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13. Puchheim: Helge Lien & Knut Hem – Verwehende Klanglandschaften
14. Fürstenfeld: Marialy Pacheco & Max Mutzke
15. Landsberg: Yonathan Avishai Trio - Gelebte Demokratie
16. Fürstenfeld: tanzmainz und das ewige Thema
17. Iffeldorf: Reinhold Quartett – Die Achse Iffeldorf - Leipzig steht
18. Fürstenfeld: Paul Millns & Band – Das Herz am rechten Fleck
Freitag 18.10.2019
Puchheim: Helge Lien & Knut Hem – Verwehende Klanglandschaften
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Foto: Christian Mordre
Puchheim. Das eine Instrument ist vom Klang her der Inbegriff von Bluegras, einem Ableger des nordamerikanischen Country, wie er zu Beginn der letzten Jahrhundertwende regional gespielt wurde. Das andere Instrument ist das einstige Königsmöbel der Klassik, in diesem Fall aber der Ausdruck seines vom Virus des Jazz infizierten Spielers. Diese beiden, sowohl in Ausdruck als auch Geschichte ihrer Entwicklung so unterschiedlichen Instrumente standen gestern Abend im Mittelpunkt des ersten Konzertes der neuen Saison von JAZZ AROUND THE WORLD im Puchheimer Kulturzentrum PUC.
Helge Lien (Piano) und Knut Hem (Dobro und Weissenborn) haben in ihrem Duo-Vortrag deutlich werden lassen, dass beide scheinbar so unterschiedlichen Instrumente zu mehr gemeinsamen in der Lage sind - als musiktheoretisch gedacht. Dafür notwendig ist eine außergewöhnliche Musizierhaltung der Instrumentalisten, musikalischer Einfallsreichtum sowie eine innere Überzeugung – gegenüber sich allen vom Mainstream bestimmten Widerstände hinwegzusetzen. Und diese drei Grundtugenden beherrschten die Norweger Lien und Hum ausgezeichnet.
Hier haben sich zwei Individualisten gefunden, die an einem ästhetisch ähnlich ausgerichteten Klangideal arbeiten, das man als die Fortführung impressionistischer Kammermusik mit anderen Mitteln benennen könnte. Und da vieles von dem, was Helge Lien und Knut Hem musikalisch präsentieren, auf der Grundlage der Improvisation entsteht, passt das Ergebnis problemlos unter das schützende Dach des Jazz. In welcher stilistischen Enklave wäre man auch sonst derart experimentierfreudig und herausfordernd?
Ausgangspunkt für einen Großteil der flüchtigen Songs, die an diesem Abend erklangen, war die norwegische Folklore, waren Bilder und Begebenheiten des hohen Nordens, die sich in den Kompositionen der Instrumentalisten spiegeln. Helge Lien brachte am Klavier noch einiges an europäischer Klassik mit ins Spiel, die der Musik eine gewisse feierliche Bodenständigkeit verleiht.
Knut Hem spielte die Resonatorgitarre, auch Dobro genannt, sowie die seltener anzutreffende Weissenborn, ein Saiteninstrument, das im Aufbau der Hawaigitarre sehr ähnlich ist. Gebaut übrigens von einem deutschen, Hermann Weissenborn, der 1902 von Hannover nach Los Angeles auswanderte, hier eine Mexikanerin heiratete, die in ihrer Freizeit eben eine solche Hawaigitarre spielte (dasModell stammte übrigens aus Norwegen!!). Weissenborn modifiziert das Instrument, gab ihm dadurch einen prägnanteren Klang, der seinen Vorstellungen besser entsprach. Die Weissenborn war geboren.
Nun, die beiden Norweger gaben sich im PUC aber mit diesen geographischen Ausgangspunkten allein nicht zufrieden. Sie verarbeiteten solistisch oder auch im Duo afrikanische Einflüsse, manches erinnerte in seiner ohrwurmartigen Eindringlichkeit an zeitgenössischen Folkrock und hin und wieder geisterte auch ein rudimentärer Blues durch die Songs.
