Kosmos
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Wer ist in einer wolkenlosen Neumondnacht vom nächtlichen Sternenhimmel nicht fasziniert, fühlt sich vom millionenfachen Leuchten und Funkeln, als einem visuellen Ausdruck für die unermessliche Weite des Kosmos, nicht innerlich erregt? Vorausgesetzt natürlich die Lichter der Großstadt überstrahlen nicht die Zartheit des Firmaments (trotzdem man sich nicht wundern sollte, wie viele Sterne und eindrucksvolle Konstellationen auch in einer etwas abgedunkelten Seitenstraße noch zu erkennen sind). Schon in den Anfänger der Zivilisation haben die Menschen versucht, in dieses scheinbare (himmlische) Chaos Ordnung zu bringen, sich an Sternen und Sternbildern zu orientieren. Sie dienten den Reisenden als Wegweiser, wurden als Hilfsmittel für die Prognose von jahreszeitlichen Vorgängen genutzt und sind natürlich die ideale Projektionsfläche für Träume und Fantasien. Von den Altägyptern bis heute sind die Menschen von der majestätischen Schönheit dieses Spektakels regelrecht berauscht. Und so wundert es nicht, das Mythen, Sagen und Geschichten die (zugegeben manchmal ein wenig abstrakten) Figuren am Himmelsgewölbe begleiten.Seit Oktober 2013 bieten wir allen Besuchern des Portals www.kultkomplott.de einen allgemeinen und, wie wir hoffen, auch verständlichen Überblick über das nächtliche Treiben am Sternenhimmel.  Vielleicht, um nach einem Konzertbesuch diese strahlende Pracht bewusster wahrzunehmen, oder um einfach eine der in den folgenden Texten beschriebene Formation selbst zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
62. Mond oder Mars?

1

61. P Cygni – Ein schlafender Vulkan

2

60. Tief unter dem ewigen Eis

3

59. Sir Martin Rees – eine lebende Legende

4

58. Tod durch Hofetikette

5

57. Und sie bewegen sich doch....

6

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Donnerstag 01.11.2018
62. Mond oder Mars?
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Der Monat November hat statistisch gesehen die wenigsten Beobachtungsnächte zu bieten, denn Nebel und Regen verhindern oft den klaren Blick. Dabei beginnt nach dem Ende der Sommerzeit eine 14 bis 15 stündige Nacht, die bereits vor 18 Uhr das Panorama des gestirnten Himmels freigibt. Noch immer ist dadurch auch das Sommerdreieck tief im Westen zu sehen, währenddessen das Herbstviereck im Süden dominiert. Bereits vor Mitternacht ist dann in südöstlicher Richtung das gesamte Wintersechseck mit dem Himmelsjäger Orion zu sehen. Da Saturn kurz nach der Sonne ebenfalls untergeht, ist der Mars in südlicher Richtung der einzige nennenswerte Planet, denn Uranus ist nur mit einem Fernrohr beobachtbar. Am frühen Morgen geht im Osten kurz vor der Sonne die Venus als Morgenstern auf.
In Zeiten, in denen sogar bayrische Spitzenpolitiker mit Bavaria One sich für die Weiten des Kosmos interessieren, sollte man doch eher einen kritischen Blick auf die Raumfahrt werfen.
Schaut man sich in der Branche um, so bemerkt man recht schnell, dass größtenteils vom dritten oder vierten Schritt gesprochen, oder besser gesagt, geträumt wird, obwohl der erste Schritt – nämlich der sichere Transport von Raumfahrern in den Erdorbit derzeit nicht möglich ist. Sicherlich hat der umtriebige Elon Musk mit seiner Firma Space One einige Erfolge vorzuweisen, doch auch er kann genau wie die russische Raumfahrtagentur Roskosmos derzeit keine Transporte zur internationalen Raumstation ISS durchführen. Nach dem letztlich missglückten Start der Sojus-Raumkapsel sind alle weiteren Starts in Baikonur untersagt.
