Blickpunkt:
Kosmos
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Inhaltsverzeichnis
Der „Fränkische Galilei“

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Das erste kosmische „Hallo“?

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Eiskalte Brocken

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Auf zu neuen Horizonten

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Johann Müller - der Sohn eines unterfränkischen Müllers

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Von Dichtemonstern und Würzelzucker

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Samstag 01.10.2016
Der „Fränkische Galilei“
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Im Monat Oktober werden die Tage nun merklich kürzer, so dass sich die Möglichkeiten der Stern- und Planetenbeobachtungen deutlich verbessern. Letztere bleibt jedoch schwierig, denn die meisten Planeten sind nur noch in der Dämmerung bei freier Sicht erkennbar. So stehen Merkur und Jupiter tief am östlichen Morgenhimmel, während Venus und Saturn am westlichen Abendhimmel knapp über dem Horizont sichtbar werden. Lediglich der Wüstenplanet Mars ist im Süden besser aufzuspüren. Doch auch seine Sichtbarkeit nimmt im Laufe des Monats immer mehr ab.
So können mit dem Sommerdreieck, gebildet aus den hellen Sternen Deneb (im Schwan), Atair (im Adler) und Wega (in der Leier) hoch im Süden, und dem Herbstviereck im Südosten gleich zwei große Konstellationen bewundert werden. Das herbstliche Quadrat setzt sich aus den drei Pegasus-Sternen Algenib, Scheat und Markab, sowie dem Andromeda-Stern Sirrah zusammen.
Nicht nur die fränkische Kleinstadt Königstein ist mit Johann Müller stolz auf einen bekannten Astronomen, der als Regiomontanus in fernen Ländern zu astronomischen Ruhm gelangte (siehe Kosmos Juni/2016). Auch das mittelfränkische Gunzenhausen hält den Namen eines großen Himmelsforschers in Ehren: Simon Mayr. Das achte Kind eines Büttners wurde dort am 20. Januar 1573 geboren und latinisierte später seinen Namen zu Simon Marius. Unter diesem Namen erlangte er in der astronomischen Wissenschaft eine hohe Anerkennung, da er fast gleichzeitig wie Galileo Galilei das damals neu entwickelte Fernrohr zur Beobachtung des Himmels einsetzte. So kam es, wie es kommen musste: Die günstigen Sichtbedingungen erlaubten beiden Forschern die visuelle Erforschung des Jupiter, dem Riesen unseres Sonnensystems. Wie heute feststeht, machten beide fast zur gleichen Zeit die Entdeckung, dass der Planetengigant vier Hauptmonde besitzt. Schon bald kam es zum Streit und Galileo Galilei bezichtigte Simon Mayr des Plagiats. Heute wissen wir, dass der berühmte Italiener seine Entdeckung tatsächlich mindestens einen Tag vor dem Franken gemacht hat und die vier Monde Io, Ganymed, Europa und Callisto noch heute als die Galileischen Monde bezeichnet werden.
Der Bekanntheit des „Fränkischen Galilei“ konnte dies aber keinen Abbruch tun. Er gilt heute sogar als der akribischere und korrektere Wissenschaftler, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass sein italienischer Gegenspieler als geschäftlich umtriebiger galt. So aber arbeitete Marius weiter im Stillen und konnte als einer der ersten Beobachter unseres Zentralgestirns Sonnenflecken nachweisen.
Der später in Ansbach tätige Hofastronom war auch als Arzt und Mathematiker sehr erfolgreich. Ganz nebenbei leistete er durch seine Jupiterbeobachtungen einen entscheidenden Beitrag dazu, dass sich unter den Gelehrten das heliozentrische Weltbild des Nicolaus Copernicus immer stärker durchsetzte. Waren doch Jupiter und seine vier großen Monde ein eigenständiges System, in dem sich die Monde um ihren Planeten bewegten und alle gemeinsam wiederum um die Sonne. Nach der erfolgreichen Veröffentlichung seines Hauptwerkes „Mundus Jovialis“ im Jahr 1614, wollte auch seine Vaterstadt Gunzenhausen ihren großen Sohn würdigen. Man schenkte ihm immerhin einen kleinen Silberbecher – zu sechseinhalb Gulden.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 01.09.2016
Das erste kosmische „Hallo“?
