In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. David Klein - Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat
2. Joo Kraus – Weniger Autos, mehr Musik
3. Xaver Himpsl - „Ich wünsche allen Kindern, dass sie etwas finden, was...
4. Norbert Leinweber: „Jammern nützt nichts!“
5. Catherine Gordeladze - Musik als unerschöpfliche Inspirationsquelle meines ...
6. Jonas Khalil - Keine Gitarrenmusik für Gitarristen
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Montag 19.10.2020
David Klein - Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat
Bis vor kurzem tourte David Klein noch mit der Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabais durch die Lande. Damals noch in Vorfreude auf das 3. gemeinsame Album „Jagd auf Rehe“, das mittlerweile erschienen ist. „Stilvoll, charmant, gut“, urteilte die Zeitschrift stereoplay im Juni dieses Jahres knapp.
David Klein, Saxophonist, Schlagzeuger, Komponist, Produzent und vieles mehr, tummelt sich schon eine Weile in der Szene. Geboren 1961 in Basel als Sohn des berühmten Jazzmusiker-Ehepaars Oscar und Miriam Klein, arbeitete er schon früh mit vielen bekannten Solisten der Jazzszene (Kenny Clarke, Sir Roland Hanna, Billy Cobham, Kirk Lightsey). Er studierte am Berklee College of Music in Boston, gründete Mitte der 1980er Jahre die Klezmer-Band Kol Simcha, komponierte Filmmusik (Gripsholm) und fürs Fernsehen (Das Wunder von Mogadischu) und produzierte 2001 mit internationaler Band eine Hommage an Marilyn Monroe ("My Marilyn").
Ende Oktober sind Jasmin Tabatabai und das David Klein Quartett noch für eine Konzerte in Deutschland unterwegs: 30.10. Jazztage Dresden (Ostra Studios), 31.10. Magdeburg (Theater).

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
David Klein: Die Liebe meiner Eltern und das große Glück, in einem sehr harmonischen Abschnitt der Familiengeschichte geboren und aufgewachsen zu sein. Das hat mir ein Urvertrauen beschert, das ich gerne als „Euphorische Verstimmung“ bezeichne.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DK: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich mache Musik, die ich selbst gerne hören würde und wenn andere Menschen sie auch gerne hören, freut mich das natürlich umso mehr. Ich habe auch keinerlei Berührungsängste mit irgendwelchen Genres. Ich habe Klezmer gemacht, Schlager, habe Gedichte vertont, Filmmusik geschrieben, Funk und moderne Klassik gespielt, obwohl ich keine Noten lesen kann, was das Sinfonieorchester, welches mich engagierte, aber nicht wusste.

Wir spielten als Jazz-Quintett in Hans Werner Henzes „Maratona di Danza“. Wir hatten als Band viel Freiraum und der Dirigent hatte an manchen Stellen die geschriebenen Noten gestrichen, wir sollten dort stattdessen improvisieren. Ein Freund nahm mir meine Stimme mit Flöte auf Kassette auf und ich lernte alles auswendig. Das ging so lange gut, bis der Dirigent eines Tages sagte: „David, spiel bitte von Takt soundso bis Takt soundso nun doch was geschrieben steht.“ Ich antwortete: „Das würde ich gerne tun, wenn ich nur wüsste, was da steht, ich kann nämlich keine Noten lesen.“ Das Orchester brach in schallendes Gelächter aus.

Auch wenn ich ausschließlich Musik ohne Kompromisse mache, finde ich, wenn man auf die Bühne geht, ist man dem Publikum etwas schuldig. Ich sitze oft zu Hause auf dem gemütlichen Sofa und plötzlich fällt mir ein, dass diese oder jener in Basel, wo ich lebe, auftritt. Und oft bleibe ich auf meinem Sofa sitzen und schau mir den Act später auf Youtube an.

Aber unser Publikum steht eben vom Sofa auf, musste vermutlich einen Babysitter organisieren, geht bei Wind und Wetter nach draußen, legt womöglich eine längere Strecke zurück, um zum Konzertort zu gelangen, zahlt Eintritt, um sich zwei Stunden Kultur anzutun - nicht als lästige Pflichtübung des Bildungsbürgertums, sondern aufmerksam und interessiert - es zeigt uns seine Wertschätzung, indem es frenetisch applaudiert und am Ende kaufen die Leute auch noch CDs. Ohne diese kulturbegeisterten Menschen wären wir als Kulturschaffende gar nichts. Diese Menschen sorgen dafür, dass das Land der Dichter und Denker nicht zum Land der Dieter (Bohlen) und Nicht-Denker verkommt. Vor diesen Menschen verneige ich mich in Demut, Hochachtung und tiefer Dankbarkeit.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DK: Geldmangel.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DK: Meine zwei Kinder aufwachsen zu sehen und wie unschlagbar großartig ihre Mutter ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DK: Durch tägliches Üben besser zu werden. Oder wie die Japaner sagen: „Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein.“

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DK: Ich höre jede Art von Musik. Platon bezeichnete Musik als ein „moralisches Gesetz, das unserem Herzen eine Seele schenkt, den Gedanken Flügel verleiht, die Fantasie erblühen lässt und allem erst Leben schenkt.“
Ich halte mich an Kurt Weill, der sagte, er hätte den Unterschied zwischen ernster und leichter Musik nie anerkannt. Für ihn gebe es nur gute und schlechte Musik. Oder wie Karl Valentin sagte: «Wenn's oana ko, isses koa Kunst. Wenn's oana net ko, isses oa koa Kunst.»