Was aber an diesem Abend am deutlichsten wurde, spiegelte sich in der Selbstverständlichkeit wieder, mit der Lien und Hem all diese verschiedenen Ausgangspunkte und Divergenzen miteinander ins Spiel bringen. Die Stile und Klänge fanden bei ihnen erstaunlich homogen eine gemeinsame Musiksprache. Es entstandenen einfühlsame, poetische, manchmal auch verwehende Klanglandschaften von überwältigendem Reiz. Man könnte auch von strukturierter Wehmut sprechen, die dem Auftritt einen ganz besonderen nostalgisch versunkenen Charme gaben.
Jörg Konrad

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Mittwoch 16.10.2019
Fürstenfeld: Marialy Pacheco & Max Mutzke
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Fotos: TJ Krebs
Impressionen vom Duo-Konzert der Pianistin Marialy Pacheco und dem Sänger Max Mutzke am 15.Oktober in Fürstenfeld, im Rahmen der Veranstaltungsreihe JAZZ FIRST.

(Wir danken Thomas J.Krebs für die wunderbaren fotografischen Eindrücke).
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Sonntag 06.10.2019
Landsberg: Yonathan Avishai Trio - Gelebte Demokratie
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Landsberg. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrmals auf die herausragende Stellung von israelischen Musikern im Jazz verwiesen. Das schöne an dieser Entwicklung ist: Sie setzt sich fort. Gerade erst hat der israelische Pianist Yonathan Avishai ein Duo-Album mit seinem Landsmann, dem Trompeter Avishai Cohen, mit dessen Quartett der Klavierspieler ebenfalls schon zu Gast in Landsberg war, eingespielt. Am Samtag gastierte nun Yonathan Avishai mit eigenem Trio am Lech.
Mag sein, dass kaum ein anderes Jazz-Label in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr Piano-Trios aufgenommen hat, als dies bei ECM München der Fall ist. Doch gleichzeitig muss auch gesagt werden, dass die Fülle an Ausdrucksmöglichkeiten, die individuelle Besonderheit der Instrumentalisten diese Veröffentlichungen absolut rechtfertigen. Dabei gehören Avishai, Bassist Yoni Zelnik und Schlagzeuger Donald Kontomanou bei weitem nicht zu den Feuerwerks- und Sprengmeistern der zeitgenössischen Musik. Ihre Herangehensweise ist subtiler, verinnerlichter, dramaturgisch ausgeklügelter und dabei nicht einen winzigen Bruchteil weniger spannend.
Yonathan Avishai bewegt sich während seines Vortrags in einem weiten Feld von Jazz und Klassik, von Folklore und Moderne. Und auch der Blues findet hin und wieder seinen Ausdruck, sowie manch kleiner populäre, häufig wiederkehrende Ohrwurm.
Alles, was der heute in Frankreich lebende Pianist spielt, ist von einer sehr persönlichen Note durchdrungen. Egal ob er  mit „Mood Indigo“ auf den unsterblichen Duke Ellington zurückgreift, Tangos auf eine unnachahmliche, orientalisch parfürmierte Weise interpretiert, oder ohne jedes Pathos frei improvisiert. In manchen Momenten glaubt man gar Yonathan Avishai spielt Monk, oder er klingt zumindest in seinen „stolpernden“ Klavierphrasen wie dessen Halbbruder (passend wäre auch ein Ausspruch, den Monk irgendwann einmal getätigt haben soll, mitten im Spiel: „Die Stille ist der schrillste Ton“). Trotzdem bleibt der heute in Frankreich lebende Yonathan ganz bei sich. Avishai spielt Avishai.
