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1. Iffeldorf: Klieser / Bielow / Filjak – Pure Lebenslust
2. Olching: Christmas Carols - Statt festlichem Pathos mit einer gewissen Leic...
3. Landsberg: Tanja Tetzlaff & Florian Donderer - Ein Farbenrausch von Stimmun...
4. Gilching: Monobo Son – Zurück in die Zukunft
5. Landsberg: Omer Klein Trio & Avi Avital – Musikalisches Feuerwerk
6. Gröbenzell: Rita Falk & Florian Wagner - Gescherzt, gelesen und gelacht
Sonntag 08.12.2019
Iffeldorf: Klieser / Bielow / Filjak – Pure Lebenslust
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Fotos: Romano Grozich (M. Filjak), Maike Helbig (F. Klieser).
Iffeldorf. Das Horn gehört zu den ältesten Instrumenten dieser Welt. Es wurde schon im Altertum genutzt - natürlich weniger als virtuos zu händelndes Klangwerkzeug, stattdessen als zweckdienliches Signalinstrument: Zum Rufen des Zuchtviehs, als Alarmhinweis der Nachtwächter und als Verständigungsmittel von Jägern und vom Militär. Später dann entstanden Hörner aus Metall, die (mit Fingerlöchern eingearbeitet) zum musikalischen Gebrauch hergestellt wurden. Aus diesen Vorläufern entwickelte sich im Laufe der Zeit das Waldhorn in seiner heutigen Form und den verschiedenen technischen Varianten und entsprechenden Klangmöglichkeiten.
In der klassischen Musik spielte das Waldhorn in den letzten Jahrhunderten eine recht unterschiedliche Rolle. Es wurde mal mehr, mal weniger intensiv von den Komponisten in ihre Partituren einbezogen. Einige dieser (beeindruckenden) Beispiele fanden am gestrigen Samstag im Rahmen der Iffeldorfer Meisterkonzerte ins Programm. Das Trio Felix Klieser (Horn), Andrej Bielow (Violine) und Martina Filjak (Klavier) stellten Kompositionen von Charles Koechlin (1867-1950), Johannes Brahms (1833-1897), Robert Schumann (1810-1856) und Frédéric Nicolas Duvernoy (1765-1838) in den Mittelpunkt, die, abgesehen von ihrer chronologischen Zuordnung, ein breites Spektrum an Stimmungen und stilistischen Zuordnungen zum Ausdruck brachten.
Das „Quatre Petites Pièces für Horn, Violine und Klavier, op.32“ von Koechlin machte mit ruhigem und melodisch romantischem Beginn den Anfang an diesem Abend. Das Trio fand über diese feinsinnigen, oft zarten Skizzen, denen in ihrer flüchtigen Gestaltung etwas Impressionistisches zu eigen war, zueinander, wobei besonders Kliesers warmer und lyrischer Ton am Horn der Musik einen ganz eigenen, kultivierten Zauber verlieh.
Brahms „Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 d-Moll op. 108“ schien ein Paradestück für Pianistin Martina Filjak und Geiger Andrej Bielow. Beide dringen in ihrer Interpretation tief zum Kern der Komposition vor. Sie setzten Brahms Anliegen, das Klavier aus der Begleiterrolle herauszuholen und es mit der Violine auf Augenhöhe agieren zu lassen, vorzüglich um. Der furiosen Dramatik, der besonders der letzte Satz der Sonate eigen ist, begegneten beide mit Selbstbewusstsein und einer aufschäumenden Innigkeit, die weit mehr war, als allein die temperamentvolle Umsetzung der Vorgaben.
Das Duo Klieser & Filjak entließ das Publikum mit Robert Schumanns „Adagio und Allegro für Horn und  Klavier op. 70“ furios, in glühender Musikalität in die Pause. Beide Instrumentalisten befeuerten sich im zweiten Satz gegenseitig, überboten sich spieltechnisch und verloren doch nie den gemeinsamen Faden. Aber diese Interpretation sollte eben noch nicht der Höhepunkt des Abends werden.