Die Alternative wäre das neue Transportsystem Orion der amerikanischen NASA, doch wird dieses den alten Gemini-Kapseln der ersten Mondfahrer recht ähnliche Gefährt auch im Jahr 2019 nicht mehr als nur vier Testflüge unternehmen. Eigentlich kann man konstatieren, dass die großen Raumfahrtnationen momentan nicht in der Lage sind, mit dem Bringen und Abholen der ISS-Astronauten und Kosmonauten auch nur den Grundstandard der gemeinsamen Planungen zu erfüllen. Somit steht ein großes Fiasko im wahrsten Sinne des Wortes im Raum: Die ISS wäre verlassen und unbesetzt. Der jetzige Kommandant Alexander Gerst kann mit seinen beiden Gefährten den Aufenthalt in der Raumstation nicht beliebig ausdehnen, denn ihre angedockte Rücktransport-Kapsel ist nicht für einen Langzeitmodus ausgelegt. Übrigens ist auch von chinesischer Seite nicht mit Hilfe zu rechnen, denn deren Taikonauten leben und arbeiten abgeschirmt auf der Raumstation Tiangong 2. Auch sind die Systeme untereinander nicht kompatibel, da die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA unter strengster Geheimhaltung arbeitet.
Hier stellt sich nun die Frage, ob vielleicht chinesische Weltraumpiloten als nächste auf dem Mond stehen könnten. Möglich wäre dies sicherlich bei dem nicht zu zügelnden Ehrgeiz der Asiaten, doch bewegt man sich dabei absolut im Bereich der Spekulationen. Wann und wer den Mond fast 50 Jahre nach der ersten Mondlandung wieder betreten wird, ist ungewiss.
Die Pläne eines Marsbesuchs oder gar dessen ständiger Besiedlung sind derzeit nicht über die Vorplanungsphase hinausgekommen. Wie einst bei der Vorbereitung der ersten Mondlandung ist man zwar derzeit dabei, mit allen erdenklichen Möglichkeiten nach sicheren Landeplätzen zu suchen, doch ein Starttermin steht nicht vor 2030 im Raum. Auch hier hätte in der gesamten Logistik zunächst der sichere Transport in den Erdorbit Priorität. Nur mit einem Beschleunigungsimpuls aus der Erdumlaufbahn heraus wäre TMI (Trans-Mars-Injection) möglich. Mit 11,2 Kilometern pro Sekunde (2. Kosmische Geschwindigkeit) würde es dann in Richtung des roten Planeten gehen. Sollten Landung und Aufenthalt problemlos verlaufen, würde dann mit TEI (Trans-Earth-Injection) der schwierigste Teil der Reise anstehen, gilt es doch die auf der Innenbahn schneller laufende Erde zu erreichen. Für dieses heikle Manöver gibt es definitiv nur einen Versuch.
Für unseren Weltraum-Alex bringt die Warteposition etwas ganz anderes mit sich: Zum ersten Mal wird er die Möglichkeit haben, sowohl Weihnachten als auch Silvester in der Schwerelosigkeit zu verbringen. Zwar ist er als Chef einer dreiköpfigen Mini-Crew nicht ganz so stark gefordert wie bei einer vollständigen Besatzung und der Fokus wird auf die Abarbeitung aller durchführbaren Experimente fokussiert sein. Vielleicht kann er von dort oben auch eine Neujahrsansprache halten. Bei seinem Weitblick würde sie garantiert interessanter und eindrucksvoller sein, als die der irdischen Politiker. 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt


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Montag 01.10.2018
61. P Cygni – Ein schlafender Vulkan
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P Cygni im Sternbild Schwan: Kaum vorstellbarer 76-facher Sonnendurchmesser
Nun sind die Nächte bereits länger als die Tage und die herbstlichen Beobachtungsbedingungen erlauben uns bei bester Sicht in Richtung Süden den rötlichen Mars und den Ringplaneten Saturn knapp 15° über dem Horizont zu erspähen, wobei letzterer bereits gegen 22 Uhr untergeht. Das Herbstviereck, gebildet aus Sternen des Pegasus und der Andromeda gewinnt südöstlich langsam an Höhe. So ist das hoch über uns zu bewundernde Sommerdreieck mit seinen Hauptsternen Wega (Leier), Atair (Adler) und Deneb (Schwan) noch immer die wichtigste geometrische Figur am Abendhimmel.
