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Konzert heute

Gröbenzell: 3 Männer nur mit Gitarre

Stockwerk Sommer: 3 Männer nur mit Gitarre
„Oana muass ja macha“ – so nennt sich das druckfrische Album und zugehörige Bühnenprogramm der „3 Männer nur mit Gitarre“.

Wer oda wos is jetz des denkt sich vielleicht der Ein oder Andere… Hinter der Überschrift  “3 Männer nur mit Gitarre” verbergen sich nicht nur „oana“, sondern die in der Liedermacher- und Kabarettszene weit über unsere bayerische Landesgrenze hinaus bekannten Gesichter vom Keller Steff, Roland Hefter und Michi Dietmayr. Auch bei „Oana muass ja macha“ bleiben sich Steff, Roland und Michi in ihrer Art und ihren Liedtexten treu. Erfrischend lustig, sympathisch echt und manchmal auch boarisch ernst weil die drei eben nicht wahllos irgendwo draufhauen oder mitschwimmen, nur weil´s grad „ohgsagt is“. Die Lieder und G´schichten sind sorgfältig und bodenständig durchdacht, aus der Mitte des Lebens, wie wir diese auch alle selber erleben, kennen und mögen.Manchmal braucht´s im Liveprogramm genau deshalb auch kleine Einzelgespräche oder Soloeinlagen weil ganz direkt und ungeschminkt vom Musiker zum Publikum gehört ja auch mal „gredt“. Getreu dem Motto: Egal ob mit oder ohne “nackte Tatsachen“ – Oana muass ja macha!

OPEN AIR STOCKWERK®
Gröbenzell,
Oppelner Straße 5
Museen heute

Museum Fürstenfeldbruck: Frau darf … 100 Jahre Künstlerinnen an der Akademie

Frau darf … 100 Jahre Künstlerinnen an der Akademie
Museum Fürstenfeldbruck
Ausstellung verlängert bis 26. September 2021

Im Herbst 2020 jährt es sich zum hundertsten Mal, dass Frauen an der Münchner Akademie der Bildenden Künste zum Studium zugelassen wurden. Widerstrebend musste die Akademieleitung dem hartnäckigen Drängen der Künstlerinnen nachgeben. Dies war Ergebnis der Revolution von 1918 und der Weimarer Verfassung, die den Frauen die lang erkämpfte formale Gleichberechtigung brachte.

Wie die meisten Lebensbereiche war auch die Kunst bis weit ins 20. Jahrhundert überwiegend eine Männerdomäne. Die Ausstellung thematisiert die Ausbildungsmöglichkeiten der „Malweiber“, die frühe Frauenbewegung im München, das Ringen um die Zulassung an die Akademie, die Studienbedingungen der ersten Künstlerinnen und macht sichtbar, wie hart umkämpft der Kunstmarkt in den 1920er Jahren war.

Die Ausstellung begibt sich auf Spurensuche jener Künstlerinnen, die vor 100 Jahren hoffnungsvoll ihr Studium begannen. Zwölf unterschiedliche Künstlerinnenbiographien zeigen, mit welchen Vorurteilen Frauen zu kämpfen hatten und welchen Themen sich die Künstlerinnen widmeten. Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste erfolgt, spürt den Wegen der Malerinnen nach, sie erinnert dabei auch an unterschiedliche Frauenschicksale dieser „verschollenen Generation“, die zwischen zwei Weltkriegen ihren Platz suchten.

Abbildungen:
Marianne Euler-Henselmann
Stillleben, um 1935,
Privatbesitz
Foto: Wolfgang Pulfer

Daisy Campi
Malven, um 1931
Privatbesitz
Foto: Franz Kimmel

Der am 4. März 2021 neu aufgestellte Stufenplan der Bundesländer bestimmt ausdrücklich, dass Museen unter den ersten Kultureinrichtungen sind, die geöffnet werden dürfen. Wenn auch mit kleinen Einschränkungen, da der Landkreis Fürstenfeldbruck mit einer 7-Tage-Inzidenz von 54,09 (Stand 9.3.2021) über der „magischen“ 50er-Marke liegt.
Gesetzlich vorgeschrieben ist eine vorherige Anmeldung des Besuchs unter 08141/61 13 13 oder gerne auch unter museum@fuerstenfeldbruck.de.
Für einen sorgenfreien Kunstgenuss sorgt unser bewährtes Hygienekonzept. Weiterhin gilt auch die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske.

Museum Fürstenfeldbruck im Kloster Fürstenfeld
Fürstenfeld 6
82256 Fürstenfeldbruck
Museen heute

Kunsthalle München: ERWIN OLAF. UNHEIMLICH SCHÖN

ERWIN OLAF. UNHEIMLICH SCHÖN
Kunsthalle München
Ausstellung vom 14. Mai bis 26. September 2021

In den Niederlanden gehört Erwin Olaf (*1959) zu den berühmtesten Künstlern der Gegenwart. Nun widmet ihm die Kunsthalle München die erste umfangreiche Einzelausstellung in Deutschland. Ausgewählte Fotografien, Kurzfilme, Skulpturen und MultimediaInstallationen aus über vierzig Schaffensjahren zeigen in loser Chronologie Olafs Entwicklung vom analog zum digital arbeitenden Künstler, vom rebellischen Foto-Journalisten der 1980er- zum raffinierten Geschichtenerzähler der 2000er-Jahre.Den Abschluss der Ausstellung bildet seine neueste Serie Im Wald (2020), die eigens für die Retrospektive in der Kunsthalle entstanden ist.Für seine Werke entwirft Olaf bis ins kleinste Detail durchdachte Welten, die der unseren zwar zum Verwechseln ähnlichsehen, jedoch oftmals Rätsel
aufgeben: Hinter der makellosen Ästhetik, die der Filmund Werbeindustrie entlehnt ist, scheint Verdrängtes zu lauern. Auch entpuppt sich die Kulissenhaftigkeit seiner Inszenierungen oft als Hinweis auf Abgründiges. Der Fotokünstler setzt bewusst auf Irritationen, bedient sich vieldeutiger Symbolik und gestaltet seine Erzählungen bedeutungsoffen. So bleibt es dem Publikum überlassen, sich den Anspielungen gegenüber zu öffnen und die Leerstellen mit eigenen Assoziationen und Interpretationen zu füllen.

