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31. BAD TALES
32. DIE KÖNIGIN DES NORDENS
33. THE LOST LEONARDO
34. COPPELIA
35. PLAN A
36. DAS ENDE DES SCHWEIGENS
Donnerstag 06.01.2022
BAD TALES
Ab 06. Januar 2022 im Kino
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Es war einmal ... Sengende Hitze, eine Reihenhaussiedlung in einem Vorort von Rom. Aus der Ferne betrachtet wohnen hier ganz normale Familien und führen ein ruhiges Leben in ihren Häusern, Höfen und Gärten, aber der äußere Schein trügt.
Die sommerliche Leichtigkeit ist von einer rätselhaften Stimmung der Beklommenheit durchzogen. Das Schweigen überdeckt die mühsam gebändigte Aggression der Väter und die Passivität der
Mütter. Die verständnislosen Erwachsenen verfolgen hartnäckig ihre Illusion eines bürgerlichen Lebens und scheinbar spielen die Kinder den ihnen zugedachten Part. Doch hinter der Fassade
verfolgen sie konsequent ihre eigenen, dunklen Pläne, die den Ort verändern werden.

Ein Film von R D’Innocenzo Brothers
Mit Elio Germano, Barbara Chichiarelli, Lino Musella u.a.


Die Zwillingsbrüder Damiano und Fabio D’Innocenzo wurden 1988 in einem Vorort Roms geboren. Schon als Kinder begannen sie sich für Fotografie, Lyrik und Malerei zu interessieren. Heute gelten sie als „Wunderkinder“ des italienischen Kinos.
Die beiden jungen Filmemacher brachten sich – als Autodidakten – das Filmhandwerk selbst bei. Schon ihr Debütfilm „Boys Cry“ (OT: „La terra dell’abbastanza“) wurde auf der Berlinale 2018 in der Sektion Panorama gezeigt und erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter vier Preise beim „Nastro D'Argento“ sowie vier Nominierungen für den „David di Donatello“-Preis.
Dank des großen Erfolgs von „Boys Cry“ konnten sich die D’Innocenzo Brüder international etablieren. Sie nahmen an einem Workshop des renommierten Sundance Institute unter der Leitung des mehrfach Oscar-nominierten Regisseurs Paul Thomas Anderson („Der seidene Faden“) teil.
2019 veröffentlichten sie ihren ersten Gedichtband „Mia Madre è un‘arma“, darauf folgte 2021 ihr Photoband „Night Pharmacy“.
Ihr neuer Film „America Latina“ feierte 2021 seine Premiere im Rahmen des Wettbewerbs der Filmfestspiele von Venedig.


KOMMENTAR DER REGISSEURE

Für uns war es nicht so einfach, Worte zu finden, die prägnant und aussagekräftig genug sind, um die Themen zu beschreiben, die wir in unserem zweiten Projekt aufgreifen wollten. Deswegen haben wir uns auch für das Medium Film entschieden, um diese Geschichte zu erzählen, anstatt sie literarisch zu verarbeiten. Das geschriebene Wort ist zu präzise, zu eindeutig, das reichte uns nicht aus. Das Schweigen ist ein wichtiger Aspekt in unserem Film, und wenn die Figuren sprechen, kann es sein, dass sie paradoxerweise sehr wenig kommunizieren.
Unbehagen, Einsamkeit und Sorgen sind in erster Linie innerhalb der Familien dieser Geschichte zu finden. Das Zuhause – das, was man früher als Nest, einen durch Zärtlichkeit eingeschränkten, kleinen Raum, bezeichnete – ist nun der Knotenpunkt von Intoleranz, Kälte und Ängsten. Ein Blick auf die Statistiken der häuslichen Morde reicht aus, um zu erkennen, dass das oft der Wahrheit entspricht.
Wir wollen den Zusammenbruch der Kommunikation innerhalb dieser Familien, die in sterilen Routinen feststecken, untersuchen. Hier haben vielleicht nur noch Tragödien die Möglichkeit, aufzurütteln und Dinge in Bewegung zu setzen. Das sind ganz normale Familien, die jeder wiedererkennen kann, keine Randexistenzen oder jemand, der in beruhigender Distanz zur Bürgerlichkeit steht. Eine „Spoon River Anthology“ für das neue Jahrtausend, die sich sowohl auf die amerikanischen Vororte als auch den europäischen Wohlfahrtsstaat bezieht.
Wir glauben, dass unsere Geschichte ein wirkliches Gefühl spürbaren Leids vermittelt. Sie erzählt nicht nur vom Leiden, sie verkörpert es und zwar in einer kraftvollen, uralten Form, der Metapher schlechthin: dem Märchen. Unser Film ist ein dunkles Märchen, das von den schlimmsten Aspekten einer Form des Kapitalismus erzählt, die weder von der Kultur noch von der Tradition her zu uns
gehören, aber die wir als (provinzielle) Weltbürger meinen, irgendwie verdient zu haben.
Diese komplexe, auffallend und etwas spöttisch inszenierte Geschichte – weit entfernt vom Realismus unseres vorherigen Films „Boys Cry“ (OT: „Terra dell' Abbastanza“) – verwandelt die Gegenwart in eine zeitlose, filmische Sprache.
Wir haben das Gefühl, dass diese Geschichte den Seiten eines Buches von Updike, Vonnegut, Yates,
Ibsen oder, noch offensichtlicher, dem gesammelten Werk der Brüder Grimm, beginnend mit dem Titel, entsprungen sein könnte. Eine Welt der Gefühle, der leuchtenden Farben und Gerüche; doch in der Ferne brennt alles. Und wie es sich für ein ordentliches Märchen gehört, gibt es einen Erzähler, der die Ereignisse verdeutlicht.
Ein spöttischer Erzähler, der die Karten neu mischt, Zweideutigkeit in ganz normale Gesten hineininterpretiert und das Unmenschliche normalisiert. Schlussendlich ist jeder Film ein Traum. BAD TALES – ES WAR EINMAL EIN TRAUM (Favolacce) handelt von dem zerbrochenen Traum einer Generation junger Männer und Frauen, deren Hoffnungen auf die Zukunft wie Seifenblasen zerplatzt sind – und ihren Kindern, die ihrer eigenen Zukunft nicht entgegensehen wollen.
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Donnerstag 30.12.2021
DIE KÖNIGIN DES NORDENS
Ab 30. Dezember 2021 im Kino
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Auf einer wahren Begebenheit beruht das historische Drama DIE KÖNIGIN DES NORDENS über Margarethe von Dänemark, dargestellt von Trine Dyrholm („Die Kommune“). Eine der großen
Frauen der Weltgeschichte muss sich zwischen ihren persönlichen Gefühlen und dem Streben nach politischer Macht entscheiden. Unter der Regie von Charlotte Sieling entstand eine der teuersten Produktionen Skandinaviens.
1402: Die legendäre Margarethe vereint Dänemark, Norwegen und Schweden zu einer Allianz in der herrschenden Hand ihrer Familie, dem dänischen Königshaus. Als alleinige ungekrönte Regentin lenkt sie die Geschicke des Nordens mittels ihres jungen Adoptivsohns Erik. Doch das nordische Bündnis hat viele Feinde: Margarethes intrigante Gegenspieler behaupten plötzlich, ihr geliebter, totgeglaubter Sohn würde noch leben... Margarethe muss nicht nur um das Überleben ihres Großreichs kämpfen, sondern auch ihre zwiespältigen Gefühle in Einklang bringen. Denn eine niederträchtige Verschwörung ist im Gange, die Margarethe alles kosten könnte, an das sie glaubt.


Ein Film von Charlotte Sieling
Mit Trine Dyrholm, Morten Hee Andersen, Søren Malling u.a.


