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49. Sinfonieorchester Basel „Live From Stadtcasino Basel – Beethove...
50. Dino Saluzzi „Albores“
51. Mulo Francel „Crossing Life Lines“
52. Anja Lechner & Francois Couturier „Lontano“
53. Jean Françaix / Francis Poulenc „Chamber Music“
54. Lucian Ban, John Surman & Mat Maneri „Transylvanian Folk Songs“...
Montag 16.11.2020
Sinfonieorchester Basel „Live From Stadtcasino Basel – Beethoven, Satie, Strauss, Dvorak“
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Das Stadtcasino Basel ist ein Musentemplel par excellenc. Der 1876 errichtete Konzertsaal in der  drittgrößten Stadt der Schweiz wurde nach vier Jahren Umbauzeit im Sommer dieses Jahres wieder eröffnet. Zum Auftakt spielte das hier beheimatete Sinfonieorchester Basel. Auf dem Programm: Eine Zusammenstellung hochangesehener Komponisten unterschiedlichster Epochen.
Herzstück des Eröffnungsabend war Antonin Dvoraks Symphony Nr. 9 „From The New World“. Ein Stück, das das inspirierende Ergebnis des dreijährigen Aufenthaltes von Dvorak in den USA zum Ausdruck bringt und sicher zu den bekanntesten (und am häufigsten aufgenommen) Kompositionen des im böhmischen Nelahozeves geborenen Tonsetzers gehört. Das Baseler Sinfonieorchester interpretiert die rhythmischen und harmonischen Eigenheiten, die auf Einflüsse indianischer und afroamerikanischer Kulturen beruhen, mit erfrischender Weitläufigkeit. Die zum Tail schroff ausgearbeiteten Kontraste der Musik leben von einer mitreißenden Dynamik, der es weder an Klarheit, noch an Emotion mangelt. Das Stück selbst atmet tatsächlich einen Hauch „exotische Welt“ und erinnert insgesamt an die Herangehensweise Dvoraks, der sich vielen seiner kompositorischen Arbeiten über die Folklore näherte.
Eröffnet wird das vorliegende Album mit einem Stück von, wie kann es anders sein, Ludwig van Beethoven. Hier handelt es sich um die Overtüre aus „Die Weihe des Hauses“, mit der schon einmal ein Musiksaal eröffnet wurde: 1822 das Theater in der Josefstadt in Wien. Dabei handelt es sich um eine Adaption des Beethoven Werkes Die Ruinen von Athen. Ein Stück von der Besetzung wie konzipiert für einen der akustisch weltweit besten Konzertsäle. Denn hier, in diesem Instrumentalwerk mit Holz- und Blechbläsern, Streichern und Pauken kommt das Potenzial des Raumklanges voll zur Geltung.
Dass das Sinfonieorchester Basel auch die leiseren, stilleren, differenzierteren Werke der Klassik beherrscht, kommt in Claude Debussy Orchesterbearbeitung der 3. Gymnopedies von Erik Satie zur Geltung. Hier ist das Schwebende, das Verweilende des Augenblicks der Klaviervorlage in eine schwärmerische Orchesterfassung übertragen. Ivor Bolton gibt den tragenden Momenten der Komposition Raum, ohne jemals oberflächlich zu wirken.
Mit Richard Strauss „Morgen!“, aus „Vier Lieder“ stellt das Orchester sein Feingefühl und seine Subtilität unter Beweis. Es unterstützt und trägt die Sopranistin Christina Landshamer, gibt ihr Halt und inspiriert die Sängerin, die bewegend und zauberhaft zugleich diese aufblühende Melodie stimmlich umspielt.
Jörg Konrad

Sinfonieorchester Basel
„Live From Stadtcasino Basel – Beethoven, Satie, Strauss, Dvorak“
Berlin Classics
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Donnerstag 12.11.2020
Dino Saluzzi „Albores“
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Was uns unendlich fasziniert, sind Geschichten. Sie ermöglichen es, die Welt und menschliche Gefühle darin zu beschreiben, über den Alltag nachzudenken, das Außergewöhnliche hervorzuheben und sowohl der eigenen, als auch der Fantasie anderer zu folgen. Sie bieten uns im besten Fall poetische Fiktionen, offenbaren nicht selten Verblüffendes, skizzieren Absurdes, können aber auch radikal sein. Die besten Geschichten entwickeln Stimmungen, die alles andere vergessen lassen. Manchmal eben auch die Realität.
