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1. Charlotte Greve „Sediments We Move“
2. Vor über 30 Jahren: Shirley Horn „You Won't Forget Me“
3. J. Peter Schwalm & Markus Reuter „Aufbruch“
4. Renaud Garcia-Fons „Le Souffle Des Cordes“
5. Enrico Rava „Edizione Speciale“
6. Erroll Garner „Symphony Hall Concert“
Montag 17.01.2022
Charlotte Greve „Sediments We Move“
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Der Mut des Künstlers Neues zu wagen ist im Jazz fast schon eine Binsenweisheit. Denn von diesem Erkunden neuer musikalischer Areale lebt die improvisierte Musik – bisweilen aber auch von außergewöhnlichen Kompositionskünsten seiner Protagonisten. Bestes Beispiel hierfür ist die neue Arbeit Charlotte Greves. Die 1988 im niedersächsischen Uelzen geborene Saxophonistin, Sängerin und Komponistin beeindruckte anfangs mit ihrem in Deutschland beheimateten und mehrmals mit dem Echo ausgezeichneten Lisbeth Quartet und leitet nun, in Brooklyn lebend, eine amerikanische Formation unter dem Namen Wood River.
Für diese Band, plus Chor, hat sie die siebenteilige Komposition „Sediments We Move“ geschrieben. Umgesetzt im Berliner Traumtonstudio ist eine ganz besondere Musik entstanden, die verschiedene Stilistiken und persönliche Charaktere miteinander kühn verbindet, so dass aus den Ausgangsmaterialien etwas völlig anderes und, das darf man an dieser Stelle getrost behaupten, zum Großteil bisher ungehörtes entstanden ist.
Neben ihrer Band, besetzt mit Gitarre (Keisuke Matsuno), Bass (Simon Jermyn), Schlagzeug (Jim Black), Gesang und Saxophon (Greve), ist es vor allem der Chor (Cantus Domus unter der Leitung Ralf Sochaczewsky), der hier für einen völlig neuen, erfrischenden Sound sorgt. Die stimmlichen Vokalpartien geben der Musik eine gewisse Verspieltheit und luftige Freiheit, die großzügige und menschlich bewegende Aspekt vermitteln. „Alle meine Einflüsse sind hier kompromisslos miteinander verwoben. Dies ist ein genreübergreifendes Stück. Die Zuhörer sind eingeladen, ihre Ohren zu öffnen, verschiedene sich aber vereinende Klänge zu hören, um dann wieder „Sediments We Move“ als Einheit zu begreifen“, beschreibt sie selbst das akustische Ereignis. Das mag im ersten Moment noch etwas ungewöhnlich klingen - greift aber nach wenigen Minuten und legt etwas musikalisch befreiendes an den Tag. „Dieses Album hat viele verschiedene Momente und Phasen, so ähnlich wie unser Leben“, sagt Greve. „Wir alle machen unterschiedliche Momente in unterschiedlichen Phasen durch, wobei wir nicht immer deren Verbundenheit sofort erkennen.“ Insofern kann man beinahe von einem therapeutischen Prozess sprechen, in dem Vergangenes und Gegenwärtiges zusammenkommen und damit, was das künstlerische betrifft, etwas identitätsstiftendes bewirkt. Oder einfach nur behutsame Erinnerungsarbeit?
Der Sound und der Groove sind das Resultat aus den individuellen Einflüssen von Rock, Noise, Free Jazz, Metal, Ambient und Pop und bilden eine herausfordernde Einheit. Und weil Charlotte Greve eine recht enge familiäre Beziehung hat, wundert es nicht, dass ihr Bruder Julius den Text für dieses beinahe orchestrale Werk schrieb. Denn trotz des hohen, auch intellektuellen Anspruches und seiner Grenzenlosigkeit klingt die Musik sehr persönlich, fast intim und gleichzeitig auch wieder schwerelos. Es ist wie die Überwindung der Schwerkraft!
