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1. Jeff Wall „The Thinker – Der Denker“
2. Chet Noir von Holger Klein
3. Ziga Koritnik „Cloud Arrangers“
4. Ian McEwan „Was wir wissen können“
5. Ralph Quinke „Miles Davis – Three Days In Malibu“
6. Alexander Hacke „Krach – Verzerrte Erinnerungen“
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Mittwoch 11.03.2026
Jeff Wall „The Thinker – Der Denker“
Schirmer/Mosel hat anlässlich seines 50. Geburtstages vor zwei Jahren eine Buch-Reihe unter dem Titel „Ein Bild und seine Geschichte“ ins Leben gerufen. Hier werden Augenblicke der Weltgeschichte bzw. einzelne Kulturgüter ins Zentrum eines jeweiligen Bandes gestellt und mit Unterstützung eines Essays vorgestellt. Die neue Veröffentlichung beschäftigt sich mit einer Arbeit des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall.
Wall hat sich bei seiner Arbeit für eine völlig neue Herangehensweise als andere Fotografen entschieden. Er sucht weniger nach den besonderen Gelegenheiten, den idealen Momenten, um ein Bild zu konservieren. Wall inszeniert und organisiert seine Objekte und erinnert mit dieser Herangehensweise an die Tätigkeit eines Malers. Er staffiert das Kunstwerk aus, formt den Raum ähnlich einem Bühnenbild, oder bearbeitet die Fotoarbeit im Nachhinein. Häufig bezieht er sich in seiner Darstellungsart auf die Kunst- bzw. Kuturgeschichte, wodurch seine Werke nicht selten in verschiedenen Zeitebenen verankert wirken.
Oft hat Wall diese Arbeiten in großformatigen Leuchtkastenbildern platziert - so auch sein Werk The Thinker von 1986. Auf einer Anhöhe, mit Blick über Vancouver, sitzt ein Mann in nachdenklicher Pose. Im Rücken dieses Mannes steckt ein langschaftiges Messer. So fällt sofort das Paradoxe dieser Figur ins Auge: Das tiefgründig Versunkene der männlichen Figur und der zu diesem Ausdruck so wenig passende Dolch in dessen Rücken. Es scheint als wolle das einfache, als Arbeiter gekleidete männliche Kunstobjekt nachdenken, ob es denn sterben wolle, oder ob es sich lohnt zu leben.
Wall bezieht sich bei dieser Arbeiten auf zwei Vorgaben von Albrecht Dürer, der Gedenksäule auf den Bauernkrieg von 1525 und auf Dürers Kupferstich Melancolia I von 1514. Zudem bringt Wall bei diesem Werk auch die Bronzeskulptur Der Denker von August Renoir ins Spiel, gefertigt zwischen 1880 und 1882.
So überbrückt Jeff Wall mit seiner künstlerischen Arbeit mindestens drei Jahrhunderte, setzt sie in ein Verhältnis und schafft damit eine gewisse Zeitlosigkeit.
Klaus-Peter Schuster, deutscher Kunsthistoriker, Ausstellungskurator und Museumsleiter, verweist in seinem Essay auf die Unterschiede und Ähnlichkeiten der verschiedenen Kunstwerke von Wall, Renoir und Dürer hin. Er betrachtet ausführlich die Objekte, sowohl in der Zeit ihrer Entstehung, als auch in ihrer heutigen Wirkung.
