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Inhaltsverzeichnis
Avishai Cohen „Arvoles“

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Claire Antonini & Renaud Garcia-Fons „Farangi - Du Baroque à l`Orien...

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Vor 50 Jahren: Die Kenny Clarke Francy Boland Big Band

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LBT (Leo Betzl Trio) „Way Up In The Blue“

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Michael Hornstein & Oliver Hahn „Ellington Now“

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Areni Agbabian „Bloom“

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Freitag 14.06.2019
Avishai Cohen „Arvoles“
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Der Einfluss israelischer Musiker auf den Jazz ist momentan enorm. Und immer wieder rücken neue Instrumentalisten nach. Avishai Cohen, der Bassist, nicht zu verwechseln mit dem Trompeter gleichen Namens, hat in den letzten Jahren mit einigen Alben den Graben zwischen Jazz und Pop überbrückt. Mit der Zeit schien sich Cohen aber immer mehr in Richtung Mainstream zu entwickeln. Seine letzte Aufnahme „1970“ war dann, auch aufgrund der Gesangsarrangements, die stärker ins Zentrum seiner Musik gerückt sind, doch eher etwas für Freunde seichter Soul-Musik.
Auf dem neuen Album ARVOLES nun zeigt er sich wieder als großartiger Bassist, der sein Trio in die inspirierenden Zwischenwelten von Jazz, Folklore und Klassik führt. Zugleich hat die Musik einen unglaublichen Groove, begeistern die ungeraden Rhythmen, die Geschlossenheit und die Dynamik der Band.
Ausgehend vom Klaviertrio, Cohen hat für ARVOLES den aserbaidschanischen Elchin Shirinov als Klavierspieler und den in Israel beheimateten Noam David am Schlagzeug gewinnen können, gibt es mit Björn Samuelsson einen Posaunenspieler und mit Anders Hagberg einen Flötisten. Die beiden letzteren erweitern das Klangspektrum enorm und bringen immer wieder neue Farben ins musikalische Spiel.
Cohen greift in seinen Kompositionen tief in das historische Jazzarchiv, zitiert Bop und Swing, reichert diese mit orientalischen Klängen an und wagt auch immer wieder einen Blick in die überreiche südamerikanische Musikkultur. Die vertrackten und meist kraftvollen rhythmischen Strukturen bringen in „New York 90`s“ einen Hauch Fusion mit ins Spiel. Auf dem verspielten „Elchinov“ klingt sein Trio fast wie eine der akustischen Bands von Chick Corea, bei dem Cohen einige Jahre als eine Art „Hausbassist“ fungierte. Der einstige Bauarbeiter und Möbelpacker macht einfühlsam hörbar, welchen Einfluss Klassiker wie Bach, Mozart oder Brahms auf ihn bis heute ausüben („Childhood“). Und auf „Wings“ klingt das Quintett wie eine wunderbar, leicht dahin eilende Jazzband, die in der Lounge eines Edelhotels zu fortgeschrittener Stunde spielt. Auf ARVOLES paaren sich Charme, Temperament und Melancholie und somit ist diese Aufnahme im Vergleich mit „1970“ die eindeutig interessantere, spannendere, die zugleich schon jetzt neugierig auf Kommendes macht.
Jörg Konrad

Avishai Cohen
„Arvoles“
RazDaz
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Samstag 08.06.2019
Claire Antonini & Renaud Garcia-Fons „Farangi - Du Baroque à l`Orient“
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Der Franzose Renaud Garcia-Fons zeigt in seinen verschiedenen Projekten immer wieder, wie nah sich Komposition und Improvisation stehen können, welche Beziehung es zwischen der Klassik und dem Jazz geben kann, wie offen Musikformen miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Auf „Farangi - Du Baroque à l`Orient“ geht der Bassist nun noch einen Schritt voran und spannt einen weiten und berührenden Bogen zwischen dem Barock und dem Orient. Es ist ein weites Feld, das Garcia-Fons mit der Lautenspezialistin Claire Antonini beackert und dabei auf 19 mehr oder wenigen langen Stücken die glanzvollsten musikalischen Momente entwirft.
Denn zwischen den genannten Eckpunkten realisiert das Duo noch eine Unmenge an stilistischen Herausforderungen und spieltechnischen Möglichkeiten. Neugierig wie die Kinder und zugleich unerschrocken und bewusst experimentierfreudig erforschen beide auf ihren Saiteninstrumenten historische Hintergründe und folkloristische Hinterhöfe. Sie klingen ebenso verspielt, wie sie sich konzentriert in die Kompositionen regelrecht hineinknien. Sie beeindrucken mit einer melancholisch hingebungsvollen Spielweise und sind doch auch in der Lage, im nächsten Moment virtuos zu explodieren. Trotzdem ist die Grundstimmung des Albums eher getragen und harmonisch, ohne jedoch dabei zuckersüße Melodien beliebig aufzutürmen.
Diese Musik berührt durch ihre sehr persönliche Stimmung, durch das Ineinandergreifen atmender, vibrierender Klangräume. Es ist eine tiefgründige, aber auch heitere Gelassenheit, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht und dabei, trotz der sparsamen Instrumentierung, durch ihre Farbenpracht beeindruckt. Musik außerhalb gängiger Konventionen. Zeitlos und schön.
Jörg Konrad