Jörg Konrad
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Freitag 14.01.2022
Vor über 30 Jahren: Shirley Horn „You Won't Forget Me“
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Es gibt besondere Musik, jene nämlich, deren Anspruch über Jahrzehnte fasziniert und von der man anschließend noch immer mit Überzeugung meint, man könne sie zu jeder Tages- und Nachtzeit hören - und dies in die Realität auch umsetzt! Solche Musik ist ein treuer Begleiter, durch alle persönlichen Wellentäler und über sämtliche Sonnengipfel, Musik, die das Glück in glücklichen Zeiten verstärkt und die der Melancholie in wehmütigen Tagen eine Melodie gibt.
You Won't Forget Me“ von Shirley Horn gehört zu diesen außergewöhnlichen Aufnahmen. Eingespielt 1990 klingt die Musik noch heute völlig aus der Zeit gefallen. Das einzige, woran dieses Meisterwerk erinnert, ist, dass nur wenige Monate später ihr Mentor, der Trompeter Miles Davis, starb, der hier, auf dem Titelstück, eines seiner letzten und schönsten Solos der letzten Jahre seiner Karriere spielt.
Shirley Horn lässt in ihren Songs die ästhetischsten, die berührendsten Pausen im Jazz. Sie spielt Klavier, entschlackt, entfiltert, unprätentiös. Sie lässt in ihren Interpretationen nur das Wesentliche übrig, reduziert jede Begleitung auf das Notwendigste. Und ihr Gesang? Michael Naura meinte einmal, der sei dem Schweigen näher als dem Sprechen. Sie klingt mit ihrer dunklen, leicht rauchigen Stimme dabei so beiläufig wie essentiell. Atemberaubend in der Intensität der Stille eben.
Auch auf „You Won't Forget Me“ veredelt sie jeden der vierzehn Songs auf ihre ganz spezielle Weise. Keiner stammt dabei aus ihrer Feder, aber jedem drückt sie ihren einzigartigen Stempel auf, erobert sich Text und Melodie, gibt beiden ihre ganz besondere Weisheit. Das wissen auch die Star- Individualisten des Jazz – auch wenn die Horn selbst, zumindest damals, eher zu den großen Unbekannten der Szene gehörte. Einer ihrer musikalischen Verehrer war seit Beginn der 1960er Jahre Miles Davis selbst, der, wie schon erwähnt, es sich nicht nehmen ließ, wenigstens einen Beitrag zu diesem Album zu liefern. Von ihm ist es nicht weit bis zu Branford und Wynton Marsalis, die sich ebenfalls als Solisten in diese schwebenden, wie in Zeitraffer eingespielten Balladen einbringen. Und dann ist da ja noch Jean „Toots“ Thielemans, der Belgier, dessen Mundharmonika-Spiel in seiner melancholischen, fast schon psychotherapeutischen Art, ganze Völker befriedet und zumindest dessen Spiel wohl fast jeder kennt (aus Filmen wie „Asphalt Cowboy“, „The Getaway“, „Sugarland Express“ u.v.a.m.). Mit ihm ist Shirley Horn ganz besonders vertraut. Beide haben diesen berühmten Draht zu- und füreinander. Wobei ihr Duo „Beautiful Love“ (Thielemans an der chromatischen Mundharmonika und an der Gitarre – die Technik macht's möglich) mit zum musikalisch intimsten und schönsten gehört, was unter dem Slogan Jazz in den letzten fünfunddreißig Jahren eingespielt wurde. Vielleicht zusammen mit dem Songs „I Loves You Porgy / Here Comes The Honey Man“ aus dem Album „I Love You, Paris“. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Jörg Konrad
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Montag 10.01.2022
J. Peter Schwalm & Markus Reuter „Aufbruch“
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Dass beide erst im letzten Jahr musikalisch kooperierten, verwundert schon. Zwar sind J. Peter Schwalm und Markus Reuter künstlerisch völlig andere Persönlichkeiten. Aber letztendlich ist das, was jeder einzelne klanglich umsetzt, eine Art Ergänzung gegenüber dem musikalischen Anspruch des anderen. J. Peter Schwalm, in Frankfurt am Main geboren und mit seinen elektronischen Klanginstallationen eher in Museen und auf kreativen Festivals als auf clubähnlichen Partys anzutreffen, wurde vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Brian Eno einem größeren Publikum bekannt. Trotzdem ist er bis heute selbst in der Szene eine Art Geheimtipp geblieben. Denn Schwalm ist ein sensitiver Elektroniker, ein Klangästhet, dem es um die Nuancen von Soundflächen geht, der das Kunstvolle wie auch das Bedrohliche in seine Musik einbaut und, wie sein Werk „Wagner Transformed“ von 2013 deutlich macht, auch der sogenannten Neo-Klassik gegenüber offen ist.