Jörg Konrad

Jeff Wall
„The Thinker – Der Denker“
Ein Bild und seine Geschichte
Schirmer/Mosel
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Dienstag 24.02.2026
Chet Noir von Holger Klein
In seiner Graphic Novel „CHET NOIR“ lässt Illustrator und Autor Holger Klein die letzte Woche im Leben des Jazztrompeters Chet Baker Revue passieren. Der 13.05.1988 ist für Jazzfans ein Tag, den man nicht so leicht vergisst. Der einzigartige Trompeter wird nach seinem Fenstersturz vor einem Hotel in Amsterdam tot aufgefunden. Geschickt verwebt Holger Klein in seinem Buch Rückblenden, die Chet einer geheimnisvollen Anhalterin auf dem Weg nach Rotterdam zu seinem letzten Konzert erzählt. Es begann ursprünglich alles 1952 im Tiffany Club mit Charlie Parker, dann das Gerry Mulligan Quartett, die Fotosession mit Halima, die William Claxton ikonisch einfing, über Paris, London, Italien, immer wieder seine Drogenexzesse bis hin zu den letzten Begleitern seines Lebensweges. Die Geschichte, mit dynamisch angelegten, teils überlappenden, Panels, ist immer wieder unterbrochen durch atmosphärische One-Pager, die das Auge zur Ruhe kommen lassen. Man muss ab und zu verschnaufen bei dem rasanten Erzähltempo oder besser, der Lebens- und Leidensgeschichte von Chet Baker. Einmal angefangen, mag man das Buch nicht mehr weglegen. Es zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Der Kunstgriff mit der fiktiven Anhalterin, die mehr weiß als Chet ahnt, ist genial und begleitet den Trompeter so bis zu seinem letzten Atemzug. Das Hardcover Buch umfasst 152 Seiten Jazz pur, fesselnd, biografisch mit fiktionalen Elementen im Stile eines Film Noir, sauber recherchiert und wunderbar aufbereitet. „Mr. Chet“ hätte diese Graphic Novel sicherlich gefallen!
Von Holger Klein gibt es, by the way, ebenfalls erschienen im Kult Verlag, das jazz inspirierte Abenteuer „Tödliches Spiel“, auch über einen Trompeter, der aus dem Fenster stürzt, aber das ist eine andere Geschichte.
TEXT: Thomas J. Krebs

Holger Klein: Chet Noir
ist als Hard Cover erschienen bei Kult Comics
ISBN 978-3-96430-498-8
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Mittwoch 18.02.2026
Ziga Koritnik „Cloud Arrangers“
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Gerade erst hat der Fotograf Ziga Koritnik einen faszinierenden Bildband über den legendären deutschen Freejazz-Pionier Peter Brötzmann vorgelegt (siehe „Brötzmann In My Focus“). Fast zeitgleich ist nun ein weiteres Fotobuch des Slowenen erschienen. „Cloud Arrangers“ beinhaltet Momentaufnahmen und ausgewählte Porträts, die Koritnik in 30 Jahren als Fotoreporter im Jazzbereich gemacht hat. Dafür war er auf vier Kontinenten unterwegs, hat über fünfundvierzig internationale Festivals und unzählige Konzerte besucht. Ein Prachtband mit ausnahmslos schwarz-weiß-Aufnahmen, der die ganze Community des Jazz vereint, von Anthony Braxton bis Mats Gustafsson (mit Tochter Leah vor seiner kosmischen Vinylsammlung), von Han Bennink (in einer seiner unnachahmlich clownesken Posen) bis Elvin Jones, vom ekstatischen Joachim Kühn bis hin zum verschmitzt lächelnden Chick Corea. Man spürt in den einzelnen Aufnahmen die Dramatik und die Leidenschaft, die Nachdenklichkeit und die Einmaligkeit des Jazz und seiner Protagonisten. Festgehalten im Augenblick – für die Ewigkeit!
Koritnik, 1964 in Ljubljana, Slowenien geborenen, gelingt es, genau jene Elemente einer Musik einzufangen, die ebenso von Spontanität und einer Direktheit leben, wie auch die Arbeit eines guten Fotografen von einer Unmittelbarkeit und Unmissverständlichkeit zeugt. Hier sind Künstler am Werk - vor und hinter dem Objektiv.
„Cloud Arrangers“ ist eines der lebendigsten und ästhetisch überzeugendsten Jazzbücher des letzten Jahrzehnts – und vielleicht weit darüber hinaus.
