Film
Film
Inhaltsverzeichnis
This Mountain Life

1

OF FATHERS AND SONS

2

REISS AUS

3

BEALE STREET

4

EIN KÖNIGLICHER TAUSCH

5

CAN YOU EVER FORGIVE ME?

6

Ältere Artikel finden Sie im Archiv:
Startseite, Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7,

Donnerstag 21.03.2019
This Mountain Life
Ab 28. März 2019 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Die durch Berglandschaften hervorgerufene Begeisterung ist universell – und doch wagen sich die meisten Einheimischen in einem Gebiet, das zu 75% aus Bergen besteht, nur selten in die wahre Wildnis. Es gibt allerdings einen besonderen Schlag von Menschen, welche sich nicht nur über das Alter, ihr Geschlecht, den Beruf oder ihre Vergangenheit definieren, sondern vor allem über die Anziehungskraft der Berge, die für Sie so stark ist, dass sie ihr ganzes Leben darauf ausrichten.
This Mountain Life – Die Magie der Berge porträtiert fesselnd und mitreisend die menschliche Leidenschaft, die in der Wildnis der Berge von Kanada zu finden ist.
Nach Monaten der Vorbereitung brechen Martina und ihre 60 Jahre alte Mutter Tania auf eine sechsmonatige Reise über 2.300 Kilometer auf. Von Squamish, British Columbia, nach Alaska, durch die erbarmungslose Wildnis der Berge. Es gibt weitere Menschen, die ihre Leidenschaft für das Leben in den Bergen teilen: Eine Gruppe von Nonnen, die ein Kloster in den Bergen bewohnen um Gott näher zu sein; ein Fotograf der unter einer Schneelawine begraben ist; ein leidenschaftlicher Alpinist; ein hochkonzentriert arbeitender Schneekünstler; ein Paar, welches seit 50 Jahren vom Versorgungsnetz abgekoppelt in den Weiten der Berge lebt. Was bewegt diese Leute dazu, ihren Komfort, die Familie und die eigene Sicherheit für ein Leben in den Bergen zu opfern? This Mountain Life – Die Magie der Berge porträtiert fesselnd und mitreisend die menschliche Leidenschaft, die in den verschneiten Bergen von Kanada zu finden ist.

Ein Film von GRANT BALDWIN


PRODUKTIONSTEAM

REGISSEUR, KAMERAMANN, CUTTER, KOMPONIST GRANT BALDWIN
Grant ist ein mit dem Leo-Award ausgezeichneter Regisseur, Kameramann, Editor und Komponist mit Hauptwohnsitz in Vancouver, Kanada. Seine Arbeit ist äußerst vielfältig und umfasst Dokumentarfi lme, Sport-Reportagen und Spielfi lme. Seine Werke können auf BBC Planet Earth, MSNBC, Knowledge Network, F/X, TNT, CBC, National Film Board und ESPN gesehen und gehört werden. Sein erster Dokumentarfi lm The Clean Bin Project gewann zehn Festival-Auszeichnungen und wurde weltweit veröffentlicht. Für seinen Dokumentarfi lm Just Eat It: A Food Waste Story, ein international überaus erfolgreicher Film, der den zweiten Platz in den US iTunes Documentary Charts erreichte, wurde er bei den Hot Docs 2014 zum `Emerging Canadian Filmmaker of the Year´ ausgezeichnet.

PRODUZENTIN JENNY RUSTEMEYER
Jenny ist Autorin und eine mit dem Leo Award ausgezeichnete Dokumentarfi lm-Produzentin bei Peg Leg Films. Sie war Produzentin des Films The Clean Bin Project und ist die Frau hinter dem gleichnamigen Blog, welcher das Experiment porträtiert, ein Jahr lang keinen Abfall zu produzieren. Sie war auch Produzentin von Just Eat It: A Food Waste Story, welcher 14 Festival-Auszeichnungen gewann, auf MSNBC zur Hauptsendezeit ausgestrahlt wurde und von The New York Times in der Liste der “Top Ten TV Shows of 2015” aufgenommen wurde. Jenny leitete auch viele lokale Projekte zum sozialen Engagement, darunter eine Fahrrad-Film-Tour durch 30 kanadische Städte. Weltweit hält sie Reden zugunsten der Themen und Botschaften, die hinter ihren Dokumentarfi lmen stecken.


KOMMENTARE DER PRODUZENTEN
This Mountain Life porträtiert die Erfahrungen einer bestimmten Art von Menschen, die eine ganz besondere Leidenschaft für die Berge teilen. „Es war wichtig für mich, dass die Stimmen dieser Menschen selbst den Film antreiben“, sagt Regisseur & Kameramann Grant Baldwin zu seiner Entscheidung, Interviews mit den Protagonisten zu verwenden anstelle eines traditionellen Erzählers.
Martinas und Tanias epische sechsmonatige Bergüberquerung auf Skiern verleiht dem Film seinen roten Faden und brachte gleichzeitig auch die größten Herausforderungen mit sich. Die Frauen trugen eine GoPro und dazugehörige Solarzellen mit sich. Ein kleines Kamerateam aus zwei Personen traf die Beiden an strategischen Orten entlang der Überquerung und brachte, neben ihrer Kameraausrüstung auch Campingausrüstung, Lawinensicherheitsgeräte und Lebensmittel mit. Die Koordination war nur mittels InReach-Satellitenfunk möglich und das Team hatte Mühe, die Ausrüstung bei -30° Celsius, Regen und anderen widrigen Umständen warm und trocken zu halten.
Für die Vision von This Mountain Life – Die Magie der Berge war die Kameraführung ausschlaggebend. Ursprünglich inspiriert von der ehrfurcht-einfl ößenden Schönheit, die Baldwin bei der Arbeit in den Bergen British Columbias erfuhr, ist es sein Anliegen, die Magie der Berge dem internationalen Kinopublikum näher zu bringen. Er entschied sich dazu, keinerlei Archivmaterial für die Entstehung des Filmes zu verwenden.
Die Geschichten sind umgeben von Zeitraffer-, Luftbild- und Makroaufnahmen sowie stillen Refl ektionen. Wir bekommen einen gigantischen Blick in den allumfassenden Kreislauf der Jahreszeiten in der wilden Gebirgslandschaft Kanadas. Von dem Moment der ersten Schneefl ocke bis hin zur Wiedergeburt der alpinen Landschaft durch die Schneeschmelze im Frühling. Das Ziel der Kameraführung und des Schnitts war es, sowohl die grandiose Berglandschaft, als auch die spirituelle Verbindung, die Menschen mit dieser Landschaft haben, zu zeigen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 14.03.2019
OF FATHERS AND SONS
Ab 21. März 2019 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Koranstudium statt Matheunterricht, Kampftraining statt Fußballtraining, militärische Disziplin statt jugendlicher Rebellion – das ist der Alltag für Ayman (12) und Osama (13). Die beiden Brüder wachsen in Syrien auf und sollen islamische Gotteskrieger werden. So jedenfalls erzieht sie ihr Vater, der al-Nusra-Rebellenführer Abu Osama, dessen größter Traum die Errichtung eines Kalifats ist. 
 
Regisseur Talal Derki kehrt für OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS in sein Heimatland zurück. Er gibt sich als Anhänger der Salafisten aus und gewinnt so das Vertrauen einer radikal-islamistischen Familie. Über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet er ihren Alltag und zeigt einzigartige und emotionale Einblicke in eine sonst hermetisch abgeriegelte Welt.


Drehbuch & Regie: TALAL DERKI


OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS ist nominiert für den OSCAR™ 2019 in der Kategorie Dokumentarfilm. Er lief auf über 100 Festivals weltweit und wurde mit mehr als 20 Preisen ausgezeichnet. Der neue Dokumentarfilm von Talal Derki gewann unter anderem den renommierten World Cinema Documentary Grand Jury Prize des Sundance Film Festivals 2018 und den Fritz-Gerlich-Preis beim 36. Filmfest München. OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS war für den Europäischen Filmpreis 2018 nominiert. OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS ist in der Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis 2019.
 
Es erforderte viel Mut und Durchsetzungsvermögen, um hinter die Kulissen dieser hermetisch abgeschlossenen Gemeinschaft in seiner Heimat blicken zu können: Talal Derki zeigt den Alltag einer radikal-islamistischen Großfamilie im vom Krieg verwüsteten Syrien aus einer noch nie gezeigten Perspektive. Um sich frei bewegen und drehen zu können, hat sich der in Berlin lebende Regisseur als Kriegsreporter und Anhänger des Salafismus ausgegeben und schrittweise das Vertrauen des Clans gewonnen. Im Zentrum steht der Rebellenführer Abu Osama, der seine heranwachsenden Söhne zu furchtlosen Gotteskriegern erziehen will – ohne Rücksicht auf ihr Alter oder ihre persönliche Entwicklung. 
 
Port au Prince Pictures bringt den Film am 21. März 2019 ins Kino. OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS ist eine deutsch-syrisch-libanesisch-katarische Produktion von BASIS BERLIN Filmproduktion in Koproduktion mit Ventana Film, Cinema Group Production, SWR und RBB in Zusammenarbeit mit Arte und Impact Partners. Gefördert vom Sundance Institute Documentary Film Program, IDFA Bertha Fund, The Arab Fund for Arts and Culture, Screen Institute Beirut, Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), Deutscher Filmförderfonds (DFFF), Doha Film Institute (DFI) und The Netherlands Consulate General (Special Advisor for Syria). 
 
OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS wurde zwischen Sommer 2014 und September 2016 gedreht. Während dieser Zeit verbrachten Talal Derki und sein Kameramann Kahtan Hasson mehr als 300 Tage mit der Familie. Abu Osama starb im Oktober 2018 beim Entschärfen einer Autobombe. Er hinterlässt zwei Ehefrauen und zwölf Kinder. 
 

LANGINHALT
 
Talal Derkis Dokumentarfilm OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS erzählt vom Alltag einer Großfamilie im salafistischen Nordwesten Syriens. Dort werden bereits Kinder und Jugendliche im Namen der Religion für den „Heiligen Krieg“ rekrutiert. Ihre Aufgabe soll die Errichtung eines islamischen Kalifats sein. 
 
