Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Nicola Förg – Die eigene Verwundbarkeit

7

Stefanie Boltz - Freundschaft mit dem Unschlüssigen

8

Nik Bärtsch – Foward To The Roots

9

Ralf Illenberger – Tänzer zwischen den Welten

10

Benedikt Jahnel - Gibbssche Punktprozesse

11

Simone Buchholz - Das wirkt ganz schön nach

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Samstag 23.03.2019
Nicola Förg – Die eigene Verwundbarkeit
Nicola Förgs mittlerweile 20. Kriminalroman ist dieser Tage erschienen. Doch auch in „Wütende Wölfe“ geht es nicht allein um ein Verbrechen und dessen Aufklärung. Die Autorin thematisiert zugleich Umweltthemen – im vorliegenden Fall unseren Umgang mit Wölfen. „Ich selbst halte es für unethisch, wenn man den Sinn einzelner Tierarten bezweifelt. Wir Menschen können nicht darüber entscheiden, ob wir dieses Tier wollen oder nicht“, sagte sie in einem Interview. So ermitteln die beiden Kommissarinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl in landschaftlich reizvoller Umgebung und begegnen bei ihrer Arbeit in der alpinen Kulturlandschaft manch anderen Umweltsünden.
Nicola Förg stammt selbst aus dem Oberallgäu, hat in München Germanistik und Geografie studiert  und lebt heute mit ihrer Familie und vielen Tieren auf einem Hof in Prem am Lech.
Am Donnerstag, 4. April liest Nicola Förg in der Tiefstollenhalle in Peißenberg aus ihrem neuen Buch. Beginn: 19.00 Uhr. 


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Nicola Förg: Ein gewisser Eigensinn, also eigener Sinn! Durchhaltevermögen, Pragmatik und die Tatsache, dass ich mich gar nicht wichtig für den Weltenlauf erachte.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
NF: Bayerische Krimis neigen ja dazu, reiner Slapstick zu sein. Ich stelle immer wieder Tier- und Naturschutzthemen ins Zentrum - Leser, die ein klein wenig mitdenken wollen, freut das. Und wenn der eine oder die andere darin eine Anregung zum Nachdenken oder gar zum Handeln sieht, dann freut das wiederum mich!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
NF: Als ich noch in größerem Maße freie Reisejournalistin war, musste ich unentwegt mich selber vermarkten. Schrieb Themenlisten, machte Vorschläge - und die auf der anderen Seite haben gar nicht reagiert oder einen abgekanzelt. Ganz schlechter Stil, denn letztlich brauchen sie alle freie Mitarbeiter. Alle Menschen mit Kulturberufen können selber noch so gut, professionell, kreativ sein und alles richtig gemacht haben – wenn dann Verlage, Produzenten etc. ihren Job nicht gut machen, verpufft jede Energie.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
NF: Ich hatte im Sommer 2018 einen schweren Unfall, hab meinen Knöchel zerstört. Ich erwachte nach einer nächtlichen OP und hatte Stangen im Bein. Armierstahl stakte aus meinem Knöchel und aus dem Schienbein - Gruselkabinett, Dr. Frankenstein. Fixateur Externe heißt das im Fachjargon. Alles mal ganz schnell auf Null gestellt. Den Hahn sprudelnder Pläne zugedreht und dann lernt man viel über sich, die eigene Verwundbarkeit - und die Menschen. Und verbeugt sich vor Ärzten, Krankenschwestern, Physiotherapeuten. DANKE!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
NF: Ich lerne bei der Recherche zu Artikeln und Büchern ungeheuer kluge, achtsame, liebenswerte, hochengagagierte Menschen kennen – inmitten einer Welt, die immer digital-irrer wird, rettet das den Glauben an einen Rest von Menschenverstand.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
NF: Natürlich! Ich bin mit Al Stewart, Pink Floyd, Alan Parsons, Manfred Mann, Marillion und vor allem Pavlov´s Dog durch die Teeniezeit gekommen. Nur mit ihnen konnte man lieben, leiden, verzweifeln, neu auferstehen. Ich find aber auch heute eine sphärisches Mädchen wie Birdie und eine schräge russische Band wie Otava Yo beeindruckend.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
NF: Beides.

