Film
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Inhaltsverzeichnis
SUNSET

7

ZWISCHEN DEN ZEILEN

8

HIGH LIFE

9

BLOWN AWAY - MUSIC, MILES AND MAGIC

10

ONCE AGAIN - EINE LIEBE IN MUMBAI

11

DAS ENDE DER WAHRHEIT

12

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Donnerstag 06.06.2019
SUNSET
Ab 13. Juni 2019 im Kino
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Das Hutmachergeschäft Leiter ist nicht nur bekannt für seine außergewöhnlichen Kreationen, sondern auch ein Ort großer Träume. Zumindest für die junge Iris Leiter, die 1913 nach Budapest kommt, um in dem Laden als Hutmacherin anzufangen, der einst ihren Eltern gehörte und in dem sie ihr Leben verloren. Der jetzige Inhaber Oskar Brill weist jedoch die junge Frau ab. Aber Iris hat nicht vor, Budapest zu verlassen.  Beharrlich macht sie sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Dabei kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das sie nicht nur zu einem gewissen Kalman Leiter sondern auch bis in die höchsten Kreise der österreichisch-ungarischen Gesellschaft führt. 
 
Regisseur László Nemes gelingt nach seinem mit dem Oscar® für den „Besten fremdsprachigen Film“ ausgezeichneten SON OF SAUL erneut eine präzise Schilderung einer Zivilisation am Abgrund. In fein komponierten Bildern und mit einem virtuosen Gespür für die flirrend-dekadente Atmosphäre vor dem Ersten Weltkrieg schildert Nemes die Geschichte seiner jungen Heldin.  
 
SUNSET tritt als ungarischer Oscar®-Beitrag in die Fußstapfen von Nemes' Spielfilmdebüt SON OF SAUL. Bei seiner Premiere im Wettbewerb der 75. Internationalen Filmfestspiele Venedig wurde SUNSET bereits mit dem renommierten FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. Außerdem wurde Nemes‘ zweiter Langfilm beim Toronto International Film Festival als "Special Presentation" gezeigt.
 
 
Ein Film von László Nemes
Mit JULI JAKAB, SUSANNE WUEST, VLAD IVANOV u.a.



LÁSZLÓ NEMES (REGISSEUR) 
 
László Nemes wurde am 18.02.1977 in Budapest geboren. Sein Vater war der ungarische Filmregisseur András Jelis. Aufgewachsen ist Nemes überwiegend in Paris, wo er Geschichte und Politikwissenschaften studierte. 
 
Ab 2005 begann Nemes bei verschiedenen Filmproduktionen mitzuwirken und entschied sich schließlich 2006, Regie in New York zu studieren. Nach einem Jahr brach er das Studium wieder ab. Danach arbeitete László Nemes als Regieassistent bei Béla Tarr und realisierte mit dem Regisseur den Film DER MANN AUS LONDON, in dem Tilda Swinton die Hauptrolle spielte. 
 
Bald realisierte Nemes auch Kurzfilme. Sein Erstling TÜRELEM wurde 2007 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele in Venedig gezeigt und 2008 in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ für den Europäischen Filmpreis nominiert. 2008 und 2010 veröffentlichte er die Kurzfilme THE COUNTERPART und THE GENTLEMAN TAKES HIS LEAVE. Seine drei Kurzfilme gewannen zusammen mehr als 30 Preise und liefen auf über 100 Filmfestivals.   
 
2015 wagte sich László Nemes an sein Spielfilmdebüt. Mit SON OF SAUL, für den Nemes auch das Drehbuch schrieb, begeisterte er Kritiker weltweit. Der Film zeigt 36 Stunden im Leben eines jüdischen KZ-Häftlings (gespielt vom ungarischen Dichter Géza Röhrig) im Vernichtungslager in Auschwitz. Der Film lief nicht nur im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und gewann dort den Großen Preis der Jury sowie den FIPRESCI-Preis. SON OF SAUL wurde auch mit einem Golden Globe® ausgezeichnet und gewann schließlich einen Oscar® in der Kategorie „Bester  fremdsprachiger Film“. 



DIRECTORS STATEMENT 
 
IRIS UND SUNSET  „Noch bevor ich mit meinem ersten Spielfilm SON OF SAUL begann, hatte ich die Idee, einen Film über eine Frau zu drehen, die allein und verloren in ihrer Welt ist. Einer Welt, die sie vergeblich zu verstehen versucht. Von bestimmter Literatur und der filmischen Tradition Mitteleuropas beeinflusst, zog es mich zu einer Protagonistin, die teilweise von einem Geheimnis umgeben ist und deren Handlungen die Zuschauer immer wieder bewerten und neu beurteilen müssen. Bis sie an einem Punkt im Film sogar eine Figur von unbekannter Dimension wird, so wie eine eigenwillige Johanna von Orléans Mitteleuropas. 
 
Im Gegensatz zu SON OF SAUL, der sehr akribisch und fast dokumentarisch aufgebaut ist, erinnert SUNSET an ein Märchen, ein Mysterium in sich. Es lädt den Zuschauer ein, zusammen mit der Protagonistin einen Weg durch einen Irrgarten aus Fassaden und Ebenen zu finden. Von Anfang an
habe ich mir vorgestellt, dass der Film den Zuschauer in ein persönliches Labyrinth stürzt, während er Iris auf der Suche nach ihrem Bruder begleitet und mit ihr herauszufinden versucht, was sich in der Welt verbirgt, die sie erkennen will. Hinter jedem Hinweis, den sie zu entdecken scheint, gibt es widersprüchliche Informationen. Unter jeder Schicht kommt eine neue zum Vorschein, und die Hauptfigur mag sich selbst nicht einmal darüber im Klaren sein, welch ein tiefgehender Prozess sich in ihr vollzieht. Iris ist ein Charakter, der zwischen Licht und Dunkelheit gefangen ist, zwischen Schönheit und Gefahr, unfähig mit den Grauzonen zurechtzukommen. In diesem Sinne ist SUNSET auch die Geschichte eines Mädchens, des Aufblühens einer seltsamen Blume. 
 
Bei SUNSET war es von Anfang an meine Absicht, ganz nah bei der Hauptfigur Iris zu bleiben. Das erlaubte einen besonders intimen Ansatz in einem ungewöhnlichen Historienfilm, der bewusst mit den vorhersehbaren Regeln einer Postkartenidylle bricht. Der Vorstellung, die wir von der Vergangenheit besitzen. Ich hoffe, den Zuschauer damit in eine unbekannte Welt entführen zu können, in der die Menschen verschiedene Sprachen sprechen – Geräusche sind ein Eckpfeiler dieser Strategie – und ihn so zu zwingen, sein Schutzschild aufzugeben. Ich glaube, das ist notwendig. Das Publikum auf eine andere Art und Weise zu erreichen, ist mein großes Ziel, gefolgt von meinem Wunsch, beim Publikum Gefühle und Gedanken zu wecken. 
 
SUNSET, DIE HEUTIGE ZEIT UND EUROPA 
SUNSET ist ein Film über eine Zivilisation am Scheideweg. Im Herzen Europas, auf der Spitze des Fortschritts und der technischen Entwicklung, ohne, dass darüber Geschichtsbücher berichten, wird der Lebensweg einer jungen Frau zum Spiegelbild eines Prozesses, der die Geburt des 20. Jahrhunderts markiert. 
 
Vor einem Jahrhundert beging Europa, als es auf seinem Zenit stand, Selbstmord. Dieser Selbstmord bleibt für mich bis heute ein Rätsel. Es ist, als würde eine Gesellschaft, die auf ihrem Höhepunkt steht, bereits das Gift produzieren, das sie zu Fall bringt. Die Beschäftigung mit diesem Rätsel wurde zum Herzstück des Films. 
 
SUNSET spielt vor dem Ersten Weltkrieg in der Zeit der Habsburger Doppelmonarchie ÖsterreichUngarn, einem scheinbar prosperierenden Vielvölkerstaat mit einem Dutzend verschiedener Sprachen und vielen Menschen, mit ihren blühenden Hauptstädten Wien und Budapest, den kulturellen Zentren der Welt. Dennoch bildet dies alles nur den glanzvollen Vordergrund für verborgene Kräfte, die in Wahrheit dabei sind, das Reich zu zerstören.
 
Als Kind habe ich immer den Geschichten meiner Großmutter, die 1914 geboren wurde, zugehört. Ihr Leben überspannte das gesamte Jahrhundert. Sie erlebte die Erschütterungen, die den europäischen Kontinent überzogen. Die totalitären Regime, die Genozide, die gescheiterten Revolutionen und die Kriege. In gewisser Weise war sie selbst Europa. 
 
Meine tief-europäischen Wurzeln führen dazu, dass ich mir über die Zeit, in der wir heute leben, und die Ära unserer Vorfahren Gedanken mache. Auch darüber, wie fragil die Oberfläche einer Zivilisation sein kann und was sich darunter befindet. In unserer modernen Welt, in der Nationalstaaten kaum noch eine Rolle spielen, scheinen wir oft die Dynamik der Geschichte vergessen zu haben. Ebenso ist uns scheinbar in unserer Technikhörigkeit und unserer grenzenlosen Liebe zur Wissenschaft nicht bewusst, wie nah an den Rand der Zerstörung sie uns bringen können. Ich glaube, wir leben in einer Welt, die nicht viel anders ist, als die kurz vor dem Ersten Weltkrieg 1914. Es ist eine Welt, die so gut wie blind für die Kräfte der Zerstörung ist, die sie selbst aus ihrem Inneren heraus nährt. Wir sind nicht weit entfernt von den Vorgängen, wie sie in der österreichisch-ungarischen Monarchie stattgefunden haben. Geschichte passiert jetzt, und zwar in Mitteleuropa.  
 
SUBJEKTIVITÄT, ZIVILISATION UND KINO
Als Filmemacher interessiert es mich, wie die menschliche Seele (Subjektivität) und die kollektive Seele der Zivilisation sich begegnen können. Bei SUNSET habe ich versucht, eine Verbindung zwischen der Geschichte eines Individuums und dem Zustand der Welt, in der die Heldin existiert, zu finden. Heutzutage wollen Filmemacher die Zuschauer in eine Richtung lenken, sie unaufhörlich in Sicherheit wiegen. Aber mein Ziel war es immer, neue Wege zu finden, wie ich dem Publikum eine subjektive Erfahrung von Ungewissheit und Zerbrechlichkeit vermitteln kann. Wie schon bei SON OF SAUL wollte ich dem Publikum keinen konventionellen Historienfilm präsentieren. Meiner Meinung nach können wir mehr erreichen, indem wir einen flüchtigen Eindruck von der Welt zeigen, aber nicht versuchen, sie vollständig sichtbar zu machen. Die Vorstellungskraft des Publikums tut dann schon den Rest. 
 
Ich finde die Standardisierung von Film und Fernsehen zweifelhaft und ich bleibe entschlossen, neue Wege zu finden, Bilder und Geschichten zu erzählen. Dabei verlasse ich mich nicht auf Methoden, die eine Geschichte übererzählen und alles in einen übergeordneten Kontext bringen müssen. Das heißt auch, dass ich Risiken eingehe. 
 
Ich habe das Gefühl, die Erfahrungen, die das Publikum heutzutage im Kino macht, werden zunehmend unbefriedigender. Filme werden, um ein leichteres Verständnis zu gewährleisten, auf eine industrialisierte Sprache reduziert, wobei die eigene innere Reise des Zuschauers komplett ignoriert wird. Filme weigern sich, dem Publikum zu vertrauen. Ich hab SUNSET auf eine Art inszeniert, die auf diejenigen seltsam wirken wird, die die gängige Filmpraxis begeistert annehmen. Aber ich wollte, dass die Zuschauer sich auch wieder auf das abenteuerliche Wesen von Film einlassen können. 
 
