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Inhaltsverzeichnis
Fürstenfeld: Aterballetto „Golden Days“ - Freiheitsdrang und Or...

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Landsberg: Hochzeitskapelle – Musikalische Identitätsfindung

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Fürstenfeld: Jütz – Das etwas andere Folk-Konzept

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Götz Alsmann & SWR Big Band – Zu harmlos

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Landsberg: Trio mit Viola – Statt Klarinette

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Germering: Franco Ambrosetti Quartet – Botschaften und Bekenntnisse

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Mittwoch 27.02.2019
Fürstenfeld: Aterballetto „Golden Days“ - Freiheitsdrang und Orientierungssuche
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Fotos: Nadir Bonazzi
Fürstenfeld. Wenn es um Tanz geht, geht es auch immer um Musik. Sie ist die Grundlage für rhythmische Bewegungen, für schlingernde, für routierende Emotionalität, für explosionsartige Sprünge und zugleich die Botschaft, die über die Choreographie zum Ausdruck kommt. Im Fall von GOLDEN DAYS, dem aus drei Einzelteilen bestehenden Tanzstück des in Italien beheimateten Aterballetto, ist Musik die Inspirationsquelle schlechthin. Johan Inger fühlte sich von der Kunst Tom Waits, Patti Smiths und Keith Jarretts derart berührt, dass er in ihnen nicht nur „den Freiheitsdrang und die Orientierungssuche einer ganzen Generation“ erkannte. Zugleich verknüpfte er mit deren Schaffen seine ganz persönlichen „Goldenen Tage“. Inger ist Jahrgang 1967.
Sind die GOLDEN DAYS somit der Tanz gewordene Blick durch die rosarote Brille? Zurück, in eine verklärte Vergangenheit? Jein. Denn die Vergangenheit ist, wie wir alle wissen, nie so großartig gewesen, wie wir aus der Gegenwart heraus zu glauben meinen. Dieser Gedanke entspringt auch immer dem Gefühl, ja der inneren Überzeugung, das Vergangene erfolgreich überstanden zu haben. Ein Trugschluss also? Jein.
Johan Inger hat am gestrigen Abend im Fürstenfelder Veranstaltungsforum also eben jene drei Favoriten seiner Jugend zu neuem Leben erweckt. Die Stücke „Rain Dogs“ (Tom Waits), „Birdland“ (Patti Smith) und „Bliss“ (Keith Jarrett) entstanden zu unterschiedlichen Zeiten, passen aber wunderbar zueinander. In „Rain Dogs“ verknüpfen die Tänzer eine Geschichte von Waits, die von der Schwermut eines Hundes handelt, der nach einer großen Tour und nach dem großen Regen den Weg zurück in seine Lebensheimat nicht findet. Es ist, wie viele der Stücke von Tom Waits, eine tragische Geschichte und die Tänzer bringen die Härte des Lebens, die Verzweiflung und die Sehnsucht in einer orientierungslosen Welt berührend zum Ausdruck.
Das anschließende Solostück Birdland ist zugleich die Umbaupause für den dritten und letzten Tanzakt. Während die Bühnenarbeiter den schwarzen Tanzboden entfernen (darunter erscheint ein weißer Belag), wird der Raum der (schwarz gekleideten) Tänzerin immer kleiner. Doch diese versucht sich zum Song „Birdland“ von Patti Smith auf ihrem Areal zu behaupten. Sie provoziert, zeigt sich verletzlich, verführt, verteidigt sich – zumindest eine Zeitlang. Sie setzt sich in einer stets kleiner werdenden Welt durch, mit ihren Möglichkeiten und voller Intensität.