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DK: Youtube.

KK: Was lesen Sie momentan?
DK: Zeitungen und Blogs.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DK: Politik, Redeverbote, Gesinnungsdiktatur und als „Israelkritik“ camouflierter Antisemitismus.

KK: Was freut Sie ungemein?
DK: Dass meine Familie und ich gesund sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DK: Ich habe im Flur unserer Wohnung eine Garderobe für Kinder- und Erwachsenenkleider gebaut. Als Kind habe ich mir Winnetous bestickte Weste nachgemacht und Kostüme/Masken für die Basler Fasnacht. Als Jugendlicher habe ich meine Kleider modifiziert, um meinem damaligen Idol Jimi Hendrix so ähnlich wie möglich zu sein (ich spielte damals noch Gitarre als Hauptinstrument). Später habe ich mich wie Reinhard Mey gekleidet, den ich sehr verehre, beige Hose mit weißem oder kariertem Hemd (mit oder ohne Gilet) oder einfacher gesagt: wie ein Primarlehrer.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DK: Witta Pohl in einer Szene in „Diese Drombuschs“, in der sie in Tränen ausbricht. Aber ich liebe auch Hans Moser, Marilyn Monroe oder Peter Lorre („M-Eine Stadt sucht einen Mörder“). Als absoluter Filmfan beeindrucken mich schauspielerische Leistungen, die eher nonchalant daherkommen. Leute wie de Niro oder Meryl Streep, die ihrem eigenen Hype glauben und einem immer zu sagen scheinen, wie grossartig sie doch sind, langweilen mich.
Ganz schlimm war Bruno Ganz als Hitler in Eichingers „Der Untergang“: schaut alle her, der beste Hitler, der je gegeben wurde! Wahrhaftigkeit ist wichtig. Es gibt eine herrliche Geschichte von Billy Wilder. Der hatte einem Schauspieler nach einem Take gesagt, dass er noch ein bisschen weniger machen soll. Die Szene wurde wiederholt und Wilder sagte: Großartig, aber mach noch weniger. Das ging etliche Male so, bis der Schauspieler entnervt moserte: Wenn ich jetzt noch weniger mache, dann spiele ich ja gar nicht mehr! Darauf Wilder: Genau!

Mir geht es mit der Musik und vor allem mit Gesang gleich. Ich liebe ungekünstelten Gesang. Also Gesang, der sich nicht mit inhaltsloser Stimmakrobatik versucht in Szene zu setzen. Deshalb verehre ich auch Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat (sie starb übrigens mit 44 Jahren verarmt in einem New Yorker Spital, ihr Erspartes, ganze 47 Dollar, trug sie auch im Spitalbett immer auf sich). Ich liebe Sängerinnen wie Jasmin, die dir eine Geschichte erzählen, die man auch glaubt. Es gibt Sängerinnen, die schreien einem eine Geschichte ins Ohr, hüpfen auf der Bühne rum und gebärden sich, scatten womöglich noch, aber glauben kann man davon gar nichts.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DK: Ich erfinde gerade diverses Zubehör für Saxophon.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DK: Der Journalist Jürgen Serke nannte mich einen „Allesalleinemacher“, Ute Lemper einen „Diktator“. Aber mit meiner Klezmer-Band Kol Simcha war ich auch 20 Jahre ein Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DK: Im Kino.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DK: neffmusic.com, bestsacophonewebsiteever.com, achgut.com, gatestone.com und viele andere.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DK: Nachdem ich alle gefeuert und kompetente Protagonisten eingestellt hätte, würde ich als Erstes die Finanzierung von CDs von professionellen Musikern wiedereinführen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich CDs nicht mehr verkaufen. Um jedoch auf dem hart umkämpften Konzertmarkt bestehen zu können, braucht man als Künstler rund alle zwei Jahre ein neues Programm, sonst wird man von den Veranstaltern, bei denen man bereits aufgetreten ist, nicht mehr gebucht. Das ist durchaus verständlich, denn man kann dem Publikum nicht jahrelang das gleiche Repertoire vorsetzen.

Komponieren und Konzerte spielen ist für jeden Künstler unerlässlich. Einerseits, um sich musikalisch weiter zu entwickeln, andererseits, um sich einen Namen zu machen (und diesen zu pflegen), denn Konzerte bedeuten auch immer Präsenz in den Medien (Vorberichte, Rezensionen etc.) und natürlich generiert man mit Konzertauftritten auch Einnahmen, denn auch Musiker und Komponisten leben nicht nur von Luft und Liebe.

Was das Ganze erheblich erschwert, ist, dass die Veranstalter neben dem neuen Programm auch auf einer neuen CD-Veröffentlichung bestehen. Dies, obwohl der Markt für den CD-Verkauf aufgrund der Streaming-Plattformen völlig eingebrochen ist. Nun könnte man die CD möglichst billig produzieren, ohne Promotion (Bekanntmachung in allen Medien), ohne EPK (digitale Pressemappe), ohne Werbung, ohne Video.

Das reicht den Veranstaltern aber nicht, denn diese vertrauen nach wie vor darauf, dass sich die Berichterstattung zur Veröffentlichung der CD in den Medien (Print, TV, Radio, Internet) positiv auf die Zuschauerzahlen an den Konzerten auswirkt. Das kostet.

