In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. Jonas Khalil - Keine Gitarrenmusik für Gitarristen
2. Johanna Summer - Ein unfassbar gutes Himbeereis
3. Zither Manä - Nur oberflächliche Schenkelklatschmusik ist und war nie mein ...
4. Ecco Meineke - „Ich liebe Robert de Niro“
5. Mani Neumeier - Die Elektrolurchmaske
6. Andrea Pancur - Ein Koffer, der sich selbst einpackt
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Mittwoch 03.06.2020
Jonas Khalil - Keine Gitarrenmusik für Gitarristen
Jonas Khalil lebt seine Vorlieben und Überzeugungen. Egal, wie sein Umfeld darauf reagiert. Diese Einstellung ermöglicht es ihm, nicht nur über Grenzen hinweg zu schauen, sondern scheinbare Befestigungen und Gräben zu übersteigen und in benachbarten Bereichen neue Erfahrungen zu sammeln. So hat der Gitarrist und Komponist keine Schwierigkeiten, zum Beispiel Barockes und Modernes miteinander zu verbinden, oder, wie auf seinem im letzten Monat erschienen Album „Kharacter“ eigene Bearbeitungen von Christoph Willibald Gluck, Hans Werner Henze und eigene Stücke nebeneinander zu stellen. Diese Art der Freiheit funktioniert bei dem in Stuttgart lebenden Jonas Khalil wunderbar. Seine Musik klingt frisch, herausfordernd und ist in ihrer ganzen Struktur unglaublich spannend. Dass er „nebenher“ noch in einer True-Metal-Band (Sacred Steel) spielt, ist, zumindest für ihn, das Normalste auf dieser Welt.
Neues Album: Jonas Khalil „Kharacter“.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Jonas Khalil: In erster Linie ich selbst. Ich habe mich nie verbiegen lassen und bin stets sehr offensiv zu meinen Interessen gestanden. Wenn ich etwas gut fand, das mich inspiriert, begeistert hat habe ich das auch zur Schau getragen. Seien es selbstgedruckte T-Shirts von Michael Jackson als 9-Jähriger, Trikots von Werder Bremen oder als Teenie Stretchjeans und Lederjacke mit allerlei Nieten und Patches von diversen Heavy Metal-Bands. Das war Ende der 90er, wohlgemerkt. Dass das nicht gerade zu einer ausgeprägten sozialen Beliebtheit geführt hat können Sie sich mit Sicherheit gut vorstellen...
Um im musikalischen Sinne auf die Frage zurückzukommen: mein sich bereits im Alter von acht Jahren ausprägender Musikgeschmack und natürlich meine Lehrer und Professoren, die alle einen entscheidenden Teil zu meinem Spiel beigetragen haben. Danke dafür! :-)

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Ich finde es immer sehr schön die Überraschung bei Leuten herauszuhören, die Gitarrenmusik so vielleicht noch nie gehört haben. Also ließe sich vielleicht sagen, dass ich keine Gitarrenmusik für Gitarristen mache, zumindest nicht in erster Linie, sondern für Menschen die einfach gerne gute Musik hören möchten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Oft sind das ganz alltägliche Kleinigkeiten:
Zum einen mit den natürlichen Gegebenheiten, die das Gitarristen-Dasein nun mal mit sich bringt: kaputte Nägel, die natürlich in der Nacht vor dem Konzert nochmal einreißen müssen (mit Gruß an meinen stets in der Mitte gespaltenen Daumennagel - und das meine ich nicht politisch) und somit zur mittleren Katastrophe verkommen.
Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten beschäftigt mich die wiederkehrende Frage: verstärkt spielen oder nicht?
Zum anderen die unüberschaubare Zahl unmotivierter Schüler.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Nun ja, im Zusammenhang mit Corona natürlich das Herunterfahren der ganzen Welt, der Stillstand, die Ohnmacht, das Aushalten müssen der Isolation, der absoluten Einsamkeit.
Und die damit verbundene Einsicht, dass es davor doch alles gar nicht so schlimm war...und wahrscheinlich nie wieder so sein können wird.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Wenn man gemeinsam mit dem Publikum einen gelungenen Konzertabend verbracht hat. Dazu gehört zum einen natürlich, dass überhaupt ein Publikum da ist (was bei einem Solokonzert mit klassischer Gitarre längst nicht selbstverständlich ist), dass man für sich selbst zufriedenstellend gespielt hat, dass der Rahmen, das Ambiente passt, die Atmosphäre da war und das Feedback der Anwesenden entsprechend ausfällt.
Es kann aber auch einfach eine produktive Probe sein oder - ganz klar - der Moment in dem ich einen neuen Klang entdeckt, eine neue Idee entwickelt habe aus der ein Stück entstehen kann; was längst nicht immer der Fall ist, aber der Moment ist trotzdem besonders.
Aktuell sind die schönsten Momente die „1:1 Concerts“ der Staatsoper Stuttgart. Ich bin sehr glücklich aufgrund meiner Verbundenheit zum Haus hierbei mitwirken zu dürfen.
Man spielt für einen Gast ein kleines Konzert von 10 Minuten, sitzt sich in gebührendem Abstand gegenüber und hält vor Beginn der Musik eine Minute lang Augenkontakt. Ein sehr intensives (Konzert-)Erlebnis für alle Beteiligten!
Hier wurde ein wirklich magisches Konzept entwickelt und in der Organisation für alle Beteiligten so grandios umgesetzt, dass ich hoffe, es als festen Bestandteil des kommenden Spielplans wiederzufinden, selbst wenn wir im großen Häuser wieder spielen dürfen.
An dieser Stelle ein riesiges DANKESCHÖN an all die tollen Menschen, die sich dafür so reinhängen und einsetzen!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?                    
JK: Ich höre hauptsächlich Rock und Heavy Metal sowie Pop/Rock Musik aus den 80ern. Klassische Gitarrenmusik höre ich zu Hause höchstens zu Recherche-Zwecken.
Und klassische Musik am liebsten im Konzert oder in der Oper.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: CD, auch wenn ich seit jeher Vinyl sammle. Leider hat mein aktueller Verstärker keinen Phono-Eingang, somit ist der Hör"genuss" deutlich eingeschränkt. Und das ständige Wenden fällt weg. ;-)