Überhaupt wird während des gesamten Vortrags deutlich: keiner der drei Musiker schlägt ein virtuoses Rad, spreizt sich eben nicht solistisch, sondern nimmt auf empathische Weise den Gedanken des anderen auf, führt ihn fort, gibt ihm eine neue Richtung, vervollständigt ihn - bis zu einem bestimmten Punkt. Denn das Besondere am Yonathan Avishai Trio ist das Andeuten von melodischen Motiven, das Umzirkeln von Harmonien. Selten nur hört man eine Melodie in ihrer Vollständigkeit. Immer bleibt etwas offen, unvollendet könnte man auch sagen, was sich erst im Kopf des Hörers zu einem Ganzen fügt und zündend wirkt. Das ist gelebte Demokratie schlechthin - in der Musik.
Und das Trio ist offen. Offen für Ideen von außen, offen in der Verarbeitung derer und auch offen wiederum in der Präsentation, so dass der Hörer bei ihm immer die Möglichkeit hat, klangliche Ideen gedanklich zu vervollständigen, geistig fortzuspinnen. Dadurch bekommt die Musik viel Raum zum atmen, sind die Ränder angenehm ausgefranst. Perfektion klingt anders – und wirkt auf Dauer schließlich fad.
Ach ja, das nächste Gastspiel eines israelischen Jazzpianisten ist auch schon geplant. Am 23. November gastiert Omar Klein mit seinem Trio und dem Mandolinenspieler Avi Avitalin in Landsberg.
Jörg Konrad

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Donnerstag 03.10.2019
Fürstenfeld: tanzmainz und das ewige Thema
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Fotos: Andreas Etter
Fürstenfeld. Das ewige Thema: Die Liebe. Über sie wird gesungen, geschrieben, gemalt, musiziert – und auch getanzt. Perfekt und diszipliniert – wild und ungestüm. In den Griff bekommt man dieses Gefühl damit jedoch noch lange nicht. Aber man kann es ausdrücken, ausleben, austanzen. Atmosphären beschreiben - akustisch, haptisch, visuell. „Soul Chain“ ist so ein die Liebe beschreibendes (und für die Tänzer schweißtreibendes) Unternehmen. Die Choreographie stammt von Sharon Eyal und entstanden ist dieses Stück für das Ensemble tanzmainz, mit Sitz in der hessischen Landeshauptstadt. Man glaubt es kaum. Was die Archaik dieses Stückes betrifft, die wilde, manchmal auch zügellos wirkende Entschlossenheit, die Irrationalität, die der Liebe nun einmal eigen ist, scheint es besser in urbanen Abrissvierteln, in zertrümmerten Fabrikhallen oder, als surreale von Zeit und Raum losgelöste Metapher, auf den Mond aufgehoben. Gestern gastierte die Mainzer Truppe nun in Fürstenfeld und tanzte das Publikum begeisternd schwindlig. Sich manchmal dabei nur minimal bewegend. Die Bühne zentimeterweise vermessend, um sie dann ganz einzunehmen, sie mit der Suche nach dieser Liebe zu füllen.
Es pulsierte das Gefühl der Liebe in Form vibrierender Seelen. Schleifende Schritte, explodierende Sprünge, rasante Sprints, leidenschaftliche Hingabe. Verzweiflung, Sehnsucht, Stillstand. Die androgyn wirkenden Körper der Tänzer kaum verhüllt. In den Bewegungsabläufen zeitweise deformierten Kreaturen ähnlich. Manches erinnert in seiner geschlossenen Einfachheit an rituelle Tänze. Und dazu der unerbittliche Rhythmus. Fordernd, energiereich, gnadenlos. Das Synchrone setzt sich aus Individuellem zusammen. In einem Interview sagte die israelische Choreographin einmal über ihre Tänzer: „Ich verlange viel von ihnen. Sie müssen total transparent sein, aber auch extrem physisch. Ich will Flügel sehen, nicht Arme!“ Sie interessiert vor allem die Extreme.
tanzmainz schafft diesen Spagat, zwischen Hell und Dunkel, zwischen Euphorie und Pessimismus, zwischen Transparenz und Undurchsichtigkeit, Wahrheit und Illusion. Und erntet tosende Begeisterung.