DIE KÖNIGIN DES NORDENS ist die Geschichte einer visionären Frau, die um 1402 Großes bewirkte. Sie war eine Kämpferin, die ihrer Zeit weit voraus war. Eine Herrscherin, die sich für ihr Land Dänemark und ein gemeinsames Skandinavien völlig aufopferte. Das macht sie zu einer der interessantesten Frauen der Weltgeschichte.
Ihre faszinierende Lebensgeschichte wird zum ersten Mal auf der großen Kinoleinwand gezeigt, und zwar mit einem für skandinavische Produktionen enorm hohen Budget. In der Hauptrolle als Margarethe, ungekrönte Regentin des Nordens, brilliert die preisgekrönte dänische Schauspielerin Trine Dyrholm („Brecht“, „Astrid“) – begleitet von einem erstklassigen europäischen SchauspielerInnen-Ensemble: Søren Malling („The Investigation“, „Men & Chicken“), Morten Hee Andersen („Die Wege des Herrn“, „Schwesternschule“), Jakob Oftebro („Kon-Tiki“), Bjørn Floberg („Der Kommissar und das Meer“, „Pferde stehlen“), Magnus Krepper („Königin“, „Astrid“), Thomas W. Gabrielsson („Die Königin und der Leibarzt“), Agnes Westerlund Rase („Midsommar“), Paul Blackthorne („Arrow“) und Richard Sammel („Inglourious Basterds“).
Charlotte Sieling zählt zu den bekanntesten Filmemacherinnen erfolgreicher dänischer Fernsehserien wie u.a. „Kommissarin Lund“, „Die Brücke: Transit in den Tod“ und „Borgen: Gefährliche Seilschaften“. Gleichzeitig ist sie eine der gefragtesten europäischen Regisseurinnen für US-Serien wie u.a. „Homeland“. Mit DIE KÖNIGIN DES NORDENS positioniert sich die aufstrebende Regisseurin als aufregende und frische Anwärterin für die europäische Kinobühne. Zuletzt führte sie bei der neuen HBO-Horrorserie „Lovecraft Country“ Regie.
Das Drehbuch schrieb Charlotte Sieling gemeinsam mit Jesper Fink („Før frosten“) und Maya Ilsøe („Die Erbschaft“). Rasmus Videbæk („Die Königin und der Leibarzt“) sorgte als Kameramann für die eindrucksvollen Bilder, während Søren Schwartzberg („Før frosten“) als Szenenbildner und Manon Rasmussen („Melancholia“, 2011) als Kostümdesignerin die Ausstattung perfektionierten. DIE KÖNIGIN DES NORDENS ist eine große europäische Produktion ausgehend von den SF Studios Dänemark mit den ProduzentInnen Birgitte Skov und Lars Bredo Rahbek und dem Koproduzenten Jon Nohrstedt sowie den Koproduktionsfirmen Filmkameratene (Norwegen), TrueNorth (Island), Sirena Film (Tschechische Republik) und Film i Väst (Schweden) mit Unterstützung des Dänischen Filminstituts, TV2 (Dänemark), TV4 (Schweden), NRK (Norwegen), des Schwedischen Filminstituts, des Norwegischen Filminstituts, des Isländischen Filmzentrums, des Nordisk Film & TV Fond, Eurimages, des Tschechischen Filmfonds, des Polnischen Filminstituts, der Königin-Margrethe-und-Prinz-Henrik-Stiftung, der Augustinus-Stiftung, der Carlsberg-Stiftung, der A. P. Moller Foundation und dem Programm Creative Europe MEDIA der Europäischen Union.



Die Regisseurin Charlotte Sieling

Charlotte Sieling, geboren 1960 in Kopenhagen, wird als eine der prominentesten dänischen Regisseurinnen ihrer Zeit gefeiert. Nach ihrem Abschluss an der Danish National School of Performing Arts im Jahr 1985 arbeitete sie zunächst erfolgreich als Schauspielerin in Film und Theater, bevor sie sich später als Regisseurin neu erfand. Zu ihrem breiten Portfolio zählen erfolgreiche dänische Fernsehproduktionen wie u.a. die EMMY-Preisträgerserie „Unit One – Die Spezialisten“ (acht Episoden, 2000-2004) mit Mads Mikkelsen und Lars Brygmann, die mehrfach ausgezeichnete und EMMY-nominierte Krimiserie „Die Brücke: Transit in den Tod“ (vier Episoden, 2011-2018), die BAFTA-prämierte Fernsehserie „Borgen: Gefährliche Seilschaften“ (dritte Staffel, 2010) sowie „Kommissarin Lund“ (erste Staffel, 2007-2009). Ihr Spielfilmdebüt gab die junge Filmemacherin 2009 mit OVER GADEN UNDER VANDET („Above the Street, Below the Water“).
Charlotte Sielings konzeptionelle Arbeit machte „Die Brücke: Transit in den Tod“ zu einem großen weltweiten Erfolg und führte zu vielen internationalen Regiearbeiten wie u.a. zwei Episoden für die US-Serie „Homeland“ (2014-2018), „The Americans“ (eine Episode, 2014), „Good Behavior“ (eine Episode, 2017) und jüngst „Lovecraft Country“ (eine Episode, 2020).
2017 drehte Charlotte Sieling mit THE MAN ihren zweiten Spielfilm, der 2018 auch mit dem Dänischen Filmpreis als Beste Nebenrolle (Jakob Oftebro) sowie für den Besten Song ausgezeichnet wurde. DIE KÖNIGIN DES NORDENS mit dem dänischen Star Trine Dyrholm in der Hauptrolle ist Sielings dritter Spielfilm.
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Donnerstag 23.12.2021
THE LOST LEONARDO
Ab 23. Dezember 2021 im Kino
Im Jahr 2008 versammelten sich die weltweit renommiertesten Leonardo da Vinci Experten an einer Staffelei der National Gallery in London, um ein mysteriöses Gemälde zu untersuchen – ein Salvator Mundi (lateinisch für „Erlöser der Welt“). Ungeachtet dessen, dass die National Gallery keine formellen Experten-Gutachten einholt, präsentiert sie in ihrer Blockbuster-Ausstellung von 2011 den Salvator Mundi als Originalgemälde von Leonardo da Vinci und initiierte damit eine der verführerischsten und verblüffendsten Kunstgeschichten unserer Zeit.

Der über einen Zeitraum von drei Jahren gedrehte Film The Lost Leonardo enthüllt auf akribische Weise die Geschichte hinter dem Salvator Mundi in ihrer gesamten Bandbreite und präsentiert als packender Real-Life-Thriller verschiedene Hauptfiguren aus der Welt der Kunst, Finanzen und Politik wie beispielsweise die Restauratorin Dianne Modestini, die zum ersten Mal den Zugang hinter die Kulissen freimachte.

Regisseur Andreas Koefoed positioniert diese „stranger-than-fiction Story“ direkt an der Schnittstelle von Kapitalismus und Mythenbildung und stellt die Frage: Ist dieses millionenschwere Gemälde tatsächlich ein da Vinci oder handelt es sich hierbei lediglich um den Wunsch einflussreicher Akteure?

Ein Film von Andreas Koefoed

The Lost Leonardo ist die Insider-Geschichte hinter dem Salvator Mundi, dem teuersten Gemälde, das für 450 Millionen US-Dollar verkauft wurde. Das Schicksal des Salvator Mundi wird von unersättlichem Streben nach Ruhm, Geld und Macht angetrieben, beginnend in jenem Moment, als das Gemälde in einem dubiosen Auktionshaus in New Orleans für 1175 US-Dollar gekauft wird und der Restaurator unter dem dicken Firnis der billigen Restaurierung meisterhafte Pinselstriche der Renaissance entdeckt. Mit Emporschnellen des Preises vermehren sich auch die Fragen nach der Authentizität des Gemäldes: Ist es wirklich ein Werk Leonardo da Vincis?

The Lost Leonardo offenbart die Absichten der reichsten Männer und mächtigsten Kunstinstitutionen der Welt und zeigt, wie die immensen Interessen an Salvator Mundi die Wahrheit zur Nebensache degradieren.


