Echo
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Inhaltsverzeichnis
Landsberg: Rymden – Ein Mosaik vieler Ideen

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Gröbenzell: l'arte del mondo – Mit Disziplin und Leidenschaft

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Landsberg: Mathias Eick – Landsberg

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Olching: 15. Jahre KOM mit Luz Amoi

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Fürstenfeld: Emil Brandqvist Trio – Die Chemie stimmt

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Landsberg: Nik Bärtschs Ronin - Voll drängender Intensität

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Sonntag 19.05.2019
Landsberg: Rymden – Ein Mosaik vieler Ideen
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Foto: Egil Hansen
Landsberg. Mit sogenannten „Supergroups“ ist das so eine Sache. Die Namen der Mitglieder lassen in ihrer Summe die Erwartungshaltung oft in unerreichbare Höhen schnellen. Schließlich haben sie mit ihren einzelnen Projekten schon zuvor für immenses Aufsehen gesorgt. Warum also nicht nach dem Man-nehme-Prinzip die besten Zutaten, sprich Instrumentalisten, unkritisch zusammenbringen und miteinander kräftig verrühren? Ein bewährtes Rezept im Rock`n Roll-Circus (Cream, Traveling Wilburys), in der Klassik (Drei Tenöre) als auch im Jazz (Blue Note 7 oder dieser Tage erst das Quartett 4 Wheel Drive auf dem Label Act). Aber nicht immer befriedigt eben, im Gegensatz zum wirtschaftlichen Anspruch eines solchen Unternehmens, das Ergebnis auch qualitativ,
Vor ein paar Monaten nun hat sich ein neues Supertrio im Jazz zusammengefunden: Rymden. Bestehend aus dem Pianisten Bugge Wesseltoft, dem Bassisten Dan Berglund sowie dem Schlagzeuger Magnus Öström. Jeder für sich hat in der Vergangenheit schon für besondere musikalische Ausrufezeichen gesorgt. Und natürlich läuten bei allen Kennern des Metiers auch rückblickend sämtliche Erinnerungsglocken. Schließlich handelt es sich bei dieser Formation um zwei Drittel des vor gut zehn Jahren so tragisch auseinandergebrochenen Esbjörn Svensson Trio. Und so legt Rymden die Vermutung nahe, dass es jetzt eine Art Fortsetzung dieser einstigen Erfolgsgeschichte geben könnte.
„Ich will die Erinnerung an Esbjörn nicht überdecken. Aber ich selbst habe einfach nach einem coolen neuen Sound für dieses Trio gesucht“, sagte Pianist Bugge Wesseltoft in einem Interview erst dieser Tage. Ein Album des Trios liegt schon seit Februar vor – derzeit befinden sich die drei Musiker auf zugehöriger Welttournee. Gestern Abend nun das lang erwartete Gastspiel in Landsberg. Und auch wenn Wesseltoft sich verbal deutlich von der Legende EST distanziert, so wirklich gelang dies der Band musikalisch-inhaltlich nicht. Es war eben jene Mischung aus Club- und Popkultur, treibender Rhythmik und solistischen Bravourstücken, wie sie für den Jazz typisch sind, die wie ein Fortsetzung des alten Erfolgsrezeptes klang. Doch es fehlte dem Trio eine innere Geschlossenheit, ein überzeugendes (neues) Konzept, einfach Vitalität. Vieles war Stückwerk, schien nicht konsequent zu Ende gedacht, es fehlte die flüssige Leichtigkeit. Der Abend insgesamt ein Mosaik zu vieler Ideen und manch (über-)großer Gesten.
Dabei war die Ausgangslage optimal. Wesseltoft, Berglund und Öström sind musikalisch durchweg ähnlich sozialisiert und scheuen keine Herausforderung. Für sie alle sind Prog-Metal, freie Improvisation, Volksmusik und elektronische Dance-Grooves keine Gegensätze. Insofern können sie gemeinsam aus einem unglaublich weiten musikalischen Kosmos schöpfen, ohne Berührungsängste. Mutig sind sie allemal – das haben sie rückblickend und jeder für sich schon oft unter Beweis gestellt. Und so wurde man am Schluss das Gefühl nicht los, dass eine Band auf der Bühne stand, die für etwas stellvertretend gefeiert wurde, was man seit über zehn Jahren schmerzlich vermisst – und das so nicht wiederkommen kann.
