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1. Landsberg: Walter Lang Trio – Zerkratzte Oberflächen
2. Fürstenfeld: Wer hat Angst vor Virginia Woolf? - Vor dem Scherbenhaufen me...
3. Puchheim: Andrea Pancur – Kämpferische Poesie
4. Fürstenfeld: Pablo Held Trio - Kalkulierte Unvorhersehbarkeit
5. Landsberg: Die Wahrheiten – Das Karussell des Lebens dreht sich komplizie...
6. Landsberg: Ferenc Snetberger – Musikalische Schatztruhen
Montag 27.12.2021
Landsberg: Walter Lang Trio – Zerkratzte Oberflächen
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Foto: Daniel Chauvet
Walter Lang: Geboren 13. Mai 1961 in Schwäbisch Gmünd; † 16. Dezember 2021

(Konzert vom 27. September 2020 in Landsberg)

Landsberg. Einzelkämpfer oder Teamplayer? Jazzmusiker sind aus innerer Überzeugung beides! Denn einerseits leben sie künstlerisch von ihrer Individualität, arbeiten ständig an ihrem Ausdruck und kehren das Besondere, das Einzigartige ihres Spiels heraus. Andererseits ist ihre Fähigkeit zur Kommunikation einfach existenziell. Denn ein Jazzmusiker, der nicht in der Lage ist, Gemeinsamkeiten während des Spiels mit anderen zu entdecken und letztendlich umzusetzen, der wird es in dieser Kunst nicht weit bringen. So besteht eine bestens aufeinander abgestimmte Formation immer aus einem Verbund von Solisten, die ihre Kunst gemeinsam in die Waagschale werfen, um spontan etwas Zeitloses zu kreieren.
Nichts anderes war am Sonntagabend im Landsberger Stadttheater zu erleben, als nämlich Pianist Walter Lang, Kontrabassist Thomas Markusson und Schlagzeuger Magnus O?stro?m den ungemein fruchtbaren Geist des Jazz aus der Flasche ließen. Sie alle haben bisher in unterschiedlichen Bands gespielt, haben Erfahrungen gesammelt, waren auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Sound. Neue musikalische Ansprüche haben sie im letzten Jahr dann zusammengeführt. Es sind von der Presse hochgelobte Alben entstanden, die sie momentan auf einer kleinen Tour durch deutsche Konzertsäle präsentieren.
Das besondere an diesem Trio ist seine Dynamik. Lang, Markusson und Öström beherrschen sämtliche Schattierungen des Jazzspiels und sind zudem in der Lage, ihre instrumentalen Fähigkeiten in den Kontext des Miteinanders hörbar einzubringen. Egal, ob es sich um anrührende Balladen, oder um temperamentvolles Energiespiel handelt, ob um inspirierte Verbundenheit oder atemberaubende Improvisationen – diese Formation agiert ebenso differenziert wie ungestüm.
Intelligent und verspielt umkreist das Trio die einzelnen Stücke, die häufig wie kleine Juwelen aus dem Popbereich klingen. Man glaubt einige von Langs Kompositionen schon irgendwo einmal gehört zu haben. Sie wirken bekannt, vertraut, klingen manchmal nach einem hübschen Kinderlied.
In diesen Melodien suchen sie, nach gegenseitigem musikalischem Abtasten, Zugänge, um, ohne Berührungsängste, in das Zentrum des Grundmotivs vorzustoßen. Dabei loten sie die Möglichkeiten, die die Kompositionen hergeben, gänzlich aus. Rhythmisch als auch harmonisch. Und während dieses musikalischen Abenteuers geschehen faszinierende Dinge. Sie zerkratzen die simplen Oberflächen der Songs und dringen in deren Tiefe vor. Und sie werden fündig. Sie deklamieren Schwermut und Euphorie, Innigkeit und in „Full Blast“ sogar einen ausgelassenen Funk. Es sind fast durchweg spontane Inszenierungen, die von der ästhetischen Substanz leben.
