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Start: Freitag 19.05.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 28.01.2018
Dachau Bezirksmuseum: 500 Jahre Reformation
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Bezirksmuseum Dachau

500 Jahre Reformation
Zur Geschichte der Protestanten im Dachauer Land

19. Mai 2017 bis 28. Januar 2018

Die öffentliche Kritik Martin Luthers an den kirchlichen Missständen, insbesondere am Ablasshandel, verbreitete sich infolge der Erfindungen im Buchdruck im ganzen deutschsprachigen Raum wie ein Lauffeuer. Sie traf den Nerv der Menschen und stieß zunächst auch in Bayern auf Sympathien.
Die Bauern im Landgericht Dachau blickten über den Lech auf die blutigen Kämpfe ihrer unterdrückten Standesbrüder. Auch in den Hofmarken und Klöstern gärte es: 1528 wurden die adeligen Brüder Augustin und Christoph Perwanger, Anhänger der Täufer-Bewegung und Hofmarkbesitzer von Günzlhofen und Vogach, als Ketzer hingerichtet. Im Kloster Altomünster begeisterte sich Johannes Hausschein, genannt Oecolampadius für die reformatorische Sache und auf Schloss Odelzhausen finden wir in Johannes Mathesius, den ersten Biografen Martin Luthers.
Was als Widerspruch begann, endete mit der Abspaltung der evangelischen Kirche. Doch Bayern blieb gemäß dem Grundsatz cuius regio, eius religio katholisch. Erst in Folge des Religionsedikts von 1803 wanderten protestantische Familien aus der Pfalz ins Dachauer Land ein. Barbara Strohms Tagebuch verrät, wie sie sich fühlte, als sie zusammen mit ihren Eltern 1819 Wagenried im Landgericht Dachau erreichte: in einem fremden Land und nicht katholisch. Damals entstanden in Kemmoden und Lanzenried die ersten evangelischen Kirchenbauten. Doch war der Weg zum toleranten Miteinander nicht selten mühevoll. Man wolle wohl auch lieber ächt katholische Dornen, Disteln und Sümpfe, als ketzerische Wiesen und Futterkräuter haben, vermutete der Protestant Friedrich Nicolai auf seiner Reise durch das Bayernland im Jahr 1781.
Schließlich wurde durch die gewaltigen Flüchtlings- und Vertriebenenströme nach dem Zweiten Weltkrieg die konfessionelle Spaltung allerorten greifbar. In Dachau und Karlsfeld machten die Protestanten nun fast ein Viertel der Bevölkerung aus. Wie aber erging es den andersgläubigen Fremden, wie den alteingesessenen Katholiken? Zuwanderung, Vorurteile, Ausgrenzung und Integration fanden damals statt.
Die Ausstellung geht der regionalen Historie mit vielen interessanten Objekten nach, darunter Ablassbriefen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert, einer frühen Ausgabe der Lutherbiografie von Johannes Mathesius aus dem Jahr 1570 und Filmausschnitten über die protestantischen Neusiedler aus der Pfalz.
Zu Beginn der kalten Jahreszeit wird die Ausstellung um das Thema ›Protestantische Weihnachtszeit‹ ergänzt.
Zur Ausstellung erscheint ein informativer Begleitband.


Bezirksmuseum Dachau
Augsburger Straße 3
85221 Dachau
Start: Freitag 15.09.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 18.03.2018
München Haus der Kunst: Oscar Murillo & Polina Kanis
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Kapsel 07 / Oscar Murillo
Going Forth: The Institute of Reconciliation

Kapsel 08 / Polina Kanis
The ProcedureMünchen

HAUS DER KUNST
Ausstellung vom 15. September 2017 bis 18. März 2018

Vom 15. September 2017 bis zum 18. März 2018 zeigt das Haus der Kunst die vierte Ausgabe seiner Kapsel-Ausstellungen. Diese Reihe eröffnet Einblicke in gegenwärtige künstlerische Produktionen und Methoden. Sie bietet jungen, international aufstrebenden Künstlern mit einer markanten konzeptuellen Vision die Gelegenheit, eine neue Arbeit zu entwickeln und vorzustellen. In diesem Herbst wurden der aus Kolumbien stammende, in London lebende Künstler Oscar Murillo (*1986) und die derzeit in Amsterdam lebende, russische Künstlerin Polina Kanis (*1985) eingeladen. 

Oscar Murillo
In nur wenigen Jahren hat Oscar Murillo eine der aufregendsten Positionen der Gegenwartskunst entwickelt. Seine ursprüngliche Fokussierung auf die Malerei hat er durch die Integration von Videos, Zeichnungen, Drucktechniken, Skulptur, installativen und performativen Elementen wesentlich erweitert.  Aufsehen erregend war seine Installation „Signalling devices in now bastard territory“ auf der 56. Biennale von Venedig (2015). Dort verhängte er den Zentralpavillon mit einer Reihe schwerer schwarzer Leinwände. Diese waren im selben Jahr erstmalig bei einer Präsentation in Bogotá aufgetaucht. Raumgreifend und extrem dicht, bestehen diese Installationen aus schweren, teilweise zerrissenen und wieder zusammengenähten Leinenstoffen, beidseitig mit schwarzer Ölkreide und Ölfarbe bemalt. Sie sind auf Stahlkonstruktionen drapiert, die an Obduktionstische oder an die Gerüste von Stockbetten erinnern, oder wie an Wäscheleinen aufgehängt, die den Raum ihrerseits neu ordnen. Historische, ökonomische, gesellschaftliche und philosophische Assoziationsfelder sind gegenwärtig: Waagen, die an industriell gefertigten Haken montiert sind, repräsentieren ein System des Messens; ein Gemisch aus Ton und Mais setzt skulpturale Akzente, Lebenszeichen ähnlich. Boden, Wände und Blickachsen verbinden sich zu einer vibrierenden Raumkonstellation. 

Polina Kanis

Für ihre Ausstellung im Haus der Kunst hat Polina Kanis erstmals eine Dreikanalinstallation geschaffen. Damit erweitert sie ihre bisherige filmische Praxis.  Die Protagonisten von Polina Kanis' bisherigen Filmwerken bewohnen geschlossene räumliche Systeme. Sie führen automatisierte und ritualisierte Handlungen aus, die von einer unsichtbaren Instanz gelenkt zu sein scheinen. Mit dieser Art Mikrokosmos drückt Polina Kanis ihr Interesse daran aus, wie architektonische Gegebenheiten Machtstrukturen begünstigten, Menschen beeinflussen und sogar pervertieren. Bereits in ihrem 2016 realisierten Projekt „The Shift“ diente ein Museumsgebäude als Ausgangspunkt für Reflexionen über Gemeinschaft und Isoliertheit. Auch in ihrer eigens für das Haus der Kunst neu geschaffenen Installation „The Procedure“ ist das Gebäude ein Museum, doch diesmal liegt es in Trümmern – es fiel einer nicht genauer benannten Katastrophe zum Opfer. Zwar werden Maßnahmen angestrengt um herauszufinden, was geschehen ist, doch bleiben diese vage und stumm. Alle Befragten antworten mit demselben Satz: „Ich habe nichts gesehen.“  Der Film führt den Betrachter in eine geteilte Welt. Das ehemalige Museum und der umgebende Wald sind zum Sperrgebiet geworden, die Zone und ihre Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten. Die Personen dürfen die andere Seite erst nach einem Verhör an der Grenze betreten, und vielleicht auch nur dann, wenn sie Artefakte aus dem Museum - die sie ausgegraben, gesammelt undherausgeschmuggelt haben –, zum Tausch anbieten.