Jorge Luis Borges sagte einmal, er möchte leise schlichte Geschichten erzählen. Das hat er im Grunde sein Leben lang getan. Leise schlichte Geschichten – aber immer mit immenser Wirkung. Und darin ähnelt der große argentinische Autor einem anderen großen Landsmann: Dino Saluzzi.
Wenn es einen Instrumentalisten gibt, der als ein großer Erzähler von berührenden Geschichten gilt, die leise, schlicht aber eben auch mit großer Wirkung musikalisch vorgetragen werden, dann ist es Dino Saluzzi.
Der Bandoneonspieler aus der Provinz Salta im Norden des südamerikanischen Landes erzählt auf „Albores“ insgesamt neun Geschichten. Die Konturen dieser schwingenden Chroniken sind fließend, gehen ineinander über, sind inspiriert von Befindlichkeiten und Personen, von Realismen und Lyrizismen. Sie glänzen letztendlich aber durch ihre freie Interpretation, einer Art melancholischer Improvisation, die einer emotionalen Reise durch grundverschiedene Stimmungen gleichkommt. Auf „Albores“ paaren sich auf diese Weise souveräne Gelassenheit und hohes spieltechnisches Können. Saluzzi musiziert atemberaubend und schöpft aus einer grenzenlos erscheinenden Lebenserfahrung, die vor allem seine sensible Innerlichkeit zum Ausdruck bringt. Seine Solostimme ächzt und knarrt dabei, sie flüstert und jubiliert, ist auf der Straße zu Hause und hat doch auch das Zeug zur Hochkultur. Sie verbreitet Wehmut und Glück, lässt Tränen der Trauer und der Freude fließen. 85 ist Dino Saluzzi im Mai geworden und ein Geschichten erzählender Visionär ein Leben lang geblieben.
Jörg Konrad

Dino Saluzzi
„Albores“
ECM
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Mittwoch 04.11.2020
Mulo Francel „Crossing Life Lines“
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Diese Vielfalt ist atemberaubend. Mulo Francel widmet sich auf seinem aktuellen Album den unterschiedlichsten Komponisten und Spielarten des Jazz und bleibt doch dabei immer er selbst. Das ist bei diesem breiten Ausdrucks-Spektrum, das von Smetana über Chopin, bis hin zu den großen Standards des Great American Songbooks und eigenen Kompositionen reicht, nicht selbstverständlich. Zudem musiziert sein Allstar-Team mal in tranceartiger Reggae-Manier, swingt im Django Reinhardt-Style, fasziniert mit südosteuropäischem Temperament, verlustiert sich im Hardbop oder klingt wie eine bienenfleißige Klezmerband. Und immer führt Mulo Francel mit seinem geschmeidigen, auch abgeklärten, dynamischen, immer sehr musikalischen Saxophon-Sound durch dieses Labyrinth von Befindlichkeiten. Als einer der wohl besten deutschen, wenn nicht gar europäischen Saxophonisten ist er der rote Faden auf diesem engagiertem Album.
Die Idee für „Crossing Life Lines“ kam Francel während eines Konzertes mit seiner Stammformation Quadro Nuevo im polnischen Gliwice. Deutschland und Osteuropa – eine Beziehung, die durch ein friedliches Miteinander, aber auch durch schreckliche Kriege und nachfolgendem Leid gekennzeichnet ist. Die Spuren dieser wechselvollen Geschichte sind auch in Mulo Francels Leben spürbar. „Die Familie meiner Mutter ist oberbayrisch, mein Großvater väterlicherseits ist Sudetendeutscher, meine Großmutter – seine Ehefrau – tschechischer Abstammung“, sagte er kürzlich dem Magazin Jazzthetik.
Ähnlich lesen sich die Biographien vieler Menschen um uns. Etliche Familien haben Angehörige, deren Biographien von Flucht und Vertreibung gekennzeichnet sind, die stark vertraut sind mit dem, was heute Migration genannt wird. Und so hat auch jeder einzelne Titel dieses Albums Bezüge zur osteuropäischen Kultur, oder ist inspiriert von Menschen und Situationen, die Erfahrung mit diesem Ost-West-Thema haben.