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: „Miteinander reden“ von Friedemann Schulz von Thun. Davor „Springfield Confidential“ von Mike Reiss, einem Schreiber der Simpsons.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Egoismus, der unsere Ellbogen-Gesellschaft (an der sich auch nach Corona nichts geändert haben wird!) bestimmt. Das fängt spätestens beim nicht-blinken im Straßenverkehr an.

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Empathische Menschen die beweisen, dass es eben doch anders gehen kann als nur nach seinem eigenen Wohl zu schauen. Und wissen wie man einen Blinker bedient.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Nein! *lautes Gelächter*
Trotz erwiesener Fingerfertigkeit habe mich selbst stets als handwerkliche Krücke bezeichnet.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Edward Norton in „Fight Club“. Und immer wieder Neymar.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Ganz klar: das Beamen. Science, do your magic...!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Schon durch die Wahl des Instruments liegt die Antwort ja auf der Hand: ganz klar als Einzelkämpfer. Das tut meiner Freude an gelungenem musikalischen Zusammenspiel natürlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Vielleicht weiß ich es dadurch sogar noch mehr zu schätzen, mit den lieben Kolleg*innen gemeinsam im Graben zu sitzen oder Kammermusik zu spielen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Immer dann wenn ich es grade nicht brauchen kann und wirklich überhaupt keine Zeit habe.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: (Fast) alles über Werder Bremen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Versuchen den Fokus tatsächlich einmal auf die Kulturschaffenden zu richten.
Weg von Wirtschaft und der ach so vergötterten Automobilindustrie...(mir sind kurzzeitig die Augen zugefallen. Was doch mitunter für langweilige Menschen in diesen Branchen tätig sind...). Ich bin wirklich der Meinung, dass die Kulturschaffenden, die für so viel Lebensqualität (die ja stets angestrebt wird), für so viel Genuss sorgen einfach mehr Beachtung und Unterstützung finden sollten und schlicht mehr Respekt verdient haben.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: „Ernsthaft, liebe Kinder: Augen auf bei der Berufswahl!“ oder getreu nach Iron Maiden:
„The loneliness of the long distance runner"“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Das ist derzeit tatsächlich nicht so leicht zu beantworten, da das Pendel gefühlt in alle Richtungen ausschlagen kann. Und da gibt es sicher stets für beide Seiten genügend und durchaus gleich gute Argumente.
Ich persönlich wünsche mir, wie gesagt, dass nicht immer erst ganz zuletzt an das "Luxusgut" Kultur gedacht und endlich verstanden wird, dass wir genauso „systemrelevant“ und dafür zuständig sind, dass das Leben erst lebenswert wird.
Und wenn man schon träumen darf stelle ich mir die Zukunft mit einem Erstligisten Werder Bremen vor.
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Dienstag 19.05.2020
Johanna Summer - Ein unfassbar gutes Himbeereis
Johanna Summer hat auf ihrem letzten Album Robert Schumann interpretiert. Das ist an sich vielleicht nichts besonderes. Aber es kommt auf das „wie“ an. Und hier hat sich die Pianistin für Variationen entschieden, die dem Jazz sehr nahe stehen, um nicht zu sagen: Johanna Summer plays Jazz. Und der klingt bei der 1995 in Plauen geborenen Musikerin enorm erfahren, virtuos und insgesamt spannend. Die Süddeutsche Zeitung schätzt die Aufnahme „Schumann Kaleidoskop“ (Act Records) sogar als „Eine kleine Sensation“ ein.
Begonnen hat Johanna Summer mit dem Klavierspielen im Alter von sieben Jahren. Sie studiert an  der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden Jazzpiano und hat in den zurückliegenden Jahren mehrmals den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“ gewonnen.
