Blickpunkt:
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Inhaltsverzeichnis
THE MUSIC OF STRANGERS Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble

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THE LIGHT BETWEEN OCEANS

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ZERO DAYS

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LOOPING

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ALLES WAS KOMMT

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WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA

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Mittwoch 07.09.2016
THE MUSIC OF STRANGERS Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble
Ab 15. September 2016 im Kino
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Regisseur und Oscar-Preisträger Morgan Neville (20 FEET FROM STA RDOM) erzählt in seinem neuen Dokumentarfilm THE MUSIC OF STRANGERS: YO-YO MA AND THE SILK ROAD ENSEMBLE die außergewöhnliche Geschichte des von Cellisten-Legende Yo-Yo Ma ins Leben gerufenen Musikerkollektivs, The Silk Road Ensemble. Seit dem Jahr 2000 bringt der Ausnahmekünstler Musiker aus aller Welt zusammen, um die universelle Kraft der Musik zu feiern. Neville begleitet diese Gruppe unterschiedlicher Instrumentalisten, Sänger, Komponisten und Geschichtenerzähler auf ihrer Entdeckungsreise in die Macht der Musik, um Traditionen zu bewahren, Kulturen zu vereinen und Hoffnung zu wecken.

Ein Film von Morgan Neville


Seit dem Jahr 2000 bringt Cellisten-Legende Yo-Yo Ma Künstler aus aller Welt in seinem Silk Road
Ensemble zusammen, um die universelle Kraft der Musik zu feiern. Benannt nach dem uralten Handelsweg, der Asien, Afrika und Europa verbindet, pflegt die Initative von Yo-Yo Ma den interkulturellen Ideenaustausch. Dabei steht das Ensemble für die Fähigkeit der Musik, Traditionen zu bewahren, geografische Grenzen zu verwischen, unterschiedliche Kulturen zu vereinen und Hoffnung bei Musikern wie Publikum zu wecken.
Regisseur und Oscar-Preisträger Morgan Neville (20 FEET FROM STA RDOM) erzählt in seinem neuen Dokumentarfilm THE MUSIC OF STRANGERS: YO-YO MA & THE SILK ROAD ENSEMBLE die außergewöhnliche Geschichte des Musikerensembles und begleitet diese Gruppe unterschiedlicher Instrumentalisten, Sänger, Komponisten und Geschichtenerzähler auf ihrer Entdeckungsreise in die Welt der Musik.
In einer Mischung aus Bühnenmitschnitten, persönlichen Interviews und Archivmaterial stellen Regisseur Morgan Neville und Produzentin Caitrin Rogers die individuellen Wege einer kleinen Gruppe von Kernmitgliedern des Silk Road Ensembles in den Mittelpunkt. Es entsteht eine sehr persönliche Chronik ihrer Leidenschaft, ihres Talents und der Opfer, die sie dafür bringen mussten. In diesen bewegenden Einzelschicksalen schaffen die Filmemacher ein lebendiges Porträt eines mutigen, musikalischen Experiments und einer globalen Suche nach dem, was uns verbindet.
The Orchard präsentiert einen Film von Morgan Neville in Zusammenarbeit mit Participant Media, HBO und dem Silk Road Project. Die Produzenten sind Morgan Neville and Caitrin Rogers. Executive Producer sind Jeff Skoll für Participant Media, Diane Weyermann und Laura Freid für The Silk Road Project, Cristin Canterbury Bagnall und Julie Goldman für Motto Pictures und Sheila Nevins für HBO. Kamera: Graham Willoughby, Schnitt: Jason Zeldes und Helen Kearns.

Über die Produktion
Von den fernsten Gegenden Asiens bis zu den Straßen des antiken Roms war die sagenumwobene
Seidenstraße ein komplexes Netz aus Fernstraßen, Fußwegen und uralten Pfaden. Sie verband die weit verstreuten Weltkulturen von China, Indien, Persien, Afrika und dem Nahen Osten bis in den Mittelmeerraum miteinander. Die Seidenstraße erstreckte sich über Handelswege von mehr als 7.400 km und war für Generationen ein sicherer Weg für Abenteurer, Pilger und Händler. Sie ermöglichte den globalen Austausch von Gütern, Technologien und Ideen, die ganze Kulturen transformierten und die moderne Welt entscheidend prägten.
In seinem neuen Dokumentarfilm THE MUSIC OF STRANGERS: YO-YO MA & THE SILK ROAD ENSEMBLE, porträtiert der Filmemacher Morgan Neville den legendären Cellisten Yo-Yo Ma und untersucht am Beispiel der Arbeit des von ihm gegründeten innovativen und internationalen Künstlerkollektivs The Silk Road Ensemble die verschiedenen Wege, auf denen Kunst und Kultur auch heute Menschen rund um die Welt verbinden. Das Silk Road Ensemble gibt seit 15 Jahren einigen der weltbesten Musikern eine Gelegenheit, von fremden Traditionen zu lernen und ihre eigenen mit anderen zu teilen.
„Man hört immer wieder, dass Musik eine internationale Sprache ist, die Brücken zwischen den Menschen baut”, sagt Neville. „Aber was heißt das wirklich, und wie funktioniert es? Yo-Yo Ma ist seit 20 Jahren unterwegs, um herauszufinden, wie man durch Musik die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Dabei wollte ich ihn begleiten, um zu sehen, was dieses Konzept tatsächlich leisten kann.“


Ein revolutionärer Ansatz
Im Film spielen Kayhan Kalhor aus dem Iran, Wu Man aus China, Cristina Pato aus Galizien und Kinan Azmeh aus Syrien öffentlich und privat Musik, professionell als auch mit Familie und Freunden. Sie diskutieren über die Bedeutung, die das Silk Road Ensemble für ihr Leben hat. „Wir haben uns auf Musiker konzentriert, deren Geschichten uns daran erinnern, dass es neben der Freude und vielen wunderbaren Dingen auch Opfer und Bedrängnis bedeuten kann, ein Künstler zu sein”, sagt Neville. „Es gibt zwischen ihnen große Unterschiede in Herkunft, Geschlecht und Stil. Ihre Geschichten ergänzen sich, sind aber sehr unterschiedlich.”
Eines der übergreifenden Themen des Films ist der Begriff der Heimat: Was ist Heimat, was bedeutet Heimat, wie bestimmt sie, wer wir sind? „All diese Musiker, Yo-Yo eingeschlossen, haben eine Heimat und eine Tradition hinter sich gelassen, um neue Wege zu beschreiten“, sagt Neville. „Und jeder von ihnen ist schließlich mit einem neuen, breiteren Blick auf die Welt zurückgekommen.“ Kayhan Kalhor, ein international bekannter Meister der Kamantsche bzw. persischen Stachelgeige und dreimal für den Grammy nominiert, floh mit 17 Jahren aus dem Iran. Mit einem Rucksack und seinem Instrument, auf der Suche nach Asyl, ging er Tausende von Kilometern zu Fuß durch Europa. „Kayhan ist seit jeher eine wichtige Stimme für die persische Musik und Kultur”, sagt Neville. „Sein Leben war voller Härten, weil er eine einzige Sache tun wollte: Die Musik der Kamantsche spielen und bewahren. Er ist ein Symbol dafür, wie schwierig das Leben in einem Land wie dem Iran werden kann.”
Als er nach langer Abwesenheit wieder in den Iran zurückkehrte, um die überlieferte persische Spielweise zu unterrichten, traf er auf eine Generation, die nichts mehr von ihrer Geschichte wusste. Kalhor heiratete im Iran und ließ sich in der Nähe von Teheran nieder. Die politischen Umstände zwangen ihn jedoch erneut zur Flucht.
Für Wu Man, die bedeutendste Virtuosin auf der Pipa (der chinesischen Laute) und wichtigste Botschafterin chinesischer Musik, war es eine Chance, mit unorthodoxen Partnern zusammenzuarbeiten und neue Standards auf ihrem Instrument zu setzen. Dies bewegte sie dazu, China zu verlassen. Bei ihrer Rückkehr in die Heimat fand sie die traditionelle Musik im Aussterben begriffen und begann ein Projekt zur Dokumentation chinesischer Volksmusik. „Sie hatte den Eindruck, dass die Leute dort die Tradition so gering schätzten, dass sie sie verteidigen musste”, sagt Neville.
Die Filmemacher begleiten Wu Man nach Xian, wo sie sie der Zhang Family Band vorstellt, der 11. Generation einer Familie, die wilde Schattenpuppenspiele aufführt. Wu Man gibt zu, dass das Pendeln zwischen zwei Kulturen es erschwert, sich irgendwo zugehörig zu fühlen. „In Amerika denkt jeder, dass du Chinesin bist. Du spielst ein chinesisches Instrument - du wurdest in China geboren. Aber in China sagen sie: ‚Oh, du bist amerikanisch. Du kennst das China von heute doch gar nicht.’”
Zuletzt zum Ensemble dazugestoßen ist der Klarinettist Kinan Azmeh, einer der Stars der syrischen Musik. Seit 1998 lebt und arbeitet er in New York City. Mittlerweile sind das Land und seine Heimatstadt Damaskus zu gefährlich geworden – seit dem Bürgerkrieg 2012 war er nicht mehr dort. „Was er gerade jetzt mit der Situation in seiner Heimat durchmacht, ist unglaublich schmerzhaft”, sagt Neville. Die Filmemacher begleiten Azmeh und den Maler Kevork in ein Lager syrischer Flüchtlinge in Jordanien, um Workshops für Kinder anzubieten. „Sie glauben, dass dies keine Zeit für Musik sei”, sagt er. „Aber genau das ist der Moment, in dem die Menschen Musik brauchen. Die Menschen benötigen mindestens einen Moment des Glücks, aber die Umstände um sie herum erschweren dies.“
Genau wie Wu Man ist auch Cristina Pato eine Rebellin, die zur Verfechterin der Tradition geworden ist. Sie ist die weltweit führende Instrumentalistin auf dem galicischen Dudelsack. Ihr unkonventioneller Bühnenauftritt hat der Gaitaspielerin den Beinamen „Jimi Hendrix der Gaita” eingebracht. „Cristina bringt eine völlig andere Energie in das Ensemble”, sagt Neville.
Galicien war einmal ein eigenes Land, bewahrt noch seine eigene Sprache. Pato war jedoch entsetzt darüber, wie die überkommene Lebensweise ihrer Region verfiel. Als Mitbegründerin der Galician Connection, einem multidisziplinären jährlichen Festival, hat sie die Leitlinien des Silk Road Ensembles auf ihr Heimatland übertragen.
Am Ende könnten die neuen Traditionen, die das Silk Road Ensemble erschafft, die alten retten, die es zu schützen sucht. „Jede Tradition ist das Ergebnis einer erfolgreichen Erfindung”, sagt Yo-Yo Ma. „Die Grundidee von Kultur ist es nicht so sehr, Traditionen zu konservieren, sondern sie lebendig zu halten und weiterzuentwickeln. Menschen wachsen an ihrer Neugier und Aufnahmefähigkeit für das, was um sie herum existiert. Viele Menschen haben Angst vor dem Wandel, und manchmal gibt es Gründe für diese Furcht. Wenn man aber den Wandel begrüßen kann, ist das ein fruchtbarer Boden, um sich weiterzuentwickeln.“
Für Ma ist das Silk Road Ensemble eine Heimat geworden. „Wir haben damit begonnen, eine Gruppe von Musikern zusammenzubringen um zu sehen, was wohl passiert, wenn Fremde sich treffen. Wenn ich jetzt mit ihnen zusammen bin, spüre ich eine Menge Kreativität und Vertrauen. Ich bin von ihrer Arbeit getragen, inspiriert und angeregt. […] Ich glaube, ich bin ein vollständigerer Mensch durch die Erfahrung, sie zu kennen und mit ihnen zu arbeiten.“
Für Neville, selbst Musiker, ist es ein Privileg, die Geschichte des Ensembles mit der Welt zu teilen. „Wir beschäftigen uns mit der Frage, was Kultur eigentlich heißt, um die Menschen daran zu erinnern, dass sie letztlich eine Spiegelung dessen ist, wie wir uns selbst sehen. Dieser Film versucht klarzumachen, dass Kultur nicht der Zuckerguss auf dem Kuchen ist – sie ist der Teller auf dem der Kuchen steht.”


Ensemble-Mitglieder im Film
YO-YO MA ist ein vielfach ausgezeichneter Cellist, dessen internationale Karriere ein Zeugnis seiner kontinuierlichen Suche nach künstlerischer Weiterentwicklung und Wachstum ist. Mas Diskographie umfasst mehr als 90 Aufnahmen (davon 18 mit dem Grammy Award ausgezeichnet) und reflektiert sein breites Spektrum. Neben seinen berühmten Bach- und Brahms-Einspielungen überrascht der Ausnahmekünstler immer wieder mit ungewöhnlichen musikalischen Ausflügen. So arbeitete er bereits mit Bobby McFerrin und veröffentlichte ein Tango-Album.
Ein großes Anliegen Yo-Yo Mas ist es, mit Hilfe von Musik Kommunikation zu ermöglichen. In seinem Silk Road Projekt, dessen künstlerischer Direktor er ist, vereint er Musiker aus verschiedenen Kulturkreisen zur Unterstützung von interkulturellen Auftritten und Projekten.
Zudem ist er der Judson and Joyce Green Creative Consultant für das Negaunee Music Institute des
Chicago Symphony Orchestra. Ma kommt als Sohn chinesischstämmiger Eltern in Paris zur Welt. Als Ma 4 Jahre alt ist, zieht die Familie nach New York. Im selben Jahr beginnt er mit dem Cellounterricht, besucht die renommierte Juilliard School of Music und schließt 1976 sein Studium an der Harvard University ab. Vor kurzem trat Ma dem Aspen Institute Board of Trustees bei.