Markus Reuter, aus dem nordrhein-westfälischen Lippstadt stammend und stark von Robert Fripp beeinflusst, tritt vor allem als Gitarrist in Erscheinung, der seine ganz individuelle Auffassung von Progressive Rock hat und umsetzt. Da spielen ebenso Soundscapes eine tragende Rolle, wie auch Jazz, Minimal Music oder die Moderne Klassik. Gleichzeitig baut er in seine Projekte immer wieder deutlich hörbar elektronische Komponenten mit ein oder nutzt bei seinen Saiteninstrumenten entsprechend elektronisches Equipment, und sei es, um improvisierte Gitarren-Loops zu unterstützen bzw. miteinander zu verbinden.
„Aufbruch“ ist nun die erste Zusammenarbeit von Schwalm und Reuter und im Grunde war es klar, dass sich beide weder auf donnernde Beats noch auf destruktiven Industrial-Rock konzentrieren würden. Ihre Musik bewegt sich dann auch chimärenhaft durch Raum und Zeit. Wie in einem pulsierenden, polyrhythmischen Film greifen die Schlaufen poetischer Klanggemälde ineinander, entstehen immer neue inspirierende Stimmungen, beeindrucken elegische Sounds und widerspenstige Farbtöne. Insgesamt Musik wie ein stilles Naturereignis. Und ein Album in heutigen Zeiten „Aufbruch“ zu nennen, verdient noch einen zusätzlichen Bonuspunkt.
Jörg Konrad

J. Peter Schwalm & Markus Reuter
„Aufbruch“
Rare Noise
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Montag 03.01.2022
Renaud Garcia-Fons „Le Souffle Des Cordes“
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Renaud Garcia-Fons besticht vor allem durch seine musikalische Unerbittlichkeit und seine Konsequenz. Um dies deutlich zu erkennen ist es von Vorteil, wenn man einen Teil seiner Discography kennt, was aber noch lange nicht bedeutet, dass man einzelne seiner Werke sonst nicht zu würdigen versteht. So auch jetzt wieder mit „Le Souffle Des Cordes“. Ein wunderbar temperamentvolles wie poetisches Album, das der Franzose eingespielt hat. Ein Album in dem sein Instrument, der Bass, eine wichtige, aber nicht unbedingt die Hauptrolle spielt. Die Musik ist erfrischend und voller melodischer Abenteuer, sie verströmt die Ästhetik des Einfachen und beeindruckt wiederum durch ihre Virtuosität – schließlich wird Garcia-Fons nicht grundlos als der Paganini des Kontrabasses bezeichnet.
Aber „Le Souffle Des Cordes“ gehört auch in eine Reihe von thematischen Veröffentlichungen, in denen Garcia-Fons unterschiedliche Saiteninstrumente in einem kleinen Orchester zusammenfasst, um mit ihnen voller Selbstverständlichkeit musikalische-stilistische Grenzen zu erweitern. Man könnte dieses künstlerische Überwinden von Regionen auch getrost als Weltreisen bezeichnen, als das kosmopolitische Passieren von Trennungslinien und Hemmnissen und den Vorstoß in unentdeckte Klangabenteuer. Doch während dieser sensationellen Experimente beeindruckt stets die Harmonie, mit der die Band zu Werke geht, es fasziniert das gemeinsame musikalische Ziel, das das Oktett zusammenhält.