Jörg Konrad
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Sonntag 12.05.2019
Gröbenzell: l'arte del mondo – Mit Disziplin und Leidenschaft
Gröbenzell. Vor genau einem Jahr gastierte das l`arte del mondo in der Elbphilharmonie in Hamburg mit dem Starsolisten Daniel Hope, kurz darauf in Montréal, zum prestigeträchtigen Baroque Festival, mit riesigem Erfolg. Dann wieder gab das Kammerorchester einige Gastspiele mit Nils Mönkemeyer, einem der wenigen Viola-Solisten weltweit und mit der einzigartigen Blockflötistin Dorothee Oberlinger. Am gestrigen Abend nun trat Werner Ehrhardt mit seinem feinen Ensemble in der Gröbenzeller Rudolf-Steiner-Schule auf, was zeigt, dass trotz der Internationalität des Klangkörpers immer die Musik im Vordergrund steht – und nicht die Exklusivität des Auftrittsortes bzw. die Gastspiele mit angesehenen Stars.
Das Konzert wurde zu einem rauschenden Fest für alle, die der Barockmusik hoffnungslos verfallen sind. Jene, die der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts etwas skeptisch gegenüber stehen, hätten an diesem Abend mit Sicherheit ihre Zurückhaltung aufgegeben und ihre Zweifel mit Freude überwunden. Denn das l'arte del mondo begeisterte mit seiner Dynamik und Musikalität, mit seiner disziplinierten Spielweise und der gleichzeitig zu spürenden Leidenschaft, mit der die Instrumentalisten miteinander agierten und die grandios überzeugte.
Auf dem Programm standen durchweg italienische Komponisten, die aber, ihrer Zeit entsprechend, europaweit tätig waren. Arcangelo Corelli (1653-1713), aufgrund seiner Ausbildung und seines künstlerischen Wachsens in Bologna auch „Il Bolognese“ genannt, widmete seine insgesamt zwölf Concerti dem Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg. So auch das Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 4, mit dem das l'arte del mondo den Barockreigen am Samstag eröffnete. Es folgten Werke von dem auch über Jahre in München aktiven Evaristo Felice dall`Abaco (1675-1742), von Antonio Vivaldi (1678-1741) und dem aus Lucca stammenden (und in Dublin verstorbenen) Francesco Geminiani (1687-1762).
Das neunköpfige Ensemble interpretierte die Stücke präzis und schwungvoll, brachte deren ganze Schönheit und Klarheit zum Ausdruck. Dabei agierte das Kammerorchester in sich geschlossen und transparent. Wunderbar die kleinen filigranen Figuren und die ineinandergreifenden Solostimmen, die den Kompositionen das Individuelle geben. Bei ihnen geht es aber nicht um einen Ausdruck von Virtuosität. Auch sie müssen, sollen sie ihre ganze Wirkung entfalten, eingebettet sein in den Gesamtablauf des Gruppenspiels. Und dies gelingt dem Orchester und vor allem dessenb Leiter Werner Ehrhardt auf eine ganz besonders überzeugende Weise. Beherzt und mit spürbarer Spielfreude setzt er immer wieder ausdrucksstarke solistische Höhepunkte. Dabei verschmilzt er mit seinem Instrument zu einer Einheit, gibt Richtung und Tempo des musikalischen Geschehens vor, begeistert mit eben jenen kleinen quirligen Figuren, kommuniziert komplett über die Geige mit seinen Orchesterkollegen. Ehrhardt ist in der Lage, einen ganzen Kosmos von unterschiedlichen Tönen abzurufen, und auch damit ein Konzert zu steuern. Das Publikum war zu recht hellauf begeistert. Und: Barocker geht’s nicht!
Jörg Konrad
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Samstag 13.04.2019
Landsberg: Mathias Eick – Landsberg
Landsberg. Das erste, was an seiner Musik auffällt, ist das Streben nach Anmut, Sanftmut und Wohlklang. Nicht dass er zwischenzeitlich keine Dissonanzen verarbeiten würde, musikalisch provoziert, in einem bestimmten Rahmen und für eine begrenzte Zeit auch frei improvisiert. Aber diese Momente wirken wie ein künstlerischer Kontrapunkt, um die anschließende Harmonie noch stärker zur Geltung zu bringen.
