Bis auf weiteres stellen wir an dieser Stelle Konzerte, Opern und Theaterinszenierungen auf DVD & Blue-ray vor.
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7. Gröbenzell: Alliage Quintett – Eigener Klangcharakter
8. Fürstenfeld: Franz von Chossy Trio - Beherztes Ineinandergreifen von Stimmu...
9. Fürstenfeld: Einsamer musikalischer Höhenflug (SZ/FFB 26.01.2004)
10. Olching: Ava- Rebekah Rahman, Debasish Bharracharjee und Matthias Diener &#...
11. Germering: Alexander „Sandi“ Kuhn Quartett – Der verlässl...
12. Iffeldorf: Klieser / Bielow / Filjak – Pure Lebenslust
Sonntag 19.01.2020
Gröbenzell: Alliage Quintett – Eigener Klangcharakter
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Gröbenzell. In einem Vorwort nannte der Publizist Roger Willemsen das Saxophon einmal „Ein einzelgängerisches Instrument“, welches singulär für eine Musikrichtung stehe, nämlich für den Jazz. Beides stimmt nicht so ganz. Denn erstens ist das Saxophon als ein Instrument der Romantik in die Welt der Musik gekommen und zweitens gibt es genügend Beispiele dafür, das Saxophone sehr wohl in Gemeinschaft gespielt werden, wie in den klassisch besetzten Big Bands, in wirkungsreichen Quartetten (Rova-, World- oder Arcis Saxophonquartet(t)) oder eben im Alliage Quintett, das am gestrigen Samstag in der Gröbenzeller Konzertreihe gastierte. Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon plus Klavier, sozusagen ein regelrechter Saxophon-Chor plus klug taktierendem Tasteninstrument. Das vermittelt schon beim Lesen den Klang eines ganzen Orchesters.
Das Repertoire, das sich Daniel Gauthier und seine Mitstreiter für den Abend zurechtgelegt haben, entstammt zu einem Großteil dem Album „Lost In Temptation“, das im letzten Jahr bei Sony erschienen ist. Hier vereint das Quintett Perlen und Hits großer Komponisten der letzten vier Jahrhunderte. Komponisten, die man in dieser Zusammensetzung und innerhalb von knapp zwei Stunden nur selten so präsentiert bekommt. Alliage machen es möglich.
Eingerahmt wurde das Konzert vom übermächtigen Dramatiker Shakespeare, bzw. dessen Vorlagen die Henry Purcell (zu „The Fairy Queen“ aus „Ein Sommernachtstraum“) und Leonard Bernstein (zur „West Side Story“ aus „Romeo und Julia“) inspirierte. Dazwischen gab es Ausschnitte aus „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saens, aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“, einem Pot-pourri aus bekannten Melodien von Jacques Offenbach – fast durchgehend Gassenhauer der Klassik also, die natürlich für diese Besetzung bearbeitet wurden.
Das Gespielte klang bveherzt und ungemein frisch und hatte, in dieser Konstellation, eine völlig eigenständige Note. Faszinierend das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Stimmen, wodurch immer neue Klangmöglichkeiten den Raum (und das Publikum!) eroberten. Mal ausgelassen und spritzig wirkend, mal getragen in sonorer Andacht (Ottorino Respighi) wurde der Abend dem Thema „Songs and Dances“ voll gerecht.
Die Instrumentalisten setzten die Arrangements mit Sorgfalt und Akribie um. Mit Disziplin und Hingabe entstanden harmonische Geflechte, mit deutlichen, manchmal auch schärferen Konturen. Dynamik und Dramaturgie unterstrichen den eigenen Charakter der Musik, so, als seien alle Stücke für genau diese Besetzung entstanden.
Jang Eun Bae am Klavier unterstützte und inspirierte die A-capella-Saxofontruppe, setzte Kontrapunkte, löste mit perlenden Läufen manches Tieftönende beschwingt auf und erweiterte so nicht nur das Klangspektrum.
Nun, etwas Subversives, wie vielleicht mancher im Publikum zuvor dachte, hatte der Abend nun wirklich nicht. Im Gegensatz. Diese Art der Erweiterung dessen, was unter der großen Überschrift Klassik allgemeinhin zu verstehen ist, begeisterte das Publikum restlos, so dass es als Zugabe noch einen Ausschnitt aus der „Jazz Suite No. 2“ von Dmitri Shostakovich gab.