Im letzten Stück „Bliss“, auf der Grundlage eines Ausschnittes aus dem großen „Köln Concert“ von Keith Jarrett aufgebaut, geht es Johan Inger um die Offenheit, um die Freiheit, um den Augenblick der in einer Improvisation so spontan zum Ausdruck kommt. Die Tänzer bringen in einem Reigen von verspielten Szenen Lebensenergie und Glück über die Bühne. Auch Melancholie, Sensibilität, statt Tragik Zuversicht. Sich dem Moment hingeben, ihn genießen, endlich einmal sorglos. Diese positiven Kräfte stecken an, gehen von der Bühne direkt in den Zuschauerraum über, so dass das Publikum am Ende die Tanztruppe nicht mehr von der Bühne lassen möchte.
Alfred Esser
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Sonntag 24.02.2019
Landsberg: Hochzeitskapelle – Musikalische Identitätsfindung
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Foto: Andreas Staebler
Landsberg. Beziehungen, die von Dauer sein könnten, scheitern oft schon an den ersten unbedeutenden Problemen. Verbindungen, die ad hoc, aus dem Augenblick heraus entstehen, halten hingegen eine scheinbare Ewigkeit. Das ist im Miteinander von Menschen ebenso, wie in ihrem persönlichen Bezug zu Dingen. Im kosmopolitischen Universum musikalischer Identitätsfindung gleich sowieso. Bestes Beispiel: Die Hochzeitskapelle. Zusammengekommen ist die Band zur musikalischen Untermalung der Eheschließung eines guten Freundes in Weilheim, in Oberbayern. Dabei fanden die Instrumentalisten, als auch die Festgemeinschaft, derart Spaß mit- und aneinander, dass man sich spontan entschloss, dem einstweiligen Gedankenblitz etwas Beständiges angedeihen zu lassen.
Die Hochzeit liegt mittlerweile knapp sieben Jahre zurück (wir nehmen einmal an, dass das Brautpaar …... ) und die Hochzeitskapelle tourt und tourt und tourt. Am Samstag war die Formation mit Gästen in Landsberg, im ehrwürdigen Stadttheater, um die Artist-in-Residence-Woche der Band Notwist und all ihrer verzweigten Projekte würdig abzuschließen.
Doch bevor der „folkloristisch-elegische Rumpeljazz“, wie die Hochzeitskapelle ihre Musik selbst bezeichnet, das Parkett eroberte, gaben Cico Beck und Nico Sierig alias Joasihno ihre musikalische Visitenkarte ab. Die beiden – ein einmaliges Soundlaboratorium. Während ihres Auftritts wird probiert und experimentiert. Klänge werden geschichtet, verfremdet, verdichtet, Melodien flüchtig skizziert, Rhythmen selektiert, es gibt technische Spitzfindigkeiten und verspielte Klanginstallationen. Was Joasihno musikalisch kreieren, ist wie eine späte Fortsetzung von Michael Rother, Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius aus dem Weserbergland und all der anderen elektronischen Krautrockpioniere – nur mit anderen Mitteln. Nicht alles was das Duo dabei aus dem Hut zauberte, klang dabei ideal. Aber auf ihrer Suche nach dem ultimativen Bravourstück gab es immer wieder Momente, in denen sie mit ihrem fundamentalen Anspruch der Popmusik ein anderes, ein individuell berührendes Level erschließen konnten, in dem Schönheit und Harmonie ganz neue, gemeinschaftliche Wege gingen.
