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Inhaltsverzeichnis
BACK FOR GOOD

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TASTE OF CEMENT - Der Geschmack von Zement

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MARIA BY CALLAS

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WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN

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FAMILIYE

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ELDORADO

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Donnerstag 24.05.2018
BACK FOR GOOD
Ab 31. Mai 2018 im Kino
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Reality-TV-Sternchen Angie muss nach ihrem Drogenentzug wieder zurück zu ihrer Mutter ziehen. Als diese einen Zusammenbruch erleidet, hat Angie plötzlich ihre pubertierende Schwester am Hals, dabei will sie einfach nur wieder zurück ins Fernsehen.

Ein Film von MIA SPENGLER

Mit KIM RIEDLE, LEONIE WESSELOW, JULIANE KÖHLER, NICKI VON TEMPELHOFF u.a.


Reality-TV-Sternchen Angie kommt frisch aus dem Drogenentzug. Eigentlich sollte das Ganze nur eine PR-Aktion sein, mit der sie sich einen Platz im nächsten Dschungelcamp sichern wollte. Doch die Konkurrenz ist hart in einer Welt in der Aufmerksamkeit als Währung gilt. Inzwischen hat sich auch noch ihr Freund und Manager von ihr getrennt und keiner ihrer sogenannten Freunde ist bereit sie aufzunehmen. Daher muss Angie zurück zu ihrer Mutter Monika in ihr Heimatkaff ziehen. Ähnlich schwer hat es Angies pubertierende Schwester Kiki: Wegen ihrer Epilepsieerkrankung besteht Monika darauf, dass sie einen Schutzhelm trägt. Dieser isoliert sie auch effektiv von allen anderen Jugendlichen in ihrem Umfeld. Da bleibt nur das Internet, um nicht als ewiger Außenseiter zu enden. Mit einem dilettantischen Tanzvideo versucht sie sich der Youtube-Community vorzustellen. Doch statt des erhofften Zuspruchs machen ihr ein paar Cybermobber von nun an das Leben zur Hölle. Dabei will Kiki doch einfach nur dazu gehören. Ein Gefühl, das Angie sehr gut kennt. Als sie die Luftmatratze neben Kikis Bett bezieht, ist sie für ihre kleine Schwester wie ein Engel mit Silikonbrüsten, der perfekte Ratgeber, wenn es darum geht, sich aus der sozialen Isolation zu befreien. Und auch Angie fühlt sich ihrer kleinen Schwester unerwartet verbunden und verteidigt sie gegen Monikas übergriffiges Verhalten. Doch als Monika nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus kommt, muss Angie plötzlich wirklich Verantwortung für Kiki übernehmen, dabei wollte sie doch eigentlich zurück ins Fernsehen. Was anfänglich wie eine Katastrophe scheint, wird zur bittersüßen Chance für alle drei Frauen sich zu transformieren.


Regiekommentar

BACK FOR GOOD ist ein Film über drei Frauen aus drei Generationen, die nicht nur durch ihr Blut verbunden sind, sondern auch durch das unerfüllte Bedürfnis nach Liebe. Verzweifelt sehnen sie sich danach, diese Leere zu füllen und so werden Moral, Selbstachtung und Würde zu verkaufbaren Waren für einen Moment der Bestätigung. Angie, unsere Hauptfigur, ist ein Trash-TV-Starlet, die sich hartnäckig an ihre verblassende Karriere klammert, um ihrer Mutter zu beweisen, dass sie gut für etwas ist, dass auch jemand wie sie berühmt sein kann. Ich wollte die Geschichte einer Frau erzählen, die von vielen zur Primetime im Reality-TV für ihre Beschränktheit verlacht werden würde. Eine Frau jedoch, die wie die meisten von uns hart kämpfen muss, um ihre Vergangenheit zu überwinden. Die viel im Leben zu tragen hatte und nicht immer den besten Weg gefunden hat, damit umzugehen. Aber die willens ist, das zu ändern. Angie verkörpert die Oberflächlichkeit unserer Zeit und die Verrohung unserer Gesellschaft. Doch sie ist gleichzeitig eine hoffnungsvolle Figur, eine tragisch-komische Heldin, die es durch ihre Anstrengungen, mögen diese auch noch so hanebüchen sein, am Ende schafft sich zu transformieren und aus der Spirale des Selbsthasses heraus zukommen, indem sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben um eine andere Person kümmert. Deshalb ist BACK FOR GOOD für mich auch eine Ode an die Menschlichkeit – leise gesummt während ein Autotune-Popsong aus dem Radio dröhnt.


Zur Entstehung des Projektes
von Mia Spengler

In den ersten Schritten des Projekts war Angie, die Hauptfigur von BACK FOR GOOD, nur eine Nebenfigur einer anderen Geschichte. Beim Schreiben bereitete sie mir arge Probleme, weil ich sie empathisch nicht greifen konnte und nicht über ihre Oberflächlichkeit hinwegkam. Wie soll man eine Figur erzählen, die sowenig Respekt und Selbstwertgefühl hat?

Mit dieser Frage schloss ich mich ein und begann zu recherchieren: Gina Lisa Lohfink, Daniela Katzenberger oder das britische Boxenluder Katie Price waren dabei wichtige Vorbilder. Je mehr ich mich mit ihren Biographien und ihrem Auftritt in der Öffentlichkeit beschäftigte, umso mehr zog mich das Thema in den Bann. In grellen Farben illustrieren diese Frauen den Komplex des „Nicht-Genug-Seins“ des „Nicht-Ausreichens“. Es ist nie genug Make-up, die Brüste sind nie groß genug, die Absätze nie hoch genug. Es ist ein derart verzweifelter Kampf nach Anerkennung und Liebe, der dann in Reality-TV-Formaten endet, die darauf basieren, dass die Teilnehmer ihr Recht auf Empathie und Menschlichkeit an der Pforte abgeben. Eine seltsame Form von Unterhaltung.

Doch andererseits so repräsentativ für unsere Zeit und unsere Gesellschaft, in der es in erster Linie um Aufmerksamkeit und nicht um Inhalte geht. Angie wuchs mir mehr und mehr ans Herz, als ich verstand, dass ich, wie die meisten Frauen, viele ihrer Komplexe teile und dass meine anfängliche Abneigung der Figur gegenüber daher rührte, das nicht wahrhaben zu wollen. Gleichzeitig war mir als Regisseurin wichtig, keine Opferfigur sondern eine Kämpferin zu erzählen. Für die Recherche traf ich mich mit verschiedenen C- und D-Prominenten aus der Branche und kann rückblickend sagen, dass ich viele sehr reflektierte, sympathische Menschen kennenlernte, die extrem hart arbeiteten und dazu auch sehr gut verdienten. Mittlerweile kann ich die rationalen Gründe gut verstehen, diese Art von Beruf zu ergreifen.

Gleichzeitig sind die persönlichen Schicksale häufig hart und es ist fast unmöglich, die erlebten Traumata oder Lebensrückschläge zu heilen, wenn sie eigentlich die Geschäftsbasis für die Skandalschlagzeilen sind. Durch die Recherche wurde mir auch klar, dass eine Figur wie Angie für mich nur erzählenswert ist, wenn die Reise für sie ein positives Ende nimmt, wenn sie am Ende des Films etwas vollständiger ist als davor. Will man sich ansehen, wie Menschen sich in diesem Metier zu Grunde richten, muss man nur den Fernseher anschalten. Im Schreibprozess wurde auch schnell klar, dass Angie durch ihren Blick auf die Welt sehr viel komisches Potenzial mitbringt und die Figur sich oft die Dinge traut, die man sich selbst im Alltag verbietet. Sie kann brutal ehrlich, pragmatisch und politisch unkorrekt sein und genau dafür liebt man sie. Nach eineinhalb Jahren Buchentwicklung begann das Casting für die Rolle Angie.

Meine Casterin Lisa Stutzky formulierte unser Rollenprofil so: Wir brauchen jemand, der auf dem Eis tanzen kann ohne einzubrechen. Wir casteten rund 50 Schauspielerinnen für die Rolle Angie und rund 80 Kinder für die Rolle Kiki. Darunter waren soviele talentierte junge Frauen, dass ich dachte, die Entscheidung würde mir am Ende sehr schwer fallen. Doch als Kim Riedle ins Casting kam, war sofort klar: Das ist ihre Rolle. Auch wenn die äußerliche Annäherung an die Figur noch ein weiter Weg war. Sie bereitete sich drei Monate auf die Angie vor. Einerseits mit intensiven Schauspielproben in der wir Angie noch einmal ganz neu entdeckten und definierten, andererseits betrieb Kim exzessiv Sport, färbte sich die Haare Wasserstoffblond, übte jeden Tag das Laufen auf 25cm High-Heels und ging während des Drehs einmal die Woche zum Spray-Tanning und ins Nagelstudio. Auch Juliane Köhler und Leonie Wesselow bereiteten sich intensiv auf ihre Rollen vor. Leonie traf sich mit Jugendlichen, die an Epilepsie erkrankt waren, und übte mit einem Schauspielcoach die körperliche Erfahrung eines epileptischen Anfalls.

Juliane Köhler nahm Unterricht im Linedance. In den Konstellationsproben für die Familie wurde uns immer mehr klar, wie jede der Figuren eine andere Seite des Lechzens nach Aufmerksamkeit beleuchtete. Juliane Köhler nahm dabei unglaublich mutig die Rolle der Antagonistin an und verlieh Angies Mutter Monika, neben ihrer Gebrochenheit und Boshaftigkeit, auch eine ungewöhnlich komische Note.
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Donnerstag 17.05.2018
TASTE OF CEMENT - Der Geschmack von Zement
Ab 24. Mai 2018 im Kino
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In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer. Tagsüber werden sie von syrischen Bauarbeitern errichtet. Zu Hause in ihrer Heimat zerstört der Krieg zur gleichen Zeit ihre eigenen Häuser. Auch nachts dürfen sie die Baustelle nicht verlassen. Sie müssen hinunter in die Keller der Betongiganten, wo sie kochen, hoffen, schlafen.
Der junge syrische Regisseur Ziad Kalthoum hat mit TASTE OF CEMENT – Der Geschmack von Zement ein poetisches, emotionales und bildgewaltiges Werk geschaffen, das mehr ist als ein Film – es ist eine Erfahrung. 
 
Ein Film von Ziad Kalthoum

Nominiert für die GOLDENE LOLA für den BESTEN DOKUMENTARFILM beim DEUTSCHEN FILMPREIS 2018

In Ziad Kalthoum ästhetisch ungewöhnlichem, dichten, bild- und tongewaltigen Dokumentarfilm vermischen sich Poesie und die Klänge und Bilder von Wiederaufbau und Zerstörung in einer traumähnlichen Dissonanz. TASTE OF CEMENT – Der Geschmack von Zement ist ein schillerndes Essay über die Bedeutung des Lebens im Exil.

Der syrische Filmemacher brachte das Bildmaterial aus dem Libanon nach Deutschland mit und stellte seinen Film in kreativer Zusammenarbeit mit den Produzenten der BASIS BERLIN Filmproduktion fertig. Er lebt und arbeitet seitdem in Berlin. 

Produziert wurde der Film von BASIS BERLIN Filmproduktion (Ansgar Frerich, Eva Kemme, Tobias Siebert), Berlin, und Bidayyat for Audiovisual Arts (Mohamad Ali Atassi), Beirut. 
Der Verleih 3Rosen von Jürgen Fabritius bringt TASTE OF CEMENT - Der Geschmack von Zement am 24. Mai 2018 in die deutschen Kinos, in Zusammenarbeit mit deutschfilm, Anatol Nitschke und unter der Projektleitung von Kamran Sardar Khan.



ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE
 
von Bert Rebhandl
 
 
TASTE OF CEMENT – Der Geschmack von Zement und die Möglichkeiten des dokumentarischen Films
 
Wie schmeckt Zement? Diese Frage kann das Kino nicht beantworten. Ein Film hat nur zwei Möglichkeiten: Töne und Bilder. Der Geschmack von Zement lässt sich in eine filmische Erzählung allenfalls übersetzen. Und auch dann bleibt die Frage, ob man den Zement genau so schmecken würde wie einer der Bauarbeiter, der sich in Ziad Kalthoums Film daran erinnert, wie er im syrischen Bürgerkrieg verschüttet und zum Glück rechtzeitig ausgegraben wurde. Man könnte sich Zement auf die Zunge laden und würde doch niemals den Geschmack finden, den Zement für das Opfer eines Bombardements (oder eines Erdbebens) annimmt, wenn man darunter begraben liegt.
 
Im Französischen spricht man von „enterrement“, im Deutschen von Beerdigung, wenn jemand zu Grabe getragen wird. Aber im Krieg geht es meistens nicht um Erde, sondern um die Orte, die der Mensch gebaut hat: um Infrastruktur, um Gebäude, um Eigenheime. Im übertragenen Sinn könnte man sagen: Es geht um all das, was durch Zement zusammengehalten wird. Zement ist ein Bindemittel, Bomben sind ein Zerstörungsmittel. „Der Geschmack von Zement fraß meine Gedanken“, sagt der Bauarbeiter, der sich an seine Zeit als Begrabener erinnert. Der Film von Ziad Kalthoum stellt einen Versuch dar, diese Zerstörung der Gedanken so gut wie möglich rückgängig zu machen.
 
Im dokumentarischen Kino gibt es seit jeher eine Spannung zwischen Unmittelbarkeit und Betrachtung. Die Unmittelbarkeit strebt nach dem aktuellen Moment, am besten wäre eine Live-Übertragung und wenn das nicht geht, dann soll zumindest die Wirkung eines solchen Echtzeit-Erlebnisses suggeriert werden. Die Betrachtung geht auf Distanz zum konkreten Moment, sie lässt die Zeit wirken, sie sucht nach Verdichtung des Konkreten. Die neuen Videotechnologien haben es mit sich gebracht, dass diese beiden Pole des dokumentarischen Arbeitens inzwischen noch stärker ausgeprägt sind.
 
TASTE OF CEMENT – Der Geschmack von Zement betont eindeutig eher den Aspekt der Betrachtung, der Kontemplation. Die Kamera von Talal Khoury findet spektakuläre Bilder von Wolkenkratzern in Beirut. Kräne ragen in einen prächtigen Abendhimmel. Halbfertige Geschosse ragen ins Nichts. Der majestätische Gestus, die erhaben wirkenden Bilder erzählen von einer Geschichte, die hinter dem hier und heute liegt. Diese Geschichte kristallisiert sich erst allmählich heraus. Sie gehört den Stimmen aus dem Off. Sie gehört syrischen Bauarbeitern in Beirut.
 
Die Trennung von Bild und Stimme gehört zu den klassischen Mitteln des essayistischen Films, also eines „nachdenklichen“ dokumentarischen Kinos. Sie erzeugt einen bestimmten Effekt: Es ist, als würde man sich nachträglich über die Bilder beugen und sich von ihnen zu Gedanken und Erinnerungen anregen lassen. In Ziad Kalthoums Film bekommt diese Nachträglichkeit eine zweifache Dimension: denn die Bauarbeiter, deren Stimmen zu hören sind, teilen ihre Erfahrung mit einer Generation vor ihnen, mit der Generation ihrer Väter, die ebenfalls in Beirut gearbeitet haben. In beiden Fällen ging es darum, einen Krieg zu vermeiden oder dessen Folgen zu beseitigen.
 
1990 endete im Libanon ein Bürgerkrieg, 2011 begann in Syrien ein anderer. Die beiden Länder sind benachbart, die Erfahrungen sind vergleichbar. In beiden Fällen war die Konfliktlage unübersichtlich und Großmächte verfolgten ihre eigenen Interessen. In einem herkömmlichen Dokumentarfilm würde man diese Parallelen von Zeitzeugen bestätigen lassen. Man würde vielleicht einen älteren Mann finden, der 1990 in Beirut gearbeitet hat, und würde seine Erzählung mit der eines heutigen „Arbeiters im Exil“ konfrontieren.
 
Ziad Kalthoum wählt einen anderen Weg. Er sucht nach einem Erinnerungsbild, in dem er diese beiden Zeitdimensionen und diese beiden Erfahrungen von Krieg verbindet. Er findet es in einer Tapete, die einmal in einer Küche in Syrien eine Wand bedeckt hatte. Auf dieser Tapete war das Meer zu sehen, das in Syrien für die meisten Menschen nicht zum Alltag gehört, während es in Beirut allgegenwärtig ist. Ein Vater hatte diese Tapete aus Beirut nach Syrien gebracht. Für den Sohn wirkt es im Rückblick, als würden ihn die Erinnerungen daran überschwimmen – auch hier kommt der Geschmack von Zement ins Spiel, denn für den Sohn wurde der Geruch seines Vaters unvergesslich. Von diesem intimen Moment aus einer Kindheit vor (und nach) einem Krieg bewahrt Ziad Kalthoum die Essenz auf: eine Gedächtnisspur, die von einer Stimme weitergegeben wird. Während die Bilder der exponierten Bauarbeiter auf den Rohbauten hoch über der Stadt an heroische Filme und Bilder erinnern (zum Beispiel an die Art und Weise, wie Arbeiter nach der Russischen Revolution gefilmt wurden, aber auch an das berühmte Foto von den Arbeitern auf dem noch im Bau befindlichen Empire State Building), verweisen die Erzählungen der Stimme auf einen anderen Typus Film: auf die intime Autobiographie, auf die diskrete Erzählung von den allerpersönlichsten Sachen. Vor allem das französische Kino hat in dieser Hinsicht wichtige Vorbilder geschaffen, zum Beispiel in den Filmessays von Chris Marker oder in den Selbsterzählungen von Agnès Varda.
In diese Formen der Betrachtung und der melancholischen Erinnerung drängen sich allerdings auch andere Aufnahmen: Dann schaltet Ziad Kalthoum plötzlich um auf Unmittelbarkeit, dann ist sein Film plötzlich in syrischen Ruinenstädten, dann gräbt er (mit den Weißhelmen aus Aleppo, die durch Youtube berühmt wurden) hektisch nach Überlebenden im Schutt eines ehemaligen Hauses. Der Film ist in diesem Moment beinahe „live“, auch mit Bildern, die auf Mobiltelefone geschickt werden, und die im Fernsehen zu sehen sind.
 
Insgesamt aber geht Ziad Kalthoum auf Distanz, weil er weiß, dass Krieg und Zerstörung und Friede und Wiederaufbau nur Kapitel in einer langen Geschichte sind. Sein Film (gewidmet allen „workers in exile“) sucht nach einer Form, diese Unsicherheit zuzulassen. Er findet diese Form in der Spannung zwischen Bild und Ton, zwischen Gedächtnisbild und Erzählerstimme, zwischen Himmel und Erde. Der Zement soll eine Brücke bauen, schmeckt aber nach der Zerstörung, die in den Gebäuden schläft, bis sie von der Geschichte geweckt wird.


ÜBER DEN REGISSEUR
 
Ziad Kalthoum wurde 1981 in Homs (Syrien) geboren. Er hat an der Film-Hochschule in Moskau studiert und dort sein Diplom abgelegt. Danach arbeitete Kalthoum als Regieassistent an mehreren Filmen, Serien und Fernsehprogrammen. Sein Dokumentarfilm-Debüt gab er 2011 mit AYDIL (OH, MY HEART). Ein Jahr später stellte er seinen zweiten Dokumentarfilm THE IMMORTAL SERGEANT fertig, bevor er aus der syrischen Armee desertierte und nach Beirut (Libanon) floh. Der Film hatte 2014 beim Internationalen Filmfestival von Locarno seine Premiere, gewann beim BBC Arabic Festival 2015 einen Preis in der Kategorie „Feature Documentary“ und wurde bei zahlreichen weiteren internationalen Festivals gezeigt. TASTE OF CEMENT – Der Geschmack von Zement ist sein dritter Film. Ziad Kalthoum lebt und arbeitet in Berlin.


ANMERKUNGEN DES REGISSEURS
 
 
„Als der Krieg in Syrien begann, bin ich nach Beirut geflüchtet. Dort wachte ich jeden Morgen vom Lärm der Baustellen auf. Irgendwann wurde mir klar, dass vor 25 Jahren hier vor allem Kriegslärm herrschte.
 
Dieser Kontrast zwischen dem Sound von Baustellen und dem des Krieges hat mich fasziniert, ich wollte dem nachgehen. Man muss wissen, dass im Libanon schon seit 30 Jahren syrische Bauarbeiter arbeiten, inzwischen sind es über 1,2 Millionen.
 
Die Bauarbeiter, die ich getroffen habe, sind die zweite Generation – sie sind vom Krieg in Syrien geflüchtet. Und jetzt bauen sie Hochhäuser in Beirut, während ihre eigenen Häuser in Syrien zerstört werden.
 
Wenn Krieg ausbricht bedeutet dies, dass die Kommunikation zwischen Menschen versagt hat. Ich habe lange gesucht um eine neue Sprache zu finden, die zu Kriegszeiten alle Beteiligten erreicht.
 
Über die menschlichen und humanitären Tragödien unserer Zeit wird viel berichtet. Sie dominieren die Nachrichten und die nicht fiktive Filmlandschaft. Doch durch Informationsflut und beschreibende Berichte werden Schicksale zu Zahlen und auch bei den intimsten Portraits wird der Protagonist zu einer Projektion und somit nur unmittelbar erfahrbar. Mit TASTE OF CEMENT raube ich dem Zuschauer den Protagonisten. Ich setze den Betrachter selbst in die erste Person. Mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln des Kinos mache ich exemplarisch die Situation der syrischen Arbeiter in Beirut spürbar. Ich setze hierbei meine eigenen Erfahrungen als Geflohener in meine Filmsprache um: das Gefühl des Abwartens, das Hereinbrechen der Traumata in der Nacht, das Gefangensein in den Mühlen unserer Gesellschaft.
 
TASTE OF CEMENT ist ausschließlich für das Medium Kino erschaffen, es funktioniert nicht auf einem Fernseher oder gar auf einem mobilen Gerät. Der Betrachter muss sich mit dem Film „einsperren“ lassen. Der Raum des Kinos macht die Lebenssituation der Arbeiter erlebbar. Die Klaustrophobie des Abwartens und der Erinnerungen ist als physisches Experiment in der ersten Person nur in der Gruppe des Publikums wirklich erfahrbar.“
Ziad Kalthoum 
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Samstag 12.05.2018
MARIA BY CALLAS
Ab 17. Mai 2018 im Kino
„Da sind zwei Menschen in mir, Maria und die Callas …“
Eine Künstlerin auf der Suche nach Vollkommenheit, eine globale Ikone – und zugleich eine Frau, die liebt und der ein unvergleichliches Schicksal beschieden ist: MARIA BY CALLAS erzählt dieses außergewöhnliche Leben aus der Perspektive der Ausnahme-Sopranistin des 20. Jahrhunderts. „Die Callas“ selbst zieht den Schleier von Maria, und zum Vorschein kommt eine Frau, die ebenso leidenschaftlich wie verwundbar ist. Dabei entstehen Momente intimster Annäherung an eine Legende, und ein Kosmos von Gefühlen erschließt sich hinter dieser Stimme, die in der Welt einzigartig war.