Der stellte sich mit dem bekannteren „Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur, op. 40“ von Johannes Brahms ein, das vom Komponisten eigentlich als ein Requiem für seine verstorbene Mutter gedacht war. Sozusagen „musikalische Trauerarbeit“. Hier zeigten alle drei Solisten ihre ganze Bandbreite technischer Perfektion und leidenschaftlicher Hingabe. Das meisterliche Ineinandergreifen der drei Instrumentalisten, ihr klangliches Durchdringen, die ausgewogene Balance, das Wechselspiel der Stimmungen begeisterte das Publikum zunehmend. Die nachdenkliche, melancholische Grundstimmung schlägt in Sehnsucht, Trauer, dann wieder in Freude um. Aber dieses Wechselbad der Stimmungen war harmonisch, nachfühlend, klang völlig logisch. Das Trio schuf mit seiner enormen Ausdrucksintensität eine Art permanente Hochspannung – die sich am Ende durch pure Lebenslust entlud. Applaus.
Jörg Konrad
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Montag 02.12.2019
Olching: Christmas Carols - Statt festlichem Pathos mit einer gewissen Leichtigkeit
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Olching. Das mit den Weihnachtsliedern ist in jedem Jahr so eine Sache. Kaum ist der Sommerurlaub vorüber, beschallen schon im Oktober die Kaufhäuser ihre Kunden zwar noch vorsichtig, aber immerhin mit winterlichen Melodien. Ist dann der November erreicht, bekommt der Klangcharakter in den Konsumtempeln schon eindeutigere Züge – hin zum Weihnachtsrepertoire. Das reicht vom unendlich strapazierten Festtagsswing einer Ella Fitzgerald und eines Frank Sinatra bis hin zum sich stetig steigernden Glockengeläut am Heiligen Abend. Die Veranstalter haben für die großen Kultursäle Gospel gebucht und Humperdincks „Hänsel und Gretel“ wird neu ins Repertoire der Opernhäuser aufgenommen.
Eine wunderbare und ganz unaufdringliche Idee fand am vergangenen Sonntag in das Programm der Matinee „Eleven-Eleven“ im Olchinger KOM Eingang. „Christmas Carols für Blockflöte und 4 stimmiges Gesangsensemble“ ist eine kurzweilige, musikalisch vorweihnachtliche Lesung, deren unterhaltsamer Charakter statt festlichem Pathos eine gewisse Leichtigkeit und Fröhlichkeit vermittelte.
Der vorgetragene Text „Der Löwe, das Einhorn und ich“ stammt von der englischen Autorin Jeannette Winterson und erzählt die Geschichte der Geburt Jesu - aus dem Blickwinkel eines Esels, der als zurückhaltender und bescheidener Charakter die schwangere Maria auf dem Rücken nach Betlehem trägt.
In Gesprächen zwischen dem Esel, einem Löwen und einem Einhorn werden viele Erlebnisse der Reise, aber vor allem die Geschehnisse vor, während und direkt nach der Geburt auf dem Gelände einer Herberge mit einemleichten Schmunzeln erzählt. Die einzelnen Sprechstimmen gehörten dabei zu Laura Faig (Sopran), Mirjam Kapelari (Alt) und Florian Drexel (Bass), die gemeinsam mit Michael Birgmeier (Tenor) auch das 4-stimmige Gesangsensemble bildeten, welches zwischen den einzelnen Dialogen „Christmas Carols“ vortrug. Sanftmütig, sehnsuchtstrunken, ausdrucksstark, beeindruckend in der vokalen Perfektion, aber auch schlicht und ergreifend.
Unterstützt wurde der vierköpfige Chor von Tatiana Flickinger, die mit verschiedenen Blockflöten den Gesang instrumental untermalte und zur Geschichte passende Alltagsgeräusche klanglich einbrachte. Das alles wirkte musikalisch erfrischend und abwechslungsreich, entspannt und aufgeheitert und bot sich somit als eine wunderbare Alternative zu all den adipösen Weihnachtsveranstaltungen an.  Liebend gern hätte man all die zur Adventszeit zu Haus verbliebenen mit diesem kurzweiligen Stück erfreut.