Nach  der Pause dann Kontrastprogramm, sowohl was den Sound betraf, die Kompositionstechnik, die Spielweise und das Ergebnis letztendlich auch. Die Hochzeitskapelle als Septett, mit Gastmusikern  aus Japan. Das Programm war mit dem im letzten Jahr erschienen Album „Wayfaring Suite“ identisch. Komponiert hat dies komplett Takuji Aoyagi aus Tokio. Eine spannende Erweiterung des Kulturbegriffs. Die Songs klangen minimalistisch, melodisch, waren glasklar strukturiert. Hochkonzentriert agierte die Band. Sie brachte die Musik zum Schwingen und Klingen, nachdenklich wie melancholisch und nutzte dafür all die typischen traditionellen Instrumente, die in der mitteleuropäischen Bergwelt zum musikalischen Alltag gehören, plus Kinderklavier, indisches Harmonium, Glockenspiel, singender Säge und Banjo. Das klang mal nach den Meriten eines Olivier Messiaen, besaß etwas Spirituelles, in dem der Geist deutlich ein künstlerisches Gewissen verkörperte und hatte letztendlich so gar nichts mit spätpubertären Revoluzzer-Allüren zu tun. Aber vielleicht ist es auch gerade diese akustisch bedächtige Herangehensweise, die der Musik eine besondere Note verleiht. Gewichtige Kammermusik, mit Anleihen aus Fernost – statt rumpelndem Jazz.
Jörg Konrad
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Donnerstag 24.01.2019
Fürstenfeld: Jütz – Das etwas andere Folk-Konzept
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Fürstenfeld. Als im Juni letzten Jahres alle drei Jütz unserem Portal ein Interview gaben (lesen Sie hier), waren ihre Antworten auf die Frage, welches die schönsten Momente ihrer Arbeit seien, folgende: Dänu Woodtli (Trompete, Flügelhorn, Stimme, Hackbrett) sagte „Dann, wenn die Kraft der Musik voll einschlägt; wenn der unmittelbare Moment alles Bewusste vergessen lässt.“ Isa Kurz (Stimme, Geige, Akkordeon, Hackbrett) meinte „Wenn man sich und seine Musik verstanden fühlt“, und Philipp Moll (Kontrabass, Stimme) freut sich „Wenn man merkt, dass die eigene Musik anderen Menschen etwas bedeutet.“
Am gestrigen Abend dürften Jütz, das aus der Schweiz und Tirol stammende Alpen-Jazz-Trio, allen Grund zur Freude gehabt haben. Denn ihr Konzert in Fürstenfeld löste all diese Antworten akustisch beim Publikum ein. Ja, Jazz in den Bergen, Jazz aus den Bergen, das ist bei Jütz absolut kein Widerspruch. Gute Musik findet eben überall statt – wenn nur der Boden fruchtbar ist. Und den bereiten die drei mit Akribie und Leidenschaft fantasievoll vor.
Doch Jazz im klassischen Stil findet bei ihnen nicht unbedingt statt. Zwar verirrt sich in ihrer Musik einmal der Blues und auch der Swing schrammt nur kurz ihr Konzert. Es ist die Freiheit dieser Musikform die sie nutzen, der Mut, Neues zu probieren, ausgetretene Pfade mit Überzeugung und manchmal auch ungestüm zu verlassen. Und vor allem ihre Improvisationen. Jütz sind ein musikalisches Experimentierlabor, eine folkloristische Alchemistenstube, die in manchen Momenten wie ein stoisches Avantgarde-Trio klingen.
Doch im nächsten Moment sind sie wieder die kreuzbraven Traditionalisten, die alpenländische Volksmusik spielen. Fast im original Kontext. Ihr Klangtableau ist dabei breit gefächert - dank der vielen Instrumente die Isa, Dänu und Philipp beherrschen. Manche ihrer Songs vermitteln eine meditative Aura, bewegen sich im Halbschatten elegischer Konzepte, bevor sie energisch den poetischen Bannkreis verlassen und sich der Schwerkraft spannender Disharmonien aussetzen. Wie die Drei das machen, das kann man getrost als integrative Intelligenz bezeichnen. Dabei sind sie so frisch und sprudelnd, wie ein kristallklarer Bergbach.