Im September geht sie, wenn alles gut geht, wieder auf Tournee. Im Oktober steht dann je ein Konzert in München (Unterfahrt) und Gräfelfing (Bürgerhaus) an. Wir informieren auf jeden Fall.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Johanna Summer: Zunächst einmal war das Musikmachen schon immer eines meiner liebsten Hobbys, auch wenn ich als Kind sehr übe-faul war. Das Musizieren an sich fand ich super. Ein wichtiger Wendepunkt war dann die Teilnahme an einem Jazz-Workshop, wo ich mit meinem damaligen Können ziemlich auf die Nase fiel. Ich hatte irgendwie gedacht, dass ich schon ziemlich gut spielen konnte, was allerdings nicht der Fall war. Danach habe ich angefangen, intensiv zu üben, mir Platten anzuhören, usw. Letztlich war auch der Lehrerwechsel zu einem Jazzpianisten ein entscheidender Schritt. Ich hatte Glück, dass es in meiner Heimatstadt so jemanden gab, denn das war keine Selbstverständlichkeit. Im Studium wurde mir dann die Tür zur Jazzmusik natürlich noch weiter geöffnet. Ich habe viel geübt und war ständig auf Konzerten.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JS: Es klingt etwas abgedroschen, aber ich denke schon, dass das Geschichten erzählen bei mir im Vordergrund steht, vor allem wenn ich improvisiere. Im Grunde genommen erzähle ich mir ja dabei selbst eine Geschichte, deren Verlauf ich noch nicht kenne. Das Publikum ist aber genauso ein Teil davon und ich versuche, den Zuhörern meinen Blick auf gewisse Dinge zu zeigen - eben musikalisch.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JS: Da gibt es zunächst natürlich die begrenzte Zeit zum Üben, weil man als freischaffender Musiker meistens auch sein eigener Manager ist und viele Sachen organisiert werden müssen. Wenn man dazu eine Familie hat, wird die Zeit noch knapper.
Und dann gibt es noch tausend Sachen, die beim Konzertieren selbst nicht ganz ideal sind, sei es das Instrument, der Raum, das Essen… Die Kunst ist es, sich trotz dieser Widrigkeiten voll und ganz der Musik und dem Moment hinzugeben. Am Ende entscheidet oft genau das darüber, ob man selbst und das Publikum einen schönen Konzertabend hatte.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JS: Zur Zeit passieren nicht so viele aufregende Dinge. Ich war letztens in Potsdam und habe ein unfassbar gutes Himbeereis gegessen, so banal das klingen mag!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JS: Die Momente, die man erstens nicht kommen sieht (oder hört) und, zweitens, in denen man nicht versteht, was gerade passiert. Das ist mit Worten schwer zu beschreiben, weil es oft eine Art Energie ist, die im Raum ist. Solche Momente sind natürlich am schönsten, wenn man sie mit einem Publikum teilen kann.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JS: Als Musiker bin ich natürlich ständig mit Musik umgeben. Trotzdem versuche ich, sie immer bewusst zu hören, das heißt mit voller Aufmerksamkeit. Wenn ich z.B. koche oder Hausarbeiten mache, kann ich mich nicht in dem Maß drauf konzentrieren wie ich es gern möchte und dann bleibt die Musik auch aus.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JS: Weder noch. MP3 oder Streaming ist einfach schneller griffbereit.

KK: Was lesen Sie momentan?
JS: „Die Kraft der Liebe“ von Erich Fromm und „Inner Game of Music“: ein Buch über die Überwindung von Hindernissen, die man beim Musikmachen sich selbst in den Weg legt.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JS: Mich ärgert momentan gerade die Ignoranz, die der Wissenschaft in Sachen Coronavirus entgegengebracht. Und dass sich viele Menschen nicht an die Regeln halten können, die uns allen helfen würden, die Krise schneller zu überwinden.