Mathias Eick war am gestrigen Abend nach 2016 zum zweiten Mal in Landsberg. Der Trompeter aus dem hohen Norden Europas. Schon in seinem letzten Konzert konnte der „melancholische Grundgestus“ seiner Musik das Publikum begeistern. Diesmal, in leicht veränderter Besetzung, hatte der Norweger einige Kompositionen seines zwischenzeitlich erschienenen Albums „Ravensburg“ im Gepäck. Eine Sammlung von Songs, die sich ebenfalls der Grundlagen von europäischer Kammermusik, der zeitgenössischen Improvisation und der Folklore seiner Heimat bedienen. Was er so überzeugend spielt und letztendlich auch komponiert, setzt er überwiegend aus diesen stilistischen Bausteinen zusammen. Und er tut dies zurückhaltend, reduziert, mit einem überzeugenden ästhetischen Gespür und immer innovativ.
Warum aber Ravensburg? Nun, aus Ravensburg stammen Vorfahren der Familie Eick. Genauer: Mathias Großmutter kommt aus der oberschwäbischen Kleinstadt. Und da er sich in seiner Musik schon immer von Landschaften und Menschen hat inspirieren lassen, war es gedanklich nur ein kleiner Schritt, vom Land der Seen und Fjorde Skandinaviens hinunter ins deutsche Ravensburg.
Die Musik selbst ist aber stark geprägt von den Traditionen Norwegens. Das wird besonders durch den Geiger Hakon Aase deutlich, der im neuen Quintett des Trompeters eine zentrale Rolle einnimmt. Er ist auch in Landsberg die zweite Stimme in den Kompositionen, ist (akustisch interessanter) Dialogpartner von Mathias Eick, bringt ein Gefühl von melancholischer Ausgelassenheit und folkloristischer Unbedarftheit in die Musik.
Der Unterschied zwischen einer Studioproduktion Mathias Eick und dem Auftritt seiner Formation im Konzert? Ruhe und Ausgeglichenheit treten zugunsten von Temperament und Intensität etwas mehr in den Hintergrund, die Passagen der Improvisation klingen entschlossener, oft freier und die Strukturen der einzelnen Songs sind weiter gefächert. Die wunderbaren Melodien, die sehr persönliche Art der Dynamik bleiben aber während des gesamten Auftritts den Kompositionen erhalten.
Andreas Ulvo setzt am Piano zurückhaltende Harmonien, leuchtet wie mit mattem Licht die Wege aus, gibt die Richtung vor, in die sich die Musik bewegen soll. Audun Erlien am Bass und Torstein Lofthus am Schlagzeug gestalten das rhythmische Fundament, wechseln die Takte, bringen unvorhersehbares ins Spiel, interagieren spontan und sind doch immer in der Zeit. Und Mathias Eick zirkelt die aufgeräumten, lyrischen Melodien an den Himmel, die trotz aller Zartheit Strahlkraft besitzen. Dazu gibt er mit seiner Stimme den Stücken eine ganz persönliche menschliche Note und spielt, als letzte Zugabe, noch ein beseeltes Solostück auf dem Klavier.
Jörg Konrad
 
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Samstag 06.04.2019
Olching: 15. Jahre KOM mit Luz Amoi
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Olching. Sie spielen Weihnachtskonzerte, werten Volksfeste und manchen politischen Ortsverband auf, haben ein Programm zur Kirschblütenzeit und spielen, wie am gestrigen Freitag, zum 15. jährigen Jubiläum der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach, kurz KOM genannt. Luz Amoi – ein Quintett für alle Fälle. Die Formation hat übrigens auch zur Eröffnung dieses wunderbaren kleinen Kulturtempels schon damals in Olching eines ihrer ersten Konzerte gespielt und Stefan Pellmaier, Johannes Czernik, Stefanie Pellmaier, Manuela Schwarz und Dominik Hogl haben es sich nicht nehmen lassen, auch der jetzigen Einladung zu folgen.
So vielfältig die Feste, zu denen Luz Amoi aufspielt, so vielfältig ist ihre Musik. Muss sie auch sein, um diese Wirkung zu entfalten, logisch. Auch im KOM haben die Fünf, die mittlerweile in der kleinen Gemeinde Oberappersdorf  leben, gezeigt, dass es sehr wohl funktioniert, mit der Toleranz und dem Respekt, mit der Grenzen überschreitenden Musikalität und der Hoffnung auf Verständigung. Die Messlatte für den Anspruch sehr hoch zu legen und trotzdem dem Publikum zu gefallen (ohne dabei gefällig zu sein!), das schaffen Luz Amoi spielend.