KK: Was lesen Sie momentan?
NF: „Die Wiese“ – ein Buch vom großartigen Naturfilmer Jan Haft.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
NF: Das Vertrauen auf Alexa, dass Menschen auf eigenes Denken verzichten! Dass sie sich in sog. sozialen Netzwerken exponieren, zum Affen machen und sich dann auch noch beklagen!

KK: Was freut Sie ungemein?
NF: Jeden Morgen unsere Katzen und die Tatsache, dass es auch Alexa freie Haushalte gibt!

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
NF: Klar! Als Jugendliche ständig, damit ich abends was zu Anziehen hatte. Wenn´s pressiert hat, hab ich auch mal den Saum nur umgeklebt. Und Möbel bemal und bekleb ich ständig sehr passioniert - aber stümperhaft!
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
NF: John Malkovich in der Paul Bowles Verfilmung „Himmel über der Wüste“, wobei ich seine politische Einstellung grenzwertig finde. Insofern kann ich Susan Sarandon nur für ihr Courage und Alterslosigkeit bewundern.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
NF: Kalorienfreie Schokolade, die wahnsinnig gut schmeckt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
NF: Schreiben ist natürlich ein Stück weit einsam, andererseits hat man jede Menge Menschen im Verlag, mit denen man kooperiert: Lektorat, Presse, Marketing, Vertrieb, wo eine gute Kommunikation wichtig. Ich habe für sehr vieles Verständnis, nur nicht dafür, wenn jemand seine Job nicht kann und/oder nicht mit Herzblut betreibt.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
NF: Einfälle entstehen aus Beobachten und Gesprächen, so pauschal kann ich das nicht sagen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
NF: Jede Menge, die ich zur beruflichen Recherche brauche. Ich „folge“ aber niemanden privat!

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
NF:
Wäre ich nie, wenn dann wäre ich für eine Woche Landwirtschaftsministerin und da reicht diese Seite nicht, um all das zu sagen, was ich täte! 

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
NF: „Nett ist NICHT die kleine Schwester von Scheiße.“

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
NF: Der alte Omaspruch „Hautsach´ gesund!“ wird bedeutender, wenn man mal lange Zeit eben nicht gesund ist. Insofern wünsch ich mir Gesundheit und dass das Hirn noch lange mitmacht und dass wenige, wirklich wichtige Menschen auch noch eine Weile durchhalten.
Autor: Siehe Artikel
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Dienstag 05.03.2019
Stefanie Boltz - Freundschaft mit dem Unschlüssigen
Stefanie Boltz singt nicht nur Jazz. Eine ihrer Besonderheiten ist die unglaubliche Vielfalt und Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. Sie gäbe auch locker die stimmgewaltige Frontfrau einer Rockband, oder die laszive Blues-Ikone. Die Münchnerin hat früher in A-capella Formationen gesungen, ist heute die eine Hälfte des Duos Le Bang Bang, dem nachgesagt wird, dass es die Klassiker des Pop auf das Substanzielle reduziere. Stefanie Boltz leitet zudem eine eigene Agentur (Fine Artist) organisiert Konzerte und Festivals und bringt in schöner Regelmäßigkeit Alben unter ihrem Namen auf den Markt. Zuletzt erschien THE DOOR, eine Sammlung von dreizehn Eigenkompositionen, die ebenso vielfältig sind, wie die Erfahrungen, die Stefanie Boltz in ihrem Leben gesammelt hat. Am 24. März ist die Sängerin mit ihrer Begleitband zu Gast im Landsberger Stadttheater. Beginn des Konzertes: 19.00 Uhr!


