Aufgrund der momentanen Schließung fast aller Lichtspielhäuser stellen wir, bis auf weiteres, an dieser Stelle einmal wöchentlich neue DVDs & Blue-rays vor.
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1. 1917
2. JUDY
3. Sorry we missed you
4. Die Wütenden - Les Miserables
5. Vox Lux
6. Heimat ist ein Raum auf Zeit
Donnerstag 28.05.2020
1917
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Ab 28. Mai 2020 auf DVD & Blue-ray

1917 ist ein überwältigendes Kinoerlebnis, das es so noch nicht gegeben hat. Ausnahmeregisseur und Oscar®-Preisträger Sam Mendes (Beste Regie für das fünffach Oscar®-gekrönte Meisterwerk American Beauty sowie Regisseur der letzten beiden James-Bond-Abenteuer Skyfall und Spectre) inszeniert in seinem neusten Film 1917 in einer One-Shot Aufnahme die höchst riskante Mission zweier Soldaten in Echtzeit. Es gibt keinen Schnitt, keinen Raum für Fehler – das Ergebnis ist an Eindringlichkeit kaum zu übertreffen.

So lässt Mendes das Publikum an einem nervenaufreibenden Drama teilhaben und beleuchtet den Ersten Weltkrieg aus einem modernen Blickwinkel. Die zermürbenden Kriegsjahre verdichtet er auf einen einzigen Tag, der über Leben und Tod von 1.600 Menschen entscheidet.

Auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkrieges sollen die beiden britischen Soldaten Schofield (George Mackay, Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück) und Blake (Dean-Charles Chapman, Game of Thrones) eine nahezu unmögliche Mission erfüllen. In einem unbarmherzigen Wettlauf gegen die Zeit müssen sie sich tief in Feindesgebiet wagen und eine Nachricht überbringen, die verhindern soll, dass Hunderte ihrer Kameraden in eine tödliche Falle geraten. Auch das Leben von Blakes Bruder hängt vom Gelingen dieser Mission ab.

Das Drehbuch hat Mendes zusammen mit Krysty Wilson-Cairns (Penny Dreadful) geschrieben. Produziert wurde der Film von Mendes und Pippa Harris (Zeiten des Aufruhrs, Away We Go – Auf nach Irgendwo) unter dem Dach ihrer Firma Neal Street Productions, zusammen mit Jayne-Ann Tenggren, Callum McDougall und Brian Oliver.

Wie bereits in James Bond 007: Skyfall sorgt der legendäre Kameramann und Oscar®-Preisträger Roger Deakins in 1917 erneut für atemraubende Bilder und nimmt die Kinozuschauer mit in die Kommandozentralen, Schlachtfelder und Schützengräben.

Die beiden Hauptrollen haben George MacKay (Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück) und Dean-Charles Chapman (Game of Thrones) übernommen. Flankiert werden sie von hochkarätigen Stars wie Colin Firth (The King’s Speech – Die Rede des Königs, Bridget-Jones-Franchise), Benedict Cumberbatch (The Imitation Game, Doctor Strange, Sherlock), Richard Madden (Rocketman, Cinderella), Andrew Scott (James Bond 007: Spectre, Sherlock) und Mark Strong (The Imitation Game, Zero Dark Thirty).
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Donnerstag 21.05.2020
JUDY
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Seit 14. Mai 2020 auf DVD & Blue-ray

Regie: Rupert Goold
Mit Renee Zellweger, Darci Shaw, Rufus Sewell u.a.

Hollywood, 1939. Kinderstar Judy Garland (Darci Shaw) ist gerade 16 Jahre alt und völlig erschöpft von ständigen Dreharbeiten und den Ansprüchen des Filmstudios MGM, das ihr gesamtes Leben kontrolliert und über sie verfügt, als sei sie eine Leibeigene. Studioboss Louis B. Mayer stellt Judy vor die Wahl: Wenn sie alles tut, was er von ihr verlangt, macht er sie zur Legende. Spielt sie nicht brav mit, wird ihr Stern genauso rasant sinken, wie er aufgegangen ist…

Fast 30 Jahre später: Judy Garland (jetzt: Renee Zellweger), Mutter von drei Kindern, bereitet sich auf ihren Auftritt in einem kleinen Theater in Los Angeles vor. Im Showgeschäft ist sie ein alter Hase, doch Judys berühmte Stimme ist nicht mehr das, was sie einmal war. Der einstige Hollywoodstar hat kaum noch Fans, ist hoch verschuldet und ist inzwischen für ein paar Hundert Dollar zu haben. Peinlich: Da sie ihre Rechnung nicht bezahlt hat, darf Judy an diesem Abend nicht in ihre Hotelsuite zurück und weiß nicht, wohin.