FIGUREN

DIANNE MODESTINI – Restauratorin (USA)
Als einer der weltweit führenden Experten für Kunstkonservierung restaurierte Modestini den Salvator Mundi im Zeitraum zwischen 2005 und 2017 über mehrere Jahre und gelangte zu der Überzeugung, dass das Werk aus der Hand von Leonardo da Vinci stammt. Dianne Modestini macht eingehende Untersuchungen, kämpft jedoch ungebrochen für die Zuschreibung.

ROBERT SIMON – Kunsthändler (USA)
Zusammen mit Alexander Parish kaufte Simon 2005 den Salvator Mundi für 1175 US-Dollar. Er war die Schlüsselfigur bei der Vermittlung der Leonardo da Vinci Zuschreibung.

ALEXANDER PARISH –“Sleeper Hunter” (Kunstdetektiv, USA)
In seiner Funktion als sogenannter „Sleeper Hunter“ entdeckte Parish den Salvator Mundi 2005 bei einer Auktion in New Orleans. Er kaufte das Gemälde gemeinsam mit Robert Simon zum Preis von
1175 US-Dollar.

WARREN ADELSON – Kunsthändler (USA)
Adelson wird nach der da Vinci Zuschreibung durch die National Gallery der dritte Partner im Salvator Mundi Konsortium. Er war für den Verkauf des Gemäldes verantwortlich.

YVES BOUVIER – Freihafen-Besitzer und Geschäftsmann (Schweiz)
Bouvier kaufte den Salvator Mundi von Warren Adelson für 83 Millionen US-Dollar und verkaufte ihn für 127,5 Millionen US-Dollar an den russischen Milliardär Dmitry Rybolovlev weiter. Bouvier erzielte so in weniger als zwei Tagen einen Gewinn von 44,5 Millionen US-Dollar.

LUKE SYSON – Kurator (2003-2012), National Gallery in London (GB)
Syson lud die da Vinci-Experten zur Begutachtung des Salvator Mundi in die National Gallery ein. Syson trifft die umstrittene Entscheidung, den Salvator Mundi als neu entdeckten Leonardo da Vinci in seiner Blockbuster-Ausstellung 2011 zu zeigen.

MARTIN KEMP – Leonardo da Vinci-Experte, Oxford (GB)
Kemp war einer der fünf Experten, die Luke Syson zur Untersuchung des Salvator Mundi eingeladen hatte. Als führender Experte des Lebens und Werkes von Leonardo da Vinci ist Kemp ein Verfechter der Zuschreibung.

MARIA TERESA FIORIO – Leonardo da Vinci-Expertin, Mailand (Italien)
Als einer der fünf Experten, die Luke Syson zur Untersuchung des Salvator Mundi geladen hatte, hat Fiorio Zweifel an der Zuschreibung. Sie glaubt, dass der schlechte Zustand des Gemäldes eine schlüssige Zuschreibung nicht zulasse.

FRANK ZÖLLNER – Leonardo da Vinci-Experte, Leipzig (Deutschland)
Als führender, wissenschaftlicher da Vinci-Experte glaubt Zöllner, dass das Gemälde höchstwahrscheinlich aus Leonardos Werkstatt stammt, seine Entstehung jedoch lediglich unter Beteiligung des Meisters erfolgte. Er steht der umfangreichen Restaurierung durch Dianne Modestini kritisch gegenüber.

JACQUES FRANCK – Künstler und Restaurator (Frankreich)
Als Spezialist der Maltechnik Leonardo da Vincis glaubt Franck, dass der Salvator Mundi aus Leonardos Werkstatt stammt. Franck schreibt einen Brief an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und warnt davor, das Gemälde mit voller da Vinci-Zuschreibung im Louvre auszustellen.

EVAN BEARD – Leiter der Global Art Services, Bank of America, New York (USA)
Als einer der Top-Banker im Kunstmarkt ist Beard ein echter Salvator Mundi Insider.

GEORGINA ADAM – Autorin und Journalistin (GB)
Die Kunstmarkt-Expertin Georgina Adam schreibt für das Art Newspaper sowie für die Financial Times und ist Autorin des Buches „Dark Side of the Boom: The Excesses of the Art Market in the 21st Century“.

BRADLEY HOPE – Investigativer Journalist (USA)
Der in London ansässige, ehemalige Journalist des Wall Street Journal Bradley Hope ist Autor des Buches „Blood and Oil: Mohammed Bin Salman’s Ruthless Quest for Global Power“.

ALEXANDRA BREGMAN – Autorin (USA)
Autorin des Buches “The Bouvier Affair” und Insiderin der Kunstwelt.

KENNY SCHACHTER – Kunstkritiker und Autor (USA)
Als Abtrünniger und Autor der Kunstwelt ist Schachter zynisch gegenüber dem Salvator Mundi und dem Kunstmarkt im Allgemeinen.

JERRY SALTZ – Kunstkritiker und Autor (USA)
Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Kunstkritiker Saltz ist einer der größten Kritiker des Salvator Mundi.

STÉPHANE LACROIX – Außerplanmäßiger Professor, Sciences Po (Frankreich)
Einer der führenden Nahost-Experten in Frankreich.

ALISON COLE – Redakteurin, The Arts Newspaper (GB)
Cole schrieb ausführlich über den Salvator Mundi und war die erste, die die Existenz des geheimen Louvre Buches öffentlich machte.

ANTOINE HARARI – Investigativer Journalist (Schweiz)
Investigativer Journalist und Verfasser der explosiven Enthüllung zur Bouvier-Affäre im Online-Magazin Heidi News.

DAVID KIRKPATRICK – Journalist der New York Times (USA)
Er deckte auf, dass Mohammed Bin Salman’s der Käufer des Salvator Mundi nach der Auktion bei Christie’s war.

ROBERT KING WITTMAN – Gründer des FBI Art Crime Team (USA)
Wittman war einer der Top-Ermittler des FBI in Fällen von Kunstdiebstahl und Kunstbetrug.

DOUG PATTESON – Ehemaliger Mitarbeiter der CIA (USA)
Ehemaliger CIA-Agent und Geheimdienst-Insider.

BRUCE LAMARCHE – Yves Bouviers Geschäftspartner (Schweiz)
Als enger Mitarbeiter von Yves Bouvier ist Lamarche ein Freihafen-Insider.

DIDIER RYKNER – Herausgeber, La Tribune de l'Art (Frankreich)
Didier Rykner untersucht, welche Hintergründe dazu führten, dass der Salvator Mundi nicht im Pariser Louvre ausgestellt wurde. Er entdeckt und veröffentlicht das geheime Louvre Buch in Frankreich.

BERND LINDEMANN – Direktor (2004- 2016), Gemäldegalerie in Berlin (Deutschland)
Bernd Lindemann wurde 2012 der Salvator Mundi für die Gemäldegalerie angeboten. Lindemann lehnte den Kauf aufgrund des schlechten Zustands des Gemäldes und seiner Zuschreibungsfrage ab.



DIRECTORS NOTES Von Andreas Koefoed

„Dies ist ein Film über die unglaubliche Reise eines Gemäldes, des Salvator Mundi, der „Erlöser der Welt“, der möglicherweise das Werk von Leonardo da Vinci ist. Es ist eine wahre Geschichte, zugleich aber auch ein Märchen, das den Geschichten eines H. C. Andersen würdig wäre: Ein beschädigtes Gemälde, das Jahrhunderte lang vernachlässigt wurde, wird zufällig wiederentdeckt und bald darauf als lang verschollenes Meisterwerk göttlicher Schönheit gepriesen. Auf seinem Höhepunkt im Rampenlicht wird es als Fälschung entlarvt und herabgesetzt. Die wahre Enthüllung jedoch ist die Falschheit der Welt, die dieses Gemälde umgibt und durch zynische Kräfte und Geld angetrieben wird.

