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Inhaltsverzeichnis
DREI ZINNEN

31

DIE KANADISCHE REISE

32

CLAIR OBSCUR

33

DIE VIERHÄNDIGE

34

DETROIT

35

TEHERAN TABU

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Donnerstag 14.12.2017
DREI ZINNEN
Ab 14. Dezember 2017 im Kino
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Seit zwei Jahren sind Aaron (ALEXANDER FEHLING) und seine französische Freundin Lea (BÉRÉNICE BEJO) ein Paar. Und da ist Tristan (Arian Montgomery), Leas achtjähriger Sohn, der sowohl bei ihnen als auch bei seinem leiblichen Vater aufwächst. Das Paar plant, mit dem Jungen nach Paris umzuziehen, davor sollen die gemeinsamen Ferien in einer abgelegenen Hütte in den Dolomiten Aaron und Tristan noch näher zusammenbringen und eine neue Familie aus den Dreien machen. Aaron nähert sich dem Jungen liebevoll, doch als er diesen für sich gewinnen kann, wächst Tristans Zerrissenheit zwischen ihm und seinem Vater, der auch im Urlaub durch regelmäßige Anrufe ständig präsent ist. Lea versucht zu schlichten, während Aaron immer weniger in der Lage ist, diesen Konflikt in ihrem Beisein auszutragen. Als Aaron und Tristan bei einer hochalpinen Bergtour voneinander getrennt werden und undurchdringlicher Nebel aufzieht, scheint eine Katastrophe unabwendbar ...

Mit DREI ZINNEN inszeniert Regisseur und Autor Jan Zabeil ein gefühlvolles Drama, das sich zum packenden Überlebenskampf steigert. Dabei beobachtet er besonders die ambivalenten Emotionen innerhalb einer modernen Familienkonstellation. Auch das herausragende Spiel aller drei Darsteller macht diesen außergewöhnlichen Film zu einem wahren Kinoereignis.
Nach dem mehrfach prämierten DER FLUSS WAR EINST EIN MENSCH arbeitet der Regisseur dabei erneut mit dem Schauspieler Alexander Fehling (IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS, HOMELAND). In den weiteren Rollen des Drei-Personen-Stücks sind die französische Schauspielerin Bérénice Bejo (THE ARTIST, LE PASSÉ) und die Neuentdeckung Arian Montgomery zu sehen.
Bei der Weltpremiere auf dem 70. Locarno Filmfestival wurde DREI ZINNEN nicht nur vom Publikum und der internationalen Presse gefeiert, sondern auch mit dem begehrten Variety©-Piazza Grande Award ausgezeichnet. Auf dem 42. Toronto International Film Festival hat die deutsch-italienische Koproduktion ihre nordamerikanische Premiere in der Sektion „Special Presentations“ gefeiert.
Am 24. Oktober wird DREI ZINNEN außerdem die 51. Internationalen Hofer Filmtage eröffnen.
DREI ZINNEN ist eine Produktion der Rohfi lm Productions GmbH, in Koproduktion mit Echo Film GmbH (Italien) und dem SWR. Produzent ist Benny Drechsel. Gefördert wurde die Produktion von der BKM, IDM Südtirol-Alto Adige, dem DFFF, der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), dem Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), dem Ministerium für Kultur (Rom, Italien) und der FFA.

Ein Film von Jan Zabeil
Mit Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery


Sie sehen aus wie die perfekte Familie, der charismatische Aaron (ALEXANDER FEHLING), die attraktive Französin Lea (BÉRÉNICE BEJO) und der achtjährige Tristan (ARIAN MONTGOMERY), wie sie in einem Strandbad plantschen und lachen. Aaron und Lea werfen sich verliebte Blicke zu, Aaron ist rührend um Tristan bemüht und bringt dem Jungen das Schwimmen bei.
Aber ganz so einfach sind die Dinge nicht. Lea ist seit zwei Jahren mit Aaron zusammen, wegen ihm hat sie Tristans Vater George verlassen, der seinen Sohn liebt und selbstverständlich weiter ein bestimmender Teil seiner Welt bleiben will. Das macht es Aaron nicht gerade leichter, Tristan die Vaterfi gur zu sein, die er dem Jungen gerne sein würde. Ein gemeinsamer Aufenthalt in einer Berghütte in den Dolomiten soll helfen, die Drei zusammenzuschweißen und endlich eine Familie werden zu lassen.
Einen Mangel an Bemühen und ehrlicher Zuneigung für den Jungen kann man Aaron nicht vorwerfen: Wenn Tristan müde ist, trägt er ihn. Er spielt mit ihm in der Hütte auf einem alten Harmonium, bringt ihm den Umgang mit Werkzeug bei, zeigt ihm die Natur, ist verständnisvoll und nachsichtig. Bei einer gemeinsamen Wanderung führt Aaron Tristan zu den Drei Zinnen. Tristan interpretiert die drei Gipfel dabei als einzelne Berge und assoziiert sie direkt mit „Mama, Papa, Kind!“
Als Tristan sich vorsichtig dem sich ausruhenden Aaron nähert und ihm „Papa!“ ins Ohr fl üstert, ist Aaron von unerwartetem Glück erfüllt. Als er Lea davon erzählt, reagiert sie eher nüchtern. Sie macht ihm klar, dass Tristan keinen zweiten Vater braucht. Seine Position sei eine andere.
Eine Kälte macht sich breit. Sie kriecht in die Hütte und die Menschen, die sich in ihr aufhalten. Die Anspannung wächst. Tristan lässt Aaron spüren, dass er keine zweite Vaterfi gur möchte, denn je näher sich die beiden kommen, desto mehr gerät der Junge in einen Loyalitätskonfl ikt mit seinem leiblichen Vater. Instinktiv schlägt sich Lea auf die Seite ihres Sohnes. Aaron will nicht wahrhaben, dass Tristans Aggressionen seiner Person gelten und ihm die Situation immer mehr entgleitet.
Um zu retten, was zu retten ist, wandert er mit Tristan noch einmal zu den Drei Zinnen. Er will den Moment von vor ein paar Tagen wieder heraufbeschwören, aber Tristan, gekleidet in einem weißen Schneeanzug, lässt ihn nicht an sich heran. Demonstrativ läuft er weg, versteckt sich hinter einem Fels. Nebel zieht auf, die Sicht verschlechtert sich von einer Minute zur nächsten. Als Aaron hinter dem Fels nach Tristan sucht, ist der Junge verschwunden … 


„Die Natur ist meine vierte Hauptfigur“
EIN GESPRÄCH MIT REGISSEUR UND AUTOR JAN ZABEIL

Was ist der Ursprung von DREI ZINNEN?
Ich bin thematisch nicht ganz unbelastet, weil ich von Kindesbeinen an in einer verwandten Konstellation aufgewachsen bin. Wobei ich dann doch einen völlig anderen Film gemacht habe, der mit meiner Geschichte nicht viel zu tun hat, aber ich kenne sehr gut die Strukturen, kenne die Dynamik, kenne die emotionalen Untiefen, besonders aus der Perspektive des Kindes.

Das wollten Sie filmisch verarbeiten?
Nein, ich wollte nichts verarbeiten, aber es ist sicherlich ein Thema unserer Zeit, über das nicht genug geredet wird, das haben mir Familienrichter, Anwälte und Therapeuten gleichermaßen in meinen Recherchen bestätigt. Als Gesellschaft sind wir durch die Achtziger- und Neunzigerjahre gegangen, haben uns auseinandergesetzt mit Rollenbildern innerhalb der Familie, haben über fehlende Väter nach Trennungen und unterlassene Unterhaltszahlungen diskutiert, und wie man mit Kindern nach der Trennung umgeht. Nicht, dass diese Probleme nun gelöst wären, aber zumindest wurden diese Fragestellungen durch den Diskurs der letzten Jahrzehnte ins kollektive Bewusstsein gehoben. In DREI ZINNEN steht der neue Partner eines Elternteils im Fokus, insbesondere sein
Handlungsspielraum und Hadern mit seiner Rolle innerhalb der neuen Patchworkfamilie. Diesem Konfl ikt wird ein achtjähriger Junge gegenübergestellt, der durch jegliches Gefühl der Zuneigung gegenüber dem neuen Mann seiner Mutter in einen Loyalitätskonfl ikt mit seinem Vater gerät und daher konstant schwankt zwischen Nähe und Distanz, Bewunderung und Abwehr. Anhand dieser Konstellation ergeben sich universelle Fragestellungen: Was bedeuten Rollenbilder in zwischenmenschlichen Beziehungen? Was ist, wenn Gefühle entstehen, die man sich nicht zugestehen mag?

Wie hat diese Grundidee filmische Form angenommen?
Ich komme sehr stark vom Bild, ich habe Kamera studiert, ich male mit Öl im Studio. Mir geht es zunächst um Visualität, Atmosphäre, Spannung. Ich weiß sehr früh, wie diese Elemente in meinen Filmen aussehen sollen und kenne auch ihren ungefähren atmosphärischen Verlauf, bevor ich anfange zu schreiben. Ich wusste früh, wann der Nebel aufzieht. Aber ich wußte lange nicht genau, was passiert, bis es soweit ist. Im ersten Teil erzähle ich eine Konstellation, versuche sie so genau wie möglich zu beschreiben. Und im zweiten Teil erzähle ich, was ein potenzielles
Schicksal aus dieser Konstellation machen könnte. Das erste ist eine Defi nition, das zweite eine Was-wäre-wenn- Frage: Was passiert, wenn ich dem Drama innerhalb dieser Konfl iktkonstellation seinen freien Lauf lasse?