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stefanie Boltz: Eine Mixtur aus einem Elternhaus, das mich sehr gefördert hat, in dem die Musik und Natur die zentrale Rolle spielten; Und neben einem Cocktail aus Talenten, die gelebt werden wollen, natürlich das ‚höhere Drehbuch’, dem ich versuche mich zu beugen, auch wenn’s mir grade mal nicht passt.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
StB: Ich halte es für ein Privileg, dass Menschen für mein Konzert einen Ort aufsuchen, einen Babysitter bezahlen, sich gegen das heimische Sofa entscheiden und sich auf meine Musik einlassen. Wenn ich dann ein wenig für Innehalten sorgen kann, kurzen Perspektivwechsel ermögliche, das Publikum in ein Parallel-Universum entführe, ist es schon viel.
Generell ist es mir ein Anliegen, den für die Menschen so wichtigen Kultur-Apparate ein bisschen mitzugestalten: Für offene, kluge begeisternde Formate einsetzen, tolle Musik auf tolle Bühnen vor tolles Publikum bringen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
StB: Ich begegne in der vielgestaltigen Kulturlandschaft häufig einer gewissen Jammer-Mentalität, Passivität, eingefahrenen Strukturen, oder gar machistischem Gehabe.
Als Künstlerin ist natürlich die größte Widrigkeit die strenge Selbst-Zensur. Und: die unüberwindbare Grenze von 24h am Tag…

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
StB: Ich lasse mich von vielem begeistern und ich habe eine gewisse Gabe, mich über etwas zu freuen. Einen wirklich starken Eindruck hinterlässt bei mir jedoch ein intensiver Moment im Musizieren, die Natur und mein Sohn.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
StB: Ich arbeite intensiv auf verschiedenen Seiten unseres Konzert-Betriebs. Als Sängerin auf der Bühne, als Agentin, und auch als Kuratorin einer Reihe und eines Festivals. In allen Fällen ist ein sehr besonderer und belohnender Moment, wenn die Vorarbeit, die Proben, die Planung und Organisation sich zuspitzen zur echten Bühnensituation: Und der erste Ton endlich erklingt!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
StB: Ich habe einen sehr vielseitigen Geschmack: Klassik über neue Volksmusik, bis Elektronik, Pop oder natürlich Jazz. Ich entdecke gern, und stelle dabei immer wieder fest, wieviel ich noch nicht kenne.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
StB: Ich höre beides. Vinyl sind die ‚Genuss-Hör-Sessions’. Und dazu nehme ich mir nicht ganz so oft die Zeit, wie zu CDs, oder wie ich es wünschte.

KK: Was lesen Sie momentan?
StB: Ich stecke in einem Liebesroman, der sich zwischen einer Künstlerin und einem Schriftsteller in einem Alpen-nahen Luxushotel abspielt. Nicht ganz Kitsch-frei, aber entspannend und auch amüsant, da ich das Hotel kenne, in dem es geschrieben wurde und dem der Tatort nachempfunden ist.
Zusätzlich gibt es immer ein englischsprachiges Buch auf meinem Nachttisch. Derzeit ist es  „About a boy“.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
StB: Ich versuche, mich in der Regel gegen Ärger zu entscheiden. Eine dumme Angewohnheit, vor allem wenn es Themen (& Personen) betrifft, die man nicht ändern kann. Gelingt mir natürlich nicht immer.

KK: Was freut Sie ungemein?
StB: Gute Umgangsformen, Freundlichkeit, Offenheit, Unkonventionalität. Wertschätzung.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
StB: Da meine Mutter Schneidermeisterin ist, habe ich schon als Kind bestaunt, was Handwerk, und Kunstfertigkeit bedeuten. Leider habe ich das Nähen selber nur rudimentär gelernt, und so überlasse ich wichtige Änderungen noch heute ihr. Was wir beiderseits als schönes ‚Ritual’ empfinden.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
StB: Ich beschäftige mich tatsächlich viel mit dem Thema Arbeitsstrukturen und es ist ein ständiges tarieren. Ich bin beides. An der Spitze und im Einzelkampf bin ich gut besetzt, aber ohne Team, und vor allem ohne Netzwerk, das mich trägt und in das ich investiere, würde ich untergehen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
StB: Oft in unerwarteten Momenten. Hilfreich ist aber jeglicher Flow: Gehen, Radfahren, Autofahren. Da wurde schon häufig eine neue Idee ins Handy diktiert, gesungen oder geschrieben.
Und Ruhe. Aus der Stille entsteht (fast) immer Neues!