Und natürlich hat sich Mulo Francel für dieses thematische Jazzalbum Musikerkollegen ausgesucht, die eigene Erfahrungen diesbezüglich mit einbringen. So der aus Baku stammende wieselflinke, großartig improvisierende Pianist David Gazarov, die polnische Vibraphonistin Izabella Effenberg oder Gitarrist Philipp Schiepeck mit böhmischen Familienwurzeln.
„Crossing Life Lines“ ist ein mitreißendes Jazzalbum, das zeigt, wie inspirierend und modern Mainstream anno 2020 klingen kann und zugleich Haltung zeigt. Mulo Francel: „Wir zelebrieren mit unserer Musik kulturelle Vielfalt – und 75 Jahre Frieden.“
Jörg Konrad

Mulo Francel
„Crossing Life Lines“
GLM
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Dienstag 27.10.2020
Anja Lechner & Francois Couturier „Lontano“
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Das Miteinander von Anja Lechner und Francois Courturier lebt von dem Erklimmen gemeinsamer Höhepunkte. Nicht im sportlichen Sinn, sondern rein musikalisch. Ihr Spiel ist gekennzeichnet durch ein ständiges Erproben, ein sich Herausfordern, sich suchen und letztendlich finden. So entsteht im Abwägen von Befindlichkeiten und im Experimentieren mit Akzenten ein lyrisches Fest berührender Geschichten. Wobei die wechselnde Distanz zwischen den Solisten, bei aller Nähe, die entscheidende Rolle spielt. Wie schon der Titel ihres neuen Albums „Lontano“ vermuten lässt, findet ein unentwegter Austausch verschiedener Ausgangspunkte statt, als dynamische Quelle farbiger Klangreisen.
Die Cellistin Anja Lechner und der Pianist Francois Courturier überbrücken das Gegensätzliche, nehmen den anderen respektvoll wahr, kommunizieren frei und formbewusst und minimieren damit jedweden Kontrast. Das Repertoire, das beide hier erschließen, ist breit gefächert. Es reicht von einem südamerikanischen Zamba, über Miniaturen des Georgiers Giya Kancheli, einer Komposition des Tunesiers Anouar Brahem, bis hin zu eigenen Stücken, die von Johann Sebastian Bach, dem Spanier Frederic Mompou oder dem griechisch-armenischer Komponisten Georges I. Gurdjieff inspiriert sind. Musik als Mittler zwischen den Welten von Jazz und Klassik und Folklore. Sie sind die instrumentalen Eckpfeiler dieser Aufnahme. Zwischen ihnen gibt es spontane und wohlüberlegte Diskurse, explosive und zärtliche Strömungen, Traditionelles und Modernes. Alles klingt wie pure Selbstverständlichkeit und berührend schön.
Jörg Konrad

Anja Lechner & Francois Couturier
„Lontano“
ECM
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Mittwoch 21.10.2020
Jean Françaix / Francis Poulenc „Chamber Music“
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Beide kannten sich nicht nur gut. Ihre künstlerische Haltung wies, trotz eines Altersunterschiedes von dreizehn Jahren, enorme Parallelen auf. Jean Françaix (1912-1996) und Francis Poulenc (1899-1996) haben in einer Zeit, die gekennzeichnet war von großen gesellschaftlichen Umbrüchen sowie künstlerischen Neuorientierungen, an ihren eigenen Überzeugungen festgehalten. Sie haben sich von neuen, avantgardistischen Strömungen in der Musik nicht beeindrucken lassen, sondern pflegten einen melodisch-eleganten und rhythmisch prägnanten Stil. In ihrem gesamten Schaffensprozess als Komponisten waren sie der Tonalität verbunden, sahen speziell die Kammermusik als einen Hort, in dem eine gewisse Leichtigkeit, eine Klarheit und auch Humor einen hörbaren Ausdruck finden.
