Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Johannes Tonio Kreusch und Cornelius Claudio Kreusch – Stilistisch ni...

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Claudia Koreck – Auf der Bühne zu Hause

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Martina Schwarzmann – Zwei Baumwanzen im Haselnussstrauch

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Carlos Cipa - Etliche Stunden phantastischer Filme!

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Edi Nulz - Vollkommen verschwitzt und glücklich

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Julia Kadel - Ein Glück, das ich nirgendwo anders finden kann

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Samstag 10.03.2018
Johannes Tonio Kreusch und Cornelius Claudio Kreusch – Stilistisch nicht festgelegt
Johannes Tonio Kreuschs Hauptfach ist die Klassik, von der aus der Gitarrist immer wieder Ausflüge in die freie Welt der Improvisation unternimmt. Cornelius Claudio Kreuschs Hauptfach ist die Jazz. Für den Pianisten ein idealer Ausgangspunkt, um die Disziplin seiner klassischen Grundausbildung mit einzubringen. Ihr jeweiliger musikalischer Horizont ist weit gesteckt und nichts erscheint ihnen ferner, als sich stilistisch in irgendeiner Form festzulegen. Das bezeugen auch ihre beiden neusten Veröffentlichungen, die vor wenigen Wochen beim Münchner Label GLM erschienen sind.
Johannes Tonio widmet sich mit der Geigerin Doris Orsan auf dem Album „Tangos & Canciones“ Musik aus Argentinien, Spanien und Kuba. Es handelt sich um Komponisten wie Astor Piazzolla, Manuel de Falla oder Egberto Gismonti, die hier alle eine wunderbar stimmige, virtuos unnachamliche Interpretation erfahren.
Cornelius Claudos „Black Mud Sound – Live In New York“ ist ein Mitschnitt der Band um den Pianisten und Keyboardspieler, der eine starke Funk- und Soulattitüde atmet. Die Band ist ausgezeichnet aufeinander abgestimmt, spielt druckvoll, mit einem stark groovenden Zug.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Johannes Tonio Kreusch: Ein wichtiger Faktor war sicher, dass ich in einer Umgebung aufgewachsen bin, in der Musik und Kreativität jenseits von Druck und Leistung großgeschrieben war. Und dass meine Eltern uns Kindern Vertrauen und Sicherheit auf den Weg gegeben haben, unseren eigenen Weg zu finden.
Cornelius Claudio Kreusch: Meine Mutter, mein Vater. Meine Geschwister. Immer wurde Musik gemacht. Immer wurde gesprochen. Immer wurde getan.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JTK: Mit meinen musikalischen Projekten suche ich immer wieder neue Ausdrucksformen und möchte keine ausgetretenen Wege beschreiten ob ich nun ein klassisches Werk interpretiere oder komponiere und improvisiere. Mir gefällt der Begriff Grenzgänger, mit dem ich oft in der Presse tituliert werde daher gut.
CCK: Das Maximum meiner Möglichkeiten des Seins.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JTK: Inspiration ist nicht abrufbar. Künstlerischer Ausdruck darf nie zur Routine werden – sich einen unmittelbaren Ausdruck in jeder Situation zu bewahren erfordert viel Selbstdisziplin.
CCK: Mit dem Perfektionswillen meiner Selbst.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JTK: Seit einiger Zeit konzertiere ich im Duo mit Giora Feidman. Es ist faszinierend zu spüren, wie er mit seiner musikalischen Aura das Publikum immer wieder aufs Neue berührt.
CCK: Die wachsende Familie.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JTK: Neben meiner Konzerttätigkeit, habe ich meine Tätigkeit als Festivalkurator immer stärker ausgebaut. Neben der Organisation der Internationalen Gitarrenfestivals in Hersbruck und Wertingen habe ich zusammen mit meinem Bruder Cornelius Claudio Kreusch das Musikfestival für improvisierte und neue Musik „Look into the Future“ für die Stadt Burghausen und die Konzertreihe Ottobrunner Konzerte bei München gegründet. Es ist wunderbar spüren zu dürfen, dass wir nicht nur mit der eigenen Musik Menschen ansprechen, sondern auch durch unsere Festivalprojekte. Dass wir dabei auch durch Musikvermittlungsprojekte einen Beitrag zur musikalischen Bildung leisten, ist für uns sehr wichtig.
CCK: Wenn es um unser Sein geht & nicht um unsere Existenz.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JTK: Bei „guter“ Musik sind keine Grenzen gesetzt – am meisten zwischen Jazz und Klassik....
CCK: Mein Ohr ist immer offen. Aber ich finde mich meist beim Hören der Originale.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JTK: Nachdem ich von einem Freund eine Vinyl-Sammlung geschenkt bekommen habe musste ich mir natürlich wieder einen Plattenspieler kaufen. Wenn es von einer Aufnahme, die ich kaufen möchte Vinyl gibt, wäre das die erste Wahl. Als künstlerischer Leiter unserer Festivals muss ich natürlich viele Demos anhören. Das mache ich meistens unterwegs...da ist die Devise: so handlich wie möglich.
CCK: Beim Malen sogar noch Kassette.