Jörg Konrad

Ziga Koritnik
„Cloud Arrangers“
PE GA / Slowenia
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Freitag 30.01.2026
Ian McEwan „Was wir wissen können“
Wie wird unsere Erde in 100 Jahren aussehen? In seinem neuesten Roman „Was wir wissen können“ entwirft der britische Autor Ian McEwan eine düstere Dystopie, die aus heutiger Sicht keineswegs unglaubwürdig erscheint. Die voranschreitende Zerstörung der Natur, von McEwan „Disruption“ genannt, führt zu Hungersnöten, Unwetterkatastrophen und mehreren Klimakriegen mit begrenzten Nuklearschlägen, die Millionen Menschen das Leben kosten. Eine russische Wasserstoffbombe, die auf die USA gerichtet war und im Atlantik explodierte, verursacht schließlich die Überflutung weiter Teile der Erde und den Untergang unserer hochtechnisierten Zivilisation.
Im Jahr 2119, in dem der Roman spielt, ist die Weltbevölkerung um die Hälfte geschrumpft. Den Rest Deutschlands, der noch aus dem Wasser ragt, hat sich Großrussland einverleibt. In Amerika toben Bürgerkriege, und England ist zu einem Archipel einzelner Inseln geworden, die nur unter Gefahren über Boote zu erreichen sind. Auf einer dieser Inseln leben die Literaturwissenschaftler Tom Metcalfe und seine Frau Rose. Internet und Datenbanken sind erhalten geblieben, und den beiden steht ein großer Fundus an überliefertem Wissen zur Verfügung. Und auch die Literatur hat die Zeiten überdauert. Sie schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Toms und Roses gemeinsamer Forschungsschwerpunkt ist die englische Literatur der Zeit von den1990er bis zu den 2030er Jahren, und so richtet sich ihr Blick auf die Gegenwart von uns Leserinnen und Lesern.
McEwan ist ein brillanter Erzähler, und es ist beeindruckend, mit welch leichtfüßiger Eleganz und gleichzeitig großem Ernst er das Thema Klimawandel in seinem vielschichtigen Roman behandelt, der aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil schickt er den Literaturwissenschaftler Tom auf eine Art Schatzsuche, auf die Suche nach einem verschollenen Gedicht. McEwan, selbst ein großer Kenner und Liebhaber englischer Lyrik, streut immer wieder Zitate oder Hinweise auf bekannte Autoren wie Wordsworth oder Keats ein. Doch Francis Blundy, dem im Roman Toms besonderes Interesse gilt, ist erfunden.
Blundy hat im Jahr 2014 seiner Frau Vivien zum Geburtstag ein langes Gedicht gewidmet und bei einem Abendessen im Freundeskreis vorgetragen. Seither gilt es als verloren, hat aber gerade deshalb im Laufe der Jahrzehnte ein Eigenleben entwickelt, ist ein „Sammelbecken der Träume“, geworden, das Gedanken und Erwartungen mehrerer Generationen spiegelt. Tom ist besessen von dem Wunsch, den Sonettenkranz zu finden und zum ersten Mal zu veröffentlichen. Und ebenso leidenschaftlich fasziniert ist er von Vivien, der klugen, geheimnisvollen Frau des Dichters, von den Menschen ihrer Umgebung und ihren Beziehungen zueinander. Durch das Studium zahlloser Briefe, Tagebucheinträge, Emails versucht er, sich Vivien zu nähern und sich in einer Mischung aus Fakten und Fiktion ein Bild von der untergegangenen Welt, in der sie lebte, zu machen. Er blickt sehnsuchtsvoll auf eine Epoche, die ihm „von hier aus so ungebrochen und kostbar erscheint, in der viele Probleme der Menschheit noch hätten gelöst werden können. Damals, als zu wenige begriffen, wie grandios ihre natürliche und auch die menschengemachte Welt war.“ Aus der Sicht eines fiktiven Menschen der Zukunft führt uns McEwan im Roman die Schönheit, Vielfalt und Zerbrechlichkeit unserer Gegenwart vor Augen.
