In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. Lorenz Hargassner - Hits aus der 007 Filmreihe
2. Eva Klesse – Der treue Begleiter Zweifel
3. David Klein - Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat
4. Joo Kraus – Weniger Autos, mehr Musik
5. Xaver Himpsl - „Ich wünsche allen Kindern, dass sie etwas finden, was...
6. Norbert Leinweber: „Jammern nützt nichts!“
Bilder
Foto: Julia Knop
Freitag 20.11.2020
Lorenz Hargassner - Hits aus der 007 Filmreihe
Lorenz Hargassner hat sich erst mit 20 endgültig für das Saxophon entschieden. Nur vier Jahre später gründete er sein (heute preisgekröntes) Quartett, unter dem verpflichtenden Namen pure desmond. Natürlich stand für dieses Unternehmen, das bis heute in der Ursprungsbesetzung existiert, kein geringerer als der Meister des Cool Jazz, Saxophonist Paul Desmond Pate. Bekannt geworden in der Band um Dave Brubeck, hat der aus San Francisco stammende Altist ab Ende der 1950er Jahre auch Aufnahmen unter eigenem Namen veröffentlicht. Eines seiner bekanntesten Alben heißt, sie ahnen es: „Pure Desmond“.
Lorenz Hargassner besticht durch Eleganz und stilsicherer Ästhetik, durch eine virtuose, wie musikalisch hochprofessionelle Technik. Er fühlt sich, zumindest in dieser Besetzung, der Tradition verpflichtet. „Nebenher“ brilliert er noch im Lorenz Hargassner Quartett und ist, unter anderem, häufig mit dem einstigen Keyboardspieler der Miles Davis Band, Adam Holzman auf Tour.
Am 18. Dezember gastieren Lorenz Hargassners pure desmond um 19.30 Uhr in der Stadthalle Germering und präsentieren hier ihr neues Album „Pure Desmond Plays James Bond Songs“.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lorenz Hargassner: Wir (das sind meine ehemaligen Studienkommilitonen Johann Weiß an der Gitarre, Sebastian Deufel am Schlagzeug, Christian Flohr am Bass und ich am Saxophon) haben mit pure desmond einen gemeinsamen musikalischen Nenner gefunden, obwohl wir eigentlich aus ganz verschiedenen Bereichen des Musik- und Kulturlebens stammen. Wir haben uns aber "zusammen gerauft" und es geschafft, jedem Raum zu geben, das einzubringen, was er von sich mitbringt. Dadurch sind wir vielfältig an Ausdrucksformen, Ideen, Inspirationen und Möglichkeiten. Dennoch haben wir es geschafft, einen eigenen Stil zu finden, in dem wir uns alle wohl fühlen, eine Arbeitsweise zu entwickeln in den letzten 20 Jahren, die effektiv ist aber keine Kompromisse macht. Mit einem respektvollem Umgang miteinander.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LH: Unsere Musik soll eine Atmosphäre haben, die sowohl Menschen anspricht, die überhaupt nichts von Musik verstehen oder sich nicht weiter für Jazz oder andere Stilistiken und solcherlei Zusammenhänge interessieren, als auch "Afficionados" des West Coast Jazz der 1960er Jahre um Paul Desmond (und Jim Hall, Dave Brubeck, Chet Baker, um nur einige zu nennen) und der anspruchsvollen modernen Jazzmusik. Als Anknüpfungspunkt hat uns hier das Quartett des Saxophonisten von Dave Brubeck gedient, der auch den Welthit "Take Five" geschrieben hat und der sozusagen auch der "Namenspatron" von pure desmond ist.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LH: Wo soll ich denn da anfangen (lacht)! Normalerweise konzentriere ich mich nicht auf die Widrigkeiten, sondern darauf, warum ich weitermachen will. Es kann bei den vielen Widrigkeiten nämlich zum Beispiel schwer sein, sich zu motivieren, wenn man sich darauf fokussiert, dass es so viele Widrigkeiten gibt. Daher blende ich das lieber aus und konzentriere mich auf die Ziele, die wir haben und das Schöne, das das bedeutet.
Aber natürlich ist es nicht einfach, eine Band als freiberuflicher Musiker 20 Jahre zusammen zu halten. Abgesehen von künstlerischen Richtungsentscheidungen, die getroffen werden müssen, bedeutet das oft auch mit simplen existenziellen Fragen wirtschaftlicher Natur umzugehen. Letzten Endes sind wir als Künstlergruppe auch eine Art Unternehmen, das z.B. um Förderungen ansuchen, sich bei Preisen bewerben, sich entwickeln kann, in einem Markt, der sehr im Wandel ist (wer den Niedergang der Musikindustrie in den letzten Jahren verfolgt hat, kann sich davon ja ein Bild machen, was das heißt, sich da zu behaupten).
Und dann stellt sich natürlich immer die Frage nach der Investition von Zeit und der Finanzierung von Ideen, so wie jetzt, wo wir es mit einer "Go Fund Me" Kampagne versuchen, um unser aktuelles Album fertig stellen zu können. Da durch die Corona-Pandemie alle unsere Konzerte seit Februar 2020 weg gebrochen sind, können wir nicht, wie geplant, für die bei einer CD-Produktion entstehenden Kosten das nötige Geld verdienen durch die Arbeit mit der Band, was wir normalerweise natürlich versuchen.
Wir freuen uns übrigens über jede Unterstützung unserer Kampagne, jede kleine Spende hilft!
https://de.gofundme.com/f/cd-veroffentlichung-pure-desmond

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LH: Sehr beeindruckend war unsere Reise auf das Schilthorn, einen Berg in den Schweizer Alpen. Dort haben wir auf dem Panorama-Restaurant auf dem Gipfel (dem "Piz Gloria"), das ein Original-Schauplatz eines James-Bond-Streifens ist, für den Fernsehsender ARTE zwei Videos aufgenommen, in denen wir Musik aus unserem neuen Album spielen. Diese Filmaufnahmen sind gleichzeitig die Ton-Aufnahmen zum neuen Album gewesen (Sie können uns also sozusagen beim Aufnehmen der Platte zusehen). Das "Piz Gloria" hat sich hier angeboten, weil es in unserem neuen Album um Bearbeitungen der bekannten Hits aus der 007 Filmreihe in unserem persönlichen Sound geht.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LH: Das würde wahrscheinlich jeder aus unserer Band anders beantworten. Wir sind aber auf jeden Fall alle sehr Sound-affin, also wenn es gut klingt in dem Raum, in dem wir spielen oder aufnehmen, das ist schon sehr schön. Denn wir können mit einem guten Raum auch sehr gut arbeiten und dann unsere besten Ergebnisse erzielen. Uns ist es besonders wichtig, dass die Musik gut klingt und eben die besondere Atmosphäre entsteht. Das hat auch die Jury zum "Preis der deutschen Schallplattenkritik" so gesehen, als sie uns zugeschrieben hat: „Eine edle, kammermusikalische Ästhetik: durchsichtig, überschaubar, linear, kontrolliert emotional und zurückgelehnt bis zur totalen Entspannung“.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LH: Die Art von Musik, die wir machen, höre ich selber sehr gerne, vielleicht am liebsten - darum mache ich sie ja! Und natürlich höre ich immer wieder gerne unsere Vorbilder vom Dave Brubeck Quartet, oder Miles Davis. Aber ich habe ein breit gefächertes Interesse an Musik, meine Kollegen ja auch, das ist ja genau das Interessante an unserer Zusammenarbeit, finde ich. Unser Drummer steht z.B. sehr auf Neue Musik aber auch auf das, was zeitgenössische deutsche Singer/Songwriter machen, unser Bassist ist vor allem in Funk und R&B zuhause und unseren Gitarristen würde ich beim Blues und Rock verordnen. Ich selber komme eigentlich von der Klassik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LH: Neuerdings sehr gerne Vinyl, aber vieles habe ich immer noch auf CD. Ich bin ein Kind der 1980er und 1990er und das war die Hoch-Zeit der CD, dementsprechend groß ist meine Sammlung (und dementsprechend gewöhnt bin ich auch immer noch an diese spezielle Haptik mit den Booklets und so). Leider habe ich nicht so viele Schallplatten, dass ich nur Vinyl hören könnte.

