Blickpunkt:
Interview
Interview
Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
PAM PAM IDA – Jeden Tag aufs Neue

19

Mathias Kellner – Ja logo!

20

Martin Kälberer – Je nach Tagesform

21

Andrea Pancur – Die Zukunft passiert sekündlich

22

Sandro Roy – Guter Netzempfang für etwas abgelegene Orte

23

Marialy Pacheco - Wie eine Rose blühen zu sehen

24

Ältere Artikel finden Sie im Archiv:
Startseite, Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7,

Sonntag 03.09.2017
PAM PAM IDA – Jeden Tag aufs Neue
Bilder
Bilder
PAM PAM IDA aus Sandersdorf im Altmühltal ist eine jener Bands, die man nur allzugern mit dem Etikett Geheimtipp versieht. Sie selbst meinen, dass ihre Musik zwischen Georg Ringsgwandl und Paul McCartney angelegt sei. Man kann auch sagen zwischen mondänem Pop und moderner Wirtshausmusik. Ein weites Feld also. Ihre Konzerte sind oft weit im voraus ausverkauft. In Gilching könnte man noch Glück haben. Am 17. November spielen PAM PAM IDA im dortigen Rathaus. Sänger Andreas Eckert hat KultKomplott schon heute ein Interview gegeben:

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Andreas Eckert: Bezogen auf meinen musikalischen Werdegang hatte bestimmt den größten Einfluss mein Papa. Im Gegenteil zu seinem jüngeren Bruder, der Trompete studiert hat, hatte er nicht das Glück von seinen Eltern in musikalischer Sicht gefördert zu werden und bestimmt mangelte es auch an Fleiß. Nichts desto trotz konnte er mit seinem laienhaften Gitarrenspiel meinen Bruder und mich, gemeinsam mit unserem Papa traten wir zu dritt als "d'Eckertbuam" auf, für die Musik begeistern. Da er musikalisch nicht "akademisiert" wurde, hat er einen ganz ungezwungenen, natürlichen, fast naiven Zugang zur Musik. Das tat mir sehr gut. Wir lernten nach Gehör zu singen und spielen - nicht nach Noten. Und auch die Musik, die bei uns aus der Stereoanlage schallte, war alles andere als elitär, dafür sehr warm, tiefsinnig und authentisch, wie z.B. die Musik von Reinhard Mey, Biermösl Blosn, Ringsgwandl und vieler Irish-Folk-Künstler. Wären damals die Kastelruther Spatzen oder die Zillertaler Schürzenjäger rauf und runter gelaufen, stünde ich musikalisch bestimmt ganz woanders.   

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AE: Zum einen natürlich so viele Zuhörer wie nur möglich und damit meine ich genau Leute, die sich Zeit nehmen können und wollen, um zuzuhören. Erstaunlicherweise funktioniert das ganz gut. Immer wieder sind Leute im Publikum, die normalerweise nichts mit Klängen unserer Art anfangen können, jedoch uns nach einem Konzert anstrahlen und sich für unsere Musik bedanken. Das erfüllt einen mit unglaublich viel Freude.
Zum anderen ist der Weg als Musiker mit selbst geschriebenen Liedern, abgesehen von der Liebe zur Musik, auch ein Stück Freiheit, das man sich erkämpft. Ich will später einmal nicht sagen müssen: warum hab ich mich nur nicht getraut? Auch will ich nicht jeden Tag in die Arbeit laufen "müssen". Zu tun hat man aber als Musiker genügend. 

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AE: Der Vorfreude, dem Spaß am gemeinsamen Musizieren stehen Unsicherheit, Angst und Selbstzweifel gegenüber.
Jeden Tag aufs Neue, speziell bei Auftritten, kämpft man gegen diese Dinge an, um doch Stück für Stück stärker und gelassener zu werden.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AE: Das Miteinander nach Auftritten mit anderen Bands und Musikgruppen. Viele der Gruppen, die einem auf Festivals begegnen, kennt man ja hauptsächlich durch ihre Musik, ihre Lieder, vom Hörensagen, vom Radio oder Fernsehen. In geselliger Runde nach getaner Arbeit merkt man doch, dass wir alle aus dem selben Holz sind, und dass uns die geteilte Leidenschaft zur Musik stark verbindet und vertraut macht. Das hinterließ einen starken, bleibenden Eindruck.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AE: Wenn sich Leute einfach nur bedanken für unsere Musik, weil sie ihnen in schweren Zeiten geholfen hat, sie sie glücklich, oder nur weil sie ihnen gut gefällt, und uns das unbedingt sagen wollen - nicht mehr, nicht weniger.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AE: Ich bin fanatischer Musikhörer. Ich bin immer auf der Suche nach etwas Speziellem wie Alt-J oder noch viel unbekannterem, mag aber genauso leicht schlagereske Songs wie "Reif für die Insel" von Peter Cornelius. Wichtig ist mir bei den Sachen, die ich gerne höre, dass sie authentisch und frei von Eitelkeit, heißt vordergründiger Virtuosität, ist. Das kann für mich gute Popmusik am besten.