In längst vergangenen Zeiten kamen die Plattenfirmen für diese Kosten auf, was aber bedeutete, dass der Künstler pro verkaufte CD mit einem Almosen abgespeist wurde. Die jeweiligen Label-Verträge umfassten nicht selten mehr als 40 Seiten, vollgepfercht mit Klauseln zu Ungunsten des Künstlers. Daran hat sich, trotz den Umwälzungen in der Musikindustrie, bis heute nichts geändert. Heutzutage zahlt zwar keine Plattenfirma mehr die Produktionskosten einer CD, aber noch immer wollen sie überproportional profitieren, sollte etwas wider Erwarten ein kommerzieller Erfolg werden (was im Jazz so gut wie nie passiert).

Um die grösstmögliche künstlerische und unternehmerische Freiheit zu behalten, verzichten Jasmin Tabatabai und ich deshalb auf die Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma. Stattdessen finanzieren wir seit einigen Jahren unsere CD-Projekte in Eigenregie und veröffentlichen sie auf unserem eigenen Label JADAVI (JAsminDAVId), das vom deutschen Vertrieb Galileo vertrieben wird. Das ist natürlich nur mit der Hilfe von Stiftungen, Mäzenen, Freunden, Bekannten, aber auch staatlicher Förderung möglich.

Denn wirtschaftlich kann sich das nicht rechnen, wobei Kultur sich ja leider äußerst selten rechnet. Kultur war und ist nicht selbsttragend. Kein Theater, Museum oder Opernhaus könnte ohne Subventionen und Förderer bestehen. Strawinskys „Concerto in D“ hätte ohne den Basler Mäzen Paul Sacher ebenso wenig das Licht der Welt erblickt wie Mozarts „Così fan tutte“ ohne die Gulden des Kaisers Joseph II.

Ohne uns mit den oben genannten Koryphäen vergleichen zu wollen, aber grundsätzlich geht es jemandem wie uns, deren Projekte einen hohen künstlerischen Anspruch haben, nicht anders. In einer Industrie, in der das Formatradio eine kultur- und niveaulose Schreckensherrschaft innehat und das Fernsehen hauptsächlich der kontinuierlichen Verrohung und kulturellen Verwahrlosung unserer Gesellschaft durch „DSDS“ und Konsorten Vorschub leistet, ist es sehr schwer Projekte zu finanzieren, die sich abseits des „Mainstream“ bewegen.

Doch gerade diese Projekte sind wichtig, um der Tendenz entgegenzuwirken, Musik nicht länger als Kunstform zu behandeln, sondern als Massenware, die nach fragwürdigen Kriterien einem mediengesteuerten Publikum verramscht wird. Und letztlich ist eine CD ja auch immer eine Momentaufnahme des künstlerischen Schaffens und etwas, das man als Musiker und Komponist der Nachwelt hinterlassen möchte, und zwar in der bestmöglichen Qualität, was die Kosten natürlich nicht senkt.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DK: Arschlöcher.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DK: Ich lebe über meinen Verhältnissen, aber noch lange nicht standesgemäß. Vielleicht ändert sich das ja in Zukunft. Oder nochmal Karl Valentin: „Die Zukunft war früher auch besser.“
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Montag 12.10.2020
Joo Kraus – Weniger Autos, mehr Musik
Joo Kraus gehört zu den vielseitigsten Solisten im Jazz und zugleich zu einem der gefragtesten Gastmusiker der Szene. 1966 in Ulm geboren hat er mit neun Jahren mit dem Trompete spielen begonnen. Angeregt wurde er von seinem Vater, ebenfalls Trompeter und sozusagen Förderer der ersten Stunde. Joo spielte schon mit 15 in der Big Band Ulm, gewann mit 19  den ersten Preis im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Anschließend studierte er in München, lernte zwischenzeitlich den Bassisten Hellmut Hattler kennen. Beide gründeten das Duo Tab Two, das überaus erfolgreich mit elektronischen Sounds experimentierte und mit einem Mix aus Jazz, HipHop, Latin und Rock etliche nationale und internationale Preise erhielt.
In den letzten zwei Jahrzehnten begeistert Joo Kraus als ein Wanderer zwischen den musikalischen Welten. Er spielte mit Omar Sosa, Paula Morelenbaum, Nana Mouskouri und DePhazz, war auf Tour mit Ivan Lins und Pee Wee Ellis und vor fünf Jahren Gast in Fürstenfeld mit der Ausnahmepianistin Marialy Pacheco.
Am 28. Oktober wird Joo Kraus wiederholt in Fürstenfeld zu Gast sein und gemeinsam mit dem Jazzchor Freiburg in der Reihe JAZZ FIRST auftreten.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Joo Kraus: Das wenn man wüsste… sicherlich meine Familie: Es war immer und überall Musik. Und dann war ich eher ein Spätzünder was mein männliches anging, da könnte ich als Musiker beeindrucken, dachte ich! Und so habe ich mich wirklich dahinter geklemmt. Geübt was das Zeug hält, und dann macht es mehr Spaß, dann übt man wieder mehr usw.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Geht mir immer um Menschen: Musik ohne Menschen damit zu berühren ist für mich keine richtige Musk. Nur Töne. Santana sagt: „What you put into your notes that reaches people’s hearts, that’s what music is about“. Teile ich zu 100%.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Zum einen das tägliche Üben: Trompete muss man eigentlich jeden Tag spielen, sonst wird es schnell sehr schlecht mit den Chops. Dann das Reisen: Ist schon nervig auf die Dauer. Aber das wird aufgewogen durch die Musik und die Musiker mit denen man zu tun hat! Klasse Leute sind das!