KK: Was lesen Sie momentan?
LH: Ich selbst lese gerne Autoren wie Jonathan Franzen, Juli Zeh, Jeffrey Eugenides oder Daniel Kehlmann. Gerade habe ich "Die Geheime Geschichte" von Donna Tartt fertig gelesen, das war auch eine tolle Lektüre.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LH: Respektlosigkeit und Engstirnigkeit. Wenn Menschen sich nicht vorstellen können, dass es woanders anders ist und dass das auch gut sein kann. Ich bin als Wiener, der in Hamburg lebt, u.a. in New York und in Berlin studiert hat und auf verschiedenen Konzertreisen die halbe Welt gesehen hat (mit pure desmond z.B. waren wir ja auch schon in der Gegend um Hongkong auf Tour) immer wieder erstaunt, wie klein der Horizont von so vielen Menschen ist. Und was dann daraus entsteht an Missverständnissen, Ressentiments, Unterstellungen, Vorurteilen und leider auch einer gewissen Arroganz. So wie es "bei uns" ist, muss es doch nicht "richtig" sein. Vielleicht jetzt gerade, hier für uns. Aber woanders eben nicht. Diese Andersartigkeit respektieren zu lernen (und sich das Ausmaß wenigstens ansatzweise vorzustellen), das wünsche ich mir von der Welt...

KK: Was freut Sie ungemein?
LH: Wenn jemand ehrlich und empathisch ist. Wenn Menschen sich trauen, sich zu zeigen und nicht nur "cool" oder irgendwie angemessen erscheinen wollen. Und ich mag guten Geschmack (was auch immer das ist...) - also wenn jemand etwas Schönes in die Welt bringt, sich gut anzieht, einen schönen Garten pflegt, eine schöne Sprache kultiviert, was auch immer. Schönheit und Ästhetik sind genauso wichtig wie Effizienz und Leistung.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LH: Nein, das kann ich gar nicht (lacht)! Ich habe echt zwei linke Hände. Ich bin für einfache Verrichtungen im Haushalt zu gebrauchen, aber bitte lassen Sie mich nicht eine IKEA-Küche zusammen bauen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LH: Bevor wir uns mit pure desmond den James Bond Filmen zugewandt haben, waren wir ja mit unserem Programm "Audrey" auf Tour. Im Zuge der Arbeit an unserem gleichnamigen Album habe ich mich intensiv mit Audrey Hepburn beschäftigt, um deren (halb fiktive) Beziehung zu Paul Desmond es dabei geht. Nicht zuletzt weil sie das Idol meiner Mutter war (vor allem als "Eliza Doolittle" in  der "My Fair Lady" fand sie sie toll) - aber ich fand es auch beeindruckend, wie sie sich zu einer wahren Stilikone entwickelt hat, zu einem Sinnbild, einem Ideal für einen ganz bestimmten Typ Frau sozusagen (ganz anders jedenfalls als beispielsweise eine Marilyn Monroe). So etwas ist selten und es wird vielleicht auch viel seltener, weil die "Typen" ja im 20. Jahrhundert definiert wurden. Ein George Clooney ist doch auf eine Art auch die "moderne Fassung" eines Sean Connery zum Beispiel (hm, der wäre vielleicht auch ein guter Bond-Darsteller..?). Einen interessanten modernen "Typen" finde ich in dem Zusammenhang vielleicht Johnny Depp, aber nicht bezogen auf irgendeinen speziellen Film. Und so jung ist der auch nicht mehr...

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LH: Da gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel hätte ich gerne ein gut funktionierendes Tool für das Band-Booking. Das könnte einem viel Arbeit abnehmen. Ideen in diese Richtung hatte ich schon, irgendwann werde ich sie in die Tat umsetzen, hoffentlich... (lacht). Außerdem habe ich Ideen für Bücher, u.a. für ein Lehrbuch für das Improvisieren auf dem Saxophon (das, an das ich denke, gibt es nicht). Oder für eines, in dem es darum geht, sich mit dem Wachhalten seiner Motivation (zu üben) zu beschäftigen. Ich habe auch Romanideen, aber ich glaube, man unterschätzt, was es bedeutet, wirklich einen guten Roman zu schreiben.
Ich würde auch gerne mal einen richtigen Hit schreiben. Ein Stück, das die Menschen bewegt und das sie nicht mehr vergessen, das aber trotzdem geschmackvoll und stilvoll ist und einen interessanten Text hat, der zum Nachdenken anregt. So eingängig wie "Atemlos", aber eben nicht so platt. Dann eben doch lieber wie "Take Five"... (lacht)!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LH: Als Teamplayer, das ist für mich eine klare Sache. Das ist es ja, was mir so Spaß macht an pure desmond - dass die Last nicht allein auf meinen Schultern ruht. Gemeinsam ist man viel stärker und an den Konflikten in einer solchen jahrelangen Beziehung kann man nur reifen (wenn man sie denn durchsteht). Das ist ein Korrektiv. Anstrengend natürlich auch, diese Reibung. Aber das "schleift einen eben ab" (lacht).