WU MAN ist eine Grammy-nominierte Musikerin, die allgemein als bedeutendste Virtuosin auf der
Pipa (der chinesischen Laute) und außerdem als wichtigste Botschafterin chinesischer Musik gilt. Wu Man, die als Solistin, Lehrerin und Komponistin erfogreich ist, hat für ihr Instrument, das in China auf eine über 2.000-jährige Geschichte zurückblicken kann, eine neue Rolle sowohl in der traditionellen als auch in der zeitgenössischen Musik geschaffen. Seit 1990 lebt sie in den USA und ist aktiv auf dem Gebiet der zeitgenössichen Musik, des Jazz und der Weltmusik.

KINAN AZMEH ist ein syrischer Klarinettist und Komponist. Für seinen charakteristischen, ganz eigenen Klang über verschiedene Musikgenres hinweg hat er in den letzten Jahren schnell große internationale Anerkennung gefunden. 1997 erhielt er als erster arabischer Musiker den Nikolai-Rubinstein-Preis. Als Solist trat Azmeh u.a. mit dem Bayrischen Radiosymphonieorchester und dem West-Eastern Divan Orchestra auf. Er spielte in der Opéra Bastille in Paris, im Teatro Colón in Buenos Aires und im Tschaikowsky-Konzertsaal in Moskau. Daneben gab es zahlreiche kleinere Konzerte in weiteren europäischen Ländern. Er absolvierte die Juilliard School in New York ebenso wie das Damascus High Institute of Music und die School of Electrical Engineering der Universität Damaskus. 2013 promovierte Azmeh in Musik an der City University of New York.

CRISTINA PATO ist eine galicische Dudelsackspielerin, Pianistin und Lehrerin. In ihrer professionellen Karriere widmet sie sich dem Jazz, der galicischen Volksmusik und der klassischen Musik. Ihre Doppelkarriere führte sie auf die wichtigsten Bühnen in den USA, Europa, Indien, Afrika und China. Pato ist eine der Mitbegründerinnen des Führungsrates für Yo-Yo Mas Silk Road Ensemble, mit dem sie eng für Tourneen zusammenarbeitet, aber auch in der Planung für mehrjährige Residenzprogramme, zum Beispiel mit der Harvard University.
1999 brachte Pato als erste weibliche Gaita-Spielerin ein Solo-Album heraus. Seitdem hat sie u.a. mit dem Chicago Symphony Orchestra, Osvaldo Golijov, der New York Philharmonic Symphony Society, Paquito D’Rivera und Arturo O’Farrill und dem Afro Latin Jazz Orchestra zusammengearbeitet. Nach einer frühen Karriere als Popstar auf der Gaita in ihrer spanischen Heimat zog Pato nach New York, um zu promovieren und ihrer Karriere eine neue Richtung zu geben.

KAYHAN KALHOR ist ein international gefeierter Virtuose auf der Kamantsche und wurde bereits
dreimal für den Grammy nominiert. Er spielte auch aufgrund seiner vielfältigen Kollaborationen eine entscheidende Rolle in der Popularisierung von persischer Musik im Westen und ist bis heute eine kreative Kraft in der Musikszene. Kalhors Gemeinschaftsproduktionen und Auftritte mit traditioneller persischer Musik haben mittlerweile ein internationales Publikum angezogen. Er studierte die Musik der verschiedenen Regionen des Irans, wobei er sich ganz besonders auf die aus Khorasan und Kordestan konzentrierte. Die Welt bereiste er als Solist mit verschiedenen Ensembles und Orchestern, u.a. mit den New Yorker Philharmonikern und dem Orchestre National de Lyon. Außerdem komponierte er für Film und Fernsehen. Seine letzte Arbeit erschien im Soundtrack von Francis Ford Coppolas YOUTH WITHOUT YOUTH, in welchem er mit Svaldo Golijov zusammenarbeitete. Im Jahr 2004 wurde Kalhor von dem amerikanischen Komponisten John Adams eingeladen, um als Teil der „Adams Perspectives Series“ eine Solo-Aufführung in der Carnegie Hall zu geben.


Über den Regisseur
MORGAN NEVILLE ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor. Als Regisseur debütierte er 1995 mit dem Dokumentarfilm SHOTGUN FREEWAY: DRIVES THRU LOST L.A. Es folgten weitere Filme, unter anderem MUDDY WATE RS CAN’T BE SATI SFIED und JOHNNY CASH’S AMERICA, und RESPECT YOURSELF: THE STA X RECORDS STORY, ein Dokumentarfilm über die legendäre Plattenfirma Stax Records. Für diese drei Filme war er für den Grammy nominiert. Für seinen Fernsehfilm HANK WILLIAMS: HONKY TONK BLUES wurde er mit einem Emmy Award ausgezeichnet. Seine Filme eint, dass sie von Kultur handeln und davon, wie Kunst und Kultur in eine Welt passen. Zu Nevilles nicht musikbezogenen Filmen zählen THE COOL SCHOOL und BEAUTY IS EMBARRASSING. Sein jüngster und hochgelobter Film, BEST OF ENEMIES, wurde 2015 auf dem Sundance Film Festival von Magnolia Pictures gekauft.
Sein Film 20 FEET FROM STA RDOM gewann 2014 den Academy Award als Bester Dokumentarfilm, sowie einen Grammy Award als Bester Musikfilm.
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Donnerstag 01.09.2016
THE LIGHT BETWEEN OCEANS
Ab 8. September 2016 im Kino
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In THE LIGHT BETWEEN OCEANS liegen Glück und Unglück ganz nah beieinander. Es geht um Liebe und Verlust, um Richtig und Falsch und darum, was wir für das Glück unserer Lieben bereit sind zu tun – auch, wenn damit eine Katastrophe vorbestimmt ist. Superstar Michael Fassbender und Hollywoods derzeit begehrteste Schauspielerin Alicia Vikander spielen die Hauptrollen in diesem bewegenden Drama. Die eindringliche Bestseller-Verfilmung von THE LIGHT BETWEEN OCEANS startet am 8. September in den Kinos.

Eine abgelegene Insel im Westen Australiens, zu Beginn der 1920er Jahre. Eines Morgens entdecken der Leuchtturmwärter Tom Sherbourne und seine Frau ein angespültes Ruderboot, in dem die Leiche eines Mannes liegt – und ein neugeborenes Baby. Sie beschließen, das Kind zu sich zu nehmen und als ihr eigenes großzuziehen – und ahnen nicht, welch schreckliche Konsequenzen ihre Entscheidung haben wird. Denn wenige Jahre später treffen sie auf die leibliche Mutter des Kindes…

Kraftvoll, verführerisch und vom ersten Moment an fesselnd: THE LIGHT BETWEEN OCEANS ist die Verfilmung des gleichnamigen internationalen Bestsellers von M.L. Stedman. Nun bringt Regisseur Derek Cianfrance (THE PLACE BEYOND THE PINES, BLUE VALENTINE) das Romandebüt mit einem herausragenden Cast auf die große Leinwand: Oscar®-Preisträgerin Alicia Vikander (THE DANISH GIRL) und der mehrfach Oscar®- und Golden Globe®-nominierte Michael Fassbender (STEVE JOBS, 12 YEARS A SLAVE, SHAME) brillieren in dem vielschichtigen Drama um Leidenschaft, wahre Liebe und schicksalhafte Entscheidungen. Das hochkarätige Dreier-Ensemble wird vervollständigt durch Oscar®-Preisträgerin Rachel Weisz (EWIGE JUGEND, DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ).

Der Roman “The Light Between Oceans” wurde erstmals im Juli 2012 in den USA veröffentlicht und eroberte monatelang die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today. Es schloss sich ein internationaler Siegeszug an, das Buch wurde in fast 30 Sprachen übersetzt. In Deutschland erschien der Roman im September 2013 unter dem Titel „Das Licht zwischen den Meeren“.

Produziert wurde THE LIGHT BETWEEN OCEANS von David Heyman (GRAVITY, HARRY POTTER), Jeffrey Clifford (FREUNDSCHAFT PLUS, UP IN THE AIR) und Rosie Alison (PADDINGTON).

Der Roman “The Light Between Oceans” wurde erstmals im Juli 2012 in den USA veröffentlicht und eroberte monatelang die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today. Es schloss sich ein internationaler Siegeszug an, das Buch wurde in fast 30 Sprachen übersetzt. In Deutschland erschien der Roman im September 2013 unter dem Titel „Das Licht zwischen den Meeren“.

Produziert wurde THE LIGHT BETWEEN OCEANS von David Heyman (GRAVITY, HARRY POTTER), Jeffrey Clifford (FREUNDSCHAFT PLUS, UP IN THE AIR) und Rosie Alison (PADDINGTON).
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Donnerstag 25.08.2016
ZERO DAYS
Ab 1. September 2016 im Kino
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2010 machen Sicherheitsexperten eine unheimliche Entdeckung. Ein hochkomplexer Computerwurm namens STUXNET verbreitet sich mit noch nie gesehener Aggressivität auf der ganzen Welt. Was die Forscher noch nicht ahnen: Sie sind auf den geheimen Prototypen einer neuen Generation von Kriegswaffen der CIA und des Mossads gestoßen. Cyberwaffen, deren reale Zerstörungskraft allein mit der von Atombomben vergleichbar ist – und deren Verbreitung außer Kontrolle gerät…

Der hochspannende und alarmierende Doku-Thriller ZERO DAYS von Oscar-Preisträger Alex Gibney (TAXI ZUR HÖLLE, GOING CLEAR) enthüllt die Hintergründe des World War 3.0. Gibney spricht mit Drahtziehern, Whistleblowern und Politikern und zeigt auf, dass STUXNET nur der Anfang ist. Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit setzen Militärs und Geheimdienste Cyberwaffen in einem Krieg ein, für den bisher keine internationalen Konventionen und Regeln gelten.

Mit ZERO DAYS durchbricht Alex Gibney das Schweigen der Politik und stößt eine der wichtigsten Debatten unserer Zeit an.

Ein Film von Alex Gibney

10 Dinge, die ZERO DAYS erstmals enthüllt

Dank der Whistleblower erhielt Alex GIbney einen völlig neuen Blickwinkel auf die Stuxnet-Operation –  interner Deckname: „Olympic Games“ – und auf die neue Welt der Cyber-Waffen insgesamt. Wovon die breite Öffentlichkeit durch ZERO DAYS zum ersten Mal erfährt:

01_ Die USA haben keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen, um sich gegen Cyber-Angriffe zu verteidigen. Sie verfolgen stattdessen eine Offensivstrategie und setzen darauf, dass allein die Drohung eines Vergeltungsschlags mögliche Gegner davon abhalten wird, ihr virtuelles Kriegsarsenal gegen die USA zu richten. Dieser Plan ging bisher jedoch nicht auf. Russland, China, der Iran und Nordkorea haben Cyber-Angriffe gegen die USA gefahren und verfügen vermutlich über Tausende heimliche Zugänge zu Computernetzwerken. Dampit können möglicherweise Schlüsselbereiche der US-amerikanischen Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen werden: Stromnetze, Kläranlagen, Verkehrssysteme, Klimaanlagen usw.

02_ Obwohl „Olympic Games“ ein Gemeinschaftsunternehmen der USA und Israels war, konnten beide Staaten die Cyberwaffen ihren jeweiligen eigenen Ansprüchen anpassen und individuell zum Einsatz bringen. Zu Animositäten und Spannungen kam es, als der Mossad – gedrängt von einem ungeduldigen Bibi Netanyahu – ohne Rücksprache mit den USA eine aggressive Version des Wurms aufsetzte, die sich über die ganze Welt verbreitete. Dadurch wurden die Beziehungen zwischen den USA und Israel schwer belastet und grundsätzlich in Frage gestellt.

03_ Nach „Olympic Games“ entwickelte die NSA noch weitaus wirkungsvollere Cyberwaffen. Eine Operation, in der solche Systeme zum Einsatz kamen, trug den Namen „Nitro Zeus“ (erstmals enthüllt in ZERO DAYS) und hatte das Potential, die komplette Luftabwehr des Iran außer Gefecht zu setzen und die zentralen iranischen Stromnetze teilweise auszuschalten. In den Worten eines unserer Informanten: „Das Science-Fiction-Szenario eines Cyberwar ist Wirklichkeit geworden.“

04_ Das Cyber-Commando innerhalb des US-Verteidigungsministeriums zeigte einen bemerkenswerten Mangel an Weitsicht oder überhaupt Interesse daran, was das mögliche Ausmaß der Zerstörung durch ihre Waffen anging. Wenn die wichtigsten Kraftwerke erst einmal ausgeschaltet seien, hieß es in einer Quelle, könnten sie nicht mehr so ohne weiteres „wieder hochgefahren werden. Es ist wie bei Humpty Dumpty... viele Menschen sterben.“ Bei der Diskussion von Angriffszielen im Iran wandten Juristen des Außenministeriums ein, Cyber-Attacken würden Krankenhäuser außer Betrieb setzen und hätten somit eine hohe Anzahl von Todesfällen zur Folge. Das Verteidigungsministerium ignorierte solche Bedenken.

05_ „Olympic Games“ war eine CIA-geführte Operation. Bei jedem Angriff stand ein CIA-Beamter hinter den Computer-Operatoren der NSA und erteilte diesen die Einsatzbefehle.

06_ Als der Iran für Stuxnet Vergeltung nahm und seinerseits Cyber-Aktionen gegen amerikanische Banken durchführte, war die US-Regierung sich zwar darüber im Klaren, verzichtete jedoch auf Gegenmaßnahmen. Der Grund: Die Rechner, die das „Botnet“ kontrollierten (ein Netzwerk privater Rechner, die mit Schadsoftware verseucht sind), befanden sich außerhalb der USA. Das Außenministerium hatte Sorge, dass ein befreundeter Staat mit in den sich ausbreitenden Cyber-Konflikt hineingezogen würde. Dies macht eines der Dilemmas des Cyber-Kriegs deutlich: Die Zuordnung ist problematisch, das Risiko „falscher Flaggen“ und irrtümlicher Gegenschläge, die zu einem weltweiten Cyber-Krieg führen könnten, ist virulent und nimmt immer weiter zu.