Rose, Toms Frau, betont dagegen einen anderen Aspekt: Es sei eine Zeit gewesen, in der Grausamkeit und Gier herrschten, in der die Menschen die Meere vergifteten, die Wälder vernichteten und die Disruption, die sie vorhersahen, nicht verhinderten. „…für eine Woche Urlaub dreitausend Kilometer fliegen; Hochhäuser, die an Wolken kratzten; uralte Wälder abholzen für Papier, mit dem sie sich den Hintern abputzten.“ Für die nachfolgenden Generationen blieb nur versengte Erde. In einem Interview wurde McEwan einmal gefragt, mit welchen Gefühlen die Menschen nach uns wohl auf unsere Zeit zurückblicken würden. Mit Neid und Wut, war die Antwort.
Wie auch in früheren Romanen, stellt McEwan in „Was wir wissen können“ die Frage nach Schuld und Verantwortung – eingebettet in eine unterhaltsame, spannende Erzählung. Im ersten Teil des Buches thematisiert er die Schuld der heutigen Menschheit an der Zerstörung von Natur und Umwelt. Im zweiten Teil, der in unserer Gegenwart spielt, kommt es zu einem Perspektivwechsel. McEwan erzählt von Liebe, Liebesverrat und einem Verbrechen, von dem an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden soll. Hier geht es um eine ganz persönliche, individuelle Schuld, und es zeigt sich, wie wenig Tom in Wirklichkeit von Vivien und ihrem Freundeskreis gewusst hat, wie wenig wir vielleicht überhaupt von anderen Menschen, ihren Träumen und Geheimnissen wissen können.
Ian McEwan hat einen großartigen Roman über menschliche Verantwortung und die Kraft der Literatur geschrieben, der nicht zuletzt auch eine psychologisch raffiniert erzählte Liebes- und Kriminalgeschichte ist.
Lilly Munzinger, Gauting
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Montag 12.01.2026
Ralph Quinke „Miles Davis – Three Days In Malibu“
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Miles Dewey Davis III verkörperte wie nur wenige andere Instrumentalisten im Jazz, den unablässigen und oft kompromisslosen Erneuerer dieser Musikform. Zudem war er eine exzentrische Persönlichkeit, mit einem anarchischen Verständnis von Tradition und Zukunft. Künstlerisch seiner Zeit oft voraus, war er dabei auch immer ein musikalisch und verbal scharfzüngiger Chronist seiner Zeit. Ein Magier, der stets polarisierte und trotzdem als Integrationsfigur der Szene hohe Anerkennung innehatte.
Zweieinhalb Jahre bevor der legendärste unter den Jazzmusikern 1991 starb, besuchten ihn der damalige Chefredakteur des Schweizer Kulturmagazins DU Marco Meier und der freie Fotograf Ralph Quinke in seinem Wohnhaus in Malibu. Es hatte Monate gedauert, bis es vom Management des Trompeters grünes Licht für dieses Treffen gab und selbst als Meier und Quinke endlich in Kalifornien vor Ort eintrafen, waren sie verunsichert, ob denn Davis die beiden „Typen aus Europa“ überhaupt empfangen würde.
Doch es kam tatsächlich zu einer längeren Begegnung, in der „The Man with the Horn“ sich sehr redselig und mitteilsam offenbarte. Und nicht nur das. Miles Davis lud Marco Meier und Ralph Quinke zur Feier seines 63. Geburtstags, die zwei Tage später im ersten Stock des Berverly Hills in Los Angeles stattfinden sollte, freundlich ein. Mit dabei: Tomy LiPuma, Vizedirektor des Labels Warner Brothers, Lionel Ritchie, Quincy Jones und etliche andere Stars und Sternchen des amerikanischen Showbiz.