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LH: Entweder, wenn ich nicht versuche, einen Einfall zu haben, wenn ich ganz bei mir bin und sozusagen ganz "im Gefühl". Dann ist man transzendent, glaube ich, dann verbindet man sich mit "dem, was wichtiger ist, als alles andere". Das sind die magischen Momente. Oder, wenn ich kreativ sein muss und will, mit einer Deadline. Dann kreise ich das Ziel nach dem Ausschluss-Verfahren ein, indem ich so lange Optionen ausschließe, bis nur noch eine Möglichkeit übrig bleibt - und die mache ich dann. Das ist die effektive Art, kreativ zu sein, die kann aber auch sehr hochwertige künstlerische Ergebnisse zur Folge haben. Kreative Arbeit ist auch Arbeit.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LH: Ich bin ja seit einiger Zeit viel auf YouTube unterwegs und sehe mir gerne Video-Blogs (sogenannte VLOGs) an. Vor allem die Reihe von Bob Reynolds (dem Saxophonisten von Snarky Puppy, John Mayer u.v.a.) hat es mir da angetan, er hat mich auch dazu inspiriert, es selbst einmal zu versuchen mit so einem Video-Tagebuch. Ich habe dann unsere gesamte "Audrey"-Tour mit pure desmond und die Arbeiten danach mit einem eigenen VLOG auf unserem YouTube-Kanal begleitet und erzählt.
Außerdem habe ich mich im Zuge des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 an einer davon losgelösten VLOG-Reihe "in eigener Sache" versucht, in der ich mein Leben als Künstler ein bisschen beschreibe und die Gedanken, die ich mir zu verschiedensten Dingen mache. Ich bin einfach ein Bühnenmensch und ziehe das "Performen" vielleicht dem Schreiben von langen Texten vor - obwohl ich sagen muss, dass ich das Video-Machen mittlerweile (seit es in meinem Leben regelrecht inflationär geworden ist) auch ganz schön anstrengend finde.
Bei Nachrichten halte ich mich an die gängigen Medien wie Spiegel Online, Zeit Online oder tagesschau.de. Aber am liebsten lese ich Texte eher auf Papier. Daher kaufe ich mir auch gerne mal altmodisch eine Zeitung.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LH: Hm, vielleicht "Diversityville", nach einem Zitat von Paul Desmond. Oder "Keep the channel open", nach einem Zitat von Martha Grimes. Oder auch "Prokrastination", das wäre auf jeden Fall ehrlich... (lacht)! Da müsste ich länger drüber nachdenken, das kann ich jetzt nicht so ad hoc sagen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LH: Oje... hoffentlich gut. Aber in Zeiten wie diesen, zweiter Corona-Lockdown, Trump-Raserei, islamistisches Attentat in meiner Heimatstadt Wien, da braucht es schon eine ganze Menge guten Willens, um positiv in die Zukunft zu blicken. Andererseits hat sich die Menschheit (und unsere Gesellschaft, ja sogar unsere Generation!) schon aus vielen misslichen Lagen befreit oder jedenfalls sie überstanden, z.B. die Bankenkrise vor einigen Jahren. Ich kann nur sagen, wie ich mir die Zukunft wünsche, und das ist eine Zukunft mit mehr Gerechtigkeit und Empathie, mit mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt. Vielleicht muss es wieder einmal krachen, damit die Welt (oder Deutschland, oder Europa) versteht, dass das wichtig ist. Aber ich hoffe, wir kriegen das anders hin. Schließlich gibt es auch genug Leute, die das wollen. Wenn wir es uns recht überlegen, werden wir sogar feststellen: Wir sind mehr.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Bilder
© by Sally Lazic
Samstag 31.10.2020
Eva Klesse – Der treue Begleiter Zweifel
Eva Klesse gilt als die erste Jazzprofessorin Deutschlands. Als Schlagzeugerin versteht sich! Das kommt in der noch immer von Männern dominierten Welt des Jazz nicht allzu oft vor. In der FAZ war schon vor einigen Jahren zu lesen: „Dank interessanter Melodien und Harmonien ist der Jazz des Eva Klesse Quartetts für unterschiedliche Hörer attraktiv und doch weit vom Mainstream entfernt.“
2013 gründete sie ihr Quartett, das seitdem drei Alben vorlegte, quer durch Europa, Südamerika, Malaysia und Ägypten tourte und auf namhaften internationalen Festivals vertreten war (Berliner Jazzfest, Buenos Aires Jazzfestival oder dem 12 Points Festival in Irland). Ihr neuster Streich, „Creatures & States“, erschien vor zwei Wochen bei Enja/Yellowbirds Records in München. Ein Album voll spannender Momente, angereichert mit wunderbar atmosphärischen Essenzen, improvisatorischen Großtaten, impressionistischen Zwischenrufen und jeder Menge rhythmischer Variationen. Ihr begleitendes Schlagzeugspiel lebt von einer organischen Tiefe, die die gesamte Musik zusammenhält und ihr eine vorwärtstreibende Richtung gibt und in seiner emotionalen Spannweite besticht..

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Eva Klesse: Weniger Faktoren als viel mehr Menschen auf meinem Weg: Lehrer*innen, Mentor*innen, Vorbilder, Begegnungen auf Reisen und generell in anderen Gegenden der Welt, Mitmusiker*innen, Freund*innen und Familie.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
EK: Wenn es uns gelingt, Menschen mit unserer Musik zu berühren, dann macht mich das sehr froh.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
EK: Mit den Tücken des Musiker*innen-Nomaden-Lebens und der nicht vorhandenen Trennung von Privat und Beruf, mit den generell prekären Arbeitsbedingungen im freien Kulturbetrieb (und deren Verschärfung durch gelegentlich auftretende Pandemien :) und natürlich mit dem treuen Begleiter Zweifel.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
EK: In letzter Zeit natürlich z.B. der Shutdown. Von einem auf den anderen Tag das eigene Leben - wie man es kannte - vor einem Zusammenbrechen zu sehen. Das Gefühl der Machtlosigkeit, das Gefühl, die Dinge nicht mehr selber in der Hand zu haben, den eigenen Beruf nicht mehr ausüben zu dürfen. Die verschiedensten Reaktionen der Menschen auf all diese Phänomene, positiv wie negativ.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
EK: Musikalisch gesehen die Momente, in denen wir aufhören zu denken, eins sind im Klang innerhalb der Band und mit dem Publikum, in denen wir fliegen. Ansonsten: immer die Momente, in denen ich gemeinsam mit anderen etwas (er-)schaffen und bewegen kann.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
EK: Ja, ich höre Musik. Allerdings nie im Hintergrund oder "nebenbei" - wahrscheinlich eine Musiker"krankheit", dass das nicht möglich ist. Ich mag Musik, die ernst gemeint ist, mit Herz gemacht, die mich berührt und die nichts beweisen will oder muss, ganz unabhängig von Genre und Professionalitätsgrad der Musikschaffenden. Das kann Klassik sein, Hiphop, französische Popsongs, Jazz oder noch etwas ganz anderes.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
EK: Weder noch ehrlich gesagt. Meist dem Nomadenleben geschuldet (siehe oben) höre ich Musik in digitaler Form.