Der syrische Regisseur und sein Kameramann Kahtan Hasson, der auch an Derkis vielfach preisgekröntem Film RETURN TO HOMS mitgewirkt hat, sind Clan-Chef Abu Osama (45) und seinen Söhnen über einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren mit der Kamera gefolgt. Talal Derki gab sich als Kriegsreporter und Sympathisant des Salafismus aus. Dadurch gewann er das Vertrauen der Familie und bekam einen privilegierten Blick hinter die Kulissen eines Clans, der sich der ultrakonservativen Strömung des Islams verschrieben hat. 
 
Abu Osama ist ein hochrangiger Führer der al-Nusra-Brigaden, er will seine Söhne zu Kämpfern im Sinne des Salafismus erziehen. Schon die Namen der beiden ältesten der insgesamt zwölf Geschwister, davon acht Söhne, sprechen für sich: Ayman (12) und Osama (13) tragen die Vornamen des Gründers der Terrorgruppe Al-Qaida, Osama bin Laden, und dessen Stellvertreter, Ayman Al Zawahiri. Sie sind DIE KINDER DES KALIFATS. 
 
In der Gegend um Idlib, wo die Familie wohnt, flackern immer wieder Kämpfe auf. Die syrische Armee hat vor ihrem Rückzug alles vermint. Auf Straßen, Feldern, unter Bäumen oder in Ruinen lauert die tödliche Gefahr: Die Suche nach Landminen setzt Abu Osama und seine Helfer ständiger Lebensgefahr aus. Der Rebellenführer, der im Gefängnis selbst gefoltert wurde, kennt im Terrorkampf gegen das Assad-Regime weder Skrupel noch Gnade. Abu Osama baut Bomben, die er gegen feindliche Soldaten und Polizisten einsetzt. Gleichzeitig ist er seinen Söhnen ein liebevoller Vater. 
 
Osama und Ayman gehen nicht zur Schule – wie so viele andere Kinder in ihrem Dorf. Das Koranstudium ersetzt den regulären Unterricht. Doch beim religiösen Überbau bleibt es nicht. In einem Militärcamp werden ihnen Gehorsam, Disziplin und der Umgang mit Waffen vermittelt. Die Kinder werden zu „Gotteskriegern“ geformt. So haben es Abu Osama und seine Kämpfer vom Al-Qaida-Ableger al-Nusra bestimmt. 
 
Während Osama die harte und gefährliche Ausbildung engagiert mitmacht und dem Beispiel seines Vaters folgen möchte, bleibt sein sensibler Bruder beinahe skeptisch. Das Kampftraining absolviert er eher widerwillig. Nach zwei Jahren trennen sich die Wege der beiden Brüder. Während Ayman zurück in die Schule geht, begibt sich Osama in eine mehrjährige Ausbildung zum Terrorkämpfer. Ihre Zukunft bleibt ungewiss. 
 
Regisseur Talal Derki lässt die Gefühle hinter den Handlungen des Vaters und seiner Söhne spürbar werden. Er ermöglicht intime Einblicke in eine für uns ambivalente Welt und lässt den Zuschauer ahnen, welch hohen Preis die Menschen und vor allem die Kinder in diesem grausamen Bürgerkrieg bezahlen müssen. 



Talal Derki über die Geheimhaltung seiner Identität

„Sie wussten nichts über mich. Ich habe alle Informationen zurückgehalten, es gab keine Fotos von mir beim Alkoholtrinken oder mit Mädchen. Und es gab ja auch noch keinen Artikel von mir über den Dschihad. Ich gab außerdem einige Interviews im Arabischen Radio und in Fernsehprogrammen, die die Opposition unterstützten. Die Kämpfer dachten, ich würde sie unterstützen. (...)“
Zitat aus einem Interview von Sönje Storm für Deutsche Welle



REGISSEUR TALAL DERKI

Talal Derki wurde in Damaskus geboren und lebt seit 2014 in Berlin. Er hat Regie in Athen studiert, um anschließend zunächst als Regieassistent bei zahlreichen Spielfilmproduktionen mitzuwirken. Bevor er begann, seine eigenen Filme zu realisieren, arbeitete er außerdem als Regisseur für verschiedene arabische Fernsehprogramme und als freiberuflicher Kameramann für CNN und Thomson & Reuters. Derkis Kurz- und Dokumentarfilme sind mit zahlreichen Festivalpreisen ausgezeichnet worden, unter anderem dem World Cinema Grand Jury Prize Documentary des Sundance Film Festivals für RETURN TO HOMS (2014) und OF FATHERS AND SONS (2018). 2019 wurde OF FATHERS AND SONS für den Oscar® als Bester Dokumentarfilm dokumentiert. 2014 war er Teil der Internationalen Jury der IDFA.


TALAL DERKI ÜBER SEINEN FILM
 
Nach meinem Dokumentarfilm RÜCKKEHR NACH HOMS über den jungen Rebellen Basset Sarut und seine Kampfgefährten wollte ich tiefer eindringen in die Emotionen und in die Psychologie des Krieges in Syrien. Ich wollte verstehen, warum Menschen sich radikalisieren und was sie dazu bewegt, nach den strikten Regeln des sogenannten Islamischen Staates zu leben. In den Medien wird der Krieg oft als ein Schachspiel dargestellt – und der Islam als das Böse abgestempelt. Wenn wir Bilder aus diesem Krieg sehen, haben wir häufig das Gefühl, dies sei eine irreale Parallelwelt. Deshalb wollte ich in OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS eine direkte Beziehung zwischen Protagonisten und Publikum herstellen. Ich wollte die Zuschauer – durch die Bilder meiner Kamera – mitnehmen auf meine Reise.  
 
Die Hauptcharaktere meines Films sind Abu Osama (45), einer der Gründer von al-Nusra – dem syrischen Arm der Al-Quaida – sowie seine beiden ältesten Söhne Osama (13) und Ayman (12). Ich habe über einen Zeitraum von fast zweieinhalb Jahren mit ihnen gelebt und wurde Teil ihrer Familie. Obwohl ich Atheist bin, habe ich jeden Tag mit ihnen gebetet und das Leben eines guten Muslims geführt – um herauszufinden, was momentan mit meinem Land passiert. Abu Osama ist nicht nur ein liebender Vater, er ist auch Experte für Autobombenanschläge und Minenräumungen und glaubt fest an ein Kalifat – eine islamische Gesellschaft unter den Gesetzen der Scharia. Und in diesem Sinne erzieht er seine Kinder.  
 
Ich bin Osama und Ayman in ein Trainingscamp für junge Kämpfer gefolgt und habe angefangen zu verstehen, wie die Kinder beeinflusst werden, und dass sie tatsächlich keine Chance haben, sich frei zu entscheiden. Wie werde ich zu dem, der ich bin? Wo ist Hoffnung? Wie wird die Zukunft aussehen? Welche Wahl haben wir? Die Kinder haben uns ermöglicht, eine emotionale Erfahrung zu machen und so die komplexe Tragödie in Syrien zu verstehen. Oft sind sie es, die diesen ganzen Wahnsinn durchschauen – auf ihre eigene, kindliche Weise. Sie können die Hoffnung retten. 
 
OF FATHERS AND SONS – DIE KINDER DES KALIFATS ist meine persönliche Reise durch ein völlig zerstörtes Land und eine notleidende Gesellschaft, auf der Suche nach Antworten auf meine verzweifelten Fragen über die Zukunft meines Landes und die Zukunft meiner Familie, die ins Exil fliehen musste. 
 
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 06.03.2019
REISS AUS
Ab 14. März 2019 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Ein halbes Jahr Auszeit wollen sich Ulli und Lena nehmen und von Hamburg nach Südafrika fahren. Dort kommen sie nie an. Stattdessen rollen sie in ihrem alten Land Rover Terés und dem knapp 40 Jahre alten Dachzelt, das sie von Ullis Patentante geschenkt bekommen haben, knapp zwei Jahre durch Westafrika. Es geht um Einiges: Darum, sich selbst wieder zu finden, sich wieder zu spüren. Und nicht eher umzudrehen, bis sich an der eigenen Einstellung zum Leben etwas grundlegend verändert hat. Auf 46.000 Kilometern, mehr als einmal um die Welt, erleben die zwei tagtäglich Abenteuer. Von denen manche nur schwer zu verdauen sind. 
 
Ein Film, der die wunderbaren, auch aber die Schattenseiten des Reisens offenbart. Der einen mitnimmt, aufwühlt, froh macht, schockiert und erstaunt. Der Mut macht, den eigenen Traum anzugehen. Ein Film, der ansteckt mit der Faszination und Liebe für Afrika.


Ein Film von Lena Wendt und Ulrich Stirnat


ÜBER DIE FILMEMACHER

Lena Wendt ist 1985 in Osterode am Harz geboren. Sie ist Journalistin, Fotografin und Filmemacherin. Lena studierte Journalistik in Hannover. Jede freie Minute verbringt sie in Afrika. So absolvierte sie auch ihr Praxissemester in Südafrika, wo ihr Absolventenfilm im Township Khayelitsha entstand. Neben dem Studium arbeitete sie für RTL Nord, wo sie nach erfolgreichem Bachelor Abschluss ihr Volontariat absolvierte. Von 2011 bis 2014 arbeitete sie als freie Journalistin für den NDR in Hamburg, zuletzt an 45-minütigen Reisereportagen. Im Herbst 2014 brach sie gemeinsam mit ihrem Partner auf eine zweijährige Reise durch Westafrika auf, welche sie dokumentarisch festhielt.
 
Ulrich Stirnat wurde 1985 in Stade geboren. Nach der Schule studierte er Medizintechnik und arbeitete danach drei Jahre als Ingenieur in der Forschung und Entwicklung. Ende 2014 brach er nach einem Burnout Anfang des Jahres zusammen mit seiner Partnerin Lena zu einer 6monatigen Reise nach Südafrika auf, die etwas anders verlaufen sollte als gedacht. Aktuell lebt Ulrich in der Nähe von Hamburg und arbeitet mit Lena an seinem ersten Filmprojekt REISS AUS – ZWEI MENSCHEN. ZWEI JAHRE. EIN TRAUM.
 


