Wer ist in einer wolkenlosen Neumondnacht vom nächtlichen Sternenhimmel nicht fasziniert, fühlt sich vom millionenfachen Leuchten und Funkeln, als einem visuellen Ausdruck für die unermessliche Weite des Kosmos, nicht innerlich erregt? Vorausgesetzt natürlich die Lichter der Großstadt überstrahlen nicht die Zartheit des Firmaments (trotzdem man sich nicht wundern sollte, wie viele Sterne und eindrucksvolle Konstellationen auch in einer etwas abgedunkelten Seitenstraße noch zu erkennen sind). Schon in den Anfänger der Zivilisation haben die Menschen versucht, in dieses scheinbare (himmlische) Chaos Ordnung zu bringen, sich an Sternen und Sternbildern zu orientieren. Sie dienten den Reisenden als Wegweiser, wurden als Hilfsmittel für die Prognose von jahreszeitlichen Vorgängen genutzt und sind natürlich die ideale Projektionsfläche für Träume und Fantasien. Von den Altägyptern bis heute sind die Menschen von der majestätischen Schönheit dieses Spektakels regelrecht berauscht. Und so wundert es nicht, das Mythen, Sagen und Geschichten die (zugegeben manchmal ein wenig abstrakten) Figuren am Himmelsgewölbe begleiten.Seit Oktober 2013 bieten wir allen Besuchern des Portals www.kultkomplott.de einen allgemeinen und, wie wir hoffen, auch verständlichen Überblick über das nächtliche Treiben am Sternenhimmel.  Vielleicht, um nach einem Konzertbesuch diese strahlende Pracht bewusster wahrzunehmen, oder um einfach eine der in den folgenden Texten beschriebene Formation selbst zu suchen.
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7. 68. Sommerzeit - Ein künstlicher Begriff für ein zeitweiliges Zusatzgebilde
8. 67. Vom Verschmelzen Schwarzer Löcher
9. 66. Reise ins Ungewisse
10. 65. Unsere Sonne ein unscheinbares Sternchen
11. 64. Von Sonnenlicht und Mondschatten
12. 63. Die Jagd ist eröffnet
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Das Annalemma: Täglich zur selben Zeit über ein ganzes Jahr hinweg beobachtet, beschreibt unser Tagesgestirn am Himmel eine Acht. Die Gründe dafür sind die Neigung der Erdachse gegenüber der Erdbahnebene und die Exzentrizität der Erdumlaufbahn.
Mittwoch 01.05.2019
68. Sommerzeit - Ein künstlicher Begriff für ein zeitweiliges Zusatzgebilde
Im Monat Mai sind die Frühlingssternbilder in voller Pracht zu bewundern. Die hellen Sterne Arktur im Sternbild Bootes, Spica  in der Jungfrau und Regulus im Löwen bilden dabei ein geometrisches Gebilde, das auch als Frühlingsdreieck bezeichnet wird. Die Planeten hingegen machen sich rar. Merkur und Venus sind durch ihre Nähe zur Sonne nicht zu sehen und Mars nur kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen. Die Gasriesen Jupiter und Saturn sind erst in der zweiten Nachthälfte sichtbar.
Seit Menschengedenken versuchen die Astronomen die Zeit in den Griff zu bekommen. Hintergrund dafür war die Notwendigkeit, mit Hilfe eines Kalenders den Ablauf alljährlich wiederkehrender Ereignisse festlegen zu können. Dabei entstanden in den verschiedenen Kulturen der Welt auch äußerst unterschiedliche Kalender. Unsere heutige Zeiteinteilung geht auf ein päpstliches Edikt aus dem Jahre 1582 zurück und wird daher auch als Gregorianischer Kalender bezeichnet (siehe Kosmos 4-16).
