plötzlich mit einem Satz vom Auto zu hechten und loszurennen. Mein Masai-Freund und Fahrer raste querfeldein hinter Maleika her. Sie war viel schneller als wir. Nach rund zwei Kilometern wilder Jagd beschleunigte Maleika überraschend noch einmal. Wir dagegen gaben auf, stellten das Auto quer und ich filmte die letzte Phase einer spektakulären Jagd. Ein Gepard jagt in der Regel über maximal 800 Meter im Sprint, und ich habe viele Geparden kennen gelernt. Aber das war einfach einmalig!

Und warum sind Sie überzeugt, dass Maleika eine Urenkelin von Diana aus der Serengeti ist?
Mit der Gepardin Diana habe ich ab 1996 und zuletzt 2002 für insgesamt 25 Wochen auf allen Vieren zusammengelebt, als akzeptiertes Familienmitglied. Schon damals lebte ihre Tochter sehr viel weiter im Norden der Serengeti. Maleika und Diana haben erstaunlich viele Ähnlichkeiten und die Masai Mara ist der nördlichste Teil der Serengeti, also quasi das gleiche Gebiet.

Filmen in „freier Wildbahn“ ist natürlich eine einzige Herausforderung. Worin besteht die größte?
Filmen in den Weiten Afrikas bedeutet vor allem: Kampf gegen Staub, Hitze, oft Feuchtigkeit – und Energiemanagement. Mental gesehen geht es um Geduld und Einfühlungsvermögen. Da ist die akribisch genaue Vorbereitung der Drehs entscheidend. Noch zu Hause mache ich einen umfangreichen Technikcheck und überlege mir, wie ich das Equipment am besten vor zum Teil mikrofeinem Staub schütze. Das heißt natürlich: regelmäßig putzen. 2003 habe ich mal einen Teil einer sechswöchigen Produktion wegen Staub verloren, das prägt! Temperaturen bis zu 50 Grad und starke Regenfälle bringen die Kameraausrüstung an physikalische Grenzen. Ich produziere in 4K- und 5K-Auflösungen, so dass sich die Hitze wegen des gewaltigen Datenflusses weiter potenziert. Eine Herausforderung ist auch die Übertragung und Sicherung der riesigen Datenmassen – und die Energie, die ich dafür benötige. Während meiner sehr abgeschiedenen Produktionen arbeite ich mit meinem speziell ausgerüsteten Filmauto. Es ist mit Solarzellen ausgestattet, die 220 Watt erzeugen. Das reicht gerade eben aus. Für MALEIKA habe ich ein Filmcamp genutzt und den Strom über einen Generator erzeugt.

Wie muss man sich Ihren Alltag im Busch während der Dreharbeiten vorstellen?
Normalerweise beginnt ein Produktionstag um 4.45 Uhr mit einem kurzem Technikcheck und der ein oder anderen kleinen Nachbesserung am geschundenen Filmauto. Spätestens um 5.30 Uhr fahren wir los. Wenn über Nacht nichts Außergewöhnliches passiert ist, finden wir Maleika recht schnell. Oft müssen wir sie aber erst suchen, in seltenen Fällen dauert das Stunden oder sogar Tage. Sind wir wieder an der Gepardin dran, kommt die Kamera aufs Stativ und die Dreharbeiten beginnen. Maleika ist spontan und schnell, entsprechend muss ich frühzeitig die Situation einschätzen und handeln. Mit der linken Hand mache ich die Belichtung, mit der rechten die Schärfe und mit beiden die Kameraführung. Es gibt ja keine „Klappe, die zweite“, eine verpasste Szene ist unwiederbringlich verloren.
Gegen 18.30 Uhr geht die Sonne unter. Sofern Maleika einen sicheren Schlafplatz gefunden hat, brechen wir gegen 19 Uhr Richtung Filmcamp auf. Zuweilen wird es aber auch später. Sobald ich im Camp bin, heißt es sofort alle Akkus aufladen, Kameras putzen und vor allem Filmmaterial übertragen. Ich checke die Aufnahmen und beginne dann gegen 21 Uhr, das Material auf das Festplattenset A zu übertragen. Das dauert Stunden. Gegen 23.30 Uhr lege ich mich im Zelt schlafen. Schließlich klingelt der Wecker nachts um 1 Uhr, schlaftrunken kontrolliere ich die hoffentlich korrekte Übertragung auf die Festplatte. Danach wird das Backup-Festplattenset B angehängt und die nächste Übertragung beginnt. Bis zum Aufstehen am nächsten Morgen ist dann alles fertig.