ZWISCHEN POLITIK UND POESIE
"Ich ergreife Partei für die Freiheit. Die Freiheit des Individuums, das nicht von einer bestimmten Gruppe dominiert werden darf."
Bereits während seines Journalismus-Studiums, das Olaf 1980 in Utrecht abschloss, wurde ihm bewusst, dass er seine Geschichten nicht mit Worten, sondern mit Bildern erzählen wollte. Anfang der 1980er-Jahre veröffentlichte er in internationalen Publikationen der LGBTSzene erste dokumentarische Fotografien. Zeitgleich arbeitete er an Fotoserien, in denen er Fragen nach Demokratie, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung aufwarf. Wie ein roter Faden zieht sich Olafs politisches und soziales Interesse durch sein Œuvre. Bis heute gehört er zu den prominenten Stimmen, die sich in den Niederlanden für das Recht des Einzelnen auf freie Entfaltung einsetzen. Im Kampf für Toleranz und Akzeptanz schreckt er vor keiner Kontroverse zurück.
In seinem Frühwerk nutzte der Künstler das Mittel der Provokation, um gesellschaftliche Diskussionen anzustoßen. So etwa in seiner 1987/88 entstandene Serie Chessmen, die den Menschen als sexuelles Wesen in den Fokus rückt und ihn in subversiv erotischen Machtgefügen darstellt. Seit den 2000ern sind es vor allem Stimmungen und Gefühle, die er inszeniert – wie etwa das Weinen der ersten Träne nach einer erschütternden Nachricht in Grief (2007) oder den Zwischenzustand des Wartens in der gleichnamigen Serie Waiting (2014).
Aber auch konkrete politische Ereignisse greift Olaf wiederholt auf. In den Werkreihen Troubled, Awakening und Tamed & Anger (alle 2015) verarbeitet er beispielsweise die Pariser Anschläge von 2015 auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo und das Kulturzentrum Bataclan.

Anlässlich des 60. Geburtstags des Künstlers zeigten das Kunstmuseum und das Fotomuseum in Den Haag 2019 eine äußerst erfolgreiche Doppelausstellung. Im selben Jahr wurden ausgewählte Fotografien Olafs im Rijksmuseum in Amsterdam ausgestellt. Bei der Eröffnung wurde er zum Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen geschlagen.
Mit rund 350.000 Besucher*innen jährlich ist die Kunsthalle München eines der renommiertesten Ausstellungshäuser Deutschlands. Hier, im Herzen der Münchner Innenstadt, werden pro Jahr drei große Ausstellungen zu den unterschiedlichsten Themen gezeigt. Rund 1.200 m² Ausstellungsfläche sind mit modernster Museumstechnik ausgestattet und bieten Kunstwerken verschiedenster Gattungen eine würdige Plattform, sei es Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie, Kunsthandwerk, Design oder Mode. Monografische Ausstellungen und thematische Projekte wechseln sich dabei ab, aber auch interdisziplinäre Ansätze finden im vielseitigen Programm der Kunsthalle München ihren Platz.

Abbildung:
Berlin
Stadtbad Neukölln – 23rd of April, 2012
2012
© Erwin Olaf
Courtesy Galerie Ron Mandos Amsterdam
Aktuelle Hinweise

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München
Museen heute

Bernried Buchheim Museum: Leif Trenkler - Coloured Beauty

Leif Trenkler
Coloured Beauty
Buchheim Museum bernried
Ausstellung vom 22. Mai bis zum 10. Oktober 2021

Vor unseren Augen entfaltet sich eine fantastische Welt jenseits unseres Wahrnehmungshorizonts. An Farbgebung und Zusammenstellung wird deutlich, dass Leif Trenkler sich nicht nach der Natur richtet, sondern die Elemente seiner Darstellungen aus seinem Bildgedächtnis bezieht. In der Malerei verbindet er sie dann zu einer frei der Vorstellungskraft entspringenden Komposition. Trenkler wurde 1960 in Wiesbaden geboren. Er studierte an der Städelschule in Frankfurt und an der Kunstakademie in Düsseldorf. Heute lebt er in Köln. In seinem Werk befasst sich der Maler vorrangig mit Menschen, Landschaften und Architekturen, aber auch der Kosmos hat Einzug in seine Bildwelt genommen..