KK: Was lesen Sie momentan?
JTK: „Silence“ von John Cage.
CCK: Die Zeit ist im Moment zu knapp für’s eigene Lesen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JTK: Überheblichkeit und festgefahrene Meinungen
CCK: Imperfektion. 

KK: Was freut Sie ungemein?
JTK:
Ein offenes Gespräch.
CCK: Ordnung. Selbst das Universum hat seine größere Ordnung, aus der alles Leben entspringt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JTK: Ein Möbelstück zusammengebaut schon, aber nicht selber kreiert...und für Nähen fehlt mir die Geduld...
CCK: Selbstverständlich, zumindest alle Entwürfe. Design ist einer meiner Leidenschaften.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JTK: Charlie Chaplin hat mich als tiefgründiger und vielseitiger Künstler, der nicht nur in einem Bereich großes geleistet hat immer schon fasziniert. 

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JTK: Da gäbe es viel...zum Beispiel einen Stromgenerator, der aus sich selber heraus sauberen Strom erzeugt...da gibt es ja glaube ich schon Bemühungen...
CCK: Mein großes Ziel ist es, Melodien zu erfinden, die es bisher noch nicht gibt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JTK: Einzelplayer im Team.
CCK: Sowohl als auch.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JTK: Wenn ich mit mir alleine bin...
CCK: Unter absoluter Notwendigkeit. Oder in absoluter Entspannung.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JTK: Da bin ich nicht festgelegt :=)...
CCK: Martin Armstrong, Clif High

