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7. Pianoforte 9
8. Ola Onabulé „Point Less“
9. Mark Wingfield & Gary Husband „Tor & Vale“
10. Nerija „Blume“
11. Jeff Williams „Bloom“
12. Brian Eno „Apollo - Atmospheres & Soundtracks“
Freitag 06.09.2019
Pianoforte 9
Mit Carolyn Hume, Ethan Iverson, Abdullah Ibrahim & Stefan Heidtmann
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„Das Klavier des 20. Jahrhunderts ist gezupft, verbogen, stummgemacht, zerkratzt, zerstampft, auseinandergenommen, begraben, verbrannt, aufgehängt … und auf herkömmliche Art gespielt worden. Kein anderes Instrument hat, als Gegenstand wie als Symbol, so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, kein anderes Instrument soviel Zuspruch und Zorn zugleich bewirkt.“ Diese Gedanken von Margaret Ellen Rose stellt Dieter Hildebrandt seinem Buch „Piano, piano!“ voran. Und das Schöne an diesem Vorwort ist, dass das 21. Jahrhundert dort weitermacht, wo das vorherige aufgehört hat. Zumindest was das Klavier und seine Stellung innerhalb des Musikzirkels betrifft. So werden wir an dieser Stelle in loser Folge einige Neuveröffentlichungen zusammenfassend empfehlen, in dem das Klavier im Zentrum des Geschehens steht.

Beginnen wir mit Carolyn Hume. Einst als erfolgreiches Model unterwegs, widmet sie sich seit gut zwei Jahrzehnten professionell dem Klavierspiel. Ihre Aufnahmen erscheinen exclusiv auf einem englischen Avantgarde-Label. Dabei wollen Humes Produktionen aufgrund ihres melancholischen, fast transzendentalen Charakters so gar nicht in den Katalog von Leo Records passen. Aber gemeinsam mit ihrem Schlagzeuger Paul May sprengt sie alle Stile, hat sich sozusagen im Jenseits von Virtuosität und solistischer Kraftmeierei eingerichtet und stellt sich mit dieser Musizierauffassung außerhalb aller gängigen Muster und Vorstellungen.
Auch „Kill The Light“, ihr zehntes Album für Leo, lebt von kleinen, immer wiederkehrenden, meist dunkel pulsierenden Rhythmusfiguren Paul Mays, die Hume mit flüchtigen, filigranen Klaviertupfern nur ganz leicht auflockert. Es entsteht ein Dialog der Stille, besser vielleicht – der stillen Nachdenklichkeit. Manchmal sind es nur ein paar pianistische Minimalismen, die von flächigen Keyboardakkorden unterstützt werden, die musikalische Schwebezustände von immenser Schönheit entstehen lassen. Ein Kritiker sprach im Bezug auf ihre Musik vor Jahren schon von emotionalen Rätseln, die sie ihren Hörerern aufgibt, und die ihr Geheimnis eben nicht preisgeben. Tiefe und Leichtigkeit gehen bei diesen intelligent angelegten Kleinkunstwerken Hand in Hand. Musik vom anderen Ende der Realität.

Ethan Iverson, ein aus den USA stammender Pianist, ist bekannt geworden als Gründungsmitglied von The Bad Plus. Ein Klaviertrio, das sich schon vor Jahren aufgemacht hat, den gemeinsamen Nenner von zeitgenössischem Jazz, Rock und Pop musikalisch zu analysieren. Das ist ihnen auch hervorragend gelungen – mit etlichen eigenen Kompositionen und Coverversionen von Prince, Kraftwerk, Queen oder David Bowie. Mittlerweile geht Iverson eigene Wege und hat im vorliegenden Fall ein Quartett-Album mit dem Trompeter Tom Harrell, dem Bassisten Ben Street und dem Schlagzeuger Eric McPherson umgesetzt. „Common Pratice“ ist, bis auf zwei Ausnahmen, randvoll mit Klassikern des Jazz, oder, wie es satzungsgemäß in der Szene heißt: Mit Standards aus dem Great American Songbook. Und dass diese Evergreens des Jazz auch heute noch ihren Zauber entfalten und für große musikalische Momente sorgen, zeigen diese vier Herren beeindruckend.
Tom Harrell beglückt den Hörer mit seinen wunderbaren, in seelischen Tiefen mäandernden Chorussen. Etham Iverson spielt in fliessender Eleganz modern und dann wieder sehr traditionsbewusst, Schlagzeuger Eric McPherson, ansonsten ein Derwisch am Instrument, beherrscht die hohe Schule der zurückhaltenden Begleitung und Ben Street marschiert in dynamischer Differenzierung durch die Jazzgeschichte. Dieses Album hat Esprit, dieses Album besitzt unaufgeregten Charme und beinhaltet jede Menge introvertierten Stoff.