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
StB: Ich versuche, das Internet nur sehr ausgewählt zu benutzen, da ich eh schon so viel am Computer sitze. Klar, gibt es ein paar Recherche-Quellen, und hilfreiche Seiten. Eigentlich überfordert mich aber das grenzenlose Angebot: „Too many options!!“

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
StB: Natürlich den Haushalt für Musik, insbesondere Jazz um ein paar Nullen erhöhen. Das würde sehr viel Kampf, Zweifel und auch Existenz-Probleme mancher Kollegen lösen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
StB: Derzeit vermutlich wie der Titel meines aktuellen Albums: „The Door“.
Die Geschichten, die ich hier, und auch in Landsberg beim Konzert im Theater, erzählen werde, passen zu meinem aktuellen Lebensgefühl. Untertitel könnte sein: Freundschaft mit dem Unschlüssigen.
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Montag 18.02.2019
Nik Bärtsch – Foward To The Roots
Nik Bärtsch hat mittlerweile über 700 Konzerte gegeben – allein im Zürcher Club Exile, in der Hardstraße, schräg gegenüber der bekanntesten Jazzbühne der Schweiz, dem Moods. Der Pianist und Meister des Zen Funk ist Mitinhaber des Exile und seinen wöchentlichen Auftritt kann man auch als eine Art öffentliche Probe bezeichnen. Was dort oft erstmals musikalisch in den Äther und die Ohren des Publikums entlassen wird, kann später, so oder so ähnlich, auch in Montreux, New York, Vilnius, London, Abu Dhabi oder in Landsberg gehört werden.
Nik Bärtsch, der sich nach seinem Musikstudium intensiv mit fernöstlicher Philosophie beschäftigte, hat im Laufe der Jahre seine „Ritual Groove Music“ (so der Titel auch seiner ersten CD) entwickelt, die er in verschiedenen Bands und unterschiedlichen Intensitäten zum Ausdruck bringt. Zuletzt hat er mit dem Quartet RONIN das Album „Awase“ (ECM) veröffentlicht. Im Vinyl-Magazin MINT war zu lesen „Ein mitreißendes Groove-Jazz-Album in fantastischer Klangqualität“ und Peter Rüedie schrieb in der WELTWOCHE: „Zum rituellen Sog von Bärtschs Quartett ..... gehört ein besonderes Zeitverständnis. […] zur Community von Bärtschs Ritualen gehört das Publikum ebenso wie die Musiker. Die sind über die Jahre zu einer beispiellosen Dichte zusammengewachsen, die ihre kunstvoll polymetrische Kunst wie ein Naturereignis erleben lassen.“
Am 15. März spielt Nik Bärtsch mit seinem Quartet RONIN im Landsberger Stadttheater.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Nik Bärtsch: Dass meine Mutter meine Talente und Interessen ernst genommen hat und dass ich gerne lerne, auch aus Niederlagen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
NB: Ich möchte die Musik ehren und die Menschen, die sich ihr verbunden fühlen, beleben und begeistern.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
NB: Meine Arbeit ist ein einziges Plädoyer gegen Bequemlichkeit, Faulheit und Passivität, auch in mir selbst.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
NB: Positiv: die Lernfähigkeit meiner Töchter. Negativ: die rassistische Ausfälligkeit eines Zugchauffeurs gegen einen Fahrgast in Zürich. Grundsätzlich: der Tod meiner Mentorin, der Modeschöpferin Christa De Carouge.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
NB: Wenn alles resoniert: Musik, Band, Publikum und Saal.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
NB: Ich hören wie immer schon alles mögliche. Genres und Stile sind dabei weniger wichtig als die inhärente Dramaturgie und Strategie der jeweiligen Stücke. Ich höre oft auch bewusst nichts, also einfach den Raum, in dem ich bin.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
NB: Alle verschiedenen Medien.

