Zurück zu den neuesten Artikeln...
7. Steve Coleman And Five Elements „Live At The Village Vanguard“
8. Evelyn Huber „Cam“
9. ASC & Inhmost „The Moons Of Saturn“
10. Christian McBride „Inside Straight – Live At The Village Vanguard“
11. Wolfgang Amadeus Mozart „Requiem“ Nikolaus Harnoncourt Concentus Musicu...
12. Taranczewski „When I Was“
Montag 06.12.2021
Steve Coleman And Five Elements „Live At The Village Vanguard“
Bilder
Bilder
Als Steve Coleman 1985 beim damaligen Münchner JMT Label sein erstes Album „Motherland Pulse“ veröffentlichte, war dies zwar ein absolut bemerkenswertes Debüt, doch gleichzeitig war noch nicht klar, wohin seine musikalische Reise einmal gehen sollte. Jetzt, fünfunddreißig Jahre später, gehört der Altsaxophonist aus Chicago (Illinois) zu den herausragenden Instrumentalisten des Jazz. Zudem hat er mit seinem M-Base-Konzept eine wenn auch nicht revolutionär neue, so doch sehr individuelle musikalische Ausdrucksweise entwickelt. Gekennzeichnet ist Colemans Herangehensweise durch eine am Funk orientierte Spielauffassung, wobei verschiedene melodie-artige rhythmische Figuren versetzt gegeneinander laufen, so dass ständig neue Reibungsmomente entstehen, die den Solisten für ihre ausgiebigen, manchmal staccatohaften Improvisationen dienen. Diese ständigen Überlagerungen schaffen ineinandergreifend verschiedene klangliche Ebenen und damit Möglichkeiten, die in ihrem groovenden polyrhthmischen Ansatz den afro-amerikanischen Charakter des Jazz unterstreichen.
Coleman selbst hat einmal sinngemäß gesagt, dass er auf diese Weise zwei seiner ganz persönlichen Favoriten musikalisch miteinander in Bezug setzen kann: Charlie Parker und James Brown. Zugleich verbindet er mit dieser Intention auch zwei Kennzeichen des Jazz: Das Sinnliche und das Intellektuelle. Denn der Jazz war immer auch Unterhaltungs- und Tanzmusik und besaß zugleich ein gewaltiges geistiges Potenzial. So verzahnen sich in Colemans Methodik verschiedene Traditionen, die etwas Avantgardistisches entstehen lassen. Somit Aufbruchsstimmung und Abenteuerlust in einem. Diesen Ansatz hat er vom Trio, über großorchestrale Big Bands, bis hin zu Bestzungen mit afrikanischen Tänzern und Trommlern umgesetzt
Die beiden vorliegenden Alben sind in den Jahren 2017 und 2018 „Live At The Village Vanguard“ mit Colemans Quintett Five Element aufgenommen, die deutlich machen, dass dieses rhythmisch feinjustierte M-Base Konzept sehr wohl auch auf der Bühne funktioniert. Die Musik brodelt, findet und verliert sich um letztendlich wieder beieinander zu sein, sie lebt von rauschhaften Wiederholungen, klingt wie der Tanz auf dem Rand eines Vulkans, dem ein schwieriger wie faszinierender Aufstieg vorangeht. Immer wieder schraubt sich die Band in langen Meriten in schwindelerregende Höhen, überstolpert dabei geschickt rhythmische Fallstricke und füllt mit den aufschäumenden Chorussen der Solisten jeden leidenschaftlichen Anspruch. Dieses Prinzip ist eine Offerte jenseits aller Revivals und Kopierkünste. Dieser Steve Coleman lässt sich mit keinem anderen Saxophonisten vergleichen.
Im ersten Auftritt von 2017 präsentiert der Altist den Gitarristen Miles Okazadi, der sowohl rhythmische, als auch harmonische und improvisatorische Aufgaben erfüllt. Er gibt der Musik eine zusätzliche Klangfarbe und erfrischende rockige Attitüde.
Im zweiten Set steht statt ihm der Rapper und Lyriker Kokayi auf der Bühne. Coleman arbeitet schon seit vielen Jahren mit Hip Hop-Künstlern, die seine Haltung und sein Anliegen in Sprache übersetzen. Dabei wird die Stimme oft zu einem weiteren, robusten Instrument. Wer Gangsta-Rap erhofft wird enttäuscht. Denn Kokayi, dessen Name der Bantusprache Shona entliehen ist, beschäftigt sich intensiv mit seinen afrikanischen Wurzeln und rassistischen Fragen der Gegenwart.
So sind hier höchster musikalischer Anspruch und klare politische Standpunkte im Einklang. Was will man mehr? Vielleicht dass diese vier Silberlinge den Weg in eine Vinylbox finden.
Jörg Konrad