KK: Was lesen Sie momentan?
EK: U.a. die Joni-Mitchell Biographie, "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" (Alice Hasters), "Ja heißt ja und" von Carolin Emcke und "Men explain things to me" von Rebecca Solnit.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
EK: Ungerechtigkeit, Rassismus, Homofeindlichkeit, Misogynie, Unfreundlichkeit, Egomanie und Ignoranz.

KK: Was freut Sie ungemein?
EK: Mich erfreuen schöne & fruchtbare Begegnungen mit anderen Menschen, Neues zu erfahren und zu lernen, Reisen  - und aber auch wieder zu Hause ankommen, gutes Essen & Genuss, Bewegung in der Natur und of course Musik.
Mich *freut*, dass ich das Gefühl habe, dass die Generationen nach meiner eigenen weiter sind als wir das waren, im Umgang mit Themen wie Gerechtigkeit, Gleichstellung, Diversität etc. - das gibt mir Hoffnung.
Außerdem freut es mich ungemein, wenn Menschen nach unseren Konzerten zu uns kommen und sagen "Das war Jazz? Ich dachte immer, ich mag keinen Jazz. Aber DAS hat mir richtig gut gefallen."

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
EK: Gemacht nicht, bearbeitet schon (Schlag in Hosen eingenäht z.B. - back in the days :).

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
EK: z.B. von Sophie Rois im Film "Drei". Und, gerade neu entdeckt: Phoebe Waller-Bridge! (z.B. in Fleabag)

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
EK: Eine Brille, die ermöglicht, die Welt mit den Augen einer anderen Person sehen zu können.
 
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
EK: Das kommt drauf an. Am liebsten natürlich Teamplayer, aber alle Kunst und damit auch die Arbeit an einem Instrument/das Schreiben von Musik setzen ein gewisses Maß an Einsamkeit voraus. Im Grunde, denke ich, leistet man als Musiker*in Arbeit im Einzelkämpfer-Modus, um dann ein noch besserer Teamplayer werden zu können.
 
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
EK: Nachts. Beim Laufen, Joggen, Spazierengehen. Im Zug. Auf meinem Denk-Sofa. Auf Hiddensee. Und im Gespräch mit klugen Köpfen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
EK: Tagesschau, Zeit, Süddeutsche, Do the Math (der Blog von Ethan Iverson) zum Beispiel. Und die Kolumne von Margarete Stokowski auf Spiegel.de.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag StaatsministerIN für Kultur wären?
EK: Ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, die freie Szene stärken, freie Spielstätten und Ensembles fördern. Die Kolleg*innen der anderen Ministerien anrufen, um den Spitzensteuersatz zu erhöhen, sozialen Wohnungsbau zu fördern, Fahrradwege auszubauen und und und. Ein langer Tag wäre das! :)

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
EK: Ich sehe wirklich zur Zeit keine Dringlichkeit, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Aber: es gibt noch sehr viele Autobiographien bedeutender Persönlichkeiten, die ich gern lesen möchte!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
EK: Wahrscheinlich ähnlich aufreibend und schön zugleich wie die Gegenwart.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Montag 19.10.2020
David Klein - Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat
Bis vor kurzem tourte David Klein noch mit der Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabais durch die Lande. Damals noch in Vorfreude auf das 3. gemeinsame Album „Jagd auf Rehe“, das mittlerweile erschienen ist. „Stilvoll, charmant, gut“, urteilte die Zeitschrift stereoplay im Juni dieses Jahres knapp.
David Klein, Saxophonist, Schlagzeuger, Komponist, Produzent und vieles mehr, tummelt sich schon eine Weile in der Szene. Geboren 1961 in Basel als Sohn des berühmten Jazzmusiker-Ehepaars Oscar und Miriam Klein, arbeitete er schon früh mit vielen bekannten Solisten der Jazzszene (Kenny Clarke, Sir Roland Hanna, Billy Cobham, Kirk Lightsey). Er studierte am Berklee College of Music in Boston, gründete Mitte der 1980er Jahre die Klezmer-Band Kol Simcha, komponierte Filmmusik (Gripsholm) und fürs Fernsehen (Das Wunder von Mogadischu) und produzierte 2001 mit internationaler Band eine Hommage an Marilyn Monroe ("My Marilyn").
Ende Oktober sind Jasmin Tabatabai und das David Klein Quartett noch für eine Konzerte in Deutschland unterwegs: 30.10. Jazztage Dresden (Ostra Studios), 31.10. Magdeburg (Theater).

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
David Klein: Die Liebe meiner Eltern und das große Glück, in einem sehr harmonischen Abschnitt der Familiengeschichte geboren und aufgewachsen zu sein. Das hat mir ein Urvertrauen beschert, das ich gerne als „Euphorische Verstimmung“ bezeichne.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DK: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich mache Musik, die ich selbst gerne hören würde und wenn andere Menschen sie auch gerne hören, freut mich das natürlich umso mehr. Ich habe auch keinerlei Berührungsängste mit irgendwelchen Genres. Ich habe Klezmer gemacht, Schlager, habe Gedichte vertont, Filmmusik geschrieben, Funk und moderne Klassik gespielt, obwohl ich keine Noten lesen kann, was das Sinfonieorchester, welches mich engagierte, aber nicht wusste.

Wir spielten als Jazz-Quintett in Hans Werner Henzes „Maratona di Danza“. Wir hatten als Band viel Freiraum und der Dirigent hatte an manchen Stellen die geschriebenen Noten gestrichen, wir sollten dort stattdessen improvisieren. Ein Freund nahm mir meine Stimme mit Flöte auf Kassette auf und ich lernte alles auswendig. Das ging so lange gut, bis der Dirigent eines Tages sagte: „David, spiel bitte von Takt soundso bis Takt soundso nun doch was geschrieben steht.“ Ich antwortete: „Das würde ich gerne tun, wenn ich nur wüsste, was da steht, ich kann nämlich keine Noten lesen.“ Das Orchester brach in schallendes Gelächter aus.

Auch wenn ich ausschließlich Musik ohne Kompromisse mache, finde ich, wenn man auf die Bühne geht, ist man dem Publikum etwas schuldig. Ich sitze oft zu Hause auf dem gemütlichen Sofa und plötzlich fällt mir ein, dass diese oder jener in Basel, wo ich lebe, auftritt. Und oft bleibe ich auf meinem Sofa sitzen und schau mir den Act später auf Youtube an.