Die im August 1989 erschienene DU-Ausgabe, ein Miles Davis Special, beinhaltet, neben Porträts, Essays, kritischen Analysen, biographischen Abhandlungen und einem ausführlichen Verweis auf das musikalische Werk des Jazz-Reformators, auch eine ausführliche Reportage über eben jenen außergewöhnlichen Besuch von Marco Meier und Ralph Quinke in Malibu und Los Angeles. Das Heft ist heute ein gesuchtes Sammlerobjekt.
Nun hat der Zürcher Verlag Scheidegger & Spiess als Hommage zum 100. Geburtstag des Trompeters jene Reportage als Ausgangspunkt für einen Bildband genommen, in dem etliche Fotos dieser Zusammenkunft von Ralph Quinke veröffentlicht sind. Herausgeber ist der Fotograf und Autor Arne Reimer.
Das Buch enthält neben der überarbeiteten Reportage ein Interview, das Arne Reimer mit Marco Meier und Ralph Quinke führte.
Ein wunderbarer Band, der zwar die Musik des legendären Trompeters nicht wiedergeben kann, dem aber ein visueller Zauber innewohnt, dem sich der Betrachter nur schwer entziehen kann und manch einen vielleicht ja auch neugierig auf sein musikalisches Schaffen macht.
Jörg Konrad

Ralph Quinke
„Miles Davis – Three Days In Malibu“
Scheidegger & Spiess
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Donnerstag 08.01.2026
Alexander Hacke „Krach – Verzerrte Erinnerungen“
Wer große Literatur erwartet, wird hier sicher nicht fündig. Aber das ist auch nicht das Anliegen von Alexander Hackes Lebenserinnerungen „Krach – Verzerrte Erinnerungen“. Wer jedoch etwas vom Zeitgeist der Avantgarde vergangener Jahrzehnte in Deutschland wissen möchte, der ist mit diesem wiederaufgelegten und erweiterten Buch bestens bedient.
Bekannt, berühmt-berüchtigt ist der 1965 in Westberlin geborene Hacke durch sein Spiel bei den Einstürzende Neubauten. Aber ihn darauf zu reduzieren, wäre zu wenig. Denn der Gitarrist, Bassist, Komponist und Produzent hat seit Beginn der 1980er Jahre alle möglichen Projekte initiiert. Als Kind von Klassik besessen war er als Jugendlicher Teil der Westberliner Punk-Szene, hat Minimal, New Wave, Dub, Electro, Klezmer und Industriel gespielt, war mit Christiane Felscherinow (Christiane F. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) liiert, mit der er auch ein Duo gründete (Sentimentale Jugend). Er experimentierte mit Drogen, schrieb Filmmusik für Fatih Akin („The Cut“) und Leander Haußmann („Sonnenallee“) und versuchte sich als Schauspieler.
Von all diesen Aktivitäten und Aktionen erzählt er in seiner Autobiographie. Über 296 Seiten geht es in gehörigem Tempo durch die unterschiedlichsten Subkulturen, die im Grunde eigentlich nur aus einer einzigen Szene besteht. Jeder kennt jeden, alles hängt immer irgendwie zusammen und wer sich in diesem Millieu wenig auskennt, der hat im Grunde kaum eine Chance, dieses Mosaik an Einzelteilen passend zusammen zu setzten.
Atmosphärisch wirkt der Text stimmig und vermittelt tatsächlich etwas von dieser (kreativen) ständigen Unruhe, die rückblickend oft so wirkt, als würden sich alle Protagonisten unablässig im Kreis drehen, manchmal allein der Bewegung willen.
Hacke, der sich einst Alexander von Borsig nannte, legt in den Beschreibungen seines Alltags ein höllisches Tempo vor, als habe er Angst, irgend eine Anekdote zu verpassen. Für all jene, die diese Erfahrungen als Teil der Szene einst selbst gemacht haben, ist „Krach – Verzerrte Erinnerungen“ wie eine Art Auferstehung der Vergangenheit. Getreu dem Motto: Weißt Du noch, wie's damals war?
Jörg Konrad

Alexander Hacke
„Krach – Verzerrte Erinnerungen“
Ventil
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