HAUS DER KUNST
PRINZREGENTENSTRASSE 1
80538 MÜNCHEN

Bilder:

- Polina Kanis
Celebration
2014
HD Video, Loop
13:27 Min
Courtesy of the artist

- Polina Kanis
Eggs
2010
HD Video
17:16 Min
Courtesy of the artist

- Kapsel 07 / Oscar Murillo
Going Forth: The Institute of Reconciliation
Haus der Kunst 2017
Installationsansicht/ Installation view
Photo: Maximilian Geuter

- Kapsel 07 / Oscar Murillo
Going Forth: The Institute of Reconciliation
Haus der Kunst 2017
Installationsansicht/ Installation view
Photo: Maximilian Geuter
Start: Freitag 15.09.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Mittwoch 18.04.2018
München Haus der Kunst: Again and Again: Samlung Goetz im Haus der Kunst
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Again and Again: Samlung Goetz im Haus der Kunst

HAUS DER KUNST
Ausstellung vom 15. September 2017 bis 08. April 2018

„Again and Again“ veranschaulicht, wie formale und räumliche Strategien der Wiederholung – wie etwa Loop, Mehrkanal-installationen, Split Screen, mehrfache Perspektiven oder Experimente mit Serialität – das erzählerische Instrumentarium digitaler Videoarbeiten der 1990er- und 2000er-Jahre erweitert haben. Die hier versammelten Arbeiten beschäftigen sich mit einem zersplitterten Bild vom Selbst um die Jahrtausendwende. Ein deutliches Interesse an Entwürfen von individueller und kultureller Identität verbinden die Künstlerinnen und Künstler mit einem analytischen Blick auf die Massenmedien, Genderforschung, wissenschaftlichen Fortschritt sowie auf ihr eigenes Medium, den Film. Schon die ersten Beispiele von Videokunst aus den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren zeigen, wie dieses Medium von Anfang an mit Ideen des Selbst verbunden war. Die Beziehung zwischen dem gefilmten Objekt (oft der Künstler oder die Künstlerin selbst), der Kamera und dem Wiedergabe-Monitor bedeutete, dass die Künstler die Bilder, die sie schufen, simultan anschauen und sofort mit ihrem eigenen Abbild interagieren konnten. Das führte dazu, dass der Wiedergabe-Monitor oft in das Kunstwerk selbst integriert wurde: Künstler benutzten ihn wie einen Spiegel. Diese Verschmelzung der physischen Reflexion mit dem kognitiven Akt der Selbstreflexion hatte zur Folge, dass in der Videokunst der psychologische Zustand elementarer Bestandteil des Werks geworden ist. Um diese Verquickung von Psychologie und bewegtem Bild geht es in den Arbeiten von Kristin Lucas, Doug Aitken und Tracey Emin. In „The Interview“ führt Tracey Emin beispielsweise einen psychoanalytischen Dialog mit sich selbst, der als Gespräch zwischen zwei verschieden gekleideten Traceys inszeniert ist. Die eine Tracey, die auf der Couch sitzt, repräsentiert das Irrationale, während die zweite den Advocatus Diaboli spielt und eine rationalere Version der Ereignisse vorbringt; eine Anordnung, die eindeutig freudianischen Konzepten verpflichtet ist. 

Eine kritische Analyse der Verbindung zwischen persönlicher Identität und Massenmedien prägt mehrere Werke in der Ausstellung, die populärere Formen der Mainstream-Bildproduktion unter die Lupe nehmen: Kino, Fernsehen und Werbung. Mathilde ter Heijne und Candice Breitz verwenden beispielsweise gefundenes Filmmaterial und Sampling-Techniken, um zu zeigen, wie die Medien die Entwicklung der weiblichen Identität beeinflussen. Für die Arbeit „Becoming“ (2003) schlüpft Breitz in die Rolle weiblicher Hollywoodstars, um die abgenutzten Klischees weiblichen Verhaltens im Kino zu analysieren. Der Titel bezieht sich auf das Buch „Das Andere Geschlecht“ (1949), in dem Simone de Beauvoir die Theorie aufstellt, "man wird nicht als Frau geboren, man wird es", sowie auf die populäre MTV-Show „Becoming“, die ehrgeizigen Fans die Gelegenheit bot, Musikvideos ihrer Lieblingsstars nachzustellen. Beim Betreten des Raumes begegnet man einer Hollywoodschau-spielerin, z.B. Meg Ryan, Cameron Diaz oder Julia Roberts, die stereotype und sexistische Sprüche rezitiert, wie sie im Mainstream-Kino oft vorkommen. Umrundet man die Installation, sieht man, wie Breitz diese Szenen in Schwarzweiß nachspielt und dabei besonders auf Körpersprache und Mimik achtet. In Kombination mit ihrem Kurzhaarschnitt und ihrem strengen weißen Hemd stellt Breitz' Nachahmung dieser Gesten die Absurdität von Hollywoods Simplifizierungen des Weiblichen bloß.  Die Arbeiten von Cindy Sherman, Mark Leckey, Ryan Trecartin und Brice Dellsperger sind weitere Beispiele für das sich stets wandelnde Verständnis von Gender-Identität in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren. In der fortlaufenden Serie „Body Double“ (1995) stellt Dellsperger bekannte Filme nach, indem er sich auf einen einzigen oder wenige Protagonisten konzentriert, die dann mithilfe visueller Effekte zur Replik werden. Für „Body Double #17“ stellt er David Lynchs Kultfilm „Twin Peaks: Fire Walk with Me“ (1992) nach.

Dabei lässt er nur zwei Schauspielerinnen auftreten: zwei Schwestern, die sich zwar ähnlich sehen, aber keine eineiigen Zwillinge sind. Szene für Szene werden sowohl Männer- als auch Frauenrollen immer nur von diesen beiden Frauen gespielt; Erwartungen des Publikums werden enttäuscht, da ihm jegliche visuellen Gender-Codes verweigert sind. Im Ergebnis muss der Betrachter ihr „wahres Geschlecht“ mittels Verhaltensdynamik und Handlungen der Charaktere bestimmen. Ryan Trecartin erweitert das Genderspektrum in seiner Arbeit „What’s the Love Making Babies For“ (2003), die sich gegen heteronormative Modelle sexueller Identität und traditionelle Vorstellungen von Fortpflanzung stellt. Indem er eine alternative, "faggy gay"-Existenz vorstellt, bezieht Trecartin kritisch Stellung gegen das klassisch heterosexuelle Familienmodell mit seinen Konnotationen von Selbstoptimierung und Erfolg. Auch Matthew Barneys einflussreicher „Cremaster Cycle“ und Bjørn Melhus’ Achtkanal-Installation „Again and Again (the borderer)“ (1998) befassen sich mit der Biologie der menschlichen Fortpflanzung und gehen auf potenziell verheerende Folgen der Reproduktionstechnologie zum Klonen von Menschen ein. Mit diesen Momenten einer Spaltung oder Replikation des Selbst veranschaulicht die Ausstellung, wie Medien und gesellschaftliche Konstrukten wiederkehrende Identitätsmodelle zyklisch fortschreiben. Das Spektrum von Konzepten des Selbst in „Again and Again“ reicht von Autobiografie und Geständnis (etwa bei Leckey oder Emin) über das Typologische bis hin zum Schematischen (wie bei Sherman oder Melhus). Indem die Arbeiten unterschiedliche Entwürfe persönlicher Identität zwischen Subjekthaftigkeit und Objekthaftigkeit vorstellen, hinterfragen sie den Stellenwert des Individuums am Anbruch des neuen Jahrtausends. Again and Again wird von Daniel Milnes kuratiert.

