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82. Frauen in der Astronomie
Mittwoch 01.07.2020
82. Frauen in der Astronomie
Der Monat Juli bringt uns keine gravierenden Änderungen der Beobachtungsmöglichkeiten. Zwar werden die Tage jetzt wieder kürzer und damit verlängert sich auch die für das Aufsuchen der Himmelsobjekte wichtige nächtliche Dunkelheit, doch noch ist dies kaum nachvollziehbar. Im Vergleich zwischen Monatsanfang und Monatsende verschieben sich Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nur unmerklich um jeweils eine halbe Stunde, sodass die Tageslänge gerade einmal um eine ganze Stunde abnimmt. Das Sommerdreieck und die Planeten Jupiter, Mars und Saturn bestimmen die nächtliche Szenerie (Kosmos 81).
In der Geschichte der astronomischen Entdeckungen sind Frauen in den vergangenen Jahrhunderten äußerst rar gesät. Dies lag nicht nur an den fehlenden Frauenrechten, der sicherlich wissbegierigen jungen Damen, sondern auch an den rigiden Zulassungsbeschränkungen der jeweiligen astronomischen und physikalischen Fakultäten: Frauen im Hörsaal? Undenkbar! So waren es bis zur Öffnung der Studiengänge oftmals nur Zufälle oder verwandtschaftliche Beziehungen, die Frauen in den Berufsstand der Astronomin erhoben. Doch der Reihe nach: Schon der erste Exkurs einer Frau in die klassischen Wissenschaften endete mit einer grausigen Geschichte. Die um 355 in Alexandria geborene Hypatia war die erste Frau, der weitreichende Kenntnisse in der Astronomie und Mathematik nachgesagt wurden. Direkte Beweise dafür gibt es nicht, denn all ihre Schriften wurden vernichtet. Ihr scheinbarer Frevel bestand in den Unterrichtsvorträgen, die sie öffentlichen abhielt. Ein aufgestachelter Mob soll die einer nichtchristlichen Sekte angehörige Hypatia in eine Kirche verschleppt und dort getötet haben. Anschließend - so ist überliefert - habe man ihre Leiche zerstückelt und auch sonst alle Spuren ihres Daseins beseitigt.
Sophie Brahe und Caroline Herschel wurden hingegen in ihrer Zeit kaum bekannt, denn als Schwestern der großen Astronomen Tycho Brahe (siehe Kosmos 58) und Wilhelm Herschel (siehe Kosmos 41) fristeten sie zunächst eher das Dasein von helfenden Beobachterinnen oder minutiösen Protokollantinnen. Erst später konnten beide mit ersten wissenschaftlichen Arbeiten für Aufsehen sorgen.
Elisabetha Koopmann, die zweite Frau des Danziger Bierbrauers, Bürgermeisters und Astronomen Johannes Hevelius unterstützte die Arbeit ihres Mannes schon so weitreichend, dass sie durch intensives Beobachten in der Lage war, 1690, drei Jahre nach dem Tod ihres Ehemanns, den von ihm angelegten Sternkatalog abzuschließen.Heute haben Frauen, deren Ehemänner ebenfalls bekannte Astronomen sind, ihre völlig eigenständigen Karrieren. So gilt Jana Tycha als anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Kometenkunde, sie hat mehrere Asteroiden entdeckt und leitet gemeinsam mit ihrem Mann Milos Tichy eine Sternwarte.
Eine weltbekannte Kometenentdeckerin ist Carolin Spellman, die gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Eugene Shoemaker den Kometen Shoemaker-Levy 9 entdeckte, dessen Kollision mit dem Planeten Jupiter im Juli 1994 als eines der Jahrhundertereignisse der Astronomie gefeiert wurde. Sie steht damit ganz in der Tradition von Maria Margaretha Kirch, die 1702 einen Kometen entdeckte und damit als erste Frau gilt, der dies gelang und von der wir dies nachweislich wissen.
Maria Cunitz wurde 1650 durch das über 500 seitige Werk Urania propitia bekannt. In diesem lateinischen Lehrbuch unterstützt sie als erste Frau das neue heliozentrische Weltbild des Nicolaus Copernicus und korrigiert darüber hinaus sogar einige Ungereimtheiten in dessen Schriften.
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts waren Williamina Fleming und Henrietta Swan Leavitt tätig. Während Fleming ein System zur Klassifizierung von Sternen entwickelte und zahlreiche Gasnebel und Sterne entdeckte, gelang es Leavitt die periodische Leuchtkraftveränderung von Sternen in der Andromeda-Galaxis zu ermitteln. Die Entdeckung der sogenannten Cepheiden war letztlich der Grundstein dafür, dass die uns nächstliegende Galaxie mit einer Entfernung von mehr als einer Millionen Lichtjahren eingeordnet werden konnte. Dies weicht von dem heute gültigen Wert von 2,5 Millionen Lichtjahren zwar noch erheblich ab, aber für die damalige Zeit bedeutete dies einen gewaltigen Umbruch für die Entfernungsbestimmungen. Letztlich gab es sogar ein generelles Umdenken, denn bis dato galten alle Spiralnebel als Teil unserer eigenen Milchstraße. Henrietta Leavitt arbeitete dabei an der Seite von Edwin Powell Hubble (siehe Kosmos 30).
Ebenfalls in gemeinsamer Arbeit gelang es Jocelyn Bell Burnell mit Anthony Hewish im Jahre 1967 bei der Entdeckung des ersten Pulsars im Krebsnebel die Existenz von Neutronensternen nachzuweisen (siehe Kosmos 73).In der heutigen Zeit arbeiten viele Astronominnen an den verschiedensten Instituten und bekleiden zum Teil auch hochrangige Posten. So war die Kalifornierin Natalie Batalha maßgeblich an der Kepler-Mission beteiligt. Die britische Astrophysikerin Jo Dunkley ist eine der bekanntesten Kosmologinnen unserer Zeit und die österreichische Forscherin Lisa Kaltenegger ist Professorin an der Cornell-Universität in New York und leitet das dortige Carl-Sagan-Institute.
Und letztlich ist es auch Ann Druyan, die Witwe des großartigen Carl Sagan, die Erwähnung verdient. Wie ihr leider viel zu früh verstorbener Mann widmet sie sich unermüdlich der populärwissenschaftlichen Verbreitung der neusten Erkenntnisse der astronomischen Forschung unserer Tage.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt
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