Gab es beim Dreh Zwischenfälle oder heikle Situationen?
Die Produktion startete schon am dritten Tag mit einem Rippenbruch. Wir hatten unweit von Maleika drei junge Geparden entdeckt, bereit zur Jagd. „Schnell, in Position!“, feuerte ich den Fahrer an. Der Geländewagen setzte zum Spurt an, dann gab es eine Vollbremsung, weil sich die Hinterachse in einem Hyänenloch verkeilt hatte. Verzweifelt versuchte ich die schwere Kamera auf dem Stativ zu retten. Dabei knallte mein Oberkörper mit Wucht auf die Armaturen. Ich sah Sterne, dann kamen die Schmerzen. Zwei Rippen waren weich wie Butter. Ich musste wirklich oft die Zähne zusammenbeißen. Eine Produktion ging 47 Tage am Stück. Der Schlafmangel und die unablässige Konzentration hatten mich völlig ausgelaugt. Auf der achtstündigen Fahrt nach Nairobi wurde ich regelecht bewusstlos, dabei knickte mein Knopf nach links. Plötzlich ging eine Ziege über die Straße und mein Fahrer musste eine Vollbremsung machen. Ich kam mit einem fürchterlichen Drehschwindel zu mir, der mich monatelang handicapte. Der Rückflug war Horror. Ich war allein, hatte entsetzlich viel Gepäck und die ganzen Festplatten. Durch die Schwindelanfälle war mir permanent übel, zeitweise konnte ich kaum geradeaus gehen. Aber es ging trotzdem. In gewisser Weise hatte ich schon von Maleika gelernt: Aufgeben kommt nicht in Frage.

Wie nah sind Sie den Geparden tatsächlich gekommen?
Ich wollte Maleikas Geschichte authentisch erzählen, da durfte ich auf keinen Fall in Erscheinung treten. Deshalb habe ich auch bestimmt, mit nur einem Filmauto und einer Kamera zu drehen. Das war ein Risiko, denn viele Großproduktionen dieser Art arbeiten mit mehreren Autos und vielen Kamerapositionen. Dabei werden die Tiere aber oft gefährlich beeinträchtigt. Im Nachhinein kann ich sagen, dass gerade diese bewusste Entscheidung zur geringstmöglichen Beeinflussung die besondere Qualität von MALAIKA ausmacht. So vermitteln die Bilder viel mehr Nähe, sogar die Actionszenen. Und ich bin Maleika emotional sehr nahe gekommen. Bald fühlte ich, wenn sie traurig oder verzweifelt war und sie deshalb ungestüm oder übereilt handeln würde. All das konnte ich bei der Vorbereitung meiner Kameraarbeit berücksichtigen. Bei alldem lernte ich Maleika auch als Jägerin viel besser kennen. Das half uns als Team, schnell die beste Kameraposition zu finden. Oft sind wir bis zu zwei Kilometer vorausgefahren. So gelang es, insgesamt 47 großartige Jagden oft aus der Frontalen einzufangen.

Oft ergeben sich beim Dreh gefährliche und hochemotionale Situationen. Fällt es Ihnen schwer, nicht einzugreifen, wenn sich vor Ihrer Kamera Dramen abspielen?
Klare Antwort: Ja! Wenn so etwas passiert, ist das für mich die Hölle. Zum Beispiel, als die Gepardenfamilie einen reißenden Strom überquerte und Maleikas Sohn Marlo von einem Krokodil gepackt wurde. Im ersten Moment überlegte ich tatsächlich, meine Kamera nach dem Krokodil zu werfen. Und dann der Tag, an dem sich Maleika schwer verletzte und alles zuende schien. Natürlich habe ich überlegt einzugreifen. Maleika hatte ja noch fünf Junge, die sie säugen musste. Wir haben veterinärmedizinische Ratschläge eingeholt, aber es lief darauf hinaus, dass man vielleicht Maleika retten könnte, es dann aber um die Kinder schlecht bestellt sei. Ich glaube, es hat sehr geholfen, dass wir tagtäglich bei Maleika waren. Wie sie aus eigener Kraft – ganz ohne unsere Hilfe – ins Leben zurückkehrte, ist ein wichtiges dramaturgisches Moment im Film. Aber es hat mich wirklich Nerven gekostet!