Unlängst entschied nun das europäische Parlament die Abschaffung der alljährlich wiederkehrenden doppelten Zeitumstellung mit dem Jahr 2021. Völlig unpassend wurde durch den Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Junker den einzelnen Mitgliedsländern die Möglichkeit gegeben, sich zwischen Sommer- oder Winterzeit zu entscheiden. Dabei wird völlig vergessen, dass der Begriff Sommerzeit zwar attraktiv klingt, letztlich aber nur ein künstlicher Begriff für ein zeitweiliges Zusatzgebilde der Mitteleuropäischen Zeit ist. Diese MEZ stellt eigentlich die Grundlage der Zeitrechnung dar und ist sowohl astronomisch als auch geografisch begründet. Der astronomische Hintergrund ergibt sich dabei aus der Sonnenzeit. Diese definiert sich aus dem südlichen Meridiandurchgang der Sonne, der im Idealfall genau um 12 Uhr mittags sein sollte. Nimmt man dann einen bestimmten geografischen Breitengrad an, wie in Mitteleuropa den 15.Grad nördlicher Breite, kann man den täglichen Höchststand der Sonne zur Mittagszeit festhalten. Entsprechend der Erdachsenneigung ist die größtmögliche Höhe über dem Horizont natürlich extrem unterschiedlich: Die Sonnenkulmination variiert dabei zwischen 16 Grad Höhe im Winter und mehr als 60 Grad Höhe im Sommer. Dieses täglich wiederkehrende Ereignis kann einige Minuten vor oder nach 12 Uhr stattfinden.
Hobbyastronomen vieler Länder haben sich mittlerweile die Aufgabe gestellt, dieses sogenannte Analemma bildlich festzuhalten. Mit einer speziellen Kameratechnik und einer entsprechenden Ausdauer gelingt dies, wobei die von Zeit zu Zeit belichtete Fotografie einen Zeitumfang von mindestens 365 Tagen haben muss. Genau diese Beharrlichkeit hatten selbst schon frühe Hochkulturen, denn zur Berechnung und Korrektur ihrer Kalenderrechnung haben auch sie bestimmte, jährlich wiederkehrende Mittagspositionen unseres Zentralgestirns genutzt.
Die Geschichte dieser Zeitumstellung in den Sommermonaten ist hingegen in Deutschland auf das Jahr 1916 zurückzuführen. Seit dieser Zeit hat man immer wieder geglaubt, dass diese Verschiebung der abendlichen Dämmerung bzw. der späteren Dunkelheit einen Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Bestätigt hat sich dies allerdings nie und das zu erwartende Einsparungspotential blieb aus, sodass man bereits 1919 die Sommerzeit wieder abschaffte. Ein zweiter Versuch wurde erneut 1940 in der Kriegszeit versucht, um 1949 beendet zu werden. Dann unternahm man1980 den bis heute währenden dritten Versuch. Die Erfolge halten sich in Grenzen: Immer mehr Menschen klagen, dass sie aus ihrem chronobiologischen Rhythmus gerissen werden. Besonders Kindern merkt man dies in den Tagen nach der jeweiligen Zeitumstellung besonders stark an. Auch der technische Aufwand der ständigen Umstellung ist nicht zu unterschätzen, öffentlicher Verkehr und Luftfahrt sind davon am stärksten betroffen.
Nun ist also die Entscheidung der erneuten Abschaffung der Zeitumstellung gefallen, doch ist es grundfalsch den Menschen nun eine dauerhafte Sommerzeit zu offerieren:  Ein Resultat wäre zum Beispiel, dass man sich in der Zeit zwischen Mitte November und Ende Januar an Aufgangszeiten der Sonne gewöhnen müsste, die zum Teil nach 9 Uhr sind. Eine absurde Vorstellung. Zur Normalität zurückzukehren, heißt ganz einfach die  Rückkehr zur normalen Zeit, auch wenn diese für Herrn Juncker nicht zu existieren scheint.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Montag 01.04.2019
67. Vom Verschmelzen Schwarzer Löcher
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Nun ist der Löwe der Herrscher des Frühlings. Es ist zur Abendzeit das dominierende Sternbild hoch im Süden, denn die Wintersternbilder verabschieden sich durch die nun immer später einsetzende Dämmerung mehr und mehr vom Abendhimmel.
Am frühen Morgen hat man hingegen die beste Planetensicht: Die strahlend helle Venus wird von Saturn und Jupiter flankiert. Im Hintergrund stehen die Sternbilder Schütze und Skorpion.