Jörg Konrad

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Sonntag 29.09.2019
Iffeldorf: Reinhold Quartett – Die Achse Iffeldorf - Leipzig steht
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Iffeldorf. Leipzig war, ist und bleibt eine der ganz wichtigen Musik-Metropolen. Das weiß auch Andrea Fessmann. Denn bei der Zusammenstellung der Programme ihrer weit über die Grenzen der Osterseen hinaus bekannten Iffeldorfer Meisterkonzerte finden sich immer wieder Instrumentalisten aus der Stadt des einstigen Thomaskantor Johann Sebastian Bach. Am Samstag war dies das Reinhold Quartett, bestehend aus Musikern des Gewandhausorchesters Leipzig.
Ein Ensemble, das, bei nur ganz wenigen Umbesetzungen, seit über zwei Jahrzehnten existiert. Und wenn eine Gemeinschaft von kreativen Menschen über einen derart langen Zeitraum im Austausch künstlerisch aktiv sind, dann passieren fast zwangsläufig ungewohnte, in diesem Fall unerhörte Dinge. Im vorliegenden Fall sind dies, wie am Samstag in Iffeldorf zu erleben, Wärme, klanglicher Farbenreichtum, Sensibilität und gleichzeitig zupackendes Handwerk.
Zwei Komponisten standen an diesem Abend im Programm von Tobias Heupt (Violine), Dorothee Erbiner (Cello), Norbert Tunze (Bratsche) sowie Chef und Namensgeber Dietrich Reinhold (Violine): Anton Grigorjewitsch Rubinstein und sein Streichquartett d-moll op. 47 und, wie kann es anders sein möchte man sagen, dem mit Leipzig eng verbundenen Felix Mendelssohn Bartholdy und sein Streichquartett a-moll op. 13.
Rubinstein gehört mit zu den vielseitigsten Komponisten der Klassik. Eine Art Kosmopolit, der aufgrund seiner menschlichen Toleranz und Großzügigkeit und seiner politischen Freigeistigkeit stets zwischen allen Stühlen saß. Er schrieb Symphonien, Kantaten, Kammermusik, Opern, Ballettmusiken, Lieder und hatte sogar einen Hit: Die „Melodie in F“. Das Reinhold Quartett widmete sich Rubinsteins selten aufgeführtem Streichquartett d-moll op. 47 Nr. 3. In diesem Stück sind deutlicher als in einigen anderen Kompositionen Rubinsteins Bezüge zu seiner Heimat bzw. zu russischen Volksmusiktraditionen zu spüren. Hier stehen leidenschaftliche,temperamentvolle manchmal auch raue Ausbrüche neben ganz ruhigen, lyrischen, ja fast elegischen Verspieltheiten.
Vieles von dem, was Rubinstein komponiert hat scheint in seiner Tonsprache Felix Mendelssohn Bartoldy verpflichtet.
Das mag auch daran liegen, dass beide Musiker (Rubinstein galt als ein ausgezeichneter, technisch unglaublich versierter Pianist - ebenso Bartholdy) in Berlin freundschaftlich verbunden waren.
Mendelssohn Bartholdy erlebte als Musiker, Komponist, Dirigent, als künstlerische Person jedoch die größeren Gegensätze. Er wurde zu Lebzeiten gefeiert und trotz seiner nur 38 Jahre, die er wurde, regelrecht verehrt. Später dann von Antisemiten verunglimpft und künstlerisch zu Propagandazwecken ausgegrenzt.
Mit seinem Streichquartett a-moll op. 13, einem Frühwerk des Komponisten, welches er mit gerade einmal achtzehn Jahren schrieb und in dem deutliche Bezüge zu Beethoven, der im Entstehungsjahr des Stückes starb, hörbar sind, setzte er schon erste Maßstäbe. Bartholdys überzeugende Kunst spiegelt sich auch im zitieren eines seiner Lieder im 1. Satz wieder. Überhaupt begeisterte die Gegensätzlichkeit der Komposition, die vom Reinhold Quartett mit allergrößter Professionalität ausgespielt wurde. Die Fülle an melodischen und harmonischen Ideen, an dynamischen Kontrasten, überzeugten das Publikum vollkommen. Man spürte die Spielfreude des Quartetts, das engagierte und in Bezug auf die Emotionalität einfühlsame Ineinandergreifen der einzelnen Instrumentalstimmen. Eine würdige Interpretation dieses bemerkenswerten Werkes.