Im Mittelpunkt steht Walter Lang, der unschwer als ein pianistischer Romantiker des Jazz ausgemacht werden kann. Er rast auf seiner Klaviatur nicht über die feinen Themen hinweg. Er zelebriert sie (natürlich ohne Pathos), er gibt sich ihnen hin (ohne aufgesetzt zu klingen), er schwelgt in jeder einzelnen Note (ohne die dramaturgische Spannung zu vernachlässigen).
Thomas Markusson tritt am Bass häufiger aus dem begleitenden Hintergrund hervor, soliert immer wieder in knappen wie klar herausgearbeiteten Beiträgen. Tänzerisch wirken diese Sequenzen und elegant. Und Magnus Öström? Der Schlagzeuger überbrückt die Distanz zwischen fiebrigem Swing und treibendem Groove. Jemand hat einmal sinngemäß gesagt, er sei eine Art Rockschlagzeuger, der ausschließlich mit den Besen spielt.
Was wünscht man sich noch, nach einem derart reizvollen Musikabend? Vielleicht, dass in absehbarer Zeit das Walter Lang Trio zu einem kompletten Ko
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Mittwoch 22.12.2021
Fürstenfeld: Wer hat Angst vor Virginia Woolf? - Vor dem Scherbenhaufen menschlicher Beziehungen
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Fotos: Andreas Pohlmann
Fürstenfeld. Schon die Geburt Edvard Albees, am 12. März 1928, stand unter einem besonderen (Theater-) Stern. Denn vier Wochen, nachdem er im Waisenhaus von Washington das Licht der Welt erblickte, wurde er von dem amerikanischen Theaterunternehmer und Multimillionär Reed Albee adoptiert. Fast liegt es auf der Hand, dass er sich früh mit den Künsten beschäftigte: mit Musik, mit Literatur und dementsprechend natürlich mit dem Theater.
Doch trotz dieses günstigen Umstandes für eine Karriere im Kunstbetrieb wurden seine Arbeit und seine damit verbundene Stellung im Theaterbetrieb erst mit einiger Verzögerung entdeckt. Die ersten Dramen fanden durch Umwege auf die Bühnen und in die Lexika großer Dramen.
Wer hat Angst vor Virginia“ Woolf“ war Albees drittes Stück – und es sollte zu den bedeutendsten Theater-Vorlagen in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts aufsteigen. Interessanterweise erhielt Albee insgesamt drei Pulitzer Preise – jedoch keinen für „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, seinem aufwühlendsten Wurf, der wohl über tausend Mal weltweit inszeniert wurde. Die Filmfassung von Mike Nichols mit Elizabeth Taylor und Richard Burton erhielt hingegen fünf Oscars.
Insofern ist es eine doppelte Herausforderung dieses Stück wieder auf die Bühne zu bringen. Zum einen wird sich eine Neuinszenierung immer an den bisherigen großartigen Theaterabenden messen lassen müssen. Zweitens stellt sich die Frage, ob nicht alle Nuancen ausgespielt sind, ob nicht alles zu dieser Melange Four erzählt ist, was zu erzählen wäre. Und drittens hat dieses Stück von 1962 generell diesen Reiz, ob es denn inhaltlich noch in unsere Zeit passt und den Menschen heutiger Prägung etwas mitzuteilen hat.
Am Dienstag also das Jahrhundertwerk „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ in einer Inszenierung von Martin Kušej und dem Ensemble des Burgtheater Wien in Fürstenfeld.
