Wer ist in einer wolkenlosen Neumondnacht vom nächtlichen Sternenhimmel nicht fasziniert, fühlt sich vom millionenfachen Leuchten und Funkeln, als einem visuellen Ausdruck für die unermessliche Weite des Kosmos, nicht innerlich erregt? Vorausgesetzt natürlich die Lichter der Großstadt überstrahlen nicht die Zartheit des Firmaments (trotzdem man sich nicht wundern sollte, wie viele Sterne und eindrucksvolle Konstellationen auch in einer etwas abgedunkelten Seitenstraße noch zu erkennen sind). Schon in den Anfänger der Zivilisation haben die Menschen versucht, in dieses scheinbare (himmlische) Chaos Ordnung zu bringen, sich an Sternen und Sternbildern zu orientieren. Sie dienten den Reisenden als Wegweiser, wurden als Hilfsmittel für die Prognose von jahreszeitlichen Vorgängen genutzt und sind natürlich die ideale Projektionsfläche für Träume und Fantasien. Von den Altägyptern bis heute sind die Menschen von der majestätischen Schönheit dieses Spektakels regelrecht berauscht. Und so wundert es nicht, das Mythen, Sagen und Geschichten die (zugegeben manchmal ein wenig abstrakten) Figuren am Himmelsgewölbe begleiten.Seit Oktober 2013 bieten wir allen Besuchern des Portals www.kultkomplott.de einen allgemeinen und, wie wir hoffen, auch verständlichen Überblick über das nächtliche Treiben am Sternenhimmel.  Vielleicht, um nach einem Konzertbesuch diese strahlende Pracht bewusster wahrzunehmen, oder um einfach eine der in den folgenden Texten beschriebene Formation selbst zu suchen.
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1. 74. Das Universum als eine Tasse Milchkaffee
2. 73. Alle Weltmeere in einem Stück Würfelzucker
3. 72. Nur fünf Stunden Schlaf
4. 71. Die Durchmusterung des Himmels
5. 70. Gelandet im Meer der Ruhe
6. 69. Sturmwirbel auf dem Jupiter
Freitag 01.11.2019
74. Das Universum als eine Tasse Milchkaffee
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Merkurtransit 11. November 2019
Im Monat November ziehen besonders die Planeten die Aufmerksamkeit des nächtlichen Beobachters an. Zunächst der sonst sehr schwer aufzufindende Merkur am 11.November. Mit einem Sonnenschutzfilter vor einem passenden Fernrohr kann man das Vorbeiziehen des sonnennächsten Planeten vor der 160-fach größeren Sonnenscheibe betrachten. Dieser äußerst seltene Merkurtransit ist ab 13.35 Uhr bis zum Sonnenuntergang nur für das filtergeschützte Auge sichtbar. Wer dieses seltene Naturschauspiel verpasst, hat die nächste Gelegenheit erst wieder am 13.11.2032. In der zweiten Monatshälfte sind dann Merkur und Mars gemeinsam kurz vor Sonnenaufgang im Südosten sichtbar, während man Saturn und Jupiter in der Dämmerung des Abendhimmels im Südwesten findet. Ende des Monats gesellen sich dann noch der Planet Venus und die zunehmende Mondsichel hinzu.
Es war schon eine kleine Sensation, dass der Physik-Nobelpreis 2019 drei Astronomen zugeteilt wurde. Diese Mitteilung überraschte die Fachwelt enorm, waren doch die Preisträger in Wissenschaftlerkreisen schon seit längerem durch frühere sensationelle Veröffentlichungen bekannt. Sicherlich kann man so ihre Ehrung als Anerkennung und Würdigung ihrer Lebensforschungsleistung sehen.