Jörg Konrad
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Freitag 13.09.2019
Fürstenfeld: Paul Millns & Band – Das Herz am rechten Fleck
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Es gibt sie noch. Liedermacher, oder wie man im Heimatland von Paul Millns sagt, Singer Songwriter, die das Herz am rechten Fleck haben. Man kann sie auch als authentisch bezeichnen. Denn bei allem, was sie musikalisch tun, scheint ihnen die Natürlichkeit und Ehrlichkeit am wichtigsten.
Das mag auch der Grund für Millns stilistische Vielfalt sein. Denn wenn der Inhalt eines seiner Songs am glaubwürdigsten über einen Blues transportiert werden kann - dann spielt er den Blues. Am liebsten Boogie Woogie. Ist eine Ballade wirklich beseelt - dann wird aus dem Stück kurzerhand eine Soulnummer. Und wenn es richtig krachen soll - dann rockt Paul Millns das die Funken fliegen. Das ähnelt sehr einem Randy Newman. Der wurde vor Jahren, nachdem er Titel über Donald Trump und Wladimir Putin veröffentlicht hat, in einem Interview gefragt, ob ihm denn so ganz spontan ein Song über Angela Merkel einfallen würde? Seine Antwort: „Vielleicht irgendwas mit bayerischer Marschmusik? Geben Sie mir bis morgen früh. Irgendein Song geht immer, da bin ich selbstbewusst.“
Selbstbewusst ist Paul Millns auf der Bühne natürlich ebenfalls. Das hat er gestern Abend in Fürstenfeld bewiesen. Ein Sänger und Pianist, der genau weiß was er tut, der die Musik im Blut hat und mit seinen Songs immer wieder für ganz große Momente sorgt. In Vergangenheit und Gegenwart. Er braucht sich künstlerisch absolut nicht hinter eben jenem Randy Newman, hinter der tragischen Figur eines John Martyn, dem frühen Tom Waits, ja auch dem gemäßigten Kevin Coyne und Roger Chapman verstecken.
Natürlich liefert der Brite während seines Auftritts kein Plagiat ab. Millns ist Millns bleibt Millns. Das hat das Publikum im Kleinen Saal ganz fix erkannt und reagiert von Beginn an begeistert auf seine vokalen Herausforderungen und pianistischen Inspiriertheiten.
Vielleicht auch, weil er ebenso der liebenswerte Nachbar von nebenan sein könnte, jemand, dem man gern die Schlüssel zum Blumengießen während des Urlaubs überlässt, mit dem man gern ein Feierabendbier trinkt und dabei über Gott und die Welt diskutiert.
In Fürstenfeld war Millns mit seiner deutsch-englisch-kanadisch-polnischen Tourband zu Gast, bestehend aus dem Bassisten Ingo Rau, dem Gitarristen und Mundharmonikaspieler Butch Coulter und dem Schlagzeuger Vladi Kempf. Ein Quartett voller musikalischer Einfälle, das vor allem durch seine konzentrierte Hingabe besticht. Millns Gesang hält diese beseelte Melange zusammen, mit seiner klaren, eindringlichen Stimme, die so gar nichts süffisantes verströmt. Sie wirkt eher klar stellend, manchmal anklagend, kampflustig und immer wieder ironisch gebrochen.
Die Songs? Sie sind meist ganz einfach strukturiert, perfekt arrangiert und eindringlich vorgetragen. Millns packt die Themen des Lebens am Schopf, zieht privates, aber auch gesellschaftliches, partnerschaftliches und emotionales ans Licht der Öffentlichkeit – ohne dabei je über die Fallstricke des Voyeurismus zu stolpern.
Jörg Konrad

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Autor: Siehe Artikel
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