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Im Monat September werden sich die Bedingungen für die Beobachtung des Sternhimmels fast täglich verbessern. Die Tageslänge verkürzt sich im Laufe des Monats um zwei Stunden. Am 22.9. haben wir Tagundnachtgleiche und der Herbst beginnt. Bereits am Monatsanfang bieten tief im Süden die Planeten Mars und Saturn gemeinsam mit dem hellen Stern Antares aus dem Skorpion ein reizvolles Dreieck. Zu ihnen gesellt sich am 8.9. der zunehmende Mond. Die nahe der Sonne stehenden Planeten Venus und Merkur sind am Morgenhimmel nur schwer aufzuspüren und Jupiter bleibt uns verborgen, da er sich am Taghimmel befindet.
So ist das Sommerdreieck der Beherrscher des Abend- und Nachthimmels, wobei die sehr hell strahlende Wega aus dem Sternbild Leier am auffälligsten und recht leicht in der Nähe des Zenits zu finden ist.
Mit dem ersten Nachweis von Gravitationswellen hatte die astronomische Forschung in diesem Jahr bereits eine besondere Entdeckung zu vermelden. Nun kommt aber die Präsentation eines Exoplaneten beim sonnennächsten Stern im Sternbild Centaurus einer absoluten Sensation gleich. Um seine Einmaligkeit herauszustellen, wurde für diesen Stern im Abstand von rund 4,24 Lichtjahren einmalig der Name Proxima Centauri („Nächstgelegener Stern im Zentauren“) vergeben. Eigentlich galten die wesentlich helleren und größeren Nachbarsterne Alpha Centauri A und B als aussichtsreichere Kandidaten, denn Proxima selbst ist eine eher blasse und kühlere Sonne aus der Gruppe der Roten Zwergsterne. Doch nun wurde gerade hier ein ferner Planet entdeckt, der in nur 11 Tagen einmal den Hauptstern Proxima umrundet und dabei einen Abstand von 7 Millionen Kilometern aufweist. Die große Aufmerksamkeit für diesen Exoplaneten mit der vorläufigen Bezeichnung Proxima Centauri b resultiert aber gerade aus diesem Umstand heraus, gilt doch diese Entfernung zum eher kühlen Stern trotzdem als habitable Zone. Sie ist eigentlich recht einfach mit nicht zu warm und nicht zu kalt zu beschreiben und ist eines der wichtigsten Herausstellungsmerkmale unserer Erde in Bezug auf unsere Sonne. Unsere 150 Millionen Kilometer Abstand zur Sonne und die damit verbundene Existenz von flüssigem Wasser stellen die Grundlage für das Leben auf unserem blauen Planeten dar. Nun stellt sich logischerweise die Frage, ob der neue Planet Proxima b bei möglichem Vorhandensein von Wasser eventuell auch Leben beherbergen könnte. Diese Frage ist nicht ganz von der Hand zu weisen, denn sie war bei der Entdeckung der 3500 anderen Exoplaneten bei fernen Sternen schon immer mit im Spiel. Gerade einmal 10 Planeten wurden dabei in habitablen Zonen gefunden und feuerten so die Spekulationen über fremdes Leben auf anderen erdähnlichen Himmelskörpern noch zusätzlich an. Doch nun ein mögliches Vorhandensein in allernächster Nähe? Überlegt man sich diese Tatsache aber einmal genauer, wird einem schnell klar, dass die direkte Kontaktaufnahme ziemlich langwierig wäre. Selbst die schnellste Raumsonde Voyager 1, die sich immerhin mit sagenhaften 17 Kilometern pro Sekunde in den Kosmos hinaus bewegt und somit mehr als 500 Millionen Kilometer jährlich zurücklegt, würde Proxima Centauri b erst in ca. 65 000 Jahren erreichen. Soviel zur Hinreise.
