Kosmos
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Wer ist in einer wolkenlosen Neumondnacht vom nächtlichen Sternenhimmel nicht fasziniert, fühlt sich vom millionenfachen Leuchten und Funkeln, als einem visuellen Ausdruck für die unermessliche Weite des Kosmos, nicht innerlich erregt? Vorausgesetzt natürlich die Lichter der Großstadt überstrahlen nicht die Zartheit des Firmaments (trotzdem man sich nicht wundern sollte, wie viele Sterne und eindrucksvolle Konstellationen auch in einer etwas abgedunkelten Seitenstraße noch zu erkennen sind). Schon in den Anfänger der Zivilisation haben die Menschen versucht, in dieses scheinbare (himmlische) Chaos Ordnung zu bringen, sich an Sternen und Sternbildern zu orientieren. Sie dienten den Reisenden als Wegweiser, wurden als Hilfsmittel für die Prognose von jahreszeitlichen Vorgängen genutzt und sind natürlich die ideale Projektionsfläche für Träume und Fantasien. Von den Altägyptern bis heute sind die Menschen von der majestätischen Schönheit dieses Spektakels regelrecht berauscht. Und so wundert es nicht, das Mythen, Sagen und Geschichten die (zugegeben manchmal ein wenig abstrakten) Figuren am Himmelsgewölbe begleiten.Seit Oktober 2013 bieten wir allen Besuchern des Portals www.kultkomplott.de einen allgemeinen und, wie wir hoffen, auch verständlichen Überblick über das nächtliche Treiben am Sternenhimmel.  Vielleicht, um nach einem Konzertbesuch diese strahlende Pracht bewusster wahrzunehmen, oder um einfach eine der in den folgenden Texten beschriebene Formation selbst zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
58. Tod durch Hofetikette

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57. Und sie bewegen sich doch....

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56. Mars-Marathon mit einem Oldtimer

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55. „Was ist nördlich vom Nordpol?“

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54. Von Voll-, Mini- und Zwergmonden

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53. Ein Bote aus ferner Vergangenheit

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Sonntag 01.07.2018
58. Tod durch Hofetikette
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Im Monat Juli sind es nicht die Sterne, die im Vordergrund der Betrachtung stehen. Denn sie gehen erst mit Einsetzen der Dunkelheit gegen 23 Uhr auf. Schon gut eine Stunde zuvor sind die Planeten Venus, Mars und Jupiter zu beobachten. Sie stehlen vor allem am 23.7. den Sternen die Show. Während Venus leuchtend hell, aber einsam hoch im Westen strahlt, ist die enge Begegnung von Mars und Jupiter im Sternbild Schütze in südlicher Richtung schon zu Beginn der Dämmerung zu betrachten. Das absolute Highlight des Monats beginnt mit dem Sonnenuntergang am 27. Juli. Zum gleichen Zeitpunkt geht der schon verdunkelte Vollmond in östlicher Richtung auf. Da sich der Mond im Kernschatten der Erde befindet, kommt es zu einer der längsten totalen Mondfinsternissen dieses Jahrhunderts, denn wenn das Ereignis um 23.13 Uhr endet, war der Vollmond ganze 103 Minuten stark verfinstert. Durch die rötliche Aufhellung des Schattenkegels wird ein sogenannter „Blutmond“ über Deutschland stehen.
Die heute in der Astronomie am häufigsten gestellte Frage ist die nach der Lebensdauer unseres eigenen Sterns, der Sonne. Was wird in ferner Zukunft einmal aus ihr werden?
Den ersten Hinweis auf die Beantwortung dieser Frage gab es bereits im Jahre 1572.