Steve Coleman And Five Elements
„Live At The Village Vanguard“
Volume I (2 CD) & Volume II (2 CD)
PI Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 03.12.2021
Evelyn Huber „Cam“
Bilder
Viele Jahre gehörte Evelyn Huber zum festen Stamm von Quadro Nuevo. Im letzten Sommer nun die endgültige Trennung der Harfinistin vom Quartett und das ausschließliche Konzentrieren auf eigene Projekte. Das ist erst einmal mutig. Denn die relative Sicherheit, die besteht, wenn eine Band um die 140 Konzerte zumindest in Corona-freien Zeiten weltweit gibt, gegen eine ungewisse Karriere einzutauschen, ist ein Schritt, der gut überlegt sein will. Zudem ist die Harfe nicht unbedingt ein Instrument, das mit seinen stilleren, etwas fragilen Tönen als Solo-Stimme inflationär gebucht wird. Hier ist Selbstvertrauen, sind Ideen und eine gute Vernetzung gefragt. All dies besitzt Evelyn Huber.
Nun hat sie ein ganzes Album Harfe pur, ohne jede Begleitung vorgelegt. Ob das funktioniert? Bei Elelyn Huber klingt das zumindest wunderbar. Ihr gelingt es, bekannte und weniger bekannte Kompositionen miteinander zu verzahnen und so über eine gute dreiviertel Stunde eine Atmosphäre schlanker Poesie entstehen zu lassen. Dabei ist es nicht der Ton allein, der hier die Stimmung dominiert. Es ist die Art ihres Spiels, der Herangehensweise selbst an solch bekannte Nummern wie Charlie Chaplins „Smile“ oder Ennio Moricones „Once Upon A Time In America“, die hier berührt und fasziniert. Evelyn Huber ordnet nicht alles einem Schönklang, oder einem wohlfeilen Ausdruck unter. Sie beherrscht die Dramaturgie der Alternation und des improvisatorischen Umspielens einzelner Themen, um manche geläufigen Stücke wie neu und unverbraucht klingen zu lassen. So fühlt man sich beim Hören des Albums auf Entdeckungsreise, zwischen Altvertrautem und Neuland, zwischen reduzierter Klangkunst und nuancierter Vielfalt. Zum Glück ist dieses Album von niemandem als Weihnachtsmusik apostrophiert. Aber wenn Sie etwas Sinnliches und Friedvolles zum Jahresausklang suchen – 2021 passt „Calm“ hier besonders.
Viktor Brauer

Evelyn Huber
„Calm“
GLM
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Dienstag 30.11.2021
ASC & Inhmost „The Moons Of Saturn“
Bilder
„Lautlos im Weltraum“ nannte Douglas Trumbull seinen 1972 gedrehten spannenden wie engagierten Science Fiction-Öko-Thriller. Der US-amerikanische Regisseur, der übrigens auch in Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“ an den Special Effects maßgeblich beteiligt war, bezieht sich im Filmtitel auf das Phänomen der Stille im Kosmos. Denn in den unendlichen Weiten des Weltalls herrscht absolute Geräuschlosigkeit, da in diesem fast-Vakuum ein Medium fehlt, durch das sich die Schallwellen ausbreiten könnten.
Trotzdem gibt es immer wieder Effekte, bzw. akustische Experimente mit Klängen, die der Fantasie des Menschen auf Erden entspringen und die darstellen, wie er sich akustisch das All vorstellt. Und es gibt auch Musiker, die sich intensiv mit sphärischen Sounds beschäftigen, um mit ihnen ganz bestimmte (kosmische) Stimmungen einzufangen.
Neben dem Ambient wegbereitenden Brian Eno, der sich schon vor über vier Jahrzehnten mit der Erzeugung und Wirkung von Atmospherics auch in Form von Klanginstallationen auseinandersetzte (am bekanntesten dürfte hier wohl sein Album „Apollo“ aus dem Jahr 1983 sein, auf dem er den Funkverkehr zwischen Apollo 11 und dem Kontrollzentrum der NASA in Houston in seine tönenden Metamorphosen integrierte), beschäftigen sich auch Künstler wie William Basinski, Steve Moore oder der deutsche Electronicer JaJa mit diesen Phänomenen.
Im Sommer 2021 hat der britische Musiker und Produzent James Clement, besser bekannt unter dem Pseudonym ASC, gemeinsam mit Simon Huxtable, der seine musikalischen Arbeiten unter dem Namen Inhmost einspielt, ein neues Album veröffentlicht. „The Moons Of Saturn“ widmet sich, wie der Titel schon vermuten lässt, den Monden des Saturn (siehe Artikel KOSMOS). Beide setzen sich mit sechs der insgesamt zweiundachtzig Begleiter des Ringplaneten musikalisch auseinander: Rhea, Titan, Tethys, Fenrir, Pan und Enceladus.
ASC & Inhmost lassen mit ihrem elektronischen Equipment eine Stimmung von melancholischer Weite und majestätischer Würde entstehen, die zugleich etwas Erhabenes und Geheimnisvolles vermitteln. Es sind weiche harmonische Klanglandschaften, die in ihren rauschhaften Andeutungen viel Raum für futuristische Fantasien lassen. Akustische Bilder, die sich en detail immer wieder verändern, die in Zeitraffer fortschreiten, die ineinander fallen, aufbrechen, weiterziehen. Es gibt kaum rhythmische Andeutungen, an sich eine der Stärken von James Clement, dafür jede Menge magische Soundfragmente. Diese musikalische Formsprache übt eine enorme Sogkraft aus, der man sich nur schwer entziehen kann und die für eine Synthese von Sehnsucht und Illusion steht. Musik für endlose imaginäre Reisen
Jörg Konrad