Ein extrem gebündelter Lichtimpuls könnte natürlich in die Richtung unseres neuen Nachbarn gesendet werden. Hier müsste man knapp 9 Jahre auf das erste kosmische „Hallo“ warten. Aber was, wenn es ausbliebe?
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Klaus Huch
Montag 01.08.2016
Eiskalte Brocken
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Einzelmeteroit Hoba und 33 Fragmente des Gibeon-Meteteoritenschwarms in der Mall von Windhoek.
Für die Beobachtung des Sternhimmels sollte man sich nun auf das Sommerdreieck mit den Konstellationen Leier, Schwan und Adler konzentrieren, denn die Planeten Jupiter und Venus gehen schon kurz nach Sonnenuntergang ebenfalls unter. Mars und Saturn sind nur noch sehr flach im Süden zu erkennen und beenden gemeinsam mit dem Sternbild Skorpion ihre Sichtbarkeit gegen  Mitternacht.   
Im August wird es die St.-Laurentius-Nacht sein, die das größte jährliche Aufkommen von Sternschnuppen (Meteoren) erwarten lässt. Seit Jahrhunderten ist dies zur gleichen Zeit zu beobachten und daher glaubte man im Mittelalter die Tränen des Märtyrers Laurentius in der Nacht vom Himmel fallen zu sehen. Astronomisch betrachtet kreuzt die Erde wie jedes Jahr zu diesem Zeitpunkt die stark verschmutze Bahn des periodischen Kometen Swift-Tuttle. Die heutige Bezeichnung Perseidenstrom kommt daher, dass die meisten dieser „Shooting Stars“ auch aus dem Sternbild Perseus zu strömen scheinen. Ihre kurzzeitige, aber teilweise enorme Helligkeit resultiert aus der Relativgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Sekunde, die ihrerseits in der Eigenbewegung der kleinen Materieklumpen und dem gleichzeitigen Umlauf der Erde um die Sonne begründet ist. Rast also ein solches interplanetares Teilchen durch die Lufthülle der Erde,  so wird es im Bruchteil einer Sekunde zerstrahlt: Die eiskalten Brocken werden sofort in heißes Gas verwandelt. Die Leuchtspur eines solchen Vorgangs kann man dann mit viel Glück vor allem in der Nacht vom 11. zum 12. August zwischen 22 Uhr und 4 Uhr aufleuchten sehen. Den Prognosen zu Folge können dabei pro Stunde zwischen 80 und 140 Meteore auftreten. Allerdings erreichen nur selten Bruchstücke die Erdoberfläche, so wie es am 6. März in Oberbayern der Fall war. Insgesamt 6 Fragmente des Meteoriten Stubenberg mit maximal 1320 Gramm Gewicht konnten bislang gefunden werden.
In dieser Hinsicht birgt das afrikanische Land Namibia gleich zwei Superlative. Zum einen ging hier vor 20.000 Jahren bei Gibeon der größte je gefundene Schwarm von Meteoriten im Süden des Landes nieder und zum anderen ist im Norden mit dem Hoba der größte Einzelmeteorit der Welt zu finden.
Das ca. 180 x 350 km große Streufeld von Trümmern eines zerborstenen Meteoriten wurde nach dem Hauptfundort Gibeon benannt. 33 Fragmente dieser bis zu 555 kg schweren Eisenbrocken sind heute in Namibias Hauptstadt mitten in der Fußgängerzone ausgestellt. Die Zahl der Bewunderer scheint allerdings recht groß zu sein, denn drei der ausgestellten Metallbrocken haben Liebhaber gefunden und wurden kurzerhand entwendet.