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Wir als Band samt unserer Familien waren ein Wochenende bei Heini Staudinger (Chef von GEA ) in Schrems: Ein Schuhfabrikant und weiser Mensch und vorbildlicher Unternehmer. Das war schwer beeindruckend wie er sein Leben lebt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Ganz unterschiedlich: Mal eine Probe, mal wenn man ein Ständchen für einen Jubilar spielt, mal ein Riesenfestival: Auf jeden Fall immer wenn Menschen um einen rum sind und etwas tolles durch Musik passiert.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Ja, wieder relativ viel! Oft beeinflusst von meinen Kindern ( Anderson Paak, Moonchild, Mac Miller) oder wenn wir Musiker zusammenhängen und uns austauschen: So kam ich jetzt wieder auf die CRUSADERS. Und Earth Wind and Fire begleiten mich eh immer!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Beides, aber ich streame meist...

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Mehreres: BUT BEAUTIFUL von Erwin Wagenhofer, UPDATE FÜR DEIN UNTERBEWUSSTSEIN von Thimon von Berlepsch und JACK von Anthony Mc Carten.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Wenn Leute nicht wirklich zuhören

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Wenn sich Menschen verantwortungsvoll Gedanken über die Zukunft machen. Und wenn ich nen schönen Song geschrieben hab… und und und

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Yes: Früher ein bisschen mit meinen besten Freund Klamotten genäht. Und mal nen Tisch gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Michael Douglas in "Komminsky Methode“: Unfassbar!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Eine Empathie-Tablette

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Als Temaplyer, allerdings kämpfe ich schon auch oft zeitweise alleine vor mich hin...

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Oft wenn ich eigentlich Trompete üben sollte und dann noch kurz an meinem E- Piano rumklimpere… . Und  das kann man kultivieren beobachte ich: Je öfter man seine Ideen ernst nimmt und aufschreibt oder aufnimmt, desto mehr kommen die zu Dir ( die sagen sicher weiter, dass da einer ist, der Ideen auf die Welt bringen kann!)

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: Dies und das: Mit meinen Kids „Mr Wissen to go“ oder ich schaue Tutorials zu irgendwelchen Plug Ins.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Ich würde  die veralteten Strukturen und Lehrinhalte mancher Musikschulen und Musikhochschulen „erfrischen“. Und den Status der klassischen Musik gleichsetzen mit anderen Musikstilen.. Furchtbar wie das zum Teil hierzulande noch vorzufinden ist! Und E- Musik und U- Musik gäbs nicht mehr. Nur noch MUSIK.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: Oh…. noch eine Biographie? Das wird mir zu inflationär langsam: Jeder C Promi schreibt seine Memoiren auf! Nicht auch noch ich!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Mit gemeinwohl-Ökonomie, weniger Autos, mehr Musik, weniger Konkurrenz - Blödsinn und Wettbewerbsmentalität… Mein Gott, was die Menschen sich für nen Stress machen: 80% hausgemacht!
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Dienstag 22.09.2020
Xaver Himpsl - „Ich wünsche allen Kindern, dass sie etwas finden, was ihnen Spaß macht und Selbstbewusstsein gibt“
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Foto: Lena Semmelroggen
Musikalische Grenzen existieren für Xaver Himpsl einzig, um diese zu überwinden. Egal ob der Trompeter Mozart spielt oder Gershwin, ob er sich in der Band seines Vaters Franz Josef, der Unterbiberger Hofmusik, mit türkischer oder arabischer Folklore beschäftigt, ob er frei improvisiert, in seiner eigenen Formation brasilianische mit bayrischer Musik mixt, immer spürt man seine Freude und Leidenschaft, Stimmungen und außergewöhnliche Ideen über sein Instrument auszudrücken. Zudem hat er (zwei Semester) Physik studiert, später Kulturmanagement. Seine Trompetenlehrer waren die besten ihrer Zunft: Hannes Läubin, Reinhold Friedrich, Claudio Roditi und Bobby Shew.
Am 09. Oktober eröffnen Xaver Himpsl und seine Bavaschoro plus der Sängerin Dandara die 6. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche. Beginn des Konzerts: 19.30 Uhr im Veranstaltungssaal des Gilchinger Rathauses (am Rathausplatz 1).

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Xaver Himpsl: Meine Familie, unsere über die ganze Welt verstreuten Musikerfreunde, aber auch mein etwas abgedrehter Rollenspieler Freundeskreis hier in München. Ich bin sehr froh, dass mein Leben so gelaufen ist wie es ist. In jeder Situation hatte ich etwas auf das ich stolz sein konnte: mein Trompetenspiel. Ich wünsche allen Kindern, dass sie etwas finden, was ihnen Spaß macht und Selbstbewusstsein gibt. Bei der Musik ist außerdem die Möglichkeit interessante und coole Leute zu treffen sehr sehr hoch!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
XH: Alle Leute die sich zwar unterhalten fühlen, aber dabei auf anspruchsvolles, musikalisches Programm nicht verzichten wollen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
XH: Im Moment tatsächlich mit den beschränkten Auftrittsmöglichkeiten durch die Corona-Pandemie, allerdings auch grundsätzlich mit der Tatsache, dass sich mit aufgenommener Musik kaum noch Geld verdienen lässt.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
XH: Unsere Tour nach Brasilien mit Bavaschôro im April 2019 war ein unglaubliches Erlebnis. Die kleine Sorge, dass die Brasilianer unsere Herangehensweise an ihre Musik nicht positiv sehen würden, hat sich Gott sei Dank als genau das Gegenteil herausgestellt. Sie verstehen zwar kein Bayerisch, aber selbst so haben sie ihren Spaß und finden die Übersetzungen lustig. Grundsätzlich muss ich sagen alle Touren in den letzten Jahren (Mit der Hofmusik zum Beispiel auch nach Ägypten, Tunesien, Marokko, Iran) waren unglaublich. Ich hoffe sehr, dass sie vielleicht nächstes Jahr wieder möglich werden. Das Gedenkkonzert zu Ehren unseres Onkels und Freundes Claudio Roditi, das vermutlich 2021 stattfinden wird, wollen wir auf jeden Fall irgendwie besuchen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
XH: Das Gefühl im Raum nach einem gelungenen Konzert, alle Beteiligten, ob Publikum oder Musiker sind sich näher gekommen. Das beste Gefühl von Gemeinschaft dass ich kenne.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
XH: Hauptsächlich Blues, Funk and Soul, aber auch Electro, Swing und Balkan.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
XH: Ich bin gerade wieder auch der Suche nach einem Plattenspieler und einem Platz dafür.