07_ Der Stuxnet-Wurm arbeitete autonom. Kein Operator gab ihm einen Einsatzbefehl. Stuxnet war so programmiert, dass er, hatte er sein Ziel innerhalb der Anlage in Natans einmal identifiziert, Angriffe auf eigene Faust durchführte, gänzlich ohne menschliches Zutun. Eine wachsende Zahl von Cyber-Waffen funktioniert nach diesem Muster.

08_ Das Versteckspiel um offensive Cyberwaffen und der Wirkungskraft behindert nicht nur die demokratische Auseinandersetzung, sie ist auch ein Sicherheitsrisiko. Tatsächlich waren unsere Informanten auch deswegen bereit auszupacken, weil sie in der Geheimhaltung selbst eine enorme, auch existenzbedrohliche Gefahr sehen.

09_ Die Aufdeckung von „Nitro Zeus“ warf ein neues Licht auf das Atomabkommen der Obama-Regierung mit dem Iran. Während viele Kritiker unkten, Obama habe aus einer Position der Schwäche heraus verhandelt, ist – im Anbetracht von “Nitro Zeus” – das Gegenteil wahrscheinlich. Die USA wissen, dass sie bei einem iranischen Verstoß gegen das Abkommen in der Lage sind, das gesamte Land nahezu zum Stillstand zu bringen.

10_ Gibneys Informanten haben bestätigt, dass staatlich ausgeführte, aggressive Cyber-Operationen seit Stuxnet Alltag sind. (O’Muchu und Chien von Symantec unterstreichen ebenfalls, dass die Zahl staatlicher Cyber-Attacken in den letzten Jahren exponentiell zugenommen hat.) Der einzige Grund, warum wir nicht mehr über Cyberwaffen wissen, ist die Geheimhaltungsstrategie der Regierungen sowie die Unfähigkeit der Medien, darüber zu berichten. Doch solche Waffen werden entwickelt und eingesetzt – von uns und gegen uns – jeden Tag.




Regisseur Alex Gibney über ZERO DAYS

„Was tun, wenn deine Regierung einen globalen Krieg anzettelt und niemandem davon erzählt?“ Diese Frage verfolgte mich, als ich ZERO DAYS drehte, einen Film über das Menetekel einer neuen Generation von geheimen Cyberwaffen.

Ich arbeitete ursprünglich an einem kleineren Film, der dem Computerwurm „Stuxnet“ nachging, mit dem die USA und Israel die Zentrifugen in der iranischen Urananlage Natans unterminieren und lahmlegen wollten. Dabei stieß ich auf eine streng geheime Operation, an der die CIA, die NSA, das US-Militär und der israelische Geheimdienst Mossad beteiligt waren. Deren Mission war es, versteckte Cyberbomben zu entwickeln und einzusetzen, mit denen es möglich war, verheerende Angriffe auf zentrale Bereiche der zivilen Infrastruktur zu unternehmen: die Elektrizität ausschalten, die Wasserversorgung kontaminieren sowie Autos, Züge und Flugzeuge in tödliche Waffen verwandeln. Was dieses Science-Fiction-Szenario, das den Verlust von Millionen Menschenleben bedeuten konnte, noch beängstigender machte: Es konnte eintreten ohne den kleinsten Hinweis auf die Drahtzieher dahinter.

Als ich mit dem Projekt startete, wusste ich, dass sich Stuxnet (ein sich selbst replizierender Wurm) über die ganze Welt verbreitet hatte. Die Geheimhaltung der Operation war gescheitert. Doch trotzdem schwieg jeder US-Offizielle, mit dem ich darüber sprechen wollte, oder bestritt sogar, dass eine solche Operation überhaupt jemals existiert habe. Gerechtfertigt wurde das Schweigen von allen Beteiligten im Namen der nationalen Sicherheit. Oder wie es Michael Hayden, der frühere Chef der CIA und der NSA, ausdrückte: Eine verdeckte Operation „wandert automatisch in die Darüber-wird-nicht-geredet-Schublade“.

Doch Stuxnet war nicht irgendeine Geheimoperation. Sie markierte eine neue Qualität der Bedrohung. Erstmals in der Geschichte überschritt ein Wurm die Schwelle zwischen der virtuellen Realität der Einsen und Nullen und der physischen Welt. Stuxnet übernahm die Kontrolle über Maschinen und befahl ihnen, sich selbst zu zerstören. Dann gelang der Code in die ganze Welt und konnte so von anderen Nationen, von Kriminellen und Terroristen für ihre eigenen Zwecke benutzt und umprogrammiert werden. Ein solches Geheimnis für sich zu behalten, war so, wie wenn es nach Hiroshima geheißen hätte: „Was für eine Bombe?“

Den Gipfel der Absurdität erreichte das Ganze, als ich erfuhr, dass das Homeland Security-Department wegen Stuxnet die höchste Alarmstufe aktiviert hatte. Die NSA hatte andere Regierungsbehörden nicht darüber informiert, dass sich die Waffe, die wir selbst in Stellung gebracht hatten, nun gegen das eigene Land richtete. Wir stießen auf einen Feind – und der waren wir selbst.

Während offizielle Stellen die Gefahren zu vertuschen suchten, deren Urheber sie waren, hielten wir nach anderen Informationsquellen Ausschau. Zunächst nahmen wir zu den Cyber-Detektiven Liam O’Murchu und Eric Chien von der Antiviren-Firma Symantec Kontakt auf, die als erste das System hinter Stuxnet aufgedeckt hatten. Sie zerlegten für uns die Waffe, damit wir ihre Funktions- und Wirkungsweise verstehen konnten.

Danach fuhren wir nach Moskau – der Hauptstadt der Cyberkriminalität und Hauptsitz des russischen Cyberwaffen-Programms – sowie nach Israel, dem Schlüsselpartner der USA bei der Entwicklung von Stuxnet. In Tel Aviv und Jerusalem erfuhren wir in Gesprächen mit Politikern, Journalisten und – hinter vorgehaltener Hand – Agenten des Mossad, dass Stuxnet ganz und gar nicht als Malware für Computer konzipiert worden war. Der Wurm war vielmehr Bestandteil einer viel umfangreicheren Operation, in die der Mossad, die CIA und das US Cyber Command involviert waren. Zu ihr gehörten verdeckte Aktionen – teilweise gegen US-amerikanische Firmen wie Microsoft gerichtet –, die Liquidierung von iranischen Wissenschaftlern sowie virtuelle Waffensysteme von einer Massenvernichtungskraft, gegen die Stuxnet ein Computerspiel war.

Mit diesem Detail- und Geheimwissen kehrten wir in die USA zurück und konnten einige Leute innerhalb der NSA und der CIA davon überzeugen, mit uns zu reden – unter der Bedingung, dass wir keinesfalls ihre Identität preisgaben. Inzwischen kam heraus, dass die Obama-Regierung mehr Whistleblower strafrechtlich verfolgt hat als alle Vorgängerregierungen zusammen. Wir mussten also alles daran setzen, unsere Quellen zu schützen.

Wir nahmen daher Interviews nur auf Rekordern auf, die nicht WLAN-tauglich waren, transkribierten sie ausschließlich auf elektrischen Schreibmaschinen und vernichteten danach die Datenkarten. Wir benutzten ein Codesystem, mit dem wir unsere Informanten kennzeichneten, und verschlüsselten in ihren Aussagen all jene Sätze, die die Ermittler möglicherweise zu ihrer Enttarnung geführt hätten. Zudem verwendeten wir DepthKit, ein Video-Tool, mit dem menschliche Körper in digitale Modelle umgewandelt werden können und erschufen daraus einen Cyber-Whistleblower, dessen „gehacktes“ Aussehen zur Animation des Stuxnet-Codes passte.

In den animierten Darstellungen von Stuxnet verwendeten wir lediglich Ausschnitte des Codes, mit denen es nicht möglich ist, den Wurm zu rekonstruieren. Allerdings hatte unser Co-Produzent Javier Botero keinerlei Probleme, sich den kompletten Code zu beschaffen, was die strenge Geheimhaltung der offiziellen Stellen umso absurder macht.

Alex Gibney, April 2016 – New York City



Die Hintergründe des Cyberwars

Cyberwar ist etwas, das im Verborgenen vor sich geht. Wie bei einem Computervirus nehmen wir sie erst wahr, wenn sie an die Oberfläche kommt und Schaden anrichtet. Ein Grund, warum wir so wenig über das Thema wissen, ist, dass unsere Regierung uns gar nicht wissen lassen will, welche offensiven Cyber-Operationen sie in unserem Namen durchführt. Zudem entzieht sich diese Art der Kriegsführung unserer Kontrolle, weil sie so ganz anders ist als kriegerische Konflikte, wie wir sie bisher kannten. Doch Cyber-Waffen sind genauso schlagkräftig wie konventionelles Kriegsgerät – und unser mangelndes Bewusstsein macht sie umso schlagkräftiger.


Die Entstehung von Stuxnet

Die Geschichte von Stuxnet basiert auf einem nahezu unlösbaren Rätsel: Wie konnte Stuxnet in die iranische Nuklearanlage in Natans eindringen, die sich in über 21 Metern Tiefe befindet, umgeben von Betonmauern, beschützt von Überwachungstürmen und Flugabwehrgeschützen – und deren Computer zu keiner Zeit mit dem Internet verbunden waren? „Sie haben Maschinen nicht nur lahmgelegt“, sagt Gibney, „sie haben Maschinen vielmehr so umprogrammiert, dass sie sich destruktiv verhalten. Und was noch erschreckender ist: Gleichzeitig signalisierten die Maschinen dem Bedienungspersonal, dass alles in Ordnung sei. Stuxnet operierte völlig autonom und war jedem menschlichen Zugriff entzogen. Einmal losgelassen, konnte der Wurm nicht mehr eingefangen werden.

Entdeckt wurde Stuxnet Mitte 2010 von dem weißrussischen Antiviren-Experten Sergey Ulasen. Er war von iranischen Kunden um Hilfe gebeten worden, die besorgt  waren wegen einer Reihe von rätselhaften Computerabstürzen. Ulasen teilte seine Entdeckung mit anderen Antiviren-Experten, die die Spur von Stuxnet aufnahmen. Zu ihnen gehörten Eric Chien und Liam O’Murchu von Symantec (USA), Eugene Kaspersky und Vitaly Kamluk von Kaspersky Labs (Russland) und Ralph Langner (Deutschland). Chien und O’Murchu nannten die Schad     software „Stuxnet“, eine Wortschöpfung, die sich aus den wiederkehrenden Schlüsselbegriffen des Softwarecodes “stub” und “Mrxnet.sys.” zusammensetzte.

Der Wurm nutzte zahlreiche, selbst den Herstellern bisher unbekannte Sicherheitslücken (zero day-exploits) aus, um sich weiterzuverbreiten, was Hinweise auf seine Herkunft gab:  Der Stuxnet-Wurm war zu groß, zu komplex und zu perfekt programmiert, als dass er das Werk von herkömmlichen Hackern oder Kriminellen hätte sein könnte – es bedurfte zu seiner Entwicklung der Mittel, Manpower und Zeit, die nur ein Staat aufbringen konnte.

Nach einer eingehenden Analyse fanden die Sicherheitsexperten heraus, dass der Wurm so konstruiert war, dass er nur einen Angriff startete, wenn er eine bestimmte Windows-Software für eine speicherprogrammierbare Steuerung (Programmable Logic Controller, PLC) aufspürte. Dieses Gerät wird zur Steuerung von Industriemaschinen, einschließlich Zentrifugen von Nuklearanlagen, eingesetzt. Genau genommen war Stuxnet so gebaut, dass er nur die PLCs von zwei Anbietern attackierte, von denen einer seinen Sitz im Iran hatte, einem Land, in dem Symantec 60 Prozent aller weltweit mit Stuxnet infizierten Rechnern ausmachte.

Die Frage, welches Land oder welche Länder ein Interesse daran haben könnten, das iranische Nuklearprogramm zu sabotieren, führte zu zwei offensichtlichen Verdächtigen. Gibney und sein Team konnten bis ins Detail belegen, was jahrelang vermutet wurde – dass Israel und die USA die Drahtzieher hinter dem Ganzen waren. Gibney fand zudem heraus, dass Chiens und O’Murchus „Stuxnet“ in Wirklichkeit eine gigantische Militäroperation namens „Olympic Games“ war, die in den USA von CIA, der NSA und dem US-Cyber Command und in Israel vom Mossad und der verdeckten Cyber-Abteilung Unit 8200 durchgeführt wurde.

Cyberwar: Ein Krieg, über den niemand spricht

Gibneys Versuche, die Erfinder von Stuxnet vor die Kamera zu bringen, prallten gegen eine Wand des Schweigens, da jede Information zu dem Wurm strengster Geheimhaltung unterliegt. Gibney: „Es ist wie in dem Märchen 'Des Kaisers neue Kleider' – Stuxnet existiert, jeder weiß, dass die USA und Israel dahinter stecken, doch niemand darf das Offensichtliche aussprechen.“ Die Gründe liegen auf der Hand: Das US-Justizministerium hat bewiesen, dass es jeden Informanten mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgen würde.

