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7. München: Steve Coleman Five Elements – Volles Haus für ein Quartett
8. Fürstenfeld: The Jakob Manz Project – Von den Stühlen gerissen
9. Landsberg: Feininger Trio - Rauschhaft
10. Landsberg: Bill Laurance & Michael League - Melodische Kammermusik
11. München: Meredith Monk – Das Durchstoßen von Oberflächen
12. Landsberg: Marc Ribot’s Ceramic Dog – Vielleicht im nächsten Jahr
Sonntag 03.03.2024
München: Steve Coleman Five Elements – Volles Haus für ein Quartett
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Fotos: TJ Krebs
München. Steve Colemans Musik besitzt noch heute als Basis diese rhythmische Akkuratesse, die aus sich unablässig wiederholenden ungeraden Metren besteht; aus diesen leichten Verschiebungen von Taktphrasen, die als rotierendes, komplexes System ein grandioses Fundament bilden. Vieles klingt im ersten Moment vertraut und entpuppt sich dann doch als ein vertracktes rhythmisches Gebräu, aus Altem und Neuen, aus Struktur und Anarchie, aus Spirituellem und Archaischem.
Am Freitag präsentierte der aus Chicago, Illinois stammende Altist mit den Five Elements in der Münchner Unterfahrt sein höllisches Konglomerat, das ebenso den Intellekt reizt, wie es gnadenlos in die Beine zielt. Volles Haus für ein Quartett, das nicht müde wurde, verflochtene Rhythmen und differenzierte Grundstrukturen aufzubrechen, sie zu sortieren, neu zu ordnen, um anschließend in das nächste rhythmische Eldorado einzutauchen. Schwerstarbeit für Rich Brown am Bass und Sean Rickman am Schlagzeug, die die Zählzeiten jederzeit fest im Griff hatten, die ein groovendes Substrat als Startbahn und Landepiste für Colemans und Jonathan Finlaysons (Trompeten-)Solis ausheckten. Ausgeklügelte Improvisationen, ideenreich, an- und abschwellend, sich ergänzend – manchmal im Call-and-Response-Muster des Gospel.
Geboren 1956 begann Steve Colemans Karriere ausgerechnet in Deutschland, genauer in München. Denn hier erhielt er bei Stefan Winters gerade gegründeten Label JMT seinen ersten Plattenvertrag. 1985 erschien „Motherland Pulse“. Mit dabei damals die unvergleichliche Geri Allen am Klavier und in einem Titel war erstmals Sängerin Cassandra Wilson zu erleben.
Seitdem hat Coleman Aufnahmen in unterschiedlichster Größe und Zusammensetzung veröffentlicht. Vom Duo, über Trios bis hin zu Big Band Formationen. In der Unterfahrt nun also seine Five Elements als Quartett. Der Name Five Elements bezieht sich auf eine aus dem Kung Fu stammenden Schlagfolge und steht für Coleman als Beispiel für seine Auseinandersetzung mit historischen und philosophischen Themen alter Kulturen, auf die er wiederum durch die Beschäftigung mit der Musik John Coltranes kam.
Im erweiterten Sinn ist dies auch heute noch die Grundlage seiner Musik. In ihr treffen sich alte und neue Muster, hier füllen magische Inspirationen die geschickt konstruierten Räume aus. Zyklische Bassfiguren plus perkussiver Schläge/Wirbel/Triolen als Basis. Darüber: Die befreiende Wirkungsebene gelebter Humanität.
Jörg Konrad
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Donnerstag 29.02.2024
Fürstenfeld: The Jakob Manz Project – Von den Stühlen gerissen
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Fotos: Thomas J. Krebs
Fürstenfeld. Jakob Manz ist Jahrgang 2001 und kann als Saxophonist schon auf eine beeindruckende Karriere verweisen. Das erst vor wenigen Wochen erschienene „The Answer“ ist sein immerhin viertes(!) Album. Es enthält zehn Kompositionen - weder Jazz- noch Popstandards! Sein Label (Act) hat also ebenso Vertrauen in den jungen, aus dem kleinen Bad Urach in Baden-Württemberg stammenden Altisten.