Aber der Reihe nach: Als im Oktober 1995 die erste Entdeckung eines Planeten bei einem anderen Stern in unserer Milchstraße verkündet wurde, war die Fachwelt völlig aus dem Häuschen. Der Stern 51 Pegasi - ein Stern übrigens, den man bei guten Beobachtungsverhältnissen mit bloßem Auge im Sternbild Pegasus erkennen kann - hat einen jupiterähnlichen Planeten, der ihn in 102 Stunden einmal umrundet. Die Schweizer Forscher Michel Mayor und Didier Queloz hatten in mühevoller Kleinarbeit festgestellt, dass bei dem 50 Lichtjahre entfernten Stern ein periodisches Schwingen in seiner eigentlich fixierten Position zu verzeichnen war, was wiederum nur auf einen Tanz der Gravitation mit einem recht großen Planeten-Partner (Super-Jupiter) zurückzuführen ist. Ein völlig neuer Wissenschaftszweig der Astronomie war geboren. Doch das heute als Helvetios und Dimidium bekannte Pärchen war nur der Anfang der Beobachtungskette. Heute hat die Exoplanetenforschung mit verschiedensten Methoden mehr als 4000 Objekte nachgewiesen, die eine andere Sonne umlaufen. Ein Exoplanet, der als eine zweite Erde bezeichnet werden könnte, ist allerdings noch nicht dabei gewesen.
Der kanadische Professor James Peebles galt schon immer als Paradiesvogel unter den Kosmologen, denn zu kühn waren seine Ansätze und Überlegungen, zu weitreichend seine Thesen. Doch der heute 84jährige machte trotz teils heftiger Kritik einfach weiter und ließ sich nicht beirren. Seine Theorien von der Entstehung des Universums durch einen Urknall wurden letztlich im Jahre 1964 durch die Entdeckung der Kosmischen Hintergrundstrahlung durch Penzias und Wilson definitiv bestätigt. Doch diese Ur-Strahlung aus der Anfangszeit des Kosmos wies winzige Schwankungen und Fluktuationen auf, die auf weitere, bis dahin unbekannte Materieformen hindeuteten. Letztendlich ist die Darstellung, die der Laudator des Nobelkomitees bei der Bekanntgabe der Nobelpreisträger verwendete, am anschaulichsten: Unser Universum ähnelt einer Tasse Milchkaffee: Zunächst ist der größte Teil das schwarze Getränk selbst. Es verkörpert die Dunkle Energie, die mit rund 70 Prozent den größten Teil des Universums darstellt. Dann kommt die Milch ins Spiel. Gut bemessen mit weiteren 25 Prozent durchmischt sie die Melange und ist als Dunkle Materie bekannt. Natürlich gibt der Genießer dann noch eine Prise Zucker hinzu. Und genau diese winzigen 5 % leuchtender Materie stellen das bisher erforschte Universum dar, das Weltall, in dem wir leben, wie wir es kennen und erforschen.
Beide Entdeckungen haben unser Weltbild entscheidend erweitert und gezeigt, dass die astronomische Forschung noch immer Neues hervorbringen kann, was zeigt, dass die älteste Wissenschaft der Menschheit bis in die Gegenwart für Überraschungen gut ist.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Dienstag 01.10.2019
73. Alle Weltmeere in einem Stück Würfelzucker
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Die mehr als 12 Stunden langen Herbstnächte geben dem Beobachter die Möglichkeit, bei guten Wetterbedingungen einige interessante Konstellationen zu betrachten. Dabei tritt das Herbstviereck, bestehend aus vier Sternen der Sternbilder Pegasus (Algenib, Scheat und Markab) und Andromeda (Sirrah), in den Vordergrund. Trotzdem kann man in der Dämmerung noch nach dem Sommerdreieck im Westen und gegen Mitternacht im Osten nach dem Wintersechseck Ausschau halten.
Zu Monatsbeginn sind mehrere, recht nahe Begegnungen der Planeten Jupiter und Saturn mit der schmalen Sichel des zunehmenden Mondes zu bestaunen, wobei die geringe Höhe der beiden Planeten über dem Horizont eine freie Sicht in Richtung Südwest voraussetzt. Am letzten Tag des Monats kann erneut in den frühen Abendstunden die schmale Mondsichel ganz nah am Jupiter beobachtet werden, wobei sich nun noch die Venus als Abendstern hinzugesellt.
