Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Glänzender Dialog
2. Germering: Das Duo Bransch – Lehrstunde in Musikalität
3. Gröbenzell: Alliage Quintett – Eigener Klangcharakter
4. Fürstenfeld: Franz von Chossy Trio - Beherztes Ineinandergreifen von Stimmu...
5. Fürstenfeld: Einsamer musikalischer Höhenflug (SZ/FFB 26.01.2004)
6. Olching: Ava- Rebekah Rahman, Debasish Bharracharjee und Matthias Diener &#...
Bilder
Foto: Thomas Radlwimmer
Sonntag 16.02.2020
Olching: Christian Elin & Maruan Sakas – Glänzender Dialog
Olching. Es ist noch ein paar Tage hin, bis ihr neues, ihr zweites Album erscheint. „Mittsommernacht“ (Raccanto) enthält acht Kompositionen, die ebenso leicht durch den Raum schweben, wie sie den Hörer herausfordern. Es ist Musik, die anregt und dabei eine Spur beruhigend wirkt. Musik, die sich offen in unterschiedliche Richtungen entwickelt und die verschiedene Stilistiken in sich vereint.
Die Protagonisten dieser interaktiven Spielweise sind das Duo Christian Elin und Maruan Sakas. Seit fünf Jahren arbeiten sie gemeinsam und waren in diesem Zeitraum heute zum vierten Mal in Olching. Auf dem Programm im 180.(!!) Konzert der Reihe „Eleven-Eleven“ eben jenes neue Album.
Was die beiden in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) präsentierten, kam der kammermusikalischen Matinee sehr entgegen. Beide Instrumente, Klavier (Sakas) und Saxophon & Bass-Klarinette (Elin) waren in einem glänzenden Dialog, der tatsächlich wie ein intelligentes und unterhaltsames Gespräch daherkam. Die Einflüsse, die die Instrumentalisten in diesem Repertoire verarbeiteten, besaßen etwas weltläufiges. Es gab Bezüge zur arabischen Kultur, zu asiatischen Volksmusiken, das Duo verneigte sich tief vor der Arbeit Manfred Eichers und seinem Münchner ECM-Label (das im letzten Jahr sein 50. Gründungsjubiläum beging) und natürlich vor französischen impressionistischen Komponisten.
Das alles reicherten Christian Elin und Maruan Sakas mit jazzmusikalischen Querverbindungen an. Dabei wurde mit introvertierter Leidenschaft und in pastellfarbenen Tönen improvisiert. So entstanden Klangbilder, die einem Soundtrack nahe kommen. Die einzelnen Titel („Dancing With Dolphins“, „Mittsommernacht“ oder „Istanbul“) unterstützten diese Allegorien enorm.
Das gesamte Konzert war ein Destilat aus wunderbaren Melodien, den geschmeidige Harmonien zugrunde lagen und die auch ohne Schlagwerker in ihrer oft polyrhythmischen Stimulation faszinierten. Trotz aller solistischer Könnerschaft war es vor allem das musikalische Miteinander, das Ineinandergreifen von Inspiration und Empathie, das diesen späten Vormittag zu etwas ganz Besonderen hat werden lassen.
Jörg Konrad
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Bilder
Foto: Julia Wesley
Samstag 01.02.2020
Germering: Das Duo Bransch – Lehrstunde in Musikalität
Germering. Beide waren und sind maßgeblich beteiligt, an der Europäisierung des Jazz. Georg Breinschmid, als Bassist einst Mitglied der Wiener Staatsoper sowie der Wiener Philharmoniker und Thomas Gansch, Teil einer Salzburger Blasmusikerdynastie. Irgendwann in ihrem Leben haben sie sich unwiderruflich für den Jazz und seine Spielarten entschieden und balancieren seitdem geschickt auf dem Hochseil der improvisierten Klangkunst. Nichts scheint den beiden musikalischen Gauklern dabei heilig. Abendländische Kunstmusik, Blues, Populäres aus der Klassik, Avantgarde und selbst eingängige Kindermelodien werden strategisch genutzt und dramaturgisch in ein Gesamtkonzept eingebettet.