KK: Was freut Sie ungemein?
JS: Ich bin gesund, meine Familie ist gesund, mehr brauche ich gerade nicht.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JS: Nein.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JS: Von Joaquin Phoenix in „Der Joker“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JS: Emissionsfreie Flugzeuge und Autos.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JS: Ich mag das Wort „Einzelkämpfer“ nicht, weil es für mich das Bild von „Ellenbogen raus“ impliziert und das funktioniert (zumindest in der Jazz-Welt) nicht. Letztendlich ist jeder Musiker ein Einzelkämpfer und ein Teamplayer gleichermaßen. Man verbringt den größten Teil seiner Zeit allein im Überaum und hat daneben doch Bands und Projekte, die nur als Kollektiv funktionieren.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JS: Am kreativsten bin ich, wenn ich mich entspannen kann. Gerade beim Musizieren geht mir das so - wenn ich mich wohl am Instrument fühle und nicht das Gefühl habe, für irgendjemanden spielen zu müssen, kommen meistens die Einfälle, die man sich eigentlich gar nicht zutraut.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JS: Für Jazzfans: „Do the math“ vom Pianisten Ethan Iverson (ehemals „The Bad Plus“).

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JS: Ich würde gern Subventionen für Jazz und improvisierte Musik einführen - in dem Maß, wie sie in der Klassik üblich sind. Spielstätten sollten stärker gefördert werden.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JS: „Sagen Sie: wie kommt man eigentlich als junger Mensch dazu, Jazzmusik zu machen?“ - Diese und 20 andere Fragen, die man als Jazzmusiker nicht mehr hören kann

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JS: Ich hoffe auf eine Gesellschaft, die sich durch Corona zum Positiven verändert. Ich hoffe wirklich, dass wir etwas aus dieser Krise lernen können.
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Sonntag 09.02.2020
Zither Manä - Nur oberflächliche Schenkelklatschmusik ist und war nie mein Ziel
Manfred Zick musste im Leben einiges aushalten, was jedoch zuvor schon viele andere auch aushalten mussten. Der Münchner hat sich einer Tradition angenommen und diese, sagen wir einmal individualisiert. Genauer gesagt: Zick spielt zwar die altehrwürdige Zither. Aber eben nicht so, wie sie seit über einhundert Jahren im Alpenraum genutzt wurde. Es war genau am Heilig-Drei-König 1980, als er im Gasthaus Nägele in Wörnsmühl statt bayrischer Volksmusik Chuck Berry interpretierte. Damit begann für den einstigen Berufsschullehrer ein neuer Lebensabschnitt – zu dem jedoch auch anonyme Morddrohungen gehörten, weil er eben diesem Saiteninstrument eine neue, modernere Richtung gab.
Heute ist Zither Manä, wie er sich mittlerweile nennt, Kult. Nicht nur, dass er neben Rock`n Roll auch Tango, Blues und auch einmal eine Operette anstimmt. Er hat die Entwicklung der sogenannten neuen Volksmusik von Beginn an mit gestaltet. Am 21. Februar macht Zither Manä während seiner Jubiläumstour „40 Jahre und kein bisschen leise“ in der Germeringer Stadthalle Station.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Zither Manä: Es war reiner Zufall, dass ich am 06.01.1980 in Wörnsmühl, Leitzachtal mit 2 Rockgitarristen auftrat und am Schluss eine Session obligatorisch war. Wir einigten uns, dass ich auf der Zither Chuck Berrys Gitarrenriffs (ich spielte als Jugendlicher die Sologitarre bei der Beatband Milestones) spontan improvisierte. Die jungen Leute waren begeistert und so entstand bald mein wichtigstes Stück, der Zither-Rock. Und ich begann dann, eigene Texte für meine Lieder zu schreiben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ZM: Ich sehe meine Aufgabe darin, den Leuten Unterhaltung zu bieten, aber in dem Begriff steckt auch das Wort Haltung (stammt von meinem Vorbild Dieter Hildebrand) drin. Nur oberflächliche Schenkelklatschmusik ist und war nie mein Ziel.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ZM: Da ich meist mit meiner E-Zither unterwegs bin, ist der Aufwand, die eigene Musikanlage aufzubauen oft nicht mehr ganz so einfach, nachdem ich ja nun auch in die Jahre gekommen bin. Aber die Freude am Auftritt und der Applaus des Publikums entschädigen mich voll und die oft lange Anreise zu den Konzerten sind es daher wert.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ZM: Nach so vielen Jahren auf der Bühne ließen die Anfragen der Veranstalter zwar etwas nach, aber jetzt im Jubiläumsjahr 2020 habe ich wieder gut besuchte bis ausverkaufte Konzerte und bin glücklich, da mich meine Fans immer noch hören und sehen wollen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ZM: Wenn das Konzert vorbei ist und die Zuschauer mit einem strahlenden Lächeln den Saal verlassen; viele schütteln mir dann noch die Hand oder es gibt einen kleinen Ratsch. Oft dauert der Applaus auch sehr lange und manchmal gibt es standing ovations.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ZM: Ich bin ein Musikbegeisterter und liebe die unterschiedlichsten Stilarten wie Klassik, Rock, Liedermacher, Folkmusik, irische und gute bayrische Volksmusik. Dabei ist es mir aber wichtig, dass die Inhalte geistreich oder aber wirklich humorvoll sind.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ZM: Eher immer noch CD und ich höre CD’s hauptsächlich bei den weiten Autofahrten zu den Konzerten.

