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7. Steve Cropper „Fire It Up“
8. Isfar Sarabski „Planet“
9. Vor 52 Jahren: Sarah Vaughan „Live At The Berlin Philharmonie 1969“
10. Sophie Dervaux „Impressions“
11. Bigband Dachau feat. Jimi Tenor: Live at Stadtheater Landsberg
12. Vor 62 Jahren: Art Blakey And His Jazz Messengers „Moanin'“
Freitag 07.05.2021
Steve Cropper „Fire It Up“
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„Ich habe Rasen gemäht und beim Bowling Kegel aufgestellt und nahm jeden Gelegenheitsjob an, den ich kriegen konnte, um genug Geld für eine Silvertone-Gitarre für 18 Dollar aus dem Versandhaus Sears Roebuck zusammenzubekommen.“ Das muss Mitte der 1950er Jahre gewesen sein und erzählt hat es Steve Cropper dieser Tage, der damals, nicht einmal 15jährig, davon träumte, Musiker, genauer Gitarrist zu werden. Im damaligen Memphis wimmelte es schließlich nur so von Bands und Plattenstudios, in denen Soul und Gospel, Rhythm & Blues und Rock'n Roll gespielt wurde. Das einzigartige Gebräu aus all diesen Stilen ging als „Memphis-Sound“ in die Musik-Geschichte ein.
Eben jener Steve Cropper gründete ein paar Jahre später tatsächlich die damals vielleicht bekannteste und erfolgreichste Memphis-Band überhaupt: Booker T. and the MG's. Das Quartett hatte etliche Hits, spielte mit Otis Redding, Wilson Picket, den Blues Brothers und hatte nicht nur im tiefen Süden der USA vordere Charts-Plätze regelrecht abonniert. Cropper, der im Oktober dieses Jahres seinen 80. Geburtstag begeht, ist noch immer aktiv und hat erst vor drei Wochen mit „Fire It Up“ ein neues, packendes Album veröffentlicht. Das erste unter eigenem Namen - seit über 50 Jahren. Er ist viel lieber Sideman, Teamplayer, ein Handwerker pat excellence, dem die Musiker weitaus wichtiger sind als das eigene Ego.
Bei Cropper steht auch 2021 die absolute Geradlinigkeit des Spiels im Vordergrund. „Ich bin ein Rhythmusspieler, ich gebe den Groove vor“, bekannte er in diesem Frühjahr. „Ich bin kein guter Solist, bin es nie gewesen.“ Was ihn so einzigartig macht, ist die Schärfe seines Groove, die kurzen, knappen Einwürfe, die der Musik ein Gerüst und eine gewisse Atmosphäre geben. Cropper weiß genau worauf es ankommt: Keine virtuosen Zwischenläufe, keine geschraubten Themen. Jeder Ton ist glasklar gesetzt, hat seine charismatische Wirkung und gibt der Musik durch die variierten Wiederholungen einen unverkennbaren Charakter. Klare wie transparente Arrangements vermitteln zusätzlichen Biss. Eine ordentliche Bläsersection, eine Orgel (möglichst Marke Wurlitzer) und natürlich eine herausfordernde, bissige Stimme. Und schon hat man eines der besten Memphis-Alben der letzte Jahrzehnte. Vielleicht ja der (Retro-) Party-Kracher dieses Sommers.
Alfred Esser