ASC & Inhmost
„The Moons Of Saturn“
Auxiliary
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 29.11.2021
Christian McBride „Inside Straight – Live At The Village Vanguard“
Bilder
Es adelt jeden Musiker, wenn auf der eigenen Veröffentlichung der Schriftzug „Live At Village Vanguard“ auftaucht. Hierbei handelt sich um einen der ältesten New Yorker Jazzclubs in Greenwich Village. Seit über 85 Jahren spielen in der 178 Seventh Avenue South die unterschiedlichsten Musiker, die alle eine Gemeinsamkeit verbindet: Sie gehören zu den Besten ihrer Zunft. Denn das Village Vanguard ist bekannt für seine strenge Auswahl der hier auftretenden Musiker und der damit einhergehenden Qualität des Programms. So wurden vor Ort Live-Aufnahmen von John Coltrane und Cannonball Adderley, von Keith Jarrett bis Dexter Gordon, von Barbara Streisand bis Sonny Rollins mitgeschnitten und mit großem Erfolg veröffentlicht.
Im Dezember 2014 gastierte an dieser legendären Stelle zum wiederholten Mal für eine Woche der herausragende amerikanische Bassist Christian McBride. Der mit nur 123 Sitzplätzen ausgestattete Club war alle diese Tage ausverkauft und die Karriere des Bassisten nahm, als Ergebnis dieses Auftritts, noch einmal so richtig Fahrt auf.
Im Village war er mit dem eigenem Quintett Inside Straight zu Gast, das er speziell für diesen Auftritt zusammenstellte und das aufgrund der unglaublichen Resonanz noch einige Jahre fortbestand. Mit dabei der Saxophonist Steve Wilson, der Vibraphonist Warren Wolf, der Pianist Peter Martin und der Schlagzeuger Carl Allen. Die einzelnen Aufnahmen stammen durchgängig von den Bandmitgliedern, wobei der größte Teil von McBride selbst geschrieben wurde.
Er ist es dann auch, der die gesamte Formation zusammenhält, sie regelrecht vorwärtstreibt und sich für die einzelnen Harmoniewechsel und die Reihenfolge (und Dauer) der Solis verantwortlich zeichnet. „Der Bass ist sozusagen der Navigator des Schiffs, das GPS-System in jeder Band“, erläuterte er einmal seine Stellung innerhalb einer Band. Und weiter: „Er ist das einzige Instrument, das sowohl den Rhythmus als auch die Harmonien steuert. Der Bassist muss die Musik besser kennen als die anderen Bandmitglieder.
Und so vermittelt er in den über 75 Minuten auch eine fast telepathische Sicherheit im Umgang mit dem musikalischen Material. Er lotst die Band durch alle Höhen und Tiefen des Sets, gibt ihnen Sicherheit und fordert sie heraus. Die Musiker erhalten für ihre solistischen Ausflüge genügend Raum – ohne sich dabei in Gemeinplätzen zu verlieren. Die Musik als Ganzes swingt und groovt, beeindruckt durch ihre Geschlossenheit und ihre wunderbar flüssigen und mitreißenden Melodien. Ein Ereignis diesen Auftritt und eine Freude diese erfrischende Entspanntheit zu erleben.
Jörg Konrad