Was war Ihnen dabei wichtig?
Ganz entscheidend für mich war, dass die Story so wenig Kontrolle über den Film erhalten sollte wie möglich. Ich wollte den Plot so präzise, in diesem Sinne so minimal wie möglich halten, um soviel Freiheit wie nur denkbar zu haben bei der Gestaltung des Films. Von Anfang an stand im Fokus, viele Deutungsperspektiven zu ermöglichen. Jeder kann in den Figuren und in der Konstellation etwas Anderes sehen. Um das möglich zu machen, war es wichtig, nicht nur einer einzelnen Figur die Verantwortung für das Scheitern dieser Familie aufzubürden, sondern diese mehr oder weniger ausgewogen auf mehreren Schultern zu verteilen.

Ist das ein langwieriger Prozess?
Natürlich! Die zeitmäßig aufwendigsten Phasen waren die Arbeit am Drehbuch und später auch der Schnitt. Ich wusste, diese Archaik in den Motiven, das Schicksalhafte der Handlung, ist nur dann glaubwürdig, wenn man ihm eine entsprechende Erdung im zwischenmenschlich Realen bzw. zumindest im Realitätsempfi nden des Zuschauers gibt. Denn auf der anderen Seite arbeite ich mit Symbolen, zum Beispiel mit der Heiligen Maria oder der Erschaffung Adams von Michelangelo, diese würden sich ansonsten zu sehr in den Vordergrund drängen. Aaron will da oben auf dem Berg zum Vater werden, aber er wird eigentlich fast zur Mutter, wenn er das Kind in den Armen hält und trägt wie die Heilige Maria ihr Kind. Das muss man natürlich nicht lesen können, um den Film erleben zu können.

Aber es durchdringt den Film und ist natürlich wichtig.
Ich verlange Einiges von meinem Publikum, das ist mir bewusst: Es muss mir glauben, dass der Sommer binnen weniger Tage in Winter umschlägt, dass die Figuren relativ unempfi ndlich für Kälte sind. Aber es funktioniert, weil es kein Selbstzweck ist und sich Drehbuch und Schnitt an anderer Stelle unbedingt dem Realismus verpflichtet fühlen. Wenn also alles Andere nachvollziehbar ist, wird das praktisch Unmögliche auch plausibel.

Zu welchem Zeitpunkt wurde Aaron zu Alexander Fehling?
Das war mir von Anfang an klar. Die Arbeit mit ihm an DER FLUSS WAR EINST EIN MENSCH war für uns beide so produktiv, so ergiebig, so unvergleichlich, dass wir unsere Zusammenarbeit unbedingt fortsetzen wollten. Damals waren wir drei Monate zu viert im südlichen Afrika unterwegs, also Alexander und ich mit einem Ton- und einem Kameramann und vielen Helfern und Laien von dort. Alexander war zugleich Co-Autor, Kameraassistent, Bootsführer und ich Expeditionsleiter, der einen Film ohne Drehbuch machen wollte, ausgestattet mit einem sechsseitigen Treatment. Wenn man einmal ein solches Wagnis und Abhängigkeitsverhältnis gemeinsam erlebt und daran gewachsen ist, weiß man auch, was man aneinander hat. Er ist jemand der sich voll und ganz einlässt, sei das Vorhaben auch noch so aberwitzig oder unmöglich, aus tiefem Interesse für die Themen und Handlungsoptionen seiner Figur. Er liebt es, verschiedene Varianten dieser Figur zu durchleben, ob in Gedanken im Vorfeld oder beim Dreh. Ich sortiere diese Facetten zum Teil gemeinsam mit ihm, sammle diese und entscheide oft erst im Schnitt welche ich davon verwende und welche nicht, das gibt uns ein ungeheures Gefühl von Freiheit während die Kamera läuft. Alexander war von Anfang an als Aaron gesetzt, bzw. ich habe die Rolle für ihn geschrieben.

Wie involviert war er in die Entstehung?
Sehr. Wir kommen aus der gleichen Stadt, wir sind fast gleich alt, wir kennen uns auch privat. Ich fühle mich ihm verbunden und von ihm repräsentiert. Er ist wie ein Werkzeug einer Variante meiner selbst. Aber natürlich ist er viel viel mehr als das. Er ist mein Gegenüber, mein Sparring-Partner und ein vielseitig begabter Mensch. Er liest das Drehbuch als einer der ersten, stellt Fragen und gibt sich nur mit den präzisesten und durchdachtesten Antworten zufrieden. Er bringt viele Assoziationen und Gedanken mit, die schon früh in das Entstehen der Figur einfließen. Aus meinem Wunsch, die Figur zu erden, macht er eine Radikalumstellung seines Essens und nimmt binnen zweier Monate zehn Kilo zu. Er probiert verschiedene Musikinstrumente, übt und komponiert eine Musik, die es aus der Szene heraus auch in den Abspann geschafft hat und einfach nur umwerfend melancholisch und gefühlvoll ist.
Noch vor den Dreharbeiten hat er sich über jeden Winkel der Geschichte und seiner Figur Gedanken gemacht, beim Dreh dann scheint es so, als wüsste er gar nichts mehr, als sei er einfach nur noch voll und ganz da. Diese Kombination aus extremer Kenntnis der Figur und der Geschichte und seiner Fähigkeit, voll im Moment zu sein, zeichnet ihn auf herausragende Weise aus.

Die Suche nach dem richtigen Jungen war also schwieriger?
Meine Casterin Tanja Schuh hat lange gesucht, an Schulen, bei Agenturen und hat mir Bänder von mindestens 60 Kindern gezeigt, die sie gefi lmt hatte. Als ich Arian (Montgomery) sah, war mein Interesse gleich geweckt. Im Casting war er dann so klug, selbstbewusst und spielerisch, das hat uns allen richtig Spaß gemacht. Und zu unserer Überraschung war er problemlos in der Lage, Worte wiederzugeben, die ich ihm „live“ vorgab, ohne seinen Blick von Alexander abzuwenden oder auch nur eine Sekunde aus der Rolle zu fallen. Er brachte eine unglaubliche Kraft mit, ein Junge, der sich nicht verbiegen lässt. Wenn er auf etwas keine Lust hatte, dann hat er es auch nicht gemacht. Was auch dazu führte, dass wir manchmal nicht drehen konnten. So ein Selbstvertrauen muss man als Achtjähriger erst einmal haben! Mir hat das sehr imponiert. Aber noch viel beeindruckender war es, wie er es geschafft hat, Szenen zu wiederholen und meine Texte so zu sprechen, als wären es seine Worte.
Oft hatte ich ihm nur wenige Minuten zuvor die Texte gegeben und die Szene erklärt. Dann hatte er richtig Lust auf die Szene und konnte kaum Abwarten bis es losging.

Er trug ja auch eine wahnsinnige Verantwortung.
Wir hatten 33 Drehtage, letztes Jahr im Sommer in Südtirol, fast alle zwischen 2.100 und 2.500 Höhenmetern. Wir durften drei Stunden pro Tag mit ihm drehen, und er ist im Grunde fast in jedem Bild zu sehen. Rein mathematisch gesehen ist es eigentlich unmöglich, dieses Pensum zu bewältigen. Aber er war einfach unglaublich gut und effektiv. Viele Einstellungen hatten wir nach der ersten oder zweiten Klappe im Kasten. Die Szene, in der Arian die Hand von Alexander berührt und „Papa“ sagt, haben wir nur einmal gedreht. Hier hat mir Alexander auch sehr geholfen. Er hat Arian bespaßt und herausgefordert, auch abseits der Dreharbeiten, sodass für Arian das vor und hinter der Kamera auf wundersame Weise zu verschwimmen schien.

Es ist ein Drei-Personen-Stück. Für die weibliche Hauptrolle haben Sie Bérénice Bejo gewonnen, in Frankreich ein Superstar. Wie überredet man sie dazu, für eine vergleichsweise kleine Rolle zuzusagen?
Ich hatte sie in LE PASSÉ gesehen und wollte sehr gerne mit ihr arbeiten. Und ich suchte nach einer Französin. Eine französische Frau, ein englischsprachiges Kind, ein deutscher Mann. Ein europäisches Thema, eine in Deutschland lebende Familie, aber jeder mit seiner eigenen sprachlichen Identität. Irgendwann hieß es: „Bérénice wants to skype with you.“ Das war kurz vor Weihnachten und kam wie ein Weihnachtsgeschenk. Und sie sagte ganz lapidar: „I love the script, and I think I want to do it.“

Ein wichtiger Aspekt des Films ist die Natur. Das bedeutete aber gewiss auch, dass es, wie Sie schon angedeutet haben, kein einfacher Dreh war?
Ich habe mir das nicht aus Selbstzweck aufgebürdet. Die Natur ist meine vierte Hauptfi gur. Sie spielt eine wichtige Rolle. Für die Dramatik waren die Bilder der Berge von großer Bedeutung, weil sich die Konfl ikte der Geschichte eben nur über die entsprechenden Bilder richtig und effektiv erzählen lassen. Es ist vielleicht anstrengend, an diesen Originalschauplätzen zu drehen. Aber diese Orte ermächtigen die Schauspieler. Sie stellen etwas mit einem an. Sie gewährleisten eine Echtheit, eine Wahrhaftigkeit, es ist die Vermischung von realer Situation und „Dreharbeiten“, insbesondere für ein Kind. Und man hat den Vorteil, im Grunde in alle Richtungen drehen zu können. Man steckt ja auch als Filmteam mitten in der Situation.