 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AE: Die meiste Zeit meines Lebens habe ich alles auf CD gehört, mit der Digitailsierung kam dann Spotify hinzu, bis ich mir vor einem Jahr etwa einen Plattenspieler gekauft habe und Platten schon viel eher, um mir selber Druck zu machen Mich nervt einfach, wie sehr Schnell- und Kurzlebigkeit, sowie Hektik die Musikwelt verändern und auf welche Weise. Alles muss auf den ersten Höreindruck gefallen, oder zumindest so durchhörbar sein, dass es gut im Hintergrund plätschern kann, so wie alles, was sich in den Charts tümmelt.
Hört man Platte, entschleunigt das - auch wenn man zu Beginn eher Stress empfindet, weil man auch nicht so gefällige Töne anhören "muss" - sensibilisiert den Zuhörer mehr, um damit die Intention des Künstlers bzw. seiner Musik besser zu verstehen.
Im Auto tut 's aber immer noch die gute, mittlerweile alte CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
AE: "Demian" von Hermann Hesse

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AE: Leute, die meinen Alles besser zu wissen und die nicht zuhören können - so wie es in der Politikwelt aussieht beispielsweise.

KK: Was freut Sie ungemein?
AE: Gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Die Umsetzung neuer Ideen und Visionen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
AE: Ja, Kostüme für Fasching (Kiss, Damischer Ritter...). Aber ich habe weder genäht, noch gestrickt. Das hab ich schon während meiner Grundschulzeit meiner Oma für Handarbeit/Werken machen lassen. Die einzigen "Möbelstücke", wenn man das so nennen kann, sind selbst konstruierte Regale im Bandraum. Wenn dann bin ich mehr so der Restaurator.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AE: Von Josef Hader, sowie Josef Bierbichler in "Der Knochenmann"; von Brad Pitt und Edward Norton "Fight Club"; von Javier Bardem in "No Coutry for Old Men" und von Bjarne Mädl in der Serie "Der Tatortreiniger".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AE: Es gibt schon so viel unnützes Zeug, da brauch ich nicht auch noch was erfinden; eher würd ich ich Erfindungen vergessen bzw. rückgängig machen, wie die Erfindung der Zeit.
Wobei eines würd ich doch gern erfinden: Ein Bier (nicht alkoholfrei), dass keinen Schädl am nächsten Tag macht, aber doch nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde. Das bleibt aber höchstwahrscheinlich Utopie...

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AE: Mal so, mal so.
Das Problem ist, dass ich schlecht streiten kann; wiederum bin ich sehr gern unter Menschen. Bezogen auf meine Musik bin ich am Anfang des Entstehungsprozesses Einzelkämpfer und werde später zum Teamplayer - hoffe ich zumindest.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AE: In bedrückenden und schweren Momenten - oder beim Joggen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AE: Keine.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AE: Poah, keine Ahnung. Was macht die/der überhaupt?
Wenn das in den Aufgabenbereich fällt, würde ich mich für viel mehr Musik und Kunstunterricht an den Schulen einsetzen und für praktischen Musikunterricht an echten Instrumenten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AE: Über mich würde ich bestimmt keine Biographie schreiben, wenn 's Leute gibt, denen mein Leben interessiert, soll 's gefälligst jemand anderer schreiben. Aber als Name fände ich "Was ich noch singen wollte" ganz gut ;)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AE: Am besten gar nicht, dann bin ich nicht enttäuscht, wenn 's anders kommt. Ich lass es einfach auf mich zukommen und mich bestenfalls positiv überraschen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 04.08.2017
Mathias Kellner – Ja logo!
Bilder
Bilder
Mathias Kellner erzählt in seinen Songs ambitionierte Alltagsgeschichten – in bayrischer Mundart. Und die nuschelt er so gekonnt unverständlich herunter, dass sich bei manch einem der Vergleich mit Bob Dylan geradezu aufdrängt. Sein Humor ist beinahe legendär, was bei einem Niederbayern nicht selbstverständlich ist. Musikalisch ist das alles angelegt zwischen Blues und Kabarett, wobei die endgültige Zielgruppe des gelernten Schreiners noch nicht so ganz geklärt ist. Wer die Wünsche und Träume des Kellner-Kosmos kennenlernen möchte: Am 5. Oktober stellt Mathias Kelner im Veranstaltungsforum Fürstenfeld sein viertes Album „Kettnkarussell“ vor.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Matthias Kellner: Viel mehr als ich jemals aufzählen könnte. Die Wichtigsten sind wohl Glück und viel viel Arbeit.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MK: Zu allererst möchte ich mein künstlerisches Jucken befriedigen. Die kleine Stimme im Kopf die sagt: "Man könnte doch…" oder „Ich würde gern mal…“
Wenn es dann anderen Leuten auch gefällt und etwas gibt ist das natürlich großartig!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MK: Mit dem Problem, dass es manchmal ziemlich schwierig, ist diese fixe Idee im Kopf zu einem funktionierenden Song werden zu lassen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MK: Von der unglaublichen Lego-Ritterburg, die mein Sohn und ich letztens gebaut haben. Die war gigantisch!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MK: Auf der Bühne zu spielen/singen und vollkommen im Moment zu sein.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MK: Leichter zu sagen welche Musik ich nicht anhöre: Techno.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MK: CD und Mp3.