Manche sprechen bei dem, was die Band präsentiert, von bayrischer Weltmusik. Doch das klingt irgendwie anmaßend. Wenn, dann schon eher Weltmusik aus Bayern. Denn die bayrische Traditionsmusik ist die eigentliche Grundlage ihres musikalischen Tuns, ja, ist wahrscheinlich überhaupt der Grund, weshalb es Luz Amoi heute schon derart lange und erfolgreich gibt. Denn in den Familien, in denen die einzelnen Mitglieder musizierten, war eben einheimische Volksmusik Trumpf. Aber wie es so ist, irgendwann im jugendlichen Alter kommen ganz andere Einflüsse von außen hinzu hinzu. Jazz und Pop, Blues und Klassik, Chormusik und akademische Studien. Und irgendwann steht die Frage im Raum: Welche Musik wollen wir spielen?
Mit Akkordeon, Percussion, Gitarre, Saxofon, Klarinette, Violine, Hackbrett, Harfe, Kontrabass und Gesang bringen sie das Brauchtum der Wirtshausmusik und die Moderne stimmig auf den Punkt. Bodenständig, wenn es um den Zwiefachen, die Polka oder den Walzer geht, mitreißend, wenn sie den Blues zitieren, exotisch klingt bei ihnen der Surfsound Kaliforniens an, mal swingt es krachledernd, mal blinzelt ein wenig die Klassik von der Bühne und die Balladen, die haben das emotionale Potenzial berührender Intimität. Und bei allem spürt man die (ansteckende) Freude, die das Musizieren den Instrumentalisten bereitet.
Übrigens heißt ihr neues Programm „für Berta“. Wer Berta ist? Das bleibt das Geheimnis der gestrigen Konzertgemeinde. Versprochen. Aber vielleicht lassen sie es sich bei einem der kommenden Konzerte von Stefan Pellmaier selbst erzählen. Oder auch zum 30. KOM-Jubiläum, wenn Luz Amoi vielleicht wieder zu Gast in Olching sind …...
Jörg Konrad
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Donnerstag 04.04.2019
Fürstenfeld: Emil Brandqvist Trio – Die Chemie stimmt
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Fotos: TJ Krebs
Fürstenfeld. „Für mich ist die Natur eine wesentliche Inspirationsquelle, besonders die Jahreszeiten“, erzählte Emil Brandqvist vor einiger Zeit in einem Interview. Daran sollte sich bis heute wohl kaum etwas geändert haben. Die Stimmungen, die seine Musik vermittelt, sind somit ein Spiegelbild jener Gegenden und Zeiten, in denen sie entstand. „Wenn in meiner Musik manchmal etwas melancholisches zu hören ist, liegt das wohl an der Sehnsucht nach dem Sommer.“
Nun, der gesamten Musik des Emil Brandqvist Trios hängt etwas sehnsuchtsvolles an – was im Grunde auch verständlich ist. Denn der Schlagzeuger lebt überwiegend, dass heißt, wenn er nicht gerade auf Tour ist, im schwedischen Göteborg. Und diese Stadt liegt ziemlich hoch im Norden Europas. Die Durchschnittstemperatur beträgt hier im Jahresmittel ca. 6,5 Grad Celsius, bei 120 Regentagen!
In Fürstenfeld herrschte gestern frühlingshaftes Wetter und Brandqvists Musik schöpfte tief aus dem Gefühl der Melancholie und der Sehnsucht. Gemeinsam mit Tuomas Turunen am Klavier und dem Bassisten Max Thornberg fand der Schwede einen idealen musikalischen Ausdruck. Angelegt zwischen Chopin und Ellington, ausgestattet mit der Intensität eines Esbjörn Svensson bis Jakob Karlzon, in der Komplexität der Musik erinnernd an Brad Mehldau und Bobo Stenson. Das Prinzip der Virtuosität wird nicht überstrapaziert.
Vieles von dem, was Brandqvist und seine beiden instrumentalen Partner spielten, wirkte eingängiger und leichter, als es tatsächlich ist. Aber das ist auch genau einer der Gründe seines Erfolges. Packende Themen, dramaturgisch ausgefeilte Arrangements, transparente und dynamisch ausgespielte Improvisationen. Und vor allem aufeinander abgestimmte Instrumentalisten. Innerhalb des Trios stimmt die Chemie, jeder einzelne weiß genau, in welche Richtung sich sein Nebenmann bewegt, wo seine Stärken liegen und womit er sich stimulieren lässt.