Mit Arbeiten von:
Doug Aitken (*1968, Redondo Beach, CA)
Matthew Barney (*1967, San Francisco, CA)
Candice Breitz (*1972, Johannesburg)
Brice Dellsperger (*1972, Cannes)
Tracey Emin (*1963, Croydon)
Mathilde ter Heijne (*1969, Straßburg)
Mark Leckey (*1964, Birkenhead)
Kristin Lucas (*1968, Davenport, IA)
Bjørn Melhus (*1966, Kirchheim unter Teck)
Cindy Sherman (*1954, Glen Ridge, NJ)
Ryan Trecartin (*1981, Webster, TX)

HAUS DER KUNST
PRINZREGENTENSTRASSE 1
80538 MÜNCHEN


Bilder:

- Brice Dellsperger
Body Double 17 (Filmstill)
2001
1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton)
Courtesy Sammlung Goetz, Medienkunst, München

- Bjørn Melhus
Again & Again (The borderer) (Filmstill)
1998
1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton), auf 8 Monitoren
Courtesy Sammlung Goetz, Medienkunst, München
Start: Freitag 22.09.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 28.01.2018
München Kunsthalle: GUT. WAHR. SCHÖN. Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d'Orsay
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GUT. WAHR. SCHÖN.
Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d'Orsay
22. September 2017 – 28. Januar 2018

Im 19. Jahrhundert war der jährlich stattfindende »Salon de Paris«   die größte und bedeutendste Ausstellung des internationalen Kunstbetriebs und das gesellschaftliche Ereignis par excellence. Eine dem antiken Schönheitsideal verpflichtete Jury bestimmte, welche Werke hier gezeigt werden durften. Die Künstler sollten das Gute und Wahre in der Schönheit der Form zum Ausdruck bringen. Doch die klassische akademische Norm war mit der modernen Lebenswelt schwer in Einklang zu bringen. In diesem Spannungsfeld schufen französische Maler wie Jean-Léon Gérôme (1824–1904), Alexandre Cabanel (1823–1889), William Bouguereau (1825–1905) und Ernest Meissonier (1815–1891) Werke, die im Salon gefeiert, aber auch kontrovers diskutiert wurden. Obwohl diese Künstler zu den berühmtesten und einflussreichsten ihrer Zeit zählten und Werke von herausragender Qualität und kulturhistorischer Bedeutung schufen, sind sie heute kaum bekannt – das Interesse der Kunstgeschichte galt bislang vor allem zeitgleichen Avantgardebewegungen wie dem Impressionismus. Anhand von über 100 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und kunsthandwerklichen Objekten aus dem Musée d’Orsay, die größtenteils noch nie in Deutschland zu sehen waren, rückt die Ausstellung nun die Protagonisten des Salons in den Fokus.Die bereits von Ludwig XIV. (1638–1715) ins Leben gerufene Salon-Ausstellung war ursprünglich den Mitgliedern der Académie royale vorbehalten. Die Schau, die ab 1725 im namensgebenden »Salon Carré«   des Louvre stattfand, wurde nach der französischen Revolution verstaatlicht. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Salon im für die Weltausstellung errichteten Palais de l’Industrie präsentiert, wo jährlich Hunderttausende Besucher aller sozialen Schichten die neuesten Entwicklungen in der Kunst verfolgten.Im ersten von insgesamt sieben Kapiteln schildert die Ausstellung den Weg, den ein junger Künstler im Paris des 19. Jahrhunderts einschlagen musste, um ›salonfähig‹  zu werden: Ohne die streng reglementierte akademische Ausbildung hatte man kaum Chancen, im staatlich gelenkten Kunstbetrieb Fuß zu fassen. Eine Karriere startete mit demKunststudium an der École des Beaux-Arts.  Es galt als höchstes Ziel, den »Grand Prix«   zu erringen, ein bis zu fünfjähriges Rom-Stipendium, das den ersten Schritt zur offiziellen Anerkennung des Künstlers bedeutete. Die Ausstellung zeigt sowohl Skizzen für diesen Wettbewerb als auch in Rom entstandene Werke, die zur Begutachtung nach Paris geschickt und im Salon ausgestellt wurden.Im Zentrum der Maler-   und Bildhauerausbildung stand die Wiedergabe der menschlichen Figur und damit das Aktstudium. Perspektiv-, Anatomie-   und Proportionenlehre dienten vor allem der Darstellung des Menschen als Bedeutungsmittelpunkt heroischer Sujets. Solche Szenen aus der antiken Mythologie oder der biblischen Geschichte bildeten die Themen der Historienmalerei, die in der Hierarchie der Gattungen den ersten Platz einnahm. Auch im Salon rangierte diese »grande peinture«   ganz oben im System der Auszeichnungen –   auf diese Weise schuf der Staat einen Anreiz, an der Historie festzuhalten, während der Geschmack von bourgeoisen Kunstsammlern gleichzeitig in eine ganz andere Richtung ging.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München

Bilder: 

- Gustave Guillaumet (1840-1887)
Al-Aġwāṭ, algerische Sahara, 1879
122 x 180 cm, Öl / Leinwand
Musée d’Orsay
© bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski

- Alphonse Osbert (1857-1939)
Die Gesänge der Nacht, 1896
76,5 x 123,2 cm, Öl / Leinwand
Musée d’Orsay
© bpk | RMN – Grand Palais | Patrice Schmidt

- Jean-Paul Laurens (1838-1921)
Die Exkommunikation Roberts des Frommen, 1875
130 x 218 cm, Öl / Leinwand
Musée d’Orsay
© bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski
Start: Donnerstag 28.09.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 10.06.2018
München Pinakothek der Moderne: GERMAINE KRULL. MÉTAL
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GERMAINE KRULL. MÉTAL
PINAKOTHEK DER MODERNE
SAMMLUNG MODERNE KUNST
AUSSTELLUNG VOM 28. SEPTEMBER 2017 – 10. JUNI 2018

Ihre Bedeutung als Künstlerin der Avantgarde verdankt die Fotografin Germaine Krull (Wilda 1897 – 1985 Wetzlar) ihrem wegweisenden Mappenwerk „Métal“, das 1928 in Paris bei A. Calavas, Librairie des Arts Décoratifs in kleiner Auflage erschien. In 64 Lichtdrucktafeln setzt sie darin eiserne Konstruktionen wie Kräne, Brücken, Maschinen und den Eiffelturm mittels ungewöhnlicher Perspektiven und Bildausschnitte in Szene. Die Abfolge im Portfolio lässt aus den Einzelbildern einen geradezu filmisch-bewegten „Tanz der nackten Metalle“ werden und zeigt die gigantischen Metallkonstruktionen als dynamische Monumente einer modernen Zeit. Es war wohl gerade diese Veröffentlichung, die Walter Benjamin veranlasste, Germaine Krull in seiner „Kleinen Geschichte der Fotografie“ (1931)  in einem Atemzug mit den bedeutenden Fotografen August Sander und Karl Blossfeldt zu nennen.Die Präsentation zeigt alle 64 Tafeln aus einem von Germaine Krull an Jürgen Wilde gewidmeten Exemplar der Erstausgabe von „Métal“, ergänzt um originale Fotografien der Serie, Dokumente und Archivalien aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde. Zusätzlich ist der Kurzfilm „De Brug“ (1928) des niederländischen Filmemachers und Dokumentaristen Joris Ivens zu sehen. Hier zeigt sich nicht nur die persönlich künstlerische Verbindung der beiden, sondern auch die wechselseitige Inspiration der technischen Bildmedien Film und Fotografie in der Moderne.Germaine Krull, die ihre Ausbildung an der Münchner Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie absolviert hatte und 1920 aufgrund ihrer politischen Gesinnung aus Bayern ausgewiesen wurde, lebte nach Stationen in Moskau, Berlin und Amsterdam ab 1926 in Paris. Dort avancierte sie zu einer gefragten Werbe- und Porträtfotografin und arbeitete als Fotojournalistin. Trotz reger Ausstellungs- und Publikationstätigkeit in den 1920er und 1930er Jahren geriet sie nach 1945 in Vergessenheit.Ann und Jürgen Wilde konnten Germaine Krull 1974 in Nordindien ausfindig machen und richteten ihr 1977 eine erste Retrospektive in Deutschland aus. Diese leitete die Wiederentdeckung der Fotografin und ihres bedeutenden Werkes ein.