Abdlullah Ibrahim wurde 1934 in Kapstadt geboren. Keine geringerer als Duke Ellington entdeckte den Pianisten Anfang der 1960er Jahre in einem Zürcher Club, wo er unter dem Namen Dollar Brand mit eigenem Trio auftrat. Ellington verschaffte ihm auch den ersten Plattenvertrag – Ibrahims Karriere nahm ihren Anfang.
Heute zählt er zu den ganz großen Klavierspielern. In seiner Musik kommt die wechselhafte Geschichte des Jazz zum Ausdruck, die Trauer seiner schicksalhaften Kindheit, die Kraft und Unbedarftheit seiner (süd-) afrikanischen Heimat sowie seine individuelle Kunst, mit Tönen zu jonglieren und Improvisationen von berückender Schönheit zu spielen. Und genau das zelebriert der heute im Chiemgau lebende Abdullah Ibrahim auf seinem neusten Solo-Album „Dream Time“. Es sind wunderbar verschlüsselte Kompositionen, die ineinander über zugehen scheinen. Es sind flüchtige Themen, charismatische Akkorde, meditative Rhythmen, melancholische Brüche und magische Botschaften. Diese Musik ist in ihrer Sparsamkeit so klar, wie eigenwillig, so abgeklärt wie erfrischend, so scharf konturiert wie beispiellos ausgefranst. Sie besitzt ordentlich Pathos und kommt doch ganz schlicht und feierlich daher. „Es ist eines der schönsten Selbstporträts dieses Musikers“ schreibt Roland Spiegel in den Liner-Notes zu dieser Aufnahme passend. Wir erleben einen Klangzauberer bei seiner Arbeit.

Von Abdullah Ibrahim zu den Rolling Stones? Stefan Heidtmann macht`s möglich. Der aus dem oberbergischen Kreis stammende Pianist  ist so etwas wie der bestgehüteste Geheimtipp des Jazz. Seit Jahren legt Heidtmann großartige Alben als Pianist und Komponist vor. Und wer ihn Live erlebt hat, wird ihn sowieso nicht vergessen. Egal in welcher seiner unterschiedlichen Besetzungen auch immer. Jetzt hat er ein Album mit acht Titeln veröffentlicht, von denen allein sechs aus der Feder des ewigen Rock`n Roll-Tandems Jagger/Richards stammen: "Plays The Rolling Stones". Heidtmann bearbeitet gemeinsam mit Markus Braun am Bass und Schlagzeuger Marcel Wasserfuhr Dauerbrenner der Charts wie „Ruby Tuesday“, „Angie“ oder „Under My Thumb“. Sie geben ihnen eine ordentliche Prise Frischluft, holen sie aus ihrer erdigen Blues-Rock-Balladen-Ecke heraus und machen aus ihnen schlanke und elegante Modern Jazzstandards. Manchmal wie beiläufig, manchmal hochkonzentriert wirkend. Auf diese subtile Art überleben die Stones zusätzlich noch ein paar Jahrzehnte. 
Jörg Konrad