ÜBER DIE ENTSTEHUNG
Interview mit Lena Wendt und Ulrich Stirnat
 
Wie ist die Idee entstanden, einen Kinofilm über eure Reise zu machen?
Lena Wendt: „Komm, wir machen einen Kinofilm.“ – Es war eine spontane, irgendwie verrückte Idee, die uns circa ein Jahr nach Rückkehr von der Reise kam, auf dem Weg nach Hause vom Besuch einer Reisedokumentation im Open Air Kino im Sommer 2017. Im Anschluss an den Trip wollte ich eigentlich ein Buch schreiben, einen Bildband machen, eine Fotoausstellung vorbereiten – keine Spur von Filmambitionen. Direkt auf der ersten Ausstellung habe ich dann Hans Bücking kennengelernt. Ein Regisseur, dem meine Bilder gefallen haben und der sich begeistert einen Abend lang mit uns hingesetzt und in unser Rohmaterial reinschaut hat. „Ich lobe nicht oft, frag meine Frau“, sagte Hans immer wieder, „das ist echt toll, was ihr da habt, da müsst ihr was draus machen“. Während der Reise war schnell so unfassbar viel Material zusammengekommen, ergänzt durch noch mehr Videomaterial von Menschen mit wunderbaren Projekten, die wir kennenlernen durften und denen ich mit einem Imagefilm etwas zurückgeben wollte. Zudem haben wir von Anfang an Videotagebuch geführt, da wir für uns nachvollziehbar festhalten wollten, wie wir uns auf dieser Reise verändern. Ulli hat während der Reise sein Bestes gegeben, die Mengen an auf Festplatten gesichertem Material (ca. 4 TB) immer wieder vor dem drohenden Tod zu bewahren. Doch nie im Leben hätte ich bis dahin das Selbstbewusstsein gehabt, dass das Material zu etwas taugt. Zu viel Dreck auf der Linse, zu viel Rauschen im Ton… Zweifel über Zweifel. Doch Hans' Worte haben mir Mut gemacht, mir das nötige Selbstbewusstsein gegeben.
Ulrich Stirnat: Genau, und nach diesem Kinobesuch im Juli 2017 waren wir uns sicher: Das wollen wir auch! Das wird unser nächstes Projekt, wir machen gemeinsam einen Kinofilm! 50 Prozent hatten wir schon beisammen. Lena als Fotografin und TV-Journalistin hatte ihre Kamera auf der Reise dabei und hat von Anfang an kurze, eindrückliche Filme über die verschiedenen, bereisten Länder gemacht. Kaum ausgesprochen, fühlte sich die Kino-Idee so gut an, dass wir bereits am nächsten Tag eine Handvoll Leute anriefen, die wir uns für unser Filmproduktionsteam gewünscht haben. Zu unserem großen Erstaunen sagten direkt alle ohne zu zögern Ja. In nicht mal einem Tag hatten wir unser Kernteam zusammen. Bestehend aus Sebastian Bluhm, Lenas Lieblingscutter aus vergangenen TVZeiten, mit dem sie bereits diverse Langformate geschnitten hat, Helge Dube, Musikproduzent aus Hamburg, den wir über eine Reise-Freundin aus dem Senegal kennengelernt haben und Philip Möller, ein Freund und von Beruf Grafiker. Im Laufe des Projekts ist das Team weiter gewachsen. Dazu kamen Simone Weber, Sounddesignerin und Freundin, sowie Tobias Taskin, Tonmeister, Nachbar und mittlerweile enger Freund. Unser Leitmotiv für dieses Projekt und quasi Mitmachkriterium: Liebe fürs Thema und Spaß bei der Umsetzung.
 
Was war die größte Herausforderung bei diesem Projekt?
Lena Wendt: Nachdem wir bereits allen erzählt haben, dass wir einen Film über unsere Reise machen, sind wir fast aus allen Wolken gefallen, als wir gemerkt haben, was „Film- Machen“ kostet. Selbst dann, wenn das gesamte Team in der Spanne von gar nichts bis hin zur Mietkostendeckung für den Film arbeitet. Und gute Freunde uns während der Produktionszeit bei sich einziehen ließen. Statt zu kneifen, haben wir also in die Kreativkiste gegriffen und eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Genauso wie wir es auf der Reise getan haben, wollten wir es auch jetzt tun: Tauschen. Geld für die Postproduktion gegen Vorträge, Poster und Co. Und Tatsache, mit Hilfe der Crowd, Familien und Freunde haben wir es geschafft. Nach einem wunderbaren Dreivierteljahr kreativer nonstop Arbeit ist es geschafft, der Film ist fertig!
 
Was soll der Film dem Zuschauer mit auf den Weg geben – gibt es eine Botschaft?
Lena Wendt: Ich wollte bereits von unterwegs den Daheimgebliebenen mit Hilfe von kurzen Filmen auf unserem Blog die Angst vor dem Fremden nehmen. Ihnen ein Gefühl von den 14 Ländern, wie der Elfenbeinküste, Mali oder Burkina Faso vermitteln, durch die wir gereist sind. Oft ist es doch so, dass wir durch die Medien hier ein Bild im Kopf haben, wie es dort sein muss. Meist ist es kein schönes Bild, sondern ein von Angst, Mitleid und schlechtem Gewissen geprägtes. Und erst, wenn wir selbst in diese Länder fahren und feststellen, dass da ganz normale Menschen leben, mit einem ganz normalen Alltag und genau den gleichen Bedürfnissen, die wir selbst haben, löst dieses Bild sich auf. Dieser Film ist für die, die gerne reisen, für die, die nicht reisen können, für die, die bereits in den Startlöchern stehen und für die, die von ihren „Abers“ noch zurückgehalten werden.
Ulrich Stirnat:
Dieser Film ist ein echtes Herzensprojekt. Ein Film, der den Zuschauer mit auf unsere Reise durch Westafrika nimmt: authentisch, wunderschön, doch ungeschönt. Er erzählt unsere Geschichte: von Träumen, von Mut und Menschlichkeit, vom Leben. Eine Geschichte, die Grenzen überwindet und somit die Wahrnehmung von den Menschen der 14 Länder, die wir durchfahren haben, verändert. Wir möchten mit dem Film Danke sagen für die lebensverändernden Erfahrungen, die wir auf der Reise machen durften. Und jedem Mut machen, der einen Traum hat, aber mit sich hadert, auszubrechen aus dem Alltag und den eigenen Status Quo in Frage zu stellen.


Helge Dube – Filmmusik
 
Seine Musik haben Sie bestimmt schon mal in einem Film oder einer TV-Serie gehört. Sein Markenzeichen sind klare, eingängige Melodien, die sofort im Gedächtnis bleiben. Helge bezeichnet sie grinsend als "Ohrfräsen". Er lebt und arbeitet in Hamburg-Altona. Helge, selbst ein Kenner und Fan Westafrikas, lernte Lena Wendt, die Produzentin des Films, durch Vermittlung einer Freundin kennen, die im Senegal lebt und den Filmemachern dort begegnete. So haben sich Lena und Helge tausende Kilometer voneinander entfernt zum ersten Mal "getroffen". Der Beginn einer schönen Zusammenarbeit.
 
Vertraut mit Land und Leuten und der Musik der Region, sagte Helge sofort zu, als Lena ihn fragte, ob er die Filmmusik mache. Die Aussichten, sich den tristen Hamburger Winter mit der Arbeit an sonniger Musik zu verschönern und an einem Film mitzuwirken, der Westafrika so zeigt, wie es wirklich ist, ließen ihn nicht lange überlegen. Das europäische Bild von Afrika hat seiner Ansicht nach recht wenig mit der Realität zu tun und er begrüßt jeden Beitrag, der dieses Bild richtigstellt und erweitert.
 
Die Filmmusik in REISS AUS – ZWEI MENSCHEN. ZWEI JAHRE. EIN TRAUM. nutzt viele traditionelle Instrumente und Elemente der Musik Westafrikas. So kommen Kora (die afrikanische Doppel-Harfe, das Instrument der Griots – Geschichtenerzähler und fahrende Sänger), Ngoni (Vorläufer der Gitarre), Fula-Flöte und natürlich Percussioninstrumente wie Djembe, Kesseng-Kesseng (raten Sie mal, wie das klingt), Talking Drum und Calabash zum Einsatz. Viele musikalische Elemente der modernen Popmusik sind in den viel älteren Strukturen der afrikanischen Musik schon lange vorhanden. Das hört man auch in Helges Musik, die sich hier an den traditionellen Vorbildern orientiert.
 
Die Original-Filmmusik wird durch Beiträge internationaler Musiker bereichert:
N'faly Kouyaté: Kora-Superstar aus Westafrika, in Europa durch die Zusammenarbeit mit Peter Gabriel bekannt
Ziza: In Mauretanien ein gefeierter Sänger und Regimekritiker  
Kebba (Pa) Bojang: Djembe-Gott und Sänger aus Gambia
Cee-Ro: Musiker, DJ und Youtube-Star aus der Schweiz
 
Das Hauptthema der Filmmusik hat eine schöne Geschichte... Helge saß irgendwann in den 90ern an einem Strand in Marokko, wo ein Fest der Berber, eine "Fantasia", stattfand. Bärtige, ältere Herren mit langen, silberbeschlagenen Vorderlader-Flinten auf schnellen Pferden lieferten sich mit viel Gelächter und Geballer zum Gejohle der zahlreichen Gäste haarsträubende Rennen am Strand.  Helge war der Trubel irgendwann etwas zu viel und er probierte abseits des Festes seine frisch erworbene Lotar, einen Urahnen der Gitarre, aus; als sich ein alter Berber neben ihn setzte, ein ähnliches Instrument auspackte und zu spielen begann. Es ergab sich ein wortloses, aber sehr lebhaftes und fröhliches, musikalisches Frage- und Antwort-Spiel, aus dem das Thema entstand. Keiner der beiden sprach die Sprache des Anderen, aber eine Verständigung war problemlos möglich.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 27.02.2019
BEALE STREET
Ab 07. März 2019 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
„Die BEALE STREET ist eine Straße in New Orleans, wo mein Vater, wo Louis Armstrong und der Jazz geboren wurden. Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der BEALE STREET, ist im Schwarzenviertel irgendeiner amerikanischen Stadt geboren, ob in Jackson, Mississippi, oder in Harlem in New York: Die BEALE STREET ist unser Erbe. Dieser Roman handelt von der Unmöglichkeit und von der Möglichkeit, von der absoluten Notwendigkeit, diesem Erbe Ausdruck zu geben.
Die BEALE STREET ist eine laute Straße. Es bleibt dem Leser überlassen, aus dem Schlagen der Trommeln den Sinn herauszuhören.“
James Baldwin

Ein Film von BARRY JENKINS
Mit MICHAEL BEACH, DONNI DAVY, COLMAN DOMINGO u.a.