Die vorliegenden Kompositionen, eingespielt von Sarah Rumer (Flöte), Joël Marosi (Cello) und Ulrich Koella (Klavier), stammen aus unterschiedlichen Schaffensperioden der Franzosen. Jean Françaix eröffnendes „Trio für Flöte, Cello und Piano“ ist ein Spätwerk des Komponisten, das seinem lebenslangen Motto „ernste Musik ohne Schwermut“ zu komponieren, voll gerecht wird. Überhaupt ist die Transparenz im Aufbau der Françaix-Stücke beeindruckend. Hier versteckt sich niemand hinter spieltechnisch schwierig umzusetzenden Passagen, oder fordert durch ständige Wechsel der Gefühlsstimmungen heraus.
Traditionellen Hörgewohnheiten entgegen kommt auch Poulenc mit seinen beiden Sonaten für Flöte und Piano und Cello und Piano. Poulenc, der eine Zeitlang Mitglied der „Group des Six“ war, einer Vereinigung von Kunstschaffenden, die sich unter Jean Cocteau zusammenfanden und  „Antiakademismus und raffinierten Diletantismus“ als oberstes Prinzip formulierten. Ihre Forderung war,  die Grenzen zwischen ernstem Anspruch und leichter Muse aufzulösen. So wundert es wenig, dass manche von Poulenc Kompositionen etwas Populäres beinhalten, angesiedelt sind, ganz in der Nähe der französischem Liedkunst, dem Chanson.
Die drei Instrumentalisten auf dieser auch grafisch wunderbar gestalteten CD glänzen durch eine gewisse Kühnheit, mit der sie sich das kompositorische Material mit Schwung und Gradlinigkeit erobern. Sie schaffen unterschiedliche Klangbilder, deren Lebendigkeit, Offenheit und mit ihrer Präzision beeindrucken.
Jörg Konrad

Jean Françaix / Francis Poulenc
„Chamber Music“
Prospero
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Mittwoch 14.10.2020
Lucian Ban, John Surman & Mat Maneri „Transylvanian Folk Songs“
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In der Zeit zwischen 1906 und 1918 sammelte Béla Bartók im heute zu Rumänien gehörenden Siebenbürgen abertausende Volkslieder, wie sie die Landbevölkerung sang und spielte. Anschließend katalogisierte der Ungar diese manchmal bruchstückhaften Melodien und beschäftigte sich den Rest seines Lebens, neben etlichen Orchester- und Bühnenwerken, die er verfasste, mit dieser Ausbeute, die auch immer wieder in seine kompositorische Arbeit mit einfloss.
Lucian Ban stammt aus eben jener Gegend, in der Bartók vor über einhundert Jahren als Musikethnologe unterwegs war. Ban, heute Pianist und in New York lebend, ist selbst mit diesen Volksliedern groß geworden und hat sich schon vor Jahren als improvisierender Musiker mit der Folklore seiner einstigen Heimat auseinandergesetzt.
2018 wurden Lucian Bang, der amerikanische Geiger Mat Manieri und der aus dem englischen Tavistock stammende Saxophonist und Bassklarinettenspieler John Surman in Béla Bartóks Geburtsstadt Sannicolau Mare, unweit der ungarischen Grenze eingeladen, um der lokalen Bartók-Gesellschaft ihre Interpretationen der „Bauernmusik“ vorzutragen.
Nun sind neun dieser zeitgenössischen Spielweisen auf dem Album „Transylvanian Folk Songs“ zusammengefasst. Es sind magisch schöne Melodien, die von den drei Ausnahmesolisten in einer fragilen Melancholie vorgetragen werden. Momente von eindringlicher Spiritualität wechseln mit subtiler Leidenschaft. Die Genügsamkeit der Musik berührt, wie auch die asketische Einfachheit der Vorlagen. Das Trio versteht es auf berührende Weise, Intelligenz und Hingabe in ein sich gegenseitig bedingendes Spannungsverhältnis zu bringen. Ban, Maneri und Surman erforschen diesen ländlichen Mikrokosmos, sie werden zu sensiblen Klangabenteurern, zu Übersetzern einer fast vergessenen Tonsprache, zu Instrumentalisten, die sich die Freiheit nehmen, lokale Musik-Phänomene hinaus in die weite Welt zu transportieren und diese an deren Zauber teilhaben zu lassen. Dafür sei ihnen ausdrücklich gedankt.
Jörg Konrad

Lucian Ban, John Surman & Mat Maneri   
„Transylvanian Folk Songs“
Sunnyside
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Autor: Siehe Artikel
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