Aber unser Publikum steht eben vom Sofa auf, musste vermutlich einen Babysitter organisieren, geht bei Wind und Wetter nach draußen, legt womöglich eine längere Strecke zurück, um zum Konzertort zu gelangen, zahlt Eintritt, um sich zwei Stunden Kultur anzutun - nicht als lästige Pflichtübung des Bildungsbürgertums, sondern aufmerksam und interessiert - es zeigt uns seine Wertschätzung, indem es frenetisch applaudiert und am Ende kaufen die Leute auch noch CDs. Ohne diese kulturbegeisterten Menschen wären wir als Kulturschaffende gar nichts. Diese Menschen sorgen dafür, dass das Land der Dichter und Denker nicht zum Land der Dieter (Bohlen) und Nicht-Denker verkommt. Vor diesen Menschen verneige ich mich in Demut, Hochachtung und tiefer Dankbarkeit.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DK: Geldmangel.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DK: Meine zwei Kinder aufwachsen zu sehen und wie unschlagbar großartig ihre Mutter ist.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DK: Durch tägliches Üben besser zu werden. Oder wie die Japaner sagen: „Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein.“

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DK: Ich höre jede Art von Musik. Platon bezeichnete Musik als ein „moralisches Gesetz, das unserem Herzen eine Seele schenkt, den Gedanken Flügel verleiht, die Fantasie erblühen lässt und allem erst Leben schenkt.“
Ich halte mich an Kurt Weill, der sagte, er hätte den Unterschied zwischen ernster und leichter Musik nie anerkannt. Für ihn gebe es nur gute und schlechte Musik. Oder wie Karl Valentin sagte: «Wenn's oana ko, isses koa Kunst. Wenn's oana net ko, isses oa koa Kunst.»

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DK: Youtube.

KK: Was lesen Sie momentan?
DK: Zeitungen und Blogs.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DK: Politik, Redeverbote, Gesinnungsdiktatur und als „Israelkritik“ camouflierter Antisemitismus.

KK: Was freut Sie ungemein?
DK: Dass meine Familie und ich gesund sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DK: Ich habe im Flur unserer Wohnung eine Garderobe für Kinder- und Erwachsenenkleider gebaut. Als Kind habe ich mir Winnetous bestickte Weste nachgemacht und Kostüme/Masken für die Basler Fasnacht. Als Jugendlicher habe ich meine Kleider modifiziert, um meinem damaligen Idol Jimi Hendrix so ähnlich wie möglich zu sein (ich spielte damals noch Gitarre als Hauptinstrument). Später habe ich mich wie Reinhard Mey gekleidet, den ich sehr verehre, beige Hose mit weißem oder kariertem Hemd (mit oder ohne Gilet) oder einfacher gesagt: wie ein Primarlehrer.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DK: Witta Pohl in einer Szene in „Diese Drombuschs“, in der sie in Tränen ausbricht. Aber ich liebe auch Hans Moser, Marilyn Monroe oder Peter Lorre („M-Eine Stadt sucht einen Mörder“). Als absoluter Filmfan beeindrucken mich schauspielerische Leistungen, die eher nonchalant daherkommen. Leute wie de Niro oder Meryl Streep, die ihrem eigenen Hype glauben und einem immer zu sagen scheinen, wie grossartig sie doch sind, langweilen mich.
Ganz schlimm war Bruno Ganz als Hitler in Eichingers „Der Untergang“: schaut alle her, der beste Hitler, der je gegeben wurde! Wahrhaftigkeit ist wichtig. Es gibt eine herrliche Geschichte von Billy Wilder. Der hatte einem Schauspieler nach einem Take gesagt, dass er noch ein bisschen weniger machen soll. Die Szene wurde wiederholt und Wilder sagte: Großartig, aber mach noch weniger. Das ging etliche Male so, bis der Schauspieler entnervt moserte: Wenn ich jetzt noch weniger mache, dann spiele ich ja gar nicht mehr! Darauf Wilder: Genau!

Mir geht es mit der Musik und vor allem mit Gesang gleich. Ich liebe ungekünstelten Gesang. Also Gesang, der sich nicht mit inhaltsloser Stimmakrobatik versucht in Szene zu setzen. Deshalb verehre ich auch Billie Holiday, die größte Jazzsängerin, die je gelebt hat (sie starb übrigens mit 44 Jahren verarmt in einem New Yorker Spital, ihr Erspartes, ganze 47 Dollar, trug sie auch im Spitalbett immer auf sich). Ich liebe Sängerinnen wie Jasmin, die dir eine Geschichte erzählen, die man auch glaubt. Es gibt Sängerinnen, die schreien einem eine Geschichte ins Ohr, hüpfen auf der Bühne rum und gebärden sich, scatten womöglich noch, aber glauben kann man davon gar nichts.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DK: Ich erfinde gerade diverses Zubehör für Saxophon.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DK: Der Journalist Jürgen Serke nannte mich einen „Allesalleinemacher“, Ute Lemper einen „Diktator“. Aber mit meiner Klezmer-Band Kol Simcha war ich auch 20 Jahre ein Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DK: Im Kino.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DK: neffmusic.com, bestsacophonewebsiteever.com, achgut.com, gatestone.com und viele andere.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DK: Nachdem ich alle gefeuert und kompetente Protagonisten eingestellt hätte, würde ich als Erstes die Finanzierung von CDs von professionellen Musikern wiedereinführen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich CDs nicht mehr verkaufen. Um jedoch auf dem hart umkämpften Konzertmarkt bestehen zu können, braucht man als Künstler rund alle zwei Jahre ein neues Programm, sonst wird man von den Veranstaltern, bei denen man bereits aufgetreten ist, nicht mehr gebucht. Das ist durchaus verständlich, denn man kann dem Publikum nicht jahrelang das gleiche Repertoire vorsetzen.

Komponieren und Konzerte spielen ist für jeden Künstler unerlässlich. Einerseits, um sich musikalisch weiter zu entwickeln, andererseits, um sich einen Namen zu machen (und diesen zu pflegen), denn Konzerte bedeuten auch immer Präsenz in den Medien (Vorberichte, Rezensionen etc.) und natürlich generiert man mit Konzertauftritten auch Einnahmen, denn auch Musiker und Komponisten leben nicht nur von Luft und Liebe.

Was das Ganze erheblich erschwert, ist, dass die Veranstalter neben dem neuen Programm auch auf einer neuen CD-Veröffentlichung bestehen. Dies, obwohl der Markt für den CD-Verkauf aufgrund der Streaming-Plattformen völlig eingebrochen ist. Nun könnte man die CD möglichst billig produzieren, ohne Promotion (Bekanntmachung in allen Medien), ohne EPK (digitale Pressemappe), ohne Werbung, ohne Video.

Das reicht den Veranstaltern aber nicht, denn diese vertrauen nach wie vor darauf, dass sich die Berichterstattung zur Veröffentlichung der CD in den Medien (Print, TV, Radio, Internet) positiv auf die Zuschauerzahlen an den Konzerten auswirkt. Das kostet.

In längst vergangenen Zeiten kamen die Plattenfirmen für diese Kosten auf, was aber bedeutete, dass der Künstler pro verkaufte CD mit einem Almosen abgespeist wurde. Die jeweiligen Label-Verträge umfassten nicht selten mehr als 40 Seiten, vollgepfercht mit Klauseln zu Ungunsten des Künstlers. Daran hat sich, trotz den Umwälzungen in der Musikindustrie, bis heute nichts geändert. Heutzutage zahlt zwar keine Plattenfirma mehr die Produktionskosten einer CD, aber noch immer wollen sie überproportional profitieren, sollte etwas wider Erwarten ein kommerzieller Erfolg werden (was im Jazz so gut wie nie passiert).