Judy bleibt nichts anderes übrig, als ihre beiden jüngsten Kinder bei ihrem geschiedenen Mann Sidney Luft (Rufus Sewell) abzuliefern. Das Paar streitet um das Sorgerecht für Lorna und Joey. So auch jetzt, kaum dass die beiden im Bett liegen: Sid will, dass die Kids bei ihm leben. Doch Judy könnte es nicht ertragen, von ihnen getrennt zu sein – auch nicht, wenn sie auf Tournee geht.

Während Lorna und Joey bei ihrem Vater vorerst gut aufgehoben sind, verabredet sich Judy mit ihrer erwachsenen Tochter Liza Minnelli. Sie treffen sich bei einer Privatparty in den Hollywood Hills, wo Judy den attraktiven jungen Geschäftsmann Mickey Deans (Finn Wittrock) kennenlernt. Der charmante Mickey flirtet mit Judy, zwischen den beiden fliegen die Funken…

Und Judy erinnert sich an einen anderen Mickey, der 1938 ihr Herz eroberte: Kinderstar Mickey Rooney, ebenfalls bei MGM unter Vertrag. Die beiden trinken in einem Diner Milchshakes und überlegen, was die Publicity-Maschinerie des Studios wohl mit ihnen vorhat: Sollen die zwei bloß Freunde sein oder – was Judy sich insgeheim wünscht – mehr...?

Zurück im Jahr 1968 sucht Judy ihren Anwalt auf, der eine klare Ansage macht: Wenn sie ihre horrenden Steuerschulden in Höhe von vier Millionen Dollar begleichen und für ihre Kinder sorgen will, muss Ms Garland dringend Geld verdienen. In den USA ist sie nicht mehr gefragt, aber in London wird Judy nach wie vor verehrt. Und ein gewisser Bernard Delfont bietet ihr an, fünf Wochen lang in seinem angesagten Club "The Talk Of The Town" zu gastieren. Notgedrungen sagt Judy zu, der Abschied von den Kindern fällt ihr schwer.

In London wird Judy von Bernard Delfont (Michael Gambon) und Rosalyn Wilder (Jessie Buckley) empfangen. Der Impresario hat Rosalyn als "Assistentin", sprich: Babysitter für die notorisch kapriziöse Garland engagiert. Bei der Probe verliert Judy prompt die Nerven und weigert sich zu singen: Angeblich will sie ihre Stimme bis zur Premiere schonen. Die ist allerdings schon am nächsten Abend. Rosalyn und Bandleader Burt Rhodes (Royce Pierreson) sind konsterniert, können den Gast aus Hollywood aber schlecht unter Druck setzen. Judy verbringt eine schlaflose Hotelnacht. Was, wenn ihre Stimme versagt?

Der große Abend ist da, doch im "The Talk Of The Town" wartet man vergeblich auf den Star. Rosalyn findet die aufgelöste Judy schließlich in ihrem Hotelzimmer. Sie hat Beruhigungsmittel genommen und fleht Rosalyn an, die Show abzusagen. Stattdessen hilft die patente Assistentin ihr ins Cocktailkleid und liefert sie in allerletzter Minute im Club ab. Die desolate Judy stolpert auf die Bühne – und der Applaus, der ihr entgegenbrandet, trifft sie wie ein Stromschlag: Die Bühne ist ihr Zuhause, der Beifall ihr Lebenselixier. Judy Garland gibt eine sensationelle Performance.