Gerhard von Keußler
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Sonntag 01.12.2019
Landsberg: Tanja Tetzlaff & Florian Donderer - Ein Farbenrausch von Stimmungen
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Fotos: Neda Navaee
Landsberg. Nun, Johannes Brahms stand am Samstagabend nicht auf dem Programm des Duos Tanja Tezlaff und Florian Donderer. Dabei sagte die Cellistin in einem Interview vor ein paar Jahren, dass Brahms sie fasziniere und er als Komponist für sie derart intensiv sei, dass seine Stücke sie nachts um den Schlaf brächten.
Intensität scheint eben ein Merkmal der Cellistin zu sein. Denn egal was die Hamburgerin, die heute mit ihrer Familie im relativ nahegelegenen Bremen lebt, musikalisch anpackt – es ist gekennzeichnet von einer gezielten interpretatorischen Kraft und Energie, von einer zupackenden Leidenschaft, wie man sie nur selten und in diesem Fall mit großer innerer Anteilnahme sieht und hört.
So auch im Rathauskonzert zu Landsberg, wo sie gemeinsam mit ihrem Partner, dem Geiger Florian Donderer auftrat, und beide ein außergewöhnliches Repertoire präsentierten. Das Spektrum reichte von Solostücken aus der Feder Johann Sebastian Bachs und György Ligeti (Sonate für Violoncello solo) bis zu Duo-Stücken von Maurice Ravel und Zoltan Kodály. Doch trotz des umfangreichen und vielschichtigen Programms wurde es ein kurzweiliger musikalischer Abend der Superlative, den das Publikum begeistert aufnahm.
Zu Beginn stand Johann Sebastian Bachs Suite Nr. III C-Dur für Violoncello solo auf dem Programm. Schon mit dem ersten Strich tauchte Tanja Tetzlaff tief ein, in den barocken Kosmos des einstigen Thomaskantors. Die spieltechnischen Voraussetzungen für dieses Stück sind enorm und ebenfalls die Gefahr, das eigene Spiel diesen Herausforderungen distanziert unterzuordnen. Doch Tanja Tetzlaff befeuerte mit ihrer Interpretation die fesselnde Dramatik der Komposition. Die Abwechslungen und Kontraste, die dieses Stück bietet, verlangen Konzentration, musikalischen Ordnungssinn und emotionales Selbstvertrauen. Tanja Tetzlaff beherrschte diesen Prüfstein perfekt und beeindruckte zusätzlich mit einer virtuosen Emotionalität.
Die andere Soloherausforderung des Abends stammte ebenfalls von Johann Sebastian Bach. Florian Donderer nahm sich die Ciaccona aus der Partita II d-moll vor, das zu den schwierigsten Stücken der Violinliteratur überhaupt gehört. Brahms sagt es sei „ … eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf ein System für ein kleines Instrument schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen.“
Und Florian Donderer spielte diesen vierten Satz aus der Partita, wobei es sich um freie Variationen über ein ununterbrochen wiederholtes Bassthema handelt, mit Herzenswärme und scheinbarer Leichtigkeit. Er brachte auf überwältigende Weise Bodenständiges und Schwereloses zusammen, er verkürzte in seinen Interpretationen die spirituelle Distanz zwischen Himmel und Erde. Die physische Kraft, die dieses Stück verlangt, war bei ihm nur wenig zu spüren. Leicht wirkte hingegen sein Strich, fast unschuldig, trotz aller Verspieltheit und lyrischen Beschwörungen. 
Mit Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello haben dann Tanja Tetzlaff und Florian Donderer eine absolute Meisterleistung vollbracht (ohne dabei Zoltán Kodálys Duo für Violine und Violoncello op. 7 in Abrede zustellen). Mit welcher Inbrunst und gleichzeitig Sensibilität sie dieses wuchtige, manchmal sperrig wirkende Stück von Ravel zum gemeinsamen Dialog haben werden lassen, in welch genialer Wechselbeziehung tiefe Stille und heftigste Erregung den Raum eroberten, das war einzigartig. Beide fanden die ideale Linie im Austausch. Es wurde ein Farbenrausch von Stimmungen kreiert, die nie zu Ungunsten der Transparenz umgesetzt wurde. Und trotz aller harmonischer Schärfe siegte am Ende das Einfühlsame, das Seelenvolle – als eine Grundlage für dieses grandiose Konzert. Und wenn die Pressefotografen ähnlich sensibel agieren würden, gäbe es von diesem einzigartigen Musikabend auch visuelle Eindrücke.
