Interview
Interview
Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Carlos Cipa - Etliche Stunden phantastischer Filme!

13

Edi Nulz - Vollkommen verschwitzt und glücklich

14

Julia Kadel - Ein Glück, das ich nirgendwo anders finden kann

15

Ulan & Bator – Schmatzen und Neoliberalismus

16

Fritz Egner - „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues“

17

Christian Ludwig Mayer - Handgemacht und live gespielt

18

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Freitag 26.01.2018
Carlos Cipa - Etliche Stunden phantastischer Filme!
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Carlos Cipa gehört zu jenen Instrumentalisten, die wenig auf die Virtuosität von Musik setzen. Zumindest bei ihrer eigenen. Seine Kompositionen bewegen sich im Umfeld der modernen Klassik, zwischen Claude Debussy und Steve Reich, sie streifen Ambient und Electro und beeindrucken durch die Sparsamkeit der musikalischen Mittel.
Das war nicht immer so. In Eching geboren besuchte Carlos Cipa die Musikschule in Landsberg und studierte später in München Komposition bei Moritz Eggert. Aber zwischendurch war er über einen längeren Zeitraum Schlagzeuger(!) in einer Punkband. Vielleicht als Ausgleich, um sich zu erden und Gegensätze auszuleben.
Zu seinen persönlichen Favoriten gehört Max Richter, der britische Komponist aus Deutschland. Richter versteht, mit seiner Musik Bilder zu evozieren, Landschaften zu gestalten, Filme zu untermalen. Auch Carlos Cipa hat einen starken Bezug zu diesen Soundscapes. In den vergangenen Jahren war er weltweit auf Tour, hat Club-Konzerte gegeben, auf Festivals gespielt, musikalische Verwandte wie Hauschka, Ólafur Arnalds oder Valgeir Sugurdsson getroffen.

Am 16. Februar ist Carlos Cipa zu Gast in Landsberg, wo er gemeinsam mit Occupanther, alias Martin Brugger um 20 Uhr im Stadttheater auftreten wird.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?

Carlos Cipa: Früher Klavierunterricht mit 6 Jahren; klassische Klavierausbildung bis 17; Schlagzeug mit 16, darauf mehrjährige Banderfahrung in unterschiedlichsten Genres; Studium von Filmmusik, Arrangement und klassischer Komposition; universelles Interesse an Musik jeden Genres

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?

CC: (Musik- und Kunst- Begeisterte) Menschen jeden Alters und Herkunft. Instrumentalmusik spricht keine bestimmte Sprache, kann also für jeden zugänglich sein. Meine Musik soll berühren, Viele schreiben mir, meine Musik gibt ihnen Hoffnung, Freude, fordert sie, begeistert sie. Viele sprechen von Bildern, die sie sehen. Wichtig ist mir, dass jeder seinen ganz eigenen Zugang zu meiner Musik findet, ich möchte keinem etwas vorschreiben, was er zu empfinden oder zu denken hat.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?

CC: Meine Musik ist ein Zusammentreffen von emotionalem Ausdruck und sorgfältig ausgearbeiteten Kompositionen, dabei kann es durchaus vorkommen, dass künstlerische Entscheidungen einen langen Entstehungsprozess haben, unterschiedlichste Möglichkeiten ausgelotet werden müssen. Das fordert oft Kraft und braucht Zeit, die ich mir aber gerne nehme.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?

CC: Das komplette Schauen der Heimat-Trilogie von Edgar Reitz, etliche Stunden phantastischer Filme! Le Guess Who? Festival in Utrecht, tolle Konzert von Peter Brötzmann, Pharoah Sanders, und viele mehr.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?

CC: Ein musikalischer Einfall, der das eigene Interesse weckt. wie auch immer man es nennt, Eingebung, etc., das kann man kaum beschreiben, ein unglaublich schönes Gefühl!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?

CC: Ein universelles Verständnis und Wertschätzung von unterschiedlichsten Arten von Musik stehen im Zentrum meiner Arbeit.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?

CC: Hauptsächlich Vinyl. CD nur im sehr seltenen Fall, dann hauptsächlich Klassik, viel Musik auch unterwegs über Kopfhörer via Spotify.

KK: Was lesen Sie momentan?

CC: „Die Leichtigkeitslüge“ von Holger Notzke und „Rückkehr nach Reims“ von Didier Eribon.

KK: Was ärgert Sie maßlos?

CC: Schwindendes Interesse der Gesellschaft an anspruchsvoller Musik, Kunst, Film etc. übertriebene Hypes von mittelmäßig guten Dingen :-); SPD ;-); Rechtsruck und die Politik die einen Nährboden dafür schafft.

KK: Was freut Sie ungemein?

CC: Hören von guter Musik. Schauen eines guten Films einer guten Serie. Freundschaft und Liebe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?

CC: Ja, regelmäßig Möbelstücke, Platten bzw. Bücherregale, Studiomöbel, etc.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?