Dieses rigorose juristische Durchgreifen führte dazu, dass jeder Dialog praktisch unmöglich ist. Und es sind ja nicht nur spezielle Details der Operation, über die nicht gesprochen werden darf, der gesamte Komplex ist tabu. Jede Debatte zu so einem wichtigen Thema wie der virtuellen Kriegsführung wird dadurch im Keim erstickt. Die Executive Producerin Sarah Dowland sieht noch größere Kräfte am Werk als die bloße Angst vor Strafverfolgung: „Ich denke, niemand will etwas zugeben, weil jede kleinste Bekenntnis zur Folge hätte, dass die Öffentlichkeit noch mehr wissen möchte. Das ist nicht nur bei Stuxnet so, sondern bei allem, das im Verborgenen passiert. Wir sollen einfach keine Fragen stellen.“

Bereits die Ambition und Ausführung der Stuxnet-Technologie ist so Ehrfurcht einflößend wie verstörend. Was die Geschichte aber zu einem wirklichen Drama macht, ist die Tatsache, wie diese Operation unterhalb des Radars der Weltöffentlichkeit ablaufen konnte. Es wird angenommen, dass sich Israel von den USA unabhängig machte und den Code der Software so veränderte, dass er sich über den kompletten Globus verbreitete.

Die Entscheidung, Stuxnet zu entwickeln, wurde relativ hastig getroffen, sodass keine Zeit war, sich mit den langfristigen Folgen des Programms zu befassen. Gibney: „Jemand hätte daran denken müssen, dass ein so fahrlässiger Umgang mit dieser Waffe dazu führen würde, dass sie in die falschen Hände gerät und wie ein Bumerang wieder zurückkommt. Aber alle waren so berauscht von der kurzfristigen technischen Lösung, dass niemand einen Gedanken an die mögliche Katastrophe verschwenden wollte



Die Zukunft des Krieges: Was als nächstes passiert

Stuxnet ist nun eine mächtige Open-Source-Waffe, frei verfügbar für alle unsere Feinde, die sie studieren, umprogrammieren und neu ausrichten können auf egal welche Infrastruktur. „Der IS könnte sich jederzeit eine Kopie von Stuxnet besorgen“, sagt Gibney. „Ob sie schon die nötigen Programmierer haben, die Spione, um Sachen zu schmuggeln, den Nachrichtendienst, der herausfinden könnte, welche Kontrollen es gibt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.“ Gibney weiter: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Cyberkrieg für Staaten wahrscheinlich die wirksamere Waffe als für eine Terrororganisation wie den IS. Doch haben Hacker Zugriff darauf? Ja, haben sie. Wir haben im Grunde weltweit Hackern die Blaupause für das Manhattan-Projekt geliefert.“

Jetzt, wo der Damm gebrochen ist, gibt es kein Zurück mehr. Michael Hayden, der frühere Chef der NSA und des CIA sagt im Film, es gebe nun eine „neue Normalität“. Gibney: „Mit ihrer Entscheidung, Angriffe gegen wichtige Infrastrukturen zu fahren, etablierten die USA einen neuen moralischen Codex. Es ist nicht so, wie Hayden behauptet, „dass man nur das Licht ausschaltet.“ Es dauert Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre, bis eine Infrastruktur nach einem Cyber-Angriff wieder instandgesetzt ist. In der heutigen Zeit kann die Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung und des Verkehrssystems, von Kraftwerken, Krankenhäusern und Stromnetzen einen verheerenden und großflächigen Verlust von Menschenleben bedeuten. Der Knock-out von Infrastrukturen ist kein hypothetisches Ereignis, vor dem man in der Zukunft Angst haben muss. Es gibt Berichte aus vielen Ländern – insbesondere aus der Ukraine mit ihrem fortdauernden Cyberkrieg –, in denen Hacker Festplatten mit Wahlergebnissen zerstört oder staatliche Behörden bis zu den höchsten Stellen empfindlich getroffen haben.

ZERO DAYS, der Titel des Films, bezieht sich auf die vielen Sicherheitslücken, die Stuxnet erst ermöglicht haben, ebenso wie auf die unendlich vielen Sicherheitslücken, die zu zukünftige Attacken einladen werden. ZERO DAYS ist auch eine starke Metapher für dieses Zeitmoment. Gibney: „Von nun an werden wir mit der Herausforderung eines potentiellen Cyberwars rechnen müssen. Dies ist unser Nullpunkt. Wie werden wir weiter damit umgehen?“


Lexikon der Fachbegriffe

Computerwurm
Ein Computerwurm ist eine schädliche Software, die sich selbst nach ihrer Ausführung viervielfältigen und weiterverbreiten kann – und das sogar von selbst, ohne dass eine Interaktion des Benutzers notwendig ist. Im Gegensatz zu Viren warten Würmer nicht passiv darauf, von einem Anwender auf einem neuen System verbreitet zu werden, sondern versuchen, aktiv in neue Systeme einzudringen. Daher verbreiten sich Würmer deutlich effizienter als Viren.
   
Computervirus
Eine Computervirus ist eine schädliche Software Ein Virus verbreitet sich, indem es sich selbst in noch nicht infizierte Dateien kopiert und diese so anpasst, dass das Virus mit ausgeführt wird, wenn das Wirtsprogramm gestartet wird.


Stuxnet
Stuxnet ist ein Computerwurm, der gezielt von der USA und Israel entwickelt wurde, um das iranische Atomprogramm unentdeckt zu sabotieren. Stuxnet verbreitet sich eigenständig und unkontrolliert weiter und verwischt dabei seine eigenen Spuren.

 
Zero Day
„Zero Days“ sind vom Hersteller unentdeckt gebliebene Sicherheitslücken in Software. Hacker, die solche Lücken entdecken, können dadurch unmittelbar angreifen, ohne dass der Hersteller die Zeit (=zero days) hat, Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
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Donnerstag 18.08.2016
LOOPING
Ab 25. August 2016 im Kino
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Leila ist 19 und ein Rummel-Kind. Doch zwischen Auto-Scooter  und  Zuckerwatte  versteht  das  sensible Mädchen keiner. Nicht mal ihre beste Freundin Sarah, in die sie heimlich verliebt ist.  Als  eine chaotische Nacht in der Notaufnahme endet, lässt sich Leila freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen. Dort teilt sie sich das Zimmer mit der schüchternen Frenja (35) und der geheimnisvollen Ann (52).  Obwohl die Frauen so unterschiedlich sind – Frenja ist verheiratet und  Mutter einer kleinen Tochter, Ann hat sich ihr Leben lang gegen feste Bindungen entschieden - kommen sich die Drei schnell immer näher. Sie begehren sich und verlieben sich ineinander.  Nachts büchsen sie aus der Klinik aus, baden zusammen im Pool, ziehen feiernd durch Clubs. Leila  fühlt sich auf einmal erkannt und aufgehoben. Doch traut sie sich auch ohne den Kokon dieser Liebe wieder in die Achterbahn der  Außenwelt?
Die Berliner Regiedebütantin Leonie Krippendorff hat für ihr intimes Frauen-Porträt eine sinnliche Bildsprache gefunden, bei der die Kamera dicht auf den Körpern der Figuren bleibt und ihre Suche nach Halt und Nähe mit traumwandlerischer Poesie einfängt. In der Rolle der introvertierten Leila brilliert Nachwuchsdarstellerin Jella Haase, die seit LOLLIPOP MONSTER (2011) auf widerspenstige Figuren spezialisiert ist und für ihre Auftritte als prollige Tussi Chantal in FACK JU GÖHTE (2013) und FACK JU GÖHTE 2 (2015) bei der Berlinale 2016 als Shootingstar ausgezeichnet werden wird.


Ein Film von Leonie Krippendorff
Mit Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem u.a.


Am Anfang der Stoffentwicklung zu LOOPING stand nur ein abstraktes Bild. Es begegnete mir an einem gleißend hellen und bitterkalten Morgen, als ich nach einer durchfeierten Nacht auf dem Weg nach Hause durch einen menschenleeren Park lief. Dort saß sie. Aus der Ferne war das Mädchen kaum zu erkennen, denn ihre Kleidung fügte sich farblich perfekt in die Umgebung ein. Sie saß auf dem kalten Boden und streckte den Kopf in die Richtung, aus der die Sonne eigentlich scheinen sollte. Für mich und meinen berauschten Kopf war das Mädchen wie aus einer anderen Welt gefallen und strahlte nur so vor Schönheit und Ruhe. Sie könnte schon tot sein oder gerade erst geboren, es hätte keinen Unterschied gemacht. Am liebsten hätte ich mich einfach neben sie gelegt.
Zu Hause ging ich sofort schlafen, und als ich wieder aufwachte, war es schon dunkel draußen. Ich fand einen Zettel neben meinem Bett. Mit ein paar Worten hatte ich noch vor dem Schlafengehen das Mädchen im Park beschrieben, denn im Gegensatz zu dem Rest der Nacht wollte ich sie nicht vergessen.
Später traf ich meine Freunde wieder in irgendeiner Bar. Wir alle waren müde und erschöpft von  der vorherigen Nacht. Gespräche fielen schwer, aber niemand wollte nach Hause gehen. Ich erzählte von dem Mädchen und ging davon aus, in meiner Faszination für sie
und mit meinem Wunsch einfach neben ihr zu liegen nicht verstanden zu werden. Zu abstrakt und subjektiv war das Bild.
Doch ich wurde sehr gut verstanden. Denn uns alle umgibt diese Einsamkeit. Eine moderne, nicht romantisierte Einsamkeit, begründet in unseren Biografien, in falschen oder nicht getroffenen Entscheidungen.Das Mädchen im Park, das keine Verortung in Zeit und Raum zu haben schien, weckte eine Sehnsucht in uns: Die Sehnsucht nach Begegnungen an einem Ort, der von der Außenwelt nicht berührt werden kann. Die drei Hauptfiguren in LOOPING begegnen  
sich an so einem Ort. Es ist eine psychiatrische Klinik irgendwo am Meer, doch der Ort als solcher  wird nur dadurch charakterisiert, dass er den sonstigen, normalen Alltag der Figuren von ihnen fernhält.
LOOPING ist ein Märchen, das sich an der Realität abarbeitet und unsere Gewissheiten in Frage  stellt. Es erzählt die Geschichte von drei Frauen in unterschiedlichen Lebensabschnitten. Alle drei sind durch gewaltsame und schmerzvolle Umstände aus ihrem Alltag gestolpert und in die Einsamkeit gefallen. An einem utopischen Ort verbünden sie sich und starten einen Angriff aus der inneren Welt ihrer Bedürfnisse auf die äußere Welt der Zwänge.


Biografie

Leonie Krippendorff wurde 1985 in West-Berlin geboren. Nach dem Realschulabschluss  absolvierte sie eine Ausbildung zur Fotografin. Im Jahr 2009 begann sie ein Regiestudium an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wold  (ehemals HFF).  Seit  September  2015 ist sie  Meisterschülerin bei Prof. Andreas Kleinert. LOOPING ist ihr Diplom- und erster Langspielfilm. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Spielfilm 
ELEFANTENKINDER
.
Filmografie
2010 HEIM AT (Kurz-Dokumentarfilm, 17 min., HFF)
2010 KOPFSPRUNG (Kurz-Dokumentarfilm, 12 min., HFF/RBB)
2012 STREUNER (Kurzfilm, 15 min., HFF, Preis für den besten Kurzfilm, Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern)
2013 TEER (Kurzfilm, 30 min., HFF/RBB)
2016 LOOPING (Spielfilm, 100 min., Jost Hering Filme / Filmuniversität Babelsberg/ZDF)
2016 ELEFANTENKINDER  (Spielfilm, work in progress, Jost Hering Filme)



Biografien Darstellerinnen

Die Berlinerin Jella Haase, Jahrgang 1992, spielt schon seit ihrer frühen Kindheit Theater.
Mit 17 hatte sie ihre erste Hauptrolle in dem Fernsehfilm MAMA KOMMT!. Nach weiteren TV-Auftritten – u.a. in zwei Folgen des POLIZEIRUF 110 – machte sie 2011 auch im Kino auf sich
aufmerksam: Für ihren Auftritt in Ziska Riemanns LOLLIPOP MONSTER und David Wnendts
KRIEGERIN erhielt sie den Bayrischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin. Für ihre Rolle
als minderjährige Prosituierte in dem Bremer TATORT PUPPENSPIELER wurde sie zwei Jahre
später mit dem Günter-Strack-Fernsehpreis geehrt. Dem breiten Kinopublikum ist Haase aus den
Schulkomödien-Hits FAC K JU GÖHTE und FACK JU GÖHTE 2 bekannt. Auf der diesjährigen
Berlinale wird sie dafür mit dem Preis „Europäischer Shootingstar 2016“ geehrt.
Filmografie (Auswahl)
2011 LOLLIPOP MONSTER
2011 KRIEGERIN
2011 MÄNNERHERZEN ... UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE
2012 RUHM
2013 PUPPE
2013 TATORT: PUPPENSPIELER
2013 FACK JU GÖHTE
2015 FACK JU GÖHTE 2
2015 4 KÖNIGE
2015 HEIDI

Lana Cooper wurde 1981 in Hamburg geboren, wo sie von 2002 bis 2004 als Mitglied des Jugendtheaterclubs „Backstage“ am Deutschen Schauspielhaus erste Bühnenerfahrung sammeln konnte und im Anschluss am Schauspiel-Studio Frese ein Studium absolvierte. Ihr Kinodebüt hatte Cooper im Jahr 2008 in der gefeierten Verfilmung von Heinz Strunz’ Bestseller FLEISCH IST MEIN GEMÜSE. Ihre erste Hauptrolle spielte sie in R. P. Kahls BE DWAY S (2010). Den
endgültigen Kino-Durchbruch schaffte sie mit Jakob Lass’ Liebeskomödie LOVE STEAKS (2013). Für ihre Rolle als liebestolle Küchenangestellte erhielt Cooper beim Filmfest München den Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Schauspiel.
Filmografie (Auswahl):
2008 FLEISCH IST MEIN GEMÜSE
2010 BE DWAY S
2013 LOVE STEAKS
2013 GELD HER ODER AUTSCH’N!
2014 DIESES SOMMERGEFÜHL
2014 WIR SIND DIE FLUT
2014 SCHMITKE
2015 KALT FRONT (TV)
2015 MORDKOMMISSION BERLIN 1 (TV)