Die Geschichte legt die Mechanismen der menschlichen Psyche offen, unsere Sehnsucht nach dem Göttlichen und unsere postfaktischen, kapitalistischen Gesellschaften, in denen Geld und Macht die Wahrheit außer Kraft setzen. Das Gemälde wird zu einem Prisma, durch das wir uns selbst und die Welt, in der wir leben, verstehen können. Bis heute gibt es keinen schlüssigen Beweis dafür, dass das Gemälde ein da Vinci ist – oder nicht – und solange Zweifel darüber bestehen, können Menschen, Institutionen und Staaten dieses Gemälde vor dem Hintergrund ihrer eigenen Interessen benutzen.

Der Film ist das Ergebnis enormer Teamarbeit. Die Produzenten, Autoren, Redakteure und Menschen hinter der Kamera haben Seite an Seite gearbeitet und dem Projekt ihre ganze Kraft gewidmet. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Es war eine fantastische Reise in geheime Welten, die normalerweise vollkommen verborgen bleiben. Welten, in denen alles nur Denkbare gekauft und verkauft werden kann — Welten, in denen Prestige, Macht und Geld die treibenden Faktoren unter der schönen Oberfläche der Kunstwelt sind. Mein Dank geht überdies an den Kunstkritiker Ben Lewis, den Historiker Yuri Felshtinsky und an den Investigativ-Journalisten Zev Shalev. Die durch sie gewonnenen, tiefen Einblicke haben maßgeblich zur Geschichte beigetragen.

Die Hauptfigur ist das Gemälde. Der Mensch, der sich über den Protagonisten den Kopf zerbricht, ist die Restauratorin Dianne Modestini, die bald nach dem Verlust ihres Mannes Mario, selbst ein weltberühmter Restaurator, mit ihrer Arbeit an dem Gemälde begann. Für Modestini wird die Restaurierung zu einem symbiotischen Trauerprozess, in dem das Gemälde und Mario bisweilen eins werden. Nachdem sie das Gemälde losgelassen hat, wird es irgendwo in einem Freihafen weggesperrt. Dianne fühlt sich alleingelassen und wird für ihre Arbeit kritisiert. Ging ihre Restaurierung so weit, dass sie ein beschädigtes Gemälde in einen da Vinci transformierte? Sie ist gezwungen, sich selbst und ihre Integrität zu verteidigen und einen Weg zu finden, mit Mario und dem Gemälde abzuschließen.

Was mich fasziniert und zugleich desillusioniert ist, dass Kunst für wirtschaftliche Spekulationen und als Gegenstand für politische Spiele benutzt wird. Kunst ist eine kostbare Manifestation menschlicher Gefühle und menschlichen Ausdrucks im Laufe der Geschichte. Aus meiner Sicht gehört Kunst der Allgemeinheit. Anstatt öffentlich zugänglich zu sein, wird sie in Freihäfen versteckt und für zynische und spekulative Zwecke benutzt.

The National Gallery, Christie’s, der Louvre oder die Staaten Frankreich und Saudi-Arabien – keine der prominenten Institutionen, die an der Geschichte beteiligt waren, zeigten sich gesprächsbereit und vielleicht ist das auch nicht weiter verwunderlich. Die vermeintlich eigenständige, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gemälde steht unter einem enormen politischen Druck. Am Ende geht nicht nur das Werk verloren, sondern mit ihm auch die Wahrheit selbst. Das Gemälde — ein Produkt der Renaissance, welche die Freiheit von Wissenschaft und Kunst hochhielt — wird so zum Opfer von Interessensverbindungen und Machtspielen. Wie sagt es Jerry Saltz im Film? „Die Geschichte ist eine erzählende Fabel unserer Zeit“.

Ich hoffe, der Film wird seine Zuschauer fesseln, überraschen und faszinieren. Sie werden selbst zu Detektiven der Geschichte und bleiben mit der Frage zurück: Welcher Wahrheit schenke ich mein Vertrauen?“
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Mittwoch 15.12.2021
COPPELIA
Ab 16. Dezember 2021 im Kino
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Swan (Michaela DePrince), eine temperamentvolle, unabhängige und kluge Frau, führt ein glückliches Leben. Sie betreibt in ihrer Kleinstadt ihre eigene Saftbar, hat eine Clique guter Freunde und ist über beide Ohren in Franz (Daniel Camargo) verliebt. Die beiden fangen gerade an sich näherzukommen, als der charismatische, dämonische Doktor Coppelius (Vito Mazzeo) mit seiner schönen Muse Coppelia, ein künstliches Wesen, das er erschaffen hatte, in der Stadt auftaucht, um eine Schönheitsklinik zu eröffnen. Coppelius‘ Ankunft stellt Swans Leben auf den Kopf, denn sämtliche Bewohner der Stadt – von der Bürgermeisterin (Dame Darcey Bussell) bis hin zum Bäckermeister (Irek Mukhamedov) – eilen begeistert zu Coppelius, um ihre kleinen Makel ‘beheben’ zu lassen. Nur Swan, Franz und ihre Freunde betrachten das Geschehen in der Klinik skeptisch. Irgendetwas stimmt nicht mit diesem Doktor Coppelius.
Und als Franz von der verführerischen Coppelia mit einem Elixir benebelt wird und davon willenlos gemacht ihr in die Klinik folgt, wird Swan klar, dass Franz in großer Gefahr ist. Sie muss handeln und herausfinden was Doktor Coppelius im Schilde führt ...

Regie und Drehbuch: Jeff Tudor, Steven De Beul, Ben Tesseur
Mit Michaela DePrince, Daniel Camargo, Vito Mazzeo, Darcey Bussell, Irek Mukhamedov und dem Corps de Ballet des Niederländischen Nationalballett


MICHAELA DEPRINCE ALS SWAN

SWAN ist eine selbstbewusste junge Frau, die zusammen mit ihrer Mutter in einem kleinen idyllischen Städtchen lebt. Sie ist sehr beliebt und hat viele Freunde. Auf dem Marktplatz betreibt sie ihre eigene Saftbar. Und sie hütet ein Geheimnis, dass sie noch nicht einmal sich selbst eingestehen würde: Swan ist bis über beide Ohren in Franz verliebt.


INTERVIEW MIT MICHAELA DEPRINCE

Was erhoffen Sie sich, soll das Publikum aus COPPELIA mitnehmen?
Ich würde mich freuen, wenn die Zuschauer, ob jung oder alt, von der Geschichte inspiriert werden. Jeder hat doch seine Mühe damit, sich der 'Norm' anpassen zu wollen oder dem zu entsprechen, was andere Leute als Norm bezeichnen. Dabei ist es doch viel erstrebenswerter, anders und einzigartig zu sein.

Was ist das Besondere an dieser Inszenierung von „Coppelia“?
Es ist eine sehr moderne Inszenierung von „Coppelia“, und ich hoffe das Publikum kann sich damit identifizieren.

Was sind die Hauptbotschaften der Geschichte, die Sie vermitteln wollen?
Für das einzutreten, woran man glaubt. Andere vor dem Gefühl bewahren, dass sie nicht gut genug sind. Und natürlich Liebe und Akzeptanz.

Mit Tanz lassen sich Geschichten erzählen. Was gefällt Ihnen am meisten daran?
Tanzen ist für mich die beste Art mich auszudrücken. Ganz besonders bei dieser Produktion versteht man mit einem Blick, worum es geht. Mit nur einem kleinen Blick – das finde ich wunderschön.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Produktionsteam während der Dreharbeiten?
Es war eine großartige und neue Erfahrung für mich. Ich wurde auf eine Art und Weise herausgefordert wie noch nie zuvor, aber in sehr positivem Sinn. Durch diesen Film und dank der Unterstützung des gesamten Produktionsteams konnte ich weiter über mich hinauswachsen.