Leif Trenkler
Coloured Beauty
Der Titel ist provokativ. Er erinnert an „Black Beauty“, nur eben bunter. Der Pferderoman von 1877 und seine zahlreichen Verfilmungen lassen die Herzen der Freunde romantischer Unterhaltung höherschlagen. Zumindest eines haben diese Fernseherlebnisse und die Gemälde von Leif Trenkler gemeinsam: In einem als bedrohlich empfundenem Umfeld wird die Schönheit zum Fluchtort der Phantasie. Als Leif Trenkler in den 1980er Jahren den Weg wählte, nicht nur realistisch, sondern auch farbenprächtig zu komponieren, stand er noch im Gegensatz zur „Triebkraft der modernen Kunst“ des 20. Jahrhunderts. Der amerikanische Expressionist Barnett Newman hatte diese stellvertretend für so viele Künstler seiner Zeit in dem „Verlangen“ ausgemacht, „das Schöne zu zerstören“. Heute erkennen wir in Trenkler einen Trendsetter der „Neuen Figuration“ – einer heute tragenden Strömung der Malerei, die gleichsam aus dem Untergrund heraus die Glaubenssätze der abstrakten Moderne hinterfragte.
Trenkler ist der Inbegriff eines empfindsamen Künstlers. Die beklemmende Kindheit in einer Siedlung des sozialen Wohnungsbaus und die Errettung vom Wassertod sind die Triebfedern seiner Laufbahn. In der Malerei der italienischen Renaissance fand der Jugendliche die Ruhe und Geborgenheit, die ihm im Leben zunächst unerreichbar schienen. Als er sich schließlich mit seinen Gemälden auf die sonnige Seite des Lebens emporgearbeitet hat, lernt er die Welt der Poolvillen Floridas und Kaliforniens kennen, der so häufig seine Motive entstammen. Trotz all ihrer in Szene gesetzten architektonischen und landschaftlichen Schönheiten offenbaren die Bilder die hochfragile Vorstellungswelt eines verletzlichen Individuums. In seinen ahnungsreichen Kompositionen findet sich oft ein Wesen, ganz gleich ob Mensch oder Tier, das wie die Figur eines romantischen Gemäldes auf das Leben schaut, mit all seinen Höhen, seinen Tiefen und seiner Vergänglichkeit.
Die Kompositionen Trenklers reflektieren seine Themen. Hauchdünn massiert er die Ölfarben in den von ihm bevorzugten Malgrund des Birkenholzes ein. Wie ein zarter Schleier der Illusion legt sich das Bildgeschehen auf die noch durchscheinende Maserung. Unsere Wahrnehmung ist geübt darin, in mehrdeutigen Mustern bekannte Gegenstände wiederzuerkennen. So sehen wir zunächst mit gestochener Klarheit die Wasseroberflächen, die Häuser, die Landschaften und Personen. Doch je länger wir uns mit den Werken Trenklers beschäftigen, desto deutlicher treten die Elemente freier koloristischer Kompositionen vor unsere Augen: autonome Felder, anmutige Übergänge und krasse Kontraste.
Für Lothar-Günther Buchheim war der „Kampf“, den die Maler der Brücke „auszufechten versuchten“, bis in die Gegenwart aktuell: der Widerstreit zwischen der „dingbezogenen Form“, in der wir ein Abbild unserer Lebenswelt zu erkennen glauben, „und das autonome Schalten und Gestalten mit frei erfundenen Zeichen.“ Nur in diesem Spannungsfeld, so war sich der Gründer dieses Museums sicher, könne die Phantasie sich entfalten. Zu einem solchen Erlebnis möchten wir unsere Besucher hier einladen.
Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Säle. Im ovalen Saal des Erdgeschosses ist ein Überblick über Trenklers Bildgegenstände der vergangenen zehn Jahre versammelt: Architekturen, Autos, Menschen, Tiere, Flüsse. Der Turmsaal ist den aktuellen Arbeiten Trenklers der letzten beiden Jahre gewidmet. Im hier vorherrschenden Thema der Wasseroberfläche offenbart sich seine ästhetische Bewältigung des traumatischen Ertrinkungserlebnisses.


Leif Trenkler
1960
Trenkler wird in Wiesbaden geboren.
1984-1986
Er besucht die Städelschule in Frankfurt am Main.
1988-1990
Für ein Jahr studiert er an der Kunstakademie Düsseldorf.
1988-1990
Trenkler setzt sein Kunststudium bei Thomas Bayrle und Jörg Immendorff an der Städelschule fort und kommt hier zum Abschluss.
1990-1991
Ein Auslandsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes führt ihn nach Italien.
In den Folgejahren etabliert sich Leif Trenkler zu einem wichtigen Vertreter der „Neuen Figuration“. Diese schwerpunktmäßig von Deutschland ausgehende Bewegung löst den historischen Widerspruch zwischen abstrakter Komposition und realistischer Repräsentation auf und gewinnt international höchste Beachtung. Leif Trenkler stellt in zahlreichen Galerien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, der Türkei, Belgien, Dänemark, Tschechien, den Niederlanden, den USA und Kanada aus. Die Thomas Rehbein Galerie in Köln sowie die Galerie Karl Pfefferle in München werden über Jahrzehnte hinweg zu seinen ständigen Begleitern. Auch zahlreiche Kunstvereine und Museen, darunter das Haus der Kunst in München, das Museum Ludwig in Köln, das Museum Franz Gertsch in Burgdorf, die Kunsthalle in München, das Kunsthaus Wien und die Kunsthal Rotterdam, zeigen im Rahmen von Gruppen- und Einzelausstellungen Arbeiten von ihm.
2021
Im Hirmer Verlag erscheint eine große Monographie über Leif Trenkler mit Texten von Stephanie Götsch, Thomas Kling und Gottfried Knapp. Gleichzeitig erhält er im Buchheim Museum seine erste große museale Einzelausstellung.
Leif Trenkler lebt und arbeitet in Köln.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildung:
Leif Trenkler
Früh am Morgen in Yellow Valley
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Museen heute

München Haus der Kunst: Sweat

Sweat
Haus der Kunst München
Ausstellung vom 11. Juni 2021 bis 09. Januar 2022

Der menschliche Körper produziert Schweiß bei so unterschiedlichen emotionalen Zuständen wie Widerstand, Angst, Anziehung und Abstoßung, Freude, sexueller Erregung und Exzess. Die Ausstellung „Sweat“ erzählt – ausgehend von bewegten Körpern ¬– von lustvoller Selbstermächtigung und Geschichten des Widerstands.

Die hier versammelten 30 künstlerischen Stimmen sind an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten und angesichts verschiedener Bedingungen des sozialen Druckes entstanden. Die jeweiligen Erfahrungen der Ausgrenzung und Unterdrückung – in Bezug auf Kultur, Geschlecht, Herkunft, soziale Schicht oder Sexualität – werden dabei nicht gegeneinander aufgewogen oder abgegrenzt. Ziel der Ausstellung „Sweat“ ist es vielmehr, die Aufmerksamkeit auf die Komplexität verschiedener Realitäten zu lenken und sinnliche Zugänge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskursen zu schaffen.

Gegen gewaltsame Versuche, ihre Körper zu kontrollieren, wehren sich die Künstler*innen mit einer Poesie der Freude. Jacolby Satterwhite (geb. 1986, USA) verwandelt mit „We Are In Hell When We Hurt Each Other“ (2020) die Mittelhalle des Haus der Kunst in ein Nachtclub-Environment. Tanzende Avatare und faszinierende Landschaften einer Videoprojektion fungieren als Erweiterungen des eigenen Köpers. Satterwhite verschmilzt die Ästhetik von Musikvideo und Computerspiel, queerer Clubkultur und Voguing, westlicher Geschichte der Performance und afrikanische Riten mit persönlichen Video- und Tonaufnahmen. Der zweite Teil dieser Videoinstallation, „Shrines“ (2020), feiert im Oktober des Jahres im Haus der Kunst seine europäische Premiere.