Ganz anders ist dies bei dem fast 60 Tonnen wiegenden Giganten, der heute auf der Farm Hoba in der Nähe von Grootfontein zu bestaunen ist. Sein Auffinden wäre in der heutigen Zeit moderner Landwirtschaft kaum möglich, doch im Entdeckungsjahr 1905 wurden die Felder noch mit tiefschürfenden Ochsengespannen beackert und so blieb der Pflug damals einfach stecken. Schnell begann man zu graben und fand so den größten Einzelmeteoriten der Erde. Der Hoba überstand alle Versuche des Ausgrabens und ist auch nie wie andere Großfunde zerteilt worden. So ist der aus Eisen (82%) und Nickel (17%) bestehende Metallbrocken heute ein namibisches Nationaldenkmal.
Autor: Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Freitag 01.07.2016
Auf zu neuen Horizonten
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Der Monat Juli bietet vor allem in Blickrichtung Süden außergewöhnliche Konstellationen. Bereits in der Dämmerung fällt deutlich auf, dass ein rötlich leuchtendes Objekt flach über dem Horizont steht. Es ist der Planet Mars, der in diesem Monat eine große Annäherung zur Erde erreicht und damit für uns besonders hell erscheint. Ihm zur Seite stehen der Planet Saturn und der Stern Antares aus dem Sternbild Skorpion. In seiner Helligkeit wird Mars nur von Jupiter übertroffen. In westlicher Richtung ist der Riesenplanet ebenfalls bereits kurz nach Sonnenuntergang deutlich zu erkennen.
Mit zunehmender Dunkelheit ist auch das Sommerdreieck, gebildet aus den hellsten Objekten der Konstellationen Adler, Leier und Schwan, sichtbar. Deren jeweilige Hauptsterne Atair, Wega und Deneb sind leicht in Zenitnähe auffindbar.
Immer spektakulärere Forschungsergebnisse der amerikanischen Raumsonde New Horizons werden jetzt genau ein Jahr nach der Passage des Zwergplaneten Pluto und seines größten Mondes Charon von der NASA veröffentlicht. Neben Bildern, die beweisen, dass sogar dieses ferne Himmelsobjekt eine Atmosphäre besitzt, konnten imposante Bilder von scharf umrissenen Verwerfungen, ausgedehnten Tiefebenen und zerklüfteten Bergen dokumentiert werden. Dabei liegt der Aufbruch der natürlich unbemannten Raumsonde zu neuen Horizonten mehr als 10 Jahre zurück, denn der Start zu dieser Reise an den Rand des Sonnensystems war bereits im Januar 2006. Erst jetzt können die Ergebnisse der knapp zweitägigen Passage vom Juli 2015 nach und nach veröffentlicht werden: Der Bordcomputer ist zwar robust und zuverlässig, seine Geheimnisse lässt er sich aber nur sehr langsam entlocken, da der Speicher nur schrittweise und sehr vorsichtig gelehrt werden kann. In dieser enormen Entfernung zur Erde käme ein Absturz des Rechners einem Totalverlust gleich.
Auch der Autor wird jetzt zu neuen Horizonten aufbrechen. Der Reiz einer Reise in das südliche Afrika liegt ja auch in der Möglichkeit, den Geheimnissen des Südsternhimmels auf die Spur zu kommen. Es sind nicht nur die ungewöhnlichen Sternbilder, die einst von Seefahrern kreiert worden, die man neu für sich entdecken kann (siehe KOSMOS 6/2016: „Johann Müller - der Sohn eines unterfränkischen Müllers“). Auch der Blick auf die beiden Magellanschen Wolken, die als irreguläre Zwerggalaxien die unmittelbare Nachbarschaft unserer Heimatgalaxis darstellen, ist genauso ungewöhnlich wie der Anblick der gigantischen Himmelsbrücke der Milchstraße selbst. Am deutlichsten wird natürlich die Qualität der Himmelsansicht zu Tage treten, denn hierzulande hat die Lichtverschmutzung insbesondere in der Nähe der Großstädte schlichtweg dazu geführt, dass nur wenige Sternbilder überhaupt noch deutlich sichtbar und somit überhaupt noch bekannt sind. Dort hingegen erwartet den Astrofan aufgrund der Abgelegenheit und der damit verbundenen völligen Dunkelheit ein großartiger Anblick des unverfälschten südlichen Firmaments. 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 01.06.2016
Johann Müller - der Sohn eines unterfränkischen Müllers
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Nun wird es mit jedem Abend immer deutlicher: Wir streben auf den längsten Tag des Jahres am 21. Juni zu und so können Beobachtungen meist erst nach der Dämmerung gegen 22 Uhr MESZ beginnen. Noch immer sind dabei Jupiter und der begleitende Regulus aus dem Sternbild Löwe die hellsten Objekte in südlicher Richtung. Der zunehmende Mond flankiert diese Paar am 9.6. und 10.6. Dieser sehr schöne Anblick ist die lohnenswerteste Konstellation in der ersten Nachthälfte. Später zeigen sich dann der Ringplanet Saturn und Antares, der Hauptstern des Skorpions, in sehr enger Nachbarschaft im Südosten. Allerdings ist hierzu freie Sicht wie zum Beispiel auf Wald -und Wiesenflächen erforderlich.
