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Inhaltsverzeichnis
Joey Baron & Robyn Schulkowsky „Now You Hear Me“

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Nigel Kennedy „Kennedy Meets Gershwin“

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Elina Duni „Partir“

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OHRENGLÜCK 42: Esbjörn Svensson Trio "Live In London"

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Malte Vief „Kammer“

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Klassiker des Jazz neu aufgelegt (1): Charles Mingus & Thelonious Monk

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Sonntag 27.05.2018
Joey Baron & Robyn Schulkowsky „Now You Hear Me“
Joey Baron & Robyn Schulkowsky
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Photo: Dariusz Gackowski
Trommeln ist so alt wie die Menschheit. Es ist der Puls der verschiedenen Kulturen. Oder, wie Dieter Bachmann einmal schrieb: „Trommeln heißt nichts anderes, als der fließenden Zeit eine Einteilung aufzuprägen“. Und die Trommler, heute sagt man eher Schlagzeuger oder Schlagwerker, sind somit die ordnenden Hüter der Zeit. Wenn nun mehrere solcher Schlagwerker aufeinandertreffen, wenn also dem einen Puls ein zweiter gegenüber gestellt wird, wie mag das klingen? Entsprechend der Persönlichkeit und Individualität der beiden immer wieder anders.
Im März 2016 haben sich in Berlin zwei trommelnde Instrumentalisten im Studio getroffen und sind miteinander in einen Dialog getreten, der jetzt beim Schweizer Label Intakt vorliegt. Joey Baron gehört zu den wohl derzeit am häufigsten gebuchten Sideman der Jazzszene. Der Amerikaner beherrscht nicht nur ein Arsenal an Perkussionsinstrumenten, er begleitet mit ihnen auch so unterschiedliche Stilisten wie John Zorn, Dizzy Gillespie, Marianne Faithfull oder Irene Schweizer.  In seinem Einfühlungsvermögen, seiner Spontanität und seinem rhythmischen Puls scheinen ihm keine Grenzen gesetzt. Robyn Schulkowsky ist eine der führenden und gesuchtesten Perkussionistinnen der modernen Klassik, seit vielen Jahren Soloschlagzeugerin verschiedener Orchester und Komponistin für Perkussionsensemble.
Auf „Now You Hear Me“ befinden sich vier Stücke, die im freien Dialog die Welt rhythmisch zum Klingen bringen. Hier findet sich traditionelles Pulsieren neben strukturellen Polyrhythmen, energetisches Donnergrollen neben fein ziselierter Beckenarbeit, differenziertes Signalgeben neben komplexen Ausrufezeichen. Dabei ist alles im Fluss, gehen perkussive Andeutungen in klare Formulierungen über und umgekehrt. Archaische Trommelrituale verbinden sich mit intellektuellen Akzenten. Alles auf diesem Album ist Interaktion, steht in einer dynamischen Wechselbeziehung und wirkt dadurch überzeugend. „Now You Hears Me“ bietet in seinen rhythmischen Dialekten subtile Spannung. Ein grandioses Vergnügen, für Kopf und Bauch, weil: Hier haben sich zwei außergewöhnliche Rhythmiker gesucht - und gefunden.
Jörg Konrad