Supernova - was verbirgt sich hinter diesen rätselhaften Objekten, deren Geschichte durch die theoretische Beschreibung der deutschen Astronomen Fritz Zwicky und Walter Baade im Jahre 1934 begann? Beide hatten den Tod eines ungefähr acht Sonnenmassen schweren Sterns beschrieben und für die extrem energiereiche Explosion den Namen Supernova geprägt. Alle Forscherkollegen waren zunächst skeptisch, doch heute kennen wir sogar die verschiedensten Typen dieser Explosion von Sternen, die ihre Energievorräte am Ende ihres Lebens verbraucht haben und ihre Existenz mit einem Superflash beenden. In den letzten Jahren wurden sogar superschwere Sterne beobachtet, die in ihrem finalen Countdown mehr als 100 Sonnenmassen explosiv umsetzen: Der Begriff Hypernova war geboren.
Nach dem Abstoßen der äußeren Gashülle bleibt ein ebenso bizarres wie rätselhaftes Restprodukt an der Ausgangsstelle der Supernova-Reaktion zurück. Zwicky und Baade hatten den Sternenrest kühn Neutronenstern genannt, obwohl das Neutron selbst erst zwei Jahre zuvor von dem britischen Physiker Chadwick entdeckt wurde.
Es war die berühmte Astronomin Jocelyn Bell Burnell, die der Natur der Neutronensterne als erste auf den Grund ging. Ihr gelang 1967 der erste Nachweis eines pulsierenden Neutronensterns (Pulsar), der sich mit der Präzision einer Schweizer Uhr 70 mal in der Minute um seine eigene Achse dreht. Zwar heimste ihr Doktorvater Antony Hewish den Nobelpreis ein, doch die heute hochgeehrte Wissenschaftlerin war die erste, welche die Theorie bestätigen konnte. Heute sind sogenannte Millisekunden-Pulsare bekannt, die sich wie wild bis zu 42.000 mal pro Minute um ihre eigene Rotationsachse drehen.
Als 2017 zwei solche Himmelskörper in einer Kilonova miteinander verschmolzen und durch die ultrasensiblen Virgo- und LIGO-Detektoren erstmals Gravitationswellen dieses Prozesses nachgewiesen werden konnten, war die Begeisterung unter den Astronomen kaum beschreibbar (siehe Kosmos 50).
Erst mit dem Einsatz von Großrechnern wird es nun in der letzten Zeit immer besser möglich, den inneren Aufbau eines Neutronensterns wissenschaftlich zu beschreiben. Dabei schwankt man zwischen zwei eventuellen Gegebenheiten: Einerseits könnte das Innere durch einen superflüssigen Ozean ohne jegliche Strömungswiderstände geprägt sein, anderseits ließe sich der innere Aufbau auch durch die seltsame Materie der Hyperonen (ein Konglomerat bestehend aus jeweils einem Up-, Down- und Strange-Quark) erklären. Die Strukturen sind also möglicherweise sehr vielschichtig, wobei die Forscher von der Existenz einer ein Kilometer dicken und recht festen Kruste aus schweren Atomen überzeugt sind. Fest steht aber auch, dass die Dichte zum inneren Kernbereich hin immer mehr zunimmt und im Zentrum den unfassbaren Wert von mehr als 100 Billionen Tonnen pro Kubikzentimeter erreicht: In einem Stück Würfelzucker wäre mehr Materie vorhanden als alle Weltmeere beinhalten.
Und ist dies nicht wieder eine Bestätigung für Carl Sagans Aussage, dass die Geheimnisse des Kosmos unsere menschlichen Vorstellungskräfte bei weitem übersteigen?
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt

Abbildung:
Zwei Neutronensterne verschmelzen und explodieren in dieser Illustration. Erstmals fingen Forscher ein solches Ereignis direkt ein. Und lösen Grundfragen der Astronomie.
© ESO​L. Calçada​M.