KK: Was lesen Sie momentan?
ZM: Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig – im Moment „Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen etwas sagen“ von Otti Fischer, dessen Geschichte ja auch teilweise meine ist, sind wir doch in den Münchner Kleinkunstbühnen damals aufgetreten. Auch alle Bücher von Ferdinand von Schirach faszinieren mich, da dieser höchst moralische Jurist eine sehr einfache und fesselnde Sprache benützt; man kann nicht mehr aufhören zu lesen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ZM: Es ist trotz der berechtigten Kritik an der Berliner Politik und auch an Europa eine Schande, dass so viele Menschen rechtsradikal wählen, obwohl diese Herrschaften ungeniert die Sprache der Faschisten benützen.
Und unser Staat wirkt bei dieser Art der Verrohung unserer Sprache oft hilflos, obwohl die Gesetze dafür seit Gründung der Bundesrepublik bestehen. Man müsste sie nur anwenden. Das gehört eben auch zu einer wehrhaften Demokratie.

KK: Was freut Sie ungemein?
ZM: Ich freue mich, dass die jungen Leute endlich so wie wir damals auf der Straße protestieren, auch wenn sie genauso wie wir damals manchmal halt Fehler machen oder in ihrem Eifer manches Maß verlieren. Dennoch haben sie bewirkt, dass viele Politiker den Klimawandel endlich ernst zunehmen beginnen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
ZM: Nein!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
ZM: Meine Lieblingsschauspielerin ist eindeutig Romy Schneider gewesen und es haben mich fast alle ihre Filme beeindruckt. Ein Highlight ist „Die Dinge des Lebens!“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
ZM: Es gibt so viele gute Erfindungen und ebenso viel Unnützes in der Welt, dass ich nicht auch noch einen Beitrag dazu leisten muss.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
ZM: Sowohl als auch! Als Musiker trete ich gerne als Solist auf, spiele aber auch leidenschaftlich gerne mit meinem Zither-Manä-Trio. Dieses besteht aus dem Ausnahmegitarristen Frank Schimann und einem der besten Bluesharpspieler Ferdl Eichner. Und dann gehe ich auch keiner Session mit anderen Musikern aus dem Wege. Und im Leben treffe ich mich gerne mit guten Freunden, kann aber auch ganz allein in einem Cafe sitzen und neue Texte für meine Lieder schreiben.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ZM: Wie gesagt bei großer Unruhe in einem Cafe, aber auch zu Hause beim Zither spielen in meinem Studio nur für mich, habe ich meine besten Einfälle.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ZM: Meist Websites von wichtigen Bühnen, lieben Kollegen und Vorbildern aus der Musikbranche.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ZM: Ich würde die völlig überzogenen Subventionen für die gesamte Klassikmusik kürzen und den vielen privaten Kleinkunstbühnen zuführen, ohne dass der Staat aber Einfluss nimmt auf deren Programmgestaltung.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ZM: 40 Jahre Zither-Manä und kein bisschen leise – genau so heißt ja mein aktuelles Programm