Um die grösstmögliche künstlerische und unternehmerische Freiheit zu behalten, verzichten Jasmin Tabatabai und ich deshalb auf die Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma. Stattdessen finanzieren wir seit einigen Jahren unsere CD-Projekte in Eigenregie und veröffentlichen sie auf unserem eigenen Label JADAVI (JAsminDAVId), das vom deutschen Vertrieb Galileo vertrieben wird. Das ist natürlich nur mit der Hilfe von Stiftungen, Mäzenen, Freunden, Bekannten, aber auch staatlicher Förderung möglich.

Denn wirtschaftlich kann sich das nicht rechnen, wobei Kultur sich ja leider äußerst selten rechnet. Kultur war und ist nicht selbsttragend. Kein Theater, Museum oder Opernhaus könnte ohne Subventionen und Förderer bestehen. Strawinskys „Concerto in D“ hätte ohne den Basler Mäzen Paul Sacher ebenso wenig das Licht der Welt erblickt wie Mozarts „Così fan tutte“ ohne die Gulden des Kaisers Joseph II.

Ohne uns mit den oben genannten Koryphäen vergleichen zu wollen, aber grundsätzlich geht es jemandem wie uns, deren Projekte einen hohen künstlerischen Anspruch haben, nicht anders. In einer Industrie, in der das Formatradio eine kultur- und niveaulose Schreckensherrschaft innehat und das Fernsehen hauptsächlich der kontinuierlichen Verrohung und kulturellen Verwahrlosung unserer Gesellschaft durch „DSDS“ und Konsorten Vorschub leistet, ist es sehr schwer Projekte zu finanzieren, die sich abseits des „Mainstream“ bewegen.

Doch gerade diese Projekte sind wichtig, um der Tendenz entgegenzuwirken, Musik nicht länger als Kunstform zu behandeln, sondern als Massenware, die nach fragwürdigen Kriterien einem mediengesteuerten Publikum verramscht wird. Und letztlich ist eine CD ja auch immer eine Momentaufnahme des künstlerischen Schaffens und etwas, das man als Musiker und Komponist der Nachwelt hinterlassen möchte, und zwar in der bestmöglichen Qualität, was die Kosten natürlich nicht senkt.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DK: Arschlöcher.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DK: Ich lebe über meinen Verhältnissen, aber noch lange nicht standesgemäß. Vielleicht ändert sich das ja in Zukunft. Oder nochmal Karl Valentin: „Die Zukunft war früher auch besser.“
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Bilder
Montag 12.10.2020
Joo Kraus – Weniger Autos, mehr Musik
Joo Kraus gehört zu den vielseitigsten Solisten im Jazz und zugleich zu einem der gefragtesten Gastmusiker der Szene. 1966 in Ulm geboren hat er mit neun Jahren mit dem Trompete spielen begonnen. Angeregt wurde er von seinem Vater, ebenfalls Trompeter und sozusagen Förderer der ersten Stunde. Joo spielte schon mit 15 in der Big Band Ulm, gewann mit 19  den ersten Preis im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Anschließend studierte er in München, lernte zwischenzeitlich den Bassisten Hellmut Hattler kennen. Beide gründeten das Duo Tab Two, das überaus erfolgreich mit elektronischen Sounds experimentierte und mit einem Mix aus Jazz, HipHop, Latin und Rock etliche nationale und internationale Preise erhielt.
In den letzten zwei Jahrzehnten begeistert Joo Kraus als ein Wanderer zwischen den musikalischen Welten. Er spielte mit Omar Sosa, Paula Morelenbaum, Nana Mouskouri und DePhazz, war auf Tour mit Ivan Lins und Pee Wee Ellis und vor fünf Jahren Gast in Fürstenfeld mit der Ausnahmepianistin Marialy Pacheco.
Am 28. Oktober wird Joo Kraus wiederholt in Fürstenfeld zu Gast sein und gemeinsam mit dem Jazzchor Freiburg in der Reihe JAZZ FIRST auftreten.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Joo Kraus: Das wenn man wüsste… sicherlich meine Familie: Es war immer und überall Musik. Und dann war ich eher ein Spätzünder was mein männliches anging, da könnte ich als Musiker beeindrucken, dachte ich! Und so habe ich mich wirklich dahinter geklemmt. Geübt was das Zeug hält, und dann macht es mehr Spaß, dann übt man wieder mehr usw.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Geht mir immer um Menschen: Musik ohne Menschen damit zu berühren ist für mich keine richtige Musk. Nur Töne. Santana sagt: „What you put into your notes that reaches people’s hearts, that’s what music is about“. Teile ich zu 100%.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Zum einen das tägliche Üben: Trompete muss man eigentlich jeden Tag spielen, sonst wird es schnell sehr schlecht mit den Chops. Dann das Reisen: Ist schon nervig auf die Dauer. Aber das wird aufgewogen durch die Musik und die Musiker mit denen man zu tun hat! Klasse Leute sind das!

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JK: Wir als Band samt unserer Familien waren ein Wochenende bei Heini Staudinger (Chef von GEA ) in Schrems: Ein Schuhfabrikant und weiser Mensch und vorbildlicher Unternehmer. Das war schwer beeindruckend wie er sein Leben lebt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Ganz unterschiedlich: Mal eine Probe, mal wenn man ein Ständchen für einen Jubilar spielt, mal ein Riesenfestival: Auf jeden Fall immer wenn Menschen um einen rum sind und etwas tolles durch Musik passiert.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Ja, wieder relativ viel! Oft beeinflusst von meinen Kindern ( Anderson Paak, Moonchild, Mac Miller) oder wenn wir Musiker zusammenhängen und uns austauschen: So kam ich jetzt wieder auf die CRUSADERS. Und Earth Wind and Fire begleiten mich eh immer!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Beides, aber ich streame meist...

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Mehreres: BUT BEAUTIFUL von Erwin Wagenhofer, UPDATE FÜR DEIN UNTERBEWUSSTSEIN von Thimon von Berlepsch und JACK von Anthony Mc Carten.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Wenn Leute nicht wirklich zuhören

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Wenn sich Menschen verantwortungsvoll Gedanken über die Zukunft machen. Und wenn ich nen schönen Song geschrieben hab… und und und

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Yes: Früher ein bisschen mit meinen besten Freund Klamotten genäht. Und mal nen Tisch gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Michael Douglas in "Komminsky Methode“: Unfassbar!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Eine Empathie-Tablette

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Als Temaplyer, allerdings kämpfe ich schon auch oft zeitweise alleine vor mich hin...