Claire Antonini & Renaud Garcia-Fons
„Farangi - Du Baroque à l`Orient“
e-motive / Galileo
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Montag 06.05.2019
Vor 50 Jahren: Die Kenny Clarke Francy Boland Big Band
Sie gehörten zu den ganz wenigen Big Bands, die einen Hit platzierten. Nicht in den Charts. Stattdessen in den Erinnerungen mindestens einer Generation von Autofahrern. Denn „Jay Jay“ läutete von 1966 bis ins Jahr 2005 an jedem Freitagabend die Verkehrserziehungssendung „Der 7. Sinn“ ein. Mit einem Stück, das die ganze Power und Dynamik dieses Klangkörpers in einem kurzen Jingle zum Ausdruck brachte - ihre Vollkommenheit und ihr phänomenales Miteinander. Bop und Swing als musikalisches Kraftfutter für eine Schar von Solisten mit Format. Jazz als ein kleines aber nachhaltig wirkendes Stück Fernsehgeschichte.
Kenny Clarke, der unvergleichliche Schlagzeuger des BeBop, hatte diese Komposition geschrieben. Eingespielt wurde das Stück dann von dem „besten Jazzorchester der sechziger Jahre“ (Benny Goodman), der Kenny Clarke Francy Boland Big Band. Einem Ensemble aus 17 Musikern unterschiedlichster Weltanschauung und Herkunft, unter der musikalischen Leitung eben jenes Kenny Clarke und des belgischen Pianisten und Arrangeurs Francy Boland. Die CBBB wurde 1962 gegründet und einige Jahre später von Pierluigi, genannt „Gigi“ Campi gemanagt – bis sie sich 1972 auflöste.
In der berühmten Campi-Eis-Diele, einem bedeutenden Treffpunkt der Kölner Kulturszene ab 1948 in der Hohe Straße, brachte der studierte Architekt mit italienischen Wurzeln einmal im Monat prominente Jazzmusiker aus ganz Europa zusammen. Der Musikenthusiast besorgte Aufträge von Funkhäusern und Plattenfirmen, die die „Gelegenheitsband“ in gemieteten Studios einspielte. Doch Campi wollte mehr mit diesem „Orchester der Persönlichkeiten und des perfekten Zusammenwirkens“. Am liebsten weltweit auf Tournee gehen und die vielen großartigen Kompositionen und Arrangements einem breiten Publikum auch Live vorstellen. Denn dieses Orchester, das spürte Campi schon beim ersten Zusammentreffen, war etwas ganz besonderes. Es hatte ein unglaubliches Feuer, die Chemie untereinander stimmte. Der Klang: „Kühl, ausgefeilt, klar und selbst in der gepanzerten Verschalung des Blechs angenehm frei von billigen Effekten“ (J.E.Berendt). Die Musiker konnten diszipliniert vom Blatt spielen und gleichzeitig war jeder einzelne ein großartiger Solist. Zu ihnen gehörten unter anderem Benny Bailey, Dusko Gojkovic, Phil Woods, Johnny Griffin, Sahib Shihab, Derek Humble und Ake Persson. Meist arbeitete die Formation mit zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern, wodurch sich die rhythmische Durchschlagskraft noch um einiges erhöhte. Ihr erstes größeres Engagement hatte die CBBB 1967 beim Jazzfestival in Prag. Kurz darauf ein dreiwöchiges Gastspiel im angesagten Londoner Szeneclub von Ronnie Scott,  über das der „Daily Mail“ schrieb, dass in der Hauptstadt eine Band musizierte, „die Count Basie, Buddy Rich und Woody Herman in den Schatten stellt.“
Den künstlerischen Zenit erreichte die CBBB im Jahr 1969. Sie war auf dem Höhepunkt ihres Könnens angelangt. Es erschienen allein in diesem Jahr, in dem der Jazz seinen Einfluss zugunsten des Rock`n Roll zu verlieren begann, zehn Alben: „Sax No End“, „Latin Kaleidoscope“, „Faces“, „Volcano“, „Rue Chaptal“, „All Smiles“, „All Blues“, „At Her Majesty`s Pleasure ….“. Hinzu kommt ein Live-Mitschnitt von eben jenem furiosen Auftritt in Prag (auf dem tschechischen Label Supraphon) und eine Aufnahme mit der damals noch recht unbekannten (Jazz!-)Sängerin Gitte.
Auf allen Veröffentlichungen zeigt sich die Band in großartiger Verfassung. Bei den Studioaufnahme saßen meist schon die ersten Einspielungen, der erste Take. Man arbeitete konzentriert und effizient. Auf diese Weise konnten einige der Alben an nur einem einzigen Tag aufgenommen werden..
Als die Band sich nach einem Konzert 1972 in Nürnberg auflöste, hatte sie insgesamt 24 Alben in den zwölf Jahren ihres Bestehens veröffentlicht. Einige weitere sollten aus dem reichen Fundus des Orchesters später noch veröffentlicht werden. Doch auf keinem der Alben ist eben jenes „Jay Jay“ im Original enthalten, mit dem die CBBB ihren vielleicht größten Hit landete. Das Stück schlummert vermutlich irgendwo tief in den Archiven des WDR.
Jörg Konrad
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Freitag 03.05.2019
LBT (Leo Betzl Trio) „Way Up In The Blue“
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Es bedarf schon einigen Mutes, in heutigen Zeiten ein Klavier-Trio zu gründen. Schließlich scheint in dieser Besetzung musikalisch fast alles gesagt. Aber eben nur fast. Bestes Beispiel: Das Leo Betzl Trio. Dieser in München ansässigen Formation gelingt es, aktuelle musikalische Phänomene in das akustische Konzept des Klavier-Trios zu übertragen. Und das sind bei Leo Betzl (Piano), Maximilian Hirning (Bass) und Sebastian Wolfgruber (Schlagzeug) Techno, Ambient, Minimal und ähnliche, im elektronischen Bereich angesiedelte Spielweisen. „Unsere Charaktere sind unterschiedlich, was ungeheuer interessant ist. So kommen die verschiedensten Einflüsse zusammen und es entsteht eine faszinierende Vielfalt“, sagte Leo vor einiger Zeit in einem Interview.
Es ist, als würde der in die Jahre gekommene Jazz damit um einige Dekaden verjüngt. Und diese Form der Frischzellenkur bekommt der Musikform ausgezeichnet. Schließlich hatte er in der Vergangenheit immer dann den größten Zuspruch bzw. Erfolg, wenn junge Musiker entsprechend neuen Schwung in ihn brachten, wenn das Traditionelle sich auf kreative Art mit dem Zeitgeist mischte.
Und eine weitere Besonderheit des LBT ist die Geschlossenheit, die das Trio musikalisch verkörpert. Hier spielt nicht ein Solist mit zwei Begleitern. Betzl, Hirning und Wolfgruber agieren gemeinschaftlich. Klarheit und Struktur scheint dabei, trotz einer gewissen Gelassenheit, ihr oberstes Prinzip. Zugleich nutzen die Instrumentalisten jede Möglichkeit für improvisatorische Freiheiten. Jeder Einzelne ist ein Meister der Spontanität. Das mag sich hier paradox lesen – ist musikalisch jedoch die reinste Freude. Musik, die intelligent ist und mitreißend, solide und großzügig, die unangestrengt klingt und in ihrer ungeschliffenen Art beeindruckt.
Jörg Konrad