STATEMENT DES REGISSEURS
Im Sommer 2013 reiste ich nach Europa, um an der Adaption von James Baldwins Roman „If Beale Street Could Talk“ (auf Deutsch unter dem Titel „Beale Street Blues“ erschienen) zu arbeiten, in der Hoffnung, dass ich eines Tages von der Nachlassverwaltung Baldwin Estate die Erlaubnis bekommen würde, daraus einen Spielfilm zu machen . Jede Entscheidung, die ich während der Realisierung des Projekts getroffen habe, war von einem tiefen Respekt vor dem Originalwerk und dem Wunsch, Baldwins Vision treu zu bleiben, geprägt . Tish, Fonny, ihre Freunde und Familien, Ernestine, die Hunts und natürlich Tishs Eltern Joseph und Sharon: Jede einzelne Figur in Baldwins Werk ist auf eine ganz bestimmte Weise gezeichnet . Als erster Filmemacher, der einen Roman Baldwins in seiner Muttersprache auf die Leinwand bringen durfte, war es stets mein Ziel, Baldwins Figuren so genau wie möglich nachzubilden .
Die beiden wichtigsten Beziehungen im Film – die Beziehung zwischen Tish und Fonny und die zwischen Sharon und Joseph – sind von einem ganz besonderen, wunderbaren Rhythmus geprägt, der wie ein Puffer funktioniert . Sie geben den schwarzen Familien die Kraft, weiterzumachen und für das Versprechen des amerikanischen Traums zu kämpfen .
Baldwins Vision auf die Leinwand zu bringen und mithilfe der Schauspieler und der Crew hinter der Kamera, die für mich wie eine Familie waren, zum Leben zu erwecken, ist mein Weg, meinem Lieblingsautor Respekt zu zollen .
„Die Liebe hat euch hierher gebracht“ – meine Lieblingszeile aus Baldwins wunderbarem Roman beschreibt am besten den Geist, dem wir uns bei der Realisierung von BEALE STREET verschrieben haben .


SYNOPSIS
BEALE STREET basiert auf dem Bestseller-Roman des preisgekrönten US-Autors James Baldwin und erzählt eine berührende Liebesgeschichte im Amerika der 70er Jahre, in dem Rassismus gegenüber Schwarzen an der Tagesordnung stand . Die 19-jährige Tish und ihr Verlobter Fonny sind ein junges Paar im ärmlichen Viertel Harlem . Fonny wird fälschlicherweise der Vergewaltigung an einer Puerto-Ricanerin beschuldigt und kommt ohne Prozess unschuldig ins Gefängnis . Kurze Zeit später erfährt Tish, dass sie von Fonny ein Kind erwartet . Mit Zuversicht versichert sie ihm, ihn noch vor der Geburt aus dem Gefängnis zu holen . Mit Hilfe der Familie versucht sie mit allen Mitteln, seine Unschuld zu beweisen . . . .
 
Oscar-Preisträger Barry Jenkins, der bereits mit MOONLIGHT ein Meisterwerk schuf, stellt in BEALE STREET mit viel Feinfühligkeit der Willkür einer weißen Justiz eine junge und tiefe Liebe entgegen „wie man sie seit vielen Jahren nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat“ (Tagesspiegel).


LANGINHALT
Nach seinem Oscar®-prämierten Film MOONLIGHT präsentiert Regisseur, Drehbuchautor und Oscar® - Gewinner Barry Jenkins mit BEALE STREET seine Adaption des gleichnamigen Romans von James Baldwin . Der Film ist die erste englischsprachige Spielfilm-Adaption eines Romans des US-amerikanischen Schriftstellers James Baldwin überhaupt . Sie ist dem Autor gewidmet .
BEALE STREET spielt in den 1970er-Jahren in Harlem . Es ist eine zeitlose und bewegende Geschichte über die unerschütterlichen Bande einer afroamerikanischen Familie und eines Paares, das bedingungslos zusammenhält . Die Geschichte wird aus der Perspektive der 19-jährigen Tish Rivers (Kino-Newcomerin KiKi Layne) erzählt, die sich in der Rückschau an die Liebe, den Respekt und das Vertrauen erinnert, die sie und ihren Verlobten, den Künstler Alonzo „Fonny“ Hunt (Stephan James), verbinden . Die beiden sind seit ihrer Kindheit befreundet und träumen von einer gemeinsamen Zukunft, doch ihre Pläne werden jäh durchkreuzt, als Fonny verhaftet wird – für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat.
Tish ist überzeugt, dass Fonny unschuldig ist, wissend, dass sein guter Freund Daniel Carty (der Tony- und Emmy-nominierte Brian Tyree Henry) erst kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen ist, nachdem auch er zu Unrecht verhaftet wurde . Während Fonnys Mutter (Aunjanue Ellis) sich an ihre Religion klammert und sein Vater (Michael Beach) mit dem Gefühl der Machtlosigkeit hadert, stehen Tishs Vater Joseph (Colman Domingo) und ihre temperamentvolle ältere Schwester Ernestine fest an ihrer Seite und unterstützen sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln . Auch Tishs mitfühlende Mutter Sharon (Emmy-Gewinnerin Regina King) tut alles, um Fonny zu rehabilitieren – bereit, sich für das Glück ihrer Tochter, ihres künftigen Schwiegersohns und für das ungeborene Kind des Paares, das neue Freuden und Herausforderungen mit sich bringt, aufzuopfern . Angesichts ihrer baldigen Mutterschaft und der Aussicht, sich ohne Partner an ihrer Seite durchschlagen zu müssen, muss Tish ihre Träume an die neue Realität anpassen . Sie besucht ihren Verlobten regelmäßig im Gefängnis und versucht, ihn aufzumuntern, während Fonny mehr und mehr unter der Situation zu zerbrechen droht . Aus Wochen werden Monate, doch Tish gibt die Hoffnung nicht auf – dank ihrer inneren Stärke und einer Familie, die fest zu ihr hält.
BEALE STREET ist eine persönliche, kraftvolle Hommage an die weise Bilder- und Wortwelt des Schriftstellers . In poetischen Zeitreisen zeichnet der Filmemacher die emotionale Berg- und Talfahrt seiner Protagonisten in einer unversöhnlichen, von Rassismus zerrissenen Welt nach und zeigt, dass Liebe und Menschlichkeit alle Zeiten überdauern.



STIMMEN AUS DER BEALE STREET
BEALE STREET ist die erste englischsprachige Spielfilmadaption eines Werkes des renommierten Schriftstellers James Baldwin. Die in Harlem angesiedelte Liebesgeschichte wurde an Originalschauplätzen gedreht und in Zusammenarbeit mit den Nachlassverwaltern und der Familie von James Baldwin realisiert. Es ist Barry Jenkins‘ erster Film nach MOONLIGHT, für den der Regisseur und Drehbuchautor mit dem Oscar® als Bester Spielfilm ausgezeichnet wurde. Der Film ist James Baldwin gewidmet.
Baldwins Werke sind vielschichtige Porträts afroamerikanischen Lebens. Während seine Romane bereits mehrfach im Ausland und fürs Fernsehen adaptiert wurden, ist bislang keines seiner Werke von einem US-amerikanischen Filmemacher auf die große Leinwand gebracht worden. Die Spielfilmadaption von BEALE STREET macht die sowohl emotional als auch kulturell eindringliche und zeitlose Geschichte erstmals für das Kinopublikum erfahrbar.
Der Roman „If Beale Street Could Talk“ (auf Deutsch: „Beale Street Blues“) ist 1974 in den USA erschienen. Im Folgenden sprechen Schauspieler und Crew-Mitglieder der Spielfilmadaption BEALE STREET über ihre Beziehung zum Ausgangswerk und den Versuch, Baldwins Text ins 21. Jahrhundert zu holen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 21.02.2019
EIN KÖNIGLICHER TAUSCH
Ab 28. Februar 2019 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Frankreich, 1721: Um den Frieden mit Spanien zu besiegeln, fädelt der Regent Herzog Philipp von Orléans einen Prinzessinnentausch ein. Er will den elfjährigen französischen König Ludwig XV. mit der erst vier Jahre alten Tochter des spanischen Königs, Infantin Maria Anna Victoria, verheiraten. Im Gegenzug soll die Tochter Philipps, die zwölfjährige Louise Elisabeth, die Gemahlin des jungen spanischen Thronfolgers Don Luis werden. Madrid willigt ein und schon bald findet der Austausch der beiden Prinzessinnen an der Grenze zwischen den Ländern statt. Doch die königlichen Strategen haben die Rechnung ohne die Vermählten gemacht – denn diese haben ihren eigenen Willen. 
 
Nach dem Roman von Bestsellerautorin Chantal Thomas, basierend auf wahren Ereignissen, zeichnet der französische Regisseur Marc Dugain ein treffendes Sittenbild des Adels im 18. Jahrhundert und beschreibt die verrückten diplomatischen Verwicklungen mit scharfen und humorvollen Untertönen. EIN KÖNIGLICHER TAUSCH ist ein mitreißendes und emotionales Historiendrama, das durch eine aufwändige Ausstattung und prachtvolle Kostüme beeindruckt.


Ein Film von MARC DUGAIN
Mit LAMBERT WILSON, ANAMARIA VARTOLOMEI, OLIVIER GOURMET u.a.


Nach dem Tode des Sonnenkönigs Ludwig XIV. wird sein fünfjähriger Urenkel zu seinem Thronfolger Ludwig XV. (Igor Van Dessel) ernannt. Der kleine Junge hat als Einziger die Pockenepedemie, die nacheinander seine Eltern und seine Brüder dahinraffte, überlebt. Regiert wird Frankreich jedoch von seinem Vormund Philipp von Orléans (Oliver Gourmet). Das Land ist durch die Kriege von Ludwig XIV. ausgeblutet und der Hof hat Versailles verlassen. 1721 jedoch, kurz bevor Ludwig XV. zum König gesalbt werden soll, schmiedet der Regent einen waghalsigen Plan. 
 