Ein Film von Tom Volf

Wie Millionen vor ihm, hat Tom Volf schnell Feuer gefangen als er mit dem Phänomen Maria Callas in Berührung kam. Als der 28-jährige die ihm bisher Unbekannte zufällig bei Recherchen nach einem Opernbesuch entdeckte, wollte er sofort mehr hören, mehr wissen über die faszinierende Frau mit den vielen Superlativen. Fünf Jahre später ist der Fotograf, Schauspieler und Filmemacher ein ausgewiesener Callas-Experte. In persönlichen Gesprächen mit jenen, denen „die Tigerin“ vertraute und mit dem Zugang zu Archiven voller bisher unveröffentlichtem Material, gelingt es Volf der „echten“ Maria ganz nah zu kommen und den nicht endenden Spekulationen über die scheinbar schwierige und skandalträchtige Diva ihre eigenen Worte entgegenzustellen. In einer raffinierten Collage arrangiert Volf die unterschiedlichsten Bild-, Film- und Tondokumente, wie private Fotos, liebevoll nachcolorierte Super 8-Filme und Videos sowie Aufzeichnungen von Auftritten und Begegnungen mit Journalisten. Die persönlichen Briefe werden gesprochen von der Schauspielerin und „großen Meisterin des Lesens“ Eva Mattes. Darüber hinaus ist MARIA BY CALLAS auch Zeitzeugnis einer großen Ära, zeigt der Film doch Aufnahmen berühmter Weggefährten, wie u.a. Gracia Patricia von Monaco, Luchino Visconti, Jean Cocteau, Pier Paolo Pasolini und Elizabeth Taylor.


PRODUKTIONSNOTIZEN

Die Geschichte hört sich an wie mäßig gut erfunden: Nach einem Opernabend in der Met sucht der damals 28-jährige in New York lebende französische Fotograf, Schauspieler und Filmemacher Tom Volf im Januar 2013 im Netz nach Interpretationen von Donizettis „Maria Stuarda“– und trifft auf die ihm bis dato unbekannte Maria Callas. Den Rest der Nacht verbringt er – von ihrer Stimme und ihrer Erscheinung zutiefst berührt – damit, zu sehen und zu hören, was Google und Youtube über die Ausnahme-Sängerin des 20. Jahrhunderts hergeben. Und ist fortan besessen von der Idee, das Maximum über Leben, Lieben und Leiden der Primadonna assoluta der 1950er und 60er Jahre für sich in Erfahrung zu bringen.

Schon bald hat er nicht nur fast alles gelesen, was über sie geschrieben wurde, sondern trifft sich auch mit Menschen, die ihr persönlich begegnet sind – mit ihrer Freundin Nadia Stancioff etwa, die ihr als Presseassistentin von Pasolini beim Dreh von „Medea“ 1969 begegnet war; mit Franco Zeffirelli, Viscontis Assistent zu Zeiten seiner „Vestalin“-Inszenierung an der Mailänder Scala 1954; mit Georges Prêtre, einem bevorzugten Dirigenten der Sopranistin; mit Robert Sutherland, der sie als Pianist auf ihrer letzten Tournee 1974 begleitete; und nicht zuletzt mit Ferruccio und Bruna, denen der vorliegende Film bezeichnenderweise gewidmet ist: Der „Majordomus“ und die Haushälterin haben „la Signora“, wie sie sie zu nennen pflegten, über 25 Jahre ihres Lebens begleitet und betreut. Ferruccio war es auch, der ein einmaliges Dokument aus der Schublade zog und Volf anvertraute: die einzige noch existierende Kopie eines Interviews, das der britische Starjournalist David Frost 1970 mit der Callas führte und in dem er auch sehr persönliche Themen nicht ausklammerte – das Interview bildet eine Art Rückgrat des gesamten Films.

Was Volf schon zu Beginn seiner Recherchen auffällt, ist, dass die persönlichen Zeugnisse, die Maria Callas in Gesprächen, Briefen und ihren unvollendeten Lebenserinnerungen abgibt, so gar nicht zusammenpassen wollen mit dem Bild, das in der Öffentlichkeit über sie kursierte und das auch ihr Image für die Nachwelt mit prägte: das einer kapriziösen Diva, die ein schillerndes Privatleben führte, sich mit Opernintendanten überwarf und Vorstellungen platzen ließ.

„Es wurden so viele Lügen und Halbwahrheiten über sie verbreitet. Das ist geradezu lächerlich“, befindet Tom Volf im Interview, und so verfestigte sich im spätberufenen Fan der Vorsatz, der Jahrhunderterscheinung Maria Callas mit einem Dokumentarfilm Gerechtigkeit zu verschaffen: Er zeigt das – bewusst subjektive – Bild einer zutiefst zerrissenen Frau, die ihr Leben ihrer schicksalhaften Begabung opferte und dabei unter vielen Begleiterscheinungen ihrer Karriere und ihres Ruhms schwer litt – vom Verzicht auf Familienleben und Kinder bis hin zur steten Verfolgung durch impertinente Paparazzi.

Im Film lässt der Regisseur Callas ausschließlich selbst sprechen – in zahlreichen Interviewausschnitten, in einer kleinen Auswahl aus 400 erhaltenen Briefen und nicht zuletzt natürlich in ihrem Gesang. Die Briefe sind in der Mehrzahl an Elvira de Hidalgo gerichtet, die Gesangslehrerin, die die Meisterschülerin seit ihrer Jugend in Athen begleitet hatte und ihr eine lebenslange Vertraute blieb. Die Arien, die Volf als repräsentativ und wesentlich auserkor, von Casta Diva über La Habanera bis zur Klage aus dem ersten Akt von La sonnambula, spiegeln innerhalb der Chronologie des Films ganz gezielt die jeweilige Lebensphase und -situation des Menschen Maria Callas wider, von den Anfängen ihres Aufstiegs zum Weltruhm bis zu den Schicksalsschlägen der Trennung von Aristoteles Onassis, dessen Heirat mit Jacqueline Kennedy und seines Todes 1975. Die Stücke sind mit Untertiteln versehen, um dem Zuschauer den gelebten Anspruch der Primadonna zu vermitteln, dass sie in jede ihrer Interpretationen ihr ganzes Selbst legt.

Die Bilder zum Ton stammen aus den unterschiedlichsten Quellen, vielfach handelt es sich um privates Filmmaterial, von Super 8 über 9 mm- und 16 mm-Film bis hin zu VHS-Dokumenten – darunter auch ein paar Bilder, die Grace Kelly von ihrer Freundin aufgenommen hat. Sie zeigen Callas bei offiziellen Presseterminen, bei der Ankunft an diversen Flughäfen ebenso wie vor und hinter der Bühne, im privaten Ambiente der Villa in Sirmione am Gardasee, die sie zeitweise mit ihrem Ehemann Giovanni Battista Meneghini bewohnte, in ihrer letzten Wohnung in Paris und natürlich auch anlässlich der schicksalhaften dreiwöchigen Kreuzfahrt, die sie 1959 auf Einladung von Aristoteles Onassis gemeinsam mit ihrem damaligen Mann an Bord der Yacht „Christina“ unternahm. Hier nahm die Beziehung zum milliardenschweren Reedereibesitzer Onassis ihren Anfang, die zum emotional bestimmenden Thema ihrer verbleibenden Lebenszeit werden sollte und über die sie im Gespräch mit Frost in verblüffender Offenheit Auskunft gibt.

Dass die Callas mit der hingebungsvollen Verkörperung jeder ihrer Rollen nicht nur dem damals verstaubten Genre der Oper neues Leben einhauchte – und damit ihre Konkurrentin mit der „Engelsstimme“, Renata Tebaldi, abhängte –, sondern auch zum Medienstar ihrer Epoche wurde, belegen zahlreiche Filmaufnahmen, die sie auf Augenhöhe mit Gesellschaftsgrößen, Hollywoodstars und Ikonen der 1950er- und 60er-Jahre zeigen: Jean Cocteau, Brigitte Bardot, Wallis Herzogin von Windsor, Juliette Gréco und viele andere kommen zu ihrem Pariser Debüt 1958. Später wird sie in einem Atemzug mit Marilyn Monroe, John F. Kennedy, Marlene Dietrich und Elizabeth Taylor genannt werden. Ihre Schönheit und ihre Ausstrahlung prädestinieren sie dazu, als erste Operndiva überhaupt den Rang eines internationalen Stars über die Musikwelt hinaus zu erlangen.

In noch nie gesehenen, sorgsam restaurierten und digitalisierten Aufnahmen, die ihre Provenienz und ihre Entstehungszeit aber dennoch nicht verhehlen, gelingt es Tom Volf, eine sehr private Maria Callas zu zeigen. Außerdem wurden Aufnahmen vom Pariser Debüt 1958 ebenso wie von der Londoner Inszenierung der „Carmen“ 1962 und von „Tosca“ 1964, die nur in schlechter Qualität in Schwarzweiß existierten, in HD-Qualität remastered und über eine Strecke von insgesamt 40 Minuten hinweg anhand erhaltener Photographien originalgetreu koloriert. Und auch die Tonqualität machte Volf zur Chefsache und arbeitete nicht etwa auf Basis bestehender Aufnahmen von Warner, sondern bearbeitete Originalmitschnitte, die aus dem Freundeskreis der Sängerin stammen.

Indem er den Zuschauern ihre Zerrissenheit zwischen ihrem Status als Superstar und ihrer Suche nach dem Glück als Frau und Mensch nahebringt, gibt Volf den wohl entscheidenden Hinweis auf das Geheimnis ihres Erfolgs weit über ihren Tod hinaus: „Sie war ganz einfach menschlich, aber in ihrer Kunst lag eine Magie, die über die rein stimmliche Perfektion hinausging.“

„Ich hätte lieber Kinder und eine glückliche Familie gehabt.
Aber das Schicksal hat mir diese Karriere beschert.
Ich konnte mich nicht entziehen...“
Maria Callas


Über den Film:
EIN INTERVIEW MIT TOM VOLF

Vor 40 Jahren starb Maria Callas. Obwohl scheinbar nichts Sie dafür prädestinierte, wurden Sie zum inoffiziellen Veranstalter der Feierlichkeiten zu diesem Jahrestag, mit drei Büchern, einer Ausstellung und diesem Film …
Ja, es ist mehr als fünf Jahre her, dass ich in dieses riesige Projekt eingetaucht bin. Davor wusste ich so gut wie nichts über Maria Callas. Als ich auf ihre Vita stieß und nach und nach immer mehr von ihr entdeckte, kam mir bald die Idee, einen Film zu machen. Und das wurde schnell zu einem alles beherrschenden Wunsch. Dieser Film ist das höchste Ziel, der Gipfel, den ich erreichen wollte, mein persönlicher Mount Everest. Aber mir wurde bald klar, dass darum herum ein ganzes Himalaya-Gebirge existiert. Ein gigantischer Berg an Dokumenten und Archivmaterial musste erschlossen werden. Diese große Recherche bildete den ersten Teil meiner Arbeit.
Und als ich dann eine Geschichte daraus entwickeln wollte, stellte sich sehr bald heraus, dass das alles unmöglich in einem Film unterzubringen war. Ich hatte einen Schatz geborgen, aber nur ein Teil davon war für diesen Zweck verwendbar. Für mich behalten wollte ich ihn aber auch nicht. Also habe ich ein Buch daraus gemacht. Es trägt denselben Titel und liefert sozusagen die Vervollständigung. Und immer noch blieb Material übrig, Persönlicheres, das kam ins nächste Buch. Und zuletzt waren da noch diese erschütternden und nie veröffentlichten Briefe. Auch die musste ich der Öffentlichkeit zugänglich machen, und so kamen sie in ein drittes Buch. Den letzten Baustein bildete dann die Ausstellung, das ergab sich, während wir den Film montierten. Und auf diesem Weg habe ich dann wirklich alles oder fast alles gezeigt, was ich im Lauf der fünf Jahre angesammelt habe.