Jörg Konrad
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Donnerstag 16.01.2020
Fürstenfeld: Franz von Chossy Trio - Beherztes Ineinandergreifen von Stimmungen, Gedanken und Inspirationen
Fürstenfeld. Wir haben an dieser Stelle schon häufiger über Klaviertrios geschrieben. Über deren spezifische Synthese aus Jazz und Klassik, über ihre Befreiungsversuche aus engmaschigen stilistischen Netzen, über die emotionalen Wechselbäder, durch die sie ihre Zuhörer treiben und auch über die Rolle der Tradition, von der sich kaum eine dieser Besetzung gänzlich zu lösen vermag. Und immer wieder taucht aus diesem schier unendlich erscheinenden Pfuhl an Trios eine neue Besetzung, ein neuer Leader samt Begleiter auf, um mit Intelligenz, Souveränität und Inspiration bisher ungehörte musikalische Ausrufezeichen zu setzen.
Gestern Abend war Franz von Chossy samt Band zu Gast in Fürstenfeld, um hier mit leuchtenden Kontrasten, die neue Musiksaison für 2020 einzuläuten. Beherzt und zugleich sensibel, voller Emphase und doch auch radikal, klassisch swingend, ohne es an rhythmischen Explosionen fehlen zu lassen, zeigte sich das Trio und machte klar: Jazz ist zu allererst eine individuelle Angelegenheit. Substanz und Neugierde bestimmten den musikalischen Abend.Und diese Neugierde trieb die Instrumentalisten vorwärts, auf das, was sich hinter den Fassaden des gut geölten Mainstreams abspielt.
Mit schönen Melodien, mächtigen Harmonien und treibenden Rhythmen spielte dieses Trio eine Musik, die voller Unwägbarkeiten steckte. Und auch wenn Franz von Chossy an seinem Instrument zu außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Lage ist – das besondere an diesem Musikabend war das beherzte Ineinandergreifen von Stimmungen, Gedanken und Inspirationen aller drei Musiker.
Von Beginn an war die Musik im Fluss, griff ein instrumentales Rädchen ins nächste, fand jede Form des klanglichen Ausdrucks eine Art kreatives Echo. Diskret, aber trotzdem intensiv.
Man könnte das Programm auch als eine Art Gratwanderung zwischen Spätromantik und Impressionismus, zwischen klassischer Klaviertradition wie sie dem Jazz eigen ist und herausfordernder Improvisation, zwischen konfrontativer Spannung und Konsens anstrebender Musikalität einordnen. Oder einfach als einen musikalischen Diskurs, der von seinen offenen Interaktionen lebte und dazu einfach wunderschön klang.
Jörg Konrad


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Foto: Jörg Becker
Samstag 11.01.2020
Fürstenfeld: Einsamer musikalischer Höhenflug (SZ/FFB 26.01.2004)
Wolfgang Daneu überzeugt sowohl mit Klassikern, als auch mit eigenen Improvisationen 

Fürstenfeldbruck. Sie ist eine der risikoreichsten Strecken im Jazz, die Soloperformance. Allein vor dem Publikum zu sitzen, sich ausschließlich auf die eigene Erfahrung und Inspiration verlassend, ohne Noten und Souffleuse, mit niemandem weit und breit, dem man die eigenen Fehler zuschieben könnte: Wolfgang Dauner kennt dieses Gefühl, hat derartige Situationen ungezählte Male in seiner bisherigen Karriere durchlebt. Doch auch in seinem fünften Bühnen-Jahrzehnt ist das Risiko schwer kalkulierbar, wird erst der Abend zeigen, ob der Solist unter seinen Schwingen Luft bekommt, wie es der Publizist Michael Naura einmal ausdrückte, um vom Boden des Alltags in die Höhen der Kunst abzuheben.
Am Samstag hat der Stuttgarter Pianist, eine der Aktivsäulen im bundesrepublikanischen Jazzgeschehen, im Fürstenfelder Veranstaltungsforum schnell an Höhe gewonnen. Neben einer deutlichen Reminiszenz an die europäischen Musikimpressionisten stand im ersten Teil des Konzertabends George Gershwin im Mittelpunkt. Als eine Art Einstimmung gab es das 1924 entstandene „The Man I Love“, womit der Blues erstmals flüchtig den Kleinen Saal streifte. In einem anschließenden Porgy-And-Bass-Medley fielen vor allem „I Love You Porgy“, in seiner ganzen romantisch balladesken Grundstimmung und „Summertime“, das fast in einem Harlem-Stride-Stil interpretiert wurde, positiv auf.