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JTK: Meine Amtszeit verlängern, um Zeit zu bekommen u.a. ein Team zusammenstellen, das Konzepte entwickeln darf, wie die musische Bildung ein zentrales Element der Allgemeinbildung werden kann.
CCK: Das Geld an dem einen Tag einsparen & alle nach Hause schicken. Dafür proportional an alle Kulturschaffenden das Eingesparte verteilen. Am nächsten Tag können die Ämter ja wieder walten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JTK: „Look into the future“.
CCK: CCK.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JTK: Da wage ich keine Prognosen...ich hoffe darauf, dass wir Menschen ob der vielen Probleme wie Umwelt- oder mediale Verschmutzung uns wieder unserer Möglichkeiten besinnen und neue Wege einschlagen.
CCK: Wer das musikalisch für einen kleinen Teil wissen will, kommt zum 1. LOOK INTO THE FUTURE Festival ins Kloster Raitenhaslach am Pfingstwochenende.
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Samstag 24.02.2018
Claudia Koreck – Auf der Bühne zu Hause
Claudia Koreck ist ein bayrisches Original mit Breitenwirkung. Ihr letztes Album zum Beispiel wurde in Los Angeles aufgenommen. „Holodeck“ heißt die CD und die in Traunstein geborene Sängerin, Gitarristin und Komponistin hat, ganz entgegen ihrer bisherigen Natur, nur eine Hälfte des Albums in bayrischer Mundart produziert. Die andere Hälfte gibt es in englischer Sprache. Aber warum wurde „Holodeck“ überhaupt in Los Angeles aufgenommen? Es ist wohl diese spezielle Art der Anonymität, die sie hier gereizt hat. „ …. du kannst sei, wer du wuist. Du konnst ois sei“, erzählt sie in einem Interview. Das klingt ein wenig nach Flucht, weg von den hiesigen Erwartungshaltungen, die sie eben nicht dauernd erfüllen und bedienen möchte. Schließlich geht es der zweifachen Mutter auch um das Ausprobieren von Möglichkeiten.
Trotzdem hat sie sich ihre Frische und Authentizität erhalten. Die Musik selbst geht mehr in Richtung Folk und Country, klingt nach gestandenem Singer-Songwriting. Wer Live hören möchte wie das klingt: Am 3. März ist Claudia Koreck & Band zu Gast im Stockwerk in Gröbenzell und am 7. Juni in Fürstenfeld.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Claudia Koreck: Mein erstes Schlüsselerlebnis war ein Konzert von Hubert von Goisern als ich 7 Jahre alt war. Schon damals habe ich mir gedacht, dass es wohl nichts schöneres geben könnte, als auf der Bühne zu stehen. Ich habe dann mit 7 Jahren angefangen, in einer Kinderband zu spielen und konnte selbst ein wenig Bühnenluft schnuppern. Das hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Seit ich 12 Jahre alt bin, schreibe ich eigene Lieder und habe gemerkt, dass das für mich die erfüllendste Aufgabe ist.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
CK: Songs zu schreiben ist zunächst eine sehr einsame Angelegenheit. Ich brauche  Ruhe und Zeit für mich um kreativ sein zu können und dann schreibe ich, was immer mich bewegt oder aufregt oder ganz unbewusst irgendwo tief in mir schlummert.
Wenn ich die Lieder dann z.B. live spiele und mir die Menschen dann erzählen, wie bedeutsam manche Lieder  für sie im Leben sind oder dass ihnen ein Lied von mir über eine schwere Zeit hinweg geholfen hat, dann bin ich einfach sehr glücklich und erfüllt und habe das Gefühl, etwas sehr sinnvolles getan zu haben.
Aber es ist bei mir eben nicht so, dass ich mich hinsetze und mir vorher überlege: Welchen Zweck sollen meine Lieder erfüllen, ich möchte die Menschen unbedingt in diese oder jene Richtung bewegen oder so Dinge, die man gern in Castingshows sagt…Ich möchte mich möglichst befreit und ehrlich meiner Kunst widmen können.
Am Anfang steht immer eine Idee, die manchmal erst während der Arbeit kommt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
CK: Also wenn Sie das Schreiben an sich meinen, dann ist es oft der ganz normale Alltag. Ich habe ja eine Familie mit 2 Kindern und bin häufig auf Tournee. Das heißt ich muss zu Zeiten arbeiten an denen die Familie mich gerade nicht braucht, das bedeutet: Entweder schreibe ich spät abends, oder ich steh manchmal schon um 4 Uhr morgens auf. Eigentlich bin ich da auch ganz schön müde, aber dieser frühe Morgen hat irgendwie auch viel inspirierendes. Wenn er nicht so früh wäre.
Da meine Kinder jetzt aber auch schon 7 und 4 sind, hab ich neulich eine knappe Woche in Schweden verbracht, um ein neues Weihnachtsalbum zu schreiben. Ich war ganz alleine und hab so viel geschrieben, wie noch nie. Es war tatsächlich auch um einiges inspirierender als um 4 Uhr aufzustehen :-)
Wenn ich es recht überlege bin ich doch noch nicht allzuoft um 4 aufgestanden.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
CK: Für mich persönlich war meine kleine Kreativwoche in Schweden unglaublich beeindruckend. Weil ich mich seit langem nur mit mir selbst und meiner Aufgabe als Songschreiber auseinandergesetzt hab, niemand hat mich gebraucht oder wollte irgendwas von mir, ich hatte auch kaum Internet und habe mich unglaublich wohl gefühlt, ganz einsam mitten in der Natur. Ich hab ganz bewusst auch mal stundenlang einfach nur aus dem Fenster gestarrt und dabei sind mir unglaublich viele Ideen gekommen.


KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
CK: Also es ist immer wieder unfassbar schön auf der Bühne zu stehen. Jedes Konzert ist anders und lebt von der Stimmung im Raum und der Stimmung der Band und natürlich des Publikums. Neulich hab ich am Ende des Konzerts im Publikum unverstärkt eine Abschlussnummer gespielt, dann kam eine Frau zu mir und hat mich ganz stürmisch umarmt und mich angestrahlt. Dann hat sie sich noch ein ganz altes Lied von mir gewünscht und wir haben es gemeinsam gesungen, denn sie kannte jedes Wort besser als ich :-) Das besondere war, dass die Frau eine geistige Behinderung hatte und durch die Musik richtig aufgeblüht war.
Da war der ganze Saal gerührt und ich hab wieder so gespürt, dass ich auf der Bühne einfach zu Hause bin.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
CK: Ich höre sehr gern und sehr viel Musik. Ich mag gerne Folk und Soulmusik, Blues und gut gemachte Countrymusik, mit Liebe gemachte Popmusik und je nach Stimmung gern auch mal Klassik und Jazz.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
CK: CDs höre ich eigentlich nur noch im Auto. Wir haben einen Plattenspieler und wenn ich bewusst Musik hören will, dann lege ich eine Platte auf. Ansonsten nutze ich auch Streamingdienste.