Der Inhalt ist schnell erzählt: Der Geschichtsprofessor George und seine Frau Martha kommen von einer Party nach Hause. Martha offenbart George, dass sie in der Nacht noch Besuch haben werden. Nick und Honey lernten sie auf ebenjener Party kennen. George ist darüber ungehalten. Dies ist der Beginn einer stark alkoholisierten Auseinandersetzung zwischen beiden, in die auch ihre Gäste Nick und Honey unfreiwillig einbezogen werden. Man beginnt sich voreinander zu demütigen, offenbart bewußt Geheimnisse, tauscht Bosheiten aus, erniedrigt sich, zerstört Lebenslügen, die die Aufgaben von Lebenshilfen haben und die wie schlecht gebaute Kartenhäuser völlig auseinander fallen. Das Ehedrama, als Sinnbild einer defekten, toxischen Gesellschaft, die mittlerweile nur durch Illusionen und Trugbilder zusammengehalten wird.
George, bravourös und in all seinem verletzenden Zynismus durch Norman Hacker auf den Punkt gebracht und Martha, als Zentrum der alkoholisierten Ehehölle, genial verkörpert von Bibiana Beglau, finden letztendlich aber einen Weg ihr destruktives Miteinander zumindest in Frage zu stellen, und, ähnlich einer Analyse, nach dem Gang durch ihr Martyrium einen Neuanfang zu wagen. Ob und wer auf der Strecke bleibt, ist trotzdem offen.
Aber hier zeigt sich, dass es Albee nicht allein darum ging, ein Dramen-Spektakel zu veranstalten, sondern dass er seine Figuren in ihren menschlichen Deformationen nicht unbedingt für Verlorene hält. Er gibt ihnen nicht nur den Raum, sich seelisch in einer Scheußlichkeit zu offenbaren, sondern auch die Chance Brücken zu bauen und den Scherbenhaufen menschlicher Beziehung, hinter dem das Spiel nicht nur sinnbildlich stattfindet, im positiven hinter sich zu lassen.
Jörg Konrad

Hier Bericht in der SZ/FFB
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Foto: Manuel Miethe
Freitag 17.12.2021
Puchheim: Andrea Pancur – Kämpferische Poesie
Puchheim. Schon das Cover auf ihrem Album „Weihnukka“ deutet an, worum es Andrea Pancur geht: Um das Überwinden von Gegensätzen. Denn der 9-armige Chanukka-Leuchter dient hier als Christbaumspitze. Und die beiden Feste, das jüdische Chanukka-Fest und das christliche Weihnachtsfest, haben im Grunde ja gänzlich andere Ausgangspunkte. Das heißt aber noch lange nicht, dass dabei etwas Trennendes vorliegen muss. Andrea Pancur meint: Ganz im Gegenteil – und bringt hier wie selbstverständlich Dinge zusammen, sucht (und findet) Gemeinsamkeiten, die musikalisch einfach zueinander passen. Und dieses Gemeinsame ist auch die Botschaft der Münchnerin bei ihrem gestrigen Konzert im Puchheimer Kulturcentrum PUC.
Dabei geht es der Sängerin bei weitem nicht nur um den stillen Glanz, das familiäre Glück im Kleinen. Im Programm stecken neben weihnachtlichen und jiddischen Liedern auch kämpferisch solidarische Kompositionen, stecken Brecht und Eisler und auch ein Gedicht von Erich Mühsam, dem Bohemien, Dichter, Anarchisten, Humoristen, politischen Publizisten, Dramatiker und Revolutionär. Diese Botschaft tut gut, rüttelt auf, zeigt auf das Wesentliche einer entwickelten Gesellschaft.
Und dass Andrea Pancur sich in ihrer Kunst nicht von dem Man-Nehme-Prinzip leiten lässt, wird damit auch sofort klar. Ihr ist es ein persönliches Anliegen, neben den Ungerechtigkeiten dieser Welt auch das Positive in ihr zu sehen, das Hoffnungsvolle zu stärken und damit ein gemeinschaftliches Leben in Eintracht und Poesie zu fördern.