KK: Was lesen Sie momentan?
NB: „Die Kunst des lässigen Anstands - 27 altmodische Tugenden für heute“ von Alexander Graf von Schönburg-Glauchau;
„Stunde Null - Die Neuerfindung der Schweiz 1848“ von Rolf Holenstein;
„Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

KK: Was ärgert Sie maßlos?
NB: Anspruchshaltung.

KK: Was freut Sie ungemein?
NB: Natürliche Höflichkeit mit einem Schuss Ironie

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
NB: Ja, meine Musik-Stücke lassen sich anziehen oder auch bewohnen, wenn man Lust dazu hat.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
NB: Willem Dafoe in jedem Film. Die Synchronisations-Stimme von Claudia Urbschat-Mingues in diversen Filmen. Bruno Ganz und Helge Schneider als Hitler.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
NB: Evolutionstechnisch bzw. wenn schon intelligent Design: Ein drittes Ohr am Hinterkopf.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
NB: Beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
NB: Situationsunabhängig.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
NB: Ich lese lieber Bücher und Zeitungen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
NB: In so einer wichtigen Position würde ich mich davor hüten, in einem Tag meine Macht zu missbrauchen. Grundsätzlich ändern würde ich sorgfältig und nachhaltig die Anerkennung und gesellschaftliche Unterstützung des Jazz als Weiterentwicklung und damit Rettung der Improvisation in der Musik. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschte jede/r vernünftige MusikerIn das Stehgreifspiel.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
NB: Music Dojo.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
NB: Forward to the roots.
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Sonntag 10.02.2019
Ralf Illenberger – Tänzer zwischen den Welten
Ralf Illenberger tourt seit über vier Jahrzehnten quer durch die Welt. Mal im Duo, mal im Trio, über einige Jahre auch mit Band – vorwiegend aber allein, nur mit seiner Gitarre im Gepäck. Er war Gast im legendären Deutschen Rockpalast 1979, er spielte in Chicago Blues, begleitete Sängerinnen wie die aus Hawai stammende Kiana und den Liedermacher Hannes Wader, er erhielt Nominierungen für den amerikanischen Grammy und den Deutschen Schallplattenpreis. Seit einigen Jahren spielt er mit dem Gitarristen Peter Autschbach, der einst ein glühender Verehrer von Illenbergers Saitenkunst war. Vor gut fünf Jahren gaben beide in Maisach ein außergewöhnliches Konzert. Die SZ feierte das Konzert und schrieb damals über den Auftritt: „So robust wie auch sensibel; virtuos, ohne dem Geschwindigkeitswahn zu verfallen; zeitgemäß, aber zugleich auch zeitlos ….. Alles was sie spielen befindet sich in einem ständig sich verändernden Fluss. Rhythmische Verschiebungen pulsieren in kreativen Wellenbewegungen, harmonische Wendungen kommen sinnlichen Wanderungen durch die Gezeiten von Souveränität und Poesie nahe. Eine permanente kreative Unruhe treibt die Musik voran, lässt ihr aber eine wohltuende Flüchtigkeit. Jedes ihrer Stücke ist eine Art Roadmusic, ein betörend schöner Klangfilm.
Am Freitag, 22. März ist Ralf Illenberger Gast der Reihe Beer & Guitar im Bräustüberl in Maisach in der Hauptstraße 24.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ralf Illenberger: Meine erste Gitarre, Talent und Leidenschaft, die fantastischen Musiker mit denen ich zusammen musiziere (M.Kolbe, W. Dauner, E.Weber, H.Wader ,B.Siebert etc. ). Bis jetzt habe ich Konzerte mit meiner eigenen Musik in 50 Ländern gegeben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
RI: Der Welt Gitarrenmusik zu schenken, die es so vorher nicht gab.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
RI: Als freier Künstler muss ich mich immer neu erfinden und neue Pfade entdecken - und mich selbst und das Publikum damit zu begeistern....