KK: Was lesen Sie momentan?
CK: Haruki Murakami  „Die Ermordung des Commendatore“. Gefällt mir total und kann ich nur empfehlen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
CK: Alles was derzeit politisch abgeht. Und wenn ich am Markt einkaufe und jemand ausländerfeindliches von sich gibt. Oder wenn sich, so wie neulich, ein verbissener, grantiger alter Mann einfach beim Einkaufen an der Kasse vor mich drängelt, um seine Bild Zeitung zu kaufen. Ohne zu fragen ob das ok ist.

KK: Was freut Sie ungemein?
CK: Wenn ich dem Mann dann sage, dass das gerade nicht ok war, sondern absolut respektlos. Er möge mich bitte fragen, ob das ok ist, dann darf er gerne vor.
Dann hat er seine Bild Zeitung zurückgelegt und ist motzend abgehauen.
Die Kassiererin hat gemeint: Endlich hat`s ihm mal jemand gesagt, der mache das nämlich jeden Tag so.
Da hab ich mich dann gefreut :-)

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
CK: Ich hab z.B. unsere ganzen Bäder selbstgemacht, gemeinsam mit meiner Mama. Mit Tadelakt, das ist Muschelkalkputz aus Marokko. Ich habe extra einen Kurs gemacht, da das recht kompliziert ist.
Und meine Mützen stricke ich auch selber, aber das ist auch schon alles was ich kann.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
CK: Von allen  Kinderschauspielern aus „Stranger Things“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
CK: Wenn mir da jetzt spontan was einfiele, würde ich es selbstverständlich erfinden und nicht hier als Antwort reinschreiben :-)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
CK: Beides. Ich brauche meine Einsamkeit um zu Schreiben, aber dann brauche ich meinen Partner um die nächsten Schritte zu gehen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
CK: Entweder wenn ich ganz viel Zeit für mich alleine hab oder gar keine Zeit und es ganz spontan ist und schnell gehen muss.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
CK: Ich lese immer den Hebammenblog der Sueddeutschen Zeitung :-)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
CK: Ich würde alles dafür tun, dass unserer Straßen wieder lebendiger werden. Vielleicht Kreativzentren errichten, wo sich Künstler und Kreative treffen können, aus allen Bereichen sich austauschen und arbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Ein paar Mal im Jahr werden dafür dann die Türen für alle geöffnet und die Künstler präsentieren ihre Werke und die Leute können im Gegenzug kostenlos Kultur hautnah erleben.
So was vielleicht.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
CK: Das großartige Leben der unglaublichen, fantastischen, brutal krass drauf-seienden, beliebt und gefeierten, vielmals kopiert und doch nie erreichten Claudia Koreck - bekannt aus Funk und TV.
Oder einfach: „ Hallo, servus und Griasseich“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
CK: Aufregend!
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Dienstag 06.02.2018
Martina Schwarzmann – Zwei Baumwanzen im Haselnussstrauch
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Martina Schwarzmann stammt aus Fürstenfeldbruck, wo sie 1979 am Rosenmontag geboren wurde. Ob das der Grund dafür ist, weshalb sie im „lustigen Fach“ landete? Vielleicht – vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall tourt sie seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten mit ihren Kabarett-Programmen sehr erfolgreich quer durch Deutschland. Auch in Hamburg sind ihre Auftritte (meist) ausverkauft. „Wenn ich in Hamburg spiel, kommen auch ein paar hundert Zuschauer und wenn´s Fragen gibt oder was nicht verstanden wird, dann wird das sofort geklärt. Das macht mir und dem Publikum großen Spaß“, erzählte sie in einem Interview. Am 22. und 23. Februar genießt die dreifache Mutter aber Heimvorteil, wenn sie in Fürstenfeld ihr neues Programm „Genau richtig“ präsentiert.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Martine Schwartzmann: Der wichtigste Faktor bei dem was ich mache ist der mir vom Vater vererbte Mutterwitz

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MS: Ich möchte erreichen, daß die Menschen, die zu mir kommen, einen Abend lang sehr viel Spaß haben und durchgeschüttelt vor Lachen nach Hause gehen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MS: Mit einer langen Anreise.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MS: Ich habe unter einem Haselnussstrauchblatt zwei Baumwanzen beim Liebesakt entdeckt und aufgefallen sind sie mir, weil ich gehört habe, wie die obere Baumwanze immer an das über ihr hängende Blatt gestoßen ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MS: Wenn mir Leute erzählen, daß meine Kunst ihnen geholfen hat aus einer Krise zu kommen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MS: Ich bevorzuge die Stille

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MS: Wenn dann höre ich CD weil wir keinen Plattenspieler haben.

