Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Christoph Poschenrieder - Das Gemäßigte ist uninteressant

1

Leo Meixner - Die Fridays for Future Bewegung finde ich toll

2

Stephan-Max Wirth – Da bin ich glücklich!

3

Danae Dörken – Eigentlich jeden

4

Ewa Kupiec – Musik auf allen Ebenen

5

Ulli Habersetzer – Wir müssen unser Leben ändern

6

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Freitag 04.10.2019
Christoph Poschenrieder - Das Gemäßigte ist uninteressant
Christoph Poschenrieder hat in seinem Debütroman „Die Welt ist im Kopf“ den jungen deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer ins Zentrum der Handlung gestellt. In einem Literaturmagazin war in Bezug auf diesen Text 2010 zu lesen: „Poschenrieders Debüt ist kein staubiger Historienroman, keine Biografie über die komplizierte Persönlichkeit Schopenhauers, sondern ein hintersinniger Bildungsroman als phantasievoller Unterhaltungsroman.“
Geboren wurde der Autor und Journalist 1964 in den USA. Er hat in New York die Journalistenschule besucht und in München Philosophie studiert. Mittlerweile sind von ihm fünf Romane erschienen. Über sein letztes Buch, das erst vor wenigen Wochen erschienene „Der unsichtbare Roman“, sagt er in einem Interview auf die Frage worum es in diesem Buch geht: „Um das Schreiben von Romanen. Warum überhaupt, für was, für wen. Höhere Wahrheiten, niedere Instinkte, wie etwa das Bedürfnis, mit eigener Arbeit Geld zu verdienen. Womit einen das Publikum davonkommen lässt. Was es glaubt, was es glauben will. Eine wahre Geschichte, die kein Autor erfinden würde. Um die Kraft und Magie des Wortes, wer sie besitzt und wer nicht.“
Am 15.Oktober kommt der heute in München lebende Autor in die Buchhandlung Leselust nach Gilching (Am Bahnhof 6), um sein neues Buch vorzustellen. Beginn 19.30 Uhr.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Christoph Poschenrieder: Ein bisschen Talent, ein bisschen Fleiß, ein bisschen Glück.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
CP: Möglichst viele LeserInnen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
CP: Nichts besonderes, manchmal läuft es halt nicht so richtig rund. Kleine Pause, und weiter.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
CP: Ein schöner Frühherbsttag im Karwendel, Greta Thunbergs Rede in New York, die Wahlen in Ostdeutschland, viele größere und kleinere Dinge.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
CP: Wenn ich einen neuen Roman beginne. Oder beende.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
CP: Klassik und viel aus den 1980ern, als ich meine musikalische Prägung erhielt.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
CP: Eher Stream. Auch Radio.

KK: Was lesen Sie momentan?
CP: Gunter Geltinger: Benzin. Wir waren zur selben Zeit Stipendiaten in der Villa Concordia in Bamberg.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
CP: Maßlos nichts. Und das Gemäßigte ist uninteressant.

KK: Was freut Sie ungemein?
CP: Ich meide den Überschwang der Gefühle. Nil admirari, sagte Horaz: Nur nichts bewundern.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
CP: Nein. Und kein Bedürfnis es zu tun.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
CP: Frischester Eindruck: Antonio Banderas in "Leid und Herrlichkeit".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
CP: Einen universalen Geräuschauslöscher.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
CP: Meine Bücher schreibe ich jedenfalls allein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
CP: Wenn es ein wirklich guter Einfall ist, vergesse ich die Situation völlig. Es kann immer & überall passieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
CP: Diverse Nachrichtenseiten, z. B. spiegel.de, faz.net, nytimes.com, nzz.ch, newyorker.com