Doch auf den Erfolgsrausch folgt der Kater: Nach der Show sitzt Judy völlig ausgelaugt und heiser in ihrer Garderobe. Wie soll sie das fünf Wochen durchhalten? Zurück im Hotel findet sie wieder keinen Schlaf. Judy muss an früher denken, als das Studio für jedes ihrer Probleme eine "Lösung" parat hatte: Schlaftabletten, Aufputschmittel, Diätpillen. Bei der Poolparty, die MGM zu ihrem 16. Geburtstag gibt, darf "Pummelchen" Judy keinen Kuchen essen und springt aus Protest in voller Montur in den Pool. Wahrscheinlich war es nicht mal ihr Geburtstag, sondern irgendein Tag, der in ihrem randvollen Terminkalender gerade passte…

Judys grandiose Shows sind Stadtgespräch. Doch Abend für Abend fühlt sie sich erschöpfter und einsamer, Judy vermisst ihre Kinder schmerzlich. Und so kommt es, dass die glühenden Garland-Fans Stan und Dan, die am Bühneneingang warten und auf ein Autogramm hoffen, ihr Idol sogar zum Dinner einladen dürfen. Bei einem mittelmäßigen Omelette erfährt Judy alles über ihre Gastgeber: Stan und Dan können ihre Beziehung nicht offen leben, Homosexualität ist 1968 noch strafbar. Aber Judys Musik gibt ihnen Kraft und Trost. Die Sängerin ist zutiefst gerührt.

Als plötzlich Mickey Deans in Judys Hotel auftaucht, ist sie überglücklich. Das Paar geht shoppen, Judy stellt Mickey die Band vor – keine Spur mehr von Einsamkeit. Mit dem neuen Mann an ihrer Seite fühlt sich Judy wieder jung. Ihr Glück wird jedoch empfindlich gedämpft, als sie in einem TV-Interview auf ihre Kinder angesprochen wird: Lassen sich Karriere und Mutterschaft vereinbaren? Von Schuldgefühlen gequält betrinkt Judy sich, besteht aber darauf, trotzdem aufzutreten. Die Show ist ein Desaster, der gefeierte Star wird ausgebuht.

Wieder kommen die Erinnerungen an ihren 16. Geburtstag hoch: Nach dem peinlichen Zwischenfall stellt Louis B. Mayer seinen aufsässigen Schützling zur Rede und hält Judy vor, dass sie ihm alles verdankt – und er es ihr genauso schnell wieder wegnehmen kann. Die verängstigte Judy verspricht, ihren Boss nie mehr zu enttäuschen…

Nach ihrem katastrophalen Auftritt entschuldigt sich Judy persönlich bei Bernard Delfont. Der besteht darauf, dass sich sein angeschlagener Star untersuchen lässt. Der Arzt verordnet Judy dringend Erholung, am besten zu Hause mit ihren Kindern. Was nun? Mickey nimmt ihr die schwere Entscheidung ab. Er hat einen Deal mit einer Kinokette ausgehandelt: Judy müsste nicht mehr singen, könnte ein Haus in Los Angeles kaufen und endlich bei ihren Kindern bleiben. Judy kann sich ein Leben ohne diesen Traummann sowieso nicht mehr vorstellen und macht Mickey einen Heiratsantrag. Von ihrer Leidenschaft beeindruckt, sagt er spontan Ja.

Dennoch erfüllt Judy ihren Vertrag mit Delfont und tritt weiter im "The Talk Of The Town" auf. Ihr frisch angetrauter Mann ist in die USA geflogen, um den Kinodeal unter Dach und Fach zu bringen. Alles ist perfekt – bis Sid seine Ex in London besucht: Die Kinder haben entschieden, dass sie weiterhin bei ihrem Dad wohnen wollen – selbst wenn Mama wiederkommt. Verzweifelt stürmt Judy ins Hotel, wo zu ihrer Überraschung Mickey wartet. Doch die Wiedersehensfreude währt nur kurz: Der Kino-Deal ist geplatzt, Judy wird weiterarbeiten müssen und kann vorerst nicht in die USA zurück.

So allein und verlassen hat sie sich selten gefühlt, vor der Show betäubt Judy ihren Kummer mit Alkohol. Auf der Bühne vergisst sie den Text, ihre Stimme versagt, dann stürzt sie auch noch und flüchtet unter lauten Buh-Rufen aus dem Theater.