KK: Was lesen Sie momentan?
MS: Ich lese gerade einen wilden Roman, den ich mir in der Bücherei ausgeliehen habe und bei 3 Leichen bin ich schon.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MS: Wenn Leute Müll im Wald entsorgen

KK: Was freut Sie ungemein?
MS: Wenn ich was brauchen kann, was ein anderer wegschmeißt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MS: Ja, ich bin eine leidenschaftliche Bastlerin.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MS: Wir haben uns gerade „Zur Freiheit“ ganz angeschaut und die Ruth Drexl und der Toni Berger sind oder waren schon beeindruckende Schauspieler

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MS: Eine Bierbank und einen Biertisch mit Teleskopbeinen, die auch am Hang gerade stehen können.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MS: Ich habe lange Fußball gespielt, da bin ich eher für die anderen gelaufen als für mich selbst.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MS: Bei einer monotonen Tätigkeit an der Frischen Luft.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MS: Was ich im Sommer/Herbst täglich anschau ist der Pilz-Ticker Bayern.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MS: Ich geh mal davon aus, daß ich an einem Tag nicht viel zreißen würd.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MS: „guad iss ganga“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MS: Schön.
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Freitag 26.01.2018
Carlos Cipa - Etliche Stunden phantastischer Filme!
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Carlos Cipa gehört zu jenen Instrumentalisten, die wenig auf die Virtuosität von Musik setzen. Zumindest bei ihrer eigenen. Seine Kompositionen bewegen sich im Umfeld der modernen Klassik, zwischen Claude Debussy und Steve Reich, sie streifen Ambient und Electro und beeindrucken durch die Sparsamkeit der musikalischen Mittel.
Das war nicht immer so. In Eching geboren besuchte Carlos Cipa die Musikschule in Landsberg und studierte später in München Komposition bei Moritz Eggert. Aber zwischendurch war er über einen längeren Zeitraum Schlagzeuger(!) in einer Punkband. Vielleicht als Ausgleich, um sich zu erden und Gegensätze auszuleben.
Zu seinen persönlichen Favoriten gehört Max Richter, der britische Komponist aus Deutschland. Richter versteht, mit seiner Musik Bilder zu evozieren, Landschaften zu gestalten, Filme zu untermalen. Auch Carlos Cipa hat einen starken Bezug zu diesen Soundscapes. In den vergangenen Jahren war er weltweit auf Tour, hat Club-Konzerte gegeben, auf Festivals gespielt, musikalische Verwandte wie Hauschka, Ólafur Arnalds oder Valgeir Sugurdsson getroffen.

Am 16. Februar ist Carlos Cipa zu Gast in Landsberg, wo er gemeinsam mit Occupanther, alias Martin Brugger um 20 Uhr im Stadttheater auftreten wird.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?

Carlos Cipa: Früher Klavierunterricht mit 6 Jahren; klassische Klavierausbildung bis 17; Schlagzeug mit 16, darauf mehrjährige Banderfahrung in unterschiedlichsten Genres; Studium von Filmmusik, Arrangement und klassischer Komposition; universelles Interesse an Musik jeden Genres

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?

CC: (Musik- und Kunst- Begeisterte) Menschen jeden Alters und Herkunft. Instrumentalmusik spricht keine bestimmte Sprache, kann also für jeden zugänglich sein. Meine Musik soll berühren, Viele schreiben mir, meine Musik gibt ihnen Hoffnung, Freude, fordert sie, begeistert sie. Viele sprechen von Bildern, die sie sehen. Wichtig ist mir, dass jeder seinen ganz eigenen Zugang zu meiner Musik findet, ich möchte keinem etwas vorschreiben, was er zu empfinden oder zu denken hat.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?

CC: Meine Musik ist ein Zusammentreffen von emotionalem Ausdruck und sorgfältig ausgearbeiteten Kompositionen, dabei kann es durchaus vorkommen, dass künstlerische Entscheidungen einen langen Entstehungsprozess haben, unterschiedlichste Möglichkeiten ausgelotet werden müssen. Das fordert oft Kraft und braucht Zeit, die ich mir aber gerne nehme.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?

CC: Das komplette Schauen der Heimat-Trilogie von Edgar Reitz, etliche Stunden phantastischer Filme! Le Guess Who? Festival in Utrecht, tolle Konzert von Peter Brötzmann, Pharoah Sanders, und viele mehr.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?

CC: Ein musikalischer Einfall, der das eigene Interesse weckt. wie auch immer man es nennt, Eingebung, etc., das kann man kaum beschreiben, ein unglaublich schönes Gefühl!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?

CC: Ein universelles Verständnis und Wertschätzung von unterschiedlichsten Arten von Musik stehen im Zentrum meiner Arbeit.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?