Die 1966 in Göttingen geborene und im französischen Rennes aufgewachsene Schauspielerin Marie-Lou Sellem gilt als eine der wandlungsfähigsten Darstellerinnen ihrer Generation. Nach
einem Schauspielstudium an der renommierten Essener Folkwang-Hochschule erhielt sie an der
Philharmonie Essen ihr erstes Theaterengagement. Einem breiten Publikum wurde sie mit Tom
Tykwers WINTERSCHLÄFER (1997) bekannt. Im Jahr 2002 war sie beim Deutschen Filmpreis für ihre Leistung in gleich drei Filmen nominiert: MEIN BRUDER, DER VAMPIR, NICHTS BEREUEN und HILFE, ICH BIN EIN JUNGE. Im deutschen Fernsehen tritt sie immer wieder in
Krimi-Formaten in Erscheinung (u .a . TATORT DER KRIMINALIST, EIN FALL FÜR ZWEI). Im
Kino sorgte sie zuletzt in Caroline Links EXIT MARRAKECH(2013) für Aufsehen.
Filmografie (Auswahl):
1997 WINTERSCHLÄFER
2001 MEIN BRUDER, DER VAMPIR
2001 NICHTS BEREUEN
2002 HILFE, ICH BIN EIN JUNGE
2003 SOMMERNACHTSTOD (TV)
2006 HUNDE HABEN KURZE BEINE
2007 FRÜHER ODER SPÄTER
2009 DIE LIEBE DER KINDER
2010 WOLFSFÄ H RT E (TV)
2012 BLUTADLER (TV)
2012 TATORT: BOROWSKI UND DER FREIE FALL (TV)
2013 EXIT MARRAKECH
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Donnerstag 11.08.2016
ALLES WAS KOMMT
Ab 18. August 2016 im Kino
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Gerade schien Nathalies Leben noch in bester Ordnung zu sein: Ein Beruf mit Berufung als Philosophielehrerin, eine eigene Lehrbuchreihe, eine stabile Ehe seit 25 Jahren und zwei fast erwachsene Kinder. Doch dann wird plötzlich alles anders. Ihr Mann verlässt sie für eine Andere, ihre exzentrische Mutter – die sonst Tag und Nacht um Nathalies Aufmerksamkeit buhlt – muss ins Altersheim und der Verlag deklariert ihre Bücher als altbacken und fordert eine Rundum-Modernisierung. Doch Nathalie, die die großen Gedanken stets den großen Gefühlen vorzieht, ist fest entschlossen, erhobenen Hauptes den Widerständen des Lebens zu trotzen und offen zu bleiben für alles, was kommt.

Ein Film von MIA HANSEN-LOVE

Mit ISABELLE HUPPERT (NATHALIE), ANDRE MARCON (HEINZ), ROMAN KOLINKA (FABIEN), EDITH SCOB (YVETTE), SARAH LE PICARD (CHLOÉ), SOLAL FORTE (JOHANN)

Die Philosophielehrerin Nathalie steht mit beiden Beinen fest im Leben. Als ihr Mann sie nach 25 Jahren Ehe plötzlich für eine Andere verlässt, ihre Mutter ins Altersheim muss und ihr Verlag den Vertrag kündigen will, erfährt Nathalie völlig unerwartet ein ganz neues Gefühl der Freiheit. Sie ist fest entschlossen, glücklich zu bleiben und offen zu sein für alles, was kommt.

PRESSENOTIZ
ALLES WAS KOMMT ist ein starkes Frauenporträt und zugleich eine warmherzige Reflektion über Umbrüche, Älterwerden und Sinnsuche. Isabelle Huppert brilliert in einer Paraderolle als Nathalie und changiert subtil zwischen Trotz und Traurigkeit, Stärke und Zerbrechlichkeit. Mit feinem Gespür für leise Töne inszeniert Mia Hansen-Løve unaufgeregt und intelligent eine persönliche Suche nach neuen Wegen und wurde dafür bei der Berlinale 2016 mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet.


INTERVIEW MIT DER REGISSEURIN

Welche ist die erste Einstellung in einem Film, die bei Ihnen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat?
Die allererste Einstellung kann ich nicht nennen, aber dafür eine Szene, die mich einfach nicht loslässt: Es ist letzte Szene aus Eric Rohmers WINTERMÄRCHEN, wenn die Heldin zufällig im Bus auf den Mann trifft, dem sie die ganze Zeit gegen jegliche Vernunft verfallen war. Solche erzählerische Bögen, diese Ausdauer, die am Ende plötzlich gerechtfertigt ist, zwei Menschen wiedervereint: da kommt der Zauber des Kinos zum Tragen. Solche Enden helfen mir, die Beziehung, die ich zum Kino habe, zu verstehen.

War für Sie Kino immer schon ein Mittel, um die innere Funktionsweise von Personen zu untersuchen, die ständig im Werden begriffen sind?
Ja, und es ist auch eine Möglichkeit, eine Existenz durch eine Präsenz zu erfassen. Für mich sind Filme bewegte Porträts und nur das Kino ist in der Lage, so etwas zu leisten. Es geht darum, etwas festzuhalten, das empfindsam, sinnlich und flüchtig ist – wie der Versuch, einen Zugang zum Nicht-Greifbaren, zum Unendlichen zu finden.

Ihre Filme scheinen in besonderer Weise zeitgenössische Sittengemälde mit der Ergründung der Seele zu verbinden, um immer tiefer einzutauchen in die Darstellung des Inneren, Film für Film.
Auf jeden Fall haben all meine Filme diese Suche gemein und darin treten sie auch miteinander in Dialog. Es geht darum, ein Schicksal zum Ausdruck zu bringen, ihm einen Sinn zu geben. Und auch wenn die Geschichten, die ich erzähle, oft nicht besonders glücklich enden, versuche ich sowohl eine Wahrheit zum Ausdruck zu bringen als auch darin eine Art Fülle zu finden. Das erwarte ich vom Kino.

Ihre Filme lassen sich nicht in Schubladen stecken wie z.B. die des „psychologischen Dramas”.
Wenn ich ein Drehbuch schreibe, denke ich vor allem an Dinge wie Rhythmus, Musikalität und viele andere Dinge, jedoch kaum an eine eventuelle „psychologische Unschlüssigkeit“ einer Figur. Was wir wissen müssen, erfahren wir in der Regel nach und nach, wenn wir eine Figur begleiten, ohne dass zusätzlich noch etwas erklärt werden muss. Ich versuche sogar – beim Schreiben wie auch im Schnitt – zu viele Informationen zu vermeiden. Wenn ich spüre, dass eine Szene nur einem bestimmten Zweck dient, dann schneide ich sie heraus. Wenn ich sie im Film behalte, dann weil sie von existenziellem Wert ist, von einer besonderen Poesie.

In ALLES WAS KOMMT sind die Schicksale der Figuren noch weniger als sonst in Stein gemeißelt. Sie filmen das Leben als ewige Chance, von vorne zu beginnen. Ich bin demgegenüber eher zwiegespalten. Wie ist es möglich, gleichzeitig an Freiheit und Schicksal zu glauben?
Das erzeugt eine Spannung zwischen der Überzeugung, dass man sich einem gewissen unkontrollierbaren Fluss hingeben muss, und dem Glauben an das mögliche Eintreten von Ereignissen in diesem Fluss. Es scheint oft so, als wüsste Nathalie nicht, was der nächste Tag und noch nicht einmal der nächste Moment bringen würde. Rührt das aus Freiheiten, die Sie sich bereits beim Dreh erlauben? Bleiben Sie immer nah am Drehbuch oder fordern Sie gern den Zufall heraus? Ich mache vor dem Dreh keine Proben, ganz einfach weil die Wahrhaftigkeit einer Szene in hohem Maße abhängt vom spezifischen Drehort – dem Licht, der Atmosphäre und wie diese Faktoren die Schauspieler beeinflussen. Drehbuch, Struktur und Dialog sind sehr wichtig, aber das, worum es am Set geht, ist, das Alles zum Leben zu erwecken. Und das geschieht durch die Interaktion zwischen den Schauspielern und dem Regisseur und kann nur in diesem bestimmten Moment entstehen. Es kann manchmal etwas dauern, bis sich alles fügt – ob nun so, wie man es sich vorgestellt hat oder doch in eine ganz andere Richtung. Es gibt da keine Regeln, außer dass man immer offen und scharfsinnig bleiben muss.

Sie sind eine junge Filmemacherin. Doch in ALLES WAS KOMMT setzen Sie sich mit dem Alter auseinander und untersuchen Lebensphasen, die Sie selbst noch nicht erlebt haben.
Ich fühlte mich eigentlich nie meinem Alter entsprechend. Das beeinflusst mein Schreiben in fast schon pathologischem Ausmaß. Denn mit diesem Gefühl wuchs auch eine Melancholie, von der mich das Kino schließlich wieder befreite. Du schreibst, um dich von deinen Dämonen zu befreien, während du fortwährend zu ihnen zurückkehrst. Wenn ich drehe, verschwindet bei mir dieses Gefühl, von der Welt getrennt zu sein. Die Tatsache, dass ich in den letzten zehn Jahren nur am Schreiben und Drehen war, rührt aus meiner Sehnsucht nach dem Gefühl, die Gegenwart neu zu entdecken. Welchen Alters oder Geschlechts meine Figuren sind, spielt überhaupt keine Rolle. Wenn ich drehe, fühle ich mich Eins mit ihnen.

In ALLES WAS KOMMT geht es um eine Lehrerin, die ihren Beruf liebt. Sie behandeln ein in Filmen oft vernachlässigtes Gebiet: die Welt der Ideen. Nathalies Schicksal, ihre emotionale Standhaftigkeit während der Trennung von ihrem Mann, rührt aus ihrer Beziehung zum Denken und zum Lehren.
Der Mangel des Kinos an Darstellungen von Intellektuellen und die Entwicklung von Ideen, hat mich dazu getrieben, einen Film über eine Philosophielehrerin zu machen, die von ihrem Job besessen ist. Es gibt sehr wenige Filme, bei denen man weiß, welche Zeitung eineFigur liest, welchen Ideen sie anhängt und welchen politischen Idealen sie zugeneigt sind. Ich versuche stets, meine Figuren in der realen Welt zu verankern, aber ALLES WAS KOMMT bot mir die Chance, mich vollends dieser Beziehung zu Büchern und Ideen zu widmen. Das lässt sich nicht auf eine Beschreibung des sozialen Umfelds reduzieren. Es verlangt auch eine Form von Präzision, die man nicht ausschließlich dokumentarisch, sondern auch poetisch deuten kann. Ich bin berührt, wenn ich die Namen der Orte erfahre, die die Figuren besuchen. Genauso bei den Namen der Magazine, die sie lesen, oder der Musik, die sie hören. Patrik Modianos Obsession mit Namen, Orten und Daten als greifbare Fixpunkte ist ein Aspekt seiner Inspiration, mit dem ich mich immer identifizieren konnte. Das hat mit der Zerbrechlichkeit des Lebens zu tun und unserem Wunsch, seine Spuren zu erhalten.

Woher kam die Figur der Nathalie? Wie hat sie sich in Ihre Fantasie geschlichen?
Auf der einen Seite stand die Beziehung meiner Eltern Vorbild, dieses intellektuelle Band, das sie verbunden hat, und die Energie meiner Mutter. Auf der anderen Seite interessierte mich die Wucht einer Trennung und die Schwierigkeit, die einige Frauen ab einem gewissen Alter damit haben, der Einsamkeit zu entkommen. Aber während des Schreibens hatte ich immer auch Isabelle Huppert in der Hauptrolle im Kopf. So entstand Nathalie in einer Mischung aus meinen Erinnerungen und Beobachtungen sowie aus Isabelle. Das Drehbuch zu ALLES WAS KOMMT schrieb sich sozusagen fast von selbst, obwohl ich Angst hatte vor dem Thema und seiner Wirkung auf mich. Es machte mir Angst wegen dieser eigenartigen Traurigkeit der weiblichen Natur, aber es musste sein. Ich wollte mein Ziel ohne Angst und ohne Selbstzensur erreichen. Angst hätte mich z.B. dazu getrieben, eine romantische Begegnung einzufügen für ein optimistischeres Ende. Selbstzensur hätte dazu geführt, aus Nathalie etwas anderes zu machen als eine Philosophielehrerin. Je mehr ich daran arbeitete, desto klarer wurde mir die Verbindung zwischen dem Lehren von Philosophie (wie ich es erlebt habe durch meine Eltern) und dem, was Kino mir bedeutet. Das, was sich durch meine Eltern auf mich übertragen hat, und was ich mit meiner Arbeit weiterführe, ist die Suche nach Sinn; ständiges Fragen; außerdem auch ein Drang zur Klarheit und eine Beschäftigung mit Integrität. Am Ende sind Kunst und Philosophie für mich zwei Wege zu ein und derselben Sache, und das ist unsere Verbindung zum Nicht-Sichtbaren. Die Stärke und der Mut, die uns unser Fragen geben kann, bilden den Kern des Films.
In Filmen werden Figuren oft durch ihren sozialen Hintergrund definiert. Hier scheint es, als würden sie definiert von den Büchern, die in ihren Regalen stehen. Nathalie und ihr Mann haben eine fast schon biologische Beziehung zu ihren Büchern – als wären diese das Rückgrat ihrer Existenz.In der Wohnung, in der ich aufwuchs, war die Büchersammlung der größte Luxus. Ich glaube nicht, dass ich an einem Ort ohne Bücher leben könnte, und ich achte sehr penibel darauf, was in den Bücherregalen meiner Filme steht. Es geht nicht nur darum zu zeigen, dass die Figuren gebildet sind, sondern auch um den Spaß, den man bei der Auswahl, beim Sammeln von Büchern hat. Eine Reihe mit Reclam-Heften oder eine Reihe mit Taschenbüchern, eine Reihe mit gelben Buchrücken oder eine bunte Reihe – das alles sagt verschiedene Dinge aus. Wenn etwas in den Regalen unecht ist, merke ich das sofort. Darüber hinaus lesen die Menschen in meinen Filmen auch oder gehen ins Kino. Sie interagieren mit den Werken, die sie zu dem machen, was sie sind. So, wie es im wirklichen Leben auch ist. Im Gegensatz zur üblichen Meinung denke ich, dass Menschen der Kunst im Leben mehr Raum geben als es in Filmen gezeigt wird. Gegen Ende, im Vercors, liest Nathalie „Der Tod“ von Vladimir Jankélévitch. Es ist ein Bild aus einer meiner persönlichen Erinnerungen: Kurz nachdem sich meine Eltern trennten, sah ich meine Mutter dieses Buch lesen. Es hatte eine Widmung ihres ehemaligen Universitätsprofessors, den sie vergötterte. Es brachte mich zum Lachen, sie in diesem speziellen Moment in den „Tod“ vertieft zu sehen. Gleichzeitig schüttelte es mich. Das war vermutlich die Geburtsstunde von ALLES WAS KOMMT. Es gibt oft ein Bild, das alles zusammenfasst. In diesem Fall drückt es den Dialog zwischen Nathalies Leben und ihrem Beruf aus – den gleichen Dialog, der sich für mich zwischen Kino und Leben entspinnt.