KK: Was lesen Sie momentan?
XH: Viel LitRPG (Verstehen nur Leute die schon Rollenspiele auf dem Computer oder im Pen and Paper gespielt haben.)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
XH: Die Tunnelsicht der Politiker auf die Autoindustrie. In den 13 Teilbranchen der Kreativwirtschaft ist fast soviel Geld unterwegs wie dort, allerdings mit viel mehr Beschäftigten.

KK: Was freut Sie ungemein?
XH: Das sich das langsam ein bisserl ändert.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
XH: Ja, einen Umhang für einen Magier den ich gespielt habe.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
XH: Tim Seyfi in „Komissar Pascha“ und  Andi Rinn in „Lord und Schlumpfi“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
XH: Einen Rucksack-Hubschrauber oder wie er bei Spireau und Fantasio heißt, der Fantaschrauber.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
XH: Teamplayer, bei dieser Familie gar nicht anders möglich ;-)

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
XH: Beim Radlfahren, wenn der Akku vom Handy aus ist und ich kein Hörbuch hören kann.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
XH: 9Gag, Sueddeutsche, Twitterperlen

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
XH: Falscher Ministerposten ;-) Es gäbe andere Posten, die ich lieber mal für nen Tag hätte. Wobei…etwas mehr Unterstützung für Touren ins Ausland, sozusagen ein Musikexportbüro wäre eine super Idee!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
XH: Das Leben ist ein Spiel. Im Notfall ganz fest blasen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
XH: Sehr unterschiedlich. Ich habe zu viele Utopien und Dystopien gelesen. Ich hoffe, es wird nicht wie in 1984. Aber ich hoffe sehr noch das tatsächliche Weltraumzeitalter zu erleben, nicht
das der Weltmächte, sondern der Privatwirtschaft. Ich befürchte allerdings einen Weltraumlift werden wir Menschen nicht sobald bauen.
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Samstag 08.08.2020
Norbert Leinweber: „Jammern nützt nichts!“
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Foto Jazzchor Freiburg: Fotogråfin Lisa
Der Ausbruch der Cornona-Pandemie verändert das Leben der Menschen weltweit. Sowohl im ganz persönlichen, privaten Bereich, in der Arbeitswelt, als auch was die institutionellen Angebote und Aktivitäten betrifft. Besonders hart trifft es die Kulturbranche. Im März dieses Jahres wurden sämtliche Veranstaltungen deutschlandweit ausgesetzt, wodurch die Existenz vieler Künstler und natürlich auch Veranstaltungshäuser in Frage gestellt wurde. Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld hat als einer der ersten Kulturanbieter mit einem entsprechend ausgearbeiteten Konzept am 27. Juni seine Tore mit dem Klaviersommer für das Publikum erfolgreich geöffnet. Norbert Leinweber, Leiter des Fürstenfelder Veranstaltungsforum, spricht im folgenden über die Erfahrungen in den zurückliegenden Wochen und Monaten.


KultKomplott: Es war ja eine Art kulturelle Vollbremsung, die sie im März dieses Jahres vollziehen mussten. Wie haben Sie als Veranstalter die folgenden Monate erlebt?
Norbert Leinweber: Diese Vollbremsung war schon eine extreme Situation. In unseren knapp 20 Betriebsjahren waren Veranstaltungsverschiebungen bzw. -absagen ja bislang absolute Ausnahmefälle. Nach einer kurzen Phase der Schockstarre begann dann ab Ende März das große Verschieben von Künstlern, Terminen und Räumen und das Hoffen auf den möglichen Neustart. Dass dieser schließlich erst Ende Juni erfolgen konnte, haben wir nicht gedacht.
In die veranstaltungsfreie Zeit wurden Inventur-, Sonderreinigungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie alle möglichen organisatorischen und administrativen Aufgaben, die üblicherweise im Spätsommer und Herbst erledigt werden, vorgezogen. In Absprache mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde schließlich aufgrund der anhaltenden starken Einschränkung des Geschäftsbetriebs für einen großen Teil der Stammbelegschaft anteilige Kurzarbeit beantragt.