Einzig der Mars ist noch abends sichtbar und befindet sich derzeit in illustrer Gesellschaft, denn zu Monatsbeginn durchläuft er das „Goldene Tor der Ekliptik“. Die Astronomen verstehen darunter die langsame, einige Wochen dauernde Bewegung des Planeten zwischen dem Hauptstern des Stiers (Aldebaran) und dem darüber befindlichen Sternhaufen des Siebengestirns. Die rund 200 Sterne der offenen Sternansammlung, die auch Plejaden genannten werden, sind übrigens ein wunderbares Objekt für die Beobachtung mit dem Fernglas.
In der modernen Astronomie scheint das Zeitmaß 5 Milliarden Jahre von ganz besonderer Bedeutung zu sein. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass sich vor 5 Mrd. Jahren unser Sonnensystem aus einer vorwiegend aus Wasserstoff bestehenden Wolke gebildet hat. Und in der fernen Zukunft von 5 Mrd. Jahren wird die Sonne ihr Leben beenden, wenn genau diese Wasserstoffvorräte verbraucht sind. Wir Erdenbürger sind dabei eigentlich nur zufällige Zaungäste auf dem dritten Planeten eines den Stern umgebenden Systems und wir profitieren wiederum von der zufälligen Möglichkeit der Existenz auf diesem wasserreichen Himmelskörper.
Als sich unsere Welt aus der protoplanetaren Scheibe vor besagten 5 Mrd. bildete, geschah in einem anderen, weit entfernten Teil des Universums etwas nahezu Unfassbares. Schon vor Jahren fand man heraus, dass sich zwei Schwarze Löcher nach und nach immer näher kommen würden, sodass ihre Verschmelzung nur eine Frage der Zeit war. Als es dann am 29.Juli 2017 soweit war, kam es zu der größten und energiereichsten Assimilation, die wir kennen: SL 1 mit der unglaublichen Masse von 50 Sonnen verschmolz mit SL 2, dass seinerseits immerhin noch 35 Sonnenmassen auf die Waage brachte. Das Resultat dieser Vereinigung war nun ein supermassereiches Schwarzes Loch mit rund 80 Sonnenmassen. Doch wo war der Rest geblieben, der immerhin die fünffache Masse unseres Heimatsternes in sich barg?
Die Lösung dieses Rätsel liegt in dem neuen Zauberwort der modernen Astronomie: Multi Messenger Astronomy (MMA). Was steckt dahinter ?
Viele beobachtende Sternwarten, die nicht nur im Bereich des sichtbaren Lichts arbeiten, werden dabei zusammengeschaltet. Fast alle Detektoren des elektromagnetischen Spektrums sind dabei vertreten, wenn es darum geht, ein solches Ereignis wie das Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher zu beobachten: Radioteleskope ebenso wie Infrarot-Teleskope oder auch im Weltraum stationierte Satelliten, die Gamma- oder Röntgenstrahlen erfassen. Das entscheidend Neue an dieser Verbundschaltung ist jedoch, dass seit nunmehr knapp 5 Jahren auch die sensiblen Erfassungsmechanismen für Gravitationswellen mit einbezogen werden. Hierdurch gelang es ja, die ein Jahrhundert zuvor von Albert Einstein postulierten Veränderungen in der Raumzeit erstmalig nachzuweisen (vergl. KOSMOS 11-17) und somit die allgemeine Relativitätstheorie endgültig zu beweisen.
Für die besagte Multi Messenger Astronomy ist die koordinierte Beobachtung dieses Massenkollapses von immenser  Bedeutung, denn das Rätsel, wohin sich die fünffache Masse der Sonne begeben hat, konnte gelöst werden und steht nun für einen aus astronomischer Sicht unfassbaren Rekord: In weniger als einer einzigen Sekunde wurden gemäß Einsteins bekannter Formel E=mc Quadrat 9.940.000.000.000.000.000.000.000.000.000 kg (9,94 x10 hoch 30 kg) Materie in pure Energie umgewandelt und bewegte sich danach in einem Zeitraum von 5 Mrd. Jahren als Raumzeitwelle auf uns zu. Es ist das energiereichste Ereignis, das jemals beobachtet wurde, wenn man vom Urknall selbst absieht. Und genau dieser Energieausstoß bisher ungekannten Ausmaßes wurde von allen beobachtenden Stationen erfasst und die damit einhergehende Bugwelle der Gravitationswellen konnte eindeutig nachgewiesen werden. Dem Anspruch, zu wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, ist man somit wieder ein weiteres, recht entscheidendes Stück näher gekommen. Für die Forscher selbst sind die Erkenntnisse über das Ereignis GW 170729, wie es nun offiziell heißt, ein unglaublicher Erfolg, der auf systematischer und oftmals jahrelanger, harter Forschungsarbeit beruht. Die von vielen belächelte Beharrlichkeit ist jedoch für die Erweiterung unseres Verständnisses vom Kosmos unabdingbar.    