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
CP: Literaturförderung um 10.000 %  hochfahren!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
CP: "Wer ist der Typ?"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
CP: Unklar und jedenfalls ungern.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 17.09.2019
Leo Meixner - Die Fridays for Future Bewegung finde ich toll
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Leo Meixner ist Bauch und Hirn der Cuba Boarischen 2.0, einer Band, die das Bayrische und das Latainamerikanische auf temperamentvolle Weise zusammenbringt. Alles begann im Jahr 2000, als bayrische Blasmusikanten aus dem Mangfalltal im Kuba Urlaub machten und dort von den Rhythmen des Cha Cha Cha, des Merenge und Salsa derart fasziniert waren, dass sie diese Stile sozusagen als Handgepäck kurzerhand mit in ihre Heimat brachten. Und hier feilten sie an einer außergewöhnlichen musikalischen Melange, die mittlerweile seit fast zwanzig Jahren in ungezählten Live-Konzerten das Publikum verzaubern. „Der Buena Vista Social Club schürte einst die Sorge ums Wohlergehen Tulas. Die Cuba-Boaischen sind einen Schritt weiter ….. Die Fusion ist also nach allen Seiten offen, das Bayerische, das irgendwie sogar gut mit dem Spanischen zusammengeht, diffundiert auf diese Weise auch auf die Karibikinsel“, schrieb die SZ vor einiger Zeit.
Am 10. Oktober gastieren die Cuba Boarischen 2.0 mit Leo Meixner im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Ein paar Eintrittskarten soll es noch geben …...


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Leo Meixner: Ausschlaggebend waren meine Eltern, die sich im Musikstudium Anfang der 1980er Jahre in München kennengelernt haben. Mein Vater war als Kirchenmusiker und Unterhaltungsmusiker ein stilistischer Allrounder. So habe ich als Kind von klassischer Musik über Blechbläsermusik, Vokal-, Volksmusik, Pop, Rock bis Jazz von allem etwas mitbekommen.
Ich wollte zwar als Kind nie Musiker werden, denn in der Trotzphase will man ja bloß nicht das machen, was die Eltern machen. Schließlich muss man dann doch seiner Bestimmung und seinen Talenten folgen. Das habe ich dann glücklicherweise getan und bin jetzt freischaffender Musiker.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LM: Das Wichtigste ist mir, dass ich Spaß an dem habe, was ich tue. Mit meiner Musik gelingt mir das sehr gut. Meine musikalische Mischung aus karibischen Klängen und bayerischem Einfluss macht auf der Bühne einfach Freude. Wenn diese Energie dann aufs Publikum überspringt, dann entsteht immer etwas Besonderes.
Mich freut es sehr, dass immer mehr junge Leute auf meine Konzerte kommen. So kann es weitergehen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LM: Als Bandleader, Frontman, Komponist, Arrangeur, Social Media Administrator etc. kümmere ich mich um viele Bereiche. Ich muss für die Bühnenshow immer perfekt vorbereitet sein. Bei den vielen organisatorischen Aufgaben um die Band und mit dem Management, muss ich mir auch immer wieder Zeit nehmen kreativ zu sein. Da brauche ich einen freien Kopf. Das ist manchmal nicht einfach.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LM: Mich hat in letzter Zeit sehr beeindruckt, mit welcher Courage Jugendliche für den Klimaschutz kämpfen. Die Fridays for Future Bewegung finde ich toll.
Ich hoffe wir haben bald Leute aus dieser Generation und mit diesem Bewusstsein in politischen Ämtern.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LM: Ich liebe Festivals. Dort trifft man sich immer wieder mit befreundeten Künstlern, die Stimmung im Publikum ist ausgelassen und die Energie, die zwischen Künstler und Publikum entsteht, ist einfach unbeschreiblich.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LM: Ich höre wirklich alles. Das kommt meist auf meine momentane Stimmung an.
Im Moment gefallen mir funkige Fusion Stile sehr gut. Aber kubanische Musik gehört eigentlich immer zu meinen Favoriten.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LM: Ich werde mir einen Plattenspieler zulegen, um wieder aktiver Musik zu hören.
Als Kind der 1990er habe ich immer schon CDs gehört. Mein CD Regal war rappelvoll mit den neuesten Alben und Samplern.