Steve Cropper
„Fire It Up“
Mascot/Provogue
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Montag 03.05.2021
Isfar Sarabski „Planet“
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Isfar Sarabski swingt und groovt und experimentiert. Er kombiniert flüssig, improvisiert halsbrecherisch und überwältigt dabei jedes Publikum. Im Handumdrehen. Er beherrscht das musikalische Handwerk in Perfektion und fliegt als Pianist mit enormer Leichtigkeit über die schwarz-weiße Tastatur. Er scheint randvoll mit logischen, manchmal auch absurden Ideen und versprüht während des Spiels Leidenschaft und Temperament. Doch er liebt auch melodische Splitter und berührende Balladen. Aber im nächsten Moment wechseln die Harmonien bei ihm wieder im Sekundentakt, wobei er vom Jazz zum Folk springt – und wieder zurück, einen kurzen Abstecher in den klassischen Bereich realisiert und trotzdem jedem sentimentalen Crossover-Hinterhalt geschickt ausweicht. Sarabski nimmt jede Hürde virtuos und ist dabei das natürliche Gravitationszentrum seines Trios, um das sich die Musik rankt. Er baut zwischenzeitlich Streichorchester in seine so schon randvollen Kompositionen, ohne dass die vorwärtstreibenden Songs überladen klingen. Und bei all dem wirkt er völlig authentisch. Und da wundert es nicht, dass der aus Baku stammende Pianist fast zwangsläufig irgendwann bei Tschaikowski landet und dessen „Schwanensee“ gnadenlos und radikal verjazzt.
Soviel Lob und das für ein Debüt!!! Sarabski hat es sich verdient! „Planet“ ist klanglicher Kunstgenuss auf höchstem Niveau, denn in Sarabski Musik steckt ebenso viel Unnachgiebigkeit eines verwegenen Hinterhofes, wie auch Klanggenuss der klassischen Hochkultur.
Wo man ihn pianistisch ansiedeln könnte? Vielleicht zwischen Brad Mehldau und Tigran Hamasyan. Von dem einen hat er die klassische Strenge, die Romantizismen. Von dem anderen das kontrolliert Ungestüme, den Formenreichtum. Isfar Sarabski wird uns noch manche musikalische Sternstunde bescheren. Versprochen.
Jörg Konrad

Isfar Sarabski
„Planet“
Warner Music

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Montag 26.04.2021
Vor 52 Jahren: Sarah Vaughan „Live At The Berlin Philharmonie 1969“
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Die fast 50 jährige Geschichte der Berliner Jazztage ist eine absolute Erfolgsstory. 1964 das erste Mal veranstaltet, seit 1981 nennt sich das Festival übrigens Jazzfest Berlin, war die Veranstaltungsreihe jeweils im Herbst auch eine internationale Zugnummer. Die englische Musikzeitschrift „New Musical Express“ organisierte Leserreisen nach Berlin, auch in den USA standen die Tage des zeitgenössischen Jazz in Westberlin bei Musikern wie Veranstaltern hoch im Kurs und zudem gibt es ungezählte Mitschnitte einzelner Konzerte der Reihe, die als eigenständige Alben offiziell erschienen sind.
1969 gastierten in der Philharmonie unter anderem das Duke Ellington Orchestra, Miles Davis, Thelonious Monk, Max Roach, Lionel Hampton, das damals angesagte Dave Pike Set und „Sassy“. „Sassy“, das war Sarah Vaughan, neben Billie Holiday und Ella Fitzgerald ein Teil der, wie Siegfried Schmidt-Joos einmal schrieb, „heiligen Dreifaltigkeit“ des Jazzgesangs. „Sassys“ beide damaligen Auftritte sind ebenfalls mitgeschnitten worden und jetzt als Album erschienen. Für all jene, denen Sarah Vaughan nicht so geläufig sein sollte eine großartige Möglichkeit sie kennen zu lernen. Und jene die wissen, welch beeindruckende Stimme sich hinter diesem Namen verbirgt, ein freudiges Wiederbegegnen mit der Sängerin in absoluter Topform.
Gemeinsam mit ihrem Trio durchforstet die 1924 in Newark, New Jersey geborene Stimmakrobatin etliche Standards des Jazz und findet immer wieder neue Möglichkeiten, ihre Stimme, sowohl was die Intensität, als auch die Phrasierungskunst betrifft, zu präsentieren. Die Klarheit der hohen Noten, ihre wunderbaren, stets passenden vokalen Schattierungen, das raffinierte Dehnen der Melodiebögen, ihr beseeltes Zeitgefühl (bei ihr sollte man besser vom Swinggespür schreiben) – es scheint stimmlich nichts zu geben, was sie nicht beherrscht. Und trotzdem hat man nie das Gefühl, dass ihre sangliche Virtuosität, ihre stimmlichen Möglichkeiten, zum Selbstzweck werden. Dafür ist ihre individuelle Hingabe, ihre offenbare Leidenschaft viel zu präsent. Ihre Gestaltungskraft – einmalig. Deshalb an dieser Stelle vielleicht der Tipp, den einen oder anderen der schier unzähligen „Jazzsterne“ am heutigen Veröffentlichungshimmel einmal mit Sarah Vaughan zu vergleichen. Am besten mit „Live At The Berlin Philharmonie 1969“.
Jörg Konrad