Kaum jemand würde glauben, dass sich hinter dem Namen Johann Müller einer der größten Mathematiker und Astronomen des 15. Jahrhunderts verbirgt. Doch vor genau 580 Jahren kam am 6.Juni 1436 in Königsberg bei Coburg ein Kind zur Welt, dessen Talent schon in frühster Jugend sichtbar wurde. Der ungeheuer wissbegierige Sohn eines unterfränkischen Müllers war mit 12 Jahren an der Leipziger Universität als Student immatrikuliert und brachte in dieser Zeit auch schon seine erste astronomische Fibel heraus. Sein steiler Aufstieg zum Gelehrten setzte sich in Wien fort, wo er mit 21 Jahren Magister wurde und in der Folgezeit sogar Horoskope für den kaiserliche Hof erstellte. Doch seine mathematisch-astronomischen Leistungen machten ihn schon bald in ganz Europa unter dem Namen REGIOMONTANUS (lateinisch für DER KÖNIGSBERGER) berühmt. Es waren vor allen Dingen seine Sonnen-, Mond - und Sterntafeln, die beispielsweise für die Berechnung der Position auf hoher See notwendig waren und sich bei den Navigatoren großer Beliebtheit erfreuten. Sie verhalfen ihm zu Ruhm und Anerkennung, denn ohne diese Berechnungsgrundlagen hätten große Seefahrer wie Christoph Columbus oder Vasco da Gama ihre Seenavigation in fremden Gewässern nie so genau durchführen können.
Zu derartiger Berühmtheit gelangt, wurde er nach Rom eingeladen, wo Regiomontanus Mitglied der Kommission zur Kalenderreform werden sollte (siehe KOSMOS „Kalendarium“ vom 01. April). Doch der Weg dorthin stand unter keinem günstigen Stern, denn sein ebenfalls eingeladener Kollege und langjähriger Forschungspartner Georg von Purbach starb plötzlich. Von nun an reiste Regiomontanus allein rastlos von einem Königshof zum anderen, um sich als Astrologe mit Horoskopen Geld zu verdienen, um dadurch wiederum als forschender Astronom ungestört arbeiten zu können. In diese Zeit fiel auch die entscheidende Verbesserung des sogenannten Jakobsstabes, einem einfachen, aber wirkungsvollem Instrument zur Landvermessung und Navigation, heute allgemein als Vorläufer des Sextanten angesehen. Als der vielgereiste Gelehrte dann dem Ruf Papst Sixtus IV. folgte und nach Rom aufbrach, ereilte auch ihn das Schicksal seines Freundes. Mit gerade einmal 40 Jahren verstarb der hochgeehrte Astronom an den Folgen einer Seuchenerkrankung. Sogar sein Begräbnis im römischen Pantheon wurde zur Legende.