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Sonntag 01.09.2019
72. Nur fünf Stunden Schlaf
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Der Monat September bringt außerordentliche Veränderungen in der Tageslänge mit sich: Sind noch zu Beginn des Monats die Tage mit 13 Stunden und 45 Minuten recht lang, so hat am Monatsende bereits die Nachtzeit mit 12 Stunden und 15 Minuten knapp die Oberhand gewonnen. Grund dafür ist die zweite Tag -und Nachtgleiche des Jahres, die für den 23.September terminiert ist. Trotzdem sind die Sommersternbilder Leier, Adler und Schwan noch immer gut im Süden unmittelbar nach dem Sonnenuntergang zu sehen. Das Herbstviereck erscheint hingegen erst nach 22 Uhr in südöstlicher Richtung. Die Planeten machen sich nach wie vor rar. Nur Jupiter und Saturn sind zu erkennen. Sie verraten sich tief im Süden stehend durch ihren ruhigen Widerschein, da sie ausschließlich das Sonnenlicht reflektieren.
KOSMOS – das war auch der Titel für die berühmten Vorlesungen, die Alexander von Humboldt vor gut 175 Jahren in Berlin hielt. Völlig überfüllt waren die Säle, wenn der Forschungsreisende sein Wissen weitergab. In Humboldts Fall sogar durch den direkten Kontakt mit dem Publikum. Den Zeitzeugen zufolge genoss es der alternde Forscher, von seinen Reisen und Erlebnissen zu berichten. „Zum schriftstellerischen Handwerk gehört Läuten“, stellte er einmal fest.
Vielleicht gehörte Humboldt auch zu den letzten Universalgelehrten, denn er war Geopolitiker und Diplomat und wurde zugleich durch seine Landschaftsmalereien bekannt. Er galt als Spezialist in den Fachgebieten Zoologie, Chemie, Physik, Vulkanologie, Botanik und Ozeanografie. Humboldt war aber auch ein glühender Anhänger der Ideale der Französischen Revolution und unterstützte die südamerikanische Unabhängigkeitsbewegung, wobei ihn mit dem Revolutionsführer Simon Bolivar sogar eine tiefe Freundschaft verband.
Seine frühen Lebensjahre waren schwierig. Das Verhältnis zur Mutter war eher schlecht, nur widerwillig beginnt er die von ihr geforderte Beamtenkarriere im Bergbau. Doch bald beschäftigen ihn die Probleme der Kumpel dauerhaft und er entwickelt für sie neuartige Atemmasken und Grubenlampen, wobei er vor Selbstversuchen nicht zurückschreckt.         
Als er aus einer so ausgelösten Ohnmacht aufwacht, gilt seine erste Aufmerksamkeit dem Experiment: Die Lampe brennt trotz der Sauerstoffknappheit noch immer.
Dann verstirbt die Mutter. Humboldt, kaum 27 Jahre alt, kommt nicht zum Begräbnis. Die üppige Erbschaft gibt ihm aber alle Freiheiten: Es beginnen Jahrzehnte der gezielten Forschungsarbeit, verbunden mit ausgedehnten Reisen in zum Teil unerforschte Gebiete. Noch heute gilt er als zweiter Entdecker Südamerikas und wird dort, bis in unsere Gegenwart, als Held verehrt.
Als er sich im Frühsommer des Jahres 1799 zu seiner großen Südamerika-Reise auf den Weg macht, sind in seinem Reisegepäck die verschiedensten astronomischen Geräte, die ihm später helfen werden, Ungereimtheiten bei der Farb- und Helligkeitsbestimmung des südlichen Sternhimmels zu korrigieren. Ihm gelingt es auch als ersten Forscher, den Ursprung und die periodische Wiederkehr eines Sternschnuppenstromes wissenschaftlich zu beschreiben. Seine astronomischen Erkenntnisse besprach er mit den bedeutendsten Astronomen seiner Zeit, wie Johann Encke und Friedrich Wilhelm Bessel (siehe 71. Kosmos). Letztendlich bildeten diese Diskurse eine entscheidende Grundlage für die Darstellung der modernen Astronomie in seinem fünfbändigen Werk „Kosmos - Versuch einer physischen Weltbeschreibung“. Für seine außerordentlichen astronomischen Leistungen wurde das Mondmeer Mare Humboldtianum nach ihm benannt.