Im Sternbild Schwan selbst verbirgt sich mit P Cygni der in der Geschichte der Astronomie wohl am häufigsten beobachtete Stern mit Helligkeitsschwankungen. Diese Unregelmäßigkeiten in der Energieabstrahlung sind oft ein Hinweis darauf, dass ein solcher Stern schon seinen letzten und somit finalen Lebensabschnitt erreicht hat. Einige ferne Sonnen dieser Art sind zu Berühmtheit gelangt, weil die Schwankungsperioden ihrer Helligkeit sehr genau bestimmt wurden und sie damit heute auch voraussagbar sind. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind Algol aus dem Sternbild Perseus und Mira aus dem Sternbild Walfisch. Während Algol mit einer Periode von knapp drei Tagen sein Leuchten in relativ kurzen zeitlichen Abständen ändert und dadurch auch den Beinamen Teufelsstern erhielt, ist die Mira (lat.-wunderbar) mit 11 Monaten das bekannteste langzeitveränderliche Objekt. Aufgrund dieser gedehnten Helligkeitsänderung war er schon unseren Vorfahren ein Rätsel, so dass ihn im Jahre 1596 der friesische Pfarrer David Fabricius sogar als helle Sternexplosion beschrieb. 
Aber zurück zu P Cygni: Neusten Erkenntnissen zu Folge verbirgt sich hinter diesem Stern, den man bei guten Sichtbarkeitsbedingungen durchaus mit den bloßem Auge neben dem helleren Stern Gamma Cygni im Schwankreuz erkennen kann, ein wahres Energie-Monster mit einigen rekordverdächtigen Fakten.
Zunächst konnte nun seine Masse konkreter bestimmt werden: Er ist 25 mal schwerer als unsere Sonne. Daraus ergibt sich ein kaum vorstellbarer 76-facher Sonnendurchmesser. Würde er an Stelle unserer Sonne im Zentrum des Sonnensystems stehen, hätte er sich die Planeten Merkur und Venus bereits einverleibt und eine gigantische Sonne würde den Großteil des Himmels ausfüllen. Doch sehen könnte dies logischerweise niemand, denn dieser Stern hat die schier unvorstellbare 60.000 fache Leuchtkraft unserer Sonne. Damit gehört P Cygni der Klasse der Überriesen an und ist (damit) wohl der Kandidat Nr.1 für eine zukünftige Supernova. Nur noch wenige tausend Jahre werden vergehen, bis dieser Stern in einer gewaltigen finalen Explosion seine äußeren Gasschichten in den Kosmos hinaus katapultieren wird, während sein Inneres zum Neutronenstern mutiert. Die Wissenschaftler sind sich dessen recht sicher, denn zwischen 1600 und 1715 veränderte er massiv seine Helligkeit, um seitdem ähnlich einem schlafenden Vulkan auf den letzten Ausbruch zu warten. Woher stammt diese Sicherheit?
Der britische Astrophysiker Sir Arthur Eddington war es, der darauf hinwies, dass Sterne dieser besonderen Art beim Erreichen einer kritischen Leuchtkraft (Eddington-Grenze) unweigerlich verloren sind: Die eigene Schwerkraft reicht nicht mehr aus, um dem gewaltigen inneren Strahlungsdruck standzuhalten und so zerlegt sich der Stern selbst.