Auch in den folgenden drei Preludes,  voller juveniler Frische gespielt, holte der selbstbewusste Schwabe das amerikanische Kompositionsgenie raus aus der Geläufigkeit zigmal gehörter Standardliteratur – mitten hinein in die Gegenwart.
Nach der Pause gab es dann mit „No Change“, „Wendekreis des Steinbocks“ und „Nachmittag über den Dächern von Stuttgart“ einen Block Dauner pur. Hier zeigte sich die ganze Kunst des Pianisten, Klassik und moderne Improvisation, Komposition und Dramaturgie, als eine einzige Klangvision zum Ausdruck zu bringen.
Seine perlenden Arpeggios ließen die Noten als Farben und Formen ineinander fließen, dicke Tontrauben durchwirkten das Traumhafte mahnend, das Romantische in seiner Musik beinhaltete immer noch genügend Swing, um aufrecht, statt süßlich zu wirken.
Das Dauners Virtuosität auch Purzelbäume schlagen kann, zeigte seine aus dem Stegreif interpretierte Haydn-Sonate, die er als Teil eines Projektes mit dem Stuttgarter Kammerorchester in Fürstenfeld solistisch vortrug.
Drei Zugaben waren notwendig, um das begeisterte Publikum zufrieden zu stellen - und vielleicht auch, um Dauner selbst von den Höhen des Musikolymps zu einer weichen Landung in die Realität zu verhelfen.
Jörg Konrad


Wolfgang Dauner starb am 10. Januar 2020 im Alter von 84 Jahren in Stuttgart.
Dieser Artikel erschien am 26. Januar 2004, anlässlich seines Auftritts in der Reihe Jazz First in der SZ/FFB.
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Sonntag 05.01.2020
Olching: Ava- Rebekah Rahman, Debasish Bharracharjee und Matthias Diener – Mehr davon
Olching. Im Jazz gehört das musikalische Einbeziehen von exotischen Kulturen zum eigentlichen Prinzip. Denn schließlich ist er selbst das Ergebnis von Völkerwanderungen der Moderne. So trafen in ihm von Beginn an europäische, afrikanische und südamerikanische Strukturen aufeinander und verschmolzen zu einem gemeinsamen Ausdruck. Es war dann später der Neugier einzelner Instrumentalisten, oder auch ganzer Gruppen zu verdanken, dass sich das geographische Ausgangsspektrum noch erweiterte und man von einer Art Weltmusik zu sprechen begann.
In der klassischen Musik gab es einen ähnlichen Prozess, doch waren die Ursachen für ein verzögertes Miteinander hier gänzlich anderer Natur.
Doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Das dogmatische Denken in Stilen und abgeschotteten Kulturen ist aufgeweicht, teilweise überwunden, was neue, spannende musikalische Projekte ermöglicht.
Eines dieser Projekte war am Sonntag Gast der Reihe Eleven-Eleven in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach – kurz KOM genannt. Es spielten Ava- Rebekah Rahman (Violine), Debasish Bharracharjee (Tabla) und Matthias Diener (Violoncello). Man mag das Zusammenführen dieser unterschiedlichen Instrumente und musikalischen Denkweisen nun Weltmusik oder Crossover nennen. Das Ergebnis dieses praktischen Miteinanders von Kulturen bleibt das gleiche: Es geht um Toleranz, sowie um eine friedliche und gleichberechtigte Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen und damit um eine Bereicherung musikalischen Erlebens.
Als gemeinsamen Ausgangspunkt für diese musikalische Abenteuerreise einigte man sich, abgesehen von Ludwig van Beethovens "Duo in C- Dur für Violine und Violoncello" zu Beginn, auf Johann Sebastian Bach, als Vertreter der westlichen Klassik, und auf den heute 48jährigen, überwiegend in New York lebenden deutschen Komponisten Matthias Pintscher. Das empathische Miteinander der Instrumentalisten zeigte Möglichkeiten, die in der Musik stecken, wenn man nicht starr an deren Mustern klebt. Nicht nur, dass bei einem Großteil der Vorlagen Debasish Bharracharjee virtuos als auch hochsensibel rhythmische Komponenten auf der Tabla in die Musik mit einbrachte. Immer wieder brach auch Ava-Rebekah Rahman aus dem notierten Fundament aus und brillierte in kurzen freien Intervallen, die an die uralten, hochkomplexen Raster von Ragas und Talas erinnerten.