Isabelle Huppert war bereits in unzähligen Filmen zu sehen. Und doch gelingt es ihr mal wieder, uns zu überraschen mit der ultimativen Verkörperung eines Charakters – wie sie sich bewegt, den Raum einnimmt, redet, sich sonnt, denkt…
Abgesehen davon, dass ich sie für die größte französische Schauspielerin halte, konnte ich mir niemand anderen in der Rolle vorstellen. Neben den allseits bekannten Facetten ihres Talents(Finesse, Energie, Humor, eine gewisse Ungezähmtheit, etc.) hatte ich auch die Isabelle Huppert im Kopf, die ich abseits von Dreharbeiten traf, und die man nicht auf die Summe der Figuren, die sie gespielt hat, reduzieren kann. Da gab es etwas anderes, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog, eine gewisse Zerbrechlichkeit und eine besondere Form der Ruhe – im totalen Kontrast zu den zähen Rollen, die sie oft spielt. Das wollte ich unbedingt herausholen und sie zu etwas Sanfterem, Zarterem oder gar Unschuldigem lenken.

Die Wahl der Schauspieler – sei es der Ehemann, die Mutter, die Kinder oder die Schüler und Studenten – ist absolut punktgenau. Wie erreichen Sie eine solche Authentizität?
Wie viele andere Regisseure bin ich der Meinung, dass wenn man die richtigen Schauspieler gefunden hat, die Arbeit zu 95% getan ist. Es geht darum, wie man einerseits auf jeden Einzelnen blickt und andererseits das große Ganze im Blick behält. Dann ist das Vertrauen sehr wichtig, das man den Schauspielern entgegen bringt, und wie man sie leitet – insbesondere Laiendarsteller. Am Set habe ich eine Methode, die ich nur schwer definieren kann. Sie ist einerseits intuitiv und andererseits sehr konkret. Gespräche leben in hohem Maße von Blockaden, Stimulationen, Geschwindigkeiten und anderen kleinen Details, die sehr viel aussagen. Ich glaube, je weniger man solche Dinge mit den Schauspielern bespricht, umso glücklicher sind sie. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Schauspieler mit all deinen psycho-logischen Bedenken zu beladen. Ich bin sehr skeptisch was abstrakte Anweisungen angeht. Ich glaube an die Wahrhaftigkeit von Szenen, die man frontal im Hier und Jetzt in Angriff nimmt.

Neben Ihrer Heimatstadt Paris filmen Sie viel in der Natur: das Meer, die Küste der Bretagne, die Berge, den Schnee. Natur spielt eine große Rolle in dem Film und für Nathalies innere Reise.
Ja, das gilt für all meine Filme. Der Wechsel zwischen Stadt und Land, von einer Jahreszeit zur nächsten, ist eine Konstante, der ich nicht entfliehen kann. Vermutlich hat es mit dem Lauf der Zeit zu tun und mit einer recht impressionistischen Art, Filme zu machen. Aus demselben Grund weise ich den Orten in meinen Filmen große Bedeutung zu. Von Orten, die einen eigenen Charme, eine Seele, eine Geschichte haben, fühle ich mich angezogen. Manche Regisseuresuchen eher nach dem Gegenteil und fühlen sich freier und wohler an neutralen oder gar aseptischen Orten. Ich muss einen Fluss spüren, einen Vibe, Spuren von Leben, um eine Verbindung herzustellen und um zu wissen, wo ich die Kamera platziere. Aus diesem Grund könnte ich nie einen Film in einem Studio drehen.

Wie in all Ihren Filmen, stellt die Musik eine Art Gerüst für den Film dar. Der Song am Ende lässt viel Raum für Interpretationen. Ist dies ein Weg um zu sagen, dass der Film hier nicht notwendigerweise endet, sondern in uns weiter andauert?
Es gibt eine Ambivalenz, die aus meiner Beziehung zum Leben herrührt, und der ich versuche, treu zu bleiben. Sie besteht im Nebeneinanderstellen von scheinbar widersprüchlichen Gefühlen. In der allerletzten Einstellung ist die vorherrschende Emotion die der Ohnmacht angesichts der Zeit: Das Gefühl, dass alles, was wir tun können einfach nur darin besteht, die Kraft zu akzeptieren, die uns zum Dahingleiten zwingt – in diesem Fall die Ankunft eines neuen Lebens zu begrüßen, eine alles vereinnahmende Gegenwart. Wir wünschen uns, dass Nathalie jemanden Neues kennenlernt, aber der Film zeigt dies nicht. Es ist ein Kind, das sie am Ende in ihren Armen hält und der Song könnte auch ein Schlaflied sein. Dennoch ist es ein Liebeslied und es könnte auch an jemanden gerichtet sein, den Nathalie noch kennenlernen wird. Es ist ein sinnlicher Song über Begehren und Hoffnung, welche so unzähmbar sind wie die Zeit unbesiegbar ist. Zwischen diesen Kräften herrscht ein Kampf, und in diesem Kampf mag wohl dieses seltsame Gleichgewicht liegen, durch das wir uns lebendig fühlen.
Das Interview führte Laure Adler im Januar 2016 in Paris.


ISABELLE HUPPERT | Filmografie (Auswahl)
2015 VALLEY OF LOVE – TAL DER LIEBE (Regie: Guillaume Nicloux)
2015 LOUDER THAN BOMBS (Regie: Joachim Trier)
2014 SEHNSUCHT NACH PARIS (Regie: Marc Fitoussi)
2013 DIE NONNE (Regie: Guillaume Nicloux)
2012 LIEBE (Regie: Michael Haneke)
2011 MEIN LIEBSTER ALPTRAUM (Regie: Anne Fontaine)
2009 WHITE MATERIAL (Regie: Claire Denis)
2005 GABRIELLE – LIEBE MEINES LEBENS (Regie: Patrice Chéreau)
2004 ZWEI UNGLEICHE SCHWESTERN (Regie: Alexandra Leclère)
2004 MEINE MUTTER (Christophe Honoré)
2002 8 FRAUEN (Regie: François Ozon)
2001 DIE KLAVIERSPIELERIN (Regie: Michael Haneke)
2000 SÜSSES GIFT (Regie: Claude Chabrol)
1999 NUR KEIN SKANDAL! (Regie: Benoît Jacquot)
1998 SCHULE DES BEGEHRENS (Regie: Benoît Jacquot)
1997 DAS LEBEN IST KEIN SPIEL (Regie: Claude Chabrol)
1995 BIESTER (Regie: Claude Chabrol)
1991 MADAME BOVARY (Regie: Claude Chabrol)
1990 DIE RACHE EINER FRAU (Regie: Jacques Doillon)
1988 EINE FRAUENSACHE (Regie: Claude Chabrol)
1982 PASSION (Regie: Jean-Luc Godard)
1981 DER SAUSTALL (Regie: Bertrand Tavernier)
1980 DER LOULOU (Regie: Maurice Pialat)
1978 VIOLETTE NOZIÈRE (Regie: Claude Chabrol)
1977 DIE SPITZENKLÖPPLERIN (Regie: Claude Goretta)


ANDRÉ MARCON | Filmografie (Auswahl)
2015 MADAME MARGUERITE ODER DIE KUNST DER SCHIEFEN TÖNE (Regie: Xavier Giannoli)
2014 DREI HERZEN (Regie: Benoît Jacquot)
2013 GARE DU NORD (Regie: Claire Simond)
2013 MAMAN UND ICH (Regie: Guillaume Gallienne)
2012 DIE WILDE ZEIT (Regie: Olivier Assayas)
2009 36 VUES DU PIC SAINT LOUP (Regie: Jacques Rivette)
2009 DER VATER MEINER KINDER (Regie: Mia Hansen-Løve)
1998 ENDE AUGUST, ANFANG SEPTEMBER (Regie: Olivier Assayas)
1995 VORSICHT – ZERBRECHLICH! (Regie: Jacques Rivette)
1994 JOHANNA, DIE JUNGFRAU – DER KAMPF / DER VERRAT (Regie: Jacques Rivette)
1993 ALLE LIEBEN MATHILDE (Regie: Edwin Baily)
ROMAN KOLINKA | Filmografie (Auswahl)
2014 EDEN (Regie: Mia Hansen-Løve)
2013 JULIETTE (Regie: Pierre Godeau)
2012 DIE WILDE ZEIT (Regie: Olivier Assayas)
2012 UN ENFANT DE TOI (Regie: Jacques Doillon)
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Donnerstag 04.08.2016
WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA
Ab 11. August 2016 im Kino
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Die temperamentvolle Jacqueline (Josiane Balasko) genießt ihr komfortables Leben als Witwe in einer beschaulichen Stadt in der Provence. Als ihre 40-jährige Tochter Stéphanie (Alexandra Lamy) von heute auf morgen Job und Wohnung verliert, nimmt Jacqueline sie natürlich wieder bei sich auf. Allerdings wirbelt das liebe Töchterlein ihren sonst so ruhigen Alltag nicht nur gehörig durcheinander, sondern macht es ihr auch reichlich schwer, sich weiterhin unbemerkt mit ihrem Liebhaber zu treffen. Seit vielen Jahren führt die dreifache Mutter eine glückliche Liebesbeziehung mit ihrem Nachbarn Jean, die sie bisher vor ihren Kindern geheim hielt. Nun ist reichlich Einfallsreichtum gefragt, um den neugierigen Fragen ihrer Tochter aus dem Weg zu gehen, denn Jacquelines nächtlichen Eskapaden sorgen schon bald für wilde Spekulationen und so manche komische Verwechslung. Als Jacqueline beschließt, Jean ihren Kindern bei einem äußerst turbulenten Abendessen endlich vorzustellen, ist das Familienchaos perfekt.

Ein Film von Éric Lavaine
Mit Josiane Balasko, Alexandra Lamy, Mathilde Seigner u.v.a.

Als Mutter Jacqueline (Josiane Balasko) ihre 40-jährige Tochter Stéphanie wieder bei sich aufnimmt, ahnen beide, dass sie ihr erneutes Zusammenleben auf so manche Geduldsprobe stellen wird. Doch aus dem Weg gehen können sich die eigensinnigen Frauen in der kleinen Wohnung nicht, und deshalb erleben sie in diesem kurzweiligen Aufeinandertreffen der Generationen einen Neuanfang. Den inszeniert Komödienspezialist Eric Lavaine mit dem perfekten Gespür für ebenso brüllend komische wie warmherzige Situationen – und setzt dabei auf zwei exzellente Hauptdarstellerinnen mit der richtigen Chemie: Kinolegende Josiane Balasko (DIE ELEGANZ DER MADAME MICHEL) glänzt als herrlich scharfzüngige Seniorin, der es immer noch schwerfällt, ihre "kleine" Tochter als gleichberechtigte Erwachsene im Haushalt zu akzeptieren. An Ihrer Seite überzeugt Frankreichs Publikumsliebling Alexandra Lamy (MÄNNER UND FRAUEN) als Tochter Stéphanie, die von heute auf morgen damit klarkommen muss, dass ihr wieder jemand sagt, was sie zu tun hat. Ergänzt wird dieses hochkarätige Duo von Mathilde Seigner und Philippe Lefebvre als Stéphanies streitlustigen Geschwister.
WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA ist eine turbulente, vor Wortwitz sprühende Sommerkomödie über die "Mutter" aller Generationskonflikte.