Bei der Entfernung von mehr als 5000 Lichtjahren könnte dieses Ereignis auch schon tatsächlich eingetreten sein, doch würden wir dies, trotz der Lichtgeschwindigkeit von 300.000 Kilometern pro Sekunde, erst 5000 Jahre danach erfahren. Es stellt sich natürlich dabei die bedrückende Frage, in wieweit wir von dieser kosmischen Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Doch hier kann man beruhigend voraussagen, dass dies für die Bewohner der Nordhalbkugel nicht mehr als ein spektakuläres Himmelsereignis mit bester Sicht sein wird. Diese Aufsehen erregende Supernova dürfte auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Es könnte morgen soweit sein oder halt in ein paar hundert oder tausend Jahren. Aus astronomischer Sicht also eher übermorgen. 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Samstag 01.09.2018
60. Tief unter dem ewigen Eis
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Im Monat September erwarten uns am 23. der Herbstanfang und die zweite Tagundnachtgleiche in diesem Jahr. Nun kann man bereits deutlich früher den Blick zum Himmel wagen. Allerdings wird die Beobachtung der Planeten immer schwieriger. Venus und Jupiter gehen kurz nach der Sonne unter, sodass nur noch Saturn und der auffällig rote Mars zu beobachten sind. Da sie sehr flach auf der Ekliptik stehen, muss der Blick Richtung Süden möglichst frei sehen. Weniger Schwierigkeiten sollte es beim Auffinden der schon in der Dämmerung hoch im Zenit stehenden Wega (Sternbild Leier) und dem in westlicher Richtung ebenfalls recht hoch stehenden Arktur (Sternbild Bootes) geben.
Im Jahr 1930 war es der österreichische Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli, der die Existenz von elektrisch neutralen Elementarteilchen mit sehr geringer Masse für möglich hielt. Es war die geistige Geburtsstunde der Neutrinos.
Pauli konnte jedoch kaum ahnen, dass bereits 50 Jahre später die extrem schwierige Jagd nach diesen Geisterteilchen durch aufwendige Versuchsanlagen wie dem japanischen Kamiokande-Detektor oder dem im Massiv des Grand Sasso versteckten Experiment CNGS aufgenommen wurde. Heute haben sich die Wissenschaftler in der Antarktis an einen der lebensfeindlichsten Orte der Welt zurückgezogen, um ungestört nach hochenergetischen Neutrinos zu fahnden.
Als Teil der unmittelbar am Südpol liegenden internationalen Amundsen-Scott-Station ist dort in den vergangenen Jahren unter deutscher Beteiligung der Neutrino-Detektor „Ice Cube“ entstanden. Tief unter dem ewigen Eis sind mehr als 5000 optische Sonden durch Tiefenbohrungen auf bis zu 2500m verbracht wurden. Die futuristisch anmutende oberirdische Zentrale ist dabei eigentlich nur so etwas wie die Spitze eines Eisberges. Hier aber harren die Forscher in unglaublicher Abgeschiedenheit und Temperaturen von bis zu -82°C auf das sogenannte Ereignis. Und genau dort hat man nun im vergangenen September ein emittiertes Neutrino der exotische Strahlungsquelle TXS 0506+056 entdeckt.
Unfassbare 4 Milliarden Lichtjahre ist sie entfernt. Kein Lichtstrahl oder Gammaquant konnte von dort bisher nachgewiesen werden, außer einem Neutrino, das mit extremer Energie „Ice Cube“ erreichte und das anhand der dabei entstehenden Tscherenkov- Strahlung (ein Kegel blauen Lichts) nachgewiesen wurde. Um sich den gemessenen Energiewert von 290 Teraelektronenvolt vorzustellen, muss man wissen, dass dieser 40mal stärker ist, als die im LHC-Beschleuniger des CERN erzeugten Teilchen.
Für die Wissenschaftler ist dies ein unfassbarer Erfolg und der Lohn für teilweise jahrzehntelange Bemühungen, denn man muss bedenken, dass zum Beispiel in jeder Sekunde der Daumennagel eines Menschen von ca. 60 Milliarden Neutrinos durchdrungen wird. Dabei hinterlassen die masselosen Elementarteilchen keinerlei Spuren. Dies verdeutlicht die Schwierigkeiten, die beim Einfangen dieser Partikel entstehen.
