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Museen heute

Stuttgart: Romane Holderried Kaesdorf. Haltung bewahren

Romane Holderried Kaesdorf. Haltung bewahren

Ausstellung vom 27. September 2025 bis 12. April 2026 
Kunstmuseum Stuttgart 

Romane Holderried Kaesdorf (1922–2007) ist eine der interessantesten Vertreter:innen der zeitgenössischen Grafik Südwestdeutschlands. Erstmals im Kunstmuseum Stuttgart ist nun in einer Einzelausstellung ihr außergewöhnliches wie eigensinniges Werk zu entdecken.  
Fünf Jahrzehnte lang hat Romane Holderried Kaesdorf nahezu täglich gezeichnet, wobei sie sich konsequent gegen die Strömung der vorherrschenden Nachkriegsabstraktion stellte. Ihre Zeichnungen gehören mit zum Außergewöhnlichsten, was das Medium Zeichnung im 20. und 21. Jahrhundert hervorgebracht hat. 
Trotz dieser überragenden Qualität und obgleich Museen früh auf die Künstlerin aufmerksam wurden, blieb die Rezeption ihres Werkes überwiegend auf Baden Württemberg beschränkt. Die Galerie der Stadt Stuttgart begann bereits 1953 Arbeiten von Holderried Kaesdorf anzukaufen. Heute besitzt das Kunstmuseum Stuttgart zwanzig ihrer Werke.  
Ergänzt um Leihgaben aus öffentlichen und privatem Besitz, zeigt die Ausstellung einen repräsentativen Querschnitt ihres Werks seit den 1960er-Jahren – von den surrealen Szenerien über die Männer- und Frauenzeichnungen bis hin zu späten Serien, in denen sie ihr Sujet mit nur noch wenigen Strichen umsetzt. 
Die Werkschau gibt eine Vorstellung von der motivischen sowie stilistischen Entwicklung der unverwechselbaren Bildsprache von Holderried Kaesdorf. Die Arbeiten von Holderried Kaesdorf zeichnet ein leiser, hintergründiger Humor aus, der aus der Begegnung ihrer Figuren untereinander oder mit Dingen entsteht. Die Frauen und Männer ihrer Bildwelten scheinen immerzu beschäftigt: Sie erproben Körperhaltungen, sie hantieren und interagieren, ja ringen mit wiederkehrenden Gegenständen – mit Stühlen, Schemeln, Sesseln und Sofas, Büfetts und Schränkchen –, mal hingebungsvoll, mal mit großer Sorgfalt, mal unbeholfen oder steif. Gleichsam wie in Versuchsanordnungen erforschen die Zeichnungen mögliche Beziehungsgefüge zwischen dem Individuum zu sich selbst und seiner eigenen Körperlichkeit sowie zu der es umgebenden Umwelt. 

Manche dieser seltsam, gelegentlich auch bizarr anmutenden Episoden mögen irritieren, besonders ungewöhnlich sind sie allerdings nicht. Es könnten alltägliche Szenen sein, die die Künstlerin mit größtmöglicher Sachlichkeit schildert. Sie vermeidet dabei jede Wertung. Die Titel der Blätter, häufig längere Satzfragmente, beschreiben entweder auf lakonische Weise den Bildinhalt oder fügen als Kommentar den Zeichnungen eine weitere Bedeutungsebene hinzu. Zum Beispiel: »Vor der Tür kriechend« (1963), »Jäger üben für die 4. und letzte Dienstprüfung« (1971), »1 Frau schiebt den Stuhl, am Rand Turnerinnen« (1980), »Merkblatt, wie man ein kleines Brett mit einer Hand hält, wie man ein kleines 
Brett mit 2 Händen hält« (1990). 
Auffällig ist, dass die Aktionen und Handlungen der weiblichen Figuren gegenüber den männlichen stets dynamischer ausfallen: ihr Verhalten und ihre Haltungen sind geprägt von einer inneren Freiheit und Gegenwärtigkeit, die Selbstbewusstsein ausstrahlen. Auffällig ist auch, dass ab 1976 weitgehend nur noch Frauendarstellungen entstehen. Bis dahin dominieren Männer die Zeichnungen. Die Hinwendung zu weiblichen Figuren erfolgte in einem längeren Prozess, eine Motivation könnte gewesen sein, dass die UNESCO 1975 das »Internationale Jahr der Frau« ausrief. Es wurde damit ein politisches wie gleichermaßen gesellschaftliches Zeichen gesetzt, das weltweit auch Künstlerinnen ermutigen sollte, für eine größere Sichtbarkeit im Kunstbetrieb zu kämpfen. Als Feministin hat sich Holderried Kaesdorf zwar nie gesehen, gleichwohl hat sie sich zeitlebens für die Darstellung von Frauen in der Kulturgeschichte und für die Werke insbesondere weiblicher Kolleginnen interessiert.  
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand-Verlag. 
Kuratorin: Eva-Marina Froitzheim 

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1
70173 Stuttgart
Abbildung: 
- Romane Holderried Kaesdorf 
Jäger üben für die 4. und letzte Dienstprüfung, 1971 
Farbstift und Bleistift auf Papier, 51 x 73 cm 
Museum Biberach 
© Nachlass Romane Holderried Kaesdorf 
Museen heute

Kunstmuseum Stuttgart: Rolf Nesch, Nadira Husain, Ahmed Umar - Prägungen und Entfaltungen

Rolf Nesch, Nadira Husain, Ahmed Umar
Prägungen und Entfaltungen

Ausstellung vom 08. November 2025 bis 12. April 2026
Kunstmuseum Stuttgart

Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bilden Druckgrafiken und Reliefarbeiten von Rolf Nesch (1893–1975) aus der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart. Sie treten in Dialog mit Werken der zeitgenössischen Künstler:innen Nadira Husain (*1980) und Ahmed Umar (*1988). Alle drei verbinden Migrationserfahrungen, die sich in Motivik und Bildsprache ihrer Arbeiten widerspiegeln.

Der aus Oberesslingen stammende Rolf Nesch emigriert 1933 als Gegner des Nationalsozialismus nach Norwegen. Seine Formensprache wandelt sich grundlegend durch den Einfluss nordischer Natur, Kultur und Menschen. Auch das Werk der indisch-baskisch-französischen Künstlerin Nadira Husain zeugt von transkulturellen Bewegungen und Reflexionen über die kulturelle Identität einer postmigrantischen zweiten Generation. Ahmed Umar flieht vor politischer Verfolgung aus dem Sudan nach Norwegen, um dort als queerer Künstler ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit seinen spirituellen und kulturellen Wurzeln zu führen.


Rolf Nesch (1893–1975)
Rolf Nesch studiert an der Kunstakademie Dresden. Nach einem Studienaufenthalt bei Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos beginnt er mit druckgrafischen Experimenten. Bereits vor seiner Emigration 1933 entwickelt er einen besonderen Metalldruck, bei dem auf die Druckplatte gelötete Metallstücke mitgedruckt werden. In Norwegen erweitert er diese Praxis, sodass am Ende dreidimensionale Materialbilder stehen. Die Beschäftigung mit dem Land und seiner Kultur, die Faszination für nordische Landschaften und Erzählungen, aber auch Exilerfahrungen und die Anpassung an neue Lebensumstände prägen Neschs Schaffen. Von 1960 bis Mitte der 1980er-Jahre erwirbt die Galerie der Stadt Stuttgart – der Vorgängerinstitution des Kunstmuseums Stuttgart – knapp 90 Arbeiten des Künstlers. Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums und Leihgaben aus dem In- und Ausland geben Einblick in sein transmediales, kulturübergreifendes Œuvre. Rolf Nesch zählt heute zu den bedeutendsten Künstler:innen Norwegens.

Nadira Husain (*1980)
Nach ihrem Kunststudium an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris zieht Nadira Husain nach Berlin. In ihren auffächernden, raumgreifenden Malereien und Installationen geht sie Themen wie Postmigration, Transkulturalität und kultureller Hybridität nach. Dabei verwendet sie traditionelle Handwerkstechniken und integriert Textilien und Keramik. Durch den Rückgriff auf Symbole und Erzählungen verschiedener Kulturkreise, die mit ihrem eigenen biografischen Hintergrund verknüpft sind, entstehen vielschichtige Bildkompositionen. In ihnen entspinnt sich ein dichtes Bezugssystem zu indopersischer Mogulmalerei, europäischen Comicfiguren und Elementen des Sufismus. Im Kunstmuseum Stuttgart präsentiert die Künstlerin neue Arbeiten, darunter eine vor Ort gestaltete Wandarbeit.

Ahmed Umar (*1988)
Der aus dem Sudan stammende Künstler und LGBTQIA+Aktivist Ahmed Umar flieht wegen der politischen Verfolgung seiner Person 2008 nach Norwegen. Dort studiert er bis 2016 Druckgrafik sowie medium- und materialbasierte Kunst an der National Academy of the Arts in Oslo. Seine künstlerische Praxis kennzeichnet eine fortwährende Beschäftigung und Erforschung neuer Materialien und die Umgestaltung von Fundstücken. Zugleich zeugt sein Werk von der Zerrissenheit eines Individuums zwischen traditionellen Geschlechterrollen, Religiosität und dem Streben nach Selbstbestimmung. Umar identifiziert sich als queer und versteht sich als politischer Künstler. Das Kunstmuseum Stuttgart präsentiert Ahmed Umars Werk erstmalig in Deutschland.

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 13
70173 Stuttgart


Abbildungen:
- Rolf Nesch 
Der Heilige Sebastian, 1941–1942 
Materialbild, 150 x 300 cm 
Kunstmuseum Stuttgart 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / 
Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart 
- Ahmed Umar 
Glowing Phalanges, 2025 
Arbeitsstudie 
Courtesy Ahmed Umar und OSL contemporary, Oslo 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Ahmed Umar 
- Rolf Nesch 
Landschaft von Bykleheia, 1939–1940 
Stein, Glas und Metall auf Kupferplatte,  
auf Holzplatte montiert, 96 x 156 cm 
Nasjonalmuseet Oslo 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Morten Thorkildsen 
Museen heute

Franz Marc Museum: Wilde Farben, freier Geist. 120 Jahre Künstlergruppe Brücke

Wilde Farben, freier Geist. 120 Jahre Künstlergruppe Brücke

Ausstellung vom 23. November 2025 bis 12. April 2026
Franz Marc Museum, Kochel am See

Anlässlich des 120jährigen Gründungsjubiläum der Künstlergruppe Brücke zeigt das Franz Marc Museum in Kochel am See ab Ende November herausragende Meisterwerke des deutschen Expressionismus, darunter bedeutende Leihgaben aus dem Kunstmuseum Ravensburg und aus Privatbesitz.