KK: Was lesen Sie momentan?
LM: Ich lese momentan "Diarios de motocicleta" von Ernesto "Che" Guevara.
Die Reise des jungen Che durch Südamerika. Sehr interessant wie Che Guevara vom jungen Arzt zum Revolutionär wird.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LM: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
LM: Wenn Bayern München die Championsleague gewinnt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LM: Zählt ein Vogelhaus als Möbelstück? Dann ja.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LM: Ich bin ein riesen Fan von Helmut Fischer alias Monaco Franze. Mit der Leichtigkeit dieser Rolle und dem typisch Münchnerisch-bairischem kann ich mich gut identifizieren. Ist zwar kein Film, aber die Serie ist einfach legendär.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LM: Ein Automobil komplett ohne CO2 Abdruck.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LM: Ich glaube ich bin vom Typ eher ein Einzelkämpfer, wobei ich aber gerne im Team arbeite. Das hat einfach eine andere Dynamik.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LM: Kurz vor dem Einschlafen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LM: Bundesliga Ergebnisse auf kicker.de und alles was das Tagesgeschehen so hergibt.
Verbringe aber eindeutig zu viel Zeit auf YouTube.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LM: Unsere Identität ist fest verknüpft mit der Kultur unserer Herkunft. Ich finde es gut, wenn man transkulturelle Projekte fördert, um so ein offeneres Miteinander zu schaffen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LM: Ich bin noch zu jung, um mir darüber Gedanken zu machen. (Das sollte nicht der Titel sein)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LM: Ich habe die Hoffnung dass es bei den Menschen ein Umdenken gibt, damit wir alle achtsamer mit unserem Planeten umgehen.
Autor: Siehe Artikel
Samstag 24.08.2019
Stephan-Max Wirth – Da bin ich glücklich!
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Credits: Anke Hopfengart
Stephan-Max Wirth ist mit seiner Band seit über einem viertel Jahrhundert unterwegs. Der Musik des Quartetts sagt man nach, sie habe die Gabe, süchtig zu machen. Wirth ist als Tenor- und Sopransaxophonist „ein Meister gesangvoller melodischer Linien“ (HNA), der sich nicht scheut, auch in seinen packenden (instrumentalen!) Kompositionen politisch Stellung zu beziehen.
Überhaupt ist der im baden-würtembergischen Tettnang geborene Musik ein aufgeweckter und engagierter Musiker. Am 6. September erscheint nun die vier-CD-Box „Live Experience – 25 Years SMWE“ (Galileo), die Live-Aufnahmen seines Quartetts aus den letzten acht Jahren enthält. Großartige Musik, die voller Kraft und Raffinesse einen Spagat zwischen Intellekt und Emotion schafft. Wirts intensive Solos entwickeln sich oft aus melancholischen Melodien, die ein Ergebnis der überragenden Zusammenarbeit der einzelnen Bandmitglieder sind. Es ist eine integrierende Musikhaltung, die das Quartett in gleicher Besetzung seit 25 Jahren auf hohem Niveau hält. Spannend, energetisch, ispirierend. Man spürt zugleich die Freude, die den Instrumentalisten eigen ist, die sie zu motivieren scheinen. Eine Box für jede Tages- oder Nachtzeit. Und: Soviel Wirth war nie! 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Stephan-Max Wirth: Ich hatte sehr viel Glück, durfte das machen was ich wollte, wurde dabei unterstützt von meinen Eltern, meiner Familie, Freunden, Lehrern, ... Es sind weniger einzelne Momente, die zu dem geführt haben, was ich heute bin, als mehr dieser kreative Freiraum, mein beständiger Wille, meine Geduld. Ein wenig Talent und die Gabe Chancen zu packen waren sicherlich auch mit im Spiel. Aber nicht zuletzt haben die Musiker meiner Band Jaap Berend, Bub Boelens und Florian Hoefnagels, mit denen ich nun schon so viele Jahre zusammenarbeite, großen Anteil an dem, was ich bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
St-MW: Es gibt kaum eine persönlichere Musik als Jazz. Hier drehen wir unser Innerstes nach außen, was einen sehr engen Kontakt zum Publikum ermöglicht. Wenn meine Musik den Hörer berührt, dann habe ich etwas erreicht, dann hat meine Arbeit Sinn. Meine Balladen scheinen bei vielen Leuten sehr unter die Haut zu gehen, tatsächlich sind hier in den Konzerten schon oft Tränen geflossen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
St-MW: Mit der Jammerei in der Kultur. Das war wohl schon immer so, da hat sich in den letzten Jahrzehnten, die ich mit dabei bin, nichts geändert. Manchmal fühle ich mich wie ein Veranstalter-Seelsorger. Es freut einen dann umso mehr, wenn man mit Menschen arbeiten kann, die positiv nach vorne schauen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
St-MW: Momentan sicherlich die Resonanz auf unsere Jubiläums-Live-Box, wegen der ich ja auch für dieses Interview hier eingeladen wurde. Seit Tagen kommen laufend Mails mit Anfragen rein und ständig klingelt das Telefon.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
St-MW: Die schönsten Momente sind bei mir und sicherlich auch bei meinen holländischen Bandkollegen, wenn wir uns auf der Bühne geradezu in Trance spielen. Man fliegt förmlich und das überträgt sich wohl auch auf das Publikum, wie mir schon oft berichtet wurde. Da bin ich glücklich!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
St-MW: Ja , ich höre viel Musik und ja, es ist der Jazz, den ich am meisten höre. Aber sobald die Musik Qualität hat, kann ich jedes Konzert, jede Aufnahme genießen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
St-MW: Das kommt sehr darauf an, welche Musik darauf ist.