Doch diesmal war alles anders: Der „Einschlag“ war eindeutig und so konnten schon 30 Sekunden nach dem Ereignis insgesamt 18 Observatorien in einer Multi-Messenger-Kampagne mit der Suche nach der Quelle beginnen. Nach gut einem Jahr steht nun fest, dass der Ursprung im Sternbild Orion zu finden ist und dass es sich dabei um einen der merkwürdigsten Objekte des Universums, einen sogenannten „Blazar“ handelt. Dies ist ein aktiver Galaxienkern, der hochenergetische Gammastrahlung in Form eines Jets absendet, der - wie es der  Zufall will -  genau auf die Erde ausgerichtet ist. Die Wissenschaftler bekommen damit Einblick in die Vorgänge einer aktiven Galaxie, die in ihrem Zentrum von einem supermassereichen Schwarzen Loch angetrieben wird.
Damit sind Neutrinos nun erstmals zum Botschafter einer fernen Galaxis geworden – ein Botschafter, der seine Reise begann, als unsere Erde gerade entstanden war und an die Menschheit nicht im entferntesten zu denken war. Um sich die schier endlose Strecke durch Raum und Zeit etwas bildlicher vorstellen zu können, sollte man sich vor Augen halten, dass das Geisterteilchen bereits 98% des Weges hinter sich hatte, als auf der Erde vor 65 Millionen Jahren durch den Einschlag eines riesigen Meteoriten die Dinosaurier ausstarben.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Mittwoch 01.08.2018
59. Sir Martin Rees – eine lebende Legende
Im Monat August werden die Nächte wieder deutlich länger und der Sternhimmel wird schon ab 21 Uhr MESZ seine Pracht entfalten. Hoch über uns und somit fast im Zenit steht jetzt das Sommerdreieck, bestehend aus dem Stern Atair im Sternbild Adler, dem Deneb im Schwan und der Wega in der Leier. Letzterer ist deutlich der hellste Stern des Trios. Ganz in der Nähe kann man, bei sehr guten Beobachtungsbedingungen, das schimmernde Band der Milchstraße erkennen.     
Mit etwas Glück sind um den 12.August herum deutlich mehr Sternschnuppen sichtbar. Die Erde passiert auf ihrer elliptischen Bahn einen durch den Kometen Swift-Tuttle verschmutzten Bereich des Sonnensystems. Kreuzen sich die Wege, leuchten die „Shooting Star“ beim Eintritt in die Erdatmosphäre auf. Da die meisten von ihnen aus dem Sternbild Perseus zu kommen scheinen, wird der Überschuss an Sternschnuppen als Perseidenstrom bezeichnet. Jupiter und Venus verabschieden sich im laufe des Monats vom Abendhimmel, sodass nur noch die Planeten Mars und Saturn die ganze Nacht über in südlicher Richtung sichtbar sind.
Der 1942 geborene Brite Martin Rees ist in seiner Heimat ein vielfach geehrter Astronomer Royal. Einige Gemeinsamkeiten gibt es zwischen ihm und dem kürzlich verstorbenen Stephen Hawking. Beide wurden im gleichen Jahr geboren, waren Professoren in Cambridge und wurden von der Queen geadelt. Während Hawking den Lucasian Professorship für Mathematik inne hatte (siehe Kosmos 55), bekleidete Rees den Plumian Professorship für Astronomie und Philosophie. Er stand damit in der Nachfolge so berühmter und anerkannter Größen wie Sir Arthur Eddington und Sir Fred Hoyle.