„Weniger ist mehr“ – Unser visueller Ansatz beruht auf einer organischen räumlichen Planung, die durch die sich immer bewegende Kamera erreicht wird. Wenn wir in die Welt einer scheinbar naiven und unschuldigen Figur eintauchen, entdecken wir hoffentlich alles mit ihr auf eine organische Art und Weise. Die unberechenbare, subjektive Abfolge von Informationen verwandelt die Geschichte eines jungen Mädchens in eine dunklere Erzählung von Verfall und Niedergang. 
 
In der Filmbranche verlässt man sich immer weniger auf reale Sets und greift immer öfter auf den Computer und visuelle Effekte zurück. Aber eigentlich finde ich, hat Kino mit der Magie von Physik, Optik und Chemie zu tun. Es handelt sich beim Film um einen Trick in der Wahrnehmung, von Licht und Dunkelheit. Wir entschieden uns daher, ein Set in einer echten Stadt zu bauen – Budapest. Wir verwendeten photochemisch belichteten und entwickelten Film sowie echte Effekte. Außerdem haben wir kompliziert choreographierte, lange Szenen gedreht, um SUNSET in einer körperlichen, den Naturgesetzen folgenden Welt zu verankern. Einer Welt, an die das Publikum glauben kann. 
 
Dieser Film ist mein persönliches Zeugnis meiner Liebe zum Kino, fast ein Jahrhundert nach Murnaus hoffnungsvollem Film SUNRISE (SONNENAUFGANG – LIED VON ZWEI MENSCHEN, 1927) – einem Film, dem wir mit SUNSET unsere Ehrerbietung erweise. Ich hoffe, dass SUNSET auch etwas von den Fragestellungen, die SUNRISE verkörpert, in sich trägt. 
 
Es kommt mir so vor, als befinden wir uns wieder am Beginn einer neuen filmischen Ära, aber einer, die nicht mehr so leidenschaftlich ist. Möglicherweise stehen wir wieder an einem Scheideweg, und die Versuchung könnte uns auf einen Weg führen, auf dem die Standards und Regeln des Filmemachens starrer sind als jemals und nicht mehr hinterfragt werden. Unsere bedingungslose Liebe zur digitalen Technologie und die gängige stromlinienförmige Dramaturgie bergen jedoch in sich das Risiko, dass die Magie und der nicht nachlassende Ideenreichtum des Kinos verloren gehen.“ 
 
 
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Donnerstag 30.05.2019
ZWISCHEN DEN ZEILEN
Ab 06. Juni 2019 im Kino
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Manchmal fällt es nicht schwer, zwischen den Zeilen zu lesen: Léonard schreibt Romane, in denen er vergangene Liebschaften verarbeitet und die realen Bezüge mehr schlecht als recht verschleiert. Sein Verleger Alain ist jedoch von dem letzten Manuskript wenig überzeugt und im Augenblick auch mehr mit der Digitalisierung seines Verlags beschäftigt – oder vielmehr mit der attraktiven jungen Mitarbeiterin, die hierfür zuständig ist. Alains Frau Selena dagegen gefällt Léonards Text, vielleicht, weil sie selbst mit einer Affäre in die Angelegenheit verstrickt ist. Ehrlichkeit ist hier ein zumindest flexibles Konzept. Und so diskutieren alle mit viel Witz über Dichtung und Wahrheit sowie den kulturellen und digitalen Wandel, und sehen über ihr zweifelhaftes frivoles Handeln entspannt hinweg. Ein großes Vergnügen!

Ein Film von Olivier Assayas
Mit Guillaume Canet, Juliette Binoche, Vincent Macaigne, Christa Théret

Seit vielen Jahren führt Alain (Guillaume Canet) den Pariser Verlag von Marc-Antoine (Pascal Greggory), der sich an einem Wendepunkt befindet. Die digitale Revolution, die zunehmende Verdrängung des gedruckten Buchs durch EBooks, Blogs und soziale Medien, hat die Branche verändert. Doch Alain bleibt optimistisch, setzt auf die These, dass die Menschen durch das Internet viel mehr schreiben und auch lesen. Diesen Impuls gilt es angemessen zu nutzen und sich dafür an die neuen Gegebenheiten und Strukturen anzupassen. 
 
Léonard (Vincent Macaigne), dessen Bücher Alain seit vielen Jahren verlegt, teilt seinen Zweckoptimismus nicht. Er verachtet die Entwicklungen der digitalen Welt, sieht sich als unerschütterliche literarische Säule der Wahrheit, obwohl er diese in seinen Romanen bedenkenlos verfälscht und die Grenzen zwischen real und fiktiv verschwimmen lässt. Mehr als einmal hat Léonard sein privates Umfeld und vor allem eigene gescheiterte Liebesbeziehungen in seine Romane eingebaut und diese als pure Fiktion etikettiert. Sehr zum Ärger seiner Ex-Frau, die sich in einer Figur aus einem seiner letzten Romane wiedererkannt hat. 
 
Von Léonards Narzissmus hat auch Alain die Nase voll. Bei einem Treffen mit dem kauzigen, chronisch unglücklich wirkenden Autor lässt er die Bombe platzen, dass er seinen neuen Roman nicht verlegen werde. Später, beim Abendessen mit seiner Frau Selena (Juliette Binoche) und gemeinsamen Freunden, wird hitzig diskutiert, ob Blogs und Twitter-Gewitter wirklich Ausdruck einer steigenden Lust am Schreiben und Lesen sind, ob Wahrhaftigkeit im Internet überhaupt realisierbar ist. Dort kursieren nur Lügen und Gerüchte, argumentieren Alain und Selena – ohne sich einzugestehen, dass sie es selbst mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Denn beide haben Affären, die sie voreinander verheimlichen. 
 
Alains Skepsis gegenüber dem neuen Manuskript von Léonard teilt Selena nicht. Sie findet den Text prinzipiell gut, außer dem Umstand, dass Léonard darin eine weitere Affäre verschlüsselt verarbeitet. Dass sie dabei eine tragende Rolle spielt, scheint niemand zu ahnen – weder Alain noch Léonards Frau Valérie (Nora Hamzawi), die von ihrer Arbeit als rechte Hand eines sozialistischen Politikers schwer beansprucht wird. Als ihr Léonard von Alains Ablehnung erzählt, reagiert sie trocken, desinteressiert – ermüdet von einer Beziehung, in der sie oft nicht anwesend ist und er oft abwesend wirkt. 
 
Um mit der fortschreitenden Digitalisierung Schritt zu halten, hat Alain im Verlag eine neue Position geschaffen. Laure (Christa Théret) soll alte Strukturen aufbrechen und neue Konzepte entwickeln. Für die smarte, selbstbewusste junge Frau sind Simsen und Posten moderne Formen des Schreibens und eine App als Verbreitungsmedium eines Textes genauso tauglich wie der traditionelle Druck. Dass sie auch im Bett frischen Wind ins Leben des Verlegers bringt, ist ihr und Alains Geheimnis. Beide wissen nicht, dass Selena längst misstrauisch geworden ist. 
 
Die erfahrene Bühnendarstellerin, die erstmals eine große TV-Rolle angenommen hat, ringt mit wichtigen Fragen. Soll sie eine vierte Staffel ihrer populären Kriminalserie drehen? Soll sie ihrer Ehe, in der das Feuer fehlt, noch eine Chance geben? In ihrer Serie ist Selena Polizistin – eine actionreiche Rolle, die ihr peinlich ist und die sie bei Nachfragen euphemistisch als Spezialistin für Krisenmanagement beschreibt. Schnelle Antworten und Lösungen hat Selena im realen Leben nicht und ist unschlüssig, ob sie ihre sechsjährige Liaison mit Léonard fortführen soll. 
 
Ihre Rolle in seinem neuen Buch, die Léonard clever verschleiert zu haben glaubt, missfällt der Schauspielerin – aber auch die künstlerischen Freiheiten, die sich der Autor bei der literarischen Aufarbeitung intimster Erfahrungen genommen hat. So hat Léonard keine Skrupel, die sexuelle Gefälligkeit, die Selena ihm im Kino erwies, in seinen autofiktiven Roman einzubauen. Doch den richtigen Filmtitel zu nennen, ist ihm unangenehm. So tobt die Leidenschaft im Buch eben nicht bei „Star Wars - Das Erwachen der Macht“, sondern bei Michael Hanekes Arthouse-Hit „Das weiße Band“. Eine Anbiederung an die Intellektuellen, findet Selena, genüsslich spottend.  
 
Scheinbar unbemerkt führen Alain, Laure, Selena und Léonard ihr Doppelleben weiter. Witzig, leidenschaftlich, bissig und kritisch wird im Beruf und auch privat über den Wandel in der Kultur und über Politik, über ethische Fragen und Google als vermeintlicher literarischer Wohltäter diskutiert. Doch über die Brüche in Seelen und Herzen wird geschwiegen. Das spürt auch Valérie, die Léonard schon länger eines Seitensprungs verdächtigt. Schließlich kennt sie ihren Mann und sein zwanghaftes Verhalten, Autobiografisches in seinen Büchern zu verarbeiten.
 
Am Ende wird es mehr oder weniger Veränderungen geben. Jobs werden gewechselt, Beziehungen beendet oder bewahrt. Schließlich aber wird es ein neues Leben sein, das tatsächlich für Wandel und Realität steht…
 

 
STATEMENT VON REGISSEUR OLIVIER ASSAYAS
 
Unsere Welt verändert sich fortwährend. So ist es schon immer gewesen. Die Herausforderung dabei besteht in unserer Fähigkeit, diesen beständigen Wandel mit all seinen Strömungen im Auge zu behalten und zu verstehen, was wirklich auf dem Spiel steht, wenn wir uns anpassen – oder das eben nicht tun. Genau darum geht es schließlich in der Politik und Meinungsbildung. Die Digitalisierung unserer Welt und deren Rekonfiguration in Algorithmen ist der moderne Motor einer Veränderung, die uns verwirrt und komplett überwältigt. In der Digital Economy werden Regeln verletzt und oft auch Gesetze gebrochen. Darüber hinaus stellt dieses Wirtschaftssystem in Frage, was in unserer Gesellschaft bisher stabil und selbstverständlich zu sein schien. Und trotzdem löst sich hier alles bei bloßem Kontakt auf. 
 
ZWISCHEN DEN ZEILEN versucht nicht zu analysieren, wie dieses neue digitale Wirtschaftssystem funktioniert. Vielmehr beobachtet der Film, wie die hier aufgeworfenen Fragen uns durchrütteln und ins Wanken bringen – und zwar persönlich, emotional und humorvoll. 
 