Dieses Ineinandergreifen von notierten Grundfesten und spielerischen Verzierungen, dieses Aufbrechen von Konventionen im Sinne moderner weltmusikalischer Hörerfahrungen ließen einen neuen musikalischen Organismus entstehen, der erfrischend, kühn und berührend den Raum eroberte. Das Publikum hatte an diesen grenzüberschreitenden Herausforderungen jedenfalls seine helle Freude.
Jörg Konrad


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Samstag 21.12.2019
Germering: Alexander „Sandi“ Kuhn Quartett – Der verlässlichste gemeinsame Nenner im Jazz
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Germering. Eigentlich gibt es das Alexander „Sandi“ Kuhn Quartett gar nicht. Zumindest nicht in der Besetzung vom gestrigen Abend in Germering. Denn die vier Musiker auf der Bühne des Amadeussaales der Stadthalle waren „nur“ zusammengekommen, weil ein anderer Solist, nämlich Klarinettist Simon Wyrsch, krankheitsbedingt den Auftritt nicht wahrnehmen konnte. Und doch wurde das Konzert ein voller Erfolg - Jazz macht's eben möglich. Auch ohne lange Vorbereitung.
Das Quartett, bestehend aus eben jenem Alexander „Sandi“ Kuhn (sax), plus Thilo Wagner (Klavier), Axel Kühn (Bass) und Matthias Daneck (Schlagzeug) präsentierte ein Standard-Programm – quer durch die Jazzgeschichte. Es gab unter anderen Kompositionen von Hoagy Carmichael („Skylark“), Thelonious Monk („Ask Me Now“), Jerome Kern („The Song Is You“) und Ahmed Jamal („Billy Boy“). Titel, die für alle Instrumentalisten dieser Zunft weltweit der kleinste, wie auch verlässlichste gemeinsame Nenner sind. Und abgesehen von manch bekannter Melodie, kann sich jeder Musiker solistisch individuell einbringen und den Titeln seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken. Es ist aber auch die Freude am musikalischen Abenteuer schlechthin, die derartige Herausforderungen möglich machen. Und das Ergebnis, das sei an dieser Stelle schon verraten, gab dem Mut der Protagonisten recht. Es wurde ein Konzert, das trotz der vielen Standards von seiner Frische lebte und so gar nichts rückwärts gerichtetes ausstrahlte
Alexander „Sandi“ Kuhn war auf jeden Fall die Entdeckung des Abends. Sein wunderbar weicher Sound, der besonders die Balladen kennzeichnete, seine intelligente und fantasiereiche Phrasierung, seine magistrale Gelassenheit zeugten von großer Musikalität und perfekter Handhabung seines Instrumentes. Da schwang tatsächlich etwas von Coleman Hawkins Souverenität und Dexter Gordons gebremster Intensität durch den Raum. Keine vordergründige Artistik, stattdessen überzeugender Charme und tiefe Emotionalität, selbst in den kurzen provokativ-dissonanten Momenten. Und egal, ob die Grundrichtung der Musik vom Swing oder vom Blues bestimmt wurde, „Sandi“ Kuhn war immer im Hier und Jetzt, in der Gegenwart. Wenn ihm, zumindest innerhalb dieses Programms, die Frage gestellt würde, Restaurierung oder Erneuerung – dann fiele die Antwort eindeutig zugunsten Letzterem aus.
Thilo Wagner, am Klavier, am gestrigen Abend auch Moderator des Quartetts, war ein sicherer und technisch versierter Swingpianist. Er fand spielend leicht melodische Wendungen, gab den Stücken dabei eine rhythmische Geläufigkeit, die so gar nichts Sentimentales ausstrahlte. Für ihn schienen Standards und ihre dynamischen Interpretationen der Sinn des Lebens, oder besser der Inhalt des Lebens zu sein.
In Axel Kühn und Matthias Daneck besaß diese Formation ein treibendes, unterstützendes, spannend agierendes Rhythmus-Duo. Beide gingen in dieser grundierenden Rolle spürbar auf. Kurze Zwischenräume füllten sie mit kleinen solistischen Glanzleistungen, waren auch produktive Saboteure (im konstruktiven Sinn) und fanden für manche Interaktionen zwischen Saxophon und Klavier wunderbare instrumentale Analogien.
Das musikalische Miteinander überzeugte auch das Publikum einhellig. Und vielleicht wird ja aus diesem Quartett – das es eigentlich gar nicht gibt – doch noch eine feste Bandbeziehung. Warten wir es ab.