Aber die Szene auf dem Eis können Sie unmöglich in der Natur gedreht haben?
Das war vermutlich die wahnwitzigste Szene, die wir gemacht haben. Wir haben tatsächlich am Originalschauplatz gedreht – und Benny Drechsel hat es mitgetragen, das rechne ich ihm immer noch sehr hoch an. Der Szenograph Michael Randel und sein Team haben ein riesiges Loch in das 70 Zentimeter dicke Eis eines Eissees gebohrt. Von unten haben wir dann an die Eisdecke ein Bassin angebracht, das wir mit 18 Grad warmem Wasser gefüllt haben und in das wir Eisbrocken warfen, um die perfekte Illusion zu erzielen. So haben wir die Szene in einem echten Eissee gedreht. Es war unglaublich und hat fantastisch funktioniert. Die Kamera konnte regelrecht dokumentarisch drehen.

Fiel es Ihrem Kameramann Axel Schneppat leicht, mit Ihnen als gelerntem Kameramann zu arbeiten?
Ich glaube, dass es Kameramänner mögen, wenn sie mit Regisseuren arbeiten, die eine klare Vorstellung von der visuellen Gestaltung ihrer Filme haben und wissen, was sie wollen. Ich als Kameramann jedenfalls weiß das sehr zu schätzen, und ich glaube, für Axel war das ähnlich. Aber ihm ist es immer wieder gelungen, auch auf seine eigene visuellen Entdeckungsreisen zu gehen. Mit einem ausgesprochen feinen Gefühl hat er genau das eingefangen, was wichtig war, um den Film in all seinen Facetten erzählen zu können. Ich konnte ihm sein Feld komplett überlassen. Wir haben uns am Anfang ausgetauscht, danach hat er seine Arbeit gemacht, phänomenal präzise und zuverlässig.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 07.12.2017
DIE KANADISCHE REISE
Ab 14. Dezember 2017 im Kino
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Regisseur Philippe Lioret erzählt in DIE KANADISCHE REISE, basierend auf den
Familienromanen des Bestseller-Autors Jean-Paul Dubois, die Geschichte des 33-jährigen
Mathieu, der seinen leiblichen Vater nie kennengelernt hat. Eines Tages erhält er einen
mysteriösen Anruf aus Kanada, sein Vater sei tot und habe ihm ein Päckchen hinterlassen.
Neugierig und erwartungsvoll entschließt er sich zu einer Reise ins Unbekannte. In Montreal
erwarten ihn zwei ahnungslose Halbbrüder. Pierre, Überbringer der Todesnachricht und
Freund des Verstorbenen, will die Existenz eines weiteren Sohnes geheim halten. Ein
Versteckspiel beginnt! Getarnt als Freund Pierres ergründet Mathieu seine Wurzeln und deckt
dabei verborgene Familiengeheimnisse auf.

Ein Film von Philippe Lioret
nach einem Roman von Jean-Paul Dubois
mit Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand, Catherine de Léan u.a.


Philippe Lioret

Philippe Lioret wurde 1955 in Paris, Frankreich geboren. Nach einer Karriere als Toningenieur
drehte er 1993 seinen ersten Spielfilm „Tombes du Ciel” mit Jean Rochefort und Marisa
Paredes in den Hauptrollen, für den er beim Festival International de Cine de Donostia-San
Sebastian den Preis für die Beste Regie gewann. Nach einigen Werbefilmen folgten 1997
„Tenue correcte exigée”, „Mademoiselle” 2000 und 2004 „Die Frau des Leuchtturmwärters”
mit Sandrine Bonnaire. Sein 2009 veröffentlichter Film „Welcome”, der sich mit dem
Immigrantenmilieu in Calais beschäftigt, spaltete Publikum und Krtiker. Dennoch gewann er
einige Preise (u.a. Prix Lumières und den Friedensfilmpreis der Stadt Osnabrück) und erregte
viel Aufsehen. 2014 erhielt Lioret die Auszeichung „Officier de l’ordre des Arts et des Lettres”
des französischen Kulturministeriums verliehen.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)
Buch & Regie
Die Kanadische Reise (Le fils de Jean, 2016)
Regie
All our desires (Tout nos envies, 2011)
Welcome (Welcome, 2009)
Keine Sorge, mir geht’s gut (Je vais bien, ne t’en fais pas, 2006)
Die Frau des Leuchtturmwärters (L’Équipier, 2004)
Mademoiselle (2001)
Tombés du ciel (1993)
AUSZEICHNUNGEN (Auswahl)
Friedensfilmpreis des Filmfests Osnabrück für Welcome (2009)
Publikumspreis beim Warschauer International Filmfest für Welcome (2009)
„Lux Preis“ des Europäischen Parlaments für Welcome (2009)
„Étoiles d’or“ der Akademie der französischen Presse für Keine Sorge mir geht’s gut (2007)
César-Nominierung (Bester Film) für Keine Sorge mir geht’s gut (2007)
Drei César-Nominierungen für Die Frau des Leuchtturmwärters (2004)
Beste Regie beim Festival de Saint-Sébastian für Tombes du ciel (1993)


Pierre Deladonchamps

Nachdem Pierre Deladonchamps zunächste eine Wirtschaftshochschule besuchte, entschied
er sich schließlich doch für eine Schaupielkarriere und besuchte, nach einigen
Zwischenstationen, ab 2001 die Schauspielschule „Cours Florent” in Paris. Nach einigen Rollen
in Fernsehserien wechselte er 2010 zum Film.
2014 wurde er für seine Rolle als Franck im Drama-Thriller Der Fremde am See, für die er mit
dem César für den „Vielversprechendsten Schauspieler” ausgezeichnet wurde, einem
größeren Publikum bekannt. Für seine Rolle des Mathieu in Die Kanadische Reise wurde er
2017 sowohl für den César als „Bester männlicher Schauspieler” als auch für den Lumières
Award in dieser Kategorie nominiert.
FILMOGRAPHIE (Auswahl)
Golden Years (Nos années folles, 2017)
Die Kanadische Reise (Le fils de Jean, 2016)
Eternity (Éternité, 2016)
Der Fremde am See (L’Inconnu du lac, 2014)
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 30.11.2017
CLAIR OBSCUR
Ab 07. Dezember 2017 im Kino
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Chehnaz ist eine attraktive Frau um die Dreißig. Sie ist mit dem Cem (38) verheiratet, den sie bewundert. Sie geben ein beneidenswertes Paar ab und leben in Istanbul in einer schicken Wohnung. Cem ist ein erfolgreicher Architekt. Er ist rational, neigt dazu seine Frau zu bevormunden und kritisiert sie ständig dafür, dass sie zu emotional sei oder irrationale Entscheidungen treffe.

Ein Film von Yeşim Ustaoğlu
Mit Funda Eryigit, Mehmet Kurtulus, Ecem Uzun u.a.

Chehnaz hat gerade ihre Ausbildung zur Psychologin beendet und muss nun wochentags ein Pflichtpraktikum in einem Krankenhaus in einer abgelegenen Küstenstadt absolvieren. Chehnaz hofft, dass sie diese Zeit übersteht, in dem sie jedes Wochenende zurück zu ihrem Mann nach Istanbul fährt. Sie will einfach nur dieses Praktikum hinter sich bringen. Auch deshalb hat sie sich keine eigene Wohnung gemietet, sondern wohnt in einem möblierten Zimmer in einem Apartmenthotel am Meer. In den stürmischen Winternächten steht sie dort am Fenster und schaut angsterfüllt auf die dunkle Brandung unter ihr.

Unter der Woche untersucht sie Patienten im städtischen Krankenhaus, aber diese Arbeit wird schnell zur Routine und fängt an, sie zu langweilen. Sie fährt zurück aus ihrem grauen Alltag und versucht wieder in das Leben mit ihrem Mann einzutauchen. Aber das fällt ihr immer schwerer, auch, weil es zwischen ihr und ihrem Mann sexuelle Probleme gibt. Es scheint, als sei der Akt nur dafür da, ihn, anstatt sie beide voll zu befriedigten.

Eines Morgens, nach einem heftigen Sturm, sitzt ihr im Krankenhaus eine junge Frau gegenüber. Es ist Elmas (18). Diese Begegnung ist für Chehnaz wie ein Weckruf.

Elmas wurde noch als Kind von ihrem Vater mit einem entfernten Verwandten verheiratet und landete so in dieser, für sie fremden Stadt. Sie arrangiert sich so gut sie eben kann mit einem viel älteren Mann und seiner Mutter, die an Diabetes erkrankt ist. Elmas leidet emotional und körperlich, wenn ihr Mann mit ihr schlafen will. Ihre religiöse Erziehung schreibt ihr vor, ihrem Mann jeden Wunsch zu erfüllen und sie fühlt sich extrem schuldig, dass sie ihn beim Sex nicht befriedigen kann. Sie hat niemanden, dem sie sich anvertrauen könnte.