CC: Hauptsächlich Vinyl. CD nur im sehr seltenen Fall, dann hauptsächlich Klassik, viel Musik auch unterwegs über Kopfhörer via Spotify.

KK: Was lesen Sie momentan?

CC: „Die Leichtigkeitslüge“ von Holger Notzke und „Rückkehr nach Reims“ von Didier Eribon.

KK: Was ärgert Sie maßlos?

CC: Schwindendes Interesse der Gesellschaft an anspruchsvoller Musik, Kunst, Film etc. übertriebene Hypes von mittelmäßig guten Dingen :-); SPD ;-); Rechtsruck und die Politik die einen Nährboden dafür schafft.

KK: Was freut Sie ungemein?

CC: Hören von guter Musik. Schauen eines guten Films einer guten Serie. Freundschaft und Liebe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?

CC: Ja, regelmäßig Möbelstücke, Platten bzw. Bücherregale, Studiomöbel, etc.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?

CC: Das wäre eine unzählige Liste, hier 2 Beispiele aus letzter Zeit, die mir gerade zufällig in den Sinn kamen (Film und Serien berücksichtigt): Sarah Gadon in „Alias Grace“ und Adam Driver in „Paterson“.
Und alltime-favourits:
Maria Hofstätter in „Hundstage“.
Walton Goggins in „The Shield“.
Naomi Watts in „Mullholland Driver“.
Phillip Seymour Hoffman in „The Master“.
Portia de Rossi in „Arrested Development“.
Ty Burell in „Modern Family“.
Gina Rodriguez in „Jane the Virgin“.
Roberto Benigni in „La vita è bella“.
Björk in „Dancer in the Dark“.
Daniel Day-Lewis in „There Will be Blood“.
Ingrid Bergman in „Höstsonaten“.
Forest Whitaker in „Ghost Dog“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?

CC: Neue, interessante Musik :)

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?

CC: Kommt auf die Situation an, zur Zeit arbeite ich sehr gerne im Team, meist zu zweit. Manche Entscheidungen und Einfälle kann man aber nur allein fällen/haben/erarbeiten.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?

CC: Meistens, nachts, oder an abgeschiedenen Orten, häufig auch in Phasen, in denen man im Arbeitsfluss ist. Außermusikalische Einfälle auch häufig während dem Schlafen, beim Träumen, morgens.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?

CC: AV Club, Pitchfork, Discogs, Vinyl Factory, The Quietus, IMDB, Übermedien, versch. Zeitungen,

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?

CC: Sämtliche Orchesterfusionen/Schließungen stoppen bzw. rückgängig machen, die komplette Neugestaltung von öffentlich-rechtlichem Fernsehen veranlassen, Förderung von anspruchsvoller Pop-Musik/Zwischenbereiche mit Förderung von E-Musik gleichstellen, da gibt es eindeutig Überholungsbedarf!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?

CC: Soweit ist es zum Glück noch nicht… :-)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?

CC: Schwierige Frage, wir leben ja in Zeiten, in denen sich niemand so richtig die Zukunft vorstellen kann, vor allem was die Gestaltung davon angeht. Wir sollten alle beginnen, wieder mehr über Zukunft und was das bedeutet nachzudenken, nicht den reaktionär Denkenden das Feld überlassen!
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Samstag 20.01.2018
Edi Nulz - Vollkommen verschwitzt und glücklich
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Edi Nulz? Wer ist Edi Nulz? „Ritter ohne Bass und Tadel“ titelte im vorletzten Jahr der österreichische Standard und meinte damit das junge Jazz-Trio. Derzeit touren Gitarrist Julian Adam Pajzs, Bassklarinettist Siegmar Brecher und Schlagzeuger Valentin Schuster gemeinsam mit der Tatortkomissarin Adele Neuhauser und dem Douglas Adams Programm „Die Letzten ihrer Art“. Anschließend sind sie mit ihrem „räudigen Kammerpunkjazz“ unter anderem auch in Landsberg zu erleben. „Das grundsätzlich Abstrakte der Instrumentalmusik mit exzentrischer Titelgebung abzufedern, ist eine bewährte Methode zur Erdung. Das pfauchige Trio Edi Nulz, das unter der Führung der Bassklarinette die entfernten Reiche von Rockmusik und Jazz verbindet, zeigt diesbezüglich viel Humor“, ist im Programmheft des legendären Jazzfestival Saalfelden zu lesen, wo sie gerade aufgetreten sind. Und wer in Saalfelden spielt, der hat musikalisch schon so einiges zu sagen. Deshalb noch einmal zum mitschreiben: Edi Nulz, am 10. Februar in Landsberg. Natürlich im Stadttheater!