Jörg Konrad

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Sonntag 08.12.2019
Iffeldorf: Klieser / Bielow / Filjak – Pure Lebenslust
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Fotos: Romano Grozich (M. Filjak), Maike Helbig (F. Klieser).
Iffeldorf. Das Horn gehört zu den ältesten Instrumenten dieser Welt. Es wurde schon im Altertum genutzt - natürlich weniger als virtuos zu händelndes Klangwerkzeug, stattdessen als zweckdienliches Signalinstrument: Zum Rufen des Zuchtviehs, als Alarmhinweis der Nachtwächter und als Verständigungsmittel von Jägern und vom Militär. Später dann entstanden Hörner aus Metall, die (mit Fingerlöchern eingearbeitet) zum musikalischen Gebrauch hergestellt wurden. Aus diesen Vorläufern entwickelte sich im Laufe der Zeit das Waldhorn in seiner heutigen Form und den verschiedenen technischen Varianten und entsprechenden Klangmöglichkeiten.
In der klassischen Musik spielte das Waldhorn in den letzten Jahrhunderten eine recht unterschiedliche Rolle. Es wurde mal mehr, mal weniger intensiv von den Komponisten in ihre Partituren einbezogen. Einige dieser (beeindruckenden) Beispiele fanden am gestrigen Samstag im Rahmen der Iffeldorfer Meisterkonzerte ins Programm. Das Trio Felix Klieser (Horn), Andrej Bielow (Violine) und Martina Filjak (Klavier) stellten Kompositionen von Charles Koechlin (1867-1950), Johannes Brahms (1833-1897), Robert Schumann (1810-1856) und Frédéric Nicolas Duvernoy (1765-1838) in den Mittelpunkt, die, abgesehen von ihrer chronologischen Zuordnung, ein breites Spektrum an Stimmungen und stilistischen Zuordnungen zum Ausdruck brachten.
Das „Quatre Petites Pièces für Horn, Violine und Klavier, op.32“ von Koechlin machte mit ruhigem und melodisch romantischem Beginn den Anfang an diesem Abend. Das Trio fand über diese feinsinnigen, oft zarten Skizzen, denen in ihrer flüchtigen Gestaltung etwas Impressionistisches zu eigen war, zueinander, wobei besonders Kliesers warmer und lyrischer Ton am Horn der Musik einen ganz eigenen, kultivierten Zauber verlieh.
Brahms „Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 d-Moll op. 108“ schien ein Paradestück für Pianistin Martina Filjak und Geiger Andrej Bielow. Beide dringen in ihrer Interpretation tief zum Kern der Komposition vor. Sie setzten Brahms Anliegen, das Klavier aus der Begleiterrolle herauszuholen und es mit der Violine auf Augenhöhe agieren zu lassen, vorzüglich um. Der furiosen Dramatik, der besonders der letzte Satz der Sonate eigen ist, begegneten beide mit Selbstbewusstsein und einer aufschäumenden Innigkeit, die weit mehr war, als allein die temperamentvolle Umsetzung der Vorgaben.
Das Duo Klieser & Filjak entließ das Publikum mit Robert Schumanns „Adagio und Allegro für Horn und  Klavier op. 70“ furios, in glühender Musikalität in die Pause. Beide Instrumentalisten befeuerten sich im zweiten Satz gegenseitig, überboten sich spieltechnisch und verloren doch nie den gemeinsamen Faden. Aber diese Interpretation sollte eben noch nicht der Höhepunkt des Abends werden.
Der stellte sich mit dem bekannteren „Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur, op. 40“ von Johannes Brahms ein, das vom Komponisten eigentlich als ein Requiem für seine verstorbene Mutter gedacht war. Sozusagen „musikalische Trauerarbeit“. Hier zeigten alle drei Solisten ihre ganze Bandbreite technischer Perfektion und leidenschaftlicher Hingabe. Das meisterliche Ineinandergreifen der drei Instrumentalisten, ihr klangliches Durchdringen, die ausgewogene Balance, das Wechselspiel der Stimmungen begeisterte das Publikum zunehmend. Die nachdenkliche, melancholische Grundstimmung schlägt in Sehnsucht, Trauer, dann wieder in Freude um. Aber dieses Wechselbad der Stimmungen war harmonisch, nachfühlend, klang völlig logisch. Das Trio schuf mit seiner enormen Ausdrucksintensität eine Art permanente Hochspannung – die sich am Ende durch pure Lebenslust entlud. Applaus.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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