Seine Briefwechsel mit aller Welt schufen möglicherweise ein erstes Internet. Rastlos stand er in ständiger Korrespondenz, Pausen gönnte er sich kaum und mehr als fünf Stunden Schlaf gestattet er sich nicht. Vielleicht war er sogar der letzte Deutsche, der Briefe kostenlos versenden durfte. Der preußische Postminister befreite ihn von der lästigen Portopflicht. Über die Jahre hat er so mindestens 30.000 Briefe verschickt.
Zeit seines Lebens wollte er sein Wissen unter die Leute bringen und teilen, damit jeder Bürger sich weiterbilden konnte: „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“, war sein Credo.
Im Denken und im Handeln war Humboldt einer der Mutigsten seiner Zeit und so scheint es nahezu undenkbar, dass er sich heute nicht aktiv in die Diskussionen um die Erderwärmung und den Klimawandel eingemischt hätte. Es ist unvorstellbar, dass Alexander von Humboldt, dessen 250. Geburtstag wir am 14. September begehen werden, dazu schweigen würde.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Donnerstag 01.08.2019
71. Die Durchmusterung des Himmels
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Im August werden die Tage merklich kürzer. Die Sonne steht am Ende des Monats noch knapp 14 Stunden über dem Horizont und die Nächte kommen in ihren Stundenwerten damit wieder in den zweistelligen Bereich. Damit verlängert sich auch die Beobachtungszeit des Sternhimmels.
In der Nacht zum 13.August könnten die Sternschnuppen des Perseidenstroms beobachtet werden. Die Enthusiasten brauchen aber Ausdauer, denn die höchste Fallrate (die größte anzunehmende Anzahl von sichtbaren Meteoren pro Stunde) wird mit bis zu 70 Sternschnuppen gegen 4 Uhr in der Früh erwartet. Beim Aufsuchen der Sternschnuppen wird sicher das Sommerdreieck mit seinen Sternen Wega (Leier), Atair (Adler) und Deneb (Schwan) gut zu sehen sein. Hingegen sind die Planeten Merkur, Venus und Mars kaum oder gar nicht zu sehen.
Lohnenswerter ist da Jupiter, der knapp oberhalb des Sterns Antares im Skorpion steht. Auch Saturn im Nachbarsternbild Schütze ist die ganze Nacht hindurch zu finden. Allerdings erreichen beiden Planeten kaum 20 Grad Höhe, sodass eine freie Sicht Richtung Süden notwendig ist.
Am 22. Juli 1784 wurde Friedrich Wilhelm Bessel in Minden geboren. Seinen 235. Geburtstag gilt es nachträglich zu würdigen. Er war einer der bedeutendsten deutschen Naturwissenschaftler, dessen Tätigkeit sich auf die Gebiete Astronomie, Mathematik, Geodäsie und Physik erstreckte. Während der Ausbildung zum Kaufmann in Bremen entstand sein Interesse für die Astronomie. Er konnte schon in jungen Jahren vor allem durch seine mathematischen Fähigkeiten erste bedeutende Erkenntnisse gewinnen. Mit kaum 20 Jahren gelang es ihm, die Bahn des bekanntesten periodischen Kometen Halley so korrekt wie nie zuvor zu bestimmen. Damit erregte er die Aufmerksamkeit der damaligen Gelehrten und der Grundstein für seine astronomische Laufbahn war gelegt.
Bessel galt von nun an als präziser Beobachter und ebenso genauer Protokollant, sodass ihm bereits 1810 die leitende Funktion der Sternwarte der Universität Königsberg angetragen wurde. Hier forschte er dreieinhalb Jahrzehnte fast ununterbrochen bis zu seinem Tod im Jahre 1846. Ihm kam es darauf an, dass bei allen astronomischen Messungen die Fehlerquote so gering wie möglich gehalten wurde. Seine große Aufgabe war die Durchmusterung des Himmels. Das heißt, dass erstmalig mit Hilfe eines Meridiankreisinstruments der südliche Durchgang der Sterne durch den Meridian genauestens beobachtet werden konnte. Bessel hatte dadurch die Möglichkeit, einen Sternenkatalog für die Stellung von 75.000 Sternen herauszugeben. Die Arbeit wäre vergleichbar mit einer Landkarte, auf der ebenso viele Städte präzise vermessen mit Breiten- und Längengrad angegeben wären.