1905 wagte eine Gruppe junger Künstler den Aufbruch in die Moderne. Mit leuchtenden Farben, radikal vereinfachten Formen und einer neuen, subjektiven Ausdruckskraft suchten sie nach einem unverstellten Zugang zur Welt. Die Brücke-Künstler forderten den Kunstbegriff ihrer Zeit heraus und legten den Grundstein für die Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland.

Die Ausstellung zeichnet in thematisch gegliederten Kapiteln die charakteristischen Facetten dieser Gemeinschaft nach. Ausgehend von ihrem kulturkritischen Anspruch, die starren Regeln und Konventionen der wilhelminischen Kunst durch das „Unmittelbare“ und „Unverfälschte“ zu überwinden – wie es im Programm der Brücke von 1906 formuliert wurde –, strebten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller nach einer neuen Einheit von Kunst und Leben. Dieses Ideal zeigt sich ebenso in den vitalen Aktdarstellungen der frühen Dresdner Jahre wie in den von der Dynamik und Widersprüchlichkeit der Großstadt geprägten Szenen der Berliner Zeit. Die Faszination des Ursprünglichen führte zugleich zur Auseinandersetzung mit außereuropäischer Kunst und Kultur, die den Künstlern als ästhetisches und spirituelles Vorbild diente.
Aus heutiger Perspektive erscheint dieser Blick jedoch auch als Ausdruck einer unreflektierten Aneignung kolonial geprägter Bilderwelten. Ebenso werfen manche ihrer Werke, etwa Darstellungen kindlicher Modelle, Fragen nach Grenzüberschreitungen und Geschlechterrollen auf, die im historischen Kontext kritisch zu beleuchten sind.

Mit rund 50 Arbeiten – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und grafischen Werken – beleuchtet die Ausstellung die Anfänge einer Bewegung, die Kunst und Leben untrennbar miteinander verband. Zugleich lädt sie dazu ein, das Erbe der Brücke neu zu betrachten: als Ausdruck eines radikalen Aufbruchs, dessen schöpferische Energie wie auch seine Widersprüche bis in die Gegenwart wirken.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8–10
82431 Kochel am See
Abbildungen: 
- Erich Heckel, Parksee, 1914, Franz Marc Museum, Kochel a. See Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
- Otto Mueller, Badende, 1920, Franz Marc Museum, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
Museen heute

Lenbachhaus: Iman Issa. Lass uns spielen

Iman Issa. Lass uns spielen

Ausstellung vom 25. November 2025 bis 12. April 2026
Lenbachhaus, München

In ihrem zugleich spielerischen wie formal präzisen Werk befasst sich Iman Issa mit den immerwährenden Fragen der Kunst: Was ist ein Kunstwerk? Wie verhält sich ein Objekt oder ein Bild zu den Belangen seiner Zeit? Welche Rolle kommt den Künstler*innen in ihrer
jeweiligen Gegenwart zu?
Die gezielte Fragestellung ist für Issa (*1979, Kairo) ein Medium ebenso wie Holz, Metall oder Fotografie. Ist eine Frage aufgeworfen oder eine Hypothese skizziert, prüft sie deren Schlüssigkeit anhand neuer künstlerischer Arbeiten. Oftmals entstehen so ganze Serien, die so lange andauern, bis die Frage erschöpft scheint. Issas Arbeiten spielen auf die Kunst anderer an, auf Denkmäler, Literatur, Gemälde und Fotografien, über einen Zeitraum von Jahrhunderten und über nationale Grenzen hinweg.
Nach dem Studium der Philosophie und der Politikwissenschaften arbeitete die Künstlerin anfangs vorwiegend fotografisch. Heute nehmen Issas Werke meist installative Form an. Ihre „Displays“, wie sie diese nennt, bestehen aus sich aufeinander beziehenden Elementen: kurze Texte, Fotos, Bücher, Videos und Objekte. Oftmals unterlaufen diese Konstellationen die traditionelle Beziehung zwischen Bildunterschrift und Illustration. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Text und eine Skulptur ein abwesendes drittes Objekt heraufbeschwören oder aber gezielt aneinander vorbeideuten.
Issas Methoden werfen die Frage auf, inwiefern die Wahrnehmung von künstlerischen Formen durch ihre gesellschaftlichen Gegebenheiten geprägt ist: Ist ein Denkmal oder ist ein Bild den Interpretationen seiner Betrachter*innen ausgeliefert, sodass sich seine Bedeutung ständig ändert? Inwiefern formen umgekehrt künstlerische Objekte unseren Blick auf die Welt? Issa löst diesen Knoten mit der subjektiven Behauptung, dass eine bestimmte Form die einzig mögliche für die Darstellung eines bestimmten Konzepts sei.
Der von Issa angeregte Ausstellungtitel Lass uns spielen lädt dazu ein, aufgeweckt zu betrachten, die gesponnenen enzyklopädischen Bezüge zu verfolgen und sich selbst ein Bild zu machen.
Kuratiert von Stephanie Weber

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:

- Iman Issa, Material for a sculpture proposed as an alternative to a monument that has become an embarrassment to its people, 2010, Courtesy Sylvia Kouvali © Iman Issa 2025
- Iman Issa, Heritage Studies #38, 2020, Courtesy Sylvia Kouvali © Iman Issa 2025
- Iman Issa, Self-Portrait (Self as Alenka Zupan?i?), 2020, Courtesy Sylvia Kouvali © Iman Issa 2025
Museen heute

Murnau: Erna und Carl Rabus - Die Fotografin und der Maler

Erna und Carl Rabus
Die Fotografin und der Maler

Ausstellung vom 10. Dezember 2025 bis 12. April 2026
Schlossmuseum Murnau

2006 zeigte das Schloßmuseum Murnau eine Sonderausstellung zu dem Künstler Carl Rabus (Kempten 1898–Murnau 1983), der zwischen 1974 und 1983 zusammen mit seiner Frau in Murnau am Staffelsee gelebt hatte. Erna Rabus, geb. Adler (Wien 1913–Murnau 2007), machte damals dem Schloßmuseum das Werk ihres Mannes sowie private Dokumente vollumfänglich zugänglich. Die Ausstellung widmete sich Carl Rabus‘ Anfangsjahren als Illustrator, seinen Gemälden und späteren Hinterglasbildern sowie darüber hinaus seinem Kontakt zu Gabriele Münter, die ihn Mitte der 1920er-Jahre in Berlin mehrfach porträtiert hatte.

Die Ausstellung 2025 rückt nun das künstlerische Schaffen der Porträtfotografin erstmals in den Vordergrund und neben das Werk ihres Mannes. Die Ausstellung gibt gleichzeitig Einblick in das bewegte Leben der beiden Künstler, das von Verfolgung und Flucht geprägt war.

Bereits als junge Frau, Assistentin der Fotografinnen Trude Geiringer (1890–1981) und Dora Horovitz (1894–1959), musste Erna Adler 1937 aus Wien ins Exil fliehen. Sie ging nach Antwerpen und später nach Brüssel, wo sie bis 1940 unter dem Pseudonym Eva Simon als Porträtfotografin arbeitete und wohin ihr Carl Rabus, den sie 1930 in Wien kennengelernt hatte, folgte. Erna erwies sich dabei auch als Fotografin, die mit Leidenschaft Momente des täglichen sozialen Lebens festhielt, insbesondere in Ostende und während ihrer zahlreichen Reisen in die Welt. Beide verbrachten mehrere Monate in Ostende, wo sie u. a. James Ensor in seinem Atelier besuchten und Felix Nussbaum begegneten. Im Mai 1940, nachdem die deutsche Wehrmacht Belgien besetzt hatte, wurden beide verhaftet. Erna Adler verlor ihre gesamte Fotoausrüstung, die die Gestapo beschlagnahmte. Immerhin wurde sie wieder freigelassen und lebte anschließend im belgischen Untergrund. Carl Rabus wurde in das südfranzösische Internierungslager Saint-Cyprien verbracht. Als das Lager aufgrund seiner desaströsen Zustände im Dezember 1940 geschlossen wurde, konnte er nach Brüssel zurückkehren. 1942 wurde er unter dem Vorwurf der „Rassenschande“ erneut festgenommen und in Wien inhaftiert. Vorzeitig entlassen aus dem Gefängnis und nach Belgien zurückgekehrt, heirateten Carl und Erna am 25. November 1944. Erst 1945 konnte Erna Rabus ihre Arbeit als Fotografin wiederaufnehmen. Auch Carl Rabus begann erneut zu arbeiten und setzte sich in dem berühmten Holzschnittzyklus „Passion 1940/45“ mit seinen Lagererfahrungen auseinander.

Mit Werken aus der Sammlung Karl Grosselfinger und Fotografien aus dem Nachlass Rabus gibt die Ausstellung Einblick in das bewegte Schicksal zweier Künstler, die in unverbrüchlicher Liebe und Wertschätzung für das Werk des anderen das Schicksal ihrer Generation durchlebten.