Näher kennengelernt haben sie sich im legendären Vienna Art Orchestra, das jedoch seit 2010 nicht mehr existiert. Neben eigenen Projekten touren Breinschmid und Gansch als Bransch immer wieder gemeinsam durch die Lande. Gestern Abend waren sie nun in Germering und gaben dem hiesigen „anspruchsvollen Publikum“ (Adam Olschewski im Jazzpodium!) eine zusätzliche Lehrstunde in Musikalität.
Was diese beiden Instrumentalisten aus Bass & Trompete herausholen, zu welchen swingenden, bluesigen und avantgardistischen Kabinettstücken sie in der Lage sind, war atemberaubend. Sie verzahnten bekannte Dixielandmelodien mit Zwölftonmusik, streckten Bebop und swingende Themen mit wahnwitzig schnell gespielten Balkanmelodien, sie improvisierten, spielten vom Blatt, verbeugten sich humorvoll vor der Tradition des Dadaismus und ließen immer wieder Beatles-Songs aufblitzen, so als wären die Fab Four für sie das eigentliche Bindeglied zwischen Tradition und Moderne.
Nicht nur die Ideen des Duos waren atemberaubend. Auch ihre Spieltechnik, die perfekte Beherrschung ihres Instrumentariums und deren komplexer, ununterbrochener Austausch. Musikalische Kommunikation auf höchstem Niveau. Breinschmid raste mit beiden Händen über die dicken Basssaiten, schlug, zupfte, strich und klopfte sie, ließ sie vibrieren und schwingen. Er zeigte sich mindestens eben so oft als Solist wie sein Partner Gansch, der die Trompete absolut beherrscht, mit und ohne Vibrato spielte, schneidend scharf und butterweich klang. Louis Armstrong hätte mit Sicherheit seine  Freude an ihm (und Charles Mingus, das einstige Enfant terrible unter den Bassisten würde Breinschmid betreffend mit Sicherheit ein „Oh, very good“ in seine Richtung knurren).
Es war, als präsentierten beide Instrumentalisten das musikalische Universum in knapp zwei Stunden und moderierten zudem völlig ungezwungen und burlesk durch den Abend. Klamauk war das nicht. Dafür steckte zu viel an ernsthafter und respektvoller Musikalität und scherzhafter Geistigkeit in ihrem Programm. Wollte man eine Formel für dieses großartige Konzert erstellen, so würde diese lauten: Anarchie plus Können plus Humor gleich Bransch. 
Jörg Konrad


Zum weiterlesen in der SZ/FFB
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 19.01.2020
Gröbenzell: Alliage Quintett – Eigener Klangcharakter
Bilder
Gröbenzell. In einem Vorwort nannte der Publizist Roger Willemsen das Saxophon einmal „Ein einzelgängerisches Instrument“, welches singulär für eine Musikrichtung stehe, nämlich für den Jazz. Beides stimmt nicht so ganz. Denn erstens ist das Saxophon als ein Instrument der Romantik in die Welt der Musik gekommen und zweitens gibt es genügend Beispiele dafür, das Saxophone sehr wohl in Gemeinschaft gespielt werden, wie in den klassisch besetzten Big Bands, in wirkungsreichen Quartetten (Rova-, World- oder Arcis Saxophonquartet(t)) oder eben im Alliage Quintett, das am gestrigen Samstag in der Gröbenzeller Konzertreihe gastierte. Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon plus Klavier, sozusagen ein regelrechter Saxophon-Chor plus klug taktierendem Tasteninstrument. Das vermittelt schon beim Lesen den Klang eines ganzen Orchesters.