KK: Was lesen Sie momentan?
MK: „The Art of Asking“ von Amanda Palmer

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MK: Rechtsradikales Gedankengut und Rassismus. Wir haben 2017 und es regt mich zutiefst auf, dass sowas immer noch existiert.

KK: Was freut Sie ungemein?
MK: Meine Familie und meine Musik.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MK: Als ehemaliger Schreiner kann und muss die Antwort lauten: Ja logo!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MK: Bryan Cranston in der Serie „Breaking Bad“ ist einfach nur genial.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MK: Das viertägige Wochenende. Wundert mich eh warum es das noch nicht gibt :-)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MK: Das Geheimnis ist wohl in beiden Kategorien zu punkten. Ich tendiere allerdings eher zum Einzelkämpfer. Aber nur leicht.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MK: Wenn ich grade was komplett unkreatives mache. Abspülen, Autofahren, Rasen mähen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MK: Bin kein besonderer Blogleser, aber ein zwei Tageszeitungen in digitaler Form lese ich schon.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MK: Meinen Facebook Arbeitslebenslauf :-)

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MK: Mathias Kellner - „Das Bisschen das ich noch nicht vergessen hab"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MK: Idealerweise genauso wie es bis jetzt auch immer war - manchmal mehr manchmal weniger kontrolliertes Chaos!
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 11.07.2017
Martin Kälberer – Je nach Tagesform
Bilder
Martin Kälberer ist auf der ständigen Suche. Eine Art Klangforscher, sowohl was die Akustik eines Raumes, als auch was den Sound eines Instruments, oder einfacher Alltagsgegenstände betrifft. Mittlerweile nutzt er für sein Spiel über 200 Tasten-, Saiten und Schlaginstrumente aus aller Welt. Von Haus aus aber fühlt sich der in Ulm geborene, nach eigener Aussage, zuallererst aber als Pianist. „Schuld“ daran sind Chick Corea und Herbie Hancock, die beiden großen amerikanischen Tastenvirtuosen. Die Fernsehübertragung eines Duo-Konzerts haben ihm völlig neue Möglichkeiten des Musizierens eröffnet. Er entdeckte die Freiheit der Improvisation, an der er bis heute festhält.
„Meine Musik ist immer eine Art Zustandsbeschreibung und letztlich immer der Versuch, ein (Klang-) Bild der Welt zu zeichnen, so wie ich sie momentan wahrnehme“, beschreibt er seine eigene Musik. Jedes Konzert von ihm ist ein spannender Prozess, bei dem nie ganz klar ist, wohin die musikalische Reise geht. „Meist ausgehend vom Klavier entwickelt Kälberer melancholische Songs, bei denen mal ein Akkordeon, mal treibende Perkussion und hypnotischer Gesang die Akzente setzen“, schreibt die Zeitschrift Jazzthing über eines seiner Alben. Und in der Süddeutschen Zeitung lässt sich anlässlich eines Konzertes in Bad Heilbrunn nachlesen: „Kälberers Musik setzt sich nicht aus Noten zusammen. Es sind Farben, Stimmungen, Gedanken, die sich über die Musik einen Weg nach außen bahnen.“
Am 13. Oktober ist Martin Kälberer Gast der Reihe „Beer & Guitar“ im Bräustüberl in Maisach wo er sein neustes Album „Suono“ vorstellen wird.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Martin Kälberer: Zunächst bestimmt die Tatsache, dass ich als Kind für mich erlebt habe, dass ein Instrument ein Spielzeug sein kann, Musik generell spielerisch und intuitiv funktioniert und ich so das „Handwerkszeug“ quasi nebenher gelernt habe. Und dann vermutlich der Fakt, dass ich ziemlich eigensinnig bin und immer eine relativ unkonventionelle Linie verfolgt habe, in der absolut größenwahnsinnigen Gewissheit, das werde schon alles funktionieren und gut gehen. Würde sagen: Glück g’habt!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MK: Ich glaube, es gibt eine Menge Menschen, die Musik lieben, die sich einfach gerne von schönem Klang mitnehmen lassen, egal welches Genre da jetzt vorne drauf steht. Die sich auch mal in unbekannte musikalische Landschaften entführen lassen, wenn man sie dabei achtsam behandelt und heil wieder zurückbringt. Auch Menschen, die sich nicht generell dem Höher/Schneller/Weiter-Prinzip verpflichtet haben, die auch mal wieder runterkommen wollen zwischendurch und auch  leiseren Tönen oder gar der Stille nachlauschen möchten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MK: Dass es immer schwerer wird, in der super-vernetzten, von Lautschreiern und Windmachern dominierten Öffentlichkeit noch wahrgenommen zu werden, ohne dass man sich genau die Mechanismen zu eigen macht, deren Sinnhaftigkeit man eigentlich in Frage stellt. Wie will man z.B. einem Radioredakteur klar machen, dass man nur zum Zwecke der Sender-Kompatibilität ein 7-Minuten-Stück nicht auf die Hälfte kürzen kann? … dann wird es eben nicht gespielt.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MK: Ein alter Freund und Weggefährte, lange Zeit eine Art Mentor, war der Meinung, dass in meinem Instrumentarium noch eine Out (Kurzhalslaute aus dem vorderen Orient) fehlt und hat daher beschlossen, mir eine zu schenken! Seitdem spiele ich fast auf nichts anderem mehr …