Sarah Vaughan
„Live At The Berlin Philharmonie 1969“
Lost Recordings
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Montag 19.04.2021
Sophie Dervaux „Impressions“
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„Das Fagott ist mir sehr wichtig. Es ist meine Stimme“, sagt Sophie Dervaux. Dabei ist ihr Instrument wahrlich kein leichtes. „Ich habe als Kind gar nicht gewusst, was ein Fagott ist“.
Doch mittlerweile hat es die Französin auf dem Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt zu wahrer Meisterschaft gebracht. Und obwohl die klassische Literatur für das Fagott überschaubar ist, konnte Sophie Dervaux, die momentan als Solistin bei den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Staatsopernorchester angestellt ist, dieser Tage ihr Debüt veröffentlichen. „Impression“ ist im Zusammenspiel mit dem Pianisten Sélim Mazari entstanden und beinhaltet, ganz dem Titel des Albums verpflichtend, kurze Stücke unterschiedlichster stilistischer Provenienz.
Die Fagottistin ruft in einer knappen Stunde ein breites Spektrum an Stimmungen ab. Man könnte von emotionalen Skizzen sprechen, die sowohl in ihrer umgesetzten Musikalität beeindrucken, als auch durch ihre handwerklichen Fähigkeiten bestechen. Als Grundlage für diese Reise durch musikalische Befindlichkeiten dienen ihr unter anderem Camille Saint-Saens, Maurice Ravel, Charles Koechlin, Roger Boutry und Reynold Hahn. Einige dieser Vorgaben hat die Solistin für ihr Instrument (manche sprechen gar über den Fagottspieler als den Panda unter den Musikern) neu arrangiert.
Neben dem schwelgerischen Ton des Instruments, der elegant-geschmeidigen Intonation, klingt Dervaux Spiel leichtfüßig und zeigt doch, besonders bei den modernen Kompositionen, eine enorme Spannkraft und Dynamik. Sie meistert die extremen Sprünge und Verzierungen, überzeugt mit ihren Läufen über den gesamten Tonumfang und mit ihrem insgesamt ausgeglichenen Klang, dass das Fagott im Grunde gar nicht so exotisch ist und sehr wohl zum Soloinstrument taugt.
Jörg Konrad

Sophie Dervaux
„Impressions“
Berlin Classics
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Freitag 16.04.2021
Bigband Dachau feat. Jimi Tenor: Live at Stadtheater Landsberg
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20. Oktober 2019: Jimi Tenor & Bigband Dachau – Ein ohrenbetäubender Spaß

Dies ist der Originalbericht des Mitschnitts LIVE AT STADTTHEATER LANDSBERG (erschienen am 21. Oktober 2019 unter www.kultkomplott.de & am 23. Oktober 2019 in der Augsburger Allgemeine Zeitung)