KultKomplott: Aber blicken wir nach vorn. Mit dem Fürstenfelder Klaviersommer haben Sie als einer der ersten Veranstalter Kultur wieder öffentlich zugänglich gemacht. Dafür haben Sie ein spezielles Konzept erarbeitet. Wie ist das angekommen – sowohl bei den Künstlern, als auch beim Publikum?
Norbert Leinweber: Am 16.06.20 wurde seitens der Staatsregierung angekündigt, dass ab dem 22.06.20 wieder bis zu 100 Besucher*innen für Kulturveranstaltungen in Innenräumen zugelassen sind. In Absprache mit dem künstlerischen Leiter Dinis Schemann haben wir dann umgehend beschlossen, den Fürstenfelder Klaviersommer in modifizierter Form zu veranstalten. Um möglichst vielen Musikfreunden Live-Erlebnisse bieten zu können, wurden alle Konzerte doppelt - also jeweils um 17.00 und um 20.00 Uhr – gespielt. Dass das die richtige Entscheidung war, zeigt der große Publikumszuspruch: Alle sechs Konzerte waren sehr gut besucht bzw. ausverkauft. Auch die Künstler waren glücklich endlich wieder ihrer Passion nachgehen zu können. Zudem hat sich auch unser Hygienekonzept gut bewährt und wir konnten so den ersten Schritt auf dem Weg in die „neue Normalität“ erfolgreich gehen.

KultKomplott: Jetzt steht das neue Programm für die zweite Jahreshälfte. War es schwierig, dieses zu organisieren?
Norbert Leinweber: Ja, allein die Koordination der Termine unserer acht Abonnementreihen untereinander ist schon sehr komplex. Und neben den Kulturveranstaltungen sind ja auch sämtlichen Messen und Publikumsveranstaltungen sowie der gesamte Seminar- und Tagungsbereich betroffen. Hinzu kommen erschwerend verschiedene Planungsunsicherheiten, vor allem in Bezug auf die maximalen Besucherzahlen und mögliche neue Einschränkungen bei einem kritischen Verlauf des Infektionsgeschehens. Aber jammern nützt nichts und natürlich muss die Gesundheit aller Besucher*innen, Künstler*innen und Mitarbeiter*innen an erster Stelle stehen.

KultKomplott: Auf was können sich die Besucher besonders freuen?
Norbert Leinweber: Bis Mitte August läuft noch der Fürstenfelder Kinosommer, direkt danach folgt unser „Kultur trotz(t) Corona“-Open-Air mit elf Show-Highlights im Stadtsaalhof. Besonders ans Herz legen kann ich hier die packende Artisten-Show „Kontraste“ (3. September, 21.00 Uhr), bei der Neuer Circus auf klassisches Varieté trifft.
Herzstück unseres Programms sind und bleiben die Veranstaltungen unserer Reihen JazzFirst, BluesFirst, Literatur in Fürstenfeld, Alte Musik in Fürstenfeld sowie der Theater- und der Konzertreihe. Die hochkarätigen Veranstaltungen dieser Reihen führen regelmäßig international renommierte Künstler und erstklassige Ensembles nach Fürstenfeld.
So etwa den JazzChor Freiburg, der in seinem neuen Programm „Infusion“ am 28.10.20 Revolutionäres wagt: Instrumentaltitel von Pat Metheny, Herbie Hancock und Esbjörn Svensson werden betextet und neu arrangiert. Gekonnt von Ausnahmetrompeter Joo Kraus begleitet, fusioniert der Chor diese Klangwelten auf nie dagewesene Weise.
Nach Sharon Eyals elektrisierendem „Soul Chain“ kehrt das Tanzensemble des Staatstheaters Mainz ins Veranstaltungsforum zurück. Das Stück „The Cell“, das Po-Cheng Tsai mit den Mainzer Tänzern entwickeln wird, steht für das vielfältige Entwicklungspotential von Zellen, für die unterschiedlichen Wachstumsphasen von Persönlichkeiten. Für die zerstörerischen wie schöpferischen Elemente des menschlichen Wesens, für die Einzigartigkeit des Individuums und die interaktive Kraft sozialer Gemeinschaften. Nach der Mainzer Uraufführung wird das Stück am 8. Januar 2021 in Fürstenfeldbruck seine süddeutsche Premiere feiern.
Ein besonderes Jubiläum feiert die Reihe Alte Musik in Fürstenfeld mit ihrer 10. Saison: Den Auftakt am 11. Oktober bestreitet die Capella Antiqua Bambergensis mit über 40 Musikinstrumenten und Liedern aus der Zeit von Walter von der Vogelweide. Freunde hochkarätiger Musik aus Renaissance und Barock erwarten außerdem weihnachtliche Flöten-, Harfen- und Hackbrettklänge, eine ungewöhnliche Großbesetzung sowie der bekannte Countertenor und Violinist Dmitry Sinkovsky mit Ensemble.
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Foto: Mischa Blank
Sonntag 21.06.2020
Catherine Gordeladze - Musik als unerschöpfliche Inspirationsquelle meines Lebens
Catherine Gordeladze beherrscht als Pianistin die klassische Musikliteratur. Ob Scarlatti, Hadyn oder Chopin, von Johann Strauss bis Maurice Ravel – sie brilliert mit einem wunderbaren Anschlag und einer unglaublichen Virtuosität. Ob heiter ausgelassen, oder in elegischer Melancholie, die deutsch-georgische Musikerin mit Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main führt sicher und beeindruckend durch ein breites Repertoire.
Dabei hat die in Tiflis geborene Künstlerin schon früh begonnen Klavier zu spielen. Aus einer Architektenfamilie stammend galt sie als Wunderkind, das mit sieben Jahren seinen ersten Orchesterauftritt hatte und mit zehn den ersten Klavierabend gab.
Vor wenigen Tagen ist, nach mehreren von der Kritik und vom Publikum gefeierten Aufnahmen, ihr neues Album „Caprice Brillant“ bei Antes erschienen, mit Werken unter anderen von Johann Sebastian Bach, Leopold Godowsky, Nikolai Kapustin, Muzio Clementi und Ludwig van Beethoven.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Catherine Gordeladze: Begabung, Disziplin, zu richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Die eigene Arbeit lieben und sich treu bleiben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
CG: Meine künstlerischen Fähigkeiten als Konzertpianistin an die Zuhörer weiterzugeben, sowie mein Wissen und meine Erfahrung in der Lehrtätigkeit mit Studierenden zu teilen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
CG: Als Pianistin muss ich mich vor jedem Konzert im Saal an die Eigenarten eines neuen Instruments gewöhnen, manchmal mit sehr kurzfristigen oder sogar gar keinen Proben. Im Unterschied zu anderen Musikern, z.B. Streicher oder Bläser, die ihr eigenes Instrument immer dabei haben. Das ist jedes Mal eine gewisse Herausforderung für mich, um damit umzugehen habe ich natürlich im Laufe der Zeit eine sehr große Erfahrung. 