Ein Telefonat mit ihrer Tochter Lorna (Bella Ramsey) bestätigt, was die fassungslose Judy nicht wahrhaben will: Lorna und Joey möchten auf jeden Fall bei Sid bleiben. Judy ist am Boden zerstört, reißt sich aber zusammen und macht Lorna keine Vorwürfe.

Die nächste bittere Nachricht lässt nicht lange auf sich warten. Rosalyn überbringt sie persönlich: Nach dem Debakel vom Vorabend hat Bernard Delfont die restlichen Shows abgesagt. Das war's also. Jetzt möchte Judy nur noch ein letztes Mal zurück ins "The Talk Of The Town", um gebührend Abschied zu nehmen...
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Donnerstag 14.05.2020
Sorry we missed you
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Seit 05. Mai 2020 auf DVD & Blue-ray

Ricky, Abby und ihre zwei Kinder leben in Newcastle. Sie sind eine starke, liebevolle Familie, in der jeder für den anderen einsteht. Während Ricky sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, arbeitet Abby als Altenpflegerin. Egal, wie sehr die beiden sich jedoch anstrengen, wissen sie, dass sie niemals unabhängig sein oder ihr eigenes Haus haben werden. Doch dann heißt es: Jetzt oder nie! Dank der digitalen Revolution bietet sich Ricky die Gelegenheit! Abby und er setzen alles auf eine Karte. Sie verkauft ihr Auto, damit Ricky sich einen Lieferwagen leisten und als selbständiger Kurierfahrer durchstarten kann. Die Zukunft scheint verlockend. Doch der Preis für Rickys Selbstständigkeit erweist sich als wesentlich höher als gedacht. Die Familie muss enger zusammenrücken und um ihren Zusammenhalt kämpfen.


INTERVIEW MIT REGISSEUR KEN LOACH 
 
Wie sind Sie auf die Idee für SORRY WE MISSED YOU gekommen?
Nach ICH, DANIEL BLAKE dachte ich, dass das vielleicht der letzte Film gewesen wäre, aber als wir für unsere Recherchen Essensausgaben besuchten, wurde uns erst so richtig klar, wie viele der Menschen, die dorthin kommen, eigentlich „Arbeit“ haben. Teilzeitarbeit, kleine Jobs, Zeitarbeit, Ich-AGs, Provisionsjobs, oft so schlecht bezahlt und auf eigenes Risiko, dass es nicht fürs Leben reicht. Das ist eine neue Form der Ausbeutung. Die sogenannte ‚Gig Economy’ mit Honoraraufträgen, Kleinjobs oder Beschäftigung über Agenturen tauchte immer wieder und immer häufiger in Pauls und meinen alltäglichen Gesprächen auf. Daraus formte sich Stück für Stück die Idee für einen weiteren gemeinsamen Film, bei dem man die Verwandtschaft und den Bezug zu ICH, DANIEL BLAKE nicht leugnen kann. 

Die Ausbeutung von Arbeitskraft auf Kosten der Menschen und der Menschlichkeit ist ja kein neues Problem. 
Es ist nur insofern neu, als dass modernste Technologie verwendet wird. Hochentwickelte Technologie und Vernetzung sorgen dafür, dass einem Kurierfahrer die Wege vorgeschrieben werden und der Kunde in Echtzeit über den Status seiner Lieferung und die voraussichtliche Auslieferung bei ihm an der Tür informiert wird. Diese Informationen sorgen für einen enormen Druck. Das Resultat ist, dass der Lieferfahrer sich die Seele aus dem Leib hetzen muss, um die technologisch geschaffenen Möglichkeiten zu erfüllen, während er gleichzeitig nur noch ein Sklave dieser Technik ist und schlecht bezahlt wird. Die Technik ist neu, die Ausbeutung aber ist so alt wie die Menschheit. 