Die Verbindung von Klang und Bewegung im Raum wird in einer weiteren Neuproduktion am Eingang der Ausstellung erfahrbar, einer wandfüllenden Malerei von Christine Sun Kim (geb. 1980, USA) („MAY BE HERE MAYBE HE RE“, 2021). Kim visualisiert oftmals verschiedene Gefühlszustände, die sie angesichts des Ausschlusses von öffentlichen Institutionen, den Medien und insbesondere der Kunstwelt erfahren hat – dort, wo der Zugang zu nicht-verbaler Verständigung nur unzureichend gegeben ist. In dieser neuen ortsspezifischen Malerei wiederholt sie die visuell ähnlichen Gesten für „maybe“ [vielleicht] und „here“ [hier] in amerikanischer Zeichensprache mit ihren schriftlichen Entsprechungen. Die Darstellungen aus Händen mit Pfeilsymbolen verdichten sich zu einem rhythmischen und kinetischen Muster.

Karneval als transatlantische, gemeinschaftsbildende Praxis der Maskerade, des Tanzes und der improvisierten Besetzung der Straße ist ebenfalls zentrales Thema. Eingeleitet wird es von António Ole (geb. 1951, Angola), dessen Film „Carnaval da Vitória“ (1978) vom wiedereingeführten Straßenkarneval in Luanda und Angolas anti-kolonialem Kampf um Selbstbestimmung handelt. Eine Weiterführung dieses Themas bilden die Skulpturen von Daniel Lind-Ramos (geb. 1953, Puerto Rico). Sie bestehen aus Fundstücken wie Masken, Musikinstrumenten, Stoffen und Sportartikeln, und fungieren als poetische Archive sowohl von musikalischen Traditionen, als auch von sozialen Auseinandersetzungen, Spiritualität der Vorfahren, und politischem Widerstand seines Heimatlandes Puerto Ricos.

Eine Hommage an den weiblichen Körper formuliert Mary Beth Edelson (geb. 1933, USA; gest. 2021, USA) mit „Great Goddess Cut-Outs“ (1974-1975). Mit dieser Skulpturenserie stellt sie archaische Gottheiten und Ahnenwelten dar und geht der formalen Verbindung zwischen dem Weiblichen und dem Göttlichen nach. Zeitgenössische Versionen dieser Forderung, die Bildsprache des eigenen Körpers selbst zu bestimmen, finden sich beispielsweise in den digitalen Selbstporträts, mit denen Tabita Rezaire (geb. 1989, Frankreich) archetypische Zuschreibungen an Schwarze Frauen herausarbeitet. Auch Tschabalala Self (geb. 1990, USA) drückt mit Porträts und Skulpturen unterschiedliche Haltungen gegenüber dem weiblichen Schwarzen Körper aus macht sich diese Zuschreibungen zu eigen. Zadie Xa (geb. 1983, Canada) verbindet in ihren tragbaren Textilarbeiten westliche Popkultur mit traditioneller südkoreanischer Mythologie. Ihr visuelles Vokabular nährt sich oft aus der Welt der Ozeane, die sowohl für den Ursprung des Lebens stehen, als auch für überlieferte Mythen einer matriarchalisch geprägten „Heimat“.

„What is danced nobody can take away from me“

Dieser Ausspruch von Santiago Reyes, der sich in seiner Tanzperformance „Dancing Southward“ (2016-) mehr und mehr in Schweiß getränkt materialisiert, könnte als Motto für die in „Sweat“ versammelten, Generationen und Nationen übergreifenden Geschichten des körperlichen Widerstands dienen. Die Zusammenschau von Werken der jüngsten Gegenwart und wegweisenden feministischen, queeren und postkolonialen Positionen der 1970er- und 1980er-Jahre zeigt, wie Künstler*innen die Veränderung von Körperpolitiken vorangebracht haben, und dass in den letzten Jahrzehnten künstlerische Formensprachen den kulturellen Verschiebungen ihrer Zeit voraus waren.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation im K-Verlag mit Beiträgen von Olamiju Fajemisin, Raphael Fonseca, André Lepecki, Miguel A. López, Renée Mboya, Anna Schneider, Elena Setzer, Claire Tancons und Helena Vieira.

Kuratiert von Anna Schneider und Raphael Fonseca; kuratorische Assistenz: Elena Setzer

Mit Werken von Pacita Abad, Cecilia Bengolea, Mohamed Bourouissa, chameckilerner, Mary Beth Edelson, Philipp Gufler, Sunil Gupta, Eisa Jocson, Isaac Julien, Christine Sun Kim, Daniel Lind-Ramos, Natalia LL, MAHKU (Movement of Huni Kuin Artists), MPA, Mulambö, António Ole, Santiago Reyes, Tabita Rezaire, Michele Rizzo, Guadalupe Rosales, Jacolby Satterwhite, Tschabalala Self, Tuesday Smillie, João Pedro Vales Nuno Alexandre Ferreira, Kaylene Whiskey, Zadie Xa.