Schlossmuseum Murnau
Schloßhof 2-5,
82418 Murnau a. Staffelsee
Abbildungen: 
- Erna Rabus auf einem Balkon in Dalmatien, 1935, Privatbesitz
- Carl und Erna Rabus, Südfrankreich, um 1950, Privatbesitz
- Erna Adler, Carl Rabus beim Malen, 1920er-Jahre, Privatbesitz
- Erna Adler, Fischerboote, Ostende 1937, Privatbesitz / Musée Juif de Belgique
Tipp heute

Olching: JACOPO SABINA (Laute)

Foto: https://www.jacoposabina.com/
JACOPO SABINA  LEISE VIRTUOSITÄT 
Lautenmusik von Sylvius Leopold Weiss
Jacopo Sabina konzertiert in Italien und Deutschland und arbeitete mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Andrea Marcon, Stefano Montanari, Andrea De Carlo, Ivor Bolton und Gianluca Capuano. Als Continuo-Spieler ist er regelmäßig mit der Bayerischen Staatsoper, den Münchner Philharmonikern, der Hofkapelle München, dem Teatro Real Madrid und dem Münchener Bach-Orchester zu hören. Zudem gastiert er bei zahlreichen Festivals für Alte Musik. 
Silvius Leopold Weiss (1687–1750) gehört zu den faszinierendsten, aber oft unterschätzten Figuren der Barockmusik. Geboren 1687 in Breslau (heute Wroc?aw), entwickelte er sich zu einem der größten Lautenisten seiner Zeit – und das in einer Epoche, in der die Laute langsam von anderen Instrumenten verdrängt wurde. Schon als Kind erhielt Weiss Unterricht von seinem Vater, der selbst Lautenist war. Doch sein Talent ging weit darüber hinaus: Früh zog es ihn an europäische Höfe, wo er als Virtuose und Komponist auftrat. Besonders prägend war seine Zeit am Dresdner Hof, einem der kulturellen Zentren Europas. Dort stand er im Dienst von Kurfürst August der Starke und machte sich einen Namen als musikalisches Ausnahmetalent. Was Weiss so besonders macht, ist nicht nur seine technische Brillanz, sondern auch die emotionale Tiefe seiner Musik. 
Seine Werke für Laute – vor allem die sogenannten „Suiten“ – verbinden Eleganz, Virtuosität und eine fast intime Ausdruckskraft. Anders als viele seiner Zeitgenossen schrieb er kaum für andere Instrumente; die Laute war seine Welt, und er schöpfte ihre Möglichkeiten vollständig aus. Ein besonders spannender Aspekt seines Lebens ist seine Begegnung mit Johann Sebastian Bach. Die beiden Musiker sollen sich in Leipzig getroffen und gemeinsam musiziert haben. Man erzählt sogar von einem musikalischen Wettstreit zwischen ihnen – ein Duell zweier Giganten der Barockzeit, bei dem es weniger um Sieg als um gegenseitige Bewunderung ging. 
Trotz seiner Berühmtheit zu Lebzeiten geriet Weiss nach seinem Tod 1750 – im selben Jahr wie Bach – lange in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert wurde seine Musik wiederentdeckt. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Komponisten für Laute überhaupt, und seine Werke werden von Spezialisten der Alten Musik weltweit aufgeführt. 
Seine Musik lädt dazu ein, innezuhalten: Sie ist nicht laut oder dramatisch im modernen Sinne, sondern subtil, fein und voller Nuancen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Klangwelt, die gleichzeitig fremd und überraschend vertraut wirkt – wie ein leises Gespräch aus einer anderen Zeit.
Programm: 
Sylvius Leopold Weiss (1687-1750) 

- Sonate in B-Dur 
- Prelude, Entrée, Bourée I, Bourée II, Gavotte I, Gavotte II, Sarabande, Menuet I, Menuet II, Saltarella 
- Prelude und Allegro in Es-Dur 
- Ciaccona in Es-Dur 
- Sonate in a-moll “L’infidele” 
- Entrée, Courante, Sarabande, Menuet, Musette, Paysanne
KOM-Kulturwerkstatt
Hauptstraße 68, 82140 Olching
Konzert heute

Olching: JACOPO SABINA (Laute)

JACOPO SABINA  
LEISE VIRTUOSITÄT 
Lautenmusik von Sylvius Leopold Weiss
Jacopo Sabina konzertiert in Italien und Deutschland und arbeitete mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Andrea Marcon, Stefano Montanari, Andrea De Carlo, Ivor Bolton und Gianluca Capuano. Als Continuo-Spieler ist er regelmäßig mit der Bayerischen Staatsoper, den Münchner Philharmonikern, der Hofkapelle München, dem Teatro Real Madrid und dem Münchener Bach-Orchester zu hören. Zudem gastiert er bei zahlreichen Festivals für Alte Musik. 
Silvius Leopold Weiss (1687–1750) gehört zu den faszinierendsten, aber oft unterschätzten Figuren der Barockmusik. Geboren 1687 in Breslau (heute Wroc?aw), entwickelte er sich zu einem der größten Lautenisten seiner Zeit – und das in einer Epoche, in der die Laute langsam von anderen Instrumenten verdrängt wurde. Schon als Kind erhielt Weiss Unterricht von seinem Vater, der selbst Lautenist war. Doch sein Talent ging weit darüber hinaus: Früh zog es ihn an europäische Höfe, wo er als Virtuose und Komponist auftrat. Besonders prägend war seine Zeit am Dresdner Hof, einem der kulturellen Zentren Europas. Dort stand er im Dienst von Kurfürst August der Starke und machte sich einen Namen als musikalisches Ausnahmetalent. Was Weiss so besonders macht, ist nicht nur seine technische Brillanz, sondern auch die emotionale Tiefe seiner Musik. 
Seine Werke für Laute – vor allem die sogenannten „Suiten“ – verbinden Eleganz, Virtuosität und eine fast intime Ausdruckskraft. Anders als viele seiner Zeitgenossen schrieb er kaum für andere Instrumente; die Laute war seine Welt, und er schöpfte ihre Möglichkeiten vollständig aus. Ein besonders spannender Aspekt seines Lebens ist seine Begegnung mit Johann Sebastian Bach. Die beiden Musiker sollen sich in Leipzig getroffen und gemeinsam musiziert haben. Man erzählt sogar von einem musikalischen Wettstreit zwischen ihnen – ein Duell zweier Giganten der Barockzeit, bei dem es weniger um Sieg als um gegenseitige Bewunderung ging. 
Trotz seiner Berühmtheit zu Lebzeiten geriet Weiss nach seinem Tod 1750 – im selben Jahr wie Bach – lange in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert wurde seine Musik wiederentdeckt. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Komponisten für Laute überhaupt, und seine Werke werden von Spezialisten der Alten Musik weltweit aufgeführt. 
Seine Musik lädt dazu ein, innezuhalten: Sie ist nicht laut oder dramatisch im modernen Sinne, sondern subtil, fein und voller Nuancen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Klangwelt, die gleichzeitig fremd und überraschend vertraut wirkt – wie ein leises Gespräch aus einer anderen Zeit.
Programm: 
Sylvius Leopold Weiss (1687-1750) 

- Sonate in B-Dur 
- Prelude, Entrée, Bourée I, Bourée II, Gavotte I, Gavotte II, Sarabande, Menuet I, Menuet II, Saltarella 
- Prelude und Allegro in Es-Dur 
- Ciaccona in Es-Dur 
- Sonate in a-moll “L’infidele” 
- Entrée, Courante, Sarabande, Menuet, Musette, Paysanne
KOM-Kulturwerkstatt
Hauptstraße 68, 82140 Olching
Zugabe heute

München: Gerhard Polt und NouWell Cousines - Lehrjahre eines Übeltäters

Gerhard Polt und NouWell Cousines: Lehrjahre eines Übeltäters
Gerhard Polts Kindheitserinnerungen aus der Nachkriegszeit sind gespickt mit den Waffen des fantasiebegabten Kindes, eingesetzt gegen erwachsene Griesgrame und Grantler.

Der junge Polt lässt sich dabei von der Gewissheit leiten, dass jeder Kindertag ohne einen gelungenen Streich verschenkt ist. Wem ein "Du Hundskrüppel, du verreckter!" nachgerufen wurde, der fand große Anerkennung unter seinesgleichen. Man wünscht sich dieses Buch unter die Kopfkissen unzähliger Kinder, damit sie den Brutstätten trostloser Fadheit – wie etwa Schulen oder Reihenhaussiedlungen – etwas entgegenzusetzen haben. Die "Lehrjahre eines Übeltäters" sind ein nicht zu unterschätzender Beitrag gegen zu früh einsetzende Bravheit.

Bei den nouWell cousines stehen trotz hoher Verwandtschaftsdichte vier unterschiedliche Charaktere auf der Bühne, die mit ihrer Spielfreude, Virtuosität und Vielseitigkeit bestechen. Talent, Bühnenlust und Humor hat ihnen die Musikerfamilie Well mitgegeben. Sie haben jedoch ihren eigenen Stil entwickelt – genreübergreifend, weltoffen und regional verwurzelt.

MATTHIAS WELL, Geige
MARESA WELL, Geige
MARIA WELL, Violoncello
ALEX Vicar, Akkordeon und Komposition
PrinzregententheaterPrinzregentenpl. 12, 81675 München
Konzert heute

Kloster Seeon: Mostly Mozart Trio

Mostly Mozart Trio
Das Mostly Mozart Trio, bekannt für seine feinfühligenArrangements und virtuosen Improvisationen über Mozarts Meisterwerke, begibt sich in seinem neuen Programm auf eine musikalische Spurensuche nach Amadeus tiefster Inspirationsquelle: der Liebe.

Dabei dreht sich alles um die drei Herzensdamen des Meisters, also Mozarts ganz persönliches „ABC“ der Liebe: „A“ wie Aloisia, „B“ wie das berühmte „Bäsle“ und „C“ wie Constanze, seine spätere Ehefrau. Ein sinnliches Konzerterlebnis für Klassikliebhaber und Jazzfans und alle, die Mozarts Musik neu entdecken möchten.

Mit: Astrid Hofmann (Klavier), Bertram Liebmann (Bass), Jonas Hofmann (Drums) und dem bekannten BR-Sprecher und Schauspieler Hans Jürgen Stockerl.
Kloster Seeon
Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern 
Klosterweg 1, 83370 Seeon 
Theater heute

Fürstenfeld: Stolz und Vorurteil* (*oder so)

Stolz und Vorurteil* (*oder so)Isobel McArthur, nach Jane Austen
Mrs. Bennet hat fünf Töchter, die sie dringend an den Mann bringen muss. Wie es das patriarchale Erbrecht vorsieht, muss sich zumindest eine der Töchter einen standesgemäßen Junggesellen angeln, um das Erbe der Familie zu sichern. Als der vermögende Charles Bingley in die Nachbarschaft zieht, scheint das Glück zum Greifen nah. Doch dem Weg zum Happy End sind selbstverständlich zahlreiche verletzte Eitelkeiten zu verarzten und emotionale Verwicklungen zu entwirren.