Und so wurde ihr Auftritt ein friedlicher, ein besinnlicher, aber auch ein kämpferischer und anspruchsvoller musikalischer „Weihnukka“-Abend. Hinter dieser Wortschöpfung aus dem 19.Jahrhundert steht der Zusammenschluss von zwei Festlichkeiten, die es in dieser Gemeinsamkeit eigentlich nicht gibt. Auf der einen Seite steht das Chanukka (einem Lichterfest, das an die Befreiung des jüdischen Volkes aus fremder Herrschaft vor über zweitausend Jahren gedenkt) und auf der anderen Seite das Weihnachtsfest, das heute in der christlich geprägten westlichen Kultur symbolisch für ein friedliches Miteinander auf dieser Welt steht. Dafür greift sie in sehr intimem Rahmen auf jiddische, auf weihnachtliche, ja auch auf leidenschaftlich entschlossene Lieder zurück. Ihr geht es in allem um eine Verbundenheit der Menschheit, wobei sie nicht müde wird, ihren Optimismus zu vermitteln, der ein wichtiger Teil ihres Charakters ist. Ihr stimmliches Format passt wunderbar zu den Kompositionen, vermittelt immer ein Spektrum von Aufruhr und Intimität, von Entschlossenheit und Poesie, von Volkstümlichem und eben Revolutionärem.
An Andrea Pancurs Seite saß mit Ira Shiran ein Pianist und vor allem Akkordeonspieler, der den gesungenen Liedern eine instrumentale Schlichtheit mit auf den Weg gab, die noch einmal das Vertrautsein miteinander und gleichzeitig den musikalischen Anspruch unterstrichen. Die liedhaften Geschichten bekamen durch ihn eine zusätzliche stille Lebendigkeit, eine Art induktive Energie, die den Liedern und dem gesamten Abend außerordentlich gut taten.
Jörg Konrad

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Fotos: TJ Krebs
Donnerstag 09.12.2021
Fürstenfeld: Pablo Held Trio - Kalkulierte Unvorhersehbarkeit
Fürstenfeld. „Wenn eine Spezies nicht improvisieren kann, stirbt sie aus“, hat Derek Bailey einmal gesagt. Und der britische Gitarrist wusste genau, wovon er spricht. Ähnliches gilt auch für das Pablo Held Trio, das gestern innerhalb der Reihe „Jazz First“ in Fürstenfeld zu Gast war. Es gab an diesem Abend nur ein Set, das aus dem Moment heraus gestaltet und zudem für eine kommende Live-CD mitgeschnitten wurde. Eine längere musikalische Exkursion, mit etlichen Höhepunkten, die sich das Trio gemeinschaftlich regelrecht erarbeitete. Immer wieder sammelten sich Held, Landfermann und Burgwinkel und gaben der Musik durch kleine, knappe Wendungen neue Richtungen, die dann in enger Kooperation ausgelotet wurden. Dies war ein organisches Ineinandergreifen spontaner Ideen und kollektiver Spielfreude. Im Gesamtkontext hatte hier jeder Ton seine Berechtigung, führte die Musik, als eine kalkulierte Unvorhersehbarkeit, weiter und ließ eine deutliche Entwicklung in Form von dramaturgischen Steigerungen erkennen. Es war aber keine Selbstaufgabe im Kollektiv, sondern ein gemeinschaftliches Miteinander – auf der Suche nach musikalischen Herausforderungen. Pablo Held am Klavier, Robert Landfermann am Bass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug setzten auf konzentrierte Intensität – jenseits jeder Partitur.
Jörg Konrad

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Donnerstag 18.11.2021
Landsberg: Die Wahrheiten – Das Karussell des Lebens dreht sich komplizierter
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Fotograf: Jean-Marc Turmes
Landsberg. Jeder weiß, wie brüchig Freundschaften sind. Trotz der immanenten Hoffnung: Unsere hält ewig. Und dann das plötzliche, das brutale Aus. Die Frage, die dahinter steckt: Vielleicht war es keine Freundschaft? Besser das Nachdenken: Was überhaupt ist Freundschaft? Auch: Wie ist Freundschaft zu erhalten?