DIE DARSTELLER
 
GUILLAUME CANET (Alain)
 
Die Karriere von Guillaume Canet ist eine echte Erfolgsgeschichte. Dreimal wurde er als Schauspieler für den französischen Filmpreis César nominiert, zweimal als Drehbuchautor – und gewann ihn schließlich für die Regie seines mitreißenden Thrillers KEIN STERBENSWORT. Mit 33 Jahren war er der jüngste ausgezeichnete Regisseur in der Geschichte des César.  Dass Canet, 1973 in Boulogne geboren, eine solch steile Laufbahn hinlegen würde, war trotz seines Studiums an der renommierten Pariser Schauspielschule Cours Florent keineswegs vorhersehbar. Zu Beginn seiner Karriere drehte er für das Fernsehen, bis ihm Regisseur Phillipe Haim eine Hauptrolle in BARRACUDA anvertraute. Ein Jahr später wurde er für seine schauspielerische Leistung in Pierre Jolivets Drama VERHÄNGNISVOLLES ALIBI (En pein couer) als „bester Nachwuchsdarsteller“ erstmals für einen César vorgeschlagen. Dies öffnete ihm die Tür nach Hollywood, wo Regisseur Danny Boyle ihm eine Rolle in der Bestsellerverfilmung THE BEACH mit Leonardo DiCaprio gab. Von da an nahm Guillaume Canets Weg rasant an Fahrt auf, es folgten Rollen wie die des Etienne Boisset in Pitofs historischem Thriller VIDOCQ. Für seine Leistung in Cédric Angers Thriller LA PROCHAINE FOIS JE VISERAI LE COEUR sowie für sein Regiedebüt BAD, BAD THINGS wurde Canet jeweils mit einer Nominierung für den César bedacht. Dass er auch in sanfteren Werken zu glänzen vermag, bewies er 2007 in Claude Berris romantischer Komödie ZUSAMMEN IST MAN WENIGER ALLEIN an der Seite von Audrey Tautou. Zuletzt war Canet in Gilles Lellouches zweiter Regiearbeit EIN BECKEN VOLLER MÄNNER und in Nicolas Bedos’ romantischem Drama LA BELLE EPOQUE zu sehen.

JULIETTE BINOCHE (Selena) 
 
Juliette Binoche, geboren 1964 in Paris, feierte mit 19 Jahren in Pascal Kanés Drama LIBERTY BELLE ihr Filmdebüt. Zwei Jahre später besetzte der legendäre Jean-Luc Godard die Pariserin in seinem modernen, für zahlreiche Kontroversen sorgenden Bibeldrama MARIA UND JOSEPH (Je vous salue, Marie). Spätestens ab diesem Zeitpunkt eilte Binoche ein exzellenter Ruf voraus, der ihr einige Prestigerollen verschaffte. So wirkte sie in Leos Carax‘ DIE LIEBENDEN VON PONT-NEUF (Les amants du Pont-Neuf) oder in Jean-Paul Rappeneaus Historiendrama DER HUSAR AUF DEM DACH mit. Unvergessen bleibt Binoches US-Debüt in Philip Kaufmans meisterlicher Literaturverfilmung DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS. Ein weiterer Höhepunkt ihrer unvergleichlichen, mit 10 Nominierungen für den César gekrönten Karriere war ihre gleichermaßen faszinierende wie berührende Darstellung in Anthony Minghellas preisgekröntem romantischem Drama DER ENGLISCHE PATIENT. Für ihre schauspielerische Leistung wurde sie mit dem Oscar als „Beste Nebendarstellerin“ ausgezeichnet.  In ihrer beeindruckenden Laufbahn übernahm Juliette Binoche weitere Rollen in zahlreichen populären französischen wie internationalen Produktionen, beispielsweise in Lasse Hallströms Hit CHOCOLAT… EIN KLEINER BISS GENÜGT oder in Olivier Assayas’ Drama DIE WOLKEN VON SILS MARIA. Ihrem Sohn zuliebe übernahm Binoche 2014 eine kleine Rolle in Gareth Edwards’ Monsterspektakel GODZILLA. In ihrem jüngsten englischsprachigen Projekt, Claire Denis’ HIGH LIFE, das Ende Mai 2019 in die deutschen Kinos kommen soll, verkörpert sie eine Ärztin, ähnlich zu Rupert Sanders’ aufwendiger Manga-Verfilmung GHOST IN THE SHELL. Neben diesem Projekt wird sie 2019 auch in Hirokazu Koreedas Drama THE TRUTH zu sehen sein. In über 60 Filmen hat Binoche verletzliche, starke, sinnliche, verführerische, temperamentvolle, gequälte und charmante Frauenfiguren mit beeindruckender Emotionalität und Überzeugungskraft verkörpert. ZWISCHEN DEN ZEILEN ist Binoches dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Olivier Assayas.


VINCENT MACAIGNE (Léonard)
 
Geboren 1978 in Paris, hatte Vincent Macaigne sein Filmdebüt an der Seite von Emmanuelle Béart und Pascale Bussières in Catherine Corsinis Freundinnen-Drama LA RÉPÉTITION (2001). Nach kleineren Rollen verschaffte ihm schließlich Guillaume Brac seine erste Hauptrolle in der Dramödie EINE WELT OHNE FRAUEN. Brac hielt weiter zu Macaigne und vertraute ihm auch in TONNERRE die Hauptrolle eines bekannten Musikers an, der seinen Vater in einer Kleinstadt besucht und sich dort in eine junge Journalistin verliebt. Antonin Peretjatkos‘ Komödie THE RENDEZ-VOUS OF DÉJÀ-VU (2013) brachte Vincent Macaigne schließlich eine César-Nominierung ein. Eine klassische Macaigne-Rolle hielt Louis Garrels Beziehungsdrama ZWEI FREUNDE (Les deux amis) bereit, für das er für den Prix Lumières als „Bester Darsteller“ vorgeschlagen wurde. Weitere wichtige Werke in Macaignes Karriere sind die zwei von Anne Fontaine inszenierten Dramen AGNUS DEI - DIE UNSCHULDIGEN und MARVIN. Von seiner komischen Seite zeigte sich Macaigne u.a. in Olivier Nakaches und Éric Toledanos Hit DAS LEBEN IST EIN FEST. Neben seiner Schauspieltätigkeit arbeitet Macaigne auch als Autor und Regisseur. So war er für zahlreiche Kurzfilme verantwortlich, darunter WAS UNS BLEIBT („Ce qu’il restera de nous“, 2012), der für den César nominiert wurde und beim Festival du Court-Métrage de Clermont-Ferrand zwei Auszeichnungen erhielt. Mit der Molière-Adaption DOM JUAN & SGANARELLE inszenierte er darüber hinaus 2015 einen TV-Film, der auch auf dem Locarno Filmfestival aufgeführt wurde. Sein erster von ihm inszenierter Kinofilm folgte mit POUR LE RÉCONFORT (2017) zwei Jahre später. 2019 wird er in BLANCHE-NEIGE, eine moderne Variation eines berühmten Märchens der Gebrüder Grimm, in den Kinos zu sehen sein. 


NORA HAMZAWI (Valérie)
 
Nora Hamzawi, geboren 1985 in Cannes, startete als Stand-up-Comedian in Frankreich, bevor sie für den Film entdeckt wurde. Sie besuchte, wie auch Guillaume Canet, die Cours Florent, eine angesehene Schauspielschule in Paris. 2009 hatte sie ihre erste One-Woman-Show, fünf Jahre später folgte die zweite Show. Hamzawi tourte jahrelang erfolgreich durch Frankreich und glänzte dabei in ihren Programmen mit präziser Beobachtungsgabe und viel Selbstironie. Darüber hinaus lieferte sie viele Beiträge für diverse Radiosendungen und Printmagazine und war seit 2011 zu Gast in mehreren französischen TV-Shows. Ihr Filmdebüt feierte sie 2012 an der Seite von Alka Balbir und Darius in Benoît Forgeards Komödie RÉUSSIR SA VIE. Ein Jahr später wirkte sie dann in Antonin Peretjatkos Komödie THE RENDEZ-VOUS OF DÉJÀ-VU mit. Auf Dorothée Sebbaghs Werk L’EX DE MA VIE folgten zwei weitere Komödien mit dem französischen Schauspieler und Komiker Franck Dubosc – Florent-Emilio Siris PENSION COMPLÈTE, besetzt mit Gérard Lanvin, und Pascal Bourdiaux’ BILLY AND BUDDY 2, in der Mathilde Seigner die weibliche Hauptrolle übernahm.  Nach ZWISCHEN DEN ZEILEN widmete Hamzawi sich direkt zwei weiteren Projekten, die 2019 in die französischen Kinos kommen sollen: die Komödie FEMME-ENFANT unter der Regie ihres Bruders Amro Hamzawi, in der sie an der Seite von Joséphine de la Baume die Hauptrolle spielt, sowie Nicolas Parisers Dramödie ALICE ET LE MARIE. 
 



DIE FILMEMACHER
 
OLIVIER ASSAYAS (Regie, Drehbuch)
 
Olivier Assayas, geboren 1955 in Paris, ist einer der international renommiertesten Autorenfilmer. Der Sohn des bekannten Drehbuchautors Jacques Rémy arbeitete von 1980 bis 1985 als Autor und Redakteur bei der angesehenen Filmzeitschrift Cahiers du Cinéma. Sein erstes Drehbuch schrieb er gemeinsam mit André Téchiné für dessen romantisches Drama RENDEZ-VOUS, besetzt mit Juliette Binoche und Wadeck Stanczak. 1986 feierte er mit LEBENSWUT sein Regiedebüt und gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig den FIPRESCI-Preis, den Preis der internationalen Filmkritik. Für PARIS ERWACHT wurde Assayas mit dem Prix Jean Vigo ausgezeichnet. Nach den Kurzfilmen QUARTIER DES ENFANTS ROUGES und RECRUDESCENCE, die Teil der Anthologien PARIS, JE T’AIME bzw. CHACUN SON CINÉMA - JEDEM SEIN KINO waren, inszenierte Assayas mit Asia Argento und Michael Madsen BOARDING GATE - EIN SCHMUTZIGES SPIEL. Nach zwei Drehbüchern für André Téchiné, drehte Assayas schließlich das Generations- und Familiendrama ENDE EINES SOMMERS. Seine große Wandlungsfähigkeit und Neugier auf ganz unterschiedliche Themen unterstrich Assayas dann 2010 mit seinem dreistündigen TV-Projekt CARLOS - DER SCHAKAL, das in der Kategorie „Best Miniseries or Motion Picture Made for Television“ mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde.  Seine beiden letzten Filme vor ZWISCHEN DEN ZEILEN besetzte Olivier Assayas mit Hollywood-Star Kristen Stewart. Juliette Binoche war in der Rolle einer gefeierten Schauspielerin als Stewarts Partnerin im Drama DIE WOLKEN VON SILS MARIA zu sehen. Dieser war Wettbewerbsbeitrag bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes – wie zwei Jahre später auch PERSONAL SHOPPER, für dessen Inszenierung Assayas gemeinsam mit dem Rumänen Cristian Mungiu den Preis als „Bester Regisseur“ erhielt.


CHARLES GILLIBERT (Produktion) 
 
Charles Gillibert kann auf beträchtliche Erfahrungen als Produzent zurückblicken. Seine erste eigene Produktionsgesellschaft gründete er 1995 mit Nathanael Karmitz, dem Sohn des erfahrenen Produzenten Marin Karmitz. NADA, die Company der beiden, produzierte zahlreiche Kurzfilme und fusionierte 2002 mit Marin Karmitz’ Produktionsgesellschaft MK2. Zehn Jahre war Gillibert dann als Produzent für MK2 tätig, bevor er 2013 seine Produktionsfirma CG Cinema lancierte.  Mit Ausnahme der Miniserie CARLOS - DER SCHAKAL hat Gillibert in den letzten zehn Jahren alle Projekte von Regisseur Olivier Assayas produziert. Die Zusammenarbeit begann mit dem Drama ENDE EINES SOMMERS und setzte sich fort mit DIE WOLKEN VON SILS MARIA und PERSONAL SHOPPER. Der Franzose war auch Produzent zweier Filme der türkischen Regisseurin Deniz Gamze Erguven. Zunächst betreute er MUSTANG, der als „Bester fremdsprachiger Film“ für den Oscar vorgeschlagen wurde, danach auch Erguvens US-Debüt KINGS, ein mit Halle Berry und Daniel Craig besetztes Kriminaldrama. Zu seinen weiteren wichtigen Filmen zählen Gilles Béhats Kriminaldrama DIAMOND 13, ein für ihn eher untypischer Genrefilm mit Gérard Depardieu sowie Abbas Kiarostamis romantisches Drama DIE LIEBESFÄLSCHER und Xavier Dolans romantisches Drama LAURENCE ANYWAYS.
 