Eines Nachts, draußen tobt ein heftiger Sturm, wird ihrem Leiden ein plötzliches Ende gesetzt. Ihr Mann trägt ihr auf, den Kohlen nachzulegen, nachdem er sich an ihr befriedigt hat und seelenruhig eingeschlafen ist. Elmas tut, wie ihr geheißen und geht danach ins Bad, um sich gründlich zu waschen. Als sie wieder aus dem Bad kommt, findet sie ihren Mann tot im Bett – er ist an einer Kohlenmonoxyd-Vergiftung gestorben, da der Sturm den Qualm zurück in den Schornstein gedrückt hat. Sie versucht nicht, ihren Mann wiederzubeleben, sondern verbringt die ganze Nacht in eisiger Kälte auf dem Balkon.

Völlig entkräftet findet sie die Polizei am nächsten Morgen. Elmas wird wegen Mordes an ihrem Mann verhaftet. Nachdem sie vom Gerichtsmediziner untersucht worden ist, wird sie zur psychologischen Betreuung zu Chehnaz geschickt. Diese Begegnung wird beide Frauen grundlegend verändern. Sie löst einen Prozess aus, in dem sie versuchen, ihre Probleme zu bewältigen, die nur auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 23.11.2017
DIE VIERHÄNDIGE
Ab 30. November 2017 im Kino
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Die Schwestern Sophie und Jessica werden als Kinder Zeuge eines brutalen Verbrechens. Jessica verspricht daraufhin der jüngeren Sophie, immer auf sie aufzupassen. Doch 20 Jahre später ist aus dem Versprechen eine Besessenheit geworden. Während Sophie versucht, Pianistin zu werden und sich ein Leben frei von Ängsten aufzubauen, leidet Jessica unter Wahnvorstellungen, fürchtet überall eine Bedrohung. Als die Täter von damals auf freien Fuß kommen, ist Jessica entschlossen, sie zu finden. Ein Unfall aber verändert alles und verwandelt Jessicas Versprechen, immer auf ihre kleine Schwester aufzupassen, in einen existentiellen Alptraum.


Ein Film von Oliver Kienle
mit Frida-Lovisa Hamann, Friederike Becht, Christoph Letkowski, Detlef Bothe u.a.


Eine außergewöhnliche Geschichte, virtuos und fesselnd erzählt: DIE VIERHÄNDIGE dringt tief in das Trauma zweier Schwestern ein und verfolgt ihren inneren und äußeren Kampf mit großer emotionaler Glaubwürdigkeit und Intensität. Der Film zieht alle Register des Genres und treibt seinen Plot dynamisch und mit immer neuen Twists voran – behält dabei aber immer seinen erzählerischen Kern im Auge: den hochexplosiven Konflikt zwischen zwei jungen Frauen und ihr Ringen mit einer schicksalhaften Vergangenheit.
Regisseur und Drehbuchautor Oliver Kienle zählt zu den großen deutschen Filmtalenten. Sein Langfilmdebüt BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG sorgte 2010 für Furore und wurde mit den wichtigsten Nachwuchspreisen ausgezeichnet. Auch in DIE VIERHÄNDIGE beweist Kienle seine Begabung für lebendige und stimmige Charaktere, temporeiches und tiefgründiges Storytelling und starke Kinobilder auf internationalem Niveau.
Für die beiden Hauptrollen fand er mit Friederike Becht (IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS, HANNAH ARENDT) und dem Burgtheater-Ensemblemitglied Frida-Lovisa Hamann (DIE WEISSE SCHLANGE) die perfekte Besetzung. Auch die Nebenrollen sind hochrangig besetzt. Christoph Letkowski (FEUCHTGEBIETE, CHAOSTAGE – WE ARE PUNKS) ergänzt den Hauptcast, dazu gesellt sich Detlef Bothe (SPECTRE). Als Gastauftritte überzeugen Burak Yiğit (VICTORIA) und Heiko Pinkowski (ALKI ALKI, DIE FRISEUSE).
DIE VIERHÄNDIGE ist eine Produktion von Erfttal Film (Produzenten: Klaus Dohle und Markus Reinecke) in Ko-Produktion mit Niama Film, Pantaleon, dem SWR (Redaktion: Stefanie Groß) und ARTE (Redaktion: Barbara Häbe). Gefördert wurde der Film von der MFG, DFFF, FFA und BKM.
DIE VIERHÄNDIGE hat auf dem diesjährigen FILMFEST MÜNCHEN seine Weltpremiere gefeiert. Seine Internationale Premiere feierte der Psychothriller beim 53sten Chicago International Film Festival.
DIE VIERHÄNDIGE war für den FÖRDERPREIS NEUES DEUTSCHES KINO – und damit für einen der höchstdotiertesten Nachwuchspreise in Deutschland – in folgenden Kategorien nominiert: „Regie“ und „Drehbuch“ (Oliver Kienle), „Produktion“ (Markus Reinecke) sowie „Schauspiel“ (Frida-Lovisa Hamann).



INTERVIEWS

Oliver Kienle – Regie

Was interessierte dich an einem Film über zwei so eng miteinander verbundene Schwestern?
Sophie und Jessica sind für mich wie das Yin und Yang einer gespaltenen Seele. Beide haben sehr unterschiedliche Wege, mit einem Trauma aus der Kindheit umzugehen. Sophie will vergessen, will nach vorne blicken, sich ein Leben als Pianistin aufbauen, sich verlieben. Jessica hingegen blickt zurück, suhlt sich im Trauma und ist dadurch regelrecht paranoid geworden. Was mich am meisten an der Geschichte fasziniert hat, ist, wie die Schwestern miteinander „verschmelzen“, wie bald nicht mehr klar ist, ob wir zwei Schwestern oder zwei gespaltene Persönlichkeiten in einer Figur sehen. Darin besteht für mich die große Wahrhaftigkeit in diesem Film: Ein Trauma zerreißt die Seele, und es ist ein langer Weg, die Seele wieder zu vereinen.

So gesehen ist der Film also selbst gespalten?
Absolut. Darin lag für mich wiederum der große filmische Reiz an diesem Stoff. Wir haben einerseits die Geschichte der tief verletzten, krank gewordenen Jessica, die Jagd auf die Täter von damals macht und in ihrem Wahn glaubt, nur dadurch ihre Schwester beschützen zu können. Andererseits erleben wir die Geschichte der liebenswerten Sophie, die versucht, Jessica aufzuhalten und für ein normales, schönes Leben zu kämpfen. Es ist ein Kampf zwischen Yin und Yang.
Die Spaltung bildet sich auch ästhetisch ab. Es gibt eine Jessica- und eine Sophie-Welt.
Sophies Welt ist warm und ruhig. Es ist die Welt der klassischen Musik, der Schönheit, ihr Ort ist der Konzertsaal, hell und gediegen. Jessicas Welt ist kalt, düster und industriell geprägt. Ihre Orte sind Tiefgaragen oder düstere Rock-Schuppen. Das Haus, in dem die Schwestern wohnen, befindet sich genau in der Schnittmenge dieser beiden Welten: eine schöne altehrwürdige Villa vor einem alten Industriekomplex. Das Haus ist für mich ein Symbol für die Seele, in der Yin und Yang wohnen.

Und warum hast du dich für zwei Schwestern und nicht zwei Brüder entschieden?
Ich wollte von Anfang an keinen brachialen Thriller machen, sondern einen sinnlichen Film mit sensiblen Figuren, denen man ansieht, dass sie in einem anderen Leben wahrscheinlich liebenswerte, gefühlvolle Menschen geworden wären. Rein intuitiv war für mich immer klar, dass es um Schwestern gehen würde. Von solch spannenden Frauenfiguren versprach ich mir den richtigen Kontrast zwischen der düsteren und der hoffnungsvollen Welt, zwischen Härte und Sensibilität, zwischen Gewalt und Kunst. Außerdem ist es für mich ein großer Reiz, Frauen in Rollen zu zeigen, in denen man aus der Sehgewohnheit heraus Männer erwartet. Das weltweite Interesse an solchen weiblichen Charakteren kommt ja nicht von ungefähr; auch in der internationalen Serie BAD BANKS, die ich geschrieben habe und die gerade unter der Regie von Christian Schwochow gedreht wurde, sind die spannendsten Hauptfiguren Investmentbankerinnen in einer von Männern dominierten, testosterongeladenen Welt. Frauenfiguren waren in den letzten Jahrzehnten chronisch untererzählt, und müssen daher in vielen filmischen Situationen und Konflikten erst noch ihre Werkzeuge und Waffen finden, um bestehen zu können. So auch in DIE VIERHÄNDIGE.

Genrekino, zumal aus Deutschland, hat hierzulande keinen leichten Stand. Warum hast du dich trotzdem dafür entschieden?
Zunächst einmal ist jeder Film Genre. Es gibt keinen Film ohne Genre. Seltsamerweise assoziieren mit dem Begriff Genre aber die meisten Menschen Horror- oder Thriller-Filme. Das ist schade, weil man dann schnell über die Machart und nicht über den inhaltlichen Kern spricht. Dabei ist es immer die Geschichte und deren Wahrhaftigkeit, die über die Qualität eines Films entscheidet, egal in welchem Genre. Ich habe diesen Beruf gewählt, um mutig zu sein, und suche die künstlerische Herausforderung. Nach meinem Debütfilm BIS AUFS BLUT habe ich mir lange überlegt, welchen Kinostoff ich als nächstes angehen wollte. Natürlich hätte ich es mit einer Komödie leichter gehabt. Ich finde aber, wir Filmemacher in Deutschland sollten viel hartnäckiger an Filmen arbeiten, deren filmische Qualität nur mit viel Arbeit und Risiko verbunden ist. Also ein gehobenes Genre zu schaffen, bei dem die Balance zwischen Anspruch und Unterhaltung stimmt. Wenn dies der Fall ist, entsteht gutes Kino, davon bin ich überzeugt.

