Musik
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Inhaltsverzeichnis
Donny McCaslin „Blow“

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Carminho „Maria“

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Juan José Mosalini Orchestra „Live Tango“

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OHRENGLÜCK 50: Julian Oliver Mazzariello "Debut"

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Chris Minh Doky New Nordic Jazz „Transparency“

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Ruben Blades & Chucho Valdes

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Samstag 29.12.2018
Donny McCaslin „Blow“
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David Bowies „Blackstar“ von 2016 war ein ebensolches musikalisch hybrides Gewächs, wie auch die Veröffentlichung „Blow“ von Donny McCaslin. Der 52jährige Saxophonist aus Santa Cruz gehörte zum Rumpf-Quintett von Bowies letztem Album. Dieses fiel durch einen starken Jazz-Flow auf, der, so erzählen Insider, vor allem dem Einfluss McCaslins geschuldet ist. McCaslin geht nun seinerseits auf „Blow“ ein gewagtes Stück in Richtung Rock/Pop. Es ist, als habe er durch die Zusammenarbeit mit der Popikone ein neues stilistisches Betätigungsfeld entdeckt. So wirklich gelungen ist ihm dieser Sprung über den Tellerrand hingegen nicht. Denn so sehr diese Herangehensweise von kreativer Neugier zeugt - das Ergebnis erreicht dieses Ziel mit Sicherheit nicht. Denn „Blow“ steht weder in der Tradition der rückblickend zum Teil außergewöhnlichen Jazz-Produktionen McCaslins, noch schafft er mit dieser überproduzierten Veröffentlichung einen Prog-Rock-Husarenstreich. Und schon gar nicht in der Qualität von King Crimson, Softmachine oder gar Radiohaed. Besonders letztere befinden sich gestalterisch aber auch schon wieder drei Querstraßen weiter. 
Donny McCaslin bewegt sich auf „Blow“ in einem unausgegorenen Zwischenreich, das nichts und niemandem gerecht wird. Viel Pathos, wenig überraschendes und schon gar keine überzeugende Konsequenz. Wäre da nicht, ja, wäre da nicht diese eine wunderbare Aufnahme: „The Opener“. Hier übernimmt Mark Kozelek, der Sänger der Red House Painters und Sun Kil Moon, den Vocal-Part. Er hat diese wunderbar nörgelnde, leicht resignierende, aber immer berührend aufwühlende Stimme, die jeder Aufnahme eine völlig eigene Atmosphäre gibt.
Gerhard von Keußler

Donny McCaslin
„Blow“
Motema
Autor: Siehe Artikel
Freitag 28.12.2018
Carminho „Maria“
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Warum Carminho als eine der überzeugensten Fado-Sängerinnen gilt, wird spätestens jetzt auf ihrem Album „Maria“ deutlich. Mit 34 ist die Portugiesin eigentlich in einem noch recht jungen Alter, um all den Schmerz, die Verzweiflung, aber auch die Hoffnung dieses melancholischen Lebensgefühls stimmlich zum Ausdruck zu bringen. Trotzdem beherrscht sie die große Kunst des gesungenen Seelenleids wie kaum eine andere und gibt gleichzeitig dem Fado ein neues, ein etwas modereneres Gesicht.
Schon ihre Mutter war eine gefeierte Sängerin und auch ihr Vater bereicherte als Musiker die portugisische Szene, so dass Carminho mit dem Fado in engster Gemeinschaft aufwuchs. „Meine Eltern veranstalteten regelrechte Fado-Sessions bei uns zuhause. Mit sechs, sieben Jahren, habe ich dann die CDs von meiner Mutter, von Amalia Rodrigues und von anderen Fadista gehört“, erzählte sie in einem Interview. Zu ihren Favoriten gehörten außerdem Maria Callas, Queen und R.E.M., was es Carminho ermöglichte, erfrischende Nuancen in ihre Musik einzubauen. So gilt sie heute als eine Erneuerin dieser aufrichtigen und leidenschaftlichen Liedform.
Auf „Maria“ kommt ihre breit angelegte Stimmgewalt zum Ausdruck. Sie erschüttert förmlich die Seele, gibt dem Schmerz einen verbindlichen Klang, lässt Sehnsucht und Wehmut erblühen, rührt mit ihrer Stimme zu Tränen. Doch trotz all der Hingabe vermitteln die schwermütigen Lieder immer ein unausgesprochenes Geheimnis, das der Musik eine gewisse Magie verleiht – die heilend wirkt. „Maria“ ist eines der schönsten Fado-Alben der letzten Jahre.
Jörg Konrad