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Mittwoch 22.05.2019
HIGH LIFE
Ab 30. Mai 2019 im Kino
In den Tiefen des Weltalls. Jenseits unseres Sonnensystems. Monte (Robert Pattinson) und seine Tochter Willow (Jessie Ross) leben zusammen an Bord eines Raumschiffs, Raumschiff Nummer 7. Steuerungslos und gänzlich isoliert schweben sie durchs All, der Tag nur gegliedert durch Reparaturarbeiten und tägliche Statusreports an die Erde. Sie sind Teil einer experimentellen Mission, die außer Monte und Willow niemand überlebt hat. Eine Gruppe zum Tod verurteilter Straftäter hat ein Angebot des Staates angenommen: Lebenswichtige Energieressourcen im All zu finden und im Gegenzug dafür die Strafe erlassen zu bekommen. Ein trügerischer Deal. Und für die Crew eine Reise ohne Wiederkehr. So nähern sich auch Vater und Tochter ihrem letzten und unausweichlichen Ziel – dem Schwarzen Loch, dem Ende von Zeit und Raum.
HIGH LIFE erzählt in poetischen Bildern eine existentielle Geschichte von Verlangen und Begierde, von Leidenschaft und menschlicher Grausamkeit – und eine Geschichte von allumfassender Liebe.


Ein Film von CLAIRE DENIS
Mit ROBERT PATTINSON, JULIETTE BINOCHE, ANDRÉ BENJAMIN, MIA GOTH, AGATA BUZEK, LARS EIDINGER, CLAIRE TRAN, EWAN MITCHELL, GLORIA OBIANYO, JESSIE ROSS

HIGH LIFE ist Claire Denis‘ erstes englischsprachiges Projekt. Für ihr futuristisches Drama arbeitete sie mit einem herausragenden SchauspielerEnsemble zusammen: neben Robert Pattinson und Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche in den Hauptrollen u.a. auch mit OutKast-Sänger André Benjamin, Mia Goth, Lars Eidinger, Claire Tran und Agata Buzek.
Für HIGH LIFE holte sich Claire Denis die Expertise des renommierten Konzeptkünstlers Olafur Eliasson für das visuelle Design des Schwarzen Lochs. Den Soundtrack komponierte Stuart A. Staples von den Tindersticks. Für die Kamera zeichnete Yorick Le Saux verantwortlich. Das Szenenbild stammt von Francois Renaud Labarthe und Bertram Strauss.


INTERVIEW MIT CLAIRE DENIS

Wie kam HIGH LIFE zustande?
Vor einiger Zeit fragte mich ein englischer Produzent, ob ich ein Projekt innerhalb einer Reihe von Filmen zum Thema „Femmes Fatales“ übernehmen wolle. Anfangs war ich nicht so interessiert, aber nachdem ich darüber nachgedacht hatte, stimmte ich zu. Die Realisierung des Projektes dauerte ewig. Es gab kein Geld und es brauchte fast sieben Jahre, um eine Koproduktion zwischen Frankreich, Deutschland, Polen und letztlich den USA zustande zu bringen. Während dieser Zeit bin ich nach England und in die USA gereist, um Schauspieler zu treffen. Der Schauspieler, den ich mir für die Hauptrolle des Monte erträumte, war Philip Seymour Hoffman. Wegen seines Alters, seiner Müdigkeit - aber er verstarb. Ich war sehr traurig. Der schottische Casting-Direktor meinte dann, es gäbe einen anderen Schauspieler, den ich unbedingt treffen müsste: Robert Pattinson. Zuerst dachte ich, Robert sei zu jung, und ich muss gestehen, seine Schönheit war einschüchternd. In der Zwischenzeit traf ich Patricia Arquette in Los Angeles für die weibliche Hauptrolle der Dr. Dibs.
Robert Pattinson zeigte sich bei jedem der folgenden Treffen diskret und charmant, geheimnisvoll. Natürlich kannte ich ihn. Wie Millionen von Kinobesuchern hatte ich die fünf Folgen von Twilight gesehen, in denen er einen Vampir spielt. In dieser Serie faszinierte mich vor allem die Paarkonstellation, die er mit Kirsten Stewart bildete. Ich erinnere mich an eine Szene, als Kirsten Stewart ihm offenbart, dass sie akzeptiert, dass er ein Vampir ist. Er antwortet: „Nein, ich kann nicht... ich will dich nicht verletzen.“ Ich hatte ihn auch in den beiden Filmen gesehen, die er mit David Cronenberg gedreht hatte, Cosmopolis (2012) und Maps to the Stars (2014). Ich wusste, er konnte verschiedene Typen darstellen. Eines Abends im Hotel wurde mir klar, wie dumm es war, nach einem Double von Philip Seymour Hoffman zu suchen. Plötzlich war es wie selbstverständlich, Robert als Monte zu besetzen. Mit meinem Co-Autor Jean-Pol Fargeau haben wir einen ersten Entwurf des Films geschrieben und ihn für Robert übersetzen lassen.
Danach wurde alles viel einfacher. Robert kam nach Paris, wir aßen zu Abend, unterhielten uns... Es war alles sehr lustig. Manchmal sagte er, dass er das Drehbuch nicht so gut versteht, dass er nicht wusste, was ich wollte. Ich hatte das Gefühl, dass er Angst vor der Keuschheit seines Charakters hatte. Dennoch war Robert immer präsent. Mehr als „präsent“: Er war ein aktiver Partner, der immer zur Verfügung stand. Sein „Ja“ zum Film, war ein 1.000-prozentiges „Ja“. Das hat er während des Drehs in Köln bewiesen. Einige Leute dachten, dass ein Star wie er einen Privatjet für Wochenenden in London verlangt. Überhaupt nicht! Er blieb während des gesamten Drehs in Köln. Er aß mit der Crew zu Abend, nicht, weil ihm langweilig war, sondern weil er zu 100 Prozent dabei sein wollte. Bei der Europäischen Weltraumorganisation in Köln absolvierte er wie alle anderen Schauspieler ein Astronautentraining. Er lief sogar auf einer Maschine, die für kurze Zeit Schwerelosigkeit erzeugte. Er ist eine wunderbare Person, mit der es sich ausgezeichnet zusammenarbeiten lässt!

Und Juliette Binoche?
Sie kam später zum Projekt. Wir hatten zusammen an meinem Film Meine schöne innere Sonne (2017) gearbeitet. Während der Weltpremiere im Mai 2017 in Cannes sagte Juliette zu mir: Stimmt es, dass du deine Hauptdarstellerin verloren hast?“ Es stimmte. Die Dreharbeiten zu HIGH LIFE sollten im September beginnen. Patricia Arquette hatte sich für die Serie Medium verpflichtet, in der sie die Hauptrolle spielt. Juliette sagte: „Nun, wenn du möchtest, dass ich das mache, dann mache ich das.“ Ich bestehe darauf, dass ich Juliette in keinster Weise als Ersatz ansehe. Wir haben uns bei Meine schöne innere Sonne unglaublich gut verstanden. Sie ist eine wahre Naturgewalt, geerdet und solide. Aber ich hatte immer noch Patricia Arquette im Kopf. Ich musste die Figur in meinem Kopf neu erfinden. Für Dr. Dibs - eine Art Dr. Seltsam im Weltraum, ein bisschen verrückt und gefährlich – schlug ich vor, dass Juliette sehr lange, tiefschwarze Haare hat. Es wäre während ihrer interstellaren Reise gewachsen. Juliette gefiel die Idee. So konnte ich mir eine andere Juliette als die in Meine schöne innere Sonne  vorstellen. Aber genauso kreativ und einfallsreich. Fast eine neue Eva...

Wie haben Sie sich die Interaktion der anderen Schauspieler vorgestellt?
Was sie vereint, ist, dass sie einer Gruppe von Straftätern angehören, einer Gemeinschaft von Männern und Frauen aus dem Todestrakt. Als Gegenleistung für die sogenannte Freiheit erklären sie sich damit einverstanden, in den Weltraum geschickt zu werden, um als Versuchskaninchen für mehr oder weniger wissenschaftliche Experimente zu Fortpflanzung, Schwangerschaft und Geburt eingesetzt zu werden - unter strenger Aufsicht einer Ärztin, die ebenfalls ein langes Strafregister hat. Es ist ein Gefängnis im All, eine Strafkolonie, in der die Insassen einigermaßen gleichberechtigt sind. Eine Art Phalansterium, eine Art Produktions- und Wohngenossenschaft, in der niemand wirklich Befehle erteilt, selbst die Ärztin nicht, deren Aufgabe darin besteht, Sperma wie eine Bienenkönigin zu sammeln. Die Bienenkönigin ist zuständig, aber der wirkliche Anführer, der einzige absolute und unmerkliche Kommandant, ist das Raumschiff selbst, das dafür programmiert ist, sie alle in die Unendlichkeit, in ein Schwarzes Loch und damit in den Tod zu führen.

Sie haben nur Schauspieler eingesetzt, keine Komparsen oder Kleindarsteller?
Ganz genau! Ich hatte André Benjamin (Tcherny) in einer Biografie über Jimi Hendrix gesehen, von der ich nicht erwartet hatte, dass sie wirklich funktioniert. Ich dachte mir, dass kein Schauspieler der Legende nahe kommen könnte. Aber André Benjamin war wunderbar. Seine Darstellung ist ein großartiges Riff auf Jimi Hendrix. Ich traf ihn in Atlanta und er sagte zu. Agatha Buzek (Nansen) hatte ich in mehreren Theaterstücken unter der Regie ihres polnischen Landsmannes Krzysztof Warlikowski gesehen. Ihre Meisterhaftigkeit hat mich umgehauen. Ich habe auch Lars Eidinger (Chandra) im Theater gesehen. Er hat viel mit Thomas Ostermeier zusammengearbeitet. Er ist ein Star des deutschen Theaters. Ich brauchte jemanden wie ihn: roh, brutal, massiv und doch sehr zerbrechlich. Mia Goth (Boyse) war das junge Mädchen in Nymphomaniac: Vol.II (2013) von Lars von Trier. Ich mochte ihre Jugend, ihre Schönheit, und ich wollte, dass sie etwas anderes probierte: eine Art hartnäckige Entschlossenheit. Dann sind da noch Claire Tran (Mink), Ewan Mitchell (Ettore), Gloria Obianyo (Elektra) und Jessie Ross (Willow). Alle sind wunderbar, einzeln und im Kollektiv. In der Tat könnte ich allen das gleiche Prädikat geben: rebellische, gebrochene Jugend.