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Valentin Schuster: Musikalisch waren Bands wie die "Lounge Lizards", "Deerhoof" oder "Der Rote Bereich" sehr prägend für uns.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
VSch: Publikum jeden Alters mit offenen Ohren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
VSch: Der generelle Stellenwert von Jazz bzw. progressiverer Musik in unserer Gesellschaft. Der ist nicht sehr hoch, man muss viel investieren - Geld sowie Zeit - um überhaupt eine funktionierende Band aufbauen zu können.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
VSch: Das ganze Jahr 2017 war enorm intensiv, so viel ist passiert in Bezug auf die Musik, das Leben - dass ich da schwer ein Ereignis herauspicken kann.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
VSch: Der Moment, vollkommen verschwitzt und glücklich nach einem intensiven Konzert von der Bühne zu gehen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
VSch: Ich kann hier nur für mich sprechen, ich höre derzeit viel Progressive Rock/Metal.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
VSch: Das ist innerhalb der Band recht unterschiedlich. Ich konsumiere viel digital, da ich viel unterwegs bin, aber ansonsten bin ich großer Vinyl-Fan.

KK: Was lesen Sie momentan?
VSch: Ich habe gerade ein Buch von Thomas Brussig fertiggelesen, "Beste Absichten", davor waren es zwei Bücher von Arthur C. Clarke.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
VSch: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
VSch: Gerechtigkeit.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
VSch: Nein, leider noch nie.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
VSch: Heath Ledger als Joker in "Batman".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
VSch: Sich beamen zu können, wäre angenehm. Auch ein portables Bühnensystem, mit dem man in jedem Club einfach "andocken" und losspielen könnte, wäre sehr angenehm.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
VSch: Absoluter Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
VSch: Teamplayer - also oft während Gesprächen mit den Kollegen/Freunden.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
VSch: Ich lese regelmäßig Sportwebsites, aber auch Musikblogs wie z.b. "Heavyblogisheavy", ein Blog über Progressive Metal.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
VSch: Die ungleiche Verteilung zwischen den Geldern für die freie Szene und den etablierten bzw. anerkannten Häusern/Institutionen (das bezieht sich jetzt stark auf Österreich). Da könnte viel gedreht werden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
VSch: Mein Pferd Ambrosius - Die Valentin Schuster Story.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
VSch: In der unmittelbaren Zukunft hoffe ich, dass auf künstlerischer Ebene noch viel interessantes passiert, die letzten Jahre waren in der Hinsicht sehr schön.
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Dienstag 02.01.2018
Julia Kadel - Ein Glück, das ich nirgendwo anders finden kann
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Julia Kadel hat ihr Debütalbum „Im Vertrauen“ beim legendären Jazzlabel Blue Note veröffentlicht. Das letzte Mal, dass einer deutschen Musikerin diese Ehre zu Teil wurde, liegt sechs Jahrzehnte zurück. Kadels zweites Album, im letzten Jahr in gleicher Besetzung eingespielt, nannte das Hamburger Abendblatt „Eine Offenbarung!“ und das Main-Echo schrieb von einem „Sprungbrett in neue Tonwelten“.
Mit 15 entdeckte die Berlinerin ihre Leidenschaft für den Jazz. Trotzdem begann sie ein Psychologiestudium – das dann aber der Musik geopfert wurde. Neben ihrem überaus erfolgreichen Trio arbeitet sie derzeit noch im Duo mit dem türkisch-französischen Cellisten Anil
 Eraslan und im generationsübergreifenden Quartett „Vor der Mauer – nach der Mauer“ des renommierten Schlagzeugers Günter „Baby“ Sommer.
Am 25. Januar wird das Julia Kadel Trio mit Karl-Erik Enkelmann (Bass) und Steffen Roth (Schlagzeug) im Gautinger Kulturzentrum Bosco auftreten.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Julia Kadel: Diese Frage beantworte ich zunächst mit: Ich bin heute Musikerin. Dann würde ich Ihnen dazu erzählen, dass ich festgestellt habe, dass die Musik das ist, was ich tun muss, nachdem ich mich eine Zeit lang mit etwas Anderem beschäftigt hatte. Manchmal muss mal wohl das Eine tun, um zu bemerken, dass man das Andere tun muss. Außerdem finde ich in der Musik und Kunst ein Glück, das ich nirgendwo anders finden kann. Auch ist die Musik wohl meine authentischste Art zu sprechen. Hier kann ich Dinge sagen, die ich in keiner anderen Sprache mitteilen und auch selbst erfahren kann.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Ich möchte zunächst etwas schaffen, das Menschen – mich eingeschlossen – bewegt, berührt, beschäftigt. Gleichzeitig möchte ich meine Zeit dem widmen, was mich herausfordert und jeden Tag auf's Neue fasziniert, ich möchte im Lernen bleiben und immer besser darin werden, Dinge zu erschaffen, die etwas bewegen und erzählen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Ich muss mich intensiv mit der Organisation und Arbeit um die Musik herum, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, beschäftigen. Aber das gehört nun einmal mit dazu und auch hier kann ich immer wieder viel dazulernen, auch wenn es keinen großen Spaß macht.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Die Filme, die ich in den letzten Tagen und Wochen angeschaut habe, unter anderem ein spannender Film über junge Frauen in Koppenhagen sowie eine Dokumentation auf arte über den IS. Aber auch das Buch über „Gewaltfreie Kommunikation“ von Rosenberg, das mich sehr beeindruckt hat.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Da gibt es so viele! Auf jeden Fall die Momente, in denen etwas passiert, das sich magisch, zwingend und stark anfühlt - und auch anhört. Vor allem auf der Bühne mit der Band, mit der ich spiele. Auch ein verbindendes Gefühl mit den Mitmusikern, alle wissen, jetzt passiert gerade etwas, das etwas verändert, es macht einfach Spaß und bringt Glück! Auch den ZuhörerInnen!
Aber auch der Moment, in dem wir ein neues Stück von mir spielen, zum ersten Mal: Die Momente, in denen zum ersten Mal das erklingt, was ich vorher nur in meinem inneren Ohr gehört hatte. Das ist wunderbar.
Oder auch, wenn nach einem Konzert jemand aus dem Publikum zu mir kommt und erzählt, das ihn das Konzert oder der eine oder andere Moment bewegt hat. Mir ist die Sendung dessen und der Empfänger sehr wichtig, Musik wirkt schließlich nicht nur durch den, der sie aussendet, sondern im Zusammenwirken von Spieler und Zuhörer. Das verleiht der Musik eine Bedeutung.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Ich höre sehr unterschiedliche Musik. Zur Zeit sehr gerne Sigur Ros, Louis Cole, Kit Downes und György Kurtag. Ich kann nicht in „Arten“ von Musik denken, nur in Musik selbst, und entscheide mich je nach Stimmung, Geschehen, Gedanken und Ort für ein bestimmtes Album oder Lied.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Ich werde mir nächstes Jahr einen Plattenspieler anschaffen! Bisher habe ich also immer nur CD's gehört. Ich bin somit ein CD-Fan...