Das Repertoire, das sich Daniel Gauthier und seine Mitstreiter für den Abend zurechtgelegt haben, entstammt zu einem Großteil dem Album „Lost In Temptation“, das im letzten Jahr bei Sony erschienen ist. Hier vereint das Quintett Perlen und Hits großer Komponisten der letzten vier Jahrhunderte. Komponisten, die man in dieser Zusammensetzung und innerhalb von knapp zwei Stunden nur selten so präsentiert bekommt. Alliage machen es möglich.
Eingerahmt wurde das Konzert vom übermächtigen Dramatiker Shakespeare, bzw. dessen Vorlagen die Henry Purcell (zu „The Fairy Queen“ aus „Ein Sommernachtstraum“) und Leonard Bernstein (zur „West Side Story“ aus „Romeo und Julia“) inspirierte. Dazwischen gab es Ausschnitte aus „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saens, aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“, einem Pot-pourri aus bekannten Melodien von Jacques Offenbach – fast durchgehend Gassenhauer der Klassik also, die natürlich für diese Besetzung bearbeitet wurden.
Das Gespielte klang bveherzt und ungemein frisch und hatte, in dieser Konstellation, eine völlig eigenständige Note. Faszinierend das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Stimmen, wodurch immer neue Klangmöglichkeiten den Raum (und das Publikum!) eroberten. Mal ausgelassen und spritzig wirkend, mal getragen in sonorer Andacht (Ottorino Respighi) wurde der Abend dem Thema „Songs and Dances“ voll gerecht.
Die Instrumentalisten setzten die Arrangements mit Sorgfalt und Akribie um. Mit Disziplin und Hingabe entstanden harmonische Geflechte, mit deutlichen, manchmal auch schärferen Konturen. Dynamik und Dramaturgie unterstrichen den eigenen Charakter der Musik, so, als seien alle Stücke für genau diese Besetzung entstanden.
Jang Eun Bae am Klavier unterstützte und inspirierte die A-capella-Saxofontruppe, setzte Kontrapunkte, löste mit perlenden Läufen manches Tieftönende beschwingt auf und erweiterte so nicht nur das Klangspektrum.
Nun, etwas Subversives, wie vielleicht mancher im Publikum zuvor dachte, hatte der Abend nun wirklich nicht. Im Gegensatz. Diese Art der Erweiterung dessen, was unter der großen Überschrift Klassik allgemeinhin zu verstehen ist, begeisterte das Publikum restlos, so dass es als Zugabe noch einen Ausschnitt aus der „Jazz Suite No. 2“ von Dmitri Shostakovich gab.
Jörg Konrad
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Donnerstag 16.01.2020
Fürstenfeld: Franz von Chossy Trio - Beherztes Ineinandergreifen von Stimmungen, Gedanken und Inspirationen
Fürstenfeld. Wir haben an dieser Stelle schon häufiger über Klaviertrios geschrieben. Über deren spezifische Synthese aus Jazz und Klassik, über ihre Befreiungsversuche aus engmaschigen stilistischen Netzen, über die emotionalen Wechselbäder, durch die sie ihre Zuhörer treiben und auch über die Rolle der Tradition, von der sich kaum eine dieser Besetzung gänzlich zu lösen vermag. Und immer wieder taucht aus diesem schier unendlich erscheinenden Pfuhl an Trios eine neue Besetzung, ein neuer Leader samt Begleiter auf, um mit Intelligenz, Souveränität und Inspiration bisher ungehörte musikalische Ausrufezeichen zu setzen.
Gestern Abend war Franz von Chossy samt Band zu Gast in Fürstenfeld, um hier mit leuchtenden Kontrasten, die neue Musiksaison für 2020 einzuläuten. Beherzt und zugleich sensibel, voller Emphase und doch auch radikal, klassisch swingend, ohne es an rhythmischen Explosionen fehlen zu lassen, zeigte sich das Trio und machte klar: Jazz ist zu allererst eine individuelle Angelegenheit. Substanz und Neugierde bestimmten den musikalischen Abend.Und diese Neugierde trieb die Instrumentalisten vorwärts, auf das, was sich hinter den Fassaden des gut geölten Mainstreams abspielt.