Carminho
„Maria“
Warner Records
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 26.12.2018
Juan José Mosalini Orchestra „Live Tango“
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Tango ist seit Jahren en vogue. In den unterschiedlichsten Varianten hat er Clubs, Tanzsäle, Philharmonien und Plattenlabel weltweit erobert. Dabei ist seine Authentizität jedoch ein wenig verloren gegangen. Die westliche Hochkultur hat sich seiner angenommen und ihn stilistisch assimiliert. Wer die Ursprünglichkeit dieser Musikform sucht, hat es somit heute nicht leicht. Außer, er greift auf den mittlerweile 75jährigen Juan José Mosalini zurück. Der zelebriert seit über vier Jahrzehnten unverändert und leidenschaftlich den Tango Argentino. In seiner Karriere hat der Bandoneon-Derwisch (und studierte Wirtschaftswissenschaftler!) einige modische Entwicklungen des Tango erfolgreich negiert. Geblieben ist bei ihm eine Musik, wie sie schon vor etlichen Jahrzehnten in den Kaschemmen am Stadtrand von Buenos Aires gespielt wurde, wo die europäischen Einwanderer, die einheimischen Criollos, Kubaner und Afrikaner lebten.
Doch damit hatte Mosalini nicht nur Erfolg. Besonders in den 1960er und 1970er Jahren wurde er aufgrund der aufkommenden populären Rockmusik belächelt und verhöhnt. „Ich spielte Bandoneon und meine Freunde sahen mich wie einen Weltraumfahrer an, wie eine Gestalt vom anderen Planeten“, erzählte er in einem Interview. Kurz nach dem Putsch des argentinischen Armeegenerals Videla ging Mosilini nach Paris und setzte seine künstlerische Arbeit fort.
Grundlage für Mosalinis reiches musikalisches Schaffen sind Stücke großer Tango-Komponisten. So auch während seiner Welttournee mit dem L`orchestre aujourd`hui in den Jahren 2006 und 2007. Das Material der vorliegenden zwei CDs entstammt dieser Konzertreise und beinhaltet 100 Minuten wunderbar temperamentvoller Musik. In raffinierten Arrangements sind die ganzen Einflüsse zu spüren, die dem Tango seine eigentliche Bedeutung geben. Der ganze Schwermut und die schrille Ekstase finden in den grandiosen Improvisationen Mosalinis ihren Ausdruck. Die unvermittelten Tempowechsel, die zerpflückten Synkopen, die ins unendlich gedehnten Töne und deren gezielte Kollisionen sind ebenso schmerzvoll, wie sie auch wieder vollkommen glücklich stimmen. Es ist wie ein Wechselbad der Gefühle, wenn das Juan José Mosalini Orchestra die Zeit anhält und auf der Stelle tanzt. Denn dieser Tango ist ein Phänomen.
Jörg Konrad


Juan José Mosalini Orchestra
„Live Tango“
Double Moon Records
Autor: Siehe Artikel
Montag 24.12.2018
OHRENGLÜCK 50: Julian Oliver Mazzariello "Debut"
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Es gibt die lebenslustig swingenden Klaviertrios und die romantisch betörenden. Es gibt minimalistische Klaviertrios, soulige Klaviertrios, freie Klaviertrios. Das Trio von Julian Oliver Mazzariello ist vor allem eines: vielseitig. Und kurzweilig und verblüffend. Jedes Stück auf diesem Album scheint den Ehrgeiz zu haben, zum Inbegriff einer Jazz-Spielart zu werden. Da gibt es die Funk-Nummer, die Samba-Ballade, die Tango-Miniatur, die Walzerballade, den Blues, das 5/4-Takt-Stück und die Soul-Ballade. Jeder dieser Tracks kommt rasch auf den Punkt, mit Witz und Fantasie. Jeder Track ist ein Charakterstück an der Grenze zur Übertreibung. Es ist, als hätte Julian Oliver Mazzariello zu einem übermütigen Rundumschlag ausgeholt – quer durch die historische Formenkunde des Jazz.