Manche Produzenten versuchten Sie zu überzeugen, eine Fernsehdokumentation aus Ihrem Projekt zu machen, aber für Sie konnte MARIA BY CALLAS nur ein Kinofilm werden. Warum?
Der Film war sozusagen der persönliche Antrieb all meiner Arbeiten an diesem Thema, er ist und bleibt in meinen Augen das Hauptwerk. Ich habe gegen alle Widerstände daran festgehalten, einen Kinofilm zu machen und keine Fernsehdokumentation, denn ich bin überzeugt, dass nur das Kinoerlebnis die Intimität schafft, die dieser Film braucht: das Gefühl, dieser Frau wirklich gegenüberzustehen, in ihre Welt einzutauchen, in ihre Epoche zu reisen. Im Kino erlebt man Musik und Gesang auch am ehesten so, wie es sonst nur in der Oper möglich wäre.
Oberstes Prinzip war für mich, weder einen Erzähler noch eine äußere Erzählung einzusetzen. Alle Worte im Film sind Callas’ eigene Worte. Es war mir auch ein Anliegen, dass der Zuschauer Maria Callas durch die Zeit begleitet. Er soll das Gefühl haben, mit ihr älter zu werden und so nah wie möglich die drei großen Abschnitte mitzuerleben, die ihrem Leben und damit auch dem Film den Takt vorgeben: ihre Anfänge in den 50er Jahren, ihr Ruhm in den 60ern, ihre Blütezeit und ihr vorzeitiges Altern in den 70er Jahren. Nur das Interview, das als roter Faden dient, unterbricht die zeitliche Kontinuität. Aber es hat dafür selbst etwas Zeitloses, es steht für sich, und deshalb habe ich mir diesen kleinen Regelverstoß erlaubt.
Und schließlich gab es noch einen Imperativ für den Film: Wenn die Callas singt, hört man ihr zu, man sieht ihr zu und man lässt dem Gesang Raum, bis die Arie zu Ende ist. Diese Vorgaben haben eine Menge Schwierigkeiten verursacht, aber ohne sie ging es nicht. Und ich glaube, dass der Film nur dadurch so authentisch geworden ist.
Am Ende der ersten Montage waren wir bei einer Version von 3 Stunden und 15 Minuten angekommen … Die Montage-Arbeit war wirklich hart. Jeden Tag hatte ich das Gefühl, ein Kartenhaus neu aufbauen zu müssen. Welche Karte auch immer man wegnahm – immer geriet das gesamte Gleichgewicht ins Wanken, und man musste von vorn anfangen.

Der Film vermittelt den Eindruck eines Mosaiks ohne Verbindungsstücke, bei dem sehr unterschiedliche Dokumente, die aus sehr unterschiedlichen Quellen stammen, sich auf der Leinwand zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen und dabei eine sehr besondere Struktur ergeben.
Wir mussten einen Haufen technischer Herausforderungen meistern. Im Film kommen Bilder vor, die zum ersten Mal in hoher Auflösung und in Originalfarben zu sehen sind. Diese Farben haben wir möglichst wirklichkeitsgetreu nachkoloriert. Dafür haben wir uns an Originalkostümen und Original-Make-up orientiert. Es kommen auch Super-8-Filme aus verschiedenen privaten Sammlungen zum Einsatz. Ich wollte bekanntes und unbekanntes Archivmaterial neu zusammensetzen, die Bilder modern und unmittelbar wirken lassen, Nähe erzeugen.
Über die Digitalisierung hinaus war die gesamte Arbeit am Filmmaterial Arbeit fürs Kino, es sollte ein Kinofilm werden und die Callas eine Schauspielerin. Das war im Übrigen mein geheimer Ehrgeiz: dass dieser Film dem Zuschauer das Gefühl gibt, er sehe – nach „Medea“ von Pasolini – den zweiten Kinofilm von Maria Callas.

Am Ende Ihrer fünf Jahre dauernden Odyssee – wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand des Mythos Callas? Ist sie immer noch so populär, und wenn ja, warum?
Von den Leuten, die am Film mitgearbeitet haben, haben viele junge Menschen Maria Callas gar nicht gekannt, und sie sind ihr fast augenblicklich verfallen. Es ist großartig, wenn man Menschen beobachtet, die sie nicht kennen – diese außergewöhnliche Magie, die sie ausstrahlt …. Das ist wirklich einzigartig, sehr schwierig zu beschreiben, und es betrifft fast jeden! Vielleicht liegt es daran, dass es nichts Ähnliches und Vergleichbares gibt, nichts, das dem Phänomen Callas nahekäme.
Während all der Jahre habe ich beobachtet, dass Maria Callas als etwas sehr Besonderes wahrgenommen wird – selbst bei der ganz jungen Generation, die ja mit einer Daumenbewegung auf dem Smartphone Zugang zu allem hat. Es gibt ein teilweise sehr junges Publikum, das die Callas für sich entdeckt und sie rückhaltlos bewundert. Das sind Menschen unterschiedlichster Kulturen und Länder. Ich habe beispielsweise einen jungen australischen Fan kennengelernt, einen genialen und verrückten Typen, der in erstklassiger High-Fidelity-Qualität alle unautorisierten Mitschnitte von Maria Callas digitalisiert! Die Callas ist auf unmittelbare und absolute Art Kult. Sie ist wirklich populär und im Übrigen bis heute die Opernsängerin mit den besten Plattenverkäufen. Sie traf auf eine veraltete und verstaubte Opernwelt, als sie debütierte. Und sie trug dazu bei, dass Oper wieder ein Publikum fand und modern wurde, weil sie als Diva das Genre neu geschaffen hat.

Könnten Sie von sich persönlich sagen, was Maria Callas Ihnen bedeutet? Haben Sie heute eine genauere Vorstellung davon, welchen Punkt in Ihrem Inneren sie vor fünf Jahren berührt hat, als Sie sie entdeckten?
Immer wieder im Film kommt Maria Callas auf das Thema Schicksal zu sprechen, ihr Schicksal. Ich glaube, das ist die Frage, die sie ihr ganzes Leben lang verfolgt hat: Habe ich mich meiner Kunst geweiht und zwar ganz und gar? Und was opfere ich folglich als Frau? Das ist ein so starkes Leitmotiv, dass man sie sagen hört: „Ich bin nicht religiös, aber ich trage ein Gebet in mir: Gib mir die Kraft, über das hinauszugehen, was das Schicksal mir auferlegt.“ Indem er einerseits die hingebungsvoll liebende Frau zeigt und andererseits die geniale Künstlerin, macht der  Film die Zerrissenheit deutlich, die sie ihr Leben lang verfolgt hat. Denn ihr ganzes Leben ist ein Ausdruck dieser extremen Spannung, der Begabung einerseits, des Opfers andererseits.
Und so lande ich wieder beim Thema Schicksals: Es war mein Schicksal, den Weg von Maria Callas zu kreuzen, obwohl nichts mich dazu prädestinierte … Warum habe ich diese wertvollen Dokumente in die Hand bekommen, wie kommt es, dass ich zehnmal so viel zusammengetragen habe, wie man bisher gesehen hatte, welches Wunder hat bewirkt, dass ich mich so hartnäckig dahinein versenken musste … es ist Schicksal.
Einer ihrer Briefe an Aristoteles endet mit den Worten „Ich liebe Dich mit Körper und Seele.“ Darin liegt der Schlüssel, glaube ich: Körper und Seele. Ihr Gesang entsteht in ihrem Körper, um die Seele zu berühren. Maria Callas erinnert uns daran, dass wir in der Lage sind bzw. dass wir nicht versäumen sollten, mit Körper und Seele zu leben.

Die Fragen stellte der Kultur-Journalist Olivier Séguret

„Wir versuchen, die menschliche Seite Medeas zu finden.
Eine Frau. Mit allen Erfahrungen einer Frau.
Und mehr. Alles ist größer. Ihre Opfer sind größer. Die Szenerie ist größer.
Aber der Schmerz ist der gleiche wie bei jeder Frau.“
Maria Callas


MARIA CALLAS – eine ANNÄHERUNG

Maria Callas wurde am 2. Dezember 1923 unter dem Namen Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulos als Tochter griechischer Einwanderer in New York geboren. 1929 änderte ihr Vater den Familiennamen in Callas. Ihren ersten Gesangsunterricht erhielt Maria mit acht Jahren. Nach der Scheidung der Eltern zog sie 1936 mit Mutter und Schwester nach Athen, studierte am Konservatorium Gesang, zunächst bei Maria Trivella, später bei Elvira de Hidalgo, die ihr als Lehrerin ihr Leben lang verpflichtet blieb. Mit fünfzehn gab die Sopranistin ihr Operndebüt in einer Studentenproduktion von „Cavalleria rusticana“, der erste Auftritt auf einer professionellen Bühne erfolgte mit „Tosca“ 1942 an der Nationaloper von Athen. 1946 kehrte Maria Callas nach New York zurück. Anlässlich ihres italienischen Debüts 1947 mit „La Gioconda“ in Verona lernte sie ihren späteren Mann, den Ziegeleibesitzer Battista Meneghini, kennen, den sie 1949 heiratete und der ihr Impresario wurde.

Zwischen 1949 und 1959 war Callas die „Primadonna assoluta“ auf allen Opernbühnen der Welt und seit 1951 fest an der Mailänder Scala engagiert. Dort hatte sie im April 1950 ihr Debut in Verdis „Aida“ gegeben, als Ersatz für die erkrankte Renata Tebaldi. Im Dezember 1951 bestritt sie als Elena in „I vespri siciliani“ erstmals die Saisoneröffnung als Mitglied des Ensembles. Sowohl ihr Stimmumfang als auch ihr Repertoire übertrafen alles bisher gekannte. Darüber hinaus bestach ihre Stimme durch ungeheure Wandlungsfähigkeit und eine Technik, die höchst individuelle und ergreifende Interpretationen aller der von ihr verkörperten Rollen ermöglichte. Allerdings war die „Schönheit“ dieser Stimme nicht unumstritten – manche Opernliebhaber störten sich an den eigenwilligen Darbietungen, mit denen die Callas Einblick in die Seelen ihrer Figuren gewährte, und stempelten sie als hässlich ab. Einige Zeitgenossen zogen ihr deshalb die ebenfalls gefeierte Sopranistin Renata Tebaldi vor, die zeitgleich an der Scala engagiert war und später an die Metropolitan Opera auswich, als sich der Konflikt zwischen „Tigerin“ (Callas) und „Engel“ (Tebaldi) zuspitzte. Unumstritten war und ist dagegen Callas’ Verdienst um die Wiedergeburt der Oper und des Belcanto nach dem Zweiten Weltkrieg, denn viele Menschen lernten durch ihre Interpretationen Werke wie Donizettis „Lucia di Lammermoor“ oder Bellinis „Norma“  – ihre Lieblingsrolle, die sie insgesamt 88-mal auf der Bühne sang – überhaupt erst kennen. Nicht ohne Bedeutung ist in dem Zusammenhang, dass Callas’ Durchbruch zum Weltruhm mit der Erfindung der Langspielplatte zusammenfiel: Ihre 1953 eingespielte Gesamtaufnahme der „Lucia“ wurde zum riesigen Erfolg und erreichte ein bis dato unabsehbares Publikum.