In Isobel McArthurs gefeierter Neufassung von Jane Austens Romanklassiker Stolz und Vorurteil schlüpfen fünf Dienstmädchen in 18 Rollen und erzählen modern, temporeich und witzig eine Geschichte über ökonomische Abhängigkeiten und weibliche Selbstbestimmung. Dabei wird die weltberühmte Vorlage aus dem Jahr 1813 zu einer Pop-Komödie mit Live-Gesang.

mit Anne Distler, Kerstin Henning, Sabine Ostermeier, Christina Schmiedel  und Silvie Stollenwerk
Regie:  Barbara Lackermeier
Musikalische Leitung: Andreas Harwath
Regieassistenz: Nora Berkmann und Isabell Schwirkmann
Neue Bühne Bruck e.V.Fürstenfeld 11, 82256 Fürstenfeldbruck
Konzert heute

Unterhaching: Bruckner Akademie Orchester

Bruckner Akademie OrchesterJordi Mora, Leitung

Paul Hindemith: Symphonie "Mathis der Maler"
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 9 in d-Moll

Die Symphonie "Mathis der Maler" von Paul Hindemith wurde 1934 uraufgeführt und zählt zu den meistgespielten und beliebtesten Werken des Komponisten. Entstanden während der Arbeit an der gleichnamigen Oper setzen die drei Sätze der Symphonie Bildmotive des "Isenheimer Altars" musikalisch um.

Im zweiten Teil des Konzerts erklingt die neunte und letzte Symphonie Anton Bruckners. Von 1887 bis zu seinem Tod 1896 arbeitete Bruckner, bereits schwer krank, an dem Werk, das er gemäß mündlicher Überlieferung "dem lieben Gott" widmete. Drei Sätze konnte er vollenden, den letzten, das Adagio, hielt Bruckner selbst für seinen besten und schönsten Satz.

Im Bruckner Akademie Orchester treffen sich zweimal jährlich Musiker aus dem In- und Ausland zu einer konzentrierten Probenphase und anschließenden Konzerten unter der Leitung des Dirigenten Jordi Mora. Der Name des Orchesters entspricht der Zielsetzung, das sinfonische Schaffen Bruckners regelmäßig einzustudieren und aufzuführen.
Kultur- und Bildungszentrum Unterhaching (KUBIZ)
Jahnstraße 1
82008 Unterhaching
Konzert heute

Unterföhring: Antje Rietz & Band

Antje Rietz & Band
Henry Mancinis Welterfolge

Die Sängerin und Schauspielerin Antje Rietz, die an den Schauspielbühnen Stuttgart für ihre Interpretation der Hauptrolle in „Victor / Victoria“ mit dem Publikumspreis geehrt wurde, widmet sich gemeinsam mit ihrer „Pocket Big Band“ im Konzertprogramm „Rendezvous mit dem Pink Panther“ dem genialen Komponisten, Musiker und Menschen Henry Mancini, der in der Swing-Ära für Benny Goodman und Glenn Miller arbeitete und mit seinen preisgekrönten Melodien (u. a. „Peter Gunn“ und „Days of Wine and Roses“) Filmgeschichte schrieb.

Der Name Henry Mancini ist ein Synonym für legendäre Filmmusik. Die Titelmelodie zu „Der rosarote Panther“ genießt inzwischen Kultstatus und der speziell für Audrey Hepburn geschriebene Song „Moon River“ zum Film „Frühstück bei Tiffany“ gilt als Teil des Great American Songbook. Retrostylische Revuenummern, die einen außergewöhnlichen Konzertabend versprechen!

Bürgerhaus UnterföhringMünchner Str. 65, 85774 Unterföhring
Konzert heute

Augsburg: THE BROWNING

THE BROWNING

Vom Geheimtipp grad auf dem Weg nach ganz oben! Die Rave Metaller aus Kanses City kommen nach rappelvollen Deutschlandshows in 2025 zu einer Zugabe in 2026 mit drei weitern Bands, die es in sich haben! VVK nutzen!

Gegründet im Jahr 2005 in Kansas City, haben sich The Browning einen Ruf als unermüdliche Fusion von Deathcore, Metalcore und elektronischer Musik erarbeitet, indem sie Hardstyle, Dubstep und Trance in eine Klanglandschaft integrieren, die ebenso innovativ wie aggressiv ist. Im Laufe der Jahre haben sie sich als Pioniere etabliert und die Lücke zwischen der Wut des Metals und der pulsierenden Energie elektronischer Beats überbrückt. An der Spitze steht Frontmann Jonny McBee, dessen Vision weiterhin die Grenzen mit dem kommenden Album der Band, OMNI, verschiebt, das im November 2024 veröffentlicht wird. Bekannt für ihre furchtlose Experimentierfreude hat The Browning ihren genreübergreifenden Sound auf neue Höhen gebracht und bezeichnet ihn jetzt subtil als RAVE METAL, eine hochtourige Mischung, in der viszerale Riffs auf den hypnotischen Puls elektronischer Rhythmen treffen. Diese Evolution verspricht, die Wahrnehmung sowohl von Metal- als auch von elektronischer Musik neu zu gestalten.
KANTINE Halderstraße 1 86150 Augsburg / Königsplatz
Konzert heute

Fürstenfeld: Quadriga Consort - Timeless Tales of Strong Women

Quadriga Consort
Timeless Tales of Strong Women
Alte Musik in Fürstenfeld

Sophie Eder, Gesang / Karin Silldorff, Blockflöten / Angelika Huemer, Blockflöten & Diskantgambe / Dominika Teufel, Tenorgambe / Philipp Comploi, Bass de Violon / Tobias Steinberger oder Laurenz Schiffermüller, Schlagzeug / Nikolaus Newerkla, Cembalo, Vibrandoneon, Arrangements, Leitung

Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt alter Folksongs mit einem Programm über „Furchtlose Frauen“. Hier werden mutige Heldinnen lebendig, die in Männerkleidern ihren eigenen Weg gehen und sich mit Witz und Scharfsinn gegen die Herausforderungen ihrer Zeit behaupten. Diese starken Protagonistinnen inspirieren durch ihre Geschichten und zeigen, wie Sinnlichkeit und Stärke oft Hand in Hand gehen. Ein spannendes Programm der “Early Music Band” Quadriga Consort – voller fesselnder Melodien und berührender Erzählungen.
Veranstaltungsforum FürstenfeldFürstenfeld 12, 82256 Fürstenfeldbruck
Zugabe heute

Landsberg: Erwin Rehling

Erwin Rehling„FilmSchnipsl“
s´Maximilianeum

Erwin Rehling zählt zu dieser Art Freigeister, die es besonders in Bayern gibt. Seit den 80ern mischt er die hiesige Kulturszene mit einem ordentlichen Schuss Anarchie auf, ohne dabei seine bayerische Herkunft zu verleugnen. In Landsberg gastiert der 2024 mit dem Bayerischen Kulturpreis ausgezeichnete Rehling mit dem Programm „FilmSchnipsl“. Weil das Leben nach vorne kürzer wird und die Rückschau darob umso vielfältiger gerät, widmete sich der mittlerweile 71-Jährige verstärkt dem „Früher“ des Lebens. So auch in „FilmSchnipsl“. In dem Programm sind Filme und Filmtitel die Lichter entlang der Lebensschlange, die Rehling mit erlebten Geschichten in kraftvollem bayerischem Dialekt und an den Percussions garniert. Und das macht er wie immer: unangepasst, überraschend, lustvoll und schnörkellos. Der 1954 in Soyen am See geborene Rehling zählt zu den Urgesteinen der bayrischen Kleinkunst- und Musikszene. Bereits während des Studiums der bayerischen Geschichte wandte er sich dem experimentellen Theater zu. Ab Mitte der 1980er sorgte er
Jahre Perkussionist bei den Volksmusik-Anarchisten „Die Interpreten“ für Furore. Danach, davor und daneben setzte er zahlreiche Theater- und Musikprojekte sowie mehrere Dokumentarfilme um.
Stadttheater LandsbergSchlossergasse 381, 86899 Landsberg am Lech
Museen heute

Stuttgart: Romane Holderried Kaesdorf. Haltung bewahren

Romane Holderried Kaesdorf. Haltung bewahren

Ausstellung vom 27. September 2025 bis 12. April 2026 
Kunstmuseum Stuttgart 

Romane Holderried Kaesdorf (1922–2007) ist eine der interessantesten Vertreter:innen der zeitgenössischen Grafik Südwestdeutschlands. Erstmals im Kunstmuseum Stuttgart ist nun in einer Einzelausstellung ihr außergewöhnliches wie eigensinniges Werk zu entdecken.  
Fünf Jahrzehnte lang hat Romane Holderried Kaesdorf nahezu täglich gezeichnet, wobei sie sich konsequent gegen die Strömung der vorherrschenden Nachkriegsabstraktion stellte. Ihre Zeichnungen gehören mit zum Außergewöhnlichsten, was das Medium Zeichnung im 20. und 21. Jahrhundert hervorgebracht hat. 
Trotz dieser überragenden Qualität und obgleich Museen früh auf die Künstlerin aufmerksam wurden, blieb die Rezeption ihres Werkes überwiegend auf Baden Württemberg beschränkt. Die Galerie der Stadt Stuttgart begann bereits 1953 Arbeiten von Holderried Kaesdorf anzukaufen. Heute besitzt das Kunstmuseum Stuttgart zwanzig ihrer Werke.  
Ergänzt um Leihgaben aus öffentlichen und privatem Besitz, zeigt die Ausstellung einen repräsentativen Querschnitt ihres Werks seit den 1960er-Jahren – von den surrealen Szenerien über die Männer- und Frauenzeichnungen bis hin zu späten Serien, in denen sie ihr Sujet mit nur noch wenigen Strichen umsetzt. 
Die Werkschau gibt eine Vorstellung von der motivischen sowie stilistischen Entwicklung der unverwechselbaren Bildsprache von Holderried Kaesdorf. Die Arbeiten von Holderried Kaesdorf zeichnet ein leiser, hintergründiger Humor aus, der aus der Begegnung ihrer Figuren untereinander oder mit Dingen entsteht. Die Frauen und Männer ihrer Bildwelten scheinen immerzu beschäftigt: Sie erproben Körperhaltungen, sie hantieren und interagieren, ja ringen mit wiederkehrenden Gegenständen – mit Stühlen, Schemeln, Sesseln und Sofas, Büfetts und Schränkchen –, mal hingebungsvoll, mal mit großer Sorgfalt, mal unbeholfen oder steif. Gleichsam wie in Versuchsanordnungen erforschen die Zeichnungen mögliche Beziehungsgefüge zwischen dem Individuum zu sich selbst und seiner eigenen Körperlichkeit sowie zu der es umgebenden Umwelt. 