LBT (Leo Betzl Trio)
„Way Up In The Blue“
Enja
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Montag 29.04.2019
Michael Hornstein & Oliver Hahn „Ellington Now“
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Als Edward Kennedy „Duke“ Ellington am 24. Mai 1974 in New York starb, trauerte die globale Jazzgemeinde. Mit dem Pianisten, Komponisten und Bandleader verlor die Musikwelt nicht nur jemanden, der zwischen fünfzehn(!) Ehrendoktorhüten wählen konnte und dem fünf Ehrenbürgerschaften angetragen wurden. Ellington hinterließ als vielleicht einflussreichste Persönlichkeit des Jazz ein unvergessliches Stück Musik-Geschichte. Joachim Ernst Berendt schrieb damals über ihn: „Ellington war – und ist – genauso wichtig für die Kunst des 20. Jahrhunderts wie Strawinsky oder Schönberg, wie Picasso oder Kandinsky, wie James Joyce oder Proust oder Kafka, wie Louis Armstrong oder Charlie Parker: wie alle großen Persönlichkeiten, die dieses Jahrhundert geprägt haben und die uns jetzt verlassen haben um Platz – geistigen Platz – für eine neue, zukünftige Ära zu machen“.
In diesem Jahr jährt sich nun zum 45. Mal der Todestag Ellingtons. Zugleich wurde er am 29. April vor 120 Jahren geboren. Grund genug, sich in einer ganzen Reihe von Neuveröffentlichungen von namhaften Musikern unterschiedlichster Jazz-Coleur vor dem großen Meister zu verbeugen.
Saxophonist Michael Hornstein hat entsprechend dieser Tage eine Duo-CD herausgebracht, mit dem passenden Titel „Ellington Now“. Die zwölf Kompositionen, natürlich alle aus der Feder des Duke, sind ein Bekenntnis des Münchners zur Tradition des Jazz. Aber auch wenn Stücke wie „I Got It Bad“, „Day Dream“ oder „Chelsea Bridge“ mittlerweile etliche Jahrzehnte alt sind, klingen die Titel frisch und modern, glänzen durch ihre harmonische Struktur, die zeitlosen Melodien und die scheinbare Leichtigkeit, die die Originale auszeichnen.
Michael Hornstein hat sich als Partner für diese Einspielung den Pianisten Oliver Hahn ins Studio geholt. In dieser Duo-Besetzung bekommen die Kompositionen eine Spur Intimität, einen Hauch Vertrautheit. Beide loten die Vorgaben aus, bringen zusätzlich ihre eigenen Persönlichkeiten und Ideen mit ins Spiel. So verwandeln sie Standards beinahe in originale Kompositionen, lassen neben lyrischer Verbundenheit auch Momente der Hochspannung aufblitzen.
Michael Hornstein balanciert wunderbar elegant auf dem Hochseil des Jazz, welches straff zwischen Tradition und Moderne gespannt ist. Selbst Ohrwürmer wie „Caravan“ oder „In A Sentimental Mood“ gestaltet er erfrischend, gibt den fast totgespielten Melodien eine vitale Introvertiertheit. „Ellington Now“ macht mit Michael Hornstein und Oliver Hahn überdeutlich, warum diese Schlachtrösser des Jazz einfach nicht umzubringen sind. Neben der Schönheit dieser Songs zeigt sich an ihnen auch, wer über die Grundlagen der Standards hinaus eben noch etwas eigenes mitzuteilen hat.
Jörg Konrad

