Mit viel Glück und freier Sicht auf den Westen lässt sich die Venus unterhalb des Sternbildes Stier fast den ganzen April beobachten. Natürlich lohnt es sich auch den Planeten Jupiter aufzusuchen, obwohl sich seine Sichtbarkeit auf die zweite Nachthälfte beschränken wird. Trotzdem bleibt er weiterhin der dominierende Nachtplanet. Die Planeten Saturn, Merkur und Mars sind im Monat April nicht beobachtbar. Die markanteste Frühlingskonstellation ist das Sternbild Löwe. Der Hauptstern Regulus ist gleichzeitig auch der hellste Stern des beginnenden Frühlings.
Das großartige Foto unseres Hobbyastronomen Christoph Ehritt zeigt uns unsere direkte kosmische Nachbarschaft: Die Galaxis Andromeda erstreckt sich über mehr als 150.000 Lichtjahre und wurde aufgrund ihrer Lage im Sternbild Andromeda so benannt. Um sich diese Dimensionen genauer vorstellen zu können, soll folgendes Gedankenexperiment helfen: Eine eventuell existierende intelligente Lebensform möchte mit einer anderen fortgeschrittenen Species genau am anderen „Ende “ der Galaxis Kontakt aufnehmen. Für eine Kontaktaufnahme und die zu erwartende Antwort würden 300.000 Jahre benötigt. Schon allein diese Ausmaße zeigen, dass sich es bei M 31 um die größte Sternansammlung in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft handelt. Das M steht dabei für den französischen Astronomen Charles Messier, in dessen Katalog der großen Himmelsobjekte von 1771 die Galaxis mit der Nummer 31 verzeichnet ist. Nach vorsichtigen Schätzungen könnte die riesige Sterneninsel ähnlich wie unsere Milchstraße bis zu 400 Mrd. Sterne beheimaten. Die Milchstraße und die Galaxis Andromeda sind die größten Sternansammlungen in der sogenannten Lokalen Gruppe, zu der die Große und die Kleine Magellansche Wolke ebenso wie rund 15 weitere kleinere Welteninseln gehören.
Wie wäre es allerdings um die Kontaktaufnahme bestellt, wenn wir vielleicht Außerirdische in der Andromeda-Galaxis kontaktieren wollten? Hier würde es ganze 4,5 Millionen Jahre dauern, bis die erhoffte Rückantwort von M 31 eintrifft.
Genau aber ein solches Lichtsignal aus den Randgebieten des gigantischen Andromeda-Spiralnebels hat die Astronomie vor knapp 100 Jahren entscheidend revolutioniert.
Henrietta Swan Leavitt, die kongeniale Partnerin des großen amerikanischen Astronomen Edwin Hubble, befasste sich zu dieser Zeit mit einer ganz speziellen Gruppe von Sternen. Die Delta Cepheiden sind nach dem vierthellsten Stern im Sternbild Cepheus benannt. Dieser hat eine besondere Lichtkurve, die ihn gewissermaßen zu einem kosmischen Leuchtturmstern machen: Alle 5,366 Tage ändert der Stern – bedingt durch Abkühlungserscheinungen von mehr als 1000 K in seiner oberen Gashülle – seine Helligkeit deutlich. Bereits 1784 entdeckte der englische Astronom John Goodricke diese Auffälligkeit, sodass knapp eineinhalb Jahrhunderte später Hubbles Assistentin bereits wusste, dass man über das Pulsieren auch die Entfernung des Blinker-Sterns berechnen konnte. Da man zu diesem Zeitpunkt noch vom Andromeda-Nebel sprach und davon ausging, dass das kleine linsenförmige Objekt zu unserer Milchstraße gehörte, versuchte die junge Doktorandin Henrietta Leavitt auch in diesem kosmischen Objekt derartige Delta Cepheiden aufzuspüren. Dies gelang ihr auch tatsächlich, doch die errechneten Distanzen von rund einer Millionen Lichtjahren stellte sie vor ein Rätsel. Am Ende schwangen Hubble und Leavitt sich zu der kühnen Behauptung auf, dass M 31 gar nicht zu unserer Milchstraße gehören würde: Ein Sturm der Entrüstung entlud sich und ihre gesamten Forschungen wurden hinterfragt. Viele Schmähungen mussten die beiden Astronomen über sich ergehen lassen. Kurz vor ihrem viel zu frühen Tod im Jahr 1921 wurden dann aber ihre Messungen bestätigt, die – wie wir heute wissen – noch einen großen Messfehler aufwiesen. Derzeit gehen wir davon aus, dass die Andromeda-Galaxis mehr als doppelt so weit entfernt ist, wie die beiden Astronomen vor über 100 Jahren mit ihren noch ungenauen Messmethoden bestimmt hatten.
Schaut man auf das Bild von Christoph Ehritt, erkennt man sofort die große Tiefenschärfe. Die Aufnahme, die mit einem robotisch geführten Teleskop gemacht wurde, hat eine Auflösung von 85,34 MP (Mega Pixel = 85.340.000 Bildpunkte) und wäre theoretisch in der Größe 3,97 m x 2,67 m druckbar! Die hier vorgestellte Variante besteht aus einem Mosaik von 3 x 3 Bildern und ist somit aus 9 Bildern zusammengesetzt. Die wiederum bestehen aus 20 Aufnahmen mit je 600 Sekunden Belichtungszeit aus dem Zeitraum vom 18.10.25 bis 18.1.26 - ein wahres Geduldspiel auf Grund der vielen Belichtungsreihen, die von plötzlich aufziehenden Wolken oder anderen widrigen Wetterumständen begleitet worden sind. Erst nach einer äußert aufwendigen Nachbearbeitung ist eine solche Qualität überhaupt erst zu erreichen.
Zurück zu unserer Lokalen Gruppe: Ihre weiteren Vertreter wie zum Beispiel die Galaxien M 110 (im Bild von Christoph Ehritt gut oberhalb der Andromeda - Galaxis als kleine Begleitgalaxie zu sehen) oder die Barnards Galaxie NGC 6822 sind mit einigen Millionen Lichtjahren gerade noch soweit von uns entfernt, dass man noch von unmittelbarer Nachbarschaft sprechen kann.
Für die Maßstäbe des Universums ist die Lokale Gruppe sehr klein. Daher wird sie als Teil einer übergeordneten Gruppe dem sogenannten Virgo-Superhaufen zugeordnet, Ungefähr 2000 Galaxien gehören diesem weiträumig verteilten „Super-Cluster“ an.
Für unser gesamtes Universum wird die Zahl der fernen Welteninseln heute auf mehr als 400 Milliarden geschätzt, was so viel heißen würde, dass auf jeden Stern in unserer Milchstraße auch eine Galaxie im Universum kommt.
Mit dem James Webb Space Teleskop - dem derzeit besten Beobachtungsinstrument für den Blick in die Tiefen des Weltalls - hat man Anfang des Jahres das entfernteste Objekt, das wir überhaupt noch erkennen können, aufgespürt.
Man geht davon aus, dass dieses nur als kleines gelbliches Pünktchen zu erkennende Objekt mit der Bezeichnung MoM-z14 Galaxy die fernste ihrer Art ist. Sie entstand vor knapp 300 Millionen Jahren nach dem Urknall und kann damit eine Entfernung von 13,5 Milliarden Lichtjahren aufweisen: Wir schauen somit auf das Licht vom Anfang der Zeit.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt





