Aber der Reihe nach: Um keinen anderen Astronomen ranken sich so viele Geschichten, wie um den 1546 geborenen Tycho Brahe. Der als äußerst trinkfest geltende Däne verlor schon mit 20 Jahren bei einem Duell einen großen Teil seines äußeren Atemorganes, was ihm den Beinamen „Mann mit der Silbernase“ einbrachte.   Er ist eine der schillernden Figuren in die Geschichte der Astronomie. Jahrelang hatte er auf der zwischen Dänemark und Schweden liegenden Insel Hven auf seinen Beobachtungstationen „Stjerneborg“ und „Uraniborg“ arbeiten können, denn sein Lehnsherr Friedrich II. von Dänemark war ein glühender Astrofan, der Brahes Tätigkeit großzügig sponserte. Mit dessen Tode änderte sich dies jedoch schlagartig. Sein Sohn Christian IV. hatte eher etwas mit Kriegsführung am Hut und benötigte die besagte Insel aus strategischen Gründen anderweitig. Enttäuscht verließ Brahe den Ort seiner Forschungen und ging für seine letzten Lebensjahre an den Hof Kaiser Rudolf II. in Prag, wo er die Stelle des Hofastronomen annahm.
Doch zurück zum Jahr 1572. Tycho war es gelungen, das letzte bizarre Aufleuchten eines sterbenden Sternes im Sternbild Cassiopeia zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt war das Fernrohr noch längst nicht erfunden und so ist es nicht unverständlich, dass er das Phänomen falsch deutete und es „Nova“ nannte, was soviel wie „neuer Stern“ bedeutet. Der Begriff blieb über die Zeit hinweg bis heute erhalten und wird noch immer für den finalen Prozess gebraucht, den unsere Sonne erst in ungefähr 5 Milliarden Jahren durchlaufen wird. Zu diesem Zeitpunkt hat unser Stern dann seine Wasserstoffvorräte im Zentrum komplett verbraucht und der so entstandene Heliumkern verträgt sich nicht mit der ihn umgebenden Wasserstoffhülle. Er stößt diese unter extrem hoher Energieabgabe explosionsartig ab. Eine Nova leuchtet auf.
Im Laufe der dann folgenden Jahrhunderte formt sich um den Sternenrest, dem sogenannten Weißen Zwerg, ein leuchtend heller Ring mit der Bezeichnung „Planetarischer Nebel“. Der nächste historische Fehler, denn einst glaubten die Forscher in den farbigen Gasstrukturen keimende Planeten um junge Sterne entdeckt zu haben. Doch genau der gegenteilige Effekt ist zu konstatieren. Übrigens: Was von unserem glühend heißen Planeten Erde zu diesem Zeitpunkt noch übrig ist, wird von der rasend schnellen Explosionswolke erfasst und zerstört. Somit leitet das Ende der Sonne auch das Ende Erde ein.
Tycho Brahe hingegen glaubte bis an sein Lebensende daran, einen neuen Stern entdeckt zu haben. Nebenbei gesagt war auch sein Tod höchst mysteriös. Entsprechend der Hofetikette verließ er das Festbankett seines Kaisers auch nicht, um notgedrungen die Toilette aufzusuchen. So starb er an einem Blasenriss durch Harnverhaltung. Noch auf dem Sterbebett verfügte er, dass seine kompletten Aufzeichnungen an seinen Nachfolger Johannes Kepler gehen sollten. Kepler wiederum nutzte diese Datenflut, um später einen weiteren großen Fehler der Astronomie zu beheben: Es ist kein Kreis, den die Erde um die Sonne beschreibt, es ist die Kepler-Ellipse.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Freitag 01.06.2018
57. Und sie bewegen sich doch....
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Die längsten Tage des Jahres stehen nun im Monat Juni an. Durch die Sommerzeit verschiebt sich die Untergangszeit der Sonne auf nach 22 Uhr MESZ. Trotzdem können bei guter Sicht in der Dämmerung schnell zwei Objekte wahrgenommen werden. Zum einen steht der Planet Venus als „Abendstern“ hoch im Westen am Firmament und zum anderen beherrscht der Riesenplanet Jupiter den Südosten eindrucksvoll. Erst gegen 23 Uhr MESZ können dann die Sterne des Sommerdreiecks, gebildet aus den Sternbildern Leier, Schwan und Adler, bewundert werden. Der Große Wagen – Teil der noch größeren Konstellation Großer Bär – erreicht zenitnah seine bestmögliche Abendsichtbarkeit.
Für jeden Menschen wahrnehmbar, scheinen sich die Sterne nicht zu bewegen und fixiert zu sein. Ihnen daher den Namen Fixsterne zu geben, klingt plausibel und ist nachvollziehbar.