So segelt diese acht-Mann-Formation in bester Eintracht durch die Buchten des Rio del la Plata im Einflussbereich des Tango, durchkreuzt bei stürmischer See den Atlantik Richtung Meerenge von Gibraltar, gondelt entlang der spanischen Küsten in dem der Flamenco seine Heimat hat, schippert dann weiter in Sichtweise nordafrikanischer Arabesken, bis hin in die osmanischen Sphären des Mittleren Ostens. Mit im Reisegepäck befindet sich als Rüstzeug der tolerierende und alles miteinander verlötende Jazz Nordamerikas, die Kraft und Widerstandsfähigkeit balkanesischer Leidenschaft, sowie die Vibrationen europäischer Kammermusik. Und Garcia-Fons ist nicht nur Ausgangspunkt dieser kulturellen Klang-Erkundungen, sein fünfsaitiger Bass ist auch das elegante Bindeglied zwischen all diesen gelebten Musik-Welten – improvisatorisch und melodisch.
Jörg Konrad

Renaud Garcia-Fons
„Le Souffle Des Cordes“
E-Motive
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Foto by Roberto Cifarelli
Dienstag 21.12.2021
Enrico Rava „Edizione Speciale“
Explosionsartig erschien Enrico Rava Mitte der 1970er Jahren auf der Szene. In kurzer Zeit veröffentlichte er vier eigene Alben, in jeweils unterschiedlichen Besetzungen, bei verschiedenen Labeln, mit völlig andersartiger Musik. Zuvor konnte der Trompeter auf eine Zusammenarbeit mit Steve Lacy und mit Lee Konitz verweisen und war zudem an Carla Bleys epochalem, opernahem Weltmusikversuch „Escalator Over The Hill“ beteiligt, das in diesem Jahr übrigens ein halbes Jahrhundert alt wird.
Dann also Schlag auf Schlag: „Il giro del giorno in 80 mond“ (Black Saint), „Quotation Marks“ (Japo) „Pupa O Crisalide“ (Vista/RCA) und „Katcharpari“ (MPS), alles eingespielt zwischen 1972-74. Mal traditioneller Modern Jazz, dann Musik mit starkem südamerikanischen Flair, im folgenden radikal freigeistige Ambitionen auslotend und dann gibt es natürlich auch noch die griffigeren Jazz-Rock-Varianten. Alle vier Veröffentlichungen (erst danach erschienen die Klassiker „The Pilgrim And The Stars“ und „The Plot“!) bestechen gleichermaßen durch spieltechnische Professionalität und kreative Entschlossenheit, durch eine melancholisch angehauchte Musizierweise und exzessive Improvisationsrituale. Dieses kontrastreiche Musizieren mit den eindringlichen Wechseln bringt Rava in instrumentaler Meisterschaft stets auf den Punkt. Und bis heute ist diese Vielfalt sein Markenzeichen geblieben.
Mit dem nun vor wenigen Wochen bei ECM München erschienenem „Edicione Speziale“ dürfte der Grandsigneur des europäischen Jazz mittlerweile die sechzigste Veröffentlichung unter eigenem Namen fast erreicht haben. Und wie schon zu Beginn seiner Kariere bewegt sich der „schwarzgallige Melancholiker“, wie ihn Peter Rüedie einmal nannte, auch heute noch in verschiedenen Spannungsfeldern der Musik.
Geboren wurde Enrico Rava 1939 im italienischen Triest, aufgewachsen ist er in Turin. Er erlebte als Kind noch die zerstörerischen Bombenangriffe auf die Industriestadt im Norden und die anschließende Zeit, als die Amerikaner einzogen und sich Schokolade, Kaugummi und Boogie Woogie als Synonyme für Freiheit einbrannten.
Rava begeisterte sich früh für den Jazz und fand in Bix Beiderbecke, den sagenumwobenen Trompeter aus Davenport, der mit nur 28 Jahren so tragisch verstarb, seinen absoluten Favoriten. Und als er 1956, selbst siebzehnjährig, Miles Davis während einer Europa-Tourne in Turin erlebte, war es endgültig um ihn geschehen.
Seine ersten Lehrmeister waren Gato Barbieri, Steve Lacy und dann eben auch Carla Bley. Doch Rava liebte auch melodische Linien, begann zu komponieren, formierte eigene Bands und spielte seine Musik. „Ich fühle mich immer mit der Tradition des Jazz verbunden und begann, eine `italienischere`Art des Musikempfindens zu entdecken, was für mich bedeutet, der Melodie mehr Bedeutung beizumessen“, sagt er vor Jahren.