Habt ihr lange am Drehbuch gearbeitet?
Enormen Auftrieb gab uns, dass die Feedbacks auf unser Drehbuch sehr positiv waren. Sei es von Stefanie Groß vom SWR oder von Barbara Häbe von ARTE. Das bestärkte uns darin, das Projekt bis zum Ende so durchzuziehen. Trotzdem brauchten wir insgesamt vier Jahre, bis wir endgültig mit dem Plot und der Psychologie der Figuren zufrieden waren.

Charakteristisch für deine Arbeitsweise ist es, dass du den einzelnen Gewerken große Freiheiten lässt. Was versprichst du dir davon?
Einen besseren Film. Das wertvollste an kreativen Menschen ist immer deren eigene Vision. Die sollte man wecken, und zwar durch inhaltliche Annäherung an den Kern des Films. Nehmen wir zum Beispiel die Kamera. Sie hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie die filmische Welt aussieht. Wenn – wie in unserem Fall – Yoshi Heimrath den Film auf seine Weise interpretiert und seine eigene Vision entwickelt, wird das stark. Oder unser Komponist Heiko Maile, der mit seiner Musik geholfen hat, die Verschmelzung der Welten spürbar zu machen. Film, und das wird in unserer Branche gerne verdrängt, ist Kunst. Und die entsteht durch Visionen in kreativen Köpfen. Diese Visionen kann man nicht erzwingen oder vorgeben, man kann nur helfen, sie zu zünden.




Frida-Lovisa Hamann – Sophie

Du kommst vom Theater und gehörst zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Was sind die Hauptunterschiede zwischen Bühne und Filmset?
DIE VIERHÄNDIGE ist mein erster Kinofilm und war erst mein zweiter Dreh überhaupt. Ich hatte also nicht viel Erfahrung und war froh, dass ich Oliver Kienle an meiner Seite hatte. Außerdem lag zwischen Casting und Drehstart ein Jahr, so dass ich Zeit hatte, mich auf das Medium einzustellen. Beim Drehen geht es ganz viel ums Denken, im Theater sind die Vorstellungen eher eine körperliche Erfahrung. Während des Drehs spielte ich am Wochenende immer noch Theater. Ich sprang jedes Mal voller Energie auf die Bühne und tobte mich dort aus. Das war wie Sport. Am Montag kehrte ich dann wieder zurückgenommen zum Set zurück.

Was dachtest du, als du das Drehbuch von DIE VIERHÄNDIGE zum ersten Mal gelesen hast?
Ich habe es in einem Rutsch gelesen und wurde richtiggehend in einen Sog gezogen. Meine Fantasie sprang sofort an. Ich versuchte, mir meine Figur vorzustellen. Wie ist sie? Welche Stationen durchläuft sie? Die üblichen Fragen, die sich Schauspieler stellen. Aber es blieben bei mir am Ende große Fragezeichen.

Wurden diese Fragezeichen mit der Zeit kleiner?
Nein, im Gegenteil, sie wurden immer größer! Erst wenige Tage, bevor die Dreharbeiten begannen, wurde mir klar, dass mein eigenes Problem genau die Situation meiner Figur Sophie widerspiegelt und darin ihr Motor liegt: Sophie befindet sich in einem riesigen Chaos und muss sich strukturieren. Das war auch der große Reiz an dieser Rolle: Die Fragezeichen auszuhalten und das Chaos anzunehmen. Das beunruhigt einen als Menschen und als Schauspielerin natürlich erst einmal. Aber es kann auch sehr lustvoll sein und viele Überraschungen bergen.

Du spielst in DIE VIERHÄNDIGE Sophie, Friederike Becht die Rolle der Jessica. Manchmal entsteht der Eindruck, beide Figuren verschmelzen miteinander … Wie war das für dich?
Sehr spannend. Man musste das, was die andere spielte, im Kopf immer mitspielen. Friederike Becht und ich hatten zwar nur wenige Drehtage zusammen, waren aber im Vorhinein und auch währenddessen immer in einem engen Austausch, haben uns verständigt, uns auch aneinander gerieben in unserer Andersartigkeit. Das war wie Yin und Yang und ergab schließlich ein gutes Gleichgewicht.

Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?
Sehr. Man merkt, wie viel intensive Arbeit in jeder Einstellung von DIE VIERHÄNDIGE steckt, wie viel Herzblut. Das gilt für alle Abteilungen, besonders natürlich aber für Oliver. Er ist sehr ehrgeizig und perfektionistisch und lässt keine Fehler und Faulheiten durchgehen. Das merkt man dem Film an.



Friederike Becht – Jessica

Was war für dich die Hauptherausforderung an der Rolle der Jessica?
Jessica ist wie eine Droge. Sie lebt in einem atemlosen Horrortrip. Ihre Kraft, ihr Kampf gegen sich selbst, ihre Unvorhersehbarkeit, ihre von Angst erfüllte Besessenheit, ihr ständiger Versuch, die Kontrolle über sich selbst nicht zu verlieren. Sie ist Gefangene ihrer Selbst, Gefangene einer traumatisierten, verletzten Seele. Die Hauptherausforderung war, dieser Frau gerecht zu werden.

Führte die Intensität der Beziehung zwischen den Schwestern im Film zu einer engeren, intensiveren Zusammenarbeit mit deiner Filmpartnerin Frida-Lovisa Hamann – oder machte sie sogar erforderlich?
Ein enges Zusammenspiel strebe ich immer an. Doch ja! Durch diese ganz besondere Schwestern-Beziehung, die wir in DIE VIERHÄNDIGE erzählen, sind Frida-Lovisa und ich uns sehr intensiv begegnet – und das war ganz hervorragend! Wir sind durch die Arbeit Freundinnen geworden.

Wie war die Zusammenarbeit mit Oliver Kienle?
Oliver Kienle war ein weiterer wichtiger Grund, wieso ich diese Rolle unbedingt spielen wollte. Er arbeitete auf Augenhöhe mit uns. Hier wird intensive Zusammenarbeit gewünscht und gesucht. Außerdem probiert er viel aus, sucht nach den besten Wegen. Er hat einen supergenauen Blick wie ein Brennglass. Ich habe es geliebt!
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Donnerstag 16.11.2017
DETROIT
Ab 23. November 2017 im Kino
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Der Sommer 1967 ist ein ausschlaggebender Moment in der modernen amerikanischen Geschichte, als das Land von wachsenden politischen und sozialen Unruhen heimgesucht wird. Die Eskalation des Vietnamkriegs sowie jahrzehntelange Ungleichheit und Unterdrückung fordern ihren Tribut. Die Unzufriedenheit und kochende Wut finden schließlich ihren Höhepunkt in den Großstädten, wo die afroamerikanische Gemeinschaft seit jeher mit systematischer Diskriminierung sowie hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Kathryn Bigelows neustes Werk fokussiert sich auf die schreckenerregenden Ereignisse eines Abends während der Bürgerrechtsaufstände in Detroit: Als zwei Tage nach Beginn der Rebellionen auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia. Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen – in Isolation sollen sie durch Einschüchterung zum Geständnis gedrängt werden. Das lebensbedrohliche Machtspiel eskaliert und bringt schwerwiegende Folgen mit sich …


Regie: Kathryn Bigelow

Mit: John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter, Algee Smith, Samira Wiley, John Krasinski, Hannah Murray u.v.m.


PRESSENOTIZ

Sie ist eine der visionärsten und intelligentesten Thriller- und Action-Regisseurinnen unserer Zeit. Ihre Filme sind so hautnah an den Ereignissen, dass dem Zuschauer der Atem stockt: Kathryn Bigelow erzählt Geschichten, die bewegen, erschüttern, nachdenklich machen – und vor allem in jeder Hinsicht fesseln. Mit ihren letzten beiden Filmen „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (6 Oscars® u.a. für „Bester Film“ und „Beste Regie“) und „Zero Dark Thirty“ (5 Oscar®-Nominierungen) fühlte sie unserer politischen Gegenwart auf den Zahn, mit DETROIT begibt sie sich nun auf historisches Terrain, das zwar Jahrzehnte zurückliegt, aber dennoch bestürzende Parallelen zu unserer Gegenwart erkennen lässt. Das Drehbuch zu diesem hochspannenden Thriller schrieb erneut Mark Boal (Oscar® für „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“), dessen spannungsgeladene Erzählweise den Zuschauer das Geschehen unmittelbar erleben lässt. In den Hauptrollen spielen John Boyega („Star Wars: Das Erwachen der Macht“), Anthony Mackie („Tödliches Kommando – The Hurt Locker“, „The First Avenger: Civil War“), Will Poulter („The Revenant“), Algee Smith („Army Wives”), Samira Wiley („Orange is the New Black“), Jack Reynor („Macbeth”), Hannah Murray („Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“), Tyler James Williams („The Walking Dead“), Jason Mitchell („Kong: Skull Island“) und John Krasinski („Promised Land“).