KK: Was lesen Sie momentan?
St-MW: Jose Saramago „Das Tagebuch“. Saramago ist schon seit Jahren einer meiner liebsten Schriftsteller. Insgesamt lese ich hauptsächlich deutsche und französische Literatur der vergangenen beiden Jahrhunderte.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
St-MW: Unfreundlichkeit und rechter Stumpfsinn. Menschen wie Salvini, Orbán und die anderen, die unser großes Friedensprojekt Europa demontieren, und dass man den D-moll-Dreiklang nicht mehr abwärts denken kann, ohne die Wut zu bekommen.

KK: Was freut Sie ungemein?
St-MW: Wenn Menschen miteinander glücklich sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
St-MW: Kleidungsstücke nur wenige, aber Möbel ohne Ende. Ich habe vor dem Musikstudium eine Schreinerlehre abgeschlossen und das Schreinern macht mir auch jetzt noch immer wieder viel Freude.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
St-MW: Peter Sellers in „Der Partyschreck“, einfach herrlich!!!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
St-MW: Oh, keine Ahnung, ich glaube ich halte mich besser ans Komponieren, wer weiß, was bei einer Erfindung von mir herauskommen würde.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
St-MW: In der Band, auf der Bühne bin ich absoluter Teamplayer. Zwischen den Konzerten, wenn die organisatorische Arbeit ansteht, muß ich leider auch Einzelkämpfer sein.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
St-MW: Das ist sehr sehr unterschiedlich. Manches habe ich erträumt, dann wache ich auf und halte die Idee fest. Manche Einfälle sind aber auch ganz klassisch durch Disziplin erarbeitet.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
St-MW: Das wechselt ständig. Seit einigen Wochen tummle ich mich jedoch immer wieder auf „laufendlesen.de“. Den Empfehlungen dort kann man tatsächlich Glauben schenken.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
St-MW: Ich würde mich dafür einsetzen, dass Europa auch im Jazz ankommt. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass man z.B. für den deutschen Jazzpreis eine hauptsächlich deutsche Band braucht und in Holland keine Unterstützung bekommt, weil der Bandleader Deutscher ist, obwohl alle anderen Holländer sind.
Momentan haben wir, was Kulturfördermittel in meinem Genre betrifft, eine Tendenz zur Kleinstaaterei, das würde ich versuchen zu unterbinden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
St-MW: Stephan-Max Wirth – viel Spaß für wenig Geld, das Leben eines Jazzmusikers

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
St-MW: Die Zukunft stelle ich mir friedlich und im Einklang mit der Natur vor, ich habe nämlich eine gute Vorstellungsgabe. Leider zweifle ich sehr daran, ob es denn auch so kommt.
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Sonntag 21.07.2019
Danae Dörken – Eigentlich jeden
Danae Dörken hat vor wenigen Wochen den KLAVIERSOMMER FÜRSTENFELD mit ihrem Soloprogramm eröffnet. Drei Wochen später legt sie ihr insgesamt viertes Album vor. „East and West“ vereint acht Komponisten, die, was ihre künstlerische Entwicklung und ihre Persönlichkeit betreffen, kaum unterschiedlicher sein könnten. Aber das ist genau die Intuition der gerade einmal 27jährigen Pianistin. „Ich möchte mit diesem Programm zeigen, dass die Musik ein Ort ist, an dem alle Menschen auf dieselbe Ebene gehoben werden – ganz egal was ihre Herkunft oder ihr kultureller Hintergrund ist.“ Das betrifft die Komponisten ihres Recitals ebenso, wie auch ihr Publikum.
Für die östliche Individualität in der vorliegenden Musik stehen der Grieche Manolis Kalomiris, der Ungar Bela Bartok und der Pole Frédéric Chopin. Für das westliche Prinzip Franz Schubert, Edvard Grieg, Francis Poulenc und Manuel De Falla. Allen Komponisten ist zudem ein starker Bezug zur Volksmusik ihrer jeweiligen Heimat eigen. Auf diese Weise ist die musikalische Intellektualität geerdet, ist die Wechselseitigkeit zwischen geistigem Anspruch und gelebtem Alltag spürbar.
Danae Dörken widmet sich ihrem Programm mit Hingabe und Konzentration. Kraftvoll interpretiert sie die Preludien Manolis Kalomiris, verspielt die Rumänischen Volkstänze Bela Bartoks und lässt in feierlichem Glanz Edvard Griegs „Wedding Day At Troldhaugen“ erklingen. Die Pianistin findet, neben aller Virtuosität, den emotionalen Zugang zu den Stücken. Sie bringt die Poesie der Musik zum Ausdruck, macht die mitreißende Melodik fast spürbar und formuliert durchgehend mit kreativer Lust. Eine brillante Aufnahme. 