Landsberg. Wer bei dem Wort Big Band an straighten Swing mit fetzigen Bläsersätzen denkt, oder vielleicht an volltönendes Blech als musikalische Untermalung von lasziven Gesangsnummern, der liegt nicht unbedingt richtig. Denn eine Big Band ist im Grunde nicht mehr und nicht weniger als die Bezeichnung für eine musikalische Großformation in bestimmter Besetzungsstärke. Ebenso wie ein Trio oder ein Quartett nicht verrät, welche Art von Musik zu erwarten ist.
Spätestens wer die Bigband Dachau (live!) erlebt und dann vielleicht auch noch, wie am Sonntagabend im Landsberger Stadttheater, mit dem Paradiesvogel der ansonsten schon kunterbunten Electro-Szene, mit Jimi Tenor als Gast, der muss sämtliche Vorurteile überdenken. Denn die Bigband Dachau feat. Jimi Tenor, das bedeutet: Stilistische Anarchie, instrumentale Disziplin, raffinierte Intonation, ein wenig Schamanentum bis Mummenschanz und jede Menge Spaß. Im Grunde all dies in einem.
Tenor, der, neben grandiosen Electro-Beats für die Tanzschuppen dieser Welt, seit einiger Zeit auch Big Band Arrangements entwirft, kennt einfach keine Grenzen. Der Finne ist ein kreativer Unruhegeist, der eben einstigen Erfolg nicht auf Gedeih und Verderb zu konservieren versucht. Tenor sucht nach immer neuen Möglichkeiten, sich musikalisch auszudrücken und zieht damit entsprechend immer neues Publikum in seinen Bann. Einzige Voraussetzung: Die Musik hat Groove, die Musik hat Biss, die Musik ist tanzbar.
Mit der Bigband Dachau als Partner scheint Tenor genau das richtige Vehikel für seine Meriten gefunden zu haben. Dieses Orchester, geleitet und zusammengehalten von Thomas Jahn, dem allein für sein Dirigat das Bundessportabzeichen für Fortgeschrittene in Gold gebührt, ist in seiner Kompaktheit und Unerbittlichkeit eine Ausnahmeerscheinung. Diese Bigband klingt so spacig und ist instrumental so beweglich wie das einstige Arkestra um den großen Sun Ra. Manchmal klingt die Truppe aber auch nach George Clintons Großbesetzungen, wenn diese gerade einmal wieder mit ihrem Mothership, nach langen intergalaktischen Reisen, auf Mutter Erde landeten. Aber damit hören wir mit den vergleichen auch schon auf. Denn die, zumindest auf Dauer strapaziert, hinken bekanntlich.
Jimi Tenor ist ganz Herr der Lage. Zwar dirigiert er nicht, doch alles scheint auf ihn zugeschnitten. Mal wuselt er am Synthesizer, mal ein wenig an der alten Wurlitzer, er spielt ein Flötensolo, unterstützt die Woodwind-Section, beschäftigt sich mit dem kleinen Tischpropeller und singt natürlich seine Songs. Zwischendurch knallen die Trompeten, röhren die Posaunen, explodieren die Saxophone. Die Rhythmussection arbeitet ungerührt, wechselt wiederholt die Taktspur und bringt die Band zum Fliegen.
Das was die Big Bands der 1930er Jahre spielten, wurde später das „Alte Testament“ des Swing genannt. Count Basies Gruppenpräzision der später 1950er Jahre galt als das „Neue Testament“. Und Jimi Tenor plus Bigband Dachau? Man könnte meinen, so klingt Musik vom andern Stern.
Herausfordernd und kompliziert, ein wenig lasterhaft, auch kitschig, blitzblanke Ekstase gepaart mit musikhistorischer Dialektik. Zusammengehalten wird dieses komplexe Gebräu von ohrenbetäubendem Spaß, den die Beteiligten auf der Bühne durchweg vermitteln. Und aus dem Stadttheater wird ein brodelnder Tanzsaal.
Jörg Konrad