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt

Abbildungen:

Gravitationswellen & Schwarze Löcher
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Freitag 01.03.2019
66. Reise ins Ungewisse
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Nun ist es an der Zeit, dass sich die Wintersternbilder langsam wieder verabschieden. Zwar zeigt sich der Himmelsjäger Orion noch immer gegen 20 Uhr hoch am südlichen Himmel, doch durch die immer früher einsetzende Dämmerung beschränkt sich seine Sichtbarkeit bis kurz vor Mitternacht. Mit ihm gehen dann die Sternbilder Großer und Kleiner Hund ebenfalls unter. Nur der obere Teil des Wintersechsecks mit den Sternbildern Stier, Fuhrmann und den Zwillingen bleibt noch bis weit nach Mitternacht am südwestlichen Nachthimmel. Den nordwestlichen Teil des Firmaments beherrscht nun schon mit dem Löwen das erste Frühlingssternbild.
Unsere Planeten machen sich derzeit rar. Während der Mars am Abendhimmel neben Aldebaran im Stier kaum dessen Glanz erreicht, sind Jupiter, Saturn und Venus nur am Morgenhimmel sichtbar. Gemeinsam mit dem abnehmenden Mond bilden sie zu Monatsanfang und auch am Monatsende interessante Konstellationen.
Vor gut drei Jahren berichteten wir an dieser Stelle über die Mission New Horizon (siehe Kosmos 7/2016). Die bereits im Januar 2006 gestartete Raumsonde der NASA hatte schon auf ihrer fast 10jährigen Reise zum Pluto einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Sie war als Raumschiff für die Planetenforschung gestartet, doch auf dem Weg dorthin wurde Pluto von der IAU (Internationale Astronomische Union) der Planetenstatus aberkannt. So wurde aus der Unternehmung eine Erforschung eines Zwergplaneten. Für das Team um den Projektleiter Alan Stern war dieser Imageverlust enorm. Schließlich war die Mission mit dem Ziel gestartet, einen Planeten zu erkunden, der immerhin von einem Amerikaner 1930 entdeckt wurde. Damals hatte Clyde Tombaugh den langen gesuchten Planet X endlich entdeckt. Trotz aller vorheriger Entäuschungen war der Vorbeiflug an Pluto und seinen fünf Monden dann doch ein großer Erfolg.
Eigentlich war die Passage des Plutosystems als Endpunkt der Reise gedacht. Aber die NASA-Ingenieure machten eine interessante Entdeckung. Der für Steuerung und Lagekorrektur benötigte Treibstoff Hydrazin war nur zum Teil verbraucht. Alle Bordgeräte funktionierten tadellos und auch die Stromversorgung durch den Radioisotopengenerator war für Jahre gesichert. So ergab sich die Chance, ein neues Missionsziel zu suchen.
Da die Raumsonde bereits tief in den sogenannten Kuiper-Gürtel (einem zweiten Asteroidengürtel mit Objekten, die sich jenseits der Neptunbahn aufhalten) eingetaucht war, wurde der Asteroid 486958 als neues Forschungsobjekt auserkoren. Hier ergab sich den Forschern die Möglichkeit, erstmals ein Objekt zu beobachten, das von der Entfernung zu Sonne mit 43,3 AE eine bisher nie gekannte Distanz hatte. Zum Vergleich dazu ist unsere Erde mit 1 AE  (1 Astronomische Einheit = 150 Millionen km) eher recht gering von unserem Zentralgestirn entfernt.