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Danae Dörken: Alle prägenden Erlebnisse, positive wie auch vermeintlich “negative”, aus meiner Kindheit und Jugend bis hin zum heutigen Tag. Ich denke, dass wir alle eine Kombination aus unseren vergangenen Erfahrungen und unserer grundlegenden Lebenseinstellung sind.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DD: Ich möchte alle Menschen erreichen, die klassische Musik lieben und auch diejenigen, die sie noch nicht kennen und noch überzeugt werden müssen. Also eigentlich jeden!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DD: Ich liebe das Musiker Dasein sehr und sehe es gar nicht wirklich als eine “Arbeit”, die erledigt werden muss, sondern vielmehr als einen großen Bestandteil von mir. Daher empfinde ich Hindernisse, die auf dem Weg auftauchen, nicht als wirkliche Probleme oder Widrigkeiten, sondern eher als einen Teil meines Lebenswegs.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DD: Momente mit meinen zwei Söhnen (fast 2 Jahre und 5 Monate alt).

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DD: Wenn man jemanden erreichen konnte, der sonst vielleicht nicht unbedingt in ein klassisches Konzert gehen würde. Und überhaupt, wenn man Menschen mit seiner Musik berührt. Dafür bin ich ja schließlich Pianistin geworden.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DD: Ich höre gerne ganz unterschiedliche Genres, Hauptsache es ist gute Musik. Vor allem gefallen mir World Music, Soul und lateinamerikanische Musik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DD: CDs oder Stream im Internet.

KK: Was lesen Sie momentan?
DD: Clara Schumann: Jugendtagebücher 1827-1840 (nach den Handschriften)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DD: Engstirnigkeit und das Fehlen eines weiten Horizonts. Generell versuche ich aber, mich nicht so viel zu ärgern und von Negativem beeinflussen zu lassen, da diese Emotionen sowieso nichts an der bestehenden Situation ändern.