Zwischen Dezember 1954 und Juni 1957 gab es neben zahlreichen anderen Auftritten von Callas in den unterschiedlichsten Produktionen der Scala, die ein breites Repertoire von Mozart über Cherubini bis Donizetti und Verdi abdeckten, allein fünf Inszenierungen unter der Regie von Luchino Visconti. Der Regisseur, der sich als Vertreter des Neorealismo in der Szene um Roberto Rossellini und Federico Fellini einen Namen gemacht hatte, erlebte Callas erstmals Anfang 1949 als Kundry in Wagners „Parsifal“ unter der Leitung von Tullio Serafin in Rom. In kongenialer Zusammenarbeit brachte er mit der Starsopranistin Gasparo Spontinis „La Vestale“ (Saisoneröffnung, Dezember 1954), Vincenzo Bellinis „La sonnambula“ (März 1955, Callas singt die Amina, dirigiert von Leonard Bernstein), Giuseppe Verdis „La traviata“ (Mai 1955: die Aufführung gilt dank ihrer minutiösen Regie und Dekoration als Meilenstein des modernen Musiktheaters), Gaetano Donizettis „Anna Bolena“ (im April 1957 quasi eine Neuentdeckung dieser Oper) und Christoph Willibald Glucks „Iphigenie auf Tauris“ (Juni 1957) zur Aufführung. Eine für Dezember 1960 geplante Inszenierung von Donizettis „Poliuto“ mit Callas in der Rolle der Paolina (ihre letzte neu einstudierte Rolle für die Bühne) sagte Visconti ab, da er nach der Zensur seines Films „Rocco und seine Brüder“ sowie eines von ihm inszenierten Theaterstücks nicht mehr für staatliche Bühnen arbeiten wollte. Im Nachhinein befand er über Callas: „Sie war ein ungeheures Phänomen. Fast eine Krankheit – ein Typ von Darstellerin, der für alle Zeit verschwunden ist.“

Ende der 1950er Jahre begannen krisenhafte Jahre, und die Sängerin geriet u.a. auch aufgrund der sehr hohen Erwartungen ihres Publikums zunehmend in die Kritik. Als im August 1957 ein Gastspiel der Scala in Edinburgh per Vertrag vier Aufführungen vorsah, auf dem Spielplan dann aber fünf Auftritte der Primadonna angekündigt waren, pochte diese auf Vertragseinhaltung, willigte jedoch ein, gesundheitliche Gründe für ihre Absage der letzten Vorstellung vorzuschieben. Als fatal erwies sich in dem Zusammenhang allerdings, dass wenig später Fotos der Callas auf einer mehrtägigen Society-Party der Klatschkolumnistin Elsa Maxwell in Venedig auf den Titelblättern der einschlägigen Magazine erschienen. Auf dieser Party lernte Callas übrigens Aristoteles Onassis kennen, und manche Biografen mutmaßen, Onassis habe Callas’ Anwesenheit bei Maxwell „bestellt“. 

Anfang Januar 1958 bestritt Callas die Saisoneröffnung in Rom in Anwesenheit des italienischen Staatspräsidenten Giovanni Gronchi mit der Partie der Norma. Obwohl sie erkältet war, ließ sie sich wegen des hochstehenden Gastes im Publikum zunächst zum Auftritt überreden, brach dann allerdings nach der Arie „Casta Diva“ die Vorführung ab, weil ihre Stimme sie verließ. Obwohl sie sich umgehend schriftlich bei Gronchi entschuldigte, nahm ihr das Publikum den Abbruch so übel, dass der Intendant Callas bei der übernächsten Aufführung, als sie eigentlich wieder singen wollte, weiterhin durch einen Ersatz vertreten ließ, weil er Tumulte befürchtete. Als im April desselben Jahres in Mailand „Anna Bolena“ mit Callas in der Titelrolle wiederaufgenommen wurde, schützte man das Theater mit einem Polizeiaufgebot. Nach anfänglich kühler Begrüßung ließ sich das Publikum jedoch schon im zweiten Akt zu stürmischen Ovationen hinreißen.

Gegen Ende desselben Jahres, im Oktober und November 1958, gab die Scala Gastspiele ihrer Inszenierungen von „La traviata“ und „Medea“ mit Maria Callas im texanischen Dallas. Etwa zur selben Zeit sollte die Sängerin einen Vertrag für 26 Aufführungen an der Metropolitan Opera in New York unterschreiben, in der sie im Oktober 56 mit „Norma“ debütiert und im Februar und März 1958 sehr erfolgreich die Traviata, Lucia und Tosca gesungen hatte. Telegrafisch stellte der Intendant der Met, Rudolf Bing, ein Ultimatum zur Unterzeichnung ausgerechnet am Tag der „Medea“-Premiere in Dallas. Als Maria Callas es verstreichen ließ, annullierte er den Vertrag, was einen Skandal auslöste. Inmitten dieser aufgeheizten Atmosphäre und des Hypes der internationalen Presse, die all diese Turbulenzen gierig aufnahm, trat Callas im Dezember 58 zu ihrem Debüt in Paris an. Und von Brigitte Bardot über Jean Cocteau bis zu Duke und Duchess von Windsor – alle, alle kamen, um sie zu feiern und das Phänomen Callas aus der Nähe zu sehen, als sie diesen Gala-Abend mit diversen Arien und einer halb konzertanten und halb szenischen Aufführung des zweiten „Tosca“-Aktes bestritt.

Zu immer manifester werdenden stimmlichen Problemen kamen Verwerfungen im Privatleben, als die Sängerin 1959 die Einladung zu einer Kreuzfahrt an Bord der Yacht des griechischen Reeders Aristoteles Onassis annahm. Am Ende der dreiwöchigen Mittelmeerreise, an der auch Winston Churchill und seine Frau sowie Fürstin Grazia von Monaco teilnahmen, hatte sich Callas in ihren Gastgeber verliebt und verließ seinetwegen ihren Mann. Auch Onassis’ Frau reichte die Scheidung ein, doch ein glückliches Paar wurden Grieche und Griechin bekanntlich nicht, auch wenn Callas Onassis lebenslang hartnäckig als Freund betrachten wollte. Über Details der Beziehung spekulieren immer neue Biografen bis heute. Fakt ist, dass Callas wohl in der Hoffnung auf ein erfülltes Privatleben der Bühne Anfang der 1960er Jahre den Rücken kehrte, damit aber möglicherweise ihren Reiz für Onassis einbüßte. Ob es tatsächlich eine von ihm erzwungene Abtreibung im Jahr 1966 gab oder nicht, ob er tatsächlich an ihrer Karriere interessiert oder in Wahrheit ein musikalischer Banause mit Hang zu griechischem Buzuki-Gedudel war – im Jahr 1968 tauschte Onassis eine Trophäen-Frau gegen die nächste aus und heiratete die Präsidentenwitwe Jackie Kennedy, während er Callas’ Ehewünschen immer getrotzt hatte – sie hatte, um der Ehe mit dem scheidungsunwilligen Meneghini zu entkommen, sogar die griechische Staatsbürgerschaft wieder angenommen, musste dann aber von der Hochzeit Onassis-Kennedy aus der Presse erfahren.  Angeblich fand sich Onassis schon bald nach seiner Eheschließung wieder bei Callas ein, während sich Jackie O. mit neu gewonnenen Kontozugängen dem Kaufrausch hingab.

Noch einmal ließ sich Callas in den 60er-Jahren von Regisseur Franco Zeffirelli überreden, in einer „Tosca“-Inszenierung mitzuwirken, mit der sie in London, Paris und New York gastierte und schließlich – nach einem Zusammenbruch auf der Bühne Ende Mai – im Londoner Covent Garden ihre Karriere auf der Opernbühne im Juli 1965 beendete. Es folgten Plattenaufnahmen, die Titelrolle in Pasolinis „Medea“-Film von 1969, Meisterklassen an der New Yorker Juilliard School Anfang der 70er Jahre sowie Konzertreisen, zuletzt mit ihrem späten Lebensgefährten, Giuseppe di Stefano. Ihr letzter öffentlicher Auftritt fand im November 1974 in Sapporo statt.

Die Aufmerksamkeit von Presse und Öffentlichkeit richtete sich über die gesangliche und darstellerische Leistung hinaus besonders in den letzten eineinhalb Jahrzehnten ihres Lebens auf das Privatleben der Ausnahmekünstlerin und auf ihren Status als Stilikone. Immerhin war die junge Frau – was zum Zeitpunkt ihres beginnenden Weltruhms kaum einer wusste – von einem Körpergewicht von über 90 Kilo bei ihrer Eheschließung mit 27 Jahren innerhalb eines halben Jahres auf 55 Kilo abgemagert. Fortan entsprach sie dem Schönheitsideal der 50er-Jahre mit Kurven, aber betonter Taille, und entwickelte sich auch mithilfe eines ausdrucksstarken Make-up – riesige, schwarz umrandete Augen, leuchtend rote, volle Lippen – und den aktuellen volumenreichen Frisuren nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei gesellschaftlichen Auftritten zur stilprägenden Erscheinung ihrer Epoche.

Am 16. September 1977 starb Maria Callas 53-jährig in Paris. Mit ihr entschwand ein einzigartiges Phänomen der Opern- und Zeitgeschichte, ein unvergleichliches musikalisches Genie, das durch überwältigende nicht nur stimmliche, sondern auch optische Präsenz und ungeheure darstellerische Energien für epochale Ereignisse des Musiktheaters gesorgt hatte. Ihr Vermächtnis liegt darin – wie der „Stern“ bereits zum 30. Todestag resümierte, „ihr Innerstes nach außen zu kehren, und die Welt teilhaben zu lassen an den Dramen ihrer Rollen und ihrer eigenen Seele“. Weil sie dazu bereit war, erreichte sie auf der Bühne jene tragische Größe, die sie bis heute unsterblich werden ließ.
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Donnerstag 03.05.2018
WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN
Ab 10. Mai 2018 im Kino
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Die fünfzehnjährige Nisha lebt ein Doppelleben. Zuhause gehorcht sie strikt den Traditionen und Werten ihrer pakistanischen Familie. Draußen mit ihren Freunden verhält sie sich wie ein ganz normaler norwegischer Teenager. Doch als ihr Vater sie mit ihrem Freund erwischt, kollidieren ihre beiden Welten brutal. Nisha wird von ihren Eltern gekidnappt und nach Pakistan gebracht. Sie hat Angst und fühlt sich allein in der Fremde. Aber Stück für Stück entdeckt sie das Land und die Kultur ihrer Familie. Was werden die Leute sagen ist ein emotionaler Film über Liebe und Courage und darüber, seinen eigenen Weg zu finden. Und es ist eine komplexe Geschichte über die Liebe zwischen Eltern und Kindern und wie schwer es manchmal ist, beide Seiten zu verstehen.