Der elfjährige Ludwig XV. soll die vierjährige Infantin Maria Anna Victoria (Juliane Lepoureau), Tochter von König Philipp V. von Spanien, heiraten. Im Gegenzug soll die zwölfjährige Louise Elisabeth d’Orléans (Anamaria Vartolomei), die Tochter des Regenten, mit dem vierzehnjährigen Sohn und Thronfolger des spanischen Königs, Don Luis (Kacey Mottet Klein), vermählt werden. Mit diesem Menschenhandel will der Regent die Herrscherdynastie sichern, den Frieden zwischen Frankreich und Spanien nach dem äußerst verlustreichen spanischen Erbfolgekrieg besiegeln – und den Aufstieg seiner eigenen Familie vorantreiben.
 
So werden vier unschuldige Kinder zu Schachfiguren eines gnadenlosen dynastischen Machtspiels. Louise Elisabeth, die in einer von Soldaten eskortierten Kutsche nach Spanien gebracht wird, ist die Einzige, die offenen Widerwillen bekundet. Der Tausch der Prinzessinnen an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien auf der Ile des Faisans ähnelt trotz des höfischen Zeremoniells einem Geiselaustausch. Der spanische Thronfolger Don Luis, der die Prinzessin sehnsüchtig erwartet, wird von ihr zurückgestoßen. Sie verweigert Luis, der selbst unter seiner herrschsüchtigen Stiefmutter (Maya Sansa) und seinem paranoiden Vater Philipp V. (Lambert Wilson) leidet, ihr Bett und zieht ihm die Umarmungen einer Kammerzofe vor. Jede Teilnahme am höfischen Zeremoniell boykottiert sie mit trotzigem Durchhaltevermögen und lässt alle an sie gestellten Anforderungen abblitzen.
 
Während die rebellische Louise Elisabeth sich also am spanischen Hof nach Kräften unbeliebt macht und auch das Kalkül ihres Vaters, der so schnell wie möglich Nachkommen erhofft, durchkreuzt, läuft es in  Frankreich etwas besser. Die kleine Maria Anna Victoria bezaubert ihre Umgebung mit ihrer Anmut, Intelligenz und Würde. Neben ihrer Gouvernante Madame de Ventadour (Catherine Mouchet) rührt die kleine Königin besonders das Herz der freimütigen „princesse palatine“, Liselotte von der Pfalz (Andréa Ferréol). Unverbrüchlich hofft das Mädchen auch auf die Zuneigung von Ludwig XV. Der schüchterne König aber ist vor allem damit beschäftigt, sich im Dschungel der politischen Intrigen und höfischen Begierden zurechtzufinden. In sich gekehrt, voller Trauer und Sehnsucht nach seiner Mutter lässt er Maria Anna Victoria links liegen. Mehr noch, sie wird unfreiwillig zu seiner Rivalin um die Zuneigung seiner Gouvernante und einzigen Vertrauten, die sich nun auch um die junge Infantin kümmern muss.
 
Trotzdem entwickeln die zwangsverheirateten Kinder in ihrem Kampf um Selbstbehauptung eine Stärke, die sie schließlich dazu befähigt, aufeinander zuzugehen. Im Hintergrund aber lauert ein noch größerer Gegner als die menschliche Niedertracht: der allgegenwärtige Tod.



INTERVIEW MIT MARC DUGAIN
 
Dies ist das erste Mal, dass Sie einen Film nach einer anderen Buchvorlage als Ihrer eigenen adaptiert haben. Was hat Sie an Chantal Thomas’ Roman „Der königliche Tausch“ gereizt? 
Ich interessiere mich sehr für Geschichte. Dieser Roman hat mich deshalb so sehr angesprochen, weil ich als Kind so viele Bücher über das 18. Jahrhundert verschlungen habe. Und die historische Fußnote über den Prinzessinnen-Tausch ist wirklich einzigartig, besonders im Hinblick darauf, mit welch unvorstellbarer Grausamkeit diese Kinder behandelt wurden; wie sie, jedes auf seine Weise, versucht haben, diese Situation zu meistern. All das ist nicht weit entfernt von meinem bevorzugten Thema, der politischen Manipulation. Diese Kinder sind ganz buchstäblich Instrumente in den Händen von Erwachsenen, die selbst nicht wirklich erwachsen sind. Junge Prinzen und Aristokraten wurden mit viel Prunk und der Vermittlung des Gefühls ihrer „grandeur“ aufgezogen und zugleich infantilisiert, in einem kindlichen Stadium gehalten: Kinder, die Krieg spielen, weil sie sonst nichts zu tun haben. Dies hat zum Teil zum Untergang der Monarchie beigetragen. In diesem Film kann man sehen, dass die Monarchie bereits im Niedergang begriffen ist. 
 
Tatsächlich beginnt schon Ihr Film mit dem Blick auf eine einzigartige, untergegangene Welt, in einem Versailles, in dem der Tod allgegenwärtig ist, und das zur Ruine verfällt.
Das Gefühl der Unsicherheit, das in jenem historischen Zeitraum herrschte, war ausschlaggebend für meinen Wunsch, diesen Film zu drehen. Im 18. Jahrhundert führte die Omnipräsenz von Seuchen wie Pest und Pocken dazu, dass die Menschen eine für uns ungewohnte Perspektive auf das Leben hatten. Die heutige Aussicht, das siebzigste Lebensjahr zu erreichen, existierte nicht. Es war wahrscheinlicher, vor dem Erreichen des 35. Lebensjahres zu sterben. Die unheilverkündende, allgegenwärtige Präsenz des Todes erklärt auch die Bedeutung der Religion für die Menschen, denn diese knüpfte eine Verbindung zwischen dem ewigen Leben und dem so vergänglichen Erdendasein. Wenn Philipp V. der Infantin sagt, dass Leben und Tod dasselbe sind, beschreibt er jenes fundamentale Konzept der Religion, nach dem das Leben in der Vorbereitung auf den Tod besteht. Und diesen zentralen und bestimmenden Moment einer Kindheit, nämlich die schreckliche Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit, wollte ich deutlich machen. 
 
Das ist etwas, das besonders Ludwig XV. betrifft…
Ludwig XV. ist ein Kind, dessen gesamte Familie durch die Pocken ausgelöscht wurde. Er hat jeden in seiner Umgebung sterben sehen: Urgroßvater, Großvater, Vater, Mutter, Bruder. Und trotz dieses schrecklichen emotionalen Verlustes ist er gezwungen, König zu sein. Er steckt in der Zwangsjacke einer Funktion, die er anfangs nur unbeholfen ausfüllt; er lernt aber, sie gänzlich zu verkörpern. 
 
Ein Satz des Königs, den er zu dem Regenten sagt, zeigt seine komplexe Beziehung zu seiner Rolle als König: „Am Vorabend meiner Mündigkeit weigern wir uns, allein zu schlafen.“ 
Der Film zeigt den Prozess der Königwerdung; wie ein kranker, verwaister Junge wegen eines im Grunde lächerlichen Erbfolgesystems plötzlich die Funktion eines Königs übergestülpt bekommt – und wie er die Welt durch das Prisma eines absoluten Herrschers entdeckt. Gleichzeitig versteht er aber auch, dass „er einzig zum König erhoben wurde, um dieser Bürde zu gehorchen.“  Der junge Ludwig XV. ist taktlos und unentschlossen. Immer wenn er eine Entscheidung treffen soll, ist er auf der Hut, beobachtet misstrauisch seine Umgebung und antwortet kaum. Es ist dieser Aspekt der königlichen Macht, den ich zeigen wollte - die Last, die diese Verantwortung für ein Kind darstellt. Ludwig XV. ist von seiner Rolle überfordert, doch er weicht nicht davor zurück und erfüllt sie, manchmal sogar mit großem Ernst. Wenn er mit der Infantin in einem Boot sitzt und sagt: „Madame, die Leute sagen, dass ihr nicht wachst“, hat er, im königlichen Verständnis dieses Begriffs, bereits seine reproduktive Rolle angenommen.
 
Die innere Stärke und Würde der Infantin sind erstaunlich… 
Schon in Chantal Thomas’ Buch ist die Figur der Infantin sehr präsent und sehr gut ausformuliert. Sie verleiht den Kindern spezielle Eigenschaften und eine Frühreife, die sie in der Realität vielleicht nicht besaßen. Dennoch liebe ich es, wie sie diese Kinder charakterisiert. Ich verlieh Ludwig XV. Eigenschaften, Chantal verlieh der Infantin Eigenschaften; der Film ist das Ergebnis unserer jeweiligen Projektionen. Chantal akzeptierte meine Vorstellung von Ludwig XV., und ich versuchte so gut wie möglich ihre Sichtweise der Infantin zu respektierten. Dies im Wissen, dass ich ebenso sehr an den Charakteren der anderen Kinder interessiert war, und dass es wichtig für mich war, die richtige Balance zu finden. Es ging darum, vier Kinder von gleicher Wichtigkeit zu erschaffen.
 
Die Fiktion hat im Film eine größere Rolle als im Buch, besonders in Bezug auf Louise Elisabeth, die schließlich beginnt, sich Don Luis anzunähern… 
Louise Elisabeth war ein emanzipiertes, freches und eher modernes Mädchen. Dennoch wollte ich diese Aspekte nicht übertreiben. Ich fand es interessant, jenen Moment zu zeigen, in dem sie sich in ihre Rolle einer königlichen Ehefrau fügt, beginnt, sich in Don Luis zu verlieben und ihn dazu ermuntert, sich gegen seine Eltern zu behaupten: „Wenn du als König ebenso entschieden bleibst, könnte ich dich sogar lieben“, sagt sie zu ihm. Ich finde die Tatsache, dass sie resignierend ihr Schicksal akzeptiert, zugleich unerträglich und wunderschön. 
 
Diese Kinder sind Teil einer zynischen Verschwörung und doch gelingt es ihnen, mit Würde durch diese rauen Gewässer zu steuern und ihr Schicksal anzunehmen …
Niemals würde ich meine Charaktere degradieren oder verniedlichen, das kann ich einfach nicht, das ist nicht meine Art. Ich mag Filme, in denen die Charaktere in ihrem Wesen eine gewisse Würde und Größe ausstrahlen. Wir müssen uns nicht ständig auf die Darstellung einer untergehenden und verzweifelten Menschheit konzentrieren, das Untergehen bekommt sie schon gut allein hin! Dass die Kinder den Kopf hoch halten und ihre Würde bewahren, macht sie nicht weniger zu Opfern ihres verfaulenden Erbes. Das betrifft letztlich das Thema des Determinismus: in welchem Umfang kann es gelingen, sich von seiner Erziehung zu befreien, sich aus jener Umgebung zu lösen, in der man von Geburt an steckt? Wenn man sehr stark gegen seine Kindheit opponiert, bedeutet das zugleich, dass man sehr stark darin gefangen war. Und die Flucht aus diesem Milieu ist für Kinder extrem kompliziert, besonders für Ludwig XV., weil er nur einen einzigen Ausweg hat: König zu werden, weil er dazu geboren wurde, König zu werden. Er akzeptiert dies und wächst daran. 