KK: Was freut Sie ungemein?
DD: Offenheit und Menschen, die die Welt jeden Tag aufs Neue entdecken können und nicht in alten Mustern und Angewohnheiten hängen bleiben.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DD: Zählt das, IKEA Möbel zusammengesetzt zu haben? ;-) Wenn nicht, dann nein.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DD: Marion Cotillard in “La vie en rose”.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DD: Auf jeden Fall einen Beamer, mit dessen Hilfe ich mich binnen weniger Sekunden an jeden Ort auf dieser Welt transportieren kann.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DD: Obwohl man als Pianistin zu einer Einzelkämpferin wird und sehr viel alleine unterwegs ist und Entscheidungen trifft, sehe ich mich von Natur aus eigentlich eher als Teamplayer. Vielleicht genieße ich es deswegen auch so sehr, Kammermusik zu machen und mit anderen gemeinsam zu musizieren.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DD: Oft beim Klavierspielen selber. Wenn ich in eine Art Flow komme und vieles um mich herum vergesse, kommen mir die interessantesten Einfälle.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DD: Ich schaue mir gerne inspirierende Youtube Videos von interessanten Persönlichkeiten und TED Talks zu verschiedenen Themen an.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DD: Ich würde mich dafür einsetzen, dass die Kulturförderung sehr viel stärker und grundlegender im Bildungssystem verankert wird. Musik, Tanz und Theater sind alles Dinge, die meiner Meinung nach in der Schule sehr viel stärker gefördert werden müssen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DD: Always look on the bright side of life!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DD: Ich habe das Gefühl, dass wir uns momentan an einem Knotenpunkt befinden, von wo aus es in alle Richtungen gehen kann. Ich lasse mich also überraschen, wohin es gehen wird und genieße die Reise!
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Sonntag 07.07.2019
Ewa Kupiec – Musik auf allen Ebenen
Ewa Kupiec gehört zu den ganz wichtigen Pianistinnen zeitgenössischer Musik. Sie hat in den letzten Jahren weltweit nicht nur mit Aufnahmen von Grażyna Bacewicz, Lutosławski, Szymanowski, Alfred Schnittke und Paderewski brilliert. Sie hat einen Teil dieser Konzerte mit großen Orchestern präsentiert, wie den Münchner Philharmonikern, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem Warsaw Philharmonic, dem Melbourne Symphony Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig oder zum Orchestre de Paris. Und natürlich hat die aus Polen stammende Solistin eine ganz besondere Beziehung zu Frédéric Chopin. Als sie vor einigen Jahren im Landkreis gastierte, war an dieser Stelle zu lesen: „Sie versteht es, emotional zu spielen, ohne es an Klarheit fehlen zu lassen. Ihr Anschlag weiß sich den verschiedenen Stimmungen der Kompositionen anzupassen und doch drückt sie mit ihrer Persönlichkeit den einzelnen Stücken auch ihren Stempel auf. Ewa Kupiec ist eine sensible Technikerin, deren Temperament begeistert und deren leisen Töne aufwühlen.“
Am 19. Juli bestreitet die heute in Hannover lebende und an der Hochschule für Musik, Theater und Medien lehrende Pianistin das zweite Konzert der Reihe FÜRSTENFELDER KLAVIERSOMMER mit einem Programm aus Kompositionen von Franz Schubert und Frédéric Chopin bestehend.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ewa Kupiec: Ich habe mit zwölf Jahren mein Zuhause verlassen, um in die spezielle Musikschule mit Internat zu gehen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EK: Musik auf allen Ebenen zu vermitteln.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EK: Dass ich am Arbeitsplatz leider immer weit weg von den Menschen bin, die ich liebe und schätze.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EK: Junge, hervorragende Pianisten*innen beim Münchener Klavierpodium der Jugend zu erleben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EK: Kommunikation durch Musik.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EK: Jazz!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EK: Man muss wissen, dass ich täglich sechs bis acht Stunden Zeit am Klavier verbringe, danach will ich einfach nur die Stille genießen. Ich benutze aber häufig Streaming-Dienste als Referenz.

KK: Was lesen Sie momentan?
EK: „Diaries“ von Virginia Wolf.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EK: Die Herzlosigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
EK: Der Sonnenschein.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EK: Hmm ... das wäre schön, eine gute Idee für die Zukunft!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EK: Momentan alle Frauen aus der zweiten Staffel von „Big Little Lies“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EK: Eine Medizin, die endgültig den Krebs heilen wird.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EK: Sicher eher als Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EK: Im Austausch mit meinen Studenten*innen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EK: Ich bin eher ein App-Mensch, und meine Lieblings-Apps sind Audible (Hörbücher) und Blinkist (gekürzte Sachbücher)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
EK: In einem Tag?
Eine Inspiration für andere Menschen zu sein, die danach die Kultur weiter beeinflussen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EK: „My Book of Changes“