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Montag 12.04.2021
Vor 62 Jahren: Art Blakey And His Jazz Messengers „Moanin'“
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Das Schlagzeug war ihm nicht in die Wiege gelegt. Als Waise hatte der 1919 geborene Arthur William Blakey eine harte Kindheit. Er arbeitete schon mit zehn Jahren in den Kohlebergwerken von Pittsburgh, heiratete früh und war mit fünfzehn zweimal Vater. Die Vorzeichen für ein glückliches, sorgenfreies Leben standen schlecht.
Blakey begann zu musizieren, probierte sich an Trompete und Klavier aus und landete eher durch Zufall am Schlagzeug. Ein Segen für ihn und die Welt der Musik. Denn in New York entwickelte er sich zu einem der wirkungsvollsten und dynamischsten Schlagzeuger des Jazz. Gelernt hatte er das treibende, anpeitschende Spiel von Chick Webb und Big Sid Catlett. Bei ihnen fand er diesen kraftvollen Stil, der ihm persönlich lag und der ihn auch in Zukunft kennzeichnen sollte. Energie und Vitalität, Differenziertheit (trotz der enormen Wucht und damit auch Lautstärke seines Spiels), sich entladende Spannungsbögen, rhythmische Präzision und dramaturgische Akzentuiertheit waren die äußeren Säulen seiner Schlagzeugarbeit. Damit leitete er seine Bands, feuerte die Solisten an, machte jede Komposition, die eines der Bandmitglieder mit einbrachte, oder bekannte Standards zu Blakey-Messengers-Nummern.
Denn seine über Jahrzehnte in unterschiedlichen Besetzungen geführte Band nannte er „The Jazz Messengers“. Blakey suchte für diese Formation, die anfänglich fast das ganze Jahr hindurch tourte, immer junge, bis dahin unbekannte Musiker, deren kreatives Feuer nicht zu löschen war und die er zugleich mit großer Freude förderte. Nachdem er zu Studien in Westafrika weilte konvertierte er zum Islam und nannte sich Abdullah Ibn Buhaina. Von seinen Musikern, sowie den später zehn eigenen und sieben Adoptivkindern, wurde er entsprechend liebevoll von allen nur „Father Bu“ genannt.
Viele seiner Alben entstanden für das damals wohl wichtigste Jazzlabel Blue Note Records. Hier erschien 1954 ein Live-Mitschnitt aus dem New Yorker Birdland, das als die Geburtsstunde des Hardbop gilt. Blakey spielte sein Leben lang diesen aus afroamerikanischer Volksmusik, Rhythm & Blues und Gospel eingefärbten Stil und ließ sich auch später weder von Moden noch anderen kulturellen Zeitgeistströmungen beeindrucken. Sein vielleicht bekanntestes Werk spielte er im legendären Rudy van Gelder Studio in Hackensack, New Jersey am 30. Oktober 1958 ein. Blakey nannte es einfach „Art Blakey And The Jazz Messengers“. In die Geschichte des Jazz ist es als „Moanin“ eingegangen, entsprechend dem ersten Stück dieses Albums.
Die Besetzung dieser Aufnahme liest sich heute wie ein Who's Who des Jazz der 1960er Jahre: Lee Morgan (Trompete), Benny Golson (Saxophon), Bobby Timmons (Klavier) und Jymie Merritt (Bass). Ein Großteil der Kompositionen auf diesem Album hat Benny Golson geschrieben, der überhaupt die Fäden bei den Messengers während dieser Zeit in den Händen hielt. Einige von diesen Stücken wurden später selbst zu Standards, auch „Moanin'“, das aus der Feder des damals erst 22jährigen Bobby Timmons stammt. Eine Nummer, in der das Call & Response der Gottesdienste zu spüren war (Timmons wuchs bei seinem Großvater, einem Prediger auf!), das Ekstatische des Funk, Blues und swingende Robustheit. Hervorzuheben bei allen Aufnahmen ist die ausgefeilte Balance zwischen den kompakten Arrangements und den Solis. Die waren dramaturgisch durchweg exzellent aufgebaut, hatten Schmiss und wirkten trotz aller Schärfe beseelt. Einzige Ausnahme auf diesem Album: The Drum Thunder. Eine rhythmische Spielwiese für den Leader, wobei er seine ganze (solistische) Klasse im Kontext mit der Band zum Ausdruck bringt. Neben all den wunderbaren, mitreißenden rhythmischen Figuren und einzigartigen Drum-Licks ist hier besonders der afrikanische Einfluss in seinem Spiel zu spüren (und deutlich zu hören!).
Die britischen Musikzeitschrift Jazzwise kürte das Album 2006 auf Platz 28 der 100 besten Jazz-Alben. Sieben Jahre später wählte das Magazin Rolling Stone „Moanin'“ in seiner Liste der 100 besten Jazz-Alben auf Platz 21.
Alfred Esser

Art Blakey And His Jazz Messengers
„Moanin'“
Blue Note
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Autor: Siehe Artikel
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