Sie konzentrieren sich vor allem auf das Privatleben Ihrer jungen Charaktere und zeigen sehr wenig von der höfischen Pracht. 
Wenn man einen historischen Film dreht, hat man zwei Optionen. Entweder man filmt die offizielle Geschichte – Historie mit einem großem H, inklusive Glanz und Gloria, also eine eher angelsächsische Herangehensweise an Geschichte – oder man wählt einen eher intimeren Weg der Erzählung. Ich habe Letzteres gewählt, weil ich ganz nah bei den Kindern bleiben wollte, bei ihren Reaktionen und Gefühlen. Darin beruht, nach meinem Verständnis, die eigentliche Spannung meines Films, und eben nicht in einem detaillierten Panorama des 18. Jahrhunderts. 
 
Was das gemeine Volk betrifft, so wird es vollkommen ausgeblendet, abgesehen von jenem Intermezzo im Wald, in dem die Prinzessin einer jungen Bäuerin ansichtig wird … 
Die Prinzessin steigt aus der Kutsche um sich zu erleichtern, blickt in den Himmel und sieht plötzlich dieses junge Mädchen im Wald. Sie ist fasziniert, ihr Gesicht wird vom Anflug eines Lächelns überzogen, doch man ruft sie sofort in ihre eigene Welt zurück. Ich fand es interessant, die einzige Interaktion zwischen der Aristokratie und dem gemeinen Volk auf diese Weise zu zeigen – zu zeigen, dass die Prinzessin in ihrer Welt auch unterdrückt wird. Um den Niedergang der Aristokratie zu zeigen, war es nicht nötig, das abgenutzte Klischee von Sansculotten in Lumpen zu bringen, die Blutsverwandtschaft reichte dazu vollkommen aus! Diese Aristokratie zerstörte sich in ihren Stammeskriegen ganz von allein: die Bourbonen-Dynastie gegen das Haus Orléans. Nach Jahren der Inzucht innerhalb ihrer Sippe sind sie degeneriert, wie es etwa Philipp V. beispielhaft veranschaulicht. 
 
Der Fürst von Condé ist eine ziemlich lächerliche Figur. 
Ich mag die exzessive Seite dieses Charakters, jemand der gerade verrückt genug ist, um den Wunsch zu hegen, Politiker zu werden. In dieser Zeit war Frankreich die weltweit führende Nation – und an ihrer Spitze stand ein junger dreizehnjähriger König, der sich selbst zu finden versuchte, und ein 21-jähriger, degenerierter Premierminister. 
 
Es gibt viele Anspielungen auf Homosexualität…
Diese Periode der Uneindeutigkeit, die viele Jugendliche durchlaufen – übrigens nicht nur im Hinblick auf ihre Sexualität – ist hochinteressant. Besonders weil in jener Zeit viele Männerfreundschaften von Bewunderung und tiefen Gefühlen befeuert wurden; damals schrieben sich Männer fast so viele Briefe, wie es sonst nur zwischen zwei Frauen üblich ist. In jener Epoche war die Annäherung an Frauen viel komplizierter. Ich wollte all diese Fragestellungen, die dieser werdende König durchläuft, veranschaulichen. Was Louise Elisabeths Homosexualität betrifft, war ich hingegen ganz direkt. Wenn sie mit ihrer Zofe aus dem Bett steigt, verstehen wir, dass hier wirklich etwas passiert ist, dass sie neues Territorium entdeckt hat. In jener Zeit war Homosexualität ein Weg, sexuelle Tabus zu umgehen, und auch ein Weg, um das ziemlich hohe Risiko einer Schwangerschaft zu vermeiden. 
 
Wo haben Sie den Film gedreht? 
Wir nutzten mehrere belgische Schlösser: Beloeil, dessen Einrichtung eine Kopie von Versailles ist, und den Egmont-Palast, der das belgische Außenministerium beherbergt. Nicht weit davon entfernt befindet sich in Flandern das Kasteel Gaasbeek, ein schönes Beispiel für spanisch beeinflusste flämische Baukunst. Dort drehten wir die Szenen am Hof von Philipp V. 
 
Wie entdeckten Sie die vier jungen Darsteller? 
Jemand hatte mir von Igor Van Dessel erzählt, der später Ludwig XV. spielen sollte. Er drehte gerade einen Film in Cap Ferret, und da ich in Bordeaux lebe, bin ich losgefahren, um ihn zu treffen. Ich habe ihn zum Essen ausgeführt, wir hatten ein Gespräch, und dann hat er, mit seinen 13 Jahren, seine Brieftasche gezückt und gefragt: „Darf ich Sie zum Essen einladen?“ Igor ist extrem fotogen. Irgendwie zieht er, mit seinen unglaublichen Augen und dem leicht engelhaften Gebaren, das Licht auf sich. Wie alle großen Schauspieler ist er zu großer Konzentration fähig, kann aber, wenn ein Take vorbei ist, sofort abschalten. Die Fähigkeit dieses Jungen, in Sekundenbruchteilen Details nachzubessern, ist verblüffend. Er hatte die Begabung, seinen Filmcharakter immer weiterzuentwickeln, obwohl wir nicht chronologisch drehten. Igor hatte ein tiefes Verständnis für seinen Rollencharakter, diesen Jungen, der alles verloren hat und sich selbst neu zusammensetzen muss. 
 
Und die Wahl von Juliane Lepoureau als Infantin? 
Sie befand sich inmitten zahlreicher Kinder, die zum Casting gekommen waren. Sobald ich sie gesehen hatte, wusste ich, dass sie die Richtige war. Sie war so spontan, und sie strahlte soviel Intelligenz beim Vorsprechen aus. Ich weiß nicht, wo jemand in ihrem zarten Alter soviel Talent her hat. Am Set war sie immer fröhlich, nie müde und beklagte sich nie, obwohl es lange Zeiten gab, in denen sie warten und warten musste.  Für die Rolle von Louise Elisabeth wurde mir von Gilles Porte Anamaria Vartolomei empfohlen. Er hatte sie, als Kameramann, in Frédéric Beigbeders Film L’IDÉAL (2016) gesehen. Tatsächlich erwies sie sich als hervorragende und sehr talentierte Schauspielerin. Und Kacey Mottet-Klein, der Don Luis spielt, war geradezu ein Geschenk des Himmels. 
 
Und das Casting der Erwachsenen?
Als Schauspielerin hat Catherine Mouchet einen besonderen Stil. Das ist schon am Set aufregend, aber noch mehr, wenn man ihre Arbeit auf Filmmaterial sieht. Catherine verkörpert perfekt das Bindeglied zu den beiden verlorenen Kindern. Und was Lambert Wilson betrifft, so ist er extrem freigiebig, besitzt eine Kraft, die manchmal gebändigt werden muss, die ihn aber zu einem außergewöhnlichen Schauspieler macht. Besonders in der Abdankungsszene, in der er in vollendeter Weise den mystisch befeuerten Wahnsinn von Philipp V. verkörpert, finde ich ihn umwerfend. Ich habe ihn mir von Anfang an in dieser Rolle vorgestellt, weil er zugleich extrem sensibel und imposant ist. Auch Olivier Gourmet als Regent war für mich eine naheliegende Wahl. Tatsächlich war der Regent effeminierter, doch die Brutalität, die Gourmet ausstrahlte, passt gut zum Kuhhandel-Charakter des Austauschs: Ich verkaufe dir meine Tochter und kaufe deine…  Ich wollte auch unbedingt Maya Sansa für die Rolle der spanischen Königin Elisabeth Farnese. Alle diese Schauspieler waren genau die richtigen Leute, auf die ich gehofft hatte, selbst bei den Nebendarstellern, wie etwa Vincent Londez, der Saint-Simon spielt. Wir sehen zwar nicht viel von ihm, doch er schafft es, mit nur einem Blick, Präsenz zu zeigen.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Kameramann Gilles Porte? 
Was Schauspieler betrifft, so vertraue ich ihrem Talent, ihrer Fähigkeit zu improvisieren – das gilt jedoch nicht für einen Regisseur während des Drehs. Folglich bereite ich alles im Voraus vor, besonders die Drehfassung. Einen Monat vor dem Dreh habe ich mit Gilles die verschiedenen Orte und Sets aufgesucht und die Stellungen der Schauspieler Szene um Szene ausprobiert, um die Kamerapositionen herauszufinden. Letztendlich haben wir die Drehfassung ziemlich exakt befolgt. Um Gilles meine Vorstellung für die Beleuchtung zu verdeutlichen, zeigte ich ihm Gemälde, besonders eins, das perfekt mit dem übereinstimmt, was ich vorhatte: das Gemälde eines Kindes von Gainsborough. Ich mochte die Lichtreflexe, die er auf das Gesicht des Kindes zauberte, und Gilles hat sich davon auf brillante Weise inspirieren lassen. 
 
Und wie haben Sie die Musik erarbeitet? 
Ich wandte mich an Marc Tomasi, der bereits die Musik für meinen Fernsehfilm „Der Fluch des Edgar Hoover“ (2013) komponiert hatte. Ich wollte Musik in einem neobarocken Stil, und Marc hat Tag und Nacht gearbeitet, um die Komposition des Soundtracks rechtzeitig fertig zu bekommen. Der Applaus, den ihm die Musiker des London Symphony Orchestra während der Aufnahme spendeten, bedeutete für ihn die größtmögliche Auszeichnung.
 