Das Ergebnis dieser Arbeit war eine geniale Überlegung: Müsste nicht im Abstand von genau 6 Monaten der Ort eines Sterns durch die Bewegung der Erde um die Sonne auch minimal schwanken? Tatsächlich handelt es sich bei dieser nach Bessel benannten Sternenparallaxe um Winkelmaße von weniger als einer Bogensekunde, was wiederum nicht einmal der 3600ste Teil eines einzigen Grades darstellt.
Durch diese außerordentliche Präzision in Beobachtung und Berechnung gelang es ihm als erstem Astronomen überhaupt die Entfernung eines Sterns genau zu berechnen. Der Stern 61 Cygni, heute bekannt als eine Sonne mit einem der ersten entdeckten Exoplaneten, wurde von Bessel mit einem Abstand von 10 Lichtjahren vermessen, was natürlich auch besagt, dass das Licht des Sterns 10 Jahre unterwegs ist, bevor es auf das menschliche Auge trifft. Durch die Abstandsvermessung weiterer Sterne konnte Bessel entscheidend dazu beitragen, dass sich das Bild vom Aufbau unserer Milchstraße entscheidend weiterentwickelte.
Fast wäre Bessel allerdings die Unwissenheit seiner Zeitgenossen zum Verhängnis geworden. Als 1831 in Königsberg eine Cholera-Epidemie ausbrach, verdächtigte man den Wissenschaftler, die Krankheit durch seine Instrumentarien angezogen zu haben. Bessel versiegelte daraufhin die Sternwarte und verschwand für Monate aus der Stadt. Nach seiner Rückkehr nahm er seine Forschungstätigkeit unbehelligt wieder auf.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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Montag 01.07.2019
70. Gelandet im Meer der Ruhe
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Noch immer beherrscht das Sommerdreieck mit den drei Hauptsternen der Sternbilder Schwan, Leier und Adler hoch über uns den abendlichen Himmel. Bei den wenigen zur Verfügung stehenden Stunden der nächtlichen Beobachtung ist ihre zenitnahe Beobachtung recht einfach. Deneb, Wega und Atair treten durch ihre Helligkeit deutlich zu einem Dreieck zusammen. Recht spannend ist auch das Aufsuchen des Planetenriesen Jupiter. Flach im Süden wirkt sein Licht fast rötlich und tritt der ebenfalls recht flach stehende Mond in seine Nähe, so ergeben sich vor allem zwischen dem 12. und 14. Juli interessante Konstellationen.
Es ist nun 50 Jahre her, dass in Deutschlands Wohnzimmern knisternde Spannung vorherrschte und zu nachtschlafender Zeit sich Jung und Alt vor den Miniaturfernsehern der damaligen Zeit versammelten. Die Mission Apollo 11 stand kurz vor ihrem Höhepunkt, denn die Landefähre Eagle war erfolgreich im Meer der Ruhe gelandet. So betrat am 21.Juli 1969 um 4:56 MEZ Neal Armstrong als erster Mensch den Mondboden und seine Worte „Ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“ sind zum meistzitierten Ausspruch des vergangenen Jahrhunderts geworden.
Nun wird 50 Jahre später Land auf Land ab dieses Ereignis gewürdigt und auch jüngeren Menschen wird vielleicht erstmals durch eine Vielzahl von medialen Quellen dieses Ereignis nähergebracht. Dass im April 1970 dann tatsächlich die Fast-Katastrophe von Apollo 13 die höchsten Einschaltquoten erreichte, ist heute sicherlich nur noch eine Fußnote. Für die Raumfahrt bleibt es ein Rekord für die Ewigkeit, denn es waren letztlich 12 Menschen, die ihren Fuß auf unseren Erdtrabanten gesetzt haben und damit erstmals ein anderer Himmelskörper des Sonnensystems direkt erforscht wurde.