Nach der Veröffentlichung des „Data Release 2“ , des zweiten Sternkataloges der Raumsonde GAIA, ging jedoch ein kollektiver Aufschrei durch die gesamte Gilde der Astronomen: Insgesamt 1,7 Milliarden Sterne hat das rund 650 Mill. Euro teure Observatorium in den letzten zwei Jahren vermessen und dabei kleine Ortsveränderungen detektiert. Somit wird dieser Datensatz eine völlig neue Ära in der Erforschung der Milchstraße einleiten. Die Datenmengen dieser Sterneninventur sind schier unerschöpflich: Als Bücher gebunden würden sie 1,7 Regalkilometer füllen.
Die für die Forscher auf der Erde kaum wahrnehmbaren Bewegungen der von GAIA detektierten Sterne, werden bei der neuesten Abbildung nur einiger Millionen Sternobjekte einer kleinen Begleitgalaxie, der einst vom gleichnamigen Seefahrer entdeckten Großen Magellanschen Wolke, besonders deutlich. Auf der jetzt veröffentlichten Aufnahme werden die Eigenbewegungen der Sterne dieses speziellen Bereiches knapp außerhalb unserer eigenen Milchstraße besonders deutlich und sind als feine, blaue Strichspuren zu erkennen. Wie ein kosmischer Fingerabdruck wirkt dieses Bild auf den Betrachter.
Wie aber kommt GAIA auf die Genauigkeit der Messungen ? Der italienische Mathematiker und Astronom Giuseppe Lodovico Lagrangia erlangte vor 250 Jahren in Frankreich als Joseph-Louis Lagrange große Berühmtheit, hatte er doch bewiesen, dass sich in genau 5 Raumpunkten die Schwerkraft von Sonne und Erde ausgleichen. Ein leichter Körper wie ein Satellit kann antriebslos den massereichen Körper (Sonne) umkreisen und dabei die gleiche Geschwindigkeit wie der massearme Körper (Erde) haben. Auf ihrer Außenstation im Lagrange Punkt 2 stationiert, kann die Sonde sozusagen ungestört und in aller Ruhe mit unglaublicher Präzision diese kleinen Hintergrundbewegungen der Sterne erkennen, da sie wie eine Rundumleuchte den gesamten Himmel im Laufe von 63 Tagen einmal komplett abscannt. Mit jedem neuen Scan werden dann die verschwindend geringen Eigenbewegungen  der Hintergrundsterne nach und nach sichtbar.
Trotzdem ergibt sich ein aberwitziger Aspekt: Die mit 1.700.000.000 Objekten schon enorme Anzahl der erfassten Sterne stellt nur knapp ein Prozent aller Sterne unserer Galaxis Milchstraße dar, die sich gemeinsam mit unserer Sonne in 220 Millionen Jahren einmal um das galaktischen Zentrum bewegen.
Die europäische Raumsonde GAIA wird noch einige Jahre weiterforschen. Irgendwann könnte es soweit sein, dass sie genauso viele Sterne vermessen hat, wie es dann zu diesem Zeitpunkt auf der Erde Menschen gibt: Über 7,4 Milliarden! 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Dienstag 01.05.2018
56. Mars-Marathon mit einem Oldtimer
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Unser Schwesterplanet Venus zeigt sich nun weithin strahlend als Abendstern und ist deutlich als erstes Himmelsobjekt in westlicher Richtung auszumachen. Erst mit fortschreitender Dämmerung zeigen sich in ihrer Nähe mit den Zwillingen und dem Fuhrmann die spärlichen Reste des Wintersechsecks. Der Planetenriese Jupiter ist im Süden weiterhin bestimmend. Da er zum Zeitpunkt des Untergangs der Sonne aufgeht, ist er die ganze Nacht hindurch als dritthellstes Objekt nach Mond und Venus zu beobachten. In östlicher Richtung steigen die Planeten Mars und Saturn nach Mitternacht auf und werden so in der zweiten Nachthälfte die Sternbilder überstrahlen.

