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1. Cedric Burnside „I Be Trying“
2. Delving „Hirschbrunnen“
3. Sitkovetsky Trio „Ravel & Saint-Saëns Piano Trios“
4. Der US-amerikanische Trompeter Jon Hassell starb am Samstagabend im Alter ...
5. BuJazzO (BundesJazzOrchester) „A Tribute To The Clarke-Boland Big Band“...
6. Stephan Micus „Winter' s End“
Freitag 23.07.2021
Cedric Burnside „I Be Trying“
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Robert Lee Burnside, 1926 geboren und mit Muddy Waters verwandt, wurde erst relativ spät zu dem, was ihn bis heute auszeichnet: Eine der großen Ikonen des Mississippi-Delta-Blues. Mit 40 Jahren erst erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. Zuvor war er Fabrikarbeiter, ging nach Chicago, lernte hier Chuck Berry kennen und kam ins Gefängnis, weil er einen Mann beim Würfeln angeschossen hatte. Später tourte er mit den Beasty Boys und erneuerte, so ganz nebenbei, den Blues, in dem er ihm eigentlich seine Authentizität zurückgab.
Sein damals dreizehnjähriger Enkel, Cedric Burnside, begleitete ihn am Schlagzeug. Dieser wiederum hat jetzt mit „I Be Trying“ sein mittlerweile neuntes eigenes Album veröffentlicht. Eine Sammlung von hochkarätigen Songs, die Burnside, der sich neben den dumpf pulsierendem Schlagzeug auch für die knappen archaische Riffs der Stratocaster verantwortlich zeichnet, als einen großartigen Dramaturgen und Ökonomen in Sachen Musik ausweisen. Und singen konnte der hochgewachsene Delta-Blues-Handwerker sowieso schon immer (manchmal so geschmeidig und im Falsett, dass man für Momente glauben könnte, hier handele es sich um ein posthumes Prince-Album). Doch letztlich sind die Gitarrenlicks zu schroff, zu scharf, zu leidenschaftlich, wie eine Machete, die sich und ihrem Träger den Weg durch die unzugänglichen Mississippi-Auen bahnt. „Mein Sound kommt geradewegs aus Afrika“, erzählte Burnside nach einem Interview mit Jonathan Fischer. „Ich fühle das in meinen Knochen, in meiner Seele“.
Das zeigt: Neben all den sich im Blues-Buiseness mittlerweile komfortabel eingerichteten 12-taktigen-Plagiatsjägern gibt es sie noch. Die authentischen, rauen und rohen Blues-Epigonen. Jene ungeschliffenen Diamanten, die nicht nur nicht verlernt haben, woher der Blues kommt und welche tragischen Lebensgeschichten in ihm stecken. Sondern die selbst genügend Erfahrenes in ihre Songs einbauen können, die von ihrer inneren Überzeugung, der Blues sei ihr einziges Ausdrucksmittel, leben. So zimmern sie melancholische wie auch kraftvolle Songs, die sofort unter die Haut gehen, die ein Gefühl von Stolz und Menschlichkeit ausstrahlen. Dabei muss nicht jeder Song zu einhundert Prozent der Bluestheorie entsprechen. Viel Soul liegt bei Burnsides „I Be Trying“ in der Luft, Rock'n Roll und natürlich der Wüstenblues Westafrikas, aus Mali. Überhaupt gibt es einige ernstzunehmende Musikwissenschaftler, die meinen, der Blues stamme von der pentatonischen Musik Malis ab.
Burnside nimmt in seiner Musik jedoch nicht nur Einflüsse auf. Er ist momentan eine der stärksten Impulsgeber, für Ausnahmetalente wie Jon Spencer, Dan Auerbach von den Black Keys oder der göttliche Jack White. Unter diesem Aspekt braucht einem um die Zukunft der Musik nicht bange werden.
Jörg Konrad
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Montag 12.07.2021
Delving „Hirschbrunnen“
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Hätten die beiden letzten Alben von Steven Wilson nicht auch wie das vorliegende „Hirschbrunnen“ klingen können? Schön wäre es ja! Wilsons Musik, das sei an dieser Stelle wenigstens kurz vermerkt, wirkt, zumindest in den zurückliegenden beiden Jahren, etwas müde und farblos. Bei seinem Arbeitspensum scheinen irgendwann fast zwangsläufig die Inspirationen aufgebraucht.
Aber wer ist nun Delving? Und wo steht der „Hirschbrunnen“? Bei Ersterem handelt es sich um Nick DiSalvo, dem Frontmann der amerikanischen Psychedelic Band Elder. Seit einigen Jahren lebt DiSalvo in Berlin Schöneberg, ganz in der Nähe des Rudolph-Wilde-Park, in dem sich auch der 1912 entstandene und von Platanen etwas verdeckt angelegte Hirschbrunnen befindet. Insofern ist dieses Album, entstanden in der gezwungener Maßen tourfreien Zeit 2020, eine Reminiszenz an seine heutige Wahlheimat.
DiSalvo hatte Zeit und spielte das gesamte Album fast im Alleingang ein. Dabei verarbeitete er all jene Ideen, Herausforderungen und Strukturen, die er in seiner Hausband so bisher nicht zum Ausdruck bringen konnte. Er formt Ambient und Minimal, Jazzharmonien und Hardrock, elektrische Gitarrenexkursionen und akustische Klavierfragmente zu einem sowohl anspruchsvollen, dabei aber wunderbar klingenden Instrumentalalbum. Hier sind imense Prog-Rock-Traditionen zu spüren. Jede Menge raffinierte Tempowechsel und erfrischende Klangfarben wechseln sich ab. DiSalvo klingt mal heiter verspielt, um dann wieder mit wirkungsvollen Heavy-Riffs die Titel massiv zu erden.
Die Komplexität der Musik kommt einer Reise durch zwar bekannte, aber sich immer wieder verändernde Landschaften nahe. „Hirschbrunnen“ atmet den Geist kreativer Herausforderung und hinterlässt eindringliche Klangbilder, die man immer wieder abrufen möchte. Auf der 5-sternigen Wertungsskale bekommt das Album die volle Punktzahl. Man kann nur hoffen, dass DiSalvo einige der hier gemachten Erfahrungen entweder in seine Arbeit der Band Elder mit einfließen lässt – oder uns in absehbarer Zeit mit einem neuen Soloalbum beglückt.
Jörg Konrad