Am Neujahrstag 2019 war es dann soweit. Pünktlich um 3 Uhr passierte New Horizons den inzwischen Ultima Thule genannten Himmelskörper. Die Passage war zuvor genau programmiert worden, denn bei einer Geschwindigkeit von 68.000 Stundenkilometern sind nachträgliche Korrekturen unmöglich: Die Sonde arbeitet im Encounter Mode und ist somit autonom. Die Aktion kann man sich so vorstellen: Man sitzt in einem ICE und soll einen Bahnhof vorprogrammiert fotografieren. Es muss also alles extrem genau ablaufen, wobei die Raumsonde selbst 225mal schneller ist als der ICE.
Doch alles passte hervorragend und die NASA-Ingenieure bewiesen ihre Steuerkünste.
Als Lohn konnten sie bereits 6 Stunden später – so lange sind die Bilder trotz Lichtgeschwindigkeit zur Erde unterwegs - hochinteressante Aufnahmen des bisher weit entferntesten Mitgliedes unseres Sonnensystems veröffentlichen. Es galt auch den Namen leicht zu korrigieren, denn da man einen Zwillingskörper auf den ersten Fotos entdeckte, wurde das Objekt mit dem Katalognamen 2014 MU 69 nun Ultima und Thule umbenannt. Inzwischen sind auch weitere hochauflösende Bilder veröffentlicht wurden, die zeigen, dass das Erscheinungsbild noch bizarrer als zunächst gedacht ist.
Wie die Mission New Horizons nun weitergeht, ist noch ungewiss. Der nukleare Reaktor kann bis 2035 noch soviel Energie produzieren, dass New Horizons im Standby –Modus arbeitet und durchaus zu einem noch weiter entfernteren Objekt unseres Sonnensystems umgeleitet werden kann. Damit heißt es also auch weiterhin: Auf zu neuen Horizonten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Freitag 01.02.2019
65. Unsere Sonne ein unscheinbares Sternchen
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Die gleißend helle Venus bestimmt den Morgenhimmel. Ihre Reflexion des Sonnenlichtes überstrahlt die Sterne deutlich und selbst Jupiter, der rund eine Stunde nach dem „Morgenstern“ aufgeht, verblasst dagegen. Gemeinsam mit Antares aus dem Sternbild Skorpion bilden sie ein schön anzusehendes Dreieck.
Mars ist somit der einzig verbliebene Planet am Abendhimmel. Seine Position in Bezug auf Sonne und Erde ist nun schon so ungünstig, dass er sich nur durch seinen rötlichen Schimmer von den übrigen Sternen unterscheidet.
So beginnen nun die Wintersternbilder endgültig den abendlichen Himmel zu beherrschen. Schaut man sich die Liste der hellsten Sterne einmal genauer an, so fällt auf, dass derzeit nicht weniger als 12 der 32 glanzvollsten Sterne des Firmaments in einem recht überschaubaren Blickfeld zu erkennen sind. Mit etwas Wetterglück und freier Sicht sind sie allesamt innerhalb der Formation des Wintersechsecks zu beobachten. Das Wintersechseck fasst im Gegenteil zu anderen Formationen wie Sommerdreieck und Herbstviereck gleich sechs bekannte Sternbilder zu einer Ordnung zusammen, in dem man die strahlendsten Sterne der Sternbilder Fuhrmann, Stier, Orion, Großer Hund, Kleiner Hund und Zwillinge mit einer gedachten Linie verbindet.
Gegen 22 Uhr steht dabei hoch oben im Süden Kapella aus dem Sternbild Fuhrmann. Er ist der dritthellste Stern des Nachthimmels. Ihn flankieren der rötliche Aldebaran (vierzehnthellster) aus dem Stier und die Zwillingsobjekte Pollux und Castor (Rang 17 und 24). Unterhalb der unzertrennlichen Brüder überstrahlt sie mit Prokyon aus dem Kleinen Hund der achthellste Stern.