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
EK: Ich möchte meine Zukunft gestalten, indem ich jeden Tag reflektiere, lerne und mit jüngeren Menschen diese Erfahrungen mit einem offenen Herz, klarem Geist und viel Humor teilen kann.
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Montag 03.06.2019
Ulli Habersetzer – Wir müssen unser Leben ändern
Ulli Habersetzer war, bevor er als Jazzjournalist zum Bayrischen Rundfunk kam, als Veranstalter, Künstleragent und Musiker (Saxophon!) tätig. Sein Magisterstudium der Musikwissenschaft, Musikpädagogik und der Europäischen Ethnologie in München und Wien schloss er 2008 ab. Seitdem präsentierte und moderierte er in hunderten von Radiosendungen wie „Jazz und Politik“, „BR Jazzclub Live“ oder der „Radio Jazz Nacht“ „seine“ Musik in den unterschiedlichsten Formen und Varianten. Besonders hat es ihm die  INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN angetan, ein Festival, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Von den Konzerthighlights in der alten Herzogsstadt im oberbayrischen Landkreis Altötting berichtet Ulli Habersetzer mit seinem Kollegen Roland Spiegel seit über zehn Jahren Live für den Bayrischen Rundfunk in einer langen Jazznacht.
Anlässlich des Jubiläums haben die beiden Musik-Enthusiasten das Buch  IT HAS LINES IN ITS FACE – INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN SEIT 1970 geschrieben. Knapp dreihundert Seiten, auf denen die außergewöhnliche Geschichte dieses Festivals nachzulesen ist. Von den zaghaften ersten Treffen eines Gerichtsvollziehers und eines Musikpädagogen, die eines einte: der Jazz, bis hin zu den Jazz-Bronzeplatten, die im Stadtkern von Burghausen verlegt und die an die großen Stars erinnern, die hier aufgetreten sind. Es sind kleine Anekdoten und große Geschichten, die hier liebevoll dem Vergessen entrissen sind und deutlich machen, wozu wahre Leidenschaft in der Lage ist.
(Roland Spiegel & Ulrich Habersetzer IT HAS LINES IN ITS FACE – INTERNATIONALE JAZZWOCHE BURGHAUSEN SEIT 1970 Herausgeber: Stadt Burghausen)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ulli Habersetzer: Zur richtigen Zeit an den richtigen Orten, die richtigen Menschen kennengelernt zu haben. Den BR-Jazzredakteur Roland Spiegel etwa, bei einem Konzert 2005 im Fürstenfeldbrucker Unterhaus. Oder Klarinettist Rolf Kühn in der Kantine von Deutschlandfunk Kultur Anfang 2010. Und natürlich meine Frau, bei einer Geburtstagsfeier, bei der sie nur zufällig zu Gast war. Diese und ganz viele andere Begegnungen sind für mich absolut prägend gewesen.
 
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
UH: Eigentlich alle Menschen! Zu mir hat noch niemand gesagt, sie oder er finde Musik grundsätzlich uninteressant. Jeder Mensch fühlt sich auf eine gewisse Weise durch Töne angesprochen. Ich glaube, die Musik, die wir Jazz nennen, kann noch viel mehr Menschen berühren und begeistern, als man allgemein denkt. Meine Aufgabe ist es nun, das Ganze gut und ansprechend zu vermitteln.
 
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
UH: Mit grundsätzlicher Ignoranz gegenüber dem, was kreative Menschen geschaffen haben und immer noch schaffen. So etwas zählt für Leute, die nur an Verkaufszahlen denken oft wenig.
 
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
UH: Ein Konzert des Gewandhausorchesters Ende Januar im Gasteig. Eine Version des Stücks "Summertime" von Stan Getz aus dem Jahr 1964, die ich vor kurzem entdeckt habe und eine Live-Übertragung für BR-Klassik aus der Münchner Unterfahrt mit dem norwegischen Tubisten Daniel Herskedal. Großartig!
 
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
UH: Die Entdeckungsmomente! Natürlich kennen ganz viele andere Menschen gewisse Musik schon viel länger als ich, aber entscheidend ist doch das persönliche Entdecken. Vor einigen Jahren habe ich beim Jazzfest Berlin den südafrikanischen Schlagzeuger Louis Moholo-Moholo gehört. Ich hatte noch nie wirklich etwas von ihm gehört und es war wie ein Erweckungserlebnis. Ganz viele andere Menschen im Publikum kannten ihn schon, aber das spielte für mein Empfinden keine Rolle, für mich war das neu und unglaublich aufregend.
Dazu natürlich wieder die Begegnungen. Ich hatte das Glück zweimal Pianistin Carla Bley interviewen zu dürfen, das sind Begegnungen, die man nie vergisst und die meine Arbeit sehr schön machen.
 
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
UH: Ich höre berufsbedingt sehr viel Musik und natürlich mag ich Jazz besonders. Aber mich spricht grundsätzlich eine Musik an, die eine gewisse Einfachheit hat und die auf eine sehr persönliche Art gemacht ist. Saxophonist Ben Webster etwa. Seine Soli sind nicht ultra-virtuos, teilweise sogar simpel, aber seine Musik hat für mich eine zeitlose Schönheit in der etwas Unbeschreibliches und nicht Fassbares steckt. Das mag ich sehr. So geht es mir auch mit der Musik von Trompeter Ambrose Akinmusire oder von Saxophonist Mark Turner. Natürlich sind beide Virtuosen, aber im Kern geht es um eine klare Aussage. Mit den Stimmen von Alison Krauss oder Eva Cassidy geht es mir genauso.
 