Jörg Konrad
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Samstag 30.11.2019
Gilching: Monobo Son – Zurück in die Zukunft
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Gilching. Das Spezielle an einer außergewöhnlichen Band ist, dass deren Mitglieder zwischenzeitlich oder auch endgültig musikalische Solopfade beschreiten. Und dass es sich tatsächlich auch um künstlerisch außergewöhnliche Individualisten handelt erkennt man letztendlich daran, dass ein Verweis auf das Geburtsorchester nicht unbedingt notwendig ist. Weil die neue Combo einfach genügend Qualität besitzt.
Ähnlich verhält es sich bei Monobo Son, die zwar von dem weltgewandten Posaunisten Manuel Winbeck gegründet wurde, doch deren Herkunft zumindest wir an dieser Stelle nicht verraten werden – und es auch nicht brauchen. Dafür ist das Quintett zu autark, zu selbstständig und, ja, auch zu eigenwillig.
Winbecks Monobo Son waren am gestrigen Freitagabend Gast der Gilchinger Reihe Musik im Rathaus. Ihr musikalisches Konzentrat aus jeweils einem Viertel der Dirty Dozen Brass Band, der Wiener EAV, der Originalität Haindlings und eigener Konturen begeisterte zu Konzert und Tanz!
Das ist, nach den elektronisch etwas verquasten 1980ern und stillosen 1990er Jahren, heute fast schon der Normalfall. Das rollende, bayrische „R“ in den Texten, die Polka im Wechsel mit dem Walzer, die aufgelockerten Reggae-Rhythmen und die ausgefallene Punk-Attitüde – so klingt die heute angesagte Neue Volksmusik.
Allein die rudimentären Reste einer ländlichen Blasmusikkapelle, in Form von Tuba, Saxophon/Flöte und Posaune, sprengt jede Kleinkariertheit einer schrammelnden Gitarrenband. Ob diese Form erweiterter Weltmusik vom Publikum in Gilching angenommen wurde? Kaum waren Monobo Son kurz nach 20 Uhr auf der Bühne, stieg die Stimmung schon beinahe auf den Siedepunkt. Es wurde mitgesungen, geschunkelt, geklatscht, als gäbe es kein Morgen. Manuel Winbeck schmetterte zwischenzeitlich seine Posaunensolis wiehernd unter die Saaldecke und zappelte beharrlich und in beeindruckender Kondition über die Bühne, Wolfi Schlick brillierte am Saxophon in bester Freejazz-Manier, Johannes Winbeck blies an der Tuba stoisch die dunklen Bassfiguren,  Benedikt Dorn war an der Gitarre für den Rock`n Roll-Zirkus zuständig und Severin Rauch gab der Band am Schlagzeug so etwas wie den treibenden Unruhe-Puls. Der musikalische Schlachtruf des Abends: Zurück zu den Wurzeln! Oder, wie ein Slogan in den musikalisch so kreativen 1970er Jahren versprach: Zurück in die Zukunft. 
Alfred Esser
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Foto: Zohar Ron (Avi Avital)
Sonntag 24.11.2019
Landsberg: Omer Klein Trio & Avi Avital – Musikalisches Feuerwerk
Landsberg. Keith Jarrett äußerte einmal den Gedanken, dass er innerhalb seiner Musik versuche „... die leicht begehbaren Auswege zu verbauen“. Diese Umsetzung, das scheinbar Schlüssige diffizil zu gestalten – es am Ende aber doch relativ leicht klingen zu lassen, ist dem Jazz insgesamt eigen. Auch Omer Kleins Klavierspiel ist von dieser Denkweise und deren Umsetzung gekennzeichnet. Er setzt diese Philosophie in seinen Soloauftritten ebenso um, wie auch in den Triobesetzungen. Und erst recht, wie am Samstagabend im Landsberger Stadttheater zu erleben war, mit seinem Landsmann, dem klassischen Mandolinenspieler Avi Avital, der das Trio am Ende des Konzerts zu einem Quartett aufstockte.
Es war ein Abend der musikalischen Superlative, bei dem weder der Jazz im Mittelpunkt stand, noch die Klassik. Es war kein traditionell israelischer Liederabend und es wurde auch keine Rock-Pop-Indie-Beschwörung, wie Kleins letztes Album „Radio Mediteran“ zumindest vom Titel her hätte vermuten lassen können.