Warum interessieren Sie sich so sehr für historische Figuren? 
Das ist bei mir seit jeher so. Als Kind hatte ich einen Mann vor Augen, dessen Leben mit der Geschichte kollidiert war: Mein Großvater wurde während des ersten Weltkriegs entsetzlich entstellt. Dieser Zusammenprall zwischen Geschichte und Privatleben führte mir eindringlich vor Augen, dass große Dinge äußerst dramatische Folgen für Individuen haben können. EIN KÖNIGLICHER TAUSCH erzählt auf seine Weise, von jenen Mächten, die uns manipulieren und kollektiv ins Desaster hinabziehen. Es ist eine Geschichte, die auch ich hätte schreiben können.  Interview von Claire Vassé
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 14.02.2019
CAN YOU EVER FORGIVE ME?
Ab 21. Februar 2019 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
In CAN YOU EVER FORGIVE ME? (2018) spielt Melissa McCarthy die Bestsellerautorin – und Katzenliebhaberin – Lee Israel, die in den 1970er- und 1980er-Jahren Biographien über Berühmtheiten wie Katherine Hepburn, Tallulah Bankhead, Estee Lauder und die Journalistin Dorothy Kilgallen publizierte. Als ihre Bücher aus der Mode kam und nicht mehr verlegt wurden, wandte sie sich der Kunst der Täuschung zu und wurde dabei von ihrem treuen Freund Jack (Richard E. Grant) unterstützt.
Fox Searchlight Pictures präsentiert – in Zusammenarbeit mit TSG Entertainment – die Archer Gray Produktion CAN YOU EVER FORGIVE ME?. Regie führte Marielle Heller nach dem Drehbuch von Nicole Holofcener und Jeff Whitty, als Vorlage diente das Buch von Lee Israel. In den Hauptrollen sind Melissa McCarthy, Richard E. Grant, Dolly Wells, Jane Curtin, Ben Falcone, Anna Deavere Smith und Stephen Spinella zu sehen. Als Produzenten firmieren Anne Carey, p.g.a., Amy Nauiokas und David Yarnell, als Ausführende Produzenten Jawal Nga, Pamela Hirsch und Bob Balaban.
Zum Kreativteam gehörten Chefkameramann Brandon Trost, Produktionsdesigner Stephen Carter, die Editorin Anne McCabe, ACE und der Kostümbildner Arjun Bhasin. Für die Musiküberwachung war Howard Paar zuständig, den Score komponierte Nate Heller und die Besetzung besorgte Jennifer Euston, CSA.

Ein Film von MARIELLE HELLER
Mit MELISSA McCARTHY und RICHARD E. GRANT

Aus der Riege großer amerikanischer Fälscher sticht eine Frau hervor: Lee Israel, einst eine anerkannte Schriftstellerin, die, zwischenzeitlich völlig verarmt, allein mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft von ihrer winzigen Wohnung in Manhattan aus, einen genialen Coup landete. Sie verfasste glaubhafte Bonmots berühmter Autoren, die sie bewunderte. Plötzlich hatte sie einen Weg gefunden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie verkaufte von ihr gefälschte Briefe von Berühmtheiten an Sammler. Israel stürzte sich kopfüber in ein kriminelles Leben, Diebstahl und Täuschung inklusive.

Der Aufstieg und Fall der Fälscherin Lee Israel würde wohl, hätte ein Drehbuchautor sich dies ausgedacht, als unglaubwürdig abgetan – aber die Geschichte ist so tatsächlich passiert. Nachzulesen ist sie in Israels humorvollen, 2008 erschienenen Memoiren, die den Titel Can You Ever Forgive Me? tragen. Melissa McCarthy ist in den Part Israels geschlüpft, eine Rolle, die sich von ihrem bisherigen komödiantischen Repertoire grundlegend unterscheidet. Die renommierte Filmmacherin Marielle Heller (DIARY OF A TEENAGE GIRL, 2015) hat das bewegte und zum Teil überaus bewegende Leben Israels nun auf der Leinwand nacherzählt, unterstützt von zahlreichen weiblichen Mitarbeiterinnen, darunter die Produzentinnen Anne Carey und Amy Nauiokas, die Drehbuchautorin Nicole Holofcener sowie die Editorin Anne McCabe.
Auf der einen Seite stehen Israels kriminelle Machenschaften, auf der anderen ihre persönlichen Erlebnisse und Geschichten. Sie beschreiben eine einsame, schwer dem Alkohol zusprechenden Katzenliebhaberin, deren Leben mit jeder Person, die sie hereinlegte, aufregender wurde. Israel ließ sich von all jenen literarischen Schlitzohren beeinflussen, die sie so klug imitierte. Und das tat sie mit Stil. Israel machte sich mit ihren tadellosen Fälschungen einen Namen – vor allem beim FBI – und fand so ein gutes Auskommen. Aber allmählich wurde das Geschäft für sie allein zu anstrengend, also band sie einen Komplizen in ihre Machenschaften mit ein. Sie erkor den Trickbetrüger und Dieb Jack Hock zu ihrem Mitarbeiter und musste in der Folge als ewige Einzelgängerin lernen, ihr Leben mit einem anderen Menschen zu teilen.

Besonders gefällt Heller die Tatsache, dass Lee Israel keine typisch weibliche Protagonistin ist, sondern vielmehr eine draufgängerische Anti-Heldin. Ein Rollenfach, das bislang Männern vorbehalten war. „Es ist doch so, dass wir im Kino vielen dieser wunderbar komplizierten Männer zuschauen, die schroff und abweisend sind, zudem moralisch zweigespalten. Das nehmen wir als gegeben hin“, sagt sie. „Also fand ich es aufregend und an der Zeit, eine Frau zu zeigen, die auch so tickt. Eine komplizierte, schwierige Person, die Verbrechen begeht, dennoch aber beherzt, schlau, schlagfertig und ehrgeizig ist.” 
McCarthy über ihre Israel: „Ich bin von Lee fasziniert. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, sie zu zeigen wie sie war: talentiert, intelligent und schlagfertig. Ich wollte beleuchten, in welchen Schwierigkeiten sie steckte, welche Schwächen sie besaß. Nicht zu vergessen ihre Fehler, ihre Wut und ihr gebrochenes Herz. Ich will, dass die Kinogänger sie genauso lieben wie ich.”  



Lee Israel: Heimtückischer Bücherwurm und bezaubernde Fälschungen

Lee Israel hatte sich nie vorgestellt, als Kriminelle ein Leben in Armut führen zu müssen. In den aufregenden Tagen im Manhattan der Siebzigerjahre war sie eine gefeierte Biographin mit großen Erwartungen und hoffnungsvoller Zukunft. Dank Ihrer beiden Bestseller – Biographien der Leinwandikone Tallulah Bankhead und der Society-Reporterin Dorothy Kilgallen – hatte sie Zutritt zur hochnäsigen New Yorker Literaturszene erlangt. Als sich jedoch ihr drittes Buch, eine Biographie über Estee Lauder, als Misserfolg entpuppte, änderte sich Israels Leben schlagartig. Die Ära der Bestseller war angebrochen, Autoren wurden zu „Marken“ – und Israel zur Persona non grata. Ihre Agentin beantwortete ihre Telefonanrufe nicht mehr, die Einladungen zu den noblen Partys blieben aus und sie fand keinen Job. Bald lebte sie in Schmutz und Elend, umgeben von modrigen Büchern. Ihr einziger verbliebener Partner war ihre geliebte Katze Jersey.

Unaufhaltsam ging es für sie bergab. Israel rätselte, wie dies einer begabten Schriftstellerin wie ihr hatte passieren können. Aber da war sie noch nicht einmal an ihrem Tiefpunkt angekommen. Als sie eines Tages nicht einmal mehr in der Lage war, den dringend notwendigen Tierarztbesuch ihrer Katze zu bezahlen, erkannte sie, dass sich in ihrem Leben etwas nachhaltig ändern musste. Sie fing an, alles zu verkaufen, was einen gewissen Wert besaß, darunter einen von Kate Hepburn signierten Brief. Die 200 Dollar, die sie dafür bekam, setzten die Dinge in Gang. Dabei half ihr das Schicksal, als sie gerade das Leben der Komödien- und Bühnenpionierin Fanny Brice für eine neue Biographie recherchierte. In einer öffentlichen Bibliothek entdeckte – und stahl – sie zwei Briefe von Brice, die sie an einen Sammler verkaufte. Dies brachte sie auf ihre neue Geschäftsidee. Sie verfasste eigene Briefe von Prominenten, um den Geldfluss am Laufen zu halten. Der Beginn ihrer neuen Karriere als raffinierte Literaturfälscherin.

Fortan fälschte sie Korrespondenzen von Literaturgrößen wie Dorothy Parker, Ernest Hemingway, Noel Coward, Edna Ferber, Lillian Hellman, Louise Brooks, George S. Kaufman und anderen. Überaus sorgfältig ging sie dabei zu Werk. Sie studierte den Stil der Autoren, die sie kopierte, übte sich in deren Handschrift bzw. legte sich exakt jene Schreibmaschinen zu, auf denen die Schriftsteller tippten, deren falschen Briefe sie ersann. Ihre Fälschungen waren so makellos, dass selbst Fachleute sie nicht als solche erkannten.

Perfekt brachte sie sich in die Gedankenwelt ihrer Autoren ein, unterfütterte diese mit eigenen Erlebnissen und Ideen. Ihr Gewissen beruhigte sie damit, indem sie sich einredete, dass sie im Prinzip niemandem schadete, sondern „ihre” Autoren nur noch mehr strahlen ließ, deren Intelligenz und Geist unterstrich. Sie verfasste elegante, clevere und wortgewandte Briefe, ersann Sprüche, die sich wunderbar zitieren ließen und genau die Sprache widerspiegelten, die die von ihr kopierten Autoren berühmt und unsterblich gemacht hatte. Darüber – und nicht zuletzt wegen des einsetzenden regelmäßigen Geldflusses – wurde ihr Leben wieder vergnüglicher und leichter. Sie hatte an ihrem durchtriebenen Spiel Spaß, liebte die Action und gewann auch wieder Bewunderer. Ein Problem blieb jedoch: Israel beging Verbrechen am laufenden Band. 

Diese Diskrepanz – einerseits war da diese unglaublich talentierte Autorin, andererseits diese ruchlose Fälscherin –  sprach die Filmemacher sofort an. Sie erkannten hier eine ganz ungewöhnliche Geschichte. Amy Nauiokas, Produzentin bei Archer Gray, spezifiziert: „Mir gefiel Lee besonders deshalb, weil sie so tapfer und skrupellos war – und das in einer Zeit, in der man Frauen solche Wesenszüge überhaupt nicht zutraute. Ich las ihr Buch bei Laternenlicht in einem Rutsch in einem Zelt in Tansania durch.”