Manche dieser seltsam, gelegentlich auch bizarr anmutenden Episoden mögen irritieren, besonders ungewöhnlich sind sie allerdings nicht. Es könnten alltägliche Szenen sein, die die Künstlerin mit größtmöglicher Sachlichkeit schildert. Sie vermeidet dabei jede Wertung. Die Titel der Blätter, häufig längere Satzfragmente, beschreiben entweder auf lakonische Weise den Bildinhalt oder fügen als Kommentar den Zeichnungen eine weitere Bedeutungsebene hinzu. Zum Beispiel: »Vor der Tür kriechend« (1963), »Jäger üben für die 4. und letzte Dienstprüfung« (1971), »1 Frau schiebt den Stuhl, am Rand Turnerinnen« (1980), »Merkblatt, wie man ein kleines Brett mit einer Hand hält, wie man ein kleines 
Brett mit 2 Händen hält« (1990). 
Auffällig ist, dass die Aktionen und Handlungen der weiblichen Figuren gegenüber den männlichen stets dynamischer ausfallen: ihr Verhalten und ihre Haltungen sind geprägt von einer inneren Freiheit und Gegenwärtigkeit, die Selbstbewusstsein ausstrahlen. Auffällig ist auch, dass ab 1976 weitgehend nur noch Frauendarstellungen entstehen. Bis dahin dominieren Männer die Zeichnungen. Die Hinwendung zu weiblichen Figuren erfolgte in einem längeren Prozess, eine Motivation könnte gewesen sein, dass die UNESCO 1975 das »Internationale Jahr der Frau« ausrief. Es wurde damit ein politisches wie gleichermaßen gesellschaftliches Zeichen gesetzt, das weltweit auch Künstlerinnen ermutigen sollte, für eine größere Sichtbarkeit im Kunstbetrieb zu kämpfen. Als Feministin hat sich Holderried Kaesdorf zwar nie gesehen, gleichwohl hat sie sich zeitlebens für die Darstellung von Frauen in der Kulturgeschichte und für die Werke insbesondere weiblicher Kolleginnen interessiert.  
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand-Verlag. 
Kuratorin: Eva-Marina Froitzheim 

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1
70173 Stuttgart
Abbildung: 
- Romane Holderried Kaesdorf 
Jäger üben für die 4. und letzte Dienstprüfung, 1971 
Farbstift und Bleistift auf Papier, 51 x 73 cm 
Museum Biberach 
© Nachlass Romane Holderried Kaesdorf 
Museen heute

Lenbachhaus: Shifting the Silence. Die Stille verschieben

Shifting the Silence. Die Stille verschieben
Gegenwartskunst im Lenbachhaus ab 14. Oktober 2025

Shifting the Silence ist der Titel des letzten Buches von Etel Adnan, erschienen 2021. Die deutsche Übersetzung Die Stille verschieben erschien posthum 2022. Erkennbar am Ende ihres Lebens verfasst, reflektiert Etel Adnan darin melancholisch, poetisch und sehr persönlich die großen Themen des Lebens. Alltagsbeobachtungen, Gefühle, Anekdoten oder Erinnerungen definieren in kurzen Prosastücken die Erzählung, die jedoch
keiner Linearität folgt. Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod schafft eine ernste, philosophische Tiefe. Zugleich aber feiert Etel Adnan die Schönheit des Lebens, was als eine politische Gegenwehr gegen gesellschaftliches Verstummen verstanden werden kann. Es ist der Text einer Malerin, deren künstlerische Karriere als Schriftstellerin und Philosophin begann. Ein Raum der Ausstellung ist daher ihren Gemälden gewidmet.
Die Ausstellung möchte sich ein zentrales Anliegen von Shifting the Silence zu eigen machen: das Nachdenken über die Schwierigkeit, Werke Bildender Kunst vollständig in Worte zu fassen und erfahrbar zu machen. Eine Versprachlichung – also eine Übersetzung von Kunstwerken
und ästhetischen Erfahrungen in Worte und in Sprache – stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Denn Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sie ist zugleich begrenzt und manchmal sogar hinderlich, wenn es darum geht, vielschichtige Eindrücke und Wahrnehmung zu vermitteln. Etel Adnan schlägt vor, die Stille zu “verschieben“ – also die Grenzen des Sagbaren zu erweitern und das Poetische der vielen Ausdrucksformen der Künste nicht zu rationalisieren, sondern als Eigenwert anzunehmen.
Mit Werken von Etel Adnan, Saâdane Afif, Nevin Alada?, Harold Ancart, Tolia Astakhishvili, Leilah Babirye, Cana Bilir-Meier, Mel Bochner, Thea Djordjadze, Simone Fattal, Amy Feldman, Dan Flavin, Isa Genzken, Adrian Ghenie, Zvi Goldstein, Sheela Gowda, Giorgio Griffa, Philipp Gufler, Samia Halaby, Candida Höfer, Jenny Holzer, KAYA, Alexander Kluge, Ji?í Kovanda, Goshka Macuga, Nick Mauss, Rosemary Mayer, Ma?gorzata Mirga-Tas, Roméo Mivekannin, Matt Mullican, Marcel Odenbach, Roman Ondak, Anri Sala, Curtis Talwst Santiago, Spomenko Škrbi?, Sung Tieu, Gülbin Ünlü, Nicole Wermers und Issy Wood.
Shifting the Silence. Die Stille verschieben eröffnet Assoziationen und steht dieser Ausstellung als leitender Gedanke zur Seite, um die Kunstwerke als ein offenes Interpretationsmuster zu begleiten und zu erhellen.
Kuratiert von Eva Huttenlauch und Matthias Mühling
Mit Stiftungen von: Doris Keller-Riemer und Hans-Gerd Riemer, Jörg Johnen, Nevin Alada?, Amy Feldman, Zvi Goldstein, Goshka Macuga, Nick Mauss, Gabriel und Renate Mayer, Thorsten Eimuth, Jan Fischer, Marion Gr?i?-Ziersch, Sammlung Thiess, Mathias-Pschorr-Stiftung, Förderverein Lenbachhaus e.V.

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33,
80333 München
Abbildung: 
- Rosemary Mayer, Hypsipyle, 1973, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich © The Estate of Rosemary Mayer, New York, Foto/Photo: Lukas Schramm, Lenbachhaus 
Museen heute

Museum Brandhorst: LONG STORY SHORT. EINE KUNSTGESCHICHTE AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST VON DEN 1960ER-JAHREN BIS ZUR GEGENWART

LONG STORY SHORT. EINE KUNSTGESCHICHTE AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST VON DEN 1960ER-JAHREN BIS ZUR GEGENWART

Ausstellung vom 22. Oktober 2025 bis 27. September 2026
Museum Brandhorst, München

Erstmals seit seiner Eröffnung 2009 widmet sich das Museum Brandhorst mit „Long Story Short“ einer chronologischen Präsentation der Sammlung. Die Ausstellung vereint annähernd 80 Werke von über 30 Künstler:innen aus der Sammlung Brandhorst, darunter bedeutende Neuerwerbungen wie Martine Syms’ „DED“ (2021) sowie über 20 bisher noch nie gezeigte Arbeiten, etwa von Jacqueline Humphries, Laura Owens und Giulio Paolini.

Kunstgeschichte(n)
Der Bestand des Museums ist seit seiner Eröffnung von 800 auf über 2000 Werke angewachsen und verwebt zahlreiche Erzählstränge aus der Kunst der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit, die punktuelle wie tiefgreifende Einblicke in die Kunstproduktion der letzten 70 Jahre, vor allem in Europa und im US-amerikanischen Raum, geben. Anstatt einer vermeintlich vollständigen Geschichte dieses Zeitraums reihen sich in „Long Story Short“ ausgewählte Strömungen, ästhetische Fragestellungen und künstlerische Positionen von den 1960er-Jahren bis heute zu einer Perlenkette einzelner Kunstgeschichten.

Kunst als Spiegel der Gesellschaft
Neben formalen Entwicklungen und Zäsuren geht es immer auch darum, wie Kunst auf historische Ereignisse, gesellschaftliche Veränderungen und technologische Innovationen reagiert und sie im künstlerischen Prozess reflektiert. Welche Auswirkungen hatte das Wirtschaftswunder auf den Umgang von Künstler:innen mit Materialien? Was bedeutete die Politisierung der Gesellschaft in den 1960er-Jahren für Künstler:innen? Auf welche Weise hat die Digitalisierung die Produktion von Kunst verändert?