Und doch war von alldem in dieser Konstellation eine Menge zu spüren. Mal zurückhaltend als Miniatur, mal deutlicher im Vordergrund stehend. Omer Klein, Haggai Cohen-Milo, Amir Bresler und Avi Avital zelebrierten ein schäumendes Klangfest, in dem die Musik an sich im Mittelpunkt stand. Die vier Kosmopoliten haben sich nicht von einengenden Stilen und Schubladen gefangen nehmen lassen. Sie schöpften aus dem riesigen Universum der Musik, tauschten Noten und Befindlichkeiten, stellten Altvertrautes in neue Zusammenhänge und arbeiteten mit modernem Equipment, um scheinbar Konventionelles in die Gegenwart zu lotsen.
Der erste Teil des Konzertes gehörte dem Duo Omer Klein und Avi Avital. Nachdem die Rollen in einer kurzen Moderation verteilt waren - Klein stand für die zeitgenössische Improvisation, Avital konzentrierte sich stärker auf die notierten Sektionen – fanden die beiden herausfordernd, aber letztendlich spielerisch zueinander. Wie verschieden ihr jeweiliger Ansatz ist, aber mit welchem Feingefühl und welcher Selbstlosigkeit sie gemeinsame musikalische Wege suchen und finden, machten die Interpretationen und Improvisationen um Johann Sebastian Bachs Partiten deutlich. Wer zuvor dachte, Klavier und Mandoline würden nur schwer zueinander passen, wurde eines Besseren belehrt. Beide blühten in einer Art Dialog auf, der von Respekt aber auch von Selbstbewusstsein gekennzeichnet war. Hier der unglaublich virtuose Avital, der sich eng an das notierte Gerüst der Vorlagen hielt, dessen diszipliniertes und wenig ausschweifende Spiel aber auch eine wohltemperierte Frische vermittelte.
Auf der anderen Seite der technisch nicht weniger versierte Klein, dessen Improvisationen stärker von einer an- und abschwellenden Dramaturgie lebten und der von Bach auch schnell einmal in tiefere Blueslagen wechselte.
Nach der Pause dann das Omer Klein Trio mit Bassist Haggai Cohen-Milo und Schlagzeuger Amir Bresler. Und die brannten dann ein gehöriges musikalisches Feuerwerk ab. Perfekt aufeinander eingespielt durchforsteten sie Populäres und Avantgardistisches, Experimentelles und leicht Zugängliches. Im Mittelpunkt ihres Programms stand das letzte Album Kleins „Radio Mediteran“. Lustvoll stürzten sie sich kopfüber in die einzelnen Kompositionen, holten klanglich als auch inhaltlich weit aus und machten dabei ihre Musik sogar körperlich spürbar. Ein Erlebnis, allein ihrer fast unverschämten Melodiosität zu folgen: Unverkrampft, herausfordernd, leidenschaftlich.
Und zum Schluss gab es dann das erwähnte große Finale, als Avi Avital sich in das Trio mit einbrachte und die so formierte Band sich begeisternd um Kopf und Kragen spielte. Ein musikalischer Orkan, der durch den Saal brauste und das Publikum erfasste. Mit Sicherheit eines der eindrucksvollsten Konzerte dieser Saison in Landsberg.
Jörg Konrad
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Samstag 23.11.2019
Gröbenzell: Rita Falk & Florian Wagner - Gescherzt, gelesen und gelacht
Gröbenzell. Ein wunderbar unkomplizierter und entspannter Abend mit Rita Falk und Florian Wagner im Stockwerk Gröbenzell. Florian Wagner entlockte Rita Falk zwischen den Lesungsabschnitten so manches „Geheimnis“ oder lustige, erinnerungswürdige Anekdoten. Es wurde gescherzt, gelesen, gelacht und „hinter den Kulissen“ geplaudert. Das Publikum genoss die Veranstaltung sichtlich und … nach der Lesung ist vor der Lesung: bis spät in die Nacht signierte Rita Falk Bücher, Fotos und Devotionalien.
Text & Fotos: Thomas J. Krebs
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Autor: Siehe Artikel
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