Mit zwei Delta-II-Raketen wurden vor fast genau 15 Jahren die wohl bisher erfolgreichsten Marsmissionen gestartet. Nach einer sechsmonatigen Reisezeit erreichten die Zwillingssonden im Januar 2005 fast gleichzeitig den Wüstenplaneten. Nach den erfolgreichen Landungen spulten die beiden Roboter zunächst das Standardprogramm ab: Ausfahren der Solarpaneele, Test und Kalibrierung der Kameras, Sondierung des Terrains und Festlegung der Reiseroute auf dem roten Planeten. Die Techniker auf der Erde hatten gerade einmal 90 Tage Forschungszeit konzipiert, doch die beiden robusten Fahrzeuge zuckelten weiter munter über den sandigen und felsigen Boden. Dies hört sich einfacher an, als es ist, gilt es doch, das Steuern von der Erde aus zu beherrschen. Schaut man Kindern bei der für sie begeisternden Tätigkeit des Manövrierens eines ferngesteuerten Spielzeugautos zu, sieht man deutlich, dass das schnell nervende Gefährt in Sekundenbruchteilen auf Befehle reagiert. Anders ist es bei den beiden Marsrovern: Sie müssen die Befehle umsetzen, die viele Minuten zuvor auf der Erde erstellt wurden. Nach knapp 100 Minuten hat der Operator in Mission Control erst die Gewissheit, ob die Automaten seine Anweisungen verstanden und diese auch umgesetzt haben. Dieses Unterfangen gelang über Jahre recht gut, bis es zu einem fatalen Fehler kam. Ohne die genaue Ausrichtung zur Sonne können die Solarzellen nicht den nötigen Antriebsstrom liefern. So gab dann Spirit nach rund 7 Jahren und 7 km Fahrleistung im wahrsten Sinne des Wortes seinen Geist auf und die Kommunikation wurde eingestellt. Er hatte sich schlicht und einfach im knochentrockenen Sand des Mars festgefahren und die Batterien konnten nicht mehr den nötigen Betriebsstrom für das Rettungsmanöver liefern.
Dies war aber gleichzeitig die Chance für die Techniker, sich nun voll und ganz auf die Fahrt des zweiten eineinhalb Meter großen Rovers namens Opportunity zu konzentrieren.
Das für eine Betriebszeit von drei Monaten ausgelegte Gefährt knackte nun mit 5000 Sol (ca. 5135 Erdtage) eine nie zu erwartende Grenze. Der Sol ist der Marstag, der mit 39 Minuten und 35 Sekunden nur unwesentlich länger ist als der Erdentag. Das Unglaubliche an dieser Leistung ist der Umstand, dass das eine Tonne schwere Rover dabei Temperaturunterschiede von +20° C am Tag und bis zu -75°C in der kalten Wüstennacht zu kompensieren hatte, sich aus fast ausweglosen Situationen im lockeren Wüstensand selbst befreite und seine eigentliche Einsatzzeit um den Faktor 57 erweitert hat. Damit ist es ein Musterbeispiel für die Konstruktionskünste der Weltraum-Ingenieure des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena geworden.
Nun peilt man bei der NASA für dieses außergewöhnliche Fahrzeug eine weitere Rekordmarke an: Der erste Mars-Marathon war schon vor Monaten beendet und für die Strecke von 50 Kilometern fehlen dem marsianischen Ausdauerläufer noch knapp 4000 Meter.
Doch damit sollte das endgültige Ziel der Mission noch nicht erreicht sein. Der Oldtimer, dessen wissenschaftlichen Resultate alles Erwartete bei weitem in den Schatten gestellt haben, soll seine Erkundungsfahrt auf dem roten Planeten fortsetzen. Das einzige Stopp-Schild, was ihn bei seiner weiteren Erkundung der Marsoberfläche hindern könnte, wären nur irdische Finanzierungsprobleme.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Sonntag 01.04.2018
55. „Was ist nördlich vom Nordpol?“
In den kommenden Wochen wird sich durch die Umstellung auf die Sommerzeit der Eintritt in die Beobachtung des nächtlichen Himmels sprunghaft auf die späteren Abendstunden verlagern. Es gilt nun endgültig von den Wintersternen Abschied zu nehmen. Schon weit vor Mitternacht tauchen der Stier, der Himmelsjäger Orion und die Hundssterne unter den Horizont. Nur der Fuhrmann mit seinem Hauptstern Kapella und die Zwillinge bleiben wegen ihrer Lage weit oberhalb der Ekliptik noch länger sichtbar. Die Frühlingssternbilder dominieren nun, wobei Regulus, der Hauptstern des Löwen, am auffälligsten ist. Interessante Konstellationen zwischen dem Erdmond und dem Planeten Jupiter wird es gleich zweimal geben, denn sowohl am 3. April als auch am 30. April stehen diese sehr nah beieinander. Schon mit einem kleinen Fernglas ist dies ein lohnenswerter Anblick. Sehr auffällig wird nun Venus. Als Abendstern zeigt sie sich am Westhorizont im Laufe des Monats immer deutlicher. Am Morgenhorizont zeigen sich Saturn und Mars in trauter Zweisamkeit. Frühaufsteher könnten auch hier mit einem Fernglas die enge Begegnung der Planeten bestaunen.