CC: Das wäre eine unzählige Liste, hier 2 Beispiele aus letzter Zeit, die mir gerade zufällig in den Sinn kamen (Film und Serien berücksichtigt): Sarah Gadon in „Alias Grace“ und Adam Driver in „Paterson“.
Und alltime-favourits:
Maria Hofstätter in „Hundstage“.
Walton Goggins in „The Shield“.
Naomi Watts in „Mullholland Driver“.
Phillip Seymour Hoffman in „The Master“.
Portia de Rossi in „Arrested Development“.
Ty Burell in „Modern Family“.
Gina Rodriguez in „Jane the Virgin“.
Roberto Benigni in „La vita è bella“.
Björk in „Dancer in the Dark“.
Daniel Day-Lewis in „There Will be Blood“.
Ingrid Bergman in „Höstsonaten“.
Forest Whitaker in „Ghost Dog“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?

CC: Neue, interessante Musik :)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?

CC: Kommt auf die Situation an, zur Zeit arbeite ich sehr gerne im Team, meist zu zweit. Manche Entscheidungen und Einfälle kann man aber nur allein fällen/haben/erarbeiten.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?

CC: Meistens, nachts, oder an abgeschiedenen Orten, häufig auch in Phasen, in denen man im Arbeitsfluss ist. Außermusikalische Einfälle auch häufig während dem Schlafen, beim Träumen, morgens.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?

CC: AV Club, Pitchfork, Discogs, Vinyl Factory, The Quietus, IMDB, Übermedien, versch. Zeitungen,

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?

CC: Sämtliche Orchesterfusionen/Schließungen stoppen bzw. rückgängig machen, die komplette Neugestaltung von öffentlich-rechtlichem Fernsehen veranlassen, Förderung von anspruchsvoller Pop-Musik/Zwischenbereiche mit Förderung von E-Musik gleichstellen, da gibt es eindeutig Überholungsbedarf!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?

CC: Soweit ist es zum Glück noch nicht… :-)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?

CC: Schwierige Frage, wir leben ja in Zeiten, in denen sich niemand so richtig die Zukunft vorstellen kann, vor allem was die Gestaltung davon angeht. Wir sollten alle beginnen, wieder mehr über Zukunft und was das bedeutet nachzudenken, nicht den reaktionär Denkenden das Feld überlassen!
Autor: Siehe Artikel
Samstag 20.01.2018
Edi Nulz - Vollkommen verschwitzt und glücklich
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Edi Nulz? Wer ist Edi Nulz? „Ritter ohne Bass und Tadel“ titelte im vorletzten Jahr der österreichische Standard und meinte damit das junge Jazz-Trio. Derzeit touren Gitarrist Julian Adam Pajzs, Bassklarinettist Siegmar Brecher und Schlagzeuger Valentin Schuster gemeinsam mit der Tatortkomissarin Adele Neuhauser und dem Douglas Adams Programm „Die Letzten ihrer Art“. Anschließend sind sie mit ihrem „räudigen Kammerpunkjazz“ unter anderem auch in Landsberg zu erleben. „Das grundsätzlich Abstrakte der Instrumentalmusik mit exzentrischer Titelgebung abzufedern, ist eine bewährte Methode zur Erdung. Das pfauchige Trio Edi Nulz, das unter der Führung der Bassklarinette die entfernten Reiche von Rockmusik und Jazz verbindet, zeigt diesbezüglich viel Humor“, ist im Programmheft des legendären Jazzfestival Saalfelden zu lesen, wo sie gerade aufgetreten sind. Und wer in Saalfelden spielt, der hat musikalisch schon so einiges zu sagen. Deshalb noch einmal zum mitschreiben: Edi Nulz, am 10. Februar in Landsberg. Natürlich im Stadttheater!

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Valentin Schuster: Musikalisch waren Bands wie die "Lounge Lizards", "Deerhoof" oder "Der Rote Bereich" sehr prägend für uns.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
VSch: Publikum jeden Alters mit offenen Ohren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
VSch: Der generelle Stellenwert von Jazz bzw. progressiverer Musik in unserer Gesellschaft. Der ist nicht sehr hoch, man muss viel investieren - Geld sowie Zeit - um überhaupt eine funktionierende Band aufbauen zu können.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
VSch: Das ganze Jahr 2017 war enorm intensiv, so viel ist passiert in Bezug auf die Musik, das Leben - dass ich da schwer ein Ereignis herauspicken kann.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
VSch: Der Moment, vollkommen verschwitzt und glücklich nach einem intensiven Konzert von der Bühne zu gehen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
VSch: Ich kann hier nur für mich sprechen, ich höre derzeit viel Progressive Rock/Metal.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
VSch: Das ist innerhalb der Band recht unterschiedlich. Ich konsumiere viel digital, da ich viel unterwegs bin, aber ansonsten bin ich großer Vinyl-Fan.