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MK: Zum Beispiel so ein Moment: Ein Klang, der mich schon lange fasziniert, kommt zu mir in Form eines Instruments, ich fange an mich damit zu beschäftigen, und plötzlich kann ich diesen Klang selber erzeugen. Großartig!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MK: Natürlich höre ich Musik. Phasenweise sehr viel, manchmal aber über lange Strecken gar nicht, das Gehör braucht auch ab und zu Stille! Ich höre ganz verschiedene Sachen. Zur Zeit regelmässig klassische Klaviermusik, gespielt von Khatia Buniatishvili, aber auch immer wieder Musik von Andy Shauf (Folk-Pop aus Kanada), Asgeir (Pop aus Island), dem Hadouk Trio (Weltmusik aus Frankreich) oder Tigran Hamasyan (Jazz aus Armenien).

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MK: Beides. In letzter Zeit aber wieder vermehrt Vinyl, ich habe mir sogar wieder einen neuen Plattenspieler gekauft. Es hat schon mit dem Klang, sicher aber auch mir dem Ritual zu tun. Sich zum Musikhören einfach Zeit nehmen.

KK: Was lesen Sie momentan?
MK: „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Ein zunächst fast unscheinbarer, dann aber sehr sehr berührender Roman über Freundschaft, die Wege, die das Leben so nimmt, die Päckchen, die jeder so zu tragen hat, großes Leid und großes Glück. Eine Entdeckung!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MK: Wenn mir eine Sauce Hollandaise daneben geht.

KK: Was freut Sie ungemein?
MK: Dass meine Teichrose endlich blüht.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MK: Ich habe früher, als ich eine Weile in einem alten Lager gewohnt habe, alle möglichen Sachen selber gebaut, Tisch, Bett, Wandschirme, Schreibtisch – kann mich aber mittlerweile sehr daran freuen, wenn jemand so etwas WIRKLICH kann (und mir das entsprechende Stück manchmal sogar leisten).

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MK: Ich habe beim Filmfest den neuen Film von Lola Randl gesehen („Fühlen sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“), die Hauptdarstellerin Lina Beckmann war einfach nur großartig. Ich habe selten jemanden erlebt, dessen Mimik derart intensiv ist, dass auch nur die Zuckung eines Mundwinkels einen Monolog erspart ….