Ein Film von Iram Haq
Mit Maria Mohdah und Adil Hussain

Die achtzehnjährige Maria Mozhdah ist in der Rolle der Nisha in ihrem Leinwanddebüt zu sehen, das sie ergreifend und mit großem Einfühlungsvermögen spielt. Ihren Vater spielt der indische Schauspieler Adil Hussain, der vor allem seit seiner Rolle in Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger von Ang Lee (2002) auch einem breiten europäischen Publikum bekannt ist.
„Was werden die Leute sagen“ ist der zweite Spielfilm der Regisseurin und Drehbuchautorin Iram Haq, der ebenso wie ihr erster Spielfilm I Am Yours seine Weltpremiere auf dem Toronto International Film Festival hatte. I Am Yours gewann mehrere Preise bei internationalen Filmfestivals. Was werden die Leute sagen feierte seine Deutschlandpremiere auf dem Filmfest Hamburg 2017 und wurde im gleichen Jahr auf der Filmkunstmesse in Leipzig mit dem Preis der Jugendjury und auf den Nordischen Filmtagen Lübeck mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.


STATEMENT DER REGISSEURIN
„Was werden die Leute sagen erzählt meine bislang persönlichste Geschichte. Als ich 14 Jahre alt war, wurde ich von meinen Eltern entführt und gezwungen, für eineinhalb Jahre in Pakistan zu leben. Ich habe lange gewartet, bis ich mich als Filmemacherin und auch als Mensch in der Lage gesehen habe, diese Geschichte in einer klugen und vernünftigen Weise zu erzählen. In einer Weise, in der das Mädchen Nisha nicht nur als Opfer und ihre Eltern nicht bloß als Täter erscheinen. Ich wollte die unmögliche Liebesgeschichte zwischen Eltern und ihrem Kind erzählen, eine Geschichte, die kein glückliches Ende haben kann, solange die Kluft zwischen diesen beiden Kulturen so tief ist. Ich möchte, dass das Publikum während des ganzen Films ganz nah an Nisha und ihren Emotionen ist. Nach einem langen Casting-Prozess fanden wir mit Maria Mozhdah endlich die perfekte Besetzung für die Rolle der Nisha. Sie ist eine erstaunliche Entdeckung, und es war eine große Freude, sie neben den erfahreneren Darstellern spielen zu sehen.“



INTERVIEW MIT IRAM HAQ (REGIE)

Welche Bedeutung hat der Titel Was werden die Leute sagen?
Den Ausspruch „Was werden die Leute sagen” (log kya kahenge) werden vermutlich alle Pakistanis und Inder kennen. In Hindi und Urdu ist das ein sehr geläufiger Ausdruck, der häufig in traditionellen Familien und in einem sozialen Umfeld mit einem traditionellen Ehrbegriff verwendet wird. Und genau diese Konzentration darauf, was andere Leute sagen, möchte ich loswerden – diesen Fokus will ich an der Wurzel packen und ein für allemal rausziehen.

Und auf der ganz persönlichen Ebene, was bedeutet der Ausspruch für Sie?
Hinter der allgemeinen Ebene steckt darin mein ganz persönlicher Wunsch, ein ehrliches Leben zu leben. Mir selbst treu zu bleiben. Um die Dinge zu tun, die ich machen will und nicht für andere zu leben. Es entspricht überhaupt nicht meinem Wesen, mich an andere anzupassen. Deshalb finde ich es so spannend, genau hinzusehen, was es mit Menschen macht, wenn man den Bedürfnissen und Ansprüchen von anderen – oder auch einem ganzen System – nachkommt. Es ist eine Art Befreiung, Mädchen, die einer strengen sozialen Kontrolle unterworfen sind, zu sagen: „Es ist hart, wenn ihr euch da mittendrin befindet, aber lasst euch niemals einschüchtern von dem, was andere wollen und denken.“

Hoffen Sie, dass der Film Diskussionen anstoßen wird? 
Ich hoffe, der Film wird den Blick öffnen und ein besseres Verständnis für das Dilemma ermöglichen, in dem sich Eltern und Kinder befinden, die aus so unterschiedlichen Welten wie Nisha und ihr Vater kommen. Ich möchte niemanden provozieren, aber ich habe das starke Bedürfnis, eine wahre Geschichte zu erzählen.

Welche Inspiration steckt hinter der emotionalen Geschichte des Films?
Der Film basiert auf mehreren Ereignissen meines eigenen Lebens. Wie Nisha im Film hatte ich in meiner Jugend meistens norwegische Freunde. Ich fand es extrem unfair, als junges Mädchen nicht das tun zu dürfen, was allen anderen erlaubt war. Ich selbst wurde, als ich 14 Jahre alt war, von meinen eigenen Eltern entführt und musste mit meinen Verwandten in Pakistan leben. Drumherum habe ich aber noch eine Menge fiktionale Details in die Story des Films eingearbeitet.

Wie war der kreative Prozess von dem Moment an, als Sie die Idee zu diesem Film konzipiert haben?
Ich musste erst reif genug werden, um diese Geschichte in all ihren Nuancen erzählen zu können. Ich wollte vor allem vermeiden, dass es eine Geschichte über „schreckliche Eltern“ und ein „ganz armes Mädchen“ wird. Sich in die Situation der Eltern zu versetzen, ist natürlich für mich schwerer, als mich auf meine eigene Generation zu beziehen. Aber ich wollte versuchen, mich ihrer Mentalität zu stellen und mir beide Seiten anzuschauen. Zur Vorbereitung habe ich mit vielen Mädchen mit multikulturellem Hintergrund und auch mit Psychologen gesprochen, die mit Kinderschutzeinrichtungen arbeiten.

Welche Schlüsselelemente ziehen Sie beim Schreiben Ihrer Skripte am meisten an?
Als erstes interessiert mich immer das Narrative, die Geschichte. Darüber hinaus sind es die Themen soziale Kontrolle, familiäre Beziehungen und vor allem die innerfamiliäre Dynamik, die mich schon lange interessieren. Ich erforsche gern enge menschliche Beziehungen und die Art, wie wir miteinander interagieren.

Die Dreharbeiten fanden in Norwegen und Indien statt. Wie war es für Sie in Indien?
Die Arbeit in Rajasthan war eine magische Erfahrung für mich. Mein Vater und dessen Vorfahren sind von dort. Ich kann die Sprache und das hat schon mal sehr geholfen. Es hat sich für mich angefühlt, als hätte ich dort zu mir selbst gefunden. Ich war fünf Mal in Indien und habe Bilder und Erinnerungen mit meinem Vater geteilt, während er noch am Leben war. Das hat mir sehr viel bedeutet.
Wie war es, mit diesen – in Bezug auf Alter, Berufserfahrung und kulturelle Hintergründe – sehr unterschiedlichen Akteuren zu arbeiten? Ich habe es geliebt, mit einem indischen Team zusammen mit Dänen, Deutschen und Schweden zu arbeiten. Die Schauspieler waren die ganze Zeit wirklich großartig, ich bewundere sie alle. Man kommt sich ja sehr nah in solch einem intensiven, kreativen Prozess wie einem Film. Maria Mozhdah, die die Hauptrolle spielt, ist ein wirklich erstaunliches Mädchen. Sie hat etwas ganz Außergewöhnliches. Die Chemie auf dem Set war so einzigartig, dass ich manchmal vergessen habe, dass sie erst 17 war.


BIOGRAPHIEN

Iram Haq (geboren 1976) ist Schauspielerin, Autorin und Regisseurin. Ihr Debüt als Regisseurin und Schauspielerin gab sie mit dem Kurzfilm Little Miss Eyeflap, der 2009 auf dem Sundance Film Festival lief. Ihr Spielfilmdebüt I Am Yours feierte 2013 auf dem Toronto International Film Festival Premiere, erhielt zahlreiche Preise auf internationalen Festivals und war im gleichen Jahr Norwegens Einreichung für den Oscar® als Bester nichtenglischsprachiger Film.

Adil Hussain (geboren 1963) ist in Indien ein sehr bekannter Bühnen-, Film- und TV-Schauspieler. Er hat in zahlreichen indischen und internationalen Filmen mitgewirkt, unter anderem in Tage des Zorns (The Reluctant Fundamentalist) von Mira Nair und in dem Welterfolg Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (Life of Pi) von Ang Lee.

Maria Mozhdah
wurde 1999 in Pakistan geboren, wuchs aber in Norwegen auf. Im Alter von 10 Jahren wurde sie für eine der Hauptrollen in einer sehr populären norwegischen Kinderserie gecastet. Dies war vor ihrer Rolle als Nisha ihre einzige Erfahrung mit der Schauspielerei.
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Donnerstag 26.04.2018
FAMILIYE
Ab 03. Mai 2018 im Kino
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Nach fünfjähriger Haftstrafe ist Danyal (Kubilay Sarikaya), der Älteste von drei Brüdern aus der Tanis-Familie, endlich wieder auf freiem Fuß. Seit dem Tod seiner Eltern hat er die Verantwortung für seine zwei jüngeren Brüder übernommen.
Doch mit dem spiel-süchtigen Miko (Arnel Taci) und dem verspielten Bruder Muhammed (Muhammed Kirtan) mit Down-Syndrom ist das alles andere als einfach. Als plötzlich Mikos Schulden fällig werden und Muhammed in ein Heim gesteckt werden soll, droht das fragile Gleichgewicht ihrer Existenz vollends aus der Balance zu geraten.
FAMILIYE erzählt die Geschichte dreier ungleicher Brüder, die zwischen Gewalt, Liebe, Kriminalität, Fürsorge, Drogen und Hoffnung stets um Anerkennung und Zusammenhalt kämpfen. Der raue Wind im Lynar-Kiez in Berlin Spandau lässt sie dabei immer wieder an ihre Grenzen stoßen...

Ein Film über die Härte der Straße und die Wärme der Familie.


Regie: KUBILAY SARIKAYA & SEDAT KIRTAN 
MIT KUBILAY SARIKAYA, ARNEL TACI, MUHAMMED KIRTAN VIOLETTA SCHURAWLOW, GIWAR "XATAR“ HAJABI, BURAK YIGIT u.v.m.



Die Nordwest-Zeitung (NWZ) schrieb noch vor der Premiere des Films anlässlich der Bekanntgabe des Programmes des 24. Internationalen Filmfests Oldenburg 2017:
"2012 eröffnete OH BOY von Regisseur Jan Ole Gerster das Filmfest Oldenburg, [...] die Initialzündung für einen außergewöhnlichen Siegeszug durch die deutschen Kinos. OH BOY wurde zum Publikumserfolg und Liebling der Kritiker. Gleiches könnte auch in diesem Jahr wieder bevorstehen. Das Filmfest startet [...] mit der Produktion FAMILIYE, die sich zu einem Glücksfall für das deutsche Kino entwickeln könnte. Mit FAMILIYE wird der raue Berliner Kiez [...] lebendig. Ein Film, der große Hoffnungen weckt, voller Herz ist - und mit "Lammbock"-Star Moritz Bleibtreu einen großen Fürsprecher hat."
 