Rees, der sich in der Tradition des Amerikaners Carl Sagan dem Projekt einer Enzyklopädie des Universums verschrieben hatte und dieses umfassende Werk 2006 veröffentlichte, reflektiert viele der neueren astronomischen Erkenntnisse auch unter philosophischem Aspekt. So zeigt er sich begeistert von der Tatsache, dass „Astronomen in der Lage sind, winzige Schwingungen in einem Gravitationswellendetektor überzeugend einem Zusammenstoß von zwei Schwarzen Löchern zuzuordnen, der mehr als eine Milliarde Lichtjahre entfernt von der Erde stattgefunden hat.“ Gleichzeitig konstatiert er ernüchtert, dass „im Gegensatz dazu unser Verständnis bezüglich vertrauter Angelegenheiten, die uns alle interessieren – wie etwa Ernährung und Kinderbetreuung –, immer noch so mager sind, dass die Empfehlungen von „Experten“ sich von Jahr zu Jahr ändern. Als ich jung war, dachte man, Milch und Eier sind gesund. Ein Jahrzehnt später galten sie als gefährlich, weil sie viel Cholesterin enthalten. Und jetzt scheinen sie wieder als harmlos eingestuft zu werden. Und es gibt immer noch keine Heilung für viele der häufigsten Krankheiten und Gebrechen.“
Der gebürtige Baron, der aus der Grafschaft York stammt, ist zwar die graue Eminenz der Astronomie, doch ist ihm auch gewiss, dass die Wissenschaft im Allgemeinen wie einst zu Oppenheimers Zeiten oftmals von den Herrschenden missbraucht wird. So ist es für ihn „deprimierend zu beobachten, dass ein großer Teil der Wissenschaft Aktivitäten gewidmet ist, die völlig überflüssig wären, wenn wir einander uneingeschränkt vertrauen könnten“.
Besonders heftig kritisiert er das Kurzzeitdenken gewählter Volksvertreter, welches sich ja nicht nur in der chaotischen Umweltpolitik der Trump-Administration widerspiegelt, sondern auch hierzulande in Zeiten solcher Geistesgrößen wie „Glyphosat-Schmidt“ auffällig wird.
„Wir berücksichtigen zu wenig die Probleme, die wir künftigen Generationen hinterlassen. Regierungen müssen sich mehr um Projekte kümmern, die zwar aus politischer Sicht langfristig erscheinen, deren Zeitrahmen für die Geschichte unseres Planeten gleichwohl nur ein Augenblick ist.“
Suchen Politiker nach Auswegen? Da ist die Raumfahrt immer ein gängiges Thema. Auch hierzu äußert sich Martin Rees im Zusammenhang zu den Ideen einer zukünftigen Besiedlung unseres Sonnensystems: „Es ist eine gefährliche Täuschung zu denken, dass uns das Weltall eine Flucht vor den Problemen auf der Erde ermöglicht“.
Letztendlich fällt seine Bewertung der Zukunft der Menschheit eher düster aus: Martin Rees zufolge sind nicht mehr natürliche Gefahren wie Epidemien, Erdbeben oder gar Asteroiden für das Bestehen der Menschheit in diesem Jahrhundert entscheidend. Die zerstörerische Kraft des Menschen selbst ist die größte Gefahr. 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Sonntag 01.07.2018
58. Tod durch Hofetikette
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Im Monat Juli sind es nicht die Sterne, die im Vordergrund der Betrachtung stehen. Denn sie gehen erst mit Einsetzen der Dunkelheit gegen 23 Uhr auf. Schon gut eine Stunde zuvor sind die Planeten Venus, Mars und Jupiter zu beobachten. Sie stehlen vor allem am 23.7. den Sternen die Show. Während Venus leuchtend hell, aber einsam hoch im Westen strahlt, ist die enge Begegnung von Mars und Jupiter im Sternbild Schütze in südlicher Richtung schon zu Beginn der Dämmerung zu betrachten. Das absolute Highlight des Monats beginnt mit dem Sonnenuntergang am 27. Juli. Zum gleichen Zeitpunkt geht der schon verdunkelte Vollmond in östlicher Richtung auf. Da sich der Mond im Kernschatten der Erde befindet, kommt es zu einer der längsten totalen Mondfinsternissen dieses Jahrhunderts, denn wenn das Ereignis um 23.13 Uhr endet, war der Vollmond ganze 103 Minuten stark verfinstert. Durch die rötliche Aufhellung des Schattenkegels wird ein sogenannter „Blutmond“ über Deutschland stehen.
Die heute in der Astronomie am häufigsten gestellte Frage ist die nach der Lebensdauer unseres eigenen Sterns, der Sonne. Was wird in ferner Zukunft einmal aus ihr werden?