Mit schönen Melodien, mächtigen Harmonien und treibenden Rhythmen spielte dieses Trio eine Musik, die voller Unwägbarkeiten steckte. Und auch wenn Franz von Chossy an seinem Instrument zu außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Lage ist – das besondere an diesem Musikabend war das beherzte Ineinandergreifen von Stimmungen, Gedanken und Inspirationen aller drei Musiker.
Von Beginn an war die Musik im Fluss, griff ein instrumentales Rädchen ins nächste, fand jede Form des klanglichen Ausdrucks eine Art kreatives Echo. Diskret, aber trotzdem intensiv.
Man könnte das Programm auch als eine Art Gratwanderung zwischen Spätromantik und Impressionismus, zwischen klassischer Klaviertradition wie sie dem Jazz eigen ist und herausfordernder Improvisation, zwischen konfrontativer Spannung und Konsens anstrebender Musikalität einordnen. Oder einfach als einen musikalischen Diskurs, der von seinen offenen Interaktionen lebte und dazu einfach wunderschön klang.
Jörg Konrad


Zum weiterlesen in der SZ/FFB
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Foto: Jörg Becker
Samstag 11.01.2020
Fürstenfeld: Einsamer musikalischer Höhenflug (SZ/FFB 26.01.2004)
Wolfgang Daneu überzeugt sowohl mit Klassikern, als auch mit eigenen Improvisationen 

Fürstenfeldbruck. Sie ist eine der risikoreichsten Strecken im Jazz, die Soloperformance. Allein vor dem Publikum zu sitzen, sich ausschließlich auf die eigene Erfahrung und Inspiration verlassend, ohne Noten und Souffleuse, mit niemandem weit und breit, dem man die eigenen Fehler zuschieben könnte: Wolfgang Dauner kennt dieses Gefühl, hat derartige Situationen ungezählte Male in seiner bisherigen Karriere durchlebt. Doch auch in seinem fünften Bühnen-Jahrzehnt ist das Risiko schwer kalkulierbar, wird erst der Abend zeigen, ob der Solist unter seinen Schwingen Luft bekommt, wie es der Publizist Michael Naura einmal ausdrückte, um vom Boden des Alltags in die Höhen der Kunst abzuheben.
Am Samstag hat der Stuttgarter Pianist, eine der Aktivsäulen im bundesrepublikanischen Jazzgeschehen, im Fürstenfelder Veranstaltungsforum schnell an Höhe gewonnen. Neben einer deutlichen Reminiszenz an die europäischen Musikimpressionisten stand im ersten Teil des Konzertabends George Gershwin im Mittelpunkt. Als eine Art Einstimmung gab es das 1924 entstandene „The Man I Love“, womit der Blues erstmals flüchtig den Kleinen Saal streifte. In einem anschließenden Porgy-And-Bass-Medley fielen vor allem „I Love You Porgy“, in seiner ganzen romantisch balladesken Grundstimmung und „Summertime“, das fast in einem Harlem-Stride-Stil interpretiert wurde, positiv auf.
Auch in den folgenden drei Preludes,  voller juveniler Frische gespielt, holte der selbstbewusste Schwabe das amerikanische Kompositionsgenie raus aus der Geläufigkeit zigmal gehörter Standardliteratur – mitten hinein in die Gegenwart.
Nach der Pause gab es dann mit „No Change“, „Wendekreis des Steinbocks“ und „Nachmittag über den Dächern von Stuttgart“ einen Block Dauner pur. Hier zeigte sich die ganze Kunst des Pianisten, Klassik und moderne Improvisation, Komposition und Dramaturgie, als eine einzige Klangvision zum Ausdruck zu bringen.
Seine perlenden Arpeggios ließen die Noten als Farben und Formen ineinander fließen, dicke Tontrauben durchwirkten das Traumhafte mahnend, das Romantische in seiner Musik beinhaltete immer noch genügend Swing, um aufrecht, statt süßlich zu wirken.