DANIEL CAMARGO ALS FRANZ

Franz ist ein liebenswürdiger junger Mann, der von allen sehr gemocht wird. Seine Fahrradwerkstatt ist genau gegenüber von Swans Saftbar. Obwohl er Mädchenschwarm der Stadt ist, hat er doch nur Augen für eine: Er ist heimlich in Swan verliebt, will es aber aus Schüchternheit nicht zugeben. Sein verliebtes Herz ist der Grund, warum ihn Dr. Coppelius für seine düsteren Pläne in die Klinik lockt.

INTERVIEW MIT DANIEL CAMARGO

Was wünschen Sie sich für das Publikum von COPPELIA?
Ich hoffe, die Zuschauer werden viel Freude an unserem Film haben! Das Großartige an COPPELIA ist die Universalität. Es gibt keine Dialoge, dennoch ist die Geschichte für jeden leicht zu verstehen. So können alle weltweit, ob Groß oder Klein, den Film sehen und einfach genießen.

Wie würden Sie diese Inszenierung von „Coppelia“ beschreiben?
Es ist eine sehr moderne und auch aktuelle Darstellung von „Coppelia“, die dem Publikum erlaubt, die Geschichte aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Auch wenn man vorher noch nie im Ballett war, wird man von COPPELIA begeistert sein. Da bin ich mir sicher. Es ist alles ein großer Spaß. Der Tanz treibt die Geschichte voran – wie ein Musical, nur mit Tanz statt Liedern! Man muss nichts über Ballett wissen, um sich von dem Film mitreißen zu lassen.

Welche Botschaft vermittelt COPPELIA in ihren Augen?
Jeder kann Freude am Tanz haben und sich damit ausdrücken, egal welche Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Herkunft er hat. Das vermittelt der Film! Das Hauptthema ist: Sei du selbst! Sei selbstbewusst und glücklich, so wie du bist! Du musst Dich nicht verändern oder verbiegen, um den Schönheitsvorstellungen anderer zu entsprechen. Außerdem ist es auch eine wundervolle Liebesgeschichte! Das mag jeder.

Warum ist die Geschichte von „Coppelia“ nach wie vor aktuell?
Diese Erzählung spricht eine Reihe aktueller Themen an. Junge Menschen sind heute hinsichtlich ihres Aussehens einem großen Druck ausgesetzt, vor allem in den sozialen Medien. Immer mehr junge Menschen wollen sich einer Schönheitsoperation unterziehen. Es ist wichtig, dass wir daran erinnern, dass es okay ist, man selbst zu sein. Man sollte sich nicht unter Druck gesetzt fühlen.



VITO MAZZEO ALS DOKTOR COPPELIA

Der charismatische Schönheitschirurg Dr. Coppelius kommt in das kleine Städtchen, um hier seine imposante Klinik zu eröffnen. Er präsentiert den entzückten Stadtbewohnern seine makellos schöne (künstliche) Muse Coppelia. Sie ist das perfekte Aushängeschild seiner Fähigkeiten. Schnell bringt der gewiefte Doktor alle dazu, sich „verschönern“ lassen zu wollen.
Doch wenn die Stadtbewohner aus der Klinik kommen, sind sie verändert. Sie sind eitel und haben vergessen, wie man freundlich ist. Es scheint so, als ob Dr. Coppelius während der Schönheitsbehandlung ihnen ihre besonderen Charaktereigenschaften entzogen habe. Eine wichtige Zutat für seinen perfiden Plan fehlt ihm jedoch noch: Er braucht die Essenz aus Franz' schlagendem und verliebten Herzen, um Coppelia zum Leben erwecken zu können.

INTERVIEW MIT VITO MAZZEO

Was erhoffen Sie sich für die Zuschauer von COPPELIA?
Meine Hoffnung ist zunächst, dass das Publikum Ballett als eine Kunstform versteht, die nicht nur mit dem Theater verbunden ist. Die besondere Magie der Live-Aufführung ist zwar einer der Gründe, die mich zu dieser Karriere inspirierten, aber Ballett kann auch auf der Kinoleinwand wunderbar funktionieren. Das macht dieser Film wunderbar deutlich.

Was ist die Botschaft des Films?
Meine Figur, Dr. Coppelius, ist Schönheitschirurg, und der Film verdeutlicht, dass nur „Schönheit“ ohne Tiefe nicht ausreicht. In Italien sagen wir „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, was meiner Meinung nach heute besonders relevant ist. Viele fokussieren sich nur noch darauf ihr äußeres Erscheinungsbild zu kultivieren. Dabei sollten einem doch vielmehr die inneren Werte wichtig sein.

Was gefällt Ihnen am meisten am Tanz als Möglichkeit des Geschichtenerzählens?
Ein Freund nahm mich einmal mit in den Palazzo Sacchetti in Rom und zeigte mir das Fresko von Francesco Salviati, in dem David vor der Bundeslade tanzt. Er sagte zu mir: „Siehst du, das erste, was David in Gegenwart Gottes macht, ist tanzen“. Er ließ mich erkennen, dass ich einen der wunderbarsten Berufe der Welt ausübe, der ein so starkes Potenzial für Kommunikation hat – und es ist diese Sprache, die wir in diesem Film verwenden.

Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?
Zu Beginn der Dreharbeiten musste ich gerade den Verlust meines besten Freundes verkraften. Ich begann den ersten Tag weinend und am letzten Tag lächelte ich vor Freude. Die tolle Zusammenarbeit mit den Regisseuren, Produzenten und allen Beteiligten verlieh mir frischen Wind. Die Erfahrung, jeden Tag etwas Neues zu lernen, die Freude jedes einzelnen zu spüren, an der Seite von Darcey und Irek zu arbeiten, nachts für meine Figur zu recherchieren, Eduardo de Filippo und Alberto Sordi bei der Arbeit zu erleben und diese wunderbare Zeit, die wir wie eine Familie verbrachten, werden mir für immer in Erinnerung bleiben.
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Freitag 10.12.2021
PLAN A
Ab 09. Dezember 2021 im Kino
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Eine unfassbare, beinahe unbekannte und wahre Geschichte, die gleichermaßen berührt und schockiert. 1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte: Für jeden ermordeten Juden soll ein Deutscher sterben. Doch kurz bevor der erste Giftanschlag ausgeführt werden kann, wird der Plan aufgedeckt.

Ein Film von Doron & Yoav Paz
Mit August Diehl, Sylvia Hoeks, Michael Aloni, Ishai Golan, Oz Zehavi, Yoel Rozenkier, Nikolai Kinski u.a.

Max (August Diehl) hat die Grauen des Konzentrationslagers überlebt, jedoch seine gesamte Familie und den Glauben an eine Zukunft verloren. Er ist voller Wut und hat nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt, außer Rache. Richtungslos in einer Nachkriegswelt schließt er sich der Jüdischen Brigade an: Israelische Soldaten unter britischem Kommando, die im Geheimen Kriegsverbrecher und wichtige Köpfe des Nazi-Regimes jagen und hinrichten.
Als die Brigade abberufen wird, folgt Max Anna (Sylvia Hoeks) und einer Gruppe ehemaliger Partisanen nach Nürnberg, wo sie bald erkennen, dass sie in den anstehenden Nürnberger Prozessen keine Erlösung finden werden. Mit Abba Kovner (Ishai Golan) als charismatischem Anführer,
planen sie die größte Racheaktion der Geschichte. Sie schleusen sich als Arbeiter in den Wiederaufbau der Wasserwerke ein, mit nur einem Ziel: das Trinkwasser in Nürnberg, Köln, München, Berlin und Hamburg zu vergiften und somit sechs Millionen Deutsche zu töten – einen für jeden von den Deutschen ermordeten Juden. Max findet in den Racheplänen der Gruppe Halt und einen Grund zu leben, bis er durch Anna zu zweifeln beginnt, ob dies der richtige Weg ist.
Abba Kovner reist nach Palästina, um das Gift zu besorgen. Doch er schafft es mit seiner tödlichen Fracht nicht zurück nach Europa. Bei seiner Rückkehr auf einem britischen Schiff wird Kovner verhaftet. Das Gift wirft er über Bord.Nachdem der Plan scheitert, muss Max eine Entscheidung treffen: Kann er Seelenfrieden finden, indem er diese mörderische Rache weiter verfolgt, oder besteht seine wahre Rache darin, ein möglichst glückliches Leben zu führen, eine neue Familie zu gründen und einen Staat aufzubauen?