Auch aus wissenschaftlicher Sicht waren die Missionen ein voller Erfolg, obwohl die Ergebnisse noch heute nicht ihre volle Anerkennung haben. Die Fakten liegen aber auf der Hand: 382 kg Mondgestein befinden sich noch heute in den Laboren der NASA und wurden seither den verschiedensten Forschergruppen zur Verfügung gestellt. Ihre genaue Untersuchung bestätigte letztendlich auch die These, dass der Mond tatsächlich in einer recht frühen Phase der Entstehung des Planetensystems durch einen direkten Zusammenstoß eines kleineren Himmelskörpers mit der noch jungen Erde entstanden sein muss. Der aus den Trümmern dieses Crashs entstandene Erdmond ist eigentlich viel zu groß für einen Gesteinsplaneten wie die Erde. Ein ähnlicher Einschlag ereignete sich zum Beispiel bei der fast massegleichen Venus nicht, denn der Nachbarplanet der Erde ist noch heute wie auch Merkur mondlos. Und auch unser zweiter Nachbar Mars hat nur zwei Miniaturmonde, die ihm einst als Asteroiden zu nah kamen und durch die Gravitation des Planeten eingefangen wurden.
Das Mondgestein blieb nicht die einzige Erfolgsausbeute: Umfassende geologische, geophysikalische und auch seismologische Experimente zeigten uns die Struktur eines Himmelskörpers, der ständig ohne den nötigen magnetischen Schutz der Strahlung der Sonne erbarmungslos ausgesetzt ist und Laser-Retroreflektoren ermöglichen noch heute die zentimetergenaue Entfernungsbestimmung des Erdtrabanten.
Des Weiteren wurde der Mond natürlich fotografisch genauestens erfasst, denn der dritte, im Command Modul verbliebene Astronaut, hatte während seiner Mondumrundungen genug Zeit, entsprechende Aufnahmen zu tätigen.
Die Worte von Kritikern mögen nach der Aufzählung dieser erstaunlichen Fakten vielleicht immer noch nicht verstummen und die Frage nach der Notwendigkeit des Mondfahrtprogramms mit den damit verbundenen enorm hohen Kosten bleibt bestehen.
Die Frage nach dem Sinn sollte sich jedoch erübrigen, denn der Forscherdrang des Menschen geht nun einmal darüber hinaus, zu wissen, was die eigene Welt im Innersten zusammenhält. Der Drang, Neues und Unbekanntes zu erforschen, wird die Wissenschaft immer vorantreiben und wann war Wissenschaft besser an den Mann zu bringen, als zu den Zeiten der nun legendären Apollo-Astronauten.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt

Die Abbildungen stammen aus dem Buch „Moonfire – Die legendäre Reise der Apollo 11“ von Norman Mailer, erschienen im Taschen Verlag.

1. July 20, 1969. Buzz Aldrin’s boot leaves a sharp imprint in the lunar soil.
Copyright: NASA/TASCHEN

2. July 20, 1969. Neil Armstong photographs his shadow and the distant LM from the East Crater.
Copyright: NASA/TASCHEN

3. July 20, 1969. Before departing the lunar surface Aldrin and Armstrong removed a plaque from the ladder strut of the LM to leave behind. It read, “We came in peace for all mankind.”
Copyright: NASA/TASCHEN
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Samstag 01.06.2019
69. Sturmwirbel auf dem Jupiter
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Im Monat Juni erwarten uns nun die kürzesten Nächte des Jahres. Gerade einmal sieben Stunden sind es im Idealfall, die zwischen den Dämmerungszeiten eine Beobachtung erlauben. Trotzdem hat der Anblick des nächtlichen Himmels einiges zu bieten. Im Westen sind noch die letzten Wintersternbilder Zwillinge und Fuhrmann zu sehen, während im Süden die Frühlingssternbilder Löwe und Jungfrau zu entdecken sind.
Beherrscher des Nachthimmels ist nun der Jupiter, denn er erreicht Mitte Juni seine größtmögliche Helligkeit im Kalenderjahr 2019. Er befindet sich gleich neben dem Stern Antares im Sternbild Skorpion. Erst kurz vor Mitternacht ist diese interessante Konstellation tief am südöstlichen Himmel erkennbar.