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
ZM: Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe, weiterhin auftreten kann und dass auf der Welt der unsägliche Hass weniger wird. Und dass in Facebook etc. endlich jeder Nutzer seine Botschaften nur mit voller Nennung seines Vor- und Zunamens veröffentlichen darf. Dann würde ich auch bei Facebook beitreten.
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Dienstag 04.02.2020
Ecco Meineke - „Ich liebe Robert de Niro“
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Ecco Meineke (links) & Andy Lutter (Foto: Kate Flaccus)
Ecco Meineke ist Autor, Kabarettist, Komponist, Musiker, Arrangeur, Projektkünstler. Zudem guter Freund und künstlerischer Begleiter von Werner Schneyder, Michael Schanze, Werner Schmidbauer, Konstantin Wecker, Michael „Bully“ Herbig, Gustav Peter Wöhler u.v.a. Meineke hat Soul-, Jazz-, Klezmer und Folk-Alben erfolgreich eingespielt und ist seit einiger Zeit mit seinem Projekt „Blattgold“ auf Tour. „Schön, dass Meineke hier die große Chansontradition mit einer so fein durchgearbeiteten Produktion neu belebt. Stimmlich sanft aber eindringlich, textlich und musikalisch hochachtenswert ausgefeilt“, lobt Konstantin Wecker Ecco Meinekes neues Werk, das im letzten Jahr bei GLM München erschienen ist. Am 13. Februar wird der Isarvorstädter dieses Programm in der Germeringer Stadthalle präsentieren – gemeinsam mit Andy Lutter, Alex Haas, Marion Dimbath und Tim Collins. „Für alle, die das Leben lieben in seinem Witz, in seiner Traurigkeit!“


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Ecco Meineke: Die Musikalität meiner Eltern, mein Talent, mein Fleiß, meine Beharrlichkeit und die Hilfe vieler vieler guter Freunde und Lieben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EM: Die Leute sollen eine gute Zeit haben. Und nie vergessen, dass dieser Grundsatz für den Rest des Planeten gilt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EM: Mit der Knauserigkeit jener, die glauben, Kunst sei ein nettes Hobby und mit den üblichen Zumutungen des Kapitalismus. Sonst wäre alles paletti.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EM: Die Liebe meiner Schwester.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EM: Die Momente, wenn es durch mich singt und ich nicht darüber nachdenken muss.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EM: Haha! Chansons  natürlich. Außerdem Soul, Jazz, Salsa.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EM: Tja, inzwischen meine Playlists.

KK: Was lesen Sie momentan?
EM: Täglich 2 Zeitungen. Seit ich lesen kann. Ich bin Kabarettist. Durch und durch.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EM: Hass-Mails und scheinbar inzwischen hoffähige Todesdrohungen der rechten Bürgerschaft.

KK: Was freut Sie ungemein?
EM: Dass die Mehrheit anders denkt. Sie muss sich nur kontinuierlich bemerkbar machen!

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EM: Logo. Ein ganzes Bücherregal designt und gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EM: Ich liebe Robert de Niro. "Irishman" ist ein großer Wurf.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EM: Ein Gerät, das mir die Haare krault.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EM: Immer 50:50.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EM: Alleine, nachts, in meiner Galerie.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EM: German foreign policy ist empfehlenswert, auch wenn man es kritisch lesen muss.
Auch die „Nachdenkseiten“.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
EM: Das Budget. Speziell für die nicht-kommerzielle Basis.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EM: „Er hat sich redlich bemüht“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
EM: Rosig. Muss ja.
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Freitag 10.01.2020
Mani Neumeier - Die Elektrolurchmaske
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Mani Neumeier ist seit über einem halben Jahrhundert mit seiner Band Guru Guru auf Achse. In dieser Zeit hat der Schlagzeuger fast viertausend Konzerte gespielt, über vierzig Alben herausgebracht, ist durch die USA, China, Japan, Indien, Australien und ganz Europa getourt. Guru Guru hatten ihren ersten Fernsehauftritt im legendären Beat Club (1972), sie waren die erste deutsche Band im Rockpalast (1976). Neumeier stand zuvor schon mit der Freejazzlegende Peter Brötzmann, mit Gitarrenapoll John McLaughlin und Multiinstrumentalist Yusef Lateef auf der Bühne.
Neumeier ist einer der maßgeblichsten Vertreter der bundesrepublikanischen Rockszene. Derzeit befindet er sich mit Guru Guru auf großer Jubiläumstour und wird am 26.Januar im Landsberger Stadttheater Station machen. Trotz randvollem Terminkalender fand Mani Neumeier Zeit, für den KK-Steckbrief:

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Mani Neumeier: … dass ich mit 15 Jahren Louis Armstrong live gesehen habe und alle großen Jazzmaster wie Miles Davis, John Coltrane, Thelonius Monk u.v.a.
Und Talent, Ausdauer, Glueck, etc.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MN: … viele Leute, jung und alt happy zu machen und zu begeistern.


KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MN: … die Autobahnfahrten und die  Staus.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MN: … die brennenden Wälder in Australien, Brasilien und auf der ganzen Welt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MN: … wenn die Band (Guru Guru z.b.) abhebt und man an nichts mehr denkt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MN: … klar, am liebsten die grossen Jazzmusiker wie Coltrane, T. Monk, Charlie Parker, Duke Ellington und immer wieder Jimi Hendrix und afrikanische, indische Musik …..

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MN: … mehr CD, auch LP.

KK: Was lesen Sie momentan?
MN:H. Murakami.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MN: … dass so viele Präsidenten auf der Welt unfähige, gierige Narren sind und den Planeten kaputt machen.

KK: Was freut Sie ungemein?
MN: … dass die meisten Menschen sich für eine bessere Welt einsetzen möchten.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MN: … ich habe eine Maske gemacht, die Elektrolurchmaske ist jetzt 46 Jahre im Bühneneinsatz .

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MN: … einige, aber Mr. Bean ist schon immer wieder umwerfend

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MN: … einen Geräusche-Verschlucker.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MN: … als Teamplayer und Einzelspieler.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MN: … in der Natur, auch beim Autofahren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MN: … nee.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MN: … den Opern etwas Geld entziehen und echte  Livebands und Clubs unterstützen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MN: … der heisst „Mani Neumeier und der Guru Guru Groove“ (kommt im Sommer  2020 raus).

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MN: … mein Wunsch: eine besser ausbalancierte Erde.
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Dienstag 26.11.2019
Andrea Pancur - Ein Koffer, der sich selbst einpackt
Andrea Pancurs neustes Album heißt „Weihnukka“. Hinter dieser Wortschöpfung aus dem 19.Jahrhundert steht der Zusammenschluss von zwei Festen, die es in einer Gemeinsamkeit so eigentlich nicht gibt. Auf der einen Seite steht das Chanukka (einem Lichterfest, das an die Befreiung des jüdischen Volkes aus fremder Herrschaft vor über zweitausend Jahren gedenkt) und auf der anderen Seite das Weihnachtsfest, das heute in der christlich geprägten westlichen Kultur symbolisch für ein friedliches Miteinander auf dieser Welt steht.
Andrea Pancurs sieht ihre Botschaft in der Aufforderung an alle Menschen, eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Musikalisch greift die Sängerin mit ihrer Band hierfür tief in die Schatztruhe von Liedern, die traditionell zu beiden Festlichkeiten bis heute präsentiert werden. Andächtiges steht neben turbulent lebensfrohem, bayrisch bodenständiges neben jiddischer Melancholie.
Mit diesem Programm tourt die mit dem Deutschen Weltmusikpreis ausgezeichnete Münchnerin derzeit durch die Region:02.12. Schondorf am Ammersee; 04.12. Schwabinger Weihnachtsmarkt; 10.12. Fraunhofer München; 14.12. Dachau Leierkasten (Mehr unter: https://www.andrea-pancur.de/ )

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Andrea Pancur: Glück, Zufall, Talent, Fleiß, Wille. Ich habe einfach immer weiter gemacht, auch wenn’s mal nicht so gut lief.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AP: In erster Linie meine Mitmusiker*innen.  Ich denke, nur, wenn wir gemeinsam beim Musizieren unsere Egos aufgeben und uns der Musik unterordnen, entsteht gute Musik. Dieses gemeinsame „Schwingen“ überträgt sich aufs Publikum, für das wir natürlich auch spielen. Aber die einzelnen Menschen im  Publikum erleben nur dann einen guten Konzertabend, wenn wir Musiker uns auf der Bühne gegenseitig erreichen und eine Einheit bilden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AP: Lange Fahrten in Zügen mit verpassten Anschlüssen, weil der Zug mal wieder irgendwo auf der Strecke stand oder schon unpünktlich losfuhr (und dann noch irgendwo auf der Strecke stand). Lange Autofahrten mit Pausen auf Rasthöfen, mit dem Ambiente einer unrenovierten Schwimmhalle aus den 1970gern. Steuerirrsinn, der noch irrere Mehrwertsteuerirrsinn, Geld für Projekte auftreiben.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AP: Ein einzelnes Erlebnis kann ich gar nicht nennen. Was mich aber immer wieder aufs Neue beeindruckt, ist, wenn Menschen, sich mit Überzeugung für Menschenrechte einsetzen. Claus-Peter Reisch und Carola Rackete, die Sea Watch-Kapitäne beeindrucken mich, und genauso hat mich eine Freundin, die Ärztin ist, beeindruckt, als sie sechs Monate für „Ärzte ohne Grenzen“ in den Jemen gegangen ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AP: Am schönsten ist es, wenn es meinen Kollegen und mir gelingt, mühelos zu spielen. Dabei stellt sich ein schwereloses Gefühl ein, Zeit spielt keine Rolle mehr, und im besten Fall gelingt uns Kunst.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AP: Ich höre eigentlich jede Art von Musik sehr gerne. In jeder Musikrichtung gibt es etwas Spannendes zu entdecken. Am liebsten höre ich Musik live.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AP: CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
AP: Miha Mazzini, Deutsche Lotterie.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AP: Ich ärgere mich über das gedankenlose Nachgeplappere von AfD-Parolen.
Über die AfD ärgere ich mich sowieso, täglich.