Delving
„Hirschbrunnen“
Stickmann Records

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Samstag 03.07.2021
Sitkovetsky Trio „Ravel & Saint-Saëns Piano Trios“
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Foto: Vincy Ng
„Seit vorgestern diese Sturmglocke, diese weinenden Frauen und vor allem der grauenhafte Enthusiasmus der jungen Leute… Sie glauben, ich arbeite nicht mehr? Ich habe nie so viel mit einer verrückteren und heroischeren Wut gearbeitet.“ So schrieb Maurice Ravel in einem Brief kurz nach dem Beginn des 1. Weltkrieges. Er hatte einige Monate zuvor mit der Arbeit am Klaviertrio a-Moll begonnen. Einige Tage später, im August 1914, schloss er die Arbeit daran ab.
Im Grunde mochte Ravel das Miteinander von Klavier- und Streicherklang nicht vorbehaltlos. So wundert es nicht, dass dieses Stück auch seine einzige Komposition in dieser Gattung blieb und wäre zudem ohne das ihn inspirierende Trio Nr. 1 op. 18 von Camille Saint-Saëns wohl so auch nicht entstanden.
Emotionale Spuren hat der Beginn des Weltenbrandes in diesem Werk jedoch nicht unbedingt hinterlassen. Die Stimmung wechselt zwischen melancholisch (Modéré) und luftig beschwingt (Pantoum), lebt von nachdenklichen, träumerischen Sequenzen (Passacaille) und sich beinahe orchestral überlagernden Rhythmen (Final). Das seit 2007 miteinander musizierende Sitkovetsky Trio, mit Alexander Sitkovetsky (Violine), Isang Enders (Cello) und Wu Quian (Klavier), gibt der Komposition sowohl die nötige Geschlossenheit, was die Strenge der Vorlage betrifft, als auch eine luftige Offenheit, in der Interpretation. Das Trio hält eine dynamische Balance, die sowohl der polyphonen Struktur der Komposition gerecht wird, als auch dem silbrigen Charakter, dem die Instrumentalisten mit spürbarer Sensibilität begegnen. Die Stimmungswechsel leben von einer ansteckenden Leidenschaft, die das Ergebnis von spieltechnischer Perfektion, Virtuosität und beseelter Sinnlichkeit sind.
Das Klavier Trio Nr. 2 von Camille Saint-Saëns (1835-1921) gehört zu dessen späteren Werken und wurde von dem französischen Pianisten und Komponisten rund 28 Jahre nach seinem ersten Klaviertrio geschrieben. Es ist ein komplexes Stück, das auch die damalige Stellung des vielseitig gebildeten aber ein wenig zurückgezogen agierenden Saint-Saëns im europäischen Musikbetrieb zum Ausdruck bringt. Er war ein den damaligen Moden weniger aufgeschlossener Künstler, der sich zu Mozart und Beethoven weit mehr hingezogen fühlte, als zum damals angesagten Richard Wagner. Es ist insgesamt ernst und anspruchsvoll, an manchen Stellen eher nachdenklich als melancholisch. Das mag an den persönlichen Schicksalsschlägen liegen, die Saint-Saëns zuvor erlebt hatte.
Die fünfsätzige Komposition verlangt von den Ausführenden ein Höchstmaß an Konzentration, Musikalität, an individueller Perfektion als auch am konsequenten Miteinander. All diese Ansprüche erfüllt das Sitkovetsky Trio auf beeindruckende Weise. Seine interpretatorische Kreativität setzt Maßstäbe und bringt die Fähigkeiten dieser musikalischen Gemeinschaft souverän zum Ausdruck. Es läßt dramaturgische Spannungsbögen entstehen, reizt diese aus und löst sie mit Bestimmtheit und entschlossen – vor allem im Allegro des letzten Satzes. Diese Musik vereint Scharfsinn und Emotionalität, Ruhe und Bewegung und erklimmt spielerisch kammermusikalische Gipfel.
Gerhard von Keußler

Sitkovetsky Trio
„Ravel & Saint-Saëns Piano Trios“
BIS
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Montag 28.06.2021
Der US-amerikanische Trompeter Jon Hassell starb am Samstagabend im Alter von 84 Jahren
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Quelle: Jon Hassell
Anlässlich der Veröffentlichung von "Seeing Through Sound (Pentimento Volume Two)" veröffentlichte KK vor gut einem Jahr eine kurze Biographie des „Fourth World“-Musikers:


Völlig aus der Zeit gefallen

„In seiner Musik koexistieren Stammeskulturen und westliche Technologien, die mit glitzernden, elektronisch modifizierten Improvisationen angereichert sind, die über den Klängen einer Trommel und über dem verhallenden Echo eines Gongs fließen“, schrieb einst die New York Times über Jon Hassell.
Als der Trompeter sein erstes Album herausbrachte („Vernal Equinox“) war er selbst schon vierzig Jahre alt. Ambient-Erfinder Brian Eno hörte diese Platte kurz nachdem sie 1977 erschien. Eno selbst hatte zu dieser Zeit, wie er in einem Interview erzählte, tagelang krank im Bett gelegen. Und er ist sich bis heute sicher, dass es Hassells Musik war, die ihn hat genesen lassen.
Als Ergebnis dieser Erfahrung nahm Eno direkten Kontakt zu Hassell auf und beide begannen, aufgrund einer deutlich spürbaren künstlerisch-seelischen Verwandtschaft, einige musikalische Projekte gemeinsam umzusetzen. Neben dem minimalistioschen Weltmusik-Album „Fourth World, Vol. 1: Possible Musics“, über das die Musikzeitschrift Spex bei seiner Wiederveröffentlichung 2014 urteilte „Hypnotisierend, betörend und diskret“, ist auch „Flash Of The Spirit“ aus dem Jahr 1987 ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Außer Eno, Daniel Lanois und einigen handverlesenen Musikerfreunden hatte Hassell für diese Aufnahme eine achtköpfige Trommelgruppe aus dem westafrikanischen Burkina Faso mit im Studio, die durch ihre ständig wechselnden Rhythmusmotive die Grundstimmung der Musik dominierte. Sie sind ein Teil des Fourth-World-Gedankens, der Philosophie hinter den praktischen musikalischen Expeditionen des Trompeters. „Die Idee ist, das Traditionelle und Spirituelle der Dritten Welt mit der Technologie der Ersten Welt zu verschmelzen“, erläurt Hassell seine Heranggehensweise.
Dabei nutzt der 1937 in MemphisTenessee geborene Trompeter ebenso Musik aus Südamerika, wie Feldaufnahmen der Inuits nördlich der Polarkreises oder Mitschnitte ritueller Stammesmusik der Pygmäen aus dem zentralafrikanischen Regenwald, die er mit modernstem technischem Equipment seziert, modifiziert und damit individualisiert, so dass letztendlich völlig neue, strahlende Klänge entstehen.
Jon Hassell war schon immer der Meinung, dass es „reine“ Musik im Grunde ihres Wesens nicht gibt. Alle Musik ist letztendlich das Ergebnis von Einflüssen und deren individuelle Verarbeitung. Im Prozess des bewussten Komponierens kommen eine Unmenge unbewusster Dinge zum Tragen, werden in Noten und in Pausen geformt, später in Arrangements gegossen. Hassell lebte zum Beispiel lange Zeit in New York und hat hier unter der Hektik und der Lautstärke dieser Stadt enorm gelitten. Das brachte ihn dazu, Musik zu schreiben, die genau das Gegenteil dieser Betriebsamkeit ausdrückt, die nach völlig anderen, weitaus weniger „zivilisierten Welten“ klingen, ohne in der Aufbereitung jedoch die technischen Möglichkeiten der Gegenwart auszuklammern.