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
UH: Ausschließlich CD. Ich habe keinen Platz für einen LP-Spieler, aber einige tolle LPs zuhause. Vielleicht räume ich mal um, dann lege ich die Platten auf.
 
KK: Was lesen Sie momentan?
UH: Einen Krimi von Volker Kutscher und sehr viele Artikel, Posts und Emails.
 
KK: Was ärgert Sie maßlos?
UH: Unser fahrlässiger Umgang mit unserer Umwelt. Klimaschutz finden ganz viele toll, aber sich wirklich dafür engagieren, das tun nur sehr wenige. Wir müssen einfach alle unser Leben ändern. Wenn ich lese, dass es täglich 800 Flüge innerhalb Deutschlands gibt, dann ärgert mich das.
 
KK: Was freut Sie ungemein?
UH: Meine Familie! Und musikalische Momente. Wenn man eine Live-Sendung moderiert und merkt, dass die Musikauswahl geklappt hat. Tolle Soloeinstiege, wenn ein BR-Mitschnitt mit einer großartigen Band klappt und der Vertrag unterschrieben zurückkommt. Wenn man Musik wiederentdeckt, bei mir gerade Aufnahmen von Pianist Horace Silver.
 
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
UH: Ich habe den Tisch und die Sitzbank in unserer Küche gebaut. Ansonsten nähe ich manchmal Knöpfe an, sie halten aber selten.
 
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
UH: Vor Jahren habe ich Birgit Minichmayr im Stück "Das Interview" gesehen, das hat mich wahnsinnig beeindruckt. Die Filme von Jan Georg Schütte finde ich toll. Er macht Filme ohne Drehbuch, dabei gibt er nur eine gewisse Szenerie vor und jede Schauspielerin und jeder Schauspieler bekommt eine Biographie, der Rest ist improvisiert. Das finde ich super, es hat viel mit Jazz und dem Leben zu tun. Was im Leben folgt denn schon einem Drehbuch? Eigentlich nichts.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
UH: Eine Freiheits-, Gerechtigkeits-, und Friedensmaschine. Die für ALLE Menschen gleich perfekt funktioniert.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
UH: Absolut als Teamplayer. So habe ich das immer auch in meiner Arbeit erfahren. Alle sind ungemein wichtig. Bei einer Live-Aufzeichnung für den BR ist das Thekenpersonal im Club genauso wichtig wie die Musiker, die Managerin der Band, der Clubbesitzer oder jeder einzelne Besucher. Ich genieße es ungemein im BR im Team zu arbeiten und eine gute Band funktioniert ja auch nur im Team.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
UH: Bei Zugfahrten, am besten durch Regionen, in denen es keinen Handy- und Internetempfang gibt, und beim Fahrrad fahren. In Bewegung fallen mir die besten Sachen ein.
 
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
UH: BR24 und Süddeutsche. Ansonsten keine regelmäßig. Manchmal schaue ich auf den Blog des Pianisten Ethan Iverson https://ethaniverson.com. Er hat sehr viele Gespräche mit anderen Musikern geführt. Da kann man einiges lernen. Ist aber auch etwas anstrengend zu lesen.
 
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
UH: Alles Geld vom Rüstungshaushalt in den Kulturhaushalt stecken, die Kulturförderprogramme leichter zugänglich und verständlich machen. Es gibt da nämlich viel, man muss es nur finden. Aber wahrscheinlich wäre ich ganz schlecht an dem Posten, weil ich in all den Verwaltungsaufgaben ganz mies wäre.
 
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
UH: Auch nach sehr langem Nachdenken ist mir kein Titel eingefallen. Wird wohl nichts werden mit der Autobiographie...
 
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
UH: Bei der Kultur, bei der Bildung, bei allen Dingen, die soziale Kompetenz fördern, wird gespart, das sind eigentlich keine guten Aussichten, aber ich bin heilloser Optimist, deshalb bin ich mir sicher, dass unsere Kinder viel klüger sind als wir und die Zukunft total super wird.
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