Und das Baby?
Das Baby ist sehr wichtig! Ihr Name ist Scarlett. Sie ist Britin. Sie ist die Tochter von Robert Pattinsons bestem Freund Sam. Die beiden wuchsen zusammen auf und gingen gemeinsam zur Schule. Die Dreharbeiten sollten damals beginnen und wir hatten immer noch nicht das richtige Baby gefunden. Eines Tages sagte Robert: „Warum casten wir ein Baby nach dem anderen, wenn ich doch eigentlich schon das perfekte kenne?” Diese süße und charmante Miss Scarlett hat uns dann im Sturm erobert.
Es ist gar nicht so schwer, mit einem Baby zu drehen. Wir richteten uns einfach nach ihrem Rhythmus – nach ihren Nickerchen- und Fütterungszeiten und nach ihren Weinanfällen. Dank der Finesse und Flexibilität des
Kameramanns Yorick Le Saux konnten wir mehr oder weniger lautlos, fast unsichtbar drehen.
Und es war heftig zu sehen, wie Willow im Flur des Raumschiffes laufen lernt. Das waren wirklich Scarletts erste Schritte, vor einer Kamera. Am Ende des Tages gurrte sie glücklich und lief. Das ist eine meiner Lieblingsszenen. An ihr sehen wir in Robert Pattinsons Gesicht, dass seine Schönheit seiner Güte nicht im Weg steht. Oder besser gesagt, dass seine Güte schön anzusehen ist. Robert hatte noch nie zuvor Windeln gewechselt oder ein Baby mit einem Löffel gefüttert, aber bei Miss Scarlett bekam er das alles hin!

Alle Figuren werden als Männer und Frauen ohne Vergangenheit dargestellt. Warum?
Es gab eine frühere Version des Drehbuches, die auf ihr früheres Leben Bezug nahm. Aber ich fand, dass zu viel Wissen sehr langweilig ist. Deshalb haben wir uns bewusst entschieden, die Figuren nicht zu “überfiktionalisieren”. Sie haben wahrscheinlich alle schreckliche Verbrechen begangen, aber wir gehen dem nicht nach. Ihre kollektive oder individuelle Geschichte findet in der Gegenwart statt und – wer weiß? – in der Zukunft. Auch wenn die Zukunft für die meisten von ihnen die Form eines Friedhofs unter den Sternen haben wird. Für mich sind sie alle Teil einer zeitgenössischen Gemeinschaft, Utopisten, Hippies der besonderen Art, die aus Jugendhaftanstalten in Gefängnisse gingen und die in keiner anderen Gesellschaft als in ihrer eigenen leben wollen.

Welche Anforderungen hatten Sie an die Ausstattung?
Meine Anweisungen waren sehr einfach. Das Raumschiff
ist ein Gefängnis, eine Art gedrungenes Haus, düster, schmutzig, schlecht beleuchtet. Es gibt einen Hauptkorridor und Zellen auf beiden Seiten. Im Erdgeschoss befinden sich ein medizinisches Labor, ein Leichenschauhaus und ein Gewächshausgarten. Ich wollte diesen Garten unbedingt haben. Wie kann man die Hoffnung auf Rückkehr aufrechterhalten, wenn die Erde nicht Teil der Reise ist? Die Gartenerde ist ihre Erde, das einzige, was sie daran erinnert, dass sie Erdlinge sind, Männer und Frauen der Erde.
Für das Arztlabor wollte ich die gleiche Einfachheit, ein striktes Minimum: Reagenzgläser, einige Instrumente, einen Stuhl für gynäkologische Untersuchungen. Keine der typischen Science-Fiction-Requisiten – Laserpistolen, Desintegratoren, Teleportationsgeräte usw.
Eigentlich wollte ich Spezialeffekte unbedingt vermeiden. Gleiches gilt für die Schwerelosigkeit. Es ist keine Schwerelosigkeit erforderlich, da das Raumschiff nahe an Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Die terrestrische Schwerkraft – die Schwerkraft im wahrsten Sinne des Wortes – baut sich wieder auf, weil die Schwerkraft die Wirkung der Beschleunigung ist. Wenn ich Schauspieler, die an Kabeln hängen, vor einem grünen Bildschirm hätte filmen müssen, hätte ich den Film nie gemacht. Und da es so gut wie keine Spezialeffekte gibt, hoffe ich, dass der Film immer noch einen besonderen Effekt auf die Zuschauer hat.
Die Form des Raumschiffes 7 entspricht nicht den typischen Science-Fiction-Kriterien. Mir wurde gesagt, dass unser Raumschiff wie eine Schachtel Streichhölzer aussehen würde. Das hat mich wirklich zum Lachen gebracht. Aber diese Entscheidung war keine Laune oder eine Fantasie. Ich will nicht die Astrophysiker-Karte ausspielen, aber ich habe gelernt, wenn man
das Sonnensystem verlässt, gibt es keinen Widerstand mehr. Das Raumschiff kann also jede Form haben, solange es mit einer Energiequelle ausgestattet ist, die es in Bewegung hält. Die flugkörperähnliche, aerodynamische Form ist nicht notwendig, sondern absurd. Also war ein paralleles, flaches Rechteck völlig in Ordnung für mich.

Auch die Filmmusik ist nicht gerade typisch intergalaktisch...
Das stimmt nicht ganz. Stuart A. Staples von den „Tindersticks” hat sie komponiert. Er war auch der Sounddesigner. Ich habe mehrere Filme mit ihm gemacht, also wusste ich, dass ich keinen Kavallerieangriff oder eine Möchtegern-Wagnerianische Pyrotechnik bekomme. Die von Stuart kreierte Musik ist sanft und voller niederfrequenter Feinheiten. Und am Ende des Films dann ein besonderer Bonus: das Lied „Willow”, von Robert Pattinson selbst gesungen!
Sie haben in Deutschland, in Köln gedreht. Hat Sie das beeinflusst? Ja, das hat mich beeinflusst. In vielerlei Hinsicht. Zunächst brachte es Erinnerungen zurück. An Berlin und Der Himmel über Berlin (1986) von Wim Wenders. Ich war Wims erste Assistentin für den Film. Dann, ein Dutzend Jahre später, filmte ich 35 Rum in Lübeck, der Stadt von Thomas Mann, wo das Haus seines Großvaters stand, in dem „Buddenbrooks” spielt. Lübeck ist auch die Stadt von Günter Grass. Sie ist also geschichtsträchtig.
Köln unterscheidet sich von Berlin und Lübeck. Es ist das Rheinland, es gibt den Rhein. Unser Hotel war an einem Platz unweit des Bahnhofs und des Doms. Wir fühlten uns dort zu Hause. Das stetige Kommen und Gehen der Züge war beruhigend. In Köln gibt es zwei Arten von Studios: ein riesiges, in dem Jarmusch gedreht hat und einige kleinere, in denen Lars von Trier mehrere Filme drehte.
Es ist besser, in einem kleinen Studio zu sein, wenn man einen intimen Film drehen möchte. Unser Studio befand sich in einem Gewerbegebiet außerhalb Kölns. In der Anlage befanden sich ein altes Haus und Bäume. Es war eine merkwürdige Mischung mit einem komischen Charme. Fassbinder drehte seine fünfteilige Fernsehserie Acht Stunden sind kein Tag (1972) in Köln. Das muss ich alles im Kopf gehabt haben, und das alles sprach für Köln als Drehort. Außerdem habe ich in Köln Co-Produzenten gefunden, Pandora Film, die mir vertraut haben.

Sexualität ist in HIGH LIFE sehr präsent, wird aber eher düster dargestellt...
Sexualität, kein Sex. Sinnlichkeit, keine Pornografie. Im Gefängnis steht normale Sexualität nicht wirklich auf der Tagesordnung. Wenn das Gefängnis aber auch ein Laboratorium ist, um die menschliche Spezies zu verewigen, dann wird die Sexualität noch abstrakter, da sie nur der Reproduktion dienen soll. Wenn Männer ihr Sperma für den Arzt beiseitelegen müssen... ja, sie kommen zum Abspritzen, aber für die Wissenschaft.
Während des Drehs begann ich, das vierte Buch von Michel Foucaults „Sexualität und Wahrheit” („Confessions of the Flesh”) zu lesen, das sich unter anderem mit der Ehe und Jungfräulichkeit auseinandersetzt. Vor dem Christentum diente die Ehe einem einzigen Zweck: der Fortpflanzung. Bei Sexualität geht es um Flüssigkeiten. Sobald sich die Sexualität in uns rührt, begreifen wir, dass es nur um Flüssigkeiten geht: Blut, Sperma usw. Ich dachte, wenn ich diesen Subtext der Flüssigkeiten haben wollte, müssten wir den Sexualakt auf die Selbstbefriedigung reduzieren – mehr oder weniger technisch unterstützt durch die Fuckbox mit einem Dildo für Dr. Dibs, die alles gibt, aber in völliger Einsamkeit. Diese Szene ist zum Teil dunkel und nutzlos. Aber was ist am Ende nützlich?
Der Versuch des Abspritzens ist nicht nutzlos, oder? Der Versuch der Ärztin, allein und mit ihrem verstümmelten Körper einen Höhepunkt zu erreichen, wird wunderbar durch Juliette Binoches Schauspiel dargestellt. Ihre ganze Kraft liegt in ihrem Rücken, den ich wie eine Odaliske gefilmt habe, mit den schönen Linien der Hüften und des Rückens. Später, in der Nacht macht sich Juliette auf, um das Sperma von Robert Pattinson zu stehlen, der durch Schlaftabletten ausgeknockt ist. Es ist ein Raubüberfall. Und definitiv eine Vergewaltigung.
Für mich ist die erotischste Szene im Film, wenn ein junger Insasse masturbiert, während er Juliette anstarrt, als sie ihr Haar vor einem Lüftungsschacht trocknet. HIGH LIFE erzählt von mehr als nur von Verlangen und von Flüssigkeiten.

Lust und Einsamkeit, sind das die Hauptthemen des Films?
Mehr oder weniger. Vor allem aber, und darauf muss ich bestehen, ist HIGH LIFE kein Science-Fiction-Film, auch wenn es eine gesunde Dosis Fiktion gibt – und Wissenschaft, dank der wertvollen Zusammenarbeit mit dem Astrophysiker Aurélien Barrau, Spezialist für Astroteilchenphysik und Schwarze Löcher. Der Film spielt im Weltraum, ist aber sehr geerdet.
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Donnerstag 16.05.2019
BLOWN AWAY - MUSIC, MILES AND MAGIC
Ab 23. Mai 2019 im Kino
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Blown Away ist ein authentischer und inspirierender Film über die abenteuerliche Reise zweier Freunde mit Boot und Bus rund um die Welt und das fast ohne Geld. In vier Jahren nehmen Ben und Hannes 130 Songs mit über 200 Musikern aus 31 Ländern auf, die sie meist zufällig auf ihrer Reise kennenlernen. Daraus entsteht ein mitreißender Soundtrack für diesen Film über Freundschaft, Musik und Freiheit.

Ein Film von Micha Schulze

"Blown Away" erzählt die abenteuerliche Geschichte einer 4-jährigen Reise der beiden Freunde Ben und Hannes rund um die Welt. Ohne überhaupt segeln zu können, reisen sie mit einem kleinen 40 Jahre alten Segelboot von Australien über Südostasien, Indien, Afrika und Südamerika bis nach Nordamerika. Mit einem alten Schulbus fahren sie durch die USA bis nach Kanada und schließlich mit dem Boot zurück über den Atlantik nach Europa. Wie in einem Tagebuch halten sie ihre Erlebnisse auf Video fest. Ihr Antrieb als gelernte Tontechniker und Musiker ist: möglichst viele Musiker aus verschiedenen Ländern aufzunehmen und dann eine Platte zu machen. Sie treffen, meist zufällig, viele außergewöhnliche Künstler und kreieren das neue Genre der „Expedition Music“.
Dabei wirken an jedem Stück MusikerInnen aus unterschiedlichen Ländern mit und ergänzen oder erweitern die Kompositionen durch eigene Parts und Interpretationen. Für den Film ensteht so ein mitreißender Soundtrack. Insgesamt nehmen die beiden mit über 200 MusikerInnen 130 Stücke auf und bringen zwei Platten als „Sailing Conductors“ heraus.
Die Musik öffnet Hannes und Ben, während ihrer Reise, die Türen zu den Herzen der Menschen und viele Vorurteile und Verständigungsschwierigkeiten verfliegen einfach, wenn sie gemeinsam Musik machen. Egal, ob in Kaschmir oder Chicago. Es geht in diesem Film um Freiheit, Mut und Freundschaft und darum, wie Musik auf magische Weise alles miteinander verbindet.