Am Mittwoch flutete Manz mit seinem Project musikalisch den Kleinen Saal des Veranstaltungsforums in Fürstenfeld mit seiner Mischung aus rhythmischen Fusionzitaten, jeder Menge Groove, hymnischen Themen und einer Dynamik, die das Publikum regelrecht von den Stühlen riss. Manz klingt in seinen jungen Jahren schon wie ein ausgebuffter Geschichtenerzähler – mit enormem Verstand und Sinn für Humor und Dramaturgie. Zudem hat er eine Band von gleichgesinnten Gleichaltrigen um sich vereint, die genau um den Schwerpunkt seiner Ideen kreisen. Pianist Hannes Stollsteimer scheint im Funk und Rhythm & Blues ebenso bewandert, wie er seine Improvisationen beredsam und flink auf die Klaviatur bringt. Frieder Klein am Bass lässt die Saiten seines Instruments virtuos schwingen und schafft mit Schlagzeuger Leo Asal brandheiße, fundamentale Rhythmen, die lichterloh brennen und dem Ganzen einen brodelnden Rahmen geben.
Natürlich hinken Vergleiche. Wissen wir alle. Trotzdem leuchtet bei diesem Crossover-Feuerwerk ein Name temperamentvoll auf: David Sanborn, der Unverwüstliche. Und Manz sagt es selbst: „Wir sind mit Groove-Jazz groß geworden, mit Marcus Miller, David Sanborn oder den Brecker Brothers, das ist unsere DNA“. Mit Sicherheit nicht die schlechteste Referenz.
Mindestens wie Sanborn rast auch Jakob Manz die Skalen seines Instrumentes rauf und runter, beherrscht die Tonarten und hohen Schwierigkeitsgrade des Altsaxophonspiels, vermeidet mit seinen sprudelnden Ideen jede Form der Routine. Und auch Balladen liegen ihm, deren Spannungsbögen, Zeitverzögerungen und Verdichtungen. Es war schon ein mitreißendes Erlebnis, die musikalische Besessenheit dieser vier Ausnahmekünstler zu erleben. So jedenfalls braucht einem um die Zukunft des Jazz nicht bange werden.
Jörg Konrad
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Montag 26.02.2024
Landsberg: Feininger Trio - Rauschhaft
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Foto: Irène Zandel
Landsberg. Vor knapp zwei Jahrzehnten beschlossen Adrian Oetiker, Christoph Streuli und David Riniker gemeinsam zu musizieren. Und wie so häufig, wenn Musiker auf Augenhöhe zusammenkommen und eine künstlerische Idee in die Tat umsetzen, stand die Frage im Raum: Wie sollte sich das Trio nennen? Eine Entscheidung, an der schon manch entstehende Band wieder zerbrochen ist.
Oetiker (Klavier), Streuli (Violine) und Riniker (Violoncello) haben sich bei der Namensfindung auf den Maler, Grafiker und Karikaturisten Lyonel Charles Adrian Feininger bezogen und ihre Karriere kurzerhand als Feininger Trio eingeläutet. Seitdem nehmen sie von Presse und Publikum gefeierte Alben auf und touren erfolgreich durch die Welt. Am Sonntag gastierte das renommierte Trio im Landsberger Rathaussaal und gab, das darf an dieser Stelle wohl schon erwähnt werden, ein musikalisch berauschendes Konzert.
Auf dem Programm standen Komponisten aus drei Jahrhunderten. Den Anfang machte Franz Schubert (1797-1828) und sein stimmungsvolles „Notturno Opus posth. 148“. Man spricht auch, was diese Komposition betrifft, von einer Art „Nebenprodukt“ der beiden großen Klaviertrios Schuberts, die 1828 entstanden ist, aber erst 1848 veröffentlicht wurde. Das Feininger Trio interpretierte zurückhaltend, setzte deutlich auf die Form des Stückes, wobei das Spannungsfeld zwischen den einzelnen Instrumenten im Laufe des Stückes an Perfektion gewann.
Alexander von Zemlinskys (1871-1942) „Klaviertrio op. 3 d-moll“ war vielleicht schon der Höhepunkt des Abends. Der österreichische Komponist und Dirigent, ein Vertreter der Wiener Schule, ist eine Art stilistisches Scharnier zwischen Spätromantik und Neuer Musik. Entstanden ist das Stück 1896 für einen Wettbewerb, bei dem Johannes Brahms sozusagen Pate stand, und ist im Original ein Klarinettentrio, das Zemlinsky später umschrieb. Es lebt von furiosen Wechseln, von dramatisch Temperamentvollem, wie romantisch Emotionalem. Hier zeigte sich die ganze Professionalität und Finesse des Feininger Trios. Die unisono gespielten Themen, der furiose Variantenreichtum der einzelnen Stimmen, die rhythmischen Wechsel, das unablässige Ineinandergreifen der Instrumente. Bei allem Spiel blieb die dynamische Balance unter den drei Instrumentalisten immer erhalten.