Eindeutiger ist jedoch die Tatsache, dass die zwei Astronomen heute wieder vereint sind, denn ihnen zu Ehren tragen zwei benachbarte Mondkrater die Namen Regiomontanus und Purbach.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Sonntag 01.05.2016
Von Dichtemonstern und Würzelzucker
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Nach wie vor ist es die Zeit um Mitternacht, in der man das Zusammentreffen der Planeten Saturn und Mars im Sternbild Skorpion bestaunen kann. Allerdings sollte bei dem flachen Stand der beiden Planeten über dem Horizont freie Sicht auf den Süden sein. In den Abendstunden ist Jupiter weiterhin das lohnenswerteste Objekt, denn seine deutlich hellere Erscheinung im Vergleich mit dem Licht der ihn flankierenden Sterne des Löwen wird immer augenfälliger. Dafür steht mit Merkur ein anderer Planet sogar am Tag im Fokus des Interesses, denn ein äußerst seltenes Himmelereignis wird sich am 9. Mai ereignen. Zwischen 13.12 und 20.42 Uhr kommt es zu einem Transit, wobei sich der sonnennächste Planet in die Sichtlinie Erde-Sonne schiebt und so als kleiner schwarzer Punkt in siebeneinhalb Stunde vor der Sonnenscheibe entlang wandert. Dieses Ereignis, welches sich 2019 und dann erst wieder 2032 wiederholt, ist allerdings nur mit einem optischen Instrument bei gleichzeitiger Verwendung eines Sonnenfilters zu beobachten.
In diesen Tagen gilt es sich an einen der hervorragendsten deutschen Astronomen zu erinnern, denn am 11.Mai jährt sich der Todestag von Karl Schwarzschild zum 100. Mal. Er gilt heute als Wegbereiter der modernen Astrophysik und wäre heute sicherlich noch wesentlich bekannter, hätten nicht die Umstände des ersten Weltkrieges sein Leben entscheidend beeinflusst. Wie viele seiner Landsleute meldete sich der damals als Direktor des Astrophysikalischen Instituts in Potsdam tätige Schwarzschild sogar freiwillig zum Kriegsdienst.
Zuvor war der in Frankfurt am Main geborene Astrophysiker vor allem durch Arbeiten bekannt geworden, deren Schlagworte „Schwarzes Loch“ und „Ereignishorizont“ noch heute in aller Munde sind. Seine Abhandlungen zu den supermassereichen Objekten, die nach Supernova-Explosionen von Überriesensternen entstehen, waren sensationell. Schnell wurde klar, dass sich die Explosionsreste zu einem Dichtemonster entwickeln. Die Materie in diesen sogenannten Neutronensternen ist so dicht gepackt, dass schon ein Würfelzuckerstückchen Tausende von Tonnen wiegt. Diese auch als Leuchtturmsterne bezeichneten Exoten drehen sich wie wild: Der kaum 20 km große Winzling gibt Strahlungspulse ab, die darauf schließen lassen, dass sich einige von ihnen mehr als fünfhundert Mal in der Sekunde um die eigene Achse drehen.
Doch Schwarzschild ging in seinen Gedanken noch weiter. Was sollte den weiteren Kollaps dieses Pulsars aufhalten. Könnte er sich nicht weiter verdichten, bis Millionen von Tonnen des Materials auf wenige Zentimeter konzentriert sind? Das Schwarze Loch war geboren. Ein solches Objekt ist so stark in seiner Gravitationskraft, dass sogar das Licht nicht mehr entweichen kann. Was einmal in seine Nähe gezogen wird und somit den Ereignishorizont überschreitet, ist für immer verloren.
Noch heute beschäftigen sich viele Astronomen mit diesen bahnbrechenden Gedanken und es ist kaum auszudenken, mit welchen Entdeckungen Karl Schwarzschild die Fachwelt noch schockiert hätte, wäre er nicht schon kurz nach seiner Einberufung zum Dienst an der Front an einer Autoimmunerkrankung der Haut schwer erkrankt. Kaum zwei Jahre später verstarb der Kriegsinvalide daran und so endete das Leben dieses Genies der Astronomie mit gerade einmal 42 Jahren.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
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