PINAKOTHEK DER MODERNE
Barer Straße 40
80333 München

Bild:

- Germaine Krull, Tour Eiffel, um 1927
© Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen
Start: Freitag 13.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 18.02.2018
Bernried Buchheim Museum: NONNENSPIEGEL UND ZIRKUSSCHWEINE
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NONNENSPIEGEL UND ZIRKUSSCHWEINE
13. Oktober bis 18. Februar 2018

NONNENSPIEGEL UND ZIRKUSSCHWEINE
Dass eine ländliche Hauskunst aus Bayern, Böhmen und Schlesien impulsgebend für die Moderne gewesen sein soll, klingt absurd. Dass es aber doch wahr ist, kehrt der Autor der ersten Monographie über den »Blauen Reiter« hervor: Lothar-Günther Buchheim. Den Malern der Künstlervereinigung des »Blauen
Reiters« habe die Hinterglasmalerei mit ihrer »volksliedhaft kraftvollen Formensprache«, ihren leuchtenden Farben und der vereinfachten Perspektive Inspiration gegeben. Mit ihrem »Almanach« hätten sie die künstlerische Botschaft aus den Dörfern aufgegriffen und weitergetragen.
Als Expressionist im Geiste der »Brücke« und des »Blauen Reiters« kaufte Buchheim Hinterglasbilder des 19. Jahrhunderts. Bei den Darstellungsinhalten seiner Sammlungsstücke handelt es sich nahezu ausnahmslos um Gnadenbilder und Andachtsbilder. Eine besondere Gruppe bilden die »Nonnenspiegel«, bei denen die Darstellungen hinter Glas von einer Metallbeschichtung hinterfangen sind. Den Nonnen dienten sie zur Sündenverschleierung. Während sie die Heiligendarstellungen erblickten, konnten sie sich doch am Rande eitel selbst in Betracht nehmen. Als Künstler malte Buchheim schließlich seine eigenen »Heiligen« hinter Glas: Clowns, Akrobaten und Zirkustiere. Das Material ist ihm Quell herrlichster Phantasie und Experimentierfreude. Die Ausstellung im Buchheim Museum spürt seiner Beschäftigung mit dem Thema in ganzer Breite nach – und sie lädt die Besucher dazu ein, sich gleich vor Ort unter fachlicher Betreuung selbst in dieser spannenden Technik auszuprobieren.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildung:
Lothar-Günther Buchheim
"Bimbina und Kompanie – dieZirkuswunderschweine", 1945/46
Buchheim Museum
Start: Sonntag 15.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 18.02.2018
Kochel Franz Marc Museum: Franz Marc - Wie sieht ein Pferd die Welt?
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Franz Marc - Wie sieht ein Pferd die Welt?

15. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018

»Gibt es für einen Künstler eine geheimnisvollere Ideeals die, wie sich wohl die Natur in dem Auge eines Tieresspiegelt? Wie sieht ein Pferd die Welt oder ein Adler,ein Reh, ein Hund?« –Als Franz Marc 1911/12 diese Zeilenschrieb, hatte er in jahrelanger, intensiver Arbeit dieKomposition für seine großen Pferdebilder entwickelt,für seine heute so bekannten und beliebten Gemälde, aufdenen die Tiere und ihre innige Verbindung zur Natur daszentrale Motiv sind und zum Symbol für sein Natur-undWeltverständnis werden.Als Franz Marcs Gemälde „Große Landschaft I“ im September 2016 als Dauerleihgabe ins Franz Marc Museum nach Kochel am See kam, löste diese große Leinwand eine Folge von Fragen und Recherchen aus, die sichzu einem spannenden „Krimi“ entwickelten. Nicht nur ist das Gemälde selbst geheimnisvoll, indem kompositorisch alles darauf angelegt ist, eine geradezu sehnsuchtsvolle Spannung zwischen der Pferdegruppe am rechten unteren Bildrand und der sich vor den Tieren in die Tiefe entwickelnden Hügellandschaft aufzubauen. Auch der aus der Erinnerung, um 1934/35, formulierte Kommentar von Maria Marc zu dem Bild erschien rätselhaft. In ihren Aufzeichnungen für die 1936 erschienene Monographie zu Franz Marc von AloisSchardt heißt es zur Entstehungsgeschichte des Gemäldes: „... das Bild (wurde) im Frühling mit lichten Farben begonnen. Den ganzen Sommer bis tief in den Herbst hinein in den veränderten Farben der Natur weitergemalt und dann zerschnitten.“Der restauratorische Befund zeigt jedoch, dass das Gemälde nicht zerschnitten wurde, sondern an zwei Seiten beschnitten: Franz Marc schnitt an der oberen, horizontalen Kante der Leinwand einen schmalen Streifen, etwa 5 cm, ab und reduzierte die Leinwand am linken Rand um49,5 cm. Dieser Eingriff war wohlüberlegt. Der Maler unterstrich die in der Komposition angestrebte „Sogwirkung“ der Landschaft, die die Pferdegruppe in der rechten unteren Ecke in ihren Bann zieht. Das links abgetrennte Teilstück der Komposition konnte in der Staatsgalerie Stuttgart unter verschiedenen hier bewahrten Gemäldefragmenten Franz Marcs identifiziert werden. Aus der kompositorisch und farblich wahrnehmbaren Zusammengehörigkeit der beiden Teilstücke ergab sich die Frage, ob dieser visuelle Eindruck sich durch naturwissenschaftliche Untersuchungen bestätigen lässt. Eine Kooperation des Franz Marc Museums und des Doerner Institutes, München machte diese aufwendigen und kostspieligen Untersuchungen möglich.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Bilder:

- Franz Marc
Große Landschaft I, 1910
Öl auf Leinwand, 110,5 x 211,5 cm
Franz Marc Museum.Kochel a. See
Stiftung Etta und Otto Stangl
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Nicole Wilhelms

- Franz Marc, Pferde auf Bergeshöhe gegen die Luft stehend, 1906, 12,5 x 10,2 cm
Rote und schwarze Kreide und Deckweiß auf Papier, laviert,
Aus Skizzenbuch IV, p.2 Franz Marc Museum, Kochel a. See, Franz Marc Stiftung
Foto: Claus Hansmann, Stockdorf
Start: Sonntag 15.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 18.02.2018
Kochel Franz Marc Museum: Hinterglasmalerei - Zwischen Volkskunst und Avantgarde
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Hinterglasmalerei - Zwischen Volkskunst und Avantgarde

15. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018

Die Künstler und Künstlerinnen des »Blauen Reiters»waren fasziniert von allen antiakademischen Kunstäußerungen. Besonders schätzten sie die traditionelle bayerische Hinterglasmalerei mit ihren strahlenden Farben. Die Ausstellung im Franz Marc Museum zeigt in zwei Kapiteln, wie die Technik der Hinterglasmalerei den Künstlern als Inspiration und künstlerisches Experimentierfeld diente.Gabriele Münters Ölgemälde„Mann im Sessel (Paul Klee)“von 1913wird in einem Kabinett als Teil einer Rauminstallation präsentiert. Die im Gemälde dargestellte, kunstvoll gestaltete Einrichtung ihres Wohnzimmers lebt in einem Arrangement ausgewählter Objekte und Hinterglasbilder vor einer grünen Wand wieder auf. So entsteht ein atmosphärischer Eindruck der Lebenswelt der Künstlergruppe des »Blauen Reiters«. Es wird deutlich, welchen Stellenwert die Hinterglasbilder für das alltägliche Leben und das Schaffen im kreativen häuslichen Umfeld hatten. In einem zweiten Kabinett sind erstmals das Hinterglasbild Franz Marcs, „Landschaft mit Tieren und Regenbogen“sowie die nach ihm entstandene Stickereiseiner Frau Maria Marc in direkter Gegenüberstellung zu sehen. Bei Marcs Hinterglasbild von 1911 handelt es sich um ein wichtiges Zeugnis seiner künstlerischen Entwicklung. Die Technik der Hinterglasmalerei begünstigt das Streben nach intensiver Farbigkeit und Abstraktion der Formen und ermöglicht das Experimentieren mit Perspektive und Räumlichkeit. Anhand der kunsttechnologischen Dokumentation der Restaurierung des Hinterglasbildes kann nachvollzogen werden, wie Franz Marc die volkstümliche Technik des Hinterglasbildes für seine künstlerischen Anliegen fruchtbar machte: zum Beispiel integrierte er bemalte Silberfolie in das Bild, um eine neuartige Farbwirkung zu erzielen. Maria Marc wiederum griff 1914, also drei Jahre später, die Vorskizze ihres Mannes auf, um die Stickerei „Landschaft mit Tieren und Regenbogen“zu realisieren. Aus den Briefen, welche Franz und Maria Marc während des Krieges austauschten, wird deutlich, welch kreativer Impuls von Franz Marcs Skizzen für das Schaffen seiner Frau Maria ausging. Die gegenseitige künstlerische Inspiration in dem Spannungsfeld zwischen traditioneller Volkskunst und dem avantgardistischen Streben kann in der Kabinettausstellung visuell nachvollzogen werden.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Bilder:

- Gabriele Münter, Johannisgasse in Herford, um 1913
Hinterglasmalerei, 22,1 x 22,1 cm
Franz Marc Museum, Kochel a. See
ahlers collection
© VG Bild Kunst Bonn 2017, Foto: Simone Bretz

- Wassilly Kandinsky, Mythologische Szene (Reiter und Apfelpflückerin), 1911
Öl auf Glas, 15,5 x 19,8 cm
Franz Marc Museum, Kochel a. See
ahlers collection
Foto: Walter Bayer, München
Start: Samstag 21.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 08.04.2018
München Museum Brandhorst: SETH PRICE - SOCIAL SYNTHETIC
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SETH PRICE
SOCIAL SYNTHETIC

Museum Brandhorst
Vom 21. Oktober 2017 bis 08. April 2018

Das Museum Brandhorst präsentiert die international erste Überblicksausstellung des US-amerikanischen Künstlers Seth Price (*1973). Die mehr als 100 Werke umfassende Ausstellung zeigt Skulpturen, Filme, Fotografien, Zeichnungen, Malerei, Videos, Kleider und Textilien, Web-Design, Musik und Dichtung. Price dringt seit seinen künstlerischen Anfängen programmatisch in Territorien jenseits der bildenden Kunst vor. Er greift die Produktions- und Vertriebsformen der Musikindustrie, der Modewelt und des Literaturbetriebs auf und nutzt ihre Dynamiken für seine Kunst. Dabei beschäftigt er sich mit den fundamentalen Veränderungen der visuellen Kultur, die mit der flächendeckenden Etablierung digitaler Medien der jüngsten Gegenwart einhergehen. Seth Price gehört jener Zwischengeneration an, die noch vor der Etablierung des Internets geboren wurde und seine Ausbreitung in allen Schritten hautnah miterlebt hat: die ersten Computerspiele und -programme der 1980er-Jahre, die demonstrativ ihre pixeligen Ästhetiken zur Schau stellten; das Internet als Ort politischer Utopien der 1990er-Jahre, die in der neuen Technologie demokratisierende Potentiale vermuteten; und schließlich die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Web 2.0 und Smartphone. Die Digitalisierung fungiert ab 2001 zunehmend als Katalysator aufziehender gesellschaftlicher Krisen, vom „War on Terror“, der auch als Krieg der Bilder geführt wurde, bis zu den Krisen des Finanzsystems. Die künstlerische Praxis von Seth Price entwickelt sichentlang dieser Konflikte und der Begehrensmuster, die das Leben in einer globalen neoliberalen Gesellschaft antreiben.Eines der zentralen Themen in Prices Arbeiten ist der bedrohte Status des Subjekts. Angesichts der dramatischen Umwälzungen einer mediatisierten Gegenwart zieht sich dieses Selbst zunehmend an seine Oberflächen zurück oder scheint in seiner Abwesenheit auf: die „Vacuum Forms“   (2004-12) zeigen in Kunststoff abgeformte Körperteile, die „Silhouettes“   (2007-09) greifen digitale Aufnahmen aus dem Internet auf, die intime Gesten menschlicher Verständigung – wie der Handschlag oder Kuss – nur noch als Negativraum fassbar werden lassen, und die im Untergeschoss des Museums Brandhorst gezeigten Leuchtkästen (2016-17) basieren auf fotografischen Studien menschlicher Haut, die sich auf kartographische Technologien der Firma Google stützen. Einige der Werke besitzen keine feste Form, sondern können je nach Raum und Kontext unterschiedlich installiert werden: Geknickt, gefaltet, ausgerollt oder zerknittert werden sie an Wände, Decke oder auf dem Boden platziert. Sie spielen nicht zuletzt auf die Flexibilität und Ortlosigkeit der digital zirkulierenden Bilddateien – im Falle der „Mylars“   (2004-8) handelt es sich um Stills aus dschihadistischen Propagandavideos – an. Die in der Ausstellung gezeigten Werke vermitteln ein Bild der emotionalen Landschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts. Wir sehen Fleisch und Haut, kommerzielle Logos, Abfall und Trash, Mode und Design, Verpackungen, Horrorbilder, leuchtende Screens, Humor und Brutalität, Computerspiele und Luxusobjekte. Einzelne Arbeiten besitzen inzwischen einen geradezu ikonischen Status. In seinen „Bomber Jackets“   etwa reflektiert Price den Mechanismus ständiger Reproduktion und Umwertung im digitalen Zeitalter. Während des 1. Weltkriegs für Piloten entwickelt, wurde die Bomberjacke bald zum Emblem konkurrierender Identitätsmuster. Als Modeartikel wurde sie zum Aushängeschild von Subkulturen wie der Punk- und Skinheadszene. Später wurde sie zum Signet von Hetero- und für Homosexualität, und erlebt in den letzten Jahren ein Revival sowohl als Massenware wie als Haute Couture. Festgefroren in ein Objekt, der linke Ärmel hängt schlaff herab, zeigt die „Bomber Jacket“   die Hülle menschlicher Präsenz, die zunehmend von kommerziellen Interessen und gesellschaftlichen Vereinnahmungen bestimmt wird.

MUSEUM BRANDHORST
Türkenstraße 19
80333 München

Fotos:

- Different Kinds of Art, 2004 (Detail)
Vakuum-geformtes schlagfestes Polystyrol
82,6 x 129,5 cm
Collection of Candace and Michael Barasch, Courtesy of Petzel Gallery
© Seth Price

- Seth Price vor "Vintage Bomber, 2008"
Foto: Margarita Platis
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München
Start: Donnerstag 26.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 15.04.2018
Museum Fürstenfeldbruck: „…dann brach der Krieg herein!“
Bilder
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Sonderausstellung „…dann brach der Krieg herein!“
Grafische Arbeiten aus der Sammlung Kretschmer 1900-1918
26. Oktober 2017 bis 15. April 2018

Der europäische Kunstbetrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts war zum großen Teil geprägt vom Austausch zwischen den Kulturnationen. Fast alle Maler und Grafiker verbrachten einige Zeit in der Kunstmetropole Paris. In den großen Ausstellungen in Berlin und München fanden sich neben deutschen auch Künstler aus zahlreichen anderen europäischen Ländern. Walther Klemm (1883-1957), Margarethe Geibel (1876-1955), Karel Vik (1883-1964) und andere bedeutende Grafikkünstler zeichneten ein idyllisches Bild der Welt vor dem Ersten Weltkrieg mit traditionsreichen Städten, romantischen Landschaften und intakter Natur.