Anne Carey, Nauiokas’ Partnerin bei Archer Gray, bekam das Manuskript des Buches schon früh von einer befreundeten Redakteurin zugesandt. Sie erinnert sich: „Ich verliebte mich augenblicklich in das Buch, denn es erinnerte mich an die Frauen, die ich in New York kennengelernt hatte, nachdem ich gerade dorthin gezogen war. Ich arbeitete damals in einer Welt, in der wir nach geeigneten Buchvorlagen fürs Kino suchten. Damals lernte ich viele alleinstehende Frauen kennen, die extrem klug waren, sich Katzen hielten und einen viel zu aufwändigen Lebensstil führten. Sie unterschieden sich ganz grundsätzlich von allen Menschen, die ich sonst traf. Es fühlte sich also an, als würde ich Lee kennen, jedoch hatte ich noch nie einen Film über so eine Frau gesehen. Mir sagte zudem zu, dass es eine Geschichte über geistiges Vergnügen war, eine Geschichte über New York und eine Geschichte über die Freundschaft zweier Menschen, die einander auf eine ganz merkwürdige und spitzbübische Art unterstützen.”
 
Produzent David Yarnell war ein lebenslanger Freund und Vertrauter von Israel, ehe diese 2014 verstarb. Er überredete sie, ihre Memoiren zu schreiben. Sie hatten sich Jahre zuvor kennengelernt, als Yarnell die Filmrechte für ihre ersten beiden Bücher optionierte. Damals hatte ihm Israel widerwillig die Geschichte ihrer Schurkenjahre offenbart.

„Ich saß mit ihr beim Mittagessen, als sie sagte: ‚Weißt du, ich habe in meinem Leben etwas getan, worauf ich nicht besonders stolz bin. Eigentlich möchte ich gar nicht darüber sprechen’“, erinnert sich Yarnell. „Und ich erwiderte: ‚Na, jetzt musst du das aber präzisieren’. Also bestellte ich ihr noch einen Scotch, was ihr half, über ihre gefälschten Briefe zu erzählen. Sie hatte sich dabei auf die berühmten Autoren des Algonquin Round Table spezialisiert, einer Gruppe renommierter Literaten, die sich in den 1920er-Jahren jeden Tag zum Mittagessen im New Yorker Algonquin Hotel getroffen hatten, namentlich Lillian Hellman, George S Kaufman, Louise Brooks und Dorothy Parker. Es war ein gefährliches und illegales Unterfangen gewesen, das ihr aber ihrer Aussage nach eine tiefe innere Befriedigung gegeben hatte. Ihr gefiel besonders, dass es ihr gelungen war, ihre Texte als die ihrer berühmten Kollegen auszugeben.”

Das war die Zeit, in der Yarnell Israel gegen deren heftige Proteste ermutigte, diese Geschichte in ihrem ganz eigenen scharfzüngigen und süffisanten Ton zu Papier zu bringen – inklusive ihres geradezu surrealen Katz-und-Maus-Spiels mit dem FBI. Die Ironie dabei: Als dann die Chronik dieser Ereignisse erschien, wurde ihr jene literarische Aufmerksamkeit zuteil, nach der sie so lange gehungert hatte. Yarnell hatte zugleich auch die Kinoqualität des Stoffes erkannt, obwohl Israel alles andere als ein typischer Outlaw und Trickbetrüger war. Kurz vor Israels Tod haben die beiden sich noch mit Produzentin Carey getroffen – und Israel war von dem Gedanken, auf der Leinwand verewigt zu werden, begeistert. 

„Wir alle wollten Lees Story im Kino sehen”, sagt Yarnell. „Aber es war Anne Carey, die es schaffte, diesen Traum Realität werden zu lassen. Als wir uns mit Anne trafen, sagte Lee: ‚Wenn ihr diesen Film wirklich macht, dann muss David mit von der Partie sein’. Aber den größten Anteil daran, dass dies dann passierte, hat sicherlich Anne.”

Carey verpflichtete zwei hoch angesehene Drehbuchautoren, die denselben schrägen Humor pflegen wie einst Israel: Den für sein Musical „Avenue Q” mit einem Tony ausgezeichneten Dramatiker Jeff Whitty und die renommierte Filmemacherin Nicole Holofcener (ENOUGH SAID („Genug gesagt“, 2013), FRIENDS WITH MONEY („Freunde mit Geld“, 2006)), die beide Skripts vorlegten, die die überlebensgroßen Qualitäten Israels perfekt einfingen, die tragischen Umstände ihres Lebens und die dunklen Seiten ihres Charakters dennoch nicht verschwiegen. Whitty, zu dessen Bühnenarbeiten „The Further Adventures of Hedda Gabler” und das Musical „Head Over Heels“ nach der Musik von The Go-Go’s gehören, kennt sich mit starken Frauen aus, hat er sich doch im Verlauf seiner Karriere häufig mit solchen beschäftigt.

Holofcener kennt man als Autorin und Regisseurin zahlreicher hoch emotionaler Filme über komplexe Frauen. Ihr Ziel war es, diese Memoiren als temporeiches, spannendes und menschliches Drama zu adaptieren. „Ihr Skript fing Lees kämpferischen Geist perfekt ein”, weiß Yarnell.
Sowohl Whitty als auch Holofcener hatten die Ehre, Israel noch vor deren Tod kennenzulernen.
„Ich wusste damals schon, dass sie sehr krank war und ich hätte mir gewünscht, dass sie unseren Film noch hätte sehen können. Ich besuchte sie in ihrem Apartment, das noch kleiner war, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Aussicht aufs Nachbargebäude war überaus trist. Sie besaß Millionen wunderbarer Bücher sowie – wenig überraschend – zig Tassen und Bilder mit Katzenmotiven. Sie hätte Besseres verdient”, sagt Holofcener.

Als Israel dann in Folge eines multiplen Myeloms im Jahr 2014 verstarb, blieb ihr Yarnell in Treue verbunden, er fand sogar ein neues Zuhause für ihre beiden Katzen. Er glaubt, dass ihr der fertige Film gefallen hätte. Nicht nur weil er ihre Kunst des Schreibens und ihre Bonmots feiert, sondern auch weil er zeigt, wie sie ums Überleben kämpfte und ihren Platz in einer Welt suchte, die sie fast vergessen hatte.
„Lee war streitsüchtig, schlagfertig, bissig und taff”, erklärt er. „Als sie ihre Würde und den Boden unter ihren Füßen verlor, kämpfte sie sich zurück. Dieses Gefühl zurückgestoßen und nicht anerkannt zu werden, kennen wir alle. Also denke ich, dass man sich leicht mit jemandem identifizieren kann, der sich wie sie auf dem absteigenden Ast befindet. Sie wirkte schon geschlagen, dagegen hat sie sich aber mit ihren ureigenen Mitteln gewehrt und damit auch Erfolg gehabt – eine ganz eigene Art von Erfolg.” 

Nauiokas und Carey entschlossen sich letztendlich, das Skript der aufstrebenden Regisseurin Marielle Heller zu übertragen, deren erste Arbeit ihnen sehr zugesagt hatte. Das Archer-Gray-Team hatte Hellers Karriere von Beginn an unterstützt, sie ermutigt, die Sundance Writer’s bzw. Director’s Labs zu besuchen und ihren Spielfilmerstling DIARY OF A TEENAGE GIRL produziert, der auf der Graphic Novel von Phoebe Gloeckner basiert. Beide waren sich einig, dass Heller die perfekte Wahl für den Stoff war. 

„Mari ist eine rastlose Person, das zeigt sich in allem, was sie tut”, sagt Nauiokas. „Sie besitzt eine ganz eigene Vision und hat ein Talent dafür, mit anderen Leuten zu kooperieren. Das hat uns bei diesem Projekt zusammengeschweißt. Sie verfügt über einen äußerst subtilen Regiestil und gleichzeitig versteht sie es, ihre Geschichten mit Tiefe und Leidenschaft zu erzählen. Ich halte sie für sehr tapfer und aufrichtig, beides Eigenschaften, die dieser Film unbedingt brauchte. Weil sie Frauen respektiert und mag, versteht sie die Bedürfnisse und Gefühlslagen ihrer Geschlechtsgenossinnen hervorragend. So ist ihr ein überaus authentischer Film geglückt.” 
Carey fügt hinzu: „Als wir Mari zum ersten Mal trafen, besaß sie schon genau jene Eigenschaft, die meiner Meinung nach alle Erstlingsregisseure haben sollten. Sie strahlte dieses spezielle Gefühl aus: ‚Ich werde diesen Film machen, koste es, was es wolle’. Das muss man haben – und sie hatte es. Und nun, bei ihrem zweiten Film, war es wunderbar zu sehen, wie ihr Selbstvertrauen gewachsen war. Sie wirkte noch stärker, noch geerdeter.“
Heller erinnert sich, dass sie beim Lesen des Skripts etwas tief im Inneren berührte. „Schon während der ersten Lektüre war ich begeistert”, erzählt sie. „Ich fühlte mich Lee sogleich verbunden. Ich bin auch so eine Katzenfrau, also spürte ich gleich diese Nähe. Nicht zu vergessen, dass ich alte Buchläden ebenso liebe wie die New Yorker Literatenwelt, in der Lee verkehrte. Aber mir sagte auch zu, dass ich es hier mit einer weiblichen Figur zu tun bekam, die – na ja – in gewisser Weise auch ein echtes Arschloch sein konnte. Sie ist bzw. war ein unnachgiebiges, witziges und ungeheuer taffes Weib.”
 
Selten hat man im Kino eine so barsche, gesetzlose Anti-Heldin gesehen. „Ich will Geschichten über Frauen erzählen, die von der Gesellschaft normalerweise übersehen oder wenig beachtet werden”, fasst Heller zusammen. „Lee war jemand, der wirklich jede Menge Fehler hatte, gleichzeitig war sie aber überaus erfinderisch und einfallsreich. Ob man nun dem zustimmt, was sie getan hat oder nicht – sie war zweifelsfrei eine Kriminelle –, sie setzte ihren Geist und ihr Schreibkönnen dafür ein, nicht vollkommen unterzugehen. Sie fand einen Weg, um zu überleben, um weiterzumachen und hatte dabei – und das ist sehr wichtig – ungeheuer viel Spaß.”
Autor: Siehe Artikel
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.