HISTORISCHER HINTERGRUND
Die Nakam (hebräisch: Rache; eigentlich „Dam Yehudi Nakam“, auf Deutsch etwa „Das jüdische Blut wird gerächt werden“) war eine jüdische Organisation, die sich das Ziel gesetzt hatte, sich für den Holocaust zu rächen und der Welt zu zeigen, dass die Juden in der Lage sind, sich zu wehren und Vergeltung zu üben. Ihr Kern war eine Gruppe ukrainischer jüdischer Partisanen. Ihr Anführer wurde der am Kriegsende 27-jährige Abba Kovner, ein Dichter und Widerstandskämpfer, der beim Aufstand im Ghetto von Wilna und als Kommandeur der Fareinikte Partisaner Organisatzije gegen die Deutschen gekämpft hatte.
Die Nakam war bedeutend radikaler als die Jüdische Brigade. Anders als diese richtete die Nakam ihre Racheakte nicht vornehmlich gegen die Kriegsverbrecher, sondern gegen das gesamte deutsche Volk. Die Nakam-Kämpfer sahen eine Kollektivschuld des deutschen Volkes am Judenmord und
planten daher, Rache zu üben und eine gleich große Anzahl Deutscher umzubringen. Ihr ursprünglicher Plan sah die Vergiftung der Trinkwasserversorgung in Nürnberg, Köln, München, Berlin und Hamburg vor. Zum Teil gelang es, sich als Arbeiter in die Wasserwerke einzuschleusen. Kovner reiste Ende Juli 1945 zur Besorgung des Gifts nach Palästina. Nach seinen eigenen
Angaben war ihm Chaim Weizmann, der spätere Präsident Israels, von Beruf Chemiker, bei der Beschaffung behilflich. Nachgewiesen ist, dass Kovner auf viel Skepsis und auch Ablehnung mit seinem Vorgehen gestoßen ist, denn die große Mehrheit wollte keine Rache nehmen und vor allem die Staatsgründung Israels nicht gefährden.
Im Dezember 1945 kehrte Kovner auf einem britischen Schiff nach Europa zurück. Er hatte das in 20 Konserven versteckte Gift dabei. Kurz vor Einlaufen in den Hafen von Toulon wurde er ausgerufen. Vor seiner anschließenden Festnahme durch die britische Militärpolizei warf er das Gift ins Meer. Kovner wurde darauf etwa vier Monate in einem Militärgefängnis in Kairo festgehalten. Wer für seine Verhaftung verantwortlich war, konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Mitglieder der Gruppe um Abba Kovner in Nürnberg haben bis vor wenigen Jahren nie detailliert über diese Zeit gesprochen. Sie sagen zu Recht, dass man ihre Taten nicht aus heutiger Sicht bewerten darf. Deshalb waren immer nur Eckdaten, nie aber Details bekannt.
Durch die Arbeit der Gedenkstätte Yad Vashem, konnten in den letzten Jahren die verbliebenen Mitglieder dazu bewegt werden, erstmals ihre Geschichte für das Archiv zu erzählen. 2019 erschien in Israel ein wissenschaftliches Buch von Prof. Dina Porat (Chef-Historikerin der Gedenkstätte Yad Vashem), das diese Geschichte erzählt. Professor Porat war als Beraterin des Filmprojekts tätig.



REGIE
DORON & YOAV PAZ

Die Paz-Brüder wurden in Israel geboren und wuchsen in Netanya in der Nähe von Tel Aviv auf. Ihre Vorfahren sind Holocaust-Überlebende. Als dritte Generation von Film- und Theaterregisseuren in ihrer Familie begannen Yoav (Jahrgang 1976) und Doron (Jahrgang 1978) bereits in jungen Jahren in der Filmindustrie zu arbeiten. Nach ihrem Abschluss an der Filmschule der Universität Tel Aviv und nach vielen Jahren der Regie von Musikvideos, Werbespots und TV-Promos begannen sie als Kreativmanager für das Israeli Cable Network (HOT), JETIX und den
israelischen Musiksender zu arbeiten. Die Brüder arbeiteten als Autoren und Regisseure für Fernsehserien wie „Bad Girls“, „15 min“, „Exposed“, „Asfur“ und „Metim Lerega“.
Ihr erster von der Kritik gefeierte Spielfilm „Phobidilia“ (2009) hatte seine Weltpremiere auf den Filmfestivals in Toronto und Berlin. Ihr zweiter Spielfilm „JeruZalem“ (2015) hatte seine Weltpremiere beim Fantasia-Filmfestival in Montreal, bevor er auf verschiedenen internationalen Filmfestivals zu sehen war und in die ganze Welt verkauft wurde. Ihr Spielfilm “The Golem“ (2018) war ebenfalls auf zahlreichen Festivals eingeladen, unter anderem in Busan, Frightfest London, Fantasy Film Fest und ist 2019 in den USA im Kino gestartet.