Unterhalb des Stieres wiederum zeigt sich dann mit dem Himmelsjäger Orion ein Sternbild der Superlative: Gleich fünf kräftige Lichtpunkte gehören zu den bereits erwähnten 32 hellsten Sternen. Allen voran „der Fuß des Kriegers“ Rigel (Rang 7), knapp vor der „verletzten Schulter des Kriegers“ Beteigeuze (Rang 10). Etwas weniger hell strahlen dann der zweite Schulterstern Bellatrix (Rang 27) und die beiden Gürtelsterne Alnitak und Alnilam (Rang 30 und 32). Alle werden allerdings von Sirius aus dem Sternbild des Großen Hundes noch übertroffen. Man erkennt die Nummer 1 der Sterne sehr deutlich an seinem gleißend weißen Licht. 
Man kann also konstatieren, dass nirgendwo am nächtlichen Himmel mehr helle Sterne zu sehen sind, als in diesem hexagonalen Großgefüge des winterlichen Himmels.
Um die scheinbare Helligkeit nachvollziehbar zu machen, wurde von babylonischen Astronomen schon vor über 4000 Jahren die Maßeinheit Magnituden oder auch Größenklassen eingeführt. Sie gibt an, wie hell Sterne, Planeten, der Mond oder die Sonne auf den Beobachter vergleichend erscheinen. Durch den englischen Astronomen Norman Robert Pogson wurde dann 1850 festgelegt, dass ein Stern der ersten Größenklasse genau einhundert Mal heller als ein Stern der 6. Größenklasse zu sein hat. Dieser wiederum sollte einhundert Mal heller sein als ein Stern der 11. Größenklasse. Man kann sich daher gut vorstellen, wie schwach die Sterne leuchten, die von den modernen Großteleskopen erfasst werden. Ihre Grenzgröße liegt inzwischen bei der 31. Größenklasse. Dies entspricht ein 1/100.000.000.000.000 der Helligkeit eines Sterns der 1. Größenklasse. Mit der Zeit verbesserte sich die Messgenauigkeit, sodass heute einige Objekte ihre Magnituden mit einem Minuszeichen versehen müssen, was in diesem Fall allerdings ein Hinweis auf die besonders große scheinbare Helligkeit ist. So erreichen der Sirius -1,5, die Venus -4,5, der Vollmond -11 und die Sonne sogar -27 Magnituden.
Doch diese Maßeinheit genügte den Astronomen letztendlich noch immer nicht. Sie führten die sogenannte absolute Helligkeit ein. Sie ist jedoch ein Wert, der nur theoretischer Natur ist, denn in diesem Fall werden alle Sterne – so auch die Sonne – gedanklich auf einen Abstand von 10 Parsek (32,6 Lichtjahre) versetzt. In dieser Skalierung liegen dann natürlich andere Sterne obenauf. Der Stern Deneb aus dem Sternbild Schwan wäre dann mit -7 Magnituden der hellste Stern am Himmel. Unsere Sonne hingegen wäre dann nur ein unscheinbares Sternchen der fünften Größenklasse.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 03.01.2019
64. Von Sonnenlicht und Mondschatten
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Das Herbstviereck und das Wintersechseck beherrschen nun den Anblick des abendlichen Himmels, denn der Mars entfernt sich immer weiter von der Erde, sodass der Grad der Reflexion des Sonnenlichtes ebenfalls geringer wird. Somit verblasst der rote Planet zusehends. Waren bereits Anfang Dezember die sonnennahe Venus und die abnehmende Mondsichel ein trautes Paar am Morgenhimmel, so werden im ersten Monat des neuen Jahres der Erdtrabant und der hellste Planet den Morgenhimmel gleich zwei Mal dominieren. Allerdings ist für diese Beobachtung schon am Morgen des Neujahrstages frühes Aufstehen gefragt. Gegen 6.30 Uhr wird die schmale Mondsichel oberhalb der Venus in relativ geringem Abstand zu sehen sein. Der abnehmende Mond bewegt sich dann aufgrund seiner wahren Bewegung von West nach Ost in 24 Stunden um etwa 13 Grad weiter, sodass er am darauffolgenden Morgen gut eine Stunde vor Sonnenaufgang dann „hinter“ der Venus zu betrachten sein wird.