Den ersten Hinweis auf die Beantwortung dieser Frage gab es bereits im Jahre 1572.
Aber der Reihe nach: Um keinen anderen Astronomen ranken sich so viele Geschichten, wie um den 1546 geborenen Tycho Brahe. Der als äußerst trinkfest geltende Däne verlor schon mit 20 Jahren bei einem Duell einen großen Teil seines äußeren Atemorganes, was ihm den Beinamen „Mann mit der Silbernase“ einbrachte.   Er ist eine der schillernden Figuren in die Geschichte der Astronomie. Jahrelang hatte er auf der zwischen Dänemark und Schweden liegenden Insel Hven auf seinen Beobachtungstationen „Stjerneborg“ und „Uraniborg“ arbeiten können, denn sein Lehnsherr Friedrich II. von Dänemark war ein glühender Astrofan, der Brahes Tätigkeit großzügig sponserte. Mit dessen Tode änderte sich dies jedoch schlagartig. Sein Sohn Christian IV. hatte eher etwas mit Kriegsführung am Hut und benötigte die besagte Insel aus strategischen Gründen anderweitig. Enttäuscht verließ Brahe den Ort seiner Forschungen und ging für seine letzten Lebensjahre an den Hof Kaiser Rudolf II. in Prag, wo er die Stelle des Hofastronomen annahm.
Doch zurück zum Jahr 1572. Tycho war es gelungen, das letzte bizarre Aufleuchten eines sterbenden Sternes im Sternbild Cassiopeia zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt war das Fernrohr noch längst nicht erfunden und so ist es nicht unverständlich, dass er das Phänomen falsch deutete und es „Nova“ nannte, was soviel wie „neuer Stern“ bedeutet. Der Begriff blieb über die Zeit hinweg bis heute erhalten und wird noch immer für den finalen Prozess gebraucht, den unsere Sonne erst in ungefähr 5 Milliarden Jahren durchlaufen wird. Zu diesem Zeitpunkt hat unser Stern dann seine Wasserstoffvorräte im Zentrum komplett verbraucht und der so entstandene Heliumkern verträgt sich nicht mit der ihn umgebenden Wasserstoffhülle. Er stößt diese unter extrem hoher Energieabgabe explosionsartig ab. Eine Nova leuchtet auf.
Im Laufe der dann folgenden Jahrhunderte formt sich um den Sternenrest, dem sogenannten Weißen Zwerg, ein leuchtend heller Ring mit der Bezeichnung „Planetarischer Nebel“. Der nächste historische Fehler, denn einst glaubten die Forscher in den farbigen Gasstrukturen keimende Planeten um junge Sterne entdeckt zu haben. Doch genau der gegenteilige Effekt ist zu konstatieren. Übrigens: Was von unserem glühend heißen Planeten Erde zu diesem Zeitpunkt noch übrig ist, wird von der rasend schnellen Explosionswolke erfasst und zerstört. Somit leitet das Ende der Sonne auch das Ende Erde ein.
Tycho Brahe hingegen glaubte bis an sein Lebensende daran, einen neuen Stern entdeckt zu haben. Nebenbei gesagt war auch sein Tod höchst mysteriös. Entsprechend der Hofetikette verließ er das Festbankett seines Kaisers auch nicht, um notgedrungen die Toilette aufzusuchen. So starb er an einem Blasenriss durch Harnverhaltung. Noch auf dem Sterbebett verfügte er, dass seine kompletten Aufzeichnungen an seinen Nachfolger Johannes Kepler gehen sollten. Kepler wiederum nutzte diese Datenflut, um später einen weiteren großen Fehler der Astronomie zu beheben: Es ist kein Kreis, den die Erde um die Sonne beschreibt, es ist die Kepler-Ellipse.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Freitag 01.06.2018