DIRECTORS‘ NOTES

Wie bei den meisten Familien von Holocaust-Überlebenden in Israel, so ist auch unsere Familiengeschichte voll unmenschlicher und grausamer Geschichten über enge Familienmitglieder, die von den Nazis ermordet wurden. Als Kinder erlebten wir diese Erzählungen, als ob permanent große und dunkle Schatten über uns lagen. Aber es gab auch Geschichten in unserer Familie, die nicht von Vernichtung handelten. Diese wurden eher hinter vorgehaltener Hand erzählt. Es waren Geschichten von Vergeltung. Diese ambivalenten Rachegeschichten wurden nie wirklich erzählt und das nicht nur in unserer Familie. Und so wurden sie weder wirklich Teil unserer persönlichen familiären Vergangenheit, noch unseres nationalen Geschichtsbildes.
Wir stammen aus einer Familie von Filmemachern. Schon früh wussten wir, dass das auch unser Weg sein würde. Wir empfinden es als unsere wichtigste Aufgabe, diese beinahe „inoffizielle“ Seite der Geschichte zu erzählen. Die Zeit ist JETZT reif. Weder unsere Großeltern noch unsere Eltern waren dazu in der Lage. Aber wir, als dritte Generation, MÜSSEN es tun. Es geht um ein Thema, das über all die Jahre nicht beleuchtet wurde: jüdische Rache. Es ist wichtig für uns, die Generation unserer Großeltern so zu zeigen, wie sie WIRKLICH war. Menschen, die durch die Hölle gegangen waren, alles verloren hatten und die sich verzweifelt nach Gerechtigkeit und Vergeltung sehnten. Auch wenn sie sich entschieden, ihr Leben nach den Konzentrationslagern voller Leidenschaft und Liebe zu leben.
Im Rahmen unserer Recherche für den Film führten wir stundenlange Interviews mit Überlebenden der Nakam-Gruppe, die eine aktive Rolle in diesem monströsen Racheplan spielten. Wir erlebten Menschen mit einem moralischen Gewissen und einem hohen Ausmaß von Selbstreflektion über die Situation, in der sie sich vor vielen Jahren befunden hatten. Einer Situation, in der sie sich mit Rache anfüllten, um überhaupt weiter existieren zu können. Während wir immer tiefer in die Seelen dieser Menschen eintauchten, wurde uns klar, wie schwierig es für sie wurde, unschuldige Menschen zu töten, um den Tod ihrer Familien zu rächen.
Vitka Kovner (die weibliche Hauptrolle ANNA ist an sie angelehnt) sagte, die Rache würde sie „innerlich auffressen“. Es war spannend und bewegend von den emotionalen Konflikten zu hören, die Mitglieder der Gruppe bei der Planung, Vergeltung zu verüben, dennoch empfanden.
Dieser Konflikt ist der dramaturgische Antrieb, der uns in dieser Geschichte fasziniert hat. Kann man selbst das Monster werden? Wir erzählen die Geschichte einer terroristischen Splittergruppe, deren Pläne die Hagana zu vereiteln versucht. Nichts soll die Chance auf einen eigenen Staat gefährden. Die Haltung der Figur MICHAEL und der Hagana spiegelt auch die Meinung der jüdischen Gesellschaft wider: Die wahre „Rache“ des jüdischen Volkes ist der Aufbau eines eigenen Staates und darin ein möglichst erfülltes Leben in einer Familie zu leben.
Die Erinnerung an den Holocaust aufrecht zu halten ist eine Aufgabe und große Verantwortung, die unsere Generation sehr bald schon alleine tragen wird, da es nicht mehr viele Überlebende gibt. Die Erinnerungskultur wird also nur noch aus weitergegebenen Erinnerungen genährt werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass jede Generation ihre ganz eigenen Filme machen muss, um das Thema am Leben zu erhalten, um die Toten des Holocaust zu ehren und für die Zukunft daraus zu lernen.
Während der Arbeit an diesem Projekt haben wir viel Zeit in Deutschland verbracht und Seite an Seite mit tollen Menschen gearbeitet. Es wärmt unser Herz und ist eine ganz besondere Erfahrung für uns als israelische Juden, wie leidenschaftlich und engagiert unser deutsches Team mit uns an diesem Film gearbeitet hat. Wir fühlen uns geehrt, gemeinsam die Geschichte der tapferen Menschen zu erzählen, die schließlich das Leben gewählt und sich gegen Rache und Zerstörung entschieden haben. Ein Blick auf die Weltlage zeigt uns, dass unsere Geschichte sehr aktuelle Elemente beinhaltet.
Doron & Yoav Paz
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Donnerstag 02.12.2021
DAS ENDE DES SCHWEIGENS
Ab 02. Dezember 2021 im Kino
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Als der 17jährige Strichjunge Otto Blankenstein im Sommer 1950 von der Polizei in Frankfurt am Main aufgegriffen wird, findet sie bei ihm ein Notizbuch mit den Namen seiner Kunden. In den darauffolgenden zehn Monaten wird gegen mehr als 200 homosexuelle und bisexuelle Männer ermittelt, rund 100 werden verhaftet, quer durch alle Schichten, vom Arbeiter bis zum Arzt.
Blankenstein entfacht damit eine der größten Verfolgungen einer Minderheit in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Frankfurter Homosexuellenprozesse 1950/1951 stürzen hunderte Männer ins Unglück. Sie tragen dazu bei, daß der Paragraph 175 in den Jahrzehnten danach wieder als Instrument zur Verfolgung Homosexueller eingesetzt wird.

Ein Film von van-Tien Hoang
Darsteller in den Spielszenen Christoph Gerard Stein, Wolf Marian Gerhardt, Pierre Siart, Thorsten Schmitt, Horst Winkelewski, Bernd Lottermann, Eric Lenke, Conrad Bach, Yvo Heinen, Marco Linguri.


Das Ende des Schweigens
Hintergründe
Von 1872 bis 1994 stellte Paragraf 175 sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. Mit der Verschärfung durch die Nazis im Jahre 1935 konnte schon ein „begehrlicher Blick“ jemanden ins Gefängnis bringen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ruhte der Paragraf. Es folgte ein Wiederaufleben schwuler Subkulturen, bis im Sommer 1950 eine Verhaftungswelle die Frankfurter Homosexuellen erschütterte. Mehr als 200 Männer fielen ihr zum Opfer. Ein Großteil von ihnen schwieg ein Leben lang darüber, wie Polizei und Justiz mit ihnen umging.
Heute sind diese Ereignisse fast vollständig in Vergessenheit geraten. Christian Setzepfandt, Historiker, Aktivist und einer der Interviewpartner, kam nach jahrelanger Recherche zu dem Schluss, dass die sogenannten Frankfurter Homosexuellenprozesse eine gezielte Aktion gegen die Schwulen waren. Obwohlkein Geheimnis, dass viele im gehobenen Dienst damals auch nach Ende des Krieges weiterhin in der NS-Ideologie verhaftet waren, können weder Herr Setzepfandt noch die anderen Interviewpartner, darunter Gottfried Lorenz, selbst Opfer des Paragrafen 175, ein erschütterndes Detail nicht widerlegen: Die Verhaftungen beruhten auf geltendem Recht.
Mit einer Mischung aus Interviews und nachgestellten Szenen setzt das Dokudrama DAS ENDE DES SCHWEIGENS den damaligen Opfern der Frankfurter Homosexellenprozesse ein filmisches Denkmal. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Strichjunge Otto Blankenstein. Dieser trug mit seinen Aussagen maßgeblich zu der Verhaftungswelle bei, die für viele Männer fatal endete. Einer seiner Bekanntschaften, die er ans Messer lieferte, ist Wolfgang Lauinger.
Acht Monate mußte Wolfgang Lauinger im Untersuchungsgefängnis ausharren. Als es endlich zum Prozess kam, konnte er Otto Blankenstein, der gegen ihn aussagen sollte, zur Rede stellen. Für Wolfgang Lauinger ging die Geschichte noch glimpflich aus, nicht aber für Otto Blankenstein. Diesem traf später die volle Härte des Gesetzes. Nachdem er als Kronzeuge ausgedient hatte, wurde er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Was danach mit ihm geschah, weiß niemand.
Hinter dem Film steht van-Tien Hoang. Von den Frankfurter Homosexuellenprozesse erfuhr er erstmals im Jahre 2015. Ein Freund, der später mit ihm das Drehbuch entwickelte, hatte damals auf Facebook Bilder vom Goetheturm veröffentlicht. Unter einem der Bilder wies ein Kommentar auf den Selbstmord von Theodor hin. Aus reiner Neugier stellte van-Tien Hoang Nachforschungen an. So kam er auf Wolfgang Lauinger, dessen Interview ihn zu dem Dokudrama inspirierte.

Das Ende des Schweigens
Interview mit dem Filmemacher

Wie sind Sie zum Thema Ihres Films gekommen?
Das war im Sommer 2015. Auf Facebook sah ich Bilder vom Goetheturm, die ein Freund und späterer Co-Autor des Films hochgeladen hatte. Unter einem der Bilder fiel mir ein Kommentar auf, in dem es um den Selbstmord eines 19jährigen ging. Ich fragte, ob der Grund für dessen Selbstmord bekannt war. So wurde ich auf die Frankfurter Homosexuellenprozesse aufmerksam gemacht und wunderte mich, warum darüber noch keine Doku oder Reportage gemacht wurde, weil ich das Thema wahnsinnig interessant fand – die Ereignisse sogar mit der Hexenverfolgung von Salem verglich, die ebenfalls durch Aussagen Jugendlicher ausgelöst wurde und sehr schnell eskalierte.

Wie konnten Sie das Vertrauen Ihres Zeitzeugen gewinnen?
Ich habe ihm einfach zugehört. Herr Lauinger war eine liebenswerte Person. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl, dass er auch sehr einsam war. Er war schon 97, als ich ihn interviewte. War sehr schnell aus der Puste, sodass wir zwischendurch immer wieder Pausen einlegen mussten. Bei einer diese Pausen zeigte er mir in einer Abstellkammer ein paar alte chinesische Bücher und verriet, dass er schon immer eine Faszination für die asiatische Kultur hatte.

Wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?
Seit dem Sommer 2015. Im Februar 2020 war die Postproduktion abgeschlossen. Gedreht haben wir von 2015 bis 2019.