Am letzten Tag des Monats Januar wird sich die schmale Mondsichel dann sogar zwischen die Planeten Venus und Jupiter schieben. Damit beginnt auch der Riese unter den Planeten seine ausprägte Morgensichtbarkeit. Allerdings wird der blasse Jupiter gegen die strahlend helle Venus weniger eindrucksvoll in Erscheinung treten, denn der „Morgenstern“ hat seine größte Elongation (Abstandswinkel) mit 47 Grad in Bezug zur Sonne erreicht. Das wiederum bedeutet auch, dass er dann mit -4,7 mag (Magnituden) seine größtmögliche Helligkeit erreicht.
Darüber hinaus ist er dann ein vortreffliches Objekt für die optische Beobachtung. Selbst mit einem Feldstecher ist seine „halbmondförmige“ Ausprägung zu erkennen. Dies ist dem oben erwähnten Abstandswinkel geschuldet, denn ähnlich wie bei unserem Erdmond prägt sich eine beleuchtete und eine unbeleuchtete Seite aus: Die eine Hälfte liegt im Sonnenlicht, während die andere im Schatten liegt.
Vielen Menschen ist die als Jahrhundertfinsternis bezeichnete Verdunkelung des Vollmondes vom 27.Juli des vergangenen Jahres sicherlich noch in guter Erinnerung. Kein anderes Himmelsspektakel hat in den vergangenen Jahrzehnten so viele staunende Beobachter auf die Wiesen und Felder außerhalb der Städte gelockt, nie war der begeisterte Nachhall auf ein solches Ereignis so groß. Was bei all der Euphorie vergessen wurde, ist der Fakt, dass nun im Januar erneut eine vollständige Verdunklung des Erdbegleiters erfolgen wird. Am Morgen des 21. Januars ist es dann soweit.
Man sollte dabei allerdings nicht verleugnen, dass diesmal die Betrachtung der Mond-Eklipse wesentlich unbequemer ist: Neben dem frühen Aufstehen und den damit verbundenen geringen Temperaturen wird auch das Betrachten selbst nicht einfach. Selbst im Moment der maximalen Verdunklung um 6.12 Uhr steht der Mond gerade einmal rund 20 Grad über dem Horizont, was von dem tapferen Beobachter einen freien Blick auf den selben verlangt. Auch diesmal ist die Stadt in ihrer himmelwärts strebenden Bebauung ein denkbar schlechter Beobachtungsstandort.
Mit Sicherheit wird in allen Veröffentlichungen zu der bevorstehenden Finsternis wieder der Begriff Blutmond verwendet werden. Diese Neuwortschöpfung hat absolut keinen astronomischen Hintergrund, denn vor wenigen Jahren ist dieses Unwort in Kreisen amerikanischer Esoteriker aufgekommen. Wie schon in den vergangenen Jahren werden diese wiederholt den Weltuntergang herbeireden. Doch wie schon in der Vergangenheit wird er – welch eine Überraschung - nicht eintreten.
Wer also am Morgen des 21. Januars tatsächlich die Zeit und Muße findet, sollte sich eher an den matten Rot- und Orange-Tönen des verfinsterten Mond erfreuen. Dann allerdings heißt es wirklich Abschied zu nehmen von den totalen Mondfinsternissen. Vor dem Silvestertag 2028 gibt es keine erwähnenswerte Möglichkeit dieses seltenen astronomischen Ereignisses.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Samstag 01.12.2018
63. Die Jagd ist eröffnet
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Satellit Kepler und Weltraumteleskop TESS
Nun kann man im Weihnachtsmonat den Übergang zwischen den Herbst - und Wintersternbildern selbst nachvollziehen. Mehr und mehr gewinnen die leuchtend hellen Sterne des Wintersechsecks an abendlicher Höhe und sind in südlicher Richtung ausgiebig zu betrachten. Allen voran unser Himmelsjäger Orion, flankiert von den beiden Hundssternen Sirius und Prokyon. Der rötliche Planet Mars verliert mehr und mehr an Glanz, denn sein Abstand zur Erde vergrößert sich zunehmend.
Dafür wird die Morgensichtbarkeit der hellen Venus immer ausgeprägter, da sie zu Weihnachten nun schon fast drei Stunden vor der Sonne aufgeht: Unser Weihnachtsstern leuchtet in diesem Jahr in der Frühe des Tages.