Carolyn Hume & Pual May
„Kill The Lights“
Leo Records

Ethan Iverson Quartet 
with Tom Harrell
„Common Practice“
ECM Records

Abdullah Ibrahim
„Dream Time“
Enja Records

Stefan Heidtmann Jazzstones Trio
„Plays The Rolling Stones“
Shaa-Music
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Samstag 31.08.2019
Ola Onabulé „Point Less“
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Es gibt Alben, die ihr musikalisches Qualitätsmerkmal gleich mit den ersten zwei/drei Songs verpulvern. Der Rest ist dann nur Durchschnittsware. Dann gibt es Alben, die einzelne strahlende Perlen beinhalten, die aber ganz willkürlich verteilt scheinen. Man muss sie geduldig herausfiltern, nicht selten dabei die Spreu vom Weizen trennen und vielleicht eine individuelle Titelfolge neu zusammenstellen.
Und dann gibt es Aufnahmen, die zurückhaltend beginnen, die langsam an Fahrt aufnehmen, einen raffinierten Charakter entwickeln, der in ansteckende Begeisterung umschlägt. Zu letzteren gehört „Point Less“, die gerade erschienene Produktion des britisch-nigerianischen Singer-Songwriters Ola Onabulé. Ein ambitioniertes Werk, mit klarer politischer Haltung und großen musikalischen Momenten.
Ola Onabulé hat auf „Point Less“ eine Art Hybris aus Pop, Soul, Jazz und afrikanischer Tradition geschaffen. Ein aus unterschiedlichen Kulturen gewebter Klangteppich, der authentisch wirkt und durch eine ganz spezielle Strahlkraft gefangen nimmt. Sein Drang zur Differenzierung ist unüberhörbar. Und sein Potenzial zur Gestaltung außergewöhnlicher musikalischer Momente ebenso.
Ola Onabulé beschäftigt sich auf den von ihm geschriebenen vierzehn Songs thematisch mit Gewalt und Einwanderung, Rassismus und Philosophie, Geschichte und Literatur. Es geht dem in London beheimateten Sänger dabei um die Mitmenschlichkeit, um eine friedvolle Solidarität und seine ganz persönliche Kritik an jenen Kräften, die diesen Menschheitsidealen entgegenwirken. Dies gelingt ihm über wunderbar ausgereifte Harmonien, die der Unterbau für schlüssige, gefällige und doch auch anspruchsvolle Melodien darstellen. Seine sanfte, eindringliche, vom Sog der Sehnsucht gespeiste Stimme wird selbst zum Instrument, das anklagt und Toleranz einfordert. Sein Management zieht, was den Gesamteindruck von „Point Less“ betrifft, Vergleiche mit Marvin Gayes „What`s Going On“. Sicher ein gewagter, um nicht zu sagen verwegener Vergleich. Schließlich handelt es sich bei Gayes Klassiker um eine der besten Soul-Alben überhaupt. Doch Onabulé gestaltet ebenfalls ein eindringliches Werk, das schon jetzt zeitlos klingt und aufgrund seiner großen Gelassenheit und Substanz besticht.
Jörg Konrad

Ola Onabulé
„Point Less“
Rugged Ram / Sony
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Mittwoch 21.08.2019
Mark Wingfield & Gary Husband „Tor & Vale“
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Mark Wingfield und Gary Husband können beides. Sie beherrschen auf ihren Instrumenten sowohl das elektrische Vokabular, als auch die akustische Variante. Im vorliegenden Fall, dem gerade erschienenen „Tor & Vale“, tauschen sie ihre musikalischen Ideen, trotz elektronischer Unterstützung, unplugged aus. Wunderbar differenziert finden sie eine musikalische Sprache, der man sofort zu folgen bereit ist. Sie nimmt vom ersten Ton an gefangen, in ihrer vertraut scheinenden Melancholie ebenso, wie auch in den rauschhaften, schmissigen Instrumentalstürmen des Albums.
Getroffen haben sich Gitarrist Wingfield und Pianist Husband in einem zum Tonstudio umgebauten Bauernhaus aus dem 12. Jahrhundert in Katalonien, vor den Toren Barcelonas. Beide einigten sich schnell auf fünf Kompositionen, die Mark Wingfield im Gepäck hatte. Drei Stücke sind reine kammermusikalische Improvisationen, in denen beide ihre ganzen Erfahrungen und ihr Können zum Klingen bringen. Es ist die Kunst des instrumentalen Korrespondierens, der impressionistischen Kommunikation, die sie hier selbstverwirklichend umsetzen.
„Schon als wir anfingen zu spielen, war klar, dass es eine unmittelbare musikalische Verbindung gab und die Bereitschaft, sich wirklich zu öffnen und zu erkunden“, erzählte Wingfield über die Session. Man hört die musikalische Seelenverwandtschaft den beiden an, aber es werden auch die unterschiedlichen Naturen ihrer Persönlichkeit akustisch nacherlebbar. Nichts klingt verhetzt – und wer Wingfield & Husband kennt, weiß, mit welchem atemberaubenden Tempo sie in der Lage sind zu spielen. Stattdessen bewegt sich ihr Austausch von Ideen und Harmonien auf einer von tiefem Respekt und von Empathie gekennzeichneten Ebene. Trotz aller Entspanntheit ist aber auch die Intensität und die Konzentration zu spüren, mit der sie jeden der Dialoge angehen. Sie sind bereit, dem jeweils anderen beinahe blind zu folgen, ohne dem Anspruch zu erliegen, etwas neues erfinden zu müssen. In dieses akustische Kunstwerk finden Jazz und Rock, Blues und Minimalismus eingang. Heraus kommt lebendige, ergreifende Musik. Erhaben und impulsiv vom Charakter, vertraut und doch herausfordernd in der Wirkung.
Jörg Konrad