Bisher kannte man den 40-Jährigen nur als Begleiter. Der in England geborene Pianist, der schon mit acht Jahren in London ein Konzert von Miles Davis besuchen durfte, hat mit einigen der größten Solisten der italienischen Jazzszene gespielt. Darunter waren der Trompeter Enrico Rava, der Saxofonist Stefano Di Battista, der Trompeter Fabrizio Bosso. „Debut“ ist, wie der Titel sagt, Mazzariellos erstes Album unter eigenem Namen. Dass er kein Newcomer mehr ist, spürt man allerdings in jedem Takt. Saftig perlen seine Tastenläufe, jede Phrase hat Gefühl und Geist. Dieser Pianist geht entschlossene Schritte vorwärts – und dann wieder hält er sich elegant zurück oder schlägt einen sensiblen Umweg ein. Es ist pausenlos spannend, ihm zuzuhören. Auch seinen namhaften und erfahrenen Mitspielern bereiten diese Manöver hörbaren Spaß.

Übrigens: Die kuriosesten Zierkirschen auf diesem Album heißen „Accarezzame“ und „Que Reste-t-il De Nos Amours“. Es sind zwei europäische Chansons von 1954 bzw. 1942. Sie werden bei diesem Trio endgültig zu Jazz-Standards.

Hans-Jürgen Schaal
Mehr vom Autor: www.hjs-jazz.de

Julian Oliver Mazzariello
Debut
Julian Oliver Mazzariello (Piano), Rémi Vignolo (Bass), André Ceccarelli (Schlagzeug)
Jando Music / Galileo MC
Autor: Siehe Artikel
Samstag 15.12.2018
Chris Minh Doky New Nordic Jazz „Transparency“
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Chris Minh Doky spielt Bass. Geboren in Dänemark als Sohn einer Popsängerin und eines aus Vietnam stammenden Gitarristen, zog es ihn nicht einmal zwanzigjährig mitten hinein in das Eldorado des Jazz, nach New York. Hier wollte er sich beweisen, seinen Platz in der überaus reichen und herausfordernden Szene finden. Ganz dem Motto verpflichtet: Wer sich in New York durchsetzt, der gehört zu den Großen seines Fachs. Schnell sind auch einige der führenden Instrumentalisten des Jazz auf diesen jungen Mann aufmerksam geworden, haben ihn als Sideman für ihre Bands gewinnen können. Neben Mike Stern, Michael Brecker und David Sanborn gehörten auch Ryuichi Sakamoto und David Sylvian zu seinen frühen Arbeitgebern – bis Chris mit eigenen Bands und Projekten für Aufmerksamkeit sorgte.
Mit seinem Trio New Nordic Jazz ist der Bassist auf Spurensuche nach der eigenen Identität. Da er immer als ein amerikanischer Musiker wahrgenommen wurde, war es ihm jetzt Wunsch und Bedürfnis sich seiner dänischen Wurzeln bewusster zu werden. „Was bedeutet es, dänisch und aus den nordischen Ländern zu sein?“, war seine Ausgangsfrage. Und so entstand schon auf dem Debüt dieses Trios der Versuch, die Natur des europäischen Nordens zum Ausdruck zu bringen.
Auf dem hier vorliegenden „Transparency“ geht Minh Doky noch einen Schritt weiter und charakterisiert in neun Kompositionen die  Lebensweise und das menschliche Miteinander in seinem Geburtsland. „Ich versuche, es aus der Perspektive einer Familie zu beschreiben“, erläutert er den kompositorischen Vorgang. Und so sind Titel wie „Brother“, „Daughter“, „Son“ oder auch „Mother“ entstanden. Musikalisch klingt das Ergebnis wunderbar fließend, mit einem starken individuellen Ausdruck. Die Aufnahmen berühren in ihrer eleganten Intimität, selbst dann, wenn sie von klaren, herzhaften Improvisationen durchtränkt sind. Minh Doky widersteht aber jedem Versuch einer romantischen Nabelschau. Es sind poetisch brillante, ganz subtil herausgearbeitete Studien, deren melodische Verschlingungen die Einbildungskraft beflügeln. Wunderbar seine selbstbewussten Bass-Exkursionen, die den Stücken eine dunkle, tieftönende Wärme verleihen. So sind musikalische Seelenlandschaften entstanden, die dank der großartigen Zusammenarbeit mit Pianist Peter Rosendal und Schlagzeuger Jonas Johansson zur vollen, einfühlsamen Blüte gelangen.