So entstanden immer wieder Alben, die völlig aus der Zeit gefallen scheinen, universale Kostbarkeiten, losgelöst von Zeit und Raum und die vom ersten Ton für Aufmerksamkeit sorgen und durchgehend faszinieren. „Power Spot“, eine Aufnahme, die Jon Hassell für das Münchner ECM Label 1986 eingespielt hat, ist so ein Beispiel. Die akustischen und elektronischen Trommelfiguren zu Beginn des Titelsongs klingen wie eine Art Reisemusik durch die unendlichen Weiten des Kosmos. Hier bereichern sich Archaisches und Modernes, gehen eine pulsierende Symbiose ein und finden trotz allem eine ausgewogene Balance,
Das Rhythmische, das perkussiv Instrumentale bildet die Grundlage, das Gerüst in Hassells Spiel und erinnert in seiner Umsetzung an einen Ausspruch des gerade erst verstorbenen afrikanischen Schlagzeugers Tony Allan: „Die Drums sind das Fundament jeder Musik. Die Drums sind die Basis.“ Egal, um welche Art der Musik es sich handelt.
Ausgehend von derartigen Überlegungen ist er natürlich auf der ständigen Suche nach Freigeistern, die bereit sind, Grenzen zu überschreiten, Trennungslinien in Frage zu stellen - egal auf welchem Gebiet. So kann Hassell auf ein mehrjähriges Studium bei dem indischen Sänger Pandit Pran Nath und bei Karlheinz Stockhausen in Köln verweisen, wie auch auf eine Zusammenarbeit mit den Minimal-Künstlern Terry Riley und La Monte Young. Einige Coverentwürfe von Hassell stammen übrigens von dem deutschen Maler Mati Klarwein.
So entstanden im Laufe der Jahre Kooperationen mit Musikern wie David Sylvian, Peter Gabriel, den Talking Heads, Ry Cooder, oder ein Projekt um den Norweger Jon Balke, in dem zeitgenössische Kammermusik, Jazz und ein Barockorchester beeindruckend nach gemeinsamen Klangmöglichkeiten forschen. Sie alle schätzen und verehren Hassell, seine Eigenwilligkeit und seine Kompromisslosigkeit, sein ästhetisches Gespür und die Sinnlichkeit seiner Musik.
Hassell hat von Beginn an seiner musikalischen Laufbahn einen sehr eigenwilligen gedämpften Trompetenton entwickelt, der nichts mit dem glänzend schrillen Sound der großen Virtuosen des Jazz verbindet („Im Prinzip spiele ich das Mundstück und nicht die Trompete. Ich blase wie in ein Schneckenhaus – es ist der grundlegendste und primitivste Aspekt dessen, was ich mache.“, sagte er in einem Interview). Trotzdem gehören Dizzy Gillespie oder Louis Armstrong zu seinen großen Favoriten, sind es diese Instrumentalisten, die sein Interesse an Musik ganz allgemein erst gefördert haben. Kann man sich also Jon Hassell und den Jazz-Hit Caravan, diesem Schlachtross unter den Jazzstandards von Juan Tizol und Duke Ellington, vorstellen? Kann man – denn es gibt diese Aufnahme, eingespielt auf dem Album „Fascinoma“. Und natürlich wird aus diesem Evergreen eine Jon Hassell-Nummer – weltentrückt, hingebungsvoll und atemberaubend schön.
Jörg Konrad