Hannes Koch
Hannes Koch wird im Frühjahr 1988 in Rostock geboren. Mit 14 Jahren bringt er sich selbst das Gitarrenspielen bei und ist seitdem Mitglied in verschiedenen Bands. Nach Abitur und Zivildienst tritt er 2008 das Studium zum Toningenieur an der SAE Berlin an. Hier lernt er Ben kennen und die beiden werden Freunde. Schon während seines Studiums ist Hannes bereits LiveTontechniker auf Konzerten und Festivals. 2011 schließt er sein Studium als Bachelor/Audio Productions ab. Hannes arbeitet als Tontechniker, bis er einen Anruf von seinem Freund Ben aus Australien bekommt. Es geht darin um die Idee für eine ganz besondere Reise...

Ben Schaschek
Ben Schaschek wird im Herbst 1986 in Siegburg geboren. Schon in frühester Jugend erwacht sein Interesse an der Musik. Im Alter von sieben Jahren beginnt seine klassische Cello-Ausbildung. Nach Abitur und Zivildienst tritt er 2008 das Studium zum Toningenieur an der SAE Berlin an. Hier lernt er Hannes kennen und die beiden werden Freunde. 2010 wechselt Ben an die SAE Sydney in Australien und schließt hier 2011 sein Studium als Bachelor/Audio Productions ab. Ben will nach dem Studium noch nicht direkt ins Berufsleben einsteigen und beginnt mit der Planung einer außergewöhnlichen Reise, zusammen mit seinem Freund Hannes...


WÄHREND IHRER REISE LERNTEN BEN UND HANNES 213 MUSIKER KENNEN. OHNE SIE WÄRE DER FILM NICHT DAS, WAS ER IST. DESHALB STELLEN WIR HIER STELLVERTRETEND FÜR ALLE ANDEREN 7 KÜNSTLER VOR, DIE BESONDERS WICHTIG FÜR DAS PROJEKT WAREN:


Der Südafrikaner Jack Mantis steht gerade im Hafen von Trinidad und Tobago, als Ben und Hannes mit Motorschaden hereingeschleppt werden. Mit einem Kanu ist er in den Monaten zuvor alleine den Amazonas entlang gepaddelt und hat während einer Atlantiküberquerung den Song "Radiate" geschrieben, den die drei in Trinidad aufnehmen. Jack begleitet die beiden später auf der Reise durch die USA.

Die brasilianische Sängerin Vicky Lucato trifft Ben und Hannes in Rio de Janeiro. In nur einer Nacht schreibt sie den Song “Travelling Man”, der durch die Geschichte der beiden Jungs inspiriert ist. Als Grundlage des Songs dient eine Gitarrenaufnahme von Andrew James aus Südafrika. Das Orchester Neojiba aus Salvador ergänzt Vickys Gesang später noch mit wunderbaren Streicher-Arrangements.

Der begnadete Singer-Songwriter Lincoln Davis kommt aus Australien und trifft Ben und Hannes in Thailand. Hier nehmen sie auf einem Hotelbalkon seinen außergewöhnlichen Song “All that I’m leaving” auf, der am Anfang des Films zu hören ist. Lincoln steuerte noch weitere Songs und Material bei, das im Film verwendet worden ist.

In Chicago lernen Ben und Hannes die SingerSongwriterin Leah Cowen kennen. Leah lädt die Jungs zu sich nach Hause ein und nimmt mit ihnen “Sky Hunter” und “Across the Sea” auf. Zwei wunderbare und inspirierende Songs, die durch die Beiträge von anderen Musikern während der Reise zu kleinen Meisterwerken veredelt werden.

Der Reggaemusiker Chokey Taylor ist in seiner Heimat Jamaika kein Unbekannter. Als er Ben und Hannes trifft, ist er von ihrem Projekt begeistert und steuert seinen Song “Live up” bei, den sie gemeinsam in seinem Haus in Montego Bay aufnehmen. Auch dieser Song wurde im Verlauf der Reise durch die Kreativität vieler anderer Musiker bereichert.

In Kapstadt treffen Ben und Hannes die Musikerin Lindiwe Suttle. Andrew James, der mal ein Plattencover für Lindiwe gemacht hat, gibt ihnen die Telefonnummer. Lindiwe lädt die Jungs ein und zeigt ihnen die Stadt. Sie liebt das Projekt der beiden und singt ihren emotionalen Song “Twilight” an einem bizarr schönen Strand bei steigender Flut ein.

Die Sängerin Ujjayne Roy aus Chennai in Indien beherbergt Hannes und Ben in ihrem Haus, als die beiden erschöpft aus Kaschmir zurückkehren. Am Strand von Chennai nehmen sie ihren Song “Kalighata” auf. Ein Stück, das im Lauf der Reise zu einer wuchtigen Melange aus indischen Harmonien und westlichen Beats wird.
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Donnerstag 09.05.2019
ONCE AGAIN - EINE LIEBE IN MUMBAI
Ab 16. Mai 2019 im Kino
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Tara, die verwitwete Mutter zweier erwachsener Kinder, führt ein kleines Restaurant. Der berühmte Filmstar Amar ist einer ihrer Kunden, dem sie täglich Mahlzeiten ausliefert. Tara hat ihn bisher nur auf der großen Leinwand gesehen – persönlich haben sie sich noch nicht getroffen. Ein zufälliges Telefongespräch wird zum Ritual zwischen den beiden, und sie verbringen Stunden am Telefon, ohne den Mut für ein Treffen zu finden. Beide sind sich der Unmöglichkeit einer realen Beziehung bewusst und haben Angst davor, die um sich gezogenen Schutzwälle zu erweitern. So leben sie in ihren jeweiligen sicheren Sphären. Bis sich Amar eines Tages aufmacht, Tara zu treffen …

Was folgt, ist die poetische Reise zweier einsamer Herzen durch die 15 Millionen-Seelen-Stadt Mumbai.

Ein Film von Kanwal Sethi

Mit Shefali Shah, Neeraj Kabi u.a.




Kanwal Sethi
Geboren in Amritsar, Indien. Nach der Schule gründete er eine Theatergruppe und begann auf mehreren Bühnen unabhängiger Theater zu spielen. Er zog nach Deutschland und studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaften in Dresden. Nach seinen eigenen Bühnenproduktionen und parallel dazu begann er, an Filmprojekten zu arbeiten. Seine Kurzfilme und Dokumentationen wurden bei verschiedenen Filmfestivals sowie am Museum für Moderne Kunst in New York gezeigt. „ Junction Point“ war sein Debütfilm, der beim Max Ophüls Preis Premiere feierte.


Anmerkungen des Regisseurs Kanwal Sethi zum Film
Heute sind wir stärker denn je miteinander verbunden und mit einer phänomenalen Technologie ausgestattet, die diese Verbindungen sichert und dennoch gibt es schockierenderweise ein epidemisches Ausmaß an Einsamkeit in allen Gesellschaftsschichten und Teilen der Welt. Mumbai unterscheidet sich da nicht von New York oder Berlin.
ONCE AGAIN – EINE LIEBE IN MUMBAI ist der Versuch, dieses Gefühl der Einsamkeit in all ihren verschiedenen Facetten im modernen Indien einzufangen. Der Film erzählt die Geschichte einer unabhängigen Frau aus der Mittelschicht, die nach dem Tod ihrer Mannes versucht, eine starke und liebevolle Stütze für sich und ihre Kinder zu sein, ganz allein. Er handelt von einem Mann, der sich alle materiellen Wünsche erfüllt und ein unglaubliches Karrierehoch erreicht hat und dennoch unfähig ist, Liebe oder Glück in seinem Leben zu erhalten.
Meine ersten Gedanken galten der Atmosphäre des Films; es sind der Alltag dieser beiden einsamen Seelen und die banalen Details, die uns unser eigenes Alleinsein und unsere Sehnsucht nach menschlichem Kontakt vor Augen führen. Einsamkeit ist ein Gefühl, ein Gemütszustand, eine Situation, eine Stimmung. Einerseits kann sie eine persönliche Hölle sein, die Millionen von innen heraus verschlingt, anderseits können soziale und wirtschaftliche Faktoren Menschen in Situationen bringen, in denen Einsamkeit die einzige Option ist.
ONCE AGAIN – EINE LIEBE IN MUMBAI ist mein Versuch, die Spannung zwischen diesen beiden Aspekten auszuloten.


Shefali Shah (Tara)
Shefali Shah ist eine indische Film- und Fernsehschauspielerin, die sich selbst eine Nische mit Rollen in von Kritikern hochgelobten Filmen und im Mainstream- Kino geschaffen hat.
Ihre bekanntesten Auftritte sind „Rangeela“, „Satya“, „Waqt: Race Against Time“, „Monsoon Wedding“ und erst kürzlich im Blockbuster-Erfolg „Dil Dhadkne Do“.
Für ihre brillante Darstellung in „Satya“ bekam sie den „Filmfare Critics Choice Award“ und den „Star Screen Award“ als beste Nebendarstellerin. Sie bekam ebenso den nationalen Preis für „The Last Lear“, 2007.
Für ihren großartigen Auftritt in „Gandhi, My Father“ wurde sie von Filmemachern weltweit beachtet.
Shefali Shah bleibt Bollywoods „Sweetheart“ für ihre verblüffende Arbeit in Kinofilmen und im Fernsehen.
Sie gewann den „Filmfare Preis“ als beste Darstellerin für den Kurzfilm „Juice“ 2017.


Neeraj Kabi (Amar)
Neeraaj Kabi ist ein Film-, Theater- und Fernsehschauspieler, der besonders für seine Rolle in Anand Gandhis preisgekröntem Film „Ship of Theseus“ bekannt ist.
Kabi ist ein gelernter Tänzer und Martial-Arts- Könner und hat für sich über viele Jahre hinweg eine eigene Grammatik des Schauspielens und für das Theater entwickelt. Einige der wichtigen Filme, die seine Entwicklung als herausragender Schauspieler beförderten, sind u.a. der preisgekrönte „The Last Vision“, „Monsoon Shootout“, „Detective Byomkesh Bakshy“ (2015), „ Talwaar“ von Meghna Gulzaar, „Viceroy‘s House“, „ Hichki“ und „Gully Guliyaan: In The Shadows“.
Seine letzte Arbeit auf Netflix „Sacred Games“ wird von den Kritikern hochgelobt.
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Donnerstag 02.05.2019
DAS ENDE DER WAHRHEIT
Ab 09. Mai 2019 im Kino
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Martin Behrens (Ronald Zehrfeld), Zentralasien-Experte beim Bundesnachrichtendienst, ist sich sicher, durch seine Arbeit einen großen Beitrag zur Wahrung der nationalen Sicherheit zu leisten. Doch nach einem brutalen Anschlag auf ein Münchner Restaurant wachsen seine Zweifel an der Mission des BND. Als Behrens in einen immer tieferen Strudel aus Intrigen, Machtmissbrauch und Korruption gerät, begreift er, dass der Feind vor allem im Innern lauert…


Ein Film von Philipp Leinemann

Mit Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Claudia Michelsen,  Antje Traue, Axel Prahl, August Zirner u.v.m.