Nur wenige Tage erinnerte man sich in unserer schnelllebigen Welt fast marktschreierisch an den Tod des bedeutendsten Astrophysikers unsere Zeit: Stephen Hawking. War es vielleicht der Verlust einer so außerordentlichen Geistesgröße wie Albert Einstein, Galilei oder gar Copernicus? Zumindest tauchen in den Nachrufen die ersten Vergleiche dieser Art auf.
Und tatsächlich bekleidete Hawking an der renommierten Cambridge University mit dem „Lucasian Professorship“ den gleichen Lehrstuhl, welchen einst Sir Isaac Newton und später Paul Dirac innehatten. Doch vielleicht sollte man diesen unglaublichen Lebenslauf auch in seiner menschlichen Größe reflektieren und dem Kampf gegen das unausweichliche Schicksal größten Respekt zollen. Vor mehr als 50 Jahren wurde Hawking die unheilbare Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) attestiert. In ihrer Hoffnungslosigkeit rieten die Ärzte dem jungen Doktoranden zu einem schnellen Abschluss seiner Forschungen. Doch war genau dieser Rat vielleicht der erste Schritt in die neue Welt des Stephen Hawking, in der er, seiner körperlichen Mobilität weitestgehend beraubt, sich ausschließlich auf die Fähigkeiten seines Geistes konzentrieren musste.
Wie einst Goethes Faust in der Einsamkeit seiner Studierstube nach dem suchte, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, setze sich der junge Engländer das Ziel, noch eine Stufe weiterzugehen, indem er in seinen folgenden Lebensjahrzehnten hinterfragte, was der eigentliche Ursprung des Universums ist. Vielen Geheimnissen kam er auf die Spur und gab mit der kosmischen Singularität dem Universum seinen Anfang. Kritikern, die diesen absoluten Zeitpunkt Null hinterfragten, entgegnete er : „Zu fragen, was war vor dem Beginn des Universums, ist so sinnlos wie die Frage: Was ist nördlich vom Nordpol?
Doch möglicherweise hätte man von ihm wenig Notiz genommen, wenn er sich nicht in der Tradition eines Carl Sagan auch die Aufgabe gestellt hätte, diese Geheimnisse des Weltalls in populärwissenschaftlicher Art und Weise auch den Menschen näherzubringen, die nicht in der Welt der Wissenschaft zuhause sind . So kommentierte er auch seinen Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ mit den Worten „Jede mathematische Formel in einem Buch halbiert die Verkaufszahl dieses Buches.“
Stephan Hawking war Zeit seines Lebens davon überzeugt, dass es im All weitaus intelligentere Lebewesen als auf der Erde geben müsse.
Für seinen eigenen Heimatplaneten fällt dann auch seine Zukunftsvision eher düster aus: „Wie kann sich die menschliche Rasse in einer Welt, die sich politisch, sozial und in Umweltfragen im Chaos befindet, weitere hundert Jahre halten?“  
Seine noch aus dem vergangenen Jahrtausend stammenden Computerstimme wird uns ebenso fehlen wie sein wacher Blick bei den nicht wenigen Fototerminen und die Rubrik KOSMOS wird sich einen Hawking´schen Gedanken zum Motto nehmen: „Denkt daran, in die Sterne zu sehen – und nicht auf eure Füße.”  

Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 01.03.2018
54. Von Voll-, Mini- und Zwergmonden
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Asteroid Ida und sein Mond Dactyl; Marsmond Phobos; Blue Moon
Trotz der eisigen Temperaturen in den letzten Tagen kommen nun im Frühlingsmonat März astronomisch betrachtet deutliche Veränderungen auf uns zu. Zunächst bemerkt man, dass die Tage rasant länger werden. Geht die Sonne zu Monatsbeginn noch kurz vor 7 Uhr auf und gegen 17.30 Uhr unter, so haben wir bereits 20 Tage später die Tagundnachtgleiche und am Monatsende sind die Tage sogar schon länger als die Nächte. Dadurch wandeln sich natürlich auch die Beobachtungsmöglichkeiten der Sterne und Sternbilder. Waren die Wintersternbilder noch bis vor kurzem die Beherrscher des Firmaments, so neigt sich ihre Sichtbarkeit ebenso rapide wie mit steigender Tageshelligkeit die Beobachtungszeiten abnehmen. Auch drängt sich mit dem Sternbild Löwe und seinem Hauptstern Regulus nun das erste Frühlingssternbild in den Vordergrund. Ende des Monats dominiert es hoch im Süden den abendlichen Himmel. Dagegen überstrahlen die Planeten Jupiter und Saturn in der zweiten Nachthälfte alle Sterne majestätisch.
Aber auch unser Erdmond Luna spielt im März eine ganz besondere Rolle. Gleich dreimal kommt es zu sehr engen Begegnungen mit anderen Planeten. So steht er am 7.3. nahe dem Planetenriesen Jupiter, bevor er am 10.3. den roten Planet Mars besucht, um dann einen Tag später ganz in der Nähe von Saturn zu stehen.
Zum Monatsende ist ein weiteres Kuriosum zu beobachten: Der vierte Vollmond des Jahres steht an. Er ist gleichzeitig auch schon der zweite Blue Moon des Jahres. Wie bereits am 31.1. ist er am Ostersamstag der zweite Vollmond innerhalb eines Kalendermonats. So kann der Beobachter in dieser Nacht hoffen, den seltenen „Monatszweitmond“ zu bewundern, was innerhalb eines Jahrhunderts nur 41mal möglich ist. Die große Besonderheit hingegen, dass sowohl der Januar als auch der März jeweils zwei Vollmonde aufweisen, ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass unser „Kurzmonat“ Februar mit seinen 28 Tagen gar keinen Vollmond aufwies, denn der Zeitraum von einer Vollmond-Phase zur folgenden beträgt 29,53 Tage.
Obwohl es in unserem Sonnensystem mehr als 220 Monde gibt, sind die sonnennahen Gesteinsplaneten kaum mit Monden ausgestattet. Während Merkur und Venus mondlos sind, umlaufen Mars lediglich zwei asteroidenähnliche Zwergmonde. Sie wurden nach den Begleitern des Kriegsgottes Mares Phobos und Deimos (Furcht und Schrecken) genannt.
Ganz anders sieht es bei den sonnenfernen Gasplaneten aus. Während Uranus mit 27 und Neptun mit 14 Begleitern noch recht überschaubare Zahlen an Monden aufweisen, bewegen sich bei Saturn mit 62 natürlichen Satelliten wahre Massen um den planetaren Hauptkörper. Jupiter toppt mit 69 Monden diese Zahl nochmals.
Selbst Zwergplaneten wie Pluto und Eris werden von Trabanten begleitet. Dabei ist der Plutomond Charon mit seinen 1200 km Durchmesser mehr als halb so groß wie Pluto selbst. Doch mit diesen Entdeckungen in Sonnenferne war die Reihe der umlaufenden Begleiter größerer Himmelskörper noch immer nicht komplett. Auch bei den Asteroiden konnten seit 1994 kleine Monde nachgewiesen werden. So war dann auch der gerade einmal 1,1 km große Daktyl als Minimond des Asteroiden Ida der erste verzeichnete Himmelskörper seiner Art. Wenn in rund fünf Jahren das neue Superteleskop ELT der Europäischen Südsternwarte ESO seinen Betrieb aufnehmen wird, werden sicherlich noch kleinere Himmelskörper ausgemacht werden können und das Puzzle unseres Sonnensystems wird sich nach und nach vervollständigen.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 01.02.2018
53. Ein Bote aus ferner Vergangenheit
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Noch immer verbreiten die Sterne des Orion und seine benachbarten Hundssterne einen großartigen Winterglanz. Über ihnen stehen die Zwillingssterne Kastor und Pollux. Kapella als Hauptstern des Fuhrmanns und das Stierauge Aldebaran ergänzen das Spalier zur größten Himmelsformation: Das Wintersechseck. Es bestimmt nun zu bequemen Beobachtungszeiten den abendlichen Himmel.