Mark Wingfield & Gary Husband
„Tor & Vale“
MoonJune Records

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Freitag 16.08.2019
Nerija „Blume“
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Selten klang Jazz unkomplizierter. Selten fanden in der Musik unterschiedlichste Stilelemente gleichberechtigter zueinander: Swing, Rock`n Roll, Soul, Afro-Beat, Hip Hop, freie Improvisation. Selten war der Anteil an Frauen in einem Orchester größer. Nerija heißt die Londoner Band, denen all diese Kunststücke spielend gelingen. „Blume“, ihr Album-Debüt, ist randvoll mit großen musikalischen Momenten. Es ist Musik für Kopf und Bauch. Die zehn in Wohnzimmer-Atmosphäre live eingespielten Songs sind mit Sicherheit ein Stimmungsgarant auf jeder Party und zugleich wird man dem Septett in einem bestuhlten Konzertsaal atemlos folgen.
Hier sind junge Instrumentalisten am Werk, die die Musikgeschichte der letzten Jahrzehnte aufgesaugt haben. Zugleich reihen sich auf „Blume“ individuelle Ideen wie auf einer Perlenkette diskret aneinander. Wunderbar berührende Melodien, kompromisslose Solis, perfektes Satzspiel, zwingende Arrangements, gebrochene Rhythmen und intime Balladen voller Melancholie – alles in einem ständigen wie lässigen Wechsel und im musikalischen Fluss.
Kopf des Septetts ist die Saxophonistin Nubya Garcia. Sie hat einen Großteil der Kompositionen geschrieben und steht als Solistin mehrfach im Rampenlicht. Sie ist, wie fast alle anderen Musiker/-innen fest verzahnt in der lebendigen Londoner Szene. Diese ist schon seit Jahren in Europa tonangebend. So sehr die einzelnen Mitglieder auch dem Bebop verfallen sind, ist der Modern Jazz für sie nicht das einzige Allheilmittel. Sie denken durchweg als Instrumentalisten und haben ihren jeweils ganz spezifischen kulturellen Background, der Teil ihres musikalischen Selbstverständnisses ist. Und sie sind Teamplayer, stellen ihr persönliches Ego zugunsten des Miteinanders und der gemeinsamen Spielfreude zurück. Nerija: Die Entdeckung der Saison!
Jörg Konrad

Nerija
„Blume“
Domino
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Dienstag 06.08.2019
Jeff Williams „Bloom“
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Vitale Schlagzeuger als herausragende Bandleader – hat es schon immer gegeben. Zwar ist ihre Anzahl überschaubar. Aber denkt man beispielsweise an Jack DeJohnette, Art Blakey, Elvin Jones oder Peter Erskine, um nur einige wenige zu  nennen, wird zugleich deren Qualität und jazzmusikalische Bedeutung, die weit über die Beherrschung ihres Instrumentes hinausgeht, deutlich.
Jeff Williams aus Mount Vernon in Ohio gehört zu den eher unspektakulären Vertretern seines Fachs. Er glänzt nicht mit einem Rimshout-Trommelfeuer wie Philly Joe Jones, ist kein Meister der High-Hat-Kunst wie Max Roach und kein Geschwindigkeitsapostel, wenn es um sechzehntel Triolen geht wie Billy Cobham. Williams ist ein zuhörender und inspirierender Begleiter. Er komponiert und arrangiert vom Quintett bis zum Trio. Und seine feinen rhythmischen Impressionen bewegen sich weitab jeder physischen Trommelkunst. 
Bloom“ ist Williams insgesamt neunte Veröffentlichung unter eigenem Namen. Er hat sich für diese im Sommer des letzten Jahres in New York entstandene Aufnahme zwei Mitmusiker gesucht, die als gruppendienliche Teamplayer in der Szene bekannt sind. Carmen Staaf am Klavier gehört trotz ihrer solistischen Möglichkeiten zu jenen Instrumentalistinnen, die um die Wirkung der leisen, verhaltenen Töne wissen – und diese auch spielen! Michael Formanek gilt hingegen unter den Bassisten als ein musikalisches Schwergewicht. Ein vielbeschäftigter Fels in jeder Jazz-Brandung – zwischen Avantgarde und Hardbop.
Alle drei finden zu einem wunderbaren Austausch ihrer sehr unterschiedlichen Temperamente. Die Musik atmet Freiheit und lebt doch von der klaren Struktur. Es fasziniert ihre schlichte Poesie, selbst in den explosiven Momenten. Ihre Form klingt modern und doch spürt man die historischen Verkettungen. Die lebendige Lockerheit der Musik steckt an, geht auf den Hörer über und verinnerlicht das multikulturelle Prinzip des Jazz. Hier sind Kulturen in Bewegung, werden Standpunkte mit Toleranz unterfüttert und im Miteinander ausgelebt. Anspieltipp: Northwest.
Jörg Konrad