Wie haben Sie sich auf diesen Film und diese spezifische Branche der selbständigen Kurierfahrer vorbereitet? 
Paul hat die meiste Recherche betrieben, und wir haben uns dann gemeinsam mit Leuten getroffen, die diese Jobs machen. Die Kurierfahrer waren allerdings oft besorgt und wollten nicht zu viel verraten, weil sie Angst um ihren Job hatten. In die Lieferdepots zu kommen, war ebenfalls eine schwierige Sache und wir hatten Glück, dass wir auf einen hilfsbereiten Manager aus einem Depot gestoßen sind, der uns sehr präzise Hinweise auf die Abläufe und die Gestaltung solcher Depots gegeben hat. Die anderen Fahrer im Film sind zudem selbst Kurierfahrer oder waren es. Sie wussten also ganz genau, worauf es in diesen Depot-Szenen ankam. Sie kannten den Zeitdruck, die Anspannung und die Hektik der Paketverteilung in den Depots.
 
Was hat Sie am meisten überrascht? 
Eindeutig die Unsicherheit dieser Jobs und wie viele Stunden man in solchen Modellen arbeiten muss, um überhaupt über die Runden zu kommen. Diese Menschen sind auf dem Papier selbstständig, aber nur auf dem Papier. Und wenn etwas schief läuft, tragen sie das volle Risiko. Und dass etwas falsch läuft, kann jederzeit passieren, und dann bekommen sie Sanktionen oder Strafen auferlegt. Für Pflegerinnen wie Abby ist es zudem so, dass sie zwölf Stunden lang für ihre Pflegebesuche unterwegs sind, aber nur sechs oder sieben Stunden Mindestlohn bezahlt bekommen.
 
Nicht nur Rickys, sondern auch Abbys Arbeitskraft wird systematisch ausgebeutet und das, obwohl sie ja im staatlich subventionierten und bezahlten Pflegebereich tätig ist? 
Der Arbeitgeber ist eben oft eine Agentur. Die Pflegearbeit wird über die öffentliche Hand an Agenturen oder private Pflegedienste verteilt und die bekommen diese Aufträge, weil sie den besten Preis bieten. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass das Pflegeamt mit Absicht ignoriert, dass dieser günstige Preis nur durch Ausbeutung der Menschen möglich ist, die die Arbeit letztlich erledigen. Hinzu kommt, dass es im privaten Sektor viel schwieriger ist, sich gewerkschaftlich zu organisieren als im öffentlichen Dienst. Da gibt es wenigstens noch ordnungsgemäße Verträge. 

Wie liefen die Dreharbeiten in Newcastle ab? 
Wir haben wie üblich chronologisch gedreht, und die Schauspieler wussten nicht, wie die Geschichten ihrer Charaktere enden. Jede einzelne Sequenz war neu für sie, wobei wir bei den Proben die Dynamik in der Familie schon festgelegt hatten. Anschließend haben wir ziemlich zügig gedreht, in weniger als sechs Wochen. Eine der größten Herausforderungen war das Paketdepot. Wir haben dafür im Grunde das Depot wie ein echtes Depot laufen lassen und wie bei einem Dokumentarfilm gedreht. Wir haben uns geeinigt, wer die Pakete aus dem „Sortierer“ bekommt, wer die Fahrer sind, die mit ihren Vans in die Halle kommen und was wann und wie abzulaufen hat. Diese Choreographie war in diesem lauten Umfeld einer Fabrikhalle nicht ganz leicht, aber es hat wundervoll funktioniert. Man kann sehen, dass diese Leute wissen, was sie tun. Alles sollte möglichst echt sein. Und genau das galt auch für die Aufnahmen außerhalb des Depots auf den Straßen von Newcastle. 