Discography Jon Hassell

Leader:

Vernal Equinox (1977)
Earthquake Island (1978)
Fourth World, Vol. 1: Possible Musics (1980) (with Brian Eno)
Dream Theory in Malaya: Fourth World Volume Two (1981)
Aka/Darbari/Java: Magic Realism (1983)
Power Spot (1986)
The Surgeon of the Nightsky Restores Dead Things by the Power of Sound (1987)
Flash of the Spirit (1988) (with Farafina)
City: Works of Fiction (1990)
Dressing for Pleasure (1994) (with Bluescreen)
Sulla Strada (1995) (with I Magazzini)
The Vertical Collection (1997) (with Peter Freeman, as Bluescreen Project)
Fascinoma (1999)
Hollow Bamboo (2000) (with Ry Cooder and Ronu Majumdar)
Magic Realism, Vol. 2: Maarifa Street (2005)
Last Night the Moon Came Dropping Its Clothes in the Street (2009)
Listening to Pictures (2018)

Sideman (Auswahl):

Terry Riley „In C“ (1968)
Talkin Heads „Remain In Light“ (1980)
Brian Eno „Ambient 4: On Land“ (1982)
David Sylvian „Brilliant Trees“ (1984)
Peter Gabriel „O.S.T. Birdy“ (1985)
Ry Cooder „O.S.T. Trespass“ (1993)
Ry Cooder „Chávez Ravine“ (2005)
Jon Balke & Amina Alaoui „Siwan“ (2009)