Wie haben Sie aus über 250 Stunden Filmmaterial (von 2013 bis 2016) die endgültige Kinofassung erstellt? Wie geht man da im Schnitt vor?
Zuerst habe ich ein ausführliches Storyboard in 70 Kapiteln angefertigt, dann wochenlang Aufnahmen gesichtet und für jedes Kapitel einen Container mit 30 bis 40 Minuten Material erstellt. Ende 2015 war dann ein erster Rohschnitt von 10,5 Stunden fertig. Danach begann eine aufwühlende Arbeit, denn es ging darum, mich von vielen Lieblingsszenen und persönlichen, emotionalen Momenten zu trennen. So ging es nur zäh bis zu einer 352-Minuten-Version voran. Als ich mich entschloss, viel später einmal aus dem ganzen tollen Material eine Serie zu gestalten, war die psychologische Hürde genommen: Ich konnte mich auf die Filmgeschichte konzentrieren und auf für mich wichtige Episoden verzichten. Bis Juli 2016 hatten wir dann eine gut funktionierende 132-Minuten-Version. Von Fassung zu Fassung kamen dann mal vier oder auch nur zwei Minuten weg. Dazu kam bald mehr Tiefe in den Sound. Unsere Komponisten lieferten tolle Musik, wir mussten oft vor den Screens weinen. Dann, als der Schnitt fast stand, gab es unglaubliche Nachrichten von Maleika. Also sind wir quasi direkt aus dem Studio zu ihr nach Afrika aufgebrochen – und kamen mit über 36 Stunden Rohmaterial zurück. Am Ende haben wir nur drei Minuten davon verwendet! Aber für den Film sind sie ein Geschenk.
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Donnerstag 28.09.2017
DAS GRÜNE GOLD
Ab 05. Oktober 2017 im Kino
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Ackerland – das neue grüne Gold. Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den globalen Markt, eine der lukrativsten neuen Spielflächen ist Äthiopien. In der Hoffnung auf große Exporteinnahmen verpachtet die äthiopische Regierung Millionen Hektar Land an ausländische Investoren. Der Traum von Wohlstand hat jedoch seine dunklen Seiten: es folgen Zwangsumsiedlungen riesigen Ausmaßes, über 1 Million Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage, die Böden werden überfordert – die Antwort ist eine Spirale der Gewalt im Angesicht einer paradoxen Umweltzerstörung. Denn zu dieser Entwicklung tragen auch Milliarden Dollar Entwicklungshilfe von Institutionen wie der EU und Weltbank bei. Und wer sich in den Weg stellt, erfährt die harte Hand der Regierung. Dies muss auch der junge äthiopische Umweltjournalist Argaw lernen, der seine Stimme erhebt – und sich damit selbst in Gefahr bringt.


Dokumentarfilm, Schweden/Deutschland/Finnland
Ein Film von Joakim Demmer


Transnationale Landinvestitionen als Konjunkturmaschine oder Ausverkauf des eigenen Landes. Die einen hoffen auf große Gewinne und Fortschritt, die anderen verlieren Existenz und Zuhause. Der erschreckenden Wahrheit auf der Spur trifft der schwedische Regisseur Joakim Demmer auf Investoren, Entwicklungsbürokraten, verfolgte Journalisten, kämpfende Umweltaktivisten und vertriebene Bauern. Ein ungeheuerlicher Real-Thriller, der von den scheinbar entlegenen Ecken Äthiopiens über die globalen Finanzmetropolen direkt auf unseren Esstisch führt.