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
RI: Ich bin immer wieder erstaunt wie tief meine Musik die Menschen bei Konzerten berührt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
RI: Fertigstellung einer neuen CD und Konzerte geben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
RI: Ich höre sehr gerne gute Musik, eigentlich alles außer Marschmusik und Schlager, das ist nicht so meins.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
RI: CD. Plattenspieler habe ich schon lange keinen mehr.

KK: Was lesen Sie momentan?
RI: Yesterday‘s Sky von Steven Forrest, ein Buch über Astrologie und Reinkarnation.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
RI: Die Gier der Menschen nach materiellen Werten und die rein technische Ausrichtung unserer Gesellschaft.

KK: Was freut Sie ungemein?
RI: Dass ich seit über 40 Jahren die Möglichkeit habe meine eigene Musik vorzustellen und davon leben zu können.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
RI: Nein. Aber als ich 12 Jahre alt war habe ich zusammen mit einem Freund meine erste Gitarre selbst gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
RI: Von Robert Downey,Jr. als Charlie Chaplin.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
RI: Eine Maschine die freie Energie und Wohlbefinden erzeugt!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
RI: Sowohl als auch. Beides ist wichtig für mich.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
RI: Es gibt keine bestimmte Situation dafür, innere Ruhe und angenehme Umgebung sind unterstützend.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen sie?
RI: Alles über Astrologie, Quantenphysik und Psychologie.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
RI: Mehr Unterstützung für innovative Musik und Kunst.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
RI: Tänzer zwischen den Welten.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
RI: Als eine höher schwingende friedlichere Welt.
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Fotos: Sceneline (B. Jahnel), S.W.Pakzad (max.bab)
Samstag 02.02.2019
Benedikt Jahnel - Gibbssche Punktprozesse
Benedikt Jahnel ist Mathematiker und Jazzmusiker in Personalunion. Ob das zusammen passt? Im Fall des aus Geretsried stammenden Pianisten zumindest schon. Und er schafft es zudem, beides gleichzeitig unter einen Hut zu bringen. Er arbeitet heute am Weierstraß-Institut Berlin, nimmt unter eigenem Namen erfolgreich Alben für das Münchner ECM-Label auf, ist Teil des Quartetts Cyminology um die Sängerin Cymin Samawatie und tourt mit dem seit 20(!) Jahren bestehenden Quartett max.bab. Zwischenzeitlich lebte er in New York, studierte hier bei John Patitucci und Kenny Werner, spielte mit Phil Woods, John Abercrombie, Charlie Mariano und dem Metropole Orchestra. Am 24. Februar wird Benedikt Jahnel mit max.bab im Bosco in Gauting ein Heimspiel geben.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Benedikt Jahnel: Sehr viel Glück und dazu einiges an Fleiß.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
BJ: Mit unserer Musik bei Maxbab versuchen wir immer Melodien und Rhythmus zu spielen die ins Herz gehen und Menschen berühren und haben dabei den Anspruch, dies auf intelligente Weise zu tun. Wir sind überzeugt, dass unser Publikum ein feines Gespür hat für die Balance zwischen Einfachheit und Komplexität, für musikalische Details. Bei den Konzerten bleibt dieser Balanceakt immer unterschwellig und wird mit viel Spielfreude vermischt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
BJ: Wir als Musiker sind es gewöhnt an allen Orten mit den dortigen Gegebenheiten zu musizieren, das ist gelegentlich schon mal eine Herausforderung. Vor einigen Jahren kam unser Schlagzeuger mit dem letzten Flieger aus den USA bevor aufgrund des Vulkanausbruchs in Island alle Flüge gestrichen wurden, das war knapp.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
BJ: Reisen sind für mich immer ein Quell für beeindruckende Erlebnisse. In 2017 war ich für ein Konzert in Teheran und bin anschließend noch mit meiner Familie ein wenig gereist, das war ausserordentlich beeindruckend.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
BJ: Wenn die musikalische Unterhaltung in der Band ins fließen kommt und jeder nur noch intuitiv reagiert.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
BJ: Ich höre verschiedene Musik, von Pop über Jazz zu Klassik. Besonders interessant finde ich, wenn auf intelligente Weise Genregrenzen verwischt werden.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
BJ: CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
BJ: „The Rest ist Noise“ von Alex Ross

KK: Was ärgert Sie maßlos?
BJ: Nicht viel, manchmal der Verkehr in Berlin.