Jeff Williams
„Bloom“
Whirlwind Recordings
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Dienstag 30.07.2019
Brian Eno „Apollo - Atmospheres & Soundtracks“
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Gerade erst hat die Internationale Astronomische Union (IAU) in Paris nach ihm einen Asteroiden benannt: „Brian Peter George St John le Baptiste de la Salle Eno“. Der aus dem englischen Woodbridge, Suffolk stammende Musiker und Produzent, wurde zudem mit der „Stephen Hawking Medal for Science Communication“, einer Medaille für besondere Leistungen in der Wissenschaftskommunikation, ausgezeichnet. Und das alles kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Albums, das, so paradox es klingen mag, über dreieinhalb Jahrzehnte alt ist. 1983 erschien „Apollo – Atmospheres & Soundtracks“, eingespielt mit Brian Enos Bruder Roger Eno und dem Kanadier Daniel Lanois. Die Musik ist als Auftragswerk für Al Reinerts Film „Apollo“ entstanden, einer Dokumentation, die aus originalen 35mm-Mitschnitten der Mondlandung besteht.
Nun, zum 50. Jubiläum der Mondlandung, sind die drei Klangtüftler nochmals ins Studio gegangen, um die Aufnahmen technisch aufzufrischen und zugleich elf neue Kompositionen zum gleichen Thema einzuspielen. Herausgekommen sind 90 Minuten voll sphärischer Inspiration. Die flächigen, langsamen und mäandernden Sounds, die hier erklingen, scheinen das Ergebnis einer sinnlichen Erfahrung. Die Emotionalität imaginärer Bilder ist spürbar und hat in der Vergangenheit immer wieder Menschen unterschiedlichster künstlerischer Ausrichtung berührt. Und obwohl diese Musik sich nicht im althergebrachten Sinn aus Harmonien, Melodien und Rhythmen zusammensetzen, ist sie auf diese Weise in Filmen wie „Trainspotting“, „Traffic“, „28 Days Later“ oder „Drive“ bekannt geworden. Und das Stück „An Ending (Ascent)“ wurde tatsächlich während der Eröffnungszeremonie der Sommerolympiade 2012 in London vor Millionen Menschen weltweit gespielt.
„Als ich anfing, mich für Musik zu interessieren, musste ich wirklich Abenteuer bestehen, um das gesuchte zu finden. Zum Beispiel diese mühsame Suche nach einem Radiosender, der gute Musik spielte. Oder winzige Plattenläden aufspüren, die ausgefallene Platten führten. Heute scheint dagegen die Hauptarbeit darin zu bestehen, sich die eigenen Sinne nicht zu verstopfen.“
Dies sind Sätze aus einem Interview, das Brian Eno im Jahr 1983 dem Journalisten und Autor Karl Lippegaus gab, kurz nachdem „Apollo – Atmospheres & Soundtracks“ veröffentlicht wurde. Vielleicht ist ja diese ständige Suche nach spezieller Musik bei Eno der Grund dafür, eigene, außergewöhnliche Klänge zu entwickeln und musikalisch ein- bzw. umzusetzen. Und wenn jemand die Suche nach guter Musik als ein zu bestehendes Abenteuer begreift, für das er zu leiden auch bereit ist, dann wundert es nicht, dass seine eigene Musik ebenfalls wie ein Abenteuer klingt.
Insofern kann man die Realisation von Ambient-Musik, die ganz eng mit dem Namen Brian Eno verknüpft ist, als ein künstlerisches Ergebnis dieses Prozesses begreifen. Zwar wird Eno immer wieder für die Gründung der Band Roxy Music zu Beginn der 1970er Jahre gerühmt, wie auch für seine Produzententätigkeit bei U2, den Talking Heads oder Depeche Mode. Doch hat sein eigentliches Verdienst für die Musik mit dieser Arbeit nur wenig zu tun. „Apollo - Atmospheres & Soundtracks“ gehört mit Klassikern wie „Ambient 1: Music for Airports“, „The Shutov Assembly“ oder „Small Craft on a Milk Sea“ zu den ganz großen und vor allem zeitlosen Ambient-Werken.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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