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MK: Eine funktionierende, sofort einsetzbare Alternative zu PLASTIK!!!!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MK: Ich denk, ich kann beides, jedenfalls mag ich beides. Ich kann mich sehr gut auf Leute einstellen und einlassen, mache aber auch gern mein eigenes Ding.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MK: Das kann man gar nicht sagen. Mir sind schon in den unmöglichsten Situationen feine Dinge eingefallen. Oder doch? Im Schlaf! Allerdings habe ich diese Sachen alle wieder vergessen, insofern läßt sich’s nicht beweisen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MK: Zeitung.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MK: Ich denke, ich würde tatsächlich versuchen, das Ungleichgewicht in der Förderung zwischen sog. Hochkultur und dem was sonst so wächst und den täglichen Kulturbetrieb im Land am Leben erhält, ein wenig auszugleichen. Kultur ist die Seele der Gesellschaft und sie muss leben können, auch jenseits der etablierten Erscheinungsformen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MK: Dazu fällt mir, ehrlich gesagt, nichts ein. Ich bin ganz sicher, es gibt wichtigere Themen über die man schreiben kann!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MK: Das schwankt je nach Tagesform. Manchmal komme ich nicht umhin, nach Betrachtung aller Fakten, eher pessimistisch (vor allem was die Überlebensfähigkeit der Gattung Mensch betrifft) in die Zukunft zu sehen.
Im Moment blicke ich eher erwartungsvoll nach vorne, halte Welt und Gattung für robust genug, auch die aktuellen Vollidioten irgendwie zu überstehen und finde in dem ganzen Gewurstel für mich immer noch eine Nische, in der ich meine Klänge platzieren und auf die Reise schicken kann. Wenn das so bleibt und ich mir dabei treu bleiben kann, bin ich schon zufrieden.
 
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Montag 26.06.2017
Andrea Pancur – Die Zukunft passiert sekündlich
Andrea Pancur spielt Klezmer. Genauer: Alpenklezmer. So nennt sie auch ihr neustes Programm. „Da werden Gebirgsjodler zu Nigunim, fröhliche Tänze treffen auf melancholische Weisen, oder ein israelisches Lied, das einst als schmissiger Schlager kursierte, erfährt eine Wandlung ins Intime“, meint ein Veranstalter. Auf jeden Fall spannt die Münchner Sängerin, über die die Süddeutsche Zeitung schreibt, sie wäre eine „Garantin für tiefschürfende Programme”, mit ihrer Band einen weiten musikalischen Bogen. Alpenklezmer erhielten 2014 den deutschen WELTMUSIKPREIS und gastieren am 28. Juli im Olchinger KOM (Kulturwerkstatt Olching am Mühlbach) in der Hauptstraße 68.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Andrea Pancur: Bestimmung, Glück und Pech, kluge und dumme Entscheidungen, Lebenserfahrung und Naivität.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AP: In erster Linie meine Mitmusiker*innen.  Ich denke, nur, wenn wir gemeinsam beim Musizieren unsere Egos aufgeben und uns der Musik unterordnen, entsteht Kunst. Dieses gemeinsame „Schwingen“ überträgt sich aufs Publikum, für das wir natürlich auch spielen. Aber die einzelnen Menschen im  Publikum erleben nur dann einen guten Konzertabend, wenn wir Musiker uns auf der Bühne gegenseitig erreichen und eine Einheit bilden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AP: Stundenlange Autofahrten bei jedem Wetter, Steuerwahnsinn, Booking, das Hundebetreuungssystem für meinen Hund aktivieren, Gagenverhandlungen, dem eigenen Ehrgeiz standhalten, Geld für Projekte auftreiben.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AP: Das Können meines Automechanikers, mein Auto immer wieder auf Trab zu bringen.
Die Bereitschaft meiner Eltern, mein chaotisches Leben trotz ihres äußerst strukturierten Alltags zu akzeptieren. Das Schnarchpotential meines Hundes. Die Fähigkeit meiner verstorbenen Freundin und Kollegin, der Berliner Akkordeonistin Franka Lampe, mich über ihren Tod hinaus im Alltag und im Beruf zu inspirieren.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AP: Wenn alle Musiker beim Musizieren ihr Ego aufgeben und aus Handwerk Kunst entsteht. Das sind magische Momente, die nicht herbei geprobt werden können und denen eine sehr schöne Leichtigkeit innewohnt. In diesen Momenten werden die Künstler auf der Bühne zusammen mit dem Publikum eine Einheit – und alle bemerken diesen Moment, der genauso nie mehr wiederholbar ist. Das hat einen nicht zu unterschätzenden Suchtfaktor. Erzwingen geht nicht, so was ergibt sich. Es gibt Tricks wie man an diesen Punkt kommt und doch ist es bei jedem Konzert eine neue Herausforderung an das Vertrauen zum eigenen Können und an das Vertrauen der Kollegen untereinander.
Das gemeinsame Abhängen nach dem Konzert.
Ein schönes Konzertangebot mit fairen Gagen für die Kollegen erfolgreich verhandelt zu haben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AP: Ich höre alles, von Grunge und Punk bis zu Klassik aller Epochen, elektronische Musik, Schlager, Freie Impro und Liedermacher/Singer-Song-Writer jeglicher Sorte. Jede Musik hat Wahrheiten zu bieten, die zu entdecken es sich lohnt.
Eine besondere Vorliebe habe ich für historische, musikethnologische Feldaufnahmen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AP: CD und digital. Ich würde gerne mehr Vinyl hören, habe aber keinen Plattenspieler mehr und in einem Anfall von geistiger Umnachtung meine gesamte LP – Sammlung auf dem Flohmarkt verkauft.