Stiftung Haus der Kunst MünchenPrinzregentenstraße 1,
80538 München
Abbildung:
Zadie Xa
"Child of Magohalmi and the Echoes of Creation", 2019
Photo: Benito Mayor Vallejo
Museen heute

Franz Marc Museum: Joseph Beuys und Franz Marc - Empathie für das Tier

Joseph Beuys und Franz Marc - Empathie für das TierFranz Marc Museum Kochel am See
Ausstellung vom 15. Juni bis 10. Oktober 2021

Anlässlich des 100. Geburtstages von Joseph Beuys (12.5.2021) zeigt die Kabinett-Ausstellung Tierzeichnungen und Aquarelle Franz Marcs sowie Fotografien Caroline Tisdalls von Joseph Beuys‘Aktion Coyote, die im Mai 1984 in der New Yorker Galerie René Block stattfand. Ausgangspunkt war die Frage nach der Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Beide sind Bewohner einer Welt und durch existentielle Bedingungen ihres Lebens verbunden. Joseph Beuys verbrachte eine Woche in einem durch Gitter abgesperrten Raum mit dem Koyoten Little John, während der sich ein spezielles Verhältnis zwischen dem Tier und dem Künstler entwickelte.Sowohl Joseph Beuys als auch Franz Marc sahen das Tier mit Instinkt-und Orientierungskräften begabt, die dem Menschen im Laufe seiner Entwicklung verloren gingen.
Wie sieht ein Tier die Welt? fragte Franz Marc und Joseph Beuys entwickelte das Projekt einer Partei für Tiere, zu dem eine Zeichnung entstand,  die in der Ausstellung zu sehen ist.
Vortrag:
Joseph Beuys und das TierEugen Blume, künstlerischer Leiter Beuys2021
11. Juli 2021, 11:00UhrAnlässlich des 100. Geburtstages von Joseph Beuys freuen wir uns, den Beuys-Kenner und ehemaligen Leiter des Hamburger Bahnhofs in  Berlin, Eugen Blume, für einen Vortrag zu Joseph Beuys und das Tiergewonnen zu haben.
Franz Marc Museum – Kunst im 20. Jahrhundert
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel a. See
Abbildung:
Franz Marc, Liegende Hyäne (Liegender Wolf) (aus Skizzenbuch XXXI, p. 49), 1913
Franz Marc Museum, Stiftung Etta und Otto Stangl
Foto: collecto.art
Museen heute

Franz Marc Museum: Ich bin mein Stil - Künstlerbildnisse im Kreis von Brücke und Blauem Reiter

Ich bin mein Stil - Künstlerbildnisse im Kreis von Brücke und Blauem ReiterFranz Marc Museum Kochel am See
Ausstellung vom 20.Juni bis 03. Oktober 2021
Es ging um eine „Neue Kunst“. Die Malerinnen und Maler des Blauen Reitersund der Brückewollten mit Traditionen brechen und Bilder malen, die die Welt verändern. Ihre Gemälde sind voller Farbe und Bewegung, tauchen alles in ein ungewohntes Licht und treffen den Betrachter emotional. Wer waren diese Revolutionäre der Kunst? Wie sahen sie aus und wie sahen sie sich selbst? Danach fragt die Ausstellung "Ich bin mein Stil. Künstlerbildnisse im Kreis der Brücke und des Blauen Reiters".Sie zeigt die Selbstporträts der Künstlerinnen und Künstler und die Bildnisse, die sie gegenseitig von sich malten. Neben Briefen und Tagebüchern, Programmen und Streitschriften zeigen ihre Porträts ein neues Selbstverständnis der Künstler. Ihre Selbstinszenierung greift auf alte Kompositionsmuster zurück, die Art und Weise wie diese Bildnisse gemalt sind, ist aber voraussetzungslos neu.
Das zeigt sich schon bei Max Beckmanns großformatigem Doppelbildnis mit seiner jungen Frau Minna, einer wichtigen Leihgabe aus dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Das ganzfigurige Porträt ist durch traditionelle Bildmuster geprägt, lässt aber eine latente Verunsicherung spüren: Die Künstler der Avantgarde mussten sich neu erfinden, was gerade in den Werken Ernst Ludwig Kirchners sichtbar wird. Sein Atelierbild aus der Sammlung Gunzenhauser in Halle zeigt die Geliebte Kirchners und seinen Freund Erich Heckel in einem exotischeingerichteten, vielfarbigen Raum. Er war Teil des Wohnateliers, in dem die Künstler mit Freunden, Modellen und Geliebten lebten und arbeiteten.
Die spezielle Atmosphäre dieser Räume spiegelt sich auch nach der Auflösung der Brücke in den Bildnissen der Künstler, so dem eindrucksvollen Selbstporträt Karl Schmidt-Rottluffs mit Zigarre aus dem Museum Wiesbaden,  auf  dem  der  Maler sein Gesicht im Stil einer afrikanischen Maske malte.
Diese künstlerische Referenz war auch für die Malerinnen und Maler des Blauen Reiters wirksam. Darüber hinaus spielt in ihren Porträts die bayerische Volkskunst eine Rolle, die sie in ihrer Ursprünglichkeit verehrten und sammelten. Die Blauen Reiter lebten und arbeiteten vorzugsweise auf dem Land und malten sich dort gegenseitig. Gabriele Münter stellte Wassily Kandinsky auf einem Gemälde aus dem Museum Burda in Baden Baden bei einer Bootsfahrt dar – mit blitzenden Brillengläsern, als intellektuellen Kapitän.
Kandinsky wiederum malte Marianne von Werefkin und Gabriele Münter auf einem roten Sofa plaudernd. Das Gemälde, eine Leihgabe aus dem Kunstmuseum Bern, vermittelt die besondere Atmosphäre des Hauses, das Kandinsky und Münter seit 1909 bewohnten und das sie neben ihren  eigenen Werken mit bayerischer Volkskunst ausgestattet hatten.
Der erste Weltkrieg zerstörte Hoffnungen und Utopien, was sich im Künstlerporträt im Ausdruck von Angst und Verzweiflung niederschlägt. Schon vor dem Krieg hatte Ludwig Meidner die Katastrophe vorausgesehen und sich selbst auf einem dramatischen Bildnis aus der Pinakothek der Moderne in München als Selbstmörder dargestellt. Die  Errungenschaften von Brücke und Blauem Reiter haben die Kunst jedoch über den Krieg hinaus nachhaltig geprägt mit einem neuen Malstil, der eine neue Sicht der Welt reflektiert: die analytische und emotionale Durchdringung ihrer oberflächlichen Erscheinung im Blick des Künstlers. Sowohl die neue Malweise, geprägt durch eine intensive, kontrastreiche Farbigkeit, die spontane Geste, eine neue Auffassung von Raum und Volumen, als auch die Subjektivität des künstlerischen Blicks spiegeln sich in seiner und ihrer (Selbst)Darstellung, die wiederum Reflex ihrer Werke ist. Dies wird in der Ausstellung erfahrbar durch die Gegenüberstellung von Bildnissen und zeitgleichen Werken der Künstlerinnen und Künstler.
Es erscheint ein Katalog mit Textbeiträgen von Cornelia Blume, Meike Hoffmann, Isabelle Jansen, Cathrin Klingsöhr-Leroy, Olaf Peters, Carla Schulz-Hoffmann, Jean Starobinski, Maximilian Westphal, Roman Zieglgänsberger.