KATHRYN BIGELOW (Regie, Produktion)
Kathryn Bigelow ist nicht nur zweifache Oscar®-Preisträgerin, sondern auch eine Ausnahmekünstlerin. Als Regisseurin und Produzentin kann sie auf ein Werk verweisen, mit dem sie sich stets allen Genre-Einordnungen widersetzt und sich auf packende und beeindruckende Weise ihren Figuren und Konflikten widmet. Bigelow inszenierte und produzierte zuletzt das von der Kritik gefeierte Drama ZERO DARK THIRTY (“Zero Dark Thirty”, 2012), das für fünf Oscars® nominiert wurde, darunter als Bester Film. 2010 hatte sie für TÖDLICHES KOMMANDO - THE HURT LOCKER (“The Hurt Locker”, 2008) zwei Oscars® in den Kategorien Bester Film und Beste Regie gewonnen.
Bigelow strebte zunächst eine Karriere als Malerin an, machte einen Abschluss am San Francisco Art Institute und erhielt anschließend einen Platz im Independent Study-Programm des Whitney Museum. Sie schrieb sich schließlich für ein Filmstudium an der Columbia University ein, das sie mit einem Master abschloss. 2011 ehrte das MoMa Bigelows Arbeit als Filmemacherin und Künstlerin mit der Ausstellung „Crafting Genre: Kathryn Bigelow“.
Bigelow unterstützt verschiedene wohltätige Organisationen im Bereich Umwelt- und Tierschutz, darunter die African Wildlife Foundation, Charity Water, David Sheldrick Wildlife Trust, WildAid und die Navel Special Warfare Family Foundation. 2014 drehte sie den Kurzfilm „Last Days“ (2014), einen wachrüttelnden Blick auf das Thema Wildtier-Schmuggel, von dem nicht zuletzt Terrorgruppen profitieren und der dazu führen könnte, dass den Elefanten innerhalb der nächsten elf Jahre das Aussterben droht. Anschließend wurde die Regisseurin zu einem Diskussionsforum in Washington D.C. eingeladen, wo sie sich mit Aktivisten, Abgeordneten, NGO-Mitarbeitern und Vertretern des Verteidigungs-, Außen- und Innenministeriums über humanitäre Themen sowie Sicherheits- und Tierschutzfragen austauschte. Das ergiebige Treffen trug dazu bei, dass Präsident Obama ein Gesetz unterzeichnete, das Elefanten, Nashörner und andere bedrohte Tierarten vor internationalen Wilderern und Schmugglern schützt. Davon inspiriert kündigte China Pläne an, bis Ende 2017 sämtlichen Handel und die Verarbeitung von Elfenbein zu verbieten. 2015 erhielt Bigelow für den Kurzfilm den Genesis Award der Human Society of the United States.
Auch mit dem Virtual Reality-Kurzfilm „The Protectors“ (2017), den sie gemeinsam mit Imraan Ismail für National Geographic drehte, widmete sich Bigelow den Gefahren und Folgen des Elfenbeinhandels. Der Film, der seine Premiere 2017 beim Tribeca Film Festival feierte, zeigt die gefährliche und grausame Realität, der sich die Ranger gegenüber sehen, die in Afrika Elefanten vor Wilderern schützen.

FILMOGRAFIE KATHRYN BIGELOW (Auswahl)
2017    DETROIT
2012    Zero Dark Thirty (Zero Dark Thirty)
2008    Tödliches Kommando – The Hurt Locker (The Hurt Locker)
2002     K-19 – Showdown in der Tiefe (K-19: The Widowmaker)
2000    Das Gewicht des Wassers (The Weight of Water)
1995    Strange Days (Strange Days)
1991    Gefährliche Brandung (Point Break)
1990    Blue Steel (Blue Steel)
1987    Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (Near Dark)
1981    Die Lieblosen (The Loveless)



JOHN BOYEGA (Dismukes)
John Boyega, Gewinner des Rising Star Awards bei den BAFTAs 2016, sorgte für weltweites Aufsehen in J.J. Abrams STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (“Star Wars: Episode VII – The Force Awakens”, 2015). Auch in der Fortsetzung STAR WARS: DIE LETZEN JEDI (“Star Wars: The Last Jedi”, 2017) von Rian Johnson ist er in diesem Jahr wieder mit von der Partie. Zu seinen weiteren Filmen der letzten Zeit gehören THE CIRCLE (“The Circle”, 2017) mit Tom Hanks und Emma Watson sowie der Sundance-Gewinner IMPERIAL DREAMS (“Imperial Dreams”, 2014).
Der Durchbruch gelang Boyega mit ATTACK THE BLOCK (“Attack the Block”, 2011) von Joe Cornish, der 2011 beim SXSW Festival den Publikumspreis gewann. Darüber hinaus war er neben Chiwetel Ejiofor in HALF OF A YELLOW SUN (“Half of a Yellow Sun”, 2013), Spike Lees Serien-Pilotfolge „Da Brick“ (2011), der Serie „24: Live Another Day“ (2014) mit Kiefer Sutherland sowie in den BBC-Produktionen „My Murder“ (2012) und „The Whale“ (2013) zu sehen. Seinen Einstand hatte er in der von der Kritik gefeierten britischen Serie „Becoming Human“ (2011) gegeben, bevor er für „Law & Order: UK“ (2011) vor der Kamera stand.
Boyega studierte Schauspiel an der Identity School of Acting und stand früh in Stücken wie „Six Parties“ oder „Category B“ am Londoner West End auf der Bühne. Kürzlich übernahm er am legendären Old Vic Theatre die Titelrolle in einer Neuinszenierung von Büchners „Woyzeck“. Bereits abgedreht hat er PACIFIC RIM: UPRISING (“Pacific Rim: Uprising”, 2018). Für die Fortsetzung des Erfolgsfilms von Guillermo del Toro zeichnet er als Hauptdarsteller und Produzent verantwortlich.

FILMOGRAFIE JOHN BOYEGA (Auswahl)
2017    DETROIT
    Regie: Kathryn Bigelow
2017    Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)
    Regie: Rian Johnson
2017    The Circle (The Circle)
    Regie: James Ponsoldt
2015    Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: Episode VII – The Force Awakens)
    Regie: J.J. Abrams
2013    Half of a Yellow Sun (Half of a Yellow Sun)
    Regie: Biyi Bandele
2011    Junkhearts (Junkhearts)
    Regie: Tinge Krishan
2011    Attack the Block (Attack the Block)
    Regie: Joe Cornish


WILL POULTER (Krauss)
Will Poulter, der 2014 den renommierten Rising Star Award bei den BAFTAs erhielt, wurde für seine Rolle in der erfolgreichen Komödie WIR SIND DIE MILLERS (“We´re the Millers”, 2013) mit dem MTV Award in den Kategorien Breakthrough Performance und Best Kiss ausgezeichnet. Anschließend war er in Filmen wie WAR MACHINE (“War Machine”, 2017) mit Brad Pitt, KIDS IN LOVE (“Kids in Love”, 2016) mit Cara Delevigne, Alejandro Iñárritus Oscar®-Gewinner THE REVENANT – DER RÜCKKEHRER (“The Revenant”, 2015) mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy, GLASSLAND (“Glassland”, 2014) mit Toni Collette und MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IM LABYRINTH (“The Maze Runner”, 2014) zu sehen.
Sein Spielfilmdebüt gab Poulter in DER SOHN VON RAMBOW (“Son of Rambow”, 2007) von Garth Jennings, für den er prompt eine Nominierung als Bester Newcomer für den British Independent Film Award erhielt. Anschließend war er in WILD BILL (“Wild Bill”, 2011) zu sehen, wofür er als Young British Performer of the Year bei den Critics’ Circle Awards nominiert wurde. Zu seinen weiteren Filmen gehören DIE CHRONIKEN VON NARNIA: DIE REISE AUF DER MORGENRÖTE (“The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader”, 2005) mit Tilda Swinton. Außerdem stand er für die Comedy-Sketch-Show „School of Comedy“ (2010) vor der Kamera.

FILMOGRAFIE WILL POULTER (Auswahl)
2017    DETROIT
    Regie: Kathryn Bigelow
2017    War Machine (War Machine)
    Regie: David Michod
2015    The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)
    Regie: Alejandro G. Iñárritu
2014    Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (The Maze Runner)
    Regie: Wes Ball
2013    Wir sind die Millers (We’re the Millers)
    Regie: Rawson Marshall Thurber
2010    Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte (The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader)
    Regie: Michael Apted
2007    Der Sohn von Rambow (Son of Rambow)
    Regie: Garth Jennings


ALGEE SMITH (Larry)
Algee Smith ist ein amerikanischer Sänger, Rapper und Schauspieler. Kürzlich war er als Popstar in dem TV-Dreiteiler „The New Edition Story“ (2017) zu sehen. Zu seinen weiteren Rollen gehören Auftritte in der Disney-Produktion EARTH TO ECHO – EIN ABENTEUER SO GROSS WIE DAS UNIVERSUM (“Earth to Echo”, 2014), dem Fernsehfilm „Let It Shine – Zeig, was Du kannst!“ (“Let It Shine”, 2012) sowie den Serien „Complications” (2015), „How to Rock” (2012) und „Army Wives” (2012).
Seine ersten Songs schrieb Smith im Alter von elf Jahren. Später folgten Auftritte an legendären Orten wie dem Madison Square Garden oder der Cobo Arena. Mit einer stetig wachsenden Fangemeinde bei Facebook, YouTube, Twitter und Instagram und der Kombination aus Musik und Schauspielerei steht Smith eine steile Karriere bevor.