So griff der Trompeter im Laufe der Jahrzehnte immer wieder auf Musik zurück, die sein Herz berührte, die ihn prägte und die sein Leben bestimmte. Neben Standards interpretierte er auch Musik aus italienischen und französischen Opern, widmete Alben seinen Heroen Chet Baker und Miles Davis und eines sogar dem Pop-Universum Michael Jacksons. Doch immer wieder setzt Rava eigene, ganz persönliche Statements, die mit nichts und niemandem auf der Welt vergleichbar wären.
Dazu gehört eben auch das jetzt erschiene „Edizione Speciale“. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt, entstanden im Sommer 2019 beim Jazz Middelheim Festival in Antwerpen. Und Rava zündet hier, mit einer Riege junger Instrumentalisten, alle musikalische Lunten, die er sein Leben lang gelegt hat. Da wird in bester Bop-Manier gejazzt, rockige Attitüden bekommen mit Noise-Attacken aufrührerischen Raum, eindringliche, exzessive Solos wechseln mit melodischen Freiheiten, da winken aus der Ferne Thelonious Monk und Ornette Coleman und auch das laszive latainamerikanische Moment ist gegenwärtig und sorgt für ausgelassene Stimmung. Diese manchmal regelrecht sangbaren Linien sind dramaturgisch zwischen einer melancholischen Hochspannung und einer flüchtigen Verspieltheit angelegt. Ganz dem italienischen Naturell des 80jährigen verpflichtend.
Überhaupt ist es die fast schon besorgniserregende Spannung der Musik und die unglaubliche Spielfreude - man darf schon vom Spaß an der Sache sprechen - der einfach nur ansteckend wirkt und „Edizione Speciale“ selbst auf CD zu einem begeisterndem Musikereignis werden lässt.
Jörg Konrad

Enrico Rava
„Edizione Speziale“
ECM
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Mittwoch 15.12.2021
Erroll Garner „Symphony Hall Concert“
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Er war so etwas wie der Superstar des Jazz. Erroll Garner, vor einhundert Jahren geboren, gehörte in den 1940er und 1950er Jahren zu den publikumswirksamsten Pianisten. Der Autodidakt begeisterte als immanenter Techniker, wobei seine Musik auch immer starke Emotionen ausstrahlte. Alles was er spielte berührte sein Publikum, und das bestand eben nicht nur aus einer eingefleischten Jazzgemeinde.
Im Winter 1959 trat Garner mit seinem Trio in Boston auf und gab hier ein legendäres Konzert, das schon vor Jahren als Mitschnitt veröffentlicht wurde. Nun sind noch einmal neun Titel aus dieser damals von George Wein präsentierten Aufführung aufwendig remasterd worden. Auch hier wird die Ausnahmestellung des Pianisten deutlich. Er markiert mit seinem Spiel den Übergang vom Stride zum Swing, bis hin zum modernen Jazz-Klavier des Bop. Seine mächtigen Akkorde sind legendär, seine melodischen Spitzfindigkeiten unerreicht und an seinen perlenden Kaskaden versuchen sich bis heute ganze Generationen.
„Es reizte mich immer wieder, auf meinem Instrument zu spielen, als musiziere eine Big Band“, äußerte er sich einmal.Und so klang auch sein Spiel in Boston. Ein voller, satter Klaviersound, gespickt mit Ideen und Wendungen, durchweg swingend und selbst in den Hochgeschwindigkeitsmomenten noch voller Poesie, wie in seiner heute zum Standard-Repertoire gehörenden Komposition „Misty“.
Dabei hat er nie eine Musikschule oder Universität besucht. Er lernte nach dem Gehör Klavier spielen, schrieb später nicht nur Jazz-Hits, sondern arrangierte auch für große Orchester, mit denen er dann weltweit tourte. Das Publikum liebte diesen zurückhaltenden, freundlichen, Skandale scheuenden Pianisten, der aufgrund seiner Größe kein Problem hatte, auch in großen Konzertsälen auf einem Stapel Telefonbüchern zu sitzen. Mary Lou Williams sagte einmal über ihn: „Er ist für mich die Billie Holiday des Klaviers“.
Viktor Brauer

Erroll Garner
„Symphony Hall Concert“
Mack Avenue Records
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Autor: Siehe Artikel
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