KK: Was lesen Sie momentan?
AP: Maja Haderlap „Engel des Vergessens“.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AP: Fehlende Ästhetik bei Umgangsformen, also: Unhöflichkeit und damit einhergehend mangelnder Respekt für das Gegenüber.
Damit zusammenhängend, und vermutlich in die „Langweilig-bäh-ist-das-langweilig-Kerbe“ schlagend: Der männliche Schulterschluss. Mittlerweile bin ich in der glücklichen Lage, dass ich stellvertretend für meine Kollegen behaupte, sie sind emanzipierte  Männer, die durchaus als Nebensächlichkeit registrieren, dass ich weiblich bin. Das hat aber auf die gemeinsame Arbeit keinen Einfluss.

KK: Was freut Sie ungemein?
AP: Kleine, unvorhergesehene Aufmerksamkeiten.
Der tägliche Spaziergang mit meinem Hund.
Die Zusammenarbeit mit den Kollegen.
Sinnfreies, gemeinsames Vorsichhinblödeln.
Vor der Arbeitswelle schwimmen und nicht hinter ihr herhecheln.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
AP: Ja. Sowohl als auch.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AP: Sandra Hüller und Meryl Streep. In allen  ihren Filmen. Die beiden sind von einem anderen Stern.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AP: Eine Lesebrille, die schick – wie ein modisches Accessoire -  aussieht, wenn ich sie in die Haare hochschiebe wie eine Sonnenbrille, und die genauso schick aussieht, wenn ich sie auf der Nase habe.
Ein Dings, das alles, was man sucht (Socken, Brille, die richtige Kleidungskombination, Schlüssel, kreative Ideen, Hundeleckerlis, Rechnungen, Verträge, Emails) sofort an den ersten Ort bringt, an dem ich suche. Ich finde meine Sachen immer erst am letzten Ort.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AP: Mit meinem künstlerischen Fragen: Einzelkämpferin. Die Entscheidung, wann ich was warum so oder so mache, treffe ich alleine.
Im Bandkontext mit allem Drum und Dran: Teamplayerin.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AP: Beim Nichtstun in der tiefsten, vermeintlich ödesten, Langeweile. In Krisenzeiten. Tja.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AP: Regelmäßig: Facebook.
Hin und wieder: http://www.dancilla.com/wiki/index.php/Folkloret%C3%A4nze und http://www.klezmershack.com/

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AP: Als Staatsministerin für Kultur würde ich allen Künstler*innen 2000 ¤ monatlich zur freien Verfügung stellen. Die Kunst ist da, sie muss nur finanziert werden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AP: Wo ist der Autoschlüssel und warum macht mein Hund nicht, das, was er soll?

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AP: Ich habe keine individuelle Vorstellung von der Zukunft. Die Zukunft passiert sekündlich von alleine.
Global versuche ich, nicht nachzudenken. Es steht nicht gut um die Erde, die uns jeden Moment um die Ohren fliegen kann. Oder eben auch nicht. Geschichtliche Großereignisse lassen sich weder in die eine, noch in die andere Richtung vorhersagen. Ich maße mir nicht an, dass ich wirklich etwas zum Erhalt der Welt beitragen kann, denn ich denke, dass die Entscheidungen an ganz anderer Stelle getroffen werden als in Konzertsälen. Dennoch hoffe ich, dass die Botschaft meiner Musik, nämlich die zerbrechliche Schönheit des Lebens zu feiern, verstanden wird und im besten Fall tatsächlich etwas bewirkt. 