Franz Marc Museum – Kunst im 20. Jahrhundert
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel a. See
Abbildung:Wassily Kandinsky, Interieur (mit zwei Damen), 1910
Kunstmuseum Bern,
Schenkung Livia Klee 2001
Museen heute

Bernried Buchheim Museum: GAYMANN. VON HÜHNERN UND MENSCHEN

GAYMANN. VON HÜHNERN UND MENSCHEN
Ausstellung vom 26. Juni bis 24. Oktober 2021
Buchheim Museum Bernried

Mit Charme, Witz und Wärme fu?hren uns die Figuren des Cartoonisten Peter Gaymann die bisweilen unrühmlichen Situationen unseres Alltags vor Augen: wenn wieder einmal klar wird, dass Frau und Mann grundverschiedene Wesen sind; wenn kleine Versuchungen unsere guten Vorsätze zu Fall bringen; und wenn wieder einmal alles von der richtigen Atemtechnik abhängt.

Am 26. Juni 2020 wurde Gaymann 70 Jahre alt. Die aus diesem Anlass geplante Retrospektive des deutschen Großmeisters der komischen Kunst im Buchheim Museum wird nun zum 71. Geburtstag nachgeholt. Die von Peter Gaymann gestaltete und von Reinhard G. Wittmann kuratierte Ausstellung vermittelt ein ganzes Leben im Zeichen des Humors. Sie bildet die Entwicklungslinien des Künstlers nach, der mit seinen Hühnern zu einer Marke des deutschen Cartoons geworden ist.

Dass in diesem »Huhniversum« auch menschliche Charaktere zu ihrem Recht kommen, führen u?ber Jahrzehnte nicht nur die »Paar Probleme« in der Frauenzeitschrift BRIGITTE vor Augen, sondern auch zahlreiche andere Zeichnungen und Aquarelle. Reiseskizzen, Objekte und Collagen ergänzen das Spektrum der Schau.

Die kurzweilige Präsentation zeigt die Stufen von Gaymanns Lebens- und Werklauf. Zugleich führt sie uns psychologische und politische Themen vor Augen. Gaymann hat sich immer nah am Zeitgeist bewegt. Er gilt als scharfsinniger und witziger Chronist der deutschen Befindlichkeiten der vergangenen 50 Jahre. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Forum Humor und komische Kunst e.V. und ist Bestandteil des Humorfestivals Bernried.

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
D-82347 Bernried
Abbildung:
Peter Gaymann
Das Leben ist schön!
© Peter Gaymann
Museen heute

Bernried Buchheim Museum: DIE FARBEN DER AVANTGARDE

DIE FARBEN DER AVANTGARDE
Buchheim Museum Bernried
Ausstellung vom 10.Juli bis zum 07.November 2021

Heckel begeistert sich für ein »brennendes« Rot, Kirchner freut sich über das »starke Violett«, Jawlensky stimmt ein »mystisches« Blau an, Beckmann konturiert seine Motive mit »magischem« Schwarz und Modersohn-Becker schwelgt in »Farbenstimmung«. Die Farben sind von großer Wichtigkeit für die Avantgarde, jener internationalen Strömung der frühen Moderne, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Expressionismus in Deutschland niederschlägt. Was ist neu an ihrem Kolorit? Welche Bedeutung messen die Avantgardist*innen ihren Farben und Farbzusammenstellungen bei? Und warum ist das heute genauso spannend wie damals?