INHALT
Beziehung gescheitert, Job weg, Ersparnisse futsch: Niemals hätte sich Architektin Stéphanie träumen lassen, dass sie mit 40 plötzlich gezwungen ist, wieder bei ihrer verwitweten Mutter Jacqueline einzuziehen. Zurück in die überheizte Wohnung, zurück zu löslichem Frühstückskaffee und Francis Cabrel in Dauerschleife, zurück zu Scrabble-Runden und mütterlichen Vorhaltungen. Aber auch die temperamentvolle Seniorin Jacqueline, die bisher ihren kuschelig komfortablen Ruhestand in der Provence genießen konnte, ist nicht sonderlich begeistert, als ihre Tochter plötzlich mit gepackten Koffern auf der Fußmatte steht. Der schöne Alltag scheint ruiniert, zumal sie seit Jahren ihre glückliche Liebesbeziehung mit ihrem Nachbarn Jean erfolgreich vor den Kindern geheim halten konnte, was sich mit Stéphanie im Haus zunehmend schwierig gestaltet –
denn von jetzt an wird jedes kleine Stelldichein mit Jean für Jacqueline zum Spießroutenlauf. Da Tochter Stéphanie wenig Erfolg bei der Jobsuche hat und umso mehr Zeit in Jacquelines Wohnung
verbringt, muss sie bald feststellen, dass sich Mama zusehends seltsamer benimmt: Erst vergisst sie zum Einkaufen ihren Trolley und fährt dann mit dem Fahrstuhl hoch statt nach unten, dann unternimmt sie spät Nachts allein lange Spaziergänge. Während Jacqueline auf Teufel komm raus versucht, mit den aberwitzigsten Lügengeschichten ihr Verhältnis mit Jean weiter zu verbergen, hat Stéphanie bei dem merkwürdigen Verhalten der Mutter den Verdacht, dass es um deren geistige Gesundheit nicht mehr ganz so gut bestellt ist. Jacqueline selbst möchte derweil endlich reinen Tisch machen und schmiedet den scheinbar perfekten Plan, um ihren Kindern bei einem gemeinsamen Familienabendessen ihr pikantes Liebesgeheimnis zu offenbaren. Als Stéphanie, ihr Bruder Nicolas und ihre Schwester Carole endlich gemeinsam am Esstisch sitzen, ganz wie in alten Zeiten, machen die Geschwister ihrer Mutter prompt einen Strich durch die Rechnung.
Zwischen Aperitif und Quiche wird nach Herzenslust gestichelt und gezankt, alte Eifersüchteleien und Rivalitäten kochen hoch und auch der „besorgniserregende Zustand“ der Mutter kommt auf den Tisch. Schließlich platzt Mama Jacqueline der Kragen: Sie packt spontan ihr Köfferchen und macht sich aus dem Staub. Doch dann zeigt sich, wie heilsam es doch manchmal sein kann, wenn alle mal mächtig Dampf ablassen…


INTERVIEW MIT ÉRIC LAVAINE

Wie ist dieses Projekt entstanden?
Der eigentliche Auslöser waren Reportagen zum Thema „Generation Bumerang“. Der Begriff klingt ja an sich eher lustig, aber dahinter verbirgt sich letztlich eine Menge Drama. Früher sprach man ja von der sogenannten „Generation Tanguy“ – also die jungen Leute, die aus Bequemlichkeit viel zu lange bei Papa und Mama wohnen. Inzwischen gibt es im Gegensatz dazu die „Generation Bumerang“, nämlich jene Menschen, die plötzlich gezwungen sind, wieder zu ihren Eltern zurückzukehren. Zunächst betraf dieses Phänomen vor allem Länder in Südeuropa, in erster Linie Spanien – doch inzwischen sind auch schätzungsweise 410.000 Franzosen davon betroffen. Gründe hierfür sind normalerweise Arbeitslosigkeit, Geldsorgen oder eine Trennung vom Partner. Freiwillig kehren diese Menschen jedenfalls nur selten ins familiäre Nest zurück.

Für Sie die Gelegenheit, das Thema Familie aufzugreifen?
In meinem vorletzten Film BARBECUE hatte ich mich ausgiebig mit dem Thema Freunde befasst, diesmal habe ich mir die Familie vorgenommen. Die Tatsache, dass eine 40-Jährige wieder mit ihrer Mama unter einem Dach leben muss, erschien mir als Ausgangspunkt unheimlich spannend. Das ist ein wirklich spannendes Thema, denn wie heißt es im Film: „Natürlich liebt man seine Eltern, aber deshalb sein Leben an ihrer Seite verbringen? Höchstens ein Wochenende!“ In diesem Satz steckt die ganze Ambivalenz der Familie: Sie ist der Ort, an dem so manche alte Rechnungen offen, Dinge verschwiegen und Konflikte ausgetragen werden, und gleichzeitig stellt sie das Fundament des eigenen Daseins dar.

Es ist ein ziemliches Wagnis, eine Komödie über eine 40-Jährige zu drehen, die gezwungen ist, wieder bei ihrer Mutter zu leben, weil sie ihren Job verliert…
Eine weitgehend realistische Geschichte zu erzählen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich dabei nicht auch sehr aberwitzige Situationen ergeben können. Lachen und Weinen liegen doch so nah beieinander. Und das Lachen ist eine großartige Möglichkeit, Gefühle zu transportieren. Auf der anderen Seite besteht natürlich die Gefahr, dass zu viel Lachen die Emotionalität "tötet" und ins Klamaukige abdriftet. Das macht Komödien so komplex. Wir mussten in WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA den Humor sehr genau dosieren, um weiterhin Stéphanies menschliches Drama, ihre Verzweiflung durchscheinen zu lassen.

Sie haben offenbar auch kein Problem damit, sich mit der Sexualität von Senioren zu beschäftigen.
Was mich an der Situation, dass eine erwachsene Tochter wieder bei ihrer Mutter lebt, besonders
interessierte, war die Tatsache, dass man sich immer noch wie ein Kind fühlt, wenn man das Glück hat, dass die eigenen Eltern noch leben. Sie bleiben einfach ein Leben lang "Mama" und "Papa", man nimmt da immer einen gewissen Unterschied wahr. Deshalb ist es häufig für die "Kinder" ein Tabu, über die Sexualität ihrer Eltern zu reden. Es ist einfach für viele eine komische Vorstellung, dass auch ältere Menschen ein Liebesleben haben. Diese kindliche Vision, die auch Stéphanie von ihrer Mutter hat, fand ich unheimlich amüsant.

Sie beschäftigen sich daneben auch mit den Konflikten zwischen Geschwistern…
Als ich anfing, mich mit diesem ganzen Thema zu beschäftigen, fiel mir auf, dass die Menschen der
„Generation Bumerang“ im Grunde zweifach bestraft werden: Sie werden nicht nur mit ihrem eigenen Versagen konfrontiert – weil es echt erniedrigend ist, in sein altes Kinderzimmer zurückkehren zu müssen –, hinzu kommen nicht selten noch die Geschwister, die es ihnen übelnehmen, dass sie wieder bei Papa und Mama hausen. Da kocht schnell Eifersucht hoch, weil die anderen glauben, man würde die Eltern schamlos ausnutzen.

Dies ist nicht Ihre erste Zusammenarbeit mit Héctor Cabello Ryes. Wie muss man sich das gemeinsame Schreiben vorstellen?
Normalerweise dient eine Grundidee, die ich spannend und amüsant finde, als Ausgangspunkt für ein Drehbuch. Anschließend arbeiten wir immer zu zweit. Ich finde Schreiben an sich schon ziemlich kompliziert, aber allein zu schreiben, fällt mir enorm schwer. Ich langweile mich schnell alleine. Deshalb brauche ich einen Begleiter, der mich bei Laune hält, an dem man Ideen ausprobieren kann, der einen weiter bringt. Héctor hilft mir beispielsweise, in Sachen Dialoge kritischer zu sein. Unser Film handelt von der Familie, und das ist ein weites Feld, auf dem jeder von uns seine Erfahrungen gemacht hat. Also hatten wir uns doppelt so viele Geschichten zu erzählen! Soll heißen: Wir haben natürlich auch aus unserem Privatleben geschöpft. Zu guter Letzt muss ich sagen, dass Héctor natürlich auch einfach ein großartiger Schauspieler ist, was sehr dabei hilft, einzelne Sequenzen gleich plastisch durchzuspielen. Entstanden sind dabei auch scheinbar alltägliche Szenen, die von überraschender Komik geprägt sind, etwa wenn Stéphanies ihren Termin bei der Arbeitsagentur hat.
Auch da habe ich mich von Alltagsbeobachtungen leiten lassen. Wenn der Typ vom Arbeitsamt zu
Stéphanie sagt, sie solle sich zum Coach umschulen lassen, bin ich nah dran an der Realität. Man muss sich nur mal vor Augen führen, wie viele Arbeitslose tatsächlich beschließen, Coach zu werden. Als Stéphanie erkennt, dass der Job im „direkten Marketing“ genau genommen heißt, dass sie Prospekte verteilen muss, und ihr Bruder ihr vorwirft, dass sie diesen Job abgelehnt hat, schließlich gäbe es keine „blöden“ Jobs, ist das meine Reaktion auf all die Sprüche, die man sich diesbezüglich tatsächlich ständig anhören muss. Natürlich gibt es viel mehr „blöde“ Jobs als solche, die ansatzweise Spaß machen und sogar intellektuell befriedigend sind! Ich finde es großartig, dass ich mit meinen Filmen das Publikum zum Lachen bringen und ihm gleichzeitig meine Meinung zu vielen gesellschaftlichen Themen unterjubeln kann.

Stéphanie steht an einem dramatischen Wendepunkt ihres Lebens…
Eine Freundin von mir, die Architektin ist, hat mich dazu inspiriert. Sie hatte Geld, ein schönes Leben, doch plötzlich ging alles den Bach runter, weil sie einen Prozess verloren hatte. Von 100 zurück auf Null – das verkraftet niemand so leicht. Um Stéphanies altes Leben zu symbolisieren, habe ich einen relativ glamourösen Vorspann gedreht: schöne Landschaft, traumhaftes Wetter, eine sagenhaft aussehende Stéphanie am Steuer ihres offenen Audis – den sie am Ende des Vorspanns zurückgeben muss.

Damit endet ihr Schlaraffenleben, und der Film beginnt. Genau genommen ist die Figur, die Josiane Balasko spielt, die einzige, die ein zufriedenstellendes Liebesleben hat…
Genau! Meistens sind es die, die einem nicht weiter auffallen, die am glücklichsten sind. Angesichts der vorherrschenden Konventionen fällt es den meisten in unserer Gesellschaft schwer, ihren Eltern ein Sexualleben zuzugestehen. Dabei müssten die Kinder von Josiane Balasko doch froh sein, dass ihre Mutter so glücklich ist. Obwohl sie von allen die Älteste ist, ist die Mutter diejenige, die dem Leben am aufgeschlossensten begegnet – vielleicht, weil sie das Leben besser versteht als die anderen. Auf mich wirkt sie jedenfalls sehr modern. Sie führt schon lange ein Doppelleben, ohne dass ihr verstorbener Mann oder ihre Kinder je Verdacht geschöpft hätten. Auch hier habe ich mich vom wahren Leben inspirieren lassen. Ein Freund erzählte mir mal, dass er, als er zehn Jahre alt war, mit seiner Mutter eine Autopanne hatte, mitten in der Nacht. Es waren Sommerferien, und ihr Vater war den Juli über in Paris geblieben. Und wer half der Mutter? Der Nachbar aus dem zweiten Stock, der „rein zufällig“ hinter ihnen her fuhr, und dass um drei Uhr morgens mitten in der bretonischen Pampa! Nach dem Tod des Vaters sind die Mutter meines Kumpels und ihr Nachbar übrigens zusammengezogen und haben damit ihre geheime Beziehung, die schon seit 20 Jahren lief, gewissermaßen amtlich gemacht.

Wie sind Sie bei der Wahl Ihrer Schauspielerinnen vorgegangen?
Josiane, Mathilde und Alexandra haben etwas gemeinsam: Sie besitzen perfektes Timing. Das richtige Tempo zu beherrschen – das ist es, was großes Schauspiel ausmacht, ob im Drama oder in der Komödie. Alexandra Lamy ist eine Schauspielerin, wie ich sie selten erlebt habe – sie beherrscht das Komödienfach perfekt, sie geht in ihren Figuren auf, und deshalb gelingt es ihr auch, Empathie und Emotionen zu wecken. Alexandra hat etwas Bodenständiges, man glaubt ihr die Figuren, die sie spielt. Sie war mir vor allem in RICKY von François Ozon aufgefallen. Als ich Alexandra, die ich zuvor noch nicht kannte, zum ersten Mal traf, war ich sofort von ihrem Witz begeistert. Obwohl sie selbstredend eine schöne Frau ist, hatte ich den Eindruck, mit meinem besten Kumpel zusammen zu sitzen. Am Set war sie der Sonnenschein schlechthin – Allüren sind ihr absolut fremd!
Für die Rolle der Mutter wollte ich eine Schauspielerin engagieren, die an eine italienische Mama erinnert. Mit ihren Rundungen strahlt Josiane Balasko eine Sinnlichkeit aus, die gut zum erfüllten Liebesleben ihrer Filmfigur passte. Hätten wir eine kleine, spröde Dame ausgewählt, hätte es nicht so gut gepasst. Josiane ist ein sehr lebensfroher Mensch.
Für die Schwester stellte ich mir jemand besonders Attraktives vor, und Mathilde Seigner ist eine
unheimlich schöne Frau. Aber sie versteht sich auch darauf, boshafte Figuren zu spielen und dennoch gleichzeitig eine gewisse Empathie zu erzeugen. Sie spielt eine unglückliche Frau, die sich selbst nicht mag und somit unfähig ist, andere zu lieben. Erst als ihr Mann sie verlässt, wird ihr klar, wie viel er ihr bedeutet. Im Übrigen findet sie es klasse, dass sie sich – vermutlich zum ersten Mal – ihrer jüngeren Schwester überlegen fühlt. Aber am Ende begräbt auch sie das Kriegsbeil.

Können Sie etwas zu Ihren männlichen Darstellern sagen?
Jérôme Commandeur erinnert mich immer an Villeret, allerdings in hübscher. Im wahren Leben ist er ungeheuer witzig, und wirkt dazu relativ zerbrechlich. In WILLKOMMEN IM HOTEL MAMA ist er das fünfte Rad am Wagen, eigentlich ein echt netter Kerl, aber er wirkt auch ein bisschen plump. Es war für den Fortgang der Geschichte zwar nicht zwingend notwendig, dass er Stéphanie eine Lektion in Psychologie erteilt, oder dass er eine skurrile Leidenschaft für Stabilos hegt, aber daraus ergaben sich wunderbare Komödienmomente. Ich wusste es zwar nicht vorher, aber Philippe Lefebre war rückblickend als Sohn die Idealbesetzung – er ist der Traum eines jeden Regisseurs. Er macht Vorschläge, setzt die Anweisungen, die man ihm gibt, intelligent um und spielt immer authentisch. Was den Freund der Mutter angeht, schwebte mir ein eleganter Typ vor, der mit Josiane ein plausibles Paar bilden würde. Das ist mit Didier Flamand – der sowohl vor als auch hinter der Kamera unwiderstehlich ist –
hundertprozentig gelungen.