57. Und sie bewegen sich doch....
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Die längsten Tage des Jahres stehen nun im Monat Juni an. Durch die Sommerzeit verschiebt sich die Untergangszeit der Sonne auf nach 22 Uhr MESZ. Trotzdem können bei guter Sicht in der Dämmerung schnell zwei Objekte wahrgenommen werden. Zum einen steht der Planet Venus als „Abendstern“ hoch im Westen am Firmament und zum anderen beherrscht der Riesenplanet Jupiter den Südosten eindrucksvoll. Erst gegen 23 Uhr MESZ können dann die Sterne des Sommerdreiecks, gebildet aus den Sternbildern Leier, Schwan und Adler, bewundert werden. Der Große Wagen – Teil der noch größeren Konstellation Großer Bär – erreicht zenitnah seine bestmögliche Abendsichtbarkeit.
Für jeden Menschen wahrnehmbar, scheinen sich die Sterne nicht zu bewegen und fixiert zu sein. Ihnen daher den Namen Fixsterne zu geben, klingt plausibel und ist nachvollziehbar.
Nach der Veröffentlichung des „Data Release 2“ , des zweiten Sternkataloges der Raumsonde GAIA, ging jedoch ein kollektiver Aufschrei durch die gesamte Gilde der Astronomen: Insgesamt 1,7 Milliarden Sterne hat das rund 650 Mill. Euro teure Observatorium in den letzten zwei Jahren vermessen und dabei kleine Ortsveränderungen detektiert. Somit wird dieser Datensatz eine völlig neue Ära in der Erforschung der Milchstraße einleiten. Die Datenmengen dieser Sterneninventur sind schier unerschöpflich: Als Bücher gebunden würden sie 1,7 Regalkilometer füllen.
Die für die Forscher auf der Erde kaum wahrnehmbaren Bewegungen der von GAIA detektierten Sterne, werden bei der neuesten Abbildung nur einiger Millionen Sternobjekte einer kleinen Begleitgalaxie, der einst vom gleichnamigen Seefahrer entdeckten Großen Magellanschen Wolke, besonders deutlich. Auf der jetzt veröffentlichten Aufnahme werden die Eigenbewegungen der Sterne dieses speziellen Bereiches knapp außerhalb unserer eigenen Milchstraße besonders deutlich und sind als feine, blaue Strichspuren zu erkennen. Wie ein kosmischer Fingerabdruck wirkt dieses Bild auf den Betrachter.
Wie aber kommt GAIA auf die Genauigkeit der Messungen ? Der italienische Mathematiker und Astronom Giuseppe Lodovico Lagrangia erlangte vor 250 Jahren in Frankreich als Joseph-Louis Lagrange große Berühmtheit, hatte er doch bewiesen, dass sich in genau 5 Raumpunkten die Schwerkraft von Sonne und Erde ausgleichen. Ein leichter Körper wie ein Satellit kann antriebslos den massereichen Körper (Sonne) umkreisen und dabei die gleiche Geschwindigkeit wie der massearme Körper (Erde) haben. Auf ihrer Außenstation im Lagrange Punkt 2 stationiert, kann die Sonde sozusagen ungestört und in aller Ruhe mit unglaublicher Präzision diese kleinen Hintergrundbewegungen der Sterne erkennen, da sie wie eine Rundumleuchte den gesamten Himmel im Laufe von 63 Tagen einmal komplett abscannt. Mit jedem neuen Scan werden dann die verschwindend geringen Eigenbewegungen  der Hintergrundsterne nach und nach sichtbar.
Trotzdem ergibt sich ein aberwitziger Aspekt: Die mit 1.700.000.000 Objekten schon enorme Anzahl der erfassten Sterne stellt nur knapp ein Prozent aller Sterne unserer Galaxis Milchstraße dar, die sich gemeinsam mit unserer Sonne in 220 Millionen Jahren einmal um das galaktischen Zentrum bewegen.
Die europäische Raumsonde GAIA wird noch einige Jahre weiterforschen. Irgendwann könnte es soweit sein, dass sie genauso viele Sterne vermessen hat, wie es dann zu diesem Zeitpunkt auf der Erde Menschen gibt: Über 7,4 Milliarden! 
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
Autor: Siehe Artikel
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