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
CG: Die Auswirkungen der Corona-Krise.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
CG: Der schöpferische Prozess auf der Bühne.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
CG: Klassik und Jazz.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
CG: CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
CG: „Chopin“ von Eva Gesine Baur.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
CG: Dilettantismus.

KK: Was freut Sie ungemein?
CG: Neue kreative Ideen, Einfälle und Entdeckungen, nicht nur am Mainstream orientiert.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
CG: Nein.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
CG: Meryl Streep in „Florence Foster Jenkins“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
CG: Eine Zeitmaschine.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
CG: Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
CG: Ich nehme die Inspiration meistens aus Kunst und Literatur. Außerdem sind mir menschliche Kontakte sehr wichtig.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
CG: klassik.com, klassik-heute.com

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
CG: Ein Tag wäre wirklich sehr kurz etwas zu ändern…

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
CG: Musik als unerschöpfliche Inspirationsquelle meines Lebens.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
CG: Nach der Krise (derzeitige Coronazeit) kommt ein Neustart. Ich wünsche mir Weltfrieden, Sicherheit, mehr Toleranz und Weltoffenheit. Ich hoffe meine künstlerische Arbeit kann auch ein Teil dazu beitragen.
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Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 03.06.2020
Jonas Khalil - Keine Gitarrenmusik für Gitarristen
Jonas Khalil lebt seine Vorlieben und Überzeugungen. Egal, wie sein Umfeld darauf reagiert. Diese Einstellung ermöglicht es ihm, nicht nur über Grenzen hinweg zu schauen, sondern scheinbare Befestigungen und Gräben zu übersteigen und in benachbarten Bereichen neue Erfahrungen zu sammeln. So hat der Gitarrist und Komponist keine Schwierigkeiten, zum Beispiel Barockes und Modernes miteinander zu verbinden, oder, wie auf seinem im letzten Monat erschienen Album „Kharacter“ eigene Bearbeitungen von Christoph Willibald Gluck, Hans Werner Henze und eigene Stücke nebeneinander zu stellen. Diese Art der Freiheit funktioniert bei dem in Stuttgart lebenden Jonas Khalil wunderbar. Seine Musik klingt frisch, herausfordernd und ist in ihrer ganzen Struktur unglaublich spannend. Dass er „nebenher“ noch in einer True-Metal-Band (Sacred Steel) spielt, ist, zumindest für ihn, das Normalste auf dieser Welt.
Neues Album: Jonas Khalil „Kharacter“.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Jonas Khalil: In erster Linie ich selbst. Ich habe mich nie verbiegen lassen und bin stets sehr offensiv zu meinen Interessen gestanden. Wenn ich etwas gut fand, das mich inspiriert, begeistert hat habe ich das auch zur Schau getragen. Seien es selbstgedruckte T-Shirts von Michael Jackson als 9-Jähriger, Trikots von Werder Bremen oder als Teenie Stretchjeans und Lederjacke mit allerlei Nieten und Patches von diversen Heavy Metal-Bands. Das war Ende der 90er, wohlgemerkt. Dass das nicht gerade zu einer ausgeprägten sozialen Beliebtheit geführt hat können Sie sich mit Sicherheit gut vorstellen...
Um im musikalischen Sinne auf die Frage zurückzukommen: mein sich bereits im Alter von acht Jahren ausprägender Musikgeschmack und natürlich meine Lehrer und Professoren, die alle einen entscheidenden Teil zu meinem Spiel beigetragen haben. Danke dafür! :-)