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Montag 21.06.2021
BuJazzO (BundesJazzOrchester) „A Tribute To The Clarke-Boland Big Band“
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Wenn Du die Tradition nicht verinnerlicht hast, wirst Du in der Gegenwart nicht bestehen und die Zukunft schon gar nicht gestalten können. In kaum einem anderen künstlerischen Metier ist dieser Gedanke nachweislich lebendiger als im Jazz. Alle großen Instrumentalisten beziehen sich auf geschichtsträchtige Vorbilder. Dabei ging es ihnen aber nie darum, auch so zu klingen wie ihre Favoriten. Miles Davis sagte einmal sinngemäß, man solle von den „Alten“ lernen und wenn man dann selber auf der Bühne oder im Studio stehe all diese Vorbilder radikal vergessen und seine eigene Musik spielen.
Ähnlich ergeht es auch ganzen Orchestern, wie im vorliegenden Fall dem Bundesjazzorchester, kurz BuJazzO genannt. Seit dreißig Jahren besteht diese Big Band ähnliche Formation. Sie rekrutiert sich immer wieder aus jungen, großartigen, aber noch wenig bekannten Musikern. Und natürlich sind diese jungen Instrumentalisten begeistert von der Kenny Clarke Francy Boland Big Band, die zwischen 1961 bis 1972 existierte und mit zu den feurigsten, leidenschaftlichsten und dynamischsten internationalen Jazzorchestern gehörte.
Produziert wurde die CBBB von dem in Köln lebenden Eiscafe-Besitzer und Jazzenthusiasten Gigi Campi. Nachdem Campi 2010 starb, fanden sich in seinem Nachlass einige Kisten mit Originalnoten aus der Feder Francy Bolands, die die Familie Campis dem BuJazzO übergab.
Jiggs Wigham, amerikanischer Posaunist und Leiter des BuJazzO zwischen 2011 und 2020 hat diese Arbeiten gesichtet und ein Repertoire aus diesem Material zusammengestellt, mit dem das Orchester anschließend auf Tournee ging. Die vorliegende CD präsentiert Ausschnitte aus diesem anspruchsvollen Programm, ausschließlich aus Kompositionen und Arrangements Francy Bolands bestehend.
Und wie Anfangs beschrieben, will natürlich auch das BuJazzO nicht explizit wie das legendäre CBBB klingen. Trotzdem ist viel von der Geschlossenheit, dem treibenden Swing, den feurigen Tempi der Vorbilder zu spüren. Ein Großteil der Kompositionen lassen weniger Raum für solistische Freiheiten, wodurch die Stücke kompakter, dichter klingen, als in manch anderer Big Band. Die Präzision des Satzspiels ist bemerkenswert und die Vitalität, mit der sich die jungen Musiker hier vorstellen, wirkt virulent. Es ist schon ein besonderes Verdienst Jiggs Wighams dieses Projekt initiiert und somit an eine der besten, vielleicht sogar bis heute unterschätzten Bands des Jazz erinnert zu haben.
Jörg Konrad

BuJazzO (BundesJazzOrchester)
„A Tribute To The Clarke-Boland Big Band“
Double Moon Records




Folgender Artikel erschien Mai 2019 auf KultKomplott:


Vor 50 Jahren
Die Kenny Clarke Francy Boland Big Band

Sie gehörten zu den ganz wenigen Big Bands, die einen Hit platzierten. Nicht in den Charts. Stattdessen in den Erinnerungen mindestens einer Generation von Autofahrern. Denn „Jay Jay“ läutete von 1966 bis ins Jahr 2005 an jedem Freitagabend die Verkehrserziehungssendung „Der 7. Sinn“ in der ARD ein. Mit einem Stück, das die ganze Power und Dynamik dieses Klangkörpers in einem kurzen Jingle zum Ausdruck brachte - ihre Vollkommenheit und ihr phänomenales Miteinander. Bop und Swing als musikalisches Kraftfutter für eine Schar von Solisten mit Format. Jazz als ein kleines aber nachhaltig wirkendes Stück Fernsehgeschichte.
Kenny Clarke, der unvergleichliche Schlagzeuger des BeBop, hatte diese Komposition geschrieben. Eingespielt wurde das Stück dann von dem „besten Jazzorchester der sechziger Jahre“ (Benny Goodman), der Kenny Clarke Francy Boland Big Band. Einem Ensemble aus 17 Musikern unterschiedlichster Weltanschauungen und Herkunft, unter der musikalischen Leitung eben jenes Kenny Clarke und des belgischen Pianisten und Arrangeurs Francy Boland. Die CBBB wurde 1962 gegründet und einige Jahre später von Pierluigi, genannt „Gigi“ Campi gemanagt – bis sie sich 1972 auflöste.
In der berühmten Campi-Eis-Diele, einem bedeutenden Treffpunkt der Kölner Kulturszene ab 1948 in der Hohe Straße, brachte der studierte Architekt mit italienischen Wurzeln einmal im Monat prominente Jazzmusiker aus ganz Europa zusammen. Der Musikenthusiast besorgte Aufträge von Funkhäusern und Plattenfirmen, die die „Gelegenheitsband“ in gemieteten Studios einspielte. Doch Campi wollte mehr mit diesem „Orchester der Persönlichkeiten und des perfekten Zusammenwirkens“. Am liebsten weltweit auf Tournee gehen und die vielen großartigen Kompositionen und Arrangements einem breiten Publikum auch Live vorstellen. Denn dieses Orchester, das spürte Campi schon beim ersten Zusammentreffen, war etwas ganz besonderes. Es hatte ein unglaubliches Feuer, die Chemie untereinander stimmte. Der Klang: „Kühl, ausgefeilt, klar und selbst in der gepanzerten Verschalung des Blechs angenehm frei von billigen Effekten“ (J.E.Berendt). Die Musiker konnten diszipliniert vom Blatt spielen und gleichzeitig war jeder einzelne ein großartiger Solist. Zu ihnen gehörten unter anderem Benny Bailey, Dusko Gojkovic, Phil Woods, Johnny Griffin, Sahib Shihab, Derek Humble und Ake Persson. Meist arbeitete die Formation mit zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern, wodurch sich die rhythmische Durchschlagskraft noch um einiges erhöhte. Ihr erstes größeres Engagement hatte die CBBB 1967 beim Jazzfestival in Prag. Kurz darauf ein dreiwöchiges Gastspiel im angesagten Londoner Szeneclub von Ronnie Scott, über das der „Daily Mail“ schrieb, dass in der Hauptstadt eine Band musizierte, „die Count Basie, Buddy Rich und Woody Herman in den Schatten stellt.“
Den künstlerischen Zenit erreichte die CBBB im Jahr 1969. Sie war auf dem Höhepunkt ihres Könnens angelangt. Es erschienen allein in diesem Jahr, in dem der Jazz seinen Einfluss zugunsten des Rock`n Roll zu verlieren begann, zehn Alben: „Sax No End“, „Latin Kaleidoscope“, „Faces“, „Volcano“, „Rue Chaptal“, „All Smiles“, „All Blues“, „At Her Majesty`s Pleasure ….“. Hinzu kommt ein Live-Mitschnitt von eben jenem furiosen Auftritt in Prag (auf dem tschechischen Label Supraphon) und eine Aufnahme mit der damals noch recht unbekannten Sängerin Gitte.
Auf allen Veröffentlichungen zeigt sich die Band in großartiger Verfassung. Bei den Studioaufnahme saßen meist schon die ersten Einspielungen, der erste Take. Man arbeitete konzentriert und effizient. Auf diese Weise konnten einige der Alben an nur einem einzigen Tag aufgenommen werden..