Wer wissen möchte, wie sich das New Nordic Jazz Trio Live anhört, der kann Chris Minh Doky, Peter Rosendal und Jonas Johansson am Mittwoch, 19. Dezember um 21.00 Uhr in der Münchner Unterfahrt erleben „Ich verspreche Ihnen/Euch, dass wir alles getan haben, um den Jazz-Spirit bestmöglich zu verbreiten. Wir freuen uns, Ihnen „Transarency“ zu präsentieren“, beschreibt der Bassist die Herangehensweise an dieses Album. Dann mal nichts wie hin!
Jörg Konrad

Chris Minh Doky New Nordic Jazz
„Transparency“
Red dot/Warner
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 12.12.2018
Ruben Blades & Chucho Valdes
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Diesmal unternehmen wir musikalisch eine transatlantische Reise - mitten hinein in den latainamerikanischen Kontinent. In Panama und auf Kuba sind Salsa und Merengue, Rumba und Son die angesagten musikalischen Stile. Hierbei handelt es sich um kulturelle und stilistische Einflüsse, die aus dem karabischen Raum stammen und von großer rhythmischer, melodischer, formaler und auch choreographischer Variationsbreite leben.
Aus Panama stammt einer der bekanntesten und beliebtesten Salsa Musiker überhaupt: Ruben Blades. Dieser 1948 geborene Superstar und Volksheld war in seinem Leben Postzusteller, Jurastudent, Schauspieler, Komponist, Dozent, Parteigründer, Tourismusminister, UN-Sonderbotschafter, ja, nach ihm wurde 2011 auch eine neu entdeckte Tarantula-Art benannt. Doch eines ist Ruben Blades während der ganzen Jahre, bis heute kontinuierlich geblieben: Einer der besten, leidenschaftlichsten und erfolgreichsten Salsa Sänger. Ihm wurde in der Saison 2014/15 die Ehre zuteil, mit dem mittlerweile schon legendären JAZZ AT LINCOLN CENTER ORCHESTRA unter Wynton Marsalis in New York zu arbeiten. Mit dabei waren einige von Ruben Blades engsten Musikerfreunden einer Heimat, die der jazzausgerichteten Großformation das richtige Salsa-Feeling verpassten.
Das Repertoire auf „Una Noche Con Ruben Blades“ haben der Salsa-König Blades und die Jazz-Koryphäe Wynton Marsalis zusammengestellt. Es besteht sowohl aus treibenden, straff organisiertem Salsa und einigen zeitlos swingenden Klassikern des Jazz. Die Arrangements für dieses musikalische Gipfeltreffen schrieb durchgehend Carlos Henriquez. Ein kompliziertes Geflecht aus fiebrigen Rhythmen, synkopisch pulsierende Harmonien, messerscharfen Bläserattacken und jeder Menge mitreißender Improvisationen sind die Grundlage, die Ruben Blades vocal veredelt. Musik in einer berauschenden Vollendung. Mitreißend, pfiffig, originär.
Chucho Valdes ist als Gründungsmitglied der Band Irakere international bekannt geworden. Diese Formation spielte afro-kubanischen Jazz und trat mit riesigem Erfolg von 1973 an auf allen großen Festivals der Welt auf. Musikalisch ist der Patriarch des kubanischen Jazz, wie Valdes schon genannt wurde, auch als Solist seiner kubanischen Heimat immer treu geblieben. Sein gerade erschienenes Album „Jazz Batá 2“ macht deutlich, dass Valdes das Piano beherrscht wie kaum ein zweiter. Aber er spielt hier nicht, wie so häufig in der Vergangenheit, teuflisch virtuos. Er nutzt den rhythmischen Unterbau der Batás, das sind zweifellige Sanduhrtrommeln, der Kongas, Bongos und des Bass, um eine irrsinnig vertrackte Musik zu spielen. „Das Klavier ist natürlich ein harmonisches Instrument, aber es ist auch perkussiv und man kann damit Schlagzeug spielen“, sagte Valdes kürzlich in einem Interview. Und so klingt das Albums manchmal wie mit einem großen Perkussionsorchester eingespielt, dann wieder schert Valdes hakenschlagend aus dem Rhythmusverbund aus, brilliert mit honigsüßen Melodien oder mit spartanischer Präzision, er zitiert manch großen Klaviervirtuosen des Jazz und glänzt mit individuellen Improvisationen in ungeraden Metren. Eine wunderbare, manchmal auch explodierende Musik für Kopf und Bauch. Vital, kalkuliert, elegant.
Jörg Konrad  



Ruben Blades
& Jazz At The Lincoln Center Orchestra with Wynton Marsalis
„Una Noche Con“
Blue Engine Records / Galileo

Chucho Valdes
„Jazz Bata 2“
Mack Avenue
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.