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Ich finde es immer sehr schön die Überraschung bei Leuten herauszuhören, die Gitarrenmusik so vielleicht noch nie gehört haben. Also ließe sich vielleicht sagen, dass ich keine Gitarrenmusik für Gitarristen mache, zumindest nicht in erster Linie, sondern für Menschen die einfach gerne gute Musik hören möchten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Oft sind das ganz alltägliche Kleinigkeiten:
Zum einen mit den natürlichen Gegebenheiten, die das Gitarristen-Dasein nun mal mit sich bringt: kaputte Nägel, die natürlich in der Nacht vor dem Konzert nochmal einreißen müssen (mit Gruß an meinen stets in der Mitte gespaltenen Daumennagel - und das meine ich nicht politisch) und somit zur mittleren Katastrophe verkommen.
Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten beschäftigt mich die wiederkehrende Frage: verstärkt spielen oder nicht?
Zum anderen die unüberschaubare Zahl unmotivierter Schüler.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Nun ja, im Zusammenhang mit Corona natürlich das Herunterfahren der ganzen Welt, der Stillstand, die Ohnmacht, das Aushalten müssen der Isolation, der absoluten Einsamkeit.
Und die damit verbundene Einsicht, dass es davor doch alles gar nicht so schlimm war...und wahrscheinlich nie wieder so sein können wird.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Wenn man gemeinsam mit dem Publikum einen gelungenen Konzertabend verbracht hat. Dazu gehört zum einen natürlich, dass überhaupt ein Publikum da ist (was bei einem Solokonzert mit klassischer Gitarre längst nicht selbstverständlich ist), dass man für sich selbst zufriedenstellend gespielt hat, dass der Rahmen, das Ambiente passt, die Atmosphäre da war und das Feedback der Anwesenden entsprechend ausfällt.
Es kann aber auch einfach eine produktive Probe sein oder - ganz klar - der Moment in dem ich einen neuen Klang entdeckt, eine neue Idee entwickelt habe aus der ein Stück entstehen kann; was längst nicht immer der Fall ist, aber der Moment ist trotzdem besonders.
Aktuell sind die schönsten Momente die „1:1 Concerts“ der Staatsoper Stuttgart. Ich bin sehr glücklich aufgrund meiner Verbundenheit zum Haus hierbei mitwirken zu dürfen.
Man spielt für einen Gast ein kleines Konzert von 10 Minuten, sitzt sich in gebührendem Abstand gegenüber und hält vor Beginn der Musik eine Minute lang Augenkontakt. Ein sehr intensives (Konzert-)Erlebnis für alle Beteiligten!
Hier wurde ein wirklich magisches Konzept entwickelt und in der Organisation für alle Beteiligten so grandios umgesetzt, dass ich hoffe, es als festen Bestandteil des kommenden Spielplans wiederzufinden, selbst wenn wir im großen Häuser wieder spielen dürfen.
An dieser Stelle ein riesiges DANKESCHÖN an all die tollen Menschen, die sich dafür so reinhängen und einsetzen!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?                    
JK: Ich höre hauptsächlich Rock und Heavy Metal sowie Pop/Rock Musik aus den 80ern. Klassische Gitarrenmusik höre ich zu Hause höchstens zu Recherche-Zwecken.
Und klassische Musik am liebsten im Konzert oder in der Oper.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: CD, auch wenn ich seit jeher Vinyl sammle. Leider hat mein aktueller Verstärker keinen Phono-Eingang, somit ist der Hör"genuss" deutlich eingeschränkt. Und das ständige Wenden fällt weg. ;-)

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: „Miteinander reden“ von Friedemann Schulz von Thun. Davor „Springfield Confidential“ von Mike Reiss, einem Schreiber der Simpsons.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Egoismus, der unsere Ellbogen-Gesellschaft (an der sich auch nach Corona nichts geändert haben wird!) bestimmt. Das fängt spätestens beim nicht-blinken im Straßenverkehr an.

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Empathische Menschen die beweisen, dass es eben doch anders gehen kann als nur nach seinem eigenen Wohl zu schauen. Und wissen wie man einen Blinker bedient.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Nein! *lautes Gelächter*
Trotz erwiesener Fingerfertigkeit habe mich selbst stets als handwerkliche Krücke bezeichnet.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Edward Norton in „Fight Club“. Und immer wieder Neymar.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Ganz klar: das Beamen. Science, do your magic...!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Schon durch die Wahl des Instruments liegt die Antwort ja auf der Hand: ganz klar als Einzelkämpfer. Das tut meiner Freude an gelungenem musikalischen Zusammenspiel natürlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Vielleicht weiß ich es dadurch sogar noch mehr zu schätzen, mit den lieben Kolleg*innen gemeinsam im Graben zu sitzen oder Kammermusik zu spielen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Immer dann wenn ich es grade nicht brauchen kann und wirklich überhaupt keine Zeit habe.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: (Fast) alles über Werder Bremen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Versuchen den Fokus tatsächlich einmal auf die Kulturschaffenden zu richten.
Weg von Wirtschaft und der ach so vergötterten Automobilindustrie...(mir sind kurzzeitig die Augen zugefallen. Was doch mitunter für langweilige Menschen in diesen Branchen tätig sind...). Ich bin wirklich der Meinung, dass die Kulturschaffenden, die für so viel Lebensqualität (die ja stets angestrebt wird), für so viel Genuss sorgen einfach mehr Beachtung und Unterstützung finden sollten und schlicht mehr Respekt verdient haben.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: „Ernsthaft, liebe Kinder: Augen auf bei der Berufswahl!“ oder getreu nach Iron Maiden:
„The loneliness of the long distance runner"“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Das ist derzeit tatsächlich nicht so leicht zu beantworten, da das Pendel gefühlt in alle Richtungen ausschlagen kann. Und da gibt es sicher stets für beide Seiten genügend und durchaus gleich gute Argumente.
Ich persönlich wünsche mir, wie gesagt, dass nicht immer erst ganz zuletzt an das "Luxusgut" Kultur gedacht und endlich verstanden wird, dass wir genauso „systemrelevant“ und dafür zuständig sind, dass das Leben erst lebenswert wird.
Und wenn man schon träumen darf stelle ich mir die Zukunft mit einem Erstligisten Werder Bremen vor.
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