FILMOGRAFIE ALGEE SMITH (Auswahl)
2017    DETROIT
    Regie: Kathryn Bigelow
2014    Earth to Echo – Ein Abenteuer groß wie das Universum (Earth to Echo)
    Regie: Dave Green
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Donnerstag 09.11.2017
TEHERAN TABU
Ab 16. November 2017 im Kino
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TEHERAN TABU feierte als provokanter, gesellschaftskritischer Animationsfilm seine Weltpremiere bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Die deutsch-österreichische Koproduktion ist das Spielfilmdebüt des gebürtigen Iraners Ali Soozandeh, der in Deutschland lebt und auch das Drehbuch schrieb.
Gedreht im Rotoskopie-Verfahren mit echten Schauspielern, gelang Soozandeh ein aufwühlendes
und realistisches Drama um vier junge Menschen in Teheran, deren Schicksale bei ihrer verzweifelten Suche nach Freiheit und Glück aufeinanderprallen. Dabei liefert der Ensemble-Film
einen kompromisslosen, bislang noch nie gesehenen Einblick in den schizophrenen Alltag des heutigen Iran. Innenansichten eines Lebens zwischen streng religiösen Gesetzen und Unterdrückung
einerseits, und Sex, Drogen und Korruption andererseits.

Ein Film von ALI SOOZANDEN

Pari, Babak, Sara und Donya leben in der iranischen Hauptstadt Teheran. Um den Lebensunterhalt für sich und ihren fünfjährigen Sohn Elias zu verdienen, arbeitet Pari als Prostituierte und verkauft ihren Körper an einen einflussreichen Richter, der ihr vermeintlich zu einem besseren Leben verhilft. Von einem schöneren Leben träumt auch ihre Nachbarin Sara, die ein gehorsames Hausfrauendasein unter ihrem Mann und seinen strenggläubigen Eltern fristet, aber viel lieber wieder arbeiten gehen würde. Der jungen Donya steht ein ähnliches Schicksal bevor. In wenigen Tagen wird sie heiraten. Trotzdem lässt sie sich auf eine Nacht mit dem jungen Musiker Babak ein
und verlangt hinterher von ihm, für eine Operation zu zahlen, die ihre Jungfräulichkeit wiederherstellt. Nur wo soll der arme Student das Geld hernehmen und wie die staatlichen Kontrollorgane umgehen?
Vier Schicksale, die eng miteinander verflochten sind, vier Menschen, die alle auf ihre Weise unter den restriktiven Gesetzen des Gottesstaats zu leiden haben.


Teheran, Hauptstadt der Islamischen Republik Iran: In der brodelnden Metropole des Gottesstaats balancieren vier junge Menschen auf dem schmalen Grat zwischen individueller Freiheit und strengen religiösen Gesetzen. Das Umgehen von Verboten wird zum Alltagssport, der Tabubruch zur Selbstverwirklichung. Die verzweifelte Suche nach persönlichem Glück ist zwangsläufig eine Kampfansage an die Staatsmacht.
Pari arbeitet als Prostituierte, um sich und ihren fünfjährigen, stummen Sohn Elias durchzubringen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, denn ihr Mann sitzt im Knast, ist drogenabhängig und weigert sich,
die Scheidungspapiere zu unterschreiben und Unterhalt zu zahlen. Während sie anschaffen geht, wird Pari immer wieder mit der herrschenden Doppelmoral in Teheran konfrontiert: Ein Freier, der sich von ihr im Auto oral befriedigen lässt, rastet plötzlich aus, als er seine unverheiratete Tochter händchenhaltend auf dem Gehweg sieht. Ein angesehener Richter stellt ihr die Scheidung in Aussicht, sofern sie ihm als Liebhaberin dient. Dafür quartiert er sie und Elias in einer schicken Wohnung im nördlichen Stadtteil D¸anat Abad ein. Schräg gegenüber im Studentenheim lebt der junge Musiker Babak, der sich mit kleinen Auftritten und Musikunterricht über Wasser hält und davon träumt, eine eigene CD zu veröffentlichen. Wenn er nicht am Computer komponiert, verbringt er seine Zeit mit seinem besten Freund Amir. Babak ist weder Drogen noch unverbindlichem Sex abgeneigt.
Als eines nachts in einem Club beides zusammenkommt, hat er ein großes Problem: Nach einem rauschhaften One-Night-Stand kontaktiert ihn die junge Donya und eröffnet ihm, dass sie in acht Tagen heiraten werde. Weil sie aber als Jungfrau in die Ehe gehen muss, soll Babak nun für eine Operation bezahlen, die das Jungfernhäutchen wiederherstellt. Nur womit? Ein Besuch beim Frauenarzt ergibt, dass so ein medizinischer Eingriff 6000 Rial kostet und zudem nur durchgeführt wird, wenn ein unterschriebenes Dokument der Eltern vorliegt und ein Gerichtsmediziner bestätigt,
dass es sich bei der Entjungferung um einen Unfall oder eine Vergewaltigung handelt.
Im Behandlungsraum nebenan sitzt Sara. Sie ist nach zwei Fehlgeburten endlich wieder schwanger. Während ihre streng religiöse Schwiegermutter hocherfreut von einem Gottesgeschenk spricht, blickt Sara skeptisch in die Zukunft. Sie hält ihr Leben als gehorsame Hausfrau im traditionellen Haushalt ihres Mannes Mohsen und seiner Eltern nicht mehr aus und hat sich auf einen Job
beworben. Als sie tatsächlich angenommen wird, benötigt sie Mohsens schriftliche Einverständniserklärung, um arbeiten gehen zu dürfen. Doch der lehnt kategorisch ab.
Einziger Lichtblick ist ihre unkonventionelle neue Nachbarin Pari, die sich als Krankenschwester
ausgibt und Elias schon bald regelmäßig bei Sara und ihrer Familie unterbringen kann, während sie arbeitet. Der Junge mag stumm sein, doch er ist ein genauer Beobachter.
Er weiß, wo Sara die Süßigkeiten vor ihrem zuckerkranken Schwiegervater versteckt; dass dieser vom Staatssender auf einen Striptease-Kanal umstellt, sobald alle aus dem Zimmer sind; wann man Wasserbomben vom Balkon fallenlassen muss, damit sie ihr Ziel nicht verfehlen. Aber was die obszöne Geste bedeutet, die er mal aufgeschnappt hat und vor der Schuldirektorin wiederholt, als
Pari ihn vorstellen und anmelden will, weiß er nicht. Die Beamtin verweigert ihm erbost den Platz in der Gebärdenschule.
Babak, Donya und Amir haben nach einem Debakel mit einem vermeintlichen Jungfernhäutchenimitat, dass sich als Scherzartikel herausstellte, endlich einen Arzt aufgetrieben,
der die Operation illegal vornehmen will, für 12 000 Rial! Dafür braucht Babak einen Kredit, was der zuständige Bankangestellte, ausgerechnet Mohsen, ablehnt. Babak versucht, anderweitig Geld aufzutreiben. Er will sein Bandoneon versetzen, arbeitet als Hochzeits-DJ, nimmt einen Job in einem Tonstudio an, in dem Werbespots für „Teheran-Burger“ produziert werden. Für den anspruchsvollen Musiker eine Zumutung.
Dann lehnen die Behörden auch noch den Antrag für die CD ab – sein Projekt sei zu unislamisch. Und Amir gesteht ihm, dass er den Iran verlassen will. Als Babak zufällig den ausgerissenen Elias auf dem Dach des Wohnheims entdeckt, lernt er auch bald die suchende Mutter kennen. Pari und Babak kommen ins Gespräch, er schildert seine Geldsorgen. Kurz darauf ergibt sich für Pari tatsächlich eine Gelegenheit, dem sympathischen Babak ihre Dankbarkeit zu erweisen, dass er sich um Elias gekümmert hat: Ohne zu ahnen, wer die Prostituierte ist, steht Mohsen plötzlich als Kunde vor ihr.
Dinge wieder auseinander. Aber Pari nutzt die Situation und nötigt ihn kurz darauf wegen eines Kredits für Babak, den sie vor seinen Schalter schleppt. Mit ihren eigenen Problemen kommt Pari dagegen nicht voran. Sie wird von dem Richter wegen der Scheidungspapiere immer wieder vertröstet. Bis ihr eines Tages der Kragen platzt und sie ihn beim Bondage-Sex fast erwürgt, woraufhin er sie vergewaltigt. Immerhin erreicht sie, dass er die Schuldirektorin unter Druck setzt, damit Elias seinen Schulplatz bekommt.
Dafür droht ein dummer Telefonstreich, von Pari und Sara in weinseliger Laune durchgeführt, katastrophal zu enden. Ein obszöner Anruf mit Saras Handy bei Joseph, dem verklemmten Neffen des Hausmeisters Ahmad, zieht ungeahnte Kreise, denn Ahmad hat Kontakte zur Behörde zur Einhaltung der öffentlichen Moral und lässt den Anruf zurückverfolgen. Als er mit Saras Handynummer bei Mohsen auftaucht und einen Kredit verlangt, mit dem er für seine schwangere Tochter die Abtreibung bezahlen will, entsteht bei Mohsen der Eindruck, Sara sei eine Prostituierte.
Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Mohsen und Sara, in dessen Verlauf
sie ihm aufgebracht entgegenschleudert, dass sie die beiden Kinder gar nicht verloren, sondern abgetrieben habe. Mohsen wirft Sara aus dem Haus.
Donya und Pari warten beim Arzt derweil vergeblich auf Babak und das Geld für die Jungfernhäutchen-Operation. Sie müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen und gehen zum Studentenwohnheim. Babaks Zimmer ist ausgeräumt. Er hat sich heimlich aus dem Iran abgesetzt. Die verzweifelte Donya gesteht Pari, dass sie überhaupt nicht heiratet, sondern ihr vermeintlicher Verlobter ein skrupelloser Menschenhändler ist, der jungfräuliche Iranerinnen nach Dubai vermittelt – und dem sie nicht entkommen kann. Pari gibt Donya Geld für ein Ticket nach Hause zu ihrer Familie, die sie seit sechs Monaten nicht gesehen hat.
In der Nacht springt Sara nach einem völligen Nervenzusammenbruch vom Dach des Hochhauses, bis kurz vorher beobachtet von Elias, der am nächsten Tag endlich zur Schule gehen darf…