Welche Fragen stellt SORRY WE MISSED YOU?
Ist dieses System nachhaltig? Ist es nachhaltig, dass wir unsere Einkäufe von einem Mann geliefert bekommen, der sich 14 Stunden am Tag ins Zeug wirft? Ist das besser, als wenn wir unsere Einkäufe selbst erledigen? Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der Menschen unter so einem enormen Druck und für so wenig Geld arbeiten müssen, nur damit wir es uns noch ein bisschen leichter machen? Es ist auch nicht so, dass hier die Marktwirtschaft versagt, sondern ganz im Gegenteil, all das ist eine logische Konsequenz der Marktwirtschaft, die eben noch nie am Menschen oder am Kunden interessiert war, sondern nur am Profit. Lebensqualität ist zwar ein Versprechen der Marktwirtschaft, aber ein leeres, denn im Endeffekt wird immer an der Qualität oder an den Menschen gespart, um das einzige entscheidende Wettbewerbskriterium – nämlich, die Kosten niedrig zu halten – zu erfüllen. Menschlichkeit und Marktwirtschaft sind nicht kompatibel. Den Preis dafür müssen Menschen wie Ricky, Abby und ihre Familien zahlen. Diese Gedanken, diese Ansichten und Fakten sind zwar wichtig und ein Teil des Films, aber wenn das Publikum nicht mitfühlt mit diesen Menschen auf der Leinwand, dann würden diese Ideen auch nicht ankommen. Insofern ist gerade das mitfühlende Moment, die Authentizität der Darstellung so wichtig.
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Donnerstag 07.05.2020
Die Wütenden - Les Miserables
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Ab 08. Mai auf DVD & Blue-ray

Sie wohnen in den berühmt-berüchtigten Plattenbauten von Les Bosquets in Clichy-Montfermeil, einem Vorort östlich von Paris. Issa (Issa Perica) und seine Freunde, die "kleinen Wanzen", schwänzen die Schule und verbringen ihre Tage mehr oder weniger auf der Straße, misstrauisch beäugt und immer wieder gefilzt von Polizisten der Einheit für Verbrechensbekämpfung, die hier täglich Streife fahren.

Stéphane (Damien Bonnard) ist der Neuzugang im Team um Anführer Chris (Alexis Manenti) und seinen Partner Gwada (Djebril Zonga). Der geschiedene Stéphane hat sich aus der Provinz nach Paris versetzen lassen, um in der Nähe seines Sohnes zu sein. Die Vorstädte und ihre Gewalt kennt er nicht, bekommt sie aber gleich bei seinem ersten Einsatz zu spüren. Er ist ein korrekter Polizeibeamter, der an Recht und Gesetz glaubt, und nicht weiß, was ihn mehr schockiert: Die Gewaltbereitschaft überall im Viertel, oder der Umgang seiner Kollegen damit. Denn die folgen ihren eigenen Regeln: "Das Gesetz bin ich", verkündet Chris, ein latenter Rassist, der sich auch schon mal drei Schülerinnen an der Bushaltestelle vorknöpft und drangsaliert. Gwada versucht zwar manchmal, seinen hitzköpfigen Partner in die Schranken zu weisen, verfolgt aber letztendlich seine eigenen Ziele. Beide haben sich arrangiert mit den Crime Lords des Viertels, teils, um die Situation zumindest ansatzweise unter Kontrolle zu halten, aber auch, um sich und ihre Familien mit Korruption über Wasser zu halten. Denn die Cops in den Banlieues, angeführt von ihrer taffen Chefin (Jeanne Balibar), sind überbeschäftigt und unterbezahlt...

Ihr Auto verlassen die drei nur, wenn sie sich halbwegs sicher fühlen. Die Machtverhältnisse im Viertel sind genau aufgeteilt und müssen immer wieder austariert werden. Mit dem selbst ernannten Bürgermeister (Steve Tientcheu) haben Chris und Gwada eine Vereinbarung, die die anderen Gangs zumindest teilweise respektieren - auch wenn die Männer einander im Grunde zutiefst verachten. Ihr eigenes Süppchen kocht die Muslimbruderschaft um ihren Anführer Salah (Almamy Kanoute), Betreiber eines Döner-Ladens, der auch als Versammlungsraum funktioniert, und vor allem die Bande herumlungernder Teenager. Das Gleichgewicht des Schreckens gerät ins Wanken, als Issa, eines der Vorstadtkids, übermütig ein Löwenbaby aus einem Wanderzirkus klaut – das lebende Maskottchen von Zorro (Raymond Lopez), dem mächtigen Oberhaupt einer Zigeuner-Familie. Das Löwenbaby muss unbedingt gefunden und zurückgebracht werden, damit keine der testosteron-gesteuerten Männerbünde ihr Ansehen verliert – vor allem die beiden korrupten Cops fürchten um ihr mühsam aufgebautes System von Geben und Nehmen.