Ist sie nur eine idealisierende Bezeichnung für ein Beziehungsdrama im Anfangsstadium, oder einfach nur ein dehnbarer wie abgenutzter Begriff, der einem illusorischen Miteinander gerecht werden soll? In der Kunst jedenfalls ein überaus dankbares Motiv.
Lutz Hübner und Sarah Nemitz haben dieses Thema in den Mittelpunkt eines Kammerspiels gestellt. „Die Wahrheiten“ sind vier liebende Personen auf dem Prüffeld Freundschaft. Und es liegt nur auf der Hand, dass es der Wahrheiten viele gibt. Immer abhängig von Personen, den äußeren Verhältnissen und dem dynamischen Miteinander. Nein, das ist bei weitem keine neue Erkenntnis. Scheint aber thematisch zumindest von solchem Interesse, dass sich das Metropoltheater München dieser Vorlage annimmt. Am Dienstag gastierten Theater und Ensemble in Landsberg und brachten eben dieses Stück auf die Bühne.
Freundschaft in poetischen Worten und betörenden Bildern. So beginnt das von Joch Schölch in Szene gesetzte Spiel. Aber schon nach wenigen Minuten ist der Zauber vorbei. Aus dem freundschaftlichen Miteinander wird ein Desaster. Anfangs noch eher harmlos, doch im Laufe des fortschreitenden Abends laden sich die Spannungsfelder weiter auf.
Da sind Bruno und Sonja (er Banker, sie Ehefrau). Am Abend erhalten sie eine SMS von ihren bis dato Freunden Erik und Jana (er Filmkritiker, sie Psychologin). Darin kündigen diese Bruno und Sonja (scheinbar) grundlos die Beziehung auf. Wir erfahren, wie die beiden Empfänger auf die Nachricht reagieren, mit Enttäuschung und Wut, mit Selbstanklage und Verachtung.
Dann folgt jene Szene, die die Entstehung der SMS im Hause von Erik und Jana zuvor beleuchtet. Wieder bestimmen mangelndes Verständnis, Ignoranz, Egoismus und unüberlegtes Handeln den Schauplatz. Die Verhaltensmuster der Protagonisten wirken in sich erstarrt, ihre Toleranz nach außen und ihr Verständnis sind eher theoretischer Natur.
Michele Cuciuffo, Katharina Müller-Elmau, Leo Reisinger, Mara Widmann füllen ihre Rollen routiniert, entsprechend des dramaturgischen Handlungsablaufes.Ob sich Teile des Publikums in diesem störrischen Auf- und Miteinander von Beziehungen wiederfinden, sei dahingestellt.
Schauspieler und Regisseur lassen das Stück im Niemandsland zwischen Boulevard und Drama pendeln, bedienen sich vieler Klischees, die so mit Sicherheit real sind und suchen nach Auswegen aus Ihrem Dilemma.
Was letztendlich heraus kommt sind trotz (oder auch weil?) verquere Kommunikation, Misstrauen und Lügen, Abkehr und Rivalität, Macht und Abhängigkeit und auch Betrug. Das ganze Orchester menschlichen Miteinanders eben. Und ganz zum Schluss folgt er natürlich prombt: der Verrat – am Partner. Und so werden aus einst großer Liebe und stabil scheinender Freundschaft, aus hehren Gefühlen, ganz simple und gewöhnliche Beziehungen. Und der Grund hierfür soll einzig das Unverständnis zwischen Männern und Frauen sein? Das ist irgendwie zu wenig, zu banal. Denn das Karussell des Lebens dreht sich komplizierter!