Joey Baron & Robyn Schulkowsky
„Now You Hear Me“
Intakt Records
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Freitag 18.05.2018
Nigel Kennedy „Kennedy Meets Gershwin“
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Sie sind beide Klassiker und sprengen mit ihren Werken jede stilistische Form. Nigel Kennedy, der Geiger im Punker-Outfit, dessen Spiel sich zwischen Johannes Brahms und Charlie Parker bewegt und George Gershwin, der große amerikanische Komponist, der ungezählte Standards geschrieben hat, die in das Great American Songbook eingegangen sind und von traditionellen Jazzmusikern ebenso interpretiert werden, wie von den Avantgardisten der Szene.
Nun spielt Nigel Kennedy ausgewählte Stücke von George Gershwin. Und natürlich lässt er diese Dauerbrenner des Jazz in einem ganz individuellen Licht erstrahlen. Er bewegt sich wie einst seine großen Gönner Stéphan Grapelli und Yehudi Menuhin im Fahrwasser von Eleganz, Raffinesse und Ideenreichtum. „Musik muss Abenteuer bleiben“, bekannte Kennedy vor Jahren in einem Interview. Und von diesem Leitsatz geprägt klingen „The Man I Love“, „Summertime“ oder „Porgy & Bess“. Er verziert, pardon, natürlich improvisiert in seinem, nicht immer ganz orthodoxen Geist. Virtuos jagt er über die Saiten, glänzt mit angerissenen Akkorden und koketten Glissandi. Und wenn die leidenschaftliche Vollkommenheit ihn an die Grenzen führt, dann spielt er Klavier oder auch das Hapsichord, zu deutsch Cembalo.
Als Begleitband hat das einstige Wunderkind Kennedy ein Trio gewählt, das ihn glänzend unterstützt und zugleich für enormen Auftrieb sorgt. Mit den beiden Gitarristen Howard Alden und Rolf Bussalb, sowie dem Bassisten Tomasz Kupiec klingt der Geiger immer wieder wie das legendäre Quintette du Hot Club de France um Django Reinhardt und Stéphane Grapelli. Doch keine Angst, „Kennedy Meets Gershwin“ ist zwar ein Album, bei dem es durchgehend swingend zugeht. Trotzdem ist es nicht der bewahrenden Charakter des Repertoires, der hier allein für ein Ausrufezeichen sorgt. Kennedy zeigt sich als ein blitzgescheiter, aber auch unterhaltender Instrumentalist, dem man den Spaß am scheinbaren Stilbruch liebend gern abnimmt.
Viktor Brauer

Nigel Kennedy
„Kennedy Meets Gershwin“
Warner Classics
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 15.05.2018
Elina Duni „Partir“
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Zwölf Songs in neun Sprachen befinden sich auf dem neuen Album von Elina Duni. „Mir war wichtig, dass die Lieder aus verschiedenen Sprachregionen stammen, damit wir erkennen, dass uns vielmehr verbindet, als uns trennt“, bekannte die aus Albanien stammende und heute in Zürich lebende Sängerin in einem Interview. Sie selbst hat in ihrem Leben viel Verzweiflung und Not gesehen und erlebt und weiß, dass es mehr gibt und dass es um weit mehr geht, als um die geographische Verwurzelung eines Menschen. Die Emotionen, die Schmerz und Leid auslösen, gleichen sich über die Ländergrenzen hinweg. Und auch die Hoffnung, der Wille zur Überwindung von Bedrängnis und Trauer ist grundsätzlich und Kulturen verbindend ausgeprägt.
So fügt die Sängerin auf „Partir“ traditionelle Lieder aus Albanien, dem Kosovo, aus Mazedonien, aus Armenien, Andalusien, einem Volkslied aus der Schweiz, einem Chanson von Jacques Brel zu einer wunderbaren, harmonischen Einheit. Musik verbindet, sagt Elina Duni und damit gehen bei ihr die unterschiedlichen Kulturen wie selbstverständlich Hand in Hand. Innerhalb einer Welt, die aus den Fugen geraten zu sein scheint und in der Nationalisten und ihre Ideen an Zulauf gewinnen.
Die 37jährige findet stimmlich genau den Punkt, der Sorge und Zuversicht vereint, der Ausdruck einer melancholisch beseelten Menschlichkeit ist. Ihr unprätentiöser Gesang, die schmalen Arrangements der Songs, die sparsame Begleitung auf Gitarre, Piano und Perkussion verströmen eine berückende Intimität, die in ihrer Nachdenklichkeit gefangen nimmt. Bei ihr gilt es Grenzen zu überwinden, um die Schönheit der Poesie zu kämpfen, Authentizität und Respekt auszuleben. So wird jeder ihrer Songs zu einem überzeugenden Rezital, zu einer tiefgründigen Hommage aufrichtiger Menschlichkeit.
Jörg Konrad  
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 09.05.2018
OHRENGLÜCK 42: Esbjörn Svensson Trio "Live In London"
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Mit dieser Band begann eine neue Ära. Das Esbjörn Svensson Trio, kurz „e.s.t.“, machte ums Jahr 2000 die Klaviertrio-Besetzung des Jazz zum genreübergreifenden Universalformat. Dieser Sound war zwar ein Jazzsound, und es wurde so viel improvisiert, wie im Jazz eben improvisiert wird. Aber zugleich hatten die drei Schweden den Push einer Rockband, diesen rauschhaften Sog, zudem Elemente von Drone, Pop und Elektronik. „Sie sind ein Jazztrio, aber ich kann Freunde, die keinen Jazz hören, ebenfalls mitnehmen ins Konzert“, sagte der Sänger Jamie Cullum. 2006 zierten die Gesichter von Svensson, Berglund und Öström die Titelseite der amerikanischen Jazzbibel „Downbeat“ – als erste europäische Jazzmusiker überhaupt. „Europe Invades!“, so lautete die Schlagzeile. Man konnte damals gelegentlich lesen, der Jazz habe seine Heimat nun nach Europa verlegt, dort entstehe überhaupt die spannendere Musik. Svensson & Co. waren die Stars der Jazzwelt – ein Klaviertrio, das sich in den Charts zwischen Teenie-Pop und Disco-HipHop platzieren konnte.