INTERVIEW MIT ALI SOOZANDEN

Wie ist das Projekt entstanden? Gab es eine bereits existierende Vorlage?
TEHERAN TABU ist ein Originaldrehbuch, das nicht auf einem Roman basiert. Die Idee entstand vor ein paar Jahren, als ich in der U-Bahn ein Gespräch von zwei jungen Iranern mitgehört habe, die über ihre Erfahrungen mit Mädchen gesprochen haben. Sie erwähnten eine Prostituierte, die ihr Kind mit zur Arbeit gebracht hat. Das stimmte mich nachdenklich in Bezug auf das Thema Sexualität im Iran.
Ich begann in sozialen Medien zu recherchieren und analysierte meine eigenen Erinnerungen – wie mit solchen Belangen umgegangen wurde, als ich selbst Teenager oder in meinen Zwanzigern war. Daraus entwickelte sich die Geschichte.

War das Projekt von Anfang an als Animationsfilm geplant?
Ursprünglich war das nicht geplant. Für mich war das wichtigste, dass die Geschichte funktioniert.
Für dieses Projekt war es ein Problem, die richtigen Locations zu finden, wenn es ein Live-Action Film hätte werden sollen. Teheran selbst war aus offensichtlichen Gründen keine Option. Ich habe ein paar Filme gesehen, die stattdessen in Marokko oder Jordanien gedreht wurden, aber das war nicht sehr überzeugend. Nach vielen Diskussionen und Versuchen entschieden wir uns für die Rotoskopie-Technik als beste Option.

Erzähl uns von deiner Beziehung zum Iran.
Ich bin im Iran geboren und habe dort gelebt bis ich 25 war. Ich bin der einzige in meiner Familie,
der nicht mehr dort lebt. Als die Islamische Revolution begann, war ich neun. Ich bekam die Folgen zu spüren, als plötzlich Jungen und Mädchen in der Schule getrennt wurden. Das war die erste von vielen traumatischen Erfahrungen. Mit 25 wanderte ich aus und seit 1995 lebe ich in Deutschland. Natürlich liebe ich den Iran und meine Landsleute, die wissen, was es heißt Not und Unterdrückung zu ertragen. Seit ich den Film gemacht habe, ist meine Beziehung zum Iran wieder intensiver
geworden.

Welche gesellschaftliche Atmosphäre herrscht derzeit im Iran? Kannst Du uns etwas über die Tabus erzählen, die im Titel des Films angesprochen werden?
Mit diesem Film wollte ich das Schweigen brechen, das im Iran allgemein üblich ist. Ich würde behaupten, dass Tabus zu brechen ein Weg ist, um gegen Unterdrückung zu protestieren. Im Iran ist der Alltag von gesetzlichen Verboten und moralischen Einschränkungen geprägt. Wenn Sexualität streng reglementiert wird, können Menschen sehr erfinderisch werden, um diese Tabus zu umgehen. Iraner sind kreative Menschen und lernen schnell mit Verboten umzugehen und Einschränkungen zu
umgehen. Es gibt Orte ohne Regeln. Um die öffentliche Prüderie zu kompensieren, kann das Privatleben schnell ins Verbotene abgleiten - in Bezug auf Sex, Alkohol und Drogen.
Ein Mangel an Freiheit begünstigt ein Leben mit Doppelmoral. TEHERAN TABU konzentriert sich auf diese Doppelmoral, die zu vielen gesellschaftlichen Komplikationen führt, sich aber auch in absurden, oftmals komischen, Situationen widerspiegelt.

Kannst Du uns etwas über die Atmosphäre der Heimlichtuerei und Paranoia erzählen, die im Film oft thematisiert wird?
In den Wohnvierteln der Mittelklasse, wo TEHERAN TABU spielt, sind die Einschränkungen
gesetzlicher Natur. Sie sind aber auch in den Köpfen der Menschen verankert. Die Familienehre hat im Iran mehr Bedeutung als in Europa. In der iranischen Gesellschaft sind soziale Kontakte sehr wichtig und spielen eine große Rolle, wenn man erfolgreich sein möchte. Ein Individuum und seine ganze Familie können ihre Ehre wegen einer außerehelichen Beziehung verlieren. Ins Gefängnis zu müssen oder Strafe zu zahlen ist nicht halb so schlimm, wie wenn Informationen durch die Polizei an die Öffentlichkeit kommen. Das bedeutet nämlich, dass all deine Bekannten, all deine Nachbarn über dein „Verbrechen“ Bescheid wissen. Für dich und deine Familie ist das der komplette Verlust der Ehre.

Die Frauen spielen in der Geschichte deines Films eine zentrale Rolle. Erzähl uns etwas über die weibliche Bevölkerung des Iran und welche Rolle sie zurzeit in der Gesellschaft spielen.
Das Bild, dass die westliche Bevölkerung vom Iran hat ist immer sehr verzerrt und voller Klischees. Es ist geprägt durch Stereotypen, die von „1001 Nacht“ bis zum nuklearen Disput mit dem strengen islamischen Regime reichen. Aber die Realität, die man auf den Straßen Teherans erlebt ist vielfältiger. Frauen im Iran haben oft einen besseren Bildungsgrad als Männer und eine viel sichtbarere Rolle im täglichen Leben als in vielen anderen Islamischen Ländern, wie z.B. Saudi Arabien. Aber es gibt nicht die eine moderne iranische Frau. Es gibt viele Typen, von der religiösen
Fundamentalistin bis zur westlich geprägten Feministin. Natürlich hat letztere nicht die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Mein besonderes Interesse galt der Rolle der Frau im gesellschaftlichen Spiel der Tugenden. Sie sind diejenigen, die am meisten leiden.

Von Frauen wird grundsätzlich erwartet, dass sie sich selbst und ihren Kindern Regeln und Tabus auferlegen, die ihre Freiheit und die der nächsten Generation eingrenzen. Erzähl uns von deinen Charakteren und der Stimmung, die sie dem Film verleihen.
Ich glaube, dass überall auf der Welt die Menschen und ihre Träume dieselben sind. Nur die Umstände sind anders. Jedes Publikum überall kann sich wahrscheinlich mit den Charakteren identifizieren. Auf die eine oder andere Weise leiden sie alle unter den Tabus sexueller Beziehungen und den Einschränkungen der iranischen Gesellschaft. Sie sind Opfer, aber gleichzeitig auch Täter. Keiner im Film ist einfach gut oder böse. Ein Charakter kann durch seine Taten abstoßend wirken;
die selben Taten aber werden nachvollziehbar, wenn wir seine Hintergrundgeschichte erfahren.
Zu weiten Teilen nimmt der Film die Sichtweise eines kleinen Jungen ein. Da ich keinen zu dunklen Film machen wollte, entschied ich mich, die optimistische, hoffnungsvolle und farbenfrohe Perspektive zu übernehmen, mit der die meisten Kinder die Welt betrachten.

Wie sah der technische Prozess bei der Herstellung der Filmes aus?
Nachdem wir das Storyboard und die Castings beendet hatten, wurde mit echten Darstellern in einem Green Screen Studio gedreht. Der erste Schritt im Animationsprozess ist die sogenannte
Pre-Visualisierung. Allein auf Basis des Green Screen Materials konnten wir nicht in den digitalen Bearbeitungsprozess gehen; wir mussten Platzhalter für die Hintergründe kreieren. Nachdem die Pre-Visualisierung fertig war, haben wir mit dem eigentlichen Animationsprozess begonnen. Wir erstellten die finalen Hintergründe (eine Kombination aus 3D-Elementen und gemalten Bildern) und die Charaktere getrennt voneinander. Schließlich haben wir alle Elemente in der Compositing-
Phase zusammengefügt. Der Animationsprozess dauerte dreizehn Monate und mehr als vierzig Künstler haben an dem Projekt mitgearbeitet.

Wirst du weiter im Bereich Animation tätig sein oder siehst du dich selbst auch als Regisseur von Live-Action Filmen?
Ich fühle mich sicher in der Welt der Animation, aber ich kann mir auch vorstellen Live-Action
Filme zu drehen. Schließlich habe ich bei TEHERAN TABU auch intensiv mit Schauspielern
gearbeitet. Es kommt stark auf die Geschichte an. Wenn Live Action die Geschichte besser erzählt, würde ich keinen Animationsfilm erzwingen.
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