KK: Was lesen Sie momentan?
VSch: Ich habe gerade ein Buch von Thomas Brussig fertiggelesen, "Beste Absichten", davor waren es zwei Bücher von Arthur C. Clarke.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
VSch: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
VSch: Gerechtigkeit.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
VSch: Nein, leider noch nie.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
VSch: Heath Ledger als Joker in "Batman".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
VSch: Sich beamen zu können, wäre angenehm. Auch ein portables Bühnensystem, mit dem man in jedem Club einfach "andocken" und losspielen könnte, wäre sehr angenehm.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
VSch: Absoluter Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
VSch: Teamplayer - also oft während Gesprächen mit den Kollegen/Freunden.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
VSch: Ich lese regelmäßig Sportwebsites, aber auch Musikblogs wie z.b. "Heavyblogisheavy", ein Blog über Progressive Metal.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
VSch: Die ungleiche Verteilung zwischen den Geldern für die freie Szene und den etablierten bzw. anerkannten Häusern/Institutionen (das bezieht sich jetzt stark auf Österreich). Da könnte viel gedreht werden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
VSch: Mein Pferd Ambrosius - Die Valentin Schuster Story.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
VSch: In der unmittelbaren Zukunft hoffe ich, dass auf künstlerischer Ebene noch viel interessantes passiert, die letzten Jahre waren in der Hinsicht sehr schön.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 02.01.2018
Julia Kadel - Ein Glück, das ich nirgendwo anders finden kann
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Julia Kadel hat ihr Debütalbum „Im Vertrauen“ beim legendären Jazzlabel Blue Note veröffentlicht. Das letzte Mal, dass einer deutschen Musikerin diese Ehre zu Teil wurde, liegt sechs Jahrzehnte zurück. Kadels zweites Album, im letzten Jahr in gleicher Besetzung eingespielt, nannte das Hamburger Abendblatt „Eine Offenbarung!“ und das Main-Echo schrieb von einem „Sprungbrett in neue Tonwelten“.
Mit 15 entdeckte die Berlinerin ihre Leidenschaft für den Jazz. Trotzdem begann sie ein Psychologiestudium – das dann aber der Musik geopfert wurde. Neben ihrem überaus erfolgreichen Trio arbeitet sie derzeit noch im Duo mit dem türkisch-französischen Cellisten Anil
 Eraslan und im generationsübergreifenden Quartett „Vor der Mauer – nach der Mauer“ des renommierten Schlagzeugers Günter „Baby“ Sommer.
Am 25. Januar wird das Julia Kadel Trio mit Karl-Erik Enkelmann (Bass) und Steffen Roth (Schlagzeug) im Gautinger Kulturzentrum Bosco auftreten.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Julia Kadel: Diese Frage beantworte ich zunächst mit: Ich bin heute Musikerin. Dann würde ich Ihnen dazu erzählen, dass ich festgestellt habe, dass die Musik das ist, was ich tun muss, nachdem ich mich eine Zeit lang mit etwas Anderem beschäftigt hatte. Manchmal muss mal wohl das Eine tun, um zu bemerken, dass man das Andere tun muss. Außerdem finde ich in der Musik und Kunst ein Glück, das ich nirgendwo anders finden kann. Auch ist die Musik wohl meine authentischste Art zu sprechen. Hier kann ich Dinge sagen, die ich in keiner anderen Sprache mitteilen und auch selbst erfahren kann.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Ich möchte zunächst etwas schaffen, das Menschen – mich eingeschlossen – bewegt, berührt, beschäftigt. Gleichzeitig möchte ich meine Zeit dem widmen, was mich herausfordert und jeden Tag auf's Neue fasziniert, ich möchte im Lernen bleiben und immer besser darin werden, Dinge zu erschaffen, die etwas bewegen und erzählen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Ich muss mich intensiv mit der Organisation und Arbeit um die Musik herum, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, beschäftigen. Aber das gehört nun einmal mit dazu und auch hier kann ich immer wieder viel dazulernen, auch wenn es keinen großen Spaß macht.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Die Filme, die ich in den letzten Tagen und Wochen angeschaut habe, unter anderem ein spannender Film über junge Frauen in Koppenhagen sowie eine Dokumentation auf arte über den IS. Aber auch das Buch über „Gewaltfreie Kommunikation“ von Rosenberg, das mich sehr beeindruckt hat.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Da gibt es so viele! Auf jeden Fall die Momente, in denen etwas passiert, das sich magisch, zwingend und stark anfühlt - und auch anhört. Vor allem auf der Bühne mit der Band, mit der ich spiele. Auch ein verbindendes Gefühl mit den Mitmusikern, alle wissen, jetzt passiert gerade etwas, das etwas verändert, es macht einfach Spaß und bringt Glück! Auch den ZuhörerInnen!
Aber auch der Moment, in dem wir ein neues Stück von mir spielen, zum ersten Mal: Die Momente, in denen zum ersten Mal das erklingt, was ich vorher nur in meinem inneren Ohr gehört hatte. Das ist wunderbar.
Oder auch, wenn nach einem Konzert jemand aus dem Publikum zu mir kommt und erzählt, das ihn das Konzert oder der eine oder andere Moment bewegt hat. Mir ist die Sendung dessen und der Empfänger sehr wichtig, Musik wirkt schließlich nicht nur durch den, der sie aussendet, sondern im Zusammenwirken von Spieler und Zuhörer. Das verleiht der Musik eine Bedeutung.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Ich höre sehr unterschiedliche Musik. Zur Zeit sehr gerne Sigur Ros, Louis Cole, Kit Downes und György Kurtag. Ich kann nicht in „Arten“ von Musik denken, nur in Musik selbst, und entscheide mich je nach Stimmung, Geschehen, Gedanken und Ort für ein bestimmtes Album oder Lied.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Ich werde mir nächstes Jahr einen Plattenspieler anschaffen! Bisher habe ich also immer nur CD's gehört. Ich bin somit ein CD-Fan...