Nach der Pause gab es dann „Apollon – sieben Miniaturen für Klaviertrio, op. 101“ der 1962 geborenen (und an diesem Abend anwesenden) griechischen Komponistin Konstantia Gourzi. Ein Stück voller klanglich unterschiedlicher Stimmungen, Spannungen und Motiven, wobei in sieben kurzen Stücken, die der Anzahl der Buchstaben des Namens Apollon entsprechen, eine Huldigung an das Licht zum Ausdruck kommt. Konstantia Gourzi hat diese Komposition dem Feininger Trio gewidmet.
Mit „A Song For Peace“ interpretierten Christoph Streuli und David Riniker als Duo noch ein weiteres Stück der Komponistin, welches einen sich annähernden Dialog musikalisch zum Inhalt hat.
Zum Abschluss des Abends Johannes Brahms (1833-1897) „Klaviertrio c-Moll op. 101“. Entstanden 1886 in Hofstetten bei Thun wurde schon vor Jahrzehnten behauptet, dieses Stück sei ein besseres Abbild von Johannes Brahms als jede Fotografie. Vielleicht kam ja in dieser Komposition besonders der Bezug zum Namensgeber Feininger zum Ausdruck. Die teilweise verspielten Motive wirkten klar und transparent, die Farbigkeit des Klanges atemberaubend und die einzelnen Strukturen souverän zum Licht ziehend. Insgesamt ein Musikabend für höchste Ansprüche.
Jörg Konrad
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Freitag 23.02.2024
Landsberg: Bill Laurance & Michael League - Melodische Kammermusik
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Fotos: TJ Krebs
Landsberg. Sie können auch anders. Mit dem Kollektiv Snarky Puppy spielten Bill Laurance und Michael League eine schweißtreibende Mischung aus Jazz, Pop, Electronic und Funk und wurden für etliche ihrer Alben mit einem Grammy nominiert. Nur wenige wagen, derart erfolgreich, den stilistischen Bruch und verlassen den sicheren Hafen der Publikumsgunst um Neues zu wagen. Wie ein solcher Richtungswechsel klingt, war am Donnerstag im Landsberger Stattheater zu erleben. Dort spielten die beiden Amerikaner eine Art melodischer Kammermusik, durchsetzt mit Improvisationen und rein akustisch umgesetzt.
Die beiden Ausnahmemusiker haben im Januar letzten Jahres mit „Where You Wish You Were“ erstmals ein Duo-Album veröffentlicht, aus dem sie ausführlich und mit freudiger Hingabe zitierten. Zur Entstehung der damaligen Aufnahme sagte Bill Laurance „Ein gemeinsames Album war nur eine Frage der Zeit. Michael und ich sind seit 20 Jahren eng befreundet und haben in so vielen verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet - mit Snarky Puppy, meiner eigenen Band und mit anderen Künstler:innen. Und so kennen wir einander in- und auswendig und es fühlt sich extrem natürlich an, zu zweit zu spielen.“
Diese Wertschätzung war während des gesamten Konzerts zu spüren. Hinzu kam ihre musikalische Leidenschaft, die sie von einer Idee zur nächsten trugen, sowie die häufig sehr verspielten Improvisationen, die sie immer als eine gemeinsame, kompakte Einheit ablieferten. Es war wie ein Ineinandergreifen von gut geölten Zahnrädern, wenn Laurance über die Tastatur des Flügels rast, oder mit nur wenigen Noten ein berührendes wie intimes Thema formt. League, an der arabischen Kurzhalslaute und am Fretless Acoustic Guitar Bass im Einsatz, ergänzte die zarten Figuren, sorgte mit seinem groovenden Erfahrungsschatz für den rhythmischen Unterbau und fand immer wieder Möglichkeiten, solistisch herausfordernde Wege im Gesamtkontext zu gehen. Trotzdem zeichnete sich der Abend eher durch eine sparsame Instrumentierung aus und, bei aller Freiheit, beeindruckten die transparenten wie luftigen Arrangements.