Kurz darauf wurde FAMILIYE direkt bei seiner Weltpremiere beim Filmfest Oldenburg mit dem Hauptpreis als bester Film, dem German Independence Award ausgezeichnet.
Mit ihrem Spielfilmdebüt um drei ungleiche Brüder zwischen Gewalt, Kriminalität, Liebe und Hoffnung haben die Regisseure Kubilay Sarikaya und Sedat Kirtan ihrem Kiez Berlin-Spandau und den dort lebenden Menschen ein ebenso liebevolles wie vibrierendes Denkmal gesetzt.
Sowohl Regie, Drehbuch, Produktion als auch die Hauptrollen haben sie übernommen. Neben ihnen stehen Arnel Taci (Türkisch für Anfänger, Knallhart), Violetta Schurawlow (Honig im Kopf, Halbe Brüder) und der Rapper Xatar (Alles oder Nix Records) vor der Kamera. Letzterer steuerte zusammen mit dem Frankfurter Rapper Haftbefehl einen authentischen, intensiven Soundtrack bei und gewann in Moritz Bleibtreu einen großen Förderer des Projektes, der durch seine Kontakte half, den Film ins Kino zu bringen.

Um ihre Geschichte erzählen zu können, gründeten Sarikaya und Kirtan 2007/2008 ihre Produktionsfirma Lynarwood. Mehr als 8 Jahre arbeiteten die beiden gebürtigen Berliner an der Umsetzung ihrer Version eines Filmes, der durch seine Authentizität und Direktheit ein absoluter Solitär im jüngeren deutschen Kino ist.
Das Drehbuch gab lediglich einen Rahmen vor, innerhalb dessen die Darsteller den Sinn ihrer Aussage „mit ihren eigenen Worten wiedergeben konnten“, so Regisseur Sedat Kirtan über den Dreh. Zusätzlich haben sie sich von der Lebenserfahrungen der vielen Laiendarsteller inspirieren lassen.
Muhammed, der heimliche Star des Films mit Downsyndrom, ist Kirtans echter Bruder. Diese kompromisslose Authentizität ermöglicht einen bisher nicht da gewesenen Einblick in die harte Straßenrealität Berlins und ist in seiner Bildsprache ein einzigartiges Zeitdokument des deutschen Kinos.


DIRECTOR'S NOTE
der beiden Regisseure Sedat Kirtan & Kubilay Sarikaya zur Entstehung

Wir wollten von Anfang an (2007/2008) Menschen in unserem Kiez (Berlin-Spandau-Neustadt), Bilder und Emotionen aus ihrer harten Welt für andere zugänglich machen. Durch die Gründung unserer Filmproduktion Lynarwood konnten wir diese Vision verwirklichen. Nach unserem Pilotfilm Verzzokkt (35 Min.; 2011), der die Vorlage für FAMILIYE war, entschieden wir uns einen Kinofilm zu machen und fingen an zu schreiben. Mitte 2013 bis Ende 2014 entwickelten und schrieben mein Partner und ich das Drehbuch zu unserem Film FAMILIYE.
Anlass unserer Geschichte ist unser realer urbaner Schauplatz gewesen, der sinnbildlich ein Labyrinth darstellt, in dem die Protagonisten gefangen sind, so auch wie die real lebenden Menschen in unserem Vorot, dem wir so viel zu verdanken haben. Unsere Darsteller sind in Situationen gefangen in denen Sie gegen das Schicksal kämpfen; welches in der Regel ein schlimmes Ende beschert. Gezeigt wird eine Welt in der Korruption, Angst und Beschaffungskriminalität stark zum Ausdruck kommen. Eine Welt, in der es sehr selten Happy Ends gibt...

Die Arbeit mit unseren Schauspielern war äußerst erlebnisreich und zugleich auch sehr anspruchsvoll da viele von ihnen Laien sind und sie wie wir zum ersten mal in einem Projekt solch eine große Verantwortung übernommen haben. Wir legten die Messlatte von Anfang an die Filmproduktion trotz unserer begrenzten Mittel sehr hoch, in erster Linie im Umgang mit dem Team und den Darstellern. 
Wir wollten authentisches Kino in Deutschland revolutionieren und vielleicht ein bisschen marktfähig machen. Umso wichtiger waren die ersten Monate unserer Zusammenarbeit. So haben wir durch die von ihnen entgegengebrachte soziale Anerkennung und Wertschätzung ihrer individuellen Arbeit, ihren Charakter und Ihre Persönlichkeit stärken und positiv formen können.
Nur dadurch war eine gute und solide Entwicklung der Darsteller im Laufe der Vorbereitungszeit und der Dreharbeiten von Tag zu Tag möglich. Wichtig war für uns vor allem auch eine freie Entfaltung der Schauspieler, sie sollten sich frei vom Drehbuch machen um so auch improvisieren zu können.
instagram

"Bei uns im Viertel wird immer gezockt. Dein Leben läuft ab wie bei einem Poker. Zuerst kommt der Small Blind, das ist der Mindesteinsatz den hier jeder zahlen muss, manchmal auch mit seinem Leben. Den meisten hier im Viertel reicht es nicht was sie haben. Die Startlöcher aus denen wir ins Leben sprinten sind nicht vom Glück gesegnet... Um im Leben weiter zu kommen muss man bei uns im Viertel immer erhöhen und ein Risiko auf sich nehmen. Das nennt man beim Pokern: Raise. 
 Die mit der Kohle erhöhen gern, weil alle anderen mitziehen müssen. Und die, die nichts haben, hoffen auf ein gutes Blatt oder müssen im Leben einfach nur verdammt gut bluffen können ..." 
Zitat aus dem Drehbuch von Kubilay Sarikaya & Sedat Kirtan
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 18.04.2018
ELDORADO
Ab 26. April 2018 im Kino
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ERSTE PRESSEZITATE – NACH DER WELTPREMIERE IM RAHMEN DER  68. BERLINALE
 
„Hinter den Dokumentarbildern von ELDORADO verblassen die Versuche, das Thema fiktional zu bearbeiten. Die Wirklichkeit schlägt jede Fantasie.“ 
Barbara Möller, Die Welt
 
„Markus Imhoof gelingt mit ELDORADO ein tiefgehender, vielschichtiger Dokumentarfilm über Europas Geflüchtete. [...] Noch ein Dokumentarfilm über Flüchtlinge? Nach Seefeuer – Fuocoammare, dem Berlinale-Gewinner 2016, und Ai Weiweis Human Flow? Imhoofs Film gelingt, was die beiden anderen Dokus vermissen lassen. ELDORADO weitet die Perspektive ins Historische und erzählt parallel von Giovanna, dem italienischen Kriegskind, das Imhoofs Eltern aufnahmen. Die Nahaufnahme bis ins Privat-Biografische hinein imprägniert ELDORADO gegen die populistisch entpersonalisierende und katastrophische Rede von der Flüchtlingswelle.“   Christiane Peitz, Der Tagesspiegel
 
„Sosehr sich solche mythischen Bilder für die Spaltung der Welt aufdrängen, sie kippen doch unweigerlich immer wieder ins Konkrete, und in dem Maß, in dem diese Spannung sich in die Filme einschreibt, wird das Kino zum Medium der Erkenntnis.“ 
Bert Rebhandl, FAZ
 
„Seine enorm vielschichtigen Aspekte und Facetten, die Markus Imhoof immer wieder mit der eigenen Biographie verknüpft, machen ELDORADO zu einem außergewöhnlichen Werk über Flucht und ihre Ursachen, das den Blick für Zusammenhänge weitet. [...] Universell und zutiefst human.“ 
Joachim Kurz, kino-zeit
 
„Ankommen, hoffen und verzweifeln: Die ergreifende Flüchtlingsdokumentation ELDORADO beeindruckte im Wettbewerb.“ 
Felix Müller, Berliner Morgenpost
 
„Es ist ein perverser Kreislauf, der dort auf den Rücken der Ärmsten ausgetragen wird. [...] Markus Imhoof ist ein überzeugender und berührender Dokumentarfilm gelungen.“ 
Patrick Wellinski, rbb24
 
„Es sind immer wieder Bilder, die sich schmerzlich in unsere Augen einbrennen." 
Susanne Ostwald, Neue Zürcher Zeitung
 
„Dieser Berlinale-Film ist ein Appell. Er berührt, bewegt und beschämt.“ 
BR Rundschau 
 

Regie & Drehbuch: MARKUS IMHOOF 


„Das Einzige, was uns am Ende bleibt, sind Erinnerungen, die auf Liebe basieren.“
 
Es ist eine solche Erinnerung, die den preisgekrönten Regisseur Markus Imhoof sein Leben lang begleitet hat: Es ist Winter, die Schweiz ist das neutrale Land inmitten des Zweiten Weltkriegs und Markus Imhoofs Mutter wählt am Güterbahnhof ein italienisches Flüchtlingskind aus, um es aufzupäppeln. Das Mädchen heißt Giovanna – und verändert den Blick, mit dem der kleine Markus die Welt sieht.   70 Jahre später kommen wieder Fremde nach Europa. Markus Imhoof hat Giovanna nie vergessen, hat ihre Spuren verfolgt und in ihrem Land gelebt. Nun geht er an Bord eines Schiffes der italienischen Marine, es ist die Operation „Mare Nostrum“, in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen aus dem Mittelmeer gezogen werden. Mit den Augen des Kindes, das er damals war, spürt er den Fragen nach, die ihn seit jeher umtreiben.  


PRESSENOTIZ
 
Markus Imhoof erzählt nach seinem herausragenden und u.a. mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Kinoerfolg MORE THAN HONEY erneut eine sehr persönliche Geschichte, um ein globales Phänomen erfahrbar zu machen. Seine Fragen nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung in der heutigen Welt führen ihn zurück zu den Erlebnissen seiner Kindheit und seiner ersten Liebe.
 
ELDORADO ist eine schweizerisch-deutsche Produktion von zero one film, Thelma Film und Ormenis Film, produziert von Thomas Kufus (GERHARD RICHTER PAINTING, MORE THAN HONEY, DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER) und Pierre-Alain Meier (MORE THAN HONEY). Der Film entstand in CoProduktion mit dem Schweizer Radio und Fernsehen, SRG SSR und dem Bayerischen Rundfunk, gefördert mit Mitteln von BKM, Filmförderungsanstalt und FilmFernsehFonds Bayern sowie von Bundesamt für Kultur (EDI), Cinéforom und Loterie Romande, Zürcher Filmstiftung, Kulturfonds Suissimage, Marlies Kornfeld, Volkart Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Werner Merzbacher, UBS Kulturstiftung, Succès Passage Antenne und Succès Cinéma.
 
ELDORADO feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der Berlinale 2018 und erhielt eine lobende Erwähnung beim Amnesty International Filmpreis. Majestic Filmverleih wird ELDORADO am 26.04.2018 in die deutschen Kinos bringen. Den Weltvertrieb hat Films Boutique übernommen.
 