Christian McBride
„Inside Straight – Live At The Village Vanguard“
Mack Avenue

Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Montag 22.11.2021
Wolfgang Amadeus Mozart „Requiem“ Nikolaus Harnoncourt Concentus Musicus Wien
Bilder
Um Mozarts „Requiem“, seinem umfassendsten, vielleicht ausdrucksstärksten und unvollendeten Werk, ranken sich bis heute Mythen und Legenden. So ist nicht eindeutig geklärt, wer dem damals 35jährigen Komponisten und Kapellmeister den Auftrag für dieses monumentale Werk erteilte. Mozart starb noch während der Arbeit an der Totenmesse und es war lange Jahre unklar, wer die Komposition vollendete, da die Abgabepartitur scheinbar in gleicher Handschrift geschrieben war, wie die Arbeitspartitur. Später stellte sich heraus, dass Franz Xaver Süßmayr, ein Schüler Mozarts und Antonio Salieris im Auftrag von Mozarts Ehefrau Constanze die Arbeit vollendete. Diese verkaufte zudem die Komposition mehrfach, was der Historie der Arbeit noch eine besondere Note verlieh.
Der Concentus Musicus Wien wurde 1953 von Nikolaus Harnoncourt, einem der größten Kenner Mozarts und seiner Frau Alice gegründet. In diesem kleinen Orchester beschäftigten sich beide intensiv mit dem, was wir heute so selbstverständlich als historische Aufführungspraxis bezeichnen. Sie wollten „ … den Gedanken der Musik als „Klangrede“ in die Welt setzten ...“, was letztendlich fast vier Jahrzehnte dauerte, um damit international auch wirklichen Erfolg zu haben. Harnoncourt und einige Gleichgesinnte leisteten damit Pionierarbeit.
1981 spielte das Orchester unter Harnoncourts Leitung Mozarts „Requiem“ für das Label Teldec ein, wobei diese Veröffentlichung aufgrund ihrer exzellenten Interpretation für immenses Aufsehen sorgte. Durch die historisch verbürgten Instrumente ist der Klang des Orchesters tief dunkel, tritt das Eindringliche dieser Totenmesse in der Vordergrund. Auch wenn Harnoncourt in späteren Jahren bei Einspielungen das Tempi weiter drosselt überzeugt hier, in dieser neu remasterten Fassung, die klangliche Balance. Der festliche Glanz dieser Komposition, das Erhabene und Mahnende sind deutlich spürbar. Trotzdem steht statt einem schmerzlichen Trauermarsch deutlicher eine energische Aktivität im Vordergrund, ohne eine gewisse Melancholie zu vernachlässigen.
Die Dramaturgie, die Spannung der Interpretation entsteht aufgrund der Dynamik, mit der Harnoncourt und sein Ensemble auf höchstem Niveau agiert. Auf Vinyl ist diese Aufnahme ein durchdringendes Klangerlebnis!
Jörg Konrad

Wolfgang Amadeus Mozart
„Requiem“
Nikolaus Harnoncourt Concentus Musicus Wien
Warner
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Samstag 20.11.2021
Taranczewski „When I Was“
Bilder
Hier haben sich drei unerschütterliche Freigeister zusammengetan, um die Erfahrungen, die sie in den zurückliegenden Jahrzehnten in den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen gesammelt haben, gebündelt in individueller Neuorientierung zum Ausdruck zu bringen. „When I Was“ ist dabei das erste Album des Trios Taranczewski und eine rundum gelungene Produktion, deren Oberfläche zwar entspannt klingt, die aber genügend Reibungsflächen aufweist, um aufgrund der Dramaturgie packende Spannungsmomente zu bieten. Musik, die eindeutig im Hier und Jetzt, auf dem Boden heutiger Realität angesiedelt ist.
„When I Was“ strahlt insgesamt eine Ruhe und schöpferische Kraft aus, eine individuelle Sensibilität und partnerschaftliche Ausrichtung, wie man sie in dieser Geschlossenheit nur sehr selten findet. Jeder einzelne der Instrumentalisten, Olaf Taranczewski (Klavier), Jean-Philippe Wadle (Bass) und Benedikt Stehle (Schlagzeug), suchen in der Gemeinschaft das Miteinander. Hier gibt es keinen Solisten im extrovertierten Sinn. Alle ordnen sich ein (nicht unter!), hören beim Spiel ihrem Nebenmann zu, reagieren aufeinander und miteinander – weitab jeder Egomanie. Was sie spielen kommt einem entschleunigten Kommentar unserer Zeit nahe. Sie blicken mit ihren Instrumenten hinter die Kulissen, lassen sich vom rasselnden und ächzendem Zeitgeist nur wenig beeindrucken. Manchmal verarbeiten sie ein Zitat, das dem Keith Jarrettschen Kosmos entsprungen scheint, anderes klingt nach einer stillen Reminiszenz an das pianistische Monument eines Bill Evans. Dieses Album kommt einem Aufbegehren der stillen Töne gleich, angelegt im Umfeld harmonischer Melancholie und umgesetzt im Fahrwasser poetischer Ausschweifungen. Manchmal darf etwas auch einfach nur schön sein!
Jörg Konrad

Taranczechwski
„When I Was“
Heyblaue Records
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2022 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.