Beide spielten ihre Kompositionen mit wahrer Hingabe und integrierten zugleich das Publikum. Dieser spürbare Spaß und die ganz allgemeine Freude am Musizieren, den beide vermittelten, verströmte zugleich einen Hauch positiven Entertainments.
Dass sich Michael League bei zwei Drittel der Stücke für die Oud als Duo-Instrument entschied, liegt an seinem familiären Background: „Meine Familie ist griechischer Abstammung und mein Bruder ist ein Spezialist für griechische Volksmusik. Und so hielt ich zum ersten Mal eine Oud in der Hand, als ich als 14-Jähriger in dessen Zimmer schlich. In unserem Elternhaus spielte immer griechische und türkische Musik und in den letzten knapp zehn Jahren habe ich immer wieder die Türkei besucht, um mehr über die Musik der Region zu lernen.“ Natürlich spiegelt sich diese Einstellung besonders in der mehr individuell fokussierten Duo-Arbeit wieder. Zugleich ist es eine Erweiterung musikalischer Stilistik und instrumentaler Klangfarbe, wenn biographische Bezüge derart bewusst in die eigene Musik Einzug halten.
Es war ein außergewöhnlicher, ein mitreißender Musikabend, der plausibel endete: Zwei Zugaben - Standing Ovations.
Jörg Konrad
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Freitag 16.02.2024
München: Meredith Monk – Das Durchstoßen von Oberflächen
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Fotos: TJ Krebs
München. Sie selbst sieht sich als Komponistin - bekannte Meredith Monk schon vor vielen Jahren. Alles in ihrer Kunst dreht sich um Töne, um Klang, um rhythmischen Ausdruck. Auch dann, wenn sie als Tänzerin, Regisseurin, Dramaturgin, Choreografin, Gestalterin auf der Bühne steht oder in Ausstellungen ortbar ist. Doch im Grunde lassen sich bei ihren Auftritten einzelne Sparten nicht so einfach voneinander trennen. Denn in ihrer Kunst regiert die Ganzheitlichkeit der Kommunikation. All ihre Schaffensprozesse sind, zusammengenommen, eine Art multisensorisches Werk.
Im Rahmen der Ausstellung CALLING im Münchner Haus der Kunst, präsentierte die 1942 in Queens, New York City geborene Monk am Donnerstag gemeinsam mit Katie Geissinger (Stimme) und Allison Sniffin (Stimme, Geige und Keyboards) eines ihrer heute absolut seltenen, wie ungemein berührenden Konzerte.
Aber was heißt Konzert. Monks Auftritt darf, trotz des inflationären Gebrauchs dieser Umschreibung, tatsächlich als eine Performance beschrieben werden. Mehr Aktion als Vollendung, mehr Spiritualität als Perfektion, mehr Überzeugung als Verwundbarkeit.
Sie füllt den Raum mit ihrer Choreographie von Stimmen, von weltlichen Lauten, begegnet dem Unbewussten tänzerisch, durchstößt die Oberfläche und findet Zugang zu dem Darunter. Sie lässt sich leiten von transzendenter Sensibilität und vereinnehmender Empathie und ist dabei doch unerbittlich zu sich selbst, dabei auch aufrüttelnd und insistierend.
An ihrer Seite Katie Geissinger und Allison Sniffin, zwei Künstlerinnen, die schon seit den 1990er Jahren zum Meredith Monk Vocal Ensemble gehören. Sie wirken auf der Bühne befreit von allen Konventionen, scheinen nur der Kreativität und Sinnlichkeit ihrer Kunst verpflichtet. Sie kommunizieren in statischer Geschlossenheit, im Kanon, mit minimalistischen Gesten verziert. Alles atmet die Liebe und die Sehnsucht des freien Geistes. In kindhaft verspielte Melodien verpackt, oder von komplexer Realität gerahmt.
Jörg Konrad

Am Samstag, 17. Februar um 19.00 Uhr treten Meredith Monk, Katie Geissinger und Allison Sniffin noch einmal im Haus der Kunst auf. Wer diesen Auftritt verpasst – die Ausstellung CALLING würdigt in einer beeindruckenden Werkschau die Einzigartigkeit der Künstlerin Meredith Monk noch bis zum 03. März 2024.