(Foto Credits: bauerwerner.com)
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Sonntag 11.06.2017
Sandro Roy – Guter Netzempfang für etwas abgelegene Orte
Sandro Roy hat mit seinem vor zwei Jahren veröffentlichten Album „Where I Come From“ für wahre Begeisterungsstürme gesorgt. „Großartiger Start eines Supertalents“ schrieb der Spiegel und hier auf KultKomplott war über den Geiger damals zu lesen: „Er ist unglaublich schnell und virtuos und verliert auch in den Hochgeschwindigkeitspassagen nie die emotionale Tiefe. Hier ist einer längst aus den „Flegeljahren“ heraus (wenn er denn je „drin“ war).“
1994 als jüngstes Mitglied einer Sinti Familie in Augsburg geboren, wurde ihm die Musik schon in die Wiege gelegt. Sein Großonkel Joseph Roy war Tutti Geiger bei den Wiener Philarmonikern. Sandro begann mit sieben Jahren das Streichinstrument zu spielen. Heute spielt er gleichermaßen Klassik und Jazz, so beim Rheingau Musik Festival, bei Deutsches Mozartfest Augsburg (als Solist mit dem Augsburger Kammerorchester und dem Mozart A-Dur Violinkonzert), beim St. Ingbert International Jazzfestival an der Seite von Bireli Lagrene und Roby Lakatos, beim Elbinsel Gypsy Festival Hamburg und beim Festival „Django in June“ in Northampton. Mittlerweile arbeitet der mit Preisen überhäufte Sandro Roy an seinem zweiten Album, das im September erscheinen wird.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Sandro Roy: Familie, Fleiß und Liebe zur Musik.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
SR: Ich möchte erreichen, dass man noch nach meinem Ableben von mir als Musiker spricht, so bleibt man ewig am Leben.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
SR: Bürokratie und Organisation bestimmen meinen Alltag und machen es mir nicht immer leicht. Das eigentliche "Konzert spielen" ist das einfachste an meinem Beruf.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
SR: Meine Reise nach Paris für die Produktion meines zweiten, bald erscheinenden Albums mit dem Jermaine Landsberger Trio, Marcel Löffler und Stargast Roby Lakatos.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
SR: Die schönsten Momente meiner Arbeit sind die, wo das Publikum mit voller Aufmerksamkeit zuhört und die Band motiviert ist, dies gibt eine besondere Atmosphäre und man spielt noch viel besser als sonst.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
SR: Ich höre ständig Musik, meistens Jazz & Klassik, aber auch jazzverwandte Musik wie RnB oder Hip Hop. Meistgehörte Interpreten sind Chick Corea, Keith Jarrett, Anne-Sophie Mutter.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
SR: Ausschließlich CD oder Digital

KK: Was lesen Sie momentan?
SR: Momentan lese ich zahlreiche Bücher des legendären Violinpädagogen Carl Flesch, um meine Bachelor Arbeit zu vervollständigen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
SR: Wenn jemand schlechte Stimmung verbreitet, das kann ich nicht gebrauchen.

KK: Was freut Sie ungemein?
SR: Wenn jemand seine Arbeit gut macht und unkompliziert dabei ist.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
SR: Nein, bislang noch nicht.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt? 
SR: Adam Sandler und Steven Segal, weil sie mit ihrem Können und Natürlichkeit immer hochpräsent und interessant bleiben in ihren Rollen.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt? 
SR: Ich würde mir guten Netzempfang für etwas abgelegene Orte wünschen.
       