Von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart
Jeder Raum ist dabei eine eigene Ausstellung für sich, erzählt einen spezifischen kunsthistorischen Moment im Kontext seiner Zeit oder widmet sich einer ausgewählten Werkgruppe einzelner Künstler:innen: Beginnend mit der prozesshaften Materialreflexion der Arte Povera (mit Werken von Jannis Kounellis, Marisa Merz, Mario Merz und Giulio Paolini) und der formalen Reduktion des Minimalismus (unter anderem bei Richard Tuttles spielerisch-geometrischen Formen) über die konzeptuelle Fotografie der späten 1970er-Jahre (Victor Burgin) und die intensiven Auseinandersetzungen mit Körper, Geschlecht und Identität im Kontext der 1980er-Jahre (unter anderem bei Georg Herold und Rosemarie Trockel) bis hin zum richtungsweisenden Malereidiskurs der 1990er-Jahre (mit Charline von Heyl, Albert Oehlen, Laura Owens und anderen) entsteht so ein Kaleidoskop kunsthistorischer Erzählungen der jüngeren Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit digitalen Medien und Technologien – etwa bei Kerstin Brätsch, Mark Leckey, Jacqueline Humphries oder Sondra Perry – reflektiert einen Aspekt künstlerischer Produktion der Gegenwart und bildet einen offenen Schlusspunkt.
Die Ausstellung macht die vielfältigen Ausdrucksformen und ästhetischen Strategien der Kunst als Teil eines historischen Gefüges erfahrbar. Sie zeigt, wie Kunst nicht isoliert existiert, sondern in einem ständigen Austausch mit ihrer Zeit, mit politischen, sozialen und technologischen Entwicklungen steht, diese in freier Weise reflektiert und damit ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.
Kunst entdecken
Die Bandbreite der Exponate reicht von monumentalen Arbeiten wie Mark Leckeys zehn Meter hoher aufblasbarer Skulptur „Inflatable Felix“ (2020) – dem ersten Fernsehbild der Geschichte als Pop-Ikone – bis hin zu André Caderes nur 29 Zentimeter langem, handbemaltem Stab „Barre de bois rond“ (1976), der einst in fremde Ausstellungen geschmuggelt wurde.
Dazwischen entfaltet sich ein Panorama künstlerischer Strategien, die ebenso überraschend wie sinnlich erfahrbar sind: Marisa Merz verwandelt in dem Schwarzweißfilm „La conta“ (1967) eine alltägliche Küchenszene in ein feministisches Manifest, Victor Burgin inszeniert in „Zoo 78“ (1978) das geteilte Berlin als „Stadt des Geistes“, und Jacqueline Humphries lässt ihre „Black Light Paintings“ (2005) im Dunkeln erstrahlen – Malerei, die sich selbst zum Leuchtkörper macht und im Museum Clubatmosphäre erzeugt. Mit Martine Syms’ monumentaler Videoinstallation „DED“ (2021) trifft schließlich eine neue Generation auf die Gegenwart: Ihr digitaler Avatar durchwandert eine endlose Landschaft aus Schmerz, Humor und
Wiedergeburt – ein eindrücklicher Kommentar zu Körper, Medien und Selbstbild im 21. Jahrhundert.

Mit Werken von
Kerstin Brätsch, Victor Burgin, André Cadere, DAS INSTITUT (Kerstin Brätsch und Adele Röder), Walter De Maria, Wade Guyton, Georg Herold, Charline von Heyl, Jacqueline Humphries, KAYA (Kerstin Brätsch und Debo Eilers), Jannis Kounellis, Michael Krebber, Louise Lawler, Mark Leckey, Mario Merz, Marisa Merz, Albert Oehlen, Kayode Ojo, Laura Owens, Palermo, Giulio Paolini, Sondra Perry, Sigmar Polke, Seth Price, Amy Sillman, Frank Stella, Martine Syms, Niele Toroni, Rosemarie Trockel, Richard Tuttle, Cy Twombly, Franz West.

MUSEUM BRANDHORST
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Theresienstraße 35a
80333 München

Abbildungen: 
- Niele Toroni 
Empreintes de pinceau n° 50 répétées à intervalles réguliers de 30 cm, 1977 
Udo und Anette Brandhorst 
Sammlung 
© Niele Toroni. VG Bild-Kunst, Bonn [2025]. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, 
Museum Brandhorst, München 
- Amy Sillman 
Mr. Wrong, 1995 
Udo und Anette Brandhorst 
Sammlung 
© Amy Sillman. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, 
Museum Brandhorst, München 
Museen heute

Kunstmuseum Stuttgart: Rolf Nesch, Nadira Husain, Ahmed Umar - Prägungen und Entfaltungen

Rolf Nesch, Nadira Husain, Ahmed Umar
Prägungen und Entfaltungen

Ausstellung vom 08. November 2025 bis 12. April 2026
Kunstmuseum Stuttgart

Den Ausgangspunkt für die Ausstellung bilden Druckgrafiken und Reliefarbeiten von Rolf Nesch (1893–1975) aus der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart. Sie treten in Dialog mit Werken der zeitgenössischen Künstler:innen Nadira Husain (*1980) und Ahmed Umar (*1988). Alle drei verbinden Migrationserfahrungen, die sich in Motivik und Bildsprache ihrer Arbeiten widerspiegeln.

Der aus Oberesslingen stammende Rolf Nesch emigriert 1933 als Gegner des Nationalsozialismus nach Norwegen. Seine Formensprache wandelt sich grundlegend durch den Einfluss nordischer Natur, Kultur und Menschen. Auch das Werk der indisch-baskisch-französischen Künstlerin Nadira Husain zeugt von transkulturellen Bewegungen und Reflexionen über die kulturelle Identität einer postmigrantischen zweiten Generation. Ahmed Umar flieht vor politischer Verfolgung aus dem Sudan nach Norwegen, um dort als queerer Künstler ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit seinen spirituellen und kulturellen Wurzeln zu führen.


Rolf Nesch (1893–1975)
Rolf Nesch studiert an der Kunstakademie Dresden. Nach einem Studienaufenthalt bei Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos beginnt er mit druckgrafischen Experimenten. Bereits vor seiner Emigration 1933 entwickelt er einen besonderen Metalldruck, bei dem auf die Druckplatte gelötete Metallstücke mitgedruckt werden. In Norwegen erweitert er diese Praxis, sodass am Ende dreidimensionale Materialbilder stehen. Die Beschäftigung mit dem Land und seiner Kultur, die Faszination für nordische Landschaften und Erzählungen, aber auch Exilerfahrungen und die Anpassung an neue Lebensumstände prägen Neschs Schaffen. Von 1960 bis Mitte der 1980er-Jahre erwirbt die Galerie der Stadt Stuttgart – der Vorgängerinstitution des Kunstmuseums Stuttgart – knapp 90 Arbeiten des Künstlers. Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums und Leihgaben aus dem In- und Ausland geben Einblick in sein transmediales, kulturübergreifendes Œuvre. Rolf Nesch zählt heute zu den bedeutendsten Künstler:innen Norwegens.

Nadira Husain (*1980)
Nach ihrem Kunststudium an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris zieht Nadira Husain nach Berlin. In ihren auffächernden, raumgreifenden Malereien und Installationen geht sie Themen wie Postmigration, Transkulturalität und kultureller Hybridität nach. Dabei verwendet sie traditionelle Handwerkstechniken und integriert Textilien und Keramik. Durch den Rückgriff auf Symbole und Erzählungen verschiedener Kulturkreise, die mit ihrem eigenen biografischen Hintergrund verknüpft sind, entstehen vielschichtige Bildkompositionen. In ihnen entspinnt sich ein dichtes Bezugssystem zu indopersischer Mogulmalerei, europäischen Comicfiguren und Elementen des Sufismus. Im Kunstmuseum Stuttgart präsentiert die Künstlerin neue Arbeiten, darunter eine vor Ort gestaltete Wandarbeit.

Ahmed Umar (*1988)
Der aus dem Sudan stammende Künstler und LGBTQIA+Aktivist Ahmed Umar flieht wegen der politischen Verfolgung seiner Person 2008 nach Norwegen. Dort studiert er bis 2016 Druckgrafik sowie medium- und materialbasierte Kunst an der National Academy of the Arts in Oslo. Seine künstlerische Praxis kennzeichnet eine fortwährende Beschäftigung und Erforschung neuer Materialien und die Umgestaltung von Fundstücken. Zugleich zeugt sein Werk von der Zerrissenheit eines Individuums zwischen traditionellen Geschlechterrollen, Religiosität und dem Streben nach Selbstbestimmung. Umar identifiziert sich als queer und versteht sich als politischer Künstler. Das Kunstmuseum Stuttgart präsentiert Ahmed Umars Werk erstmalig in Deutschland.

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 13
70173 Stuttgart


Abbildungen:
- Rolf Nesch 
Der Heilige Sebastian, 1941–1942 
Materialbild, 150 x 300 cm 
Kunstmuseum Stuttgart 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / 
Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart 
- Ahmed Umar 
Glowing Phalanges, 2025 
Arbeitsstudie 
Courtesy Ahmed Umar und OSL contemporary, Oslo 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Ahmed Umar 
- Rolf Nesch 
Landschaft von Bykleheia, 1939–1940 
Stein, Glas und Metall auf Kupferplatte,  
auf Holzplatte montiert, 96 x 156 cm 
Nasjonalmuseet Oslo 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Morten Thorkildsen 
Museen heute

Haus der Kunst: Sandra Vásquez de la Horra. Soy Energía

Sandra Vásquez de la Horra.
Soy Energía

Ausstellung vom 14. November 2025 bis 17. Mai 2026
Haus der Kunst, München

Soy Energía ist die erste Überblicksausstellung der chilenischen Künstlerin Sandra Vásquez de la Horra (geb. 1967, Viña del Mar, Chile) in Europa und präsentiert die transnationalen und Indigenen Perspektiven ihrer multidisziplinären künstlerischen Praxis. Ihr vor allem zeichnerisches und malerisches, aber auch filmisches und performatives Lebenswerk umfasst komplexe Ereignisse, Geschichten, Riten und Glaubensvorstellungen, die sowohl in ihrem Aufwachsen in Chile als auch in den vielen Jahren ihres Lebens in Deutschland wurzeln, und eröffnet neue Perspektiven. Kuratorin Jana Baumann: „Die Multiperspektivität des Werks lädt zu einer Begegnung mit den spirituellen, Mensch und Natur versöhnenden Welten der Künstlerin ein und würdigt ihr Engagement für Selbstbestimmung, Frauen- und Menschenrechte.“