Michael Hornstein & Oliver Hahn
„Ellington Now“
Zu beziehn über: https://www.michaelhornstein.de/cds
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Freitag 26.04.2019
Areni Agbabian „Bloom“
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„Bloom“ enthält 17 Miniaturen. 17 kurze Songs, die der Stille abgetrotzt sind - zart, verletzlich, voller Selbstachtung. Eingespielt von der armenischen Sängerin und Pianistin Areni Agbabian. Sie hat die Gabe und das Können mit ihrer überwältigenden Stimme tief zu berühren und mit ihren Improvisationen am Klavier neue Horizonte zu erschließen. Der physische Aufwand scheint dabei minimal. Lyrische Bilder und sehnsuchtsvolle Gedanken werden bei ihr spontan und wie mühelos zu lichtdurchfluteter, manchmal fast tonloser Musik. Selbst Schmerz verwandelt Areni Agbabian in sanfte aber mahnende Klänge, deren Intimität bewegt. Den Geschichten, denen sie ihre sirenengleiche Stimme gibt, fehlt es weder an Schönheit noch an Intensität. Sie provoziert nicht, sondern verzaubert mit ihrer Musik.
Begleitet wird sie auf „Bloom“ von dem sehr zurückhaltend agierenden Schweizer Perkussionisten Nicolas Stocker. Die wenigen rhythmischen Verstrebungen, die er beisteuert, wirken nachhaltig, verändern oft entscheidend die Farben der Songs, oder verdeutlichen deren Schattierungen.
Beide haben dieses außergewöhnliche Album im Herbst 2016 in Lugano eingespielt. Es enthält Kompositionen von Areni Agbabian, armenische Folklore, zwei kurze Impressionen aus der Feder Manfred Eichers, dem Produzenten und Labeleigner.
Alles, was die in Los Angeles geborene Tochter einer armenischen Geschichtenerzählerin musikalisch verarbeitet, bekommt eine sehr persönliche Note. Areni Agbabian hat sich von Kindesbeinen an intensiv mit Musik beschäftigt. Schon mit 15 gab sie klassische Klavierabende. Auch sang sie schon früh in Chören armenische Kirchenmusik und bulgarische Folklore. Sie lebte einige Jahre in New York, spielte dort experimentelle Musik und arbeitete eng mit Jazzinstrumentalisten wie Butch Morris oder Tony Malaby zusammen. Dann traf sie den Pianisten Tigran Hamasyan, mit dem sie auf Tour ging und mit dem sie zwei bemerkenswerte Alben einspielte. Durch ihn beschäftigte sie sich wieder stärker mit den familiären Wurzeln. Aber „Bloom“ ist keine Rückorientierung, sondern eine ganz persönliche Momentaufnahme. Schlicht, spannend, sentimental.
Jörg Konrad 

Areni Agbabian
„Bloom“
ECM
Autor: Siehe Artikel
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