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
SR: Eine Mischung aus beidem.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
SR: Dann wenn ich mit etwas völlig anderem beschäftigt bin.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
SR: Facebook, das deckt so ziemlich alles ab was ich für den Tag wissen muss.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären? 
SR: Ich würde es verbieten, renommierte Orchester mit langer Tradition aufzulösen und würde den Etat für Subventionen für Kultur erhöhen, anstatt ihn zu senken.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
SR: Mein Sinn des Lebens.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
SR: Ewig jung bleiben und ein entspanntes, zufriedenes Leben mit Familie und weiterhin viel Musik natürlich
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Bilder
Montag 15.05.2017
Marialy Pacheco - Wie eine Rose blühen zu sehen
Marialy Pacheco ist eine der ganz großen Klavierspielerinnen unserer Zeit. Geboren und aufgewachsen in Kuba hat die klassische Musik streng ihren Alltag reglementiert. Dann bekam sie von ihrer Tante Keith Jarretts „Köln Concert“ geschenkt und sie entdeckte eine völlig neue musikalische Welt. „Ich wusste zwar nicht, was er da macht und wie er das macht, mir war nur klar: So will ich auch spielen“, sagte sie kürzlich in einem Interview. Und so tauchte sie begeistert in die Welt des Jazz ein. Chucho Valdez, der Übervater des Cuban Jazz, bezeichnete sie als eine der größten Hoffnungen unter den jungen Klaviertalenten. Jetzt, 34jährig, legt sie mit „Duets“ (Neuklang) ein neues Album vor, das zeigt, dass sie nicht nur klar, temperamentvoll und virtuos spielt, sondern dass sich Marialy Pacheco auch auf musikalische Partner einzulassen versteht. Omar Sosa, Hamilton de Holanda, Miguel Zenon, Rhani Krija und Max Mutzke haben die Ehre, mit ihr gemeinsam zu spielen. Mit Joo Kraus war sie vor gut eineinhalb Jahren zu Gast in Fürstenfeld. Damals schrieb die SZ: „Kaum am Instrument, war sie schon mittendrin in der Kompositionen, verzögerte das Tempo nach Belieben, verlustierte sich in den ungeraden rhythmischen Metren und improvisierte voll überschäumender Lebenslust.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Marialy Pacheco: Drei Dinge waren ausschlaggebend in meinem Leben: Meine Familie, die Tatsache, dass ich in Cuba geboren bin und dass ich Kuba im Alter von 21 Jahren verlassen habe. Diese drei Faktoren zusammen haben die Person und die Musikerin gemacht, die ich heute bin. Aber ich lerne und wachse immer noch. Es ist ein ewiger Prozess. Meine Art zu spielen wäre eine andere, wäre ich keine Kubanerin und hätte ich nicht die Unterstützung von meiner Familie in der Kindheit bekommen, aber die Art wie ich spiele hängt auch mit meiner über zehnjährigen Zeit in Europa zusammen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MP: Als Mensch und als Musiker möchte ich das Bestmögliche geben.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MP: Missgeschicke gehören zum Musikgeschäft und man muss zuversichtlich sein, an sich selber
glauben und lieben, was man tut, um damit jeden Tag aufs Neue umzugehen. Als Jazz Pianistin, in
einer Welt, in der 90 Prozent der Jazz Pianisten Männer sind, musst du stark sein und deine eigene musikalische Qualität für sich sprechen lassen. Es ist essentiell hart an dir zu arbeiten und alles zu geben für das, was du machst, so, dass deine Fähigkeiten nicht in Frage gestellt werden. Jeden Tag werde ich mit Klischees konfrontiert, besonders weil ich eine Lateinamerikanierin, eine Frau und eine Pianistin bin. Die Menschen meinen, ich müsste doch singen, tanzen, auf eine Art und Weise  aussehen, auf eine Art und Weise spielen, und es erschöpft mich, immer aufs Neue gegen dieses Denkmuster anzukämpfen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MP: Die Aufnahme meines Albums DUETS war eines der schönsten Erfahrungen dieses Jahres für mich. Ich hatte die Gelegenheit mit Künstlern aufzunehmen, die ich immer bewundert habe und deren Musik in einer besonderen Art und Weise spricht. Als wir die Aufnahmen beendet hatten und ich nach Hause kam, fühlte ich Wehmut. Ich wollte zurück zu diesem Moment und dort für ewig sein.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MP: Neue Musik zu machen ist das unglaublichste Gefühl im Universum. Der gesamte Prozess. Es ist wie eine Rose blühen zu sehen. Auf der Bühne zu stehen ist ebenfalls magisch. Nichts ist vergleichbar mit dem Gefühl, einen ausverkauften Konzertsaal zu betreten und das Klavier zu sehen, wie es in der Mitte der Bühne auf dich wartet. Unbeschreiblich.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MP: Das ist schwer zu sagen. Ich mag gute Musik, egal welche Art. Ich habe mir die gesamte Ausgabe von Beethovens Symphonien gekauft, gespielt vom Londoner Philharmonica und ich bin im Moment wie davon besessen. Ich habe mir auch ein altes Album von Mary J. Blige gekauft, welches ich sehr liebe, und kürzlich habe ich oft Brad Mehldau’s „Highway Rider“ gehört. Es ist eines meiner Lieblingsalben.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MP: Ich höre CD’s. Ich würde gern Vinyl hören, aber ich habe keinen Plattenspieler.

KK: Was lesen Sie momentan?
MP: “The God delusion” von Richard Dawkins

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MP: Diskriminierung, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Gewalt gegen Tiere, die Naturzerstörung und Machtmissbrauch.

KK: Was freut Sie ungemein?
MP: Überraschungen

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MP: Noch nicht.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MP: Leonardo DiCaprio „The Revenant" (Der Rückkehrer)

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MP: Bequeme High Heels.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MP: Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MP: Wenn ich reise.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MP: Ich lese nicht viel im Internet.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MP: Kostenlose Musikausbildung für alle.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MP: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Wenn die Zeit da ist, werde ich darüber nachdenken.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MP: Ich denke nicht über die Zukunft nach. Ich genieße die Gegenwart und bin dankbar für das, was ich habe und intensiv liebe und intensiv fühle. Jeden Tag.
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.