- Regiekommentar -
Die Arbeit an DAS GRÜNE GOLD wurde durch eine scheinbar alltägliche Szene am Flughafen von Addis Abeba vor Jahren ausgelöst. Während ich auf meinen Flug spät nachts wartete, sah ich zufällig müde Arbeiter auf der Rollbahn, die Nahrungsmittel in ein Flugzeug nach Europa luden. Und zur gleichen Zeit war ein anderes Team damit beschäftigt, Nahrungsmittelhilfe aus einem zweiten Flugzeug zu entladen. Ich habe ein bisschen gebraucht, um die tragende Bedeutung hinter der Szene zu begreifen – dieses von Hungersnot geplagte Land, in dem Millionen von Nahrungsmittelhilfe abhängig sind, exportiert tatsächlich Nahrung zu uns.
Die Fassungslosigkeit über das Paradox machte bald einem anderen Gefühl Platz – Wut. Wut gegen die Ungerechtigkeit, dass hunderttausenden Kleinbauern ihr Land geraubt wird, das sie und ihre Ahnen seit Generationen bearbeiten, nur um zu sehen, wie es ausländischen Investoren von der anderen Seite der Welt überlassen wird. Es ist eine unerträgliche Ungerechtigkeit, wie die Existenzgrundlagen dieser Menschen ruiniert werden, das heißt, sie verlieren nicht nur die Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren, sondern sie kämpfen auch mit dem Verlust ihrer Kultur und Identität.
Die Wut richtet sich auch gegen die Ahnungslosigkeit, den Zynismus und manchmal auch die reine Dummheit von internationalen Institutionen wie der EU, DFID und der Weltbank. Deren Bestrebungen können oft gut sein, aber in diesem Fall fördern sie letztendlich eine Diktatur und eine desaströse Entwicklung mithilfe unserer Steuergelder, statt den Menschen vor Ort zu helfen.
Ich fühlte auch Scham, als ich mir klar wurde, wie eng Landraub mit uns verbunden ist. Der Zucker in meinem Kaffee, die Baumwolle in meinem T-Shirt und sogar die Blumen für meine Mutter könnten leicht von gestohlenem Land stammen. Unsere Unternehmen, Banken und Pensionsfonds investieren alle in Land. In der komplexen Welt der Globalisierung könnte die Verantwortung so verzettelt sein, dass sie sich scheinbar auflöst. Trotzdem gibt es immer Menschen, die den Preis zahlen, und ihr Schicksal ist real.
Selbst wenn dieses Projekt eine Reise ins Dunkle war, war es auch ein großes Privileg, so viele wunderbare und mutige Menschen in Äthiopien, Südsudan, Kenia und Kambodscha kennenzulernen. Trotz der oft großen Risiken trafen wir immer auf Menschen, die bereit waren, beim Film mitzumachen oder ihn zu unterstützen. Manche haben bereits einen sehr hohen Preis gezahlt. Ihre Motivation speist sich aus der Hoffnung, dass ihre Stimmen gehört werden und die Ungerechtigkeit eines Tages ein Ende finden wird. Das bringt für uns Filmemacher eine große Verantwortung mit sich – dass möglichst viele Menschen von ihren Schicksalen erfahren. Meine persönliche Hoffnung ist es, dass wir ihr Vertrauen verdient haben.
Joakim Demmer


- Der Regisseur Joakim Demmer -
Joakim Demmer, geboren und aufgewachsen in Schweden, begann nach seinem Studium der Fotografie als Kameramann und Cutter zu arbeiten. Sein Regiestudium an der Deutschen Filmund Fernsehakademie Berlin (dffb) schloss er mit dem Dokumentarfilm TOD IN GIBRALTAR ab, mit dem er für den FIRST STEPS Award, den Deutschen Nachwuchspreis, nominiert wurde. Joakim Demmer arbeitet als Regisseur, Produzent und Kameramann mit Sitz in Berlin und Malmö.
Filmografie (Auswahl)
2016 DAS GRÜNE GOLD
2016 IM LAND DER SAMEN – DIE LETZTEN RENTIERNOMADEN
2014 DER SONNENKÖNIG DER MASSAI
2008 FREMDE KINDER: MATADORA PAOLA (TV-Dokumentarfilmreihe, 3sat)
2006 FREMDE KINDER: GATICA AM FLUSS (TV-Dokumentarfilmreihe, 3sat)
2004 ANNA LINDH UND IHR MÖRDER (Dokumentation/Arte)
2003 TOD IN GIBRALTAR