Was die Planeten betrifft, so ist frühes Aufstehen angeraten, denn Jupiter und Mars bilden in südöstlicher Richtung eine ungewöhnliche Planetenkonstellation. In den Morgenstunden des 7.2. und 8.2. gesellt sich sogar noch der abnehmende Mond dazu. Zudem wird dieses Trio noch von Arktur (Sternbild Bootes) und Antares (Sternbild Skorpion) stilvoll flankiert.
Die nicht kleine Gemeinde der UFO-Jäger und SETI-Enthusiasten war Ende letzten Jahres in heller Aufregung, als ein bisher unbekanntes Flugobjekt in nur 24 Millionen Kilometer Entfernung an der Erde vorbei raste. Für viele von ihnen war sofort klar, dass der Arrival-Moment knapp verpasst wurde. Tatsächlich ähnelt dieser Himmelskörper den rätselhaften Raumschiffen aus dem gleichnamigen Spielfilm frappierend, doch bei nüchterner Betrachtung ist eigentlich eine astronomische Sensation zu vermelden. Das inzwischen Oumuamua getaufte Objekt ist der erste beobachtete interstellare Gast im Sonnensystem. Zu verdanken ist diese Entdeckung dem inzwischen sehr effektiv arbeitenden System der permanenten Himmelsüberwachung. Allen voran steht dabei das auf Hawaii stationierte Teleskop PANSTARRS, welches sich auch für die Entdeckung von Oumuamua verantwortlich zeichnet. Im Hawaiianischen bedeutet dies soviel wie „Bote aus ferner Vergangenheit“ und das ist dieser kosmische Besucher auf jeden Fall. Noch nie hatte ein Gast aus dem fernen Universum uns so dicht gestreift. Nun sollte man annehmen, dass durch diese Erkenntnisse das Rätsel gelöst sei, doch die bekannten bildhaften Gazetten begannen nun, eine weitere Theorie zu verbreiten, die dem leichtgläubigem Leser suggeriert, dass dieses UFO halt nicht ganz die Landung auf der Erde hinbekommen hat. Die liege ja bei einem solch weiten Weg aus weiten Fernen klar auf der Hand. Vielleicht ein technischer Defekt der Steuerung?
Sogar der etablierte Astrophysiker Prof. Jason Wright von der Penn State University wird dabei mit ins Boot geholt. Doch schaut man auf dessen zitierten Twitter-Account, so erfährt man, dass er tatsächlich davon gesprochen hat, dass es kein Raumschiff ferner Bewohner der Galaxis ist. Alternative Fakten also, um die Spalten zu füllen, Leser irrezuführen und dabei gleich noch das Ansehen eines anerkannten Wissenschaftlers in Frage zu stellen? Warum hat man nicht in diesem Zusammenhang die Belfaster Astronomen um Alan Fitzsimmons zitiert, die das 400m lange Objekt als natürlichen Himmelskörper aus Eis und Gestein identifizierten?
Nun gut, was man auch verschwiegen hat, ist die schier unglaubliche Geschwindigkeit, mit der Oumuamua auf ihrem Weg vorbei an der Sonne unterwegs war: Mit 25 Kilometern pro Sekunde raste das Objekt auf einer spektakulären Bahn durch unser Sonnensystem. Für ein vermeintliches Raumschiff ist diese Geschwindigkeit nicht gerade als Abbremsmanöver einzuschätzen. Dem Boten aus ferner Vergangenheit kann dies natürlich egal sein, denn auf seiner hyperbolischen und damit nicht wiederkehrenden Bahn wird er unser Sonnensystem schon bald auf Nimmerwiedersehen verlassen haben.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
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