KK: Was freut Sie ungemein?
BJ: Meine Kinder.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
BJ: Zu Weihnachten haben meine Kinder eine Strickliesl bekommen. Im Endeffekt habe ich dann für die beiden damit ein Armband gestrickt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
BJ: Leonardo DiCaprio „The Revenant“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
BJ: Das Variationsprinzip für Gibbssche Punktprozesse

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
BJ: Teamplayer - ohne Zweifel.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
BJ: Wenn ich mal Zeit hab.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
BJ: Brand Eins.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
BJ: Puh - ein Tag ist leider viel zu wenig. Ich fürchte ich würde ihn damit zu bringen, besser zu verstehen, wie alles läuft und dann wäre keine Zeit mehr etwas zu ändern.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
BJ: Math vs. Music.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
BJ: Mittelrosig. Ich denke unsere Generation steht vor großen Herausforderungen, packen wir es an!
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Montag 14.01.2019
Simone Buchholz - Das wirkt ganz schön nach
Simone Buchholz war Kellnerin, Kolumnistin und Redakteurin. Heute ist sie bekannt als Autorin von Kriminalromanen, Kinderbüchern und Verfasserin von Sachbüchern, die das unerschöpfliche Geschlechterthema zum Inhalt haben. Sie wurde für ihren „schnodrig-philosophischen Erzählton“ von der Frankfurter Rundschau gelobt. Die Zeit bescheinigt ihren Krimis „Sozialkritik, Härte, Melancholie, Humor und natürlich Spannung“, sowie „Präzision, Lakonie und Leidenschaft“. Und Die FAZ schreibt über „Johnny und die Pommesbande“: „Zum Glück gibt es Bücher wie „Johnny und die Pommesbande“ von Simone Buchholz“.
Geboren ist die Autorin und Mutter eines Sohnes in Hanau und lebt heute, als überzeugte Hamburgerin in St. Pauli.
Im letzten Jahr ist ihr Roman „Mexicoring“ erschienen. Es ist der mittlerweile achte Fall der ermittelnden Staatsanwältin Chastity Riley aus Bremen. „Staatsanwältin Chastity Riley taucht tief ein in die Welt der Clan-Familien. Nach und nach erschließen sich ihr die weitverzweigten kriminellen Strukturen, die sich durch ganz Deutschland ziehen.“
Am 30. Januar stellt Simone Buchholz den Krimi „Mexicoring“ im Rahmen der Fürstenfelder Literaturreihe um 20 Uhr in der Stadtbibliothek in der Aumühle in Fürstenfeldbruck in der Bullachstr. 26 vor.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Simone Buchholz: Ich bin eine Frau, ich habe meiner Mutter (Künstlertochter) und meinem Vater (Arbeiterkind) zugehört, und ich habe mich nie dem gebeugt, was mir zugedacht wurde – ich wollte immer meinen eigenen Weg finden und gehen, und das hat bis heute nicht aufgehört.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
SB: Die Ecken in Menschen, in denen sich Menschlichkeit und politisches Bewusstsein verstecken.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
SB: Mit mir selbst. Und mit all dem, was berufstätigen Müttern eben so Knüppel zwischen die Beine wirft.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
SB: Der G20-Gipfel im letzten Jahr in Hamburg, und was so eine Aktion mit einer Stadt macht – und mit dem Verhältnis zwischen Bürgern und Politik. St. Pauli, der Stadtteil, in dem ich wohne und der am meisten Feuer und Gewalt abbekommen hat, fühlt sich seitdem verraten und verkauft für einen Haufen Scheiße (z.B. Rüstungsgeschäfte mit Ägypten und Saudi-Arabien). Das wirkt ganz schön nach.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
SB: Wenn ich beim Schreiben merke, dass eine Szene gelingt, dass das jetzt was wird, dieser Moment ist wirklich sehr schön. Außerdem liebe ich es, auf internationalen Literatur-Festivals zu sein und Zeit mit Kollegen aus aller Welt zu verbringen, das ist immer ein bisschen wie Klassentreffen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
SB: Johnny Cash, Amy Winehouse und die Tindersticks, und auch sonst am liebsten tiefe Stimmen und Gitarren.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
SB: Eher CDs, aber meistens höre ich Musik sowieso in Kneipen oder Bars, zu Hause bin ich (als Mutter eines 10jährigen Sohnes) froh, wenn es mal still ist.