INTERVIEW MIT JOSIANE BALASKO

Was hat Sie am Drehbuch bewegt und amüsiert?
Ich fand die Geschichte sehr witzig, weil es die älteste Figur ist – also ich –, die den größten Spaß hat: Sie ist Witwe, und sie hat einen Liebhaber, den sie schon lange versteckt. Kurz gesagt, sie ist glücklicher als ihre Töchter. Natürlich liebt sie ihre Kinder, aber sie möchte auch ihr Privatleben schützen. Daraus ergeben sich viele Missverständnisse. Mir gefielen die Dialoge sehr gut, und manche Szenen – etwa das Abendessen – waren schon beim Lesen des Drehbuchs ungeheuer witzig.

Ist die von Ihnen gespielte Seniorin froh, dass ihre Tochter zurückkommt, oder empfindet sie es als
Belastung?

Ich würde sagen, letzteres. Denn jetzt muss sie alle Tricks aufwenden, damit man sie nicht mit ihrem Liebhaber erwischt, mit dem Ergebnis, dass ihre Kinder glauben, dass sie womöglich Alzheimer hat. Es ist das erste Mal, dass ich eine Frau spiele, die so wenig mit mir gemeinsam hat. Sie ist ein Gewohnheitsmensch, spielt mit ihren Freundinnen Scrabble, ist sehr genau, um nicht zu sagen pingelig – alles Charaktereigenschaften, die mir fremd sind, die zu spielen aber sehr interessant war. Das ist das Tolle an meinem Beruf, dass man unterschiedlichen Rollen und Facetten auf den Grund gehen kann.

Warum zögert sie, um mit ihrer Tochter über ihren Liebhaber zu sprechen?
Weil sie schon ewig mit ihm zusammen ist. Sie hat ihn ja nicht erst im letzten halben Jahr getroffen.
Obwohl sie ein ganz normales Familienleben führte, hatte sie nebenbei diese Affäre laufen. Und natürlich würde sie am liebsten auspacken. Bei dem schon erwähnten Abendessen – übrigens eine sehr komische Szene – soll es ja auch endlich so weit sein. Aber dann überlegt sie es sich doch wieder anders, weil ihre Töchter so gemein zueinander sind. Fast so, als hätte sie auch geahnt, wie ihre ältere Tochter, gespielt von Mathilde Seigner, sich darüber aufregen wird…
Ich glaube, dass Stéphanie immer das Lieblingskind der Mutter war. Das kommt ja häufig in Familien vor. Es erklärt auch, warum Carole – die in ihrer Familie nur Caca genannt wird – sich so einen harten Panzer zugelegt hat. Ihren permanenten Frust lässt sie hauptsächlich an ihrem Mann aus, der kurz davor ist, sie zu verlassen. An besagtem Wochenende implodiert die Familie dann ja auch. Caroles Mann haut ab, und meine Kinder streiten, als gäbe es kein Morgen. Die Probleme, die Éric Lavaine ganz wunderbar beschreibt, erinnern mich an Erbstreitigkeiten in Familien, wenn man sich wegen eines Hometrainers oder ein paar Teelöffeln buchstäblich an die Gurgel geht. In dem Moment, wo es um Dinge handelt, die alle haben wollen, fließt Blut.

Erzählen Sie von Ihren Filmpartnerinnen.
Alexandra Lamy besitzt hervorragendes Timing und ist ein hundertprozentiger Profi. Sie hat immer gute Laune, sie strahlt und leuchtet. Es ist wirklich leichter, mit solchen Kollegen zu arbeiten. Wir bewundern uns schon lange gegenseitig, und unsere Begegnung hat uns nicht enttäuscht. Mathilde Seigner hatte ja schon einmal meine Tochter gespielt, und damals verpassten wir uns gegenseitig Ohrfeigen. Tatsächlich nennt sie mich inzwischen Mama. Am Set von „Maman“ hatte ich sie als herzlichen, sehr professionellen und extrem witzigen Menschen kennengelernt. Ich mag auch Cécile Rebboah sehr gern, die Stéphanies Freundin spielt und in dem Fernsehfilm „La loi de Barbara“ meine gepeinigte Sekretärin war.

Und die männlichen Figuren?
Ich bat Éric Lavaine darum, dass er die Rolle des Liebhabers mit einem alten Freund von mir besetzt, den ich schon seit 40 Jahren kenne: Didier Flamand. Ich finde, man kann sehr gut nachvollziehen, weshalb meine Filmfigur in ihn verschossen ist: Er ist attraktiv, hat noch jede Menge Charme, und er ist witzig, auch wenn sie ihm keine Chance lässt, einen Witz zu landen. Jérôme Commandeur, der bereits mit Éric Lavaine gearbeitet hatte, ist ein sehr angenehmer Mensch und versteht sich hervorragend darauf, geprügelte Hunde zu spielen. Mit Philippe Lefebvre habe ich zwar zum ersten Mal gedreht, aber wir verstanden uns bestens.



INTERVIEW MIT ALEXANDRA LAMY

Was hat Sie bewogen, in diesem Film mitzuspielen?
Als erstes das Gefühl, dass mir alle Figuren irgendwie vertraut waren. In unserer Familie ist es wie im Film: Immer wenn ich meine Mutter besuche, muss ich ihr in Sachen Internet helfen. Und als ich das letzte Mal bei ihr war, musste ich mir sogar Francis Cabrel anhören, was ich natürlich todkomisch fand. Ich bin überzeugt, dass sich jeder Zuschauer in dieser Geschichte wieder erkennt. Außerdem zeichnet sich das Drehbuch durch eine starke Geschichte aus. Ich finde Komödien gut, in denen es wirklich um etwas geht, und nicht nur Pointen am laufenden Band abgeschossen werden. Und hier handelt sich um eine großartige Komödie, die auf realistische Weise die Frage zu beantworten versucht, was man tut, wenn man alles verloren hat und gezwungen ist, wieder unter einem Dach mit seinen Eltern zu wohnen. Es gibt heutzutage viele junge Leute, die nicht das Geld für eine eigene Wohnung haben, vor allem in Paris und Umgebung.

Was sagen Sie zu dem Phänomen der „Generation Bumerang“?
Éric hat sich von Ereignissen aus seinem Umfeld zu der Geschichte inspirieren lassen. Mieten werden immer teurer, heute muss man mindestens schon drei Mal so viel wie die Miete verdienen, um über die Runden zu kommen, und braucht Leute, die die Kaution für einen übernehmen, besonders in den Großstädten. Insofern ist es für junge Menschen sehr schwer. Jeder kennt in seinem Familien- oder Bekanntenkreis solche Fälle. Und mit Kind wird die ganze Sache noch komplizierter. Stéphanie muss ihren Sohn bei ihrem Exmann lassen, weil sie ihn nicht großziehen kann.

Wie würden Sie Ihre Filmfigur beschreiben?
Stéphanie ist die Mutter eines Sohns, kann sich aber nicht um ihn kümmern, weil sie kein Zimmer mehr für den Jungen hat. Deshalb mussten wir die Figur realistisch anlegen, auch wenn es sich um eine Komödie handelte. Éric und ich haben eng zusammen gearbeitet. Wir wollten nah an der Familie dranbleiben und erzählen, was dort passiert. Wie ist man drauf, wenn man wieder bei seiner Mutter einzieht und glaubt, sich für alles rechtfertigen zu müssen, weil man einerseits das Gefühl hat, jemanden auszunutzen, und andererseits ständig mit versteckten Anspielungen konfrontiert wird. Philippe, Josiane, Mathilde und mir machte es sehr viel Spaß, diese Familie so authentisch wie möglich zu spielen. Zumal uns das Thema alle irgendwie betrifft.

Warum kehrt sie zu ihrer Mutter zurück und sucht nicht bei Freunden Unterschlupf?
Ich glaube, in solchen Momenten braucht man wirklich das familiäre Nest. Außerdem ist es offensichtlich, dass sich die beiden gut verstehen – nicht umsonst muss sich Stéphanie von den anderen ständig vorwurfsvoll anhören, sie sei Mamas Liebling. Ihren Freunden möchte Stéphanie nicht unbedingt auf die Nase binden, dass sie gerade eine Durststrecke durchmacht, dafür ist sie viel zu stolz. Aber die Rückkehr nach Hause gibt ihr Selbstvertrauen. Ich weiß, dass ich in so einem Fall auch zu meinen Eltern ziehen und mein altes Kinderzimmer beschlagnahmen würde.

Die Mutter im Film ist ein sehr ausgeglichener Mensch…
Ja, sie genießt das Leben und hat einen Neuanfang. Doch gerade deshalb ist sie gezwungen, die Wahrheit zurechtzubiegen. Kinder sehen immer nur die Mutter und nicht die Frau; wir sind überzeugt, dass unsere Mütter für immer Mütter bleiben und vergessen dabei, dass auch sie ein Recht auf Spaß und Liebe haben.

Warum fürchtet sich Stéphanie so sehr vor dem Abendessen mit ihrer Schwester?
Weil sie arbeitslos ist, und das nur schwer verkraftet. Sie fühlt sich schwach und unbehaglich, und da die Beziehung zu ihrer Schwester ohnehin schon angespannt ist, weiß Stéphanie genau, dass sie die Tatsache, dass sie am Boden liegt, schamlos auskosten wird. Außerdem möchte sie Bruder und Schwester ihr Scheitern nicht unbedingt eingestehen müssen. Sie ahnt, dass ihre Familie sie erniedrigen und sämtliche Finger in die offene Wunde legen wird. Stéphanie war immer das Lieblingskind, jetzt haben ihre Geschwister einen guten Grund, um alte Familiengeschichten wieder aufzuwärmen. Carole erträgt es nicht, dass ihre kleine Schwester zu ihrer Mutter zurückgekehrt ist. Und deshalb nimmt Stéphanie zu Recht an, dass sie ihr gemeinsam mit ihrem Bruder den Prozess machen wird.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren Filmpartnern?
Ich finde, dass die Beziehung zwischen den Schwestern sehr glaubwürdig geschildert wird. Man spürt, dass es eine gewisse Hassliebe zwischen ihnen gibt. Sie lieben sich, aber sie können es sich nicht eingestehen. Weil da auch Eifersucht herrscht. Stéphanie ist nämlich das Nesthäkchen und war immer Mamas Lieblingskind. Mit Mathilde Seigner zu arbeiten, war einfach großartig, denn sie legt großen Wert darauf, dass man zusammen – und nicht nebeneinander arbeitet. Josiane Balasko bewundere ich schon seit ewigen Zeiten. Es war einfach toll, mit ihr drehen zu dürfen. Als Schauspielerin ist sie absolut zeitlos – sie wird von allen Generationen geliebt. Klar, dass man sich anfangs ein wenig beschnuppern muss, aber wir haben uns sofort verstanden und hatten wahnsinnig viel Spaß miteinander. Josiane schuftet sich einen Wolf. Wir haben häufig in unseren Garderoben geprobt, unsere Stimmen gesucht und gefunden, und gemeinsam haben wir uns auch Vorschläge überlegt.

Wäre Stéphanie denn wirklich so schockiert, wenn sie erfahren würde, dass ihre Mutter einen Freund hat?
Na ja, delikat ist so eine Situation schon. Es besteht ja immerhin die Gefahr, dass Stéphanie glaubt, dieser Mann würde den Platz ihres Vaters einnehmen. Aber heutzutage werden die Menschen immer älter, und viele Senioren haben noch ein aktives Liebesleben. Für die Kinder ist das immer kompliziert. Man wirft den Müttern vor, dass sie sich zu schnell vom Tod des Vaters in eine neue Beziehung stürzen, aber das ist natürlich sehr egoistisch gedacht. Schließlich sind wir auch nicht immer für unsere Eltern da, wenn sie uns brauchen. Trotzdem fällt es uns schwer zu glauben, dass es neben den Kindern noch ein anderes Glück für sie geben kann. Stéphanie muss sich zunächst mal mit dem Gedanken anfreunden, dass es noch einen anderen Menschen im Leben ihrer Mutter gibt. Aber im Grunde freut sie sich für sie, davon bin ich überzeugt.

Wie arbeitet Regisseur Éric Lavaine mit seinen Schauspielern?
Ich habe es jedenfalls genossen! Wir sind uns vor langer Zeit mal begegnet, und ich hatte zwei, drei Dinge gesagt, über die er lachen musste. Für mich ist ein Mensch mit Humor automatisch auch ein intelligenter Mensch. Als ich das Drehbuch las, musste ich spontan lachen, und als wir uns dann trafen, merkten wir sofort, dass wir beide in Sachen Film auf einer Linie lagen. Wir hatten wirklich viel Spaß, und gleichzeitig ist Éric ein echtes Arbeitstier. Alle glauben, Komödien zu drehen, wäre kinderleicht. Dabei ist es das Genre, das die meiste Arbeit erfordert. Éric führt seine Schauspieler auf wunderbare Weise: Er ist sehr präzise, er hört zu und er muntert einen ständig auf, eigene Vorschläge zu machen. Er hat ein Gespür für Rhythmus, er schreibt sehr gut, und er gibt seinen Darstellern Selbstvertrauen. Er ist ein fröhlicher Mensch, und wenn man eine gute Idee hat, lässt er sich davon begeistern und will sie gleich ausprobieren. Ehrensache, dass wir demnächst wieder einen Film zusammen machen werden.
Autor: Siehe Artikel
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