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Gerade bin ich mit verschiedenen Büchern beschäftigt. Ein Buch über Joseph Beuys, eines von George Perec, und einen Hermann Hesse, den ich nochmal lesen wollte (Siddhartha).

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Gewalt, Chancenlosigkeit, Diskriminierung, Manipulation, Egoismus, die Politik, welche Menschen verfolgt, foltert, vertreibt, umbringt - und dies oft aus wirtschaftlichem Vorteilsdenken

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Großartige Menschen, die ich kenne oder kennenlernen darf, Musik, Kunst, neue Länder zu bereisen und zu entdecken, gutes Essen, guter Humor

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Ja! Ich habe Regale, Tische und Hocker selbst gebaut, das ist eine tolle Erfahrung gewesen und gibt den Möbeln einen ganz anderen Wert. Sie gehören viel mehr zu einem dazu, machen ein „Zuhause-Gefühl“ aus. Außerdem ist jedes Handwerk eine Bereicherung und Herausforderung, es lohnt sich das zu lernen. Für Kleidung interessiere ich mich eher weniger.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Das würde jetzt zu weit führen. Spontane LieblingsschauspielerInnen sind: Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Alba Rohrwacher, Ellen Page, Edward Norton, Billy Bob Thornton, Juliane Moore, Emily Watson und viele andere.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Ein System, mit dem ich meinen Flügel alleine zu den Konzerten transportieren kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Ich denke, ich bin wohl eher beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Ich glaube, gute Einfälle hängen nicht von bestimmten Situationen ab. Sie kommen ungefragt. Aber ich achte vielleicht in schwierigeren Situationen noch intensiver auf sie.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: Arte online, Democracy Now.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Die Kulturbudgets für die Jazz- und Improvisationsszene sensibilisieren.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: Ich denke nicht, dass ich dies einmal vorhaben werde.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Das ist eine zu umfangreiche Frage für eine kurze Antwort. Optimistisch bin ich wohl eher nur hinsichtlich der Kultur, der Kunst und Musik, alles andere kann der Mensch kaputt machen...
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Montag 18.12.2017
Ulan & Bator – Schmatzen und Neoliberalismus
Ulan & Bator werden auch Deutschlands feinste Absurdisten genannt. Zwar treten sie unter dem breiten wie schützenden Dach des Kabaretts auf, doch im Grunde sind sie mit ihrer …. nur wenig einzuordnen. Ihr Kollege Volker Pispers umschrieb ihr Tun anlässlich der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises so: „Kabarettisten lesen die Zeitung, Ulan & Bator machen Kunst“. In der Kultur-Kritik ist über sie zu lesen: „Am stärksten sind Ulan & Bator allerdings dann, wenn sie den Nonsens in ein ernsthaftes Gewand pressen und ganz ohne die sonst bei ihnen so beliebten Grimassenschneidereien groteskes Theater in Reinform präsentieren.“ Und die Münchner Abendzeitung schrieb unter der Überschrift „Drogenwirkung der Bommelmützen“: „Sie wissen, dass man sich an der Wirklichkeit nicht mehr festhalten kann. Deshalb kreieren Ulan & Bator ihre eigene „Wirrklichkeit“ mit zwei r: ein Parallel-Universum des dadaistischen Wahnwitzes.“
Am 21. Dezember treten Ulan & Bator in der Germeringer Stadthalle auf. Beginn ihres Programms „Irreparabeln!“: 19.30 Uhr.
 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Frank Smilgies: Künstler sein und (als Künstler) so weit wie möglich unabhängig zu sein.
Sebastian Rüger: Als Kind sehr viel allein gewesen zu sein, und so die Zeit gehabt zu haben, ins Nachahmen beliebter Vorbilder im Zeichnen, Schlagzeugspielen und später Schauspielen (sprich: Faxen machen) eintauchen zu können.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
FS: Menschen zum Lachen und Denken bringen und sie aus dem Trott wecken.  (Mir selbst) Mut machen. Sich etwas trauen. Sich auf etwas Neues einzulassen. (Über sich) lachen. Selber denken.
SR: Zuallererst mich selber - ich möchte selber Freude haben daran, meine eigene Welt  zu kreieren. Und wenn das Publikum sich dahin mitnehmen lässt und am Ende denkt „Och, da wäre ich gerne länger geblieben“: Mission accomplished!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
FS: Schweiß der in die Augen läuft.
SR: Ab und zu mit der Unfähigkeit des Publikums, sich mal auf vermeintlich Nicht-Zusammenhängendes einzulassen.. Es ist erstaunlich, mit welcher Bereitschaft Abstraktes in der Malerei akzeptiert wird, aber auf der Bühne gleich alles „verrückt“ ist.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
FS: Das Leipziger Publikum. Dort versteht man es bis heute, mehr als das auf der Bühne Sichtbare wahrzunehmen, zwischen den Zeilen zu lesen, Theaterbilder in den Alltag zu übersetzen. Darüber hinaus beeindruckt mich das Insektensterben. In knapp 30 Jahren mehr als 70% weniger. Was das heißt? Das komplette (Bio-)System kippt und fast keinen interessiert es. Das beeindruckt mich stark.
SR: Der Mut, der Lebenswille, die Ausstrahlung und nicht zuletzt das in nicht einmal sechs Monaten bis zu Humorfähigkeit gewachsene Deutsch einer jungen syrischen Flüchtigen, die ein Veranstalter, bei dem wir spielten, bei sich  aufgenommen hat und die wir dadurch kennenlernten durften.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
FS: Wenn der eigene Spaß auf der Bühne dem Publikum Spaß macht.
SR:  ...und uns der Spaß des Publikums so erwischt, dass man selber gegen das Lachen kämpfen muss. Schön ist aber auch immer wieder mal das Schweigen eines offensichtlich überforderten Publikums . Dann grinse ich innerlich recht breit und setze gerne noch einen drauf.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
FS: Ich höre wenig Musik. Und wenn, dann zelebriere ich das Musikhören mit (ich zähle mal auf was ich in diesem Jahr besonders genossen hab): Sleaford Mods ("Jobseeker"), Sufjan Stevens ("Chicago"), Shostakovich ("Symphonie Nr.5"), Liturgy "generation“).
SR: Musik? Das Wichtigste. Wie Atmen. Prog a la Mike Keneally, Genesis, Zappa, Frost*, Pendikel, Cardiacs. Pop  a la XTC, Field Music, Japan, Goldfrapp. Minimalisten a la Steve Reich
Ambient a la Biosphere. .... und ich liebe 60´s Lounge-Zeug von Les Baxter und Henry Mancini, der bei Ulan & Bator zum Einlass läuft.


KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
FS: Egal.
SR: Ich meist übers iPhone da viel unterwegs, aber ich kaufe weiterhin fleissig CDs und besitze auch immer noch ein altes Tapedeck und einen Plattenspieler. Witzigerweise habe ich mir justament eine alte Vinylplatte geordert, was mich veranlasst,  den mal wieder zu reaktivieren.

KK: Was lesen Sie momentan?
FS: „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martell.
SR: Auf Tour tue ich mich schwer mit lesen, aber zuhause genieße ich es, mir mit der Holden gegenseitig vorzulesen: zuletzt die Brenner-Romane von Wolf Haas , dann steht vom Kollegen Jess Jochimsen „Abschlussball“ an und „Bleeding Edge“ von Pynchon müssen wir endlich mal weitermachen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
FS: Schmatzen.
SR: Neoliberalismus. Alternativloser faschistoider Homo Öconomicus-Denke.

KK: Was freut Sie ungemein?
SR: Warme Brise auf der Haut. Überraschende und doch geschmeidige Akkordwechsel. Wenn sich negative Vorurteile über jemanden klären. Es ist immer schöner, jemand mögen zu können.
FS: Fast alles. Liebe, Lachen, Lesen, Fußball spielen, Pasta mit Salbei an Butter.
Außerdem freue ich mich besonders, wenn Ideen, die eben noch nur im Kopf waren, im Leben funktionieren.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
FS: Sessel aus Pappmaché.
SR: Zählt  „Karnevalskostüme“ und „Den Reisekoffer als Sessel umzufunktionieren“? Dann ja..

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
FS: Puhhh.....viele viele. Zum Beispiel Cate Blanchett in "Manifesto". Mein persönlicher Klassiker: Gene Hackman in "French Connection 2"
SR: Zuletzt Tatjana Maslany in der Serie „Orphan Black“. Es geht um Klone, sie spielt 6 oder 7 verschiedene Charaktere, die so unterschiedlich sind und gleichzeitig derart gut miteinander agieren, dass man vergisst, dass es dieselbe Schauspielerin ist. Oscarverdächtig.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
FS: Einen Empathierer. Damit kann man in einen Mitmenschen schlüpfen, um durch seine Augen auf die Welt zu blicken.
SR: Jetpacks (Düsenrucksack). Gibts zwar schon, aber noch nicht bei Aldi.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
SR: Teamplayer , solange der andere macht was ich sage.. ;)
FS: Beides. Ich gebe zu, dass mich alleine arbeiten weniger anstrengt. Dennoch: ohne die Inspiration durch andere würde mir viel zu viel fehlen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
FS: Kurz vor dem Einschlafen.
SR: Lang nach dem Wiederaufwachen in schlaflosen Nächten, wenn die Agonie aufgibt und der Kreativität weicht.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
FS: Diverse Zeitungen, Wikipedia, ted.com.
SR: Indiepedia.de;) Guardian, NZZ,


KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
FS: Schulsystem radikal ändern. (Frontalunterricht abschaffen, Lehrergehalt erhöhen, Lernspaß fördern, Individualität stärken, körperliche Bewegung nach jeder Schulstunde einführen, mehr praktisches Lernen....)
SR: Alle einmal den ganzen Tag ein Tanztheaterstück mit dem Pina Bausch Ensemble üben lassen, egal welchen Alters, egal welcher Herkunft, egal welcher BMI.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
FS: "Umwege" (alternativ: "nervös")
SR: „Sehenden Auges- Das Drama des betagten Kindes“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
FS: Hell.
SR: Alle haben den Chip. Aber dafür auch Jetpacks. Und alle können Telekinese.... Moment, dann sind die Jetpacks ja eigentlich überflü.... Egal. Jedenfalls: Jetpacks!
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Sonntag 10.12.2017
Fritz Egner - „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues“
Fritz Egner hat mit seinem Geschmack mindestens eine Generation von Musikliebhabern geprägt. Als Radio- und Fernsehmoderator gehörten seine Sendungen, noch weit vor der Erfindung des Internets, zu den Informationsquellen schlechthin – was Neuerscheinungen und Hintergründe im Bereich von Rock, Blues und Soul angeht. Seine Interviews, zum Beispiel mit Rod Stewart, James Brown, Madonna und Mick Jagger, sind legendär.
Begonnen hat er 1974 beim amerikanischen Sender AFN in München. Fünf Jahre später wechselte er zu Bayern 3. Er war stellvertretender Verlagsleiter bei “Warner Bros. Publishing”, was ihm, nach eigenen Angaben einen intensiven Einblick in das Leben hinter die Kulissen des Musikgeschäfts ermöglichte. Er moderierte die ARD-Sendung „Dingsda“, den „Jahresrückblick“, das „Klassentreffen und die „Glücksspirale“.
Am Mittwoch 13. Dezember ist Fritz Egner zu Gast in Fürstenfeld und wird dort in der Reihe „Literatur in Fürstenfeld“ „einen Trip in die Zeit der Beat- und Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre“ unternehmen. „Eine Liebeserklärung an die beste Musik aller Zeiten!“ 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Fritz Egner: Leidenschaft für Musik und Information mit anderen teilen zu dürfen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
FE: Impulse geben, um auf Neues aufmerksam zu machen oder Historisches in Erinnerung zu rufen.
Pop Musik Geschichte unterhaltsam vermitteln.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
FE: Höchstens mit der Technik, die ich nicht umfangreich beherrsche. Dafür gibt es aber beim Bayerischen Rundfunk Männer und Frauen, die mir dabei helfen wenn nötig.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
FE: Begegnungen mit meinen Hörern im Zuge meiner Lesungen überall in Bayern. Ich hatte nicht annähernd bedacht, dass ich doch einige Menschen über die Jahrzehnte erreicht habe und deren Musik Geschmack nachhaltig beeinflussen durfte.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
FE: Begegnungen mit Musikern, die mich geprägt, beeindruckt oder sogar in meiner Sicht der Dinge verändert haben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
FE: Je nach Stimmung und Situation und da lege ich mich nicht fest. Aber Black Music der 1960er und 1970er Jahre hat mich mit ihrer Dynamik und Kraft am stärksten emotional erreicht.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
FE: Aus praktischen Gründen vorwiegend CD, Vinyl sehr gerne, aber selten.

KK: Was lesen Sie momentan?
FE: James McBride "Black and proud".

KK: Was ärgert Sie maßlos?
FE: Ignoranz, Populismus ohne Lösungsansatz, Machtmissbrauch.

KK: Was freut Sie ungemein?
FE: Zuspruch meiner nächsten Umgebung und meiner Hörer.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
FE: Jamie Foxx als Ray Charles in dem Film "Ray"

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
FE: Einzelkämpfer

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
FE: Beim Joggen oder Wandern alleine in der Natur.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
FE: Spiegel online, Bild online, New York Times und Dusty Grooves.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
FE: Die gibt’s schon. „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
FE: Das hab ich aufgegeben. Zukunft ist kein Wunschkonzert.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 06.12.2017
Christian Ludwig Mayer - Handgemacht und live gespielt
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Am 16. Dezember ist es soweit. Das Mysterienspiel „Wuide Hetz“ hat in Fürstenfeld Premiere. Die Musik für diese Fürstenfelder Rauhnachtsgeschichte stammt von Christian Ludwig Mayer. Der Allgäuer Komponist, Pianist und Multiinstrumentalist war unter dem Pseudonym Ludwig Auwald über mehrere Jahre musikalischer Leiter der Nibelungenfestspiele in Worms, sowie der Dresdner Zwingerfestspiele. Beides unter der Intendanz und Regie von Dieter Wedel. Er arrangierte und komponierte für BR-Produktionen wie „SüßStoff”, „Otti’s Schlachthof” oder „Brettl-Spitzen”. Daneben schreibt er Ballettmusik, Kammermusik und eine Fülle von Jazzkompositionen.


KultKomplott: Herr Mayer, Sie haben die Musik zum Mysterienspiel „Wuide Hetz“, das am  16. Dezember in Fürstenfeld Premiere hat, geschrieben. Wie kam der Kontakt mit dem Veranstaltungsforum zustande und gab es gegenüber ihrer Arbeit irgendwelche Vorgaben?
Christian Ludwig Mayer: Der Kontakt kam über Winfried Frey zustande. Wir beide wollten den Themenbereich "Rauhnacht" seit längerem in einem größeren Rahmen aufgreifen. Es sollte eine Art "Musiktheater" werden, was es mit ca. 60 Minuten auskomponierter Musik auch geworden ist. Das Ganze war geplant als Familienstück. Nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit örtlichen Musikern/Vereinen.