In seinem vielbeachteten Debütfilm „Wir waren Könige“ warf der Regisseur Philipp Leinemann 2014 bereits einen Blick hinter die hochkomplexen Organisations- und Arbeitsweisen einer staatlichen Institution. Für seinen aufwendig produzierten Polit-Thriller DAS ENDE DER WAHRHEIT konnte er ein namhaftes Ensemble gewinnen, zu dem neben Ronald Zehrfeld („Das schweigende Klassenzimmer“, „Der Staat gegen Fritz Bauer“) unter anderem Alexander Fehling („Inglourious Basterds“, „Sturm“, „Der Hauptmann“),  Claudia Michelsen („Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“), Axel Prahl („Gundermann“, „Der ganz große Traum“), August Zirner („Wackersdorf“, „Colonia Dignidad“) und Antje Traue („Ballon“, „Der Fall Barschel“) zählen. 
 
60 Jahre nach der Gründung des Bundesnachrichtendienstes ist die hochbrisante Frage nach den internationalen Verstrickungen der Geheimdienste in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Philipp Leinemann entwirft in DAS ENDE DER WAHRHEIT ein realistisches Szenario, in dem eine westliche Regierung Gefahr läuft, sich durch Millionensummen indirekt oder direkt am Terroraufbau zu beteiligen. In einer Zeit, in der seit den Enthüllungen von Edward Snowden im Jahre 2013 weltweit immer mehr Skandale rund um die Arbeit der Geheimdienste bekannt werden, stellt Leinemann in DAS ENDE DER WAHRHEIT die Frage nach dem politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnis eines demokratischen Staates. 
 
DAS ENDE DER WAHRHEIT ist eine Produktion von Walker + Worm Film in Co-Produktion mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE, Hellinger/Doll Filmproduktion, Philipp Leinemann und in Zusammenarbeit mit Rotor Film. Der in München, Leipzig und auf Gran Canaria gedrehte Polit-Thriller wurde gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern, der Mitteldeutschen Medienförderung, der FFA und dem DFFF. Seine Weltpremiere feierte DAS ENDE DER WAHRHEIT als Eröffnungsfilm des 40. Filmfestivals Max Ophüls Preis in Saarbrücken. 
 

HANDLUNG

Wenn es darum geht, Deutschland und die Welt sicherer zu machen, sind dem engagierten BND-Agenten Martin Behrens viele Mittel recht. So schmuggelt er sich als Dolmetscher in die Anhörung von Mansoud Behzad, ein Asylbewerber aus der zentralasiatischen Autonomieregion Zahiristan. Der dortige Geheimdienst hatte dem BND zuvor den Tipp gegeben, dass Behzad ihnen eine wertvolle Information liefern könne: Sein Schwager ist der Fahrer des Milizenführers Al-Bahiri, den die CIA als Terrorist einstuft und ihn töten will. Martin Behrens setzt Mansoud Behzad unter Druck und verspricht ihm Asyl, damit dieser ihm die Handynummer seines Schwagers verrät. Behzad ahnt nicht, dass Behrens blufft, ihn wenig später Beamte im Flüchtlingsheim erwarten und er umgehend nach Zahiristan abgeschoben wird.
 
Kurz nach der Befragung informiert Behrens seine Vorgesetzten beim BND – den Stableiter Joachim Rauhweiler, seine Förderin Aline Schilling und Patrick Lemke, den ehrgeizigen neuen Sachgebietsleiter für Zentralasien – über die neuen Erkenntnisse. Lehmke und Rauhweiler bezweifeln, dass Behrens‘ Informationen valide genug sind. Aber auf Drängen des US-Geheimdienstes hin folgt BND-Chef Stefan Grünhagen Behrens‘ Einschätzung und empfiehlt Berlin, die Daten weiterzugeben. 
 
Schon wenige Stunden später koordiniert das US-Militär von verschiedenen Orten in der Welt aus einen Drohnenschlag: Zum einen von einer geheimen CIA-Basis in Afghanistan, zum anderen von einem Luftwaffenstützpunkt in den USA und einer US-Airbase im rheinland-pfälzischen Ramstein aus. AlBahiri stirbt ohne Anklage, ohne Prozess, geortet durch die Daten des BND und von einer Airbase in Deutschland aus getötet.
 
Kommt das staatlicher Beihilfe zum Mord gleich? Diese Frage stellt die investigative Journalistin Aurice Köhler bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz. Dass sie die neue Freundin von Martin Behrens und eine Frau, die ihm aus einer langen Lebenskrise geholfen hat, ist, muss in diesen Kreisen unter allen Umständen geheim bleiben. Aurice Köhler ist auch noch einer anderen Geschichte auf der Spur: Sie betreibt Recherchen in Bezug auf ein illegales Waffengeschäft, über das ein Insider sie informieren möchte. Angeblich ist auch der BND in dieses Waffengeschäft verwickelt. Wenig später ist Aurice Köhler tot. Sie wird das Opfer eines Attentats in einem Münchner Café. 
 
Als Martin Behrens am Tatort davon erfährt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Offensichtlich handelt es sich bei dem Anschlag um einen Vergeltungsschlag islamistischer Terroristen für die Tötung Al-Bahiris. Dessen Milizen bekennen sich wenig später zu der Tat in einem Video, in dem sie denjenigen Mann köpfen, der die Geheimdienste zu Al-Bahiri geführt hat: Mansoud Behzad. Als die Polizei das Lager der Münchner Attentäter stürmt, finden sie dort weitere Hinweise auf islamistischen Terror.
 
Doch ist Aurice Köhler wirklich ein zufälliges Opfer von religiösen Fanatikern geworden? Gerade jetzt, als sie der Geschichte um die illegalen Waffengeschäfte auf die Spur kam? Martin Behrens hat seine Zweifel daran und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Doch seine Beziehungen zum BND nutzen ihm dabei wenig. Denn Patrick Lemke drängt erfolgreich darauf, ihn zu beurlauben. Dem BND droht nach der Enthauptung des Informanten ein Skandal, deshalb wird Behrens vorsorglich kaltgestellt. 
 
Die beiden Gegenspieler könnten unterschiedlicher nicht sein: Martin Behrens ist ein integrer, überzeugter Kämpfer für eine bessere Welt, Patrick Lemke ein arroganter, soziophober Bürokrat mit Aufstiegsambitionen. Doch eines hat er mit Behrens gemein: Auch bei ihm wächst die Skepsis an der Arbeitsweise des BND. Die Nähe seines Förderers Joachim Rauhweiler zu dem Unternehmen „Global Logistics“, das Waffen nach Zahiristan verkaufen will, irritiert ihn. Damit verfolgt der BND genau ein Ziel: Die westlichen Staaten sollen das Waffenembargo gegen den zahirischen Diktator aufheben. 
 
Auch Martin Behrens stößt auf das ominöse Unternehmen: In Aurice Köhlers Haus am See findet er einen toten Mann, der für „Global Logistics“ gearbeitet hat und offensichtlich Köhlers Kontaktmann war - nach dem Attentat im Café konnte er schwer verwundet fliehen. Mit Hilfe befreundeter GeheimdienstMitarbeiter ermittelt Behrens im Stillen weiter und findet heraus, dass das Münchner Attentat nicht von Terroristen begangen worden sein kann, sondern eine Geheimdienstoperation und damit ein inszenierter Anschlag war. Bei seinen Ermittlungen bekommt er unerwartet Hilfe von Patrick Lemke - wenig später schweben beide in Lebensgefahr...



INTERVIEW MIT PHILIPP LEINEMANN 
 
Wie kamen Sie auf die Idee zu DAS ENDE DER WAHRHEIT?
Ich hatte schon früh die Idee, einen Geheimdienst-Thriller zu machen. Wie bei „Wir waren Könige“ stand dahinter die Lust, Filme zu machen wie diejenigen, mit denen ich aufgewachsen bin. DAS ENDE DER WAHRHEIT orientiert sich an den alten „Jack Ryan“-Filmen mit Harrison Ford und an Filmen wie „Syriana“. Ich habe schon 2007, als ich noch an der Filmhochschule war, mit der Recherche begonnen und war fasziniert von der Komplexität, die hinter dem System BND steht - und davon, wie alles miteinander vernetzt ist. Ich habe unzählige Bücher verschlungen, um mir überhaupt erst mal einen Überblick über das Thema zu verschaffen. Und gleichzeitig galt es, eine deutsche Perspektive für meinen Film zu finden.
 
Was war Ihr Ziel bei dieser Geschichte?
„Wir waren Könige“ war ein großer Ensemblefilm und der Schreibprozess war sehr langwierig, da all diese Figuren mit Leben gefüllt werden mussten. Ich hatte danach das Verlangen, dass mein nächster Film von einer Person handelt, die ein Ziel hat und eine Aufgabe löst. DAS ENDE DER WAHRHEIT ist dieser Film geworden – auch wenn das Rätsel, das der BND-Agent Martin Behrens zu lösen hat, ein großes und komplexes ist. 
 
Dieses von Ihnen angesprochene Rätsel beinhaltet viele Themen: Es geht um den Geheimdienst, um inszenierte Anschläge, um Lobbyismus und Terrorbekämpfung. Wo haben Sie die Inspirationen für all diese Aspekte des Films gefunden?   
Erst mal bedurfte es einer ausgiebigen Recherche. Ich las Unmengen über den Nahen Osten, über Politik und Lobbyismus, über geheime Netzwerke, über die Biographien von Agenten sowie Terroristen. Darin ging es zum Beispiel um „False Flags“, also um inszenierte Anschläge, für die man Terroristen verantwortlich macht oder politische Gruppen, um die Stimmung bei Wahlen zu beeinflussen. Das ist ein klassisches Aufgabenfeld der Geheimdienstarbeit. Im Zuge meiner Vorbereitungen wurde ich zum Nachrichtenjunkie und es war interessant, die Nachrichten im Kontext der eigenen Recherchen zu betrachten und zu erkennen, wie viel Wahrheit in kurzen Beiträgen zwangsläufig fehlt. Nichts ist schwarz und weiß in Zentralasien, wo der Film spielt. Es gibt so viele Interessengruppen. Ich wollte einen Film machen, der dem Zuschauer einen größeren Überblick über all die Themen, die mit dem BND und seinem Engagement in Zentralasien zusammenhängen, verschafft. 
 
Der Zentralasien-Experte Martin Behrens kommt im Film einem solchen inszenierten Terroranschlag auf die Spur. Können Sie Beispiele für reale Ereignisse nennen, die sie als Vorlagen im Kopf hatten?
Da gab es zum Beispiel die Sauerlandgruppe, die wegen Vorbereitungen eines Sprengstoffanschlags verurteilt wurde. Trotz monatelanger Beobachtung fand die medienwirksame Festnahme kurz vor der Entscheidung des Bundestags statt, den Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr zu verlängern. Ich hinterfrage nicht, ob es sich um wahre Attentäter handelte, deren Absicht es war, einen Anschlag zu verüben. Die interessantere Frage ist: Wer waren die Hintermänner? Angeblich hatte die Gruppe Verbindungen zu einer usbekischen Terrorgruppe namens Islamische Jihad Union. Die wiederum steht in Verdacht, ein Geheimdienstkonstrukt zu sein. Der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, sagte der ARD 2007, dass es keinen wirklichen Beweis für die Existenz dieser Gruppe gibt. In seiner Zeit als Botschafter hat die Islamische Jihad Union angeblich Anschläge begangen. Er hat die Orte kurz nach den vermeintlichen Explosionen aufgesucht, doch keinerlei Beweise dafür gefunden. Er sagte wortwörtlich: „Da waren keine Bomben“. Er glaubt, dass die Gruppe vom usbekischen Geheimdienst erschaffen wurde. Sowas hat mich für meine eigene Geschichte inspiriert.
 