Eines der Gastspiele, die das Trio an den Gipfel seiner Popularität beförderten, fand im Mai 2005 im Londoner Kulturzentrum Barbican statt. „Wir verstanden uns stets als Liveband“, sagt der Schlagzeuger Magnus Öström. Zu Recht, denn live funktionierte die Sogkraft dieser Musik am allerbesten. Im Konzert kann das Trio sein Publikum hypnotisieren mit seiner sich langsam steigernden Dynamik, kann es hinwegreißen in einem kraftvollen Strom, mitnehmen zum großen Höhepunkt und wieder abfangen auf einem leiseren Level. Nicht die langsamen Balladen sind es, sondern die ekstatischen Groovestücke, die bei e.s.t. im Konzert zu Riesen werden und gegenüber der Studioversion in der Länge um 20 Prozent oder mehr anwachsen. Auf ganz ähnliche Weise begann 30 Jahre vorher der Klaviersolist Keith Jarrett seine Zuhörer zu fesseln – Svensson war ihm auch stilistisch verpflichtet.

Das 2-CD-Album „e.s.t. Live In London“ kommt nun zehn Jahre nach Esbjörn Svenssons Tod auf den Markt. Wir hören zehn sehr lebendige Stücke aus dem Programm der Alben „Viaticum“, „Strange Place For Snow“ und „Seven Days Of Falling“. Mit „Live In Hamburg“, das nur 18 Monate später aufgenommen wurde, gibt es nur eine einzige Überschneidung im Repertoire: Der Publikumsrenner „Behind The Yashmak“ fiel in London noch um zwei Minuten länger aus. Viele Bands heute berufen sich auf das Esbjörn Svensson Trio und die neue Ära, die damals begann. Aber die innere Kraft des Originals ist kaum zu kopieren. Diese Aufnahmen vibrieren vor Fantasie und Spielfreude, Vitalität und Leichtigkeit zugleich – und einem erstaunlich starken Jazz-Spirit.