KK: Auffällig ist in ihrem musikalischen Schaffen die Vielfalt, die unterschiedlichen stilistischen Bereiche, in denen Sie sich bewegen. Welche Musik wird das Publikum von ihnen am 16. Dezember hören?
CLM: Wir sprechen von einem Stück, das in der Weihnachtszeit spielt. Die Ikonographie unserer Weihnachtsdarstellungen stammt größtenteils aus dem 19. Jahrhundert. Das Gleiche gilt für die Darstellung der Sagenfiguren. Man braucht sich nur die Illustrationen zu den Sagensammlungen der letzten 200 Jahre anzuschauen. In fast allen dominiert als "fiktive Gegenwart" der Handlung das 19. Jahrhundert.
Es ist naheliegend diese Epoche auch musikalisch anklingen zu lassen. Dafür waren mehrere musikalische Traditionsstränge für mich wichtig. Zum Ersten die Tradition der Zauberopern des 19. Jahrhunderts bzw. Ballett- und Bühnenmusiken zu Stücken, die in fantastischen Welten spielen (als bekanntestes Beispiel Mendelssohns Schauspielmusik zum "Sommernachtstraum" ). Auch Carl Maria von Webers "Freischütz" gehört hierher. Auch dieser Stoff entstammt der Volkssage. Das zweite Element ist das der sogenannten Volksmusik, die großteils auf der Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts beruht. Zum Dritten kommen musikalische Assoziationen wie man sie aus Märchenfilmen der 1950er Jahre her kennt.
Musikalisch versuche ich trotz alledem eine in sich geschlossenen Systemordnung zu schaffen. Wie die Handlung des Stücks überhöht wird durch das übernatürliche Element, so benutze ich Stilmittel anderer Epochen oder kompositorische Eigenarten, um eben jenen stilistisch zeitlosen Raum zu beschreiten, der meines Erachtens nach den Handlungsorten der Sagen, Märchen und Legenden entspricht.
Ein Beispiel: Es gibt Stiefel und Stiefel. Stiefel an sich sind wohl eher etwas Profanes. Im Märchen werden daraus jedoch Siebenmeilenstiefel oder die Stiefel eines sprechenden Katers. Magische Alltagsgegenstände einer Zauberwelt.  Folglich ist ein "Landler" zwar ein "Landler," aber kombiniert mit barocken Elementen und neoklassizistischer Ästhetik kann dieser eben mit "magischen" Eigenschaften musikalischer Natur versehen werden.
Man könnte die Musik streckenweise wohl auch einfach zeitgenössisch als "klassisch-ländlichen Steampunk" interpretieren. Hier ist gerade die kleine Musikerbesetzung das Reizvolle für mich. Die Geschichten von der wilden Jagd wurden in Handwerker-, Wirtshaus- und Bauernstuben und nicht an Fürstenhöfen erzählt. Dem entspricht die kleine kammermusikalische Besetzung. Um so schöner, wenn sich das eine oder andere Instrument mal etwas aufplustern darf. Die kleine Besetzung verlangt in unserem Fall dem einzelnen Instrumentalisten einiges mehr ab, als dies bei einem Orchester der Fall gewesen wäre. Die Partitur könnte aber auch problemlos von einem Streichorchester mit Solisten aufgeführt werden.

KK: Nach welchen Kriterien haben sie sich beim Komponieren für die „Wuide Hetz“ leiten lassen?
CLM: Von der Liebe zur Thematik und der Umsetzbarkeit im gegebenen Rahmen.

KK: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Winfried Frey?
CLM: Wir kommen aus zwei verschiedenen Welten und das ist auch das Spannende. Theater ist Theater, Musik ist Musik. Diese beiden Welten zusammenzuführen ist immer inspirierend. Ich habe mit so gegensätzlichen Regisseuren wie Dieter Wedel oder Gil Mehmert gearbeitet. Der letztere ist für einen Musiker der Idealfall, da er selbst einige Jahre Musik studiert hat. Da spricht man die gleiche Sprache.
Mit Winfried Frey verbindet mich dagegen eine gemeinsame Vorliebe für Stoffe wie dem der "Wuiden Hetz" und die Faszination für den Kulturraum „Land“ der in vieler Hinsicht unterschätzt wird, leben wir doch in einer vom „urbanen Lifestyle“ dominierten Epoche.

