In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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7. Johanna Summer - Ein unfassbar gutes Himbeereis
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Johanna Summer © ACT / Gregor Hohenberg
Dienstag 19.05.2020
Johanna Summer - Ein unfassbar gutes Himbeereis
Johanna Summer hat auf ihrem letzten Album Robert Schumann interpretiert. Das ist an sich vielleicht nichts besonderes. Aber es kommt auf das „wie“ an. Und hier hat sich die Pianistin für Variationen entschieden, die dem Jazz sehr nahe stehen, um nicht zu sagen: Johanna Summer plays Jazz. Und der klingt bei der 1995 in Plauen geborenen Musikerin enorm erfahren, virtuos und insgesamt spannend. Die Süddeutsche Zeitung schätzt die Aufnahme „Schumann Kaleidoskop“ (Act Records) sogar als „Eine kleine Sensation“ ein.
Begonnen hat Johanna Summer mit dem Klavierspielen im Alter von sieben Jahren. Sie studiert an  der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden Jazzpiano und hat in den zurückliegenden Jahren mehrmals den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“ gewonnen.
Im September geht sie, wenn alles gut geht, wieder auf Tournee. Im Oktober steht dann je ein Konzert in München (Unterfahrt) und Gräfelfing (Bürgerhaus) an. Wir informieren auf jeden Fall.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Johanna Summer: Zunächst einmal war das Musikmachen schon immer eines meiner liebsten Hobbys, auch wenn ich als Kind sehr übe-faul war. Das Musizieren an sich fand ich super. Ein wichtiger Wendepunkt war dann die Teilnahme an einem Jazz-Workshop, wo ich mit meinem damaligen Können ziemlich auf die Nase fiel. Ich hatte irgendwie gedacht, dass ich schon ziemlich gut spielen konnte, was allerdings nicht der Fall war. Danach habe ich angefangen, intensiv zu üben, mir Platten anzuhören, usw. Letztlich war auch der Lehrerwechsel zu einem Jazzpianisten ein entscheidender Schritt. Ich hatte Glück, dass es in meiner Heimatstadt so jemanden gab, denn das war keine Selbstverständlichkeit. Im Studium wurde mir dann die Tür zur Jazzmusik natürlich noch weiter geöffnet. Ich habe viel geübt und war ständig auf Konzerten.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JS: Es klingt etwas abgedroschen, aber ich denke schon, dass das Geschichten erzählen bei mir im Vordergrund steht, vor allem wenn ich improvisiere. Im Grunde genommen erzähle ich mir ja dabei selbst eine Geschichte, deren Verlauf ich noch nicht kenne. Das Publikum ist aber genauso ein Teil davon und ich versuche, den Zuhörern meinen Blick auf gewisse Dinge zu zeigen - eben musikalisch.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JS: Da gibt es zunächst natürlich die begrenzte Zeit zum Üben, weil man als freischaffender Musiker meistens auch sein eigener Manager ist und viele Sachen organisiert werden müssen. Wenn man dazu eine Familie hat, wird die Zeit noch knapper.
Und dann gibt es noch tausend Sachen, die beim Konzertieren selbst nicht ganz ideal sind, sei es das Instrument, der Raum, das Essen… Die Kunst ist es, sich trotz dieser Widrigkeiten voll und ganz der Musik und dem Moment hinzugeben. Am Ende entscheidet oft genau das darüber, ob man selbst und das Publikum einen schönen Konzertabend hatte.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JS: Zur Zeit passieren nicht so viele aufregende Dinge. Ich war letztens in Potsdam und habe ein unfassbar gutes Himbeereis gegessen, so banal das klingen mag!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JS: Die Momente, die man erstens nicht kommen sieht (oder hört) und, zweitens, in denen man nicht versteht, was gerade passiert. Das ist mit Worten schwer zu beschreiben, weil es oft eine Art Energie ist, die im Raum ist. Solche Momente sind natürlich am schönsten, wenn man sie mit einem Publikum teilen kann.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JS: Als Musiker bin ich natürlich ständig mit Musik umgeben. Trotzdem versuche ich, sie immer bewusst zu hören, das heißt mit voller Aufmerksamkeit. Wenn ich z.B. koche oder Hausarbeiten mache, kann ich mich nicht in dem Maß drauf konzentrieren wie ich es gern möchte und dann bleibt die Musik auch aus.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JS: Weder noch. MP3 oder Streaming ist einfach schneller griffbereit.

KK: Was lesen Sie momentan?
JS: „Die Kraft der Liebe“ von Erich Fromm und „Inner Game of Music“: ein Buch über die Überwindung von Hindernissen, die man beim Musikmachen sich selbst in den Weg legt.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JS: Mich ärgert momentan gerade die Ignoranz, die der Wissenschaft in Sachen Coronavirus entgegengebracht. Und dass sich viele Menschen nicht an die Regeln halten können, die uns allen helfen würden, die Krise schneller zu überwinden.

KK: Was freut Sie ungemein?
JS: Ich bin gesund, meine Familie ist gesund, mehr brauche ich gerade nicht.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JS: Nein.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JS: Von Joaquin Phoenix in „Der Joker“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JS: Emissionsfreie Flugzeuge und Autos.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JS: Ich mag das Wort „Einzelkämpfer“ nicht, weil es für mich das Bild von „Ellenbogen raus“ impliziert und das funktioniert (zumindest in der Jazz-Welt) nicht. Letztendlich ist jeder Musiker ein Einzelkämpfer und ein Teamplayer gleichermaßen. Man verbringt den größten Teil seiner Zeit allein im Überaum und hat daneben doch Bands und Projekte, die nur als Kollektiv funktionieren.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JS: Am kreativsten bin ich, wenn ich mich entspannen kann. Gerade beim Musizieren geht mir das so - wenn ich mich wohl am Instrument fühle und nicht das Gefühl habe, für irgendjemanden spielen zu müssen, kommen meistens die Einfälle, die man sich eigentlich gar nicht zutraut.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JS: Für Jazzfans: „Do the math“ vom Pianisten Ethan Iverson (ehemals „The Bad Plus“).

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JS: Ich würde gern Subventionen für Jazz und improvisierte Musik einführen - in dem Maß, wie sie in der Klassik üblich sind. Spielstätten sollten stärker gefördert werden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JS: „Sagen Sie: wie kommt man eigentlich als junger Mensch dazu, Jazzmusik zu machen?“ - Diese und 20 andere Fragen, die man als Jazzmusiker nicht mehr hören kann

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JS: Ich hoffe auf eine Gesellschaft, die sich durch Corona zum Positiven verändert. Ich hoffe wirklich, dass wir etwas aus dieser Krise lernen können.
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