Einen Planeten in der Nähe eines fernen Sterns auszumachen ist aufgrund der schwachen Reflexion des Sternenlichtes mit der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen zu vergleichen. Als vor 26 Jahren die sensationelle Meldung die Runde machte, dass erstmalig  Planeten bei einem anderen Stern nachgewiesen werden konnten, glich dies einer absoluten Sensation. Sicherlich war den Astronomen dabei klar gewesen, dass bei der schier unfassbaren Anzahl von nahezu 200 Milliarden Sternen in unserer Milchstraße auch eine unvorstellbar hohe Anzahl von Planeten fremde Sonnen umlaufen müssen, doch der beobachtete Beweis dafür stand noch aus. Dieser gelang dem polnischen Astronomen Alexander Wolszczan eher zufällig, denn sein Forschungsobjekt war ein Pulsar. Lange wurde der Inhalt dieser Veröffentlichung angezweifelt. Heute ist aber dieser eher zufällige Nachweis der ersten Exoplaneten anerkannt und das Gewicht der beiden Planeten mit rund vier Erdmassen vermessen.
Doch mit diesem ersten Objekt wurde auch gleichzeitig die Frage nach möglichem Leben auf diesen fernen Planeten gestellt. Dafür bedarf es allerdings gleich mehrerer Bedingungen: Zum einen sollte der Sternbegleiter mit einem perfekten Abstand um sein Zentralgestirn kreisen, der die Definition der habitablen Zone entspricht. Diese ist von dem mittleren Abstand der Erde von der Sonne ( rund 150 Millionen Kilometer oder 1 Astronomische Einheit) abgeleitet und sollte eine Toleranzschwankung von 10 Prozent nicht überschreiten. Zum anderen müssen atmosphärische Gegebenheiten mit geringen Temperarturschwankungen vorhanden sein. Letztlich sollte auch Wasser in flüssigem Zustand den Planeten großflächig bedecken.
Damit war die Jagd nach der Exoerde eröffnet. Bereits 1995 waren es Michel Mayor
und sein Mitarbeiter Didier Queloz, die bei dem Stern 51 Pegasi einen ersten Kandidaten ausmachten. Doch die Umlaufperiode von der 4,2 Tagen machte schnell klar, dass 51 Pegasi b kein lebensfreundlicher Exoplanet sein konnte. Auch in den Folgejahren wurden mehr und mehr dieser fernen Welten in unserer Heimatgalaxis aufgespürt. Aber eine zweite Erde war nicht darunter.
Mit dem Start des Satelliten Kepler im März 2009 stieg die Erwartungshaltung allerdings stark an, hatte doch dieser auf der Suche nach Exoplaneten spezialisierte Raumflugkörper einen entscheidenden Vorteil. Ungestört von der Erdatmosphäre konnte er seinen Blick auf eine Himmelsregion im Sternbild Schwan richten, um nach fremden Erden Ausschau zu halten. Und die Forscher wurden nicht enttäuscht. 2330 Exoplaneten konnte die Raumsonde nachweisen, bevor sie am 30.Oktober knapp 6 Monate vor ihrem zehnjährigen Jubiläum wegen fehlender Treibstoffreserven außer Dienst gestellt werden musste. Die wissenschaftliche Ausbeute ist also immens, doch die Antwort auf die Frage, wo nun die erste ferne Erde auszumachen wäre, ist ernüchternd: Gerade einmal drei Kandidaten können ernsthaft in die Auswahl einbezogen werden, wobei die Aussichten auf flüssiges Wasser auch hier recht gering sind. Mit dem Exoplaneten Kepler 186-f glaubte man schon, eine ferne Erde entdeckt zu haben (siehe Kosmos 06-15), doch auch hier musste man die hoffnungsvolle Botschaft revidieren.
Durch das kürzlich auf den Weg gebrachte Projekt TESS könnte sich dies allerdings schon bald ändern. Denn im Gegensatz zu der einseitigen Ausrichtung von Kepler auf das Gebiet im Sternbild Schwan wird dieser Hochleistungssatellit den gesamten Himmel abscannen. Vielleicht wird uns dann TESS neuen Welten erschließen.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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