KK: Hatten Sie von Beginn an ein bestimmtes Klangbild im Ohr? Oder hat sich die Musik während des Prozesses des Komponierens ergeben?
CLM: Ich mache stilistische Skizzen, notiere mir das eine oder andere Motiv. Manchen Volksliedern im Stück schneidere ich ein neues musikalisches Gewand. Ich möchte einen Stoff dieser Art nicht demonstrativ mit elektronischer Musik oder atonalen, abstrakten Kompositionstechniken kollidieren lassen, um ein fragwürdiges künstlerisches Statement in den Raum zu stellen. Diese Technik hat auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Das Stück soll ein Familienstück sein. Die Musik soll eindeutig und klar sein - ohne intellektuellen Subtext. Ich empfinde diese Art künstlerischer Freiheit auch als zeitgenössisch.
Das Klangbild resultiert aus der Beschaffenheit des Klangkörpers: Streichquintett+Percussion+Klarinette+Horn, dazu die schöne Gelegenheit mit Teilen des philharmonischen Chores FFB zusammenzuarbeiten.
Die Musik ergibt sich während des Prozesses des Komponierens, dazu muss man nicht am Schreibtisch oder am Instrument sitzen. Das ist Kopf- und Empfindungsarbeit. Stille ist die Werkstatt der Musik. Manches schreibt man dann in einem Zug, anderes muss eine Zeitlang ruhen, damit man wieder mit klarerem Kopf sieht, was man da eigentlich gerade macht. Manches ist wie modellieren, schnitzen. Theatermusik ist Programmmusik. Die Freiheiten der reinen Instrumentalmusik gehen natürlich weiter.
Ich lege immer wert darauf, dass meine Musik handgemacht und live gespielt ist. Ein Großteil der Theatermusiken wird zunehmend mit elektronischen Mitteln erzeugt. Der Mensch wird nun schon einige Jahrzehnte durch die fortwährende Zwangsberieselung mit elektronischer Musik dem Klang traditioneller Instrumente entfremdet, so wie er auch immer mehr der Natur entfremdet wird. Das Resultat sehe ich leider täglich. Für mich hat ein Ton dann die größte Qualität wenn er eine menschliche Geschichte erzählt und auch vom Menschen erzeugt wird. Und gerade die Graubereiche, die beim Live-musizieren entstehen, machen es spannend für mich. Dann entsteht auch Neues. Außerdem bin ich Musiker und kein Maschinist.

KK: Wie lang ist ungefähr der Zeitraum, vom Auftrag, bis hin zur ersten Probe?
CLM: Die ersten Gespräche wurden Anfang 2016 geführt. Wir haben zunächst am Gesamtkonzept und der Infrastruktur gearbeitet.  Konkret konnte ich mit der Arbeit an der Partitur nach Erhalt der Textvorlage und dem Feststehen der beteiligten Musiker beginnen. Das war Pfingsten 2017. Die erste musikalische Probe mit einem Großteil der Musiker fand Mitte Oktober statt. Unsere erste Gesamtprobe mit Chor und Musikern wird erst am 11.12 stattfinden. Es bleibt spannend.

KK: Wie hat sich die Auswahl der Musiker gestaltet. Gab es auch hier, wie im Bereich der Schauspieler, eine Art CASTING?
CLM: Zunächst sollte die Produktion mit einem regionalen Klangkörper gestaltet werden. Diese Idee ließ sich leider nicht verwirklichen. An die Ausarbeitung der Partitur konnte ich mich machen, nachdem ich wusste, für wen ich da schreibe. Natürlich macht es einen Unterschied, ob professionelle Musiker oder Laien musizieren, ob kammermusikalisch oder orchestral gedacht werden muss. Das Ziel musste die Umsetzbarkeit des Projekts sein. Deshalb habe ich im Juni nach Absprache mit dem Veranstaltungsforum FFB beschlossen, meine bestehenden Musikerkontakte zu nutzen, um ein spielfähiges Musikerensemble unter dem Namen "Auwald Consort" für die "Wuide Hetz" zusammenzustellen. Ich freue mich sehr, dass sich einige meiner geschätztesten Kollegen bereit erklärt haben, relativ kurzfristig mitzuwirken. Das sind die Geiger Ludwig Hahn und Sergey Didorenko, die Bratschistin Duscha Ernst, der Cellist Philipp von Morgen, Klarinettist Jaroslaw Haber, Percussionist und Hornist Ludwig Himpsl sowie meine Freunde vom "Auwald Trio": Ludwig Leininger am Kontrabass und Lorenz Hunziker-Rutigliano am Schlagzeug.

KK: Wie sind sie selbst mit dem Ergebnis zufrieden?
CLM: Das Ergebnis steht für mich erst nach der Premiere fest.

KK: Was sind Ihre nächsten Pläne?
CLM: Zuerst werde ich mal richtig ausschlafen. Dann möchte ich mit meiner Frau und meinen Kindern die Adventszeit genießen und das alte Jahr nach Möglichkeit ruhig ausklingen lassen. Das neue Jahr beginnt mit ein paar Konzerten meines Auwaldtrios. Zur Zeit laufen Gespräche für Kompositionsaufträge bzw. Gastspiele in Irland, London, Mexico und den U.S.A.. Daneben steht im Frühjahr eine Tonträgerproduktion in Freiburg an, bei der ich als Pianist und Arrangeur tätig bin. Mein nächstes Jahr wird vorrangig der Kammermusik gewidmet sein. Und dann kommt natürlich auch das tägliche Brot dazu: meine Finger müssen fürs Klavier fit gemacht werden, dann gibt es eine Menge der sogenannten "Mucken" die viele von uns Musikern benötigen, um zu überleben und meine Tätigkeit als künstlerischer Leiter und Vorstand des "Musischen Zentrums Altusried". Ich hätte auch gerne mal Urlaub.
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