Jörg Konrad
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Mittwoch 16.01.2019
Götz Alsmann & SWR Big Band – Zu harmlos
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Fotos: TJ Krebs jazzphotoagency@web.de
Fürstenfeld. Folgende Anekdote stammt aus längst vergangenen Zeiten. In der legendären Professor-Bop-Show des WDR wurde einst ein zweistündiges Porträt der Beach Boys gesendet - ohne auch nur einen  Titel der Surf-Band zu spielen. Und jener Professor Bop war kein anderer als der frisch studierte Musikwissenschaftler Götz Alsmann. Sein Dissertationsthema damals lautete übrigens: „Nichts als Krach. Die unabhängigen Schallplattenfirmen und die Entwicklung der amerikanischen populären Musik 1943-1963“.
Ob diese Geschichte wahr ist oder nicht, sei einmal dahingestellt. Aber jeder, der den Sänger, Entertainer, Comedian und Hochschullehrer jemals erlebt hat, kann sich diese schalkhafte Herangehensweise Alsmann nur all zu gut vorstellen.
Am gestrigen Dienstag war der Münsteraner nun mit großem Bahnhof im Stadtsaal des Fürstenfelder Veranstaltungsforums. Großer Bahnhof - denn der Schlagerbarde hatte die renommierte SWR Big Band im Schlepptau, eine Großformation der gehobenen Jazz- und Unterhaltungsmusik, ein perfekt abgestimmtes Orchester, das schon mehrmals für den Grammy nominiert wurde.
Nun, in einer Zeit, in der der Schlager mehr oder weniger ernst diskutiert wird (war dies jemals anders?) lebt Alsmann diese seine Leidenschaft mit Nachdruck und aller ihm zur Verfügung stehenden Ironie aus. Sein „Neujahrskonzert“ soll den Schlager auf Touren bringen, soll zeigen, welches Potenzial in ihm tatsächlich steckt. Aber ob ihm dies mit dem Repertoire, das er und sein singender Gast Ella Endlich an diesem Abend präsentierten, auch tatsächlich gelang, sei einmal dahingestellt. Zu altbacken manche Melodien, zu harmlos und klischeebeladen viele Texte.
Wäre da nicht, ja wäre da nicht die SWR Big Band, die den instrumentalen Teil des Abends aufgrund manch gelungenen Arrangements und knackiger Solis ordentlich aufwertete. Zeitweise kam tatsächlich so etwas wie 70er Jahre Samstagabendstimmung auf, als die großen Fernsehshows noch mit Live Musik im Big-Band-Sound produziert wurden.
Alsmann ist Sänger und Entertainer, einer, der die Bühne als Lebenselixier zu brauchen scheint, der nicht wirklich singen kann (aber da gibt es in diesem Metier noch ganz andere Kaliber), aber eben manisch explodiert und den Saal unterhält. Sicher, vieles wirkt vom Inhalt intellektuell überstrapaziert oder klischeehaft harmlos. Aber was ist schon ein Künstler wert, der nicht polarisiert? Der deutsche Nachkriegsschlager hat nun einmal nicht unbedingt das Potenzial manch amerikanischer Vorgabe, von denen das Great American Songbook gefüllt ist und das dem Jazz als Standardliteratur dient (und einst auf etlichen Blue Note-Alben erschien). Genau dies scheint auch die Verbindung, warum Alsmann in der komfortablen Lage ist, seine Musik ebenfalls auf Blue Note zu präsentieren (nein, der erste Deutsche ist er auf diesem prominenten Label nicht, wie man immer wieder einmal fälschlich lesen kann. Diese Ehre wurde einer Frau zuteil! Der Leipziger Pianistin Jutta Hipp im Jahr 1956!!).
Vielleicht ist ja der Bogen insgesamt auch einfach zu weit gespannt – von instrumentalen Standard-Nummern wie Johnny Hodges „Satin Doll“, über Sehnsuchtssongs aus der TV-Haifischbar, weiter über Klassikadaptionen wie Rimski-Korsakows „Hummelflug“, bis hin zur ungelenken Naivität eines „Küss mich, halt mich, lieb mich“. 