Der Erste Weltkrieg beendete jäh eine lebendige europäische Kunstszene und veränderte Leben und künstlerische Arbeit vieler Künstler nachhaltig. Der Kunstbetrieb – sofern er überhaupt noch stattfand – verlagerte sich auf die nationale Ebene. Insbesondere die Grafik diente allen Regimen als Propagandainstrument. Waren die Bestrebungen in der Kunst Deutschlands vor dem Krieg vom Stolz auf kulturelle Errungenschaften, auf Respekt vor Denkern und Künstlern geprägt, wurden aus bedeutenden Personen und Kunstwerken nun deutsch-nationale Leitbilder, mit deren Hilfe man einen Anspruch auf eine Vormachtstellung in der Welt abzuleiten suchte.

Viele Künstler waren Kriegsteilnehmer, manche auch offizielle Kriegsberichterstatter, und dokumentierten das Grauen des Krieges mehr oder weniger deutlich. In der Kunst Erich Gruners, Josef Weiszs, Raimund Moslers und vieler anderer fanden erschütternde Kriegserlebnisse bis in die 20er Jahre ihren Niederschlag. Die künstlerische Reflektion war zwar subjektiv, dennoch gab es Gemeinsamkeiten. Das Kunstschaffen änderte sich mit dem Krieg radikal - die Unbeschwertheit hatte es auf immer verloren.

Dr. Hans Kretschmer (1913-1992) war nicht nur ein beliebter Fürstenfeldbrucker Arzt, sondern auch ein passionierter Kunstkenner. Jede freie Minute widmete er seiner Tätigkeit als Sammler, ständig auf der Suche nach neuen Stücken. Kretschmer hinterließ über 3000 Blätter - Holzschnitte, Kupferstiche und Radierungen-  aus der Frühzeit druckgrafischer Verfahren im 15. Jahrhundert bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. 2005 übereignete die Familie die Sammlung an das Museum Fürstenfeldbruck. Für die aktuelle Ausstellung wurden von mehr als 30 Künstlern über 100 Blätter aus den Entstehungsjahren 1900-1918 ausgewählt.

Museum Fürstenfeldbruck
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck

Bildnachweis:

01 Brücke, Walther Klemm (1883-1957), Farbholzschnitt, Museum Fürstenfeldbruck

02 Kriegsgefangenen-Lager Krasnojarsk, Otto Schmatt, Farbholzschnitt, 1917, Museum Fürstenfeldbruck

03 Soldaten im Schützengraben, aus „Kriegstagebuch“, Erich Gruner (1881-1966), 1915, Holzschnitt, Museum Fürstenfeldbruck
Start: Donnerstag 26.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 04.03.2018
München Pinakothek der Moderne: ARAKI.TOKYO
Bilder
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ARAKI.TOKYO
PINAKOTHEK DER MODERNE
SAMMLUNG MODERNE KUNST
26. OKTOBER 2017 - 04. MÄRZ 2018

Der Japaner Nobuyoshi Araki (*1940) zählt zu den wohl produktivsten, aber auch provokativsten Fotografen unserer Zeit. Seit den 1960er-Jahren eignet sich Araki die ihn umgebende Welt täglich und obsessiv mit Hilfe der Kamera an, eine Aneignung, die bis heute in mehr als 500 Büchern und Hundertausenden von Fotografien Niederschlag gefunden hat. Sein künstlerisches Werk umspannt ein vielfältiges Spektrum an Themen, von hocherotischen Frauendarstellungen, die international großes Aufsehen erregten, über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaft anmutende Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu sehr persönlichen, fast tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner früh verstorbenen Frau Yoko. 2004 konnte mit Unterstützung von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne die Originalvorlage von Arakis Buch „Tokyo“ erworben werden. Bestehend aus 28 exquisiten Diptychen zählt „Tokyo“ zu den frühesten eigenständigen Buchprojekten Arakis und erschien 1973 in kleiner Auflage, eingeleitet durch einen Text von Kōji Taki, dem legendären Gründer der avantgardistischen Zeitschrift „Provoke“. Mit „Tokyo“, das mit den beiden ersten Künstlerbüchern „Sentimental Journey“ und „Okinawa“ eine Trilogie bildet, führt sich Araki als Künstler und Fotograf ein. Es steht am Beginn seiner intensiven, bis heute andauernden Auseinandersetzung mit dem Lebens- und Stadtraum seiner Heimatstadt.In dieser frühen, konzeptuell ausgerichteten Arbeit kombiniert Araki Momentaufnahmen namenloser Passanten, die er an belebten Straßenkreuzungen beobachtete, mit den anspielungsreichen erotischen Selbstinszenierungen einer jungen Frau. Die Kombination aus schnappschussartigen Straßenfotografien mit Aufnahmen eines in eindeutig sexuellen Posen in Szene gesetzten Frauenkörpers bedeuten für Araki bis heute die adäquate Form, Tokio zu beschreiben, eine Verbindung, die sein gesamtes fotografisches Werk kennzeichnet. Die Gegensätze zwischen anonym und vertraut, bekleidet und nackt wie Innen- und Außenwelt fungieren alssubtile Verweise auf die Trennung zwischen öffentlicher und privater Lebenswelt, zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Passanten erscheinen wie der Betrachter in der Rolle der anonymen Zuschauer und dringen zugleich in die verborgene Sphäre einer Stadt ein, die sich der Überwachung und Normierung entziehen will.

PINAKOTHEK DER MODERNE
Barer Straße 40
80333 München

Bilder:

- Silbergelatineabzug, je ca. 8,5 x 13 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München
2004 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (GV 162)
© Nobuyoshi Araki

- Silbergelatineabzug, je ca. 8,5 x 13 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München
2004 erworben von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne (GV 162)
© Nobuyoshi Araki
Start: Samstag 28.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 25.02.2018
Buchheim Museum: BRÜCKENSCHLAG. GERLINGER + BUCHHEIM !
Bilder
Bilder
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BRÜCKENSCHLAG. GERLINGER + BUCHHEIM !
Ausstellung im Buchheim Museum vom 28. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018

Die Sammlung „Die Maler der Brücke" von Hermann Gerlinger kommt ins Buchheim Museum! Die Sammlungen Buchheim und Gerlinger ergänzen sich auf das Trefflichste. Buchheim kann mit glanzvollen frühen Hauptwerken der Brücke-Künstler punkten. Gerlinger erschließt das Thema systematisch in seiner gesamten historischen Tiefe und in der gesamten Breite der Gattungen. Die immer noch wachsende Sammlung umfasst mehr als 1.030 Titel, darunter Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken, Dokumente, Skulpturen, Kunsthandwerk und derzeit 48 Gemälde der Brücke-Künstler. Mit dem Umzug der Bestände des Würzburger Sammlers nach Bernried und die Zusammenführung mit der Sammlung Buchheim wird die Bedeutung des Buchheim Museums als Hauptmuseum des deutschen Expressionismus in Süddeutschland weiter ausgebaut. Es kann nun seinen Schwerpunkt „Brücke" mit mehr als 2000 Werken der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe belegen. Die Ankunft wird mit der Auftaktausstellung BRÜCKENSCHLAG. GERLINGER + BUCHHEIM – einer großen monografischen Zusammenschau beider Sammlungen zum Thema „Brücke“ – gewürdigt. Diese spektakuläre Vereinigung wird sich auf über 1.500 Quadratmeter erstrecken.