Stéphane und seine Kollegen haben Issa im Verdacht, doch bei der Verfolgung des Minderjährigen haben sie nicht mit der Solidarität und dem Widerstand der Jugendlichen gerechnet. Als sie sich gegen eine Horde Steine werfender Kinder und Jugendlicher zur Wehr setzen, wird Issa durch eine unbeabsichtigt ausgelöste Explosion einer Reizgaspatrone ins Auge getroffen und schwer verletzt. Der junge, schüchterne Buzz (Al-Hassan Ly) hat alles vom Dach aus mit einer Drohne gefilmt. Beim Versuch, an die Speicherkarte zu kommen, lassen die Cops alle Hemmungen fallen. Sie müssen ihre Tat vertuschen, aber auch das Löwenbaby finden. Stéphane ist unsicher, ob er seine Partner und ihre fragwürdigen Methoden unterstützen soll. Doch es bleibt nicht viel Zeit für moralische Konflikte. Die Polizisten haben die Rechnung ohne die Jugendgang und deren Ortskenntnisse gemacht. Sie geraten in einen Hinterhalt, und am Ende ist fraglich, wer den Kampf Cops gegen Kids gewinnt - beziehungsweise überlebt...
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Donnerstag 30.04.2020
Vox Lux
Seit 16. April auf DVD & Blue-ray

Für Celeste (Raffey Cassidy) ist nach einer folgenschweren Tragödie im Jahr 1999 nichts mehr, wie es einmal war. Eigentlich singt sie anschließend nur bei einem Gedenkgottesdienst mit, um das Erlebte zu verarbeiten - doch schon bald wird mehr aus dem vermeintlich einmaligen Auftritt. Wie der Phönix aus der Asche steigt sie auf, und schon bald wird aus dem trauernden Kind ein international gefragter Popstar. Mit der Unterstützung ihrer Schwester Eleanor (Stacy Martin), die für Celeste Songs schreibt, und einem Talentmanager gelangt sie zu unsagbaren Ruhm und wird fortan wie eine Gottheit verehrt. Bis ihr ein Skandal eines Tages erneut den Boden unter den Füßen wegreißt. Es wird schnell still um sie, erst 2017 gelingt Celeste (nun: Natalie Portman) ihr Comeback. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Terrorgefahr in der Welt allgegenwärtig scheint und die Sängerin außerdem mit chaotischen Familienverhältnissen sowie mit ihrer Tochter Albertine (erneut: Raffey Cassidy) fertig werden muss, veröffentlicht sie mit „Vox Lux“ ihr sechstes Studioalbum, geht auf Tour und scheint wieder zu alter Stärke zu finden.

Buch & Regie: Brady Corbet
Darsteller: Natalie Portman, Jude Law, Stacy Martin, Raffey Cassidy



ANMERKUNGEN DES REGISSEURS

Mein vorheriger Film, THE CHILDHOOD OF A LEADER, war im Europa des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt. Er behandelte Schlüsselereignisse, die später oft unbeabsichtigt eine ganze Ära bestimmten. Mittelpunkt war ein junger Protagonist, der Zeuge der Gräuel einer Epoche wurde, nur um in der nächsten deren Verursacher zu werden.Der Film wurde durch die revisionistischen Geschichten von Robert Musil und WG Sebald inspiriert. Hier entstehen labyrinthartige Konstrukte aus den Vorstellungen der fiktiven Charaktere, die als Augenzeugen wichtiger historischer Wendepunkte oder reale Persönlichkeiten in veränderten historischen Schauplätzen auftreten.  Für mich zeigen diese Geschichten eine transparentere Verbindung mit dem Leser als die traditionellen Geschichtsbiografien, da man Zugang zur Vergangenheit findet, ohne den Autor zu fragen, wie er eine so detaillierte Beschreibung eines Ereignisses liefern kann, ohne beim Ereignis selbst dabei gewesen zu sein. oder falls er selbst dabei gewesen war, im Falle von Memoiren, kann es dann nicht passieren, dass ihn seine Erinnerung an die vergangenen Erlebnisse täuscht?
VOX LUX ist die Fortsetzung dieses Themas, aber am anderen Ende des Jahrhunderts: ein historisches Melodram, das in Amerika zwischen 1999 und 2017 spielt. Seine Protagonistin ist ein Popstar mit Namen Celeste, und es zeichnet – aus ihrer Sicht – Schlüsselereignisse im Zeitgeschehen und kulturelle Strukturen auf, die das 21. Jahrhundert bisher geprägt haben.
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Sonntag 26.04.2020
Heimat ist ein Raum auf Zeit
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Seit 17. April auf DVD

Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufte auch. Wie sich das eine zum anderen verhält untersucht Thomas Heise in „Heimat ist ein Raum aus Zeit“.

Der Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren. Deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen.

Eine Collage aus Bildern, Tönen, Briefen, Tagebüchern, Notizen, Geräuschen, Stimmen, Fragmenten. „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ ist ein Nachdenken über die Zeit und die Liebe in ihr, den Menschen, in Tönen, Bildern und Sprache. Immer bleibt ein Rest, der nicht aufgeht.


Ein Film von Thomas Heise


Im Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin
Nominiert für den Deutschen Filmpreis 2020
Gewinner des Caligari-Filmpreises 2019
Gewinner Meilleur long métrage de la Compétition Internationale Visions du Réel Nyon 2019
Gewinner Deutscher Dokumentarfilmpreis 2019
Gewinner Chantal Akerman Award Jerusalem Film Festival 2019
Gewinner The Avner Shalev—Yad Vashem Chairman’s Award For Artistic Achievement In Holocaust-Related Film Jerusalem Film Festival 2019
Gewinner Special Jury Prize – International Feature RIDM Montréal 2019
Gewinner Jury-Preis Lanzarote Muestra Internacional de Cine
Preis der deutschen Filmkritik 2019


Stimmen zum Film

„Jeder Geschichtsvergessene wäre gut beraten, sich diese monumentale Familienchronik anzusehen.“
    Falk Straub., kino-zeit.de

„Ein großer Film, der bleibt.“
    Birgit Kohler, Internationales Forum des jungen Films

„„Heimat ist ein Raum aus Zeit“ hat … das Potenzial, zum Rückgrat der gesamten Berlinale (2019) zu werden.“
    Hannah Pilarczyk, spiegel.de

„Ein Film, der einen Weg weist zu dem, was deutsche Heimat sein könnte. Er handelt von einem Land, das er im Laufe von dreieinhalb Stunden erst entstehen läßt.“
    Katja Nicodemus, DIE ZEIT

„Es läßt sich an „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ studieren, wie wenige filmische Mittel man braucht, wenn man sie einzusetzen weiß.“
    Matthias Dell, spiegel.de

„Ein monumentaler, ein sensationeller Film.“
    Thekla Dannenberg, perlentaucher.de

„Irrsinnig spannend … faszinierend“
    Philipp Schwarz, critic.de

„Eine Offenbarung: Thomas Heises „Heimat ist ein Raum aus Zeit““
    Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau

„Im Kino wird es ganz still. Und niemand wendet den Blick ab von der Leinwand, auf der gerade eine Welt untergeht.“
    Dieter Kleibauer, Schwäbische Zeitung

„…eine cineastische Wahrheit.“
    Georg Seeßlen, epd film

„„Heimat ist ein Raum aus Zeit“ erkundet das Biografische wie eine archäologische Stätte.“
    Christiane Peitz, Der Tagesspiegel

„Eine ungemein faszinierende Verbindungen von privatem Erleben und Epochenerfahrung.“
    Knut Elstermann, mdr

„Eine andere Idee von Kinematografie, die aus der Bewegung mindestens ebenso sehr wie aus dem Zeigen besteht.“
    Stefanie Diekmann, der Freitag

„Ein Film, über den wir noch Jahrzehnte später sprechen werden“
    Hannah Pilarczyk, DER SPIEGEL

„A monumental film, judging by its construction, thematic range and duration (nearly four hours), „Heimat Ist ein Raum aus Zeit“ admirably avoids presenting history as a well-rounded story, instead inviting its viewers to reflect on what led from one event to the other.“
    Ioana Florescu, cineuropa
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