Jörg Konrad
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Fotos: Attila Kleb
Samstag 13.11.2021
Landsberg: Ferenc Snetberger – Musikalische Schatztruhen
Landsberg. Zwar stammt Ferenc Snetberger aus Ungarn, genauer aus Salgótarján, einer im Norden des Landes, an der slowakischen Grenze gelegenen Kleinstadt mit knapp 37.000 Einwohnern, aber als Musiker und Mensch outet er sich immer wieder als praktizierender Weltbürger. Musik ist für den Gitarristen, so lange er denken kann, eine universale Sprache, die sämtliche Emotionen und Ideen sich auszudrücken für ihn abdeckt und damit zugleich der Völkerverständigung dient.
In der Brust Snetbergers stecken damit, wie am Freitagabend auch im Landsberger Stadttheater zu erleben war, gleich mehrere musikalische oder sagen wir besser, kulturelle Seelen, die aber zu ein und derselben Persönlichkeit gehören. Denn es ist zwar unüberhörbar dass er, was die Tonkunst und die Klangfarben betrifft, von der Musik der Sinti und Roma geprägt wurde. Doch gleichzeitig verlustiert er sich in den Gassen und Alleen der klassischen Gitarrenliteratur, liebt die Folklore der Welt und fühlt sich mit seinen pastellenen Impressionen zu Film- und Theatermusik hingezogen. All diese stilistische Vielfalt und sein ausgeprägtes musikalisches Sendungsbedürfniss prädistinieren ihn zu Aufnahmen für das Münchner ECM Label. Hier befindet er sich in bester Gesellschaft, steht in einer Reihe mit so großartigen Gitarristen wie Ralph Towner und Wolfgang Muthspiel, Bill Connors, Dominic Miller und Egberto Gismonti.
In Landsberg füllte Snetberger mit seinem Instrument allein die große Bühne und erzählte fortlaufend wunderbare, musikalische Geschichten. Mit einer natürlich wirkenden Leichtigkeit waren dies persönliche, Intimität ausstrahlende Erzählungen, die zugleich auch einer Art Abhandlung in Bezug auf die Stellung der Gitarre innerhalb der Musik gleichkamen. Der Gitarrist bewegte sich in stiller Intensität durch die Enklaven dieser Welt, öffnete improvisierend immer neue musikalische Schatztruhen, deren Inhalte regelrecht verzauberten.
Abgesehen von den traumhaften, meist zarten Melodien waren es die Fülle an Nebentönen und der auf nur sechs Saiten orchestrierten Melancholie, die gefangen nahmen. Es begeisterten die komplexen harmonischen Strukturen, die aufgerissenen Läufe und gebrochenen Oberflächen. Das klang dann nicht nach süßlichem Zuckerguss, sondern nach Würde und Grazie, nach Anmut und Verträumtheit.
Hier spürte man die Lebenserfahrung, die in dem heute 64jährigen stecken, seine akademische Ausbildung, und seine unschlagbare Virtuosität - die aber stets wohldosiert, eher reserviert zum akustischen Einsatz kam. Ferenc Snteberger fühlt sich nun einmal zu den klanglichen Feinheiten dieser Welt hingezogen. Er ist bei weitem nicht der Mann fürs Grobe.
Wenn er dann auf bekannte Kompositionsgerüste zurückgreift, wie auf den Jerome-Kern-Klassiker „All The Things You Are“ als Zugabe, dann gestaltet er den Song erfrischend selbstbewusst und macht aus dem Standard ganz einfach einen Snetberger-Song. Dann steht zwar das Thema deutlich hörbar im Mittelpunkt, aber diese Neben- und Zwischentöne machen aus dieser Musical-Melodie von 1939 etwas Modernes, Formbewusstes und in seiner Poesie doch Flüchtiges. Ähnlich ergeht es auch einem kleinen Johann-Sebastian-Bach-Medley.
Zumal der Ungar aber auch swingen kann - wie der Teufel. Da spürt man dann den Einfluss eines Django Reinhardts überdeutlich, sieht ihn die Akkorde greifen und noch wichtiger: hört im Geiste dessen einzigartige Brillanz.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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