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried

Bilder:

Erich Heckel, Kinder, 1910, Öl auf Leinwand, Sammlung Hermann Gerlinger © Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckel, Am Waldteich, 1910, Öl auf Leinwand, Buchheim Museum der Phantasie © Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckel, Zwei Mädchen am Wasser, 1910, Öl auf Pappe, Sammlung Hermann Gerlinger © Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Start: Dienstag 31.10.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 08.04.2018
München Lenbachhaus: Gabriele Münter
Bilder
Bilder
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Gabriele Münter Gasse in Tunis, 1905 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017; Gabriele Münter Abstrakt, 1914 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017; Gabriele Münter Buddha-Legende, 1931 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.
Gabriele Münter

Bevor Gabriele Münter sich der Malerei zuwandte, hatte sie bereits fotografiert, um 1900 und zwar
zum ersten Mal in den USA. Bald wird sie anfangen zu malen, fast täglich, ihr Leben lang. Und Gabriele Münter geht ins Kino! Sie war eine offene und experimentierfreudige Künstlerin, vieles, was sie geleistet hat, ist bisher nur wenig wahrgenommen worden, weil ihr Werk meist durch den engen Fokus ihrer Biografie und ihrer Beziehung zu Kandinsky interpretiert wurde.
Bis heute sind daher fast nur ihre Bilder aus der Zeit des »Blauen Reiter« im Zentrum der Aufmerksamkeit gewesen. Und so ist der Name Münter vorwiegend mit dem deutschen Expressionismus assoziiert, mit Murnau und dem Münter­ Haus. Münters Werk ist jedoch deutlich facettenreicher, fantasievoller und stilistisch breitgefächerter als bisher bekannt. Mit der ihr im Lenbachhaus gewidmeten Ausstellung wollen wir diese reduzierte Rezeption ihrer Arbeit erweitern. Wir wollen die Komplexität und Eigenständigkeit von Münters Schaffen anhand kunsthistorischer Fragen sichtbar machen und neu bewerten.
Im Mittelpunkt der Schau wird ihr malerisches Oeuvre stehen, welches in verschiedenen thematischen Sektionen präsentiert wird. Von den klassischen Gattungen wie Porträt und Landschaft über Interieur, Abstraktion bis hin zum »Primitivismus« werden wir das reiche Gesamtwerk der Künstlerin vorstellen.
Da Münter ihre künstlerische Laufbahn mit der Fotografie begann, was nachhaltige Spuren in ihrer Malerei hinterließ, werden wir auch eine kleine Sektion dieser Technik widmen. Wir zeigen daher Fotografien, die sie 1899/­1900 während ihrer Reise in die USA geschaffen hat. Zudem wird ihr frühes Interesse für das neue Medium »Film« durch Filmstationen dokumentiert. Ein großer Teil der 130 Gemälde in der Ausstellung wurde noch nie oder letztmals vor Jahrzehnten der Öffentlichkeit präsentiert. Er stammt aus dem Nachlass der Künstlerin, der sich inder Gabriele Münter­ und Johannes Eichner ­Stiftung befindet. Diese Werke werden durch internationale und selten ausgestellte Leihgaben ergänzt.
Die Ausstellung wird durch die Städtische Galerie im Lenbachhaus und durch die Gabriele Münter­ und Johannes Eichner­ Stiftung erarbeitet und findet anlässlich des 140. Geburtstags von Gabriele Münter und des 60. Jubiläums ihrer Schenkung 1957 von Werken der Blaue Reiter ­Künstler an das Lenbachhaus statt.

Städtische Galerie im Lenbachhaus
Luisenstraße 33
80333 München
Start: Freitag 03.11.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 11.03.2018
Dachau Gemäldegalerie: Önningeby - Eine Künstlerkolonie auf den finnischen Ålandinseln
Bilder
Önningeby
Eine Künstlerkolonie auf den finnischen Ålandinseln

Gemäldegalerie Dachau
3. November 2017 bis 11. März 2018

Die Künstlerkolonie Önningeby wurde von dem bekannten finnischen Landschaftsmaler Victor Westerholm (1860–1919) begründet, der an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und die Académie Julian in Paris besucht hatte. Er kam 1880 zum ersten Mal auf die Ålandinseln, wo er ein malerisch gelegenes kleines Haus am Lemströmkanal erwarb. Dorthin, wo seiner Meinung nach „der beste Platz auf der ganzen Welt zum Malen“ war, lud er später seine Künstlerfreunde ein. Es kamen schwedische, finnische und auch estnische Künstler, die sich jedes Jahr während der Sommermonate in den umliegenden Gehöften einmieteten. Über die Hälfte von ihnen waren Frauen, die sich weniger der Landschaftsmalerei als figürlichen Motiven widmeten. Ihnen begegnete man hier in dieser Zeit ungewöhnlich vorurteilsfrei.
In Önningeby waren die Künstler überwältigt von der Reinheit der unberührten Natur, den Felsen, dem Wald und der unvergleichlichen Flora, dem besonderen Licht des Nordens und den Farben. Gleichzeitig schätzten Sie die Ruhe der Ostsee-Inseln am Eingang des Bottnischen Meerbusens, die ungestörtes Arbeiten ermöglichte. Zentrum der Künstlerkolonie, die rasch auch durch Presseberichte bekannt wurde, blieb Westerholms gemütliches Zuhause ›Tomtebo‹, wo er und seine Frau Hilma als liebenswürdige Gastgeber jeden willkommen hießen, der über die Jahre dort eintraf. Zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens wurde hingegen der schwedische Maler Johan Axel Gustaf Acke (1859–1924), eine redselige und humorvolle Persönlichkeit. Die Jahre von 1886 bis 1892, in denen er nach Önningeby kam, gelten als die lebhaftesten in der Geschichte der Künstlerkolonie, die sich wie viele andere mit Beginn des Ersten Weltkriegs auflöste.


Gemäldegalerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 3
85221 Dachau

Bilder:

-  HSjöstrand
Strandlandschaft1890
Start: Freitag 03.11.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Donnerstag 22.02.2018
Dachau Neue Galerie: Finnische Künstler und ihre Landschaft
Bilder
Bilder
Bilder
Finnische Künstler und ihre Landschaft

Neue Galerie Dachau
Ausstellung vom 3. November 2017 bis 25. Februar 2018

Auch wenn die meisten Finnen inzwischen in der Stadt leben, gelten sie als besonders naturverbundenes Volk. Zwar hat sich das Land der Rentiere, Wälder und tausend Seen im hohen Norden Europas längst zu einer modernen, global ausgerichteten High Tech-Nation entwickelt, doch ist diese Verbundenheit mit der Natur auch in der zeitgenössischen Kunst der Finnen zu spüren, die nicht selten von intensiver Naturerfahrung gespeist wird. Zum hundertsten Jahrestag der Unabhängigkeit Finnlands am 6. Dezember zeigt die Neue Galerie Arbeiten von acht Künstlern, die in und außerhalb Finnlands leben und sich in ihren Arbeiten immer wieder mit ihrer (Wahl-)Heimat beschäftigen.
Während Aki Koskinen und Kjell Ekström sich in ihren stillen Winterlandschaften von der unmittelbaren Umgebung inspirieren lassen, abstrahiert Tiina Lamminen den Blick auf den See vom immer gleichen Standort aus. Anna Kiiskinen betrachtet die Natur in ihren Bildern im Spiegel einer Wasseroberfläche während sich Talvikki Lehtinen in ihren Bronzeskulpturen auf einfühlsame Weise feinsten Pflanzenstrukturen widmet. Essi Utriainen schmilzt aus winzigen Glassplittern glitzernde Landschaftsidyllen zusammen und Marko Lampisuo führt in seinem Video eindrücklich die Kürze der Tage durch alle Jahreszeiten hindurch vor. Ergänzend dokumentiert Albert Braun als „Außenstehender“ kritisch die aktuelle Situation um das Gelände des geplanten dritten Kernkraftwerk Hanhikivi, das – aus deutscher Sicht – die großflächige Zerstörung sensibler Ökosysteme mit sich bringt.