Die Ausstellung widmet sich Vásquez de la Horras experimenteller Praxis, wobei ihr räumliches, energetisches und weltumfassendes Denken im Mittelpunkt steht. Erfahrungen von Verfolgung, Unterdrückung und Migration spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die Künstlerin entwickelt eigens eine Ausstellungspraxis, die sich vom Arbeiten mit organischen Materialien ableitet wie auch szenografische Ansätze in den Raum erweitert und berührende existentielle Erlebnisse vermittelt.
Vásquez de la Horras frühe Werkserien entstanden während der Herrschaft des Pinochet-Regimes in Chile in den 1980er- bis 1990er-Jahren, wobei sich die Künstlerin mit dem Körper und dessen weltlicher Einbettung mittels Zeichen, Fragmenten und Sprache befasste. Zeichnungen von fabelhaften Mischwesen mit menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zügen spielen auf die Unvereinbarkeit von Geschichte und Moral an. Die in Bienenwachs getränkten Arbeiten – eine Technik, die sie seit 1997 anwendet – präsentiert sie in experimentellen Hängungen, um vielfältig lesbare Konstellationen zu gestalten. In ihren ersten Jahren in Europa schuf Vásquez de la Horra Video-Performances und Filme, die nun erstmals gezeigt werden. In diesen Werken verarbeitet sie bedeutsame Ereignisse und Themen wie Einsamkeit, Trennung und Rassismus. Die Ausstellung verbindet die historische Dimension des Werks mit seiner Entwicklung in der Gegenwart und würdigt die über vier Jahrzehnte umfassende transdisziplinäre Arbeit von Sandra Vásquez de la Horra.
Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor: „Die Ausstellung spiegelt unseren transdisziplinären, transnationalen Ansatz in der Programmgestaltung wider – einen Ansatz, der unterschiedliche, aber aufeinander abgestimmte Praktiken miteinander verwebt und sich mit der Geschichte auseinandersetzt, um gleichzeitig neue Wege zu eröffnen, die Gegenwart zu bewohnen.“

Mit „Soy Energía“ setzt des Haus der Kunst seine Vision fort, Kanons neu zu bewerten und Stimmen Raum zu geben, die lange Zeit marginalisiert waren. Vásquez de la Horras Retrospektive bildet einen Widerhall auf die neuen Lesarten der Kunstgeschichte in der Gruppenausstellung „Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968“ und die sich wandelnden Wahrnehmungen, die in „Cyprien Gaillard. Wassermusik“ untersucht werden. Ihre Zeichnungen, die zugleich intim und expansiv sind, spiegeln die Art und Weise wider, wie Ei Arakawa-Nash Zeichen und Gesten in gemeinsame Sprachen verwandelt – indem sie den öffentlichen Raum einbezieht und ihn in einen Ort verwandelt, an dem Bilder, Zeichen und Bewegungen zu Begegnungen und gemeinsamen Gesten werden.

Kuratiert von Jana Baumann mit Marlene Mützel.

Haus der Kunst | Nordgalerie
Prinzregentenstraße 1,
80538 München

Abbildungen: 
- Sandra Vásquez de la Horra. Soy Energía 
Ausstellungsansicht  
Haus der Kunst München, 2025 
Foto: Markus Tretter 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
- Sandra Vásquez de la Horra. Soy Energía 
Ausstellungsansicht  
Haus der Kunst München, 2025 
Foto: Markus Tretter 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 
Museen heute

Franz Marc Museum: Wilde Farben, freier Geist. 120 Jahre Künstlergruppe Brücke

Wilde Farben, freier Geist. 120 Jahre Künstlergruppe Brücke

Ausstellung vom 23. November 2025 bis 12. April 2026
Franz Marc Museum, Kochel am See

Anlässlich des 120jährigen Gründungsjubiläum der Künstlergruppe Brücke zeigt das Franz Marc Museum in Kochel am See ab Ende November herausragende Meisterwerke des deutschen Expressionismus, darunter bedeutende Leihgaben aus dem Kunstmuseum Ravensburg und aus Privatbesitz.

1905 wagte eine Gruppe junger Künstler den Aufbruch in die Moderne. Mit leuchtenden Farben, radikal vereinfachten Formen und einer neuen, subjektiven Ausdruckskraft suchten sie nach einem unverstellten Zugang zur Welt. Die Brücke-Künstler forderten den Kunstbegriff ihrer Zeit heraus und legten den Grundstein für die Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland.

Die Ausstellung zeichnet in thematisch gegliederten Kapiteln die charakteristischen Facetten dieser Gemeinschaft nach. Ausgehend von ihrem kulturkritischen Anspruch, die starren Regeln und Konventionen der wilhelminischen Kunst durch das „Unmittelbare“ und „Unverfälschte“ zu überwinden – wie es im Programm der Brücke von 1906 formuliert wurde –, strebten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller nach einer neuen Einheit von Kunst und Leben. Dieses Ideal zeigt sich ebenso in den vitalen Aktdarstellungen der frühen Dresdner Jahre wie in den von der Dynamik und Widersprüchlichkeit der Großstadt geprägten Szenen der Berliner Zeit. Die Faszination des Ursprünglichen führte zugleich zur Auseinandersetzung mit außereuropäischer Kunst und Kultur, die den Künstlern als ästhetisches und spirituelles Vorbild diente.
Aus heutiger Perspektive erscheint dieser Blick jedoch auch als Ausdruck einer unreflektierten Aneignung kolonial geprägter Bilderwelten. Ebenso werfen manche ihrer Werke, etwa Darstellungen kindlicher Modelle, Fragen nach Grenzüberschreitungen und Geschlechterrollen auf, die im historischen Kontext kritisch zu beleuchten sind.

Mit rund 50 Arbeiten – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und grafischen Werken – beleuchtet die Ausstellung die Anfänge einer Bewegung, die Kunst und Leben untrennbar miteinander verband. Zugleich lädt sie dazu ein, das Erbe der Brücke neu zu betrachten: als Ausdruck eines radikalen Aufbruchs, dessen schöpferische Energie wie auch seine Widersprüche bis in die Gegenwart wirken.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8–10
82431 Kochel am See
Abbildungen: 
- Erich Heckel, Parksee, 1914, Franz Marc Museum, Kochel a. See Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
- Otto Mueller, Badende, 1920, Franz Marc Museum, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
Museen heute

Lenbachhaus: Iman Issa. Lass uns spielen

Iman Issa. Lass uns spielen

Ausstellung vom 25. November 2025 bis 12. April 2026
Lenbachhaus, München

In ihrem zugleich spielerischen wie formal präzisen Werk befasst sich Iman Issa mit den immerwährenden Fragen der Kunst: Was ist ein Kunstwerk? Wie verhält sich ein Objekt oder ein Bild zu den Belangen seiner Zeit? Welche Rolle kommt den Künstler*innen in ihrer
jeweiligen Gegenwart zu?
Die gezielte Fragestellung ist für Issa (*1979, Kairo) ein Medium ebenso wie Holz, Metall oder Fotografie. Ist eine Frage aufgeworfen oder eine Hypothese skizziert, prüft sie deren Schlüssigkeit anhand neuer künstlerischer Arbeiten. Oftmals entstehen so ganze Serien, die so lange andauern, bis die Frage erschöpft scheint. Issas Arbeiten spielen auf die Kunst anderer an, auf Denkmäler, Literatur, Gemälde und Fotografien, über einen Zeitraum von Jahrhunderten und über nationale Grenzen hinweg.
Nach dem Studium der Philosophie und der Politikwissenschaften arbeitete die Künstlerin anfangs vorwiegend fotografisch. Heute nehmen Issas Werke meist installative Form an. Ihre „Displays“, wie sie diese nennt, bestehen aus sich aufeinander beziehenden Elementen: kurze Texte, Fotos, Bücher, Videos und Objekte. Oftmals unterlaufen diese Konstellationen die traditionelle Beziehung zwischen Bildunterschrift und Illustration. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Text und eine Skulptur ein abwesendes drittes Objekt heraufbeschwören oder aber gezielt aneinander vorbeideuten.
Issas Methoden werfen die Frage auf, inwiefern die Wahrnehmung von künstlerischen Formen durch ihre gesellschaftlichen Gegebenheiten geprägt ist: Ist ein Denkmal oder ist ein Bild den Interpretationen seiner Betrachter*innen ausgeliefert, sodass sich seine Bedeutung ständig ändert? Inwiefern formen umgekehrt künstlerische Objekte unseren Blick auf die Welt? Issa löst diesen Knoten mit der subjektiven Behauptung, dass eine bestimmte Form die einzig mögliche für die Darstellung eines bestimmten Konzepts sei.
Der von Issa angeregte Ausstellungtitel Lass uns spielen lädt dazu ein, aufgeweckt zu betrachten, die gesponnenen enzyklopädischen Bezüge zu verfolgen und sich selbst ein Bild zu machen.
Kuratiert von Stephanie Weber

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33
80333 München

Abbildungen:

- Iman Issa, Material for a sculpture proposed as an alternative to a monument that has become an embarrassment to its people, 2010, Courtesy Sylvia Kouvali © Iman Issa 2025
- Iman Issa, Heritage Studies #38, 2020, Courtesy Sylvia Kouvali © Iman Issa 2025
- Iman Issa, Self-Portrait (Self as Alenka Zupan?i?), 2020, Courtesy Sylvia Kouvali © Iman Issa 2025
Museen heute

Murnau: Erna und Carl Rabus - Die Fotografin und der Maler

Erna und Carl Rabus
Die Fotografin und der Maler

Ausstellung vom 10. Dezember 2025 bis 12. April 2026
Schlossmuseum Murnau

2006 zeigte das Schloßmuseum Murnau eine Sonderausstellung zu dem Künstler Carl Rabus (Kempten 1898–Murnau 1983), der zwischen 1974 und 1983 zusammen mit seiner Frau in Murnau am Staffelsee gelebt hatte. Erna Rabus, geb. Adler (Wien 1913–Murnau 2007), machte damals dem Schloßmuseum das Werk ihres Mannes sowie private Dokumente vollumfänglich zugänglich. Die Ausstellung widmete sich Carl Rabus‘ Anfangsjahren als Illustrator, seinen Gemälden und späteren Hinterglasbildern sowie darüber hinaus seinem Kontakt zu Gabriele Münter, die ihn Mitte der 1920er-Jahre in Berlin mehrfach porträtiert hatte.

Die Ausstellung 2025 rückt nun das künstlerische Schaffen der Porträtfotografin erstmals in den Vordergrund und neben das Werk ihres Mannes. Die Ausstellung gibt gleichzeitig Einblick in das bewegte Leben der beiden Künstler, das von Verfolgung und Flucht geprägt war.