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Gerade bin ich mit verschiedenen Büchern beschäftigt. Ein Buch über Joseph Beuys, eines von George Perec, und einen Hermann Hesse, den ich nochmal lesen wollte (Siddhartha).

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Gewalt, Chancenlosigkeit, Diskriminierung, Manipulation, Egoismus, die Politik, welche Menschen verfolgt, foltert, vertreibt, umbringt - und dies oft aus wirtschaftlichem Vorteilsdenken

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Großartige Menschen, die ich kenne oder kennenlernen darf, Musik, Kunst, neue Länder zu bereisen und zu entdecken, gutes Essen, guter Humor

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Ja! Ich habe Regale, Tische und Hocker selbst gebaut, das ist eine tolle Erfahrung gewesen und gibt den Möbeln einen ganz anderen Wert. Sie gehören viel mehr zu einem dazu, machen ein „Zuhause-Gefühl“ aus. Außerdem ist jedes Handwerk eine Bereicherung und Herausforderung, es lohnt sich das zu lernen. Für Kleidung interessiere ich mich eher weniger.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Das würde jetzt zu weit führen. Spontane LieblingsschauspielerInnen sind: Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Alba Rohrwacher, Ellen Page, Edward Norton, Billy Bob Thornton, Juliane Moore, Emily Watson und viele andere.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Ein System, mit dem ich meinen Flügel alleine zu den Konzerten transportieren kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Ich denke, ich bin wohl eher beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Ich glaube, gute Einfälle hängen nicht von bestimmten Situationen ab. Sie kommen ungefragt. Aber ich achte vielleicht in schwierigeren Situationen noch intensiver auf sie.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: Arte online, Democracy Now.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Die Kulturbudgets für die Jazz- und Improvisationsszene sensibilisieren.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: Ich denke nicht, dass ich dies einmal vorhaben werde.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Das ist eine zu umfangreiche Frage für eine kurze Antwort. Optimistisch bin ich wohl eher nur hinsichtlich der Kultur, der Kunst und Musik, alles andere kann der Mensch kaputt machen...
Autor: Siehe Artikel
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