Als die Band sich nach einem Konzert 1972 in Nürnberg auflöste, hatte sie insgesamt 24 Alben in den zwölf Jahren ihres Bestehens veröffentlicht. Einige weitere sollten aus dem reichen Fundus des Orchesters später noch veröffentlicht werden. Doch auf keinem der Alben ist eben jenes „Jay Jay“ im Original enthalten, mit dem die CBBB ihren vielleicht größten Hit landete. Das Stück schlummert vermutlich irgendwo tief in den Archiven des WDR.
Jörg Konrad
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Dienstag 15.06.2021
Stephan Micus „Winter' s End“
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Die Welt entdecken mit Stepahn Micus. Der Stuttgarter nimmt jeden seiner Hörer seit viereinhalb Jahrzehnten verlässlich mit - auf ausgedehnte Klangreisen. Wer selbst nicht in den Flieger steigen kann, aus welchen Gründen auch immer, oder bei der Schiffspassage über Seekrankheit klagt, kann bei ihm, zumindest musikalisch, fündig werden. Micus nutzt die unterschiedlichsten Instrumente kleiner und großer Kulturen, sucht nach gemeinsamen und gegensätzlichen Ansatzpunkten, und gibt mit großem Respekt und Empathie akustische Einblicke in weit entfernte, geographisch außergewöhnliche Orte.
Und natürlich ist es bei ihm, wie auch bei jedem anderen weitgereisten Abenteurer so, dass das, was er letztendlich zu berichten weiß, ein sehr subjektiv eingefärbter Bericht ist. Gefiltert durch seine Ernsthaftigkeit, durch seine Fantasie, seine Erfahrungen, sein Wissen und sein Fühlen. Auf diese Art scheint die Welt auf magische Weise zusammenzurücken. Die scheinbar großen Unterschiede verflüchtigen sich, das Gemeinsame wird auf einzigartige Weise spürbar und bekommt ein eigenes, vertrautes Gesicht, einen sehr friedlichen, harmonisch austarierten Atem.
Auch auf „Winter's End“ lädt Micus zu weiten, Völker verbindenden musikalischen Reisen ein. Der Titel selbst steht in engem Zusammenhang mit einem japanischen Gedicht, in dem es darum geht, sich auch im Alter die kindliche Natur zu bewahren. Spiel und Spaß - zwei Grundtugenden, ohne die ein Musiker niemals in der Lage sein wird, überzeugende Klangwelten theoretisch zu entwickeln und praktisch umzusetzen.
Micus arbeitet diesmal mit der umfangreichsten Anzahl an Instrumenten, die er bisher für eine Aufnahme genutzte. Sie stammen aus Mosambik, Gambia, Zentralafrika, Ägypten, Japan, Bali, Sinkiang, Tibet, Peru und den USA. Sie alle sind Teil eines friedliches Miteinanders, eines sich gegenseitig inspirierenden Gedankens. Um dieses Denken, um dieses Fühlen umzusetzen, bedarf es für ihn keiner textlichen Bausteine: „Für micht ist das Schöne an Musik, dass sie jenseits von Worten und jenseits jeglicher verbalen Botschaften existiert.“ Dafür nutzt er diesmal das Chikulo (ein Xylophon mit hölzernen Tasten und darunter hängenden Kürbis-Resonatoren), eine Zungentrommel, ein Daumenklavier, eine gambische Harfe, verschiedene Flöten aus Ägypten, Bali und Japan, tibetanische Becken oder das peruanische Charango (ein kleines Zupfinstrument aus der Andenregion).
Stephan Micus beherrscht die Kunst des Einfachen, des Unbeschwerten und der Natürlichkeit. Seine ineinander fließenden Bescheidenheiten und Zurückhaltungen kommen sinnlichen Klangabenteuern gleich. Sie besitzen etwas von aller zivilisatorischen Umtriebigkeit Befreiendes, in ihrer Stille dabei schon etwas Herausforderndes, etwas Provokatives. Einer Mahnung, der man sich einfach nicht entziehen kann – sich nicht entziehen will.
Jörg Konrad

Stephan Micus
„Winter' s End“
ECM
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Autor: Siehe Artikel
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