Auffällig ist aber bei allen Kompositionen, die zum Großteil aus der Feder des Schlagzeugers stammen, der dicht gewebte perkussive Teppich. Nicht laut, nicht von rhythmischen Kunststücken durchsetzt und schon gar nicht aufdringlich. Sondern dicht, verzahnend, nach außen die Musik abschließend. Brandqvist hällt alles zusammen, er ist ein Jongleur der die Balance innerhalb der Musik hält. Einer, der sein Instrument liebt, das seinen Ideen Ausdruck verleiht – zugunsten der Gruppe, in der er sich bewegt.
Jörg Konrad
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Sonntag 17.03.2019
Landsberg: Nik Bärtschs Ronin - Voll drängender Intensität
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Fotos: TJ Krebs
Landsberg. Es sind genau jene scheinbar nicht enden wollenden Wiederholungen, welche der Musik Nik Bärtschs etwas beinahe Rituelles geben. Diese rhythmischen Patterns und deren unablässigen, minimalen Verschiebungen, die letztendlich neue Klanghorizonte eröffnen. Diese sparsamen Variationen der Themen auf dem Fundament eines rastlos treibenden Grooves. Komponierte Askese, die von Bärtschs vital agierendem Quartett in den unterschiedlichsten Modulen zusammengesetzt werden. So entsteht ein sich ständig erneuerndes Verhältnis zwischen Aufwand und Wirkung, verschieben sich die kreativen Schnittmengen der Titel immer wieder neu, ohne dass es dem Ergebnis an Spannung oder Leidenschaft fehlt. Nik Bärtschs Formation Ronin im Landsberger Stadttheater - ein optimistischer Kraftakt voll drängender Intensität.
Jeder Ton scheint genau kalkuliert, ist präzis gesetzt, füllt zielgenau den Äther. Musik, wie ein frisch geschnittener Strauch, der erst durch die Redundanz die prachtvollsten Blüten treibt. Jazz in einer der eigenwilligsten Varianten. Weder Swing noch Avantgarde, kein Blues und schon gar nicht Bop. Und doch schwingt von all dem in dieser Musik ein wenig mit, wohlbedacht und intuitiv.
Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten verfolgt der Schweizer sein Konzept des Zen-Funk oder auch der Ritual Groove Music, wie er selbst seine Kreation nennt. Die Herangehensweise selbst erinnert an frühere Aussage von Miles Davis, der meinte, alles Neue im Jazz passiere über den Rhythmus. Und Bärtschs Zen-Funk ist etwas Neues, etwas Ungewöhnliches, bis dato nie Gehörtes. Musik voller Stärke und Sturheit.
Bärtsch hat eine eingeschworene Truppe an seiner Seite. Schlagzeuger Kaspar Rast, dessen knochentrockene Rimshots klingen, als wolle er die Zeit neu takten. Thomy Jordi, der dem Bass seine tiefen Töne, seinen „Bauch“ lässt und der zugleich die peitschende Slap-Technik überzeugend beherrscht. Sha, der an Bassklarinette und Altsaxophon sowohl für hymnische Klangfarben sorgt, als auch mit stotterndem Staccato die Musik komprimiert. Und natürlich der Meister selbst, inspirierend, virtuos, die Dramaturgie perfekt in Szenen setzend.
Und dann wäre da noch ein zweiter Bassist, Björn Meyer. Noch vor einigen Jahren selbst festes Mitglied von Ronin, bis er sich anderen musikalischen Herausforderungen stellte. Der „schwedische Schweizer“ bestritt den ersten Teil des Abends - unbegleitet. Grundlage für diesen selten zu erlebenden Solotrip eines Bassgitarristen ist sein vor eineinhalb Jahren erschienenes Album „Provenance“ (ECM). Eine Sammlung von spieltechnischen Ideen und mentalen Befindlichkeiten, die er kontrastreich und differenziert umsetzt. Ein Monolog, der eine breite Palette an stilistischen Herausforderungen nutzt, der zwischen Jazz und Ambient charchiert, zwischen Affront und Beseelung und dabei eine wunderbar lyrisch pulsierende Musik schafft.
Dass Björn Meyer ganz zum Schluss noch gemeinsam mit Ronin auf der Bühne steht und in völliger Vertrautheit mit der Band ein gewaltiges finales Feuerwerk abbrennt, macht auch die offene und idealistische Dimension, die diese Musik ausstrahlt, überdeutlich.
Jörg Konrad

Auch in der Augsburger Allgemeinen
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