Lernen wir wirklich aus der Geschichte? Oder agieren wir wie Puppen, die an Fäden gezogen werden?
Geschichte wiederholt sich, leider auch die Fehler. Wer über ein gewisses Maß an Intelligenz verfügt, kann dazu beitragen, dass wir aus dieser Endlos-Schleife ausbrechen. Aber ich habe schon lange aufgehört an den Verstand des Menschen zu glauben. Während meiner beruflichen Laufbahn habe ich gemerkt, dass es viele Dumme, Narzißten, Ignoranten und Unbelehrbare auf der Welt gibt, von denen die meisten einflussreiche Positionen innehaben. Aber ich lasse mich gerne auch eines Besseren belehren. Insgeheim wünsche ich mir sogar, daß es uns gelingt, den Kurs zu ändern und auf ein Ziel hinzusteuern, wo am Ende jeder glücklich ist.

Wie kam es zu der Idee, mit Spielszenen das Geschehen damals nachzustellen?
Ich hatte schon von Anfang an Bilder von dem 19jährigen im Kopf, der damals den Goetheturm hochstieg und in den Tod sprang. Die Szene wollte ich unbedingt verfilmen. Je mehr ich recherchierte und von den Schicksalen der Opfer erfuhr, desto mehr Bilder entzündeten sich in meinem Kopf.

Bei der Gedankenkombination Frankfurt der 1950er Jahre und Prostitution denkt man sofort an Nitribitt. Ihr Film behandelt aber Filme fast zehn Jahre vor „Nitribitt“. Schaut man sich die Presse von damals an, hat die Sache ziemlichen Wirbel ausgelöst. Warum gibt es dennoch keine gesamtgesellschaftliche Erinnerung an die „Homoprozesse“?
Dieselbe Frage habe ich mich auch gestellt. Nur leider weiß ich bis heute keine Antwort. Vielleicht kann mir jemand sie irgendwann geben. Ihr Zeitzeuge ist entschädigungslos verarmt gestorben... Ich hätte ihm ein Happy End gegönnt. Zumindest eines der Opfer hätte Gerechtigkeit erfahren, wenn man ihm die Entschädigung bewilligt hätte.

Wie waren die Produktionsbedingungen? Bei einem so wichtigen Thema wie „Bewältigung der jüngeren Geschichte“ müßten Ihnen ja die Türen aller Förderinstitutionen weit aufgestanden haben?
Die Produktionsbedingungen waren eine Herausforderung. Einen Großteil der Kosten habe ich selbst getragen. Leider schwimme ich nicht gerade im Geld. Ich muß auch jeden Tag hart für meine Miete arbeiten und jeden Cent zwei Mal umdrehen, um durch die Runden zu kommen. Etwas Unterstützung kam von der Hessische Filmförderung und einer Handvoll Vereine und Stiftungen. Ansonsten habe ich meistens Absagen von den Förderinstitutionen und TV-Sendern erhalten. Eine Redakteurin hatte mir sogar nahegelegt, eine Dokumentation über die Heimat meiner Eltern zu drehen. „Vietnam habe schließlich schöne Reisfelder“. Das tat schon weh. Aber am Ende habe ich mir gedacht, dass ich irgendwann die Gelegenheit haben werde, ihr den Stinkefinger zu zeigen. Denn in gewisser Weise glaube ich an Karma.
Die Fragen stellte Michael Höfner



Das Ende des Schweigens
Der Zeitzeuge: Wolfgang Lauinger
Wolfgang Leopold Lauinger (geboren am 5. September 1918 in Zürich; gestorben am 20. Dezember 2017 in Frankfurt am Main war ein Zeitzeuge, der im Nationalsozialismus als Swingkid, Homosexueller und „Halbjude“ verfolgt wurde. Auch nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus war für ihn die Verfolgung nicht zu Ende: 1950 wurde er wegen eines vermuteten Verstoßes gegen den § 175 erneut inhaftiert. Seit den 1990er Jahren wurde er für sein gesellschaftliches Engagement mehrfach geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz.
Die Ablehnung eines E n t s c h ä d i g u n g s a n t r a g s für die 1950/51 erlittene Untersuchungshaft kurz vor Lauingers Tod 2017 wurde in Medien und Politik auf nationaler Ebene kritisiert.
Wolfgang Lauinger wurde als zweiter Sohn des jüdischen Journalisten Artur Lauinger und dessen christlicher Ehefrau Mathilde im schweizerischen Zürich geboren. Die Familie lebte in Frankfurt am Main. Die Ehe der Eltern wurde 1924 geschieden. Die Söhne wuchsen beim Vater auf, der 1928 Emilie Moos heiratete.
Artur Lauinger war seit 1906 für die Frankfurter Zeitung als Wirtschaftsredakteur tätig. 1937 wurde er als Jude entlassen; er selbst vermutet in seinen Memoiren, er sei der letzte jüdische Journalist gewesen, der bis zu diesem Zeitpunkt „im Reich“ habe arbeiten können.
Nach der Pogromnacht wurde er ins KZ Buchenwald verschleppt. Zwar wurde er nach vier Wochen freigelassen, jedoch mit einer Auflage zur Emigration ins Exil gezwungen. Sein ältester Sohn Herbert war bereits 1937 nach Argentinien emigriert, nachdem er als „Halbjude“ von der Deutschen Bank als Lehrling entlassen worden war.
Wolfgang Lauinger wurde im Januar 1940 zur Wehrmacht eingezogen, im Mai aber als „Halbjude“ wieder entlassen. In Frankfurt am Main schloß er sich dem „Harlem-Club“ an, einem lockeren Zusammenschluß von „Swingkids“. Mit ihren langen Haaren, ihrer ungewöhnlichen Bekleidung, den teilweise auf Englisch geführten Gesprächen und ihrer Liebe zum Swing hatten die jungen Leute der Frankfurter Swing-Szene bereits mehrfach die Aufmerksamkeit der Gestapo auf sich gezogen. Auch der „Harlem-Club“, der sich in der Öffentlichkeit traf, wurde beobachtet. Im Herbst 1941 wurde als erster aus der Gruppe der damals 16jährige Franz Kremer verhaftet. Er wurde zwei Monate lang verhört und geschlagen: Er sollte gestehen, daß der „Halbjude“ Wolfgang Lauinger homosexuell sei, verriet den Freund aber nicht. Nach dem Tod seines Großvaters wurde Franz Kremer aus der Haft entlassen. Anfang Dezember 1941 wurden weitere Jugendliche aus dem „Harlem-Club“ zur Gestapo vorgeladen, darunter auch Wolfgang Lauinger. Gegen sie wurde wegen des Hörens von „Feindsendern“ und anglophiler Tendenzen ermittelt. Bis zu seinem Prozeß im März 1942 saß Wolfgang Lauinger in Einzelhaft im Gefängnis in der Frankfurter Klapperfeldgasse und wurde immer wieder verhört. Da weder die Verhöre noch Hausdurchsuchungen zu einem „brauchbaren“ Ergebnis führten, wurde er schließlich wegen illegalen Glücksspiels und des Besitzes von einem Stück Leder zu drei Monaten Haft verurteilt. Rechnet man die Untersuchungshaft hinzu, saß er damals insgesamt sieben Monate im Gefängnis.
Nach seiner Freilassung im Juni 1942 tauchte Wolfgang Lauinger unter: Er wurde erneut von der Gestapo gesucht. Im August vertraute er sich seiner in Baden-Baden lebenden leiblichen Mutter an, deren Lebensgefährte ihm eine Arbeit in Pforzheim besorgte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Wolfgang Lauinger wieder in Frankfurt am Main. 1950 wurde er aufgrund der Aussage des Strichjungen Otto Blankenstein wegen des Verdachts auf Verstoß gegen den § 175 erneut verhaftet. Er saß für sechs Monate ohne Anklage in Einzelhaft. Aus der Haft heraus wandte er sich an seinen aus der Emigration zurückgekehrten Vater und den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss: Beide versagten ihm ihre Hilfe. Im Februar 1951 kam es schließlich zum Prozeß, in dem er freigesprochen wurde.
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