WAS WAR DAVOR?
In früheren Zeiten mussten sich die Maler*innen ihre Farbpasten selbst anrühren. Dafür vermischten sie Farbpigmente mit einem Bindemittel, etwa Leinöl. Die Pigmente wurden aus anorganischen Farbmitteln hergestellt, also aus Erden wie Ocker oder Mineralien wie Eisenoxid, sowie aus organischen Farbstoffen, etwa dem Urin von Kühen bei Indischgelb oder den Blüten der Indigopflanze bei Indigoblau. Manche Pigmente waren selten und daher teuer.
DIE ERFINDUNG DER FARBTUBE
Mit Erstarken der Chemieindustrie im 19. Jahrhundert wuchs die Palette kostengünstiger synthetischer Farbpigmente. Ab 1841 gab es Ölfarben fertig gemischt und abgefüllt in verschließbaren Bleituben zu kaufen. Befreit von ihrem eigenen Farbmischlabor, konnten die Maler*innen nun mit Malkasten, Leinwand und Staffelei unterm Arm hinausziehen in die Welt. Die Bewegung der Freilichtmalerei erstarkte, so die Schule von Barbizon in Frankreich (1830–1870), die Künstlerkolonien in Dachau (ab 1875) oder in Worpswede (ab 1889). Landschaften wurden nun im unmittelbaren Abgleich mit der Realität auf die Leinwand gebracht werden.
DIE ENTDECKUNG DER FOTOGRAFIE
Neben der Entwicklung der Farbindustrie war auch das Hervorkommen der Fotografie ab 1826 eine entscheidende Vorbedingung der Avantgarde. Mit ihrer Verbreitung wurde die Malerei zur Abbildung der Wirklichkeit nicht mehr gebraucht. Wollte sie dennoch ihre kulturelle Stellung nicht verlieren, musste sie sich ändern. Ihr Akzent verschob sich von der objektiven Darstellung hin zur subjektiven Interpretation der Wirklichkeit. In Abgrenzung zur Fotografie, die bis in die 1930er Jahre hinein schwarz-weiß blieb, gewannen dabei Farben als Ausdrucksträger an Bedeutung.
IMPRESSIONISMUS
Die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts übte sich noch in realistischer Darstellungsweise. Doch wurden häufig besonders farbintensive Lichtsituationen hervorgehoben und als Stimmungsträger interpretiert. Um 1870 leitete der Impressionismus einen Wechsel der Blickrichtung ein. Es ging nun nicht mehr um die Welt vor unseren Augen, sondern um den Eindruck, den die Welt in unseren Augen hinterlässt. Die Beleuchtungssituation ist nun das Thema. Die Malerei schwelgt in reinen Spektralfarben, welche der Wiedergabe der Lichtreflexe dienen sollen. Strich für Strich werden sie mit dem Pinsel nebeneinander gesetzt. Unsere Eigenleistung ist bei der Betrachtung gefragt. Denn erst bei der Wahrnehmung setzen sich die Farbelemente des Gemäldes wieder zu den Formen der dargestellten Welt zusammen.
EXPRESSIONISMUS
Um 1900 befreien sich die Farben gänzlich von dem Zwang der objektiven Wirklichkeitswiedergabe. Die realistische Lokalfarbe und die impressionistische Erscheinungsfarbe sind bei der Farbwahl nicht mehr maßgeblich. Die Farben werden nun zum rein subjektiven Ausdruckträger. Die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker ist die erste, die eine expressionistische Farbtheorie entwickelt. Ihre persönliche Empfindung ist für ihre Farbkonzeption entscheidend, nicht das Studium der Natur. Ihre Farbpalette soll eine einheitliche »Farbenstimmung« zum Ausdruck bringen. Ernst Ludwig Kirchner, Mitbegründer der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe »Brücke« vertritt eine ähnliche Auffassung. Er fertig immer »zwei Malereien«, zunächst eine »von der Natur« und dann eine »ganz frei aus dem Kopf«. Er nimmt die impressionistischen Erscheinungsfarben bei der Naturbeobachtung in sich auf, um sie dann unabhängig vom Wirklichkeitsbezug frei nach seinem Empfinden einzusetzen. Während bei Kirchner die Farben Ausdruck seines Lebensgefühls sind, gelten sie für Alexej von Jawlensky, Mitglied der 1911 in München gegründeten Gemeinschaft »Blauer Reiter«, als Symbol mystischer Transzendenzerfahrung. Im Expressionismus verlieren die Farben an Realitätswert. Dafür gewinnen sie an Symbolwert. Nicht was wir sehen, sondern was wir empfinden, fühlen, glauben und denken wird durch die Farben zum Ausdruck gebracht. Hierfür werden die Farben gegenüber einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung vereinfacht, verzerrt oder verfehlt. Tonige Übergänge sowie Licht- und Schattenwirkungen werden weitgehend vermieden. Kräftige, ungebrochene Farben werden verwendet, die in harten Kontrasten zueinander stehen. Die Themen, die in den Farbkompositionen zum Ausdruck kommen, sind Erotik, Freundschaft, Naturerleben, Alltagsszenen und Transzendenzerfahrungen.



DIE AUSSTELLUNG
Zu sehen sind 76 Gemälde von Cuno Amiet, Max Beckmann, Otto Beyer, Fritz Bleyl, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Max Kaus, Ernst Ludwig Kirchner, Rudolf Levy, Paula Modersohn-Becker, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und, als Dialogpartner der Gegenwart, Bernd Zimmer. Sie stammen aus den Beständen des Buchheim Museums, aus der Sammlung Hermann Gerlinger sowie von weiteren privaten Leihgebern. Gegliedert sind sie weder chronologisch, noch nach Namen, noch nach Bildinhalten, sondern nach den Farben und Kontrasten, die in ihren Kompositionen jeweils zentral sind. Das menschliche Auge kann bis zu eine Millionen Farben unterscheiden. Die deutsche Sprache kennt 75.000 Wörter für Farben. Dem Farbforscher und Wahrnehmungspsychologen Axel Buether folgend, werden hier stellvertretend neun Farben ausgewählt, die im Expressionismus und im Leben besonders wichtig sind, die reinen Farben des Regenbogens, die bei der spektralen Zerlegung von Licht entstehen und die nicht weiter zerlegbar sind: Gelb, Orange, Rot, Pink, Blau, Türkis, Grün; sowie zusätzlich Braun und Schwarz.
Die Ausstellung soll wegführen von einer kunsthistorischen, von Begriffen geprägten Kunstbetrachtung. Sie soll die Augen, die Herzen und den Geist öffnen für das Wunder der Farbe in der Malerei. Hier ist jeder Experte, denn wir alle haben natürliche und kulturelle Erfahrungen mit Farben und verbinden bestimmte Bedeutungen mit ihnen. So kann die Kunst ihrem eigentlichen Ziel zugeführt werden. Sie ist eine Einladung an alle zum Schauen, zum Fühlen und zum Denken. Sie gibt uns den Anstoß, unser Leben freier, offener und phantasievoller zu gestalten, gerade so, wie die Avantgardist*innen die Farben freier, offener und phantasievoller als die Künstler*innen vor ihnen einsetzten. Die Ausstellung ist Teil der Ausstellungsreihe »Avantgarde in Farbe« der MuSeenLandschaft Expressionismus.


Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildung:
Karl Schmidt-Rottluff
Junger Wald und Sonne, 1920
Öl auf Leinwand
Sammlung Hermann Gerlinger im Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Museen heute

München Literaturhaus: Hauck & Bauer - Cartoons

Hauck & Bauer
Cartoons
Der eine schreibt (Bauer), der andere zeichnet (Hauck), zusammen sind sie das unschlagbare Duo Hauck & Bauer.
Ob in ihrer FAS-Kolumne »Am Rande der Gesellschaft«, ihren Cartoon-Clips für die WDR-Sendung »Anke hat Zeit« oder ihrer TITANIC-Rubrik »Hier lacht der Betrachter«: Elias Hauck und Dominik Bauer sind komisch und bierernst, anarchistisch und seriös, liebevoll und gerne taktlos. Ihre Figuren meint man zu kennen: Ist das nicht der Nachbar? Die eigene Ehefrau? Oder gar man selbst? Jeder Cartoon ist ein »Highlight der Beobachtung und Pointierung« (Anke Engelke), eine Feier des Ur-Menschlichen.