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Montag 05.02.2024
Landsberg: Marc Ribot’s Ceramic Dog – Vielleicht im nächsten Jahr
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Foto: EbruYildiz
Landsberg. Alle drei sind mit eigenen Projekten weltweit unterwegs. Und so kann es passieren, dass einer von Ihnen ausfällt. Nicht, weil er einen Flieger von Bombay nach Rio verpasst hat. Sondern, wie im Fall von Bassist Shahzad Ismaily, weil dieser am Wochenende in Los Angeles weilte - zur Grammy Gala. Er ist nominiert für Best Global Music Performance (Feist) und Best Alternative Jazz Album (Arooj Aftab Trio).
So saßen am Sonntag im Landsberger Stadttheater bei den Ceramic Dog nur zwei Drittel der regulären Band auf der Bühne. Am Bass hingegen ein Ersatzmann: Der Punk und Jazz erfahrene Reza Askari. Und gleich vorweg – dieser erfüllte seine Aufgabe großartig, musizierte verlässlich im Sinne des eindrucksvollen Alternative-Blues-Free-Projects und gab tatsächlich manch exzellenten Impuls.
Im Grunde aber keine leichte Herausforderung. Denn in einem derartigen Trio steht weniger der Einzelspieler im Zentrum des Geschehens. Meist werden entsprechend alle beteiligten Instrumentalisten gleichermaßen gefordert, sind jeweils Solist als auch Teamplayer. Alles andere wäre fatal.
Gegründet hat dieses Kraftpaket Marc Ribot übrigens im Jahr 2008. Ribot, ein Gitarrist, der eigentlich so gar nicht ins Bild dieses präzise agierenden, perfekt virtuosen Saitenzauberers passen will. Dafür ist er zu sperrig, sind seine musikalischen Meriten zu unkonventionell, um nicht zu sagen zu überspannt. Ein Desperado am Instrument. Unregelmäßige Veröffentlichungen heizen die Spannung bei den Auftritten seiner Ceramic Dog bei ihrer Fangemeinde noch zusätzlich an. Und die ist groß - auch in Landsberg.
Volles Haus am Lech. Und von Anfang an war akustisch klar, worum es Ribot und seinen Mannen geht: Freiheit, Abenteuer, Intensität. Und dieses erreichen sie durch maximale Reduktion bei optimaler Wirkung. In „Connection“, aus dem gleichnamigen Album, genügen als Beispiel zwei Riffs, und der Theatersaal beginnt zu brodeln, wie ein Vulkan, kurz vor dessen Ausbruch. Und dann entlädt sie sich tatsächlich, die Energie, die leidenschaftliche Bestimmtheit und hält das Publikum knappe einhundert Minuten in Schach.
Natürlich fallen einem bei Ribots Gitarrenarbeit sofort die Altvorderen des Blues ein, aber auch ein Albert Ayler oder ein Arto Lindsay - zumindest was Momente des Gesangs betrifft. Aber Ribot demontiert und editiert all die Verbindungen mit respektvoller Gnadenlosigkeit und so wird das, was er spielt, letztendlich wieder zu einem reinen Ribot. Und mit diesem Ton, diesem schneidenden Sound, diesem radikalen Schwung unterfüttert er entschieden seine bisher längste musikalische Beziehung, die zu den Ceramic Dogs.
Dieses Trio ist sein Rock'n Roll Sprachrohr, ebenso knarzig wie politisch, provokant wie geistreich. Auch dank eines explodierenden Schlagzeugers Ches Smith, der ebenso unerbittlich hart auf die Eins schlägt, wie er polyrhythmisch zu jonglieren versteht. Und der sich prächtig mit Bassist Reza Askari ergänzt, der wiederum als eine Art Mittler zwischen den beiden Außen Ribot und Smith fungiert.
Am Ende hinterließ dieses Trio auf seinem wilden wie schweißtreibenden Ritt durch die Musikgeschichte eine breite Schneise, eine fruchtbare Furche, die aufgrund ihrer konsequenten Originalität noch eine gehörige Weile nachwirken wird.
Übrigens ist Shahzad Ismaily bei der Grammy-Verleihung in der Nacht zum Montag leer ausgegangen. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr – mit Ceramic Dog!
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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