KK: Was freut Sie ungemein?
AP: Ein Spaziergang mit meinem Hund freut mich immer. Richtig gut gespielte Musik freut mich.
Meine wöchentliche Probe mit dem Community-Chor „Tafel.Musik“. Auf einem Berg stehen und hinunter ins Tal schauen freut mich. Und ein später Sommertag im Herbst freut mich – ganz besonders freut es mich, wenn ich an dem Tag keine Termine habe und in den Bergen wandern kann.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
AP: Sowohl als auch. Im Moment fehlt mir dazu leider die Zeit.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AP: Charly Hübner im Polizeiruf 110 und Meryl Streep in allen ihren Filmen.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AP: Ein Koffer, der sich selbst einpackt, wieder auspackt und dabei nichts vergisst. Weder das Zahnbürschtl, noch die frischen Socken und auch nicht den Regenschirm, Setlisten oder den Lippenstift.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AP: Beides. Meine Ideen möchte ich schon gerne umsetzen, aber bei der Umsetzung arbeite ich im Team. Ich halte nicht viel von der Idee eines „Genies“, das alles aus sich selbst herausschöpft und alle anderen Beteiligten führen lediglich die Idee des Genies aus. Meine Musik entsteht dann, wenn alle Beteiligten ihre Ideen verwirklichen können. Ich suche meine Kollegen schließlich genau deswegen aus, weil ich an ihren Ideen interessiert bin.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AP: Wenn ich alleine mit meinem Hund im Wald oder in den Bergen spazieren gehe und ich leere Tage vor und hinter mir habe. In entspannter Langeweile fällt mir alles Mögliche ein.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AP: Da ich gerade dabei bin, meinen Haushalt auf verpackungsfreien und plastikfreien Einkauf umzustellen, lese ich derzeit sehr viel darüber, für was Soda, Natron, Essig und Zitronensäure zu verwenden ist. Und stelle fest: eine Menge! Eigentlich braucht’s die ganzen Haushaltsreiniger gar nicht. Um mich für das plastikfreie Leben schlauer zu machen, stöbere ich viel auf smarticular.net.
Beruflich bin ich viel auf facebook unterwegs. Privat nicht so sehr, da deprimiert mich facebook eher.
Da ich für September 2020 eine der Mitorganisatorinnen des „Ersten internationalen Netzwerktreffens für Frauen und nicht-binäre Menschen in der jiddischen Kultur“ bin, durchforste ich derzeit sehr viele Internetseiten, die sich mit Frauen im Musikgeschäft beschäftigen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsministerin für Kultur wären?
AP: Ich würde Erzieher*innen viel besser bezahlen, mehr Geld in die Lehrer*innen-Ausbildung stecken, und ich würde Forschungsaufträge dafür vergeben, wie man nachvollziehbare Prüfungen und Zeugnisse ohne Notenvergabe erstellen kann. Außerdem würde ich die vierjährige Grundschule abschaffen. Ich glaube, es wäre für die Entwicklung Kinder besser, wenn sie acht Jahre gemeinsam in eine Klasse gingen und sich erst danach für eine spezielle Schule entscheiden müssten. Ich würde außerdem das Stundenkontingent für musische Fächer und Sport in allen Schularten drastisch erhöhen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AP: „Es ist wie es ist, und wo ist mein Autoschlüssel?“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AP: Meine persönliche Zukunft? Ganz ehrlich: gar nicht.
Die Zukunft Europas und der Welt: auch hier versuche ich mir so wenig wie möglich vorzustellen. Ich hoffe, wir können die derzeitigen Probleme wie Klimawandel und Rechtspopulismus lösen. Sicher dabei ist: der Mensch wird Teil der Lösung sein, und jede*r Einzelne kann (und, naja: muss) einen eigenen Beitrag dazu leisten.
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