Hans-Jürgen Schaal
Mehr vom Autor: www.hjs-jazz.de

e.s.t. Live In London
Esbjörn Svensson (Klavier), Dan Berglund (Bass), Magnus Öström (Schlagzeug)
ACT Music
Autor: Siehe Artikel
Samstag 05.05.2018
Malte Vief „Kammer“
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Interessant wird Musik besonders dann, wenn sie Erwartungen übertrifft und Vorstellungen sprengt. Wenn neue und vor allem individuelle Wege in der Umsetzung von klanglichen Ideen zu erkennen sind. Und wenn die Musik auch inhaltlich Aussagen trifft, Geschichten erzählt, Brüche aufzeigt, oder Widersprüche auflöst. Zum Glück gibt es sie immer wieder, diese Momente des überrascht Werdens, diese Erweiterung eingefahrener Schemen. Das Album „Kammer“ von Malte Vief ist bestes Beispiel für diese Besonderheit. Der heute in Leipzig lebende Gitarrist arbeitet schon seit Jahren an einer Verschmelzung von kraftvollen (Rock-) Akkorden und der Hinwendung zu sensibler Kammermusik. Sein Bandname (der zugleich auch der Titel seines eigenen Labels ist) lautet sinnigerweise HeavyClassic. Ein Trio, zu dem neben Malte Vief noch Jochen Roß (Mandoline) und Matthias Hübner (Cello) gehören. Alle drei bringen auf „Kammer“ eine stimmige Balance zwischen den Stilen zum Ausdruck. Eine Balance zwischen Virtuosität und Sinnlichkeit, zwischen Haltung und einem Sich-Treiben-Lassen. Diese Art des Musizierens mag man gleichwohl Crossover nennen. Doch die knapp vierzig Minuten dieser Veröffentlichung haben nur wenig mit diesem phrasenhaften, eigentlich aussagearmen Begriff zu tun. Viel zu persönlich gerät die vorliegende Musik. Hier wird nichts verwaltet, weder Heavy Matell, noch Klassik. Vief sucht nach neuen Möglichkeiten des Ausdrucks, beide Welten, die zu seiner Persönlichkeit gehören, miteinander zu verbinden und dies zu vermitteln. Und da ihm diese Herangehensweise ein inneres Anliegen ist, bekommt die Musik auch Tiefe und eine gewisse Beseeltheit – weitab jedes gefälligen Musikantentums.
Trotzdem ist vieles, was das Trio hier spielt eingängig, auch ideen- und fantasiereich. Selbst in den ruhigeren Momenten ist eine aufreizende Intensität zu spüren, ereignet sich musikalisch viel, differenziert wie komplex. Musik mit Strahlkraft die verbindet.
Jörg Konrad

Malte Vief
„Kammer“
heavyclassic

Zu beziehen:
http://www.heavyclassic.de/de/cds-noten.php
Autor: Siehe Artikel
Montag 09.04.2018
Klassiker des Jazz neu aufgelegt (1): Charles Mingus & Thelonious Monk
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Sie beide, Charles Mingus und Thelonious Monk, haben im Jazz musikalische Maßstäbe gesetzt, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben. Sie waren es, neben einer Handvoll Gleichgesinnter, die die Weichen in die Zukunft dieser Musik neu gestellt haben. Dabei war ihr jeweiliges Leben angefüllt mit Missverständnissen, (rassistischen) Erniedrigungen, vielen tragischen Momenten und finanziellen Misserfolgen.
Der eine, Bassist Mingus, war zudem für sein aufbrausendes Temperament berüchtigt. Seine Musik musste nach seinen Vorstellungen aus dem Stegreif möglichst explodieren und es soll schon vorgekommen sein, dass er seine Solisten körperlich bedrohte, um sie künstlerisch zu fordern.
Pianist Monk hielt sich aufgrund seines labilen Gesundheitszustandes immer wieder in Sanatorien auf. Er wirkte, trotz seines kantigen wie genialen Klavierstils, bei Konzerten mental häufig abwesend. Oft stand er während des Sets einfach auf, tanzte um sein Instrument herum, führte Selbstgespräche, schien zu halluzinieren. Der Übergang zwischen Genie und Wahnsinn schien bei beiden nur ein schmaler Grad zu sein.  

Als Charles Mingus im Januar 1956 ins Studio ging, um für die große Plattenfirma AtlanticPithecantropus Erectus“ einzuspielen, war dies eine Art Wendepunkt in seiner bisherigen Karriere. Denn hier zeigte er zum ersten Mal sein ganzes kompositorisches Können, bzw. seine Herangehensweise, ein Stück nicht vollständig zu notieren, sondern seinen Mitmusikern eine Art abgesprochenes „Gerüst“ anzubieten. Sie sollten ihre eigene, ganz individuelle Spielweise in die Interpretation einfließen lassen, so dass die jeweilige Komposition von ganz unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen „getragen“ wird. Dadurch änderte sich bei wiederholten Einspielungen und Konzerten entsprechend der Besetzung die Atmosphäre eines Stückes enorm. Somit spielt neben der Kompositionstechnik auch das Arrangement und die Handhabung der Gruppendynamik innerhalb des kollektiven Improvisationsprozess eine zentrale Rolle.
Entsprechend akribisch suchte Mingus sich seine Solisten aus. In diesem Fall sind es der Altsaxophonist Jackie McLean und der Tenorsaxophonist J.R. Monterose. Besonders McLean hatte Mingus ins Herz geschlossen. Sein schneidendes, aggressiv wirkendes Spiel, seine Risikobereitschaft lagen ganz im Sinne des Leaders. Dieser drängte McLean auf „Pithecanthropus Erectus“ dann zu extremen Tonhöhen, die diese Einspielung regelrecht charakterisieren. Mit dem Pianisten Mal Waldron und Schlagzeuger Willie Jones hatte der Bassist zudem ein sturmerprobtes Rhythmusgespann, das die Räume für Improvisationen schuf, zwischenzeitlich selbst die Kontakte untereinander auflöste, um sie anschließend wieder zu verdichten und damit der Musik einen sehr freien Impuls gab.
Bei der knapp elfminütigen Titelkomposition „Pithecanthropus Erectus“, handelt es sich um ein „Tongedicht über Aufstieg und Fall des Menschen“, also die Entwicklungsstufen des Menschseins, dem seine Überheblichkeit (als das Ergebnis des aufrechten Ganges) zum Verhängnis wird.