Wie haben Sie das fiktiv weiterentwickelt?
Die Idee für den Film war: Es sollte um inszenierte Anschläge gehen, mit denen politische Gegner beseitigt werden. Der angebliche Terrorist Al-Bahiri, der im Film von der CIA umgebracht wird, ist ja in Wirklichkeit ein politischer Gegner, der bei den nächsten Wahlen große Chancen gehabt hätte, zu gewinnen. Aber er wäre gegen die Waffendeals mit dem Westen und somit eine Gefahr für das Geschäft gewesen. Auch in der Realität werden politische Gegner, die nicht mit den marktwirtschaftlichen Prinzipien des Westens übereinstimmen, zu Terroristen erklärt. 
 
Der Film thematisiert auch die Beteiligung Deutschlands an tödlichen Drohnen-Einsätzen des US-Militärs. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Ich fand es absurd, dass es Drohnenangriffe gibt, die von der anderen Seite der Welt aus gesteuert werden. Als ich angefangen habe, das Drehbuch zu schreiben, wusste noch kaum jemand, was eine Drohne ist. Unter Obama ist dieser Drohnenkrieg dann eskaliert. Da werden Menschen ohne Anklage und ohne Prozess getötet. Und diese Einsätze werden auch von Deutschland aus geführt. Die Soldaten sitzen in Nevada, aber die Kontrollstationen für die Angriffe in Asien sind in Ramstein, für Afrika in Stuttgart. Außerdem haben BND-Mitarbeiter in Flüchtlingsheimen Asylbewerber über Bekannte ausgefragt, die als Terrorverdächtige in ihren Herkunftsländern gesucht werden. Sie wollten so an deren Handydaten kommen, die sie an ihre Partner bei der CIA weitergeleitet haben. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Positionen der betreffenden Personen aufspüren. Investigative Reporter der Süddeutschen Zeitung und der Sendung „Panorama“ haben dazu vieles aufgedeckt. Weitere Artikel wurden von Datenjournalisten 2013 in dem Projekt „Geheimer Krieg“ veröffentlicht. Macht man sich der Beihilfe des Mordes schuldig, wenn man diese Daten an die CIA weitergibt? Und wohin führt das? Es heißt, jeder Drohnenschlag kreiert weitere Terroristen. Deswegen ist bei diesem Krieg kein Ende in Sicht.
 
Sie haben mit der Arbeit zu diesem Film 2007 begonnen. Wurden Teile des fiktiven Drehbuchs von der Realität überholt? 
Als ich die ersten Fassungen geschrieben habe, war das Thema Glaubwürdigkeit immer mit am wichtigsten: Könnte so etwas auch in Deutschland passieren? Mittlerweile hat es mehrere Anschläge in Deutschland gegeben und vor kurzem erst ist in Malta eine Journalistin durch eine Autobombe ums Leben bekommen. Mitten in Europa. Weil sie unbequem wurde und zu tief gegraben hat – eine Parallele zu der Figur von Antje Traue. Die Frage nach der Glaubwürdigkeit hat sich dann bei den letzten Drehbuchbesprechungen nicht mehr gestellt.
 
Im Film spielen auch Konzerne eine Rolle, die am Waffenhandel ebenso verdienen wie am Wiederaufbau ziviler Infrastrukturen in Krisenregionen. Worauf wollten Sie bei diesem Aspekt hinaus?
Der Film weist auf die Gefahr hin, was passiert, wenn wir Hoheitsaufgaben immer weiter privatisieren. Wir haben ja im Irak gesehen, wo das hinführt. Man schätzt, dass etwa 40 Prozent des  Wiederaufbau-Etats in die Taschen von Private Military Companies geflossen sind, an Firmen wie Kellog Brown oder Black Water - und die haben so gar nichts Positives bewirkt. Außerdem liefern private Firmen schon seit den Zeiten von Bill Clinton einen Großteil der Informationen für das „Daily Briefing“, in dem der US-Präsident mit Geheimdienstinformationen über die aktuelle Lage informiert wird. Das ist gefährlich. Für wen arbeiten sie? Sind sie objektiv und ist Frieden in ihrem Interesse? Wahrscheinlich nicht. Und hat der Krieg gegen den Terror irgendetwas zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in diesen Ländern beigetragen? Im Gegenteil, es ist schlimmer denn je.
 
Wie schwer war es, einen Film, der sich mit diesen schwierigen Themen beschäftigt, zu finanzieren?
Sehr schwer. Beteiligt waren der FFF, ZDF, Arte und der MDM – dieselben Leute, die auch schon an „Wir waren Könige“ geglaubt haben. Wir hatten 27 Drehtage und wenig Geld. Man kann dann seinen hochkarätigen Schauspielern nur wenige Takes geben, das ist frustrierend für alle. Umso dankbarer bin ich ihnen und dem ganzen Team, dass sie zu diesem Ergebnis beigetragen haben. In Deutschland lernt man, ökonomisch zu arbeiten. Ich war die letzten Wochen in Los Angeles und hatte bei all den Treffen sehr stark den Eindruck, dass sich amerikanische Produzenten, vielleicht auch deshalb, vermehrt für europäische Regisseure interessieren.
 
Haben Sie zur Vorbereitung des Films auch Geheimdienst-Mitarbeiter getroffen?
Es gab ein Treffen mit einem BND-Mitarbeiter, der mir Ratschläge gegeben hat. Ich wusste nicht mal, wie er heißt - er war übervorsichtig. Als ich die Rechnung zahlen wollte und um einen Bewirtungsbeleg bat, hat er mich nur mit großen, ungläubigen Augen angeschaut und die Quittung daraufhin vernichtet. Seine detaillierten Erzählungen haben mir dabei geholfen, meinen Film mit Leben zu füllen. Ich zeige ja auch, wie frustrierend die Arbeit für viele BND-Mitarbeiter ist. Sie haben kaum noch Kontakte vor Ort, verfügen nur über wenige Leute, die in den entsprechenden Sprachen geschult sind, um in diesen Ländern Informationen abschöpfen zu können. Selbst die CIA war trotz ihres gewaltigen Etats von Großereignissen wie dem Arabischen Frühling oder dem Erstarken von ISIS völlig überrumpelt. Sie haben aus Angst vor Maulwürfen ihre Quellen schon in den 90ern aufgegeben. Einer sagte mal: „Der Nahe Osten ist für uns wie ein weißer Fleck auf der Landkarte“.
 
Die Bundeswehr hat sie ganz offiziell unterstützt. Hat Sie das verblüfft?
Es dauerte zuerst ein wenig, dann war plötzlich sehr viel möglich. Wir waren auch sehr dankbar, dass uns die spanische Armee auf ihrer Air Base in Gran Canaria drehen ließ. Man misst sich ja in diesem Genre mit amerikanischen Vorbildern, und daher war es auch sehr wichtig, mit Originalequipment zu drehen, um die eigene Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Wir wollten auch in der Einfahrt des BND filmen, aber der BND war nicht an einer Zusammenarbeit interessiert. Wir haben die Einfahrt dann bei einer Bundeswehrkaserne nachgebaut. 
 
Sie haben nach „Wir waren Könige“ wieder mit Ronald Zehrfeld in der Hauptrolle gedreht. Wieso?
Ronald schafft es, dem Zuschauer einen emotionalen Zugang zu seinem Seelenleben von Martin Behrens zu geben, ohne seine Seele dabei im Gesicht zu tragen. Er spielt keinen klassische Agenten-Figur, sondern einen Analysten, der Informationen sammelt und auswertet, viele Jahre vor Ort verbracht hat, die Kultur kennt und die Sprachen beherrscht. Daher wurde er auch bei Geiselverhandlungen eingesetzt. Es gab da eine reale Vorlage, unter dem Pseudonym Conrad C. Selbst die USA oder Israel baten die Bundesregierung immer wieder, ihn für entsprechende Verhandlungen zu entsenden. In dieser Hinsicht ist der BND in der Region zum Beispiel sehr geschätzt, da er von allen Seiten als neutral angesehen wird. 
Der Gegenentwurf zu ihm ist die Figur des Patrick Lemke, gespielt von Alexander Fehling. Alexander Fehling war ein fantastischer Gegenpart. Er ist im Gegensatz zu Ronalds Figur weniger konfliktscheu, aber unfähig, einen emotional an seinen Handlungen teilhaben zu lassen. Statt auf „Human Intelligence“ zu setzen, verkörpert Fehlings Charakter die neue Generation des BND, die mehr auf digitale Technik baut und sich akkurat ans Protokoll hält. Und so entsteht eine seltsame Art von Buddy-Movie, weil beide nicht aus ihrer Haut hinaus können und irgendwann merken, dass der andere nicht ganz Unrecht hat. Schließlich merken sie, dass sie nur benutzt wurden, wie Bauern bei einem Schachspiel.
 
Wie war es für Sie, eine Enthauptung zu drehen?
Nicht schön. So etwas hat sofort Auswirkungen auf die Stimmung am Set. Wir haben uns reale Enthauptungen angesehen. Es ist einfach eine ganz andere Art der Brutalität. Wie der Körper erschlafft. Die Schmerzensschreie haben einen fast gurgelnden Sound, furchtbar. Das hat Überwindung gekostet. Es reicht schon, das zu hören. Wir haben es komplett gedreht, aber arbeiten im Film hauptsächlich mit dem Original-Ton. Dadurch wird die Gewalt sogar noch eindringlicher spürbar, da sie sofort Bilder im Kopf erzeugt.
 
Es gibt in dem Film auch Actionszenen. Wie lernt man, das zu drehen?
Ich habe es mir teilweise selbst beigebracht, als ich zwei, drei Jahre vor der Filmhochschule „Wir waren Könige“ schon mal gedreht habe. Ich habe alles selbst gemacht, von der Kamera bis zum Schnitt. Freunde und Familie mussten als Darsteller herhalten. Ich finde Actionszenen zu drehen weitaus leichter, als Dialogszenen. Das ist die wahre Kunst und erfordert unglaublich viel Fingerspitzengefühl. Wie schaffe ich es, ein Gespräch zwischen zwei Menschen lebendig zu halten, so dass der Ball ständig in der Luft bleibt? Ich muss beim Dreh von Dialogszenen sehr viel konzentrierter sein. Bei Actionszenen bin ich wieder der kleine Junge am Set, das macht mir großen Spaß. 
 
Ursprünglich wollten Sie einen CIA-Film drehen. Ist das eines Ihrer Projekte für die Zukunft?  
Ich finde es immer interessant, wie andere Menschen beschreiben, was für eine Art von Filmemacher ich sei. Ich weiß es gar nicht. Ich habe viele Fragen im Kopf und mich interessiert so vieles. Natürlich möchte ich Filme machen und Geschichten erzählen, die mich als Kind schon fasziniert haben und die dazu führten, dass ich diesen Beruf mache. Ich möchte, dass diese Motivation nie in den Hintergrund gerät. Als ich in L.A. war, wurde mir oft diese Frage gestellt: Ob ich mir diesen Film auch international vorstellen könnte, mit einem CIA-Agenten in der Hauptrolle? Da habe ich gesagt: Ja, das war die Ursprungsidee. 
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