Alfred Esser
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Sonntag 13.01.2019
Landsberg: Trio mit Viola – Statt Klarinette
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Landsberg. Auch die Hochkultur leistet sich Gassenhauer, was beim Publikum eigentlich längst bekannt ist. Beethovens Trio B-Dur op. 11 trägt aber zudem auch noch den Titel: „Gassenhauer-Trio“. Das liegt an der Vorlage, die Ludwig van Beethoven für diese Komposition nutzte. Denn den Variationen im dritten Satz dieses Stückes liegt ein Werk des zu Lebzeiten ungemein populären Komponisten Joseph Weigl (1766-1846) zu Grunde. Die Melodie stammt aus seiner Oper „Der Kosar aus Liebe“ - ein regelrechter „Kassenschlager“, ein Ohrwurm und großer Publikumserfolg um das Jahr 1800. Gedacht war das Trio eigentlich für die Besetzung Klarinette, Violoncello und Klavier. Zwar hatte Beethoven als Alternative und vorsorglich auch eine Variante für Violine statt Klarinette geschrieben, aber am Samstag wurde die Komposition im Landsberger Rathaus in der Besetzung Viola (Jano Lisboa), Violoncello (Uli Witteler) und Klavier (Hisako Kawamura) aufgeführt. Die drei Instrumentalisten machten aus diesen temperamentvollen, mit rhythmischen Verschiebungen gespickten und an musikalischen Verzierungen reichen Komposition ein wirklich grandioses Stück Kammermusik. Individuell virtuos, aber in der Interpretation nie den Gemeinschaftssinn vernachlässigend, durchpflügten die drei die Partitur mit Freude und Hingabe.
Zuvor gab es noch drei Variationen von Beethoven aus der Mozart-Oper „Zauberflöte“, in dem sich das Trio spieltechnisch blendend und mit lyrischem Atem recht stimmungsvoll den Vorlagen widmete.
Und auch Johannes Brahms Trio a-moll op. 114 war von seinem Schöpfer im Grunde für die Klarinette gedacht. Statt dem quirligen, jubilierenden Holzblasinstrument nahmen sich die drei Instrumentalisten auch hier die künstlerische Freiheit, diese durch die im Tonumfang tiefer gelegte Viola zu ersetzen. Dadurch bekam die Musik ein etwas dunkleres, sinnlicheres Klangbild, wirkte nachdenklicher, grüblerischer. Das Weltentrückte des Romantikers Brahms war hier deutlich zu spüren. Jano Lisboa suchte an der Viola nicht nur die lyrischen Momente, er badete regelrecht in ihnen – ohne jemals ein plakatives Pathos aufkommen zu lassen. Sein Spiel strahlte eine gefühlsbetonte Dominanz aus, der es niemals an Frische und Präzision fehlte. Man spürte bei dem in Portugal geborenen und in Boston bei Kim Kashkashian, der Amerikanerin mit armenischen Wurzeln, studierten Lisboa seine ganze emotionale Anteilnahme. In Uli Witteler besaß er zudem einen idealen musikalischer Partner. Ihr instrumentaler Austausch fand auf einem ausbalancierten, sehr stimmigen Niveau statt. Es war ein instrumental-technisches Ergänzen, ein sich gegenseitig Motivieren im Miteinander zu spüren.
Die in Japan geborene und heute in Deutschland lebende Pianistin Hisako Kawamura vervollständigt das Trio um eine feurige, überzeugte, Ton angebende Solistin. Ihr klarer pianistischer Ausdruck, ihre Kraft und Präzision vermittelnde Spielweise stützte das gesamte musikalische Gerüst. Fabelhaft flüssig ihre Dynamik, transparent ihre Klangschichtungen, immer im Sinne des Gruppenspiels. Insgesamt ein Trio der Superlative, das vom Publikum im ausverkauften Festsaal des Historischen Rathauses mit lang anhaltendem Applaus gefeiert wurde.