DIRECTOR´S NOTE 
 
Das Ausland spielte eine große Rolle in unserer Familie: Mein Vater hatte seine Dissertation über Auswanderer aus Europa geschrieben, meine Mutter ist in Indien geboren, eine Tante kam aus Odessa, die andere lebte in Ägypten, ein Onkel in Kolumbien, der andere in den USA. Über meinem Bett hing während meiner ganzen Jugendzeit eine Karte von Afrika, mit einem echten Speer, der aufs „Herz der Finsternis“ zeigte.
1945 kam Giovanna aus Italien zu uns in die kriegsverschonte Schweiz. Es war die Zeit, in der ich entdeckte, dass auch alle andern zu sich selber „Ich“ sagen. Ich verliebte mich in das fremde „Ich“. Das hat mein Leben nachhaltig geprägt.
In dieser Zeit galt in der Schweiz die Formulierung: „Flüchtlinge nur aus Rassegründen gelten nicht als Flüchtlinge,“ weil es davon am meisten gab. 24.000 Gerettete schickte man wieder zurück -  weil wir sonst wegen der Last dieser zusätzlichen Passagiere alle zusammen untergehen würden. Darüber habe ich 1980 den Spielfilm DAS BOOT IST VOLL gedreht, die Geschichte einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe von Flüchtlingen, die zurückgeschickt wurden in den Tod. Für das Flüchtlingsmädchen Kitty habe ich ein Mädchen gesucht, das Giovanna gleicht. Als Folge des Zweiten Weltkriegs wird heute Rassendiskriminierung als erster Punkt in der Genfer Konvention als Asylgrund anerkannt. 
Heute gilt der Grundsatz: „Flüchtlinge nur aus sozialer Not gelten nicht als Flüchtlinge,“ weil es davon am meisten gibt. Das Boot ist wieder voll. Ich hatte vor 35 Jahren nicht damit gerechnet, dass der Titel meines Films noch einmal so konkret und drängend wird, dass man darüber nochmals einen Film drehen muss. Nach meinem letzten Dokumentarfilm MORE THAN HONEY begann ich an zwei neuen Filmprojekten zu arbeiten: einem über Migration, einem über Geld.
Während meiner Recherchen merkte ich bald, wie eng beide Themen miteinander verbunden sind und dass das Thema Migration nicht ohne das Thema Geld zu erzählen ist. 

Jeder von uns trägt ein Stück Kongo in seiner Hosentasche: seltene Erden im Handy. 80% von Coltan wird in rückständigen Minen im Kongo gegraben, aber die Gewinne der Rohstoffhändler fließen in die Schweiz. Auch mit den Europäischen Handelsabkommen mit Afrika für den zollfreien Import unserer Agrarprodukte werden die Spielregeln verzerrt: Afrikanische Bauern können gegen unseren subventionierten Erfolg nicht mithalten. 

Die Globalisierung hat das Proletariat „exportiert“ und kehrt sich um in wirtschaftliche Kolonialisierung: Geld, Reiche und Waren reisen global, aber Arme müssen bleiben wo sie sind. Die über die Welt verteilten wirtschaftlichen Hoch- und Tiefdruckgebiete sind heute Voraussetzung für die möglichst billige Produktion der Warenströme. Nur ein Gefälle kann unser Wasserrad antreiben. 
Die Asylsuchenden sind eine Folge dieser Dynamik. Unser Glück lockt sie an. Aber sie stören bei der Steigerung von Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Darum das Einreiseverbot nach Europa. Die Abwehr überlässt man den Naturkräften des Meeres. Seit dem Jahr 2000 sind 30.000 Menschen auf der Flucht ertrunken: eine Kleinstadt aus Leichen. Menschenleben als Kollateralschaden unseres Wohlstands und unserem „Pursuit of Happiness“.

Die Krise ist nicht vorbei, sie fängt erst an, bald kommen auch noch die Klimaflüchtlinge. 
Die Erinnerung an Giovanna schenkt mir die Radikalität des Kinderblicks, ein fruchtbarer Kontrast zur internationalen Maschinerie, mit der die Fremden verwaltet werden. Noch nie war es so schwierig, Drehbewilligungen zu bekommen. Es muss also „was dran“ sein an dem Thema, wenn man dessen Bearbeitung so eifrig versucht zu verstecken. Aber auf der Agenda bei Wahlen und Koalitionsverhandlungen steht es zuoberst. 

Unsere Herausforderung war, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Grundsätzliches entlarvt sich oft an einem Detail, an einem Blick, einem Lachen, die Summe des scheinbar Unwesentlichen macht das Wesentliche sichtbar. 
Im Kern geht es um den Konflikt zwischen „ich“ und „uns“, um den Kontrast oder das Zusammenspiel der vielen Einzelnen zu einem Ganzen. Wie in einem Orchester, wo nicht die Trompete die Musik dominiert, sondern auch die Bratsche und die Flöte zu hören ist. Es geht um eine Hoffnung auf ein Gleichgewicht, auf ein Zusammenleben zwischen Nord und Süd als Organismus, der sich nicht mehr permanent ausnutzt und damit selbst zerstört. Auch alle andern sagen zu sich selber „Ich“. Das kann zu Krieg führen oder der Anfang einer Liebesgeschichte sein. 
An der Tür einer Schneiderei, die von Flüchtlingsfrauen betriebenen wird, hängt ein Spruch aus Alice im Wunderland: „Ich kann einfach nicht an das Unmögliche glauben,“ sagte Alice. Da antwortet die Rote Königin: „Du gibst Dir nicht genug Mühe! In Deinem Alter habe ich das jeden Tag eine halbe Stunde geübt und manchmal konnte ich an sechs unmögliche Dinge glauben, schon vor dem Frühstück.“ 
Markus Imhoof, Februar 2018



PRODUCERS’ NOTES
 
Das Thema Flucht und Migration treibt mich, wie viele andere, seit langem um. Der Umgang des reichen, in Wohlstand regelrecht versinkenden Europas mit Menschen aus der deutlich ärmeren, teilweise kriegerisch verwahrlosten Welt; die gerechtere Verteilung von Reichtum in der Welt – das sind Themen, die in meinen Augen immer drängender werden.
Nachdem ich mit Markus Imhoof bei MORE THAN HONEY zusammengearbeitet hatte, fragte er mich zwei Jahre später, ob wir gemeinsam einen weiteren Film machen wollten. Wir finanzierten ihm einige Recherchereisen rund um das Mittelmeer. Doch erst auf einem unserer regelmäßigen Spaziergänge erfuhr ich von Markus‘ persönlichen Erfahrungen. Die Erinnerungen an seine Kindheit mit Giovanna, die 1945 als Flüchtlingskind aus Italien in die Schweiz kam, haben ihn tief geprägt. Fortan habe ich ihn ermuntert, diese persönliche Sichtweise in unseren Film einzubauen. Denn seine Erinnerungen zeigen uns, dass diese Migrationswellen alle schon einmal da waren in Europa. Und stellen ganz deutlich die Frage, warum das, was damals in den frühen 1950er Jahren möglich war, die Aufnahme von viel mehr Geflüchteten als heute, warum dies jetzt unmöglich sein soll?
Es zeigt aber auch: Das kollektive Gedächtnis ist sehr kurz. Deshalb bedeutet es mir sehr viel, dass die Berlinale unseren Film in den Wettbewerb eingeladen hat. Das Festival mit seinem Ruf, politische Themen zu präsentieren und zu diskutieren, ist für ELDORADO ein großartiges Forum. 
Als Produzent wünsche ich mir nichts mehr, als dass der Schwung aus dem Festival in die Kinos überschwappt und natürlich von den Kinos auch auf die Zuschauer. Denn eins scheint für mich sicher: Dieses Thema, das uns bereits seit Jahren beschäftigt, wird uns noch sehr lange begleiten. Wenn unser Film auch nur einen kleinen Beitrag für ein Miteinander in Europa und in der Welt leistet, wäre das eine große Genugtuung für mich.  
Thomas Kufus, Januar 2018
 



THOMAS KUFUS ÜBER DIE PRODUKTION
 
Wie kam es zu ELDORADO?
Markus Imhoof und ich hatten zusammen MORE THAN HONEY realisiert, das war meine erste Zusammenarbeit mit Markus. Ungefähr zwei Jahre danach sprachen wir über das Thema der weltweiten Flucht- und Migrationsbewegung und merkten ziemlich schnell, dass uns das beide umtreibt.  Mein Wunsch war einerseits, mich an der Debatte über das Thema, das uns seit Jahren beschäftigt und noch viele Jahrzehnte beschäftigen wird, zu beteiligen und einen Film darüber zu machen, der einen gewissen Bestand hat. Zum Zweiten mochte ich den Gedanken, dass Markus einen weiteren Film macht und noch mal ein filmisches Ausrufezeichen unter sein Lebenswerk setzen würde.
 
Haben Sie da beide den gleichen Ansatz verfolgt?
Für mich war der entscheidende Wunsch, dass der Film die Situation aus der Perspektive der europäischen Institutionen zeigt, die verantwortlich sind für den Empfang und die Aufnahme der Geflüchteten. Es sollte kein Film über Opfer werden, deren Geschichten wir möglicherweise bis in die Herkunftsländer verfolgen, sondern über die Schnittstellen, sozusagen die Scharniere zwischen den Welten. Diesen Ansatz hatte Markus auch, aber durch seine persönliche Geschichte bekam der Film dann noch einmal eine ganz andere Dynamik.
 
Wie kam das?
Durch seine eigenen Erfahrungen in der Nachkriegszeit ist das Thema für Markus extrem persönlich. Irgendwann in dem Prozess des Entstehens dieses Films gab es den Moment, an dem Markus und mir klar wurde: In diesem Film darf und muss er das Wort „Ich“ sagen. Es gibt Filme, da ist das ein absolutes No Go, aber in diesem Film musste er das Wort „Ich“ sagen dürfen und durchaus an bestimmten Stellen sehr persönlich werden. Das heißt, Dinge erzählen, die er sonst vielleicht nicht im Traum mit jemandem am ersten Abend teilen würde. Ich glaube, wir haben eine sehr schöne Mischung gefunden aus einer politischen und gesellschaftlichen Ebene und Markus persönlicher Geschichte, die diesen Film durchwebt.
 
Wie funktioniert die Arbeit zwischen Ihnen und Markus Imhoof generell?
Ich empfinde meine Rolle als eine Art Sparringspartner. Gerade als Produzent eines Dokumentarfilms muss man dafür sorgen, dass der Regisseur einen größtmöglichen Spielraum hat, um diesen Film auf die Beine zu stellen. Das kann man buchstäblich nehmen, denn anders als beim Spielfilm gibt es kein Drehbuch. Das Drehbuch muss im Schneideraum mehr oder weniger montiert, also „geschrieben werden“ – und diese Prozesse brauchen Zeit. Hinzu kommt, dass Markus Imhoof ein gewissenhafter Rechercheur ist, und entsprechend Zeit braucht, um zu recherchieren und zu drehen.
Im Schneideraum beginnen wir dann aber zu diskutieren: Was hat eine Relevanz, was nicht und was ist für unser Thema wirklich wichtig? Das ist ein längerer Prozess, bei dem wir uns auch von den täglichen Nachrichten emanzipieren müssen, um den Film zu einer gewissen Reife zu führen. Mir hilft dabei, dass ich selbst einmal als Regisseur angefangen habe.

Hat sich die Beziehung zu Markus nochmal neu entwickelt gegenüber MORE THAN HONEY?
Ja, sehr, weil ELDORADO ein sehr viel persönlicherer Film ist. MORE THAN HONEY war ein Film über eine Form von Artensterben und über ein globales Problem, das einen naturwissenschaftlichen Kern hatte. Unser Thema heute ist sehr viel emotionaler, da es um das Schicksal von Millionen von Menschen geht. Und weil Markus auch immer wieder von seinen Erlebnissen und Erinnerungen erzählt hat, ist die Entstehung auch für mich intensiver gewesen.   

Was möchten Sie mit dem Film bewirken?
Ich würde mich freuen, wenn der Film zum Nachdenken anregen und vielleicht sogar ein Appell an die Zuschauer sein kann, sich einmal in die Situation der Flüchtenden hinein zu versetzen. Im Film schreibt die kleine Giovanna in einem Brief an Markus: „Wir leben alle unter gleichen Sternen“. Besser kann man’s eigentlich nicht sagen.
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