Das Literaturhaus zeigt die große Hauck & Bauer-Werkschau des Caricatura Museums Frankfurt erstmals in München, ergänzt durch »Goethes schlechteste Gedichte« und andere literarische Interpretationen. Und da es immer noch einen Cartoon gibt, der fehlt, steht für unser Publikum ein Tisch bereit mit Material zum Selbstzeichnen und Texten.

Elias Hauck und Dominik Bauer, beide Jahrgang 1978, beide gebürtig aus Alzenau (Unterfranken), haben bereits in der Schule begonnen, Comics und Cartoons zu zeichnen und zu schreiben. Seit 2003 erscheinen ihre Cartoons wöchentlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sowie seit 2008 regelmäßig in TITANIC und Spiegel Online.

Literaturhaus München
Salvatorplatz 1,
80333 München
Museen heute

München Stadtmuseum: Nachts. Clubkultur in München

Nachts. Clubkultur in München

München Stadtmuseum
Ausstellung vom 24. Juli 2021 bis 1. Mai 2022

Die kulturhistorische Ausstellung "Nachts" widmet sich in Form eines nächtlichen Streifzugs der Ausgeh- und Clubkultur Münchens von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Neben stadtplanerischen und ökonomischen Fragen nimmt sie insbesondere Menschen und Orte in den Blick, die das Geschehen in der Nacht und das Münchner Nachtleben prägten und prägen. Die Fata Morgana des Atomic Café, das im Münchner Stadtmuseum wieder zu betreten sein wird, zahlreiche Erinnerungsstücke aus Ultraworld, Ultraschall, Flughafen Riem, Kunstpark Ost, Registratur – um nur einige zu nennen – könnten die Ausstellung zu einer modernen Wallfahrt machen. Neben schillernden Personen und ihren nicht minder anziehenden Treffpunkten, beschäftigt sich die Ausstellung auch mit den Begleiterscheinungen des Nachtlebens wie dem Ein- und Ausschluss von Menschen, der Bedeutung von Migration und Geschlecht und erzählt von den Besonderheiten des Arbeitens in einem nicht alltäglichen, nächtlichen Geschehen. Dabei fragt die Ausstellung auch nach der Bedeutung von Nachtleben und Clubkultur in Bezug auf die Urbanisierung Münchens und lenkt den Fokus auf das aktuelle coronabedingte Sterben bekannter nächtlicher Orte und die Entwicklung alternativer Treffpunkte. Eine besondere Bedeutung kommt in "Nachts" dem Format der Veranstaltung zu: Ein umfangreiches Programm macht das Ausstellungsthema lebendig, erfahrbar und führt über die rein museale Begegnung hinaus.
Stadtmuseum München
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Kosmos
Sonntag, 01.08.2021

94. Blick in die Kinderstube des Weltalls

Die Tageslänge nimmt vom Monatsanfang bis zum Monatsende um mehr als eine Stunde ab. Gleichzeitig setzt die astronomische Dämmerung entsprechend viel früher ein und Venus wird zum beherrschenden Objekt des westlichen Abendhimmels. Sie kann ihren strahlenden Glanz nun schon gegen 21 Uhr verbreiten.Jupiter und Saturn sind dagegen erst um Mitternacht in südlicher...
Film
Samstag, 31.07.2021

HOME

Nach mehr als 17 Jahren Haft macht sich Marvin auf den Weg nach Hause – auf seinem Skateboard und im Trainingsanzug, in dem er als Teenager verhaftet wurde. Daheim in Newhall erwartet ihn seine kranke Mutter in dem heruntergekommenen Haus seiner Kindheit. Schnell merkt Marvin, dass die Bewohner der Kleinstadt seine Tat auch nach so vielen Jahren nicht vergessen haben. Besonders der Flintow-Clan...
Echo
Samstag, 31.07.2021

Fürstenfeld: Elin & Sakas

Das Publikum war restlos begeistert. Das Duo Elin & Sakas (Sopransaxophon & Bassklarinette & Klavier) spielte 2 lange, abwechslungsreiche Sets und eine Zugabe.Die beiden Musiker sind virtuose, einfühlsame Wanderer zwischen den Welten (Klassik & Jazz) und präsentierten an dem Abend ihre thematisch lyrischen Eigenkompositionen kombiniert mit herrlichen...
Abzug
Samstag, 31.07.2021

(Alp-)Traumhaft 68

Martin Gebhardt, München
(Alp-)Traumhaft 68
2021...
Echo
Freitag, 30.07.2021

Fürstenfeld: Gerhard Polt & Well-Brüder - 40 Jahre Jubiläumsprogramm

Fürstenfeld. Das erste OpenAir dieses Jahr im Veranstaltungsforum Fürstenfeld – und gleich in die Vollen mit Gerhard Polt & den Well Brüdern!Seit 40 Jahren stehen sie nun gemeinsam auf der Bühne und präsentierten kein „Best of“, sondern ihr aktuelles Programm.Virtuos wie immer begeisterten sie das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute und nahmen bissig aktuelle wie...
Film
Donnerstag, 29.07.2021

GAZA MON AMOUR

Der 60-jährige Junggeselle Issa führt ein ruhiges, einsames Leben als einfacher Fischer im Hafen von Gaza. Heimlich ist er in die Witwe Siham verliebt, die er täglich an ihrem Marktstand beobachtet, wo sie als Schneiderin arbeitet. Sein Liebeswerben verläuft allerdings so versteckt und langsam, dass sich kaum Fortschritt einstellt. Als ihm eines Tages ein ungewöhnlicher Fang ins Netz geht,ist...
Literatur
Montag, 26.07.2021

Shida Bazyar „Drei Kameradinnen“

Dieser Roman hat Wucht, dieser Roman lebt von seiner provozierenden Energie, er ist engagiert und er zeigt Haltung. Er macht aber zugleich auch auf resignierende Weise deutlich, wo wir gesellschaftlich stehen, sozusagen als desillusionierender gesellschaftlicher Spiegel. Aber nicht als das Ergebnis einer wissenschaftlichen Sozialstudie, sondern aufgrund seiner fiktiven Realität, der Grundlage...
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