Der Planetenriese Jupiter wird seit knapp drei Jahren von der Raumsonde Juno umlaufen. Der 2011 gestartete amerikanische Raumflugkörper fliegt dabei aufgrund einer ausgeklügelten Kepler-Ellipse im jupiternahen Punkt (Perijovum) sehr nah an den obersten Atmosphärenschichten vorbei. Großartig sind vor allem die Aufnahmen, welche die Hochleistungskamera JunoCam erfasst und die durch das UVD-Kommunikationssystem zur Erde gesandt werden. Ein gerade jetzt vom CalTech-Team der NASA veröffentlichtes Foto zeigt die unglaubliche Vielfältigkeit des Wettergeschehens auf Jupiter. Absolut prägend im Bild sind die beiden rötlichen, unterschiedlich großen Sturmwirbel. Dabei ist zu bedenken, dass der größere der beiden Hurricans ein fast unvorstellbares Ausmaß hat: Die Erde würde zweimal in diesen Riesenwirbel hinein passen.
In den äußeren Zonen erreichen die Windgeschwindigkeit Überschallniveau, womit man sich ausrechnen kann, welche Verwüstungen er auf unserer Erde anrichten würde. Doch der erstaunlichste Fakt ist der, dass wir aus den Aufzeichnungen des großen italienischen Astronomen Galileo Galilei wissen, dass er bereits 1609 existierte. Schon in seinen Beobachtungsprotokollen ist von einem „Großen Roten Fleck“ die Rede. Damit ist der „Great Red Spot“, wie er noch heute heißt,  mindestens 410 Jahre alt. Einige Planetenwetterexperten gehen sogar davon ausgehen, dass er möglicherweise schon seit Jahrtausenden aktiv sein könnte. Ein Szenario, das für irdische Verhältnisse unvorstellbar ist. Gleichzeitig wird aufgezeigt, wie vielfältig die Wettererscheinungen in unserem Sonnensystem sein können.
Doch zurück zu der Aufnahme. Auffällig ist auch ein scheinbar recht kleines Tiefdrucksystem, das sich im Zentrum ebenfalls deutlich in rötlicher Farbe zeigt. Schaut man jedoch näher hin und relativiert die Größe dieses Taifuns, so würde er auf der Erde einen ganzen Kontinent komplett verdecken. Auch hier übersteigen Größe und Dynamik „unsere irdischen Vorstellungen“, um es mit den Worten des großen amerikanischen Astronomen Carl Sagan zu beschreiben.
Um nachzuvollziehen, wie schwierig es ist, solche großartigen Aufnahmen zu erstellen, muss man sich vor Augen halten, dass sie bei einer Geschwindigkeit von 73 km pro Sekunde geschossen werden. Damit ist Juno das schnellste von Menschenhand geschaffene Flugobjekt der Geschichte. Auch die zur Lagestabilität erforderliche Rotation des Gefährts um die eigene Achse ist bei der Fotografie ein nicht außer Acht zu lassender Faktor.
Nach nunmehr rund 1000 Arbeitstagen und 17 von 32 geplanten Umläufen um den Jupiter hat die Sonde bereits ein fast unerschöpfliches Reservoir an Daten und Bildern geliefert. Sie schickt sich damit an, in die Fußstapfen so berühmter Raumsonden wie der Venussonde Magellan oder der Plutosonde New Horizons zu treten. Selbst die vorangegangene Jupitermission namens Galileo scheint in den Schatten gestellt zu werden. Man darf also gespannt sein, welche Überraschungen die Schnappschüsse der JunoCam in den verbleibenden zwei Jahren der Kampagne noch zu bieten haben. Auf jeden Fall endet die Mission mit dem vorgeplanten Absturz der Raumsonde in den Jupiter. Damit wird sie das gleiche Schicksal wie die Saturnraumsonde Cassini ereilen, die im Jahre 2017 bis zum letzten Moment Daten zur Erde schickte, bevor sie planmäßig in der Saturnatmosphäre verglühte.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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