Sechs Jahre später, im November 1962, ging Thelonious Monk mit seinem Quartett erstmals für Columbia ins Studio. Was heißt schon Studio. Es handelte sich um eine säkularisierte Kirche in der New Yorker Third Avenue, in der aufgrund der außergewöhnlichen Akustik einige bedeutende Musikaufnahmen entstanden. Monk hatte zuvor schon für Blue Note, Prestige und Riverside aufgenommen, spielte in der Band von Miles Davis, John Coltrane und Sonny Rollins und galt als Enfant Terrible der Szene. Trotz allem dauerte es eine relativ lange Zeit, bis das Genialische seines Klavierstils und seiner Kompositionstechnik erkannt wurde. Monk ist im engen Sinn kein Virtuose. Seine Kunst liegt in der Reduzierung, in der Andeutung, in seinen harten Akkordstrukturen, die in Asymetrie wie aus der Zeit gefallen scheinen. Er schuf „ … eine neue, faszinierende musikalische Raum- und Zeitdialektik“, wie ihn der Kritiker Andre Hodeir analysierte.
Zu seinem Quartett von 1962 gehörte der Saxophonist Charlie Rouse, Bassist John Ore und Schlagzeuger Frankie Dunlop. Keiner seiner Mitmusiker wird hier allein von seinem Ego geleitet. Sie folgen auf "Monk`s Dream" dem Pianisten und seinen seinen Ideen, unterstützen ihn rhythmisch fließend, oder nehmen seine Themen mit großer Empathie auf und entwickeln sie in seinem Sinne weiter.
Wie wichtig die Jazzgeschichte ganz allgemein für Monk war, zeigen seine Verweise auf den Dixieland-Dauerbrenner „Sweet Georgia Brown“ (in der Komposition „Bright Mississippi“) oder in dem Boogie-Verweis im Intro der Komposition „Bolivar Blues“. Ja selbst Hits wie „Just A Gigolo“ nimmt sich der Pianist vor und macht daraus – natürlich, einen typischen Monk.
Er wurde, nicht zuletzt dank seines neuen Plattenlabels, zu einer Art Superstar im Jazz. Seine Kompositionen wurden gespielt, seine Alben wurden gekauft, er führte die damaligen Polls als bester Pianist an. Als er 1972 urplötzlich mit Spielen aufhörte, geriet er fast in Vergessenheit – bis zu seinem Tod zehn Jahre später. Dieser wurde zum Anlass, Thelonious Monk neu zu entdecken. Seine zeitlosen Kompositionen, allen voran „Round Midnight“, „Ruby My Dear“, „Well You Needn`t“ aber auch das hier vorliegende „Monk`s Dream“, füllten damals die Alben angesagter Instrumentalisten und Newcomer des Jazz. Bis heute hat sich daran nichts geändert.
Jörg Konrad

Charles Mingus
„Pithecanthropus Erectus“
(remastered) (180g) (Limited-Edition) (+1 Bonustrack) LP
PanAm Records

Thelonious Monk Quartet
„Monk`s Dream“
(180g) (Limited-Edition) (+ 1 Bonustrack) (Colored Vinyl)
Waxtime Records
Autor: Siehe Artikel
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