Neue Galerie Dachau
Konrad-Adenauer-Str. 20
85221 Dachau

Bilder:

- Aki Koskinen
Den Waldsehen, 2017

- Anna Kiiskinen
Steine, Wasser, Himmel

- Ekström
Inseln im Winter
Foto Peter Brunner
Start: Freitag 10.11.2017; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Sonntag 16.09.2018
München Pinakothek der Moderne: HELLA JO NGERIUS & LOUISE SCH OUWENBERG. BEYOND THE NEW
Bilder
Bilder
HELLA JONGERIUS & LOUISE SCHOUWENBERG. BEYOND THE NEW
PINAKOTHEK DER MODERNEDIE NEUE SAMMLUNG – THE DESIGN MUSEUM

10. NOVEMBER 2017 – 16. SEPTEMBER 2018 (PATERNOSTER-HALLE)

Die niederländische Produktdesignerin Hella Jongerius und die Designtheoretikerin Louise Schouwenberg sind eingeladen, für die Paternoster-Halle der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwickeln. Die Neue Sammlung – The Design Museum präsentiert bereits seit 2015 ihr zehnmonatiges Ausstellungsformat für zeitgenössische Designpositionen in der zweigeschossigen Paternoster-Halle in der Pinakothek der Moderne, deren architektonische Besonderheit vor allem durch die stete Bewegung der beiden Paternosteraufzüge definiert wird.Hella Jongerius hat insbesondere durch ihre charakteristische Arbeitsweise, eine Verbindung aus Handwerk und industriellen Prozessen, sowie durch ihre markanten Textil- und Farbentwürfe internationale Anerkennung erlangt. Louise Schouwenberg ist Kunst- und Designtheoretikerin und leitet den Fachbereich für Contextual Design an der renommierten Design Academy in Eindhoven. Jongerius und Schouwenberg verfassten 2015 das Manifest „Beyond the New. A Search for Ideals in Design“, welches sie auf dem Salone del Mobile in Mailand vorstellten. Darin kritisieren sie das vorrangige Interesse der Produktindustrie an der Idee des ewig Neuen um der Neuheit willen und plädieren stattdessen für eine wahrhaftige kulturelle Innovation.Die Idee des Neuen wird in der Ausstellung nun auf das Museum und seine Sammlung übertragen. Wie ist Design hier definiert? Wie unterscheiden sich die Anforderungen des Marktes von denkulturellen Ansprüchen des Museums? Kann kulturelle Innovation im Museum verortet sein?  „Ja und Nein”, sagen Jongerius und Schouwenberg. „Auf der einen Seite ist das Museum der ideale Ort, um die vielfältigen kulturellen Bedeutungen von Design verständlich zu machen. Der Besucher kann hier nachvollziehen, welche Exponate zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung das Ergebnis einer kulturellen Innovation waren und im Laufe der Zeit nichts an Bedeutung eingebüßt haben. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, ob in einem Museum die Diskrepanz zwischen Design als kulturellem Artefakt und Design als kommerziellem Gut überzeugend veranschaulicht wird. Kann das Museum tatsächlich Erkenntnisse über die Bedeutung von Design im Alltagsleben der Menschen vermitteln, wenn die Objekte im musealen Kontext ihres Funktionswertes beraubt sind?”Ein thematischer Schwerpunkt der Ausstellung ist der Aspekt des Sammelns und Ausstellens in der Neuen Sammlung – The Design Museum vor dem Hintergrund ihrer geschichtlichen Entwicklung. Anhand verschiedener Installationen wird beleuchtet, wie unterschiedliche Kontexte die Wertschätzung funktionaler Dinge beeinflussen können. Jongerius und Schouwenberg: “Designobjekte sind Vermittler zwischen Menschen und ihrer Umgebung. Sobald man sich ihrer enormen Wirkung bewusst wird, erkennt man auch welche Entwürfe hochwertiger undbedeutungsreicher sind als andere.”

Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München

Bilder:

- Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New
Die Neue Sammlung – The Design Museum
Foto / Photo: Roel van Tour

Hella Jongerius & Louise Schouwenberg. Beyond the New. Installationsansicht.
Foto: Labadie / Van Tour
Start: Donnerstag 11.01.2018; Uhrzeit: 00:00 Uhr
Ende: Samstag 24.03.2018
München: Thomas Feuerstein - Prometheus Delivered
Bilder
Thomas Feuerstein
Prometheus Delivered

Projekt
Aus Stein wird Fleisch. In seinem spektakulären Projekt „Prometheus delivered“ inszeniert Thomas Feuerstein ein faszinierendes Laboratorium aus blubbernden Bioreaktoren, geheimnisvollen Flüssigkeiten, Pump- und Schlauchsystemen. Sie winden sich um eine klassizistische Marmorskulptur des Prometheus und mäandern durch die gesamte Ausstellung. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung des österreichischen Künstlers in München. Die ERES-Stiftung freut sich, mit Thomas Feuerstein einen der bedeutendsten zeitgenössischen Akteure an der Schnittstelle von Kunst und Naturwissenschaft präsentieren zu können.

Ausgangspunkt der prozessualen Skulptur ist die Zersetzung einer Prometheus-Replik nach Nicolas-Sébastien Adam (1762). Wundersame Protagonisten dieser Verstoffwechselung sind steinfressende (chemolithoautotrophe) Bakterien. Sie verwandeln Marmor zu Gips und werden in einer weiteren komplexen Transformation selbst zur Nahrung menschlicher Leberzellen. Der dem Prometheus-Mythos innewohnende Kreislauf von Zerstörung und Neuerschaffung wird in einem biochemischen Prozess nachgebildet. Zeus kettet Prometheus als Strafe dafür, dass er den Menschen Feuer und damit Technologie brachte, an den Kaukasus. Ein Adler reißt ihm die Leber aus dem Leib – doch wächst sie jede Nacht wieder nach. Endpunkt von Thomas Feuersteins „Prometheus delivered“ ist – in Analogie zum Mythos – ein Bioreaktor, in dem humane Hepatozyten heranwachsen und die schließlich eine neue dreidimensionale Leberskulptur bilden. Wie in der Antike wird die Leber zum Organ und Medium der Zukunftsschau. Denn Feuerstein lässt mit seiner Installation in eine künftige Gesellschaft blicken, die sich nicht länger von Tieren und Pflanzen, sondern möglicherweise von eigenen Körperzellen ernährt.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte über Zeichnungen und Objekte, vertont sie über eine literarische Fiktion in Form eines Hörspiels und performiert sie über biochemische Prozesse. Neben fundierten naturwissenschaftlichen Fakten ist die Schau auch Science-Fiction-Story und Splattermovie am Abgrund zum Horror.

Der an der Schnittstelle von angewandter und theoretischer Wissenschaft arbeitende Künstler Thomas Feuerstein (*1968, lebt in Wien) verschränkt in seinen Projekten Erkenntnisse aus Philosophie, Kunstgeschichte und Literatur mit Biotechnologie, Ökonomie und Politik. Daraus entwirft er ein künstlerisches Narrativ, das Fragen nach existenziellen Grundparametern und dem Ursprung von Leben eröffnet.

ERES-Stiftung
Römerstr. 15
D–80801 München
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.