KK: Was lesen Sie momentan?
SB: Ein Buch des britischen Autors Kevin Sampson über die Hillsborough-Katastrophe. Und „Ein kalter Ort zum Sterben“ von Ian Rankin.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
SB: Kleingeistigkeit, Hochnäsigkeit, Rassismus.

KK: Was freut Sie ungemein?
SB: Dass mein Sohn ein Freigeist zu sein scheint.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
SB: Selbstverständlich. Sie nicht?
KK: Doch, schon: Einen Tisch (der später im Keller "verschwand"), etliche Regale (die noch immer benutzt werden), vor Jahren eine Puppenbühne.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
SB: Alan Rickman war in der Lage, mit einem Blick einen ganzen Film zu tragen, das hab ich bei niemandem vorher oder nachher je so gesehen. Und Birgit Minichmayers Präsenz in „3 Tage in Quiberon“ fand ich außergewöhnlich.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
SB: Eine Fernbedienung für idiotische Männer. Man könnte damit sowohl autoritäre Machthaber ausschalten, als auch den Typen neben einem am Tresen, der permanent blöde Fragen stellt. So ein Gerät würde die Welt sehr viel besser machen, würde aber natürlich nur in die Hände von Frauen gehören.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
SB: Sowohl als auch, kommt auf die Situation an. Schreiben muss ich nunmal allein, aber für alles andere wie Titel, Cover, Presse, Veranstaltungen etc. finde ich es super, bei Suhrkamp ein tolles Team zu haben. Außerdem bilde ich seit über zehn Jahren ein Team mit meinem Agenten, der im Zweifel immer weiß, was zu tun ist.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
SB: Beim Joggen im Park oder beim Trinken am Tresen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
SB: Die Nachrichtenseiten von Süddeutscher Zeitung und Spiegel, manchmal noch den Guardian oder die New York Times. Blogs interessieren mich nicht besonders.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsministerin für Kultur wären?
SB: Ich würde mit einem klugen Gesetz dafür sorgen, dass auch Menschen, die nicht besonders reich sind, sich weiterhin Wohnungen in großen Städten leisten können – eine Stadt verliert ihre Seele, wenn sie ihre Künstler verliert, und Künstler haben üblicherweise nicht viel Geld. Es muss für sie möglich sein, in einer Stadt zu leben und zu arbeiten, es braucht Ateliers, Proberäume, Wohnungen, die erschwinglich sind. Man könnte zum Beispiel günstiger bauen und den Quadratmeterpreis für die Warmmiete einfach auf 10 Euro begrenzen. Damit wäre für Bauherren noch mehr als genug Gewinn drin – es gibt immer wieder Vermieter, die das offen zugeben – und die Städte würden bunt und vielfältig bleiben, weil alle unterschiedlichen Einkommensschichten miteinander in lebendigen Quartieren leben. Wien ist eine Stadt, die wunderbar vormacht, wie sowas gehen könnte.
Um das in Deutschland durchzukriegen, müsste man aber womöglich die komplette Regierung für 24 Stunden unter Drogen setzen, womit ich jedoch kein Problem hätte.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
SB: Was macht Miss Juni im Dezember?
(ein Lied von Bernd Begemann, nicht für mich geschrieben, aber quasi die Faust auf dem Auge)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
SB: Ich stelle mir die Zukunft nicht vor. Seit ich 40 bin, freue ich mich einfach über jeden Tag, den ich erleben darf. Aber irgendwas mit Ostsee fände ich wahrscheinlich ganz gut.
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