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Oft wenn ich eigentlich Trompete üben sollte und dann noch kurz an meinem E- Piano rumklimpere… . Und  das kann man kultivieren beobachte ich: Je öfter man seine Ideen ernst nimmt und aufschreibt oder aufnimmt, desto mehr kommen die zu Dir ( die sagen sicher weiter, dass da einer ist, der Ideen auf die Welt bringen kann!)

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JK: Dies und das: Mit meinen Kids „Mr Wissen to go“ oder ich schaue Tutorials zu irgendwelchen Plug Ins.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Ich würde  die veralteten Strukturen und Lehrinhalte mancher Musikschulen und Musikhochschulen „erfrischen“. Und den Status der klassischen Musik gleichsetzen mit anderen Musikstilen.. Furchtbar wie das zum Teil hierzulande noch vorzufinden ist! Und E- Musik und U- Musik gäbs nicht mehr. Nur noch MUSIK.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JK: Oh…. noch eine Biographie? Das wird mir zu inflationär langsam: Jeder C Promi schreibt seine Memoiren auf! Nicht auch noch ich!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JK: Mit gemeinwohl-Ökonomie, weniger Autos, mehr Musik, weniger Konkurrenz - Blödsinn und Wettbewerbsmentalität… Mein Gott, was die Menschen sich für nen Stress machen: 80% hausgemacht!
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 22.09.2020
Xaver Himpsl - „Ich wünsche allen Kindern, dass sie etwas finden, was ihnen Spaß macht und Selbstbewusstsein gibt“
Bilder
Foto: Lena Semmelroggen
Musikalische Grenzen existieren für Xaver Himpsl einzig, um diese zu überwinden. Egal ob der Trompeter Mozart spielt oder Gershwin, ob er sich in der Band seines Vaters Franz Josef, der Unterbiberger Hofmusik, mit türkischer oder arabischer Folklore beschäftigt, ob er frei improvisiert, in seiner eigenen Formation brasilianische mit bayrischer Musik mixt, immer spürt man seine Freude und Leidenschaft, Stimmungen und außergewöhnliche Ideen über sein Instrument auszudrücken. Zudem hat er (zwei Semester) Physik studiert, später Kulturmanagement. Seine Trompetenlehrer waren die besten ihrer Zunft: Hannes Läubin, Reinhold Friedrich, Claudio Roditi und Bobby Shew.
Am 09. Oktober eröffnen Xaver Himpsl und seine Bavaschoro plus der Sängerin Dandara die 6. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche. Beginn des Konzerts: 19.30 Uhr im Veranstaltungssaal des Gilchinger Rathauses (am Rathausplatz 1).

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Xaver Himpsl: Meine Familie, unsere über die ganze Welt verstreuten Musikerfreunde, aber auch mein etwas abgedrehter Rollenspieler Freundeskreis hier in München. Ich bin sehr froh, dass mein Leben so gelaufen ist wie es ist. In jeder Situation hatte ich etwas auf das ich stolz sein konnte: mein Trompetenspiel. Ich wünsche allen Kindern, dass sie etwas finden, was ihnen Spaß macht und Selbstbewusstsein gibt. Bei der Musik ist außerdem die Möglichkeit interessante und coole Leute zu treffen sehr sehr hoch!

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
XH: Alle Leute die sich zwar unterhalten fühlen, aber dabei auf anspruchsvolles, musikalisches Programm nicht verzichten wollen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
XH: Im Moment tatsächlich mit den beschränkten Auftrittsmöglichkeiten durch die Corona-Pandemie, allerdings auch grundsätzlich mit der Tatsache, dass sich mit aufgenommener Musik kaum noch Geld verdienen lässt.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
XH: Unsere Tour nach Brasilien mit Bavaschôro im April 2019 war ein unglaubliches Erlebnis. Die kleine Sorge, dass die Brasilianer unsere Herangehensweise an ihre Musik nicht positiv sehen würden, hat sich Gott sei Dank als genau das Gegenteil herausgestellt. Sie verstehen zwar kein Bayerisch, aber selbst so haben sie ihren Spaß und finden die Übersetzungen lustig. Grundsätzlich muss ich sagen alle Touren in den letzten Jahren (Mit der Hofmusik zum Beispiel auch nach Ägypten, Tunesien, Marokko, Iran) waren unglaublich. Ich hoffe sehr, dass sie vielleicht nächstes Jahr wieder möglich werden. Das Gedenkkonzert zu Ehren unseres Onkels und Freundes Claudio Roditi, das vermutlich 2021 stattfinden wird, wollen wir auf jeden Fall irgendwie besuchen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
XH: Das Gefühl im Raum nach einem gelungenen Konzert, alle Beteiligten, ob Publikum oder Musiker sind sich näher gekommen. Das beste Gefühl von Gemeinschaft dass ich kenne.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
XH: Hauptsächlich Blues, Funk and Soul, aber auch Electro, Swing und Balkan.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
XH: Ich bin gerade wieder auch der Suche nach einem Plattenspieler und einem Platz dafür.

KK: Was lesen Sie momentan?
XH: Viel LitRPG (Verstehen nur Leute die schon Rollenspiele auf dem Computer oder im Pen and Paper gespielt haben.)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
XH: Die Tunnelsicht der Politiker auf die Autoindustrie. In den 13 Teilbranchen der Kreativwirtschaft ist fast soviel Geld unterwegs wie dort, allerdings mit viel mehr Beschäftigten.

KK: Was freut Sie ungemein?
XH: Das sich das langsam ein bisserl ändert.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
XH: Ja, einen Umhang für einen Magier den ich gespielt habe.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
XH: Tim Seyfi in „Komissar Pascha“ und  Andi Rinn in „Lord und Schlumpfi“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
XH: Einen Rucksack-Hubschrauber oder wie er bei Spireau und Fantasio heißt, der Fantaschrauber.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
XH: Teamplayer, bei dieser Familie gar nicht anders möglich ;-)

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
XH: Beim Radlfahren, wenn der Akku vom Handy aus ist und ich kein Hörbuch hören kann.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
XH: 9Gag, Sueddeutsche, Twitterperlen

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
XH: Falscher Ministerposten ;-) Es gäbe andere Posten, die ich lieber mal für nen Tag hätte. Wobei…etwas mehr Unterstützung für Touren ins Ausland, sozusagen ein Musikexportbüro wäre eine super Idee!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
XH: Das Leben ist ein Spiel. Im Notfall ganz fest blasen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
XH: Sehr unterschiedlich. Ich habe zu viele Utopien und Dystopien gelesen. Ich hoffe, es wird nicht wie in 1984. Aber ich hoffe sehr noch das tatsächliche Weltraumzeitalter zu erleben, nicht
das der Weltmächte, sondern der Privatwirtschaft. Ich befürchte allerdings einen Weltraumlift werden wir Menschen nicht sobald bauen.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Samstag 08.08.2020
Norbert Leinweber: „Jammern nützt nichts!“
Bilder
Foto Jazzchor Freiburg: Fotogråfin Lisa
Der Ausbruch der Cornona-Pandemie verändert das Leben der Menschen weltweit. Sowohl im ganz persönlichen, privaten Bereich, in der Arbeitswelt, als auch was die institutionellen Angebote und Aktivitäten betrifft. Besonders hart trifft es die Kulturbranche. Im März dieses Jahres wurden sämtliche Veranstaltungen deutschlandweit ausgesetzt, wodurch die Existenz vieler Künstler und natürlich auch Veranstaltungshäuser in Frage gestellt wurde. Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld hat als einer der ersten Kulturanbieter mit einem entsprechend ausgearbeiteten Konzept am 27. Juni seine Tore mit dem Klaviersommer für das Publikum erfolgreich geöffnet. Norbert Leinweber, Leiter des Fürstenfelder Veranstaltungsforum, spricht im folgenden über die Erfahrungen in den zurückliegenden Wochen und Monaten.