Bereits als junge Frau, Assistentin der Fotografinnen Trude Geiringer (1890–1981) und Dora Horovitz (1894–1959), musste Erna Adler 1937 aus Wien ins Exil fliehen. Sie ging nach Antwerpen und später nach Brüssel, wo sie bis 1940 unter dem Pseudonym Eva Simon als Porträtfotografin arbeitete und wohin ihr Carl Rabus, den sie 1930 in Wien kennengelernt hatte, folgte. Erna erwies sich dabei auch als Fotografin, die mit Leidenschaft Momente des täglichen sozialen Lebens festhielt, insbesondere in Ostende und während ihrer zahlreichen Reisen in die Welt. Beide verbrachten mehrere Monate in Ostende, wo sie u. a. James Ensor in seinem Atelier besuchten und Felix Nussbaum begegneten. Im Mai 1940, nachdem die deutsche Wehrmacht Belgien besetzt hatte, wurden beide verhaftet. Erna Adler verlor ihre gesamte Fotoausrüstung, die die Gestapo beschlagnahmte. Immerhin wurde sie wieder freigelassen und lebte anschließend im belgischen Untergrund. Carl Rabus wurde in das südfranzösische Internierungslager Saint-Cyprien verbracht. Als das Lager aufgrund seiner desaströsen Zustände im Dezember 1940 geschlossen wurde, konnte er nach Brüssel zurückkehren. 1942 wurde er unter dem Vorwurf der „Rassenschande“ erneut festgenommen und in Wien inhaftiert. Vorzeitig entlassen aus dem Gefängnis und nach Belgien zurückgekehrt, heirateten Carl und Erna am 25. November 1944. Erst 1945 konnte Erna Rabus ihre Arbeit als Fotografin wiederaufnehmen. Auch Carl Rabus begann erneut zu arbeiten und setzte sich in dem berühmten Holzschnittzyklus „Passion 1940/45“ mit seinen Lagererfahrungen auseinander.

Mit Werken aus der Sammlung Karl Grosselfinger und Fotografien aus dem Nachlass Rabus gibt die Ausstellung Einblick in das bewegte Schicksal zweier Künstler, die in unverbrüchlicher Liebe und Wertschätzung für das Werk des anderen das Schicksal ihrer Generation durchlebten.

Schlossmuseum Murnau
Schloßhof 2-5,
82418 Murnau a. Staffelsee
Abbildungen: 
- Erna Rabus auf einem Balkon in Dalmatien, 1935, Privatbesitz
- Carl und Erna Rabus, Südfrankreich, um 1950, Privatbesitz
- Erna Adler, Carl Rabus beim Malen, 1920er-Jahre, Privatbesitz
- Erna Adler, Fischerboote, Ostende 1937, Privatbesitz / Musée Juif de Belgique
Museen heute

München Literaturhaus: TOVE JANSSON: »DIE WELT DER MUMINS«

TOVE JANSSON: »DIE WELT DER MUMINS«

Ausstellung vom 18. Dezember 2025 bis 12. April 2026 - VERLÄNGERT bis 31. Juli
Literaturhaus München

»Alles ist sehr ungewiss, und gerade das finde ich beruhigend.« (Tove Jansson »Winter im Mumintal«)

Vor 80 Jahren erfand die finnische Künstlerin Tove Jansson die Mumins, die kultigen rundlichen Trolle, die derzeit weltweit gefeiert werden. Ihre Geschichten sind ein Plädoyer für Toleranz, Empathie und Abenteuerlust. Das Literaturhaus München stellt sie erstmals in einer großen Ausstellung vor.

Im Mumintal regieren Geborgenheit, Freundschaft und Humor, aber auch eine Prise Anarchie und Rebellion, dazu jener satirische Esprit, dem Tove Jansson in den Dreißiger- und Vierzigerjahren ihren Erfolg als politische Karikaturistin verdankte.

Diese Mischung, fern jeder aufgesetzten Idylle, dabei voller Poesie und Eigensinn, bezaubert Erwachsene und Kinder gleichermaßen: Sie spricht das innere Kind im Erwachsenen an, freut Nostalgiker, die mit den Mumins aufgewachsen sind und beflügelt bei Kindern jene Vorstellungskraft, die intellektuell nicht unterfordert werden möchte. Das Finstere und das Helle, das Katastrophale und das Komische erscheinen hier in einem Gleichgewicht, das keinem Zeitgeist verhaftet ist, aber ganz besonders in unsere Epoche passt.

In der Ausstellung können Mumin, Schnüferl, Schnupferich, die kleine Mü und viele andere Figuren mit ihren Geschichten voller Geheimnisse, Überraschungen und Abenteuer erlebt werden. Originalillustrationen, Animationen und interaktive Stationen laden ein, die Welt der Mumins zu entdecken.

Literaturhaus München
Salvatorplatz 1,
80333 München
Abbildungen: 
- © Moomin Characters
- © Moomin Characters
Museen heute

München: REFLEXION - Licht Spiegel Transparenz

REFLEXION - Licht Spiegel Transparenz
Eine Gemeinschaftsausstellung der vier Museen in der Pinakothek der Moderne anlässlich 100 Jahre Die Neue Sammlung

Ausstellung vom 13. Februar bis 31. Mai 2026
Pinakothek der Moderne

Die zweite gemeinschaftlich kuratierte Ausstellung der vier Museen in der Pinakothek der Moderne widmet sich dem Thema der Reflexion. Der Begriff Reflexion wird dabei wörtlich und sinnbildlich verstanden, als optisches Phänomen, als Zeichen prüfenden Nachdenkens oder als Mittel künstlerischen Ausdrucks. Während die erste Jubiläums-Ausstellung die Gründungszeit der Neuen Sammlung, die Moderne der 1920/30er Jahre in den Fokus nahm, ist die Ausstellung REFLEXION zeitlich weiter gefasst und führt bis zur Gegenwart. Unter den drei Leitgedanken Licht, Spiegel, Transparenz sind Objekte aus den Bereichen Bildende Kunst, Architektur, Graphik und Design gegenübergestellt.

Für diese Begegnung wurde eine Ausstellungsarchitektur entwickelt, die beide Ausstellungsräume jeweils in eine weiße und eine schwarze Hälfte aufteilt. Damit wird ein Rahmen geschaffen für Licht und Schatten, Tag und Nacht sowie Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit – Themen, die in den ausgestellten Werken und Objekten wiedergefunden werden können.

Zur Präsentation gehören neben den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss und zweiten Obergeschoss auch „Satelliten“ wie die Glasarbeit am Eingang der Pinakothek der Moderne oder das in ein Kunstwerk verwandelte Fenster am oberen Ende der großen Treppe Ost.

Kuratiert von: Dr.-Ing. Andjelka Badnjar Gojni?, Dr. Caroline Fuchs, Dr. Michael Hering, Dr. Franziska Kunze, Dr.-Ing. Irene Meissner, Prof. Dr. Angelika Nollert, Prof. Dr. Bernhard Schwenk.
Ausstellungsarchitektur: Martin Kinzlmaier

Pinakothek der Moderne (Kunst | Graphik | Architektur | Design)
Barer Straße 40
80333 München
Abbildung:
- Sep Ruf und Egon Eiermann
Deutscher Pavillon, Brüssel, 1958
Photo: Georg Pollich, 1958
Architekturmuseum der TUM
Impressionen
Sonntag, 12.04.2026

Bruno Konrad: Eifersucht

Bruno Konrad
Eifersucht, 1998/99
Aquarell, Feder und Tusche
63 x 47cm
...
Musik
Freitag, 10.04.2026

Kravchenko / Clees „Faces“

Jazz galt lange Zeit als eine Musik der Widerständigkeit. In den letzten Jahren, ja vielleicht Jahrzehnten, hat sich diese progressiv kritische Haltung bis auf wenige Ausnahmen geändert. Doch es gibt zum Glück immer wieder engagierte und Haltung einnehmende Musiker, die gegen Konflikte, Ungerechtigkeiten und Verblendungen mit ihrer Kunst politisch Stellung beziehen. Ein beeindruckendes...
Echo
Donnerstag, 09.04.2026

Fürstenfeld: Mozarts „Requiem“ & Rossinis „Stabat Mater“

Fürstenfeld. Was verbindet ein Requiem und ein Stabat Mater? Das Requiem ist eine Totenmesse für einen Verstorbenen, im Stabat Mater trauert eine Mutter (Maria) um ihren Sohn (Jesus). Im erweiterten Sinn könnte man also davon sprechen, dass es in beiden Fällen um einen Toten geht. Beide Textvorlagen wurden über die Jahrhunderte vielfach von Komponisten vertont, sicher...
Film
Donnerstag, 09.04.2026

SEGELJUNGS

Ganz nach dem Motto „Einfach machen“ erfüllen sich vier Jungs einen Traum – nach der Schule einmal um die ganze Welt! Aber nicht über Straßen juckeln in irgendeinem Van oder schlichtes Backpacking. Segeln soll es sein!Tim, Vince, Michi und Tom aus Bad Tölz im bayerischen Oberland stürzen sich ohne jede Segelerfahrung in das Abenteuer ihres Lebens. Sie möchten Ozeane überqueren,...
Musik
Mittwoch, 08.04.2026

Fabio Anile „Minutiae“

Wiederholungen von knappen Themen und sparsamen Figuren, sowie deren marginale Differenzierungen sind die vielleicht markantesten Muster in der Musik von Fabio Anile. Trotzdem gehört der Komponist und Pianist nicht in die vorderste Reihe bekennender Minimalisten. Der Italiener ist ein ebensolcher Exponent im Bereich von Ambient und von polyrhythmischen Rock, von latentem Funk und...
Musik
Mittwoch, 08.04.2026

Gregory Hutchinson „Kind Of Now – The Pulse Of Miles Davis“

Wie zeitlos Musik im Allgemeinen und Jazz im Besonderen ist, macht folgender Kontext deutlich: Nur zweieinhalb Monate nachdem Miles Davis sein epochales Meisterwerk „Bitches Brew“ am 30. März 1970 veröffentlichte, wurde Gregory Hutchinson in Brooklyn, New York geboren. Dieser Gregory Hutchinson wiederum ist heute Schlagzeuger und hat dieser Tage ein Album mit Miles...
Musik
Dienstag, 07.04.2026

Matthias Bublath Big Band „The Reel“

Großbesetzungen im Jazz haben zweifelsfrei ihren Reiz. Aber zugleich sind sie auch ein arbeitsintensives Unternehmen, das sich ständig am ökonomischen Abgrund bewegt. Wie sämtliche Musiker unter einen Hut, sprich Termin bringen, wo sind jene Bühnen und Clubs, die einmindestens sechzehn Musiker starkes Orchester aushalten?Matthias Bublath kann von all diesen Herausforderung mit...
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