- Die Protagonisten -

ARGAW ASHINE
Argaw ist ein junger und mutiger äthiopischer Umweltjournalist – und einer der Hauptcharaktere des Films. Argaw beschließt, als erster die aktuellen Ereignisse in seinem Land anzuprangern. Wir folgen ihm auf seiner persönlichen Suche nach Wahrheit. Während er Beweise von Vertreibungen sammelt, entdeckt Argaw, dass etwas Fürchterliches in der Region Gambela vor sich geht. Mit ihm gemeinsam reisen wir in diesen entfernten Teil Äthiopiens an der Grenze zum Südsudan. Argaw entdeckt, dass die Regierung ein Entwicklungsprogramm als Vorwand für Vertreibungen missbraucht, um das Land für Investoren freizumachen. Schließlich wird Argaw selbst gezwungen, aus seinem Land zu fliehen, da die Polizei ihn unter Druck setzt, seine Quellen preiszugeben. Die Geschichte des Umweltjournalisten Argaw verdeutlicht die Wichtigkeit von Medien, die frei von der Kontrolle der Regierung und Unternehmen arbeiten können.

OMOT AGWA OKWOY
Omot ist Mitarbeiter des Gambela Nationalparks, der alles daran setzt, den Park vor Investoren zu schützen.
Als wir Omot 2010 zum ersten Mal treffen, arbeitet er im Nationalpark in Gambela und steht kurz davor, sich seinen Traum zu verwirklichen: daraus den zweitgrößten Park Afrikas nach Serengeti zu machen. Aber 2011 werden Teile des Parks an einen ausländischen Investor verpachtet, was zu Zwangsvertreibungen von lokalen Bauern führt. Omot kritisiert den Verkauf des Landes und warnt vor den Folgen, weshalb er entlassen und ihm der Mund verboten wird. 2015 wird Omot verhaftet und ist bis heute im Gefängnis inhaftiert.

IVAN HOLMES
Britischer Investor und zugleich Landwirt, der nach Äthiopien vor Jahren kam und neue Landwirtschaftstechnologien in der Region von Bale (400 km von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt) einführte. Neben dem Zweck, Nahrung für hungrige Menschen im Land zu produzieren, gibt Ivan zu, dass er auch von einer Abenteuerlust angetrieben wird. Trotz etlicher Anfangsschwierigkeiten haben es ihm sein Vorgehen und sein Respekt für die Einheimischen ermöglicht, 1000 Hektar kulturfähiges Land erfolgreich zu bewirtschaften. Ivan glaubt, dass Äthiopien einen starken kommerziellen Landwirtschaftssektor braucht, um genug Nahrung für seine eigene Bevölkerung zu produzieren, aber das kann seiner Meinung nach nur von Menschen mit einer Farmermentatlität erreicht werden, und nicht von einem Investor…


- Was ist Landraub? -
Stellen Sie sich vor, Sie würden eines Tages vom Lärm eines Bulldozers aufwachen und man sagt Ihnen, dass Sie und Ihre Familie das Land, auf dem Sie seit Generationen leben, zu verlassen haben. Und wenn Sie sich weigern, werden Sie gewaltsam dazu gezwungen oder ins Gefängnis gesteckt. Für tausende Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika wird dies zur bitteren Realität.
Die Jagd nach dem grünen Gold hat fast jeden Winkel des Erdballs erfasst. Bald werden Investoren über 55 Millionen Hektar Ackerland kontrollieren – das entspricht einer Fläche, die größer als Deutschland ist. Am stärksten betroffen sind die ärmsten Länder wie Äthiopien. Und bei einigen dieser Verkäufe handelt es sich um sogenannten Landraub: Deals, die ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der Gemeinden, denen das Land gehört, abgeschlossen wurden. Oftmals ist das Resultat, dass Kleinbauern gezwungen werden, ihr Zuhause zu verlassen und ihre Familien ihre Lebensgrundlage verlieren.
Dabei sind es nicht nur wirtschaftliche Kräfte, die nach mehr Kulturland drängen, sondern sogar unsere Rentenkassen investieren weltweit in Landwirtschaft und Entwicklungsprogramme, die von unseren Steuergeldern finanziert werden.
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