Das Dauners Virtuosität auch Purzelbäume schlagen kann, zeigte seine aus dem Stegreif interpretierte Haydn-Sonate, die er als Teil eines Projektes mit dem Stuttgarter Kammerorchester in Fürstenfeld solistisch vortrug.
Drei Zugaben waren notwendig, um das begeisterte Publikum zufrieden zu stellen - und vielleicht auch, um Dauner selbst von den Höhen des Musikolymps zu einer weichen Landung in die Realität zu verhelfen.
Jörg Konrad


Wolfgang Dauner starb am 10. Januar 2020 im Alter von 84 Jahren in Stuttgart.
Dieser Artikel erschien am 26. Januar 2004, anlässlich seines Auftritts in der Reihe Jazz First in der SZ/FFB.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Sonntag 05.01.2020
Olching: Ava- Rebekah Rahman, Debasish Bharracharjee und Matthias Diener – Mehr davon
Olching. Im Jazz gehört das musikalische Einbeziehen von exotischen Kulturen zum eigentlichen Prinzip. Denn schließlich ist er selbst das Ergebnis von Völkerwanderungen der Moderne. So trafen in ihm von Beginn an europäische, afrikanische und südamerikanische Strukturen aufeinander und verschmolzen zu einem gemeinsamen Ausdruck. Es war dann später der Neugier einzelner Instrumentalisten, oder auch ganzer Gruppen zu verdanken, dass sich das geographische Ausgangsspektrum noch erweiterte und man von einer Art Weltmusik zu sprechen begann.
In der klassischen Musik gab es einen ähnlichen Prozess, doch waren die Ursachen für ein verzögertes Miteinander hier gänzlich anderer Natur.
Doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Das dogmatische Denken in Stilen und abgeschotteten Kulturen ist aufgeweicht, teilweise überwunden, was neue, spannende musikalische Projekte ermöglicht.
Eines dieser Projekte war am Sonntag Gast der Reihe Eleven-Eleven in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach – kurz KOM genannt. Es spielten Ava- Rebekah Rahman (Violine), Debasish Bharracharjee (Tabla) und Matthias Diener (Violoncello). Man mag das Zusammenführen dieser unterschiedlichen Instrumente und musikalischen Denkweisen nun Weltmusik oder Crossover nennen. Das Ergebnis dieses praktischen Miteinanders von Kulturen bleibt das gleiche: Es geht um Toleranz, sowie um eine friedliche und gleichberechtigte Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen und damit um eine Bereicherung musikalischen Erlebens.
Als gemeinsamen Ausgangspunkt für diese musikalische Abenteuerreise einigte man sich, abgesehen von Ludwig van Beethovens "Duo in C- Dur für Violine und Violoncello" zu Beginn, auf Johann Sebastian Bach, als Vertreter der westlichen Klassik, und auf den heute 48jährigen, überwiegend in New York lebenden deutschen Komponisten Matthias Pintscher. Das empathische Miteinander der Instrumentalisten zeigte Möglichkeiten, die in der Musik stecken, wenn man nicht starr an deren Mustern klebt. Nicht nur, dass bei einem Großteil der Vorlagen Debasish Bharracharjee virtuos als auch hochsensibel rhythmische Komponenten auf der Tabla in die Musik mit einbrachte. Immer wieder brach auch Ava-Rebekah Rahman aus dem notierten Fundament aus und brillierte in kurzen freien Intervallen, die an die uralten, hochkomplexen Raster von Ragas und Talas erinnerten.
Dieses Ineinandergreifen von notierten Grundfesten und spielerischen Verzierungen, dieses Aufbrechen von Konventionen im Sinne moderner weltmusikalischer Hörerfahrungen ließen einen neuen musikalischen Organismus entstehen, der erfrischend, kühn und berührend den Raum eroberte. Das Publikum hatte an diesen grenzüberschreitenden Herausforderungen jedenfalls seine helle Freude.
Jörg Konrad


Zum weiterlesen in der SZ/FFB
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2020 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.