KultKomplott: Es war ja eine Art kulturelle Vollbremsung, die sie im März dieses Jahres vollziehen mussten. Wie haben Sie als Veranstalter die folgenden Monate erlebt?
Norbert Leinweber: Diese Vollbremsung war schon eine extreme Situation. In unseren knapp 20 Betriebsjahren waren Veranstaltungsverschiebungen bzw. -absagen ja bislang absolute Ausnahmefälle. Nach einer kurzen Phase der Schockstarre begann dann ab Ende März das große Verschieben von Künstlern, Terminen und Räumen und das Hoffen auf den möglichen Neustart. Dass dieser schließlich erst Ende Juni erfolgen konnte, haben wir nicht gedacht.
In die veranstaltungsfreie Zeit wurden Inventur-, Sonderreinigungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie alle möglichen organisatorischen und administrativen Aufgaben, die üblicherweise im Spätsommer und Herbst erledigt werden, vorgezogen. In Absprache mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde schließlich aufgrund der anhaltenden starken Einschränkung des Geschäftsbetriebs für einen großen Teil der Stammbelegschaft anteilige Kurzarbeit beantragt.

KultKomplott: Aber blicken wir nach vorn. Mit dem Fürstenfelder Klaviersommer haben Sie als einer der ersten Veranstalter Kultur wieder öffentlich zugänglich gemacht. Dafür haben Sie ein spezielles Konzept erarbeitet. Wie ist das angekommen – sowohl bei den Künstlern, als auch beim Publikum?
Norbert Leinweber: Am 16.06.20 wurde seitens der Staatsregierung angekündigt, dass ab dem 22.06.20 wieder bis zu 100 Besucher*innen für Kulturveranstaltungen in Innenräumen zugelassen sind. In Absprache mit dem künstlerischen Leiter Dinis Schemann haben wir dann umgehend beschlossen, den Fürstenfelder Klaviersommer in modifizierter Form zu veranstalten. Um möglichst vielen Musikfreunden Live-Erlebnisse bieten zu können, wurden alle Konzerte doppelt - also jeweils um 17.00 und um 20.00 Uhr – gespielt. Dass das die richtige Entscheidung war, zeigt der große Publikumszuspruch: Alle sechs Konzerte waren sehr gut besucht bzw. ausverkauft. Auch die Künstler waren glücklich endlich wieder ihrer Passion nachgehen zu können. Zudem hat sich auch unser Hygienekonzept gut bewährt und wir konnten so den ersten Schritt auf dem Weg in die „neue Normalität“ erfolgreich gehen.

KultKomplott: Jetzt steht das neue Programm für die zweite Jahreshälfte. War es schwierig, dieses zu organisieren?
Norbert Leinweber: Ja, allein die Koordination der Termine unserer acht Abonnementreihen untereinander ist schon sehr komplex. Und neben den Kulturveranstaltungen sind ja auch sämtlichen Messen und Publikumsveranstaltungen sowie der gesamte Seminar- und Tagungsbereich betroffen. Hinzu kommen erschwerend verschiedene Planungsunsicherheiten, vor allem in Bezug auf die maximalen Besucherzahlen und mögliche neue Einschränkungen bei einem kritischen Verlauf des Infektionsgeschehens. Aber jammern nützt nichts und natürlich muss die Gesundheit aller Besucher*innen, Künstler*innen und Mitarbeiter*innen an erster Stelle stehen.

KultKomplott: Auf was können sich die Besucher besonders freuen?
Norbert Leinweber: Bis Mitte August läuft noch der Fürstenfelder Kinosommer, direkt danach folgt unser „Kultur trotz(t) Corona“-Open-Air mit elf Show-Highlights im Stadtsaalhof. Besonders ans Herz legen kann ich hier die packende Artisten-Show „Kontraste“ (3. September, 21.00 Uhr), bei der Neuer Circus auf klassisches Varieté trifft.
Herzstück unseres Programms sind und bleiben die Veranstaltungen unserer Reihen JazzFirst, BluesFirst, Literatur in Fürstenfeld, Alte Musik in Fürstenfeld sowie der Theater- und der Konzertreihe. Die hochkarätigen Veranstaltungen dieser Reihen führen regelmäßig international renommierte Künstler und erstklassige Ensembles nach Fürstenfeld.
So etwa den JazzChor Freiburg, der in seinem neuen Programm „Infusion“ am 28.10.20 Revolutionäres wagt: Instrumentaltitel von Pat Metheny, Herbie Hancock und Esbjörn Svensson werden betextet und neu arrangiert. Gekonnt von Ausnahmetrompeter Joo Kraus begleitet, fusioniert der Chor diese Klangwelten auf nie dagewesene Weise.
Nach Sharon Eyals elektrisierendem „Soul Chain“ kehrt das Tanzensemble des Staatstheaters Mainz ins Veranstaltungsforum zurück. Das Stück „The Cell“, das Po-Cheng Tsai mit den Mainzer Tänzern entwickeln wird, steht für das vielfältige Entwicklungspotential von Zellen, für die unterschiedlichen Wachstumsphasen von Persönlichkeiten. Für die zerstörerischen wie schöpferischen Elemente des menschlichen Wesens, für die Einzigartigkeit des Individuums und die interaktive Kraft sozialer Gemeinschaften. Nach der Mainzer Uraufführung wird das Stück am 8. Januar 2021 in Fürstenfeldbruck seine süddeutsche Premiere feiern.
Ein besonderes Jubiläum feiert die Reihe Alte Musik in Fürstenfeld mit ihrer 10. Saison: Den Auftakt am 11. Oktober bestreitet die Capella Antiqua Bambergensis mit über 40 Musikinstrumenten und Liedern aus der Zeit von Walter von der Vogelweide. Freunde hochkarätiger Musik aus Renaissance und Barock erwarten außerdem weihnachtliche Flöten-, Harfen- und Hackbrettklänge, eine ungewöhnliche Großbesetzung sowie der bekannte Countertenor und Violinist Dmitry Sinkovsky mit Ensemble.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2020 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.