Jörg Konrad
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Samstag 12.01.2019
Germering: Franco Ambrosetti Quartet – Botschaften und Bekenntnisse
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Fotos: Thomas J. Krebs
Germering. „Seit mittlerweile über fünf Jahrzehnten wird dieser Schweizer mit der italienischen Lebensart – und der stets gelassen stilvollen italienischen Kleidung – international geschätzt als Jazz-Solist mit konturenscharfem, temperamentvollem Spiel, das hohe Kontrolle mit musikalischem Feuerwerk vereint“ schreibt Roland Spiegel im Vorwort zu der 2018 erschienenen Autobiographie „Zwei Karrieren – Ein Klang“ von Franco Ambrosetti. Der Trompeter gehört zu den ganz wenigen europäischen Musikern, die über Jahrzehnte auch im Mutterland des Jazz, in den USA, einen ausgezeichneten Ruf haben. Davon zeugen neben ungezählten erfolgreichen Gastspielen auch viele Einspielungen in renommierten Tonstudios mit herausragenden Solisten, wie Michael Brecker, Geri Allen, Phil Woods, Steve Coleman, John Scofield und vielen vielen anderen.
Doch nie hat Franco Ambrosetti dabei die Bodenhaftung verloren, hat sich von Arroganz oder Selbstzufriedenheit leiten lassen. Bis heute ist er für neue musikalische Herausforderungen und Situationen offen.
Am gestrigen Freitag war der 78jährige Tessiner mit dem Weilheimer Saxophonisten Johannes Enders, dem in Graz lebenden Organisten Renato Chicco und dem steirischen Schlagzeuger Christian Salfellner in der Germeringer Stadthalle zu Gast. Das Quartett präsentierte ein klassisches Jazzkonzert der Superlative. Hardbop in Vollendung. Moderner Mainstream, nie spektakulär, aber reich an Substanz und überzeugend in der Form.
Wenn eine Jazzband erst wenige Stunden vor einem Konzert zusammenkommt, einigt man sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf zumindest einige Standards. In diesem Fall waren die Säulen des Abends „Autumn Leaves“, „My Foolish Heart“ und „I`ll Remember April“. Drei Klassiker, in denen die Musiker, speziell Ambrosetti und Enders, ihre langlinigen Improvisationen entfalten, ihrer Eleganz und Sensibilität Ausdruck geben konnten. Wunderbar geschmeidig das Zusammenspiel, das Umschmeicheln der Themen, die Variationen der melodischen Vorgaben. Johannes Enders formte am Tenor seine mitreißenden Soli mit einer gewissen Angriffslust, die sich im Laufe des Konzertes noch steigerte. Spannend und intelligent seine Dramaturgie, tief und warm sein Sound.
Franco Ambrosetti, ausschließlich auf dem Flügelhorn, war, ist und bleibt ein Meister der zurückhaltenden, weichen, dabei aber immer prägnanten Formulierung. Seine Interpretation der alten Filmmelodie „My Foolish Heart“ von Victor Young gehörte zu den ergreifendsten Momenten. Balladenkunst wie man sie anregender und souveräner nur ganz ganz selten hört. Er beherrscht die melodiöse Eleganz ohne kraftmeiernde Muskelspiele und setzt jeder Interpretation improvisatorische Glanzlichter auf.
In Renato Chicco und Christian Salfellner besaß das Quartett ein überzeugendes Rhythmusgespann. Sie beide boten fundamentale Sicherheit und forderten gleichzeitig heraus, sie steuerten überraschende Tempo- und Stimmungswechsel perfekt, führten mit Esprit auch durch Kompositionen, die diese Besetzung so zuvor noch nicht gespielt hat („Silli In The Sky“ und „Billy Rubin“). Und Chicco glänzte zudem mit solistischen Botschaften und Bekenntnissen, die der Musik insgesamt eine eigenwillige, wie originelle Färbung gab. Eine prächtige Eröffnung der mittlerweile 15. Saison der Reihe JAZZ IT.
Jörg Konrad
Autor: Siehe Artikel
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